Rückentraining sollte sich nicht an standardisierten Übungsrezepten orientieren, sondern an den individuellen Bewegungs- und Belastungsmustern des Patienten. Stuart McGill betont, dass zunächst die Ursache beziehungsweise der auslösende Bewegungsmechanismus identifiziert und reduziert werden sollte. Gerade bei bewegungs- oder flexionsintoleranten Patienten kann ein „Mehr“ an Beweglichkeit kontraproduktiv sein.
Entscheidend sind deshalb zunächst Anamnese, Beobachtung und gezielte Provokationstests: Welche Bewegungen, Positionen und Belastungen werden toleriert, welche verschlechtern die Beschwerden? Darauf aufbauend wird die Belastung individuell dosiert.
Im Mittelpunkt der Rehabilitation stehen zunächst die Korrektur fehlerhafter Bewegungs- und motorischer Muster, anschließend Stabilität und muskuläre Ausdauer. Erst danach sollten – abhängig von Ziel und Belastbarkeit – Kraft, Schnelligkeit und Power entwickelt werden. Für die Wirbelsäule bedeutet Stabilität dabei nicht maximale Kraft, sondern eine koordinierte Aktivierung der Rumpfmuskulatur bei möglichst geringer unnötiger Bewegung.
Eine wichtige Konsequenz für die Sportmedizin: Übungen sollten nicht isoliert nach ihrer Popularität ausgewählt werden, sondern nach ihrer biomechanischen Belastung und ihrer Funktion für den jeweiligen Patienten. Perfekte Bewegungsausführung, individuelle Toleranz und progressive Belastungssteigerung sind dabei wichtiger als möglichst hohe Trainingsintensität.
Originalarbeit: Designing Back Exercise: from Rehabilitation to Enhancing Performance. Stuart McGill. https://www.backfitpro.com/pdf/selecting_back_exercises.pdf
Autoren
Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten & Trainer

