(Im Namen des Komitees Prävention, Rehabilitation und konservative Therapie & des Komitees Ligamentverletzungen der Deutschen Kniegesellschaft (DKG))
Schwere Kniegelenkverletzungen, allen voran die Ruptur des vorderen Kreuzbands (VKB), gehören zu den folgenreichsten Verletzungen im Sport; ihre Inzidenz steigt vor allem bei jugendlichen und weiblichen Aktiven [1]. Multimodale neuromuskuläre Präventionsprogramme senken das Risiko substanziell, Metaanalysen beziffern die Reduktion auf rund 22 – 90 %, stark abhängig von Adhärenz, Studienqualität und Population.
Vor diesem Hintergrund hat die DKG ihr Programm STOP-X überarbeitet. Der Beitrag ordnet die Evidenzlage ein, skizziert Entwicklung und Evaluation von STOP-X [2] und stellt die neue Trainingsstruktur entlang der vier Kernelemente Mobilität, Gelenkkontrolle, Kraft und Elastizität dar [3].
Verletzungsinzidenz und Wirksamkeit von Präventionsprogrammen
Epidemiologie und Trend
Das Kniegelenk ist besonders anfällig für Verletzungen bei unkontrollierten Rotations- und Abbremsbewegungen; das vordere Kreuzband ist dabei die am häufigsten betroffene Gelenkstruktur [2]. Das absolute Rupturrisiko liegt bei etwa 1:3.500 pro Jahr, nach bereits versorgter Verletzung ist es deutlich erhöht (Prävalenz kontralateraler Rupturen 7 – 24 %) [2]. Rund 75 % der Rupturen entstehen ohne gegnerischen Kontakt beim Landen, Abstoppen oder bei Richtungswechseln, wenn sich das Bein in funktioneller X-Bein-Stellung befindet [2, 3]; Sportlerinnen sind im Ballsport 2,4- bis 9,5-mal häufiger betroffen [2]. Die Datenlage der vergangenen Jahre deutet auf eine steigende Zahl von VKB-Rekonstruktionen hin, wobei der Anstieg bei Kindern und Jugendlichen deutlicher ausfällt als bei Erwachsenen, begünstigt durch früh einsetzende, spezialisierte Wettkampfteilnahme sowie durch verbesserte Diagnostik [1]. Für die Prävention ist besonders relevant, dass der überwiegend nicht-kontaktbedingte, biomechanisch modifizierbare Verletzungsmechanismus einen plausiblen Ansatzpunkt für gezieltes Training bietet [3].
Wirksamkeit multimodaler Präventionsprogramme
Die Wirksamkeit neuromuskulärer Präventionsprogramme ist durch eine konsistente und wachsende Evidenzbasis gut belegt. Aktuelle systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen (Tab. 1) zeigen übereinstimmend eine relevante Reduktion von Knie- und VKB-Verletzungen. Eine Übersichtsarbeit von Meta-Analysen zu jugendlichen Athletinnen fand über elf Primärstudien eine Reduktion nicht-kontaktbedingter VKB-Verletzungen um 64 % (IRR 0,36) und empfiehlt multimodale Programme mit mindestens drei Übungskomponenten ab der Vorbereitungsphase [4]. Im weiblichen Mannschaftssport sinken Knieverletzungen um 22 %, VKB-Verletzungen um 50 %, wobei eine Adhärenz ≥ 75 % als wichtigster Wirkfaktor gilt [5, 6]. Zur Dosis-Wirkungs-Beziehung liefern zwei Metaanalysen aus 2025 konkrete Anhaltspunkte: Der größte Nutzen zeigte sich für Programme mit etwa 20–30 Minuten pro Einheit, 1–2 Einheiten pro Woche und einer Interventionsdauer von mindestens sechs Monaten [7] bzw., bei kürzeren Einheiten, mit einer Programmdauer von über 26 Wochen [8]. Für das FIFA-11+-Programm wurde im Fußball eine Reduktion unspezifischer Knieverletzungen um rund 47 % gezeigt [9]. Als wesentlich werden mehrere Umsetzungsprinzipien formuliert: In-Season-Training ist der Prävention während der reinen Vorbereitungsphase überlegen, Kraft- und Gleichgewichtsübungen waren in nahezu allen wirksamen Programmen enthalten, und die Effektstärke steigt mit der Adhärenz [4, 5, 7-9].

