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    GLP-1-Therapie

    Wenn das Gewicht sinkt, wird die Qualität des Gewichtsverlusts entscheidend
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    Aktuelle Daten rücken die Qualität des Gewichtsverlusts in den Fokus – Kreatin wird
    als Forschungsansatz diskutiert

    • GLP-1- und GIP/GLP-1-basierte Adipositastherapien ermöglichen erhebliche Gewichtsverluste. Ein Teil davon entfällt auf fettfreie Masse.
    • Eine ausreichende Proteinzufuhr und regelmäßiges Krafttraining gelten als zentrale Maßnahmen, um Muskelmasse und -funktion während der Gewichtsabnahme zu unterstützen.
    • Neue Arbeiten diskutieren darüber hinaus Kreatin als möglichen ergänzenden Ansatz (Direkte klinische Evidenz für einen Nutzen von Kreatin bei Patienten unter GLP-1- beziehungsweise GIP/GLP-1-Therapie liegt bislang nicht vor.)

    Die Adipositastherapie hat in den letzten Jahren einen Paradigmenwechsel erlebt: Mit Semaglutid, Tirzepatid und Liraglutid lassen sich Gewichtsreduktionen erzielen, die noch vor wenigen Jahren kaum medikamentös erreichbar schienen. Doch mit der zunehmenden Effektivität der Therapie verändert sich auch die wissenschaftliche Fragestellung: Wie lässt sich nicht nur möglichst viel Gewicht, sondern möglichst hochwertig abnehmen? Denn neben Fettmasse nimmt bei deutlicher Gewichtsreduktion häufig auch die fettfreie Masse ab. Damit gewinnt die Betrachtung der Körperzusammensetzung zunehmend an Bedeutung. Genau an diesem Punkt setzt eine aktuelle wissenschaftliche Diskussion an – und rückt neben den etablierten Säulen Ernährung und Bewegung auch Kreatin als möglichen ergänzenden Ansatz in den Fokus.

    Fettfreie Masse: relevant, aber nicht gleichbedeutend mit Muskelverlust

    Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von 20 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 15.782 Teilnehmern untersuchte, wie sich der Verlust an fettfreier Masse unter Inkretin-basierten Therapien im Vergleich zu Lebensstilinterventionen verhält (1). Danach entfielen unter Semaglutid 35,2 Prozent, unter Tirzepatid 25,4 Prozent und unter Liraglutid 26,8 Prozent des verlorenen Gewichts auf fettfreie Masse. Bei reinen Lebensstilinterventionen lag der Anteil mit 26,2 Prozent in vergleichbarer Größenordnung (p = 0,42). Am günstigsten war die Kombination aus Lebensstilintervention und Krafttraining: Hier entfielen 17,5 Prozent des Gewichtsverlusts auf fettfreie Masse (1).

    Die Zahlen bedürfen allerdings einer wichtigen Einordnung: Fettfreie Masse ist nicht gleich Skelettmuskel. DXA-basierte Messungen umfassen neben Muskelgewebe auch Wasser, Organe und weitere fettfreie Gewebe. Ein Rückgang dieses Parameters während einer deutlichen Gewichtsabnahme kann daher nicht automatisch als klinisch relevanter Muskelverlust oder Sarkopenie interpretiert werden. Entscheidend ist vielmehr, ob
    Muskelkraft und körperliche Funktion erhalten bleiben (2).
    Auch die aktuelle Übersichtsarbeit zur muskuloskelettalen Gesundheit unter GLP-1-basierten Therapien betont diese Differenzierung (2). Die bislang verfügbaren Daten erlauben keinen sicheren Schluss auf einen regelhaft überproportionalen Verlust von
    Muskelgewebe unter GLP-1-basierten Therapien. Vielmehr ist der Gewichtsverlust überwiegend durch die Reduktion der Fettmasse geprägt. Die Autoren plädieren daher für eine Bewertung der „quality of weight loss“, bei der neben der Körperzusammensetzung auch Muskelqualität, körperliche Funktion, Knochengesundheit und Ernährungsstatus berücksichtigt werden (2).

