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	<title>Therapie Archive - sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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	<title>Therapie Archive - sportärztezeitung</title>
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	<item>
		<title>Moderne Knieendoprothetik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[PD Dr. med. Philipp A. Michel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jul 2026 10:00:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn zwei Drittel des Gelenks gesund sind – warum alles ersetzen? Jedes Jahr werden in Deutschland über 190.000 Knieprothesen implantiert. Für die meisten Patienten bedeutet die Diagnose „fortgeschrittene Gonarthrose“ nach [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Wenn zwei Drittel des Gelenks gesund sind – warum alles ersetzen? Jedes Jahr werden in Deutschland über 190.000 Knieprothesen implantiert. Für die meisten Patienten bedeutet die Diagnose „fortgeschrittene Gonarthrose“ nach wie vor automatisch eine Totalendoprothese (TKA) – den vollständigen Oberflächenersatz einschließlich beider Kreuzbänder. Doch die anatomische Realität sieht anders aus: Etwa die Hälfte aller Gonarthrosen betrifft lediglich ein Kompartiment [1]. Bei diesen Patienten sind zwei Drittel des Kniegelenks noch vollkommen intakt.</b></p>
<p>Die unikondyläre Knieprothese (UKA), im Volksmund Schlittenprothese genannt, ersetzt gezielt nur den zerstörten Gelenkanteil und belässt die gesunden Strukturen unangetastet – einschließlich des vorderen Kreuzbandes mit seinen für Stabilität und Körpergefühl essenziellen Mechanorezeptoren. Trotz dieser überzeugenden Logik beträgt der UKA-Anteil in Deutschland laut EPRD-Jahresbericht 2025 nur 14 % [2], obwohl Studien zeigen, dass bis zu 49 % aller TKA-Kandidaten auch für eine UKA geeignet wären [3]. Diese Diskrepanz hat Gründe – und sie lassen sich heute durch den gezielten Einsatz von Robotik beheben (Abb. 1).</p>
<h2><b>Indikation im Wandel: Wer profitiert von der Schlittenprothese?</b></h2>
<p>Lange galten die Kozinn&amp;Scott Kriterien von 1989 als Maßstab: Alter über 60, Gewicht unter 82 kg, niedriges Aktivitätsniveau. Diese historischen Dogmen sind heute widerlegt. Pandit et al. zeigten an 1.000 Oxford-UKAs, dass 68 % der implantierten Knie nach diesen Kriterien kontraindiziert gewesen wären – ohne Unterschiede in der 15-Jahres-Überlebensrate. Paradoxerweise zeigte gerade die „am stärksten kontraindizierte“ Gruppe – junge, aktive Männer – die besten funktionellen Ergebnisse [4]. Ebenso konnte gezeigt werden, dass Alter, BMI, Aktivitätslevel und anteriorer Knieschmerz keine eigenständigen Kontraindikationen mehr darstellen [5]. Die aktuellen Voraussetzungen sind klar definiert: isolierte Kompartiment­arthrose mit Knochen-auf-Knochen-Kontakt, erhaltener Knorpel im Gegenkompartiment, funktionell intaktes vor­deres Kreuzband (VKB) und mediales Seitenband (MCL), korrigierbare Deformität sowie Fehlen einer entzündlichen Arthropathie [5]. Ein BMI bis 35 ist akzeptabel; erst darüber steigt das Revisionsrisiko signifikant [6]. Die MRT-Diagnostik gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung: eine aktuelle Studie zeigte eine Spezifität von 94,4 % für hochgradige laterale Knorpelschäden – gegenüber lediglich 5,9 % bei Stressaufnahmen [7].</p>
<h2><b>Was die UKA der Totalprothese voraushat</b></h2>
<p>Die zentrale Frage lässt sich inzwischen auf höchstem Evidenzniveau beantworten. Im Februar 2026 publizierten Mortensen et al. im Journal of Bone and Joint Surgery die Ergebnisse einer doppelblinden, multizentrischen RCT mit 350 Patienten [8]. Der primäre Endpunkt – der Oxford Knee Score – zeigte einen Unterschied von 3,5 Punkten zugunsten der UKA, knapp unterhalb der klinisch relevanten Schwelle (MCID 4 – 5). Klinisch bedeutsam waren jedoch die sekundären Endpunkte: Der Forgotten Joint Score war 14,1 Punkte höher, die Beweglichkeit 7,0° besser und die KOOS-Symptomskala 10,3 Punkte günstiger – jeweils oberhalb der MCID. Damit liegt erstmals ein Level-I-Beweis vor, der konsistente Vorteile der UKA bei isolierter anteromedialer Gonarthrose dokumentiert (Abb. 2).</p>
<p><figure id="attachment_22754" aria-describedby="caption-attachment-22754" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-22754" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel2_saez0226-1024x509.jpg" alt="" width="755" height="375" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel2_saez0226-1024x509.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel2_saez0226-300x149.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel2_saez0226-768x381.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel2_saez0226-150x75.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel2_saez0226-450x224.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel2_saez0226-1200x596.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel2_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22754" class="wp-caption-text">Abb. 2 Der Forgotten Joint Score und die Beweglichkeit zeigen deutlich bessere Werte für die UKA, sowohl kurzfristig postoperativ, auch nach 2 Jahren (aus [8]).</figcaption></figure>Ein natürlicheres Gelenkgefühl: Der Forgotten Joint Score (FJS) misst, wie selbstverständlich sich das Kunstgelenk im Alltag anfühlt – die UKA erreicht hier signifikant höhere Werte (Tab. 1) [9]. Britische NJR-Daten an über 14.000 gematchten Patienten zeigen eine 1,59-fach höhere Wahrscheinlichkeit für exzellente Ergebnisse [10]. Die TKA weist eine Unzufriedenheitsrate von rund 20 % auf – bei der UKA nur 4 – 10 %.</p>
