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	<title>Training Archive - sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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	<title>Training Archive - sportärztezeitung</title>
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	<item>
		<title>Wachstums­schmerzen?</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22995/wachstumsschmerzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Patrick Belikan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2026 08:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Nachwuchsfußball treffen hohe Trainings- und Wettkampfbelastungen auf ein noch wachsendes Skelett. Belastungsabhängige Schmerzen werden in dieser Phase häufig dem Wachstum zugeschrieben. Wachstum beschreibt jedoch den Risikokontext, nicht die Diagnose. [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>I</b><b>m Nachwuchsfußball treffen hohe Trainings- und Wettkampfbelastungen auf ein noch wachsendes Skelett. Belastungsabhängige Schmerzen werden in dieser Phase häufig dem Wachstum zugeschrieben. Wachstum beschreibt jedoch den Risikokontext, nicht die Diagnose. Meist findet sich eine konkrete, behandelbare Ursache; Entscheidend ist die Abgrenzung häufiger Überlastungsbeschwerden von Befunden, die weiter abgeklärt werden müssen.</b></p>
<p>Ein typisches Beispiel ist ein 13-jähriger Fußballer mit drei Trainingseinheiten und einem Spiel pro Woche. Seit 10 Monaten bestehen beidseitige Knieschmerzen bei und nach dem Fußball, inzwischen auch beim Treppensteigen am Folgetag. Ein relevantes Trauma, Erguss oder systemische Symptome fehlen. Im Umfeld wurden die Beschwerden als Wachstum eingeordnet. Solche Fälle sind häufig, besonders im Sport [1, 2]. Entscheidend ist jedoch nicht, ob der Spieler wächst, sondern ob das Beschwerdemuster zu Wachstumsschmerzen passt.</p>
<h2><b>Wachstumsschmerz oder nicht?</b></h2>
<p>Wachstumsschmerzen sind ein definiertes klinisches Muster und eine Ausschlussdiagnose. Typisch sind intermittierende, meist beidseitige Schmerzen der unteren Extremität, vor allem an Waden, ventralem Oberschenkel oder Schienbein, die bevorzugt abends oder nachts auftreten und morgens vollständig regredient sind [3, 4]. Die klinische Untersuchung ist unauffällig; eine Bild­gebung ist bei typischer Konstellation nicht erforderlich. Belastungsabhängige, lokalisierbare, tagsüber anhaltende oder progrediente Beschwerden sprechen dagegen gegen Wachstumsschmerzen (Abb. 1). Beim 13-Jährigen ist „Wachstumsschmerz“ damit keine tragfähige Arbeitsdiagnose. Belastungsabhängige Beschwerden im Wachstum haben mehrere mögliche Ursachen. Entscheidend sind Lokalisation, Belastungsprofil und Befund: Vorderer Knieschmerz kann apophysär, patellofemoral, ligamentär oder knöchern bedingt sein; Fersen-, Hüft- / Leisten- und Rückenschmerzen erfordern jeweils eigene Differenzialdiagnosen.</p>
<figure id="attachment_22997" aria-describedby="caption-attachment-22997" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-22997" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326-1024x540.jpg" alt="" width="755" height="398" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326-1024x540.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326-300x158.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326-768x405.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326-150x79.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326-450x237.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326-1200x633.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22997" class="wp-caption-text">Abb. 1 Merkkasten Wachstumsschmerz</figcaption></figure>
<h2><b>Die schwache Stelle: die Apophyse</b></h2>
<p>Atraumatische, sich langsam entwickelnde Beschwerden gehen im wachsenden Skelett häufig von den Apophysen aus. Apophysen sind sekundäre Ossifikationszentren an Sehnenansätzen. Die knorpelige Apophysenfuge ist gegenüber repetitiven Zug- und Scherkräften weniger belastbar als die spätere ossäre Sehnen-Knochen-Verbindung und bildet damit den Locus minoris resistentiae der Muskel-Sehnen-Knochen-Kette. 5 – 15 % aller Verletzungen des Bewegungsapparats bei Nachwuchsfußballern betreffen die Apophysen [5]. Geschädigt werden sie akut oder chronisch. Akut kann es bei maximalem Muskelzug – etwa bei Sprint, Schuss oder abruptem Abbremsen – zur Apophysenavulsion kommen, typischerweise am Becken. Chronisch führen repetitive Traktionsbelastungen zu Mikrotraumatisierung und Reizreaktion der Apophyse; klinisch entspricht dies einer Apophysitis. Häufige Formen sind Morbus Osgood-Schlatter, Sinding-Larsen-Johansson-Syndrom, Morbus Sever [6] und Beckenapophysitiden [5]. Fehlendes Trau­maereignis, schleichender Beginn und belastungsassoziierter Schmerz passen beim 13-Jährigen zu einer chronischen Apophysitis.</p>
<h2><b>Morbus Osgood-Schlatter</b></h2>
<p>Am Knie ist der Morbus Osgood-Schlatter die häufigste Form einer Apophysitis. Durch wiederholten Zug der Patellasehne kommt es zur Reizung der Apophyse an der Tuberositas tibiae. Leitsymptom ist der lokalisierte Schmerz, der bei und nach Belastung zunimmt und in Ruhe nachlässt [7]. Betroffen sind etwa 10 % der 12- bis 15-Jährigen, im Nachwuchsleistungsfußball bis zu 17 % [8, 9]. Die Diagnose ist primär klinisch; Bildgebung ist bei atypischem Verlauf, Traumaverdacht oder ausbleibender Besserung indiziert [10]. Beim 13-Jährigen ergeben lokaler Druckschmerz über der Tuberositas tibiae, belastungsabhängige Schmerzprovo­kation und fehlende Warnzeichen die Diagnose eines beidseitigen Morbus Osgood-Schlatter. Die Behandlung ist konservativ [11, 12]: Aufklärung, schmerzadaptierte Belastungssteuerung und Physiotherapie mit Fokus auf Flexibi­lität (Quadrizeps, Hamstrings, Wade) [13, 14] und progressivem Kraftaufbau (Kniestrecker, Hüft- / Beckenstabilität, Beinachse). In der sportärztlichen Praxis sind zudem Stoßwellentherapie [15] sowie die Kontrolle und gegebenenfalls Substitution des Vitamin-D-Status [7] relevant. Belastung bleibt möglich, solange die Beschwerden niedrig bleiben, sich nicht von Einheit zu Einheit verstärken und innerhalb von 24 Stunden auf Ausgangsniveau zurückgehen. Reduziert werden zunächst Sprung-, Sprint-, Richtungswechsel-, Brems- und maximale Schussbelastungen sowie zusätzliche Lastspitzen. Schmerzadaptierter Kraftaufbau und alternatives Ausdauertraining bleiben möglich. Vollbelastung erfolgt, wenn Alltag und fußballspezifische Belastungen auch am Folgetag ohne relevante Schmerzreaktion toleriert werden.</p>
<h2><b>Wenn „nur Wachstum“ gefährlich wird</b></h2>
<p>Die meisten Apophysitiden heilen konservativ aus. Einige Ursachen von Schmerzen im Wachstum darf man aber nicht übersehen. Weiter abgeklärt werden müssen Ruheschmerz, Nachtschmerz, Fieber, ungewollter Gewichtsverlust, rezidivierende Gelenkergüsse, neurologische Zeichen, deutliche Funktionseinschränkungen, progrediente Beschwerden, ausbleibende Besserung unter konservativer Therapie, relevantes Trauma, fokale knöcherne Schmerzen mit zunehmender Belastungsintoleranz sowie anhaltende Rückenschmerzen [1]. Gerade Rückenschmerzen verdienen im Jugendalter besondere Aufmerksamkeit. Bei belastungsabhängigen Beschwerden und Schmerzprovokation in Reklination muss insbesondere an eine Spondylolyse gedacht werden [16]. Bildgebung setzt man bei Kindern und Jugendlichen zurückhaltend ein; bei Warnzeichen, persistierendem Verlauf oder konkretem strukturellem Verdacht sollte sie jedoch gezielt erfolgen.</p>
<h2><b>Reife statt Kalender</b></h2>
<p>Überlastungsbeschwerden treten nicht gleichmäßig über die Jahre auf, sondern gehäuft rund um die Phase der maximalen Wachstumsgeschwindigkeit, die Peak Height Velocity (PHV). In dieser Phase ist das Verletzungsrisiko erhöht [17 – 20]. Mehrere Faktoren wirken dabei zusammen. Körpergröße, Hebelverhältnisse und neuromuskuläre Kontrolle verändern sich rasch [21 – 23]. Gleichzeitig sind knöcherne und apophysäre Strukturen vorübergehend weniger belastbar und die Muskel-Sehnen-Einheiten verkürzen sich relativ [7, 19, 24]. Dadurch nimmt die Zugbelastung an den Sehnenansätzen zu. Der Zeitpunkt der PHV lässt sich aus einfachen anthropometrischen Daten abschätzen, etwa nach Mirwald oder Moore [25, 26]; bei Jungen liegt er im Mittel um 13,5 Jahre, bei Mädchen um 11,5 – 12,0 Jahren [27]. Für die Belastungssteuerung ist jedoch weniger das kalendarische Alter entscheidend als der biologische Reifestatus. Zwei 13-Jährige können sich in Wachstumstempo, Belastbarkeit und apophysärer Vulnerabilität deutlich unterscheiden. Praktisch genügen regelmäßige Messungen von Körpergröße und Gewicht sowie ein strukturiertes Beschwerdemonitoring, um Belastungsspitzen in vulnerablen Phasen frühzeitig anzupassen.</p>
<p>Für die praktische Umsetzung eignet sich ein Ampelschema, das Wachstumsgeschwindigkeit und PHV-Nähe in Trainingsentscheidungen übersetzt: Je näher ein Spieler an der PHV liegt und je schneller er wächst, desto aufmerksamer wird die Belastung gesteuert; die rote Stufe entsteht erst im Zusammenspiel mit Beschwerden, Funktion oder Belastung. In der roten Phase werden Sprung-, Richtungswechsel- und Bremslasten reduziert, die Sprintbelastung gezielt dosiert, Erholungszeiten verlängert und Beschwerden eng kontrolliert. In der gelben Phase werden Trainings­volumen und hochintensive Belastungen moderat gesteuert. In der grünen Phase ist normales Training bei weiterem Monitoring von Belastungsinten­sität, Beschwerden, Körpergröße und Gewicht möglich (Abb. 2).</p>
<figure id="attachment_22998" aria-describedby="caption-attachment-22998" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-22998" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326-1024x622.jpg" alt="" width="755" height="459" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326-1024x622.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326-300x182.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326-768x466.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326-150x91.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326-450x273.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326-1200x729.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22998" class="wp-caption-text">Abb. 2 Wachstumsmonitoring PHV</figcaption></figure>
<h2><b>Fazit<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Belastungsabhängige Beschwerden sind keine Wachstumsschmerzen. Wer das Beschwerdemuster richtig einordnet, stellt eine konkrete Diagnose, steuert Belastung gezielt und erkennt die wenigen Befunde, die weiter abgeklärt werden müssen. Regelmäßige Erfassung von Wachstum, Reifestatus und Beschwerden hilft, Belastungsspitzen rund um die PHV anzupassen und Überlastungen vorzubeugen. Wachstum erklärt nicht die konkrete Schmerzursache, sondern den Kontext, in dem genaues Hinsehen besonders wichtig ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol>
<li style="font-weight: 400;">S2k-Leitlinie Muskuloskelettale Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen – Ein Algorithmus zur differenzialdiagnostischen Abklärung eines häufigen Leitsymptoms in der Kinder- und Jugendmedizin. 2020.</li>
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</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Idiopathische Skoliose</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22941/idiopathische-skoliose/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[PD Dr. med. Stavros Oikonomidis]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2026 08:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Die idiopathische Skoliose ist eine komplexe, dreidimensionale Deformität der Wirbelsäule und des Rumpfes, die typischerweise bei ansonsten gesunden Kindern und Jugendlichen auftritt. Da die Erkrankung vor allem in den Phasen [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die idiopathische Skoliose ist eine komplexe, dreidimensionale Deformität der Wirbelsäule und des Rumpfes, die typischerweise bei ansonsten gesunden Kindern und Jugendlichen auftritt. Da die Erkrankung vor allem in den Phasen starken Körperwachstums voranschreitet, spricht man häufig von der adoleszenten idiopathischen Skoliose. Die Ätiologie der Skoliose gilt als multifaktoriell, wobei genetische, biomechanische und umweltbedingte Faktoren eine Rolle spielen [1].</b></p>
<p>Das primäre Ziel konservativer Behandlungen ist es, eine Progredienz der Krümmung zu verhindern und somit invasive Maßnahmen wie Operationen oder rigide Korsettbehandlungen abzuwenden. In der Praxis werden hierfür häufig therapeutische Übungen eingesetzt, die in zwei Hauptkategorien fallen: Physiotherapeutische skoliose-spezifische Übungen (PSSÜ), die auf aktiver Selbstkorrektur und Stabilisierung beruhen, und allgemeine therapeutische Übungen (ATÜ) ohne spezifische Selbstkorrekturkomponente. Dieser Artikel beleuchtet die Evidenz für den Einsatz von allgemeiner sportlicher Aktivität in der Prävention, Begleitung und konservativen Therapie der idiopathischen Skoliose, grenzt diese von spezifischen physiotherapeutischen Übungen ab und gibt einen Ausblick auf die Behandlungsmethoden.</p>
<h2><b>Genereller Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Skoliose</b></h2>
