Für den Weltrekordversuch von Simon Gronau wurde eigens eine Halle im Kölner Umland angemietet, in welcher unter standardisierten Bedingungen ein HYROX-Pro-Parcours aufgebaut und über 100 Tage täglich durchgeführt wurde. Neben dem Athleten war ein großes interdisziplinäres Team aus Trainern, Physiotherapie, Sportmedizin, Orthopädietechnik und weiteren Betreuern eingebunden. Ziel war es, außergewöhnliche sportliche Leistungen unter maximaler medizinischer Sicherheit zu ermöglichen.
HYROX Pro – Belastungsprofil
Ein HYROX Pro der Männer besteht aus acht 1-km-Laufabschnitten, zwischen denen eine von acht funktionellen Übungen durchgeführt wird:
- SkiErg – 1.000 m
- Sled Push – 202 kg (inkl. Schlitten)
- Sled Pull – 152 kg (inkl. Schlitten)
- Burpee Broad Jumps
- Row – 1.000 m
- Farmers Carry – 2 × 32 kg
- Sandbag Lunges – 30 kg
- 100 Wall Balls – 9 kg
Bereits ein einzelner HYROX-Pro-Wettkampf stellt selbst für sehr gut trainierte Athleten eine außergewöhnliche körperliche Belastung dar. Simon ist als langjähriger Triathlet und Teilnehmer der letztjährigen HYROX-WM ein erfahrener und leistungsstarker Sportler, aber das Projekt mit 100 Wettkämpfen an 100 aufeinanderfolgenden Tagen überschreitet die bisher bekannten Belastungsumfänge deutlich.
Fallbeschreibung
Nach 38 absolvierten Wettkampftagen traten belastungsabhängige Schmerzen im Bereich des rechten Mittelfußes auf. Die MRT-Diagnostik ergab ein ausgeprägtes Knochenmarködem mit fissuraler Fraktur des zweiten Mittelfußknochens (MFK II). In der Kontrolluntersuchung nach zwei Wochen zeigte sich eine Befundverschlechterung, woraufhin der Athlet auf Veranlassung seiner Physiotherapeutin in unserer sportorthopädischen Sprechstunde vorgestellt wurde. Die erneute Beurteilung der MRT-Aufnahmen bestätigte die Diagnose. Obwohl die klinischen Beschwerden vergleichsweise gering ausgeprägt waren, wurde bei der weiteren Entscheidungsfindung die erfahrungsgemäß hohe Schmerztoleranz von Spitzensportlern berücksichtigt.
Entscheidungsfindung
Bereits im ersten Gespräch bestand zwischen dem Athleten und dem gesamten Betreuungsteam Einigkeit darüber, dass seine Gesundheit jederzeit Vorrang vor dem Weltrekordversuch haben würde. Eine Fortsetzung des Projekts kam daher ausschließlich bei stabiler klinischer und radiologischer Befundlage sowie unter engmaschigen MRT-Verlaufskontrollen infrage. Jede klinische oder bildmorphologische Verschlechterung hätte zum sofortigen Abbruch des Weltrekordversuchs geführt.
Therapeutisches Konzept und Ernährung & Regeneration
Nach gemeinsamer interdisziplinärer Entscheidungsfindung wurde ein ganzheitliches Therapieschema mit engmaschigen Kontrollen etabliert.
Der Athlet stellte sich zweimal pro Woche in unserer Praxis vor. Jede Behandlung umfasste eine fokussierte Stoßwellentherapie (DolorClast® Focused Shock Waves, EMS), eine extrakorporale Magnetotransduktions-Therapie (MAGNETOLITH® Ultra, Storz Medical) sowie eine Hochleistungslasertherapie (PowerTwin 21 XP5, MKW-Lasersystems).
Ziel war die Unterstützung der biologischen Knochenheilung im Rahmen eines multimodalen Gesamtkonzeptes [1 – 3]. Parallel absolvierte der Athlet mehrmals wöchentlich physiotherapeutische Behandlungen mit Schwerpunkt auf Muskelentspannung, Gelenkmobilisation, neuromuskulärer Kontrolle und Stabilisierung. Ergänzend erfolgte eine biomechanische Laufanalyse einschließlich Fußabdruckmessung. Die Analyse zeigte, dass sich durch kleine Veränderungen des Laufstils die Hauptbelastung des Mittelfußes reduzieren ließ. Gemeinsam mit Simons Ausrüster Puma und der Orthopädie-Schuhtechnik Hartmann wurde deshalb ein individuell modifizierter Wettkampfschuh entwickelt. Dafür wurde eine angepasste Carbonplatte in die Sohle integriert. Dadurch konnte bei der Abrollbewegung die Belastung auf den Mittelfuß deutlich reduziert werden. Zusätzlich optimierte der Athlet seine Ernährung mit erhöhter Kalorienzufuhr, Vitamin-D-Substitution, calciumreicher Ernährung und Omega-3-Fettsäuren. Die Schlafdauer wurde auf mindestens neun Stunden pro Nacht erhöht. Zur Regenerationsförderung nutzte er täglich eine Kältekammer.