<p><figure id="attachment_22759" aria-describedby="caption-attachment-22759" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-22759" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab1_saez0226-1024x256.jpg" alt="" width="755" height="189" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab1_saez0226-1024x256.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab1_saez0226-300x75.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab1_saez0226-768x192.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab1_saez0226-150x38.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab1_saez0226-450x113.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab1_saez0226-1200x300.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab1_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22759" class="wp-caption-text">Tab. 1 Funktionelle Ergebnisse im Vergleich [8 – 14]</figcaption></figure>Besseres Gangbild, bessere Propriozeption: Jones et al. demonstrierten, dass UKA-Patienten eine Ganggeschwindigkeit von 2,2 m/s erreichen – identisch mit gesunden Kontrollen – während TKA-Patienten auf nur 1,6 m/s kamen (p &lt; 0,001) [11]. Die posturale Stabilität verbessert sich nach UKA doppelt so stark wie nach TKA [12] – ein direkter Effekt des erhaltenen VKB mit seinen Mechanorezeptoren (Abb. 3).</p>
<figure id="attachment_22756" aria-describedby="caption-attachment-22756" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-22756" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel3_saez0226-1024x791.jpg" alt="" width="755" height="583" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel3_saez0226-1024x791.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel3_saez0226-300x232.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel3_saez0226-768x593.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel3_saez0226-150x116.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel3_saez0226-450x347.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel3_saez0226-1200x926.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel3_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22756" class="wp-caption-text">Abb. 3 Vergleich post-operativer Röntgenbilder einer UKA (links) und TKA (rechts).</figcaption></figure>
<p>Schneller zurück in Sport und Beruf: Die Meta-Analyse von Cerasoli et al. (2026, 1.675 Patienten) bestätigt die deutlich höhere Return-to-Sport-Rate nach UKA (Tab. 2) [13]. Über 50 % kehren sogar zu High-Impact-Sportarten zurück [14]. Die berufliche Wiedereingliederung gelingt ebenfalls schneller: 73 % sind innerhalb von drei Monaten am Arbeitsplatz versus 48 % nach TKA [15].</p>
<p><figure id="attachment_22760" aria-describedby="caption-attachment-22760" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22760" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab2_saez0226-1024x384.jpg" alt="" width="755" height="283" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab2_saez0226-1024x384.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab2_saez0226-300x113.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab2_saez0226-768x288.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab2_saez0226-150x56.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab2_saez0226-450x169.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab2_saez0226-1200x450.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/MichelTab2_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22760" class="wp-caption-text">Tab. 2 Rehabilitationsmeilensteine im Vergleich [13 – 17]</figcaption></figure>Günstigeres Sicherheitsprofil bei höherer Revisionsrate: Wilson et al. zeigten in einem systematischen Review (60 Studien) ein 73 % niedrigeres Mortalitätsrisiko (RR 0,27), 61 % weniger venöse Thromboembolien und 78 % weniger kardiale Ereignisse nach UKA [16]. Gleichzeitig muss transparent kommuniziert werden: Die Revisionsrate der UKA liegt in RCTs etwa sechsfach höher als die der TKA (RR 5,95), wobei die UKA-Revision in der Regel eine „normale“ TKA darstellt und die Ergebnisse nach Revision mit denen einer primären TKA vergleichbar sind [16]. Der stationäre Aufenthalt beträgt median einen versus zwei Tage [16, 17].</p>
<h2><b>Warum wird die UKA dann so selten eingesetzt?</b></h2>
<p>Die Antwort liegt in zwei technischen Hürden, die historisch den Zugang zur UKA limitiert haben. Erstens die geringe Fehlertoleranz: Während die TKA kleinere Positionierungsfehler durch ihre intrinsische Kopplungsstabilität kompensiert, führen bei der UKA Abweichungen von über 3° koronal oder über 2° sagittal bereits zu verminderter Prothesenstandzeit [18]. Bei konventioneller Technik liegen bis zu 32 % der medialen und 61 % der lateralen UKA-­Implantate außerhalb einer ±2°–Toleranz [19]. Zweitens die flache Lernkurve: Die konventionelle UKA erfordert 25 – 50 Fälle bis zur Proficiency – und über 50 % aller Kniechirurgen führen weniger als fünf UKAs pro Jahr durch [3]. Dieses „Volume-Outcome-Paradoxon“ erklärt, warum Registerdaten die UKA-Ergebnisse systematisch schlechter erscheinen lassen, als sie bei erfahrenen Operateuren tatsächlich sind.</p>
<h2><b>Robotische Assistenz: Präzision vom ersten Eingriff an</b></h2>
<p>Genau hier setzt die robotische Assistenz an – sie adressiert beide Probleme gleichzeitig.</p>
<p>CT-freie 3D-Planung: Moderne bildgebungsfreie Systeme wie das CORI Surgical System (Smith+Nephew) erzeugen intraoperativ ein dreidimensionales Knochenmodell durch Oberflächen­abtastung – ganz ohne präoperative CT-Untersuchung. Der handgeführte Roboterfräser stoppt oder retrahiert automatisch bei Überschreitung der geplanten Resektionsgrenzen und erreicht eine Genauigkeit von unter 0,5 mm und 0,5° in allen drei Ebenen [20]. Ein integriertes dynamisches Gap-Balancing erfasst die Bandspannung in Echtzeit über den gesamten Bewegungsumfang – noch vor der ersten Knochenresektion [21]. Yee et al. bestätigten in einer aktuellen Studie, dass diese Messung sowohl bei erfahrenen als auch bei lernenden Operateuren exzellent reliabel ist (ICC &gt; 0,90) [22]. Wang et al. zeigten für das CORI-System signi­fikant kürzere OP-Zeiten und höhere radiologische Präzision im Vergleich zur konventionellen Navigation [23]. Der Wegfall der CT-Bildgebung erspart dem Patienten eine nicht unerhebliche Strahlenbelastung sowie einen zusätzlichen Radiologen-Termin [24] (Abb. 4).</p>
