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	<title>Training Archive - sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
	<lastBuildDate>Fri, 04 Sep 2026 10:59:49 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Training Archive - sportärztezeitung</title>
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	<item>
		<title>Von der Idee zur Umsetzung</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22839/von-der-idee-zur-umsetzung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Erbeldinger&nbsp;,&nbsp;Masiar Sabok Sir]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 08:31:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor exakt 20 Jahren haben wir unsere erste sportmedizinische Publikation veröffentlicht und uns auf einen Pfad begeben, dessen Bedeutung und Zielsetzung wir nie aus den Augen verloren haben. Vor der [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor exakt 20 Jahren haben wir unsere erste sportmedizinische Publikation veröffentlicht und uns auf einen Pfad begeben, dessen Bedeutung und Zielsetzung wir nie aus den Augen verloren haben. Vor der Umsetzung standen monatelange Vorbereitungen, viele Gespräche und eine Menge Ideen im Raum. Dabei spielte München von Anfang an eine Rolle. Dort besuchten wir 2006 mit der ISPO eine Messe, die gerade begonnen hatte, Health &amp; Fitness miteinander zu verbinden und sportmedizinische Themen zu forcieren. Auch wenn an der Umsetzung nicht alles ideal war, haben wir erkannt, dass sich die Sportmedizin für die gesamte Gesellschaft öffnen muss, um neue Zugänge zu schaffen und ihr Potenzial für eine moderne, ganzheitliche Versorgung zu entfalten. 20 Jahre später durften wir einen interessanten Medizin-Dialog in der Praxis von Dr. Müller-Wohlfahrt in München führen – das Ergebnis lesen Sie <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22850/von-der-muskelverletzung-zur-praehabilitation/">HIER</a></p>
<p>Von Anfang an wollten wir etwas entwickeln, das die Versorgung verbessert und einen konkreten Nutzen für Ärzte, Therapeuten und Patienten schafft. Rückblickend sind wir dankbar für diesen Weg – für die vielen Begegnungen, Diskussionen, Ideen und vor allem für die Menschen, die ihn mit uns gegangen sind. Heute hat sich die Versorgungsrealität weiter verändert – und viele der bestehenden Probleme haben sich sogar verschärft. Strukturen sind komplexer geworden, Anforderungen gestiegen und Ressourcen begrenzt. Gleichzeitig wissen wir: Alles hängt miteinander zusammen. Prävention / Prophylaxe, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation, Prähabilitation, Ernährung – Targeted Nutrition, Training und die Aus- und Fortbildung derjenigen, die diese Bereiche gestalten, dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Genau hier setzen wir an: Angebote und Lösungen aufzeigen, weiterentwickeln und in die Versorgung integrieren.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Unser Ziel ist eine auf den Menschen zentrierte und effiziente Sportmedizin – mit einem gesamtgesellschaftlichen Benefit. Wir wollen neue Versorgungsräume schaffen – in den Köpfen, aber ebenso in der konkreten Umsetzung. Denn Veränderung beginnt mit der Möglichkeit, Dinge anders zu denken, und wird erst dann wirksam, wenn daraus konkrete Strukturen und Angebote entstehen. Jeder Einzelne trägt dazu bei. Hindernisse werden dabei immer auftreten. Entscheidend ist jedoch die Entschlossenheit, sie zu überwinden. Hannibal soll vor der Überquerung der Alpen gesagt haben: „Aut viam inveniam aut faciam“ – Entweder wir finden einen Weg, oder wir machen einen! Darin steckt eine Haltung, die auch für die Sportmedizin heute wichtiger denn je ist: Nicht aufgeben, wenn ein Plan sich nicht direkt umsetzen lässt oder auf Gegenwind stößt, sondern selbst und gemeinsam aktiv eine Lösung erschaffen.</p>
<p>In diesem Zusammenhang entwickeln wir auch unser Fortbildungsangebot im kommenden Jahr konsequent weiter. Neben Symposium, Kongressen und Workshops werden wir insbesondere im Bereich Targeted Nutrition und Prähabilitation neue Formate präsentieren – live vor Ort und ebenso digital. Von der Idee zur Umsetzung bedeutet für uns: Räume für Veränderungen schaffen. Für eine Sportmedizin, die Versorgung nicht nur begleitet, sondern aktiv gestaltet.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sport mit Hüft- oder Knieprothese</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22697/sport-mit-hueft-oder-knieprothese/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Stefan Schmidl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Aug 2026 12:10:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Endoprothetik hat sich in den letzten Jahrzehnten sowohl in technischer als auch in materialwissenschaftlicher Hinsicht weiterentwickelt. Der Motor hierfür sind die gestiegenen Anforderungen und Erwartungen von Prothesenträgern an das [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die Endoprothetik hat sich in den letzten Jahrzehnten sowohl in technischer als auch in materialwissenschaftlicher Hinsicht weiterentwickelt. Der Motor hierfür sind die gestiegenen Anforderungen und Erwartungen von Prothesenträgern an das Mobilitätsniveau sowie die demografische Entwicklung. Dies hat auch dazu geführt, dass bei passender Indikation, mehr Patienten im mittleren Lebensalter endoprothetisch versorgt werden [1, 2].</b></p>
<p>Damit einhergehend sind auch Beanspruchungen der Prothesen entsprechend der sportlichen Aktivität dieser Zielgruppe. Dies reicht von normalen Ausdauersportarten bis hin zu Ballsportarten mit entsprechenden Belastungen. Sowohl in der Klinik als auch im ambulanten Bereich tauchen daher zunehmend gezielte Fragestellungen nach passender sportlicher Betätigung nach endoprothetischer Versorgung auf [3 – 5].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Biomechanik, Materialien und Belastung</b></h2>
<p>Moderne Prothesen verwenden verbesserte Gleitpaarungen wie hochvernetztes Polyethylen und bevorzugen, bei entsprechender Knochenqualität, zementfreie Verankerungen. Daraus resultieren geringere Abrieb- und Verschleißerscheinungen und somit geringere Revisionsraten [6, 7]. Minimalinvasive und muskelschonende Zugänge erlauben eine zeitnahe Belastung und eine gesteigerte Mobilität, auch in der unmittelbaren postoperativen Phase, was mit einer frühen Wiederaufnahme der sportlichen Belastbarkeit einhergeht.</p>
<h2><b>Low-Impact vs. High-Impact-Sportarten</b></h2>
<p>Im Alltag unterscheidet man sportliche Aktivitäten nach ihrer Belastungsintensität, Dauer und mechanischen Spitzenkräften auf das Kunstgelenk. Generell gelten folgende Aktivitäten als empfehlenswert bzw. weitgehend sicher nach Hüft- und Knieendoprothesen:</p>
<ul>
<li>Low-Impact-Sportarten: Schwimmen, Radfahren, Wandern, Nordic Walking und Golf zeichnen sich durch geringe Stoß- und Scherkräfte sowie gleichmäßige Bewegungsabläufe aus und werden von den meisten Fachgesellschaften als risikoarm eingestuft.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Moderate Sportarten: Tanzen, Pilates oder moderate Gymnastik können je nach Patientenvoraus­setzungen und ärztlicher Einschätzung sinnvoll sein.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>High-Impact-Sportarten: Laufen, Fußball, Basketball, Handball oder intensiver Skisport gelten traditionell als weniger empfehlenswert wegen der hohen Stoßbelastungen und potenziell gesteigerter Abrieb- bzw. Lockerungsrisiken sowie der erhöhten Gefahr von periprothetischen Frakturen.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
</ul>
<p>In zahlreichen chirurgischen Umfragen und Reviews wurden Sportarten wie Wandern, Radfahren, Schwimmen oder Golf als die am häufigsten akzeptierten Aktivitäten nach Hüft- und Knieendoprothese genannt, während Kontaktsportarten und hochdynamische Dis­ziplinen überwiegend nicht empfohlen wurden [8 – 11].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Timing und postoperative Phase</b></h2>
<p>Ein frühzeitiger Wiedereinstieg der sportlichen Aktivität sollte erst nach abgeschlossener primärer Heilung und Reha-Phase erfolgen – in der Regel etwa 3 – 6 Monate postoperativ für Low-Impact-Sportarten. Für komplexere oder sportlich anspruchsvollere Aktivitäten wird häufig ein längeres Intervall empfohlen, um die muskuläre Stabilität, Koordination und das propriozeptive Niveau zu sichern.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Einfluss auf Prothesenstandzeit und Risiken</b></h2>
<p>Die Datenlage zu langfristigen Auswirkungen sportlicher Aktivität auf die Standzeit von Hüft- und Knieprothesen ist derzeit noch limitiert und heterogen. Einige Studien deuten an, dass hohe Spitzenbelastungen und repetitive Stoßkräfte mit einem erhöhten Abrieb und damit potenziell früheren Prothesenwechsel assoziiert sein könnten. Die meisten Studien haben ein follow-up von 10 – 15 Jahren. In der Hüftendoprothetik zeigt die Verwendung hochvernetztes Polyethylene im Vergleich zu normalen Kunststoffen deutlich weniger Abrieb und damit abriebinduzierte ­Lockerung sowie Revisionsraten [12, 13]. Etwas heterogener zeigt sich das Bild in der Kniegelenksendoprothetik. Hier scheint sich der Vorteil erst nach einem längeren Zeitintervall von 20 Jahren follow-up abzuzeichnen [14]. Somit ist eine individuelle Empfehlung für Patienten mit Knie- oder Hüftprothesen bezüglich der verschiedenen Sportarten sinnvoll.</p>
<p>Potenzielle Risiken umfassen:</p>
<ul>
<li>Periprothetische Frakturen nach traumatischen Ereignissen, insbesondere bei sportlicher Kollision oder bei Stürzen.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Luxationen (v. a. bei Hüften­do­prothesen) durch extreme Bewegungsamplituden oder instabile mechanische Situationen.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Abrieb und aseptische Lockerung durch repetitive Hochbelastungen, was langfristig zu einer Revision führen kann.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
</ul>
<h2><b>Präoperative Aktivität und Rückkehr zum Sport</b></h2>
<p>Patienten, die vor der Operation aktiv waren, kehren mit höherer Wahrscheinlichkeit nach der OP zu sportlichen Aktivitäten zurück. Bei zuvor inaktiven Patienten ist die Wahrscheinlichkeit geringer. Gleichzeitig zeigt sich ein Trend zu einer Verlagerung zugunsten von weniger belastenden Sportarten nach operativer Versorgung (Tabelle).</p>
<figure id="attachment_22700" aria-describedby="caption-attachment-22700" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-22700" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-1024x571.jpg" alt="" width="755" height="421" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-1024x571.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-300x167.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-768x429.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-150x84.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-450x251.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-1200x670.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22700" class="wp-caption-text">Tab. Sportarten nach Hüft- und Knieendoprothetik – Empfehlung und Bewertung</figcaption></figure>
<h2><b>Klinische Empfehlungen und individuelle Faktoren</b></h2>
<p>Aktuelle Fachgesellschaften wie die American Association of Hip and Knee Surgeons (AAHKS) oder nationale sportmedizinische Verbände empfehlen ärztlich individualisierte Entscheidungen, die Alter, BMI, Knochenqualität, Prothesentyp, präoperative Aktivität und chirurgische Technik berücksichtigen. Generell gilt: die Rückkehr zu sport­licher Aktivität sollte schrittweise, gut begleitet und patientenspezifisch dosiert erfolgen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Sportliche Aktivität nach Hüft- und Knieendoprothese ist nicht nur möglich, sondern – sofern medizinisch sinnvoll dosiert – auch gesundheitsfördernd. Low-Impact-Sportarten sind breit akzeptiert und meist ohne signifikante Risiken für die Implantatstandzeit durchführbar. High-Impact-Sportarten sollten kritisch geprüft und meist reduziert oder modifiziert werden. Die derzeitige Literatur zeigt, dass sportliche Aktivität die Funktion, Muskelkraft und Lebensqualität deutlich verbessert, während der direkte Einfluss auf die Langzeit-Prothesenstandzeit sich durch die Verwendung neuer Kunststoffe verbessert. Dadurch bleiben individualisierte und interdisziplinäre Empfehlungen zwischen Operateur, Sportmediziner und Physiotherapeut essenziell. Auch werden künftige Studien zeigen, ob unterschiedliche Empfehlungen für Sportarten und Belastungen für Patienten mit einer Hüft- oder Knieprothesen gelten werden. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fun Fact</b></h2>
<p>Ich habe diesen Winterurlaub einen sportlichen Snowboarder im mittleren Rentenalter mit zwei künstlichen Kniegelenken kennenlernen dürfen, der aktiv fährt und damit besser zurechtkommt als mit Ski, da beide Beine fest auf dem Brett arretiert sind. Mit diesem Bild im Hinterkopf sollte gelten: individuelle Beratung, die zur jeweiligen Lebenssituation und Anspruch des Prothesenträgers passt.</p>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li>Finkenstädt V, Niehaus F. Die Aussagekraft von Länder Renk links im Gesundheitsbereich -Eine Analyse des Einflusses der Altersstruktur auf die OECD Daten. 2015</li>
<li>Wengler A, Nimptsch U, Mansky T. Hip and knee replacement in Germany and the USA: analysis of individual inpatient data from German and US hospitals for the years 2005 to 2011. Dtsch Arztebl Int. 2014; 111:407-416. doi:10.3238/arzebl.2014.0407</li>
<li>Healy WL et al. Athletic activity after total joint arthroplasty. J Bone Joint Surg Am. 2008;90(10):2245–2252.</li>
<li>Wylde V et al. Return to sport after joint replacement.Sports Med. 2015;45:269–292.</li>
<li>Kuster MS. Exercise recommendations after total joint replacement. Sports Med. 2002;32:433–445.</li>
<li>Kurtz SM, Gawel HA, Patel JD. History and systematic review of wear and osteolysis outcomes for highly crosslinked polyethylene. Clin Orthop Relat Res. 2011;469(8):2262–2278. doi:10.1007/s11999-011-1872-4</li>
<li>Hanna SA, Somerville L, McCalden RW, Naudie DD, MacDonald SJ. Highly cross-linked polyethylene decreases the risk of revision in total hip arthroplasty at 15 years. <em>J Arthroplasty.</em> 2016;31(8):1736–1741. doi:10.1016/j.arth.2016.02.041</li>
<li>AAHKS Guidelines Committee.<em> Recommendations for return to sports after hip and knee arthroplasty.</em> J Arthroplasty. 2021;36:234–240.</li>
<li>Deutscher Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). <em>Sport nach Endoprothetik – Positionspapier.</em></li>
<li>Hoorntje A et al. <em>High activity levels after total hip arthroplasty: increased wear?</em><br />
Clin Orthop Relat Res. 2018;476:122–130.</li>
<li>Wylde V et al. <em>Return to sport after joint replacement. </em>Sports Med. 2015;45:269–292.</li>
<li>Parilla FW, et al. Excellent long-term outcomes of highly cross-linked polyethylene in total hip arthroplasty at 20 years. J Arthroplasty. 2024;39(1):45–52. doi:10.1016/j.arth.2023.08.012</li>
