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	<title>Training Archive - sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
	<lastBuildDate>Mon, 19 Oct 2026 08:24:36 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
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	<title>Training Archive - sportärztezeitung</title>
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	<item>
		<title>Mitochondrial Psychobiology: Wie Lebensstil und Psyche zusammenspielen</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/23144/mitochondrial-psychobiology-wie-lebensstil-und-psyche-zusammenspielen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sportärztezeitung]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Oct 2026 08:23:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[90 Sek]]></category>
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					<description><![CDATA[Bewegung, Ernährung, Schlaf und kontemplative Praktiken als Ansatzpunkte für die Gesundheit Mitochondrien gelten als Kraftwerke der Zellen. Doch ihre Funktion geht weit über die Energieproduktion hinaus: Sie steuern zahlreiche Stoffwechsel- [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-pm-slice="1 1 []"><strong>Bewegung, Ernährung, Schlaf und kontemplative Praktiken als Ansatzpunkte für die Gesundheit</strong></p>
<p>Mitochondrien gelten als Kraftwerke der Zellen. Doch ihre Funktion geht weit über die Energieproduktion hinaus: Sie steuern zahlreiche Stoffwechsel- und Signalprozesse und könnten eine zentrale Schnittstelle zwischen körperlichen Vorgängen, psychischen Zuständen und Verhalten bilden. Das Konzept der <em>Mitochondrial Psychobiology</em> verbindet deshalb biologische und psychologische Forschung zu einem integrativen Verständnis von Gesundheit.</p>
<p>Im Mittelpunkt steht die wechselseitige Beziehung zwischen Mitochondrien und Psyche: Psychischer Stress beeinflusst die mitochondriale Funktion, während der energetische Zustand des Körpers wiederum Kognition, Emotion, Motivation und Stressresilienz mitprägen kann. Chronische Belastungen erhöhen den Energiebedarf und können dazu führen, dass der Organismus Ressourcen zulasten von Regeneration, Reparatur und langfristiger Anpassungsfähigkeit umverteilt.</p>
<p>Vier Lebensstilfaktoren könnten dabei wichtige Ansatzpunkte bieten:</p>
<ul data-spread="false">
<li><strong>Bewegung:</strong> Körperliche Aktivität fordert den Energiestoffwechsel und kann zur Anpassung mitochondrialer Funktionen beitragen.</li>
<li><strong>Ernährung:</strong> Die Verfügbarkeit von Nährstoffen beeinflusst die Bereitstellung von Energie und damit zentrale Stoffwechselprozesse.</li>
<li><strong>Schlaf:</strong> Ausreichender Schlaf bietet eine wichtige Voraussetzung für Erholung und die Regulation physiologischer Prozesse.</li>
<li><strong>Kontemplative Praktiken:</strong> Meditation und vergleichbare Verfahren könnten dazu beitragen, Stressbelastungen zu reduzieren und die körperliche Regulation zu unterstützen.</li>
</ul>
<p>Die mitochondriale Psychobiologie versteht diese Faktoren nicht isoliert, sondern als miteinander verknüpfte Einflussgrößen. Ihr Potenzial liegt in einem Forschungsansatz, der Energiehaushalt, psychische Prozesse und Lebensstil gemeinsam betrachtet. Wie genau diese Zusammenhänge beim Menschen wirken und welche Interventionen besonders wirksam sind, muss weiter untersucht werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Originalarbeit: <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S014976342600494X?via%3Dihub">Ana C. Andreazza et al. Mitochondrial Psychobiology, Neuroscience &amp; Biobehavioral Reviews,</a></em><em>2026, 107036, ISSN 0149-7634, https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2026.107036.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Veröffentlicht am 19.10.2026</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sehtraining im Sport</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/23135/sehtraining-im-sport/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sportärztezeitung]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Oct 2026 09:35:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[90 Sek]]></category>
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					<description><![CDATA[Visuelle Fähigkeiten beeinflussen maßgeblich, wie Sportler Bewegungen ausführen, Spielsituationen wahrnehmen und unter Zeitdruck Entscheidungen treffen. Ein narratives Review untersucht die Bedeutung visueller und wahrnehmungs-kognitiver Fähigkeiten im Sport sowie den potenziellen [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Visuelle Fähigkeiten beeinflussen maßgeblich, wie Sportler Bewegungen ausführen, Spielsituationen wahrnehmen und unter Zeitdruck Entscheidungen treffen. Ein narratives Review untersucht die Bedeutung visueller und wahrnehmungs-kognitiver Fähigkeiten im Sport sowie den potenziellen Nutzen gezielten Sehtrainings.</strong></p>
<p>Die ausgewertete Literatur zeigt, dass Spitzensportler häufig über besser entwickelte visuelle und wahrnehmungs-kognitive Fähigkeiten verfügen als weniger erfahrene Athleten. Trainingsmethoden wie Quiet-Eye-Training zur Optimierung der visuellen Fixation, stroboskopisches Training, dreidimensionales Multiple-Object-Tracking und Virtual-Reality-Interventionen können einzelne visuelle Funktionen verbessern.</p>
<p>Entscheidend ist jedoch, ob diese Verbesserungen auch die sportliche Leistung im Wettkampf steigern. Hier zeigt sich eine Diskrepanz: Fortschritte in Labortests lassen sich nicht zwangsläufig auf reale Wettkampfsituationen übertragen. Die Ergebnisse zur Wirksamkeit von Sehtraining bleiben deshalb uneinheitlich.</p>
<p>Die Autoren betonen, dass visuelle Fähigkeiten nicht isoliert betrachtet werden sollten, sondern mit physischen, technischen, taktischen und kognitiven Faktoren zusammenspielen. Besonders aussichtsreich erscheinen Trainingsansätze, die die Wahrnehmungsanforderungen der jeweiligen Sportart realitätsnah abbilden und in das technische und taktische Training integriert werden.</p>
<p>Zukünftige Studien sollten klären, welche Methoden bei welchen Athletengruppen und unter welchen Bedingungen den größten Nutzen erzielen. Technologien wie Eye-Tracking, Virtual Reality, künstliche Intelligenz und tragbare Messsysteme könnten dabei helfen, visuelles Verhalten in realitätsnahen Sportsituationen präziser zu erfassen. Sehtraining bietet somit Potenzial als Ergänzung des sportartspezifischen Trainings; sein tatsächlicher Mehrwert für die Wettkampfleistung muss jedoch weiter wissenschaftlich abgesichert werden.</p>
<p><em>Originalarbeit: <a href="https://apcz.umk.pl/QS/article/view/74746">STADNIK, Aleksandra, KOLASA, Wiktoria, STANKOWSKI, Wiktor, LIS, Monika, JĘDRYKA, Maria, KACZOREK, Marta, PAGACZ, Katarzyna, KOWALCZYK, Olga, KIEŁBASA, Bożena and GATNIEJEWSKA, Julia. Visual Skills and Athletic Performance: The Role of Vision Training in Sport &#8211; A Narrative Review. Quality in Sport. Online. 22 August 2026. Vol. 70, p. 74746. [Accessed 13 October 2026]. DOI 10.12775/QS.2026.70.74746. </a></em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Veröffentlicht am 13.10.2026</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Struktur oder Funktion?</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/23055/struktur-oder-funktion/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carsten Hinz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Oct 2026 08:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Belastungssteuerung nach Muskel- und Sehnenverletzungen orientiert sich häufig an morphologischen MRT-Befunden. Im sportmedizinischen Alltag zeigen sich jedoch immer wieder Unterschiede zwischen struktureller Läsion und funktioneller Leistungsfähigkeit. Der vorliegende Fallbericht [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die Belastungssteuerung nach Muskel- und Sehnenverletzungen orientiert sich häufig an morphologischen MRT-Befunden. Im sportmedizinischen Alltag zeigen sich jedoch immer wieder Unterschiede zwischen struktureller Läsion und funktioneller Leistungsfähigkeit. Der vorliegende Fallbericht beschreibt die Diagnostik einer ambitionierten Handballspielerin und HYROX-Athletin mit partieller Quadrizepssehnenruptur.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Durch die Kombination aus funktioneller Bewegungsanalyse, elektromyographischer Muskelfunktionsdiagnostik (EMG) und instrumentierter Laufanalyse nach der Run4You®-Methode konnte die Ursache der Überlastung identifiziert und eine funktionell gesteuerte Rehabilitation entwickelt werden.</p>
<h2><b>Wenn Bildgebung und Funktion nicht übereinstimmen</b></h2>
<p>Die Magnetresonanztomographie gilt als Referenzmethode zur Beurteilung struktureller Muskel- und Sehnenverletzungen. Aussagen über die tatsächliche Belastbarkeit eines Athleten lassen sich daraus jedoch nicht immer zuverlässig ableiten. In der Praxis zeigen sich häufig Diskrepanzen zwischen morphologischen Veränderungen und funktioneller Leistungsfähigkeit. Die zentrale sportmedizinische Fragestellung lautet daher: Soll die Belastungssteuerung primär der Bildgebung folgen oder der tatsächlichen Funktion? Der folgende Fall verdeutlicht den Stellenwert einer integrativen funktionellen Diagnostik.</p>
<h2><b>Fallbericht</b></h2>
<p>Eine ambitionierte Handballspielerin und HYROX-Athletin stellte sich aufgrund persistierender Beschwerden der rechten Quadrizepssehne vor. Vier Monate zuvor hatte sie eine komplexe Bandverletzung des linken oberen Sprunggelenks mit Bone Bruise der Meta­tarsotarsalgelenke erlitten. Die konservative Behandlung verlief komplika­tionslos, sodass nach zehn Wochen das Lauftraining wieder aufgenommen werden konnte – jedoch ohne funktionelle Diagnostik. Vier Monate später entwickelte sich ohne Trauma eine zunehmende Schmerzsymptomatik an der rechten Quadrizepssehne. Während der Belastung bestanden keine Beschwerden; erst Stunden nach dem Training verstärkten sich die Schmerzen in Ruhe. Die MRT-Diagnostik zeigte einen Längsriss der Quadrizepssehne mit zusätzlicher partieller Querruptur von etwa 10 % des Sehnenquerschnitts. Die konservative Behandlung umfasste Physiotherapie, fokussierte Stoßwellentherapie, PRP-Infiltration und Belastungsreduktion. Ein Kontroll-MRT nach sieben Wochen zeigte keine wesentliche strukturelle Veränderung. Damit bestand eine deutliche Diskrepanz zwischen morphologischem Befund und klinischer Belastbarkeit.</p>