<figure id="attachment_22757" aria-describedby="caption-attachment-22757" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22757" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel4_saez0226-1024x756.jpg" alt="" width="755" height="557" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel4_saez0226-1024x756.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel4_saez0226-300x221.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel4_saez0226-768x567.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel4_saez0226-150x111.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel4_saez0226-450x332.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel4_saez0226-1200x886.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel4_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22757" class="wp-caption-text">Abb. 4 Links: Erstellung eines individuellen 3D-Modells durch Oberflächenabtastung. Rechts: Bearbeitung des Knochens mit der robotisch-kontrollierten Hochgeschwindigkeitsfräse.</figcaption></figure>
<p>Nachgewiesene Überlegenheit: Bell et al. zeigten in einem Level-I-RCT, dass 100 % der robotischen UKAs innerhalb von 2° der Planposition lagen – versus nur 40 % konventionell [25]. Batailler et al. fanden in der Robotikgruppe 0 % positionierungsassoziierte Revisionen versus 86 % in der konventionellen Gruppe [19].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Demokratisierung der Expertise: Der vielleicht wichtigste Effekt der Robotik: Sie reduziert die Lernkurve von 25 – 50 auf nur etwa 6 Fälle, wobei die Implantatpositionierung vom ersten Eingriff an präzise gelingt [26]. Adamska et al. zeigten, dass Chirurgen mit Erfahrung in navigierter TKA keine zusätzliche Lernkurve benötigen [20]. Die Robotik überträgt damit die Präzision eines High-Volume-Spezialisten auf den chirurgischen Breitenversorger – und könnte so die bestehende Unterversorgung nachhaltig aufbrechen. Migliorini et al. zeigten zudem aktuell, dass die CPAK-Klassifikation in die robotische Planung integriert werden kann, um die Balancierung Phänotyp-gesteuert zu individualisieren [27] (Abb. 5).</p>
<figure id="attachment_22758" aria-describedby="caption-attachment-22758" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22758" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel5_saez0226-1024x666.jpg" alt="" width="755" height="491" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel5_saez0226-1024x666.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel5_saez0226-300x195.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel5_saez0226-768x499.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel5_saez0226-150x98.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel5_saez0226-450x293.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel5_saez0226-1200x780.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/07/Michel5_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22758" class="wp-caption-text">Abb. 5 Links: Zementbelegung des femoralen Anteils der Teilprothese. Rechts: Implantation der UKA beim Patienten.</figcaption></figure>
<h2><b>Was bedeutet das für die Praxis?</b></h2>
<p>Bei jedem Patienten mit medialer Gon­arthrose sollte die Eignung für eine UKA systematisch geprüft werden. Der diag­nostische Algorithmus umfasst: Belastungsröntgen (AP und Rosenberg in 45° Flexion), Ganzbeinstandaufnahme, Valgus-Stressaufnahmen (lateraler Gelenkspalt ≥ 4 mm = intaktes Gegenkompartiment) und bei Bedarf ein MRT zur Beurteilung von Knorpel, Menisken und VKB [5, 7]. Zuweisungen sollten bevorzugt an Zentren mit relevantem UKA-Volumen erfolgen – die Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik (AE) empfiehlt mehr als 30 UKAs pro Operateur und Jahr [3]. Gleichzeitig sind gesundheitspolitische Anpassungen überfällig: Das G-DRG-System setzt derzeit Fehlanreize, indem die Vergütung für die technisch anspruchsvollere UKA häufig niedriger ausfällt als für den Totalersatz und die kürzere Liegezeit nicht adäquat honoriert wird.</p>
<h2><b>Fazit: Gelenkerhalt ist kein Kompromiss</b></h2>
<p>Die unikondyläre Knieprothese ist keine Sparlösung, sondern bei korrekter Indikation die überlegene Versorgung. Sie bietet nachweislich bessere funktionelle Ergebnisse, ein natürlicheres Gelenkgefühl, schnellere Rückkehr zu Sport und Beruf sowie ein günstigeres Sicherheitsprofil. Die robotische Assistenz löst die beiden historischen Haupthindernisse – Präzisionsanforderung und Lernkurve – und macht exzellente Ergebnisse erstmals flächendeckend reproduzierbar. Die bestehende Unterversorgung mit UKA ist angesichts der aktuellen Evidenz nicht mehr zeitgemäß. Es liegt an uns, bei jedem Arthrose-Patienten konsequent zu fragen: Ist hier ein Gelenkerhalt möglich?</p>
<p>Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Stoddart JC, Dandridge O, Garner A, Cobb J, van Arkel RJ. The compartmental distribution of knee osteoarthritis &#8211; a systematic review and meta-analysis. Osteoarthritis Cartilage. 2021 Apr;29(4):445-455. doi: 10.1016/j.joca.2020.10.011. Epub 2020 Nov 27. PMID: 33253887.</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] EPRD – Endoprothesenregister Deutschland. Jahresbericht 2025.</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Hamilton TW, Pandit HG, Lombardi AV, Adams JB, Oosthuizen CR, Clavé A, Dodd CA, Berend KR, Murray DW. Radiological Decision Aid to determine suitability for medial unicompartmental knee arthroplasty: development and preliminary validation. Bone Joint J. 2016 Oct;98-B(10 Supple B):3-10. doi: 10.1302/0301-620X.98B10.BJJ-2016-0432.R1. PMID: 27694509; PMCID: PMC5047136.</p>
