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    Therapie

    Leistenhernie

    Ablauf einer Prähabilitation, dargestellt über mehrere Stationen
    Prof. Dr. med. Guido Woeste, Jörn Bremer, Kevin Myles , Dr. med. dent. Matthias RoßbergBy Prof. Dr. med. Guido Woeste, Jörn Bremer, Kevin Myles , Dr. med. dent. Matthias Roßberg14 Mins Read
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    Vorstellung und geplanter Vorgang (Prof. Dr. med. Guido Woeste)

    Wir berichten von zwei Patienten, die für eine geplante Operation einer Leistenhernie ein Prähabilitationsprogramm durchgeführt haben:

    Fall 1

    Herr Palmer stellte sich am 12.03.2025 erstmals in meiner Sprechstunde vor. Der 39-jährige Mann beschrieb, seit ca. zwei Monaten Schmerzen im Bereich der linken Leiste zu haben. Bei der Untersuchung zeigte sich eine gut reponible Leistenhernie auf der linken Seite, die auch im Ultraschall bestätigt wurde. Bis auf eine minimal-invasive Leistenhernienoperation rechts erfolgten keine abdominellen Voroperationen. Der BMI lag bei 26,3. Ich empfahl ihm die minimal-invasive Operation der Leistenhernie in TAPP-Technik. Die Operation wurde am 17.04.2025 wie geplant durchgeführt. In laparoskopischer Technik wurde ein 12 x 17 cm großes Kunststoffnetz eingelegt. Am Nachmittag des Operationstages konnte er nach Hause entlassen werden. In der Kontrolle sechs Tage nach der Operation, beschrieb der Patient kaum Beschwerden. Bei der Untersuchung zeigte sich eine Schwellung im Bereich der linken Leiste mit leichtem Druckschmerz. Bei der erneuten Vorstellung vier Wochen nach der Operation war die zuvor festgestellte Schwellung nicht mehr erkennbar und es bestanden keine Schmerzen mehr.

    Fall 2

    Die Vorstellung von Herrn Dr. Roßberg erfolgte mit einer Schwellung im Bereich der linken Leiste. Die Untersuchung inkl. Ultraschall ergab eine Leistenhernie links. Dem sportlichen, schlanken (BMI 25,4) Patienten empfahl ich die minimal-invasive Operation der Leistenhernie mit Netzeinlage. Der Eingriff wurde für den 14.11.2025 geplant. Aufgrund eines Infektes musste der Patient die Operation absagen. Bei einer Kontrolluntersuchung vier Wochen später war die zuvor diagnostizierte Schwellung nicht mehr zu tasten. In der Ultraschalluntersuchung konnte noch eine kleine Bruchlücke gesehen werden, allerdings ohne eine relevante Vorwölbung beim Pressen. Die zuvor beschriebenen Beschwerden bestanden nicht mehr. Daher verzichteten wir auf eine Operation.

    (Mehr zu Operationen von Leistenhernien finden Sie HIER)

    Prähabiltation aus physiotherapeutischer Sicht (Jörn Bremer)

    Fall 1

    Patientenvorstellung: Der Patient ist männlich, 39 Jahre alt und Freizeitsportler (zwei- bis dreimal Tennis die Woche inklusive Medenspiele). Beruflich ist der Patient Selbständig im Vertrieb und hat dementsprechend eine hauptsächlich sitzende Tätigkeit. Die gesundheitliche Vorgeschichte zeigt bereits eine Leistenbruchoperation auf der rechten Seite vor 15 Jahren. Laut eigener Schilderung dauerte es damals ca. ein Jahr bis zur völligen Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit und dem „Return to Competition“ im Fußball. Das Prähabilitationsprogramm dieses Patienten startete acht Wochen vor der geplanten Operation. Der Leistenbruch der linken Seite kam zustande beim Tennis spielen. Der Patient schilderte, er habe beim Ausholen und Rotieren des Oberkörpers (Aufschlag) ein „Poppen“ oder „Reißen“ gespürt. Symptomatisch bei diesem Fall zeigte sich das charakteristische Heraustreten einer Beule bei schon geringer Belastung an der linken Leiste. Ausserdem kam es zu diffusen Schmerzen (VAS 5/10) im Bereich der linken Leiste. Der Patient schilderte außerdem seine persönlichen Ängste: Angst vor einer (gefühlten) Instabilität des Rumpfes und Unsicherheit über das Ausmaß der Verletzung und die damit verbundene Behandlung und Rehabilitation, vor allem auf Grund seiner bestehenden Erfahrung mit der Verletzung und der damals sehr langen Rehabilitation.

