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    Therapie

    Orthesen

    Hightech-Hilfe für Spitzensport und Alltag
    Dr. med. Alexander StrassburgBy Dr. med. Alexander Strassburg6 Mins Read
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    © istockphoto.com / invincible_bulldog
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    Moderne Orthesen sind im Leistungssport längst nicht mehr wegzudenken. Nicht nur als Hilfsmittel, sie sind Hightech-Werkzeuge und ein unverzichtbares Tool im Repertoire eines jeden Sportmediziners. Seit sich die Menschheit verschiedener Werkzeuge bedient, wurden bei gesundheitlichen Einschränkungen, Behinderungen oder Verletzungen „orthopädische Hilfsmittel“ im weitesten Sinne erfunden, konstruiert und angewendet. 

    So wurde in Frankreich ein 30.000 Jahre altes Skelett mit einer perfekt verheilten Femurschaftfraktur gefunden. Ohne Schienung wäre das nicht möglich gewesen. Vermutlich kamen Äste, Rindenstücke, Lederriemen oder Tiersehnen zur Anwendung. Schon in der Antike existierten erste Formen von Orthesen, beispielsweise Schienen aus Holz oder Leder. Im Mittelalter halfen starre Kon­struktionen aus Metall, um Frakturen ruhigzustellen oder bei Erkrankungen das Gehen überhaupt möglich zu machen. Bahnbrechende Entwicklungen gab es schließlich im 20. Jahrhundert als zunehmend Kunststoffe, Carbon und moderne Polstermaterialien wie Memory-Schaum eine individuelle Anpassung möglich machten. Die sprunghaften Fortschritte der letzten Jahre halfen zudem, mit Hightech-Materialien, besonderer Sensorik und „smarten Orthesen“ neue Möglichkeiten der Herstellung und Anwendung zu implementieren. 3D-Scans und -Drucker sorgen heute für individuelle Passgenauigkeit. Ideen werden neu gedacht und mit biomechanischem Know-how zu immer besseren Produkten entwickelt. Bewegungsdaten werden mit Sensoren erfasst und in Echtzeit übertragen und geben ein Feedback an Laptop, Smartphone oder ein anderes elektronisches Medium. Sie können auf diese Weise analysiert und in die Trainings- oder Rehabilitationsteuerung einbezogen werden. Apps und Wearables werden zunehmend in Therapien und Funk­tionsdiagnostik, beispielsweise zur Beurteilung der Muskelkraft und Muskelaktivität und deren Veränderungen heranzogen. Orthesen in Kombination mit Exoskeletten können in das tägliche Leben integriert werden. 

    Orthesen im Spitzensport

    Die enormen Belastungen in Training und Wettkampf und zunehmende Einsatzhäufigkeit, vor allem im professionellen Sport, führen zu einer erheblichen Belastung von Gelenken und Muskulatur. Bandagen, Orthesen oder speziell stützende, entlastende oder bewegungsfördernde Tapeverbände sind aus dem Spektrum der Verletzungsprophylaxe, bei Verletzungen und der Rehabilitation nicht mehr wegzudenken. Die Anwendung erfolgt oft bereits präventiv, etwa bei besonderen Belastungen, einer gewissen Verletzungsanfälligkeit oder bestehender muskulärer Dysbalancen. Auch die Kombination aus Sportbekleidung mit elastisch verstärkten Arealen, die zur funktionellen Bewegungsverbesserung und -optimierung beitragen sollen, hat Einzug gehalten. NBA-Basketballer sind zum Teil vertraglich verpflichtet, bei jedem Spiel einen stabilisierenden Tapeverband beider Sprunggelenke zu tragen.