<p style="font-weight: 400;">[4] Pandit H, Jenkins C, Gill HS, Smith G, Price AJ, Dodd CA, Murray DW. Unnecessary contraindications for mobile-bearing unicompartmental knee replacement. J Bone Joint Surg Br. 2011 May;93(5):622-8. doi: 10.1302/0301-620X.93B5.26214. PMID: 21511927.</p>
<p style="font-weight: 400;">[5] Rodríguez-Merchán EC, Gómez-Cardero P. Unicompartmental knee arthroplasty: Current indications, technical issues and results. EFORT Open Rev. 2018 Jun 6;3(6):363-373. doi: 10.1302/2058-5241.3.170048. PMID: 30034817; PMCID: PMC6026888.</p>
<p style="font-weight: 400;">[6] Murray DW, Pandit H, Weston-Simons JS, Jenkins C, Gill HS, Lombardi AV, Dodd CA, Berend KR. Does body mass index affect the outcome of unicompartmental knee replacement? Knee. 2013 Dec;20(6):461-5. doi: 10.1016/j.knee.2012.09.017. Epub 2012 Oct 27. PMID: 23110877.</p>
<p style="font-weight: 400;">[7] Jiao X, Cao G, Wu J, Li Z, An S, Huang J. Assessing lateral femoral condyle cartilage prior to medial UKA: MRI vs. Valgus stress radiograph. BMC Musculoskelet Disord. 2023 Aug 26;24(1):681. doi: 10.1186/s12891-023-06802-2. PMID: 37633881; PMCID: PMC10463517.</p>
<p style="font-weight: 400;">[8] Mortensen JF, Blanche P, Blom CS, Vase M, Overgaard S, Kappel A, Lindberg-Larsen M, Madsen F, Stephensen SL, Schrøder HM, Rasmussen LE, Kristensen PW, Østgaard SE, Odgaard A. Medial Unicompartmental Versus Total Knee Arthroplasty in the Treatment of Isolated Anteromedial Knee Osteoarthritis: Two-Year Results from a Double-Blinded, Multicenter, Randomized Trial of 350 Patients. J Bone Joint Surg Am. 2026 Apr 1;108(7):491-498. doi: 10.2106/JBJS.25.00612. Epub 2026 Feb 9. PMID: 41662451; PMCID: PMC13011945.</p>
<p style="font-weight: 400;">[9] Brilliant ZR, Garvey MD, Haffner R, Chiu YF, Mayman DJ, Blevins JL. Unicompartmental Knee Arthroplasty Patients Have Lower Joint Awareness and Higher Function at 5 Years Compared to Total Knee Arthroplasties: A Matched Comparison. J Arthroplasty. 2023 Aug;38(8):1464-1469. doi: 10.1016/j.arth.2023.01.063. Epub 2023 Feb 9. PMID: 36764405.</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Präoperative Trainingstherapie</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22735/praeoperative-trainingstherapie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Rebecca Abel,&nbsp;Prof. Dr. phil. Daniel Niederer,&nbsp;PD Dr. med. Christoph Offerhaus,&nbsp;Alexander Glowa&nbsp;,&nbsp;Dr. Sportwiss. Christiane Wilke]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 08:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22735</guid>

					<description><![CDATA[Prähabilitation beschreibt die gezielte Vorbereitung auf eine Operation und zielt auf eine Verbesserung des Behandlungserfolgs ab. Im folgenden Artikel wird eine Studie zur konkreten Ausgestaltung der präoperativen Trainingstherapie vor Rekonstruktion [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Prähabilitation beschreibt die gezielte Vorbereitung auf eine Operation und zielt auf eine Verbesserung des Behandlungserfolgs ab. Im folgenden Artikel wird eine Studie zur konkreten Ausgestaltung der präoperativen Trainingstherapie vor Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes vorgestellt.</b></p>
<p>Sportler, die nach einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes (VKB) in den Sport zurückkehren, haben im Vergleich zu unverletzten Athleten ein bis zu sechsfach erhöhtes Risiko, innerhalb von zwei Jahren nach der OP erneut eine VKB-Verletzung zu erleiden [1]. Im Vergleich zu unverletzten Athleten haben ehemals Verletzte nach der Rückkehr in den Sport zudem häufig ein geringeres Leistungsniveau bzw. eine kürzere Karrieredauer [2]. Beide möglichen Folgen einer Ruptur und Rekonstruktion des VKBs sind trotz Durchführung evidenzbasierter Rehabilitationsmaßnahmen nach Rekon­struktion des VKBs zu beobachten. Daher besteht weiterhin Potenzial zur Optimierung des gesamten Rehabilitationsprozesses nach VKB-Ruptur. Präoperatives Training zwischen der VKB-Ruptur und der VKB-Rekonstruktion zielt auf eine Verbesserung der präoperativen Kniefunktion einschließlich der Kniebeweglichkeit und der Stabilität der Beinachse sowie eine Steigerung der Ansteuerungsfähigkeit und Kraft insbesondere des M. Quadrizeps ab. Trotz vielversprechender Effekte präopera­tiver Interventionen nach VKB-Ruptur ist die Evidenz bezüglich der Wirksamkeit von präoperativem Training begrenzt [3]. Darüber hinaus besteht kein Konsens hinsichtlich optimaler Inhalte und des Betreuungsgrades, beispielsweise bezüglich angeleiteten versus ­eigenständigen Trainings.</p>
<h2><b>Ziel</b></h2>
<p>Ziel der randomisiert-kontrollierten Studie war es, die Wirksamkeit eines angeleiteten, strukturierten und kriterienbasiert progressiven präoperativen Rehabilitationsprogramms (anpassbar an das individuelle Leistungsniveau) mit einem nicht angeleiteten, selbstständig durchgeführten Heimtrainingsprogramm (mithilfe einer Broschüre) zu vergleichen. Betrachtet wurden hierbei die selbstwahrgenommene Kniefunktion und weitere funktionelle Ergebnisse.</p>
<h2><b>Methode</b></h2>
