Die REMS-Technologie (Radiofrequency Echographic Multi Spectrometry) ist ein innovatives, ultraschallbasiertes Verfahren zur Beurteilung der Knochenmineraldichte und der Knochenstruktur, das zum Screening von Knochengesundheit sowie unterstützend zur Diagnose und Verlaufskontrolle von Osteopenie und Osteoporose eingesetzt werden kann [1]. Anders als bei der herkömmlichen DXA-Messung (Dual Energy X-ray Absorptiometry), die bislang als Goldstandard in der Osteoporosediagnostik gilt, basiert REMS auf der Analyse ungefilterter Ultraschalldaten, die mithilfe spezieller Algorithmen spektralanalytisch ausgewertet werden, wodurch nicht nur die Knochendichte (BMD), sondern auch die strukturelle Qualität des Knochens beurteilt werden kann [1, 2].
Pro Scanlinie werden aus diesen spektralen Signaturen Spektren erzeugt, die wiederum mit Referenzdaten von gesunden als auch osteoporotischen Knochen verglichen werden [1]. Anschließend erfolgte eine Übertragung der daraus berechneten BMD-Werte (in g /cm2) mittels linearer Transformationen in T- und Z-Scores [1]. Herkömmlichen Ultraschallverfahren im Vergleich dazu beruhen in der Regel nur auf reinen Bildinformationen (B-Mode) [1]. Die auf dieser Technologie basierenden Geräte, wie etwa die von Firma Echolight entwickelten Modelle, ermöglichen eine präzise, schnelle und reproduzierbare Messung direkt am Lendenwirbelbereich (L1–L4) und am Schenkelhals – analog den DXA-Regionen. Dabei wird eine kleine Ultraschallsonde auf der Haut platziert, die Messung dauert ca. 10 Minuten und ist schmerz- und strahlungsfrei. Zusätzlich zum klassischen T- und Z-Score bzw. BMD-Wert kann das System auch Informationen zur mikrostrukturellen Knochenqualität /-Integrität über den so genannten Fragility Score – ein Parameter, der das individuelle Risiko für osteoporotische Frakturen besser abbilden soll – sowie ergänzend noch BIA-ähnliche Body Composition Daten liefern [1 – 4].
Diese Geräte kommen inzwischen in unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz: in spezialisierten Facharztpraxen (z. B. Orthopädie, Endokrinologie, Gynäkologie), Kliniken, Gesundheitszentren sowie zunehmend auch in Apotheken oder im Rahmen mobiler Screening-Angebote. Aufgrund ihrer Mobilität und einfachen Handhabung eignen sie sich besonders gut für Prävention und Früherkennung, etwa bei Frauen nach der Menopause oder bei Patienten mit Risikofaktoren für Knochenschwund, aber auch Athleten z. B. zur Trainingssteuerung bei Überlastungsschäden trotz (scheinbar) guter Knochendichte/-gesundheit oder zum präventiven Erkennen eines ossären Defizites mit weiterem Abklärungsbedarf [5, 6]. Auch in der Forschung sowie für Verlaufskontrollen – beispielsweise bei medikamentöser Osteoporose Therapie – gewinnt REMS zunehmend an Bedeutung.
Vorteile
Im Vergleich zur klassischen DXA bietet REMS folgende Vorteile: Die Untersuchung ist strahlungsfrei, mobil und wiederholt einsetzbar, zeitsparend, ohne Bedenken auch zum Monitoring geeignet und liefert zusätzliche Informationen zur Knochenarchitektur und Frakturgefährdung. Damit stellt die REMS-Technologie eine vielversprechende Alternative bzw. Ergänzung zur etablierten Knochendichtemessung dar und erweitert die Möglichkeiten in der modernen Osteoporose-Diagnostik erheblich [1, 7, 8]. Studien belegen eine hohe diagnostische Übereinstimmung zwischen beiden Verfahren und zeigen, dass REMS eine zuverlässige Alternative zur DXA in der Osteoporose-Diagnostik darstellen kann [1]. Es fehlt jedoch noch die Etablierung im Sinne einer Gleichwertigkeit zum Goldstandard. Des Weiteren ist die Validität bei Patienten mit Endoprothesen, Skoliosen oder Adipositas per magna (BMI > 40) eingeschränkt und die klinische Anwendung erfordert durchaus ein gewisses Training.
In UK ist die REMS-Technologie ein fester Bestandteil der Initiative „Screen my Bones“ (www.screenmybones.com/). In Deutschland setzt sich v. a. Prof. Kurth, Frankfurt, wissenschaftlich mit der Methode auseinander [1, 8].
Bisher ist die Technologie in Deutschland erst in wenigen Praxen verfügbar – z. B. im Orthopädiezentrum Theresie in München (Dr. C. Schneider) (Abb. 1), in Montabaur (Hr. M. Hötzel) bzw. auch als Screening-Tool an einigen Biogena-Standorten.

Fälle aus der Praxis
45-jährige Profi-Tennisspielerin mit aktivierter Gonarthrose inkl. Knochenmarködem medialer Femurkondylus. Kein Trauma und bisher keine Abklärung ihrer Knochengesundheit, da sie noch nicht in der Menopause ist. Bisher erfolgte auch keine Supplementierung mit Vitamin D. Neben der Knietherapie erfolgte daher ergänzend orientierend ein Knochengesundheitsscreening mittels REMS. Hier zeigte sich eine Osteopenie (T – 1,3) femoral gemessen bei einem T-Score von – 0,6 im Bereich der LWS. Neben einer Trainingsanpassung erfolgt nun auch eine Vitamin-D-Substitution nach Leitlinie. Verlaufskontrolle mittels REMS in einem Jahr geplant und bei Bedarf entsprechend eine erweiterte Diagnostik.
