Leaky Gut

Teil 2: Ein Blick in die Praxis – aus Sicht eines Athletiktrainers

Lesezeit: 4 Minuten

(Dieser Artikel hat Sven Herzog als Atheltiktrainer der Augsburger Panthers verfasst.)

Der Eishockeysport impliziert eine sehr hohe physische und psychische Belastung [1]. Ein Eishockeyspieler absolviert zwei bis drei Spiele pro Woche und skatet täglich ca. 6 Km bei durchschnittlich 200 Watt (interne Trackingstatistik). Die richtige Mikro- und Makronährstoffzufuhr und die optimale biochemische Umwandlung in mechanische Energie sind ein zentraler Schlüssel für eine erfolgreiche Saison (vgl. [1]). 

In Zusammenarbeit mit unserem Ernährungsexperten (Harald Swatosch) identifizieren wir jährlich eine zunehmende Zahl von Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Verdauungsproblemen im Eishockeysport. Im Leistungssport erleben wir täglich zu viele Stressoren, die sich negativ auf Verdauungsprozesse auswirken können. Diese implizieren psychische Faktoren im Kontext des Leistungsdrucks sowie physische Parameter wie Trainings- und Wettkampfstress. Neben den gegeben stressstimulierten äußeren Gegebenheiten, erleben wir häufig auch ungünstige Lebensstile, welche die Stressspirale noch weiter verschärfen. Konkret sind folgende Noxen im Alltag zu beobachten:

  • Konsum von koffeinhaltigen, zuckerhaltigen Getränken und Alkohol
  • Einnahme von Schmerzmitteln (Antibiotika)
  • Aufnahme von Konservierungsstoffen in Fertigprodukten (z. B. Natriumnitrat E 251, Kaliumnitrat E 252 u. a.)
  • Einnahme von Snus (Oraltabak)
  • Reduzierte Zufuhr von Pro- und präbiotischen Lebensmitteln

Diese ungünstige Symbiose aus externen und internen Stressoren können sich im Kontext von anhaltender Herz-Kreislaufbelastung sehr negativ auf die mikrobiotische Besiedlung der Darmwand auswirken [2]. Die medizinischen Implikationen wurden bereits im vorherigen Artikel (Keferstein) dargestellt. Der schleichende Prozess einer Epithelgewebsschädigung, Endotoxämie nebst Malabsorptionsproblemen kann letztendlich zu einem progedienten Leistungsabfall führen [3]. 

Das Thema „Leaky Gut“ lässt sich insbesondere im Kontext von akkumulierten Ausfalltagen identifizieren. Dabei lohnt sich ein Blick in die Verletzungsstatistik. Im Eishockeysport lassen sich Verletzungen in vier Teilbereiche ausdifferenzieren (VBG Sportreport 2017): 

  • Kontaktverletzungen (Gegnerkontakt – Puckkontakt – Bandenkontakt etc.)
  • Indirekte Kontaktverletzungen (meist bedingt durch Gegnerkontakt und darauffolgendem Sturzgeschehen)
  • Nichtkontaktverletzungen (klassische Weichteilverletzungen ohne Fremdeinwirkung)

Ein vierter Bereich impliziert jegliche Form von Erkrankungen (chronisch oder akut). Hier werden alle möglichen immunologischen bzw. metabolischen Beschwerden dokumentiert. Zeigt ein Spieler häufig immunologische Probleme, neigt er gegebenenfalls zu Verdauungsproblemen und zeigt seine Leistungskurve nach unten, sollte definitiv über das Problem eines „Leaky-Gut“ nachgedacht werden. Ferner sollte auch bei rezidivierenden muskulären Problemen eine Malabsorptionsproblematik hinsichtlich des Proteinstoffwechsels nachgedacht werden. 

Handlungskonsequenzen für die tägliche Praxis

Das Thema „Leaky-Gut“ sollte im Kontext eines Stressmanagements betrachtet werden. Stress lässt sich durch ein engmaschiges Monitoringsystem mittlerweile sehr gut erfassen [4]. Insbesondere Daten zur Schlafqualität, Erholungsrate (Herzfrequenzerholung) und zur HRV können hier Aufschluss über den Stresszustand eines Spielers geben. Bezugnehmend auf die gegebenen Parameter sollte der Trainingsload angepasst werden. Äußerst sich ein unspezifischer Leistungsabfall, leiten wir eine umfangreiche internistische Diagnostik mit unserem Teamarzt Dr. Trivaks ein.  