<p>Die Studie wurde als monozentrische, prospektive, randomisiert-kontrollierte, einfach verblindete Studie durchgeführt. Insgesamt 114 Teilnehmende im Alter zwischen 16 und 60 Jahren mit einseitiger, vollständiger primärer Ruptur des VKBs sowie Indikation zur Rekon­struktion mittels Hamstring- oder Quadrizepssehnen-Autograft wurden im Sana Dreifaltigkeitskrankenhaus Köln rekrutiert. Teilnehmende wurden nur eingeschlossen, wenn der Zeitraum zwischen Einschluss und Operation mindestens drei Wochen betrug. Ausgeschlossen wurden Teilnehmende mit Begleitverletzungen mit Operations­indikation, die zu einer Änderung des Rehabilitationsprotokolls führten, sowie vorangegangenen Operationen oder Verletzungen am Kniegelenk in den letzten fünf Jahren. Falls während des operativen Eingriffs ungeplante Maßnahmen erforderlich wurden, die eine Anpassung des postoperativen Therapieprotokolls bedingten (z. B. Meniskusnaht), wurden die betroffenen Teilnehmenden ab diesem Zeitpunkt als Dropout gewertet. Die Teilnehmenden der Interventionsgruppe absolvierten ein strukturiertes, kriterienbasiertes und angeleitetes Training. Das Trainingsprogramm wurde an das individuelle Leistungsniveau angepasst und umfasste zwei Einheiten pro Woche à 60 Minuten. Zusätzlich erhielten die Teilnehmenden einmal pro Woche Übungen für ein eigenständiges Training zu Hause. Die Auswahl der Übungen orientierte sich an bereits durchgeführten Studien [3], ist Abb. 1 zu entnehmen und verfolgte folgende Ziele:</p>
<ul>
<li>Mobilisation des Kniegelenks und Verbesserung der Beweglichkeit</li>
<li>Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle, insbesondere des<br />
M. quadriceps</li>
<li>Verbesserung der posturalen Stabilität und des Gleichgewichts</li>
<li>Wiederherstellung bzw. Steigerung der Muskelkraft, insbesondere der Kniebeuger und -strecker,<br />
Abduktoren und Plantarflexoren; lokales Kraftausdauertraining, Vergrößerung des Muskelquerschnitts sowie Verbesserung der neuromuskulären Kraft.</li>
</ul>
<figure id="attachment_22741" aria-describedby="caption-attachment-22741" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22741" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-1024x512.jpg" alt="" width="755" height="378" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-1024x512.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-300x150.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-768x384.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-150x75.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-450x225.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226-1200x600.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel1_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22741" class="wp-caption-text">Abb. 1 Angeleitetes, präoperatives Training (Interventionsgruppe)</figcaption></figure>
<p>Das präoperative Training umfasste Übungen auf zwei Niveaus (Level I und Level II). Die Teilnehmenden starteten mit Übungen auf Level I Niveau. Wenn eine vollständige aktive Kniestreckung erreicht wurde, an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Trainingseinheiten keine Gewebereaktion am Folgetag auftrat und keine schmerzhaften Bewegungseinschränkungen berichtet wurden, wurden die Übungen durch Übungen auf Level II Niveau erweitert oder ersetzt. Schmerzen wurden mittels visu­eller Analogskala (VAS) von 0 – 10 erfasst, wobei ein Zielwert von unter 3 bis 4 Punkten als Orientierung für das Training diente. Das primäre Ziel des Trainingsprogramms war die Verbesserung der individuellen Leistungsfähigkeit und nicht das Erreichen eines vorgegebenen Leistungsniveaus. Die Teilnehmenden der Vergleichsgruppe erhielten eine Broschüre mit den folgenden sechs Übungen: Aktive Kniestreckung, Einbeinstand, Hüftabduktion, Hüftbrücke in Rückenlage, beidbeiniges Fersen­heben sowie Kniebeugen. Diese Übungen verfolgten die gleichen Ziele wie jene des angeleiteten Trainings. Die Broschüre enthielt detaillierte Anleitungen zur Durchführung sowie Empfehlungen zu Wiederholungszahlen und Progression der Übungen. Die behandelnden Ärzte im Krankenhaus empfahlen den Teilnehmenden der Vergleichsgruppe, die Übungen dreimal pro Woche im Rahmen eines eigenständigen Trainings durchzuführen. Das eigenständige Training wurde von den Teilnehmenden protokolliert. Nach der operativen Rekonstruktion absolvierten alle Teilnehmenden dasselbe standard­isierte Rehabili­tationsprogramm. Alle medizinischen Entscheidungen wie Operationszeitpunkt und Transplantatauswahl wurden im Rahmen des regulären medi­zinischen Behandlungsprozesses, also unabhängig von der vorliegenden Studie, getroffen.</p>
<p>In beiden Gruppen wurden zu sieben festgelegten Messzeitpunkten Daten erhoben: während der initialen Anamnese im Krankenhaus, 1 – 7 Tage vor der VKB-Rekonstruktion, am Tag der Operation sowie 30, 60, 90 und 180 Tage postoperativ. Aufgrund verletzungs- und operationsbedingter Einschränkungen konnten jedoch nicht zu allen Zeitpunkten sämtliche Messgrößen erfasst werden. Die selbstwahrgenommene Kniefunktion wurde mithilfe des Knee Injury and ­Osteoarthritis Outcome (KOOS) Score ermittelt und stellt das primäre Outcome dar. Die sekundären Outcomes sind der Gesamtstudie (siehe Verweis unten) zu entnehmen und hier aus Platzgründen nicht dargestellt. Die statistischen Analysen wurden nach dem Intention-to-treat-Prinzip durchgeführt. Aufgrund von fehlenden Daten wurde eine multiple Imputation der Daten mit SPSS (Version 28) vorgenommen. Line­are gemischte Modelle für wiederholte Messungen wurden berechnet (Software R, Version 4.3.3). Hierbei wurden die Veränderungswerte (Change Scores) jedes Outcomes vom Ausgangswert bis zu den jeweiligen Follow-up-Zeitpunkten betrachtet.</p>
<h2><b>Ergebnisse</b></h2>
