Das Positionspapier beschreibt das Konzept der „Lifestyle Dissonance“, also die Diskrepanz zwischen dem Wissen über gesundheitsfördernde Verhaltensweisen und deren tatsächlicher Umsetzung. Obwohl nichtübertragbare Krankheiten durch Maßnahmen wie gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und Stressreduktion häufig vermeidbar wären, fällt vielen Menschen die langfristige Umsetzung schwer. Die Autoren erklären dieses Phänomen anhand neurobiologischer und evolutionärer Mechanismen: Belohnungssysteme im Gehirn, eingeschränkte Selbstkontrolle und Einflüsse der modernen Umwelt erschweren gesundes Verhalten.„Die Nichtbefolgung von Präventionsmaßnahmen darf nicht als Mangel an Willenskraft oder Wissen missverstanden werden, sondern ist das Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen evolutionär und individuell entwickelten neuronalen Belohnungssystemen, erlernten Kontrollmechanismen und Umweltfaktoren, die genau in diese biologischen ‚Schwachstellen‘ hineinwirken“, so DGN-Präsidentin Prof. Dr. Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie, UKSH Kiel und Erstautorin des Papers. Lifestyle Dissonance wird daher nicht als reine Willensschwäche verstanden, sondern als Konflikt zwischen biologischen Voraussetzungen und heutigen Lebensbedingungen. Eine verständliche Aufklärung über diese Zusammenhänge kann Menschen dabei unterstützen, ihr Verhalten bewusst anzupassen, gesunde Gewohnheiten zu stärken und präventive Maßnahmen langfristig erfolgreicher umzusetzen.
D. Berg, M. Krause, E. Schaeffer, and G. Hermann, “ Understanding Lifestyle Dissonance: A Neurobiological Narrative to Strengthen Preventive Health Behavior,” European Journal of Neurology 33, no. 4 (2026): e70606, https://doi.org/10.1111/ene.70606.