    Krafttraining und Protein als zentrale Stellschrauben

    Unter einer Inkretin-basierten Therapie können Appetitminderung, frühe Sättigung und gastrointestinale Beschwerden die Energie- und insbesondere die Proteinzufuhr begrenzen. Gleichzeitig nimmt mit sinkendem Körpergewicht die mechanische Belastung der Muskulatur ab (2). Eine ausreichende Proteinzufuhr und regelmäßiges Krafttraining gelten daher als zentrale Maßnahmen, um Muskelmasse und -funktion während einer Gewichtsreduktion zu unterstützen. Für die Proteinzufuhr werden während der aktiven Gewichtsabnahme häufig etwa 1,2 bis 1,5 g/kg Körpergewicht pro Tag diskutiert; spezifische Dosis-Wirkungs-Daten für Patienten unter Inkretin-Therapie fehlen jedoch noch (2).

    Kreatin: etablierte Evidenz trifft auf neue Forschungsfrage

    Neben Protein und Krafttraining wird zunehmend auch Kreatin als möglicher ergänzender Ansatz diskutiert. Für Kreatin in Kombination mit regelmäßigem Krafttraining liegt bereits Evidenz für positive Effekte auf die Muskelkraft vor. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigte 2016 einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen der täglichen Aufnahme von mindestens 3 g Kreatin in Kombination mit
    regelmäßigem Krafttraining und einer verbesserten Muskelkraft bei Erwachsenen über 55 Jahren. Der entsprechende Health Claim wurde 2017 in die EU-Liste zugelassener Health Claims aufgenommen (3).

    Dieser Health Claim bezieht sich ausdrücklich auf Erwachsene über 55 Jahre in Kombination mit regelmäßigem Krafttraining und lässt sich daher nicht unmittelbar auf Patienten unter GLP-1-Therapie übertragen. Die aktuelle Evidenz bei älteren Erwachsenen ist zudem differenziert: Eine 2025 veröffentlichte Meta-Analyse zeigte unter Kreatin in Kombination mit Krafttraining einen signifikanten Effekt auf die fettfreie Masse. Für die Kraft der unteren Extremität zeigte sich ein grenzwertiger Effekt, während für die obere Extremität kein signifikanter Gesamteffekt nachweisbar war (5).

    Kreatin bei GLP-1-Therapie: von der Hypothese zur klinischen Forschungsfrage

    Ob sich diese Evidenz auf die besondere Situation einer pharmakologisch unterstützten Gewichtsabnahme übertragen lässt, ist bislang offen. Eine aktuelle wissenschaftliche Perspektive formuliert die Hypothese, dass Kreatin – insbesondere in Kombination mit Krafttraining – dazu beitragen könnte, den Verlust fettfreier Masse während einer Inkretinbasierten Pharmakotherapie zu begrenzen. Als mögliche Grundlage werden unter anderem die etablierte Rolle von Kreatin im Phosphokreatin-System sowie die Evidenz aus anderen Populationen diskutiert (4).

    Für Patienten unter GLP-1- beziehungsweise GIP/GLP-1-Therapie ist dieser Zusammenhang bislang nicht klinisch belegt. Die Forschungsfrage ist jedoch inzwischen nicht mehr rein theoretisch, sondern Gegenstand einer klinischen Untersuchung: Eine aktuell rekrutierende randomisierte Pilotstudie untersucht bei 40 Erwachsenen, die eine GLP-1-Rezeptoragonisten-Therapie beginnen, täglich Kreatin gegenüber Placebo – jeweils in Kombination mit einem zwölfwöchigen Krafttrainingsprogramm. Dabei werden unter anderem Veränderungen der fettfreien Masse und der körperlichen Funktion erfasst. Ergebnisse liegen noch nicht vor (6).