<p>Von den 114 eingeschlossenen Teilnehmenden (53 % männlich) unterbrachen 3 die Studienteilnahme und 55 schieden im Verlauf aus familiären oder beruflichen Gründen, Zeitmangel, Problemen mit der Erreichbarkeit der Einrichtung und sonstigen Gründen aus bzw. wurden wegen durchgeführter Meniskusnaht während der Operation ausgeschlossen. Im Mittel waren die Teilnehmenden 31 Jahre alt (Standardabweichung (SD) = 10,3) und führten vor der Verletzung im Mittel 3 Trainingseinheiten pro Woche (SD = 1.5) durch. Während der Zeitraum zwischen Verletzung und Ruptur im Mittel in der Interventionsgruppe bei 81 Tagen (SD = 41) lag, betrug dieser im Mittel in der Vergleichsgruppe 91 Tage (SD = 48). Die Anzahl der durchgeführten Trainingseinheiten unterschied sich zwischen der Interventions- und Vergleichsgruppe nicht signifikant, die Variation war in der Vergleichsgruppe (selbstständig durchgeführte Einheiten: Mittelwert (M) = 6,75, SD = 13,22, Minimum (Min) = 0, Maximum (Max) = 91) jedoch höher als in der Interventionsgruppe (angeleitete Einheiten: M = 6,38, SD = 3,24, Min = 1, Max = 17). Die KOOS-Gesamtscores an den verschiedenen Messzeitpunkten sind in Abb. 2 dargestellt. Die beiden Gruppen unterschieden sich zu Studienbeginn (Baselineunterschiede, p &lt; 0,001). Für Gruppe, Zeit und die Interaktion (Zeit*Gruppe) wurden keine signifikanten Effekte festgestellt. Die Interventionsgruppe (KOOS-Gesamtscore bei Anamnese: M = 46,04, Konfidenzintervall (CI) 45,07 – 47,02; vor der Operation: M = 58,52, CI 57,51–59,54) zeigte jedoch eine ausgeprägtere Verbesserung des KOOS-Gesamtscores als die Vergleichsgruppe (Anamnese: M = 51,01, CI 50,10–51,92; vor der Operation: M = 59,18, CI 58,40–59,96). Die Interaktion (Gruppe*Zeit) für den KOOS-Gesamtscore erreichte Signifikanz für den Veränderungswert von der Anamnese bis 30 Tage post OP (p = 0,039) und 60 Tage post OP (p = 0,039). Zusätzlich wurden der KOOS-­Gesamtscore (p = 0,009) durch die Kovariate Alter beeinflusst. Die sekundären Ergebnisse sind dem Original-Artikel (s. Verweis unten) zu entnehmen.</p>
<figure id="attachment_22740" aria-describedby="caption-attachment-22740" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22740" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-922x1024.png" alt="" width="755" height="839" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-922x1024.png 922w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-270x300.png 270w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-768x853.png 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-1383x1536.png 1383w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-150x167.png 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-450x500.png 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226-1200x1333.png 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Abel2_saez0226.png 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22740" class="wp-caption-text">Abb. 2 Mittelwerte und 95 %-Konfidenzintervalle des KOOS-Gesamtscores, getrennt nach Gruppen. Die x-Achse zeigt die sieben Messzeitpunkte, die y-Achse zeigt die Werte des KOOS-Gesamtscores (0 – 100 %) sowie die 95 %-Konfidenzintervalle. (KOOS = Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score)</figcaption></figure>
<h2><b>Diskussion</b></h2>
<p>Die Studie zeigt die Wirksamkeit eines angeleiteten, präoperativen Trainings im Vergleich zu einem selbstständig durchgeführten Heimtraining vor VKB-Rekonstruktion. Sowohl die Teilnehmenden der Interventions-, als auch der Vergleichsgruppe erzielten prä- als auch postoperativ Verbesserungen der selbstwahrgenommenen Kniefunktion. Die Interventionsgruppe begann auf deutlich niedrigerem funktionellem Niveau zum Zeitpunkt der Anamnese, verzeichnete jedoch bis zum Messzeitpunkt vor der Rekonstruktion eine stärkere Verbesserung. Auch nach 30 Tagen postoperativ begann die Interventionsgruppe auf einem niedrigeren Niveau, erzielte jedoch über den weiteren Beobachtungszeitraum größere Verbesserungen. Die ausgeprägtere Verbesserung in der Interventionsgruppe deutet auf die Überlegenheit des angeleiteten, kriterienbasierten Trainings gegenüber eigenständigem Heimtraining hin. Es ist jedoch zu beachten, dass die Interventionsgruppe durch niedrigere Ausgangswerte ein größeres Verbesserungspotenzial hatte. Hingegen könnte der etwas größere Zeitraum zwischen Ruptur und Rekonstruktion in der Vergleichsgruppe im Gegensatz zur Interventionsgruppe die Ergebnisse in der Vergleichsgruppe positiv beeinflusst haben [4].</p>
<p>Auffallend ist zudem eine größere Spannweite der Anzahl der durchgeführten Trainingseinheiten in der Vergleichsgruppe im Gegensatz zur Interventionsgruppe. Dies könnte durch die Charakteristika des eigenständigen Trainings begründet sein. Eigenständiges Training bietet eine flexible Gestaltung, doch psychologische Faktoren wie Selbstmotivation, sportliche Identität und soziale Unterstützung sind entscheidend für die Einhaltung des Trainingsplans [5], während durch die Anwesenheit eines Trainers die Trainingsqualität und die Belastungssteuerung verbessert werden können [6, 7]. Eine gute therapeutische Beziehung wird als förderlich im Rehabilitationsprozess angesehen [5].<span class="Apple-converted-space">  </span>Als limitierende Faktoren sind abschließend die hohe Drop-Out-Quote sowie das kurze Follow-up von 180 Tagen zu nennen.</p>
<p><b>Praktische Relevanz und Schlussfolgerung</b></p>
<p>In der klinischen Praxis wird häufig passiv auf die Rekon­struktion des VKBs gewartet. Aufgrund der Schwere von VKB-Verletzungen bietet präoperatives Training jedoch ein erhebliches Potenzial, besonders bei schlechter präoperativer Kniefunktion. Sowohl angeleitetes als auch selbstständiges Training verbessern die Kniefunktion, wobei das angeleitete Training leicht überlegen erscheint. Eigenständiges Training bietet mehr Flexibilität, während das angeleitete Training Motivation und Trainingsqualität fördern kann. Die Wahl zwischen angeleitetem oder selbstständigem Training sollte individuell erfolgen, ebenso sind Kombinationen aus beidem denkbar. Zukünftige Studien sollten Dosis-­Wirkungs-Beziehungen und Langzeiteffekte genauer untersuchen. Zudem lag der Fokus der Studie auf präoperativem Training, während in zukünftigen Studien Prähabilitation multimodal (z. B. mit ergänzenden psychologischen Komponenten oder Stressmanagement) durchgeführt werden könnte.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist eine neu verfasste, modifizierte und gekürzte Zusammen­fassung des 2026 in Scientific Reports veröffentlichten Artikels „Abel R, Niederer D, Glowa A, Hansen N, Wilke C, Offerhaus C. (2026). Effectiveness of exercise prehabilitation before anterior cruciate ligament reconstruction on functional outcomes – a single-blinded randomized controlled trial. Sci Rep. 2026 Mar 9;16(1):8962. doi: 10.1038/s41598-026-41576-2“.</em></p>
