Stoßwellentherapie bei Knochenmarködem

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The use of extracorporeal shock wave therapy for the treatment of bone marrow oedema — a systematic review and meta-analysis

Jonathan Häußer, Juliane Wieber and Philip Catalá-Lehnen

LANS Medicum Hamburg — Center for Sports and Regenerative Medicine

Journal of Orthopaedic Surgery and Research (2021) 16:369
https://doi.org/10.1186/s13018-021-02484-5

Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT)wird bei unterschiedlichen Pathologien eingesetzt, die mit einem Knochenmarködem (BME) einhergehen. In der Praxis scheint die ESWT auch Wirksamkeit bei verschiedenen orthopädischen Erkrankungen zu zeigen. Zurzeit gibt es noch wenig Evidenz bezüglich der Verbesserung von Schmerz und Funktionalität. Daher war es das Ziel der systematischen Übersichtsarbeit von Häußer et al., die Wirksamkeit der ESWT für die Behandlung von BME und anderen assoziierten Pathologien wissenschaftlich einzuordnen und zu bewerten.

Knochenmarksödem: Beim BME handelt es sich wahrscheinlich um eine vaskuläre Reaktion auf externe oder interne Störungen. Primäre BME betrifft meist die Hüfte, das Knie, den Knöchel oder den Fuß. Sekundäre BME sind am häufigsten auf ein Trauma zurückzuführen. BME können durch erhöhte mechanische Belastung oder veränderte Gewichtsbelastung verursacht werden und präsentieren sich als schmerzhafte Vermehrung der interstitiellen Flüssigkeit. Die Erstbehandlung erfolgt symptomatisch mit eingeschränkter Gewichtsbelastung, Analgetika und Physiotherapie. Zusätzlich werden Kortikosteroide, Bisphosphonate und Prostaglandin-Inhibitoren eingesetzt. Obwohl BME meist selbstlimitierend ist, ist die bisherige konservative Therapie bei der Verkürzung des Verlaufs der Erkrankung nicht erfolgreich.

Extrakorporale Stoßwellentherapie: ESWT ist eine vielversprechende Option der konservativen Behandlung. Die praktische Evidenz zeigt ihre Wirksamkeit bei verschiedenen orthopädischen Erkrankungen (Morbus Kienböck, Plantarfaszitis, Osteitis pubis, Osteonekrose des Hüftkopfes). Generell werden die Selbstheilungskräfte des Gewebes gefördert. Im Knochengewebe bedeutet dies die Stimulation von Osteoblasten und Periostzellen und die Differenzierung von Stammzellen. Man geht von einer erhöhten Sekretion von Stickstoffmonoxid-Synthase und des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors aus, was zu einer erhöhten Neovaskularisation führen könne. Zusätzlich wird das Periost stimuliert und die Aktivität der Osteoklasten reduziert.

Studiendesign: Häußer et al. führten eine systematische Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit von ESWT bei BME und damit assoziierten Pathologien durch. Hierbei inkludierten Sie 16 Studien (2008-2018) und konnten mit 6 Studien eine Metaanalyse zur Wirksamkeit von ESWT auf Schmerz und Funktionalität der Hüfte und des Knies durchführen. Die Outcome-Parameter wurden bezüglich Schmerz primär durch die visuell analoge Skala und in Bezug auf die Funktionalität durch den Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index und Hip Osteoarthritis Outcome-, Knee Society- und Harris Hip Score evaluiert.

Ergebnisse: Häußer et al. konnten zeigen, dass sich die Schmerzen durch ESWT im Vergleich zu einer Kontrollgruppe verbesserten. Es zeigte sich eine signifikante Schmerzreduktion und eine Verbesserung der Funktionalität in Hüfte/ Knie für die kurzfristigen, als auch für die mittelfristigen Ergebnisse. Auch im Follow-up von > 12 Monaten konnte eine Verbesserung des Schmerzes und der Funktionalität erkannt werden.  Zusätzlich stellten Häußer et al. tabellarisch heraus, dass im MRT im Knie und in der Hüfte signifikante Regressionen des BME im Zeitraum von 3-6 Monaten nachzuweisen waren. Die ESWT führt innerhalb von 12 Monaten zur nahezu kompletten Regression (90-100%).

Ausblick: Häußer et al. stellen die ESWT als vielversprechende Alternativtherapie beim BME dar. Zusammenfassend zeigen die Daten, dass ESWT zu einer deutlichen Verbesserung von Schmerz und Funktion nach wenigen Sitzungen zu führen scheint. Eine zusätzliche Behandlung mit Bisphosphonaten und Prostaglandininhibitoren scheint das Ergebnis nicht zu verbessern. Auch bei anderen Pathologien konnten Tendenzen zu einer Verallgemeinerung dieser positiven Effekte der ESWT auf Knochenmarködeme in anderen Lokalisationen zeigen. Es bleibt festzuhalten, dass sich die Evidenz heterogen zeigt und wenige Studien randomisiert-kontrolliert sind. Hierdurch sollte zu mehr hochwertigen, randomisierten Studien mit ausgeprägter Homogenität zwischen den Studiendesigns aufgerufen werden um die beschriebenen Effekte ausbauen.

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ist wissenschaftliche Koordinatorin am LANS Medicum. Sie hat sich zuvor an der Deutschen Sporthochschule Köln in Exercise Science and Coaching (M. Sc.) spezialisiert und war selbst im Schwimmleistungssport aktiv.

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