Zusammenfassung:
Auf den Punkt gebracht:
1. Die Sportmedizin verfügt über ein erhebliches Potenzial zur Gesundheitserhaltung.
2. Die Mind-Body-Medizin entwickelt sich als ergänzender Ansatz zur Sportmedizin, um die ganzheitliche Gesundheit („Whole Person Health“) zu fördern, und wird im Rahmen der Prähabilitation gleichberechtigt neben Bewegung, Sport und Ernährung in die Sportmedizin integriert.
3. Das Prophylaxemodell ergibt sich aus der Prähabilitation.
Die Sportmedizin wandelt sich von einer diagnostischen Disziplin mit Schwerpunkt auf Leistungssport zu einem ganzheitlichen, konservativen, multidisziplinären und multimodalen Therapiekonzept zur Gesundheitsförderung (Harvard Medical School, 2025; Nehrer, 2025). Die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen, Kongresse und der Nachfrage seitens Sportler und Patienten ist enorm (Musumeci, 2022). Die Bedeutung von Sport und Bewegung für die psychische Gesundheit ist weithin anerkannt (Ströhle, 2024; Khan & Burton, 2023; Laube, 2022).
Gesundheitserhaltung durch Sportmedizin
Der Schwerpunkt liegt eher auf der Gesundheitserhaltung (Casasco, 2025) und der aktiven Einbindung von Patienten (Therapie & Training) oder Nicht-Patienten (Gesundheitsförderung / Training) sowie Sportlern (Harvard Medical School, 2025; Nehrer, 2025) als explizit auf der Behandlung von Verletzungen und der Leistungsdiagnostik.
Das interdisziplinäre Zusatzausbildungsprogramm in Sportmedizin (Joisten, 2025) ist kein eigenständiges Fachgebiet. Es ist traditionell von der orthopädischen Unfallchirurgie geprägt und konzentriert sich vorwiegend auf konservative, physikalische und regenerative Methoden, von denen einige komplementär sind (Gerbing et al., 2013). In der Praxis mangelt es jedoch an ausreichenden Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich der konservativen Behandlung, insbesondere im Vergleich zum hohen Standard der orthopädisch-chirurgischen Ausbildung (Psczolla et al., 2017).
Dies macht die Sportmedizin, insbesondere ihre zunehmend integrierten komplementären (Gerbing et al., 2013) Maßnahmen wie Mind-Body-Medizin, Ernährung und Sporternährung (Gerbing et al., 2013; Esch, 2020; Marshall, 2023), anfällig für informelle Ansätze (Myall et al., 2023; Dossett et al., 2020) ohne koordinierte Anleitung für Sportler sowie Patienten und Nicht-Patienten (Gerbing et al., 2013).
Sportmedizin und integrierte Mind-Body-Medizin
Ein vielversprechender integrativer Ansatz in der Sportmedizin ist der zunehmende Einsatz der Mind-Body-Medizin (Dossett et al., 2020) im Hinblick auf deren direkte Wechselwirkung mit psychosozialen Stressfaktoren (Tschaffon-Müller et al., 2023; Deutsches Ärzteblatt, 2023), der beschleunigten Regeneration und Wundheilung (Schubert, 2023) unter Einbeziehung des Patienten und Sportlers. Themen wie psychosoziale Unterstützung (Deutsches Ärzteblatt, 2023), Selbstmanagement (Stöve & Halder, 2025), Selbstfürsorge (Benson, 2011) und Selbstheilung (Esch, 2020; McSwan et al., 2021; Mobasheri, 2022; Schubert, 2025) sind von besonderer Bedeutung.
Die Psychosomatik basiert auf dem menschlichen Potenzial, die eigene Körperphysiologie zu regulieren oder sich selbst zu heilen. Sie konzentriert sich auf die Aktivierung und Stärkung individueller Ressourcen zur Verbesserung der eigenen Gesundheit (Schubert, 2025). Die zugrunde liegende psychoneuroimmunologische Modulationsfähigkeit als Reaktion auf Verletzungen und Infektionen, zur beschleunigten Wundheilung und, wie bekannt, für eine angepasste Stressreaktion ist von grundlegender Bedeutung (Schubert, 2023; Schubert, 2025).