Schlüsselstudien: Effektstärken der Primärevidenz
Die aggregierten Effekte der Metaanalysen speisen sich aus einer Reihe zentraler Studien, die überwiegend im Handball und Frauenfußball durchgeführt wurden, also in genau jenem Kontext, für den STOP-X primär konzipiert ist. Die Cluster-randomisierte Studie von Olsen et al. an jugendlichen Handballteams zeigte eine Reduktion von Knie- und Sprunggelenkverletzungen um 50 % und von Kniebandrupturen um rund 80 % (RR 0,53; 95 %-KI 0,35–0,81), entsprechend einem Rückgang von 0,9 auf 0,5 Verletzungen pro 1.000 Spielstunden [10]. Für das VKB im Speziellen belegte die große Cluster-RCT von Waldén et al. bei adoleszenten Fußballerinnen eine Reduktion der VKB-Verletzungsrate um 64 % (Rate Ratio 0,36; 95 %-KI 0,15–0,85; p = 0,02); bei adhärenten Spielerinnen stieg die Reduktion auf 83 %, die Number Needed to Treat betrug 14 [11]. Die größten Effekte berichtete die community-basierte Interventionsstudie von Kiani et al. an jungen Fußballerinnen mit −77 % für Knieverletzungen insgesamt und −90 % für nicht-kontaktbedingte Knieverletzungen [12]. Ergänzend fand die Metaanalyse von Naderi et al. im Handball eine signifikante Risikoreduktion für Knieverletzungen (OR 0,53; p = 0,002) und VKB-Rupturen (OR 0,66; p = 0,03) [13]. Das Übersichtsarbeit von Meta-Analysen von Brunner et al. bestätigt die Wirksamkeit von „Multikomponenten-Programmen“ über mehrere Mannschaftssportarten hinweg [14] (Tab. 2).
| Studie (Jahr) | Sportart / Design | Effekt (Risikoreduktion; Kennzahlen) |
| Olsen et al. 2005 [10] | Handball; Cluster-RCT (n = 1.837) | −50 % Knie/Sprunggelenk, −80 % Bandrupturen; RR 0,53 (0,35–0,81); 0,9 → 0,5/1.000 h |
| Kiani et al. 2010 [12] | Fußball, weibl.; Interventionsstudie (n = 1.506) | −77 % Knie gesamt, −90 % nicht-kontakt; Rate Ratio 0,23 (0,04–0,83); 0,20 → 0,04/1.000 h |
| Waldén et al. 2012 [11] | Fußball, weibl.; Cluster-RCT (n = 4.564) | −64 % VKB (RR 0,36; 0,15–0,85; p = 0,02); −83 % bei Adhärenz; NNT = 14 |
| Petersen et al. 2005 [15] | Handball, weibl.; prosp. kontrolliert (n = 276) | 1 vs. 5 VKB-Rupturen; OR 0,17 (0,02–1,5) |
| Naderi et al. 2023 [13] | Handball; Metaanalyse | Knie OR 0,53 (0,35–0,78; p = 0,002); VKB OR 0,67 (p = 0,03); Sprunggelenk OR 0,57 |
Tab. 2: Studien zur Wirksamkeit von Aufwärm-/Präventionsprogrammen im Ballsport. Das am detailliertesten beschriebene Programm (Knäkontroll, Waldén et al.) umfasst sechs Übungen mit je vier Progressionsstufen und ist ein konzeptioneller Verwandter von STOP-X. RR = relatives Risiko/Rate Ratio; OR = Odds Ratio; NNT = Number Needed to Treat.