    Anamnese: In der physiotherapeutischen Erstanamnese wurde zunächst ein Erstgespräch geführt, in dem der Patient seine oben beschriebene aktuelle Situation sowie seine Krankheitsgeschichte erklärte. Danach wurde die Anamnese des Bewegungsapparates durchgeführt. Der Sichtbefund der Körperstatik im Stehen zeigte eine Hyperlordose der Lendenwirbelsäule. Außerdem auffällig war der „Stand-and-Reach“-Test, bei dem sich zwischen Patienten-Finger und Boden 10 cm Abstand zeigten. In der Befundung der passiven Beweglichkeit der beiden Hüftgelenke in Rückenlage zeigten sich die größten Einschränkungen in der Hüftgelenksrotation in 90 Grad Flexion. Auf beiden Seiten wurden ein Bewegungsausmaß von 25/0/35 festgestellt (Norm: ca. 40-0-50° https://flexikon.doccheck.com/de/Hüftbeweglichkeit). Abschließend wurde die Bauchmuskulatur getestet, indem der Patient in Rückenlage mit angestellten Beinen den Kopf heben sollte. Hierbei kam es zum sichtbaren und spürbaren heraustreten der Leiste auf der linken Seite. 

    Ziele der Prähabilitation: Mit dem Patienten zusammen wurden nach der Anamnese Ziele der Prähabilitation festgelegt. Der Patient schilderte, er möchte bestmöglich auf die anstehende OP vorbereitet werden. Aufklärung über den Eingriff und die damit verbundenen Einschränkungen vor und nach der OP wurden mit dem Arzt besprochen und mit dem Physiotherapeuten noch einmal durchgegangen. Dem Patienten wurde erklärt, Belastungsspitzen für die Verletzung in der Zeit vor der OP und die Zeit der Rehabilitation zu vermeiden. Außerdem sollten in der Zeit der Vorbereitung auf die OP, Symptome wie Schmerz und verringerte Beweglichkeit durch passive, physiotherapeutische Behandlungen reduziert werden. Die Ziele der Trainingstherapie wurden zusammen mit dem Patienten definiert. Hierbei wurde für diesen Patienten eine Haltungsschulung festgelegt, um die Hyperlordose zu verbessern und dem Patienten eine bessere Rumpfkontrolle zu ermöglichen (Übungen und genauere Beschreibung im Teil der Trainingstherpie). Zu guter Letzt sollte auch der allgemeine Stoffwechsel des Körpers verbessert werden. Ein sanftes Ausdauertraining auf dem Radergometer und Cross-Trainer mit einer Belastung von ca. 40 – 50 % der Vo2max sollten die Ausgangssituation des Herz-Kreislauf-Systems und die Durchblutung verbessern, um die bestmögliche Blutversorgung und damit auch den Abtransport von Stoffwechselrestprodukten aus der OP-Region zu gewährleisten. 

    Physiotherapeutische Behandlung: Die physiotherapeutische Behandlung wurde begleitend zum Training einmal pro Woche für eine Stunde durchgeführt. Neben passiven Behandlungen wurde auch immer wieder kontrolliert, ob der Patient sich mental gut vorbereitet fühlt und ob noch offene Fragen zu klären sind. In den Behandlungen wurde der Fokus auf die gefundenen Defizite der Erstanamnese gelegt. So wurden durch Weichteiltechniken Verspannungen und muskuläre Dysbalancen im Bereich der Oberschenkel (Vor- und Rückseite), der Gesäßmuskulatur sowie des Rückens behandelt.  Vor allem aber wurde zusätzlich zu der aktiven Mobilisation in der Trainingstherapie auch die passive Beweglichkeit der Hüften verbessert. Hier wurden die Weichteiltechniken kombiniert mit passiver Dehnung der Hüftgelenks-umliegenden Muskultur und CHRS-Techniken (Contract-hold-Relax-stretch nach Sölveborn 1983). Im Verlauf der Behandlung und des Trainings konnten hier eine Woche vor der Operation bereits Verbesserungen der Hüftgelenksrotation festgestellt werden. Die Beweglichkeitsgrade des Patienten von anfänglich 25/0/35 wurden deutlich auf 35/0/40 gesteigert. Der Patient schilderte kurz vor der Operation deutlich merkbare Verbesserungen der Beweglichkeit (Subjektiv wie objektiv dargestellt), ein besseres Körpergefühl im Bereich des Rumpfes sowie bessere Kontrolle. Auf jegliche Arten der passiven physikalischen Therapien wurde aufgrund nicht vorhander Möglichkeiten verzichtet.