<figure id="attachment_23058" aria-describedby="caption-attachment-23058" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-23058" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326-1024x569.jpg" alt="" width="755" height="420" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326-1024x569.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326-300x167.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326-768x426.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326-150x83.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326-450x250.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326-1200x666.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-23058" class="wp-caption-text">Darstellung und Auswertung aller wichtigen laufspezifischen Parameter</figcaption></figure>
<h2><b>Funktionelle Diagnostik</b></h2>
<p>Zur differenzierten Beurteilung erfolgte eine Untersuchung nach der Run4You®-Methode. Die funktionelle Bewegungsanalyse zeigte beidseits eine verminderte Beinachsenstabilität mit vermehrter Hüftadduktion, dynamischem Genu valgum sowie einer eingeschränkten Dorsalextension des linken oberen Sprunggelenks mit kompensatorischer Pronation. Hier stellte sich die Frage, ob Auffälligkeiten der zuvor verletzten linken Extremität zugeordnet werden konnten. Die elektromyographische Muskelfunktionsdiagnostik ergab eine physiologische neuromuskuläre Aktivierung des M. vastus medialis, M. vastus lateralis und M. rectus femoris ohne Hinweise auf eine funktionelle Hemmung. Ergänzend erfolgte eine instrumentierte Laufanalyse mittels Noraxon-Technologie, 2D-Markerless Tracking. Bei 9 km/h zeigte sich während der Standphase rechts eine Kniebeugung bis 61° mit deutlich erhöhter stoßdämpfender Funktion. Gleichzeitig dokumentierte die dynamische EMG-Messung des M. rectus femoris eine unauffällige neuromuskuläre Koordination mit geringfügig höherer Aktivität als links. Im Gesamtkontext wurde deutlich, dass die eingeschränkte Dorsalextension des linken oberen Sprunggelenks zu einer asymmetrischen Belastungsverteilung führte. Die rechte Extremität kompensierte dies durch eine verstärkte Kniebeugung und erhöhte exzentrische Beanspruchung der Quadrizepssehne. Die Ursache der Sehnenverletzung lag somit nicht in einer neuro­muskulären Insuffizienz, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer veränderten Bewegungsstrategie innerhalb der gesamten kinetischen Kette.</p>
<p><img decoding="async" class="size-large wp-image-23059" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326-1024x879.jpg" alt="" width="755" height="648" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326-1024x879.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326-300x257.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326-768x659.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326-150x129.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326-450x386.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326-1200x1030.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /></p>
<p>EMG-Auswertung der Quadriceps-Aktivität im li-re-Vergleich</p>
<figure id="attachment_23060" aria-describedby="caption-attachment-23060" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-23060" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326-1024x613.jpg" alt="" width="755" height="452" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326-1024x613.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326-300x180.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326-768x460.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326-150x90.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326-450x269.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326-1200x718.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-23060" class="wp-caption-text">Biofeedbacktraining per Elektromyographie</figcaption></figure>
<h2><b>Therapie</b></h2>
<p>In Abstimmung mit den behandelnden Ärzten wurde die Belastungssteuerung nicht ausschließlich am MRT-Befund, sondern an der funktionellen Leistungsfähigkeit orientiert. Therapeutischer Schwerpunkt war die Wiederherstellung der Dorsalextension des linken oberen Sprunggelenks sowie die Optimierung der Kraftübertragung innerhalb der gesamten Beinachse. Parallel erfolgte ein funktionelles Lauftechniktraining mit dem Ziel, die Kniebeugung während der Standphase von 61° auf etwa 40° zu reduzieren und dadurch die exzentrische Belastung der Quadrizepssehne zu verringern.</p>
<p>Die Therapie umfasste:</p>
<ul>
<li>Manuelle Therapie des linken oberen Sprunggelenks (OSG), der Lendenwirbelsäule (LWS) und des Iliosakralgelenks (ISG)</li>
<li>Wiederherstellung der Dorsalextension des linken OSG</li>
<li>Aktivierung der posterioren Muskelkette</li>
<li>Laufspezifisches Training der gesamten Belastungskette</li>
<li>Lauftechniktraining auf dem Anti-Schwerkraft-Laufband mit schrittweiser Steigerung<br />
bis zur Vollbelastung</li>
<li>Funktionelle laufspezifische Übungen</li>
<li>EMG-gestützte Kontrolle der neuromuskulären Aktivierung (Biofeedback)</li>
<li>Schmerzadaptierte Belastungssteigerung</li>
<li>Return to Sport mit schrittweiser Rückkehr zum Lauftraining sowie zum Handball- und HYROX-Training ohne relevante Beschwerden</li>
</ul>
<h2><b>Diskussion &amp; Fazit</b></h2>
<p>Der Fall verdeutlicht, dass strukturelle MRT-Befunde allein keine ausreichende Grundlage für die Belastungssteuerung darstellen. Trotz unverändertem MRT zeigte die Athletin eine physiologische neuromuskuläre Aktivierung und eine hohe funktionelle Belastbarkeit. Erst die Kombination aus klinischer Untersuchung, funktioneller Bewegungsanalyse, EMG und instrumentierter Laufanalyse ermöglichte die Identifikation der eigentlichen Ursache der Überlastung. Entscheidend ist die integrative Bewertung klinischer, funktioneller und neuromuskulärer Parameter. Besonders bemerkenswert war der biomechanische Zusammenhang zwischen der vorausgegangenen Sprunggelenksverletzung links und der späteren Quadrizepssehnenverletzung rechts. Die eingeschränkte Dorsalextension führte zu einer kompensatorischen Veränderung der Laufmechanik mit verstärkter Kniebeugung und erhöhter exzentrischer Belastung der rechten Quadrizepssehne.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der Fall zeigt exemplarisch, dass strukturelle Heilung und funktionelle Belastbarkeit unterschiedliche Prozesse darstellen können. Return-to-Sport-Entschei­dungen sollten daher nicht ausschließlich anhand morphologischer MRT-Befunde getroffen werden, sondern stets unter Einbeziehung klinischer, funktioneller und neuromuskulärer Parameter. Die Run4You®-Methode verfolgt einen integrativen diagnostischen Ansatz. Ziel ist die strukturierte Zusammenführung aller erhobenen Befunde, um Ursachen von Überlastungen zu identifizieren sowie Belastbarkeit, Rehabilitation und Return to Sport individuell zu steuern. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten, Physiotherapeuten und Sportwissenschaftlern ist hierfür Voraussetzung.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Prähabilitation in der Onkologie</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/23065/praehabilitation-in-der-onkologie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Maximilian Köppel&nbsp;,&nbsp;Prof. Dr. phil. Joachim Wiskemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2026 08:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein chirurgischer Eingriff zur Tumorresektion ist bei den meisten soliden Tumoren obligat. Je nach Schweregrad der OP gehen diese Eingriffe jedoch mit erheblichen Komplikationen einher. Spanjersberg und Kollegen (2015) berichten, [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Ein chirurgischer Eingriff zur Tumorresektion ist bei den meisten soliden Tumoren obligat. Je nach Schweregrad der OP gehen diese Eingriffe jedoch mit erheblichen Komplikationen einher. Spanjersberg und Kollegen (2015) berichten, dass etwa 40 % aller Patienten, die sich einer offenen Darmoperation unterziehen, von Komplikationen betroffen sind [1].</b></p>
<p>Bei einem Drittel dieser OPs fallen diese Komplikationen sogar schwer aus und bedürfen einer intensivierten medizinischen Nachbetreuung. Selbst bei der deutlich weniger invasiven Laparoskopie verzeichnet immerhin noch etwa jeder Sechste derartige schwerwiegende Komplikationen. Hinzu kommt, dass im Kontext der onkologischen Behandlung nicht nur die unmittelbaren Folgen der OP und Komplikationen bedeutsam sind, sondern dass Personen mit postoperativen Komplikationen eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit haben, von einer anschließenden adjuvanten Therapie ausgeschlossen zu werden [2]. Mit zunehmender Komplikationszahl und dem Schweregrad der Komplikationen nimmt diese Wahrscheinlichkeit weiter zu. Dementsprechend bedarf es gezielter Maßnahmen, mit deren Hilfe die peri- bzw. postoperativen Komplikationsraten onkologischer Eingriffe gesenkt werden können. Gleichzeitig erhält eine zunehmende Anzahl onkologischer Patienten eine neoadjuvante Therapie, die dem chirurgischen Eingriff vorangeschaltet ist, mit dem Ziel, den Tumor zu verkleinern und die OP schonender zu gestalten.</p>
<p>In diesem neoadjuvanten Setting rücken neben der Reduktion der Komplikationshäufigkeit auch die Vermeidung therapieassoziierter Nebenwirkungen sowie eine mögliche direkte Verbesserung des Tumorsansprechens in den Fokus. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fitness als protektiver Faktor</b></h2>
