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    Prähabilitation als mögliches „Open Window“ der Rehabilitation

    Biopsychosoziale Erweiterung in der Vorbereitung des Patienten – Einfluss von Ernährung und psychosozialen Faktoren
    Robert Erbeldinger , Dr. med. Alberto SchekBy Robert Erbeldinger , Dr. med. Alberto Schek6 Mins Read
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    In Erweiterung des Artikels „Prähabilitation als biologische Vorbereitung des Patienten“ (Schek & Erbeldinger, sportärztezeitung online, 2025) soll dieser Beitrag einen Einblick in mögliche Potenziale geben, die ergänzende Maßnahmen („Co-Therapien“) in der Vorbereitung von Patienten auf medizinische Interventionen haben können.

    Die konservative Therapie und ihre Wirkmechanismen können im Kontext der Prähabilitation als eine Art „Open Window“ der Rehabilitation verstanden werden. Sie kann einen initialen Impuls zur Aktivierung körpereigener Anpassungs- und Regenerationsprozesse setzen und gleichzeitig das Selbstmanagement des Patienten stärken. Diese Perspektive gilt sowohl für konservative und physikalische Therapien als auch für interventionelle oder chirurgische Verfahren.

    Orthobiologische Therapien und patientenbezogene Einflussfaktoren

    Orthobiologische Therapien wie Platelet-Rich Plasma (PRP) / ACP, Blood Clot Secretom (BCS), ACS (IL-1RA)   oder zellbasierte Verfahren werden zunehmend zur Behandlung muskuloskelettaler Erkrankungen eingesetzt. Gleichzeitig zeigen klinische Studien eine teilweise erhebliche Variabilität der Behandlungsergebnisse (Filardo et al. 2023; Andia & Maffulli 2024).

    Ein wichtiger Grund hierfür könnte darin liegen, dass diese Therapien autologe biologische Produkte verwenden. Die Qualität des injizierten Materials hängt daher potenziell nicht nur von technischen Herstellungsprozessen, sondern auch vom biologischen Zustand des Patienten ab.

    Ein aktueller Review von Montagnino et al. diskutiert, dass Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Ernährung und bestimmte Supplements die Anzahl und Funktion von Thrombozyten sowie die Qualität zellbasierter Produkte beeinflussen könnten (Montagnino et al. 2025). Die Autoren betonen jedoch ausdrücklich, dass diese Zusammenhänge derzeit vor allem biologisch plausibel erscheinen, während robuste klinische Evidenz noch begrenzt ist und weitere translationale Forschung erforderlich bleibt.

    Biopsychosoziale Erweiterung der Prähabilitation

    Vor diesem Hintergrund erscheint eine Erweiterung des prähabilitativen Ansatzes sinnvoll, die neben biologischen Faktoren auch psychologische und soziale Aspekte berücksichtigt. Ein solches biopsychosoziales Verständnis der Prähabilitation entspricht auch neueren Konzepten der sogenannten metabolic optimization vor orthobiologischen Therapien. Fernandes und Rodeo beschreiben in ihrem Review, dass systemische Faktoren wie metabolische Gesundheit, chronische Entzündungsprozesse, Schlafqualität oder Lebensstilverhalten das regenerative Milieu des Organismus beeinflussen können (Fernandes & Rodeo 2026).

    Diese systemischen Faktoren können sowohl die Qualität autologer biologischer Produkte als auch die Regenerationsfähigkeit des Zielgewebes beeinflussen. Gleichzeitig betonen die Autoren, dass viele dieser Strategien derzeit vor allem auf präklinischer oder indirekter Evidenz beruhen (Fernandes & Rodeo 2026).

    Mind-Body-Medizin als mögliche Co-Therapie

    In diesem Kontext wird auch das Feld der Mind-Body-Medizin diskutiert. Programme wie die von Jon Kabat-Zinn entwickelte Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) oder die von Herbert Benson beschriebene Relaxation Response gehören zu den am besten untersuchten strukturierten Mind-Body-Interventionen.

    Diese Programme zielen darauf ab,

    • Stressreaktionen zu reduzieren
    • autonome Regulationsprozesse zu verbessern
    • und möglicherweise immunologische sowie neuroendokrine Parameter zu beeinflussen.