    Die Qualität des Gewichtsverlusts rückt in den Fokus

    Dass die Zusammensetzung des Gewichtsverlusts zunehmend auch bei der Entwicklung neuer Adipositastherapien berücksichtigt wird, zeigt die aktuelle Phase-2-Studie BELIEVE. Die Kombination aus Bimagrumab und Semaglutid führte zu einem stärkeren Gewichtsund Fettverlust als Semaglutid allein und war zugleich mit einer besseren Erhaltung der fettfreien Masse verbunden (7). Die Entwicklung zeigt: Bei der pharmakologischen Gewichtsreduktion rückt neben dem Ausmaß des Gewichtsverlusts zunehmend auch dessen Zusammensetzung in den Fokus. Krafttraining und eine ausreichende Proteinzufuhr bilden dabei die derzeit am besten begründeten Ansatzpunkte für den Muskelerhalt. Ob Kreatin künftig als weiterer Baustein zur Unterstützung von fettfreier Masse und Muskelkraft während einer Inkretin-basierten Therapie beitragen kann, muss die klinische Forschung zeigen.

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    Quellen
    1. Eisa N, Barood O. Lean Mass Changes With Incretin Therapy Versus Lifestyle Intervention: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomised Controlled Trials. Diabetes Obes Metab. 2026;28(6):4818–4827. doi:10.1111/dom.70666.
    2. Šantić R, Martinović L, Pavlović N, et al. Lean Mass and Musculoskeletal Preservation in GLP-1-Based Obesity Treatment: Nutrition, Exercise, Supplementation, and Monitoring Strategies. Metabolites. 2026;16(6):364.
    doi:10.3390/metabo16060364.
    3. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). Creatine in combination with resistance training and improvement in muscle strength: evaluation of a health claim pursuant to Article 13(5) of Regulation (EC) No 1924/2006. EFSA Journal. 2016;14(2):4400.
    https://doi.org/10.2903/j.efsa.2016.4400.
    4. Ribeiro F, Forbes SC, Candow DG, et al. Creatine supplementation for preventing muscle atrophy in patients taking incretin-based pharmacotherapies: a perspective. J Nutr Physiol. 2026. doi:10.1016/j.jnphys.2026.100028.
    5. Liu S, Huang N, Wu W, et al. The impact of creatine supplementation associated with resistance training on muscular strength and lean tissue mass in the aged: a systematic review and meta-analysis. Eur Rev Aging Phys Act. 2025;22:26.
    doi:10.1186/s11556-025-00392-9.
    6. ClinicalTrials.gov. Creatine Supplementation During GLP-1a Therapy. Studienregistrierung NCT07625202.
    clinicaltrials.gov/study/NCT07625202 (Zugriff: August 2026).
    7. Heymsfield SB, Aronne LJ, Montgomery P, et al. Bimagrumab plus semaglutide alone or in combination for the treatment of obesity: a randomized phase 2 trial. Nat Med. 2026;32:869–882. Verfügbar unter:
    https://www.nature.com/articles/s41591-026-04204-0.

    Hinweis: Bei den zitierten Arbeiten zu Kreatin und Inkretin-basierten Therapien handelt es sich teilweise um hypothesengenerierende beziehungsweise indirekte Evidenz. Randomisiert-kontrollierte Studien zur spezifischen Wirksamkeit von Kreatin bei Patienten unter GLP-1- bzw. GIP/GLP-1-Therapie liegen bislang nicht vor. Prof. Darren G. Candow, Ko-Autor der Arbeit von Ribeiro et al., ist wissenschaftlicher Berater (Scientific Advisor) der Alzchem im Bereich Kreatinforschung. Die EFSA-Bewertung des Health Claims zu Kreatin und Krafttraining erfolgte auf Grundlage eines von AlzChem AG eingereichten Antrags.

    Mehr Informationen finden Sie HIER

     

    Veröffentlicht: 05.10.2026

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