<p>Für den Körper ist ein operativer Eingriff eine Extrembelastung. Dementsprechend ist es naheliegend, dass die körperliche Fitness einen bedeutsamen protektiven Faktor für Komplikationen darstellen könnte. Beispielsweise verglichen Snowden und Kollegen (2013) die Mortalitätsraten, Dauer des Krankenhaus- und Intensivstationsaufenthalts von Personen, die sich einer größeren geplanten Operation unterzogen [3]. Hierbei differenzierten die Autoren zwischen Patienten über (alt) und unter (jung) 75 Jahren und Personen mit einer anaeroben Schwelle von über (fit) bzw. unter (unfit) 10 ml/kg/min. In allen drei Endpunkten zeigte sich eine deutliche Überlegenheit der fitten gegenüber den unfitten Patienten, wobei der ansonsten sehr gut etablierte Alterseffekt komplett kompensiert werden konnte. D. h., in allen drei Endpunkten schnitten die fitten, aber älteren Patienten deutlich besser ab als die unfitten jüngeren Patienten und unterschieden sich nur wenig von den jüngeren fitten Patienten. Der Alterseffekt blieb vor allem bei den unfitten Patienten bestehen, was darauf hindeuten könnte, dass der in der Literatur gut attestierte Zusammenhang zwischen Alter und Komplikationen vor allem auf eine altersassoziiert verminderte Fitness zurückzuführen ist. Chen und Kollegen (2011) konnten eine ähnlich deutliche Assoziation für die Kraftfähigkeit nachweisen [4]. So zeigt sich ein deutlicher negativer linearer Zusammenhang zwischen isometrischer Handkraft und dem peri- / postoperativen Komplikations- und Mortalitätsrisiko. Dieser Effekt fiel so stark aus, dass er selbst ansonsten gut etablierte Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, niedrige Albuminlevel, Vorliegen weiterer Komorbiditäten und die Vorhersagekraft eines Komplikationsrisikoindex in den Schatten stellte. Aus diesen korrelativen Daten ergibt sich unmittelbar die Frage nach der Kausalität. Handelt es sich lediglich um eine Scheinkorrelation zwischen Fitness und Komplikationsrisiko, welche sich daraus ergibt, dass Personen mit schwererer Erkrankung und einem höheren Komplikationsrisiko automatisch auch weniger fit sind, oder dass die Fitness tatsächlich kausal auf das Komplikationsrisiko wirkt und sich eine Verbesserung dieser in einer entsprechenden Risikoreduktion äußert?</p>
<h2><b>Wirksamkeit prähabilitativer Maßnahmen</b></h2>
<p>Derartige Kausalschlüsse lassen sich lediglich anhand von Experimentaldaten, wie sie sich aus randomisiert kontrollierten Studien (Randomized Controlled Trials – RCTs) ergeben, ableiten. Glücklicherweise liegen inzwischen einige RCTs vor, die ein körperliches Training zur Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit im Vorfeld eines chirurgischen, onkologischen Eingriffs umsetzten und im Rahmen von systematischen Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen aggregiert wurden. In einer Übersichtsarbeit von Voorn und Kollegen (2023) konnten 16 solcher „Prähabilitationsstudien“ bei Personen mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom identifiziert werden [5]. Zwölf der Arbeiten fanden mit randomisierter, vier mit nicht-randomisierter Gruppenzuweisung statt. In 15 der Studien wurde Ausdauertraining durchgeführt, in 14 Atemtraining und in 9 Studien Krafttraining, die Mehrheit der Trainingsinterventionen war demnach multimodal angelegt. Das Zeitfenster der Studien erstreckte sich von einer bis vier Wochen mit einer bis sieben wöchentlichen Trainingseinheiten, wobei die kürzeren Interventionsdauern i. d. R. mit einer höheren wöchentlichen Trainingsfrequenz einhergingen. Im aggregierten Mittel zeichneten sich die Interventionsgruppen im Vergleich zu den Kontrollgruppen durch eine deutliche Reduktion der postoperativen Komplikationen um zwei Drittel (OR = 0,37, 95 %-KI = 0,23, 0,61) aus. Dieser Effekt zeigte sich sowohl im Hinblick auf die spezifischen pulmonalen Komplikationen (OR = 0.31, 95 %-KI = 0.20, 0.48), als auch auf die schwerwiegenderen Komplikationen (OR = 0.36, 95 %-KI = 0.23, 0.68). Ähnliche Effekte auf die pulmonalen Komplikationen (OR = 0.37, 95 %-KI = 0.20, 0.67) zeigen sich auch in einer 8 RCT umfassenden Übersichtsarbeit von Heger und Kollegen (2020) für große Bauchoperationen [6]. In allen eingeschlossenen Studien wurde ein Ausdauertraining durchgeführt, welches in jeweils 3 Arbeiten durch ein Atemtraining und / oder Krafttraining ergänzt wurde. Wie im Fall der Arbeiten von Voorn et al. [5] lagen nur sehr kurze Interventionsfenster von einer bis sechs Wochen vor. Und auch hier wurden zwischen einer und fünf wöchentlichen Trainingseinheiten durchgeführt.</p>
<p>Während die einzelnen Stichproben der in den Übersichtsarbeiten betrachteten RCTs klein ausfallen, liegt mit der Arbeit von Molenaar und Kollegen (2023) ein 251 Kolonrektakarzinom-Patienten umfassendes, großangelegtes RCT vor [7].<span class="Apple-converted-space">  </span>In dieser Arbeit wurde der Prähabilitationsarm einer vierwöchigen multimodalen Prähabilitationsintervention mit drei Trainingseinheiten à einer Stunde unterzogen. Das Training setzte sich aus einem hochintensiven Intervalltraining und einem anspruchsvollen Krafttraining zusammen. Das Intervalltraining bestand aus 4 Zyklen mit alternierend 2 min intensiver Belastung bei 85 – 90 % der maximalen Leistungsfähigkeit und 4min extensiver, regenerativer Belastung bei lediglich 30 % der maximalen Leistungsfähigkeit. Das Krafttraining umfasste 6 – 8 Übungen, die alle größeren Muskelgruppen adressieren sollten. Von jeder Übung wurden 2 Sätze à 10 Wiederholungen bei 65 – 70 % des Einwiederholungsmaximums durchgeführt. Trotz des sehr limitierten Interventionsfensters konnte eine deutliche Reduktion der OP-Komplikationen beobachtet werden. Innerhalb des ersten postoperativen Monats wurden insgesamt 149 Komplikationen bei 93 der Patienten dokumentiert. Diese Komplikationen verteilten sich aber keineswegs gleichmäßig auf die beiden Studienarme, sondern waren mit 54 Fällen (58 %) mehrheitlich in der Kontrollgruppe zu ver­orten (OR: 0.62, 95-%CI: 0.37 – 1.05). Hinsichtlich der 59 schweren Komplikationen fiel dieser Unterschied noch deutlicher aus, so wies die Prähabilitationsgruppe mit 21 Fällen bei 123 Patienten eine signifikant niedrigere Rate schwerer Komplikationen als die Kontrollgruppe mit 38 Fällen bei 128 Patienten auf (OR: 0.47, 95%-CI: 0.26–  0.87). Die Daten deuten darauf hin, dass dies vor allem auf die signifikant niedrigeren medizinischen Komplikationen – insbesondere kardiovaskulärer oder pulmonaler Natur – zurückzuführen ist (OR: 0.48, 95%-CI: 0.26 – 0.89).<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Hospitalisierung</b></h2>
<p>Trotz des deutlichen Effekts auf die Komplikationsrate sind die aggregierten Studiendaten hinsichtlich der Hospitalisierungszeiten weniger eindeutig und reichen von minimalen, statistisch nicht signifikanten Effekten bis hin zu einer Reduktion der Hospitalisierung von bis zu 3,5 Tagen [5, 6, 8]. Was in den Übersichtsarbeiten jedoch unbeo­bach­tet blieb, waren die deutlich größeren Streuungen der Hospitalisierungszeiten der Kontroll- gegenüber der Interventionsgruppen. Beispielsweise sind in der Arbeit von Waterland die Standardabweichungen (SD) in der Kontrollgruppe etwa doppelt so groß wie in der Interventionsgruppe [8]. Da die Hospitalisierungszeiten nach unten trunkiert sind – d. h. dass die Verteilung der Hospitalisierungsdaten nicht kleiner als eine Mindestaufenthaltsdauer ausfallen kann –, muss die Streuung vor allem durch wenige, aber dafür besonders lange Hospitalisierungsfälle zustande kommen. Dies wurde leider in den wenigsten der Originalarbeiten im Detail betrachtet. Mit der Arbeit von Cho und Kollegen (2014) liegen jedoch Daten aus einer nicht-randomisierten Studie vor, die genau diese Vermutung bestätigen [9]. In ihrer Arbeit lag die mediane Aufenthaltsdauer der Interventionsgruppe bei 9 Tagen, in der Kontrollgruppe bei 10 Tagen. Die Hospitalisierungsdauern scheinen sich also kaum zu unterscheiden. Interessant wird es aber, betrachtet man den Anteil der jenseits der medianen Aufenthaltsdauer noch hospitalisierten Patienten. So waren nach bereits 15 Tagen alle Patienten des Prähabilitationsarms entlassen, wohingegen noch etwa ein Viertel der Kon­trollpatienten hospitalisiert waren. Selbst nach 6 Wochen und demnach etwa 4 Wochen, nachdem alle Patienten der Prähabilitationsgruppe entlassen waren, verblieben noch 10 % der Kontrollgruppe im Krankenhaus.</p>
<h2><b>Wirkung während neoadjuvanter Chemotherapie</b></h2>
<p>Bislang gibt es nur wenige Studien, in welchen die direkte Wirkung des Trainings auf die Tumorgröße evaluiert wurde. Erste Daten erscheinen aber sehr vielversprechend. In einer nicht-randomisierten Studie mit Ösophaguskarzinompatienten zeigte sich in der Prähabilitationsgruppe mit 75 % positivem Ansprechen auf die neoadjuvante Chemotherapie eine deutliche Überlegenheit gegenüber der Kontrollgruppe, in der nur 37 % der Patienten positiv auf die Therapie ansprachen [10]. In einem größeren RCT von Sanft und Kollegen (2023), wurden 173 Brustkrebspatientinnen einer Ernährung und Bewegung umfassenden Lebensstilmaßnahme unterzogen [11]. Innerhalb des Patientenkollektivs befanden sich 72 Patientinnen unter neoadjuvanter Therapie.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Seitens dieser Patientinnen zeigten 53 % der Patientinnen des Prähabilitationsarmes ein pathologisches Komplettansprechen (pCR: pathologic Complete Response) verglichen zu 28 % in der Kontrollgruppe (p = 0.037). In einer Heidelberger Arbeit, welche explizit das Tumoransprechen unter neoadjuvanter Chemotherapie als primären Endpunkt definierte, wurden 180 Brustkrebspatientinnen zu gleichen Anteilen in eine Krafttrainings-, Ausdauertrainings- oder Wartekontrollgruppe randomisiert [12]. Die Patientinnen trainierten zweimal pro Woche. Hierbei zeigte sich, dass die Patientinnen im Prähabilitationsarm signifikant seltener die Therapie unterbrechen mussten und dass Patientinnen mit hormonsensitiven Tumoren stärker auf die neoadjuvante Chemotherapie ansprachen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Trotz der oft sehr kurzen Interventionszeiträume zeigen sowohl unimodale als auch multimodale prähabilitative Maßnahmen eine erhebliche Wirkung auf die peri- und postoperative Komplikationswahrscheinlichkeit onkologischer Patienten. Zudem deuten die Daten darauf hin, dass sich durch Prähabilitation die Zahl extrem langer Hospitalisierungen deutlich reduzieren lässt. Besonders großes Potenzial besitzt die Prähabilitation im Rahmen einer neoadjuvanten Chemotherapie: Neben den verringerten operativen Risiken sprechen auch erste Evidenzen für eine direkte positive Wirkung des Trainings auf das Tumoransprechen sowie auf die Chemotherapieverträglichkeit. Es liegt nahe, dass optimale Effekte dann erzielt werden, wenn das Training mit hoher Dichte stattfindet, um maximale physiologische Anpassungen zu provozieren. An dieser Stelle ist nochmals hervorzuheben, dass viele erfolgreiche Ansätze nicht auf körperliches Training beschränkt sind, sondern als multimodale Konzepte auch weitere Übungsformen wie Atemtraining sowie ernährungstherapeutische und psychoonkologische Betreuung integrieren. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Zukünftige Forschung sollte darauf abzielen, die genauen Wirkmechanismen der Prähabilitation zu entschlüsseln, um präzise Ableitungen zur optimalen Belastungsdosierung zu ermöglichen. Ebenso entscheidend wird es sein, Möglichkeiten zur klinische Implementierung zu identifizieren oder zu schaffen, damit die Prähabilitation als fester, Baustein in die onkologische Versorgung eingebunden werden kann.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Spanjersberg, W. R., Van Sambeeck, J. D. P., Bremers, A., Rosman, C., &amp; Van Laarhoven, C. J. H. M. (2015). Systematic review and meta-analysis for laparoscopic versus open colon surgery with or without an ERAS programme. <em>Surgical endoscopy</em>, <em>29</em>(12), 3443-3453.</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Hendren, S., Birkmeyer, J. D., Yin, H., Banerjee, M., Sonnenday, C., &amp; Morris, A. M. (2010). Surgical complications are associated with omission of chemotherapy for stage III colorectal cancer. <em>Diseases of the colon &amp; rectum</em>, <em>53</em>(12), 1587-1593.</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Snowden, C. P., Prentis, J., Jacques, B., Anderson, H., Manas, D., Jones, D., &amp; Trenell, M. (2013). Cardiorespiratory fitness predicts mortality and hospital length of stay after major elective surgery in older people. <em>Annals of surgery</em>, <em>257</em>(6), 999-1004.</p>