22-jährige Profi-Eistänzerin mit diversen, rezidivierenden muskuloskelettalen Beschwerden; aktuell führend waren die LWS-Beschwerden bei einem Knochenmarködem / Stressfraktur im Wirbelbogen LWK 5 bds. inkl. Umgebungsreaktion. Ein Teil der Diagnostik umfasste auch die Ultraschall basierte Knochendichtemessung. Hier zeigte sich eine normwertige LWS jedoch ein T-Score von – 2,3 femoral mit einem erhöhten 5-Jahres-Hüftfrakturrisiko im Fracture Risk Assessment. Es erfolgte insgesamt die Empfehlung zum Core- und Stabilitätstraining mit partiellem Orthesensupport lumbal, Kinesiotaping und Wärme- / Kältetherapie, Fortsetzen des exzentrischen Trainings (betr. der Kniebeschwerden) sowie eine selektive periradikuläre Injektion im Bereich der LWS, Kernspinresonanz-Therapie (MBST®) der Wirbelsäule sowie die Verabreichung von 100.000 I.E. Vitamin D3 i.m. (alle drei Monate). Verlaufskontrolle mittels REMS nach sechs Monaten geplant und bei Bedarf entsprechend eine erweiterte Diagnostik und Trainingsanpassung.
79-jährige Patientin mit Klopf- und Druckschmerz im Bereich der oberen LWS ohne Trauma oder anamnestisch bekannter Osteoporose. In der Bildgebung (Röntgen Becken und LWS sowie MRT LWS) zeigte sich der Z. n. symphysennaher Schambeinastfraktur, eine insg. degenerativ, teils aktiviert veränderte Wirbelsäule sowie frische Deckplatteneinbrüche LWK 1+2. Die Osteodensitometrie mit REMS ergab einen T-Score von – 3.0 (LWS) und – 2,9 (Femur) mit einem deutlich erhöhten Frakturrisiko bei einer normwertigen Body Composition (Abb. 2). Es erfolgte die Verabreichung von Denosumab und Festsetzung einer festen Vitamin-D-Substitution. Die Patientin ist in regelmäßiger physiotherapeutischer Behandlung, im Alltag gut mobil und beschwerdefrei. Neuerliche Kontrolle in sechs Monate mittels REMS geplant und ggf. DXA im Verlauf.

Knochenstruktur, unabhängig von der Knochendichte (BMD)).
Literatur
[1] Kurth A, Kocijan R. Ultraschallbasierte REMS-Technologie in der Diagnostik der Osteoporose und der Beurteilung des Frakturrisikos. Osteologie 2025; 34: 184–191. Doi 10.1055/a-2650-1677
[2] Messina C, Fusco S, Gazzotti S, et al. DXA beyond bone mineral density and the REMS technique: new insights for current radiologists practice. Radiol Med. 2024;129(8):1224-1240. doi:10.1007/s11547-024-01843-6
[3] Pisani P, Conversano F, Muratore M, et al. Fragility Score: a REMS-based indicator for the prediction of incident fragility fractures at 5 years. Aging Clin Exp Res. 2023;35(4):763-773. doi:10.1007/s40520-023-02358-2
[4] Diez-Perez A, Brandi ML, Al-Daghri N, et al. Radiofrequency echographic multi-spectrometry for the in-vivo assessment of bone strength: state of the art-outcomes of an expert consensus meeting organized by the European Society for Clinical and Economic Aspects of Osteoporosis, Osteoarthritis and Musculoskeletal Diseases (ESCEO). Aging Clin Exp Res. 2019;31(10):1375-1389. doi:10.1007/s40520-019-01294-4
[5] Bischoff E, Popova-Belova S, Bischoff F, Kirilov N. Physical Performance of Geriatric Women and Its Impact on Fracture Risk and Bone Mineral Density Assessed with Radiofrequency Echographic Multispectrometry (REMS). Life (Basel). 2024;14(12):1579. Published 2024 Dec 1. doi:10.3390/life14121579
[6] Bobelyak M, Vaculik J, Stepan JJ. Bone mineral density assessment using radiofrequency echographic multispectrometry (REMS) in patients before and after total hip replacement. Osteoporos Int. Published online September 10, 2025. doi:10.1007/s00198-025-07685-w
[7] Borsoi L, Armeni P, Brandi ML. Cost-minimization analysis to support the HTA of Radiofrequency Echographic Multi Spectrometry (REMS) in the diagnosis of osteoporosis. Glob Reg Health Technol Assess. 2023;10:1-11. Published 2023 Feb 6. doi:10.33393/grhta.2023.2492
[8] Kurth A, Optimierung der Versorgung von Patienten mit Fragilitätsfrakturen: Die Rolle von REMS in Tertiären Präventionsprogrammen (z.B. FLS). Osteologie 2025; 34(02): 137-138. doi: 10.1055/s-0045-1804956
Autoren
» Facharzt für Orthopädie mit Zusatzqualifikationen Sportmedizin, Physikalische Therapie, Chirotherapie und Naturheilverfahren.
» Orthopädiezentrum Theresie, München
» U. a. Vorsitzender der Verbandsärzte Deutschland e.V., Vorstandsmitglied in GOTS und Bayerischem Sportärzteverband, Mitglied der medizinischen Kommission des DOSB, Olympiaarzt seit 2006
(Stand 2026)
» Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie
» Chief Medical Officer, MBST Global, MedTec Medizintechnik GmbH
» Eberhard Karls Universität Tübingen + AKAD University
(Stand 2026)