<li>Migliorini F, et al. Highly cross-linked polyethylene shows lower wear and revision rates in total hip arthroplasty: a network meta-analysis. Sci Rep. 2024;14:71326. doi:10.1038/s41598-024-71326-1</li>
<li>Prentice HA, et al. Highly crosslinked polyethylene is associated with a lower revision risk in total knee arthroplasty at 20-year follow-up. J Bone Joint Surg Am. 2026;108(2):123–131. doi:10.2106/JBJS.25.00456</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Präoperative Trainingstherapie</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22735/praeoperative-trainingstherapie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Rebecca Abel,&nbsp;Prof. Dr. phil. Daniel Niederer,&nbsp;PD Dr. med. Christoph Offerhaus,&nbsp;Alexander Glowa&nbsp;,&nbsp;Dr. Sportwiss. Christiane Wilke]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 08:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Prähabilitation beschreibt die gezielte Vorbereitung auf eine Operation und zielt auf eine Verbesserung des Behandlungserfolgs ab. Im folgenden Artikel wird eine Studie zur konkreten Ausgestaltung der präoperativen Trainingstherapie vor Rekonstruktion [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Prähabilitation beschreibt die gezielte Vorbereitung auf eine Operation und zielt auf eine Verbesserung des Behandlungserfolgs ab. Im folgenden Artikel wird eine Studie zur konkreten Ausgestaltung der präoperativen Trainingstherapie vor Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes vorgestellt.</b></p>
<p>Sportler, die nach einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes (VKB) in den Sport zurückkehren, haben im Vergleich zu unverletzten Athleten ein bis zu sechsfach erhöhtes Risiko, innerhalb von zwei Jahren nach der OP erneut eine VKB-Verletzung zu erleiden [1]. Im Vergleich zu unverletzten Athleten haben ehemals Verletzte nach der Rückkehr in den Sport zudem häufig ein geringeres Leistungsniveau bzw. eine kürzere Karrieredauer [2]. Beide möglichen Folgen einer Ruptur und Rekonstruktion des VKBs sind trotz Durchführung evidenzbasierter Rehabilitationsmaßnahmen nach Rekon­struktion des VKBs zu beobachten. Daher besteht weiterhin Potenzial zur Optimierung des gesamten Rehabilitationsprozesses nach VKB-Ruptur. Präoperatives Training zwischen der VKB-Ruptur und der VKB-Rekonstruktion zielt auf eine Verbesserung der präoperativen Kniefunktion einschließlich der Kniebeweglichkeit und der Stabilität der Beinachse sowie eine Steigerung der Ansteuerungsfähigkeit und Kraft insbesondere des M. Quadrizeps ab. Trotz vielversprechender Effekte präopera­tiver Interventionen nach VKB-Ruptur ist die Evidenz bezüglich der Wirksamkeit von präoperativem Training begrenzt [3]. Darüber hinaus besteht kein Konsens hinsichtlich optimaler Inhalte und des Betreuungsgrades, beispielsweise bezüglich angeleiteten versus ­eigenständigen Trainings.</p>
<h2><b>Ziel</b></h2>
<p>Ziel der randomisiert-kontrollierten Studie war es, die Wirksamkeit eines angeleiteten, strukturierten und kriterienbasiert progressiven präoperativen Rehabilitationsprogramms (anpassbar an das individuelle Leistungsniveau) mit einem nicht angeleiteten, selbstständig durchgeführten Heimtrainingsprogramm (mithilfe einer Broschüre) zu vergleichen. Betrachtet wurden hierbei die selbstwahrgenommene Kniefunktion und weitere funktionelle Ergebnisse.</p>
<h2><b>Methode</b></h2>
<p>Die Studie wurde als monozentrische, prospektive, randomisiert-kontrollierte, einfach verblindete Studie durchgeführt. Insgesamt 114 Teilnehmende im Alter zwischen 16 und 60 Jahren mit einseitiger, vollständiger primärer Ruptur des VKBs sowie Indikation zur Rekon­struktion mittels Hamstring- oder Quadrizepssehnen-Autograft wurden im Sana Dreifaltigkeitskrankenhaus Köln rekrutiert. Teilnehmende wurden nur eingeschlossen, wenn der Zeitraum zwischen Einschluss und Operation mindestens drei Wochen betrug. Ausgeschlossen wurden Teilnehmende mit Begleitverletzungen mit Operations­indikation, die zu einer Änderung des Rehabilitationsprotokolls führten, sowie vorangegangenen Operationen oder Verletzungen am Kniegelenk in den letzten fünf Jahren. Falls während des operativen Eingriffs ungeplante Maßnahmen erforderlich wurden, die eine Anpassung des postoperativen Therapieprotokolls bedingten (z. B. Meniskusnaht), wurden die betroffenen Teilnehmenden ab diesem Zeitpunkt als Dropout gewertet. Die Teilnehmenden der Interventionsgruppe absolvierten ein strukturiertes, kriterienbasiertes und angeleitetes Training. Das Trainingsprogramm wurde an das individuelle Leistungsniveau angepasst und umfasste zwei Einheiten pro Woche à 60 Minuten. Zusätzlich erhielten die Teilnehmenden einmal pro Woche Übungen für ein eigenständiges Training zu Hause. Die Auswahl der Übungen orientierte sich an bereits durchgeführten Studien [3], ist Abb. 1 zu entnehmen und verfolgte folgende Ziele:</p>
<ul>
<li>Mobilisation des Kniegelenks und Verbesserung der Beweglichkeit</li>
<li>Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle, insbesondere des<br />
M. quadriceps</li>
<li>Verbesserung der posturalen Stabilität und des Gleichgewichts</li>
<li>Wiederherstellung bzw. Steigerung der Muskelkraft, insbesondere der Kniebeuger und -strecker,<br />
Abduktoren und Plantarflexoren; lokales Kraftausdauertraining, Vergrößerung des Muskelquerschnitts sowie Verbesserung der neuromuskulären Kraft.</li>
</ul>
<figure id="attachment_22741" aria-describedby="caption-attachment-22741" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-22741" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-1024x512.jpg" alt="" width="755" height="378" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-1024x512.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-300x150.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-768x384.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-150x75.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-450x225.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-1200x600.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22741" class="wp-caption-text">Abb. 1 Angeleitetes, präoperatives Training (Interventionsgruppe)</figcaption></figure>
<p>Das präoperative Training umfasste Übungen auf zwei Niveaus (Level I und Level II). Die Teilnehmenden starteten mit Übungen auf Level I Niveau. Wenn eine vollständige aktive Kniestreckung erreicht wurde, an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Trainingseinheiten keine Gewebereaktion am Folgetag auftrat und keine schmerzhaften Bewegungseinschränkungen berichtet wurden, wurden die Übungen durch Übungen auf Level II Niveau erweitert oder ersetzt. Schmerzen wurden mittels visu­eller Analogskala (VAS) von 0 – 10 erfasst, wobei ein Zielwert von unter 3 bis 4 Punkten als Orientierung für das Training diente. Das primäre Ziel des Trainingsprogramms war die Verbesserung der individuellen Leistungsfähigkeit und nicht das Erreichen eines vorgegebenen Leistungsniveaus. Die Teilnehmenden der Vergleichsgruppe erhielten eine Broschüre mit den folgenden sechs Übungen: Aktive Kniestreckung, Einbeinstand, Hüftabduktion, Hüftbrücke in Rückenlage, beidbeiniges Fersen­heben sowie Kniebeugen. Diese Übungen verfolgten die gleichen Ziele wie jene des angeleiteten Trainings. Die Broschüre enthielt detaillierte Anleitungen zur Durchführung sowie Empfehlungen zu Wiederholungszahlen und Progression der Übungen. Die behandelnden Ärzte im Krankenhaus empfahlen den Teilnehmenden der Vergleichsgruppe, die Übungen dreimal pro Woche im Rahmen eines eigenständigen Trainings durchzuführen. Das eigenständige Training wurde von den Teilnehmenden protokolliert. Nach der operativen Rekonstruktion absolvierten alle Teilnehmenden dasselbe standard­isierte Rehabili­tationsprogramm. Alle medizinischen Entscheidungen wie Operationszeitpunkt und Transplantatauswahl wurden im Rahmen des regulären medi­zinischen Behandlungsprozesses, also unabhängig von der vorliegenden Studie, getroffen.</p>
<p>In beiden Gruppen wurden zu sieben festgelegten Messzeitpunkten Daten erhoben: während der initialen Anamnese im Krankenhaus, 1 – 7 Tage vor der VKB-Rekonstruktion, am Tag der Operation sowie 30, 60, 90 und 180 Tage postoperativ. Aufgrund verletzungs- und operationsbedingter Einschränkungen konnten jedoch nicht zu allen Zeitpunkten sämtliche Messgrößen erfasst werden. Die selbstwahrgenommene Kniefunktion wurde mithilfe des Knee Injury and ­Osteoarthritis Outcome (KOOS) Score ermittelt und stellt das primäre Outcome dar. Die sekundären Outcomes sind der Gesamtstudie (siehe Verweis unten) zu entnehmen und hier aus Platzgründen nicht dargestellt. Die statistischen Analysen wurden nach dem Intention-to-treat-Prinzip durchgeführt. Aufgrund von fehlenden Daten wurde eine multiple Imputation der Daten mit SPSS (Version 28) vorgenommen. Line­are gemischte Modelle für wiederholte Messungen wurden berechnet (Software R, Version 4.3.3). Hierbei wurden die Veränderungswerte (Change Scores) jedes Outcomes vom Ausgangswert bis zu den jeweiligen Follow-up-Zeitpunkten betrachtet.</p>
<h2><b>Ergebnisse</b></h2>
<p>Von den 114 eingeschlossenen Teilnehmenden (53 % männlich) unterbrachen 3 die Studienteilnahme und 55 schieden im Verlauf aus familiären oder beruflichen Gründen, Zeitmangel, Problemen mit der Erreichbarkeit der Einrichtung und sonstigen Gründen aus bzw. wurden wegen durchgeführter Meniskusnaht während der Operation ausgeschlossen. Im Mittel waren die Teilnehmenden 31 Jahre alt (Standardabweichung (SD) = 10,3) und führten vor der Verletzung im Mittel 3 Trainingseinheiten pro Woche (SD = 1.5) durch. Während der Zeitraum zwischen Verletzung und Ruptur im Mittel in der Interventionsgruppe bei 81 Tagen (SD = 41) lag, betrug dieser im Mittel in der Vergleichsgruppe 91 Tage (SD = 48). Die Anzahl der durchgeführten Trainingseinheiten unterschied sich zwischen der Interventions- und Vergleichsgruppe nicht signifikant, die Variation war in der Vergleichsgruppe (selbstständig durchgeführte Einheiten: Mittelwert (M) = 6,75, SD = 13,22, Minimum (Min) = 0, Maximum (Max) = 91) jedoch höher als in der Interventionsgruppe (angeleitete Einheiten: M = 6,38, SD = 3,24, Min = 1, Max = 17). Die KOOS-Gesamtscores an den verschiedenen Messzeitpunkten sind in Abb. 2 dargestellt. Die beiden Gruppen unterschieden sich zu Studienbeginn (Baselineunterschiede, p &lt; 0,001). Für Gruppe, Zeit und die Interaktion (Zeit*Gruppe) wurden keine signifikanten Effekte festgestellt. Die Interventionsgruppe (KOOS-Gesamtscore bei Anamnese: M = 46,04, Konfidenzintervall (CI) 45,07 – 47,02; vor der Operation: M = 58,52, CI 57,51–59,54) zeigte jedoch eine ausgeprägtere Verbesserung des KOOS-Gesamtscores als die Vergleichsgruppe (Anamnese: M = 51,01, CI 50,10–51,92; vor der Operation: M = 59,18, CI 58,40–59,96). Die Interaktion (Gruppe*Zeit) für den KOOS-Gesamtscore erreichte Signifikanz für den Veränderungswert von der Anamnese bis 30 Tage post OP (p = 0,039) und 60 Tage post OP (p = 0,039). Zusätzlich wurden der KOOS-­Gesamtscore (p = 0,009) durch die Kovariate Alter beeinflusst. Die sekundären Ergebnisse sind dem Original-Artikel (s. Verweis unten) zu entnehmen.</p>
<figure id="attachment_22740" aria-describedby="caption-attachment-22740" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-22740" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-922x1024.png" alt="" width="755" height="839" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-922x1024.png 922w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-270x300.png 270w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-768x853.png 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-1383x1536.png 1383w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-150x167.png 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-450x500.png 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-1200x1333.png 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226.png 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22740" class="wp-caption-text">Abb. 2 Mittelwerte und 95 %-Konfidenzintervalle des KOOS-Gesamtscores, getrennt nach Gruppen. Die x-Achse zeigt die sieben Messzeitpunkte, die y-Achse zeigt die Werte des KOOS-Gesamtscores (0 – 100 %) sowie die 95 %-Konfidenzintervalle. (KOOS = Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score)</figcaption></figure>
<h2><b>Diskussion</b></h2>
<p>Die Studie zeigt die Wirksamkeit eines angeleiteten, präoperativen Trainings im Vergleich zu einem selbstständig durchgeführten Heimtraining vor VKB-Rekonstruktion. Sowohl die Teilnehmenden der Interventions-, als auch der Vergleichsgruppe erzielten prä- als auch postoperativ Verbesserungen der selbstwahrgenommenen Kniefunktion. Die Interventionsgruppe begann auf deutlich niedrigerem funktionellem Niveau zum Zeitpunkt der Anamnese, verzeichnete jedoch bis zum Messzeitpunkt vor der Rekonstruktion eine stärkere Verbesserung. Auch nach 30 Tagen postoperativ begann die Interventionsgruppe auf einem niedrigeren Niveau, erzielte jedoch über den weiteren Beobachtungszeitraum größere Verbesserungen. Die ausgeprägtere Verbesserung in der Interventionsgruppe deutet auf die Überlegenheit des angeleiteten, kriterienbasierten Trainings gegenüber eigenständigem Heimtraining hin. Es ist jedoch zu beachten, dass die Interventionsgruppe durch niedrigere Ausgangswerte ein größeres Verbesserungspotenzial hatte. Hingegen könnte der etwas größere Zeitraum zwischen Ruptur und Rekonstruktion in der Vergleichsgruppe im Gegensatz zur Interventionsgruppe die Ergebnisse in der Vergleichsgruppe positiv beeinflusst haben [4].</p>
<p>Auffallend ist zudem eine größere Spannweite der Anzahl der durchgeführten Trainingseinheiten in der Vergleichsgruppe im Gegensatz zur Interventionsgruppe. Dies könnte durch die Charakteristika des eigenständigen Trainings begründet sein. Eigenständiges Training bietet eine flexible Gestaltung, doch psychologische Faktoren wie Selbstmotivation, sportliche Identität und soziale Unterstützung sind entscheidend für die Einhaltung des Trainingsplans [5], während durch die Anwesenheit eines Trainers die Trainingsqualität und die Belastungssteuerung verbessert werden können [6, 7]. Eine gute therapeutische Beziehung wird als förderlich im Rehabilitationsprozess angesehen [5].<span class="Apple-converted-space">  </span>Als limitierende Faktoren sind abschließend die hohe Drop-Out-Quote sowie das kurze Follow-up von 180 Tagen zu nennen.</p>
<p><b>Praktische Relevanz und Schlussfolgerung</b></p>
