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    Therapie

    Kernspinresonanz-Therapie im Profisport

    erste Fallserie im Fußball und Registerdaten
    PD Dr. med. Anna Schreiner , Prof. Dr. med. Götz WelschBy PD Dr. med. Anna Schreiner , Prof. Dr. med. Götz Welsch4 Mins Read
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    PD Dr. med. Anna J. Schreiner , Richard Evans, Prof. Dr. med. Götz Welsch

    Verletzungen gehören im Profifußball zum strukturellen Risiko – mit direkten Auswirkungen auf den sportlichen Erfolg und erheblichem ökonomischem Gewicht. Aktuelle Analysen aus den europäischen Topligen zeigen, dass pro Saison mehrere tausend Verletzungen auftreten und damit verbundene Gehaltsausfälle in dreistelliger Millionenhöhe entstehen (Howden Men’s European Football Injury Index 2023/24). 

    Vor diesem Hintergrund wächst die Bedeutung effizienter Rehabilitationsstrategien. Neben etablierten Verfahren rückt dabei zunehmend die Frage in den Fokus, wie zusätzlichen Therapiebausteine sinnvoll in bestehende Konzepte inte­griert werden können, um Heilungsverläufe noch besser zu unterstützen und Rückkehrzeiten zu optimieren. Die letztes Jahr in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin veröffentlichte Arbeit „Kernspinresonanz-Therapie als Bestandteil einer Kombinationstherapie im Profifußball – Einjahresergebnisse, eine Fallserie“  untersucht die Rolle der therapeutischen Kernspinresonanz (NMRT bzw. tNMR, auch: KSRT bzw. MBST®) als ergänzenden Baustein innerhalb eines multimodalen Behandlungskonzepts im Profifußball. Grundlage war eine Fallserie des damals deutschen Zweitligisten HSV (Leitender Mannschaftsarzt Prof. G. Welsch) über einen Zeitraum von einem Jahr. Insgesamt wurden 13 Spieler mit unterschiedlichen chronischen und auch akuten muskuloskelettalen Verletzungen vornehmlich im Bereich der unteren Ex­tremität zusätzlich zur bisherigen Standard­rehabilitation mit Kernspinresonanz-Therapie behandelt. Das zugrunde liegende Behandlungskonzept war bereits bewusst breit aufgestellt und kombiniert verschiedene etablierte Maßnahmen, darunter physiotherapeutische Interventionen, sportartspezifisches Aufbautraining, physikalische Anwendungen sowie ergänzende ernährungs- und regenerationsorientierte Strategien. MBST® wurde hierbei als neuer und zusätzlicher Baustein integriert. Die nicht-invasive Methode nutzt Kernspinresonanz therapeutisch, um zelluläre Stoffwechselprozesse in verschiedenen Geweben zu stimulieren und regenerative Abläufe zu unterstützen (siehe hierzu auch bisherige Artikel 2025 / 2026 in der sportärztezeitung). 

    Im Beobachtungszeitraum konnten alle eingeschlossenen Spieler erfolgreich in Training und Wettkampf zurückgeführt werden. Die Therapie wurde gut in den Rehabilitationsalltag integriert und zeigte eine hohe Akzeptanz bei Spielern und Betreuungsteam. Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Auch im weiteren Verlauf traten innerhalb des dokumentierten Zeitraums keine Re-Verletzungen auf, was auf stabile Heilungsverläufe hindeutet. Die allgemeinen klinischen Ergebnisse wie auch die subjektive Bewertung der Spieler waren durchgehend positiv. In der Einordnung der Ergebnisse wird deutlich, dass Kernspinresonanz-Therapie insbesondere im Rahmen komplexer, multimodaler Therapiekonzepte zu betrachten ist. Ein isolierter Effekt lässt sich auf Basis der vorliegenden Daten naturgemäß nicht eindeutig abgrenzen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass die Methode problemlos in bestehende Strukturen integriert werden kann und einen unterstützenden Beitrag zur Regeneration leistet. Die Fälle zeigen auf, dass insbesondere bei chronischen oder therapieresistenteren Beschwerdebildern – etwa im Bereich von Sehnen oder Knochenstoffwechsel – ein potenzieller Zusatznutzen bestehen kann und gewisse Behandlungslücken mit dieser physikalischen Therapie adressiert werden können. Aufgrund des explorativen Designs und der begrenzten Fallzahl handelt es sich jedoch primär um praxisnahe Erfahrungswerte. Die Analyse liefert damit einen ersten strukturierten Einblick in die Anwendung unter realen Bedingungen im Profisport. Gerade dieser Praxisbezug stellt jedoch einen relevanten Mehrwert dar, da er die Umsetzbarkeit und Integration in den leistungsorientierten Alltag adressiert.