Wirkmechanismus und Grenzen der Evidenz
Als zentraler modifizierbarer Risikofaktor gilt der dynamische Valgus mit hohem Knieabduktionsmoment, prospektiv als Prädiktor des VKB-Verletzungsrisikos bei Athletinnen bestätigt [3]. Präventionsprogramme wirken plausibel über eine Verbesserung von Landemechanik, Rumpf- und Kniekontrolle; augmentiertes (verbales oder videobasiertes) Feedback verstärkt diese Effekte indem es beispielsweise eine „steife Landestrategie“ abmildert und eine Erhöhung des Knieflexionswinkels fördert [16, 17].
Die Spannbreite der berichteten Effekte (50–90 %) ist jedoch erheblich und sollte nicht unkritisch als einheitlicher Nutzen gelesen werden. Ein wesentlicher Teil der Heterogenität erklärt sich aus Studienqualität und -design: Die methodisch stringenteren Cluster-RCTs mit verblindeter Endpunkterhebung und MRT-Diagnostik ergaben mit 50–64 % konservativere Schätzungen, während die methodisch schwächere community-basierte Studie die höchsten Effekten (77–90 %) dokumentiert [10-12]. Auch hohe Ausfallraten, etwa 21 % Loss to Follow-up bei Waldén et al. mit ungleicher Verteilung zwischen den Gruppen und die nicht signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen aufgrund der geringen Anzahl dokumentierter Verletzungen, mahnen zur Vorsicht, werden aber durch Intention-to-treat-Analysen teilweise aufgefangen [11].
Hinzu kommen inhaltliche Grenzen, die für die Programmgestaltung unmittelbar relevant sind. Erstens sind nicht alle Bewegungsmuster gleich gut modifizierbar: Lande- und Stop-Jump-Mechanik verbessern sich zuverlässig, während hochdynamische Seitwärts-Cutting-Manöver trainingsresistenter sind und vermutlich sportartnahe, längere Interventionen erfordern [9]. Zweitens ist der Nutzen für nicht-kontaktbedingte Verletzungen (bis −90 %) größer als für alle Knieverletzungen (−77 %), was die biomechanische Wirkrichtung dieser Programme unterstreicht. Drittens stammt die Evidenz überwiegend von weiblichen Adoleszenten (12–19 Jahre) im Vereinssport; für männliche Athleten, Kinder und für den Wintersport fehlen belastbare Daten weitgehend. Diese Lücken definieren zugleich die Zielrichtung und die noch offenen Forschungsfragen moderner Programme wie STOP-X.
Entwicklung und wissenschaftliche Evaluation von STOP-X
Ursprung und Konzept
STOP-X wurde von den Komitees Prävention, Rehabilitation und konservative Therapie & Ligamentverletzungen der Deutschen Kniegesellschaft (DKG) von Ärztinnen und Ärzten, Physiotherapeutinnen und Sportwissenschaftlern entwickelt. Der Programmname verweist auf das Kernkonzept: Da die funktionelle X-Bein-Stellung (dynamischer Valgus) als wichtigster modifizierbarer Risikofaktor gilt, zielt das Training darauf ab, diese Fehlstellung zu vermeiden [2, 3]. Bausteine des ursprünglichen Konzepts sind die Aufklärung über Verletzungsmechanismen, Sprung-, Balance-, Kraft- sowie Lauf- und Beweglichkeitsübungen, ergänzt durch ein einfaches Screening: Mit einem Drop-Jump-Sprungtest und einbeinigen Kniebeugen lassen sich Risikoathleten und -athletinnen mit medialem Kollaps identifizieren, um gezielt an einer Bewegungsmodifikation zu arbeiten [2]. Bereits frühe deutsche Erfahrungen im Frauen-Handball deuteten auf einen präventiven Nutzen hin [15].
Sekundärprävention nach VKB-Rekonstruktion – die PReP-Studie
Der wissenschaftliche Kern der jüngeren STOP-X-Evaluation ist die multizentrische PReP-Studie. Das 2019 publizierte Studienprotokoll beschreibt ein prospektives, randomisiert-kontrolliertes Design zur Untersuchung eines heimbasierten, motorkontroll-orientierten STOP-X-Trainings in der Sekundärprävention nach VKB-Rekonstruktion [18]. Primärer Zielparameter ist der normalisierte Kniegelenkabstand bei der Landung im Drop-Jump-Screening-Test; Hintergrund ist das nach Rekonstruktion um ein Vielfaches erhöhte Risiko einer erneuten Ruptur (ipsi- oder kontralateral) [18].