<p>In der klinischen Praxis wird häufig passiv auf die Rekon­struktion des VKBs gewartet. Aufgrund der Schwere von VKB-Verletzungen bietet präoperatives Training jedoch ein erhebliches Potenzial, besonders bei schlechter präoperativer Kniefunktion. Sowohl angeleitetes als auch selbstständiges Training verbessern die Kniefunktion, wobei das angeleitete Training leicht überlegen erscheint. Eigenständiges Training bietet mehr Flexibilität, während das angeleitete Training Motivation und Trainingsqualität fördern kann. Die Wahl zwischen angeleitetem oder selbstständigem Training sollte individuell erfolgen, ebenso sind Kombinationen aus beidem denkbar. Zukünftige Studien sollten Dosis-­Wirkungs-Beziehungen und Langzeiteffekte genauer untersuchen. Zudem lag der Fokus der Studie auf präoperativem Training, während in zukünftigen Studien Prähabilitation multimodal (z. B. mit ergänzenden psychologischen Komponenten oder Stressmanagement) durchgeführt werden könnte.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist eine neu verfasste, modifizierte und gekürzte Zusammen­fassung des 2026 in Scientific Reports veröffentlichten Artikels „Abel R, Niederer D, Glowa A, Hansen N, Wilke C, Offerhaus C. (2026). Effectiveness of exercise prehabilitation before anterior cruciate ligament reconstruction on functional outcomes – a single-blinded randomized controlled trial. Sci Rep. 2026 Mar 9;16(1):8962. doi: 10.1038/s41598-026-41576-2“.</em></p>
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</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Hochtontherapie</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22659/hochtontherapie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Univ.-Prof. Dr. phil. habil. Kuno Hottenrott,&nbsp;Christoph Werner&nbsp;,&nbsp;Prof. Dr. Dr. med. Hans-Herbert Vater]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 08:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22659</guid>

					<description><![CDATA[Ein ausgewogenes Verhältnis von Belastung und Erholung ist entscheidend für Leistungssteigerungen im Sport. Eine effiziente Regeneration ermöglicht kontinuierlichen Fortschritt und beugt anhaltender Müdigkeit, Leistungsabfall sowie erhöhter Infektanfälligkeit vor. Eine gezielte [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Ein ausgewogenes Verhältnis von Belastung und Erholung </b><b>ist entscheidend für Leistungssteigerungen im Sport. Eine effiziente Regeneration ermöglicht kontinuierlichen Fortschritt und beugt anhaltender Müdigkeit, Leistungsabfall sowie erhöhter Infektanfälligkeit vor. Eine gezielte Optimierung der Regeneration kann die Erholungsprozesse beschleunigen, wodurch eine höhere Trainingsfrequenz und ein gesteigerter Gesamt­trainingsreiz realisierbar werden, was langfristig die Leistungsentwicklung verbessert.</b></p>
<p>Die Hochtontherapie ist eine spezielle Form der Elektrotherapie, bei der die Amplitude (Stromintensität) und die Frequenz (zwischen 4.096 und 32.768 Hertz) gleichzeitig moduliert werden. Je höher die Frequenz, desto mehr Energie kann entsprechend der individuellen Schwellenkurve der Stromempfindung des Patienten eingeschleust werden. Sie ist seit Jahren im klinischen Kontext etabliert und zeigt nachweislich positive Effekte, insbesondere bei degenerativen Erkrankungen wie Polyneuropathien [6, 7]. Weitere Wirksamkeitsnachweise liegen u. a. für das Tarsaltunnelsyndrom [2], zirkulatorische Enzephalopathien [8] sowie posttraumatische Belastungsstörungen und traumatische Hirnverletzungen vor [1]. Im sportwissenschaftlichen Kontext deuten erste Studien darauf hin, dass eine mehrwöchige Anwendung der Hochtontherapie nach intensiven Kraftbelastungen zu signifikanten Verbesserungen der Maximalkraft und Kraftausdauer führt [4, 5]. Ob sich diese Effekte auch auf die Ausdauerleistungsfähigkeit übertragen lassen, ist Gegenstand der vorliegenden Untersuchung.</p>
<h2><b>Studiendesign und Probandenkollektiv</b></h2>
<p>Es wurde ein randomisiertes Prä-Post-Design mit intraindividuellem Vergleich (Within-Subject-Design; Armseite: therapiert vs. nicht therapiert) durchgeführt. An der achtwöchigen Interventionsstudie nahmen drei Frauen (Alter: 30,7 ± 16,0 Jahre; BMI: 22,4 ± 0,8 kg / m²) und sieben Männer (Alter: 31,3 ± 8,2 Jahre; BMI: 22,0 ± 2,8 kg/m²) der deutschen Rollstuhlrugby-Nationalmannschaft teil. Die Ausdauerleistungsfähigkeit wurde unilateral auf einem Handkurbelergometer mittels eines standardisierten Stufentests ermittelt (Startleistung: 10 W; Steigerung um 10 W alle 2 Minuten bis zur Ausbelastung). Vor und nach jeder Belastungsstufe wurden die Laktat- und Glukosekonzentration aus kapillarem Ohrblut mittels ampero­metrischer Analyse sowie der Blutdruck bestimmt; die Herzfrequenz wurde kontinuierlich mittels Brustgurt und EKG aufgezeichnet (Abb. 1). Die Reihenfolge der Testung von rechtem und linkem Arm wurde randomisiert, sodass jeweils fünf Probanden zunächst mit dem rechten beziehungsweise linken Arm getestet wurden. Zwischen den beiden Prätestungen wurde eine einstündige passive Pause eingehalten. Nach acht Wochen wurden die Untersuchungen unter identischen Bedingungen wiederholt; die Testungen erfolgten zur gleichen Tageszeit und in der gleichen Reihenfolge wie im Prätest.</p>
<figure id="attachment_22667" aria-describedby="caption-attachment-22667" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22667" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-1024x803.jpg" alt="" width="755" height="592" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-1024x803.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-300x235.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-768x602.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-150x118.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-450x353.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-1200x941.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22667" class="wp-caption-text">Abb. 1 Unilateraler Armkurbeltest bei einem Probanden</figcaption></figure>
<h2><b>Intervention</b></h2>
<p>Die Hochtonbehandlung erfolgte mit dem HiToP® 1touch Therapiegerät unter Verwendung von Frequenzen im Bereich von 4.096 bis 32.768 Hz und wurde über das Programm SimulFAMi gesteuert. Unmittelbar nach dem Prätest wurden die Teilnehmenden durch geschultes Fachpersonal in die Durchführung der Behandlung sowie in das Anlegen der Kontaktpads mittels elastischer Bandagen eingewiesen (Abb. 2). Die zu behandelnde obere Extremität wurde randomisiert zugewiesen, wobei jeweils fünf Probanden den rechten und fünf den linken Arm behandelten. Die Anwendung erfolgte eigenständig und sollte möglichst täglich für 60 Minuten durchgeführt werden. Jedem Probanden wurde für die gesamte Dauer des Interventionszeitraums ein Therapiegerät zur Verfügung gestellt. Die einzelnen Therapiezeiten wurden im Gerät gespeichert.</p>
<figure id="attachment_22666" aria-describedby="caption-attachment-22666" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22666" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-1024x687.jpg" alt="" width="755" height="507" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-1024x687.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-300x201.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-768x516.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-150x101.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-450x302.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-1200x806.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22666" class="wp-caption-text">Abb. 2 Hochtontherapiegerät (HiToP) und Fixation des unteren Kontaktpads mittels elastischer Bandage am Unterarm. Das zweite Kontaktpad wurde am Oberarm / Schultergürtel befestigt.</figcaption></figure>
<h2><b>Datenauswertung und statistische Analyse</b></h2>
<p>Die statistische Auswertung erfolgte mit IBM SPSS Statistics (Version 24). Als primärer Endpunkt wurden die maximal erreichten Wattminuten definiert. Herzfrequenz-, Laktat-, Glukose- und Blutdruckwerte wurden als sekundäre Endpunkte analysiert. Zur Überprüfung von Veränderungen wurde eine zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung (2 × 2) durchgeführt, mit den beiden Within-Subject-Faktoren Zeit (Prä vs. Post) und Armseite (therapiert vs. nicht therapiert). Die Normalverteilung der Differenzwerte wurde mittels Shapiro-Wilk-Test überprüft. Aufgrund von jeweils zwei Ausprägungen pro Faktor war die Voraussetzung der Sphärizität erfüllt. Bei signifikanten Interaktionseffekten wurden Post-hoc-Analysen mittels gepaarter t-Tests durchgeführt. Ergänzend wurde zur Robustheitsprüfung ein Wilcoxon-Vorzeichen-Rangtest für die Prä-Post-Vergleiche innerhalb der Armseiten herangezogen. Das Signifikanzniveau wurde auf p &lt; 0,05 festgelegt. Effektstärken wurden als partielles Eta-Quadrat (η²<sub>p</sub>) für die Varianzanalyse sowie als Cohen’s d für abhängige Stichproben für paarweise Vergleiche berechnet.</p>
<h2><b>Ergebnisse</b></h2>
<p>Ein Teilnehmer musste aufgrund einer Verletzung die Intervention abbrechen; zudem konnte eine Spielerin im Posttest nur submaximal belastet werden. Damit wurden acht Personen, sechs Spieler und zwei Spielerinnen, für die Auswertung erfasst. Die Auswertung der im Programm SimulFAMi gespeicherten Nutzungsdaten ergab eine mittlere tägliche unilaterale Anwendungszeit von 36,5 ± 16,3 Minuten. Die im Stufentest erreichte Arbeit in Wattminuten nahm nach der trainingsbegleitenden Hochtontherapie auf der therapierten Armseite im Mittel um 77,2 W·min und auf der nicht therapierten Armseite um 21,1 W·min zu (siehe Abb. 3).</p>
<figure id="attachment_22665" aria-describedby="caption-attachment-22665" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22665" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-1024x604.jpg" alt="" width="755" height="445" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-1024x604.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-300x177.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-768x453.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-150x89.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-450x266.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-1200x708.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22665" class="wp-caption-text">Abb. 3 Erreichte mittlere Wattminuten beim Handkurbel­ergometertest vom Interventionsarm und Kontrollarm (N = 8)</figcaption></figure>
<p>Varianzanalyse und Effektstärkenberechnung ergaben eine signifikante Interaktion zwischen Zeit und Armseite F(1,7) = 7,78, p = 0,014, η²<sub>p</sub> = 0,36. Dies weist darauf hin, dass sich die Veränderung über die Zeit zwischen Interventions- und Kontrollarmseite bei einem großen Interaktionseffekt signifikant unterscheidet. Post-hoc-Analysen ergaben, dass die Leistungssteigerung auf der therapierten Armseite signifikant war (p = 0,01, 95 %-Konfidenzintervall 22,4 bis 131,8 W·min). Auch unter nichtparametrischen Annahmen ist das Ergebnis signifikant (Wilcoxon-Vorzeichen-Rangtest: p = 0,008). Im Kontrollarm gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Prä- und Postmessung (p = 0,25). Für Herzfrequenz-, Laktat-, Glukose- und Blutdruckwerte zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen dem therapierten und dem nicht therapierten Arm.</p>
<figure id="attachment_22664" aria-describedby="caption-attachment-22664" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22664" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-1024x913.jpg" alt="" width="755" height="673" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-1024x913.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-300x268.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-768x685.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-150x134.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-450x401.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-1200x1070.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22664" class="wp-caption-text">Im Stufentest erreichte Wattminuten im Prä-Post-Vergleich von der Interventionsarmseite und Kontrollarmseite</figcaption></figure>
<h2><b>Diskussion</b></h2>
<p>Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass eine trainingsbegleitende Anwendung der Hochtontherapie zu einer signifikant größeren Verbesserung der Ausdauerleistungs-fähigkeit auf der therapierten im Vergleich zur nicht therapierten Armseite führte. Der beobachtete Interaktionseffekt war groß (η²<sub>p </sub>= 0,36), was auf eine substanzielle praktische Relevanz hinweist. Dies spricht für die Unterstützung regenerativer Prozesse durch die Hochtontherapie mit schnellerer Adaptation. Dies kann u. a. auf eine verbesserte Mikrozirkulation, eine beschleunigte metabolische Clearance oder neuromuskuläre Effekte zurückzuführen sein, wie sie auch aus Studien im Kraftbereich beschrieben werden. Im Gegensatz zur Leistungssteigerung zeigten sich keine signifikanten Veränderungen in den physiologischen Parametern Herzfrequenz, Laktat, Glukose oder Blutdruck. Dies deutet darauf hin, dass die beobachteten Leistungssteigerungen nicht primär durch Veränderungen kardiovaskulärer oder metabolischer Adaptationen erklärbar sind, sondern möglicherweise auf periphere oder neuromuskuläre Anpassungen zurückzuführen sind. Die Ergebnisse stehen im Einklang mit Untersuchungen im Krafttraining [3 – 5], erweitern diese jedoch erstmals auf den Bereich der Ausdauerleistungsfähigkeit.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Zusammenfassend deutet die vorliegende Studie darauf hin, dass die trainingsbegleitende Anwendung der Hochtontherapie die Ausdauerleistungs­fähig-<br />
keit signifikant verbessern kann. Der große Interaktionseffekt spricht für eine relevante unterstützende Wirkung auf trainingsinduzierte Anpassungsprozesse. Weitere Studien mit größeren Stichproben sind erforderlich, um die Wirksamkeit und die zugrunde liegenden Mechanismen für die Leistungseffekte weiter zu klären.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Parkinson</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22651/parkinson/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Univ.-Prof. Dr. med. Brit Mollenhauer&nbsp;,&nbsp;Christoph Klein]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Jun 2026 08:00:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Parkinsonkrankheit ist eine progrediente neurodegenerative Erkrankung, deren klinisches Bild durch motorische Symptome wie Bradykinese, Rigor, Tremor, Gangstörungen und posturale Instabilität sowie durch nicht-motorische Symptome wie Schlafstörungen und kognitive Einschränkungen [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die Parkinsonkrankheit ist eine progrediente neurodegenerative Erkrankung, deren klinisches Bild durch motorische Symptome wie Bradykinese, Rigor, Tremor, Gangstörungen und posturale Instabilität sowie durch nicht-motorische Symptome wie Schlafstörungen und kognitive Einschränkungen geprägt ist. Neben der medikamentösen Therapie hat sich in den vergangenen Jahren die Bewegungstherapie als zentrale Säule eines multimodalen Behandlungskonzepts etabliert.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Studien zeigen, dass Sport, ergänzt durch eine gesunde Ernährung und gutes Schlafmanagement, die motorischen Symptome, die funktionelle Mobilität und somit die Lebensqualität der Betroffenen verbessern kann. Bewegung fördert die dopaminerge Transmission und verbessert die zerebrale Durchblutung. Diese Effekte sind aus sportmedizinischer Sicht vergleichbar mit Trainingseffekten bei Gesunden, haben jedoch bei Parkinson eine besondere therapeutische Relevanz. Studien weisen darauf hin, dass regelmäßige körper­liche Aktivität möglicherweise das Fortschreiten der Erkrankung sogar verlangsamen kann. Denn es ist bekannt, dass Sport Entzündungsfaktoren im Körper herunter reguliert durch die Ausschüttung von Myokinen. Da Entzündungsreaktionen die Parkinsonkrankheit voran­schreiten lassen, hat der Sport bei Parkinson einen wichtigen protektiven Effekt. Die Sporttherapie bei Parkinson verfolgt daher mehrere zentrale Ziele: Den Erhalt der funktionellen Selbstständigkeit, die Verbesserung von Gang- und Gleichgewichtsfähigkeit, Reduktion von Sturzrisiken sowie den Aufbau konditioneller Ressourcen und sollte als langfristige Therapie verstanden werden und möglichst frühzeitig beginnen.</p>
