<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Training Archive - sportärztezeitung</title>
	<atom:link href="https://sportaerztezeitung.com/category/rubriken/training/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://sportaerztezeitung.com/category/rubriken/training/</link>
	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
	<lastBuildDate>Tue, 16 Jun 2026 08:30:35 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>

<image>
	<url>https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/08/cropped-s_icon_square@2x-32x32.png</url>
	<title>Training Archive - sportärztezeitung</title>
	<link>https://sportaerztezeitung.com/category/rubriken/training/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Atmen</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22565/atmen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Apl.-Prof. Dr. Dr. Sylvain Laborde,&nbsp;Nina Zammit,&nbsp;Stefan Ackermann,&nbsp;Masa Iskra&nbsp;,&nbsp;Caterina Salvotti]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 08:32:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22565</guid>

					<description><![CDATA[Atmung läuft meist automatisch ab – zugleich gehört sie zu den wenigen Körperfunktionen, die wir jederzeit willentlich steuern können. Genau darin liegt der praktischer Wert: Über gezielte Veränderung der Atemfrequenz [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Atmung läuft meist automatisch ab – zugleich gehört sie zu den wenigen Körperfunktionen, die wir jederzeit willentlich steuern können. Genau darin liegt der praktischer Wert: Über gezielte Veränderung der Atemfrequenz lassen sich körperliche Aktivierung, Stressreaktionen und kognitive Leistungsfähigkeit beeinflussen [1].<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Ein aktueller Beitrag für Frontiers for Young Minds fasst evidenzbasiert zusammen, warum sowohl Slow-Paced Breathing (langsames, rhythmisches Atmen) als auch Fast-Paced Breathing (schnelles Atmen) je nach Situation nützlich sein können – und wie man beide Atemtechniken sinnvoll anwenden kann [2].</p>
<h2><b>Warum und wie die Atmung das Herz und das Gehirn beeinflusst</b></h2>
<p>Beim Ein- und Ausatmen schwankt die Herzfrequenz natürlicherweise: Beim Einatmen steigt sie, beim Ausatmen fällt sie. Dieses Phänomen heißt respiratorische Sinusarrhythmie (RSA) und gilt als Ausdruck einer gesunden, flexiblen kardialen Regulation [3]. Gesteuert wird diese Dynamik über das autonome Nervensystem, welches aus zwei verschiedenen Zweigen besteht: dem sympathischen Nervensystem („fight or flight“, Aktivierung) und dem parasympathischen Nervensystem („rest and digest“, Erholung). Atemtechniken können die Prädominanz der verschiedenen Zweige kurzfristig und gezielt verändern – mit spürbaren Effekten auf Anspannung, Aufmerksamkeit und Leistungsbereitschaft [2].</p>
<figure id="attachment_22572" aria-describedby="caption-attachment-22572" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-22572" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226-1024x465.jpg" alt="" width="755" height="343" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226-1024x465.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226-300x136.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226-768x349.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226-150x68.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226-450x204.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226-1200x545.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde1_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22572" class="wp-caption-text">Diese Grafik zeigt die elektrische Aktivität des Herzens. Der größte Ausschlag, mit R bezeichnet, entspricht dem Herzschlag. Der grüne Abschnitt zeigt die Einatmung, der rote Abschnitt die Ausatmung. Man kann erkennen, dass sich die Herzfrequenz während der Einatmung erhöht und während der Ausatmung verlangsamt. Dieses Phänomen wird als respiratorische Sinusarrhythmie bezeichnet. © Dr. Emma Mosley, Bournemouth University, UK</figcaption></figure>
<p><img decoding="async" class="size-large wp-image-22571" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-990x1024.jpg" alt="" width="755" height="781" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-990x1024.jpg 990w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-290x300.jpg 290w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-768x794.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-1485x1536.jpg 1485w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-150x155.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-450x465.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226-1200x1241.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde2_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /></p>
<p>Das autonome Nervensystem reguliert viele Funktionen des Körpers, ohne dass man bewusst darüber nachdenken muss. Es besteht aus zwei Teilen: dem sympathischen Nervensystem, das für Aktivierung und erhöhte Aufmerksamkeit sorgt, und dem parasympathischen Nervensystem, das den Körper beruhigt. Schnelle Atmung aktiviert das sympathische Nervensystem, während langsame Atmung das para­sympathische Nervensystem aktiviert. © Dr. Emma Mosley, Bournemouth University, UK</p>
<h2><b>Slow-Paced Breathing: Beruhigen, fokussieren, regulieren</b></h2>
<p>Slow-Paced Breathing bedeutet, deutlich langsamer als üblich zu atmen – typischerweise etwa sechs Atemzüge pro Minute [2, 4]. Durch das verlangsamte Atmen wird die parasympathische Aktivität, u. a. über den Vagusnerv, verstärkt [4]. In Studien wird Slow-Paced Bre­­a­thing mit Verbesserungen in Stressregulation und – je nach Kontext – auch mit Vorteilen für exekutive Funktionen (z. B. Emotionsregulation, Entscheidungsfindung) in Verbindung gebracht [5].</p>
<p>Praktische Durchführung (Basisprotokoll):</p>
<ul>
<li>Bauchatmung / Diaphragmafokus: Eine Hand auf Brust, eine auf Bauch. Ziel: Bauch hebt sich<br />
beim Einatmen deutlich, Brust bleibt möglichst ruhig.</li>
<li>Pacer nutzen (App wie iBreathe, Awesome Breathing), damit das Tempo konstant bleibt [2].</li>
<li>Ausatmung leicht verlängern (z. B. Ein 4 s / Aus 6 s), da dies die parasympathische Aktivität zusätzlich unterstützen kann [6].</li>
<li>Dosierung: Für akute Regulation reichen oft 3 – 5 Minuten; als Trainingseffekt empfiehlt sich regelmäßiges Üben (z. B. täglich 5 – 15 Minuten) [2].</li>
</ul>
<p>Wofür ist Slow-Paced Breathing geeignet?</p>
<ul>
<li>Vor Wettkampf / Prüfung, wenn Nervosität dominiert</li>
<li>In Pausen zur schnellen Selbstregulation</li>
<li>Abends zur Entspannung und Schlafvorbereitung</li>
<li>In Phasen hoher mentaler Belastung (z. B. taktische Entscheidungen)</li>
</ul>
<figure id="attachment_22570" aria-describedby="caption-attachment-22570" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-22570" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226-1024x610.jpg" alt="" width="755" height="450" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226-1024x610.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226-300x179.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226-768x458.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226-150x89.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226-450x268.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226-1200x715.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Laborde3_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22570" class="wp-caption-text">Atemtrainer-Apps können dabei helfen, langsame oder schnelle Atemrhythmen durchzuführen. In diesem Beispiel für langsame Atmung bewegt sich die kleine rote Kugel nach oben, um die Einatmung anzuzeigen, und nach unten, um die Ausatmung zu signalisieren. © Dr. Emma Mosley, Bournemouth University, UK</figcaption></figure>
<h2><b>Fast-Paced Breathing: Aktivieren, „bereit machen“</b></h2>
<p>Fast-Paced Breathing beschreibt deutlich schnelleres Atmen als normal (ca. 25 – 60 Atemzüge/Minute) [2]. Ziel ist eine kurzfristige Aktivierung (mehr Sympathikusdominanz), z. B. für explosive Kraft- und Schnellkraftanforderungen. In experimentellen Arbeiten wurden nach schnellen Atemformen teils akute Leistungsänderungen (z. B. Handkraft) berichtet [7]. Wichtiger Hinweis: Schnelles Atmen kann – je nach Ausführung und Person – zu Schwindel, Kribbeln oder Unwohlsein führen (v. a. bei Hyperventilation). Daher gilt: kurz, kontrolliert, situationsgerecht und idealerweise angeleitet starten [2].</p>
<p>Wofür ist Fast-Paced Breathing geeignet?</p>
<ul>
<li>Kurz vor maximalen Kraftaktionen (z. B. schwerer Lift)</li>
<li>Vor Sprint- / Explosivbelastungen, wenn „Energie hochfahren“ gewünscht ist</li>
<li>Als Aktivierungsroutine zu Beginn intensiver Trainingseinheiten</li>
</ul>
<h2><b>Fallbeispiel aus der Praxis</b></h2>
<p>Situation: 19-jährige Dual-Career-Athletin, tagsüber Uni-Prüfung, abends Teamtraining mit Sprinttests. Sie berichtet: „Vor der Prüfung bin ich zu nervös, im Training danach bin ich müde und unkonzentriert.“</p>
<p>Intervention:</p>
<ul>
<li>Vor der Prüfung: Fünf Minuten Slow-Paced Breathing mit Pacer (sechs Atemzüge / min), Fokus<br />
auf verlängerte Ausatmung. Ziel: Nervosität senken, klarer denken.</li>
<li>Vor den Sprinttests: 30 – 60 Sekunden kurze Aktivierung mit schnellem, aber nicht maximal tiefem Atmen (kleinere Atemzüge, zügiger Rhythmus), danach direkt Aufwärmung/Start [2].</li>
</ul>
<p>Erwarteter Nutzen: Bessere Zustandsregulation durch „Atemfrequenz als Stellschraube“ – je nach Anforderung beruhigen oder aktivieren. In einer Smart-phone-gestützten Intervention nutzten studentische Athleten Slow-Paced Bre­a­thing u. a. für Sport, Studium und Schlaf, mit subjektiv berichteten Vorteilen für Ruhe und Stressreduktion [8].</p>
<h2><b>Konkrete Handlungsempfehlungen für Sportmedizin &amp; Betreuung</b></h2>
<ul>
<li>Zustand vor Technik: Erst klären, ob Beruhigung (Downregulation) oder Aktivierung (Upregulation) benötigt wird.</li>
<li>Slow-Paced Breathing als Hilfsmittel für Stressregulation: 6 / min, Ausatmung leicht länger, 3 – 5 Minuten als Akutmaßnahme, zusätzlich regelmäßiges Training [4 – 6].</li>
<li>Pacer einsetzen, um Dosierung und Tempo zu stabilisieren [2].</li>
<li>Fast-Paced Breathing vorsichtig dosieren: kurz (≤ 60 – 90 s), eher flach als extrem tief, bei Unwohlsein ab-<br />
brechen; nicht während der Schwangerschaft oder bei Personen mit starker Neigung zu Paniksymptomen ohne professionelle Anleitung [2].</li>
<li>Monitoring vereinfachen: Subjektive Skala (0 – 10) für Anspannung / Aktivierung vor und nach der Atemübung; bei Bedarf Herzfrequenz- oder Herzratenvariabilität-Biofeedback im Setting der Leistungsdiagnostik.</li>
</ul>
<h2><b>Fazit und Ausblick</b></h2>
<p>Atemtechniken sind niedrigschwellige, überall verfügbare Techniken, um Körperzustände gezielt zu beeinflussen. Langsames Atmen eignet sich besonders zur Beruhigung und zur Unterstützung kognitiver Kontrolle in Drucksituationen, während schnelles Atmen kurzfristig aktivieren kann – etwa vor explosiven Belastungen. Entscheidend ist die passende Auswahl zur Anforderung und ein sicherer Einstieg, idealerweise begleitet durch qualifiziertes Personal. Perspektivisch sind praxisnahe Studien gefragt, die individualisierte Protokolle (z. B. Atemrhythmus, In- / Ex-­Verhältnis, Dauer) und sportartspezifische Outcomes systematisch vergleichen [2,4 – 6].</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Sherwood, L. (1995). Fundamentals of Physiology: A Human Perspective. Brooks/Cole.</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Mosley, E., Felton, M., Kavanagh, E., Iskra, M., Salvotti, C., Zammit, N., &amp; Laborde, S. (2026). How Breathing Faster or Slower Can Improve Performance and Wellbeing. Frontiers for Young Minds, 14, 1603451. https://doi.org/10.3389/frym.2025.1603451</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Berntson, G. G., Cacioppo, J. T., &amp; Quigley, K. S. (1993). Respiratory sinus arrhythmia: autonomic origins, physiological mechanisms, and psychophysiological implications. Psychophysiology, 30, 183–196. https://doi.org/10.1111/j.1469-8986.1993.tb01731.x</p>
<p style="font-weight: 400;">[4] Laborde, S., Allen, M. S., Borges, U., et al. (2022). Effects of voluntary slow breathing on heart rate and heart rate variability: A systematic review and meta-analysis. Neuroscience &amp; Biobehavioral Reviews, 138, 104711. https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2022.104711</p>
<p style="font-weight: 400;">[5] Laborde, S., Allen, M. S., Borges, U., et al. (2021). The influence of slow-paced breathing on executive function. Journal of Psychophysiology, 36, 13–27. https://doi.org/10.1027/0269-8803/a000279</p>
<p style="font-weight: 400;">[6] Laborde, S., Iskra, M., Zammit, N., et al. (2021). Slow-paced breathing: influence of inhalation/exhalation ratio and of respiratory pauses on cardiac vagal activity. Sustainability, 13, 7775. https://doi.org/10.3390/su13147775</p>
<p style="font-weight: 400;">[7] Telles, S., Sharma, S. K., Yadav, A., Singh, N., &amp; Balkrishna, A. (2014). Immediate changes in muscle strength and motor speed following yoga breathing. Indian Journal of Physiology and Pharmacology, 58, 22–29.</p>
<p style="font-weight: 400;">[8] Mosley, E., Duncan, S., Jones, K., et al. (2024). A smartphone enabled slow-paced breathing intervention in dual career athletes. Journal of Sport Psychology in Action, 15, 149–164. https://doi.org/10.1080/21520704.2023.2194256</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Show Wrestling</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22556/show-wrestling/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Kenny Ludäscher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 08:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22556</guid>

					<description><![CDATA[In den letzten Jahrzehnten hat sich professionelles Show Wrestling zu einer weltweit verbreiteten Form der sportlichen Unterhaltung entwickelt, mit einer großen Fangemeinde, international bekannten Athleten sowie regelmäßig stattfindenden Großveranstaltungen und [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>In den letzten Jahrzehnten hat sich professionelles Show Wrestling zu einer weltweit verbreiteten Form der sportlichen Unterhaltung entwickelt, mit einer großen Fangemeinde, international bekannten Athleten sowie regelmäßig stattfindenden Großveranstaltungen </b><b>und wöchentlichen Fernsehsendungen. Große Promotions</b><b> tragen wesentlich zur globalen Popularität dieses Sports bei und erreichen ein Millionenpublikum in zahlreichen Ländern.</b></p>