Die Psychosomatische Medizin, deren Ursprünge und Entwicklungsgeschichte auf Persönlichkeiten wie Walter Cannon, Hans Seyle, Herbert Benson, Jon Kabatt-Zinn und Dean Ornish in den USA zurückgeführt werden können (Michalsen, 2015), umfasst heute im Allgemeinen mentale und verhaltensbezogene Ansätze sowie Techniken aus den Bereichen Bewegung, Entspannung, Stressregulation und Ernährung (Esch et al., 2003). Von besonderer
Mind-Body-Medizin unterstützt die Sportmedizin bei der Prähabilitation
Die auf diese Weise mit einem ganzheitlichen und umfassenden Ansatz entwickelte Sportmedizin wird eingesetzt, um die Prähabilitation und die Patientenaufklärung gezielt zu unterstützen (McIsaac et al., 2025). Als komplementäre medizinische Maßnahme einer in verschiedene Fachgebiete integrierten Erstversorgung versucht die Mind-Body-Medizin unter anderem, der körpereigenen Stressreaktion entgegenzuwirken (Schubert, 2025) und unnötige Aktivierung zu reduzieren: „Das Grundprinzip besteht darin, dem Stresssystem entgegenzuwirken und gleichzeitig die unnötige Aktivierung des Stresssystems zu reduzieren“ (Baim, persönliche Mitteilung, 31. Oktober 2024).
Prähabilitation umfasst Psychosomatik, Sport, Bewegung und Ernährung
Im Bereich der Sportmedizin stellt das Konzept der Prähabilitation (Bloch, 2023) eine zukunftsweisende und vielversprechende Entwicklung dar, die sich auf die bereits erwähnte Psychosomatik stützt. Das Potenzial dieser Verbindung geht über die Sportmedizin hinaus, vorausgesetzt, es liegt eine angemessene Definition und Ausbildung vor (Bloch, 2023; Deutsches Ärzteblatt, 2023). Sie dient dazu, Patienten und Sportler optimal auf den Therapieprozess vorzubereiten (Kavka et al., 2024) – einen Bildungsprozess, in dem auch eine soziale Beziehung aufgebaut werden soll.
Die Prärehabilitation umfasst präventive Maßnahmen wie körperliches Training, psychologische Beratung und Ernährungsumstellungen (Valle et al., 2023), um Körper und Geist auf eine bevorstehende Operation oder einen therapeutischen Eingriff vorzubereiten und zu stärken (McIsaac et al., 2025; Valle et al., 2023). Diese Maßnahmen können auch bei der Vorbereitung auf große Lebensveränderungen, wie Schwangerschaft oder Geburt, von besonderer Bedeutung sein (Geweniger & Bohland, 2024).
Eine Kombination aus Bewegung, Ernährung und psychosozialer Prähabilitation verbessert die Lebensqualität und die körperliche Genesung am stärksten (McIsaac et al., 2025). Insbesondere Bewegung und Ernährung bergen großes präventives Potenzial für die Zukunft (Kow, 2019): „Eine kombinierte prähabilitative Maßnahme aus Bewegung, Ernährung und psychosozialer Prävention führte am ehesten zu einer Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und der körperlichen Genesung. Für sich genommen trugen Bewegung und Ernährung am ehesten zur Verbesserung aller entscheidenden Endpunkte bei“ (McIsaac et al., 2025, „Intro“).
Von enormer Bedeutung ist die Fokussierung auf psychosoziale Faktoren und psychologische Unterstützung mit dem Ziel, Ängste und Depressionen zu verringern, die Motivation für das Prähabilitationsprogramm zu steigern sowie Schmerzen und Stress zu reduzieren (Deutsches Ärzteblatt, 2023; Valle et al., 2023).
