Visuelle Fähigkeiten beeinflussen maßgeblich, wie Sportler Bewegungen ausführen, Spielsituationen wahrnehmen und unter Zeitdruck Entscheidungen treffen. Ein narratives Review untersucht die Bedeutung visueller und wahrnehmungs-kognitiver Fähigkeiten im Sport sowie den potenziellen Nutzen gezielten Sehtrainings.
Die ausgewertete Literatur zeigt, dass Spitzensportler häufig über besser entwickelte visuelle und wahrnehmungs-kognitive Fähigkeiten verfügen als weniger erfahrene Athleten. Trainingsmethoden wie Quiet-Eye-Training zur Optimierung der visuellen Fixation, stroboskopisches Training, dreidimensionales Multiple-Object-Tracking und Virtual-Reality-Interventionen können einzelne visuelle Funktionen verbessern.
Entscheidend ist jedoch, ob diese Verbesserungen auch die sportliche Leistung im Wettkampf steigern. Hier zeigt sich eine Diskrepanz: Fortschritte in Labortests lassen sich nicht zwangsläufig auf reale Wettkampfsituationen übertragen. Die Ergebnisse zur Wirksamkeit von Sehtraining bleiben deshalb uneinheitlich.
Die Autoren betonen, dass visuelle Fähigkeiten nicht isoliert betrachtet werden sollten, sondern mit physischen, technischen, taktischen und kognitiven Faktoren zusammenspielen. Besonders aussichtsreich erscheinen Trainingsansätze, die die Wahrnehmungsanforderungen der jeweiligen Sportart realitätsnah abbilden und in das technische und taktische Training integriert werden.
Zukünftige Studien sollten klären, welche Methoden bei welchen Athletengruppen und unter welchen Bedingungen den größten Nutzen erzielen. Technologien wie Eye-Tracking, Virtual Reality, künstliche Intelligenz und tragbare Messsysteme könnten dabei helfen, visuelles Verhalten in realitätsnahen Sportsituationen präziser zu erfassen. Sehtraining bietet somit Potenzial als Ergänzung des sportartspezifischen Trainings; sein tatsächlicher Mehrwert für die Wettkampfleistung muss jedoch weiter wissenschaftlich abgesichert werden.
Veröffentlicht am 13.10.2026
Autoren
Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten & Trainer