<p>Trotz seiner stark inszenierten und dramaturgischen Elemente stellt professionelles Wrestling eine körperlich äußerst anspruchsvolle Disziplin dar, die ein intensives Training, eine hohe athletische Leistungsfähigkeit sowie ein beträchtliches Maß an körperlicher Belastbarkeit erfordert. Es ist durch eine Vielzahl komplexer Bewegungsmuster gekennzeichnet, ­darunter Würfe, Hebeltechniken, Sprungbewegungen sowie wiederholte Sturz- und Aufprallbewegungen auf der Ringmatte. Darüber hinaus beinhaltet der Sport eine Kombination aus Kraft, Koordination, Gleichgewicht, Schnelligkeit und Körperkontrolle, die mit verschiedenen Kampfsportarten und akrobatischen Disziplinen vergleichbar ist [1 – 3]. Anders als bei vielen traditionellen Sportarten besteht das Ziel jedoch nicht ausschließlich im sportlichen Wettbewerb, sondern auch in der Darstellung eines choreografierten Kampfes vor Publikum. Dennoch müssen die Athleten zahlreiche technisch anspruchsvolle und teilweise riskante Manöver ausführen, die mit erheblichen biomechanischen Belastungen verbunden sind.</p>
<p>Ein besonderes Merkmal des professionellen Wrestlings ist, dass viele Bewegungen zwar geplant sind, ihre biomechanische Belastung jedoch real bleibt. Würfe wie Suplex-Varianten, Powerbomb-Techniken oder DDT-Manöver können erhebliche Kräfte auf Wirbelsäule, Schultern und Extremitäten erzeugen. Während eines Matches treten zudem häufig wiederholte Aufprallbewegungen auf, die zu kumulativen Belastungen des Bewegungsapparates führen können [4, 5]. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Beschaffenheit des Rings. Obwohl der Wrestlingring äußerlich weich erscheint, besteht seine Konstruktion in der Regel aus einer stabilen Holzbasis mit einer relativ dünnen Polsterschicht und einer gespannten Ringplane. Diese Struktur reduziert zwar einen Teil der Aufprallenergie, führt jedoch weiterhin zu erheblichen Stoß­belastungen auf den Bewegungsapparat der Athleten. Wiederholte Stürze auf diese Oberfläche können daher zu akuten Verletzungen sowie langfristigen degenerativen Veränderungen führen [3, 6]. Epidemiologische Studien aus Amateur- und College-Wrestling zeigen, dass die Verletzungsinzidenz in dieser Sportart relativ hoch ist und zwischen 5,7 und 9,6 Verletzungen pro 1.000 Athleten liegt [1, 4]. Obwohl spezifische wissenschaftliche Daten zum professionellen Show Wrestling begrenzt sind, lassen sich viele Verletzungsmuster aufgrund der vergleichbaren biomechanischen Anforderungen auf diese Disziplin übertragen.</p>
<h2><b>Biomechanische Besonderheiten</b></h2>
<p>Aus biomechanischer Sicht stellt professionelles Wrestling eine einzigartige Kombination aus Kampfsport, Kraftsport und akrobatischen Bewegungen dar. Viele der im Ring ausgeführten Techniken beruhen auf komplexen kinetischen Ketten, bei denen mehrere Muskelgruppen und Gelenke gleichzeitig aktiviert werden. Ein Beispiel hierfür sind Wurfbewegungen wie Suplex-Techniken. Bei diesen Manövern erfolgt die Kraftübertragung zunächst über eine explosive Streckung der unteren Extremitäten, insbesondere der Knie- und Hüftgelenke. Die erzeugten Kräfte werden anschließend über den Rumpf auf die oberen Extremitäten übertragen, um den Gegner anzuheben und zu kontrollieren. Während der anschließenden Landung wirken erhebliche Kompressions- und Rotationskräfte auf die Wirbelsäule beider Athleten [2, 7]. Darüber hinaus sind sogenannte „High-Flying Moves“, also Sprungmanöver von den Ringseilen oder erhöhten Plattformen, biomechanisch besonders anspruchsvoll. Diese Bewegungen beinhalten häufig Rotationen des Körpers in der Luft sowie Landungen aus erhöhter Position. Die dabei entstehenden vertikalen Beschleunigungskräfte werden über Füße, Knie und Hüfte auf den gesamten Bewegungsapparat übertragen [7, 8]. Ein weiterer bedeutender biomechanischer Faktor ist die wiederholte Belastung des Kopf- und Nackenbereichs. Selbst kontrollierte Aufprallbewegungen können zu abrupten Be-<br />
schleunigungs- und Rotationskräften des Kopfes führen. Diese Kräfte gelten als besonders relevant, da sie mit dem Risiko von Gehirnerschütterungen und anderen traumatischen Hirnverletzungen verbunden sein können [8 – 10].</p>
<h2><b>Verletzungsmuster</b></h2>
<p>Die Kombination aus wiederholten Aufprallbewegungen, intensiven körperlichen Kontakten und komplexen Bewegungsabläufen führt zu einem charakteristischen Verletzungsprofil. Studien aus dem Amateur- und College-Wrestling zeigen, dass Verletzungen sowohl durch akute Traumata als auch durch chronische Überlastung entstehen können [1, 4]. Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass zu den am häufigsten betroffenen Körperregionen Knie, Schulter sowie Kopf und Gesicht gehören [1, 5]. Verstauchungen, Muskelverletzungen und Bandverletzungen zählen zu den häufigsten Diagnosen. Auch Frakturen sowie Gelenkluxationen treten in dieser Sportart regelmäßig auf [4, 5]. Verletzungen der oberen Extremitäten treten ebenfalls häufig auf. Dazu gehören Schulterluxationen, Verletzungen der Rotatorenmanschette sowie Bandverletzungen des Ellenbogens. Diese entstehen häufig durch Hebeltechniken, Würfe oder Sturzbewegungen, bei denen der Arm als Stütze verwendet wird [2, 6].</p>
<p>Auch die unteren Extremitäten sind regelmäßig betroffen. Typische Verletzungen umfassen Bandverletzungen des Kniegelenks, Meniskusschäden sowie Sprunggelenksdistorsionen. Diese treten häufig bei Landungen nach Sprungbewegungen oder bei abrupten Richtungswechseln während eines Matches auf [4, 7]. Darüber hinaus haben neurologische Verletzungen in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit erhalten. Mehrere Studien zeigen, dass Wrestling zu den Sportarten mit einem erhöhten Risiko für Gehirnerschütterungen gehört, insbesondere bei jungen Athleten [8, 9]. Wiederholte Kopfstöße oder Beschleunigungen des Kopfes können zu akuten neurologischen Symptomen führen und langfristig mit neurodegenerativen Veränderungen in Ver­bindung gebracht werden [10, 11]. Neben akuten Verletzungen spielen auch chronische Überlastungsschäden eine wichtige Rolle. Wiederholte Aufprallbewegungen sowie die hohe Trainings- und Wettkampfbelastung können langfristig zu degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule, der Schultergelenke oder der Kniegelenke führen [6, 12].</p>
<h2><b>Langzeitfolgen</b></h2>
<p>In den letzten Jahren haben mögliche Langzeitfolgen wiederholter Kopftraumata im professionellen Wrestling zunehmende wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten. Besonders im Fokus steht dabei die chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE), eine neuro­degenerative Erkrankung, die mit wiederholten traumatischen Hirnverletzungen in Verbindung gebracht wird [10 – 13]. Neuropathologische Untersuchungen konnten CTE bereits bei Athleten verschiedener Kontaktsportarten nachweisen. In einer der ersten Fallstudien wurde diese Erkrankung auch bei einem professionellen Wrestler beschrieben [11]. Typische klinische Symptome umfassen Gedächtnisstörungen, kognitive Beeinträchtigungen, Depressionen sowie Verhaltensveränderungen. Neben neurologischen Erkrankungen werden auch degenerative Veränderungen der Wirbelsäule häufig bei ehemaligen Wrestlern beschrieben. Wiederholte axiale Belastungen, Stürze und Rotationsbewegungen können langfristig zu Bandscheibendegenerationen, chronischen Rückenschmerzen und zervikalen Wirbelsäulenproblemen führen [6, 12]. Darüber hinaus zeigen einige Studien, dass professionelle Wrestler im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Risiko für frühzeitige Mortalität sowie für kardiovaskuläre Erkrankungen aufweisen [14]. Diese Beobachtungen werden mit der hohen körperlichen Belastung, chronischen Verletzungen sowie teilweise auch mit Lebensstilfaktoren in Verbindung gebracht.</p>
<h2><b>Prävention<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Angesichts der hohen körperlichen Belastungen im professionellen Wrestling sind präventive Maßnahmen von großer Bedeutung. Ein zentraler Ansatz besteht in der Verbesserung der technischen Ausbildung der Athleten. Insbesondere das korrekte Erlernen von Falltechniken („Bumps“) kann dazu beitragen, Aufprallkräfte besser zu verteilen und das Risiko schwerer Verletzungen zu reduzieren [3]. Darüber hinaus spielt ein gezieltes Kraft- und Stabilitätstraining eine wichtige Rolle. Insbesondere die Stärkung der Nacken- und Rumpfmuskulatur kann dazu beitragen, die Belastung auf Kopf und Wirbelsäule zu reduzieren und potenziell das Risiko von Kopfverletzungen zu verringern [8, 10]. Ein weiterer wichtiger präventiver Faktor ist das medizinische Monitoring. Moderne medizinische Protokolle zur Diagnose und Behandlung von Gehirnerschütterungen werden zunehmend auch im professionellen Wrestling eingesetzt. Dazu gehören standardisierte neurologische Untersuchungen sowie klare Return-to-Play-Richtlinien nach Kopfverletzungen [9]. Schließlich können auch organisatorische Maßnahmen zur Prävention beitragen. Dazu zählen ausreichende Regenerationszeiten zwischen Matches, eine Begrenzung besonders riskanter Manöver sowie eine kontinuierliche medizinische Betreuung der Athleten.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Professionelles Show Wrestling stellt trotz seines inszenierten Charakters eine Sportart mit erheblichen biomechanischen Belastungen dar. Wiederholte Sturzbewegungen, komplexe Wurftechniken und intensive körperliche Kontakte führen zu einem charakteristischen Verletzungsprofil, das insbesondere Knie-, Schulter- und Kopfverletzungen umfasst. Darüber hinaus können wiederholte Kopftraumata langfristige neurologische Folgen wie chronisch-traumatische Enzephalopathie begünstigen. Ein besseres Verständnis der biomechanischen Belastungen sowie ge­zielte Präventionsstrategien, einschließlich technischer Ausbildung, Krafttraining und medizinischer Überwachung, sind daher entscheidend, um das Verletzungsrisiko zu reduzieren und die langfristige Gesundheit der Athleten zu schützen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol style="font-weight: 400;">
<li>Dick R., Agel J., Marshall S. (2007). NCAA Injury Surveillance System: Wrestling injuries. <em>Journal of Athletic Training.</em></li>
<li>Knowles S. et al. (2006). Risk of injury in collegiate wrestling. <em>American Journal of Sports Medicine.</em></li>
<li>Hootman J., Dick R., Agel J. (2007). Epidemiology of collegiate injuries for 15 sports. <em>Journal of Athletic Training.</em></li>
<li>Yard E., Collins C. (2008). Injuries in high school wrestling. <em>American Journal of Sports Medicine.</em></li>
<li>Stanbouly D. et al. (2020). Epidemiology of wrestling injuries in the United States. <em>Orthopaedic Journal of Sports Medicine.</em></li>
<li>Piussi R. et al. (2024). Experiences of professional wrestlers after ACL injury. <em>BMJ Open Sport &amp; Exercise Medicine.</em></li>
<li>Hecimovich M., King D., Garrett T. (2016). Head impact analysis in wrestling. <em>International Journal of Wrestling Science.</em></li>
<li>Pfister T. et al. (2016). Incidence of concussion in youth sports. <em>Archives of Clinical Neuropsychology.</em></li>
<li>Kerr Z. et al. (2015). Epidemiology of concussion in collegiate sports. <em>American Journal of Sports Medicine.</em></li>
<li>McKee A. et al. (2013). The spectrum of disease in chronic traumatic encephalopathy. <em>Brain.</em></li>
<li>Omalu B. et al. (2010). Chronic traumatic encephalopathy in a professional wrestler. <em>Journal of Forensic Nursing.</em></li>
<li>Bailes J., Petraglia A. (2013). Chronic traumatic encephalopathy in contact sports. <em>Neurosurgery.</em></li>
<li>Mez J. et al. (2017). Clinicopathological evaluation of chronic traumatic encephalopathy. <em>JAMA.</em></li>
<li>Lehman E. et al. (2013). Mortality of professional wrestlers. <em>American Journal of Sports Medicine.</em></li>
</ol>
<p>&nbsp;</p>
<p><span class="fontstyle0"><strong>FILMTIPPS DER REDAKTION</strong></span></p>
<p><span class="fontstyle0"><br />
</span><span class="fontstyle2"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Wrestler_%E2%80%93_Ruhm,_Liebe,_Schmerz">THE WRESTLER (USA 2008) </a><br />
In The Wrestler von Darren Aronofsky spielt Mickey Rourke einen gescheiterten Wrestler, der lernen muss, außerhalb des Rings zu funktionieren.</span></p>
<p><span class="fontstyle2"><br />
</span><span class="fontstyle2"><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Fighting_with_My_Family">FIGHTING WITH MY FAMILY (GB 2019)</a></span></p>
<p><span class="fontstyle2">Fighting with My Family ist eine Tragikomödie von Stephen Merchant über die wahre Geschichte einer Wrestling-Familie, deren Kinder die Chance erhalten, groß in der WWE rauszukommen.<br />
</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Stretching trifft Faszienforschung</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22597/stretching-trifft-faszienforschung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. Robert Schleip&nbsp;,&nbsp;Franziska Wittleder]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2026 10:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22597</guid>

					<description><![CDATA[Faszien waren lange das „Aschenputtel“ der muskuloskelettalen Medizin – strukturell präsent, funktionell unterschätzt. Spätestens seit der intensiveren Forschung der letzten 15 Jahre rücken sie jedoch zunehmend ins Rampenlicht. Bildgebende Studien [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Faszien waren lange das „Aschenputtel“ der muskuloskelettalen Medizin – strukturell präsent, funktionell unterschätzt. Spätestens seit der intensiveren Forschung der letzten 15 Jahre rücken sie jedoch zunehmend ins Rampenlicht. Bildgebende Studien zeigen, dass bei uskelverletzungen myofasziale und myotendinöse Läsionen deutlich häufiger auftreten als isolierte Muskelschäden – 32,1 % myofaszial, 68,4 % myotendinös, nur 12,7 % isoliert muskulär [1].</b></p>
<p>Die klinische Konsequenz ist klar: Wer Prävention, Rehabilitation und Return-to-Play-Strategien optimieren möchte, muss das myofasziale Kontinuum systematisch mitdenken.</p>
<h2><b>Der Körper als Zugspannungsnetzwerk</b></h2>