    Rehabilitation: Kurz zusammengefasst verlief die Reha im Anschluss an die Operation komplikationsfrei. In der Woche nach der Operation wurden Lymphdrainage-Techniken zur Entstauung des Wundgebiets durchgeführt. Ebenso wie sanftes Mobilisieren der Hüften im schmerzfreien Bereich und Atemtechniken zur leichten Aktivierung der Bauchmuskulatur. Zwei Wochen nach der Operation durfte der Patient wieder leichte Aktivitäten ausüben. Ein sanfter Einstieg in das Rehaprogramm (Bauchtraining, Mobilisation, Ausdauertraining auf dem Radergometer) sowie der Einstieg in den Tennissport (leichtes hin und her-spielen mit dem Sohn) wurde ohne Nebenwirkungen vom Patienten toleriert. Bereits vier Wochen post-OP stieg der Patient mit Erlaubnis des Arztes und Absprache mit Physiotherapeuten und Trainer in die Vorbereitung ein für die Tennis Medenrunde, auch weil die Progression der Trainingstherapie und die problemfreie Steigerung im Rehaprogramm ohne Nebenwirkungen verlief. Acht Wochen nach der Operation startete der Patient sein erstes Tennisturnier der Medenrunde.

    Fall 2

    Patientenvorstellung: Der Patient ist männlich, 51 Jahre alt und leistungsorientierter Freizeitsportler im Bereich Krafttraining (zwei bis drei Einheiten pro Woche) sowie einer Geschichte im leistungsorientierten Judosport. Er ist selbstständiger Zahnarzt. Die gesundheitliche Vorgeschichte bezieht sich vor allem auf das rechte Bein: Zwei operierte Kreuzbandrisse im rechten Knie im Jugendalter sowie ein Abriss des M. Rectus Femoris mit Refixation an der Spina ilica anterior superior durch Schraube stehen bereits zu Buche. Heute zeigt sich das rechte Bein mit einer deutlichen Varusabweichung im rechten Knie, was dem Patienten allerdings laut eigener Aussage keine Probleme macht. Der Leistenbruch auf der linken Seite kam durch starkes Krafttraining. So schilderte der Patient, es sei ihm in die Leiste „gefahren“, als er einarmiges Rudern mit der Kurzhantel (60Kg) durchführen wollte. Die Verletzung wurde durch den Arzt diagnostiziert und ist nicht durch das typische Heraustreten einer Beule erkennbar. Der Patient schilderte, er habe zwar keine großen Schmerzen (VAS 2/10) aber er fühle sich unsicher, was er zum aktuellen Zeitpunkt noch dürfe und wie er sich am besten auf die Operation vorbereite. Der Patient kam acht Wochen vor der geplanten Operation in unsere Einrichtung.

    Anamnese: Der Patient befand sich in einer guten körperlichen Verfassung und war sehr muskulös. Im Sichtbefund waren außer der sehr deutlichen Varusstellung des rechten Knies, keine aussagekräftigen Abweichungen zu erkennen. Im Stand-and-Reach-Test wurde ein Defizit von 5 cm festgestellt. Die größten Einschränkungen wurden auch bei diesem Patienten im Bereich der passiven Innenrotation des rechten Hüftgelenks festgestellt (20/0/40). Eventuell als Folge der vielen Operationen am rechten Beinkomplex. Beim Test der Bauchmuskulatur in Rückenlage konnte die Verletzung nur durch fehlende Spannung im verletzten Gebiet ertastet werden, war aber nicht sichtbar zu erkennen. 

    Ziele der Prähabilitation: Als Ziele wurden, zusammen mit dem Patienten, folgende Punkte definiert: Aufklärung über Wundheilung war für ihn aufgrund seiner beruflichen Situation nicht wichtig. Im Vordergrund sollten das Vermindern von muskulären Dysbalancen stehen sowie die Verbesserung der Beweglichkeit der rechten Hüfte. In der Trainingstherapie vor allem die Rumpfkontrolle und die Stabilität der Lenden-Becken-Hüft-Region im Hauptfokus liegen. Darüber hinaus das Erlernen der adäquaten Anpassung der Trainingsintensität zu Vorbereitung der Operation. Außerdem wurde für die Zeit der Prähabilitation ein genauer Ernährungsplan eingehalten (siehe Patiententeil). 