<p>Ein aktueller systematischer Review von Qi et al. untersuchte die Korrelation zwischen körperlicher Aktivität und der adoleszenten idiopathischen Skoliose. In diese systematischen Übersichtsarbeit wurden acht Studien eingeschlossen. Sechs Studien berichteten über eine Assoziation zwischen der idiopathischen Skoliose und dem Level an körperlicher Aktivität. Hier wurden durch sechs Studien Hinweise präsentiert, dass minimale körperliche Aktivität ein Risikofaktor für die Entstehung und Entwicklung einer idiopathischen Skoliose sind [1]. Fehlende oder minimale körperliche Aktivität wird in der wissenschaftlichen Literatur als möglicher ursächlicher Faktor für das Auftreten der idiopathischen Skoliose angesehen. Eine britische Studie ergab sogar, dass eine reduzierte körperliche Funktion und Aktivität in der frühen Lebensphase (erste Lebensjahre / Laufbeginn bis zum 10. Lebensjahr) einen Risikofaktor für das spätere Auftreten einer Skoliose darstellt [2]. Schlussfolgernd kann man zusammenfassen, dass es eine Assoziation von körperlicher Aktivität und der adoleszenten idiopathischen Skoliose gibt. Aus diesem Grund sollte die körperliche Aktivität – auch im frühen Alter – gefördert werden, da sie eine wichtige Rolle bei der Prävention spielt.</p>
<figure id="attachment_22991" aria-describedby="caption-attachment-22991" style="width: 567px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-22991" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-567x1024.jpg" alt="" width="567" height="1024" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-567x1024.jpg 567w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-166x300.jpg 166w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-768x1387.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-850x1536.jpg 850w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-150x271.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-450x813.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326.jpg 1063w" sizes="(max-width: 567px) 100vw, 567px" /><figcaption id="caption-attachment-22991" class="wp-caption-text">Röntgenaufnahme einer 13- jährigen Patientin mit einer idiopathischen links­konvexen thorakolumbalen Skoliose (links). Deutliche Korrektur der thorakolumbalen Krümmung mit einer Korsettversorgung. Die zusätzliche Behandlung mit Skoliose-­spezifischen physiotherapeutischen Übungen und die allgemeine körperliche Aktivität sind essenziell für die Ergebnisse der Therapie.</figcaption></figure>
<h2><b>Direkte Effekte von Sport und PSSÜ auf die Progression der Skoliose</b></h2>
<p>Der wohl wichtigste Aspekt für Patienten und behandelnde Ärzte ist die Frage, ob Sport die Progression der Wirbelsäulenverkrümmung aufhalten kann. Ein systematisches Cochrane-Review von Romano et al. (2024) evaluierte die Wirksamkeit von PSSÜ und ATÜ im Vergleich zu Nichtbehandlung, anderen nicht-operativen Therapien (z. B. Korsett) oder zwischen den Übungsarten selbst [4]. In der Literaturrecherche wurden 13 randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt 583 Probanden in die Analyse eingeschlossen. Das Durchschnittsalter der vorwiegend weiblichen Teilnehmer lag zwischen 12 und 15 Jahren. Die Behandlungsdauer in den Studien variierte zwischen 12 und 42 Monaten [3]. Die Datenlage bezüglich der Reduktion des Cobb-Winkels durch ATÜ im Vergleich zu keiner Behandlung ist sehr unsicher. PSSÜ scheinen den Rumpfrotationswinkel kaum zu beeinflussen und erzielen lediglich geringfügige Verbesserungen bei der objektiven Taillenasymmetrie und der allgemeinen Lebensqualität. Im Bereich des subjektiven Selbstbildes konnten keine nennenswerten Unterschiede festgestellt werden. Klinisch bedeutsame Effekte zeigten sich hingegen bei der Reduktion von Rückenschmerzen durch ATÜ. Wird eine Korsettbehandlung durch PSSÜ ergänzt, zeigt Evidenz von niedriger Qualität eine marginale Reduktion des Cobb-Winkels (MD – 2,2°), die jedoch nicht als klinisch bedeutsam eingestuft wird. Subjektive und kosmetische Ergebnisse sowie die Lebensqualität wurden durch die Kombination nicht messbar verbessert. Die Ergänzung von Interventionen wie Elektrostimulation und Traktion durch ATÜ führte hingegen zu einer klinisch bedeutsamen Reduktion des Cobb-Winkels (MD – 8,0°). Ebenso konnte eine klinisch relevante Schmerzreduktion nachgewiesen werden, wenn PSSÜ mit unterstützender manueller Therapie kombiniert wurde.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ein direkter Vergleich beider Übungsformen liefert bezüglich der Reduktion des Cobb-Winkels eine sehr unsichere Evidenz. Moderat gesicherte Evidenz zeigt jedoch, dass PSSÜ den Rumpfrotationswinkel effektiver und klinisch bedeutsamer reduzieren als ATÜ. Zudem weist Evidenz von niedriger Qualität darauf hin, dass PSSÜ einer starken Progredienz der Skoliotischen Deformität vorbeugen: In einer Studie verschlechterte sich der Zustand bei 38 % der ATÜ-Patienten um mehr als 5° Cobb, während dies in der PSSÜ-Gruppe nur bei 7 % der Fall war [3]. Eine groß angelegte Beobachtungsstudie von Negrini et al. liefert hierzu relevante klinische Daten [5]. Die Studie untersuchte eine Population von 511 Patienten mit einer juvenilen oder adoleszenten idiopathischen Skoliose und einem Cobb Winkel von 11° bis 25°. Ein entscheidendes Merkmal dieser Population war, dass sich alle Teilnehmer im Reifegrad „Risser 0 – 2“ befanden. Das Risser-Zeichen ist ein radiologischer Parameter für die Skelettreife; die Stufen 0 bis 2 markieren die Phase des stärksten Wachstums, in der das Risiko für eine rapide Verschlechterung der Skoliose am höchsten ist. Die Patienten wurden nach 1. Jahr klinisch und radiologisch nachuntersucht. Die Ergebnisse der Studie belegen, dass regelmäßige sportliche Aktivität (1- bis 4-mal pro Woche) das Risiko für die Progression der idiopathischen Skoliose um ca. 46 % reduzieren kann [1].<span class="Apple-converted-space">  </span>Darüber hinaus zeigte die Studie einen weiteren Vorteil: Durch die Ausübung von Sport konnte die Notwendigkeit einer Korsettbehandlung deutlich verringert werden. Da das Tragen eines orthopädischen Korsetts für Jugendliche oft mit starken psychischen und physischen Belastungen (wie Einschränkungen im Alltag und Problemen mit dem Körperbild) verbunden ist, stellt die Reduktion der Korsett-Indikation durch Sport einen Vorteil für die Lebensqualität der betroffenen Patienten dar.</p>
<p>Zusammenfassend liefert die Literaturrecherche Hinweise, dass allgemeiner Sport (wie Fußball, Schwimmen oder Leichtathletik) die allgemeine Rumpfstabilität, das kardiovaskuläre System und das psychische Wohlbefinden fördert. Allgemeine therapeutische Übungen zielen jedoch nicht spezifisch auf die asymmetrische, dreidimensionale Deformität der Wirbelsäule ab. Aus diesem Grund sollten sogenannte physiotherapeutische Skoliose-spezifische Übungen als fundamentale Säule der konserva­tiven Therapie eingesetzt werden [2].</p>
<h2><b>PSSÜ am Beispiel der Schroth-Methode</b></h2>
<p>Um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, sollte der allgemeine Sport durch PSSÜ ergänzt werden. Eine der weltweit bekanntesten und am besten evaluierten PSSÜ-Methoden ist die Schroth-Therapie. Ein systematischer Review mit Meta-Analyse von Dimitrijevic et al. (2022) untersuchte die Effektivität dieser speziellen Methode [8]. Im Gegensatz zum allgemeinen Sport nutzen die Skoliose-spezifischen Übungen nach Schroth asymmetrische Haltungsschulung, spezielle Atemtechniken und muskuläre Aktivierung, um der individuellen Krümmung der Wirbelsäule gezielt dreidimensional entgegenzuwirken. Die Analyse bestätigte, dass die Schroth-Methode gute Resultate bei der Reduzierung der Progression der idiopathischen Skoliose erzielt. Eine weitere Metaanalyse aus dem Jahr 2023 liefert wissenschaftliche Hinweise, dass durch PSSÜ eine bessere Korrektur des Cobb Winkels im Vergleich zur ATÜ erzielt werden konnte [6]. Die Kom­bination aus beiden Ansätzen – der allgemeinen körperlichen Aktivität zur Förderung der Gesundheit, Ausdauer und Prävention von Begleiterkrankungen und der spezifischen Therapie wie der Schroth-Methode, die zur gezielten Korrektur und muskulären Stabilisierung der Deformität dient – stellt somit den Goldstandard in der modernen konservativen Skoliosebehandlung dar [3].</p>
<h2><b>Zusammenfassung und klinische Implikationen</b></h2>
<p>Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sportliche Aktivität ein unverzichtbarer Baustein im Leben von Patienten mit idiopathischer Skoliose ist.</p>
<ul>
<li>Prävention und Risikominderung: Eine hohe körperliche Aktivität scheint mit einer geringeren Inzidenz bzw. einem milderen Verlauf der Skoliose assoziiert zu sein.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Klinischer Nutzen: Regelmäßige Sportteilnahme bei Jugendlichen<br />
im Wachstum kann die Progression der Krümmung senken und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Korsett getragen werden muss, verringern.</li>
<li>Abgrenzung: Sport ist essenziell, darf aber medizinisch nicht mit einer spezifischen Therapie verwechselt werden.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Spezifische Ergänzung: Die optimale konservative Versorgung beinhaltet neben dem allgemeinen Sport, Skoliose-spezifische Übungen (wie die Schroth-Methode), die nachweislich das Voranschreiten der Krümmung aufhalten können.</li>
</ul>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Patienten, Eltern und Ärzte sollten daher ein klares Ziel verfolgen: Jugendliche mit idiopathischer Skoliose sollten keinesfalls geschont oder von sportlichen Aktivitäten ausgeschlossen werden. Im Gegenteil: Ein aktiver Lebensstil ist eine effektive Maßnahme, um die Integrität der Wirbelsäule zu unterstützen, die Notwendigkeit invasiverer Maßnahmen zu minimieren und die allgemeine Lebensqualität nachhaltig zu steigern.</p>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li>Smit TH. On growth and scoliosis. Eur Spine J. 2024, Bde. Jun;33(6):2439-2450. doi: 10.1007/s00586-024-08276-9. Epub 2024 May 5. PMID: 38705903.</li>
<li>Qi X, Peng C, Fu P, Zhu A, Jiao W. Correlation between physical activity and adolescent idiopathic scoliosis: a systematic review. BMC Musculoskelet Disord. 2023, Bde. Dec 19;24(1):978. doi: 10.1186/s12891-023-07114-1. PMID: 38115016; PMCID: PMC10729348.</li>
<li>Tobias JH, Fairbank J, Harding I, Taylor HJ, Clark EM. Association between physical activity and scoliosis: a prospective cohort study. . Int J Epidemiol. 2019, Bde. Aug 1;48(4):1152-1160. doi: 10.1093/ije/dyy268. PMID: 30535285; PMCID: PMC6896242.</li>
<li>Romano M, Minozzi S, Bettany-Saltikov J, Zaina F, Chockalingam N, Kotwicki T, Maier-Hennes A, Arienti C, Negrini S. Therapeutic exercises for idiopathic scoliosis in adolescents. Cochrane Database Syst Rev. 2024, Bd. Feb 28;2(2):CD007837. doi: 10.1002/14651858.CD007837.pub3. PMID: 38415871; PMCID: PMC10900302.</li>
<li>Negrini A, Donzelli S, Vanossi M, Poggio M, Cordani C, Zaina F, Negrini S. Sports participation reduces the progression of idiopathic scoliosis and the need for bracing. An observational study of 511 adolescents with Risser 0-2 maturation stage. Eur J Phys Rehabil Med. 2023, Bde. Apr;59(2):222-227. doi: 10.23736/S1973-9087.23.07489-0. Epub 2023 Mar 9. PMID: 36892518; PMCID: PMC10167700.</li>
<li>Negrini S, Donzelli S, Aulisa AG, Czaprowski D, Schreiber S, de Mauroy JC, Diers H, Grivas TB, Knott P, Kotwicki T, Lebel A, Marti C, Maruyama T, O&#8217;Brien J, Price N, Parent E, Rigo M, Romano M, Stikeleather L, Wynne J, Zaina F. 2016 SOSORT guidelines: orthopaedic and rehabilitation treatment of idiopathic scoliosis during growth. Scoliosis Spinal Disord. 2018, Bde. Jan 10;13:3. doi: 10.1186/s13013-017-0145-8. PMID: 29435499; PMCID: PMC5795289.</li>
<li>Ma K, Wang C, Huang Y, Wang Y, Li D, He G. The effects of physiotherapeutic scoliosis-specific exercise on idiopathic scoliosis in children and adolescents: a systematic review and meta-analysis. Physiotherapy. 2023, Bde. Dec;121:46-57. doi: 10.1016/j.physio.2023.07.005. Epub 2023 Jul 24. PMID: 37820462.</li>
<li>Dimitrijević V, Šćepanović T, Jevtić N, Rašković B, Milankov V, Milosević Z, Ninković SS, Chockalingam N, Obradović B, Drid P. Application of the Schroth Method in the Treatment of Idiopathic Scoliosis: A Systematic Review and Meta-Analysis. . nt J Environ Res Public Health. 2022, Bd. Dec 13;19(24):16730. doi: 10.3390/ijerph192416730. PMID: 36554613; PMCID: PMC9779560.</li>
<li>Khaleeq T, Jaly I, Lea M, Tokala DP, Davidson N, Trivedi J, Munigangaiah S. Return to sports activities following posterior scoliosis correction and instrumented fusion for adolescent idiopathic scoliosis and its correlation to Lenke classification. J Craniovertebr Junction Spine. 2024, Bde. Oct-Dec;15(4):419-426. doi: 10.4103/jcvjs.jcvjs_123_24. Epub 2025 Jan 15. PMID: 40061196; PMCID: PMC11888032.</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lebensstilveränderungen und biologische Alterungsprozesse</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/23080/lebensstilveraenderungen-und-biologische-alterungsprozesse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sportärztezeitung]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2026 07:43:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[90 Sek]]></category>
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					<description><![CDATA[Kann ein umfassender gesunder Lebensstil biologische Alterungsprozesse beeinflussen? Dieser Frage gingen Ornish und Kollegen in einer 5-Jahres-Nachbeobachtung bei Männern mit biopsiebestätigtem Prostatakarzinom mit niedrigem Risiko nach. Telomere sind Schutzstrukturen an [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kann ein umfassender gesunder Lebensstil biologische Alterungsprozesse beeinflussen? Dieser Frage gingen Ornish und Kollegen in einer 5-Jahres-Nachbeobachtung bei Männern mit biopsiebestätigtem Prostatakarzinom mit niedrigem Risiko nach.</strong></p>
<p data-pm-slice="1 1 []">Telomere sind Schutzstrukturen an den Enden unserer Chromosomen. Sie stabilisieren die DNA und werden bei jeder Zellteilung tendenziell kürzer. Eine verkürzte Telomerlänge wird deshalb als möglicher Marker für zelluläres Altern und verschiedene Erkrankungen untersucht. Telomerase ist ein Enzym, das Telomere erhalten bzw. verlängern kann. Die gemessene Telomeraseaktivität beschreibt dabei, wie aktiv dieses Enzym in den untersuchten Zellen ist.</p>