<p>Stellt man sich den Bewegungsapparat als reines Hebelsystem vor, greift man zu kurz. Bis zu 30 – 40 % der Muskelkraft werden nicht longitudinal über die Sehne übertragen, sondern lateral über myofasziale Verbindungen [2]. Spannungsveränderungen in der Plantarfaszie sind per Ultraschall bis in proximale dorsale Strukturen nachweisbar [3] – das Gewebe kommuniziert über weite Strecken. Eine Verletzung ist damit selten ein lokales Ereignis, sondern verändert die Zugspannung entlang ganzer Ketten. Wie relevant das im klinischen Alltag ist, zeigt ein Blick auf chronischen Rückenschmerz: Betroffene weisen per Ultraschall eine messbar reduzierte Scherbeweglichkeit der thorakolum­balen Faszie auf [4, 5]. Intrafasziale Hyaluronsäure-Injektionen zur Wiederherstellung dieser Gleitfähigkeit führten bei 70 % der Behandelten zu klinisch relevanten Verbesserungen, mit einer mittleren Schmerzreduktion von 37 % [6]. Fasziale Steifigkeit ist also kein Randphänomen – sie ist pathophysiologisch relevant und therapeutisch adressierbar.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Praktisch lässt sich das gut bei Achillessehnenbeschwerden beobachten. Diese äußern sich häufig nicht nur in lokalen, sondern auch proximalen Defiziten, etwa in Hip-Extension-Kraft und Bewegungs- / Belastungsmustern entlang der unteren Extremität. Entsprechend empfehlen aktuelle Rehabilitationskonzepte, neben der lokalen Sehnenbelastung auch die gesamte myofasziale Zugspannungskette (oberflächliche Dorsallinie) zu berücksichtigen [7]. Der Körper reagiert als Einheit und eine wirksame Therapie muss das berücksichtigen.</p>
<h2><b>Aktuelle Forschung zum Dehnen</b></h2>
<p>Statisches Dehnen hat eine turbulente Karriere hinter sich. Jahrzehntelang Pflicht, dann plötzlich Risikofaktor. Der aktuelle Stand ist klarer, als die Debatte vermuten lässt. Statisches Dehnen unter 60 Sekunden pro Muskelgruppe hat keine negativen Effekte auf Kraft und Leistung und ist dazu geeignet im vollständigen Aufwärmprogramm sogar die Verletzungsrate zu reduzieren [8]. Wer allerdings Haltungsverbesserungen erwartet, wird enttäuscht: Eine Metaanalyse über 23 Studien und 969 Teilnehmende fand keine signifikanten Haltungseffekte durch Dehnen. Hierzu ist Muskekräftigungstraining offenbar besser geeignet [9]. Überraschend robust sind hingegen die Befunde zur Gefäßgesundheit: Regelmäßiges Dehnen senkt den Blutdruck. Eine Auswertung von 69 Studien mit überwiegend über 40-Jährigen zeigt, dass regelmäßiges Dehnen über mindestens vier Wochen die arterielle Steifigkeit signifikant senkt, die endotheliale Funktion verbessert und den diastolischen Blutdruck reduziert [10]. Als Mechanismen werden erhöhte NO-Produktion in Endothelzellen und reduzierte sympathische Aktivierung diskutiert. Stretching ist damit nicht nur Gelenkpflege – es ist kardiovaskuläre Prävention.</p>
<p>Und dann noch das: prolongiertes Dehnen löst Hypertrophie und Kraftzuwachs aus. Nach sechs Wochen täglicher einstündiger Dehnung der plantaren Flexoren stieg der Muskelquerschnitt des Gastrocnemius um 15,2 %, der Bewegungsumfang um bis zu 27,3 %, mit Kraftzuwächsen und kontralateralem Krafttransfer auf das unbehandelte Bein [11]. Eine Vergleichsstudie zwischen statischem Dehnen der Wade und alternativ einer exzentrischen Kräftigungsbelastung derselben Struktur ordnet das ein: Während die ROM-Zuwächse bei beiden Modalitäten vergleichbar waren, bewirkte nur die muskuläre Kräftigungsübung – und nicht die passive Dehnung – eine Reduktion der passiven Steifigkeit [12].</p>
<h2><b>Klinische Empfehlungen: Ziel bestimmt Protokoll</b></h2>
<p>Das Problem in der Praxis ist nicht fehlendes Wissen. Es ist fehlende Präzision. Dehnen wird verschrieben wie Paracetamol – irgendwie, irgendwann, irgendwie lange. Das reicht nicht. Ein internationales Delphi-Konsensuspanel hat konkrete Dosierungen erarbeitet [13]: Kurzfristige Beweglichkeit? Zwei Sätze à 5 bis 30 Sekunden. Dauerhafte Beweglichkeitsgewinne? Täglich zwei bis drei Sätze à 30 bis 120 Sekunden, statisch oder PNF. Passive Steifigkeit senken? Hochintensives statisches Dehnen, mindestens zehn Minuten, fünfmal pro Woche, mindestens drei Wochen. Kardiovaskuläre Effekte? Mindestens sieben Minuten täglich über vier Wochen. Kraftaufbau durch Dehnen? Mehr als 15 Minuten, fünfmal wöchentlich, mindestens sechs Wochen. Dosis ist Diagnose. Und je nach Rehabilitationsphase sollte die Dehnungsintensität nicht konstant gehalten werden: Hohe zyklische Dehnreize von 10 % Strain beschleunigen früh die Kollagenausrichtung. Moderatere 5 % Strain liefern langfristig mehr Kollagengehalt und höhere Gewebesteifigkeit [14]. In anderen Worten: Früh höher belasten – später anpassen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wer mit älteren Erwachsenen arbeitet, sollte zudem wissen: Bei ihnen limitiert zunehmend die Steifigkeit epineuraler Faszienhüllen – insbesondere des N. ischiadicus – die Beweglichkeit am oberen Sprunggelenk; im Gegensatz zu jüngeren Erwachsenen, bei denen eher benachbarte myofasziale Gewebe eine Rolle spielen [15]. Mehrgelenkige Dehnformen, die muskuläre und neurale Strukturen simultan adressieren, sind hier klar die bevorzugte Methode. Die optimale Dauer von Dehnreizen hängt offenbar auch von der Gewebearchitektur ab. Weniger steifes Narbengewebe kann bei kurzzeitigen Dehnungen durch das umgebende Gewebe mechanisch abgeschirmt werden (stress shielding) und bleibt funktionell unterfordert [16]. Längere Belastungen – etwa isometrische Kontraktionen von ~30 s – ermöglichen hingegen durch viskoelastische Anpassungen eine gleichmäßigere Spannungsverteilung und damit eine bessere Einbindung des Narbengewebes.</p>
<h2><b>Vibrationsstimulation als Adjunct</b></h2>
<p>Einsatz von Vibration zur Steigerung der Wirksamkeit von Dehnungen – das klingt nach Wellness, ist aber zunehmend evidenzbasiert. Eine systematische Übersichtsarbeit mit über 1.900 Beobachtungen zeigt, dass sich die beweglichkeitsfördernde Wirkung von Dehnungen durch die gleichzeitige Anwendung mechanischer Vibration sowohl kurzfristig als auch langfristig verstärken lässt (Abb.). Auch für die Reduktion lokaler Versteifungen zeigte sich ein ähnlicher Effekt – allerdings nur im kurzfristigen, akuten Anwendungsvergleich und ohne Hinweise auf eine nachhaltige Wirkung [17].</p>
<h2><b>Was Dehnen noch kann – und was wir gerade erst entdecken</b></h2>
<p>Was wäre, wenn Dehnen eines Tages nicht nur Gelenke schützt, sondern ­Tumorwachstum hemmt? Tierexperimentelle Daten zeigen genau das: Regelmäßiges Dehnen reduzierte im Mausmodell das Tumorwachstum um 30 – 50 %, veränderte die Kollagenorgani­sation an der Tumorgrenzfläche und hemmte die Zellmigration in vitro [18]. Die klinische Übertragbarkeit ist offen – aber das Grundprinzip dahinter ist es nicht: Bindegewebe ist kein passives Substrat, sondern ein aktiver Regulator zellulärer Prozesse. Mechanische Reize sind sein primärer Stimulus – und wir fangen gerade erst an zu verstehen, wie weit diese Wirkung reicht.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Das Bild, das die Forschung heute zeichnet, ist eindeutig: Krafttraining, Dehnen und neuromuskuläre Stimu­lation konkurrieren nicht. Sie ergänzen sich. Unterschiedliche Gewebeschichten, unterschiedliche Adaptationsziele, unterschiedliche Zeitfenster. Wer alle drei präzise nach Ziel, Dosis und Phase steuert, hat das stärkste Werkzeug der Prähabilitation in der Hand.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong> </strong>[1] Wilke et al., 2019: <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31903399/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31903399/</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Huijing 2009: DOI: 10.1016/j.jbiomech.2008.09.027</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Wilke et al., 2020: doi: 10.3389/fphys.2020.00180</p>
<p style="font-weight: 400;">[4] Langevin et al., 2011: DOI: 10.1186/1471-2474-12-203</p>
<p style="font-weight: 400;">[5] Brandl et al. 2014: <a href="https://www.nature.com/articles/s41598-024-70982-7">https://www.nature.com/articles/s41598-024-70982-7</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[6] Contipro 2024: <a href="https://www.contipro.com/images/SSCP_Fascigel_HA.pdf">https://www.contipro.com/images/SSCP_Fascigel_HA.pdf</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[7] Ferreira et al., 2025: <a href="https://opus.lib.uts.edu.au/handle/10453/189695">https://opus.lib.uts.edu.au/handle/10453/189695</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[8] Chaabene et al., 2019: DOI: 10.3389/fphys.2019.01468</p>
<p style="font-weight: 400;">[9] Warneke et al., Sports Med Open 2024</p>
<p style="font-weight: 400;">[10] Kato et al., Int J Environ Res Public Health 2020</p>
<p style="font-weight: 400;">[11] Warneke et al., 2023: DOI: 10.1007/s40279-023-01898-x</p>
<p style="font-weight: 400;">[12] Murakami et al., 2025:  doi: 10.3389/fphys.2025.1555253</p>
<p style="font-weight: 400;">[13] Warneke et al., 2025: <a href="https://doi.org/10.1016/j.jshs.2025.101067">https://doi.org/10.1016/j.jshs.2025.101067</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[14] Troop &amp; Puezer 2024: DOI: <a href="https://doi.org/10.1016/j.actbio.2024.07.025"><u>10.1016/j.actbio.2024.07.025</u></a></p>
<p style="font-weight: 400;">[15] Hirata at al., 2020: doi: 10.1249/MSS.0000000000002360</p>
<p style="font-weight: 400;">[16] Baar et al. 2017: <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28332110/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28332110/</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[17] Jochum et al., 2025: doi: 10.1249/MSS.0000000000002360</p>
<p style="font-weight: 400;">[18] Berrueta et al., 2026; https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41680753/</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>Studientipp:</h2>
<h3 class="heading-title"><strong>Injecting hyaluronan in the thoracolumbar fascia: A model study</strong></h3>
<p>Hyaluronsäure (HA) wurde kürzlich als Schlüsselkomponente bei der Verdickung der thorakolumbalen Faszie (TLF) identifiziert, was zu unspezifischen Schmerzen im unteren Rückenbereich (LBP) beitragen kann, die derzeit mit manueller Therapie und der systemischen oder lokalen Verabreichung von entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden. Ziel dieser Studie war es, ein neuartiges Tiermodell zu etablieren, das sich für die Untersuchung ultraschallgeführter intrafaszialer Injektionen mit HA mit niedrigem und hohem Molekulargewicht (Mw) eignet.</p>
<p><em>Nešporová K, Matonohová J, Husby J, Toropitsyn E, Stupecká LD, Husby A, Suchánková Kleplová T, Streďanská A, Šimek M, Nečas D, Vrbka M, Schleip R, Velebný V. Injecting hyaluronan in the thoracolumbar fascia: A model study. Int J Biol Macromol. 2023 Dec 31;253(Pt 3):126879. doi: 10.1016/j.ijbiomac.2023.126879. Epub 2023 Sep 12. PMID: 37709215.</em></p>
<p>Lesen Sie <a href="https://sportaerztezeitung.com/sports-research/injektion-von-hyaluronsaeure-in-die-thorakolumbale-faszie-2/">HIER</a> mehr dazu.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Isolated Resistance Training of the Lumbar Extensors</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22379/isolated-resistance-training-of-the-lumbar-extensors/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bruno Domokos&nbsp;,&nbsp;Dr. Christoph Spang (PH.D)]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 12:18:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[INT26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22379</guid>

					<description><![CDATA[Chronic back pain continues to be a widespread clinical problem. Innovative therapeutic approaches that focus on strengthening the deep back muscles, especially the multifidus muscle (MF), are becoming increasingly important. [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Chronic back pain continues to be a widespread clinical problem. Innovative therapeutic approaches that focus on strengthening the deep back muscles, especially the multifidus muscle (MF), are becoming increasingly important. Isolated lumbar extension resistance exercise (ILEX) enables targeted activation and strengthening of the lumbar spine muscles and is being used more and more frequently, especially in German-speaking countries.</b></p>
<p>Although the clinical success of ILEX therapy has been known for some time, the underlying changes in muscle morphology and function have not yet been sufficiently investigated. It is also unclear what role ILEX plays in multimodal therapy programs and to what extent the method can be used effectively and safely for specific spinal pathologies – as opposed to nonspecific back pain.</p>
<p>In a recent study published in October 2025 in the renowned journal Scientific Reports, 58 patients with chronic back pain were examined. All had specific spinal complaints, and the majority had radicular symptoms radiating to the lower extremities or relative indications for surgery. Participants could choose between a standalone ILEX program and a multimodal approach that also included manual therapy and general strengthening exercises (e. g., latissimus pull and abdominal crunch on equipment, as well as back and core training on the cable pulley). The program consisted of 25 sessions over a period of 16 weeks. The intensity and range of motion were individually adjusted to the symptoms and diagnosis, based on a systematic training protocol with gra­dual load increase. The primary outcome parameters were muscle thickness and cross-sectional area of the MF, as well as echogenicity, an indicator of muscle quality. In addition, pain intensity, disability, and health-related quality of life were regularly recorded, as was the maximum strength of the spinal extensors.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Results</b></h2>
<p>The results showed clear therapeutic effects in both groups: pain and functional limitations decreased significantly, quality of life increased, and the maximum strength of the back muscles improved significantly.</p>
<p>Particularly noteworthy was the increase in the cross-sectional area of the MF, which was accompanied by a parallel increase lumbar strength. However, no changes in echogenicity could be detected. It is also interesting to note that changes in almost all parameters were already apparent in the early stages of therapy (after three weeks). A comparison between ILEX training alone and the multimodal approach showed no significant differences in terms of clinical improvements and the increase in maximum strength and cross-sectional area of the MF. Although the curves flattened towards the end of the intervention period, the data suggest that the development was not yet complete and that a longer duration of therapy could lead to further progress.</p>
<h2><b>Conclusion</b></h2>
<p>Targeted ILEX training is an effective measure for reducing pain, restoring function, and improving quality of life in chronic back pain and muscle size – both as a standalone program and as part of multimodal therapy approaches. The linear progress in muscle cross-sectional area and strength underscores the importance of continuous, individually tailored therapy for sustainable results. This study is the first to demonstrate the efficacy and safety of this specific method for specific spinal complaints with relative indications for surgery. Further studies on specific clinical pictures of the lumbar and cervical spine are currently underway or already in the planning stage.</p>