<p style="font-weight: 400;">[4] Chen, C. H., Huang, Y. Z., &amp; Hung, T. T. (2011). Hand-grip strength is a simple and effective outcome predictor in esophageal cancer following esophagectomy with reconstruction: a prospective study. <em>Journal of cardiothoracic surgery</em>, <em>6</em>(1), 98.</p>
<p style="font-weight: 400;">[5] Voorn, M. J. J., Franssen, R. F. W., Hoogeboom, T. J., Van Kampen-van Den Boogaart, V. E. M., Bootsma, G. P., Bongers, B. C., &amp; Janssen-Heijnen, M. L. G. (2023). Evidence base for exercise prehabilitation suggests favourable outcomes for patients undergoing surgery for non-small cell lung cancer despite being of low therapeutic quality: a systematic review and meta-analysis. <em>European Journal of Surgical Oncology</em>, <em>49</em>(5), 879-894.</p>
<p style="font-weight: 400;">[6] Heger, P., Probst, P., Wiskemann, J., Steindorf, K., Diener, M. K., &amp; Mihaljevic, A. L. (2020). A systematic review and meta-analysis of physical exercise prehabilitation in major abdominal surgery (PROSPERO 2017 CRD42017080366). <em>Journal of gastrointestinal surgery</em>, <em>24</em>(6), 1375-1385.</p>
<p style="font-weight: 400;">[7] Molenaar, C. J. L., Minnella, E. M., Coca-Martinez, M., Ten Cate, D. W. G., Regis, M., Awasthi, R., &#8230; &amp; Slooter, G. D. (2023). Effect of multimodal prehabilitation on reducing postoperative complications and enhancing functional capacity following colorectal cancer surgery: the PREHAB randomized clinical trial. <em>JAMA surgery</em>, <em>158</em>(6), 572-581.</p>
<p style="font-weight: 400;">[8] Waterland, J. L., McCourt, O., Edbrooke, L., Granger, C. L., Ismail, H., Riedel, B., &amp; Denehy, L. (2021). Efficacy of prehabilitation including exercise on postoperative outcomes following abdominal cancer surgery: a systematic review and meta-analysis. <em>Frontiers in surgery</em>, <em>8</em>, 628848.</p>
<p style="font-weight: 400;">[9] Cho und Kollegen (2014)</p>
<p style="font-weight: 400;">[10] Zylstra, J., Whyte, G. P., Beckmann, K., Pate, J., Santaolalla, A., Gervais-Andre, L., &#8230; &amp; Davies, A. (2022). Exercise prehabilitation during neoadjuvant chemotherapy may enhance tumour regression in oesophageal cancer: results from a prospective non-randomised trial. <em>British Journal of Sports Medicine</em>, <em>56</em>(7), 402-409.</p>
<p style="font-weight: 400;">[11] Sanft, T., Harrigan, M., McGowan, C., Cartmel, B., Zupa, M., Li, F. Y., &#8230; &amp; Irwin, M. L. (2023). Randomized trial of exercise and nutrition on chemotherapy completion and pathologic complete response in women with breast cancer: the lifestyle, exercise, and nutrition early after diagnosis study. <em>Journal of Clinical Oncology</em>, <em>41</em>(34), 5285-5295.</p>
<p style="font-weight: 400;">[12] Schmidt, M. E., Goldschmidt, S., Kreutz, C., Müller, J., Schneeweiss, A., May, A. M., &#8230; &amp; Steindorf, K. (2025). Effects of aerobic or resistance exercise during neoadjuvant chemotherapy on tumor response and therapy completion in women with breast cancer: The randomized controlled BENEFIT trial. <em>Journal of sport and health science</em>, 101064.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Rückenübungen: Nicht mehr, sondern bessere Bewegung</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/23129/rueckenuebungen-nicht-mehr-sondern-bessere-bewegung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sportärztezeitung]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2026 07:55:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[90 Sek]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=23129</guid>

					<description><![CDATA[Rückentraining sollte sich nicht an standardisierten Übungsrezepten orientieren, sondern an den individuellen Bewegungs- und Belastungsmustern des Patienten. Stuart McGill betont, dass zunächst die Ursache beziehungsweise der auslösende Bewegungsmechanismus identifiziert und [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="isSelectedEnd">Rückentraining sollte sich nicht an standardisierten Übungsrezepten orientieren, sondern an den individuellen Bewegungs- und Belastungsmustern des Patienten. Stuart McGill betont, dass zunächst die Ursache beziehungsweise der auslösende Bewegungsmechanismus identifiziert und reduziert werden sollte. Gerade bei bewegungs- oder flexionsintoleranten Patienten kann ein „Mehr“ an Beweglichkeit kontraproduktiv sein.</p>
<p class="isSelectedEnd">Entscheidend sind deshalb zunächst Anamnese, Beobachtung und gezielte Provokationstests: Welche Bewegungen, Positionen und Belastungen werden toleriert, welche verschlechtern die Beschwerden? Darauf aufbauend wird die Belastung individuell dosiert.</p>
<p class="isSelectedEnd">Im Mittelpunkt der Rehabilitation stehen zunächst die Korrektur fehlerhafter Bewegungs- und motorischer Muster, anschließend Stabilität und muskuläre Ausdauer. Erst danach sollten – abhängig von Ziel und Belastbarkeit – Kraft, Schnelligkeit und Power entwickelt werden. Für die Wirbelsäule bedeutet Stabilität dabei nicht maximale Kraft, sondern eine koordinierte Aktivierung der Rumpfmuskulatur bei möglichst geringer unnötiger Bewegung.</p>
<p>Eine wichtige Konsequenz für die Sportmedizin: <strong>Übungen sollten nicht isoliert nach ihrer Popularität ausgewählt werden, sondern nach ihrer biomechanischen Belastung und ihrer Funktion für den jeweiligen Patienten.</strong> Perfekte Bewegungsausführung, individuelle Toleranz und progressive Belastungssteigerung sind dabei wichtiger als möglichst hohe Trainingsintensität.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Originalarbeit: <span class="fontstyle0">Designing Back Exercise: from Rehabilitation to Enhancing Performance. </span></em><span class="fontstyle0"><em>Stuart McGill. </em><a href="https://www.backfitpro.com/pdf/selecting_back_exercises.pdf"><em>https://www.backfitpro.com/pdf/selecting_back_exercises.pdf</em></a></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wachstums­schmerzen?</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22995/wachstumsschmerzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Patrick Belikan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2026 08:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22995</guid>

					<description><![CDATA[Im Nachwuchsfußball treffen hohe Trainings- und Wettkampfbelastungen auf ein noch wachsendes Skelett. Belastungsabhängige Schmerzen werden in dieser Phase häufig dem Wachstum zugeschrieben. Wachstum beschreibt jedoch den Risikokontext, nicht die Diagnose. [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>I</b><b>m Nachwuchsfußball treffen hohe Trainings- und Wettkampfbelastungen auf ein noch wachsendes Skelett. Belastungsabhängige Schmerzen werden in dieser Phase häufig dem Wachstum zugeschrieben. Wachstum beschreibt jedoch den Risikokontext, nicht die Diagnose. Meist findet sich eine konkrete, behandelbare Ursache; Entscheidend ist die Abgrenzung häufiger Überlastungsbeschwerden von Befunden, die weiter abgeklärt werden müssen.</b></p>
<p>Ein typisches Beispiel ist ein 13-jähriger Fußballer mit drei Trainingseinheiten und einem Spiel pro Woche. Seit 10 Monaten bestehen beidseitige Knieschmerzen bei und nach dem Fußball, inzwischen auch beim Treppensteigen am Folgetag. Ein relevantes Trauma, Erguss oder systemische Symptome fehlen. Im Umfeld wurden die Beschwerden als Wachstum eingeordnet. Solche Fälle sind häufig, besonders im Sport [1, 2]. Entscheidend ist jedoch nicht, ob der Spieler wächst, sondern ob das Beschwerdemuster zu Wachstumsschmerzen passt.</p>
<h2><b>Wachstumsschmerz oder nicht?</b></h2>
<p>Wachstumsschmerzen sind ein definiertes klinisches Muster und eine Ausschlussdiagnose. Typisch sind intermittierende, meist beidseitige Schmerzen der unteren Extremität, vor allem an Waden, ventralem Oberschenkel oder Schienbein, die bevorzugt abends oder nachts auftreten und morgens vollständig regredient sind [3, 4]. Die klinische Untersuchung ist unauffällig; eine Bild­gebung ist bei typischer Konstellation nicht erforderlich. Belastungsabhängige, lokalisierbare, tagsüber anhaltende oder progrediente Beschwerden sprechen dagegen gegen Wachstumsschmerzen (Abb. 1). Beim 13-Jährigen ist „Wachstumsschmerz“ damit keine tragfähige Arbeitsdiagnose. Belastungsabhängige Beschwerden im Wachstum haben mehrere mögliche Ursachen. Entscheidend sind Lokalisation, Belastungsprofil und Befund: Vorderer Knieschmerz kann apophysär, patellofemoral, ligamentär oder knöchern bedingt sein; Fersen-, Hüft- / Leisten- und Rückenschmerzen erfordern jeweils eigene Differenzialdiagnosen.</p>