Prähabilitation als Vorreiter der sportmedizinischen Prävention
Die Prähabilitation gewinnt sowohl in der Sportmedizin (McIsaac et al., 2025) als auch in der Onkologie (Frank et al., 2022) zunehmend an Bedeutung und stellt eine weiterentwickelte Form der zukünftigen sportmedizinischen Prävention dar (sportärztezeitung, 2021). Im Mittelpunkt stehen der Patient und der Sportler durch einen individualisierten, auf Aufklärung ausgerichteten Ansatz – ein Konzept, das ein hohes Maß an Compliance erfordert, es aber gleichzeitig erschwert, allgemein gültige Evidenz zu generieren (Schubert, 2025). Bei spezifischen Krankheitsbildern, wie beispielsweise Tumorerkrankungen, können gezielte Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen – wie körperliche Aktivität und indikationsspezifische Ernährung – einen entscheidenden Beitrag leisten. Häufig fehlen jedoch standardisierte Umsetzungsstrategien und eine nachhaltige Versorgungsstruktur, was den breiteren Einsatz dieses vielversprechenden Ansatzes behindert (Tumour Therapy Online, 2020).
Basierend auf bisherigen Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen im Bereich der Prähabilitation kann dieser Ansatz auch prophylaktisch genutzt werden – noch bevor Verletzungen oder Erkrankungen auftreten (sportärztezeitung, 2021). Präventive Maßnahmen sollten integriert werden, und die aktive Einbindung von Sportlern, Patienten und Nicht-Patienten sollte gezielt gefördert und geschult werden. Eine eindeutige Kommunikation ist unerlässlich: „Der Sportler muss wissen, was zu tun ist, bevor er es umsetzen kann“ (McGill, persönliche Mitteilung, Juni 2021). Im Mittelpunkt steht eine erste motivierende Beratungssitzung (Bischof et al., 2021), einschließlich eines Screenings auf der Grundlage solider Grundlagen und hilfreicher Instrumente, der persönlichen Hygienefaktoren sowie eines Zusammenspiels im Kontext des biopsychosozialen Modells (sportärztezeitung, 2021). Dieses Verfahren wird von medizinischem Fachpersonal durchgeführt (Casasco, 2025). Als Vorbild dienen die zahnärztliche Prophylaxe und die Zahnhygiene (Geurtsen et al., 2016).
Formale Interpretationshoheit durch Training und Ausbildung
Die Empfehlungen und Ratschläge des Arztes und Therapeuten zur Bewegungstherapie, beispielsweise im Rahmen der Prähabilitation, dienen vielen Patienten als entscheidender Anreiz, mit regelmäßigem Training zu beginnen (Matziolis, 2019). Dies gilt gleichermaßen für alle weiteren Techniken, die aus den zuvor genannten Themenbereichen vermittelt werden sollen (Esch, 2020; Schubert, 2025; McIsaac et al., 2025; Valle et al., 2023) – Stressbewältigung, Bewegung, Entspannung (Matziolis, 2019) und Ernährung – sowie für Sportler und Nichtpatienten im Rahmen der Prävention.
Gesundheitsbewusstsein, Lebensstilmedizin, Selbstversorgung und Prophylaxe durch Sportmedizin
Die Entwicklung und Förderung gesundheitsbewussten Verhaltens stehen daher im Vordergrund (Matarazzo, 1984) der Prähabilitation und im Modell der sportmedizinischen Prävention (sportärztezeitung, 2021), um die allgemeine Gesundheit zu fördern sowie Erkrankungen und Folgeerkrankungen zu reduzieren und Therapie- und Operationsergebnisse zu verbessern (Hirst, 2024). Ziel ist die Optimierung psychoneuroimmunologischer Funktionen (Institute Tech Technological University, 2023), deren Wechselwirkung als eine Form der internen Kommunikation mit einem kontinuierlichen, multidirektionalen Informationsaustausch verstanden werden kann (Ader et al., 1995; Schedlowski et al., 2006). Langfristig kann dies auch die Belastung des Gesundheitssystems verringern (Casasco, 2025), einschließlich einer möglichen Kostensenkung (Esch, 2020).
Die sportmedizinische Prophylaxe ist ein pädagogisches, kommunikatives und praktisches Modell, das die Aufklärung und das Training der Patienten (Matziolis, 2019) als Teil des „Whole Person Health“-Ansatzes (Casasco, 2025; Nationales Zentrum für Komplementär- und Integrativmedizin; National Institutes of Health 2022) und der Lebensstilmedizin.
