Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die mit Schmerzen, Morgensteifigkeit und fortschreitenden Funktionseinschränkungen einhergehen kann. Neben der medikamentösen Therapie ist eine individuell abgestimmte Rehabilitation entscheidend, um die Gelenkfunktion, Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen möglichst lange zu erhalten.
Ein aktueller Literaturreview untersuchte physiotherapeutische Verfahren auf Basis physikalischer Reize, die zwischen 2019 und 2026 publiziert wurden. Von insgesamt 1.375 identifizierten Publikationen erfüllten zwölf Studien die Einschlusskriterien, darunter acht randomisierte kontrollierte Studien, drei klinische Studien und eine Querschnittsstudie.
Die Ergebnisse zeigen ein vielversprechendes, aber noch nicht abschließend gesichertes Potenzial: In allen eingeschlossenen Studien wurden positive Effekte auf mindestens einzelne klinische Parameter berichtet. Untersucht wurden insbesondere Lasertherapie, Magnetfeldtherapie, Kryotherapie, Elektrotherapie, Stoßwellen- und Ultraschalltherapie sowie Psammotherapie (Sandbadbehandlung). Zu den häufigsten Zielgrößen gehörten Schmerzreduktion, verkürzte Morgensteifigkeit, verbesserte Gelenkfunktion und höhere Lebensqualität. Auch kombinierte Ansätze, beispielsweise die Verbindung physikalischer Verfahren mit Bewegungstherapie, zeigten positive Ergebnisse.
Besonders interessant sind die Befunde zur elektrischen Stimulation, für die Hinweise auf Verbesserungen der Muskelfunktion und Krankheitsaktivität vorliegen. Auch Lasertherapie und Kälteanwendungen zeigten potenzielle Vorteile bei Schmerzen und funktionellen Einschränkungen. Allerdings unterscheiden sich die Studien erheblich hinsichtlich Behandlungsparametern, Sitzungszahl, Patientenkollektiven und Krankheitsaktivität.
Für die sportmedizinische und rehabilitative Praxis ergibt sich daraus eine differenzierte Perspektive: Physikalische Therapieverfahren können als ergänzende Maßnahmen zur medikamentösen Behandlung und aktiven Rehabilitation erwogen werden. Die Auswahl sollte sich am individuellen Beschwerdebild, an der Krankheitsaktivität und an möglichen Kontraindikationen orientieren. Eine Gleichstellung mit etablierten Therapieverfahren lässt sich aus den vorliegenden Daten jedoch nicht ableiten.
Fazit: Physikalische Therapieverfahren sind ein interessantes Forschungsfeld in der Rehabilitation bei rheumatoider Arthritis. Um ihren klinischen Stellenwert verlässlich zu bestimmen, braucht es größere randomisierte Studien, standardisierte Behandlungsprotokolle und systematische Langzeituntersuchungen. Bis dahin sollten sie als mögliche Ergänzung eines individualisierten, multimodalen Therapiekonzepts betrachtet werden.
Originalveröffentlichung: Taizhanova, D.; Pokrashenko, O.; Shalygina, A. Prospects for Physical Therapy in Rheumatoid Arthritis: Literature Review. Healthcare 2026, 14, 2751. https://doi.org/10.3390/healthcare14172751
Veröffentlicht: 28.10.2026
Autoren
Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten & Trainer