<p>In die Pilotstudie wurden 35 Männer unter aktiver Überwachung einbezogen. Zehn Teilnehmer absolvierten ein umfassendes Lebensstilprogramm mit Ernährungsumstellung, körperlicher Aktivität, Stressmanagement und sozialer Unterstützung. 25 Männer dienten als externe Kontrollgruppe und führten die aktive Überwachung ohne entsprechende Intervention fort. Nach fünf Jahren zeigte sich in der Interventionsgruppe eine Zunahme der relativen Telomerlänge, während sie in der Kontrollgruppe abnahm. Der Gruppenunterschied war statistisch signifikant (p=0,03). Zudem war eine stärkere Umsetzung der Lebensstilveränderungen unabhängig von Alter und Beobachtungsdauer mit einer größeren relativen Telomerlänge assoziiert (p=0,005). Für die Telomeraseaktivität zeigte sich dagegen kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen (p=0,64); auch ein Zusammenhang mit der Adhärenz an die Lebensstilmaßnahmen ließ sich nicht nachweisen.</p>
<p><strong>Fazit: </strong>Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass umfassende Lebensstilveränderungen möglicherweise mit einer günstigeren Entwicklung der Telomerlänge verbunden sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Originalarbeit:</p>
<div class="item-pub-authors"><a href="https://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045(13)70366-8/abstract"><em>Ornish D, Lin J, Chan J et al. Effect of comprehensive lifestyle changes on telomerase activity and telomere length in men with biopsy-proven low-risk prostate cancer: 5-year follow-up of a descriptive pilot study. The Lancet Oncology, 2013; 14, 1112-1120</em></a></div>
<div></div>
<div><em>Veröffentlicht am 24.09.2026</em></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>100 HYROX Pro in 100 Tagen</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22882/100-hyrox-pro-in-100-tagen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[PD Dr. med. Christophe Lambert,&nbsp;Dr. med. Maxime Lambert&nbsp;,&nbsp;Dr. Giordano Scinicarelli]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2026 08:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Für den Weltrekordversuch von Simon Gronau wurde eigens eine Halle im Kölner Umland angemietet, in welcher unter standardisierten Bedingungen ein HYROX-Pro-Parcours aufgebaut und über 100 Tage täglich durchgeführt wurde. Neben [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Für den Weltrekordversuch von Simon Gronau wurde eigens eine Halle im Kölner Umland angemietet, in welcher unter standardisierten Bedingungen ein HYROX-Pro-Parcours aufgebaut und über 100 Tage täglich durchgeführt wurde. Neben dem Athleten war ein großes interdisziplinäres Team aus Trainern, Physiotherapie, Sportmedizin, Orthopädietechnik und weiteren Betreuern eingebunden. Ziel war es, außergewöhnliche sportliche Leistungen unter maximaler medizinischer Sicherheit zu ermöglichen.</b></p>
<h2><b>HYROX Pro – Belastungsprofil</b></h2>
<p>Ein HYROX Pro der Männer besteht aus acht 1-km-Laufabschnitten, zwischen denen eine von acht funktionellen Übungen durchgeführt wird:</p>
<ul>
<li>SkiErg – 1.000 m</li>
<li>Sled Push – 202 kg (inkl. Schlitten)</li>
<li>Sled Pull – 152 kg (inkl. Schlitten)</li>
<li>Burpee Broad Jumps</li>
<li>Row – 1.000 m</li>
<li>Farmers Carry – 2 × 32 kg</li>
<li>Sandbag Lunges – 30 kg</li>
<li>100 Wall Balls – 9 kg</li>
</ul>
<p>Bereits ein einzelner HYROX-Pro-Wettkampf stellt selbst für sehr gut trainierte Athleten eine außergewöhnliche körperliche Belastung dar. Simon ist als langjähriger Triathlet und Teilnehmer der letztjährigen HYROX-WM ein erfahrener und leistungsstarker Sportler, aber das Projekt mit 100 Wettkämpfen an 100 aufeinanderfolgenden Tagen überschreitet die bisher bekannten Belastungsumfänge deutlich.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fallbeschreibung</b></h2>
<p>Nach 38 absolvierten Wettkampftagen traten belastungsabhängige Schmerzen im Bereich des rechten Mittelfußes auf. Die MRT-Diagnostik ergab ein ausgeprägtes Knochenmarködem mit fissuraler Fraktur des zweiten Mittelfuß­knochens (MFK II). In der Kontroll­untersuchung nach zwei Wochen zeigte sich eine Befundverschlechterung, woraufhin der Athlet auf Veranlassung seiner Physiotherapeutin in unserer sportorthopädischen Sprechstunde vorgestellt wurde. Die erneute Beurteilung der MRT-Aufnahmen bestätigte die Diagnose. Obwohl die klinischen Beschwerden vergleichsweise gering ausgeprägt waren, wurde bei der weiteren Entscheidungsfindung die erfahrungsgemäß hohe Schmerztoleranz von Spitzensportlern berücksichtigt.</p>
<h2><b>Entscheidungsfindung</b></h2>
<p>Bereits im ersten Gespräch bestand zwischen dem Athleten und dem gesamten Betreuungsteam Einigkeit darüber, dass seine Gesundheit jederzeit Vorrang vor dem Weltrekordversuch haben würde. Eine Fortsetzung des Projekts kam daher ausschließlich bei stabiler klinischer und radiologischer Befundlage sowie unter engmaschigen MRT-Verlaufskontrollen infrage. Jede klinische oder bildmorphologische Verschlechterung hätte zum sofortigen Abbruch des Weltrekordversuchs geführt.</p>
<h2><b>Therapeutisches Konzept und Ernährung &amp; Regeneration</b></h2>
<p>Nach gemeinsamer interdisziplinärer Entscheidungsfindung wurde ein ganzheitliches Therapieschema mit engmaschigen Kontrollen etabliert.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der Athlet stellte sich zweimal pro ­Woche in unserer Praxis vor. Jede Behandlung umfasste eine fokussierte Stoßwellentherapie (DolorClast® Focused Shock Waves, EMS), eine extrakorporale ­Mag­neto­transduktions-Therapie (MAGNETOLITH® Ultra, Storz Medical) sowie eine Hochleistungslasertherapie (Power­Twin 21 XP5, MKW-Lasersystems).<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ziel war die Unterstützung der biolo­gischen Knochenheilung im Rahmen eines multimodalen Gesamtkonzeptes [1 – 3]. Parallel absolvierte der Athlet mehrmals wöchentlich physiotherapeutische Behandlungen mit Schwerpunkt auf Muskelentspannung, Gelenkmo­bilisation, neuromuskulärer Kontrolle und Stabilisierung. Ergänzend erfolgte eine biomechanische Laufanalyse einschließlich Fußabdruckmessung. Die Analyse zeigte, dass sich durch kleine Veränderungen des Laufstils die Hauptbelastung des Mittelfußes reduzieren ließ. Gemeinsam mit Simons Ausrüster Puma und der Orthopädie-Schuhtechnik Hartmann wurde deshalb ein individuell modifizierter Wettkampfschuh entwickelt. Dafür wurde eine angepasste Carbonplatte in die Sohle integriert. Dadurch konnte bei der Abrollbewegung die Belastung auf den Mittelfuß deutlich reduziert werden. Zusätzlich optimierte der Athlet seine Ernährung mit erhöhter Kalorienzufuhr, Vitamin-D-Substitution, calciumreicher Ernährung und Omega-3-Fettsäuren. Die Schlafdauer wurde auf mindestens neun Stunden pro Nacht erhöht. Zur Regenerationsförderung nutzte er täglich eine Kältekammer.</p>
<figure id="attachment_22889" aria-describedby="caption-attachment-22889" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22889" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-1024x515.jpg" alt="" width="755" height="380" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-1024x515.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-300x151.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-768x386.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-150x75.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-450x226.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-1200x603.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22889" class="wp-caption-text">Unterschiede in der Standphase beim Laufen – ohne und mit Lauf-Korrektur. Links: Single-Leg Support: R &lt; L (Diff. 15 %) Rechts: Single-Leg Support: R = L (Diff. 3.6 %)</figcaption></figure>
<figure id="attachment_22887" aria-describedby="caption-attachment-22887" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22887" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-1024x539.jpg" alt="" width="755" height="397" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-1024x539.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-300x158.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-768x404.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-150x79.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-450x237.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-1200x632.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22887" class="wp-caption-text">Speziell angepasster Schuh mit integrierter Carbonplatte in der Sohle</figcaption></figure>
<h2><b>Verlaufskontrollen</b></h2>
<p>Zwischen den behandelnden Ärzten, der Physiotherapie, dem Trainerteam und dem Athleten fand ein enger, kontinuierlicher Austausch statt. Im Abstand von zwei Wochen erfolgten MRT-Kontrollen. Bei jeder Verschlechterung des Beschwerdebildes wäre die Bildgebung vorgezogen worden. Eine Verschlechterung des Befundes hätte zum Abbruch des Weltrekordversuchs geführt.</p>
<h2><b>MRT-Verlauf und klinische Kontrolle</b></h2>
<p>Die initiale MRT-Untersuchung zeigte ein ausgeprägtes Knochenmarködem mit einer Fissur des zweiten Mittelfußknochens. Bei der ersten MRT-Verlaufskontrolle nach zwei Wochen war der Befund unverändert. Vier Wochen nach Therapiebeginn zeigte sich eine deutliche Rückbildung des Ödems; die Fissur war nur noch diskret nachweisbar. In den letzten beiden Wochen des Weltrekordversuchs war Simon auch unter Belastung schmerzfrei. Fünf Tage nach Abschluss des Versuchs zeigte sich nur noch eine minimale ödematöse Reaktion des Knochens und der Athlet war weiterhin vollständig beschwerdefrei.</p>
<figure id="attachment_22890" aria-describedby="caption-attachment-22890" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22890" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-1024x512.jpg" alt="" width="755" height="378" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-1024x512.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-300x150.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-768x384.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-150x75.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-450x225.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-1200x600.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22890" class="wp-caption-text">MRT-Verlauf der Stressfraktur des zweiten Mittelfußknochens: Erstdiagnose, Verlauf nach vier Wochen und nach Abschluss des Weltrekordversuchs</figcaption></figure>
<h2><b>Diskussion &amp; Fazit</b></h2>
<p>Dieser Fall verdeutlicht die Bedeutung einer individuell abgestimmten sportmedizinischen Betreuung im Hochleistungssport. Entscheidend war nicht eine einzelne therapeutische Maßnahme, sondern das interdisziplinäre Zusammenspiel von klinischer Untersuchung, wiederholter MRT-Diagnostik, physikalischen und physiotherapeutischen Maßnahmen, biomechanischer Analyse, angepasster Schuhversorgung, Ernährung und Regeneration. Der geschilderte Verlauf ist ausdrücklich nicht als allgemeine Therapieempfehlung zu verstehen, sondern dokumentiert die Betreuung eines außergewöhnlichen Einzelfalls unter engmaschiger interdisziplinärer Kontrolle. Außergewöhnliche Leistungen erfordern außergewöhn­liche Medizin – aber niemals auf Kosten der Gesundheit. Die Gesundheit des Athleten hatte während des gesamten Projektes Vorrang.</p>
<figure id="attachment_22888" aria-describedby="caption-attachment-22888" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22888" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-755x1024.jpg" alt="" width="755" height="1024" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-755x1024.jpg 755w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-221x300.jpg 221w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-768x1042.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-1132x1536.jpg 1132w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-150x204.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-450x611.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-1200x1628.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326.jpg 1415w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22888" class="wp-caption-text">Erfolgreicher Abschluss des Weltrekordversuchs mit Weltrekord­urkunde</figcaption></figure>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Knobloch K. Knochenstimulation 4.0 – Kombination aus EMTT und ESWT bei Humeruspseudarthrose: Ein Fallbericht [Bone stimulation 4.0-Combination of EMTT and ESWT in humeral nonunion: A case report]. Unfallchirurg. 2022 Apr;125(4):323-326. German. doi: 10.1007/s00113-021-01025-3. Epub 2021 Jun 16. PMID: 34136941; PMCID: PMC8940790.</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Berni M, Brancato AM, Torriani C, Bina V, Annunziata S, Cornella E, Trucchi M, Jannelli E, Mosconi M, Gastaldi G, Caliogna L, Grassi FA, Pasta G. The Role of Low-Level Laser Therapy in Bone Healing: Systematic Review. Int J Mol Sci. 2023 Apr 12;24(8):7094. doi: 10.3390/ijms24087094. PMID: 37108257; PMCID: PMC10139216.</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Kertzman P, Császár NBM, Furia JP, Schmitz C. Radial extracorporeal shock wave therapy is efficient and safe in the treatment of fracture nonunions of superficial bones: a retrospective case series. J Orthop Surg Res. 2017 Nov 6;12(1):164. doi: 10.1186/s13018-017-0667-z. PMID: 29110711; PMCID: PMC5674749.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zwerchfell (diaphragm): mehr als nur ein Atemmuskel</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/23033/zwerchfell-diaphragm-mehr-als-nur-ein-atemmuskel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sportärztezeitung]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2026 07:27:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[90 Sek]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Zwerchfell ist nicht nur zentral für die Atmung, sondern spielt auch eine wesentliche Rolle bei der posturalen Stabilisierung. Wie sich beide Funktionen unter körperlicher Belastung verhalten, untersuchte eine Studie [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="isSelectedEnd">Das Zwerchfell ist nicht nur zentral für die Atmung, sondern spielt auch eine wesentliche Rolle bei der posturalen Stabilisierung. Wie sich beide Funktionen unter körperlicher Belastung verhalten, untersuchte eine Studie an 31 gesunden Probanden. Mithilfe der M-Mode-Ultraschallsonografie wurden die Zwerchfellbewegungen beim Heben einer Last unter unterschiedlichen Atembedingungen analysiert. Ergänzend erfolgten Spirometrie und die Messung der Bauchwandspannung.</p>