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</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schambeinentzündung</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22690/schambeinentzuendung-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Michael Rettler]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jul 2026 08:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Schambeinentzündung, medizinisch Osteitis pubis, bezeichnet eine nicht-infektiöse Entzündungsreaktion im Bereich der Schambeinfuge (Symphysis pubica), dem Gelenk, das die beiden Schambeinknochen im vorderen Becken verbindet. Sie tritt besonders bei Sportlern [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Eine Schambeinentzündung, medizinisch Osteitis pubis, bezeichnet eine nicht-infektiöse Entzündungsreaktion im Bereich der Schambeinfuge (Symphysis pubica), dem Gelenk, das die beiden Schambeinknochen im vorderen Becken verbindet. Sie tritt besonders bei Sportlern und Menschen mit hoher Belastung des Beckens auf und gehört zu den Überlastungs-<br />
syndromen des Beckens. In der medizinischen Fachliteratur wird von einer Inzidenz von bis zu 20 % insbesondere bei Fußballern ausgegangen [6].</b></p>
<h2><b>Anatomischer Hintergrund – wo ist das Problem?</b></h2>
<p>Die Schambeinfuge ist ein faserknorpeliges Gelenk, das die beiden Schambeinanteile des Beckens verbindet. Es ist von starken Bändern stabilisiert und dient als Ansatzpunkt für wichtige Muskelgruppen:</p>
<ul>
<li>Hüftadduktoren (M. adductor longus, brevis et magnus, M. gracilis)</li>
<li>Bauchmuskeln (M. rectus abdominis) [1]</li>
</ul>
<p>Warum ist das wichtig? Bei Belastung (Laufen, Sprinten, Kicken) wirken enorme Scher- und Zugkräfte über diese Strukturen. Bei wiederholter Überbeanspruchung können Mikroverletzungen und entzündliche Veränderungen entstehen [1].</p>
<h2><b>Ursachen &amp; Risikofaktoren</b></h2>
<p>Eine Schambeinentzündung entsteht meist durch wiederholte Überlastung (Microtrauma) und ungleiche Kräfte im Beckenbereich. Häufige Auslöser sind:</p>
<ul>
<li>Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, z. B. Fußball, Hockey, Sprinten – durch starke Adduktor- und Hüftbelastung [1]. Vermutung: Im Vergleich zu Naturrasen bietet Kunstrasen oft eine höhere Traktion (besserer Halt). Abrupte Richtungswechsel, Antritte und Stopps bei hoher Traktion erzeugen starke Zugkräfte der Adduktoren und Bauchmuskeln am Schambein.</li>
<li>Überbeanspruchung durch Training und Wettkampf – besonders ohne ausreichende Regeneration [3]</li>
<li>Muskelungleichgewichte bzw. schlechte Rumpfstabilität – Bauch-, Hüft- oder Beckenmuskulatur nicht ausreichend trainiert [3]</li>
<li>Andere Ursachen (seltener): Schwangerschaft, Geburt oder Becken-Operationen [4]</li>
</ul>
<h2><b>Typische Symptome</b></h2>
<p>Eine Schambeinentzündung zeichnet sich meist durch einen schleichenden Leistenschmerz aus, der durch Belastung verstärkt wird.<span class="Apple-converted-space">  </span>Typische Beschwerden sind Schmerzen im zentralen Beckenbereich, direkt über dem Schambein oder in der Leiste. Diese treten häufig bei Bewegungen wie Gehen, Sprinten, Treppensteigen oder bei Übungen wie Sit-ups auf. Auch Druck auf die Symphyse oder eine Anspannung der Adduktoren kann Schmerzen auslösen. Oft strahlen die Schmerzen in den Oberschenkel oder die Hüfte aus. In manchen Fällen kommt es zusätzlich zu Ruheschmerzen mit dumpfen, unspezifischen Bauchschmerzen.</p>
<p>Wichtig: Symptome können variieren und beginnen häufig schleichend und zwischen dem radiologischen Befund einer Schambeinentzündung, der häufig mittels einer MRT-Untersuchung gestellt wird und dem klinischen Befund einer Schambeinentzündung muss unterschieden werden. Oftmals wird die Schambeinentzündung erst relevant, wenn die am Schambein ansetzende Muskulatur mit betroffen ist.</p>
<h2><b>Diagnose</b></h2>
<p>Die Diagnose basiert auf der Anamnese und einer klinischen Untersuchung sowie ergänzender Bildgebung. Dabei werden zunächst die Schmerzlokali­sationen erfasst und durch verschiedene Bewegungs- und Funktionstests, wie beispielsweise den Einbein-Stand-Test oder die Untersuchung der Hüftgelenke, weiter differenziert und klinisch eingeordnet. Zur weiteren Abklärung kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz: Ein Röntgenbild kann knöcherne Veränderungen wie das „primary“ oder „secondary cleft sign“ zeigen, während ein MRT besonders sensibel entzündliche Veränderungen oder Knochenmarködeme (Abb. 2) sichtbar macht. Zusätzlich kann eine Sonographie eingesetzt werden, um Entzündungen, Flüssigkeitsansammlungen oder Gewebeveränderungen darzustellen und andere Ursachen wie Leistenhernien oder eine weiche Leiste auszuschließen. Daher ist genaue orthopädische Abklärung wichtig, da Leistenschmerzen viele Ursachen haben können [7]. Bei einem Drittel der Patienten besteht gleichzeitig eine Hüftproblematik (FAI).<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<figure id="attachment_22693" aria-describedby="caption-attachment-22693" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22693" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226-1024x768.jpg" alt="" width="755" height="566" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226-1024x768.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226-300x225.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226-768x576.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226-150x113.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226-450x338.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226-1200x900.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22693" class="wp-caption-text">Abb. 2 Osteitis pubis bds. mit Beteiligung der Adduktoren links &gt; rechts</figcaption></figure>