    In Deutschland ist MBST® als offizieller Partner neben dem HSV auch bei Holstein Kiel sowie den Braunschweig Basketball Löwen (Orthopädischer Mannschaftsarzt Dr. N. Fiedler) fest im therapeutischen Einsatz. In Großbritannien findet seit der letzten Saison eine Registerdatenerfassung bei den Fußballvereinen Charlton Athletic, Wrexham AFC sowie dem Rugbyverein Bath statt. Es erfolgt dort somit eine Datensammlung im Real-World-Setting. Die favorisierten Einsatzgebiete von Kernspinresonanz-Therapie mit hier schnellerer Einsatzfähigkeit der Spieler sind für Rory Murray (Head of Medical Services, Bath Rugby) bei der Heilung von Knochenbrüchen inkl. additiv guter Erfahrung bei Rippenfrakturen mit Knorpelbeteiligung sowie bei Sehnenpathologien. Bei Charlton Athletic FC (Adam Coe, Head of Medical) werden mittlerweile über 40 Fälle an Kombinationstherapie mit KSRT überblickt, die einen Zeitvorteil im Sinne eines schnelleren Return-to-Play für Muskelverletzungen, Sehnen- und Bandverletzungen, aber auch Knochenpathologien zeigen (bisher unveröffentlichte Daten). 

    Fazit

    Die Ergebnisse der bereits veröffent­lichen Fallserie zeigen, dass Kernspinresonanz-Therapie als ergänzender Baustein in der Kombinationstherapie im Profifußball praktikabel und sinnvoll eingesetzt wird und weiteres Potenzial bietet. Besonders hervorzuheben sind die gute Praktikabilität, keine Nebenwirkungen, eine hohe Akzeptanz sowie die beobachteten stabilen und teilweise auch schnelleren Return-to-Play-Verläufe (in der aktuellen Analyse der UK-Registerdaten). Zukünftige Analysen – insbesondere auf Basis größerer Registerdaten und über mehrere Clubs hinweg – werden entscheidend sein, um den Stellenwert der Methode noch genauer einzuordnen und erweiterte Einsatzgebiete – z. B. auch im Bereich der gezielteren allgemeinen Regeneration wie auch Prävention – zu definieren. Kernspinresonanz-Therapie kann ergo als vielversprechender, sinnvoller und relevanter Baustein moderner, integrativer Therapiestrategien betrachtet werden.

    Dieser Artikel basiert auf dem ausführlichen Originalartikel: „Kernspinresonanz-Therapie als Bestandteil einer Kombinationstherapie im Profifußball – Einjahresergebnisse, eine Fallserie“ (Schreiner AJ, Mulholland K, Evans R, Welsch G. Nuclear magnetic resonance therapy as part of combination therapy in professional football – 1-year-results, a case series. Dtsch Z Sportmed. 2025; 76: 233 – 238. doi:10.5960/dzsm.2025.647; https://www.germanjournalsportsmedicine.com/archive/archive-2025/issue-7/nuclear-magnetic-resonance-therapy-as-part-of-combination-therapy-in-professional-football-1-year-results-a-case-series/). 

    Mit freundlicher Genehmigung des German Journal of Sports Medicine.

    Autoren

    PD Dr. med. Anna Schreiner

    » Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie
    » Chief Medical Officer, MBST Global, MedTec Medizintechnik GmbH
    » Eberhard Karls Universität Tübingen + AKAD University
    (Stand 2026)

    Prof. Dr. med. Götz Welsch

    ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und ärztlicher Leiter des UKE Athleticum am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf. Er hat seit 2021 eine Professur für Orthopädische Sportmedizin am UKE. Außerdem ist er leitender Mannschaftsarzt der HSV Fußball AG. Sein klinischer Fokus liegt im Bereich der regenerativen Knorpeltherapie, der Behandlung von Sportverletzungen und Überlastungsschäden. Prof. Welsch ist wiss. Beirat der sportärztezeitung.

    02/26
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