    Physiotherapeutische Behandlung: Die Physiotherapie wurde begleitend zur Trainingstherapie einmal die Woche für eine Stunde durchgeführt. Der Fokus dieser Einheiten lag symptomatisch auf dem Verringern von muskulären Dysbalancen vor allem im Bereich des rechten Hüftgelenks. Weichteiltechniken und Dehnungen im Bereich der Oberschenkel Vor- und Rückseite sowie der Gesäßmuskulatur und der Lendenwirbelsäule zeigten sich beim Patienten als wohltuend und beweglichkeitsfördernd (nach 8 Wochen Hüftgelenksrotation rechts bei 30/0/40). Der Patient schilderte zunehmend weniger Probleme im Alltag zu haben und ein Gefühl von besserer Rumpfkontrolle sowie vermehrter Mobilität.

    Rehabilitation: Aufgrund zeitlicher Engpässe des Patienten wurde die erste Operation zunächst vier Wochen weiter verschoben. Der Patient hielt sich weiterhin an sein Trainingsprogramm und machte Fortschritte. Wegen deutlichen Verbesserungen der Symptome und keinerlei Einschränkungen im Beruf und Alltag wurde vor der zweiten Operation der Arzt erneut konsultiert und musste bei der Ultraschalluntersuchung feststellen, dass die Leistenverletzung klinisch nicht mehr nachweisbar war, trotz (?) wiedererreichter vollständiger Trainingsbelastung. Bis auf weiteres und unter regelmäßigen Kontrollen wurde von der Operation abgesehen. Zusammen mit dem Patienten wurde dann das weitere Vorgehen besprochen. Dieses beinhaltete weitergehende, aber ausschleichende physiotherapeutische Behandlungen, vor allem eine langsame und sich stetig steigernde Trainingstherapie.

    Prähabiltation aus trainingstherapeutischer Sicht (Kevin Myles)

    Fall 1

    Zu Beginn zeigte sich eine deutlich eingeschränkte Mobilität im Hüftbereich, was sich auch in der Übungsausführung widerspiegelte. Der anfängliche Schwerpunkt lag daher auf der Verbesserung der Hüftbeweglichkeit in allen Bewegungsrichtungen. Angrenzende Gelenke wie Sprung-, Kniegelenke und Wirbelsäule wurden bewusst einbezogen, um ein ganzheitliches Bewegungskonzept umzusetzen. Aufgrund stark ausgeprägter Einschränkungen kamen zur Verbesserung der Sprunggelenksmobilität überwiegend manuelle Techniken zum Einsatz. Die Hüftmobilisation erfolgte über kombinierte Übungen zur Innen- und Außenrotation sowie zu Flexion und Extension. Nach ersten spürbaren Verbesserungen wurde das Training schrittweise um Kräftigungsübungen für Hüftmusku­latur und Rumpf ergänzt. Der Fokus lag zunächst auf isometrischen Übungsformen, die dehnende und kräftigende Reize in teilweise unsicheren Bewegungsradien setzten. Eine zentrale Übung war der statische freie Kniebeugensitz („Horse Stance“), bei dem die Hüfte kontrolliert abgesenkt und die Position bei stabiler Wirbelsäulenhaltung gehalten wurde. Die Haltezeiten wurden progressiv gesteigert. Ergänzend kamen Rumpfstabilisierungsübungen auf stabilem und instabilem Untergrund sowie isometrische Rotationsübungen wie der Pallof Press zum Einsatz. Ziel war eine verbesserte neuromuskuläre Kontrolle und Belastungstoleranz im Hüft- und Rumpfbereich. Im weiteren Verlauf etablierten sich mehrere besonders effektive Übungen, die dauerhaft in das Training integriert wurden.

    Fall 2

    Zu Beginn wurden gezielt Übungen ausgewählt, die als vorbereitender trainingstherapeutischer Ansatz dienten und die in der Anamnese festgestellten Dysbalancen adressierten. Der Schwerpunkt lag auf der Verbesserung der Beweglichkeit des linken Sprunggelenks, der Mobilität und Kräftigung der beidseitigen Adduktorenkette sowie der Innenrotation der rechten Hüfte. Ziel war es, funktionelle Voraussetzungen für komplexere Übungsformen zu schaffen und das Bewegungssystem ganzheitlich vorzubereiten. Zur Verbesserung der Sprunggelenksmobilität kamen einfache, selbstständig durchführbare Übungen zum Einsatz, wie ein enger Ausfallschritt vor einer Wand mit kontrollierter Vorschubbewegung des Knies zur Förderung der Dorsalflexion sowie eine Übung mit Widerstandsband, bei der das Sprunggelenk aktiv in beide Richtungen gekreist wurde.