<p class="isSelectedEnd">Unter Belastung zeigte sich eine deutliche kaudale Verlagerung des Zwerchfells. Beim Heben ohne Atmung betraf dies vor allem die exspiratorische Position. Bei gleichzeitig natürlicher Atmung verlagerte sich dagegen die inspiratorische Position nach kaudal. Zudem nahm der gesamte Bewegungsumfang des Zwerchfells signifikant zu.</p>
<p class="isSelectedEnd">Interessant ist, dass eine willkürliche Anspannung der Bauchmuskulatur während der Atmung diese Zwerchfellbewegungen nicht relevant veränderte. Obwohl die Bauchwandspannung beim Heben deutlich zunahm, blieb die Zwerchfellfunktion erhalten.</p>
<h3><strong>Take home message</strong></h3>
<p>Die Ergebnisse unterstreichen die enge Verbindung von Atmung und posturaler Kontrolle. Unter Belastung passt sich das Zwerchfell dynamisch an und erfüllt seine stabilisierende Funktion offenbar unabhängig von der respiratorischen Aktivität. Dies unterstreicht seine Bedeutung für die neuromuskuläre Rumpfkontrolle und macht das Zwerchfell auch aus sportmedizinischer Perspektive zu einem interessanten funktionellen Ansatzpunkt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Originalarbeit:</p>
<p><a href="https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0275389"><em>Sembera M, Busch A, Kobesova A, Hanychova B, Sulc J, Kolar P (2022) Postural-respiratory function of the diaphragm assessed by M-mode ultrasonography. PLoS ONE 17(10): e0275389. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0275389</em></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Veröffentlicht am 17.09.2026</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Umsetzung von Self-Care-Maßnahmen für Gesundheit und Wohlbefinden</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22985/umsetzung-von-self-care-massnahmen-fuer-gesundheit-und-wohlbefinden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sportärztezeitung]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 07:50:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[90 Sek]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht in Self-Care-Interventionen einen wichtigen Baustein moderner Gesundheitssysteme. Die 2024 veröffentlichte Implementierungsleitlinie zeigt, wie evidenzbasierte Self-Care-Angebote auf nationaler und regionaler Ebene eingeführt und in bestehende Versorgungsstrukturen integriert [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="isSelectedEnd">Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht in Self-Care-Interventionen einen wichtigen Baustein moderner Gesundheitssysteme. Die 2024 veröffentlichte Implementierungsleitlinie zeigt, wie evidenzbasierte Self-Care-Angebote auf nationaler und regionaler Ebene eingeführt und in bestehende Versorgungsstrukturen integriert werden können. Ziel ist es, Menschen mehr Möglichkeiten zur eigenständigen Gesundheitsförderung und Versorgung zu geben und gleichzeitig die Effizienz, Erreichbarkeit und Resilienz der Gesundheitssysteme zu verbessern.</p>
<p class="isSelectedEnd">Unter Self-Care versteht die WHO nicht nur individuelle Lebensstilentscheidungen, sondern auch evidenzbasierte Interventionen wie Medikamente, diagnostische Verfahren, Monitoring-Systeme oder digitale Anwendungen, die teilweise oder vollständig außerhalb medizinischer Einrichtungen eingesetzt werden können. Dazu zählen beispielsweise Blutdruck-Selbstmessungen, bestimmte Selbsttests oder digitale Gesundheitsangebote.</p>
<p class="isSelectedEnd">Eine zentrale Botschaft der WHO lautet: <strong>Self-Care soll professionelle Gesundheitsversorgung ergänzen, nicht ersetzen.</strong> Entscheidend sind deshalb eine hohe Qualität der Interventionen, verständliche und verlässliche Informationen sowie der Zugang zu qualifizierten Gesundheitsfachkräften. Diese sollen Menschen bei der Auswahl und Anwendung geeigneter Maßnahmen unterstützen und bei Komplikationen oder Unsicherheiten erreichbar sein.</p>
<p class="isSelectedEnd">Für die Umsetzung betrachtet die WHO sechs zentrale Bereiche des Gesundheitssystems: Information, Gesundheitsfachkräfte, Leistungserbringung, Führung und Governance, medizinische Produkte und Technologien sowie Finanzierung. Ergänzend werden Implementierungsforschung sowie Monitoring und Evaluation empfohlen.</p>
<p><strong>Für die Sportmedizin relevant:</strong> Auch Prävention, Bewegung, Schlaf, Ernährung und Stressmanagement beruhen wesentlich auf gesundheitsbezogener Eigenverantwortung. Voraussetzung für einen sinnvollen Self-Care-Ansatz sind jedoch Gesundheitskompetenz, evidenzbasierte Empfehlungen und eine klare Einbindung professioneller Beratung. Self-Care ist damit weniger ein Rückzug des Gesundheitssystems als vielmehr eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Patientinnen und Patienten und Gesundheitsfachkräften.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vollständiger Artikel zum Weiterlesen:</p>
<h3 class="dynamic-content__heading"><a href="https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/bd726825-1d8d-47fe-b2a5-59f271843ccd/content">Implementation of self-care interventions for health and well-being: guidance for health systems</a></h3>
<p>ISBN 978-92-4-009488-8 (electronic version)</p>
<p>© World Health Organization 2024</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>STOP-X 2.0</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22832/stop-x-2-0/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. rer. medic. Arthur Praetorius&nbsp;,&nbsp;Dr. Christian Raeder]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 08:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22832</guid>

					<description><![CDATA[(Im Namen des Komitees Prävention, Rehabilitation und konservative Therapie &#38; des Komitees Ligamentverletzungen der Deutschen Kniegesellschaft (DKG)) Schwere Kniegelenkverletzungen, allen voran die Ruptur des vorderen Kreuzbands (VKB), gehören zu den [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>(Im Namen des Komitees Prävention, Rehabilitation und konservative Therapie &amp; des Komitees Ligamentverletzungen der Deutschen Kniegesellschaft (DKG))</b></p>
<p><b>Schwere Kniegelenkverletzungen, allen voran die Ruptur des vorderen Kreuzbands (VKB), gehören zu den folgenreichsten Verletzungen im Sport; ihre Inzidenz steigt vor allem bei jugendlichen und weiblichen Aktiven [1]. Multimodale neuromuskuläre Präventionsprogramme senken das Risiko substanziell, Metaanalysen beziffern die Reduktion auf rund 22 –</b><b> </b><b>90 %, stark abhängig von Adhärenz, Studienqualität und Population.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Vor diesem Hintergrund hat die DKG ihr Programm STOP-X überarbeitet. Der Beitrag ordnet die Evidenzlage ein, skizziert Entwicklung und Evaluation von STOP-X [2] und stellt die neue Trainingsstruktur entlang der vier Kernelemente Mobilität, Gelenkkontrolle, Kraft und Elastizität dar [3].</p>
<h2><b>Verletzungsinzidenz  und Wirksamkeit von Präventionsprogrammen</b></h2>
<h3><strong>Epidemiologie und Trend</strong></h3>
<p>Das Kniegelenk ist besonders anfällig für Verletzungen bei unkontrollierten Rotations- und Abbremsbewegungen; das vordere Kreuzband ist dabei die am häufigsten betroffene Gelenkstruktur [2]. Das absolute Rupturrisiko liegt bei etwa 1:3.500 pro Jahr, nach bereits versorgter Verletzung ist es deutlich erhöht (Prävalenz kontralateraler Rupturen 7 – 24 %) [2]. Rund 75 % der Rupturen entstehen ohne gegnerischen Kontakt beim Landen, Abstoppen oder bei Richtungswechseln, wenn sich das Bein in funktioneller X-Bein-Stellung befindet [2, 3]; Sportlerinnen sind im Ballsport 2,4- bis 9,5-mal häufiger betroffen [2]. Die Datenlage der vergangenen Jahre deutet auf eine steigende Zahl von VKB-Rekonstruktionen hin, wobei der Anstieg bei Kindern und Jugendlichen deutlicher ausfällt als bei Erwachsenen, begünstigt durch früh einsetzende, spezialisierte Wettkampfteilnahme sowie durch verbesserte Diagnostik [1]. Für die Prävention ist besonders relevant, dass der überwiegend nicht-kontaktbedingte, biomechanisch modifizierbare Verletzungsmechanismus einen plausiblen Ansatzpunkt für gezieltes Training bietet [3].</p>
<h3><strong>Wirksamkeit multimodaler Präventionsprogramme</strong></h3>
<p>Die Wirksamkeit neuromuskulärer Präventionsprogramme ist durch eine konsistente und wachsende Evidenzbasis gut belegt. Aktuelle systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen (Tab. 1) zeigen übereinstimmend eine relevante Reduktion von Knie- und VKB-Verletzungen. Eine Übersichtsarbeit von Meta-Analysen zu jugendlichen Athletinnen fand über elf Primärstudien eine Reduktion nicht-kontaktbedingter VKB-Verletzungen um 64 % (IRR 0,36) und empfiehlt multimodale Programme mit mindestens drei Übungskomponenten ab der Vorbereitungsphase [4]. Im weiblichen Mannschaftssport sinken Knieverletzungen um 22 %, VKB-Verletzungen um 50 %, wobei eine Adhärenz ≥ 75 % als wichtigster Wirkfaktor gilt [5, 6]. Zur Dosis-Wirkungs-Beziehung liefern zwei Metaanalysen aus 2025 konkrete Anhaltspunkte: Der größte Nutzen zeigte sich für Programme mit etwa 20–30 Minuten pro Einheit, 1–2 Einheiten pro Woche und einer Interventionsdauer von mindestens sechs Monaten [7] bzw., bei kürzeren Einheiten, mit einer Programmdauer von über 26 Wochen [8]. Für das FIFA-11+-Programm wurde im Fußball eine Reduktion unspezifischer Knieverletzungen um rund 47 % gezeigt [9]. Als wesentlich werden mehrere Umsetzungsprinzipien formuliert: In-Season-Training ist der Prävention während der reinen Vorbereitungsphase überlegen, Kraft- und Gleichgewichtsübungen waren in nahezu allen wirksamen Programmen enthalten, und die Effektstärke steigt mit der Adhärenz [4, 5, 7-9].</p>
<figure id="attachment_22918" aria-describedby="caption-attachment-22918" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22918" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius_saez0326-1024x832.jpg" alt="" width="755" height="613" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius_saez0326-1024x832.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius_saez0326-300x244.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius_saez0326-768x624.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius_saez0326-150x122.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius_saez0326-450x366.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius_saez0326.jpg 1164w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22918" class="wp-caption-text">Tab. 1 Ausgewählte Metaanalysen und Schlüsselstudien zur neuromuskulären Prävention. NMT = neuromuskuläres Training; IRR / RR = Inzidenzraten-/Risikoverhältnis; OR = Odds Ratio; NNT = Number Needed to Treat.</figcaption></figure>
<h2></h2>
<h3><strong>Schlüsselstudien: Effektstärken der Primärevidenz</strong></h3>
<p>Die aggregierten Effekte der Metaanalysen speisen sich aus einer Reihe zentraler Studien, die überwiegend im Handball und Frauenfußball durchgeführt wurden, also in genau jenem Kontext, für den STOP-X primär konzipiert ist. Die Cluster-randomisierte Studie von Olsen et al. an jugendlichen Handballteams zeigte eine Reduktion von Knie- und Sprunggelenkverletzungen um 50 % und von Kniebandrupturen um rund 80 % (RR 0,53; 95 %-KI 0,35–0,81), entsprechend einem Rückgang von 0,9 auf 0,5 Verletzungen pro 1.000 Spielstunden [10]. Für das VKB im Speziellen belegte die große Cluster-RCT von Waldén et al. bei adoleszenten Fußballerinnen eine Reduktion der VKB-Verletzungsrate um 64 % (Rate Ratio 0,36; 95 %-KI 0,15–0,85; p = 0,02); bei adhärenten Spielerinnen stieg die Reduktion auf 83 %, die Number Needed to Treat betrug 14 [11]. Die größten Effekte berichtete die community-basierte Interventionsstudie von Kiani et al. an jungen Fußballerinnen mit −77 % für Knieverletzungen insgesamt und −90 % für nicht-kontaktbedingte Knieverletzungen [12]. Ergänzend fand die Metaanalyse von Naderi et al. im Handball eine signifikante Risikoreduktion für Knieverletzungen (OR 0,53; p = 0,002) und VKB-Rupturen (OR 0,66; p = 0,03) [13]. Das Übersichtsarbeit von Meta-Analysen von Brunner et al. bestätigt die Wirksamkeit von „Multikomponenten-Programmen“ über mehrere Mannschaftssportarten hinweg [14] (Tab. 2).</p>
<table width="600">
<thead>
<tr>
<td width="137"><strong>Studie (Jahr)</strong></td>
<td width="170"><strong>Sportart / Design</strong></td>
<td width="293"><strong>Effekt (Risikoreduktion; Kennzahlen)</strong></td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td width="137"><strong>Olsen et al. 2005 </strong><strong>[10]</strong></td>
<td width="170">Handball; Cluster-RCT (n = 1.837)</td>
<td width="293">−50 % Knie/Sprunggelenk, −80 % Bandrupturen; RR 0,53 (0,35–0,81); 0,9 → 0,5/1.000 h</td>
</tr>
<tr>
<td width="137"><strong>Kiani et al. 2010 </strong><strong>[12]</strong></td>
<td width="170">Fußball, weibl.; Interventionsstudie (n = 1.506)</td>
<td width="293">−77 % Knie gesamt, −90 % nicht-kontakt; Rate Ratio 0,23 (0,04–0,83); 0,20 → 0,04/1.000 h</td>
</tr>
<tr>
