Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht in Self-Care-Interventionen einen wichtigen Baustein moderner Gesundheitssysteme. Die 2024 veröffentlichte Implementierungsleitlinie zeigt, wie evidenzbasierte Self-Care-Angebote auf nationaler und regionaler Ebene eingeführt und in bestehende Versorgungsstrukturen integriert werden können. Ziel ist es, Menschen mehr Möglichkeiten zur eigenständigen Gesundheitsförderung und Versorgung zu geben und gleichzeitig die Effizienz, Erreichbarkeit und Resilienz der Gesundheitssysteme zu verbessern.
Unter Self-Care versteht die WHO nicht nur individuelle Lebensstilentscheidungen, sondern auch evidenzbasierte Interventionen wie Medikamente, diagnostische Verfahren, Monitoring-Systeme oder digitale Anwendungen, die teilweise oder vollständig außerhalb medizinischer Einrichtungen eingesetzt werden können. Dazu zählen beispielsweise Blutdruck-Selbstmessungen, bestimmte Selbsttests oder digitale Gesundheitsangebote.
Eine zentrale Botschaft der WHO lautet: Self-Care soll professionelle Gesundheitsversorgung ergänzen, nicht ersetzen. Entscheidend sind deshalb eine hohe Qualität der Interventionen, verständliche und verlässliche Informationen sowie der Zugang zu qualifizierten Gesundheitsfachkräften. Diese sollen Menschen bei der Auswahl und Anwendung geeigneter Maßnahmen unterstützen und bei Komplikationen oder Unsicherheiten erreichbar sein.
Für die Umsetzung betrachtet die WHO sechs zentrale Bereiche des Gesundheitssystems: Information, Gesundheitsfachkräfte, Leistungserbringung, Führung und Governance, medizinische Produkte und Technologien sowie Finanzierung. Ergänzend werden Implementierungsforschung sowie Monitoring und Evaluation empfohlen.
Für die Sportmedizin relevant: Auch Prävention, Bewegung, Schlaf, Ernährung und Stressmanagement beruhen wesentlich auf gesundheitsbezogener Eigenverantwortung. Voraussetzung für einen sinnvollen Self-Care-Ansatz sind jedoch Gesundheitskompetenz, evidenzbasierte Empfehlungen und eine klare Einbindung professioneller Beratung. Self-Care ist damit weniger ein Rückzug des Gesundheitssystems als vielmehr eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Patientinnen und Patienten und Gesundheitsfachkräften.
Vollständiger Artikel zum Weiterlesen:
Implementation of self-care interventions for health and well-being: guidance for health systems
ISBN 978-92-4-009488-8 (electronic version)
© World Health Organization 2024
Autoren
Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten & Trainer