<h2><b>Trainingskomponenten</b></h2>
<p>Kraft – Schwerpunkt Aufrichtung und Beinkraft <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Krafttraining ist für Parkinson-Patienten essenziell, da Muskelschwäche, ­reduzierte Schnellkraft und Haltungskollaps häufig zur Einschränkung von Alltagsfunktionen beitragen. Besonders relevant ist die gezielte Kräftigung folgender Muskelgruppen:</p>
<p>Aufrichtende Rumpfmuskulatur: Eine Parkinson-typische Flexionshaltung verschlechtert Gangökonomie, Balance und Atmung. Das Training der Rückenstrecker und der rumpfstabilisierenden Muskulatur verbessert die posturale Kontrolle und unterstützt eine funktionelle Aufrichtung.</p>
<p>Hüftstrecker und Beinkraft:<span class="Apple-converted-space">  </span>Die Hüftstrecker sowie Quadrizeps- und Wadenmuskulatur sind entscheidend für Schrittlänge, Aufstehen, Treppensteigen und reaktive Gleichgewichtskorrekturen. Progressives Krafttraining verbessert nachweislich funktionelle Mobilität und steigert die Muskelkraft. Systematische Reviews zeigen signifikante Verbesserungen in Ganggeschwindigkeit und Leistungsfähigkeit durch Widerstandstraining [1].</p>
<p>Empfohlen werden zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche mit progressiver Belastungssteigerung, bevorzugt in funktionellen Bewegungsmustern (z. B. Kniebeugevarianten, Ausfallschritte, Hüftstreckübungen, Rumpfextension).</p>
<h2><b>Ausdauer – Training für Belastbarkeit und Symptomkontrolle <span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Aerobes Training verbessert kardiovaskuläre Leistungsfähigkeit, reduziert Fati­gue und wirkt sich positiv auf motorische Symptome aus. Besonders Trainingsformen wie Radfahren, Laufbandtraining oder Nordic Walking gelten als geeignet. Studien weisen darauf hin, dass regelmäßiges Ausdauertraining zu Verbesserungen der motorischen Funktion und der Gehfähigkeit führen kann [2]. Empfohlen werden zwei bis vier Einheiten pro Woche im moderaten Intensitätsbereich, angepasst an indi­viduelle Belastbarkeit und Medikamentenwirksamkeit.</p>
<h2><b>Beweglichkeit – großamplitudige Bewegung gegen Hypokinese <span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Ein wesentliches Problem bei Parkinson ist die Hypokinese mit kleinräumigen Bewegungen, reduzierter Rumpfrotation und eingeschränkter Schulter- und Hüftbeweglichkeit. Beweglichkeitstraining sollte daher über klassisches Dehnen hinausgehen und dynamische, großräumige Mobilitätsübungen integrieren. Großamplitudige Übungen (z. B. BIG-orientierte Bewegungen) verbessern Schrittlänge, Armmitbewegung und Rotationsfähigkeit und wirken dem Bewegungsverlust im Alltag entgegen.</p>
<h2><b>Koordination, Gleichgewicht und Sturzprophylaxe <span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Posturale Instabilität zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für Stürze. Koordinations- und Gleichgewichtstraining sollte deshalb fester Bestandteil jeder Trainingsplanung sein. Inhalte sind Stand- und Gangvariationen, Richtungswechsel, Gewichtsverlagerungen, Reaktions- und Perturbationsübungen sowie dualtask Training. Evidenz zeigt, dass gezielte Gleichgewichtsprogramme die Sturzrate senken und die Mobilität verbessern können [3]. Entscheidend ist eine Kombination aus Kraft, Gleich­gewicht und funktionellen Transferübungen, da Sturzprophylaxe stark von Bein- und Rumpfkraft abhängig ist.</p>
<h2><b>Effektive Sportarten bei der Parkinsonkrankheit</b></h2>
<p>Boxen: Parkinson-spezifisches Boxtraining kombiniert Ausdauer, Kraft, Koordination und schnelle Reaktionsanforderungen. Untersuchungen zeigen Verbesserungen in Mobilität, Balance und subjektiver Selbstwirksamkeit [4]. Zusätzlich wirkt das Training motivierend und alltagsnah.</p>
<p>Tanzen: Tanzen verbindet Rhythmus, Beweglichkeit, Gleichgewicht und kognitive Planung. Besonders Tango wurde wissenschaftlich untersucht und zeigte signifikante Verbesserungen von Gang und Balance [5]. Rhythmische Impulse können zudem Freezing-Symptome positiv beeinflussen.</p>
<p>Tischtennis: Tischtennis fordert Augen-Hand-Koordination, schnelle Gewichtsverlagerung und Reaktionsfähigkeit. Erste Studien deuten auf günstige Effekte auf Motorik und kognitive Flexibilität hin, auch wenn die Datenlage insgesamt noch begrenzt ist.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Aufgrund des spielerischen Charakters ist Tischtennis eine sinnvolle Ergänzung. Die internationale Entwicklung der Ping-Pong-Parkinson Vereine zeigt hier einen deutlichen Trend auf.</p>
<p>Tai Chi und Qigong: Bewegung und Entspannung – Tai Chi und Qigong kombinieren fließende Bewegungen mit Atmung und Körperwahrnehmung. ­Tai Chi zeigte in einer randomisierten Studie signifikante Verbesserungen von Balance und Sturzrate bei Parkinson-Patienten [6]. Beide Verfahren eignen sich als niedrigschwellige Ergänzung, fördern Beweglichkeit, Gleichgewicht und Stressregulation.</p>
<figure id="attachment_22653" aria-describedby="caption-attachment-22653" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22653" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226-1024x868.jpg" alt="" width="755" height="640" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226-1024x868.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226-300x254.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226-768x651.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226-150x127.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226-450x381.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226-1200x1017.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22653" class="wp-caption-text">Boxtraining © Paracelsus Elena Klinik, Kassel</figcaption></figure>
<h2><b>Ernährung und Schlaf als ergänzende Therapiebausteine<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Ein weiterer zentraler Faktor für die Verbesserung der Symptome bei Parkinson ist ein gesundes Schlafmanagement. Schlafstörungen betreffen einen Großteil der Parkinson-Patienten. Ein stabiler und erholsamer Schlaf unterstützt regenerative Prozesse im zentralen Nervensystem und verbessert die Tagesfunktion. Aktuelle klinische Empfehlungen betrachten daher Bewegung und Schlaf als Bestandteile eines ganzheitlichen Therapiekonzepts. Auch die Ernährung gewinnt zunehmend an Bedeutung im Therapiekonzept von Parkinsonpatienten. Eine mediterrane, fleischarme Ernährung, kann positive Effekte auf neurodegenerative Prozesse haben. Sie ist reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Olivenöl und Fisch, liefert zahlreiche Antioxidantien und entzündungshemmende Nährstoffe, die neurodegenerative Prozesse positiv beeinflussen können. Insgesamt trägt die mediterrane Ernährung damit zu einem besseren Stoffwechsel bei. Eine ausgewogene Nährstoffversorgung unterstützt die Muskelkraft, Energieverfügbarkeit und Regeneration.</p>
<figure id="attachment_22652" aria-describedby="caption-attachment-22652" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22652" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-849x1024.jpg" alt="" width="755" height="911" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-849x1024.jpg 849w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-249x300.jpg 249w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-768x927.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-1273x1536.jpg 1273w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-150x181.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-450x543.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-1200x1448.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22652" class="wp-caption-text">Sensomotorik © Paracelsus Elena Klinik, Kassel</figcaption></figure>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Bewegungstherapie nicht als ergänzende Maßnahme, sondern als fester Bestandteil der Parkinson-Behandlung zu verstehen ist. Seit einigen Jahren wird daher in spezialisierten Parkinson-Fachkliniken, wie der Paracelsus Elena Klinik in Kassel, die multimodale Komplextherapie angeboten. Dabei erhalten die Patienten während eines etwa dreiwöchigen Aufenthaltes im Rahmen eines inter­disziplinären Ansatzes intensiv abgestimmte und hochfrequente Therapieeinheiten. In Kombination mit einer angepassten Ernährung und einer Verbesserung der Schlafqualität entsteht ein ganzheitlicher, sportmedizinisch fundierter Therapieansatz. Dieser kann sowohl motorische als auch nicht-motorische Beschwerden verbessern und möglicherweise auch den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Für die Zukunft bleibt die Herausforderung, diese Erkenntnisse weiter zu präzisieren und in individualisierte, alltagsnahe Therapieprogramme zu überführen, die sich auch gut in den Alltag der Betroffenen integrieren lassen.</p>
<p>Univ.-Prof. Dr. med. Brit Mollenhauer / Christoph Klein / Sandra Attendorn</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Goodwin VA, et al. The effectiveness of exercise interventions for people with Parkinson’s disease. Cochrane Database Syst Rev. 2019</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Fisher BE, Wu AD, Salem GJ, et al. The effect of exercise training in Parkinson disease. Neurorehabil Neural Repair. 2013</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Allen NE, Sherrington C, Paul SS, Canning CG. Risk factors for falls in Parkinson’s disease: a systematic review and meta-analysis. Mov Disord. 2011.</p>
<p style="font-weight: 400;">[4] Combs SA, Diehl MD, Staples WH, et al. Boxing training for patients with Parkinson disease: a case series. J Neurol Phys Ther. 2011.</p>
<p style="font-weight: 400;">[5] Hackney ME, Earhart GM. Effects of dance on movement control in Parkinson disease. Mov Disord. 2009.</p>
<p style="font-weight: 400;">[6] Li F, et al. Tai Chi and postural stability in patients with Parkinson’s disease. N Engl J Med. 2012.</p>
<p style="font-weight: 400;">Nature, Long-term effects of exercise and physical therapy in people with Parkinson disease &#8211; Nature Reviews Neurology. 13. Oktober 2017</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Medizinische Betreuung und Belastungssteuerung im Hochleistungsbasketball</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22711/medizinische-betreuung-und-belastungssteuerung-im-hochleistungsbasketball/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Christoph Lukas]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 12:19:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
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					<description><![CDATA[Ende Februar fand das jährliche Treffen der deutschen Basketballärzte (www.basketdocs.de) in Bayreuth statt. Im Rahmen des wissenschaftlichen Symposiums hatten wir die Möglichkeit, ein Interview mit Chris Fleming (unter anderem Profispieler, [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Ende Februar fand das jährliche Treffen der deutschen Basketballärzte (</span></span><a href="http://www.basketdocs.de"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">www.basketdocs.de</span></a><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">) in Bayreuth statt. Im Rahmen des wissenschaftlichen Symposiums hatten wir die Möglichkeit, ein Interview mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chris_Fleming">Chris Fleming</a> (unter anderem Profispieler, Bundesligatrainer, Nationaltrainer Deutschland, Assistenztrainer NBA und aktuell Assistenztrainer University of Alabama) über die medizinische Betreuung im Leistungsbasketball aus seiner Sicht zu führen. </span></span><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Da unser Treffen an einem Spieltag stattfand, zeichneten wir vorab per Video auf, trotz Schneechaos in Alabama war er bereits um 6 Uhr morgens auf dem Trainingsgelände bereit, uns Rede und Antwort zu stehen. </span></span><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Hier folgt eine Zusammenfassung des Interviews, das komplette Video findet sich <a href="https://youtu.be/wirSlz0Z39A">HIER</a></span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><strong><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Vielen Dank, dass du dir so früh Zeit nimmst. Du hast eine beeindruckende Karriere als Spieler und Trainer in der Bundesliga, beim Nationalteam und in der NBA hinter dir und bist nun am College in Alabama tätig. Beginnen wir bei dir selbst: Welche Erfahrungen hast du als Spieler mit dem medizinischen System gemacht?</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></strong></p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><span class="normaltextrun"><b><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Fleming:</span></b></span><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> Gerne. Ich hatte in Deutschland einen Kreuzbandriss, das Band war damals nicht komplett durchgerissen. Die Ärzte haben die Verletzung erst während der Operation vollumfänglich erkannt und sich gegen einen Ersatz des Bandes entschieden. Ich habe danach noch zwei Jahre mit einer großen Schiene in der zweiten Liga gespielt. Das Vertrauensverhältnis zu den Ärzten war gut, auch wenn meine Karriere danach verletzungsbedingt nicht mehr ewig dauerte.</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><strong><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Du hast Einblicke in alle Ebenen. Wie unterscheidet sich der Aufbau des medizinischen Stabes zwischen der NBA, dem College und europäischen Ligen?</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></strong></p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">In der NBA ist der Stab gewaltig. Es gibt meist eine Person, oft kein Arzt, die die gesamte Abteilung koordiniert. Zum Team gehören vier bis fünf Physiotherapeuten, spezialisierte „Athletic Trainer“, Sportpsychologen und Ernährungsberater. Bei dichten Spielplänen werden zusätzlich Masseure engagiert. Während in Deutschland oft ein Arzt bei jedem Training am Spielfeldrand steht, ist das in der NBA nicht üblich, außer in besonderen Situationen. Die medizinische Versorgung ist jedoch extrem schnell: In Chicago war die Praxis des Cheforthopäden nur drei Minuten entfernt, und Kernspin-Untersuchungen (MRT) werden bei jedem Verdacht sofort durchgeführt, auch um die Spieler zu beruhigen. Am College ist der Stab etwas kleiner, aber die Qualität der Betreuung, oft durch Kooperationen mit großen orthopädischen Einrichtungen, ist ähnlich hoch.</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><strong><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Ein viel diskutiertes Thema in der NBA sind die „Minute Restrictions“ nach Verletzungen, dass also ein Spieler, der aus einer Verletzung zurückkommt, nur eine bestimmte Anzahl von Minuten auf dem Feld sein darf. Wer hat hier das Sagen, wie wird es gehandhabt, wenn das Spiel z. B. zum Ende noch extrem ausgeglichen ist?</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></strong></p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Die Entscheidung treffen der Mannschaftsarzt, der behandelnde Arzt und der Physiotherapeut gemeinsam. Es geht primär darum, die „Acute Load“ (akute Belastung) zu steuern und große Sprünge im Arbeitspensum zu vermeiden, um Folgeschäden zu verhindern. Es gibt dafür verschiedene Messgeräte im Trainingsalltag. Manchmal sind diese Beschränkungen auch strategisch: Man möchte einen Spieler vor einem Trade schützen oder zeigen, dass er fit ist, ohne ihn zu überlasten. NBA-Trainer halten sich im Allgemeinen sehr strikt an diese Vorgaben, da es eine Vereinsentscheidung ist. In Brooklyn gab es jedoch die Möglichkeit, in knappen Spielen die Mediziner zu fragen, ob ein Spieler für die letzten zwei Minuten noch einmal aufs Feld darf – das muss dann aber durch zusätzliche Erholung am nächsten Tag ausgeglichen werden.</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><strong><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Gibt es in der NBA eigentlich Vorschriften, dass Sprunggelenke als Verletzungsprophylaxe getaped sein müssen, etwa durch Versicherungen?</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></strong></p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Davon ist mir nichts bekannt. Man kann Stars wie LeBron James nicht dazu zwingen; wenn er nicht getaped werden will, wird er nicht getaped. Die Spielergewerkschaft achtet sehr darauf, dass keine Ausrüstung vorgeschrieben wird. Die meisten Profis auf diesem Level haben jedoch feste Routinen und nutzen die medizinische Betreuung und Recovery-Maßnahmen täglich ganz von selbst.</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Aktuell scheint die NBA von vielen Weichteilverletzungen geplagt zu sein, z. B. Achillessehnenrisse bei Tyreese Haliburton oder Jayson Tatum. Woran liegt das? </strong></p>
