Blickpunkt Wasserball

Sportart, Verletzungen und Prävention

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In den 1980igern erschien im Playboy Magazin ein Artikel über Wasserball mit dem Titel, „Wenn Dir oben einer ins Gesicht lächelt und Dir unten in die Hoden tritt, das ist Wasserball“. Dieses Bild herrscht heutzutage noch immer vor und regt die Phantasien der Gesprächspartner an. Wasserball -ach so mit einem Niveaball-, das ist eine Sportart? Was ist denn nun eigentlich Wasserball?

Wasserball wurde um 1870 in England erfunden, um Schwimmveranstaltungen attraktiver zu gestalten. 1885 erfolgte die Anerkennung als eigenständige Sportart durch den englischen Schwimmverband. In Deutschland wurde Wasserball erstmals 1894 in Berlin gespielt und 1912 die erste Deutsche Meisterschaft ausgetragen. Wasserball ist die älteste olympische Mannschaftssportart und kam erstmals 1904 in St. Louis USA ins olympische Programm.

Definition & Regeln

Wasserball ist ein Ballspiel im Wasser, bei dem die Spieler zweier Mannschaften versuchen, durch geschicktes Abspielen und Freischwimmen, den Ball ins gegnerische Tor zu Treffen.

  • eine Mannschaft besteht aus 13 Spielern, von denen 7 Spieler (1 Torhüter, 6 Feldspieler) im Wasser sind
  • die Spielzeit beträgt 4 x 8 Minuten (reine Spielzeit)
  • zwischen ersten und zweiten Viertel sowie zwischen dritten und vierten Viertel sind 2 Minuten Pause, zwischen zweiten und dritten Viertel 5 Minuten Pause. In dieser Pause erfolgt der Seitenwechsel.
  • der Gastgeber spielt in weißen Kappen, der Gast in blauen Kappen
  • das Spielfeld ist 30 x 20m groß, bei Frauen, Jugendlichen und Senioren 25 x 20m, die Tore sind 3 m breit und 90cm hoch
  • die Wassertiefe sollte durchgehend 2 m betragen
  • Strafwurf wird von der 5 m Linie ausgeführt
  • geleitet wird das Spiel von 2 Schiedsrichtern
  • der Ball ist 450 g schwer und hat die Größe eines Fußballs, bei Frauen und bis D-Jugend etwas kleiner. Er ist aus Kunststoff, früher aus Leder

Wasserball kann von der E-Jugend U11 und jünger bis ins hohe Alter gespielt werden, Voraussetzung ist Gesundheit und körperliche Fitness. Masters AK beginnen bei 30 und enden bei 70 Jahren.

Fotos: © Ralf Schauer

Verletzungen im Wasserball

Wasserball ist eine sehr trainingsintensive Sportart und schon in der Jugend ist ein dreimaliges Training pro Woche Normalität. Dies erweitert sich auf 5 – 8mal im Bundesligabereich und bis zu zehnmal pro Woche im internationalen Vergleich. Führende Nationen sind Serbien, Kroatien, Ungarn, Italien bei den Männern und USA, Niederlande, Russland, Italien, Spanien bei den Frauen. Der Deutsche Wasserball ist international etwas ins Hintertreffen geraten, wobei er in früheren Zeiten international sehr erfolgreich war. Im Laufe der Zeit wurden die Regeln immer wieder geändert, wodurch sich Wasserball von einem Schwimm-Spiel zu einem Schwimm- und Körperbetonten-Spiel entwickelt hat. Die Athletik hat im Laufe der Jahre zugenommen. Dies hatte zur Folge, dass sich die Verletzungsmuster von Platzwunden durch Ellbogenchecks und Faustschlägen, hin zu Überlastungsschäden mit Sehnen- und Gelenkverletzungen verschoben haben. Legendär war das Spiel bei Olympia 1958 Ungarn gegen Russland, bei dem politische Interessen im Wasser ausgefochten wurden. 

Welche Körperteile bzw. Gelenke stehen im Vordergrund der Verletzungsmuster? Wasserball zählt zu den Überkopfsportarten, womit man die Schulter an erster Stelle nennen muss. Sie ist Dreh- und Angelpunkt sowohl beim Schwimmen als auch beim Werfen. Vergleicht man Wasserball mit anderen Überkopfsportarten wie Handball, Volleyball, Baseball und Schwimmen zeigt sich ein gleiches Verletzungs- und Überlastungsmuster (siehe dazu auch Artikel von Dr. Kass (S.20) in dieser Ausgabe).