    Zur Verbesserung der Hüftrotation wurde eine Standübung mit erhöht positioniertem Fuß gewählt, um eine ausgeprägte Außenrotation zu erzeugen. Durch den Einsatz eines leichten Zusatzgewichts erfolgte aus dieser Position ein aktives Dehnen der Gluteusmuskulatur. Alle Übungen wurden beidseitig und mit variierender Inten­sität durchgeführt. Mobilitätsübungen erfolgten konsequent nach dem Prinzip des „Stretch under Load“. Eine weitere Übung zielte auf die verbesserte Ansteuerung der Hüftbeugemuskulatur ab und wurde in einer Stützübung zwischen zwei erhöhten Kisten durchgeführt. Durch kontrolliertes Absenken und anschließendes Anheben des Beines wurde der Hüftbeuger gedehnt und die vordere Muskelkette, insbesondere der Psoas, aktiviert. Zur gezielten Verbesserung der Innenrotation kam ergänzend eine Widerstandsübung in Bauchlage mit 90-Grad-Beugung zum Einsatz. Insgesamt konnten aufgrund der guten körperlichen Ausgangsverfassung bereits fortgeschrittenere Übungen integriert werden.

    Patient Voice

    Fall 1 (Franco Palmer)

    Vor fünfzehn Jahren wurde ich erstmals an einer Leistenhernie rechts operiert. Die Genesung war langwierig, schmerzhaft und psychisch belastend – ein Jahr dauerte es, bis ich mich wieder vollständig belasten konnte. Als kürzlich eine Leistenhernie links diagnostiziert wurde, entschied ich mich für einen völlig anderen Weg, der meine OP-Erfahrung grundlegend verändern sollte. Die ersten Anzeichen spürte ich während eines Tennisspiels als „Plopp“. Anfangs versuchte ich, die Beschwerden selbst zu kontrollieren, trainierte weiter und ergänzte mein Programm durch Rumpfkräftigung. Mit der Zeit bildete sich jedoch eine schmerzhafte Vorwölbung, die ärztlich abgeklärt wurde. Statt auf die Operation zu warten, begann ich ein strukturiertes Prähab-Programm. Fokus waren Hüft- und Gesäßmuskulatur sowie tiefe Rumpfstabilisatoren. Gleichzeitig informierte ich mich intensiv über den Eingriff. Diese Kombination aus körperlicher Vorbereitung und Wissen war entscheidend. Die psychologische Wirkung war enorm: Durch aktive Vorbereitung, Verständnis des Eingriffs und Begleitung durch Prof. Dr. Guido Woeste, Physiotherapeut Jörn Bremer und Fitnesstrainer Kevin Myles fühlte ich mich sicher und mental ruhig – ein starker Kontrast zur ersten Operation. Die körperlichen Vorteile zeigten sich unmittelbar: Schon etwa 30 Minuten nach der Operation konnte ich aufstehen und zur Toilette gehen. Gut trainierte Hüft- und Gesäßmuskeln ermöglichten Stabilität und frühe Mobilisation, wodurch Heilung und Durchblutung gefördert wurden. Nur drei Stunden nach dem Eingriff konnte ich nach Hause, die Rehabilitation begann sofort mit vorsichtiger Mobilisation, Atemarbeit und progressivem Training. Nach zwei Wochen spielte ich erste leichte Tennisbälle, nach vier Wochen nahm ich wieder am Medenrundenspiel teil – stabil, leistungsfähig und mit hohem Körpervertrauen. Dass meine Fitness nach diesen vier Wochen genauso gut war wie vor der OP, ließ sich auch mittels Bioimpendanzanalyse (BIA Systems) objektiv überprüfen und darstellen. Prähabilitation verkürzte nicht nur meine Genesungszeit, sondern stärkte Vertrauen, mentale Stärke und körperliche Widerstandsfähigkeit. Rückblickend war sie der entscheidende Faktor für eine kontrollierte, selbstbestimmte und erfolgreiche Heilung.