<p>Original paper: Isolated lumbar extension exercise alone or in a multimodal program for low back pain and radiculopathy: a non-randomized controlled trial</p>
<p>Bruno Domokos, Julia Domokos, Gustav Andersson, Stefan Mannel, Linda May Weigel, Horst Josef Koch, Birgit Wallmann-Sperlich, Christoph Raschka &amp; Christoph Spang</p>
<p>ClinicalTrials.gov Identifier NCT06890052 (03/20/2025) https://clinicaltrials.gov/study/NCT06890052?cond=<br />
NCT06890052%20&amp;rank=1</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Übergewicht und Adipositas</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22047/uebergewicht-und-adipositas/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Kay Niemier]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 08:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[01/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22047</guid>

					<description><![CDATA[Übergewicht und Adipositas spielen im medizinischen Alltag eine zunehmende Rolle. Ca. 60 % der deutschen Erwachsenen leiden an Übergewicht (inkl. Adipositas) und über 20 % an einer Adipositas. Die Prävalenz nimmt mit [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Übergewicht und Adipositas spielen im medizinischen Alltag eine zunehmende Rolle. Ca. 60 % der deutschen Erwachsenen leiden an Übergewicht (inkl. Adipositas) und über 20 % an einer Adipositas. Die Prävalenz nimmt mit steigendem Lebensalter zu. 15 % der deutschen Kinder sind übergewichtig, 6 % adipös. Die Prävalenzen von Übergewicht und Adipositas steigen [1]. Aufgrund der hohen Komorbiditäten mit Herz-Kreislauferkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, aber auch chronischen Schmerzen, gewinnt das Management von Adipositas und Übergewicht zunehmend an ökonomischer und medizinsicher Bedeutung. Weiterhin erschweren Übergewicht und Adipositas medizinische Maßnahmen und führen zu vermehrten Komplikationen.</b></p>
<p>Genetische Faktoren tragen zum Übergewicht bei, erklären jedoch nicht die pandemische Ausweitung von Übergewicht und Adipositas. Vielmehr ist das Ungleichgewicht von Energiezufuhr und -abgabe relevant für deren Entwicklung. Die Energiezufuhr hat kontinuierlich zugenommen. Essen ist ständig verfügbar, unsere Lebensmittel und Getränke haben einen hohen Energiegehalt und Snacks / Süßigkeiten sind dauerhafte Begleiter [2].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Auf der anderen Seite hat sich unser Bewegungsverhalten massiv geändert. Kinder bewegen sich deutlich weniger als früher (Abb. 1, Tab. 1).</p>
<p><figure id="attachment_22055" aria-describedby="caption-attachment-22055" style="width: 238px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-22055 size-medium" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier1_saez0126-238x300.jpg" alt="" width="238" height="300" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier1_saez0126-238x300.jpg 238w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier1_saez0126-814x1024.jpg 814w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier1_saez0126-768x966.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier1_saez0126-1221x1536.jpg 1221w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier1_saez0126-150x189.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier1_saez0126-450x566.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier1_saez0126-1200x1510.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier1_saez0126.jpg 1500w" sizes="(max-width: 238px) 100vw, 238px" /><figcaption id="caption-attachment-22055" class="wp-caption-text">Abb. 1 Kinder und<br />Jugendliche – Erfüllung der WHO-Bewegungskriterien [3]</figcaption></figure><figure id="attachment_22056" aria-describedby="caption-attachment-22056" style="width: 300px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-22056 size-medium" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab1_saez0126-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab1_saez0126-300x225.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab1_saez0126-1024x767.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab1_saez0126-768x575.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab1_saez0126-150x112.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab1_saez0126-450x337.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab1_saez0126-1200x899.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab1_saez0126.jpg 1500w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-22056" class="wp-caption-text">Tab. 1 Bewegung an der frischen Luft, Kinder und Jugendliche [4]</figcaption></figure></p>
<h2><b>Bewegungsempfehlungen WHO Kinder und Jugendliche</b></h2>
<ul>
<li>Täglich 60 Minuten moderate bis kräftige körperliche Aktivität pro Tag</li>
<li>An drei Tagen in der Woche hoch intensive körperliche Aktivität zur Kräftigung von Knochen und Muskeln</li>
</ul>
<p>Auch das Bewegungsverhalten von Erwachsenen ist problematisch. So bewegen sich nur 37 % der Erwachsenen mehr als eine Stunde pro Tag (Abb. 2), ca. die Hälfte der deutschen Erwachsenen treiben nie oder selten Sport und ein hoher Anteil der Menschen erfüllt nicht die Bewegungsempfehlungen der WHO [5].</p>
<figure id="attachment_22057" aria-describedby="caption-attachment-22057" style="width: 268px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-22057 size-medium" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier2_saez0126-268x300.jpg" alt="" width="268" height="300" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier2_saez0126-268x300.jpg 268w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier2_saez0126-914x1024.jpg 914w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier2_saez0126-768x860.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier2_saez0126-1371x1536.jpg 1371w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier2_saez0126-150x168.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier2_saez0126-450x504.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier2_saez0126-1200x1344.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier2_saez0126.jpg 1500w" sizes="(max-width: 268px) 100vw, 268px" /><figcaption id="caption-attachment-22057" class="wp-caption-text">Abb. 2 Bewegungs­verhalten Erwachsene (Minuten pro Tag)</figcaption></figure>
<h2><b>Bewegungsempfehlungen WHO Erwachsene</b></h2>
<ul>
<li>Regelmäßige körperliche Betätigung</li>
<li>150 – 300 Minuten pro Woche moderate körperliche Aktivität oder 75 – 150 Minuten kräftige körperliche Aktivität pro Woche</li>
<li>Krafttraining 2x pro Woche oder häufiger</li>
<li>Steigerung der körperlichen Aktivität auf mehr als 300 Minuten pro Woche</li>
</ul>
<p>Zusammenfassend wird das Gesundheitssystem zunehmend mit Patienten konfrontiert, die sich u. a. hochkalorisch ernähren und zu wenig bewegen und das, obwohl Sport und Bewegung präventiv und therapeutisch bei der Mehrzahl von chronischen Erkrankungen wirksam sind (Abb. 3).</p>
<figure id="attachment_22058" aria-describedby="caption-attachment-22058" style="width: 300px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-22058" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier3_saez0126-300x163.jpg" alt="" width="300" height="163" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier3_saez0126-300x163.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier3_saez0126-1024x556.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier3_saez0126-768x417.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier3_saez0126-150x82.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier3_saez0126-450x245.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier3_saez0126-1200x652.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier3_saez0126.jpg 1500w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-22058" class="wp-caption-text">Abb. 3 Zusammenhang Bewegung / Sport und chronisc</figcaption></figure>
<p>Die alleinige Reduktion der Energieeinfuhr (Diäten, bariatrische Chirurgie, Medikation) führt immer auch zu einer signifikanten Abnahme der Muskelmasse (25 – 50 % der verlorenen Masse sind Muskeln und Bindegewebe). Neben einer Reihe von anderen medizinischen Problemen, führt die Reduktion der Muskelmasse zu einem verminderten Grundumsatz, dies verhindert / erschwert eine weitere Gewichtsabnahme. Training allein sorgt zwar für eine geringere Gewichtsreduktion als andere Maßnahmen, sorgt jedoch für eine verbesserte Körperzusammensetzung [6 – 8]. Eine häufige Aussage zum Thema Sport und Gewichtverlust ist, dass Sport nicht zu einer relevanten Gewichtsreduktion führt. Warum ist das so:</p>
<h2><b>Die Energieausgabe wird oft überschätzt</b></h2>
<ul>
<li>Die Energieausgabe wird nach dem Sport häufig (über) kompensiert</li>
<li>Muskel ist schwerer als Fett, d.h., ein (gesunder) Muskelaufbau führt zu einer Gewichtszunahme</li>
</ul>
<h3><b>Energiezufuhr und Energieausgabe, Beispiele</b></h3>
<ul>
<li>1 Tafel Schokolade ca. 530 kcal = 90 Minuten moderates Radfahren<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>100 ml Red Bull ca. 45 kcal = 13 Minuten moderates Radfahren<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>100 ml Rotwein ca. 85 kcal = 25 moderates Radfahren<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>moderates Radfahren (16 kmh ca. 6 kcal / min)</li>
</ul>
<p>In der Beratung und zur Motivationsverbesserung von Patienten ist es also wichtig, neben dem Gewichtsverlust auch andere positive Effekte von regelmäßigem Sport und Bewegung zu adressieren:</p>
<ul>
<li>Steigerung der aeroben Kapazität = Bessere Leistungsfähigkeit und schnellere Erholung nach<br />
Belastungen, Verbesserung der Stoffwechsellage</li>
<li>Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten</li>
<li>Zunahme der Muskelmasse und Kraft = höherer Grundumsatz (Energieausgabe), bessere<br />
Leistungsfähigkeit (z. B. weniger Stürze und Verletzungen)</li>
<li>Zunahme der Knochenmasse = geringere Frakturgefahr</li>
<li>Reduktion von somatischen und psychischen Erkrankungen</li>
<li>Höhere (gesunde) Lebenserwartung</li>
</ul>
<p>u. s. w.</p>
<p>Regelmäßiger Sport und Bewegung verbessert die kognitiven Fähigkeiten und sind damit wichtig für die Lernfähigkeit und den resultierenden sozioökonomischen Status. Menschen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status sind im Vergleich zu Menschen mit einem hohen sozioökonomischen Status signifikant häufiger von Adipositas und Übergeweicht betroffen (Abb. 4) [9].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><figure id="attachment_22059" aria-describedby="caption-attachment-22059" style="width: 300px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-22059" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier4_saez0126-300x154.jpg" alt="" width="300" height="154" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier4_saez0126-300x154.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier4_saez0126-1024x525.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier4_saez0126-768x394.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier4_saez0126-150x77.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier4_saez0126-450x231.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier4_saez0126-1200x615.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/Niemier4_saez0126.jpg 1500w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-22059" class="wp-caption-text">Abb. 4 Zusammenhang sozioökonomischer Status, Übergewicht &amp; Adipositas [9]</figcaption></figure>Wissenschaftliche Daten belegen, dass Sport auch ohne Gewichtsreduktion wirksam ist. Hier einige wenige Beispiele:</p>
<ul>
<li>150 Minuten Bewegung reduziert Entzündungsparameter, Blutfettwerte und erhöht die Insulinsensitivität</li>
<li>Viszerales Fett wird durch reguläre Bewegung reduziert. Intensives Training ist dabei effektiver als moderates Training</li>
<li>Verbesserung des Fitnesszustandes reduzieren die Mortalität mehr als sein alleiniger Gewichtsverlust</li>
</ul>
<p>Wichtig ist also, nicht allein auf den ­Gewichtsverlust zu fokussieren, sondern auf den Fitnesszustand des Patienten und die Körperzusammensetzung [10 – 13]. Training und Bewegung sind in unseren Gesellschaften nicht mehr natürlich. In der täglichen ärztlichen Praxis sind viele Patienten mit der Empfehlung „zu trainieren“ schlicht überfordert. Viele wissen, dass sie was tun müssen, haben jedoch keine Vorstellung über Trainingsarten, Intensitäten. Häufigkeiten und Aufbau. Weiterhin ist Training immer ein langfristiges Konzept und bedarf einer Planung (Tab. 2).<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<figure id="attachment_22060" aria-describedby="caption-attachment-22060" style="width: 300px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-22060" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab2_saez0126-300x191.jpg" alt="" width="300" height="191" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab2_saez0126-300x191.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab2_saez0126-1024x651.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab2_saez0126-768x488.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab2_saez0126-150x95.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab2_saez0126-450x286.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab2_saez0126-1200x763.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/04/NiemierTab2_saez0126.jpg 1500w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-22060" class="wp-caption-text">Tab. 2 Beispielhafter Trainingsaufbau</figcaption></figure>
<p>Grundsätzlich ist es jedoch wichtig, auch auf Vorerfahrungen und Präferenzen von Patienten einzugehen.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<ul>
<li>Adipositas ist ein multifaktorielles Geschehen<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Training als alleinige Maßnahme ist nicht ausreichend und der Energieverbrauch wird überschätzt</li>
<li>Training gehört in jedes Präventions- und Therapie­programm gegen Adipositas</li>
<li>Die Effekte des Trainings und die Wirkung auf Adipositas sind vielfältig</li>
<li>Training braucht eine Planung<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
</ul>
<p style="font-weight: 400;"><u>Literatur</u></p>
<ol>
<li><a href="https://www.rki.de/DE/Themen/Nichtuebertragbare-Krankheiten/Koerperliche-Gesundheit/Adipositas-und-Uebergewicht/themenschwerpunkt-adipositas.html?nn=16780074">RKI &#8211; Adipositas und Übergewicht &#8211; Themen­schwerpunkt: Übergewicht und Adipositas</a>, Zugriff 07.01.2026</li>
<li><a href="https://www.bmleh.de/DE/themen/ernaehrung/ernaehrungsreport2025.html">BMLEH &#8211; Ernährung &#8211; Deutschland, wie es isst – der BMLEH-Ernährungsreport 2025</a>, Zugriff 07.01.2026</li>
