Mindfulness-basierte Interventionen gewinnen in Medizin, Psychologie und Gesundheitsversorgung zunehmend an Bedeutung. Kabat-Zinn ordnet in seinem Beitrag die historische Entwicklung, wissenschaftlichen Grundlagen und klinischen Anwendungsmöglichkeiten ein und diskutiert zugleich zentrale Herausforderungen für Forschung und Praxis. Mindfulness wird als bewusste, nicht wertende Aufmerksamkeit für den gegenwärtigen Moment verstanden. Ihre Wurzeln liegen in buddhistischen Meditationstraditionen; mit der Entwicklung der Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) wurde der Ansatz seit 1979 in einen säkularen medizinischen Kontext übertragen. Erste klinische Untersuchungen weisen auf mögliche positive Effekte auf psychische und körperliche Gesundheitsparameter hin. So wurden u.a. Veränderungen der Stressverarbeitung, der Immunfunktion und bestimmter Krankheitsverläufe beschrieben. Auch neurobiologische Veränderungen, beispielsweise der Hirnaktivität, wurden beobachtet.
Gleichzeitig weist der Autor auf methodische Limitationen der damaligen Studien hin, darunter kleine Stichproben, fehlende Kontrollgruppen und unterschiedliche Studiendesigns. Für die weitere Etablierung des Ansatzes seien größere, kontrollierte und mechanistisch ausgerichtete Untersuchungen erforderlich. Zudem sollte Mindfulness nicht lediglich als weitere kognitiv-behaviorale Technik verstanden werden. Eine authentische Vermittlung setzt nach Kabat-Zinn eine eigene regelmäßige Praxis der Lehrenden voraus. Zukünftige Forschung sollte daher sowohl die klinische Wirksamkeit als auch zugrunde liegende neurobiologische Mechanismen differenziert untersuchen.
Kabat-Zinn, J. (2003), Mindfulness-Based Interventions in Context: Past, Present, and Future. Clinical Psychology: Science and Practice, 10: 144-156. https://doi.org/10.1093/clipsy.bpg016