Verlaufskontrollen
Zwischen den behandelnden Ärzten, der Physiotherapie, dem Trainerteam und dem Athleten fand ein enger, kontinuierlicher Austausch statt. Im Abstand von zwei Wochen erfolgten MRT-Kontrollen. Bei jeder Verschlechterung des Beschwerdebildes wäre die Bildgebung vorgezogen worden. Eine Verschlechterung des Befundes hätte zum Abbruch des Weltrekordversuchs geführt.
MRT-Verlauf und klinische Kontrolle
Die initiale MRT-Untersuchung zeigte ein ausgeprägtes Knochenmarködem mit einer Fissur des zweiten Mittelfußknochens. Bei der ersten MRT-Verlaufskontrolle nach zwei Wochen war der Befund unverändert. Vier Wochen nach Therapiebeginn zeigte sich eine deutliche Rückbildung des Ödems; die Fissur war nur noch diskret nachweisbar. In den letzten beiden Wochen des Weltrekordversuchs war Simon auch unter Belastung schmerzfrei. Fünf Tage nach Abschluss des Versuchs zeigte sich nur noch eine minimale ödematöse Reaktion des Knochens und der Athlet war weiterhin vollständig beschwerdefrei.

Diskussion & Fazit
Dieser Fall verdeutlicht die Bedeutung einer individuell abgestimmten sportmedizinischen Betreuung im Hochleistungssport. Entscheidend war nicht eine einzelne therapeutische Maßnahme, sondern das interdisziplinäre Zusammenspiel von klinischer Untersuchung, wiederholter MRT-Diagnostik, physikalischen und physiotherapeutischen Maßnahmen, biomechanischer Analyse, angepasster Schuhversorgung, Ernährung und Regeneration. Der geschilderte Verlauf ist ausdrücklich nicht als allgemeine Therapieempfehlung zu verstehen, sondern dokumentiert die Betreuung eines außergewöhnlichen Einzelfalls unter engmaschiger interdisziplinärer Kontrolle. Außergewöhnliche Leistungen erfordern außergewöhnliche Medizin – aber niemals auf Kosten der Gesundheit. Die Gesundheit des Athleten hatte während des gesamten Projektes Vorrang.

Literatur
[1] Knobloch K. Knochenstimulation 4.0 – Kombination aus EMTT und ESWT bei Humeruspseudarthrose: Ein Fallbericht [Bone stimulation 4.0-Combination of EMTT and ESWT in humeral nonunion: A case report]. Unfallchirurg. 2022 Apr;125(4):323-326. German. doi: 10.1007/s00113-021-01025-3. Epub 2021 Jun 16. PMID: 34136941; PMCID: PMC8940790.
[2] Berni M, Brancato AM, Torriani C, Bina V, Annunziata S, Cornella E, Trucchi M, Jannelli E, Mosconi M, Gastaldi G, Caliogna L, Grassi FA, Pasta G. The Role of Low-Level Laser Therapy in Bone Healing: Systematic Review. Int J Mol Sci. 2023 Apr 12;24(8):7094. doi: 10.3390/ijms24087094. PMID: 37108257; PMCID: PMC10139216.
[3] Kertzman P, Császár NBM, Furia JP, Schmitz C. Radial extracorporeal shock wave therapy is efficient and safe in the treatment of fracture nonunions of superficial bones: a retrospective case series. J Orthop Surg Res. 2017 Nov 6;12(1):164. doi: 10.1186/s13018-017-0667-z. PMID: 29110711; PMCID: PMC5674749.
Autoren
- Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Zusatzbezeichnung Sportmedizin und Notfallmedizin
- Praxis „Orthopädie em Veedel“ und „SportsLab em Veedel“ in Köln
- Verbandsarzt für den Deutschen Judo- und Surfverband, betreut als offizieller Kooperationspartner am Olympiastützpunkt Rheinland (Köln) Athleten. Olympische Spiele 2021 (Judo-Surfteams), Olympische Spiele 2024 (med. Leitung Kampfsport im deutschen Team)
(Stand 2026)
- Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Zusatzbezeichnung Sportmedizin und Notfallmedizin
- Praxis „Orthopädie em Veedel“ und „SportsLab em Veedel“ in Köln
- Leitender Verbandsarzt für den Deutschen Judo tätig, betreut als offizieller Kooperationspartner am Olympiastützpunkt Rheinland (Köln) Athleten. Zudem Betreuung professioneller Athleten im Boxsport und MMA. Olympia 2021 (Chef-Trainer und Mannschaftsarzt Judonationalmannschaft Panama)
(Stand 2026)
» Sportwissenschaftler mit Schwerpunkt Bewegungstherapie und Reha -Verletzungsprävention und Leistungsdiagnostik
» Operative Leitung „SportsLab em Veedel“ in Köln
» Fokussiert auf evidenzbasierte Analyse und Rehabilitation von Verletzungen der unteren Extremitäten & forscht an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) Köln
(Stand 2026)