Schulterverrenkung oder Schulterluxation 

Sie entsteht beim Wasserball, wenn in 90° Abduktion und Außenrotation, bei der Beschleunigungsphase des Wurfes in den Arm gegriffen wird bzw. der Wurfarm von vorne direkt geblockt wird. Beim Hineingreifen in den Arm kommt es zu einer vorderen Luxation, beim Blocken zu einer hinteren Luxation. Hierbei kann es zusätzlich zu einer Verletzung der Rotatorenmanschette kommen und zu einer Bankartläsion (einem knöchernen Ausriss des Labrums).

SLAP-Läsion und Rotatorenmanschettenverletzung

Hier kommt es zu einem vorderen, hinteren oder einem korbhenkelartigen Ausriss des Labrum supraglenoidale. Die Verletzung kommt beim Griff in den Wurfarm akut traumatisch zustande. Die häufigere Version sind kontinuierliche Mikroverletzungen bei andauernder Überbelastung der Schulter durch Wurfbelastungen. Die Rotatorenmanschettenverletzung hat das gleiche Verletzungsmuster wie oben bereits beschrieben. Sie kann auch eine Begleitverletzung im Rahmen einer Schulterluxation sein und bei starken Krafteinwirkungen auf die Schulter isoliert traumatisch auftreten. Die häufigste Ursache sind jedoch degenerative Veränderungen im Rahmen von Mikroverletzungen bei Überlastungsschäden der Schulter durch jahrelanges Training oder falsche Wurftechnik und muskuläre Dysbalancen.

Bizepssehnenläsion

Die Bizepssehne ist durch ihre anatomische Situation eine sehr gefährdete Struktur bei Überkopfsportarten. Die lange Bizepssehne verläuft durch das Gelenk und dient als Depressor für den Oberarmkopf. Beim Werfen, speziell in der Endphase, kommt es zu einem Anschlagen der Bizepssehne am Acromion und damit zu einer chronischen Reizung. Der sogenannte Pulley (eine sehnige Führungssscheide) für die Sehne wird zunehmend geschädigt und reißt im Laufe der Zeit. Es herrscht nun eine instabile Situation der Sehne mit Luxationen aus dem Sulcus, welche zu chronischen Reizungen und mechanischen Entzündungen der Sehne mit begleitender Entzündung des subacromialen Schleimbeutels führen. Damit wird der Raum unter dem Schulterdach eng und es kommt zu einer Einklemmung, dem sogenannten Impingement. Dieses führt zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung der Schulter und kann bei wiederkehrenden Entzündungen schlimmstenfalls zu einem Riss der Sehne führen.

Weitere Verletzungen 

Weitere Verletzungen, die jedoch nicht so häufig auftreten sind Hüftbeschwerden, bedingt durch angeborene Fehlstellungen und technisch inkorrektes Wassertreten. Dies kann letztendlich eine frühzeitige Arthrose des Hüftgelenkes bedingen. Beim Spiel selbst treten Fingerverletzungen mit Sehnen- und Bandrupturen oder Fingerknochenbrüche durch Halten an den Händen auf. Platzwunden, Nasenbeinbrüche und Jochbeinbrüche sowie Verletzungen des knöchernen Augapfels (Orbitaboden) treten meist durch Faust und Ellbogenchecks auf. Ebenso Netz- und Hornhautverletzungen des Auges.Trommelfellverletzungen sind durch Einführung der Ohrenschützer deutlich rückläufig, treten aber immer noch bei Schlägen und Tritten auf das Ohr auf, wenn diese unter Wasser ausgeführt werden.

Prävention

Die Schulter ist beim Wasserball das am häufigsten in Mitleidenschaft gezogene Gelenk. Das liegt daran, dass Wasserball eine sehr körperbetonte Sportart ist, somit findet der größte Teil der Wurfbewegung unter der Störung eines Gegners statt. Damit ist eine technisch korrekte Wurfausführung meistens nicht möglich. Findet die Störung in der Beschleunigungsphase statt, potenzieren sich die Kräfte auf die Muskeln und das Sehnengewebe. Hierbei entstehen die meisten Läsionen der Schulter. Bettin konnte schon 1993 in einer Studie zeigen, dass der Bewegungsschmerz in der Schulter hauptsächlich bei hoher Außenrotation am Ende der Ausholphase und in Beugung und Innenrotation am Ende des Wurfes auftritt. Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, benötigt der Spieler eine gute Schulterbeweglichkeit und eine gute Muskelkraft und Balance, um den Oberarmkopf während der Wurfbewegung zentriert zu halten. Des Weiteren ist eine gute Rumpf und Beinkraft nötig, um den Körper im Wasser zu stabilisieren und Kraft hinter den Ball zu bekommen.