Praxisbeispiel

Ein Spieler zeigte klare Symptome eines „Leaky Gut“. Dies äußerste sich insbesondere in einem schleichenden Leistungsabfall mit rezidivierenden Infekten und einer messbaren Abnahme der Muskelmasse über drei Monate hinweg. Der Spieler verlor konstant über 10 % seiner Sprungkraftleistung (Squat Jump & Counter-Movement Jump binnen 12 Wochen) und konnte die vorgegebenen Krafttrainingsreize nicht mehr adaptieren. Ferner zeigte sich eine klare Abnahme der HRV bei einem Anstieg der Ruheherz­frequenz. Diese Phase wurde begleitet von massiven Verdauungsproblemen (Blähungen). In Absprache unseres Ernährungsexperten Harald Swatosch erhielt der Spieler folgende Handlungsempfehlungen:

  • Abstinenz von koffeinhaltigen bzw. zuckerhaltigen Getränken. Alternativ sollte der Spieler frisch gepressten Limetten oder Zitronensaft verdünnt mit Wasser verwenden, der basisch verstoffwechselt wird und aktivierend wirkt
  • Keine Einnahme von Schmerzmedikamenten /Antibiotika (wenn möglich)
  • Absolute Alkohol- und Snusabstinenz
  • Ergänzung des probiotischen Wiederaufbaus durch die Gabe von Darmbakterien (z. B. Milchsäurebakterien / Lactobacillus u. a.)
  • Einnahme von Vitamin D, Zink und PMA Zeolith
  • Zufuhr von fermentierten Lebensmitteln wie Kombucha (fermentierter Tee), Sauerkraut, biologischer Kefir / Joghurt (möglichst regional)
  • Zufuhr von ballaststoffreicher Ernährung (grünes Bio Gemüse und Salate) und präbiotischen Lebensmitteln wie: Vollkornprodukte – Zwiebel – Knoblauch – Chicorée Bananen

Die Leistungsfähigkeit konnte in diesem Fall binnen sechs bis acht Wochen wieder nahezu vollständig hergestellt werden. Dies zeigte sich in der HRV als auch in den Sprungkraftdaten. Ferner zeigte sich in der BIA Messung unseres Ernährungsexperten eine signifikante Verbesserung des Phasenwinkels. Hervorzuheben ist in diesem Kontext die Unterstützung der Maßnahme mit dem PMA Zeolith der Firma Panaceo. Dieses Produkt wurde im Rahmen einer randomisierten Doppelblindstudie wissenschaftlich untersucht. In dieser Studie nahmen 52 ausdauertrainierte Sportler (Frauen und Männer; Nichtraucher; Alter 20–50 Jahre alt) über drei Monate hinweg 1,85 Gramm PMA-Zeolith-Klinoptilolith pro Tag ein [5].


Die Hypothesen der wissenschaftlichen Untersuchung waren:

Zeolith ist in der Lage

  • die Darmwandintegrität zu stabilisieren und die Darmwandfunktion zu fördern
  • die pro-oxidativen und pro-entzündlichen Prozesse im Darm durch die Bindung von Oxidantien zu reduzieren
  • die VO2max und die maximale Performance erhöhen > als Ergebnis einer verbesserten Darmwandintegrität und eines anti-inflammatorischen Stoffwechsels [5] 

Es wurden dabei in regelmäßigen Abständen Stuhlproben zur Bestimmung von Biomarken hinsichtlich der Darmwandintegrität abgenommen. Ferner wurden Blutwerte zur Bestimmung von Entzündungsparametern und DNA Schädigungen zu Beginn und am Ende der Studie festgestellt [5]. 

Ergebnisse

  • PMA Zeolith-Klinoptilolith stärkt die Darmwandfunktion /-integrität (signifikant reduzierter Zonulinkonzentration im Stuhlgang)
  • Verminderung der Endotoxämie (Zeolith fungiert als Ionenaustauscher im Darm und bindet Toxine im Darm und leitet diese aus)
  • Milde anti-inflammatorische Wirkung
    Die Verbesserung der VO2max konnte nicht nachgewiesen werden [5]

Literatur

[1] Keferstein, G., Mager, R., Houben, P., Müller, D. & Adler, S. (2015). Eishockey Performance (1. Auflage). Verlag: Books on Demand

[2] Mach, N. & Fuster-Botella, D. (2017). Endurance exercise and gut microbiota. A review. Journal of Sport and Health Science 6 (2017); p. 179–197. Shanghai University of Sport: Elesevier

[3] Costa, R.J.S., Snipe, R.M.J., Kitic, C.M: & Gibson, P.R. (2017). Systematic review: excise-induced gastrointestinal syndrome – implications for health and intestinal disease: Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2017; 46: 246–265. John Wiley & Sons Ltd

[4] Ribbecke, T. (2018). Regenerationsstrategien (1.Auflage). Neue Reserven durch systematische Erholung und Monitoring. München: Pflaum Verlag

[5] Lamprecht et al. (2015). Effects of zeolite supplementation on parameters of intestinal barrier integrity, inflammation, redoxbiology and performance in aerobically trained subjects. Published in Int Soc Sports Nutr. 2015; 12: 40

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studierte Sport/- und Erziehungswissenschaften sowie Psychologie im Nebenfach und absolvierte einen Diplomabschluss in Sport- und Gesundheitspädagogik. Im Rahmen einer Athletiktrainerausbildung in Kanada sammelte er internationale hockeyspezifische Coaching Erfahrung während eines NHL-Mentorships in Burlington/Toronto. Von der Saison 2007/2008 bis 2019 war Sven Herzog als Athletiktrainer der Augsburger Panther tätig (seit 2015 in Vollzeit), bevor er 2019 Leiter Athletik beim 1. FSV Mainz 05 wurde.

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