<p>Das Spiel ist jedes Jahr schneller geworden, was die körperliche Belastung massiv erhöht. Teams reagieren darauf, indem sie die Rotation vergrößern und mehr Spieler einsetzen. Dennoch spielen die Top-Stars gerade in den Playoffs oft über 40 Minuten bei extrem hoher Intensität alle zwei bis drei Tage. Das ist eine enorme Belastung für den Körper.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ein Blick auf den Nachwuchs: Wo siehst du Unterschiede in der athletischen Entwicklung zwischen Deutschland und den USA? </strong></p>
<p>Deutschland macht einen deutlich besseren Job darin, Kindern früh gute Gewohnheiten beizubringen, wie das richtige Aufwärmen oder die Korrektur von Bewegungsmustern. In den USA herrscht ein enormer Druck zur frühen Spezialisierung. Früher hat man über das Jahr hinweg drei Sportarten parallel betrieben, heute konzentrieren sich viele Kinder schon mit 10 oder 11 Jahren nur noch auf Basketball, haben eigene Shooting-Coaches und Krafttrainer. Das ist oft getrieben durch den Wettbewerb und die Erwartungen der Eltern, obwohl die Forschung eigentlich etwas Anderes rät.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Zum Abschluss ein brennendes Thema: NIL (Name, Image, Likeness), also der Möglichkeit für die Jungen Spieler, am College Geld zu verdienen, und der damit verbundene Abfluss von Talenten aus Europa an die US-Colleges. Wie stehst du dazu? </strong></p>
<p>Es ist momentan wie im „Wilden Westen“, es gibt kaum Regeln. Ich finde es gut, dass die jungen Spieler Geld verdienen können, aber es entzieht dem europäischen Basketball viel Talent. Ein großes Problem ist, dass es im US-System keine Ausbildungsentschädigungen für die europäischen Vereine gibt, die die Spieler jahrelang entwickelt haben. Es muss Wege geben, die Clubs zu entschädigen, oder es den Talenten schmackhafter zu machen, länger in Deutschland zu bleiben. Eine perfekte Lösung habe ich aktuell auch nicht, aber das System muss sich nach den ersten, zu erwartenden Gerichtsurteilen, erst noch neu ordnen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Vielen Dank für diese tiefen Einblicke in die Welt des Profisports! </strong></p>
<p>Sehr gerne. Wenn noch spezifische Fragen von Medizinern oder Trainern aufkommen, stehe ich gerne zur Verfügung</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wer noch nicht genug hat, was die medizinischen Aspekte des Basketballs angeht, dem sei noch die Veranstaltung: <a href="https://www.sportmed-lb.de/veranstaltung/herausforderungen-der-sportmedizin-2026-fokus-basketball-2/">Herausforderung der Sportmedizin 2026 – Fokus Basketball</a>, am Samstag, 26.9.2026 im Reha-Zentrum-Hess in Bietigheim ans Herz gelegt. Mit namhaften Experten soll hier noch einmal ein breites Spektrum an Aspekten, die den betreuenden Arzt herausfordern können, dargelegt werden. </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Veröffentlicht am 22.06.2026</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Atmen</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22565/atmen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Apl.-Prof. Dr. Dr. Sylvain Laborde,&nbsp;Nina Zammit,&nbsp;Stefan Ackermann,&nbsp;Masa Iskra&nbsp;,&nbsp;Caterina Salvotti]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 08:32:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22565</guid>

					<description><![CDATA[Atmung läuft meist automatisch ab – zugleich gehört sie zu den wenigen Körperfunktionen, die wir jederzeit willentlich steuern können. Genau darin liegt der praktischer Wert: Über gezielte Veränderung der Atemfrequenz [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Atmung läuft meist automatisch ab – zugleich gehört sie zu den wenigen Körperfunktionen, die wir jederzeit willentlich steuern können. Genau darin liegt der praktischer Wert: Über gezielte Veränderung der Atemfrequenz lassen sich körperliche Aktivierung, Stressreaktionen und kognitive Leistungsfähigkeit beeinflussen [1].<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Ein aktueller Beitrag für Frontiers for Young Minds fasst evidenzbasiert zusammen, warum sowohl Slow-Paced Breathing (langsames, rhythmisches Atmen) als auch Fast-Paced Breathing (schnelles Atmen) je nach Situation nützlich sein können – und wie man beide Atemtechniken sinnvoll anwenden kann [2].</p>
<h2><b>Warum und wie die Atmung das Herz und das Gehirn beeinflusst</b></h2>
<p>Beim Ein- und Ausatmen schwankt die Herzfrequenz natürlicherweise: Beim Einatmen steigt sie, beim Ausatmen fällt sie. Dieses Phänomen heißt respiratorische Sinusarrhythmie (RSA) und gilt als Ausdruck einer gesunden, flexiblen kardialen Regulation [3]. Gesteuert wird diese Dynamik über das autonome Nervensystem, welches aus zwei verschiedenen Zweigen besteht: dem sympathischen Nervensystem („fight or flight“, Aktivierung) und dem parasympathischen Nervensystem („rest and digest“, Erholung). Atemtechniken können die Prädominanz der verschiedenen Zweige kurzfristig und gezielt verändern – mit spürbaren Effekten auf Anspannung, Aufmerksamkeit und Leistungsbereitschaft [2].</p>
<figure id="attachment_22572" aria-describedby="caption-attachment-22572" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22572" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226-1024x465.jpg" alt="" width="755" height="343" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226-1024x465.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226-300x136.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226-768x349.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226-150x68.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226-450x204.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226-1200x545.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22572" class="wp-caption-text">Diese Grafik zeigt die elektrische Aktivität des Herzens. Der größte Ausschlag, mit R bezeichnet, entspricht dem Herzschlag. Der grüne Abschnitt zeigt die Einatmung, der rote Abschnitt die Ausatmung. Man kann erkennen, dass sich die Herzfrequenz während der Einatmung erhöht und während der Ausatmung verlangsamt. Dieses Phänomen wird als respiratorische Sinusarrhythmie bezeichnet. © Dr. Emma Mosley, Bournemouth University, UK</figcaption></figure>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22571" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-990x1024.jpg" alt="" width="755" height="781" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-990x1024.jpg 990w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-290x300.jpg 290w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-768x794.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-1485x1536.jpg 1485w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-150x155.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-450x465.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-1200x1241.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /></p>
<p>Das autonome Nervensystem reguliert viele Funktionen des Körpers, ohne dass man bewusst darüber nachdenken muss. Es besteht aus zwei Teilen: dem sympathischen Nervensystem, das für Aktivierung und erhöhte Aufmerksamkeit sorgt, und dem parasympathischen Nervensystem, das den Körper beruhigt. Schnelle Atmung aktiviert das sympathische Nervensystem, während langsame Atmung das para­sympathische Nervensystem aktiviert. © Dr. Emma Mosley, Bournemouth University, UK</p>
<h2><b>Slow-Paced Breathing: Beruhigen, fokussieren, regulieren</b></h2>
<p>Slow-Paced Breathing bedeutet, deutlich langsamer als üblich zu atmen – typischerweise etwa sechs Atemzüge pro Minute [2, 4]. Durch das verlangsamte Atmen wird die parasympathische Aktivität, u. a. über den Vagusnerv, verstärkt [4]. In Studien wird Slow-Paced Bre­­a­thing mit Verbesserungen in Stressregulation und – je nach Kontext – auch mit Vorteilen für exekutive Funktionen (z. B. Emotionsregulation, Entscheidungsfindung) in Verbindung gebracht [5].</p>
<p>Praktische Durchführung (Basisprotokoll):</p>
<ul>
<li>Bauchatmung / Diaphragmafokus: Eine Hand auf Brust, eine auf Bauch. Ziel: Bauch hebt sich<br />
beim Einatmen deutlich, Brust bleibt möglichst ruhig.</li>
<li>Pacer nutzen (App wie iBreathe, Awesome Breathing), damit das Tempo konstant bleibt [2].</li>
<li>Ausatmung leicht verlängern (z. B. Ein 4 s / Aus 6 s), da dies die parasympathische Aktivität zusätzlich unterstützen kann [6].</li>
<li>Dosierung: Für akute Regulation reichen oft 3 – 5 Minuten; als Trainingseffekt empfiehlt sich regelmäßiges Üben (z. B. täglich 5 – 15 Minuten) [2].</li>
</ul>
<p>Wofür ist Slow-Paced Breathing geeignet?</p>
<ul>
<li>Vor Wettkampf / Prüfung, wenn Nervosität dominiert</li>
<li>In Pausen zur schnellen Selbstregulation</li>
<li>Abends zur Entspannung und Schlafvorbereitung</li>
<li>In Phasen hoher mentaler Belastung (z. B. taktische Entscheidungen)</li>
</ul>
<figure id="attachment_22570" aria-describedby="caption-attachment-22570" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22570" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226-1024x610.jpg" alt="" width="755" height="450" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226-1024x610.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226-300x179.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226-768x458.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226-150x89.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226-450x268.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226-1200x715.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22570" class="wp-caption-text">Atemtrainer-Apps können dabei helfen, langsame oder schnelle Atemrhythmen durchzuführen. In diesem Beispiel für langsame Atmung bewegt sich die kleine rote Kugel nach oben, um die Einatmung anzuzeigen, und nach unten, um die Ausatmung zu signalisieren. © Dr. Emma Mosley, Bournemouth University, UK</figcaption></figure>
<h2><b>Fast-Paced Breathing: Aktivieren, „bereit machen“</b></h2>
<p>Fast-Paced Breathing beschreibt deutlich schnelleres Atmen als normal (ca. 25 – 60 Atemzüge/Minute) [2]. Ziel ist eine kurzfristige Aktivierung (mehr Sympathikusdominanz), z. B. für explosive Kraft- und Schnellkraftanforderungen. In experimentellen Arbeiten wurden nach schnellen Atemformen teils akute Leistungsänderungen (z. B. Handkraft) berichtet [7]. Wichtiger Hinweis: Schnelles Atmen kann – je nach Ausführung und Person – zu Schwindel, Kribbeln oder Unwohlsein führen (v. a. bei Hyperventilation). Daher gilt: kurz, kontrolliert, situationsgerecht und idealerweise angeleitet starten [2].</p>
<p>Wofür ist Fast-Paced Breathing geeignet?</p>
<ul>
<li>Kurz vor maximalen Kraftaktionen (z. B. schwerer Lift)</li>
<li>Vor Sprint- / Explosivbelastungen, wenn „Energie hochfahren“ gewünscht ist</li>
<li>Als Aktivierungsroutine zu Beginn intensiver Trainingseinheiten</li>
</ul>
<h2><b>Fallbeispiel aus der Praxis</b></h2>
<p>Situation: 19-jährige Dual-Career-Athletin, tagsüber Uni-Prüfung, abends Teamtraining mit Sprinttests. Sie berichtet: „Vor der Prüfung bin ich zu nervös, im Training danach bin ich müde und unkonzentriert.“</p>
<p>Intervention:</p>
<ul>
<li>Vor der Prüfung: Fünf Minuten Slow-Paced Breathing mit Pacer (sechs Atemzüge / min), Fokus<br />
auf verlängerte Ausatmung. Ziel: Nervosität senken, klarer denken.</li>
<li>Vor den Sprinttests: 30 – 60 Sekunden kurze Aktivierung mit schnellem, aber nicht maximal tiefem Atmen (kleinere Atemzüge, zügiger Rhythmus), danach direkt Aufwärmung/Start [2].</li>
</ul>
<p>Erwarteter Nutzen: Bessere Zustandsregulation durch „Atemfrequenz als Stellschraube“ – je nach Anforderung beruhigen oder aktivieren. In einer Smart-phone-gestützten Intervention nutzten studentische Athleten Slow-Paced Bre­a­thing u. a. für Sport, Studium und Schlaf, mit subjektiv berichteten Vorteilen für Ruhe und Stressreduktion [8].</p>
<h2><b>Konkrete Handlungsempfehlungen für Sportmedizin &amp; Betreuung</b></h2>
<ul>
<li>Zustand vor Technik: Erst klären, ob Beruhigung (Downregulation) oder Aktivierung (Upregulation) benötigt wird.</li>
<li>Slow-Paced Breathing als Hilfsmittel für Stressregulation: 6 / min, Ausatmung leicht länger, 3 – 5 Minuten als Akutmaßnahme, zusätzlich regelmäßiges Training [4 – 6].</li>
<li>Pacer einsetzen, um Dosierung und Tempo zu stabilisieren [2].</li>
<li>Fast-Paced Breathing vorsichtig dosieren: kurz (≤ 60 – 90 s), eher flach als extrem tief, bei Unwohlsein ab-<br />
brechen; nicht während der Schwangerschaft oder bei Personen mit starker Neigung zu Paniksymptomen ohne professionelle Anleitung [2].</li>
<li>Monitoring vereinfachen: Subjektive Skala (0 – 10) für Anspannung / Aktivierung vor und nach der Atemübung; bei Bedarf Herzfrequenz- oder Herzratenvariabilität-Biofeedback im Setting der Leistungsdiagnostik.</li>
</ul>
<h2><b>Fazit und Ausblick</b></h2>