Das Medium Wasser bedingt eine gute Rumpfstabiltät und Rumpfkraft, damit sich der Spieler, sowohl bei der Durchführung von Wurfbewegungen, als auch Angriffs- und Verteidigungsspiel möglichst stabil im Wasser fortbewegen kann. Hier sollte bei der Basisausbildung der jungen Spieler sehr viel Wert auf Koordinations- und Beweglichkeitsübungen gelegt werden. Die Kraft beim Werfen sollte aus den Beinen, der Hüft- und Körperrotation mit der nötigen Kraft erfolgen und nicht ausschließlich aus der Schulter. In eigenen Untersuchungen konnten wir zeigen, dass Spieler mit einer guten Körperrotation und Stabilität weniger Schulterprobleme aufweisen, als Spieler, die hier deutliche Defizite haben. Centerspieler sind besonders anfällig, da sie meist nicht in der Lage sind, aufgrund der Gegnereinwirkung den Wurf aus dem gesamten Körper zu gestalten, sondern hauptsächlich aus der Schulter.

Exkurs Concussion

Diese Thematik wird in der letzten Zeit auch im Wasserballsport diskutiert. Dies dient der Sensibilisierung der Spieler für dieses Syndrom. Die Torhüter müssen dahingehend geschult werden, dem Gegenspieler die Stirn zu bieten und eine Grundspannung bei der Ballabwehr inne zu haben. Gehirnerschütterungen dürfen nicht unterschätzt werden, auch ohne Bewusstseinsverlust. Trainern und Betreuern obliegt eine Sorgfaltspflicht. Ein Spieler sollte bei Symptomen, zum eigenen Schutz, aus dem Spiel genommen werden. Posttraumatisch empfohlen werden in diesem Fall Ruhe, Schonung, keine Nutzung multimedialer Geräte, kein Lesen, keine geistige und körperliche Überanstrengung, Analgesie. Langsames Heranführen bzw. Belastungsaufbau in Schule und Training. Trainingsfreigabe sollte durch den Teamarzt erfolgen. Prävention: Tragen einer Schutzkappe unter der Torhüterkappe.

Fazit

Wasserball ist ein sehr körperbetonter und anstrengender Sport, der hohe Anforderungen an Kraft, Beweglichkeit und Koordination des Spielers stellt. Der Spieler ist durch das Schwimmen und das Werfen selbst, doppelt in der Schulter belastet, sowie durch die Einwirkung des Gegenspielers. Beim Schwimmen hat der Spieler eine andere Wasserlage als der Wettkampfschwimmer. Durch die hohe Oberkörperlage ist eine Rotation im BWS-Bereich nicht gut durchführbar und erfordert hier eine höhere Schulterbeweglichkeit, welche wiederum zu Mikrotraumata durch Überlastung führen kann. Das Werfen selbst und hier mit Gegner stellt nochmals erhöhte Anforderungen an Koordination und Beweglichkeit, um den Wurf technisch korrekt und kraftvoll auszuführen. 

Foto: © RS Sportphoto
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ist Facharzt für Allgemeinchirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, mit Zusatzbezeichnungen spez. Unfallchirurgie, Sportmedizin und Notfallmedizin. Er arbeitet an der Orthopädischen Uniklinik Würzburg König-Ludwig-Haus und ist Verbandsarzt des Deutschen Schwimmverbandes für Wasserball. Außerdem betreut er mannschaftsärztlich Teams des SV05 Würzburg (von E-Jugend bis Masters und 1. Bundesliga), die Bundesligamannschaft des SSV Esslingen, die U17 und U19 Junioren Nationalmannschaft männlich und seit 2019 die Frauen Wasserball Nationalmannschaft. Er war selbst aktiver Zweitligawasserballer beim SV Heilbronn und hat bis vor fünf Jahren noch aktiv Deutsche Masters gespielt.

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