<td width="137"><strong>Waldén et al. 2012 </strong><strong>[11]</strong></td>
<td width="170">Fußball, weibl.; Cluster-RCT (n = 4.564)</td>
<td width="293">−64 % VKB (RR 0,36; 0,15–0,85; p = 0,02); −83 % bei Adhärenz; NNT = 14</td>
</tr>
<tr>
<td width="137"><strong>Petersen et al. 2005 </strong><strong>[15]</strong></td>
<td width="170">Handball, weibl.; prosp. kontrolliert (n = 276)</td>
<td width="293">1 vs. 5 VKB-Rupturen; OR 0,17 (0,02–1,5)</td>
</tr>
<tr>
<td width="137"><strong>Naderi et al. 2023 </strong><strong>[13]</strong></td>
<td width="170">Handball; Metaanalyse</td>
<td width="293">Knie OR 0,53 (0,35–0,78; p = 0,002); VKB OR 0,67 (p = 0,03); Sprunggelenk OR 0,57</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><em>Tab. 2: Studien zur Wirksamkeit von Aufwärm-/Präventionsprogrammen im Ballsport. Das am detailliertesten beschriebene Programm (Knäkontroll, Waldén et al.) umfasst sechs Übungen mit je vier Progressionsstufen und ist ein konzeptioneller Verwandter von STOP-X. </em><em>RR = relatives Risiko/Rate Ratio; OR = Odds Ratio; NNT = Number Needed to Treat.</em></p>
<h2></h2>
<h2><b>Wirkmechanismus und Grenzen der Evidenz</b></h2>
<p>Als zentraler modifizierbarer Risikofaktor gilt der dynamische Valgus mit hohem Knieabduktionsmoment, prospektiv als Prädiktor des VKB-Verletzungsrisikos bei Athletinnen bestätigt [3]. Präventionsprogramme wirken plausibel über eine Verbesserung von Landemechanik, Rumpf- und Kniekontrolle; augmentiertes (verbales oder videobasiertes) Feedback verstärkt diese Effekte indem es beispielsweise eine „steife Landestrategie“ abmildert und eine Erhöhung des Knieflexionswinkels fördert [16, 17].</p>
<p>Die Spannbreite der berichteten Effekte (50–90 %) ist jedoch erheblich und sollte nicht unkritisch als einheitlicher Nutzen gelesen werden. Ein wesentlicher Teil der Heterogenität erklärt sich aus Studienqualität und -design: Die methodisch stringenteren Cluster-RCTs mit verblindeter Endpunkterhebung und MRT-Diagnostik ergaben mit 50–64 % konservativere Schätzungen, während die methodisch schwächere community-basierte Studie die höchsten Effekten (77–90 %) dokumentiert [10-12]. Auch hohe Ausfallraten, etwa 21 % Loss to Follow-up bei Waldén et al. mit ungleicher Verteilung zwischen den Gruppen und die nicht signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen aufgrund der geringen Anzahl dokumentierter Verletzungen, mahnen zur Vorsicht, werden aber durch Intention-to-treat-Analysen teilweise aufgefangen [11].</p>
<p>Hinzu kommen inhaltliche Grenzen, die für die Programmgestaltung unmittelbar relevant sind. Erstens sind nicht alle Bewegungsmuster gleich gut modifizierbar: Lande- und Stop-Jump-Mechanik verbessern sich zuverlässig, während hochdynamische Seitwärts-Cutting-Manöver trainingsresistenter sind und vermutlich sportartnahe, längere Interventionen erfordern [9]. Zweitens ist der Nutzen für nicht-kontaktbedingte Verletzungen (bis −90 %) größer als für alle Knieverletzungen (−77 %), was die biomechanische Wirkrichtung dieser Programme unterstreicht. Drittens stammt die Evidenz überwiegend von weiblichen Adoleszenten (12–19 Jahre) im Vereinssport; für männliche Athleten, Kinder und für den Wintersport fehlen belastbare Daten weitgehend. Diese Lücken definieren zugleich die Zielrichtung und die noch offenen Forschungsfragen moderner Programme wie STOP-X.</p>
<h2><b>Entwicklung und wissenschaftliche Evaluation von STOP-X</b></h2>
<h3><strong>Ursprung und Konzept</strong></h3>
<p>STOP-X wurde von den Komitees Prävention, Rehabilitation und konservative Therapie &amp; Ligamentverletzungen der Deutschen Kniegesellschaft (DKG) von Ärztinnen und Ärzten, Physiotherapeutinnen und Sportwissenschaftlern entwickelt. Der Programmname verweist auf das Kernkonzept: Da die funktionelle X-Bein-Stellung (dynamischer Valgus) als wichtigster modifizierbarer Risikofaktor gilt, zielt das Training darauf ab, diese Fehlstellung zu vermeiden [2, 3]. Bausteine des ursprünglichen Konzepts sind die Aufklärung über Verletzungsmechanismen, Sprung-, Balance-, Kraft- sowie Lauf- und Beweglichkeitsübungen, ergänzt durch ein einfaches Screening: Mit einem Drop-Jump-Sprungtest und einbeinigen Kniebeugen lassen sich Risikoathleten und -athletinnen mit medialem Kollaps identifizieren, um gezielt an einer Bewegungsmodifikation zu arbeiten [2]. Bereits frühe deutsche Erfahrungen im Frauen-Handball deuteten auf einen präventiven Nutzen hin [15].</p>
<h3><strong>Sekundärprävention nach VKB-Rekonstruktion – die PReP-Studie</strong></h3>
<p>Der wissenschaftliche Kern der jüngeren STOP-X-Evaluation ist die multizentrische PReP-Studie. Das 2019 publizierte Studienprotokoll beschreibt ein prospektives, randomisiert-kontrolliertes Design zur Untersuchung eines heimbasierten, motorkontroll-orientierten STOP-X-Trainings in der Sekundärprävention nach VKB-Rekonstruktion [18]. Primärer Zielparameter ist der normalisierte Kniegelenkabstand bei der Landung im Drop-Jump-Screening-Test; Hintergrund ist das nach Rekonstruktion um ein Vielfaches erhöhte Risiko einer erneuten Ruptur (ipsi- oder kontralateral) [18].</p>
<p>Die 2024 publizierten Ergebnisse umfassen 112 ausgewertete Personen (STOP-X: 57; Regelversorgung: 55), die im Mittel rund acht Monate nach der Operation nach Abschluss der formalen Rehabilitation einer fünfmonatigen Intervention bzw. der üblichen Versorgung zugeteilt wurden [19]. Im primären Zielparameter (Kniegelenkabstand bei der Landung) zeigte sich kein Gruppenunterschied. In mehreren sekundären, patientenrelevanten Endpunkten war die STOP-X-Gruppe jedoch überlegen: geringere selbstberichtete Knieprobleme im Sport (Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score, (KOOS -Sport)) und weniger Schmerzen (KOOS-Schmerz), höhere psychologische Rückkehrbereitschaft (ACL-RSI), verbesserte Alltagsfunktion (KOOS-ADL) sowie ein besserer Limb-Symmetry-Index im Front-Hop nach 3–4 Monaten. Am Interventionsende waren 79 % der STOP-X- gegenüber 70 % der Kontrollgruppe zum Sport zurückgekehrt [19]. Die Autoren werten STOP-X als der Regelversorgung leicht überlegen; der Nutzen sei moderat, könne die Anwendung nach abgeschlossener formaler Reha aber rechtfertigen [19]. Die fehlende Wirkung auf den biomechanischen Primärendpunkt bei gleichzeitigem Vorteil in funktionellen und psychologischen Größen ist ein wichtiger und ehrlich zu benennender Befund.</p>
<h3><strong>Primärprävention: kontrollierte Studien zum dynamischen Valgus</strong></h3>
<p>Ergänzend liegen kontrollierte Studien zur primärpräventiven Anwendung bei Athletinnen und Athleten vor. In einer randomisierten kontrollierten Studie an 30 Basketballspielerinnen (∅ 15,5 Jahre) mit dynamischem Valgus reduzierte ein achtwöchiges STOP-X-Programm (3×/Woche, 25–40 min) den Knievalguswinkel signifikant und verbesserte die statische wie dynamische Gleichgewichtsfähigkeit gegenüber einem konventionellen Aufwärmprogramm [20]. Eine Folgearbeit derselben Gruppe zeigte für ein achtwöchiges STOP-X-Warm-up verbesserte Lande- und Sprungmuster sowie eine bessere lumbopelvine Funktion [21]. In einer weiteren randomisierten Studie an Futsalspielern mit dynamischem Valgus verringerten sowohl STOP-X als auch ein „Knee-Control“-Protokoll den dynamischen Valgus im Seitwärts-Cutting deutlich (p = 0,001) und veränderten die Bodenreaktionskräfte günstig [22].</p>
<p>Zusammengefasst berichtet die Deutsche Kniegesellschaft für die Primärprävention mit STOP-X eine Reduktion des dynamischen X-Beins um 33–53 % sowie eine Verbesserung von Gleichgewicht und Rumpfkontrolle um 20–60 % [2, 19-22]. Einschränkend ist festzuhalten, dass diese Studien überwiegend kleine Stichproben in heterogenen Populationen betrachten und biomechanische Surrogatparameter anstatt robuster Daten zu Reduktion von Verletzungsraten berichten. Die Evidenz spricht damit konsistent für eine günstige Beeinflussung etablierter Risikofaktoren, während der direkte Nachweis einer Verletzungsreduktion durch STOP-X selbst noch aussteht und Gegenstand laufender Forschung ist.</p>
<h2><b>Die neue Struktur von STOP-X: vier Kernelemente</b></h2>
<p>Der Relaunch strukturiert das Präventionstraining entlang von vier gezielt kombinierten Kernelementen. Die Trainingspläne verbinden diese Elemente in abwechslungsreichen Einheiten und stehen als Individualroutinen für zu Hause sowie als Warm-up-Routinen zur unmittelbaren Wettkampfvorbereitung bereit [2]. Im Folgenden werden die vier Domänen jeweils mit Trainingsziel, zugehöriger Evidenz und einer beispielhaften Trainingseinheit dargestellt (Abb. a–d (e)). Eine Übersicht bietet Tab. 3.</p>
<h3><b>Mobilität – Gelenke &amp; Gewebe vorbereiten</b></h3>
<p>Ziel: Verbesserung und Erhalt der Beweglichkeit in Sprung-, Knie- und Hüftgelenk als Grundlage guter Bewegungsqualität [2]. Evidenz: Eine eingeschränkte Sprunggelenks-Dorsalextension gilt als distaler Beitrag zum dynamischen Valgus. Eine systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass reduzierte Dorsalextension mit ungünstiger Landemechanik (geringere Knieflexion, vermehrte mediale Knieverlagerung) assoziiert ist [23]. Ausreichende Beweglichkeit im Sprung-, aber auch im proximalen Partner, dem Hüftgelenk, ist damit eine notwendige Voraussetzung, um Landekräfte über Sprunggelenk, Knie und Hüfte adäquat zu verteilen.</p>
<p>Beispielhafte Trainingseinheit <b>a</b> Hip-Mobility, <b>b</b> Ankle-Mobility, <b>c</b> Psoas-Mobility, <b>d</b> Dynamic Hip-Mobility</p>
<figure id="attachment_22911" aria-describedby="caption-attachment-22911" style="width: 864px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-22911" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius1_saez0326.jpg" alt="" width="864" height="684" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius1_saez0326.jpg 864w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius1_saez0326-300x238.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius1_saez0326-768x608.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius1_saez0326-150x119.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius1_saez0326-450x356.jpg 450w" sizes="(max-width: 864px) 100vw, 864px" /><figcaption id="caption-attachment-22911" class="wp-caption-text">Beispielhafte Trainingseinheit – Mobilität</figcaption></figure>
<p><b>Gelenkkontrolle – Präzise &amp; koordiniert bewegen</b></p>
<p>Ziel: Kontrollierte Bewegungen, damit Knie, Hüfte und Rumpf optimal zusammenarbeiten, auch unter Tempo [2]. Evidenz: Dies adressiert den am besten belegten Risikofaktor. Ein hohes Knieabduktionsmoment bzw. dynamischer Valgus ist mit erhöhtem VKB-Verletzungsrisiko assoziiert [3]. Neuromuskuläres Kontrolltraining mit Technik-Feedback verbessert nachweislich verletzungsrelevante Parameter: In einer Interventionsstudie an jugendlichen Handballerinnen sanken die Knieabduktionsmomente bei Landung und Cutting [17]. Im Vereinssetting können Feedbackstrategien helfen den Effekt des neuromuskulären Trainings zu erhöhen [10]. Gelenkkontrolle ist damit ein wesentlicher Teil von STOP-X.</p>
<p>Beispielhafte Trainingseinheit <b>a</b> Balance-Throw, <b>b</b> Kick &amp; Reach, <b>c</b> Balance-Squat, <b>d</b> Balance-Jump</p>
<figure id="attachment_22912" aria-describedby="caption-attachment-22912" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22912" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius2_saez0326-1024x397.jpg" alt="" width="755" height="293" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius2_saez0326-1024x397.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius2_saez0326-300x116.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius2_saez0326-768x298.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius2_saez0326-150x58.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius2_saez0326-450x175.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius2_saez0326.jpg 1072w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22912" class="wp-caption-text">Beispielhafte Trainingseinheit – Gelenkkontrolle</figcaption></figure>
<p><b>Kraft – Stabil von der Basis bis zum Knie</b></p>
<p>Ziel: Gezielte Kräftigung der Muskulatur rund um das Knie sowie des gesamten Körpers, um das Kniegelenk zu entlasten [2]. Evidenz: Kraftübungen zählen zu den in nahezu allen wirksamen Programmen enthaltenen Komponenten [4, 5]. Hüftabduktoren und -außenrotatoren erzeugen ein varisierendes Moment, das dem dynamischen Valgus entgegenwirkt; die Assoziation zwischen isolierter Hüftkraft und Valgus ist in der Literatur allerdings uneinheitlich [24, 25]. Dies unterstreicht, dass Kraft nicht isoliert, sondern in Kombination mit Kontrolle und exzentrischer, funktionell-aufgabenspezifischer Belastung trainiert werden sollte, ein Prinzip, das STOP-X mit der Verzahnung der Kernelemente umsetzt.</p>
<p>Beispielhafte Trainingseinheit <b>a</b> Pallof-Press, <b>b</b> Bulgarian-Squat, <b>c</b> Hamstring-Isometric, <b>d</b> Hip-Thrusts, <b>e</b> Squats</p>
<figure id="attachment_22913" aria-describedby="caption-attachment-22913" style="width: 860px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-22913" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius3_saez0326.jpg" alt="" width="860" height="684" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius3_saez0326.jpg 860w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius3_saez0326-300x239.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius3_saez0326-768x611.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius3_saez0326-150x119.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius3_saez0326-450x358.jpg 450w" sizes="(max-width: 860px) 100vw, 860px" /><figcaption id="caption-attachment-22913" class="wp-caption-text">Beispielhafte Trainingseinheit – Kraft</figcaption></figure>
<p><b>Elastizität – Entwicklung sportlicher Dynamik</b></p>