<figure id="attachment_22997" aria-describedby="caption-attachment-22997" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22997" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326-1024x540.jpg" alt="" width="755" height="398" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326-1024x540.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326-300x158.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326-768x405.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326-150x79.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326-450x237.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326-1200x633.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan1_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22997" class="wp-caption-text">Abb. 1 Merkkasten Wachstumsschmerz</figcaption></figure>
<h2><b>Die schwache Stelle: die Apophyse</b></h2>
<p>Atraumatische, sich langsam entwickelnde Beschwerden gehen im wachsenden Skelett häufig von den Apophysen aus. Apophysen sind sekundäre Ossifikationszentren an Sehnenansätzen. Die knorpelige Apophysenfuge ist gegenüber repetitiven Zug- und Scherkräften weniger belastbar als die spätere ossäre Sehnen-Knochen-Verbindung und bildet damit den Locus minoris resistentiae der Muskel-Sehnen-Knochen-Kette. 5 – 15 % aller Verletzungen des Bewegungsapparats bei Nachwuchsfußballern betreffen die Apophysen [5]. Geschädigt werden sie akut oder chronisch. Akut kann es bei maximalem Muskelzug – etwa bei Sprint, Schuss oder abruptem Abbremsen – zur Apophysenavulsion kommen, typischerweise am Becken. Chronisch führen repetitive Traktionsbelastungen zu Mikrotraumatisierung und Reizreaktion der Apophyse; klinisch entspricht dies einer Apophysitis. Häufige Formen sind Morbus Osgood-Schlatter, Sinding-Larsen-Johansson-Syndrom, Morbus Sever [6] und Beckenapophysitiden [5]. Fehlendes Trau­maereignis, schleichender Beginn und belastungsassoziierter Schmerz passen beim 13-Jährigen zu einer chronischen Apophysitis.</p>
<h2><b>Morbus Osgood-Schlatter</b></h2>
<p>Am Knie ist der Morbus Osgood-Schlatter die häufigste Form einer Apophysitis. Durch wiederholten Zug der Patellasehne kommt es zur Reizung der Apophyse an der Tuberositas tibiae. Leitsymptom ist der lokalisierte Schmerz, der bei und nach Belastung zunimmt und in Ruhe nachlässt [7]. Betroffen sind etwa 10 % der 12- bis 15-Jährigen, im Nachwuchsleistungsfußball bis zu 17 % [8, 9]. Die Diagnose ist primär klinisch; Bildgebung ist bei atypischem Verlauf, Traumaverdacht oder ausbleibender Besserung indiziert [10]. Beim 13-Jährigen ergeben lokaler Druckschmerz über der Tuberositas tibiae, belastungsabhängige Schmerzprovo­kation und fehlende Warnzeichen die Diagnose eines beidseitigen Morbus Osgood-Schlatter. Die Behandlung ist konservativ [11, 12]: Aufklärung, schmerzadaptierte Belastungssteuerung und Physiotherapie mit Fokus auf Flexibi­lität (Quadrizeps, Hamstrings, Wade) [13, 14] und progressivem Kraftaufbau (Kniestrecker, Hüft- / Beckenstabilität, Beinachse). In der sportärztlichen Praxis sind zudem Stoßwellentherapie [15] sowie die Kontrolle und gegebenenfalls Substitution des Vitamin-D-Status [7] relevant. Belastung bleibt möglich, solange die Beschwerden niedrig bleiben, sich nicht von Einheit zu Einheit verstärken und innerhalb von 24 Stunden auf Ausgangsniveau zurückgehen. Reduziert werden zunächst Sprung-, Sprint-, Richtungswechsel-, Brems- und maximale Schussbelastungen sowie zusätzliche Lastspitzen. Schmerzadaptierter Kraftaufbau und alternatives Ausdauertraining bleiben möglich. Vollbelastung erfolgt, wenn Alltag und fußballspezifische Belastungen auch am Folgetag ohne relevante Schmerzreaktion toleriert werden.</p>
<h2><b>Wenn „nur Wachstum“ gefährlich wird</b></h2>
<p>Die meisten Apophysitiden heilen konservativ aus. Einige Ursachen von Schmerzen im Wachstum darf man aber nicht übersehen. Weiter abgeklärt werden müssen Ruheschmerz, Nachtschmerz, Fieber, ungewollter Gewichtsverlust, rezidivierende Gelenkergüsse, neurologische Zeichen, deutliche Funktionseinschränkungen, progrediente Beschwerden, ausbleibende Besserung unter konservativer Therapie, relevantes Trauma, fokale knöcherne Schmerzen mit zunehmender Belastungsintoleranz sowie anhaltende Rückenschmerzen [1]. Gerade Rückenschmerzen verdienen im Jugendalter besondere Aufmerksamkeit. Bei belastungsabhängigen Beschwerden und Schmerzprovokation in Reklination muss insbesondere an eine Spondylolyse gedacht werden [16]. Bildgebung setzt man bei Kindern und Jugendlichen zurückhaltend ein; bei Warnzeichen, persistierendem Verlauf oder konkretem strukturellem Verdacht sollte sie jedoch gezielt erfolgen.</p>
<h2><b>Reife statt Kalender</b></h2>
<p>Überlastungsbeschwerden treten nicht gleichmäßig über die Jahre auf, sondern gehäuft rund um die Phase der maximalen Wachstumsgeschwindigkeit, die Peak Height Velocity (PHV). In dieser Phase ist das Verletzungsrisiko erhöht [17 – 20]. Mehrere Faktoren wirken dabei zusammen. Körpergröße, Hebelverhältnisse und neuromuskuläre Kontrolle verändern sich rasch [21 – 23]. Gleichzeitig sind knöcherne und apophysäre Strukturen vorübergehend weniger belastbar und die Muskel-Sehnen-Einheiten verkürzen sich relativ [7, 19, 24]. Dadurch nimmt die Zugbelastung an den Sehnenansätzen zu. Der Zeitpunkt der PHV lässt sich aus einfachen anthropometrischen Daten abschätzen, etwa nach Mirwald oder Moore [25, 26]; bei Jungen liegt er im Mittel um 13,5 Jahre, bei Mädchen um 11,5 – 12,0 Jahren [27]. Für die Belastungssteuerung ist jedoch weniger das kalendarische Alter entscheidend als der biologische Reifestatus. Zwei 13-Jährige können sich in Wachstumstempo, Belastbarkeit und apophysärer Vulnerabilität deutlich unterscheiden. Praktisch genügen regelmäßige Messungen von Körpergröße und Gewicht sowie ein strukturiertes Beschwerdemonitoring, um Belastungsspitzen in vulnerablen Phasen frühzeitig anzupassen.</p>
<p>Für die praktische Umsetzung eignet sich ein Ampelschema, das Wachstumsgeschwindigkeit und PHV-Nähe in Trainingsentscheidungen übersetzt: Je näher ein Spieler an der PHV liegt und je schneller er wächst, desto aufmerksamer wird die Belastung gesteuert; die rote Stufe entsteht erst im Zusammenspiel mit Beschwerden, Funktion oder Belastung. In der roten Phase werden Sprung-, Richtungswechsel- und Bremslasten reduziert, die Sprintbelastung gezielt dosiert, Erholungszeiten verlängert und Beschwerden eng kontrolliert. In der gelben Phase werden Trainings­volumen und hochintensive Belastungen moderat gesteuert. In der grünen Phase ist normales Training bei weiterem Monitoring von Belastungsinten­sität, Beschwerden, Körpergröße und Gewicht möglich (Abb. 2).</p>
<figure id="attachment_22998" aria-describedby="caption-attachment-22998" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22998" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326-1024x622.jpg" alt="" width="755" height="459" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326-1024x622.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326-300x182.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326-768x466.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326-150x91.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326-450x273.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326-1200x729.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Belikan2_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22998" class="wp-caption-text">Abb. 2 Wachstumsmonitoring PHV</figcaption></figure>
<h2><b>Fazit<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Belastungsabhängige Beschwerden sind keine Wachstumsschmerzen. Wer das Beschwerdemuster richtig einordnet, stellt eine konkrete Diagnose, steuert Belastung gezielt und erkennt die wenigen Befunde, die weiter abgeklärt werden müssen. Regelmäßige Erfassung von Wachstum, Reifestatus und Beschwerden hilft, Belastungsspitzen rund um die PHV anzupassen und Überlastungen vorzubeugen. Wachstum erklärt nicht die konkrete Schmerzursache, sondern den Kontext, in dem genaues Hinsehen besonders wichtig ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol>
<li style="font-weight: 400;">S2k-Leitlinie Muskuloskelettale Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen – Ein Algorithmus zur differenzialdiagnostischen Abklärung eines häufigen Leitsymptoms in der Kinder- und Jugendmedizin. 2020.</li>
<li style="font-weight: 400;">Elvira-Aranda C, Pérez-Turpin JA, Suárez-Llorca C, Pérez M, De-Castellar R. Growing Pains and Dietary Habits in Young Athletes: A Cross-Sectional Survey. Nutrients. 2025;17(14):2384.</li>
<li style="font-weight: 400;">Adolf S, Braun S, Meurer A. Wachstumsschmerzen: Ursprung, Bedeutung und Behandlung. Orthopäde. 2019;48(6):461-468.</li>
<li style="font-weight: 400;">Lehman PJ, Carl RL. Growing Pains. Sports Health. 2017;9(2):132-138.</li>
<li style="font-weight: 400;">Gudelis M, Perez LT, Cabello JT, Leal DM, Monaco M, Sugimoto D. Apophysitis Among Male Youth Soccer Players at an Elite Soccer Academy Over 7 Seasons. Orthop J Sports Med. 2022;10(1):23259671211065063.</li>
<li style="font-weight: 400;">Belikan P, Färber LC, Abel F, Nowak TE, Drees P, Mattyasovszky SG. Incidence of calcaneal apophysitis (Sever&#8217;s disease) and return-to-play in adolescent athletes of a German youth soccer academy: a retrospective study of 10 years. J Orthop Surg Res. 2022;17(1):83.</li>
<li style="font-weight: 400;">Corbi F, Matas S, Álvarez-Herms J, et al. Osgood-Schlatter Disease: Appearance, Diagnosis and Treatment: A Narrative Review. Healthcare (Basel). 2022;10(6):1011.</li>
<li style="font-weight: 400;">de Lucena GL, dos Santos Gomes C, Guerra RO. Prevalence and associated factors of Osgood-Schlatter syndrome in a population-based sample of Brazilian adolescents. Am J Sports Med. 2011;39(2):415-420.</li>
<li style="font-weight: 400;">Schultz M, Tol JL, Veltman L, van der Kaaden L, Reurink G. Osgood-Schlatter Disease in youth elite football: Minimal time-loss and no association with clinical and ultrasonographic factors. Phys Ther Sport. 2022;55:98-105.</li>
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</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Idiopathische Skoliose</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22941/idiopathische-skoliose/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[PD Dr. med. Stavros Oikonomidis]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2026 08:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Die idiopathische Skoliose ist eine komplexe, dreidimensionale Deformität der Wirbelsäule und des Rumpfes, die typischerweise bei ansonsten gesunden Kindern und Jugendlichen auftritt. Da die Erkrankung vor allem in den Phasen [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die idiopathische Skoliose ist eine komplexe, dreidimensionale Deformität der Wirbelsäule und des Rumpfes, die typischerweise bei ansonsten gesunden Kindern und Jugendlichen auftritt. Da die Erkrankung vor allem in den Phasen starken Körperwachstums voranschreitet, spricht man häufig von der adoleszenten idiopathischen Skoliose. Die Ätiologie der Skoliose gilt als multifaktoriell, wobei genetische, biomechanische und umweltbedingte Faktoren eine Rolle spielen [1].</b></p>
