Longevity steht für gesundes, aktives Altern — und rückt zunehmend in den Fokus präventivmedizinischer Forschung. Vor diesem Hintergrund wird Kreatin-Monohydrat aktuell verstärkt über die klassische Sporternährung hinaus diskutiert. Neue Studiendaten deuten darauf hin, dass Kreatin neben Muskelkraft und körperlicher Funktion auch mit inflammatorischen, oxidativen und zerebralen Prozessen in Verbindung stehen könnte.
Mit dem demografischen Wandel rückt zunehmend die Frage in den Fokus, wie sich körperliche und geistige Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter erhalten lassen. Im Zentrum aktueller Präventionsansätze steht dabei nicht allein die Lebensdauer, sondern vor allem die sogenannte „Healthspan“ — also die Zahl gesunder, selbstbestimmter Lebensjahre.
Vor diesem Hintergrund gewinnt Kreatin-Monohydrat derzeit neue wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Kreatin spielt eine zentrale Rolle im zellulären Energiestoffwechsel — insbesondere in Geweben mit hohem Energiebedarf wie Skelettmuskel und Gehirn. Während die Evidenz zu Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit seit Jahren gut belegt ist, (3) deuten aktuelle Arbeiten darauf hin, dass Kreatin darüber hinaus auch für inflammatorische Prozesse, oxidativen Stress und die kognitive Belastbarkeit relevant sein
könnte. (1, 2)
Kreatin und Healthy Aging: Neue Daten aus einem RCT
Eine aktuelle randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie von Fernandez Garrido et al. untersuchte 103 Erwachsene im Durchschnittsalter von 68,2 Jahren über 16 Wochen. (1) Die Teilnehmenden absolvierten entweder ein Elastikband-Krafttraining oder Wassertraining — jeweils mit oder ohne tägliche Supplementierung von 3 g Kreatin Monohydrat.
Neben körperlicher Funktion und Muskelkraft wurden auch Biomarker der systemischen Inflammation und des oxidativen Stresses analysiert. Beide Trainingsgruppen verbesserten sich im Verlauf der Studie in mehreren Parametern. In Kombination mit Kreatin fielen einzelne Effekte stärker aus, insbesondere bei IL-6, TNF-α und der antioxidativen Kapazität. Auch unter Kreatin ohne begleitendes Training zeigten sich Verbesserungen bei einzelnen Markern des oxidativen Stresses und TNF-α. Die Verträglichkeit war gut; kreatinbedingte Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. (1)
Die Autoren schlussfolgern, dass Kreatin trainingsinduzierte Adaptationen in den Bereichen Muskelkraft, antioxidative Kapazität und Entzündungsregulation ergänzen kann. Die beobachteten Veränderungen inflammatorischer Marker sprechen zudem für eine mögliche Relevanz im Kontext altersassoziierter Entzündungsprozesse.
Kreatin und Gehirnenergie
Ergänzend liefert eine aktuelle placebokontrollierte Crossover-Studie von Gordji-Nejad et al. neue Hinweise auf mögliche zerebrale Effekte von Kreatin. (2) In der Studie erhielten 15 gesunde Erwachsene während partiellen Schlafentzugs eine einmalige hochdosierte Gabe von Kreatin oder Placebo. Anschließend wurden mittels Magnetresonanzspektroskopie Veränderungen zerebraler Hochenergiephosphate sowie kognitive Parameter untersucht.
Unter Kreatin fielen die schlafentzugsbedingten Einbußen bei Gedächtnisleistung und Reaktionsgeschwindigkeit geringer aus. Zusätzlich zeigte sich ein messbarer Anstieg zerebraler Kreatinmarker im linken medialen Parietallappen. Die Autoren diskutieren, dass erhöhter neuronaler Energiebedarf kurzfristig mit einer gesteigerten zerebralen Kreatinaufnahme einhergehen könnte. Aufgrund der kleinen Stichprobe und der jungen
Studienpopulation ist die Übertragbarkeit auf ältere Menschen derzeit jedoch noch offen. (2)
Kreatin jenseits des Muskelaufbaus
Die robusteste Evidenz für Kreatin-Monohydrat liegt weiterhin im Bereich Muskelkraft, Körperzusammensetzung und körperliche Funktion — insbesondere in Kombination mit Krafttraining. (3) Gleichzeitig rücken zunehmend auch inflammatorische, oxidative und zerebrale Prozesse in den Fokus der Forschung. (1, 2) Damit erweitert sich die wissenschaftliche Diskussion über Kreatin zunehmend über die klassische Sporternährung hinaus. Gleichzeitig gilt: Die Datenlage zu kognitiven und inflammatorischen Effekten
entwickelt sich dynamisch, ist aber noch nicht abschließend bewertet.
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Quellen
1. Fernandez-Garrido J et al. Effects of high-load, velocity-intentional variable resistance training combined with creatine supplementation on neuroplasticity, oxidative stress, inflammation, physical function, cognitive performance and quality of life in older adults: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Exp Gerontol. 2026.
2. Gordji-Nejad A et al. Single-Dose Creatine Reduces Sleep Deprivation-Induced Deterioration in Cognitive Performance. Nutrients. 2026;18(8):1192.
3. Chilibeck PD et al. Effect of creatine supplementation during resistance training on lean tissue mass and muscular strength in older adults: a meta-analysis. Open Access J Sports Med. 2017;8:213–226.
Hinweis: Alzchem stellte in der Studie von Fernandez-Garrido et al. das Kreatinpräparat bereit und übernahm die Open-Access-Publikationsgebühr, war jedoch nicht an Studiendesign, Datenerhebung, Datenauswertung oder Publikationsentscheidung beteiligt. Alle zitierten Studien wurden unabhängig durchgeführt und in peer-reviewten Fachzeitschriften publiziert.
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