<p>Ziel: Sichere Sprünge, Landungen und schnelle Richtungswechsel, damit der Körper auch in unerwarteten Situationen sicher landet und dreht [2]. Evidenz: Plyometrisches Lande- und Sprungtraining verbessert die Landebiomechanik, eine Metaanalyse belegt günstige Effekte von Präventionsprogrammen auf Landeaufgaben [26]. Steife Landungen mit geringer Knieflexion und hoher vertikaler Bodenreaktionskraft sind mit erhöhtem VKB-Risiko assoziiert und lassen sich durch Technik- und Elastizitätstraining günstig beeinflussen [27]. Für STOP-X spezifisch zeigte die Futsal-Studie, dass sich Kinetik und dynamischer Valgus im Seitwärts-Cutting verbessern lassen [22]. Da hochdynamische Cutting-Manöver zu den trainingsresistenteren Zielgrößen gehören [16], ist die progressive, sportartnahe Gestaltung dieses Elements besonders wichtig. Weil sich Nicht-Kontakt-Verletzungen typischerweise in unvorhersehbaren Spielsituationen unter hoher neurokognitiver Beanspruchung ereignen [28], werden Landungen und Richtungswechsel bewusst mit kognitiver Zusatzaufgabe (cognitive load) ausgeführt. Diese Trainingsdomäne ist damit das konzeptionelle Herzstück des STOP-X-Programmes, die insbesondere in der Late-Stage-Rehabilitation nach VKB-Rekonstruktion konsequent adressiert werden sollte [29].</p>
<p>Beispielhafte Trainingseinheit <b>a</b> Landing (+ cognitive load), <b>b</b> Lateral-Plyometrics, <b>c</b> Loaded-Cuts (+ cognitive load), <b>d</b> Pendulum-Cuts (with ball)</p>
<figure id="attachment_22914" aria-describedby="caption-attachment-22914" style="width: 650px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-22914" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius4_saez0326.jpg" alt="" width="650" height="774" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius4_saez0326.jpg 650w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius4_saez0326-252x300.jpg 252w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius4_saez0326-150x179.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius4_saez0326-450x536.jpg 450w" sizes="(max-width: 650px) 100vw, 650px" /><figcaption id="caption-attachment-22914" class="wp-caption-text">Beispielhafte Trainingseinheit – Elastizität</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
<table width="600">
<thead>
<tr>
<td width="113"><strong>Kernelement</strong></td>
<td width="220"><strong>Trainingsziel (STOP-X)</strong></td>
<td width="267"><strong>Evidenz / Referenz</strong></td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td width="113"><strong>Mobilität</strong></td>
<td width="220">Beweglichkeit in Sprung-, Knie- und Hüftgelenk vorbereiten und erhalten</td>
<td width="267">Reduzierte Sprunggelenks-Dorsalextension → ungünstige Landemechanik [23]</td>
</tr>
<tr>
<td width="113"><strong>Gelenkkontrolle</strong></td>
<td width="220">Koordinierte Zusammenarbeit von Knie, Hüfte und Rumpf</td>
<td width="267">Valgus/KAM mit VKB-Risiko assoziiert [3]; NMT + Feedback senkt KAM, erhöht Knieflexion [16, 17]</td>
</tr>
<tr>
<td width="113"><strong>Kraft</strong></td>
<td width="220">Kniennahe und ganzkörperliche Kräftigung zur Entlastung des Knies</td>
<td width="267">Kraft in fast allen wirksamen Programmen [4, 5]; Hüftkraft–Valgus-Bezug uneinheitlich [24, 25]</td>
</tr>
<tr>
<td width="113"><strong>Elastizität</strong></td>
<td width="220">Sichere Sprünge, Landungen und schnelle Richtungswechsel</td>
<td width="267">Plyometrie verbessert Landebiomechanik [26, 27]; günstige Cutting-Kinematik/-Kinetik [22]</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><em>Tab. 3: Die vier Kernelemente von STOP-X mit Trainingsziel und zugehöriger Evidenz. KAM = Knieabduktionsmoment; NMT = neuromuskuläres Training.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<h2><b>Einordnung und Ausblick</b></h2>
<p>Der Relaunch von STOP-X überführt eine breite, konsistente Evidenz zur neuromuskulären Prävention in ein klar strukturiertes, frei verfügbares Programm. Die vier Kernelemente decken die etablierten modifizierbaren Zielgrößen ab und sind so kombiniert, dass sie sich in Aufwärmroutinen verschiedener Sportarten und in das Heimtraining integrieren lassen, die entscheidenden Voraussetzungen für Adhärenz und damit Wirksamkeit [5]. Über die reine Primärprävention hinaus adressiert das Programm mit abgestuften Testmanualen (Gold-, Silber-, Bronzestandard) die Einschätzung des Re-Ruptur-Risikos in Klinik, Praxis und Rehazentrum und ordnet sich in ein Kontinuum aus Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention ein [2].</p>
<p>Die Stärke des Programms liegt in der konsistenten günstigen Beeinflussung etablierter Risikofaktoren sowie in patientenrelevanten funktionellen und psychologischen Vorteilen nach VKB-Rekonstruktion. Ein direkter Nachweis einer Verletzungsreduktion durch STOP-X steht aus, daher sollten künftige, ausreichend gepowerte Studien, auch außerhalb des Ballsports und bei männlichen Athleten, die nächste Evidenzstufe liefern.</p>
<p><b>Training starten<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Alle Trainingspläne, Warm-up-Routinen und Testmanuals:<a href="https://stop-x.de" target="_blank" rel="noopener"> stop-x.de, zum kostenlosen Präventions­programm der Deutschen Kniegesellschaft.</a></p>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li style="font-weight: 400;">Herzog, M.M., et al., <em>Trends in Incidence of ACL Reconstruction and Concomitant Procedures Among Commercially Insured Individuals in the United States, 2002-2014.</em> Sports Health, 2018. <strong>10</strong>(6): p. 523–531.</li>
<li style="font-weight: 400;">DeutscheKniegesellschaft. <em>STOP-X – Prävention von Sportverletzungen am Kniegelenk</em>. 2026 [cited 2026 01.07.]; Available from: www.stop-x.de.</li>
<li style="font-weight: 400;">Hewett, T.E., et al., <em>Biomechanical measures of neuromuscular control and valgus loading of the knee predict anterior cruciate ligament injury risk in female athletes: a prospective study.</em> Am J Sports Med, 2005. <strong>33</strong>(4): p. 492–501.</li>
<li style="font-weight: 400;">Mattu, A.T., et al., <em>Prevention of Non-Contact Anterior Cruciate Ligament Injuries among Youth Female Athletes: An Umbrella Review.</em> Int J Environ Res Public Health, 2022. <strong>19</strong>(8).</li>
<li style="font-weight: 400;">Gu, J., et al., <em>Neuromuscular training for preventing knee injuries in female team athletes: a meta-analysis.</em> Ann Med, 2025. <strong>57</strong>(1): p. 2581891.</li>
<li style="font-weight: 400;">Inclan, P.M., et al., <em>Team Approach: Neuromuscular Training for Primary and Secondary Prevention of Anterior Cruciate Ligament Injury.</em> JBJS Rev, 2024. <strong>12</strong>(4).</li>
<li style="font-weight: 400;">Li, Y. and W. Zhu, <em>The preventive effects of neuromuscular training on lower extremity sports injuries in adolescent and young athletes: a systematic review and meta-analysis.</em> Knee, 2025. <strong>56</strong>: p. 373–385.</li>
<li style="font-weight: 400;">Zheng, G., et al., <em>The effects of training intervention on the prevention of knee joint injuries: a systematic review and meta-analysis.</em> Front Physiol, 2025. <strong>16</strong>: p. 1455055.</li>
<li style="font-weight: 400;">Khan MA, S.S., Hazmi RA, et al., <em>Effects of FIFA 11+ injury prevention program in reducing the non-specific knee injuries incidence rate among soccer players: a systematic review and meta-analysis.</em> 2023.</li>
<li style="font-weight: 400;">Olsen, O.E., et al., <em>Exercises to prevent lower limb injuries in youth sports: cluster randomised controlled trial.</em>Bmj, 2005. <strong>330</strong>(7489): p. 449.</li>
<li style="font-weight: 400;">Waldén, M., et al., <em>Prevention of acute knee injuries in adolescent female football players: cluster randomised controlled trial.</em> Bmj, 2012. <strong>344</strong>: p. e3042.</li>
<li style="font-weight: 400;">Kiani, A., et al., <em>Prevention of soccer-related knee injuries in teenaged girls.</em> Arch Intern Med, 2010. <strong>170</strong>(1): p. 43–9.</li>
<li style="font-weight: 400;">Naderi, A., et al., <em>Is an Exercise-Based Injury-Prevention Program Effective in Team Handball Players? A Systematic Review and Meta-Analysis.</em> J Athl Train, 2024. <strong>59</strong>(8): p. 845–856.</li>
<li style="font-weight: 400;">Brunner, R., et al., <em>Effectiveness of multicomponent lower extremity injury prevention programmes in team-sport athletes: an umbrella review.</em> Br J Sports Med, 2019. <strong>53</strong>(5): p. 282–288.</li>
<li style="font-weight: 400;">Petersen, W., et al., <em>A controlled prospective case control study of a prevention training program in female team handball players: the German experience.</em> Arch Orthop Trauma Surg, 2005. <strong>125</strong>(9): p. 614–21.</li>
<li style="font-weight: 400;">Lima, Y.L., et al., <em>Injury Prevention Programmes Fail to Change Most Lower Limb Kinematics and Kinetics in Female Team Field and Court Sports: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomised Controlled Trials.</em>Sports Med, 2024. <strong>54</strong>(4): p. 933–952.</li>
<li style="font-weight: 400;">Schmidt M, N.K., Terschluse B, Willwacher S, Jaitner T., <em>Positive influence of neuromuscular training on knee injury risk factors during cutting and landing tasks in elite youth female handball players.</em> Ger J Exerc Sport Res., 2022.</li>
<li style="font-weight: 400;">Niederer, D., et al., <em>Effectiveness of a home-based re-injury prevention program on motor control, return to sport and recurrence rates after anterior cruciate ligament reconstruction: study protocol for a multicenter, single-blind, randomized controlled trial (PReP).</em> Trials, 2019. <strong>20</strong>(1): p. 495.</li>
<li style="font-weight: 400;">Niederer, D., et al., <em>Late-stage rehabilitation after anterior cruciate ligament reconstruction: A multicentre randomised controlled trial (PReP).</em> Ann Phys Rehabil Med, 2024. <strong>67</strong>(4): p. 101827.</li>
<li style="font-weight: 400;">Rostami, M., P. Sedaghati, and H. Daneshmandi, <em>The effectiveness of the STOP-X training program on the knee valgus angle and balance in female basketball players with dynamic knee valgus: a randomized controlled trial.</em>BMC Sports Sci Med Rehabil, 2024. <strong>16</strong>(1): p. 52.</li>
<li style="font-weight: 400;">Rostami, M., P. Sedaghati, and H. Daneshmandi, <em>Effects of a warm-up program on jump-landing pattern and lumbopelvic function in female basketball players with dynamic knee valgus.</em> Sci Rep, 2025. <strong>15</strong>(1): p. 27918.</li>
<li style="font-weight: 400;">Rouhi, F., A.S. Majelan, and A. Jafarnezhadgero, <em>Comparison of stop-X and knee control training on side cut kinetics in futsal players with dynamic knee valgus: a randomized controlled trial.</em> Sci Rep, 2025. <strong>15</strong>(1): p. 40314.</li>
<li style="font-weight: 400;">Mason-Mackay, A.R., C. Whatman, and D. Reid, <em>The effect of reduced ankle dorsiflexion on lower extremity mechanics during landing: A systematic review.</em> J Sci Med Sport, 2017. <strong>20</strong>(5): p. 451–458.</li>
<li style="font-weight: 400;">Alzahrani, A.M., et al., <em>Is Hip Muscle Strength Associated with Dynamic Knee Valgus in a Healthy Adult Population? A Systematic Review.</em> Int J Environ Res Public Health, 2021. <strong>18</strong>(14).</li>
<li style="font-weight: 400;">Dix, J., et al., <em>The relationship between hip muscle strength and dynamic knee valgus in asymptomatic females: A systematic review.</em> Phys Ther Sport, 2019. <strong>37</strong>: p. 197–209.</li>
<li style="font-weight: 400;">Lopes, T.J.A., et al., <em>The Effects of Injury Prevention Programs on the Biomechanics of Landing Tasks: A Systematic Review With Meta-analysis.</em> Am J Sports Med, 2018. <strong>46</strong>(6): p. 1492–1499.</li>
<li style="font-weight: 400;">Larwa, J., et al., <em>Stiff Landings, Core Stability, and Dynamic Knee Valgus: A Systematic Review on Documented Anterior Cruciate Ligament Ruptures in Male and Female Athletes.</em> Int J Environ Res Public Health, 2021. <strong>18</strong>(7).</li>
<li style="font-weight: 400;">Gokeler, A., F. Tosarelli, M. Buckthorpe, F. Della Villa, Neurocognitive Errors and Noncontact Anterior Cruciate Ligament Injuries in Professional Male Soccer Players. J Athl Train, 2024. 59(3): p. 262–269.</li>
<li style="font-weight: 400;">Gokeler, A., et al., Principles of Motor Learning to Support Neuroplasticity After ACL Injury: Implications for Optimizing Performance and Reducing Risk of Second ACL Injury. Sports Med, 2019. 49(6): p. 853–865.</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Von der Idee zur Umsetzung</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22839/von-der-idee-zur-umsetzung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Erbeldinger&nbsp;,&nbsp;Masiar Sabok Sir]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 08:31:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22839</guid>

					<description><![CDATA[Vor exakt 20 Jahren haben wir unsere erste sportmedizinische Publikation veröffentlicht und uns auf einen Pfad begeben, dessen Bedeutung und Zielsetzung wir nie aus den Augen verloren haben. Vor der [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor exakt 20 Jahren haben wir unsere erste sportmedizinische Publikation veröffentlicht und uns auf einen Pfad begeben, dessen Bedeutung und Zielsetzung wir nie aus den Augen verloren haben. Vor der Umsetzung standen monatelange Vorbereitungen, viele Gespräche und eine Menge Ideen im Raum. Dabei spielte München von Anfang an eine Rolle. Dort besuchten wir 2006 mit der ISPO eine Messe, die gerade begonnen hatte, Health &amp; Fitness miteinander zu verbinden und sportmedizinische Themen zu forcieren. Auch wenn an der Umsetzung nicht alles ideal war, haben wir erkannt, dass sich die Sportmedizin für die gesamte Gesellschaft öffnen muss, um neue Zugänge zu schaffen und ihr Potenzial für eine moderne, ganzheitliche Versorgung zu entfalten. 20 Jahre später durften wir einen interessanten Medizin-Dialog in der Praxis von Dr. Müller-Wohlfahrt in München führen – das Ergebnis lesen Sie <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22850/von-der-muskelverletzung-zur-praehabilitation/">HIER</a></p>