Die Sportmedizin wird durch die zusätzliche Integration komplementärer Interventionen und gezielter Trainingsmaßnahmen – präventiv und prophylaktisch – weiterentwickelt und gezielt geschult. Neue Berufsbilder entstehen. Eine umfassende präventive Gesundheitsversorgung – Prophylaxe statt Vermeidung – muss für alle medizinischen Fachgebiete und darüber hinaus attraktiv werden. Konkrete, wissenschaftlich fundierte Handlungsrahmen wie BERN (Esch & Stefano 2022), das SMART-Programm (Traeger et al., 2022; Fricchione 2023), „Whole Person Health“ (National Centre for Complementary and Integrative Health) und die Lebensstilmedizin (American College of Lifestyle Medicine) können hier als Orientierung dienen.
Zahlreiche Leitlinien und Fachartikel aus dem Bereich der Sportmedizin (Laube 2022; Valle et al., 2023; Stöve & Halder, 2025; Matziolis, 2019; Sturm et al., 2024) betonen die Bedeutung der Integration der oben genannten multimodalen und multidisziplinären Interventionen – Bewegung, Entspannung, Stressregulation und Ernährung (Esch, 2020) – unter besonderer Berücksichtigung des psychosozialen Kontexts (Mc Auliffe, 2021). Es wird eindeutig empfohlen, diese Aspekte zu berücksichtigen und durch motivierende Beratung eine angemessene Begleitung anzubieten (Emery & Wimmer, 2023). Aktuelle Konzepte zur Integration eines möglichen Selbstmanagement-, Selbstversorgungs- und Selbstheilungsansatzes im sportmedizinischen Kontext wurden bereits veröffentlicht (Casasco, 2025; Esch, 2020; Dossett et al., 2020; McSwan et al., 2021; Mobasheri, 2022; Schubert, 2025).
Dies muss professionell koordiniert und durch eine fundierte und umfassende Ausbildung und Schulung (Myall et al., 2023) gewährleistet werden, um alle Fachgebiete, Patienten, Sportler und Nicht-Patienten (sportärztezeitung, 2021) als Bindeglied innerhalb der Gesellschaft zu erreichen und einzubeziehen.
Diese interdisziplinären Verbindungen zwischen allen personalisierten Maßnahmen und den teilnehmenden Personen führen zur Entstehung von Beziehungen als soziale Systeme. Dies sollte in adaptiven, dynamischen Gruppen, wie beispielsweise bei „Group Medical Visits“, integriert und trainiert werden (Thompson-Lastad, 2018; Thompson-Lastad et al., 2025; Thompson-Lastad & Gardi, 2020; Boyd et al., 2023). Ein denkbarer Ansatz ist die in Deutschland etablierte Vereinskultur (Jütting et al. 2006) nach einer medizinischen Erstuntersuchung. Das Präventionsprogramm „RV Fit“ der Deutschen Rentenversicherung unterstützt Arbeitnehmer mit beginnenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen dabei, ihre Arbeitsfähigkeit langfristig zu sichern (Deutsche Rentenversicherung, 2020).
Es ist nicht notwendig, neue Methoden zu entwickeln, da bestehende Methoden durch spezifische, induktiv organisierte Kombinationen auf wissenschaftlicher Basis emergente Eigenschaften entfalten können. Auf diese Weise kann Selbstmanagement zu Selbstfürsorge werden und sich eine sportmedizinische Prophylaxe entwickeln (sportärztezeitung, 2021).
Wir verfügen über die notwendigen Ressourcen und Kapazitäten, um das übergeordnete Ziel zu erreichen, die nächste Generation in der Erhaltung der Gesundheit und der Steigerung des individuellen salutogenetischen Potenzials zu schulen (Esch, 2020).
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Originalartikel erschienen in „THE MIND“:
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Autoren
ist Diplom-Sportwissenschaftler mit Professional Master’s Degree in Sports Medicine sowie postgradualen Weiterbildungen in Mind-Body-Medizin (Harvard Medical School), Psychoneuroimmunologie und Lifestyle Medicine (American College of Lifestyle Medicine); Verleger der sportärztezeitung.
is a certified sports scientist with a professional master's degree in sports medicine and postgraduate training in mind-body medicine (Harvard Medical School), psychoneuroimmunology, and lifestyle medicine (American College of Lifestyle Medicine); publisher of the sportärztezeitung.