<p>Das primäre Ziel konservativer Behandlungen ist es, eine Progredienz der Krümmung zu verhindern und somit invasive Maßnahmen wie Operationen oder rigide Korsettbehandlungen abzuwenden. In der Praxis werden hierfür häufig therapeutische Übungen eingesetzt, die in zwei Hauptkategorien fallen: Physiotherapeutische skoliose-spezifische Übungen (PSSÜ), die auf aktiver Selbstkorrektur und Stabilisierung beruhen, und allgemeine therapeutische Übungen (ATÜ) ohne spezifische Selbstkorrekturkomponente. Dieser Artikel beleuchtet die Evidenz für den Einsatz von allgemeiner sportlicher Aktivität in der Prävention, Begleitung und konservativen Therapie der idiopathischen Skoliose, grenzt diese von spezifischen physiotherapeutischen Übungen ab und gibt einen Ausblick auf die Behandlungsmethoden.</p>
<h2><b>Genereller Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Skoliose</b></h2>
<p>Ein aktueller systematischer Review von Qi et al. untersuchte die Korrelation zwischen körperlicher Aktivität und der adoleszenten idiopathischen Skoliose. In diese systematischen Übersichtsarbeit wurden acht Studien eingeschlossen. Sechs Studien berichteten über eine Assoziation zwischen der idiopathischen Skoliose und dem Level an körperlicher Aktivität. Hier wurden durch sechs Studien Hinweise präsentiert, dass minimale körperliche Aktivität ein Risikofaktor für die Entstehung und Entwicklung einer idiopathischen Skoliose sind [1]. Fehlende oder minimale körperliche Aktivität wird in der wissenschaftlichen Literatur als möglicher ursächlicher Faktor für das Auftreten der idiopathischen Skoliose angesehen. Eine britische Studie ergab sogar, dass eine reduzierte körperliche Funktion und Aktivität in der frühen Lebensphase (erste Lebensjahre / Laufbeginn bis zum 10. Lebensjahr) einen Risikofaktor für das spätere Auftreten einer Skoliose darstellt [2]. Schlussfolgernd kann man zusammenfassen, dass es eine Assoziation von körperlicher Aktivität und der adoleszenten idiopathischen Skoliose gibt. Aus diesem Grund sollte die körperliche Aktivität – auch im frühen Alter – gefördert werden, da sie eine wichtige Rolle bei der Prävention spielt.</p>
<figure id="attachment_22991" aria-describedby="caption-attachment-22991" style="width: 567px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22991" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-567x1024.jpg" alt="" width="567" height="1024" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-567x1024.jpg 567w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-166x300.jpg 166w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-768x1387.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-850x1536.jpg 850w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-150x271.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-450x813.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326.jpg 1063w" sizes="(max-width: 567px) 100vw, 567px" /><figcaption id="caption-attachment-22991" class="wp-caption-text">Röntgenaufnahme einer 13- jährigen Patientin mit einer idiopathischen links­konvexen thorakolumbalen Skoliose (links). Deutliche Korrektur der thorakolumbalen Krümmung mit einer Korsettversorgung. Die zusätzliche Behandlung mit Skoliose-­spezifischen physiotherapeutischen Übungen und die allgemeine körperliche Aktivität sind essenziell für die Ergebnisse der Therapie.</figcaption></figure>
<h2><b>Direkte Effekte von Sport und PSSÜ auf die Progression der Skoliose</b></h2>
<p>Der wohl wichtigste Aspekt für Patienten und behandelnde Ärzte ist die Frage, ob Sport die Progression der Wirbelsäulenverkrümmung aufhalten kann. Ein systematisches Cochrane-Review von Romano et al. (2024) evaluierte die Wirksamkeit von PSSÜ und ATÜ im Vergleich zu Nichtbehandlung, anderen nicht-operativen Therapien (z. B. Korsett) oder zwischen den Übungsarten selbst [4]. In der Literaturrecherche wurden 13 randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt 583 Probanden in die Analyse eingeschlossen. Das Durchschnittsalter der vorwiegend weiblichen Teilnehmer lag zwischen 12 und 15 Jahren. Die Behandlungsdauer in den Studien variierte zwischen 12 und 42 Monaten [3]. Die Datenlage bezüglich der Reduktion des Cobb-Winkels durch ATÜ im Vergleich zu keiner Behandlung ist sehr unsicher. PSSÜ scheinen den Rumpfrotationswinkel kaum zu beeinflussen und erzielen lediglich geringfügige Verbesserungen bei der objektiven Taillenasymmetrie und der allgemeinen Lebensqualität. Im Bereich des subjektiven Selbstbildes konnten keine nennenswerten Unterschiede festgestellt werden. Klinisch bedeutsame Effekte zeigten sich hingegen bei der Reduktion von Rückenschmerzen durch ATÜ. Wird eine Korsettbehandlung durch PSSÜ ergänzt, zeigt Evidenz von niedriger Qualität eine marginale Reduktion des Cobb-Winkels (MD – 2,2°), die jedoch nicht als klinisch bedeutsam eingestuft wird. Subjektive und kosmetische Ergebnisse sowie die Lebensqualität wurden durch die Kombination nicht messbar verbessert. Die Ergänzung von Interventionen wie Elektrostimulation und Traktion durch ATÜ führte hingegen zu einer klinisch bedeutsamen Reduktion des Cobb-Winkels (MD – 8,0°). Ebenso konnte eine klinisch relevante Schmerzreduktion nachgewiesen werden, wenn PSSÜ mit unterstützender manueller Therapie kombiniert wurde.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ein direkter Vergleich beider Übungsformen liefert bezüglich der Reduktion des Cobb-Winkels eine sehr unsichere Evidenz. Moderat gesicherte Evidenz zeigt jedoch, dass PSSÜ den Rumpfrotationswinkel effektiver und klinisch bedeutsamer reduzieren als ATÜ. Zudem weist Evidenz von niedriger Qualität darauf hin, dass PSSÜ einer starken Progredienz der Skoliotischen Deformität vorbeugen: In einer Studie verschlechterte sich der Zustand bei 38 % der ATÜ-Patienten um mehr als 5° Cobb, während dies in der PSSÜ-Gruppe nur bei 7 % der Fall war [3]. Eine groß angelegte Beobachtungsstudie von Negrini et al. liefert hierzu relevante klinische Daten [5]. Die Studie untersuchte eine Population von 511 Patienten mit einer juvenilen oder adoleszenten idiopathischen Skoliose und einem Cobb Winkel von 11° bis 25°. Ein entscheidendes Merkmal dieser Population war, dass sich alle Teilnehmer im Reifegrad „Risser 0 – 2“ befanden. Das Risser-Zeichen ist ein radiologischer Parameter für die Skelettreife; die Stufen 0 bis 2 markieren die Phase des stärksten Wachstums, in der das Risiko für eine rapide Verschlechterung der Skoliose am höchsten ist. Die Patienten wurden nach 1. Jahr klinisch und radiologisch nachuntersucht. Die Ergebnisse der Studie belegen, dass regelmäßige sportliche Aktivität (1- bis 4-mal pro Woche) das Risiko für die Progression der idiopathischen Skoliose um ca. 46 % reduzieren kann [1].<span class="Apple-converted-space">  </span>Darüber hinaus zeigte die Studie einen weiteren Vorteil: Durch die Ausübung von Sport konnte die Notwendigkeit einer Korsettbehandlung deutlich verringert werden. Da das Tragen eines orthopädischen Korsetts für Jugendliche oft mit starken psychischen und physischen Belastungen (wie Einschränkungen im Alltag und Problemen mit dem Körperbild) verbunden ist, stellt die Reduktion der Korsett-Indikation durch Sport einen Vorteil für die Lebensqualität der betroffenen Patienten dar.</p>
<p>Zusammenfassend liefert die Literaturrecherche Hinweise, dass allgemeiner Sport (wie Fußball, Schwimmen oder Leichtathletik) die allgemeine Rumpfstabilität, das kardiovaskuläre System und das psychische Wohlbefinden fördert. Allgemeine therapeutische Übungen zielen jedoch nicht spezifisch auf die asymmetrische, dreidimensionale Deformität der Wirbelsäule ab. Aus diesem Grund sollten sogenannte physiotherapeutische Skoliose-spezifische Übungen als fundamentale Säule der konserva­tiven Therapie eingesetzt werden [2].</p>
<h2><b>PSSÜ am Beispiel der Schroth-Methode</b></h2>
<p>Um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, sollte der allgemeine Sport durch PSSÜ ergänzt werden. Eine der weltweit bekanntesten und am besten evaluierten PSSÜ-Methoden ist die Schroth-Therapie. Ein systematischer Review mit Meta-Analyse von Dimitrijevic et al. (2022) untersuchte die Effektivität dieser speziellen Methode [8]. Im Gegensatz zum allgemeinen Sport nutzen die Skoliose-spezifischen Übungen nach Schroth asymmetrische Haltungsschulung, spezielle Atemtechniken und muskuläre Aktivierung, um der individuellen Krümmung der Wirbelsäule gezielt dreidimensional entgegenzuwirken. Die Analyse bestätigte, dass die Schroth-Methode gute Resultate bei der Reduzierung der Progression der idiopathischen Skoliose erzielt. Eine weitere Metaanalyse aus dem Jahr 2023 liefert wissenschaftliche Hinweise, dass durch PSSÜ eine bessere Korrektur des Cobb Winkels im Vergleich zur ATÜ erzielt werden konnte [6]. Die Kom­bination aus beiden Ansätzen – der allgemeinen körperlichen Aktivität zur Förderung der Gesundheit, Ausdauer und Prävention von Begleiterkrankungen und der spezifischen Therapie wie der Schroth-Methode, die zur gezielten Korrektur und muskulären Stabilisierung der Deformität dient – stellt somit den Goldstandard in der modernen konservativen Skoliosebehandlung dar [3].</p>
<h2><b>Zusammenfassung und klinische Implikationen</b></h2>
<p>Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sportliche Aktivität ein unverzichtbarer Baustein im Leben von Patienten mit idiopathischer Skoliose ist.</p>
<ul>
<li>Prävention und Risikominderung: Eine hohe körperliche Aktivität scheint mit einer geringeren Inzidenz bzw. einem milderen Verlauf der Skoliose assoziiert zu sein.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Klinischer Nutzen: Regelmäßige Sportteilnahme bei Jugendlichen<br />
im Wachstum kann die Progression der Krümmung senken und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Korsett getragen werden muss, verringern.</li>
