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    Isoliertes Training der Lumbalextensoren

    Multimodale oder alleinstehende Maßnahme – Wirksamkeit bei chronischen, radikulopathischen Rückenbeschwerden
    Bruno Domokos , Dr. Christoph Spang (PH.D)By Bruno Domokos , Dr. Christoph Spang (PH.D)3 Mins Read
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    Chronische Rückenschmerzen stellen nach wie vor ein weit verbreitetes klinisches Problem dar. Innovative Therapieansätze, die auf die gezielte Kräftigung der tiefen Rückenmuskulatur, insbesondere des M. Multifidus (MF), abzielen, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das isolierte Training der Lumbalextensoren (ILEX) ermöglicht eine gezielte Aktivierung und Stärkung der Lendenwirbelsäulenmuskulatur und wird insbesondere im deutschsprachigen Raum immer häufiger eingesetzt. 

    Obwohl klinische Erfolge der ILEX-Therapie bereits seit längerer Zeit bekannt sind, sind die zugrunde liegenden Anpassungen der Muskelmorphologie und Funktion bisher nur unzureichend untersucht. Zudem ist unklar, welchen Stellenwert ILEX innerhalb multimodaler Therapieprogramme einnimmt und inwieweit die Methode gezielt bei spezifischen Wirbelsäulenpathologien – im Gegensatz zu unspezifischen Rückenschmerzen – wirksam und sicher eingesetzt werden kann.

    In einer aktuellen Studie, die im Oktober 2025 im renommierten Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht wurde, wurden 58 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen untersucht. Alle wiesen spezifische Wirbelsäulenbeschwerden auf, die Mehrheit hatte radikuläre Symptome mit Ausstrahlung in die unteren Extremitäten oder relative OP-Indikationen. Die Teilnehmer konnten zwischen einem isolierten ILEX-Programm und einem multimodalen Ansatz wählen, der zusätzlich manuelle Therapie und allgemeine Kräftigungsübungen umfasste (z. B. Latissimus-Zug und Abdominalcrunch an Geräten sowie Rücken- und Coretraining am Seilzug). Das Programm bestand aus 25 Einheiten über einen Zeitraum von 16 Wochen. Dabei erfolgte die Anpassung von Intensität und Bewegungswinkel individuell an Beschwerden und Diagnosebild, auf Basis eines systematischen Trainingsprotokolls mit graduellem Belastungsaufbau. Als primäre Outcome-Parameter wurden die Muskeldicke und die Querschnittsfläche des MF sowie die Echogenität, ein Indikator für Muskelqualität, erhoben. Ergänzend wurden Schmerzintensität, körperliche Einschränkungen sowie gesundheitsbezogene Lebensqualität regelmäßig erfasst, ebenso wie die Maximalkraft der Wirbelsäulenextensoren.

    Ergebnisse

    Die Ergebnisse zeigten deutliche Therapieeffekte in beiden Gruppen: Schmerzen und funktionelle Einschränkungen nahmen signifikant ab, die Lebensqualität stieg und die Maximalkraft der Rückenmuskulatur verbesserte sich deutlich. 

    Besonders bemerkenswert war die Zunahme der Querschnittsfläche des MF, die mit einer parallel gemessenen Kraftsteigerung einherging. Veränderungen in der Echogenität konnten hingegen nicht nachgewiesen werden. Interessant ist dabei auch, dass bereits im frühen Therapiestadium (nach drei Wochen) Veränderungen in nahezu allen Parametern erkennbar wurden. Ein Vergleich zwischen dem alleinigen ILEX-Training und dem multimodalen Ansatz zeigte keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der klinischen Verbesserungen und der Zunahme der Maximalkraft und der Querschnittsfläche des MF. Obwohl sich die Verläufe gegen Ende des Interventionszeitraums abflachten lassen die Daten darauf schließen, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen war und eine längere Therapiedauer zu weiteren Fortschritten führen könnte.

    Fazit

    Gezieltes ILEX-Training stellt eine effektive Maßnahme zur Reduktion von Schmerzen, Wiederherstellung der Funktion und Verbesserung der Lebensqualität bei chronischen Rückenschmerzen dar – sowohl als alleinstehendes Programm als auch im Rahmen multimodaler Therapieansätze. Die linearen Fortschritte in Muskelquerschnitt und Kraft unterstreichen die Bedeutung einer kontinuierlichen, individuell gesteuerten Therapie für nachhaltige Ergebnisse. Diese Studie ist die erste, die die Wirksamkeit und Sicherheit dieser speziellen Methode bei spezifischen Wirbelsäulenbeschwerden mit relativen OP-Indikationen nachweisen konnte. Derzeit laufen weitere Studien zu spezifischen Krankheitsbildern der LWS und HWS oder sind bereits in Planung.

    Originalarbeit: Isolated lumbar extension exercise alone or in a multimodal program for low back pain and radiculopathy: a non-randomized controlled trial

    Bruno Domokos, Julia Domokos, Gustav Andersson, Stefan Mannel, Linda May Weigel, Horst Josef Koch, Birgit Wallmann-Sperlich, Christoph Raschka & Christoph Spang

    ClinicalTrials.gov Identifier NCT06890052 (20/03/2025) https://clinicaltrials.gov/study/NCT06890052?
    cond=NCT06890052%20&rank=1

    Autoren

    Bruno Domokos

    » Sportwissenschaftler (B.A., M.Ed.)
    » Zuständig bei der Powerspine GmbH für Qualitätsmanagement und wissenschaftliche Entwicklung
    » Wissenschaftler und Experte für tiefenmuskuläre Diagnostik am Institut für Sportwissenschaft, Universität Würzburg
    (Stand 2026)

    Dr. Christoph Spang (PH.D)

    » Neurobiologe (Univ. Dipl.) sowie Sportwissenschaftler (Univ. Dipl.)
    » Wissenschaftler im Bereich chronische Schmerzen und Gewebsveränderungen & leitender Trainingstherapeut im Privaten Wirbelsäulenzentrum Dr. Alfen Würzburg
    » Geschäftsführer der Gesellschaft für Medizinische Kräftigungstherapie (GMKT-D)
    (Stand 2026)

    01/26
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