Prähabilitation: Patienten gezielt auf die Operation vorbereiten
Eine Operation stellt für den Körper und die Psyche eine erhebliche Belastung dar. Dies gilt insbesondere für komplexe viszeralchirurgische Eingriffe, bei denen das Risiko für postoperative Komplikationen erhöht ist. Genau hier setzt die Prähabilitation an: Bereits vor dem Eingriff sollen die körperlichen und metabolischen Ressourcen der Patienten gezielt verbessert werden.
Im Mittelpunkt stehen dabei individuell abgestimmte Maßnahmen wie körperliches Training, eine Optimierung der Ernährung sowie die Behandlung von Anämie und anderen beeinflussbaren Risikofaktoren. Ziel ist es, die funktionelle Ausgangssituation zu verbessern und damit die postoperative Erholung zu unterstützen.
Randomisierte Studien und Metaanalysen zeigen, dass intensivierte Prähabilitationsprogramme insbesondere die postoperative Morbidität und die Dauer des Krankenhausaufenthalts reduzieren können. Der Nutzen ist jedoch nicht für alle Patienten gleich. Während körperlich fitte Patienten offenbar weniger stark profitieren, zeigen insbesondere Menschen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit, Mangelernährung oder Anämie relevante Verbesserungen.
Eine etwa vierwöchige präoperative Intervention scheint dabei auch bei onkologischen Patienten möglich zu sein, ohne das Behandlungsergebnis hinsichtlich der Tumorerkrankung negativ zu beeinflussen. Gleichzeitig ist die Evidenz aufgrund unterschiedlicher Patientengruppen, Interventionen, Endpunkte und Compliance nur von moderater Qualität.
In Deutschland steht einer breiteren Umsetzung zudem eine Reihe struktureller Hürden entgegen. Fehlende Vergütungsmodelle, begrenzte personelle und infrastrukturelle Ressourcen sowie mangelnde Anreize erschweren bislang die flächendeckende Integration der Prähabilitation in die Versorgung.
Veröffentlicht am 16.09.2026
Autoren
Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten & Trainer

