Prehab & Regeneration

Ein Praxisbeispiel aus der Basketball-Bundesliga

Lesezeit: 3 Minuten

Zu Beginn der Preseason werden durch Screenings und Tests die Risiko- und Leistungsprofile der Spieler ermittelt. Die objektiven Ergebnisse aus diesen Analysen werden mit subjektiven Einschätzungen der Coaches und aus dem Medical Staff ergänzt.

Diese Informationen werden von uns gesammelt, daraus generieren wir ein individuell zugeschnittenes Prehab-/miniprogram, welches sich aus 3 – 4 Übungen zusammensetzt. Den Spielern wird hierfür ein 10 – 15 minütiges Zeitfenster vor jedem Basketballtraining geschaffen, an dem sie an ihrem persönlichen Risikoprofil arbeiten. Nach der individuellen Vorbereitung beginnt das Teamtraining mit allgemeinem Aufwärmen unter Zusatz von meist spielerischen kognitiven Aufgabenstellungen für weitere 10 – 15 Minuten. Die Inhalte des zweiten Teamblocks bilden sich aus den allgemeinen bzw. Team-Risikoprofilen der Sportart Basketball und aus der Zusammenfassung der individuellen Risiken, welche die einzelnen Sportler mitbringen. Typischerweise weisen diese starke quads, schwache hamstrings und recht feste hip Flexor auf. Unabhängig von diesen recht häufigen Profilen kann der besondere Fokus hierbei auch auf anderen Bereichen liegen. Dies ist von Team zu Team variabel. Pauschal legen wir jedoch vermehrt den Fokus auf die unteren Extremitäten. Sprunggelenksstabilität, Hüftflexibilität und stabile Beinachsen unter dynamischen Bewegungsmustern bilden die Basis. Im Stretching und Aktivierungsblock versuchen wir, Muskelketten zunächst zu öffnen, um diese dann im Anschluss aktiv und sportartspezifisch anzusteuern. Nach diesem Teil geht das Teamtraining meist in die kompetitive Performance-Phase über. 

Einsatz von Kälte als Regenerations-, Trainings- und Therapiemaßnahme

Nach dem Training werden foam-rolls zum Ausrollen herangezogen. Als Alternative wählen einige Spieler aufgrund des subjektiven Empfindens moderate Dehnungen. Im Anschluss des Trainings wird eine Eistonne bereitgestellt und Wechselduschen empfohlen. Ebenfalls kommen kühlende Produkte zum regenerativen Einsatz. Da vor allem Sprung- und Kniegelenke im Basketball zu Überbeanspruchung neigen, werden diese z. B. mit Ice power Sport Spray gepflegt. Manuelle Regenerationsmassagen nach der Wettkampf- und/oder Trainingsbelastung werden mit Hilfe von Ice power Magnesiumcreme unterstützend angewandt. Außerdem gibt es Kooperationen mit dem örtlichen „Donaubad“, die unseren Spielern auch die Möglichkeit bieten, Kältebecken in Kombination mit Saunagängen zu nutzen. Menthol-basierte Produkte ab einer gewissen Konzentration fördern die Durchblutung und führen dabei zu einem stärkeren Muskelkraft-­Zuwachsbeim Gewichttraining. Außerdem können damit eine höhere Ausdauerleistung und Gelenkbeweglichkeit erreicht werden. Sehr praktikabel setzen wir Kälte auch begleitend zu unserer Therapie vor allem bei Prellungen oder stumpfen Traumen ein. Den Spielern geben wir in Einzelfällen auch Produkte wie „cold gel“ oder das „sport spray“ mit nach Hause, um eine umfangreichere Kältebehandlung zu schaffen.

Ernährung 

Zu Beginn der Saison versuchen wir, unsere Spieler über Gespräche auf eine bewusste Ernährung zu sensibilisieren. Jeder Spieler erhält in der Vorbereitung ein Handout mit Tipps  und  Hinweisen. Um es kurz und übersichtlich zu halten, gibt es vier Bereiche, die in folgenden Prioritäten an die Spieler heran gebracht werden:

  • Umfang/Menge der Nahrung (ausreichend kcal): 
  • Nahrungsqualität (1. Eigener Garten 2. Bio 3. Supermarkt Gemüse 4. Konservierte Nahrung). 
  • Timing der Nahrungszufuhr (nach dem Aufstehen immer frühstücken, ca. 30 min vor Trainingsbeginn ein leichten Snack wie Banane, Rosinen, Handvoll Nüsse)
  • Nahrungsergänzungsmittel (Vitamin D, Eiweiss)

Auch Hinweise auf das Timing der Nahrungszufuhr im Trainingsalltag werden angesprochen. Bei Spielern mit einem relativ hohen Körperfettanteil werden in Einzelfällen individuelle Ernährungstipps/Pläne in Zusammenarbeit von Athletiktrainer und Ernährungsspezialisten des RKUs zusammengestellt. 

Monitoring

Die Statik des passiven Bewegungsapparates unserer Spieler wird durch regelmäßige Untersuchungen oder Kurztests kontrolliert. Mög­liche Kompensationsmuster oder auftretende Dysbalancen sollen hierbei frühzeitig erkannt werden. Ein ermitteltes Performance/Leistung-­Level hängt auch immer von der momentanen Freshness/Bereitschaft ab. Über eine wöchentliche Erfassung des individuellen power Outputs generieren wir eine Übersicht, mit der wir Tendenzen für den einzelnen Spieler sowie für das gesamte Team erkennen und objektiv einschätzen können. Dies wird auch für die Ermittlung der RPE (Rate of Perceived Exertion) im Workload Monitoring herangezogen. Nach Spieltagen, an denen kein off-day angesetzt ist, wird durch lockere shooting drills oder einem full court walk through der Kreislauf unterschwellig angeregt. Teilweise setzen wir hier auch leichte moderate Kraftzirkel an.

Chris Babb bei seinem Prehab Programm

Wir möchten uns an dieser Stelle bei unserem Arbeitgeber und Medicalpartner RKU Ulm bedanken, der uns diese Form der individuellen Arbeit ermöglicht.

ist seit 2014 Athletiktrainer bei ratiopharm Ulm. Von 2012 – 2014 war er Athletiktrainer für den Basketball-Nachwuchs und Profi-Bereich in Ludwigsburg (MHP Riesen Ludwisgburg).

ist seit 2001 Physiotherapeut bei ratiopharm Ulm. Er ist Physiotherapeut, Sportphysiotherapeut, Masseur und medizinischer Bademeister.

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