    Fall 2 (Dr. Matthias Roßberg)

    Im Rahmen eines Krafttrainings kam es beim einarmigen Kurzhantel-Rudern mit 60 kg zu einer akuten Verletzung der linken Leistenregion. Ich verspürte sofort einen ziehenden, stechenden Schmerz mit sicht- und tastbarer Vorwölbung, sodass das Training abgebrochen werden musste. Zwei Tage später stellte sich die Diagnose einer linksseitigen Leistenhernie bei Prof. Woeste. Die umfassende Aufklärung über Anatomie, Pathophysiologie sowie operative und konservative Optionen war für mich entscheidend – dies reduzierte Angst, Unsicherheit und Schonverhalten. Da keine Einklemmung vorlag und die Beschwerden belastungsabhängig waren, begann ich sofort eine strukturierte Prähabilitation. Ziel war nicht die Heilung der Hernie, sondern die Optimierung des entzündlichen Milieus, Verbesserung der Gewebequalität, Reduktion der Schmerzen und Steigerung der Belastbarkeit. Physiotherapeutisch wurde schrittweise die Rumpf-, Hüft- und Beckenstabilität aufgebaut. Beschwerden dienten als Orientierung zur Anpassung von Intensität und Trainingsumfang, was Vertrauen in die eigene Belastbarkeit stärkte und die interdisziplinäre Zusammenarbeit förderte. Ernährungsmedizinisch achtete ich auf entzündungsarme, eiweißreiche Kost, ergänzt durch Mikronährstoffe und Aminosäuren zur Unterstützung von Regeneration, Schlaf und Gewebesynthese: Magnesiumbisglycinat/-threonat zur neuromuskulären Entspannung, Glycin zur Kollagensynthese und Schlafverbesserung, Omega-3-Fettsäuren, Boswellia und Curcumin zur Modulation entzündlicher Prozesse sowie Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels. Adaptogene wie Ashwagandha verbesserten Stressresilienz und Schlafqualität. Body-Mind-Interventionen mit Atem- und Entspannungsübungen regulierten das autonome Nervensystem, reduzierten sympathische Überaktivität und Muskelspannung. Dadurch verbesserten sich Schlaf, Körperwahrnehmung und subjektive Schmerzintensität, was die physiotherapeutische Belastungssteigerung erleichterte. Im Verlauf von Wochen nahm die Symptomatik kontinuierlich ab. Nach drei Monaten bestand vollständige Beschwerdefreiheit im Alltag und nahezu vollständige sportliche Belastbarkeit. In der Kontrolle bei Prof. Woeste zeigte sich kein operativer Behandlungsbedarf. Aus Patientensicht war die Kombination aus fundierter chirurgischer Aufklärung, strukturierter physiotherapeutischer Belastungssteuerung, gezielter Supplementierung und Body-Mind-basierter Stressreduktion der entscheidende Prähabilitationsfaktor. Sie reduzierte Angst, förderte Eigenverantwortung und ermöglichte eine stabile funktionelle Wiederherstellung ohne Operation.

     

    Dr. Matthias Roßberg

    Autoren

    Prof. Dr. med. Guido Woeste

    ist Facharzt für Allgemeinchirurgie, Viszeralchirurgie, Spezielle Viszeralchirurgie, Chefarzt Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, AGAPLESION Elisabethenstift Darmstadt. European Board of Surgery Qualification in Abdominal Wall Surgery.

    Jörn Bremer

    ist Physiotherapeut der deutschen Baseball Nationalmannschaft und Geschäftsführer bei 360 Grad Personal Training, Darmstadt.
    (Stand 2026)

    Kevin Myles

    ist Fitnesstrainer (A-Lizenz), Trainer für Sportrehabilitation und Geschäftsführer 360 Grad Personal Training, Darmstadt.
    (Stand 2026)

    Dr. med. dent. Matthias Roßberg

    absolvierte ein Studium der Zahnheilkunde in Frankfurt am Main. 2003–2006 wiss. Mitarbeiter, Poliklinik für Parodontologie des Universitätsklinikums Ffm. Seit 2009 niedergelassen in eigener Praxis in Darmstadt. Seit 2008 ist er Tutor/Dozent des Studiengangs „Master Parodontologie und Implantattherapie“, Universitätsklinikum für Zahn­, Mund­ und Kieferheilkunde, Freiburg. Außerdem ist Dr. Roßberg wiss. Beirat der sportärztezeitung.

    01/26
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