<p>Von Anfang an wollten wir etwas entwickeln, das die Versorgung verbessert und einen konkreten Nutzen für Ärzte, Therapeuten und Patienten schafft. Rückblickend sind wir dankbar für diesen Weg – für die vielen Begegnungen, Diskussionen, Ideen und vor allem für die Menschen, die ihn mit uns gegangen sind. Heute hat sich die Versorgungsrealität weiter verändert – und viele der bestehenden Probleme haben sich sogar verschärft. Strukturen sind komplexer geworden, Anforderungen gestiegen und Ressourcen begrenzt. Gleichzeitig wissen wir: Alles hängt miteinander zusammen. Prävention / Prophylaxe, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation, Prähabilitation, Ernährung – Targeted Nutrition, Training und die Aus- und Fortbildung derjenigen, die diese Bereiche gestalten, dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Genau hier setzen wir an: Angebote und Lösungen aufzeigen, weiterentwickeln und in die Versorgung integrieren.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Unser Ziel ist eine auf den Menschen zentrierte und effiziente Sportmedizin – mit einem gesamtgesellschaftlichen Benefit. Wir wollen neue Versorgungsräume schaffen – in den Köpfen, aber ebenso in der konkreten Umsetzung. Denn Veränderung beginnt mit der Möglichkeit, Dinge anders zu denken, und wird erst dann wirksam, wenn daraus konkrete Strukturen und Angebote entstehen. Jeder Einzelne trägt dazu bei. Hindernisse werden dabei immer auftreten. Entscheidend ist jedoch die Entschlossenheit, sie zu überwinden. Hannibal soll vor der Überquerung der Alpen gesagt haben: „Aut viam inveniam aut faciam“ – Entweder wir finden einen Weg, oder wir machen einen! Darin steckt eine Haltung, die auch für die Sportmedizin heute wichtiger denn je ist: Nicht aufgeben, wenn ein Plan sich nicht direkt umsetzen lässt oder auf Gegenwind stößt, sondern selbst und gemeinsam aktiv eine Lösung erschaffen.</p>
<p>In diesem Zusammenhang entwickeln wir auch unser Fortbildungsangebot im kommenden Jahr konsequent weiter. Neben Symposium, Kongressen und Workshops werden wir insbesondere im Bereich Targeted Nutrition und Prähabilitation neue Formate präsentieren – live vor Ort und ebenso digital. Von der Idee zur Umsetzung bedeutet für uns: Räume für Veränderungen schaffen. Für eine Sportmedizin, die Versorgung nicht nur begleitet, sondern aktiv gestaltet.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sport mit Hüft- oder Knieprothese</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22697/sport-mit-hueft-oder-knieprothese/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Stefan Schmidl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Aug 2026 12:10:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22697</guid>

					<description><![CDATA[Die Endoprothetik hat sich in den letzten Jahrzehnten sowohl in technischer als auch in materialwissenschaftlicher Hinsicht weiterentwickelt. Der Motor hierfür sind die gestiegenen Anforderungen und Erwartungen von Prothesenträgern an das [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die Endoprothetik hat sich in den letzten Jahrzehnten sowohl in technischer als auch in materialwissenschaftlicher Hinsicht weiterentwickelt. Der Motor hierfür sind die gestiegenen Anforderungen und Erwartungen von Prothesenträgern an das Mobilitätsniveau sowie die demografische Entwicklung. Dies hat auch dazu geführt, dass bei passender Indikation, mehr Patienten im mittleren Lebensalter endoprothetisch versorgt werden [1, 2].</b></p>
<p>Damit einhergehend sind auch Beanspruchungen der Prothesen entsprechend der sportlichen Aktivität dieser Zielgruppe. Dies reicht von normalen Ausdauersportarten bis hin zu Ballsportarten mit entsprechenden Belastungen. Sowohl in der Klinik als auch im ambulanten Bereich tauchen daher zunehmend gezielte Fragestellungen nach passender sportlicher Betätigung nach endoprothetischer Versorgung auf [3 – 5].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Biomechanik, Materialien und Belastung</b></h2>
<p>Moderne Prothesen verwenden verbesserte Gleitpaarungen wie hochvernetztes Polyethylen und bevorzugen, bei entsprechender Knochenqualität, zementfreie Verankerungen. Daraus resultieren geringere Abrieb- und Verschleißerscheinungen und somit geringere Revisionsraten [6, 7]. Minimalinvasive und muskelschonende Zugänge erlauben eine zeitnahe Belastung und eine gesteigerte Mobilität, auch in der unmittelbaren postoperativen Phase, was mit einer frühen Wiederaufnahme der sportlichen Belastbarkeit einhergeht.</p>
<h2><b>Low-Impact vs. High-Impact-Sportarten</b></h2>
<p>Im Alltag unterscheidet man sportliche Aktivitäten nach ihrer Belastungsintensität, Dauer und mechanischen Spitzenkräften auf das Kunstgelenk. Generell gelten folgende Aktivitäten als empfehlenswert bzw. weitgehend sicher nach Hüft- und Knieendoprothesen:</p>
<ul>
<li>Low-Impact-Sportarten: Schwimmen, Radfahren, Wandern, Nordic Walking und Golf zeichnen sich durch geringe Stoß- und Scherkräfte sowie gleichmäßige Bewegungsabläufe aus und werden von den meisten Fachgesellschaften als risikoarm eingestuft.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Moderate Sportarten: Tanzen, Pilates oder moderate Gymnastik können je nach Patientenvoraus­setzungen und ärztlicher Einschätzung sinnvoll sein.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>High-Impact-Sportarten: Laufen, Fußball, Basketball, Handball oder intensiver Skisport gelten traditionell als weniger empfehlenswert wegen der hohen Stoßbelastungen und potenziell gesteigerter Abrieb- bzw. Lockerungsrisiken sowie der erhöhten Gefahr von periprothetischen Frakturen.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
</ul>
<p>In zahlreichen chirurgischen Umfragen und Reviews wurden Sportarten wie Wandern, Radfahren, Schwimmen oder Golf als die am häufigsten akzeptierten Aktivitäten nach Hüft- und Knieendoprothese genannt, während Kontaktsportarten und hochdynamische Dis­ziplinen überwiegend nicht empfohlen wurden [8 – 11].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Timing und postoperative Phase</b></h2>
<p>Ein frühzeitiger Wiedereinstieg der sportlichen Aktivität sollte erst nach abgeschlossener primärer Heilung und Reha-Phase erfolgen – in der Regel etwa 3 – 6 Monate postoperativ für Low-Impact-Sportarten. Für komplexere oder sportlich anspruchsvollere Aktivitäten wird häufig ein längeres Intervall empfohlen, um die muskuläre Stabilität, Koordination und das propriozeptive Niveau zu sichern.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Einfluss auf Prothesenstandzeit und Risiken</b></h2>
<p>Die Datenlage zu langfristigen Auswirkungen sportlicher Aktivität auf die Standzeit von Hüft- und Knieprothesen ist derzeit noch limitiert und heterogen. Einige Studien deuten an, dass hohe Spitzenbelastungen und repetitive Stoßkräfte mit einem erhöhten Abrieb und damit potenziell früheren Prothesenwechsel assoziiert sein könnten. Die meisten Studien haben ein follow-up von 10 – 15 Jahren. In der Hüftendoprothetik zeigt die Verwendung hochvernetztes Polyethylene im Vergleich zu normalen Kunststoffen deutlich weniger Abrieb und damit abriebinduzierte ­Lockerung sowie Revisionsraten [12, 13]. Etwas heterogener zeigt sich das Bild in der Kniegelenksendoprothetik. Hier scheint sich der Vorteil erst nach einem längeren Zeitintervall von 20 Jahren follow-up abzuzeichnen [14]. Somit ist eine individuelle Empfehlung für Patienten mit Knie- oder Hüftprothesen bezüglich der verschiedenen Sportarten sinnvoll.</p>
<p>Potenzielle Risiken umfassen:</p>
<ul>
<li>Periprothetische Frakturen nach traumatischen Ereignissen, insbesondere bei sportlicher Kollision oder bei Stürzen.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Luxationen (v. a. bei Hüften­do­prothesen) durch extreme Bewegungsamplituden oder instabile mechanische Situationen.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Abrieb und aseptische Lockerung durch repetitive Hochbelastungen, was langfristig zu einer Revision führen kann.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
</ul>
<h2><b>Präoperative Aktivität und Rückkehr zum Sport</b></h2>
<p>Patienten, die vor der Operation aktiv waren, kehren mit höherer Wahrscheinlichkeit nach der OP zu sportlichen Aktivitäten zurück. Bei zuvor inaktiven Patienten ist die Wahrscheinlichkeit geringer. Gleichzeitig zeigt sich ein Trend zu einer Verlagerung zugunsten von weniger belastenden Sportarten nach operativer Versorgung (Tabelle).</p>
<figure id="attachment_22700" aria-describedby="caption-attachment-22700" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22700" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-1024x571.jpg" alt="" width="755" height="421" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-1024x571.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-300x167.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-768x429.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-150x84.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-450x251.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-1200x670.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22700" class="wp-caption-text">Tab. Sportarten nach Hüft- und Knieendoprothetik – Empfehlung und Bewertung</figcaption></figure>
<h2><b>Klinische Empfehlungen und individuelle Faktoren</b></h2>
<p>Aktuelle Fachgesellschaften wie die American Association of Hip and Knee Surgeons (AAHKS) oder nationale sportmedizinische Verbände empfehlen ärztlich individualisierte Entscheidungen, die Alter, BMI, Knochenqualität, Prothesentyp, präoperative Aktivität und chirurgische Technik berücksichtigen. Generell gilt: die Rückkehr zu sport­licher Aktivität sollte schrittweise, gut begleitet und patientenspezifisch dosiert erfolgen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Sportliche Aktivität nach Hüft- und Knieendoprothese ist nicht nur möglich, sondern – sofern medizinisch sinnvoll dosiert – auch gesundheitsfördernd. Low-Impact-Sportarten sind breit akzeptiert und meist ohne signifikante Risiken für die Implantatstandzeit durchführbar. High-Impact-Sportarten sollten kritisch geprüft und meist reduziert oder modifiziert werden. Die derzeitige Literatur zeigt, dass sportliche Aktivität die Funktion, Muskelkraft und Lebensqualität deutlich verbessert, während der direkte Einfluss auf die Langzeit-Prothesenstandzeit sich durch die Verwendung neuer Kunststoffe verbessert. Dadurch bleiben individualisierte und interdisziplinäre Empfehlungen zwischen Operateur, Sportmediziner und Physiotherapeut essenziell. Auch werden künftige Studien zeigen, ob unterschiedliche Empfehlungen für Sportarten und Belastungen für Patienten mit einer Hüft- oder Knieprothesen gelten werden. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fun Fact</b></h2>
<p>Ich habe diesen Winterurlaub einen sportlichen Snowboarder im mittleren Rentenalter mit zwei künstlichen Kniegelenken kennenlernen dürfen, der aktiv fährt und damit besser zurechtkommt als mit Ski, da beide Beine fest auf dem Brett arretiert sind. Mit diesem Bild im Hinterkopf sollte gelten: individuelle Beratung, die zur jeweiligen Lebenssituation und Anspruch des Prothesenträgers passt.</p>
<p>Literatur</p>
<ol>
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</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Präoperative Trainingstherapie</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22735/praeoperative-trainingstherapie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Rebecca Abel,&nbsp;Prof. Dr. phil. Daniel Niederer,&nbsp;PD Dr. med. Christoph Offerhaus,&nbsp;Alexander Glowa&nbsp;,&nbsp;Dr. Sportwiss. Christiane Wilke]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 08:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22735</guid>

					<description><![CDATA[Prähabilitation beschreibt die gezielte Vorbereitung auf eine Operation und zielt auf eine Verbesserung des Behandlungserfolgs ab. Im folgenden Artikel wird eine Studie zur konkreten Ausgestaltung der präoperativen Trainingstherapie vor Rekonstruktion [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Prähabilitation beschreibt die gezielte Vorbereitung auf eine Operation und zielt auf eine Verbesserung des Behandlungserfolgs ab. Im folgenden Artikel wird eine Studie zur konkreten Ausgestaltung der präoperativen Trainingstherapie vor Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes vorgestellt.</b></p>
<p>Sportler, die nach einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes (VKB) in den Sport zurückkehren, haben im Vergleich zu unverletzten Athleten ein bis zu sechsfach erhöhtes Risiko, innerhalb von zwei Jahren nach der OP erneut eine VKB-Verletzung zu erleiden [1]. Im Vergleich zu unverletzten Athleten haben ehemals Verletzte nach der Rückkehr in den Sport zudem häufig ein geringeres Leistungsniveau bzw. eine kürzere Karrieredauer [2]. Beide möglichen Folgen einer Ruptur und Rekonstruktion des VKBs sind trotz Durchführung evidenzbasierter Rehabilitationsmaßnahmen nach Rekon­struktion des VKBs zu beobachten. Daher besteht weiterhin Potenzial zur Optimierung des gesamten Rehabilitationsprozesses nach VKB-Ruptur. Präoperatives Training zwischen der VKB-Ruptur und der VKB-Rekonstruktion zielt auf eine Verbesserung der präoperativen Kniefunktion einschließlich der Kniebeweglichkeit und der Stabilität der Beinachse sowie eine Steigerung der Ansteuerungsfähigkeit und Kraft insbesondere des M. Quadrizeps ab. Trotz vielversprechender Effekte präopera­tiver Interventionen nach VKB-Ruptur ist die Evidenz bezüglich der Wirksamkeit von präoperativem Training begrenzt [3]. Darüber hinaus besteht kein Konsens hinsichtlich optimaler Inhalte und des Betreuungsgrades, beispielsweise bezüglich angeleiteten versus ­eigenständigen Trainings.</p>