Die 2024 publizierten Ergebnisse umfassen 112 ausgewertete Personen (STOP-X: 57; Regelversorgung: 55), die im Mittel rund acht Monate nach der Operation nach Abschluss der formalen Rehabilitation einer fünfmonatigen Intervention bzw. der üblichen Versorgung zugeteilt wurden [19]. Im primären Zielparameter (Kniegelenkabstand bei der Landung) zeigte sich kein Gruppenunterschied. In mehreren sekundären, patientenrelevanten Endpunkten war die STOP-X-Gruppe jedoch überlegen: geringere selbstberichtete Knieprobleme im Sport (Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score, (KOOS -Sport)) und weniger Schmerzen (KOOS-Schmerz), höhere psychologische Rückkehrbereitschaft (ACL-RSI), verbesserte Alltagsfunktion (KOOS-ADL) sowie ein besserer Limb-Symmetry-Index im Front-Hop nach 3–4 Monaten. Am Interventionsende waren 79 % der STOP-X- gegenüber 70 % der Kontrollgruppe zum Sport zurückgekehrt [19]. Die Autoren werten STOP-X als der Regelversorgung leicht überlegen; der Nutzen sei moderat, könne die Anwendung nach abgeschlossener formaler Reha aber rechtfertigen [19]. Die fehlende Wirkung auf den biomechanischen Primärendpunkt bei gleichzeitigem Vorteil in funktionellen und psychologischen Größen ist ein wichtiger und ehrlich zu benennender Befund.
Primärprävention: kontrollierte Studien zum dynamischen Valgus
Ergänzend liegen kontrollierte Studien zur primärpräventiven Anwendung bei Athletinnen und Athleten vor. In einer randomisierten kontrollierten Studie an 30 Basketballspielerinnen (∅ 15,5 Jahre) mit dynamischem Valgus reduzierte ein achtwöchiges STOP-X-Programm (3×/Woche, 25–40 min) den Knievalguswinkel signifikant und verbesserte die statische wie dynamische Gleichgewichtsfähigkeit gegenüber einem konventionellen Aufwärmprogramm [20]. Eine Folgearbeit derselben Gruppe zeigte für ein achtwöchiges STOP-X-Warm-up verbesserte Lande- und Sprungmuster sowie eine bessere lumbopelvine Funktion [21]. In einer weiteren randomisierten Studie an Futsalspielern mit dynamischem Valgus verringerten sowohl STOP-X als auch ein „Knee-Control“-Protokoll den dynamischen Valgus im Seitwärts-Cutting deutlich (p = 0,001) und veränderten die Bodenreaktionskräfte günstig [22].
Zusammengefasst berichtet die Deutsche Kniegesellschaft für die Primärprävention mit STOP-X eine Reduktion des dynamischen X-Beins um 33–53 % sowie eine Verbesserung von Gleichgewicht und Rumpfkontrolle um 20–60 % [2, 19-22]. Einschränkend ist festzuhalten, dass diese Studien überwiegend kleine Stichproben in heterogenen Populationen betrachten und biomechanische Surrogatparameter anstatt robuster Daten zu Reduktion von Verletzungsraten berichten. Die Evidenz spricht damit konsistent für eine günstige Beeinflussung etablierter Risikofaktoren, während der direkte Nachweis einer Verletzungsreduktion durch STOP-X selbst noch aussteht und Gegenstand laufender Forschung ist.
Die neue Struktur von STOP-X: vier Kernelemente
Der Relaunch strukturiert das Präventionstraining entlang von vier gezielt kombinierten Kernelementen. Die Trainingspläne verbinden diese Elemente in abwechslungsreichen Einheiten und stehen als Individualroutinen für zu Hause sowie als Warm-up-Routinen zur unmittelbaren Wettkampfvorbereitung bereit [2]. Im Folgenden werden die vier Domänen jeweils mit Trainingsziel, zugehöriger Evidenz und einer beispielhaften Trainingseinheit dargestellt (Abb. a–d (e)). Eine Übersicht bietet Tab. 3.
