Neue Perspektiven für Neuroprotektion und Therapie neurologischer Erkrankungen
Neuroinflammation gilt als gemeinsamer pathophysiologischer Mechanismus zahlreicher neurologischer und neuropsychiatrischer Erkrankungen. Aktivierte Mikroglia und Astrozyten, entzündliche Signalwege, oxidativer Stress, mitochondriale Dysfunktion und Störungen der Blut-Hirn-Schranke können die synaptische Funktion beeinträchtigen, neuronale Schäden fördern und den Krankheitsverlauf beschleunigen. Die therapeutischen Möglichkeiten, diese Prozesse gezielt zu beeinflussen, sind bislang begrenzt.
Die Photobiomodulation (PBM), bei der energiearmes rotes bis nahinfrarotes Licht eingesetzt wird, rückt deshalb zunehmend in den Fokus der Forschung. Präklinische Studien zeigen, dass PBM unter anderem die mitochondriale Aktivität beeinflussen kann, insbesondere über die Cytochrom-c-Oxidase. Dadurch könnten der zelluläre Energiestoffwechsel unterstützt, reaktive Sauerstoffspezies reguliert und entzündliche Signalwege moduliert werden. Experimentelle Modelle liefern Hinweise auf eine Reduktion neuroinflammatorischer Prozesse und neuroprotektive Effekte.
Die klinische Evidenz ist allerdings noch begrenzt. Erste Ergebnisse bei Alzheimer-Erkrankung und Multipler Sklerose sind ermutigend. Bei Parkinson und schwerer Depression zeigten klinische Studien dagegen überwiegend keine positiven Effekte auf die primären Endpunkte. Zu den zentralen Herausforderungen zählen stark variierende Behandlungsparameter, unzureichend geklärte Wirkmechanismen und fehlende validierte Biomarker zur Messung der biologischen Effekte. Hinzu kommt die begrenzte Lichtpenetration bei transkranieller Anwendung. Auch periphere Ansätze, etwa über die Darm-Hirn-Achse, werden daher als mögliche Alternative untersucht.
Fazit für die Praxis: Photobiomodulation ist ein vielversprechender Forschungsansatz, aber noch keine etablierte Therapie gegen neuroinflammatorische Erkrankungen. Künftig müssen standardisierte Protokolle, geeignete Patientengruppen und Behandlungszeitpunkte sowie ausreichend große, kontrollierte klinische Studien klären, welchen Stellenwert PBM besitzt. Besonders interessant ist ihr Potenzial als ergänzende Maßnahme zu bestehenden Therapien – nicht als deren Ersatz.
Veröffentlicht: 20.10.2026
Autoren
Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten & Trainer