    In einer Übersicht zur Mind-Body-Medizin in der Schmerztherapie wird beschrieben, dass ein achtwöchiges MBSR-Programm bei einem relevanten Anteil der Teilnehmenden zu klinisch relevanten Schmerzreduktionen führen kann (Paul 2023).

    Diese Ergebnisse beziehen sich primär auf Schmerz- und Stressmodulation. Ein direkter Einfluss solcher Interventionen auf orthobiologische Therapien wie PRP ist bislang nicht ausreichend untersucht.

    Ernährung und mögliche Einflüsse auf PRP

    Neben psychosozialen Faktoren wird zunehmend auch die Rolle der Ernährung diskutiert. Eine aktuelle klinische Studie von Platzer et al. untersuchte den Zusammenhang zwischen unterschiedlichen Ernährungsformen und der Zusammensetzung von PRP. In dieser Studie wurden vegane, vegetarische und omnivore Ernährungsweisen miteinander verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich bestimmte molekulare Bestandteile von PRP – insbesondere das proinflammatorische Zytokin Interleukin-6 (IL-6) – zwischen den Ernährungsgruppen unterscheiden können, während die Zellzahlen im PRP weitgehend vergleichbar blieben (Platzer et al. 2026).

    Diese Daten deuten darauf hin, dass Ernährungsgewohnheiten möglicherweise molekulare Eigenschaften von PRP beeinflussen können, ohne dass daraus derzeit direkte klinische Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können. Ähnliche Überlegungen finden sich auch in anderen Arbeiten, die darauf hinweisen, dass Ernährungs- und Lebensstilfaktoren die systemische Entzündungsaktivität und damit potenziell regenerative Prozesse beeinflussen könnten (Andia & Maffulli 2024; McLarnon et al. 2024).

     Curcumin und andere Phytonährstoffe

    Curcumin wird häufig im Kontext entzündlicher muskuloskelettaler Erkrankungen diskutiert und besitzt in experimentellen Studien antiinflammatorische sowie signalmodulierende Eigenschaften (Nguyen et al. 2025). Darüber hinaus zeigen pharmakologische und experimentelle Untersuchungen, dass Curcumin thrombozytenmodulierende beziehungsweise antiplatelet-Effekte besitzen kann, indem es verschiedene Signalwege der Thrombozytenaktivierung beeinflusst (Liu et al. 2022).

    Im Kontext von PRP bedeutet dies:

    Ein Einfluss von Curcumin auf thrombozytenabhängige Prozesse erscheint biologisch plausibel, seine konkrete Bedeutung für die PRP-Gewinnung oder die klinische Wirksamkeit von PRP-Therapien ist jedoch bislang nicht ausreichend untersucht. Ähnliche Überlegungen gelten für andere Polyphenole wie Resveratrol, Quercetin oder Anthocyane, die ebenfalls plättchenmodulierende Eigenschaften aufweisen können. Der mögliche Einfluss solcher Substanzen dürfte daher wesentlich von Dosierung, Formulierung und Einnahmezeitpunkt („Timing“) sowie vom individuellen metabolischen Kontext abhängen.

    Ernährung, metabolische Gesundheit und Regeneration

    Neuere Arbeiten zur metabolischen Optimierung vor orthobiologischen Therapien weisen darauf hin, dass systemische Faktoren wie

    • Adipositas
    • Insulinresistenz
    • chronische Entzündungsprozesse
    • körperliche Inaktivität
    • Schlafstörungen

    die Regenerationsfähigkeit des Gewebes und möglicherweise auch die Wirksamkeit orthobiologischer Therapien beeinflussen können (Fernandes & Rodeo 2026). Ernährungsformen mit antiinflammatorischem Profil – etwa mediterrane oder pflanzenbetonte Ernährungsweisen – werden daher als potenziell günstige Rahmenbedingungen diskutiert. Auch hier gilt, dass die meisten Daten mechanistisch oder indirekt sind und klinische Studien zur direkten Verbesserung von PRP-Outcomes bislang fehlen (Montagnino et al. 2025; Fernandes & Rodeo 2026).

    Fazit

    Zusammenfassend lässt sich festhalten:

    Die Vorbereitung von Patienten vor medizinischen Interventionen kann aus einer biopsychosozialen Perspektive betrachtet werden. Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Ernährung, metabolische Gesundheit und Stressregulation können das biologische Milieu des Organismus beeinflussen und damit möglicherweise auch regenerative Therapien modulieren. Der aktuelle Stand der Literatur zeigt jedoch, dass viele dieser Zusammenhänge bislang vor allem biologisch plausibel sind und noch nicht als gesicherte klinische Empfehlungen gelten können.