Mobilität – Gelenke & Gewebe vorbereiten
Ziel: Verbesserung und Erhalt der Beweglichkeit in Sprung-, Knie- und Hüftgelenk als Grundlage guter Bewegungsqualität [2]. Evidenz: Eine eingeschränkte Sprunggelenks-Dorsalextension gilt als distaler Beitrag zum dynamischen Valgus. Eine systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass reduzierte Dorsalextension mit ungünstiger Landemechanik (geringere Knieflexion, vermehrte mediale Knieverlagerung) assoziiert ist [23]. Ausreichende Beweglichkeit im Sprung-, aber auch im proximalen Partner, dem Hüftgelenk, ist damit eine notwendige Voraussetzung, um Landekräfte über Sprunggelenk, Knie und Hüfte adäquat zu verteilen.
Beispielhafte Trainingseinheit a Hip-Mobility, b Ankle-Mobility, c Psoas-Mobility, d Dynamic Hip-Mobility

Gelenkkontrolle – Präzise & koordiniert bewegen
Ziel: Kontrollierte Bewegungen, damit Knie, Hüfte und Rumpf optimal zusammenarbeiten, auch unter Tempo [2]. Evidenz: Dies adressiert den am besten belegten Risikofaktor. Ein hohes Knieabduktionsmoment bzw. dynamischer Valgus ist mit erhöhtem VKB-Verletzungsrisiko assoziiert [3]. Neuromuskuläres Kontrolltraining mit Technik-Feedback verbessert nachweislich verletzungsrelevante Parameter: In einer Interventionsstudie an jugendlichen Handballerinnen sanken die Knieabduktionsmomente bei Landung und Cutting [17]. Im Vereinssetting können Feedbackstrategien helfen den Effekt des neuromuskulären Trainings zu erhöhen [10]. Gelenkkontrolle ist damit ein wesentlicher Teil von STOP-X.
Beispielhafte Trainingseinheit a Balance-Throw, b Kick & Reach, c Balance-Squat, d Balance-Jump

Kraft – Stabil von der Basis bis zum Knie
Ziel: Gezielte Kräftigung der Muskulatur rund um das Knie sowie des gesamten Körpers, um das Kniegelenk zu entlasten [2]. Evidenz: Kraftübungen zählen zu den in nahezu allen wirksamen Programmen enthaltenen Komponenten [4, 5]. Hüftabduktoren und -außenrotatoren erzeugen ein varisierendes Moment, das dem dynamischen Valgus entgegenwirkt; die Assoziation zwischen isolierter Hüftkraft und Valgus ist in der Literatur allerdings uneinheitlich [24, 25]. Dies unterstreicht, dass Kraft nicht isoliert, sondern in Kombination mit Kontrolle und exzentrischer, funktionell-aufgabenspezifischer Belastung trainiert werden sollte, ein Prinzip, das STOP-X mit der Verzahnung der Kernelemente umsetzt.
Beispielhafte Trainingseinheit a Pallof-Press, b Bulgarian-Squat, c Hamstring-Isometric, d Hip-Thrusts, e Squats

Elastizität – Entwicklung sportlicher Dynamik
Ziel: Sichere Sprünge, Landungen und schnelle Richtungswechsel, damit der Körper auch in unerwarteten Situationen sicher landet und dreht [2]. Evidenz: Plyometrisches Lande- und Sprungtraining verbessert die Landebiomechanik, eine Metaanalyse belegt günstige Effekte von Präventionsprogrammen auf Landeaufgaben [26]. Steife Landungen mit geringer Knieflexion und hoher vertikaler Bodenreaktionskraft sind mit erhöhtem VKB-Risiko assoziiert und lassen sich durch Technik- und Elastizitätstraining günstig beeinflussen [27]. Für STOP-X spezifisch zeigte die Futsal-Studie, dass sich Kinetik und dynamischer Valgus im Seitwärts-Cutting verbessern lassen [22]. Da hochdynamische Cutting-Manöver zu den trainingsresistenteren Zielgrößen gehören [16], ist die progressive, sportartnahe Gestaltung dieses Elements besonders wichtig. Weil sich Nicht-Kontakt-Verletzungen typischerweise in unvorhersehbaren Spielsituationen unter hoher neurokognitiver Beanspruchung ereignen [28], werden Landungen und Richtungswechsel bewusst mit kognitiver Zusatzaufgabe (cognitive load) ausgeführt. Diese Trainingsdomäne ist damit das konzeptionelle Herzstück des STOP-X-Programmes, die insbesondere in der Late-Stage-Rehabilitation nach VKB-Rekonstruktion konsequent adressiert werden sollte [29].