<p>Atemtechniken sind niedrigschwellige, überall verfügbare Techniken, um Körperzustände gezielt zu beeinflussen. Langsames Atmen eignet sich besonders zur Beruhigung und zur Unterstützung kognitiver Kontrolle in Drucksituationen, während schnelles Atmen kurzfristig aktivieren kann – etwa vor explosiven Belastungen. Entscheidend ist die passende Auswahl zur Anforderung und ein sicherer Einstieg, idealerweise begleitet durch qualifiziertes Personal. Perspektivisch sind praxisnahe Studien gefragt, die individualisierte Protokolle (z. B. Atemrhythmus, In- / Ex-­Verhältnis, Dauer) und sportartspezifische Outcomes systematisch vergleichen [2,4 – 6].</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Sherwood, L. (1995). Fundamentals of Physiology: A Human Perspective. Brooks/Cole.</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Mosley, E., Felton, M., Kavanagh, E., Iskra, M., Salvotti, C., Zammit, N., &amp; Laborde, S. (2026). How Breathing Faster or Slower Can Improve Performance and Wellbeing. Frontiers for Young Minds, 14, 1603451. https://doi.org/10.3389/frym.2025.1603451</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Berntson, G. G., Cacioppo, J. T., &amp; Quigley, K. S. (1993). Respiratory sinus arrhythmia: autonomic origins, physiological mechanisms, and psychophysiological implications. Psychophysiology, 30, 183–196. https://doi.org/10.1111/j.1469-8986.1993.tb01731.x</p>
<p style="font-weight: 400;">[4] Laborde, S., Allen, M. S., Borges, U., et al. (2022). Effects of voluntary slow breathing on heart rate and heart rate variability: A systematic review and meta-analysis. Neuroscience &amp; Biobehavioral Reviews, 138, 104711. https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2022.104711</p>
<p style="font-weight: 400;">[5] Laborde, S., Allen, M. S., Borges, U., et al. (2021). The influence of slow-paced breathing on executive function. Journal of Psychophysiology, 36, 13–27. https://doi.org/10.1027/0269-8803/a000279</p>
<p style="font-weight: 400;">[6] Laborde, S., Iskra, M., Zammit, N., et al. (2021). Slow-paced breathing: influence of inhalation/exhalation ratio and of respiratory pauses on cardiac vagal activity. Sustainability, 13, 7775. https://doi.org/10.3390/su13147775</p>
<p style="font-weight: 400;">[7] Telles, S., Sharma, S. K., Yadav, A., Singh, N., &amp; Balkrishna, A. (2014). Immediate changes in muscle strength and motor speed following yoga breathing. Indian Journal of Physiology and Pharmacology, 58, 22–29.</p>
<p style="font-weight: 400;">[8] Mosley, E., Duncan, S., Jones, K., et al. (2024). A smartphone enabled slow-paced breathing intervention in dual career athletes. Journal of Sport Psychology in Action, 15, 149–164. https://doi.org/10.1080/21520704.2023.2194256</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Show Wrestling</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22556/show-wrestling/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Kenny Ludäscher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 08:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22556</guid>

					<description><![CDATA[In den letzten Jahrzehnten hat sich professionelles Show Wrestling zu einer weltweit verbreiteten Form der sportlichen Unterhaltung entwickelt, mit einer großen Fangemeinde, international bekannten Athleten sowie regelmäßig stattfindenden Großveranstaltungen und [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>In den letzten Jahrzehnten hat sich professionelles Show Wrestling zu einer weltweit verbreiteten Form der sportlichen Unterhaltung entwickelt, mit einer großen Fangemeinde, international bekannten Athleten sowie regelmäßig stattfindenden Großveranstaltungen </b><b>und wöchentlichen Fernsehsendungen. Große Promotions</b><b> tragen wesentlich zur globalen Popularität dieses Sports bei und erreichen ein Millionenpublikum in zahlreichen Ländern.</b></p>
<p>Trotz seiner stark inszenierten und dramaturgischen Elemente stellt professionelles Wrestling eine körperlich äußerst anspruchsvolle Disziplin dar, die ein intensives Training, eine hohe athletische Leistungsfähigkeit sowie ein beträchtliches Maß an körperlicher Belastbarkeit erfordert. Es ist durch eine Vielzahl komplexer Bewegungsmuster gekennzeichnet, ­darunter Würfe, Hebeltechniken, Sprungbewegungen sowie wiederholte Sturz- und Aufprallbewegungen auf der Ringmatte. Darüber hinaus beinhaltet der Sport eine Kombination aus Kraft, Koordination, Gleichgewicht, Schnelligkeit und Körperkontrolle, die mit verschiedenen Kampfsportarten und akrobatischen Disziplinen vergleichbar ist [1 – 3]. Anders als bei vielen traditionellen Sportarten besteht das Ziel jedoch nicht ausschließlich im sportlichen Wettbewerb, sondern auch in der Darstellung eines choreografierten Kampfes vor Publikum. Dennoch müssen die Athleten zahlreiche technisch anspruchsvolle und teilweise riskante Manöver ausführen, die mit erheblichen biomechanischen Belastungen verbunden sind.</p>
<p>Ein besonderes Merkmal des professionellen Wrestlings ist, dass viele Bewegungen zwar geplant sind, ihre biomechanische Belastung jedoch real bleibt. Würfe wie Suplex-Varianten, Powerbomb-Techniken oder DDT-Manöver können erhebliche Kräfte auf Wirbelsäule, Schultern und Extremitäten erzeugen. Während eines Matches treten zudem häufig wiederholte Aufprallbewegungen auf, die zu kumulativen Belastungen des Bewegungsapparates führen können [4, 5]. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Beschaffenheit des Rings. Obwohl der Wrestlingring äußerlich weich erscheint, besteht seine Konstruktion in der Regel aus einer stabilen Holzbasis mit einer relativ dünnen Polsterschicht und einer gespannten Ringplane. Diese Struktur reduziert zwar einen Teil der Aufprallenergie, führt jedoch weiterhin zu erheblichen Stoß­belastungen auf den Bewegungsapparat der Athleten. Wiederholte Stürze auf diese Oberfläche können daher zu akuten Verletzungen sowie langfristigen degenerativen Veränderungen führen [3, 6]. Epidemiologische Studien aus Amateur- und College-Wrestling zeigen, dass die Verletzungsinzidenz in dieser Sportart relativ hoch ist und zwischen 5,7 und 9,6 Verletzungen pro 1.000 Athleten liegt [1, 4]. Obwohl spezifische wissenschaftliche Daten zum professionellen Show Wrestling begrenzt sind, lassen sich viele Verletzungsmuster aufgrund der vergleichbaren biomechanischen Anforderungen auf diese Disziplin übertragen.</p>
<h2><b>Biomechanische Besonderheiten</b></h2>
<p>Aus biomechanischer Sicht stellt professionelles Wrestling eine einzigartige Kombination aus Kampfsport, Kraftsport und akrobatischen Bewegungen dar. Viele der im Ring ausgeführten Techniken beruhen auf komplexen kinetischen Ketten, bei denen mehrere Muskelgruppen und Gelenke gleichzeitig aktiviert werden. Ein Beispiel hierfür sind Wurfbewegungen wie Suplex-Techniken. Bei diesen Manövern erfolgt die Kraftübertragung zunächst über eine explosive Streckung der unteren Extremitäten, insbesondere der Knie- und Hüftgelenke. Die erzeugten Kräfte werden anschließend über den Rumpf auf die oberen Extremitäten übertragen, um den Gegner anzuheben und zu kontrollieren. Während der anschließenden Landung wirken erhebliche Kompressions- und Rotationskräfte auf die Wirbelsäule beider Athleten [2, 7]. Darüber hinaus sind sogenannte „High-Flying Moves“, also Sprungmanöver von den Ringseilen oder erhöhten Plattformen, biomechanisch besonders anspruchsvoll. Diese Bewegungen beinhalten häufig Rotationen des Körpers in der Luft sowie Landungen aus erhöhter Position. Die dabei entstehenden vertikalen Beschleunigungskräfte werden über Füße, Knie und Hüfte auf den gesamten Bewegungsapparat übertragen [7, 8]. Ein weiterer bedeutender biomechanischer Faktor ist die wiederholte Belastung des Kopf- und Nackenbereichs. Selbst kontrollierte Aufprallbewegungen können zu abrupten Be-<br />
schleunigungs- und Rotationskräften des Kopfes führen. Diese Kräfte gelten als besonders relevant, da sie mit dem Risiko von Gehirnerschütterungen und anderen traumatischen Hirnverletzungen verbunden sein können [8 – 10].</p>
<h2><b>Verletzungsmuster</b></h2>
<p>Die Kombination aus wiederholten Aufprallbewegungen, intensiven körperlichen Kontakten und komplexen Bewegungsabläufen führt zu einem charakteristischen Verletzungsprofil. Studien aus dem Amateur- und College-Wrestling zeigen, dass Verletzungen sowohl durch akute Traumata als auch durch chronische Überlastung entstehen können [1, 4]. Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass zu den am häufigsten betroffenen Körperregionen Knie, Schulter sowie Kopf und Gesicht gehören [1, 5]. Verstauchungen, Muskelverletzungen und Bandverletzungen zählen zu den häufigsten Diagnosen. Auch Frakturen sowie Gelenkluxationen treten in dieser Sportart regelmäßig auf [4, 5]. Verletzungen der oberen Extremitäten treten ebenfalls häufig auf. Dazu gehören Schulterluxationen, Verletzungen der Rotatorenmanschette sowie Bandverletzungen des Ellenbogens. Diese entstehen häufig durch Hebeltechniken, Würfe oder Sturzbewegungen, bei denen der Arm als Stütze verwendet wird [2, 6].</p>
<p>Auch die unteren Extremitäten sind regelmäßig betroffen. Typische Verletzungen umfassen Bandverletzungen des Kniegelenks, Meniskusschäden sowie Sprunggelenksdistorsionen. Diese treten häufig bei Landungen nach Sprungbewegungen oder bei abrupten Richtungswechseln während eines Matches auf [4, 7]. Darüber hinaus haben neurologische Verletzungen in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit erhalten. Mehrere Studien zeigen, dass Wrestling zu den Sportarten mit einem erhöhten Risiko für Gehirnerschütterungen gehört, insbesondere bei jungen Athleten [8, 9]. Wiederholte Kopfstöße oder Beschleunigungen des Kopfes können zu akuten neurologischen Symptomen führen und langfristig mit neurodegenerativen Veränderungen in Ver­bindung gebracht werden [10, 11]. Neben akuten Verletzungen spielen auch chronische Überlastungsschäden eine wichtige Rolle. Wiederholte Aufprallbewegungen sowie die hohe Trainings- und Wettkampfbelastung können langfristig zu degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule, der Schultergelenke oder der Kniegelenke führen [6, 12].</p>
<h2><b>Langzeitfolgen</b></h2>
<p>In den letzten Jahren haben mögliche Langzeitfolgen wiederholter Kopftraumata im professionellen Wrestling zunehmende wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten. Besonders im Fokus steht dabei die chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE), eine neuro­degenerative Erkrankung, die mit wiederholten traumatischen Hirnverletzungen in Verbindung gebracht wird [10 – 13]. Neuropathologische Untersuchungen konnten CTE bereits bei Athleten verschiedener Kontaktsportarten nachweisen. In einer der ersten Fallstudien wurde diese Erkrankung auch bei einem professionellen Wrestler beschrieben [11]. Typische klinische Symptome umfassen Gedächtnisstörungen, kognitive Beeinträchtigungen, Depressionen sowie Verhaltensveränderungen. Neben neurologischen Erkrankungen werden auch degenerative Veränderungen der Wirbelsäule häufig bei ehemaligen Wrestlern beschrieben. Wiederholte axiale Belastungen, Stürze und Rotationsbewegungen können langfristig zu Bandscheibendegenerationen, chronischen Rückenschmerzen und zervikalen Wirbelsäulenproblemen führen [6, 12]. Darüber hinaus zeigen einige Studien, dass professionelle Wrestler im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Risiko für frühzeitige Mortalität sowie für kardiovaskuläre Erkrankungen aufweisen [14]. Diese Beobachtungen werden mit der hohen körperlichen Belastung, chronischen Verletzungen sowie teilweise auch mit Lebensstilfaktoren in Verbindung gebracht.</p>
<h2><b>Prävention<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Angesichts der hohen körperlichen Belastungen im professionellen Wrestling sind präventive Maßnahmen von großer Bedeutung. Ein zentraler Ansatz besteht in der Verbesserung der technischen Ausbildung der Athleten. Insbesondere das korrekte Erlernen von Falltechniken („Bumps“) kann dazu beitragen, Aufprallkräfte besser zu verteilen und das Risiko schwerer Verletzungen zu reduzieren [3]. Darüber hinaus spielt ein gezieltes Kraft- und Stabilitätstraining eine wichtige Rolle. Insbesondere die Stärkung der Nacken- und Rumpfmuskulatur kann dazu beitragen, die Belastung auf Kopf und Wirbelsäule zu reduzieren und potenziell das Risiko von Kopfverletzungen zu verringern [8, 10]. Ein weiterer wichtiger präventiver Faktor ist das medizinische Monitoring. Moderne medizinische Protokolle zur Diagnose und Behandlung von Gehirnerschütterungen werden zunehmend auch im professionellen Wrestling eingesetzt. Dazu gehören standardisierte neurologische Untersuchungen sowie klare Return-to-Play-Richtlinien nach Kopfverletzungen [9]. Schließlich können auch organisatorische Maßnahmen zur Prävention beitragen. Dazu zählen ausreichende Regenerationszeiten zwischen Matches, eine Begrenzung besonders riskanter Manöver sowie eine kontinuierliche medizinische Betreuung der Athleten.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Professionelles Show Wrestling stellt trotz seines inszenierten Charakters eine Sportart mit erheblichen biomechanischen Belastungen dar. Wiederholte Sturzbewegungen, komplexe Wurftechniken und intensive körperliche Kontakte führen zu einem charakteristischen Verletzungsprofil, das insbesondere Knie-, Schulter- und Kopfverletzungen umfasst. Darüber hinaus können wiederholte Kopftraumata langfristige neurologische Folgen wie chronisch-traumatische Enzephalopathie begünstigen. Ein besseres Verständnis der biomechanischen Belastungen sowie ge­zielte Präventionsstrategien, einschließlich technischer Ausbildung, Krafttraining und medizinischer Überwachung, sind daher entscheidend, um das Verletzungsrisiko zu reduzieren und die langfristige Gesundheit der Athleten zu schützen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol style="font-weight: 400;">
<li>Dick R., Agel J., Marshall S. (2007). NCAA Injury Surveillance System: Wrestling injuries. <em>Journal of Athletic Training.</em></li>
<li>Knowles S. et al. (2006). Risk of injury in collegiate wrestling. <em>American Journal of Sports Medicine.</em></li>
<li>Hootman J., Dick R., Agel J. (2007). Epidemiology of collegiate injuries for 15 sports. <em>Journal of Athletic Training.</em></li>
<li>Yard E., Collins C. (2008). Injuries in high school wrestling. <em>American Journal of Sports Medicine.</em></li>
<li>Stanbouly D. et al. (2020). Epidemiology of wrestling injuries in the United States. <em>Orthopaedic Journal of Sports Medicine.</em></li>
<li>Piussi R. et al. (2024). Experiences of professional wrestlers after ACL injury. <em>BMJ Open Sport &amp; Exercise Medicine.</em></li>
<li>Hecimovich M., King D., Garrett T. (2016). Head impact analysis in wrestling. <em>International Journal of Wrestling Science.</em></li>
<li>Pfister T. et al. (2016). Incidence of concussion in youth sports. <em>Archives of Clinical Neuropsychology.</em></li>
<li>Kerr Z. et al. (2015). Epidemiology of concussion in collegiate sports. <em>American Journal of Sports Medicine.</em></li>
<li>McKee A. et al. (2013). The spectrum of disease in chronic traumatic encephalopathy. <em>Brain.</em></li>