    Hier kann in gewissem Umfang auch über Vor- und Nachteile solcher Maßnahmen diskutiert werden. So verlieren Tape-Verbände bereits nach kurzer Zeit ihre volle physikalische Stabilität. Nicht zu vernachlässigen ist jedoch die fortdauernde Wirksamkeit über die Propriozeption. Die unterbewusste Wahrnehmung eines Tapeverbandes oder einer Orthese signalisiert dem Athleten einen gewissen Schutz und sorgt auf unterer neuronaler Ebene für eine Verbesserung der Stellreflexe. Dieser Effekt spielt speziell bei fortgeschrittener Wettkampfdauer eine erhebliche Rolle, bei der es im Rahmen der Erschöpfung zunehmend zur neuromuskulären Entkopplung und verminderten Leitfähigkeit an der motorischen Endplatte kommt.

    Leistungssport als Wegbereiter – Orthesen im Alltag 

    So, wie der Automobilbau von der Formel 1 lernt und profitiert, so werden auch Technologien, Materialien und Erfahrungen aus dem Spitzensport für den Alltagsgebrauch genutzt und entsprechend angepasst. Die Kniebandage im Laufsport, die Rückenorthese beim Fitnesstraining oder eine Sprungelenks­orthese nach Distorsionstrauma können durchaus für Stabilität und Sicherheit sorgen und Schmerzen lindern. Orthesen, Bandagen oder Tape-Verbände, sie alle dienen der notwendigen Stabilität bei gleichzeitig größtmöglicher Elastizität. Die Fußballerin Giulia Gwinn konnte man in der ersten Reha-Phase mit Gehstützen und einer immobilisierenden, jedoch abnehmbaren Schiene beobachten und bereits kurze Zeit später mit passgenauer Orthese mit beweglichen Seitenschienen. Ein gutes Beispiel für eine schrittweise augmentierte Steigerung der Beweglichkeit. 

    Typische Einsatzgebiete sind stabilisierende Orthesen zur Ruhigstellung, Entlastung oder gezielten Führung nach Verletzungen, Frakturen oder Operationen. Zunehmend auch mobilisierende Modulverfahren nach Verletzungen, die dem Patienten schrittweise mehr Mobilität verschaffen und somit zur Schmerzlinderung führen. Zugleich werden Selbstständigkeit und Zufriedenheit gefördert. Klassische Einsatzgebiete finden sich nach Verletzungen, z. B. Kreuzbandläsion oder Bänderdehnung, chronische Erkrankungen, z. B. Arthrosen oder neurologische Erkrankungen, Lumbal- oder Zervikalorthesen nach Wirbelsäuleneingriffen oder entlastende Handgelenksorthesen. (Anmerkung der Redaktion: Siehe hierzu auch Meldung der GOTS vom Juli 2025: „Wirbelsäulen-Verletzungen und Rückenschmerz: können Bandagen und Orthesen helfen?“ https://sportaerztezeitung.com/sports-research/orthesen-bei-wirbelsaeulen-verletzungen-und-rueckenschmerzen/). Bei richtiger Indikationsstellung helfen sie, aktiv zu werden oder zu bleiben. Ambitionierte Freizeitsportler mit individuellem Leistungsanspruch, Alltagsportler und Patienten in der Rehabilitation können ebenso das für sie geeignete Hilfsmittel finden, wie Menschen mit Erkrankungen und Behinderungen. Voraussetzung ist immer die richtige und auf den Einzelnen abgestimmte Anwendung.

    Behandlungsstrategie und Verordnung 

    Viele Hilfsmittel sind mittlerweile frei über das Internet oder beim Discounter erhältlich. Diese „Selbstmedikation“ erfordert eine kritische Betrachtung. Bei der medizinischen Verordnung gilt auch hier der Grundsatz „Keine Therapie ohne Diagnose“. Entscheidend ist die indikationsgerechte Anwendung, die individuelle Notwendigkeit und vor allem auch die Berücksichtigung der Fähigkeiten des Patienten. Eine klare Behandlungsstrategie wird mit dem Patienten gemeinsam festgelegt, realistische Zwischenziele definiert und Kontrolltermine geplant. Alle erforderlichen Ressourcen wie Physio- oder Trainingstherapie werden mit einbezogen. Bei Bedarf wird der Behandlungsplan ergebnisbezogen im Verlauf angepasst. Das Spektrum der Produkte ist heutzutage so groß, dass die Verordnung ein umfangreiches und spezifisches Wissen voraussetzt. Der Markt und die Menge der Hersteller aus aller Welt ist selbst für Experten eine Herausforderung. Dennoch kann nur die gezielte und individuelle Applikation unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung sein. 