<li>Bundesministerium für Gesundheit (2022). Bewegungsförderung bei Kindern und Jugendlichen in; Deutschland. Bestandsaufnahme (Langversion). Online verfügbar unter: <a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/publikationen.htm">https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/publikationen.htm</a>; Zugriff 07.01.2026</li>
<li>Eichner et al.: Von einer bewegten zu einer sitzenden Kindheit? Bewegungstherapie und Gesundheitssport 2014; 30: 115– 117)</li>
<li><a href="https://www.tk.de/techniker/gesundheit-foerdern/sport-und-bewegung/studie-beweg-dich-deutschland-das-land-der-sportmuffel-2141030">Studie &#8222;Beweg dich, Deutschland!&#8220;: Das Land der Sportmuffel? &#8211; Die Techniker</a>, Zugriff 07.01.2026</li>
<li>Fothergill E, Guo J, Howard L, Kerns JC, Knuth ND, Brychta R, Chen KY, Skarulis MC, Walter M, Walter PJ, Hall KD. Persistent metabolic adaptation 6 years after &#8222;The Biggest Loser&#8220; competition. Obesity (Silver Spring). 2016 Aug;24(8):1612-9. doi: 10.1002/oby.21538. Epub 2016 May 2. PMID: 27136388; PMCID: PMC4989512.</li>
<li>Look M, Dunn JP, Kushner RF, Cao D, Harris C, Gibble TH, Stefanski A, Griffin R. Body composition changes during weight reduction with tirzepatide in the SURMOUNT-1 study of adults with obesity or overweight. Diabetes Obes Metab. 2025 May;27(5):2720-2729. doi: 10.1111/dom.16275. Epub 2025 Feb 25. Erratum in: Diabetes Obes Metab. 2025 Nov;27(11):6823. doi: 10.1111/dom.70050. PMID: 39996356; PMCID: PMC11965027.</li>
<li>Jensen SBK, Blond MB, Sandsdal RM, Olsen LM, Juhl CR, Lundgren JR, Janus C, Stallknecht BM, Holst JJ, Madsbad S, Torekov SS. Healthy weight loss maintenance with exercise, GLP-1 receptor agonist, or both combined followed by one year without treatment: a post-treatment analysis of a randomised placebo-controlled trial. EClinicalMedicine. 2024 Feb 19;69:102475. doi: 10.1016/j.eclinm.2024.102475. PMID: 38544798; PMCID: PMC10965408.</li>
<li>Kurth BM, Schaffrath Rosario A. Ubergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2010 Jul;53(7):643-52. German. doi: 10.1007/s00103-010-1083-2. PMID: 20631974.</li>
<li>Look AHEAD Research Group; Pi-Sunyer X, Blackburn G, Brancati FL, Bray GA, Bright R, Clark JM, Curtis JM, Espeland MA, Foreyt JP, Graves K, Haffner SM, Harrison B, Hill JO, Horton ES, Jakicic J, Jeffery RW, Johnson KC, Kahn S, Kelley DE, Kitabchi AE, Knowler WC, Lewis CE, Maschak-Carey BJ, Montgomery B, Nathan DM, Patricio J, Peters A, Redmon JB, Reeves RS, Ryan DH, Safford M, Van Dorsten B, Wadden TA, Wagenknecht L, Wesche-Thobaben J, Wing RR, Yanovski SZ. Reduction in weight and cardiovascular disease risk factors in individuals with type 2 diabetes: one-year results of the look AHEAD trial. Diabetes Care. 2007 Jun;30(6):1374-83. doi: 10.2337/dc07-0048. Epub 2007 Mar 15. PMID: 17363746; PMCID: PMC2665929.</li>
<li>Trapp EG, Chisholm DJ, Freund J, Boutcher SH. The effects of high-intensity intermittent exercise training on fat loss and fasting insulin levels of young women. Int J Obes (Lond). 2008 Apr;32(4):684-91. doi: 10.1038/sj.ijo.0803781. Epub 2008 Jan 15. PMID: 18197184.</li>
<li>Maillard F, Pereira B, Boisseau N. Effect of High-Intensity Interval Training on Total, Abdominal and Visceral Fat Mass: A Meta-Analysis. Sports Med. 2018 Feb;48(2):269-288. doi: 10.1007/s40279-017-0807-y. PMID: 29127602.</li>
<li>Barry VW, Baruth M, Beets MW, Durstine JL, Liu J, Blair SN. Fitness vs. fatness on all-cause mortality: a meta-analysis. Prog Cardiovasc Dis. 2014 Jan-Feb;56(4):382-90. doi: 10.1016/j.pcad.2013.09.002. Epub 2013 Oct 11. PMID: 24438729.</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Fuß im Sport</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/21950/der-fuss-im-sport/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Jan-Peter Goldmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2026 10:10:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[01/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=21950</guid>

					<description><![CDATA[Das Verständnis der Fußfunktion hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Der Fuß ist weder ein steifer Hebel [1] noch ein klassisches Federsystem [2], sondern verhält sich vielseitig und [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Das Verständnis der Fußfunktion hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Der Fuß ist weder ein steifer Hebel [1] noch ein klassisches Federsystem [2], sondern verhält sich vielseitig und mechanisch nicht-linear, um sich den wechselnden Anforderungen anzupassen [3]. Jüngste Studien zeigen eine permanente Interaktion aktiver (Muskel-Sehnen-Einheiten) und passiver Strukturen (Plantarfaszie, Bänder, Kapseln) während der Stützphase [4 – 7]. Es sind nicht allein der Windlass-Mechanismus [1] oder die mechanische Feder [2], die die Funktion des Fußes ausmachen. Die Funktionsweise ist hochkomplex und seine Charakterisierung zeigt sich in der funktionellen (oder auch dynamischen oder Quasi-) Steifigkeit.</b></p>
<p>Die funktionelle Steifigkeit beschreibt die Fähigkeit des Fußes, auf wechselnde Lasteinträge zu reagieren und sich an unterschiedliche Bewegungsanforderungen, Untergrundbedingungen sowie Schuhmaterialien anzupassen. Sie variiert je nach motorischer Aufgabe (z. B. Laufen, Springen) und sogar innerhalb einer Stützphase. Sowohl die passive Steifigkeit der Zehengrundgelenke als auch die Maximalkraft und die neuronale Ansteuerungsfähigkeit seiner kurzen und tiefliegenden Muskeln sind die wesentlichen Komponenten der funktionellen Steifigkeit. Obwohl die Berechnung der funktionellen Steifigkeit in der Fortbewegung über invers-dynamische Ansätze zwar Optionen bietet, die Funktion des Fußes besser zu verstehen, so bleiben die oben genannten Einflussgrößen mit der Methode unzureichend überprüft. Um die Einflussgrößen der funktionellen Steifigkeit besser zu verstehen, ist es sinnvoll, den Fuß unter kontrollierten, quasi-statischen Bedingungen zu untersuchen. Hierzu wurden Messgeräte entwickelt, die sowohl die passive Steifigkeit der Zehengrund­gelenke als auch die isometrische Maximalkraft und die neuronale Ansteuerungsfähigkeit der intrinsischen und extrinsischen Zehenbeugemuskeln zuverlässig erfassen. Zudem soll ein spezieller Expander vorgestellt werden, der ein systematisches Krafttraining dieser Muskelgruppe ermöglicht.</p>
<p>Die Bedeutung oben genannter Einflussgrößen kann für den Sport wie folgt spekuliert werden: Ein steifer, kräftiger und schnell aktivierbarer Fuß könnte die Bodenkontaktzeit verkürzen und hohe Kräfte effizient auf den Untergrund übertragen, was ein Vorteil in dynamischen Disziplinen wäre. Ein sehr weicher, schwacher und verzögert aktivierbarer Fuß würde sich hingegen stärker verformen, was mit Energieverlusten und Leistungsabfall einherginge. Besonders beim Sprint wirken in der initialen Stützphase innerhalb von nur 50 ms Kräfte bis zum Vierfachen des Körpergewichts. Ein schnell ansteuerbarer Fuß könnte in dieser Zeitspanne adäquat reagieren. Diese zügige Aktivierung könnte die Strukturen vor Überbeanspruchung (z. B. Ermüdungsfrakturen, Plantarfasziitis, Achillessehnenreizungen) schützen. Ziel der entwickelten Methoden und Geräte ist es daher, die motorische Leistungsfähigkeit im Sport gezielt zu verbessern und gleichzeitig das Risiko akuter und chronischer Fußverletzungen nachhaltig zu reduzieren.</p>
<h2><b>Analyse der passiven Steifigkeit</b><b> der Zehengrundgelenke<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Der Fuß wird in einem Messgerät fixiert (Abb. 1), die Zehen liegen auf einer beweglichen Vorfußplatte. Der Unterschenkel wird vertikal ausgerichtet, die Testperson soll entspannen und willkürliche Muskelaktivität vermeiden. Ein Pneumatikzylinder erzeugt ein definiertes Drehmoment um die Plattenachse und bewegt die Vorfußplatte aus einer 0°- in eine 60°-Stellung (Dorsalflexion der Zehen). Die resultierende Winkeländerung wird über ein Potentiometer erfasst. Aus dem Verhältnis von aufgebrachtem Drehmoment zur Winkelveränderung wird die passive Steifigkeit normiert zur Zehenlänge berechnet.</p>
<figure id="attachment_21953" aria-describedby="caption-attachment-21953" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-21953" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann1_saez0126-1024x683.jpg" alt="" width="755" height="504" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann1_saez0126-1024x683.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann1_saez0126-300x200.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann1_saez0126-768x512.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann1_saez0126-150x100.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann1_saez0126-450x300.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann1_saez0126-1200x800.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann1_saez0126.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-21953" class="wp-caption-text">Abb. 1 Messgerät zur Bestimmung der passiven Steifigkeit der ­Zehengrundgelenke. Ein Pneumatikzylinder bewegt die Platte unter dem Vorfuß aus einer 0°– (links) in eine 60°-Stellung (rechts) und provoziert dadurch eine Dorsalflexion der Zehen.</figcaption></figure>
<h2><b>Analyse der isometrischen Maximalkraft und der neuronalen Ansteuerungsfähigkeit der Zehenbeugemuskulatur</b></h2>
<p>Der Fuß wird in einem Messgerät fixiert, der Unterschenkel ist vertikal ausgerichtet (Abb. 2, links). Die Zehen liegen auf einer Vorfußplatte, die in einem Winkel von 25° arretiert ist [8]. Über eine Umlenkrolle ist die Plattenachse mit einem Kraftaufnehmer verbunden. Die Testperson wird angewiesen, die Zehen „maximal kräftig“ nach unten gegen die Platte zu drücken. Die Kraft soll dabei kontrolliert aufgebaut und das Maximum für mindestens drei Sekunden aufrechterhalten werden. In einem weiteren Test wird die Ansteuerungsfähigkeit geprüft. Hierbei soll die Maximalkraft „so schnell wie möglich“ erzeugt werden. Die Kraftanstiegsrate wird dabei unter Berücksichtigung des Offsets über einen Zeitraum von 100 ms berechnet [9].</p>
<h2><b>Systematisches Krafttraining der Zehenbeugemuskulatur</b></h2>
<p>In einem speziellen Expander für den Fuß drücken die Zehen aus einer 45°-Dorsalflexion gegen den Widerstand von Gummiseilen nach unten (Abb. 2, Mitte). Die Bewegung findet um die Zehengrundgelenke statt, ein „Krallen“ der Zehen wird vermieden. Vier Gummiseilpaare mit unterschiedlichem Kraft-Dehnungsverhalten ermöglichen die Anpassung des Trainingsreizes an Trainingsstand und -fortschritt. Das Training kann stehend, sitzend oder in sportartspezifischen Unterschenkel-Fuß-Positionen (Abb. 2, rechts) durchgeführt werden.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<figure id="attachment_21951" aria-describedby="caption-attachment-21951" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-21951" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann2_saez0126-1024x265.jpg" alt="" width="755" height="195" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann2_saez0126-1024x265.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann2_saez0126-300x78.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann2_saez0126-768x199.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann2_saez0126-150x39.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann2_saez0126-450x116.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann2_saez0126-1200x310.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Goldmann2_saez0126.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-21951" class="wp-caption-text">Abb. 2 Dynamometer zur Bestimmung der isometrischen Maximalkraftfähigkeit und der neuronalen Ansteuerungsfähigkeit der Zehenbeuger (links); Krafttrainingsgerät für die Zehenbeuger (Mitte): Die Zehen werden aus einer Dorsalflexion gegen den Widerstand der Gummiseile (grün) nach unten gedrückt; Training in sportartspezifischer Position (rechts).</figcaption></figure>
<h2><b>Auswahl bisheriger Studienergebnisse</b></h2>
<ul>
<li>Nicht nur in einer aktiven Normalpopulation (n = 105), sondern auch innerhalb einer homogenen Spitzensportkohorte (n = 47) unterscheiden sich die biomechanischen Eigenschaften der Füße deutlich voneinander. Weiche, schwache Füße stehen steifen, kräftigen Füßen oder weichen, kräftigen Füßen gegenüber. Steife aber schwache Füße konnten nur in Ausnahmefällen beobachtet werden [10, 11].</li>
<li>Männer steuern ihre Zehenbeuger signifikant schneller an als Frauen [11] und weisen eine signifikant höhere Steifigkeit der Zehengrundgelenke auf [10].</li>
<li>Die Zehenbeuger produzieren ihre höchsten Kräfte in einer leichten Dorsalflexion des Sprunggelenks und einer deutlichen Dorsalflexion der Zehengrundgelenke [8].</li>
<li>Nach einem siebenwöchigen, inten­siven Krafttraining erhöhen die Zehenbeuger ihren mechanischen Output um 60 – 70 %, was die sportmotorische Leistung um 3 % verbessert [12].<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Sogar Elitetänzerinnen steigern durch ein Training mit dem Expander für die Zehenbeuger ihre Kraft im Fuß um 15 % [13].<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>In einer Einzelfallstudie konnte nach komplizierter Sprunggelenkfraktur und abgeschlossener Rehabilitation die Kraft der Zehenbeuger durch ein vierwöchiges Training mit einem Expander um 20 % gesteigert werden (unpublished).</li>
</ul>
<h2><b>Fazit und Ausblick</b></h2>
<p>Die biomechanischen Eigenschaften des Fußes variieren auch unter Spitzensportlern stark und zeigen große interindividuelle Unterschiede. Dabei weisen Männer eine höhere Steifigkeit und eine schnellere neuromuskuläre Aktivierung auf als Frauen. Die oft vernachlässigte kurze und tiefliegende Fußmuskulatur ist hoch trainierbar. Gezielte Trainingsprogramme führen im Spitzensport und nach Verletzungen zu deutlichen Kraftzuwächsen. Eine erhöhte Kraftfähigkeit der Zehenbeuger könnte den Zug- und Druckspannungen an Metatarsalia, Plantarfaszie und Achillessehne entgegenwirken und so Überlastungsschäden vorbeugen. Die Wahl versteifender Schuhe oder Einlagen sollte kritisch hinterfragt werden, da die Kraft der Zehenbeuger von der Dorsalflexionsstellung der Zehen abhängt. Künftig sollen Geräte entwickelt werden, mit denen sich die Fußsteifigkeit gezielt modulieren lässt, bspw. durch Dehnapparate oder exzentrische Trainingsgeräte.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Hicks JH. The mechanics of the foot. II. The plantar aponeurosis and the arch. J Anat 1954;88:25–30.</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Ker RF, Bennett MB, Bibby SR, Kester RC, Alexander RMcN. The spring in the arch of the human foot. Nature 1987;325:147–9. https://doi.org/10.1038/325147a0.</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Behling A, Rainbow MJ, Welte L, Kelly L. Chasing footprints in time – reframing our understanding of human foot function in the context of current evidence and emerging insights. Biol Rev 2023;98:2136–51. https://doi.org/10.1111/brv.12999.</p>