<li>Abgrenzung: Sport ist essenziell, darf aber medizinisch nicht mit einer spezifischen Therapie verwechselt werden.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Spezifische Ergänzung: Die optimale konservative Versorgung beinhaltet neben dem allgemeinen Sport, Skoliose-spezifische Übungen (wie die Schroth-Methode), die nachweislich das Voranschreiten der Krümmung aufhalten können.</li>
</ul>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Patienten, Eltern und Ärzte sollten daher ein klares Ziel verfolgen: Jugendliche mit idiopathischer Skoliose sollten keinesfalls geschont oder von sportlichen Aktivitäten ausgeschlossen werden. Im Gegenteil: Ein aktiver Lebensstil ist eine effektive Maßnahme, um die Integrität der Wirbelsäule zu unterstützen, die Notwendigkeit invasiverer Maßnahmen zu minimieren und die allgemeine Lebensqualität nachhaltig zu steigern.</p>
<p>Literatur</p>
<ol>
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<li>Negrini A, Donzelli S, Vanossi M, Poggio M, Cordani C, Zaina F, Negrini S. Sports participation reduces the progression of idiopathic scoliosis and the need for bracing. An observational study of 511 adolescents with Risser 0-2 maturation stage. Eur J Phys Rehabil Med. 2023, Bde. Apr;59(2):222-227. doi: 10.23736/S1973-9087.23.07489-0. Epub 2023 Mar 9. PMID: 36892518; PMCID: PMC10167700.</li>
<li>Negrini S, Donzelli S, Aulisa AG, Czaprowski D, Schreiber S, de Mauroy JC, Diers H, Grivas TB, Knott P, Kotwicki T, Lebel A, Marti C, Maruyama T, O&#8217;Brien J, Price N, Parent E, Rigo M, Romano M, Stikeleather L, Wynne J, Zaina F. 2016 SOSORT guidelines: orthopaedic and rehabilitation treatment of idiopathic scoliosis during growth. Scoliosis Spinal Disord. 2018, Bde. Jan 10;13:3. doi: 10.1186/s13013-017-0145-8. PMID: 29435499; PMCID: PMC5795289.</li>
<li>Ma K, Wang C, Huang Y, Wang Y, Li D, He G. The effects of physiotherapeutic scoliosis-specific exercise on idiopathic scoliosis in children and adolescents: a systematic review and meta-analysis. Physiotherapy. 2023, Bde. Dec;121:46-57. doi: 10.1016/j.physio.2023.07.005. Epub 2023 Jul 24. PMID: 37820462.</li>
<li>Dimitrijević V, Šćepanović T, Jevtić N, Rašković B, Milankov V, Milosević Z, Ninković SS, Chockalingam N, Obradović B, Drid P. Application of the Schroth Method in the Treatment of Idiopathic Scoliosis: A Systematic Review and Meta-Analysis. . nt J Environ Res Public Health. 2022, Bd. Dec 13;19(24):16730. doi: 10.3390/ijerph192416730. PMID: 36554613; PMCID: PMC9779560.</li>
<li>Khaleeq T, Jaly I, Lea M, Tokala DP, Davidson N, Trivedi J, Munigangaiah S. Return to sports activities following posterior scoliosis correction and instrumented fusion for adolescent idiopathic scoliosis and its correlation to Lenke classification. J Craniovertebr Junction Spine. 2024, Bde. Oct-Dec;15(4):419-426. doi: 10.4103/jcvjs.jcvjs_123_24. Epub 2025 Jan 15. PMID: 40061196; PMCID: PMC11888032.</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lebensstilveränderungen und biologische Alterungsprozesse</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/23080/lebensstilveraenderungen-und-biologische-alterungsprozesse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sportärztezeitung]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2026 07:43:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[90 Sek]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=23080</guid>

					<description><![CDATA[Kann ein umfassender gesunder Lebensstil biologische Alterungsprozesse beeinflussen? Dieser Frage gingen Ornish und Kollegen in einer 5-Jahres-Nachbeobachtung bei Männern mit biopsiebestätigtem Prostatakarzinom mit niedrigem Risiko nach. Telomere sind Schutzstrukturen an [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kann ein umfassender gesunder Lebensstil biologische Alterungsprozesse beeinflussen? Dieser Frage gingen Ornish und Kollegen in einer 5-Jahres-Nachbeobachtung bei Männern mit biopsiebestätigtem Prostatakarzinom mit niedrigem Risiko nach.</strong></p>
<p data-pm-slice="1 1 []">Telomere sind Schutzstrukturen an den Enden unserer Chromosomen. Sie stabilisieren die DNA und werden bei jeder Zellteilung tendenziell kürzer. Eine verkürzte Telomerlänge wird deshalb als möglicher Marker für zelluläres Altern und verschiedene Erkrankungen untersucht. Telomerase ist ein Enzym, das Telomere erhalten bzw. verlängern kann. Die gemessene Telomeraseaktivität beschreibt dabei, wie aktiv dieses Enzym in den untersuchten Zellen ist.</p>
<p>In die Pilotstudie wurden 35 Männer unter aktiver Überwachung einbezogen. Zehn Teilnehmer absolvierten ein umfassendes Lebensstilprogramm mit Ernährungsumstellung, körperlicher Aktivität, Stressmanagement und sozialer Unterstützung. 25 Männer dienten als externe Kontrollgruppe und führten die aktive Überwachung ohne entsprechende Intervention fort. Nach fünf Jahren zeigte sich in der Interventionsgruppe eine Zunahme der relativen Telomerlänge, während sie in der Kontrollgruppe abnahm. Der Gruppenunterschied war statistisch signifikant (p=0,03). Zudem war eine stärkere Umsetzung der Lebensstilveränderungen unabhängig von Alter und Beobachtungsdauer mit einer größeren relativen Telomerlänge assoziiert (p=0,005). Für die Telomeraseaktivität zeigte sich dagegen kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen (p=0,64); auch ein Zusammenhang mit der Adhärenz an die Lebensstilmaßnahmen ließ sich nicht nachweisen.</p>
<p><strong>Fazit: </strong>Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass umfassende Lebensstilveränderungen möglicherweise mit einer günstigeren Entwicklung der Telomerlänge verbunden sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Originalarbeit:</p>
<div class="item-pub-authors"><a href="https://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045(13)70366-8/abstract"><em>Ornish D, Lin J, Chan J et al. Effect of comprehensive lifestyle changes on telomerase activity and telomere length in men with biopsy-proven low-risk prostate cancer: 5-year follow-up of a descriptive pilot study. The Lancet Oncology, 2013; 14, 1112-1120</em></a></div>
<div></div>
<div><em>Veröffentlicht am 24.09.2026</em></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>100 HYROX Pro in 100 Tagen</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22882/100-hyrox-pro-in-100-tagen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[PD Dr. med. Christophe Lambert,&nbsp;Dr. med. Maxime Lambert&nbsp;,&nbsp;Dr. Giordano Scinicarelli]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2026 08:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22882</guid>

					<description><![CDATA[Für den Weltrekordversuch von Simon Gronau wurde eigens eine Halle im Kölner Umland angemietet, in welcher unter standardisierten Bedingungen ein HYROX-Pro-Parcours aufgebaut und über 100 Tage täglich durchgeführt wurde. Neben [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Für den Weltrekordversuch von Simon Gronau wurde eigens eine Halle im Kölner Umland angemietet, in welcher unter standardisierten Bedingungen ein HYROX-Pro-Parcours aufgebaut und über 100 Tage täglich durchgeführt wurde. Neben dem Athleten war ein großes interdisziplinäres Team aus Trainern, Physiotherapie, Sportmedizin, Orthopädietechnik und weiteren Betreuern eingebunden. Ziel war es, außergewöhnliche sportliche Leistungen unter maximaler medizinischer Sicherheit zu ermöglichen.</b></p>
<h2><b>HYROX Pro – Belastungsprofil</b></h2>
<p>Ein HYROX Pro der Männer besteht aus acht 1-km-Laufabschnitten, zwischen denen eine von acht funktionellen Übungen durchgeführt wird:</p>
<ul>
<li>SkiErg – 1.000 m</li>
<li>Sled Push – 202 kg (inkl. Schlitten)</li>
<li>Sled Pull – 152 kg (inkl. Schlitten)</li>
<li>Burpee Broad Jumps</li>
<li>Row – 1.000 m</li>
<li>Farmers Carry – 2 × 32 kg</li>
<li>Sandbag Lunges – 30 kg</li>
<li>100 Wall Balls – 9 kg</li>
</ul>
<p>Bereits ein einzelner HYROX-Pro-Wettkampf stellt selbst für sehr gut trainierte Athleten eine außergewöhnliche körperliche Belastung dar. Simon ist als langjähriger Triathlet und Teilnehmer der letztjährigen HYROX-WM ein erfahrener und leistungsstarker Sportler, aber das Projekt mit 100 Wettkämpfen an 100 aufeinanderfolgenden Tagen überschreitet die bisher bekannten Belastungsumfänge deutlich.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fallbeschreibung</b></h2>
<p>Nach 38 absolvierten Wettkampftagen traten belastungsabhängige Schmerzen im Bereich des rechten Mittelfußes auf. Die MRT-Diagnostik ergab ein ausgeprägtes Knochenmarködem mit fissuraler Fraktur des zweiten Mittelfuß­knochens (MFK II). In der Kontroll­untersuchung nach zwei Wochen zeigte sich eine Befundverschlechterung, woraufhin der Athlet auf Veranlassung seiner Physiotherapeutin in unserer sportorthopädischen Sprechstunde vorgestellt wurde. Die erneute Beurteilung der MRT-Aufnahmen bestätigte die Diagnose. Obwohl die klinischen Beschwerden vergleichsweise gering ausgeprägt waren, wurde bei der weiteren Entscheidungsfindung die erfahrungsgemäß hohe Schmerztoleranz von Spitzensportlern berücksichtigt.</p>
<h2><b>Entscheidungsfindung</b></h2>
<p>Bereits im ersten Gespräch bestand zwischen dem Athleten und dem gesamten Betreuungsteam Einigkeit darüber, dass seine Gesundheit jederzeit Vorrang vor dem Weltrekordversuch haben würde. Eine Fortsetzung des Projekts kam daher ausschließlich bei stabiler klinischer und radiologischer Befundlage sowie unter engmaschigen MRT-Verlaufskontrollen infrage. Jede klinische oder bildmorphologische Verschlechterung hätte zum sofortigen Abbruch des Weltrekordversuchs geführt.</p>
<h2><b>Therapeutisches Konzept und Ernährung &amp; Regeneration</b></h2>
