Diese narrative Übersicht fasst aktuelle Erkenntnisse zusammen, die chronische Schmerzen mit einer beeinträchtigten interozeptiven Verarbeitung sowie strukturellen und funktionellen Veränderungen im insularen Kortex in Verbindung bringen. Besonderes Augenmerk wird auf drei biologische Mechanismen gelegt, die die Funktion der Insula und die Interozeption beeinflussen können: Neuroinflammation und Immunsignale, metabolische Dysfunktion sowie die chronische Aktivierung stressbezogener neuroendokriner Systeme. Es werden zudem anthropogene Lebensstilfaktoren zusammengefasst, die diese Mechanismen aktivieren können, und nicht-pharmakologische Strategien diskutiert, die in der Lage sind, diese zu modulieren. Die Einordnung dieser Befunde in einen interozeptiven und allostatischen Rahmen legt nahe, dass chronische Schmerzen teilweise Störungen in der Fähigkeit des Gehirns widerspiegeln könnten, innere Körperzustände genau zu interpretieren und zu regulieren. Diese Sichtweise könnte dazu beitragen, eine Brücke zwischen biologischen Mechanismen und verhaltensbezogenen sowie lebensstilbezogenen Maßnahmen zu schlagen, und damit neue Wege für die Prävention und umfassendere therapeutische Strategien eröffnen.
José García-Cancela, Orlando Conde-Vázquez, Santiago Navarro-Ledesma, Leo Pruimboom,
Neuroinflammation, metabolic dysfunction, and chronic stress converge on the insular cortex in chronic pain,
Neuroscience & Biobehavioral Reviews, Volume 188, 2026, 106791, ISSN 0149-7634, https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2026.106791.