<p style="font-weight: 400;">[4] Farris DJ, Kelly LA, Cresswell AG, Lichtwark GA. The functional importance of human foot muscles for bipedal locomotion. Proc Natl Acad Sci 2019;116:1645–50. https://doi.org/10.1073/pnas.1812820116.</p>
<p style="font-weight: 400;">[5] Kelly LA, Farris DJ, Cresswell AG, Lichtwark GA. Intrinsic foot muscles contribute to elastic energy storage and return in the human foot. J Appl Physiol 2019;126:231–8. https://doi.org/10.1152/japplphysiol.00736.2018.</p>
<p style="font-weight: 400;">[6] Kelly LA, Cresswell AG, Farris DJ. The energetic behaviour of the human foot across a range of running speeds. Sci Rep 2018;8:10576. https://doi.org/10.1038/s41598-018-28946-1.</p>
<p style="font-weight: 400;">[7] Riddick R, Farris DJ, Kelly LA. The foot is more than a spring: human foot muscles perform work to adapt to the energetic requirements of locomotion. J R Soc Interface 2019;16:20180680. https://doi.org/10.1098/rsif.2018.0680.</p>
<p style="font-weight: 400;">[8] Goldmann J-P, Brüggemann G-P. The potential of human toe flexor muscles to produce force. J Anat 2012;221:187–94. https://doi.org/10.1111/j.1469-7580.2012.01524.x.</p>
<p style="font-weight: 400;">[9] Maffiuletti NA, Aagaard P, Blazevich AJ, Folland J, Tillin N, Duchateau J. Rate of force development: physiological and methodological considerations. Eur J Appl Physiol 2016;116:1091–116. https://doi.org/10.1007/s00421-016-3346-6.</p>
<p style="font-weight: 400;">[10] Goldmann J-P, Wenzel C, Kersting UG. A portable device for measuring passive metatarsophalangeal joint bending stiffness. Proc DGfB 2026.</p>
<p style="font-weight: 400;">[11] Wenzel C, Kersting UG, Goldmann J-P. Rate of force development of human toe flexor muscles. Proc DGfB 2026.</p>
<p style="font-weight: 400;">[12] Goldmann J-P, Sanno M, Willwacher S, Heinrich K, Brüggemann G-P. The potential of toe flexor muscles to enhance performance. J Sports Sci 2013;31:424–33. https://doi.org/10.1080/02640414.2012.736627.</p>
<p style="font-weight: 400;">[13] Schrefl A, Schaerli A, Goldmann J-P, Erlacher D, Kolokythas N. The effect of targeted toe flexor training on muscular strength and jump performance in adolescent ballet dancers: a randomized controlled trial. J Dance Med Sci 2026. https://doi.org/10.1177/1089313X261420458.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Isoliertes Training der Lumbalextensoren</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/21959/isoliertes-training-der-lumbalextensoren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bruno Domokos&nbsp;,&nbsp;Dr. Christoph Spang (PH.D)]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Mar 2026 10:23:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[01/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=21959</guid>

					<description><![CDATA[Chronische Rückenschmerzen stellen nach wie vor ein weit verbreitetes klinisches Problem dar. Innovative Therapieansätze, die auf die gezielte Kräftigung der tiefen Rückenmuskulatur, insbesondere des M. Multifidus (MF), abzielen, gewinnen zunehmend [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Chronische Rückenschmerzen stellen nach wie vor ein weit verbreitetes klinisches Problem dar. Innovative Therapieansätze, die auf die gezielte Kräftigung der tiefen Rückenmuskulatur, insbesondere des M. Multifidus (MF), abzielen, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das isolierte Training der Lumbalextensoren (ILEX) ermöglicht eine gezielte Aktivierung und Stärkung der Lendenwirbelsäulenmuskulatur und wird insbesondere im deutschsprachigen Raum immer häufiger eingesetzt.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Obwohl klinische Erfolge der ILEX-Therapie bereits seit längerer Zeit bekannt sind, sind die zugrunde liegenden Anpassungen der Muskelmorphologie und Funktion bisher nur unzureichend untersucht. Zudem ist unklar, welchen Stellenwert ILEX innerhalb multimodaler Therapieprogramme einnimmt und inwieweit die Methode gezielt bei spezifischen Wirbelsäulenpathologien – im Gegensatz zu unspezifischen Rückenschmerzen – wirksam und sicher eingesetzt werden kann.</p>
<p>In einer aktuellen Studie, die im Oktober 2025 im renommierten Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht wurde, wurden 58 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen untersucht. Alle wiesen spezifische Wirbelsäulenbeschwerden auf, die Mehrheit hatte radikuläre Symptome mit Ausstrahlung in die unteren Extremitäten oder relative OP-Indikationen. Die Teilnehmer konnten zwischen einem isolierten ILEX-Programm und einem multimodalen Ansatz wählen, der zusätzlich manuelle Therapie und allgemeine Kräftigungsübungen umfasste (z. B. Latissimus-Zug und Abdominalcrunch an Geräten sowie Rücken- und Coretraining am Seilzug). Das Programm bestand aus 25 Einheiten über einen Zeitraum von 16 Wochen. Dabei erfolgte die Anpassung von Intensität und Bewegungswinkel individuell an Beschwerden und Diagnosebild, auf Basis eines systematischen Trainingsprotokolls mit graduellem Belastungsaufbau. Als primäre Outcome-Parameter wurden die Muskeldicke und die Querschnittsfläche des MF sowie die Echogenität, ein Indikator für Muskelqualität, erhoben. Ergänzend wurden Schmerzintensität, körperliche Einschränkungen sowie gesundheitsbezogene Lebensqualität regelmäßig erfasst, ebenso wie die Maximalkraft der Wirbelsäulenextensoren.</p>
<h2><b>Ergebnisse</b></h2>
<p>Die Ergebnisse zeigten deutliche Therapieeffekte in beiden Gruppen: Schmerzen und funktionelle Einschränkungen nahmen signifikant ab, die Lebensqualität stieg und die Maximalkraft der Rückenmuskulatur verbesserte sich deutlich.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Besonders bemerkenswert war die Zunahme der Querschnittsfläche des MF, die mit einer parallel gemessenen Kraftsteigerung einherging. Veränderungen in der Echogenität konnten hingegen nicht nachgewiesen werden. Interessant ist dabei auch, dass bereits im frühen Therapiestadium (nach drei Wochen) Veränderungen in nahezu allen Parametern erkennbar wurden. Ein Vergleich zwischen dem alleinigen ILEX-Training und dem multimodalen Ansatz zeigte keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der klinischen Verbesserungen und der Zunahme der Maximalkraft und der Querschnittsfläche des MF. Obwohl sich die Verläufe gegen Ende des Interventionszeitraums abflachten lassen die Daten darauf schließen, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen war und eine längere Therapiedauer zu weiteren Fortschritten führen könnte.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Gezieltes ILEX-Training stellt eine effektive Maßnahme zur Reduktion von Schmerzen, Wiederherstellung der Funktion und Verbesserung der Lebensqualität bei chronischen Rückenschmerzen dar – sowohl als alleinstehendes Programm als auch im Rahmen multimodaler Therapieansätze. Die linearen Fortschritte in Muskelquerschnitt und Kraft unterstreichen die Bedeutung einer kontinuierlichen, individuell gesteuerten Therapie für nachhaltige Ergebnisse. Diese Studie ist die erste, die die Wirksamkeit und Sicherheit dieser speziellen Methode bei spezifischen Wirbelsäulenbeschwerden mit relativen OP-Indikationen nachweisen konnte. Derzeit laufen weitere Studien zu spezifischen Krankheitsbildern der LWS und HWS oder sind bereits in Planung.</p>
<p>Originalarbeit: Isolated lumbar extension exercise alone or in a multimodal program for low back pain and radiculopathy: a non-randomized controlled trial</p>
<p>Bruno Domokos, Julia Domokos, Gustav Andersson, Stefan Mannel, Linda May Weigel, Horst Josef Koch, Birgit Wallmann-Sperlich, Christoph Raschka &amp; Christoph Spang</p>
<p>ClinicalTrials.gov Identifier NCT06890052 (20/03/2025) https://clinicaltrials.gov/study/NCT06890052?<br />
cond=NCT06890052%20&amp;rank=1</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>HYROX</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/21915/hyrox/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Christian Woiciechowsky]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Mar 2026 10:44:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[01/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=21915</guid>

					<description><![CDATA[Hyrox ist ein weltweit nach identischen Regeln durchgeführter Indoor-Fitness-Wettkampf. Das Format ist genial einfach: Jeder absolviert dieselbe Strecke – acht Laufrunden von je einem Kilometer, zwischen denen jeweils eine funktionelle [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Hyrox ist ein weltweit nach identischen Regeln durchgeführter Indoor-Fitness-Wettkampf. Das Format ist genial einfach: Jeder absolviert dieselbe Strecke – acht Laufrunden von je einem Kilometer, zwischen denen jeweils eine funktionelle Workout-Station wartet. Die Gesamtdistanz beträgt somit acht Kilometer Laufen plus acht intensive Kraftstationen.</b></p>
<p>Der deutsche Unternehmer Christian Toetzke gründete dieses innovative Wettkampfformat im Jahr 2017 zusammen mit Moritz Fürste, einem ehemaligen Hockey-Olympiasieger und Weltmeister. Ihre Vision: die Lücke zwischen traditionellen Ausdauersportarten und Functional Fitness schließen. Ein für jeden zugänglicher, aber dennoch anspruchsvoller Wettkampf mit standardisierten Bedingungen, der weltweit vergleichbare Ergebnisse ermöglicht. Die erste Veranstaltung fand 2018 in Hamburg mit 650 Athleten statt. Heute ist Hyrox eine globale Bewegung auf allen Kontinenten. Bei dem Event in London, an dem ich teilgenommen habe, waren es bereits 40.000 Teilnehmer, ähnlich wie bei einem großen Stadtmarathon. Die Bilder dieses Artikels stammen übrigens von diesem Wettkampf.</p>
<h2><b>Was Hyrox besonders macht<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Alle, die trainieren, haben das Ziel, auch am Wettkampf teilzunehmen – ob als Einzelstarter, im Doppel oder in der Staffel. Anders als beim Laufen, wo nicht jeder zwingend einen Marathon anstrebt, ist der Wettkampf bei Hyrox ein fester Bestandteil. Diese Wettkampfmotivation ist der Antrieb zum Training, auch wenn die Lust mal fehlt. Hyrox ist nicht nur für den jugend­lichen Athleten mit perfektem Sixpack gedacht, der oberkörperfrei an staunenden Zuschauern vorbeiläuft. Hyrox ist auch für die Age-Grouper, die gegen Muskelschwund und nachlassende Ausdauer kämpfen. Wer die Burpee Broad Jumps ohne Pause absolviert, hat ein echtes HIIT-Training bewältigt und seinen Stoffwechsel in den anaeroben Bereich katapultiert. Hyrox bedeutet „GO TO YOUR LIMITS!“ – und dabei immer schön lächeln, denn die Zuschauer und Unterstützer sind immer hautnah dabei. Doch widmen wir uns nun den einzelnen Disziplinen und beleuchten die Herausforderungen für Menschen mit Rückenproblemen.</p>
<h2><b>Acht Hyrox-Workouts im Detail (vgl. Abbildung)</b></h2>
<p><b>Station 1: SkiErg (1.000 Meter)</b></p>
<p>Nach dem ersten Kilometer Laufen folgt das SkiErg, ein Gerät, das die Bewegung des Skilanglaufs simuliert. Es müssen 1.000 Meter auf diesem Gerät zurückgelegt werden, wobei sowohl die Arm- als auch die Rumpfmuskulatur intensiv beansprucht werden. Besonders trainiert werden die Latissimus-, Schulter- und Bauchmuskulatur. Tipp bei Rückenschmerzen: Achten Sie auf eine aufrechte Haltung und vermeiden Sie übermäßiges Vorbeugen, kein Rundrücken, breites Kreuz, vorn aufdehnen und Körperspannung halten.</p>
<p><b>Station 2: Sled Push (50 Meter)</b></p>
<p>Beim Sled Push muss ein schwerer Schlitten über eine Distanz von 50 Metern geschoben werden. Dies ist eine der anspruchsvollsten Stationen, die massive Beinkraft und eine stabile Körpermitte erfordert. Das Gewicht variiert je nach Kategorie: Männer schieben 152 kg, Frauen 103 kg.</p>
<p>Tipp bei Rückenschmerzen: Halten Sie den Rücken gerade und in neutraler Position.Drücken Sie aus den Beinen, nicht aus dem unteren Rücken. Stellen Sie sich vor, Sie schieben eine Wand weg, während Ihre Körpermitte fest angespannt bleibt.</p>
<p><b>Station 3: Sled Pull (50 Meter)</b></p>
<p>Unmittelbar nach dem Schieben folgt das Ziehen desselben Schlittens über 50 Meter zurück zum Startpunkt. Diese Station beansprucht insbesonders die hintere Oberschenkelmuskulatur, den Rücken und die Arme. Männer ziehen 103 kg, Frauen 78 kg. Tipp bei Rückenschmerzen: Ziehen Sie aus einer leicht gebeugten Position mit geradem Rücken, Bauch angespannt und kleine Schritte rückwärts bis zur Markierung. Nicht mit den Armen ziehen, keine Rotation in der Hüfte.</p>
<p><b>Station 4: Burpee Broad Jumps (80 Meter)</b></p>
<p>Die Burpee Broad Jumps kombinieren zwei intensive Bewegungen über 80 Meter. Aus dem Stand geht man in die Hocke, setzt beide Hände auf den Boden und springt oder steigt mit den Füßen in die Liegestützposition. Brust und Oberschenkel müssen vollständig den Boden berühren, was im Wettkampf kontrolliert wird. Anschließend drückt man sich hoch, springt oder steigt mit den Füßen vor zu den Händen und führt aus der tiefen Hocke einen explosiven Weitsprung nach vorne aus. Dabei nutzt man die Arme für Schwung und landet mit beiden Füßen gleichzeitig in leichter Hocke. Tipp bei Rückenschmerzen: Gehen Sie kontrolliert in die Burpees hinein und heraus. Starten Sie lieber mit kürzeren Sprüngen und versuchen Sie, mit dem Vorfuß oder Mittelfuß aufzukommen. Federn Sie die Wucht der Landung mit der Wadenmuskulatur ab, nicht mit der Ferse. Das ist eine zu harte Landung mit einer Stoßwelle bis in die Wirbelsäule.</p>
<p><b>Station 5: Rowing (1000 Meter)</b></p>
<p>Auf dem Ruderergometer müssen 1000 Meter zurückgelegt werden. Rudern ist ein Ganzkörper-Workout, das bei korrekter Ausführung sehr rückenschonend sein kann. Tipp bei Rückenschmerzen: Der Kraftimpuls kommt aus den Beinen, nicht aus dem Rücken. Lehnen Sie sich nur minimal zurück und halten Sie den Rücken gerade mit stolzer Brust. Schulterblätter zusammenziehen. Ein kürzerer Hub mit besserer Technik ist effektiver als ein langer Hub mit Rundrücken.</p>
<p><b>Station 6: Farmers Carry (200 Meter)</b></p>
<p>Bei diesem Workout tragen Sie in jeder Hand ein schweres Gewicht (Männer 2 x 24 kg, Frauen 2 x 16 kg) über 200 Meter. Dies trainiert Griffkraft, Schultern und die gesamte Rumpfstabilität. Tipp bei Rückenschmerzen: Halten Sie Ihren Körper aufrecht und die Schultern zurückgezogen. Spannen Sie aktiv Ihre Bauchmuskulatur an, um die Wirbelsäule zu stabilisieren, unbedingt Hohlkreuz vermeiden. Wenn die Kraft nachlässt, lieber eine Pause als schlechte Technik.</p>