    Kritische Betrachtung und Grenzen 

    Orthesen sollten nur für eine begrenzte Zeit getragen werden, da keinerlei „Abhängigkeit“ entstehen soll. Nach einer längeren Tragezeit sollte eine Orthese „abtrainiert“ und zugleich die Physiotherapie zur Körperselbstkontrolle intensiviert werden. Eine plötzliche Änderung der Unterstützung verursacht möglicherweise ein unsicheres, „nacktes“ Gefühl. Die Reduktion kann zeitlich gestaffelt erfolgen, indem die freien Intervalle kontinuierlich verlängert werden. Auch sind einige Modelle modular aufgebaut, bei denen die Größe und die Stabilität stufenweise reduziert werden können. Anstelle der Orthese kann auch ein vorübergehend angelegter (Tape-) Verband dem Anwender das Gefühl von Sicherheit geben. An dieser Stelle muss nachdrücklich darauf hingewiesen werden, dass Orthesen bei richtiger Anwendung nicht zu einer Muskelatrophie führen.

    Nicht jede Orthese darf im Wettkampf getragen werden. Das Regelwerk schränkt die Einsatzmöglichkeiten u. U. mehr oder weniger ein. So gibt es bei Kontaktsportarten (z. B. Fußball oder Basketball) die Regel, dass Hilfsmittel keine harte Außenseite haben dürfen, da sie zu Verletzungen anderer Spieler führen könnten.

    Eine Orthese sollte im Wettkampf nicht zu einem „technologischen Vorteil“ führen, einer besonderen Form der Vorteilnahme oder Leistungssteigerung. Diese Diskussion ist vor allem von den paralympischen Sportarten bekannt.

    Der Kostenaspekt darf nicht außer acht gelassen werden. Dies gilt vor allem für High-End-Produkte. Die Anwendung muss individuell und zielgerichtet erfolgen. Tragedauer und der erwartete Effekt sind zu kalkulieren. Der Zeitraum von der Verordnung bis zur Anpassung sollte ebenfalls nicht zu lang sein.

    Und in diesem Kontext – was bewirkt eine aufwendige Orthese, wenn sie nicht getragen wird? Nicht zu vernachlässigen ist die Einbeziehung des Patienten in Behandlungsstrategie. Die Compliance des Sportlers ist entscheidend für die Wirksamkeit der Therapie. 

    Fazit

    Ob auf dem Rasen, auf der Laufbahn, der Halle oder auf der Skipiste, Orthesen sind schon längst nicht mehr das, was sie einmal waren. Kein klobiges Hilfsmittel, sondern modernste medizinische Technologie, -leicht, intelligent und leistungsfähig. Sie ermöglichen eine zeitgerechte Rückkehr in den Sport, aber auch in den Alltag und in das Berufsleben. Sie werden individuell angepasst und machen manchmal den Unterschied zwischen Karriereende und Rückkehr in den Leistungssport. Sie gehört somit zum unverzichtbaren Repertoire der medizinischen Behandlungsmöglichkeiten. Der Einsatz durch den Sportarzt erfolgt indikationsgerecht, mit Augenmaß und immer individuell.

    Autoren

    Dr. med. Alexander Strassburg

    » Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
    » Gründung und Leitung ORTHOKassel - SPORTMEDIZIN interdisziplinäre Praxis für Diagnostik und Therapie
    » Seit 1986 behandelt er Leistungssportler aus nahezu allen Sportarten, war Verbandsarzt des Deutschen Hockey-Bundes und Tennisverbandes Schleswig-Holstein.

    04/25
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