<p>Nach gemeinsamer interdisziplinärer Entscheidungsfindung wurde ein ganzheitliches Therapieschema mit engmaschigen Kontrollen etabliert.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der Athlet stellte sich zweimal pro ­Woche in unserer Praxis vor. Jede Behandlung umfasste eine fokussierte Stoßwellentherapie (DolorClast® Focused Shock Waves, EMS), eine extrakorporale ­Mag­neto­transduktions-Therapie (MAGNETOLITH® Ultra, Storz Medical) sowie eine Hochleistungslasertherapie (Power­Twin 21 XP5, MKW-Lasersystems).<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ziel war die Unterstützung der biolo­gischen Knochenheilung im Rahmen eines multimodalen Gesamtkonzeptes [1 – 3]. Parallel absolvierte der Athlet mehrmals wöchentlich physiotherapeutische Behandlungen mit Schwerpunkt auf Muskelentspannung, Gelenkmo­bilisation, neuromuskulärer Kontrolle und Stabilisierung. Ergänzend erfolgte eine biomechanische Laufanalyse einschließlich Fußabdruckmessung. Die Analyse zeigte, dass sich durch kleine Veränderungen des Laufstils die Hauptbelastung des Mittelfußes reduzieren ließ. Gemeinsam mit Simons Ausrüster Puma und der Orthopädie-Schuhtechnik Hartmann wurde deshalb ein individuell modifizierter Wettkampfschuh entwickelt. Dafür wurde eine angepasste Carbonplatte in die Sohle integriert. Dadurch konnte bei der Abrollbewegung die Belastung auf den Mittelfuß deutlich reduziert werden. Zusätzlich optimierte der Athlet seine Ernährung mit erhöhter Kalorienzufuhr, Vitamin-D-Substitution, calciumreicher Ernährung und Omega-3-Fettsäuren. Die Schlafdauer wurde auf mindestens neun Stunden pro Nacht erhöht. Zur Regenerationsförderung nutzte er täglich eine Kältekammer.</p>
<figure id="attachment_22889" aria-describedby="caption-attachment-22889" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22889" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-1024x515.jpg" alt="" width="755" height="380" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-1024x515.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-300x151.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-768x386.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-150x75.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-450x226.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-1200x603.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22889" class="wp-caption-text">Unterschiede in der Standphase beim Laufen – ohne und mit Lauf-Korrektur. Links: Single-Leg Support: R &lt; L (Diff. 15 %) Rechts: Single-Leg Support: R = L (Diff. 3.6 %)</figcaption></figure>
<figure id="attachment_22887" aria-describedby="caption-attachment-22887" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22887" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-1024x539.jpg" alt="" width="755" height="397" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-1024x539.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-300x158.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-768x404.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-150x79.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-450x237.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-1200x632.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22887" class="wp-caption-text">Speziell angepasster Schuh mit integrierter Carbonplatte in der Sohle</figcaption></figure>
<h2><b>Verlaufskontrollen</b></h2>
<p>Zwischen den behandelnden Ärzten, der Physiotherapie, dem Trainerteam und dem Athleten fand ein enger, kontinuierlicher Austausch statt. Im Abstand von zwei Wochen erfolgten MRT-Kontrollen. Bei jeder Verschlechterung des Beschwerdebildes wäre die Bildgebung vorgezogen worden. Eine Verschlechterung des Befundes hätte zum Abbruch des Weltrekordversuchs geführt.</p>
<h2><b>MRT-Verlauf und klinische Kontrolle</b></h2>
<p>Die initiale MRT-Untersuchung zeigte ein ausgeprägtes Knochenmarködem mit einer Fissur des zweiten Mittelfußknochens. Bei der ersten MRT-Verlaufskontrolle nach zwei Wochen war der Befund unverändert. Vier Wochen nach Therapiebeginn zeigte sich eine deutliche Rückbildung des Ödems; die Fissur war nur noch diskret nachweisbar. In den letzten beiden Wochen des Weltrekordversuchs war Simon auch unter Belastung schmerzfrei. Fünf Tage nach Abschluss des Versuchs zeigte sich nur noch eine minimale ödematöse Reaktion des Knochens und der Athlet war weiterhin vollständig beschwerdefrei.</p>
<figure id="attachment_22890" aria-describedby="caption-attachment-22890" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22890" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-1024x512.jpg" alt="" width="755" height="378" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-1024x512.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-300x150.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-768x384.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-150x75.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-450x225.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-1200x600.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22890" class="wp-caption-text">MRT-Verlauf der Stressfraktur des zweiten Mittelfußknochens: Erstdiagnose, Verlauf nach vier Wochen und nach Abschluss des Weltrekordversuchs</figcaption></figure>
<h2><b>Diskussion &amp; Fazit</b></h2>
<p>Dieser Fall verdeutlicht die Bedeutung einer individuell abgestimmten sportmedizinischen Betreuung im Hochleistungssport. Entscheidend war nicht eine einzelne therapeutische Maßnahme, sondern das interdisziplinäre Zusammenspiel von klinischer Untersuchung, wiederholter MRT-Diagnostik, physikalischen und physiotherapeutischen Maßnahmen, biomechanischer Analyse, angepasster Schuhversorgung, Ernährung und Regeneration. Der geschilderte Verlauf ist ausdrücklich nicht als allgemeine Therapieempfehlung zu verstehen, sondern dokumentiert die Betreuung eines außergewöhnlichen Einzelfalls unter engmaschiger interdisziplinärer Kontrolle. Außergewöhnliche Leistungen erfordern außergewöhn­liche Medizin – aber niemals auf Kosten der Gesundheit. Die Gesundheit des Athleten hatte während des gesamten Projektes Vorrang.</p>
<figure id="attachment_22888" aria-describedby="caption-attachment-22888" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22888" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-755x1024.jpg" alt="" width="755" height="1024" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-755x1024.jpg 755w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-221x300.jpg 221w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-768x1042.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-1132x1536.jpg 1132w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-150x204.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-450x611.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-1200x1628.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326.jpg 1415w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22888" class="wp-caption-text">Erfolgreicher Abschluss des Weltrekordversuchs mit Weltrekord­urkunde</figcaption></figure>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Knobloch K. Knochenstimulation 4.0 – Kombination aus EMTT und ESWT bei Humeruspseudarthrose: Ein Fallbericht [Bone stimulation 4.0-Combination of EMTT and ESWT in humeral nonunion: A case report]. Unfallchirurg. 2022 Apr;125(4):323-326. German. doi: 10.1007/s00113-021-01025-3. Epub 2021 Jun 16. PMID: 34136941; PMCID: PMC8940790.</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Berni M, Brancato AM, Torriani C, Bina V, Annunziata S, Cornella E, Trucchi M, Jannelli E, Mosconi M, Gastaldi G, Caliogna L, Grassi FA, Pasta G. The Role of Low-Level Laser Therapy in Bone Healing: Systematic Review. Int J Mol Sci. 2023 Apr 12;24(8):7094. doi: 10.3390/ijms24087094. PMID: 37108257; PMCID: PMC10139216.</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Kertzman P, Császár NBM, Furia JP, Schmitz C. Radial extracorporeal shock wave therapy is efficient and safe in the treatment of fracture nonunions of superficial bones: a retrospective case series. J Orthop Surg Res. 2017 Nov 6;12(1):164. doi: 10.1186/s13018-017-0667-z. PMID: 29110711; PMCID: PMC5674749.</p>
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		<item>
		<title>Zwerchfell (diaphragm): mehr als nur ein Atemmuskel</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/23033/zwerchfell-diaphragm-mehr-als-nur-ein-atemmuskel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sportärztezeitung]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2026 07:27:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[90 Sek]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Zwerchfell ist nicht nur zentral für die Atmung, sondern spielt auch eine wesentliche Rolle bei der posturalen Stabilisierung. Wie sich beide Funktionen unter körperlicher Belastung verhalten, untersuchte eine Studie [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="isSelectedEnd">Das Zwerchfell ist nicht nur zentral für die Atmung, sondern spielt auch eine wesentliche Rolle bei der posturalen Stabilisierung. Wie sich beide Funktionen unter körperlicher Belastung verhalten, untersuchte eine Studie an 31 gesunden Probanden. Mithilfe der M-Mode-Ultraschallsonografie wurden die Zwerchfellbewegungen beim Heben einer Last unter unterschiedlichen Atembedingungen analysiert. Ergänzend erfolgten Spirometrie und die Messung der Bauchwandspannung.</p>
<p class="isSelectedEnd">Unter Belastung zeigte sich eine deutliche kaudale Verlagerung des Zwerchfells. Beim Heben ohne Atmung betraf dies vor allem die exspiratorische Position. Bei gleichzeitig natürlicher Atmung verlagerte sich dagegen die inspiratorische Position nach kaudal. Zudem nahm der gesamte Bewegungsumfang des Zwerchfells signifikant zu.</p>
<p class="isSelectedEnd">Interessant ist, dass eine willkürliche Anspannung der Bauchmuskulatur während der Atmung diese Zwerchfellbewegungen nicht relevant veränderte. Obwohl die Bauchwandspannung beim Heben deutlich zunahm, blieb die Zwerchfellfunktion erhalten.</p>
<h3><strong>Take home message</strong></h3>
<p>Die Ergebnisse unterstreichen die enge Verbindung von Atmung und posturaler Kontrolle. Unter Belastung passt sich das Zwerchfell dynamisch an und erfüllt seine stabilisierende Funktion offenbar unabhängig von der respiratorischen Aktivität. Dies unterstreicht seine Bedeutung für die neuromuskuläre Rumpfkontrolle und macht das Zwerchfell auch aus sportmedizinischer Perspektive zu einem interessanten funktionellen Ansatzpunkt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Originalarbeit:</p>
<p><a href="https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0275389"><em>Sembera M, Busch A, Kobesova A, Hanychova B, Sulc J, Kolar P (2022) Postural-respiratory function of the diaphragm assessed by M-mode ultrasonography. PLoS ONE 17(10): e0275389. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0275389</em></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Veröffentlicht am 17.09.2026</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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