<p><b>Station 7: Sandbag Lunges (100 Meter)</b></p>
<p>Mit einem Sandbag auf den Schultern (Männer 20 kg, Frauen 10 kg) führen Sie Ausfallschritte über 100 Meter aus. Diese Übung fordert Balance, Beinkraft und Rumpfstabilität. Tipp bei Rückenschmerzen: Positionieren Sie den Sandbag so, dass er gleichmäßig auf beiden Schultern liegt. Halten Sie den Oberkörper aufrecht und machen Sie kleinere, kontrollierte Schritte. Positionieren Sie den Fuß nicht zu weit nach vorn, sondern so, dass Sie mit geradem Rücken aufstehen können, ohne nach vorne geneigt zu sein. Andernfalls entsteht ein hoher Druck auf den Bandscheiben und die Halswirbelsäule.</p>
<p><b>Station 8: Wall Balls (100 Wiederholungen)</b></p>
<p>Die finale Station verlangt 100 Wall Balls. Sie werfen einen Medizinball (Männer 6 kg, Frauen 4 kg) aus der tiefen Hocke (Winkel kleiner 90°) an eine Wand (Männer 3 m Höhe, Frauen 2,70 m Höhe). Tipp bei Rückenschmerzen: Gehen Sie nicht zu tief in die Hocke, wenn dies Schmerzen verursacht. Nutzen Sie die Hüftstreckung und die Schultermuskulatur für den Wurf, nach dem Wurf Arme kurz runternehmen, entspannen, beim Fangen gleich wieder tief in die Hocke gehen.</p>
<h2><b>Fazit<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Hyrox ist einzigartig, da es Ausdauer- und Kraftsport in perfekter Symbiose vereint. Während die acht Kilometer Laufen das Herz-Kreislauf-System trainieren und die aerobe Kapazität verbessern, fordern die Kraftstationen maximale Muskelkraft und anaerobe Leistungsfähigkeit. Diese Kombination macht Hyrox zu einer der effektivsten Trainingsformate gegen den altersbedingten Muskelschwund. Anders als bei reinen Ausdauersportarten wie Laufen oder Radfahren werden nahezu alle Muskelgruppen des Körpers aktiviert: Schultern und Arme beim SkiErg und Rowing, die Core-Muskulatur bei praktisch jeder Station, Bauch und Rücken bei den Wall Balls und beim Sled Push, die Oberschenkel bei den Lunges und die Unterschenkel bei den Sprüngen. Der SkiErg beansprucht den Latissimus, der Farmers Carry fordert Unterarme und Griffkraft, der Sled Pull aktiviert die hintere Kette von der Wade bis zum Nacken. Es gibt kaum einen Muskel, der bei Hyrox nicht gefordert wird. Diese ganzheitliche Belastung führt zu einer umfassenden körperlichen Fitness, die weit über die von spezialisierten Sportarten hinausgeht. Sie macht den Körper funktionell stark – für den Alltag, für die Gesundheit im Alter und für die pure Freude an der eigenen Leistungsfähigkeit.</p>
<p>Um Hyrox erfolgreich und verletzungsfrei zu bewältigen, sollte zusätzlich ein gezieltes Ausgleichstraining in den Trainingsplan integriert werden. Besonders wichtig ist die Rückenprophylaxe durch regelmäßige Kräftigung der tiefen Rumpfmuskulatur mit Übungen wie Planks, Dead Bugs und Bird Dogs. Yoga oder Pilates verbessern zusätzlich Beweglichkeit und Balance. Beim Schuhwerk gilt: Stabile Trainingsschuhe mit guter Dämpfung sind ideal, da man sowohl laufen als auch bei den Kraftstationen einen sicheren Stand benötigt. Von reinen Laufschuhen mit Carbonsohle ist eher abzuraten, da sie zwar Vorteile beim Laufen bieten, aber zu wenig Stabilität bei funktionellen Übungen wie Lunges oder Wall Balls bieten, bei denen man festen Bodenkontakt benötigt. Bei Fußfehlstellungen oder Rückenproblemen können orthopädische Einlagen sinnvoll sein, da sie die Belastung gleichmäßiger verteilen und die gesamte Körperstatik verbessern. Wer präventiv arbeitet und auf die richtige Ausrüstung achtet, minimiert das Verletzungsrisiko erheblich und kann Hyrox auch langfristig als gesundheitsfördernden Sport betreiben.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Orthopädie Padel Night</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/21937/orthopaedie-padel-night/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Mar 2026 10:41:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=21937</guid>

					<description><![CDATA[Erleben Sie die dynamischste Rückschlagsportart der Welt in privater Atmosphäre und nutzen Sie die Gelegenheit für einen entspannten fachlichen Austausch unter Kollegen. Der Abend ist für alle Erfahrungsklassen offen – [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong> <span class="fontstyle0">Erleben Sie die dynamischste Rückschlagsportart der Welt in privater Atmosphäre und nutzen Sie die Gelegenheit für einen entspannten fachlichen Austausch unter Kollegen. Der Abend ist für alle Erfahrungsklassen offen – ob Einsteiger oder Fortgeschrittene, die Freude am Sport steht im Vordergrund.</span> </strong></p>
<p>&#8211; Mittwoch, 22. April 2026, 19-21Uhr</p>
<p>&#8211; mitte Padel Düsseldorf &#8211; Highline. Höherweg 247, 40231 Düsseldorf</p>
<p>&#8211; Drinks &amp; Snacks inklusive</p>
<p>&#8211; Leih-Schläger &amp; Bälle werden gestellt</p>
<ul>
<li>Limitierte Plätze</li>
<li>Anmeldung bis 31. März 2026 an <a href="mailto:info@powerspine.eu">info@powerspine.eu</a></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.myoact.de">www.myoact.de</a></p>
<p><a href="http://www.powerspine.eu">www.powerspine.eu</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Leistenhernie</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/21630/leistenhernie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Guido Woeste,&nbsp;Jörn Bremer,&nbsp;Kevin Myles&nbsp;,&nbsp;Dr. med. dent. Matthias Roßberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[01/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=21630</guid>

					<description><![CDATA[Vorstellung und geplanter Vorgang (Prof. Dr. med. Guido Woeste) Wir berichten von zwei Patienten, die für eine geplante Operation einer Leistenhernie ein Prähabilitationsprogramm durchgeführt haben: Fall 1 Herr Palmer stellte [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2><b>Vorstellung und geplanter Vorgang (Prof. Dr. med. Guido Woeste)</b></h2>
<p><b>Wir berichten von zwei Patienten, die für eine geplante Operation einer Leistenhernie ein Prähabilitationsprogramm durchgeführt haben:</b></p>
<h3><b>Fall 1</b></h3>
<p>Herr Palmer stellte sich am 12.03.2025 erstmals in meiner Sprechstunde vor. Der 39-jährige Mann beschrieb, seit ca. zwei Monaten Schmerzen im Bereich der linken Leiste zu haben. Bei der Untersuchung zeigte sich eine gut reponible Leistenhernie auf der linken Seite, die auch im Ultraschall bestätigt wurde. Bis auf eine minimal-invasive Leistenhernienoperation rechts erfolgten keine abdominellen Voroperationen. Der BMI lag bei 26,3. Ich empfahl ihm die minimal-invasive Operation der Leistenhernie in TAPP-Technik. Die Operation wurde am 17.04.2025 wie geplant durchgeführt. In laparoskopischer Technik wurde ein 12 x 17 cm großes Kunststoffnetz eingelegt. Am Nachmittag des Operationstages konnte er nach Hause entlassen werden. In der Kontrolle sechs Tage nach der Operation, beschrieb der Patient kaum Beschwerden. Bei der Untersuchung zeigte sich eine Schwellung im Bereich der linken Leiste mit leichtem Druckschmerz. Bei der erneuten Vorstellung vier Wochen nach der Operation war die zuvor festgestellte Schwellung nicht mehr erkennbar und es bestanden keine Schmerzen mehr.</p>
<h3><b>Fall 2</b></h3>
<p>Die Vorstellung von Herrn Dr. Roßberg erfolgte mit einer Schwellung im Bereich der linken Leiste. Die Untersuchung inkl. Ultraschall ergab eine Leistenhernie links. Dem sportlichen, schlanken (BMI 25,4) Patienten empfahl ich die minimal-invasive Operation der Leistenhernie mit Netzeinlage. Der Eingriff wurde für den 14.11.2025 geplant. Aufgrund eines Infektes musste der Patient die Operation absagen. Bei einer Kontrolluntersuchung vier Wochen später war die zuvor diagnostizierte Schwellung nicht mehr zu tasten. In der Ultraschalluntersuchung konnte noch eine kleine Bruchlücke gesehen werden, allerdings ohne eine relevante Vorwölbung beim Pressen. Die zuvor beschriebenen Beschwerden bestanden nicht mehr. Daher verzichteten wir auf eine Operation.</p>
<p>(Mehr zu Operationen von Leistenhernien finden Sie <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/21598/praehabilitation-in-der-hernienchirurgie/">HIER</a>)</p>
<h2><b>Prähabiltation aus physiotherapeutischer Sicht (Jörn Bremer)</b></h2>
<h3><b>Fall 1</b></h3>
<p><strong>Patientenvorstellung:</strong> Der Patient ist männlich, 39 Jahre alt und Freizeitsportler (zwei- bis dreimal Tennis die Woche inklusive Medenspiele). Beruflich ist der Patient Selbständig im Vertrieb und hat dementsprechend eine hauptsächlich sitzende Tätigkeit. Die gesundheitliche Vorgeschichte zeigt bereits eine Leistenbruchoperation auf der rechten Seite vor 15 Jahren. Laut eigener Schilderung dauerte es damals ca. ein Jahr bis zur völligen Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit und dem „Return to Competition“ im Fußball. Das Prähabilitationsprogramm dieses Patienten startete acht Wochen vor der geplanten Operation. Der Leistenbruch der linken Seite kam zustande beim Tennis spielen. Der Patient schilderte, er habe beim Ausholen und Rotieren des Oberkörpers (Aufschlag) ein „Poppen“ oder „Reißen“ gespürt. Symptomatisch bei diesem Fall zeigte sich das charakteristische Heraustreten einer Beule bei schon geringer Belastung an der linken Leiste. Ausserdem kam es zu diffusen Schmerzen (VAS 5/10) im Bereich der linken Leiste. Der Patient schilderte außerdem seine persönlichen Ängste: Angst vor einer (gefühlten) Instabilität des Rumpfes und Unsicherheit über das Ausmaß der Verletzung und die damit verbundene Behandlung und Rehabilitation, vor allem auf Grund seiner bestehenden Erfahrung mit der Verletzung und der damals sehr langen Rehabilitation.</p>
<p><strong>Anamnese:</strong> In der physiotherapeutischen Erstanamnese wurde zunächst ein Erstgespräch geführt, in dem der Patient seine oben beschriebene aktuelle Situation sowie seine Krankheitsgeschichte erklärte. Danach wurde die Anamnese des Bewegungsapparates durchgeführt. Der Sichtbefund der Körperstatik im Stehen zeigte eine Hyperlordose der Lendenwirbelsäule. Außerdem auffällig war der „Stand-and-Reach“-Test, bei dem sich zwischen Patienten-Finger und Boden 10 cm Abstand zeigten. In der Befundung der passiven Beweglichkeit der beiden Hüftgelenke in Rückenlage zeigten sich die größten Einschränkungen in der Hüftgelenksrotation in 90 Grad Flexion. Auf beiden Seiten wurden ein Bewegungsausmaß von 25/0/35 festgestellt (Norm: ca. 40-0-50° <a href="https://flexikon.doccheck.com/de/Hüftbeweglichkeit">https://flexikon.doccheck.com/de/Hüftbeweglichkeit</a>). Abschließend wurde die Bauchmuskulatur getestet, indem der Patient in Rückenlage mit angestellten Beinen den Kopf heben sollte. Hierbei kam es zum sichtbaren und spürbaren heraustreten der Leiste auf der linken Seite.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Ziele der Prähabilitation:</strong> Mit dem Patienten zusammen wurden nach der Anamnese Ziele der Prähabilitation festgelegt. Der Patient schilderte, er möchte bestmöglich auf die anstehende OP vorbereitet werden. Aufklärung über den Eingriff und die damit verbundenen Einschränkungen vor und nach der OP wurden mit dem Arzt besprochen und mit dem Physiotherapeuten noch einmal durchgegangen. Dem Patienten wurde erklärt, Belastungsspitzen für die Verletzung in der Zeit vor der OP und die Zeit der Rehabilitation zu vermeiden. Außerdem sollten in der Zeit der Vorbereitung auf die OP, Symptome wie Schmerz und verringerte Beweglichkeit durch passive, physiotherapeutische Behandlungen reduziert werden. Die Ziele der Trainingstherapie wurden zusammen mit dem Patienten definiert. Hierbei wurde für diesen Patienten eine Haltungsschulung festgelegt, um die Hyperlordose zu verbessern und dem Patienten eine bessere Rumpfkontrolle zu ermöglichen (Übungen und genauere Beschreibung im Teil der Trainingstherpie). Zu guter Letzt sollte auch der allgemeine Stoffwechsel des Körpers verbessert werden. Ein sanftes Ausdauertraining auf dem Radergometer und Cross-Trainer mit einer Belastung von ca. 40 – 50 % der Vo2max sollten die Ausgangssituation des Herz-Kreislauf-Systems und die Durchblutung verbessern, um die bestmögliche Blutversorgung und damit auch den Abtransport von Stoffwechselrestprodukten aus der OP-Region zu gewährleisten.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Physiotherapeutische Behandlung:</strong> Die physiotherapeutische Behandlung wurde begleitend zum Training einmal pro Woche für eine Stunde durchgeführt. Neben passiven Behandlungen wurde auch immer wieder kontrolliert, ob der Patient sich mental gut vorbereitet fühlt und ob noch offene Fragen zu klären sind. In den Behandlungen wurde der Fokus auf die gefundenen Defizite der Erstanamnese gelegt. So wurden durch Weichteiltechniken Verspannungen und muskuläre Dysbalancen im Bereich der Oberschenkel (Vor- und Rückseite), der Gesäßmuskulatur sowie des Rückens behandelt.<span class="Apple-converted-space">  </span>Vor allem aber wurde zusätzlich zu der aktiven Mobilisation in der Trainingstherapie auch die passive Beweglichkeit der Hüften verbessert. Hier wurden die Weichteiltechniken kombiniert mit passiver Dehnung der Hüftgelenks-umliegenden Muskultur und CHRS-Techniken (Contract-hold-Relax-stretch nach Sölveborn 1983). Im Verlauf der Behandlung und des Trainings konnten hier eine Woche vor der Operation bereits Verbesserungen der Hüftgelenksrotation festgestellt werden. Die Beweglichkeitsgrade des Patienten von anfänglich 25/0/35 wurden deutlich auf 35/0/40 gesteigert. Der Patient schilderte kurz vor der Operation deutlich merkbare Verbesserungen der Beweglichkeit (Subjektiv wie objektiv dargestellt), ein besseres Körpergefühl im Bereich des Rumpfes sowie bessere Kontrolle. Auf jegliche Arten der passiven physikalischen Therapien wurde aufgrund nicht vorhander Möglichkeiten verzichtet.</p>
<p><strong>Rehabilitation:</strong> Kurz zusammengefasst verlief die Reha im Anschluss an die Operation komplikationsfrei. In der Woche nach der Operation wurden Lymphdrainage-Techniken zur Entstauung des Wundgebiets durchgeführt. Ebenso wie sanftes Mobilisieren der Hüften im schmerzfreien Bereich und Atemtechniken zur leichten Aktivierung der Bauchmuskulatur. Zwei Wochen nach der Operation durfte der Patient wieder leichte Aktivitäten ausüben. Ein sanfter Einstieg in das Rehaprogramm (Bauchtraining, Mobilisation, Ausdauertraining auf dem Radergometer) sowie der Einstieg in den Tennissport (leichtes hin und her-spielen mit dem Sohn) wurde ohne Nebenwirkungen vom Patienten toleriert. Bereits vier Wochen post-OP stieg der Patient mit Erlaubnis des Arztes und Absprache mit Physiotherapeuten und Trainer in die Vorbereitung ein für die Tennis Medenrunde, auch weil die Progression der Trainingstherapie und die problemfreie Steigerung im Rehaprogramm ohne Nebenwirkungen verlief. Acht Wochen nach der Operation startete der Patient sein erstes Tennisturnier der Medenrunde.</p>