<li>Omalu B. et al. (2010). Chronic traumatic encephalopathy in a professional wrestler. <em>Journal of Forensic Nursing.</em></li>
<li>Bailes J., Petraglia A. (2013). Chronic traumatic encephalopathy in contact sports. <em>Neurosurgery.</em></li>
<li>Mez J. et al. (2017). Clinicopathological evaluation of chronic traumatic encephalopathy. <em>JAMA.</em></li>
<li>Lehman E. et al. (2013). Mortality of professional wrestlers. <em>American Journal of Sports Medicine.</em></li>
</ol>
<p>&nbsp;</p>
<p><span class="fontstyle0"><strong>FILMTIPPS DER REDAKTION</strong></span></p>
<p><span class="fontstyle0"><br />
</span><span class="fontstyle2"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Wrestler_%E2%80%93_Ruhm,_Liebe,_Schmerz">THE WRESTLER (USA 2008) </a><br />
In The Wrestler von Darren Aronofsky spielt Mickey Rourke einen gescheiterten Wrestler, der lernen muss, außerhalb des Rings zu funktionieren.</span></p>
<p><span class="fontstyle2"><br />
</span><span class="fontstyle2"><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Fighting_with_My_Family">FIGHTING WITH MY FAMILY (GB 2019)</a></span></p>
<p><span class="fontstyle2">Fighting with My Family ist eine Tragikomödie von Stephen Merchant über die wahre Geschichte einer Wrestling-Familie, deren Kinder die Chance erhalten, groß in der WWE rauszukommen.<br />
</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Stretching trifft Faszienforschung</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22597/stretching-trifft-faszienforschung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. Robert Schleip&nbsp;,&nbsp;Franziska Wittleder]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2026 10:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22597</guid>

					<description><![CDATA[Faszien waren lange das „Aschenputtel“ der muskuloskelettalen Medizin – strukturell präsent, funktionell unterschätzt. Spätestens seit der intensiveren Forschung der letzten 15 Jahre rücken sie jedoch zunehmend ins Rampenlicht. Bildgebende Studien [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Faszien waren lange das „Aschenputtel“ der muskuloskelettalen Medizin – strukturell präsent, funktionell unterschätzt. Spätestens seit der intensiveren Forschung der letzten 15 Jahre rücken sie jedoch zunehmend ins Rampenlicht. Bildgebende Studien zeigen, dass bei uskelverletzungen myofasziale und myotendinöse Läsionen deutlich häufiger auftreten als isolierte Muskelschäden – 32,1 % myofaszial, 68,4 % myotendinös, nur 12,7 % isoliert muskulär [1].</b></p>
<p>Die klinische Konsequenz ist klar: Wer Prävention, Rehabilitation und Return-to-Play-Strategien optimieren möchte, muss das myofasziale Kontinuum systematisch mitdenken.</p>
<h2><b>Der Körper als Zugspannungsnetzwerk</b></h2>
<p>Stellt man sich den Bewegungsapparat als reines Hebelsystem vor, greift man zu kurz. Bis zu 30 – 40 % der Muskelkraft werden nicht longitudinal über die Sehne übertragen, sondern lateral über myofasziale Verbindungen [2]. Spannungsveränderungen in der Plantarfaszie sind per Ultraschall bis in proximale dorsale Strukturen nachweisbar [3] – das Gewebe kommuniziert über weite Strecken. Eine Verletzung ist damit selten ein lokales Ereignis, sondern verändert die Zugspannung entlang ganzer Ketten. Wie relevant das im klinischen Alltag ist, zeigt ein Blick auf chronischen Rückenschmerz: Betroffene weisen per Ultraschall eine messbar reduzierte Scherbeweglichkeit der thorakolum­balen Faszie auf [4, 5]. Intrafasziale Hyaluronsäure-Injektionen zur Wiederherstellung dieser Gleitfähigkeit führten bei 70 % der Behandelten zu klinisch relevanten Verbesserungen, mit einer mittleren Schmerzreduktion von 37 % [6]. Fasziale Steifigkeit ist also kein Randphänomen – sie ist pathophysiologisch relevant und therapeutisch adressierbar.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Praktisch lässt sich das gut bei Achillessehnenbeschwerden beobachten. Diese äußern sich häufig nicht nur in lokalen, sondern auch proximalen Defiziten, etwa in Hip-Extension-Kraft und Bewegungs- / Belastungsmustern entlang der unteren Extremität. Entsprechend empfehlen aktuelle Rehabilitationskonzepte, neben der lokalen Sehnenbelastung auch die gesamte myofasziale Zugspannungskette (oberflächliche Dorsallinie) zu berücksichtigen [7]. Der Körper reagiert als Einheit und eine wirksame Therapie muss das berücksichtigen.</p>
<h2><b>Aktuelle Forschung zum Dehnen</b></h2>
<p>Statisches Dehnen hat eine turbulente Karriere hinter sich. Jahrzehntelang Pflicht, dann plötzlich Risikofaktor. Der aktuelle Stand ist klarer, als die Debatte vermuten lässt. Statisches Dehnen unter 60 Sekunden pro Muskelgruppe hat keine negativen Effekte auf Kraft und Leistung und ist dazu geeignet im vollständigen Aufwärmprogramm sogar die Verletzungsrate zu reduzieren [8]. Wer allerdings Haltungsverbesserungen erwartet, wird enttäuscht: Eine Metaanalyse über 23 Studien und 969 Teilnehmende fand keine signifikanten Haltungseffekte durch Dehnen. Hierzu ist Muskekräftigungstraining offenbar besser geeignet [9]. Überraschend robust sind hingegen die Befunde zur Gefäßgesundheit: Regelmäßiges Dehnen senkt den Blutdruck. Eine Auswertung von 69 Studien mit überwiegend über 40-Jährigen zeigt, dass regelmäßiges Dehnen über mindestens vier Wochen die arterielle Steifigkeit signifikant senkt, die endotheliale Funktion verbessert und den diastolischen Blutdruck reduziert [10]. Als Mechanismen werden erhöhte NO-Produktion in Endothelzellen und reduzierte sympathische Aktivierung diskutiert. Stretching ist damit nicht nur Gelenkpflege – es ist kardiovaskuläre Prävention.</p>
<p>Und dann noch das: prolongiertes Dehnen löst Hypertrophie und Kraftzuwachs aus. Nach sechs Wochen täglicher einstündiger Dehnung der plantaren Flexoren stieg der Muskelquerschnitt des Gastrocnemius um 15,2 %, der Bewegungsumfang um bis zu 27,3 %, mit Kraftzuwächsen und kontralateralem Krafttransfer auf das unbehandelte Bein [11]. Eine Vergleichsstudie zwischen statischem Dehnen der Wade und alternativ einer exzentrischen Kräftigungsbelastung derselben Struktur ordnet das ein: Während die ROM-Zuwächse bei beiden Modalitäten vergleichbar waren, bewirkte nur die muskuläre Kräftigungsübung – und nicht die passive Dehnung – eine Reduktion der passiven Steifigkeit [12].</p>
<h2><b>Klinische Empfehlungen: Ziel bestimmt Protokoll</b></h2>
<p>Das Problem in der Praxis ist nicht fehlendes Wissen. Es ist fehlende Präzision. Dehnen wird verschrieben wie Paracetamol – irgendwie, irgendwann, irgendwie lange. Das reicht nicht. Ein internationales Delphi-Konsensuspanel hat konkrete Dosierungen erarbeitet [13]: Kurzfristige Beweglichkeit? Zwei Sätze à 5 bis 30 Sekunden. Dauerhafte Beweglichkeitsgewinne? Täglich zwei bis drei Sätze à 30 bis 120 Sekunden, statisch oder PNF. Passive Steifigkeit senken? Hochintensives statisches Dehnen, mindestens zehn Minuten, fünfmal pro Woche, mindestens drei Wochen. Kardiovaskuläre Effekte? Mindestens sieben Minuten täglich über vier Wochen. Kraftaufbau durch Dehnen? Mehr als 15 Minuten, fünfmal wöchentlich, mindestens sechs Wochen. Dosis ist Diagnose. Und je nach Rehabilitationsphase sollte die Dehnungsintensität nicht konstant gehalten werden: Hohe zyklische Dehnreize von 10 % Strain beschleunigen früh die Kollagenausrichtung. Moderatere 5 % Strain liefern langfristig mehr Kollagengehalt und höhere Gewebesteifigkeit [14]. In anderen Worten: Früh höher belasten – später anpassen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wer mit älteren Erwachsenen arbeitet, sollte zudem wissen: Bei ihnen limitiert zunehmend die Steifigkeit epineuraler Faszienhüllen – insbesondere des N. ischiadicus – die Beweglichkeit am oberen Sprunggelenk; im Gegensatz zu jüngeren Erwachsenen, bei denen eher benachbarte myofasziale Gewebe eine Rolle spielen [15]. Mehrgelenkige Dehnformen, die muskuläre und neurale Strukturen simultan adressieren, sind hier klar die bevorzugte Methode. Die optimale Dauer von Dehnreizen hängt offenbar auch von der Gewebearchitektur ab. Weniger steifes Narbengewebe kann bei kurzzeitigen Dehnungen durch das umgebende Gewebe mechanisch abgeschirmt werden (stress shielding) und bleibt funktionell unterfordert [16]. Längere Belastungen – etwa isometrische Kontraktionen von ~30 s – ermöglichen hingegen durch viskoelastische Anpassungen eine gleichmäßigere Spannungsverteilung und damit eine bessere Einbindung des Narbengewebes.</p>
<h2><b>Vibrationsstimulation als Adjunct</b></h2>
<p>Einsatz von Vibration zur Steigerung der Wirksamkeit von Dehnungen – das klingt nach Wellness, ist aber zunehmend evidenzbasiert. Eine systematische Übersichtsarbeit mit über 1.900 Beobachtungen zeigt, dass sich die beweglichkeitsfördernde Wirkung von Dehnungen durch die gleichzeitige Anwendung mechanischer Vibration sowohl kurzfristig als auch langfristig verstärken lässt (Abb.). Auch für die Reduktion lokaler Versteifungen zeigte sich ein ähnlicher Effekt – allerdings nur im kurzfristigen, akuten Anwendungsvergleich und ohne Hinweise auf eine nachhaltige Wirkung [17].</p>
<h2><b>Was Dehnen noch kann – und was wir gerade erst entdecken</b></h2>
<p>Was wäre, wenn Dehnen eines Tages nicht nur Gelenke schützt, sondern ­Tumorwachstum hemmt? Tierexperimentelle Daten zeigen genau das: Regelmäßiges Dehnen reduzierte im Mausmodell das Tumorwachstum um 30 – 50 %, veränderte die Kollagenorgani­sation an der Tumorgrenzfläche und hemmte die Zellmigration in vitro [18]. Die klinische Übertragbarkeit ist offen – aber das Grundprinzip dahinter ist es nicht: Bindegewebe ist kein passives Substrat, sondern ein aktiver Regulator zellulärer Prozesse. Mechanische Reize sind sein primärer Stimulus – und wir fangen gerade erst an zu verstehen, wie weit diese Wirkung reicht.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Das Bild, das die Forschung heute zeichnet, ist eindeutig: Krafttraining, Dehnen und neuromuskuläre Stimu­lation konkurrieren nicht. Sie ergänzen sich. Unterschiedliche Gewebeschichten, unterschiedliche Adaptationsziele, unterschiedliche Zeitfenster. Wer alle drei präzise nach Ziel, Dosis und Phase steuert, hat das stärkste Werkzeug der Prähabilitation in der Hand.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong> </strong>[1] Wilke et al., 2019: <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31903399/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31903399/</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Huijing 2009: DOI: 10.1016/j.jbiomech.2008.09.027</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Wilke et al., 2020: doi: 10.3389/fphys.2020.00180</p>
<p style="font-weight: 400;">[4] Langevin et al., 2011: DOI: 10.1186/1471-2474-12-203</p>
<p style="font-weight: 400;">[5] Brandl et al. 2014: <a href="https://www.nature.com/articles/s41598-024-70982-7">https://www.nature.com/articles/s41598-024-70982-7</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[6] Contipro 2024: <a href="https://www.contipro.com/images/SSCP_Fascigel_HA.pdf">https://www.contipro.com/images/SSCP_Fascigel_HA.pdf</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[7] Ferreira et al., 2025: <a href="https://opus.lib.uts.edu.au/handle/10453/189695">https://opus.lib.uts.edu.au/handle/10453/189695</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[8] Chaabene et al., 2019: DOI: 10.3389/fphys.2019.01468</p>
<p style="font-weight: 400;">[9] Warneke et al., Sports Med Open 2024</p>
<p style="font-weight: 400;">[10] Kato et al., Int J Environ Res Public Health 2020</p>
<p style="font-weight: 400;">[11] Warneke et al., 2023: DOI: 10.1007/s40279-023-01898-x</p>
<p style="font-weight: 400;">[12] Murakami et al., 2025:  doi: 10.3389/fphys.2025.1555253</p>
<p style="font-weight: 400;">[13] Warneke et al., 2025: <a href="https://doi.org/10.1016/j.jshs.2025.101067">https://doi.org/10.1016/j.jshs.2025.101067</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[14] Troop &amp; Puezer 2024: DOI: <a href="https://doi.org/10.1016/j.actbio.2024.07.025"><u>10.1016/j.actbio.2024.07.025</u></a></p>
<p style="font-weight: 400;">[15] Hirata at al., 2020: doi: 10.1249/MSS.0000000000002360</p>
<p style="font-weight: 400;">[16] Baar et al. 2017: <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28332110/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28332110/</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[17] Jochum et al., 2025: doi: 10.1249/MSS.0000000000002360</p>
<p style="font-weight: 400;">[18] Berrueta et al., 2026; https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41680753/</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>Studientipp:</h2>
<h3 class="heading-title"><strong>Injecting hyaluronan in the thoracolumbar fascia: A model study</strong></h3>
<p>Hyaluronsäure (HA) wurde kürzlich als Schlüsselkomponente bei der Verdickung der thorakolumbalen Faszie (TLF) identifiziert, was zu unspezifischen Schmerzen im unteren Rückenbereich (LBP) beitragen kann, die derzeit mit manueller Therapie und der systemischen oder lokalen Verabreichung von entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden. Ziel dieser Studie war es, ein neuartiges Tiermodell zu etablieren, das sich für die Untersuchung ultraschallgeführter intrafaszialer Injektionen mit HA mit niedrigem und hohem Molekulargewicht (Mw) eignet.</p>
<p><em>Nešporová K, Matonohová J, Husby J, Toropitsyn E, Stupecká LD, Husby A, Suchánková Kleplová T, Streďanská A, Šimek M, Nečas D, Vrbka M, Schleip R, Velebný V. Injecting hyaluronan in the thoracolumbar fascia: A model study. Int J Biol Macromol. 2023 Dec 31;253(Pt 3):126879. doi: 10.1016/j.ijbiomac.2023.126879. Epub 2023 Sep 12. PMID: 37709215.</em></p>
<p>Lesen Sie <a href="https://sportaerztezeitung.com/sports-research/injektion-von-hyaluronsaeure-in-die-thorakolumbale-faszie-2/">HIER</a> mehr dazu.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Herzratenvariabilität im Skeletonsport</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22715/die-herzratenvariabilitaet-im-skeletonsport/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr.-Ing.habil. Matthias Scherge,&nbsp;Dr. Stefan Hey&nbsp;,&nbsp;Niklas Gutberlet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 10:43:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22715</guid>

					<description><![CDATA[Die Herzratenvariabilität (HRV) stellt ein etabliertes Verfahren zur Beurteilung der autonomen Regulation und des Stresszustands im Leistungssport dar. Ziel der vorliegenden Studie war es, die physiologische Beanspruchung eines Skeletonathleten unter [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div>
<p><strong>Die Herzratenvariabilität (HRV) stellt ein etabliertes Verfahren zur Beurteilung der autonomen Regulation und des Stresszustands im Leistungssport dar. Ziel der vorliegenden Studie war es, die physiologische Beanspruchung eines Skeletonathleten unter realen Trainingsbedingungen anhand mehrtägiger HRV-Messungen zu analysieren und bahnspezifische Unterschiede zu untersuchen. Hierzu wurde ein männlicher Topathlet (28 Jahre, 1,80 m, 84 kg) mithilfe eines tragbaren EKG-Sensors kontinuierlich über mehrere Tage hinweg auf zwei international etablierten Bobbahnen (Winterberg und St. Moritz) untersucht.</strong></p>
