Brustkrebsoperationen gehen häufig mit postoperativen Komplikationen wie Infektionen, Blutungen, Schmerzen oder funktionellen Einschränkungen einher. Diese Komplikationen können die Genesung verzögern, Krankenhausaufenthalte verlängern und den Beginn weiterer Krebstherapien hinauszögern.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die sogenannte exercise-based prehabilitation (bewegungsbasierte Prähabilitation) an Bedeutung. Darunter versteht man strukturierte körperliche Trainingsprogramme zwischen Krebsdiagnose und Operation, häufig ergänzt durch Ernährungs- und psychologische Unterstützung. In verschiedenen Krebsarten, darunter Darm-, Magen-, Lungen- und urologische Tumoren, konnte bereits gezeigt werden, dass solche Programme postoperative Komplikationen reduzieren, die Krankenhausverweildauer verkürzen und die funktionelle Erholung verbessern.
Für Brustkrebspatientinnen ist die Datenlage jedoch noch begrenzt. Die bisher verfügbaren Studien deuten darauf hin, dass Bewegung vor der Operation – insbesondere während einer neoadjuvanten Therapie – die körperliche Leistungsfähigkeit erhalten oder verbessern, Fatigue reduzieren und die Verträglichkeit der Krebsbehandlung steigern kann. Ob diese positiven Effekte auch direkt zu einer Verringerung postoperativer Komplikationen führen, ist bislang jedoch nicht ausreichend untersucht.
Der Beitrag hebt daher eine wichtige Versorgungslücke hervor: Während die Vorteile von Bewegung für Fitness und Erholung zunehmend belegt sind, fehlt noch robuste Evidenz dafür, dass Prähabilitation bei Brustkrebs aktiv postoperative Komplikationen verhindern kann. Die Autoren plädieren für weitere Forschung, um das Potenzial von Trainingsprogrammen vor der Operation besser zu verstehen und gegebenenfalls als festen Bestandteil der perioperativen Brustkrebsbehandlung zu etablieren.