<h2><b>Ziel</b></h2>
<p>Ziel der randomisiert-kontrollierten Studie war es, die Wirksamkeit eines angeleiteten, strukturierten und kriterienbasiert progressiven präoperativen Rehabilitationsprogramms (anpassbar an das individuelle Leistungsniveau) mit einem nicht angeleiteten, selbstständig durchgeführten Heimtrainingsprogramm (mithilfe einer Broschüre) zu vergleichen. Betrachtet wurden hierbei die selbstwahrgenommene Kniefunktion und weitere funktionelle Ergebnisse.</p>
<h2><b>Methode</b></h2>
<p>Die Studie wurde als monozentrische, prospektive, randomisiert-kontrollierte, einfach verblindete Studie durchgeführt. Insgesamt 114 Teilnehmende im Alter zwischen 16 und 60 Jahren mit einseitiger, vollständiger primärer Ruptur des VKBs sowie Indikation zur Rekon­struktion mittels Hamstring- oder Quadrizepssehnen-Autograft wurden im Sana Dreifaltigkeitskrankenhaus Köln rekrutiert. Teilnehmende wurden nur eingeschlossen, wenn der Zeitraum zwischen Einschluss und Operation mindestens drei Wochen betrug. Ausgeschlossen wurden Teilnehmende mit Begleitverletzungen mit Operations­indikation, die zu einer Änderung des Rehabilitationsprotokolls führten, sowie vorangegangenen Operationen oder Verletzungen am Kniegelenk in den letzten fünf Jahren. Falls während des operativen Eingriffs ungeplante Maßnahmen erforderlich wurden, die eine Anpassung des postoperativen Therapieprotokolls bedingten (z. B. Meniskusnaht), wurden die betroffenen Teilnehmenden ab diesem Zeitpunkt als Dropout gewertet. Die Teilnehmenden der Interventionsgruppe absolvierten ein strukturiertes, kriterienbasiertes und angeleitetes Training. Das Trainingsprogramm wurde an das individuelle Leistungsniveau angepasst und umfasste zwei Einheiten pro Woche à 60 Minuten. Zusätzlich erhielten die Teilnehmenden einmal pro Woche Übungen für ein eigenständiges Training zu Hause. Die Auswahl der Übungen orientierte sich an bereits durchgeführten Studien [3], ist Abb. 1 zu entnehmen und verfolgte folgende Ziele:</p>
<ul>
<li>Mobilisation des Kniegelenks und Verbesserung der Beweglichkeit</li>
<li>Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle, insbesondere des<br />
M. quadriceps</li>
<li>Verbesserung der posturalen Stabilität und des Gleichgewichts</li>
<li>Wiederherstellung bzw. Steigerung der Muskelkraft, insbesondere der Kniebeuger und -strecker,<br />
Abduktoren und Plantarflexoren; lokales Kraftausdauertraining, Vergrößerung des Muskelquerschnitts sowie Verbesserung der neuromuskulären Kraft.</li>
</ul>
<figure id="attachment_22741" aria-describedby="caption-attachment-22741" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22741" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-1024x512.jpg" alt="" width="755" height="378" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-1024x512.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-300x150.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-768x384.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-150x75.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-450x225.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-1200x600.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22741" class="wp-caption-text">Abb. 1 Angeleitetes, präoperatives Training (Interventionsgruppe)</figcaption></figure>
<p>Das präoperative Training umfasste Übungen auf zwei Niveaus (Level I und Level II). Die Teilnehmenden starteten mit Übungen auf Level I Niveau. Wenn eine vollständige aktive Kniestreckung erreicht wurde, an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Trainingseinheiten keine Gewebereaktion am Folgetag auftrat und keine schmerzhaften Bewegungseinschränkungen berichtet wurden, wurden die Übungen durch Übungen auf Level II Niveau erweitert oder ersetzt. Schmerzen wurden mittels visu­eller Analogskala (VAS) von 0 – 10 erfasst, wobei ein Zielwert von unter 3 bis 4 Punkten als Orientierung für das Training diente. Das primäre Ziel des Trainingsprogramms war die Verbesserung der individuellen Leistungsfähigkeit und nicht das Erreichen eines vorgegebenen Leistungsniveaus. Die Teilnehmenden der Vergleichsgruppe erhielten eine Broschüre mit den folgenden sechs Übungen: Aktive Kniestreckung, Einbeinstand, Hüftabduktion, Hüftbrücke in Rückenlage, beidbeiniges Fersen­heben sowie Kniebeugen. Diese Übungen verfolgten die gleichen Ziele wie jene des angeleiteten Trainings. Die Broschüre enthielt detaillierte Anleitungen zur Durchführung sowie Empfehlungen zu Wiederholungszahlen und Progression der Übungen. Die behandelnden Ärzte im Krankenhaus empfahlen den Teilnehmenden der Vergleichsgruppe, die Übungen dreimal pro Woche im Rahmen eines eigenständigen Trainings durchzuführen. Das eigenständige Training wurde von den Teilnehmenden protokolliert. Nach der operativen Rekonstruktion absolvierten alle Teilnehmenden dasselbe standard­isierte Rehabili­tationsprogramm. Alle medizinischen Entscheidungen wie Operationszeitpunkt und Transplantatauswahl wurden im Rahmen des regulären medi­zinischen Behandlungsprozesses, also unabhängig von der vorliegenden Studie, getroffen.</p>
<p>In beiden Gruppen wurden zu sieben festgelegten Messzeitpunkten Daten erhoben: während der initialen Anamnese im Krankenhaus, 1 – 7 Tage vor der VKB-Rekonstruktion, am Tag der Operation sowie 30, 60, 90 und 180 Tage postoperativ. Aufgrund verletzungs- und operationsbedingter Einschränkungen konnten jedoch nicht zu allen Zeitpunkten sämtliche Messgrößen erfasst werden. Die selbstwahrgenommene Kniefunktion wurde mithilfe des Knee Injury and ­Osteoarthritis Outcome (KOOS) Score ermittelt und stellt das primäre Outcome dar. Die sekundären Outcomes sind der Gesamtstudie (siehe Verweis unten) zu entnehmen und hier aus Platzgründen nicht dargestellt. Die statistischen Analysen wurden nach dem Intention-to-treat-Prinzip durchgeführt. Aufgrund von fehlenden Daten wurde eine multiple Imputation der Daten mit SPSS (Version 28) vorgenommen. Line­are gemischte Modelle für wiederholte Messungen wurden berechnet (Software R, Version 4.3.3). Hierbei wurden die Veränderungswerte (Change Scores) jedes Outcomes vom Ausgangswert bis zu den jeweiligen Follow-up-Zeitpunkten betrachtet.</p>
<h2><b>Ergebnisse</b></h2>
<p>Von den 114 eingeschlossenen Teilnehmenden (53 % männlich) unterbrachen 3 die Studienteilnahme und 55 schieden im Verlauf aus familiären oder beruflichen Gründen, Zeitmangel, Problemen mit der Erreichbarkeit der Einrichtung und sonstigen Gründen aus bzw. wurden wegen durchgeführter Meniskusnaht während der Operation ausgeschlossen. Im Mittel waren die Teilnehmenden 31 Jahre alt (Standardabweichung (SD) = 10,3) und führten vor der Verletzung im Mittel 3 Trainingseinheiten pro Woche (SD = 1.5) durch. Während der Zeitraum zwischen Verletzung und Ruptur im Mittel in der Interventionsgruppe bei 81 Tagen (SD = 41) lag, betrug dieser im Mittel in der Vergleichsgruppe 91 Tage (SD = 48). Die Anzahl der durchgeführten Trainingseinheiten unterschied sich zwischen der Interventions- und Vergleichsgruppe nicht signifikant, die Variation war in der Vergleichsgruppe (selbstständig durchgeführte Einheiten: Mittelwert (M) = 6,75, SD = 13,22, Minimum (Min) = 0, Maximum (Max) = 91) jedoch höher als in der Interventionsgruppe (angeleitete Einheiten: M = 6,38, SD = 3,24, Min = 1, Max = 17). Die KOOS-Gesamtscores an den verschiedenen Messzeitpunkten sind in Abb. 2 dargestellt. Die beiden Gruppen unterschieden sich zu Studienbeginn (Baselineunterschiede, p &lt; 0,001). Für Gruppe, Zeit und die Interaktion (Zeit*Gruppe) wurden keine signifikanten Effekte festgestellt. Die Interventionsgruppe (KOOS-Gesamtscore bei Anamnese: M = 46,04, Konfidenzintervall (CI) 45,07 – 47,02; vor der Operation: M = 58,52, CI 57,51–59,54) zeigte jedoch eine ausgeprägtere Verbesserung des KOOS-Gesamtscores als die Vergleichsgruppe (Anamnese: M = 51,01, CI 50,10–51,92; vor der Operation: M = 59,18, CI 58,40–59,96). Die Interaktion (Gruppe*Zeit) für den KOOS-Gesamtscore erreichte Signifikanz für den Veränderungswert von der Anamnese bis 30 Tage post OP (p = 0,039) und 60 Tage post OP (p = 0,039). Zusätzlich wurden der KOOS-­Gesamtscore (p = 0,009) durch die Kovariate Alter beeinflusst. Die sekundären Ergebnisse sind dem Original-Artikel (s. Verweis unten) zu entnehmen.</p>
<figure id="attachment_22740" aria-describedby="caption-attachment-22740" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22740" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-922x1024.png" alt="" width="755" height="839" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-922x1024.png 922w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-270x300.png 270w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-768x853.png 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-1383x1536.png 1383w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-150x167.png 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-450x500.png 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-1200x1333.png 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226.png 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22740" class="wp-caption-text">Abb. 2 Mittelwerte und 95 %-Konfidenzintervalle des KOOS-Gesamtscores, getrennt nach Gruppen. Die x-Achse zeigt die sieben Messzeitpunkte, die y-Achse zeigt die Werte des KOOS-Gesamtscores (0 – 100 %) sowie die 95 %-Konfidenzintervalle. (KOOS = Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score)</figcaption></figure>
<h2><b>Diskussion</b></h2>
<p>Die Studie zeigt die Wirksamkeit eines angeleiteten, präoperativen Trainings im Vergleich zu einem selbstständig durchgeführten Heimtraining vor VKB-Rekonstruktion. Sowohl die Teilnehmenden der Interventions-, als auch der Vergleichsgruppe erzielten prä- als auch postoperativ Verbesserungen der selbstwahrgenommenen Kniefunktion. Die Interventionsgruppe begann auf deutlich niedrigerem funktionellem Niveau zum Zeitpunkt der Anamnese, verzeichnete jedoch bis zum Messzeitpunkt vor der Rekonstruktion eine stärkere Verbesserung. Auch nach 30 Tagen postoperativ begann die Interventionsgruppe auf einem niedrigeren Niveau, erzielte jedoch über den weiteren Beobachtungszeitraum größere Verbesserungen. Die ausgeprägtere Verbesserung in der Interventionsgruppe deutet auf die Überlegenheit des angeleiteten, kriterienbasierten Trainings gegenüber eigenständigem Heimtraining hin. Es ist jedoch zu beachten, dass die Interventionsgruppe durch niedrigere Ausgangswerte ein größeres Verbesserungspotenzial hatte. Hingegen könnte der etwas größere Zeitraum zwischen Ruptur und Rekonstruktion in der Vergleichsgruppe im Gegensatz zur Interventionsgruppe die Ergebnisse in der Vergleichsgruppe positiv beeinflusst haben [4].</p>
<p>Auffallend ist zudem eine größere Spannweite der Anzahl der durchgeführten Trainingseinheiten in der Vergleichsgruppe im Gegensatz zur Interventionsgruppe. Dies könnte durch die Charakteristika des eigenständigen Trainings begründet sein. Eigenständiges Training bietet eine flexible Gestaltung, doch psychologische Faktoren wie Selbstmotivation, sportliche Identität und soziale Unterstützung sind entscheidend für die Einhaltung des Trainingsplans [5], während durch die Anwesenheit eines Trainers die Trainingsqualität und die Belastungssteuerung verbessert werden können [6, 7]. Eine gute therapeutische Beziehung wird als förderlich im Rehabilitationsprozess angesehen [5].<span class="Apple-converted-space">  </span>Als limitierende Faktoren sind abschließend die hohe Drop-Out-Quote sowie das kurze Follow-up von 180 Tagen zu nennen.</p>
<p><b>Praktische Relevanz und Schlussfolgerung</b></p>
<p>In der klinischen Praxis wird häufig passiv auf die Rekon­struktion des VKBs gewartet. Aufgrund der Schwere von VKB-Verletzungen bietet präoperatives Training jedoch ein erhebliches Potenzial, besonders bei schlechter präoperativer Kniefunktion. Sowohl angeleitetes als auch selbstständiges Training verbessern die Kniefunktion, wobei das angeleitete Training leicht überlegen erscheint. Eigenständiges Training bietet mehr Flexibilität, während das angeleitete Training Motivation und Trainingsqualität fördern kann. Die Wahl zwischen angeleitetem oder selbstständigem Training sollte individuell erfolgen, ebenso sind Kombinationen aus beidem denkbar. Zukünftige Studien sollten Dosis-­Wirkungs-Beziehungen und Langzeiteffekte genauer untersuchen. Zudem lag der Fokus der Studie auf präoperativem Training, während in zukünftigen Studien Prähabilitation multimodal (z. B. mit ergänzenden psychologischen Komponenten oder Stressmanagement) durchgeführt werden könnte.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist eine neu verfasste, modifizierte und gekürzte Zusammen­fassung des 2026 in Scientific Reports veröffentlichten Artikels „Abel R, Niederer D, Glowa A, Hansen N, Wilke C, Offerhaus C. (2026). Effectiveness of exercise prehabilitation before anterior cruciate ligament reconstruction on functional outcomes – a single-blinded randomized controlled trial. Sci Rep. 2026 Mar 9;16(1):8962. doi: 10.1038/s41598-026-41576-2“.</em></p>
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</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
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