<p>Die physiologische Belastung im Leistungssport ist ein zentraler Indikator für sportliche Leistungsfähigkeit, Trainingssteuerung und Regenerationsprozesse [1-7]. Im Skeleton-Schlittensport, einer Disziplin mit extrem kurzen, hochintensiven Belastungsphasen und großen psychophysiologischen Anforderungen, stellt die objektive Charakterisierung von Stressreaktionen eine besondere Herausforderung dar. Vor diesem Hintergrund wurden in der vorliegenden Studie ein mobiles,forschungsgeeignetes Sensorsystem eingesetzt, um mehrtägige Messungen an einem männlichen Topathleten durchzuführen. Konkret kam ein medizinisch präziser, tragbarer EKG- und Aktivitätssensor zum Einsatz, der kontinuierlich Herzaktivität und körperliche Bewegung erfasst und damit eine detaillierte Analyse der Herzfrequenzvariabilität und weiterer Stressparameter ermöglicht (movisens GmbH). Die mehrtägigen Messungen erlaubten es, deutliche Unterschiede im EKG-Signal vor, während und nach einzelnen Läufen zu identifizieren und diese systematisch in Beziehung zu Wettkampfsituationen und Erholungsphasenzu setzen. Weiterhin zeigten sich klare Unterschiede, die auf den Schwierigkeitsgrad der Bahn zurückzuführen waren. Auf dieser Grundlage wurde der Stresszustand des Athleten im Kontext der Wettkampfgestaltung bewertet und Aussagen über Belastungs- und Erholungsprozesse getroffen, die über konventionelle punktuelle Messungen hinausgehen.</p>
<h2>Medizinische Grundlagen</h2>
<p>Die Herzratenvariabilität (HRV) umfasst verschiedene Parameter, die unterschiedliche Aspekte der autonomen Regulation desHerz-Kreislauf-Systems widerspiegeln und somit Rückschlüsse auf den Stress-und Erholungszustand eines Athleten erlauben. Die Herzfrequenz (HR) beschreibt die Anzahl der Herzschläge pro Minute und stellt einen grundlegenden Indikator für die aktuellekardiovaskuläre Belastung dar.</p>
<p>Der Parameter SDNN (Standard Deviation of NN intervals) erfasst die Gesamtvariabilität der Herzschlagabstände und beschreibt die Anpassungsfähigkeit des Herzens an physische und psychische Belastungen. Er wird verwendet, um die allgemeine Regulationsfähigkeit des Organismus zu beurteilen. Der Wert hängt von der Messdauer ab und wird vor allem für Lanzeitmessungen eingesetzt. Der RMSSD (Root Mean Square of Successive Differences) spiegelt kurzfristige Schwankungen der Herzfrequenz wider und ist ein spezifischer Marker für die parasympathische (vagale) Aktivität. Er wird insbesondere zur Einschätzung der Regenerationsfähigkeit und Erholung herangezogen. Der pNN50-Wert gibt den prozentualen Anteil aufeinanderfolgender Herzschläge an, die sich um mehr als 50 ms unterscheiden. Auch dieser Parameter ist ein Indikator für dieparasympathische Aktivität und wird genutzt, um vagale Einflüsse auf die Herzfrequenz zu quantifizieren.</p>
<p>Im Frequenzbereich beschreibt die LF-Komponente (Low Frequency) sowohl sympathische als auch parasympathische Einflüsse, wird jedoch häufig im Kontext der sympathischen Modulation interpretiert. Die HF-Komponente (High Frequency) hingegen gilt als Marker der parasympathischen Aktivität und steht in engem Zusammenhang mit der Atmung (respiratorische Sinusarrhythmie). Das Verhältnis von LF zu HF (LF/HF-Ratio) wird verwendet, um die Balance zwischen sympathischem und parasympathischem Nervensystem abzuschätzen. Eine erhöhte Ratio deutet auf eine Dominanz des Sympathikus hin und wird häufig als Zeichen für Stress interpretiert.Der Baevskii Stressindex (SI) ist ein integrativer Parameter, der auf der Verteilung der RR-Intervalle basiert und die Aktivität des sympathischen Nervensystems widerspiegelt. Er wird eingesetzt, umden Grad der Stressbelastung bzw. der vegetativen Anspannung quantitativ zu erfassen.</p>
<h2>Design der Studie</h2>
<p style="font-weight: 400;">Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung wurde ein männlicher Skeletonathlet der obersten Leistungsklasse analysiert. DerAthlet war zum Zeitpunkt der Messungen 28 Jahre alt, 1,80 m groß und wog 84,0 kg, was einem Body-Mass-Index (BMI) von 25,9 kg/m² entspricht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Datenerhebung erfolgte unter realen Trainingsbedingungen auf zwei international etablierten Bobbahnen, in Winterberg sowie in St. Moritz. Ziel war es, den Stresszustand und die autonome Regulation unter unterschiedlichen äußeren und streckenspezifischen Bedingungen vergleichend zu erfassen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Messung in Winterberg begann am 13.01.2026 um 22:41 Uhr und erstreckte sich über einen Zeitraum von insgesamt 2Tagen, 15 Stunden und 57 Minuten. Die zweite Messung wurde in St. Moritz durchgeführt und startete am 19.01.2026 um 22:42Uhr bei einer Gesamtdauer von 2 Tagen, 2 Stunden und 46 Minuten. Wettertechnisch unterschieden sich die absolvierten Läufe.Während in Winterberg eine Lufttemperatur von plus 4°C herrschte, waren es in St. Moritz minus 9°C.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die beiden Bobbahnen unterscheiden sich deutlich in ihren technischen Charakteristika, was sich unmittelbar auf die physiologische Beanspruchung und damit auch auf die Herzratenvariabilität (HRV) eines Skeletonathleten auswirken sollte. Die Bahn in Winterberg ist eine moderne Kunsteisbahn mit einer Länge von 1.330 m, 15 Kurven und einem Gefälle von 9,8%. Sie zeichnet sich durch eine relativ „rhythmische“ Streckenführung aus, bei der sich technisch anspruchsvolle Passagen mit besserkontrollierbaren Abschnitten abwechseln. Demgegenüber steht die Natureisbahn in St. Moritz mit einer Länge von 1.722 und 19 Kurven, 8% Gefälle, jedoch einer deutlich größeren Laufzeit und teilweise komplexeren Kurvenkombinationen. Obwohl das durchschnittliche Gefälle vergleichbar ist, führt die größere Streckenlänge zu einer verlängerten Expositionszeit gegenüber hohen Geschwindigkeiten und Fliehkräften. Zudem ist die Bahn aufgrund ihrer Natureisbeschaffenheit weniger standardisiert, was höhereAnforderungen an die permanente sensorische und motorische Anpassung stellt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der eingesetzte EKG- und Aktivitätssensor (EcgMove 4, movisens GmbH) ist ein tragbarer Sensor zur mobilen Erfassung von Herzaktivität und körperlicher Bewegung im Alltag. Er wurde speziell für wissenschaftliche Anwendungen im Bereich der ambulanten Diagnostik und des Belastungsmonitorings entwickelt. Das Gerät misst ein einkanaliges Elektrokardiogramm (EKG) mit hoher zeitlicher Auflösung (Samplingrate 1.024 Hz) und ermöglicht dadurch eine präzise Bestimmung von Herzfrequenz und Herzratenvariabilität. Ergänzend erfasst der Sensor über integrierte Beschleunigungs-, Gyroskop-, Druck- und Temperatursensoren verschiedene Aktivitäts- und Umgebungsparameter. Ein zentraler Vorteil des EcgMove 4 ist die Möglichkeit des Langzeitmonitorings unter Alltagsbedingungen. Mit einer Batterielaufzeit von mehreren Tagen und interner Datenspeicherung können kontinuierliche Messungen von bis zu zwei Wochen durchgeführt werden, was insbesondere für die Analyse von Stress- und Belastungszuständen relevant ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Darüber hinaus erlaubt der Sensor sowohl eine Offline-Auswertung der Rohdaten als auch eine Echtzeitanalyse, bei der Parameterwie Herzfrequenz und HRV (z. B. RMSSD) direkt via Bluetooth übertragen werden können. Dadurch können die Sensoren sowohl im praxisnahen Monitoring von Athleten als auch in Studien eingesetzt werden, bei denen die physiologischen Parameter als Trigger zur Erfassung subjektiver Daten mittels Smartphone verwendet werden.</p>
</div>
<div>
<h2>Ergebnisse und Interpretationen</h2>
<p style="font-weight: 400;">Die Analyse der Herzratenvariabilität des Skeletonathleten zeigte deutliche Unterschiede zwischen den Läufen in Winterberg und St. Moritz. Die mittlere Herzfrequenz liegt in St. Moritz mit 79,14 bpm höher als in Winterberg (75,67 bpm), was bereits auf einegesteigerte kardiovaskuläre Beanspruchung während des Laufs hindeutet. Gleichzeitig sind alle zentralen Zeitbereichsparameterder HRV (SDNN, RMSSD und pNN50) in St. Moritz reduziert. Dies spricht für eine insgesamt geringere Variabilität der Herzfrequenz und insbesondere für eine verminderte parasympathische Aktivität, die typischerweise mit Erholung undRegeneration assoziiert ist.</p>
<figure id="attachment_22716" aria-describedby="caption-attachment-22716" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22716" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1-1024x577.png" alt="" width="755" height="425" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1-1024x577.png 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1-300x169.png 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1-768x433.png 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1-150x85.png 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1-450x254.png 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1-1200x677.png 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1.png 1440w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22716" class="wp-caption-text">ABB. 1 Vergleich der Ergebnisse der HRV Analysen</figcaption></figure>
<p style="font-weight: 400;">Auch die Frequenzbereichsanalyse bestätigt dieses Bild: Sowohl die LF- als auch die HF-Komponenten sind in St. Moritz niedriger als in Winterberg, was auf eine insgesamt reduzierte autonome Modulationsfähigkeit hinweist. Die LF/HF-Ratio ist in beiden Fällenerhöht und zeigt eine deutliche sympathische Dominanz an, fällt jedoch in St. Moritz etwas geringer aus. Trotz dieser leichten Verschiebung bleibt das autonome Nervensystem klar in einem aktivierten, leistungsorientierten Zustand.</p>
<p style="font-weight: 400;"><span style="font-weight: 400;">Der deutlich erhöhte Baevskii-Stressindex in St. Moritz (213,81 zu 181,4 in Winterberg) unterstreicht zusätzlich die stärkere vegetative Belastung und weist auf eine höhere Stressbeanspruchung des Organismus hin. Insgesamt ergibt sich somit das Bild, dass der Lauf in St. Moritz mit einer höheren physiologischen</span> <span style="font-weight: 400;">Beanspruchung,</span> <span style="font-weight: 400;">einer</span> <span style="font-weight: 400;">reduzierten</span> <span style="font-weight: 400;">HRV</span> <span style="font-weight: 400;">und</span><span style="font-weight: 400;">einer</span> <span style="font-weight: 400;">verstärkten</span> <span style="font-weight: 400;">sympathischen</span> <span style="font-weight: 400;">Aktivierung </span><span style="font-weight: 400;">einhergeht.</span></p>
<figure id="attachment_22717" aria-describedby="caption-attachment-22717" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22717" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2-1024x641.jpg" alt="" width="755" height="473" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2-1024x641.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2-300x188.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2-768x481.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2-150x94.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2-450x282.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2-1200x751.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2.jpg 1496w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22717" class="wp-caption-text">ABB. 2 Vergleich der Messungen in Winterberg und St. Moritz</figcaption></figure>
<p>Aus sportwissenschaftlicher Perspektive deutet dieses Muster auf eine höhere Gesamtbelastung in St. Moritz hin, die sowohl durch externe Faktoren wie die größere Höhenlage (ca. 1.800 m mit reduzierter Sauerstoffverfügbarkeit), als auch durch streckenspezifische Anforderungen oder erhöhte psychische Beanspruchung erklärt werden kann. Höchstwahrscheinlich spielt auch die Differenz von ca. 13 K in der Lufttemperatur eine Rolle.</p>
<p>Die reduzierte parasympathische Aktivität und die geringere HRV sprechen dafür, dass die Regulationsfähigkeit des autonomen Nervensystems eingeschränkt ist, was kurzfristig leistungsfördernd sein kann (im Sinne einer Aktivierung), langfristig jedoch einerhöhtes Risiko für unzureichende Regeneration oder Überlastung signalisiert. Für die Trainingssteuerung bedeutet dies, dass nach Belastungen in St. Moritz gezielt regenerative Maßnahmen eingeplant werden sollten, um eine vollständige Wiederherstellung der autonomen Balance zu gewährleisten.</p>
<p>Aus sensortechnischer Sicht weisen die Befunde auf eine deutlich erhöhte Stressreaktion des kardiovaskulären Systems in St.Moritz hin. Die Kombination aus erhöhter Herzfrequenz, reduzierter HRV und erhöhtem Stressindex kann als Zeichen einer akuten sympathikotonen Dominanz interpretiert werden.</p>
<p>Insbesondere unter Höhenbedingungen ist dies als physiologische Anpassungsreaktion zu werten, kann jedoch beiunzureichender Anpassung oder wiederholter Belastung ohne ausreichende Regeneration zu einer chronischen vegetativen Dysbalance führen. Dies könnte sich in erhöhter Ermüdung, reduzierter Leistungsfähigkeit oder einem erhöhten Risiko für funktionelle Überlastungssyndrome äußern. Daher ist eine kontinuierliche Überwachung der HRV sowie eine individualisierte Belastungssteuerung sinnvoll, um frühzeitig Anzeichen von Überbeanspruchung zu erkennen und präventiv gegenzusteuern.</p>
<h2>Fazit (Traininggswissenschaftliche Perspektive)</h2>
<p>Die vorliegenden Ergebnisse verdeutlichen, dass die Herzratenvariabilität ein sensibles und praxisrelevantes Instrument zurBewertung der trainingsbedingten Beanspruchung im Skeletonsport darstellt. Insbesondere die Kombination aus erhöhter Herzfrequenz, reduzierten HRV-Parametern und erhöhtem Stressindex in St. Moritz weist auf eine deutlich gesteigerte Gesamtbelastung hin, die über die reine Laufleistung hinausgeht und sowohl externe (Höhe, Temperatur, Bahncharakteristik) als auch interne Belastungsfaktoren widerspiegelt.</p>
<p>Aus trainingswissenschaftlicher Sicht ergibt sich daraus die Notwendigkeit einer differenzierten Belastungssteuerung in Abhängigkeit vom Wettkampfort. Während Belastungen wie in Winterberg offenbar besser toleriert werden und eine schnellere Wiederherstellung der autonomen Balance ermöglichen, erfordern die Bedingungen in St. Moritz gezielt eingeplante Regenerationsmaßnahmen. Dazu zählen insbesondere eine Anpassung der Trainingsumfänge, aktive Erholungsstrategien sowie gegebenenfalls eine Akklimatisationsphase zur Höhenanpassung.</p>
<p>Die reduzierte parasympathische Aktivität nach den Läufen in St. Moritz deutet zudem darauf hin, dass die Fähigkeit zur kurzfristigen Regeneration eingeschränkt ist. Dies kann bei unzureichender Steuerung zu kumulativer Ermüdung und Leistungseinbußen führen. Daher sollte die HRV im Trainingsprozess kontinuierlich überwacht werden, um individuelle Belastungsreaktionen frühzeitig zu erkennen und Trainingsinhalte dynamisch anzupassen.</p>
<p>Literatur</p>
<ol>
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<p>&nbsp;</p>
<p><em>Veröffentlicht am 10.06.2026</em></p>
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