Beispielhafte Trainingseinheit a Landing (+ cognitive load), b Lateral-Plyometrics, c Loaded-Cuts (+ cognitive load), d Pendulum-Cuts (with ball)

| Kernelement | Trainingsziel (STOP-X) | Evidenz / Referenz |
| Mobilität | Beweglichkeit in Sprung-, Knie- und Hüftgelenk vorbereiten und erhalten | Reduzierte Sprunggelenks-Dorsalextension → ungünstige Landemechanik [23] |
| Gelenkkontrolle | Koordinierte Zusammenarbeit von Knie, Hüfte und Rumpf | Valgus/KAM mit VKB-Risiko assoziiert [3]; NMT + Feedback senkt KAM, erhöht Knieflexion [16, 17] |
| Kraft | Kniennahe und ganzkörperliche Kräftigung zur Entlastung des Knies | Kraft in fast allen wirksamen Programmen [4, 5]; Hüftkraft–Valgus-Bezug uneinheitlich [24, 25] |
| Elastizität | Sichere Sprünge, Landungen und schnelle Richtungswechsel | Plyometrie verbessert Landebiomechanik [26, 27]; günstige Cutting-Kinematik/-Kinetik [22] |
Tab. 3: Die vier Kernelemente von STOP-X mit Trainingsziel und zugehöriger Evidenz. KAM = Knieabduktionsmoment; NMT = neuromuskuläres Training.
Einordnung und Ausblick
Der Relaunch von STOP-X überführt eine breite, konsistente Evidenz zur neuromuskulären Prävention in ein klar strukturiertes, frei verfügbares Programm. Die vier Kernelemente decken die etablierten modifizierbaren Zielgrößen ab und sind so kombiniert, dass sie sich in Aufwärmroutinen verschiedener Sportarten und in das Heimtraining integrieren lassen, die entscheidenden Voraussetzungen für Adhärenz und damit Wirksamkeit [5]. Über die reine Primärprävention hinaus adressiert das Programm mit abgestuften Testmanualen (Gold-, Silber-, Bronzestandard) die Einschätzung des Re-Ruptur-Risikos in Klinik, Praxis und Rehazentrum und ordnet sich in ein Kontinuum aus Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention ein [2].
Die Stärke des Programms liegt in der konsistenten günstigen Beeinflussung etablierter Risikofaktoren sowie in patientenrelevanten funktionellen und psychologischen Vorteilen nach VKB-Rekonstruktion. Ein direkter Nachweis einer Verletzungsreduktion durch STOP-X steht aus, daher sollten künftige, ausreichend gepowerte Studien, auch außerhalb des Ballsports und bei männlichen Athleten, die nächste Evidenzstufe liefern.
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Literatur
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Autoren
» Sportwissenschaftler, promovierte im Rahmen der Versorgungsforschung nach vorderer Kreuzbandverletzung an der medizinischen Fakultät Duisburg-Essen
» Athletikum Rhein Ruhr am BG Klinikum Duisburg
» Mitglied des Komitees für konservative Therapie und Rehabilitation der Deutschen Kniegesellschaft (DKG) und der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie sowie Beiratsmitglied der DKG
(Stand 2026)
» Sportwissenschaftler
» Arthroskopische Chirurgie, Sporttraumatologie und Sportmedizin, BG Klinikum Duisburg
(Stand 2026)