<h3><b>Fall 2</b></h3>
<p><strong>Patientenvorstellung:</strong> Der Patient ist männlich, 51 Jahre alt und leistungsorientierter Freizeitsportler im Bereich Krafttraining (zwei bis drei Einheiten pro Woche) sowie einer Geschichte im leistungsorientierten Judosport. Er ist selbstständiger Zahnarzt. Die gesundheitliche Vorgeschichte bezieht sich vor allem auf das rechte Bein: Zwei operierte Kreuzbandrisse im rechten Knie im Jugendalter sowie ein Abriss des M. Rectus Femoris mit Refixation an der Spina ilica anterior superior durch Schraube stehen bereits zu Buche. Heute zeigt sich das rechte Bein mit einer deutlichen Varusabweichung im rechten Knie, was dem Patienten allerdings laut eigener Aussage keine Probleme macht. Der Leistenbruch auf der linken Seite kam durch starkes Krafttraining. So schilderte der Patient, es sei ihm in die Leiste „gefahren“, als er einarmiges Rudern mit der Kurzhantel (60Kg) durchführen wollte. Die Verletzung wurde durch den Arzt diagnostiziert und ist nicht durch das typische Heraustreten einer Beule erkennbar. Der Patient schilderte, er habe zwar keine großen Schmerzen (VAS 2/10) aber er fühle sich unsicher, was er zum aktuellen Zeitpunkt noch dürfe und wie er sich am besten auf die Operation vorbereite. Der Patient kam acht Wochen vor der geplanten Operation in unsere Einrichtung.</p>
<p><strong>Anamnese:</strong> Der Patient befand sich in einer guten körperlichen Verfassung und war sehr muskulös. Im Sichtbefund waren außer der sehr deutlichen Varusstellung des rechten Knies, keine aussagekräftigen Abweichungen zu erkennen. Im <a href="https://sport-iat.de/testothek/detail/stand-and-reach">Stand-and-Reach-Test</a> wurde ein Defizit von 5 cm festgestellt. Die größten Einschränkungen wurden auch bei diesem Patienten im Bereich der passiven Innenrotation des rechten Hüftgelenks festgestellt (20/0/40). Eventuell als Folge der vielen Operationen am rechten Beinkomplex. Beim Test der Bauchmuskulatur in Rückenlage konnte die Verletzung nur durch fehlende Spannung im verletzten Gebiet ertastet werden, war aber nicht sichtbar zu erkennen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Ziele der Prähabilitation:</strong> Als Ziele wurden, zusammen mit dem Patienten, folgende Punkte definiert: Aufklärung über Wundheilung war für ihn aufgrund seiner beruflichen Situation nicht wichtig. Im Vordergrund sollten das Vermindern von muskulären Dysbalancen stehen sowie die Verbesserung der Beweglichkeit der rechten Hüfte. In der Trainingstherapie vor allem die Rumpfkontrolle und die Stabilität der Lenden-Becken-Hüft-Region im Hauptfokus liegen. Darüber hinaus das Erlernen der adäquaten Anpassung der Trainingsintensität zu Vorbereitung der Operation. Außerdem wurde für die Zeit der Prähabilitation ein genauer Ernährungsplan eingehalten (siehe Patiententeil).<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Physiotherapeutische Behandlung:</strong> Die Physiotherapie wurde begleitend zur Trainingstherapie einmal die Woche für eine Stunde durchgeführt. Der Fokus dieser Einheiten lag symptomatisch auf dem Verringern von muskulären Dysbalancen vor allem im Bereich des rechten Hüftgelenks. Weichteiltechniken und Dehnungen im Bereich der Oberschenkel Vor- und Rückseite sowie der Gesäßmuskulatur und der Lendenwirbelsäule zeigten sich beim Patienten als wohltuend und beweglichkeitsfördernd (nach 8 Wochen Hüftgelenksrotation rechts bei 30/0/40). Der Patient schilderte zunehmend weniger Probleme im Alltag zu haben und ein Gefühl von besserer Rumpfkontrolle sowie vermehrter Mobilität.</p>
<p><strong>Rehabilitation:</strong> Aufgrund zeitlicher Engpässe des Patienten wurde die erste Operation zunächst vier Wochen weiter verschoben. Der Patient hielt sich weiterhin an sein Trainingsprogramm und machte Fortschritte. Wegen deutlichen Verbesserungen der Symptome und keinerlei Einschränkungen im Beruf und Alltag wurde vor der zweiten Operation der Arzt erneut konsultiert und musste bei der Ultraschalluntersuchung feststellen, dass die Leistenverletzung klinisch nicht mehr nachweisbar war, trotz (?) wiedererreichter vollständiger Trainingsbelastung. Bis auf weiteres und unter regelmäßigen Kontrollen wurde von der Operation abgesehen. Zusammen mit dem Patienten wurde dann das weitere Vorgehen besprochen. Dieses beinhaltete weitergehende, aber ausschleichende physiotherapeutische Behandlungen, vor allem eine langsame und sich stetig steigernde Trainingstherapie.</p>
<h2><b>Prähabiltation aus trainingstherapeutischer Sicht (Kevin Myles)</b></h2>
<h3><b>Fall 1</b></h3>
<p>Zu Beginn zeigte sich eine deutlich eingeschränkte Mobilität im Hüftbereich, was sich auch in der Übungsausführung widerspiegelte. Der anfängliche Schwerpunkt lag daher auf der Verbesserung der Hüftbeweglichkeit in allen Bewegungsrichtungen. Angrenzende Gelenke wie Sprung-, Kniegelenke und Wirbelsäule wurden bewusst einbezogen, um ein ganzheitliches Bewegungskonzept umzusetzen. Aufgrund stark ausgeprägter Einschränkungen kamen zur Verbesserung der Sprunggelenksmobilität überwiegend manuelle Techniken zum Einsatz. Die Hüftmobilisation erfolgte über kombinierte Übungen zur Innen- und Außenrotation sowie zu Flexion und Extension. Nach ersten spürbaren Verbesserungen wurde das Training schrittweise um Kräftigungsübungen für Hüftmusku­latur und Rumpf ergänzt. Der Fokus lag zunächst auf isometrischen Übungsformen, die dehnende und kräftigende Reize in teilweise unsicheren Bewegungsradien setzten. Eine zentrale Übung war der statische freie Kniebeugensitz („Horse Stance“), bei dem die Hüfte kontrolliert abgesenkt und die Position bei stabiler Wirbelsäulenhaltung gehalten wurde. Die Haltezeiten wurden progressiv gesteigert. Ergänzend kamen Rumpfstabilisierungsübungen auf stabilem und instabilem Untergrund sowie isometrische Rotationsübungen wie der Pallof Press zum Einsatz. Ziel war eine verbesserte neuromuskuläre Kontrolle und Belastungstoleranz im Hüft- und Rumpfbereich. Im weiteren Verlauf etablierten sich mehrere besonders effektive Übungen, die dauerhaft in das Training integriert wurden.</p>
<h3><b>Fall 2</b></h3>
<p>Zu Beginn wurden gezielt Übungen ausgewählt, die als vorbereitender trainingstherapeutischer Ansatz dienten und die in der Anamnese festgestellten Dysbalancen adressierten. Der Schwerpunkt lag auf der Verbesserung der Beweglichkeit des linken Sprunggelenks, der Mobilität und Kräftigung der beidseitigen Adduktorenkette sowie der Innenrotation der rechten Hüfte. Ziel war es, funktionelle Voraussetzungen für komplexere Übungsformen zu schaffen und das Bewegungssystem ganzheitlich vorzubereiten. Zur Verbesserung der Sprunggelenksmobilität kamen einfache, selbstständig durchführbare Übungen zum Einsatz, wie ein enger Ausfallschritt vor einer Wand mit kontrollierter Vorschubbewegung des Knies zur Förderung der Dorsalflexion sowie eine Übung mit Widerstandsband, bei der das Sprunggelenk aktiv in beide Richtungen gekreist wurde.</p>
<p>Zur Verbesserung der Hüftrotation wurde eine Standübung mit erhöht positioniertem Fuß gewählt, um eine ausgeprägte Außenrotation zu erzeugen. Durch den Einsatz eines leichten Zusatzgewichts erfolgte aus dieser Position ein aktives Dehnen der Gluteusmuskulatur. Alle Übungen wurden beidseitig und mit variierender Inten­sität durchgeführt. Mobilitätsübungen erfolgten konsequent nach dem Prinzip des „Stretch under Load“. Eine weitere Übung zielte auf die verbesserte Ansteuerung der Hüftbeugemuskulatur ab und wurde in einer Stützübung zwischen zwei erhöhten Kisten durchgeführt. Durch kontrolliertes Absenken und anschließendes Anheben des Beines wurde der Hüftbeuger gedehnt und die vordere Muskelkette, insbesondere der Psoas, aktiviert. Zur gezielten Verbesserung der Innenrotation kam ergänzend eine Widerstandsübung in Bauchlage mit 90-Grad-Beugung zum Einsatz. Insgesamt konnten aufgrund der guten körperlichen Ausgangsverfassung bereits fortgeschrittenere Übungen integriert werden.</p>
<h2><b>Patient Voice</b></h2>
<h3><b>Fall 1 (Franco Palmer)</b></h3>
<p>Vor fünfzehn Jahren wurde ich erstmals an einer Leistenhernie rechts operiert. Die Genesung war langwierig, schmerzhaft und psychisch belastend – ein Jahr dauerte es, bis ich mich wieder vollständig belasten konnte. Als kürzlich eine Leistenhernie links diagnostiziert wurde, entschied ich mich für einen völlig anderen Weg, der meine OP-Erfahrung grundlegend verändern sollte. Die ersten Anzeichen spürte ich während eines Tennisspiels als „Plopp“. Anfangs versuchte ich, die Beschwerden selbst zu kontrollieren, trainierte weiter und ergänzte mein Programm durch Rumpfkräftigung. Mit der Zeit bildete sich jedoch eine schmerzhafte Vorwölbung, die ärztlich abgeklärt wurde. Statt auf die Operation zu warten, begann ich ein strukturiertes Prähab-Programm. Fokus waren Hüft- und Gesäßmuskulatur sowie tiefe Rumpfstabilisatoren. Gleichzeitig informierte ich mich intensiv über den Eingriff. Diese Kombination aus körperlicher Vorbereitung und Wissen war entscheidend. Die psychologische Wirkung war enorm: Durch aktive Vorbereitung, Verständnis des Eingriffs und Begleitung durch Prof. Dr. Guido Woeste, Physiotherapeut Jörn Bremer und Fitnesstrainer Kevin Myles fühlte ich mich sicher und mental ruhig – ein starker Kontrast zur ersten Operation. Die körperlichen Vorteile zeigten sich unmittelbar: Schon etwa 30 Minuten nach der Operation konnte ich aufstehen und zur Toilette gehen. Gut trainierte Hüft- und Gesäßmuskeln ermöglichten Stabilität und frühe Mobilisation, wodurch Heilung und Durchblutung gefördert wurden. Nur drei Stunden nach dem Eingriff konnte ich nach Hause, die Rehabilitation begann sofort mit vorsichtiger Mobilisation, Atemarbeit und progressivem Training. Nach zwei Wochen spielte ich erste leichte Tennisbälle, nach vier Wochen nahm ich wieder am Medenrundenspiel teil – stabil, leistungsfähig und mit hohem Körpervertrauen. Dass meine Fitness nach diesen vier Wochen genauso gut war wie vor der OP, ließ sich auch mittels Bioimpendanzanalyse (BIA Systems) objektiv überprüfen und darstellen. Prähabilitation verkürzte nicht nur meine Genesungszeit, sondern stärkte Vertrauen, mentale Stärke und körperliche Widerstandsfähigkeit. Rückblickend war sie der entscheidende Faktor für eine kontrollierte, selbstbestimmte und erfolgreiche Heilung.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-22392" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/BremerAbb.png" alt="" width="640" height="359" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/BremerAbb.png 640w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/BremerAbb-300x168.png 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/BremerAbb-150x84.png 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/BremerAbb-450x252.png 450w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></p>
<h3><b>Fall 2 (Dr. Matthias Roßberg)</b></h3>
<p>Im Rahmen eines Krafttrainings kam es beim einarmigen Kurzhantel-Rudern mit 60 kg zu einer akuten Verletzung der linken Leistenregion. Ich verspürte sofort einen ziehenden, stechenden Schmerz mit sicht- und tastbarer Vorwölbung, sodass das Training abgebrochen werden musste. Zwei Tage später stellte sich die Diagnose einer linksseitigen Leistenhernie bei Prof. Woeste. Die umfassende Aufklärung über Anatomie, Pathophysiologie sowie operative und konservative Optionen war für mich entscheidend – dies reduzierte Angst, Unsicherheit und Schonverhalten. Da keine Einklemmung vorlag und die Beschwerden belastungsabhängig waren, begann ich sofort eine strukturierte Prähabilitation. Ziel war nicht die Heilung der Hernie, sondern die Optimierung des entzündlichen Milieus, Verbesserung der Gewebequalität, Reduktion der Schmerzen und Steigerung der Belastbarkeit. Physiotherapeutisch wurde schrittweise die Rumpf-, Hüft- und Beckenstabilität aufgebaut. Beschwerden dienten als Orientierung zur Anpassung von Intensität und Trainingsumfang, was Vertrauen in die eigene Belastbarkeit stärkte und die interdisziplinäre Zusammenarbeit förderte. Ernährungsmedizinisch achtete ich auf entzündungsarme, eiweißreiche Kost, ergänzt durch Mikronährstoffe und Aminosäuren zur Unterstützung von Regeneration, Schlaf und Gewebesynthese: Magnesiumbisglycinat/-threonat zur neuromuskulären Entspannung, Glycin zur Kollagensynthese und Schlafverbesserung, Omega-3-Fettsäuren, Boswellia und Curcumin zur Modulation entzündlicher Prozesse sowie Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels. Adaptogene wie Ashwagandha verbesserten Stressresilienz und Schlafqualität. Body-Mind-Interventionen mit Atem- und Entspannungsübungen regulierten das autonome Nervensystem, reduzierten sympathische Überaktivität und Muskelspannung. Dadurch verbesserten sich Schlaf, Körperwahrnehmung und subjektive Schmerzintensität, was die physiotherapeutische Belastungssteigerung erleichterte. Im Verlauf von Wochen nahm die Symptomatik kontinuierlich ab. Nach drei Monaten bestand vollständige Beschwerdefreiheit im Alltag und nahezu vollständige sportliche Belastbarkeit. In der Kontrolle bei Prof. Woeste zeigte sich kein operativer Behandlungsbedarf. Aus Patientensicht war die Kombination aus fundierter chirurgischer Aufklärung, strukturierter physiotherapeutischer Belastungssteuerung, gezielter Supplementierung und Body-Mind-basierter Stressreduktion der entscheidende Prähabilitationsfaktor. Sie reduzierte Angst, förderte Eigenverantwortung und ermöglichte eine stabile funktionelle Wiederherstellung ohne Operation.</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_21754" aria-describedby="caption-attachment-21754" style="width: 733px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-21754" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/RossbergBremer_saez126-733x1024.jpg" alt="" width="733" height="1024" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/RossbergBremer_saez126-733x1024.jpg 733w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/RossbergBremer_saez126-215x300.jpg 215w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/RossbergBremer_saez126-768x1073.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/RossbergBremer_saez126-1099x1536.jpg 1099w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/RossbergBremer_saez126-150x210.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/RossbergBremer_saez126-450x629.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/RossbergBremer_saez126.jpg 1145w" sizes="(max-width: 733px) 100vw, 733px" /><figcaption id="caption-attachment-21754" class="wp-caption-text">Dr. Matthias Roßberg</figcaption></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