    Prähabilitation kann daher als ein mögliches „Open Window“ verstanden werden, in dem Patienten aktiv an der Optimierung ihres Ausgangszustands mitwirken können. In diesem Sinne kann sie eine Brücke zwischen Therapie, Rehabilitation und Prävention darstellen – vorausgesetzt, die Maßnahmen erfolgen im Rahmen einer medizinisch fundierten Indikationsstellung und patientenzentrierten Aufklärung.

     

    Literatur

    1. Andia I, Maffulli N. Platelet-rich plasma for musculoskeletal conditions. Int Orthop. 2024.
    2. Fernandes G, Rodeo SA. Metabolic Optimization Before Orthobiologic Therapies. Sports Health. 2026.
    3. Filardo G et al. Platelet-rich plasma in musculoskeletal medicine: variability and clinical outcomes. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2023.
    4. Liu Z et al. Anti-platelet and antithrombotic effects of curcumin. Biomed Pharmacother. 2022.
    5. McLarnon J et al. Patient factors influencing PRP therapy outcomes. Orthop J Sports Med. 2024.
    6. Montagnino J et al. Optimizing orthobiologic therapies with exercise, diet, and supplements. PM&R. 2025.
    7. Paul A. Mind-body-Medizin in der Schmerztherapie. Schmerz. 2023.
    8. Platzer H et al. Dietary Patterns Are Associated with Blood Cell Profiles and the Molecular Composition of Platelet-Rich Plasma. Nutrients. 2026.

     

    Weitere Literatur zum Thema finden Sie HIER

     


    Anmerkung der Redaktion

    Ergänzung PRP, Protein und lösliche Ballaststoffe

    Im Kontext von PRP-Injektionen erscheint eine gezielte, personalisierte Ernährungstherapie biologisch plausibel und klinisch sinnvoll. Ergänzend möchten wir hervorheben, dass besonders die adäquate Versorgung mit Proteinen bzw. essenziellen Aminosäuren sowie löslichen Ballaststoffen die strukturelle und metabolische Basis regenerativer Prozesse bildet. Dies gilt weder vor, während noch nach PRP-Interventionen – ebenso wie vor chirurgischen Eingriffen und physikalischen Therapien – als problematisch (siehe hierzu: Outcome von Krebsoperationen und Mangelernährung in der Inneren Medizin)

    Gerade prähabilitativ kann diese Form der Targeted Nutrition, einschließlich cholesterinsenkender Ernährungsstrategien, die biologischen Voraussetzungen für Gewebeadaptation und Heilungsantwort unterstützen. Es passt zu jeder medizinischen Intervention, wenn es als Targeted Nutrition gezielt ist. 

    Siehe hierzu auch  CHOLESTERINSENKENDE WIRKUNG VON HAFER UND METABOLISCHES SYNDROM

    und  BALLASTSTOFFE REDUZIEREN RISIKO FÜR HERZ-KREISLAUFERKRANKUNGEN, PANKREASKREBS UND DIVERTIKULOSE


     

     

     

    Autoren

    Robert Erbeldinger

    ist Diplom-Sportwissenschaftler mit Professional Master’s Degree in Sports Medicine sowie postgradualen Weiterbildungen in Mind-Body-Medizin (Harvard Medical School), Psychoneuroimmunologie und Lifestyle Medicine (American College of Lifestyle Medicine); Verleger der sportärztezeitung.

    is a certified sports scientist with a professional master's degree in sports medicine and postgraduate training in mind-body medicine (Harvard Medical School), psychoneuroimmunology, and lifestyle medicine (American College of Lifestyle Medicine); publisher of the sportärztezeitung.

    Dr. med. Alberto Schek

    » Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnung Spezielle orthopädische Chirurgie, Sportmedizin, Manuelle Medizin sowie Sportosteopathie DO.
    » Chefarzt der Paracelsus Sportmedizin & Prävention Bremen im Weserstadion
    » offizieller Medical Partner des SV Werder Bremen und
    Mannschaftsarzt Fischtown Pinguins Eishockey Bremerhaven

    01/26
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