<h2><b>Therapieübersicht</b></h2>
<p>Das oberste Ziel der Behandlung ist die Schmerzreduktion, die Entzündung zu lindern und eine funktionelle Stabilität wiederherzustellen.</p>
<p><b>Stufe 1 </b>Konservative Therapie</p>
<ul>
<li>Ruhe &amp; Belastungsreduktion – Vermeiden von schmerzauslösenden Aktivitäten</li>
<li>Physiotherapie – zentrale Maßnahme zur Stärkung der CORE-Muskulatur nach funktioneller Analyse (am besten mittels EMG).<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Medikamente – Vitamin D; entzündungshemmende Schmerzmittel am Anfang für einen kurzen Zeitraum (z. B. NSARs) kombiniert mit Naturheilkunde und / oder Homöopathie (Bromelain; Traumeel; Cherry Plus, Arnica D6, MSM)</li>
<li>Neuroreflektorische hyperbare CO2-Cryotherapie</li>
<li>Fokussierte Stoßwellentherapie (ESWT)</li>
<li>Magnetfeldtherapie (Fokussierte Hochenergie-Induktionstherapie mit Dual Field Applikator)</li>
<li>Injektionen mit PRP plus Traumeel direkt ans / ins Os pubis oder im Bereich des Ansatzes des M. gracilis bei secondary cleft sign (Abb.1)</li>
</ul>
<p><b>Stufe 2 </b>Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) mit ca. 20 – 40 Sitzungen bei gescheiterter konservativer Therapie Stufe 1</p>
<p><b>Stufe 3 </b>Operative Therapie – nur selten notwendig, z. B. bei strukturellen Instabilitäten oder begleitenden Leistenproblemen oder Versagen der konservativen Therapie nach einem längeren Zeitraum bei einem primär / secondary cleft sign</p>
<h2><b>Übungsbeispiele – Rehabilitation &amp; Prävention</b></h2>
<p>Diese Übungen dienen zur Förderung von Rumpfstabilität, Hüftkontrolle und Muskelbalance. Sie sollten schmerzfrei und unter Anleitung einer Physiotherapeut: in durchgeführt werden.</p>
<p><b>Core-Stabilität</b></p>
<ul>
<li>Plank (Unterarmstütz) – 3 x 20 – 30 Sek. halten [14]</li>
<li>Seitstütz (Side Plank) – 2 – 3 x 20 Sek. / Seite [14]</li>
</ul>
<p><b>Hüft- und Beckenmobilität:</b></p>
<ul>
<li>Brücke (Bridge) – 3 x 12 Wiederholungen [11]</li>
<li>Dead Bug – 2 – 3 Sätze x 10 Wiederholungen [11]</li>
</ul>
<p><b>Dehnungen</b></p>
<ul>
<li>Adduktoren-Stretch – 2 x 30 Sek. halten [5]<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Hüftbeuger-Stretch – 2 x 30 Sek./Seite [5]</li>
<li>Copenhagen Übungen für die Adduktoren (Abb. 3)</li>
</ul>
<figure id="attachment_22692" aria-describedby="caption-attachment-22692" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22692" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226-1024x768.jpg" alt="" width="755" height="566" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226-1024x768.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226-300x225.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226-768x576.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226-150x113.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226-450x338.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226-1200x900.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22692" class="wp-caption-text">Abb. 3 Copenhagen-Adduktoren-Übung</figcaption></figure>
<h2><b>Prävention – wie kann man vorbeugen?</b></h2>
<p>Zur Verletzungsprävention im Training ist eine schrittweise Steigerung von Intensität und Umfang notwendig, um Anpassungsprozesse des Körpers zu fördern [4]. Ebenso wichtig sind ausreichende Regenerationsphasen zwischen intensiven Einheiten, um Überlastungen zu vermeiden [4]. Ergänzend tragen gezieltes Kraft- und Stabilisationstraining der Rumpf-, Hüft- und Oberschenkelmuskulatur sowie ein struk­turiertes Aufwärmen mit anschließenden Dehnübungen – insbesondere für Adduktoren, Hüftbeuger und Rumpf – wesentlich zur Reduktion des Verletzungsrisikos bei, z. B. für den Fußball FIFA 11+ Programm [5].</p>
<h2><b>Prognose</b></h2>
<p>Bei frühzeitiger Diagnose und adäquater konservativer Therapie ist die Prognose in der Regel sehr gut. Viele Betroffene sind nach mehreren Wochen bis Monate wieder beschwerdefrei, insbesondere in Kombination mit konsequenter physiotherapeutischer Arbeit [4].</p>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li style="font-weight: 400;">emedicine.medscape.com</li>
<li style="font-weight: 400;">ultrasoun-guided-injections.co.uk</li>
<li style="font-weight: 400;">wikism.org</li>
<li style="font-weight: 400;">my.clevelandclinic.org</li>
<li style="font-weight: 400;">liebscher-bracht.com</li>
<li style="font-weight: 400;">schambeinentzuendung.de</li>
<li style="font-weight: 400;">webmd.com</li>
<li style="font-weight: 400;">pubmed.ncbi.nlm.nih.gov</li>
<li style="font-weight: 400;">airedalemsk.co.uk</li>
<li style="font-weight: 400;">netdoktor.at</li>
<li style="font-weight: 400;">de.wikipedia.org</li>
<li style="font-weight: 400;">schambeinentzuendung.com</li>
<li style="font-weight: 400;">www.dfb.de</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Magnetic Resonance Therapy in Professional Sports</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22749/magnetic-resonance-therapy-in-professional-sports/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[PD Dr. med. Anna Schreiner&nbsp;,&nbsp;Prof. Dr. med. Götz Welsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 09:33:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22749</guid>

					<description><![CDATA[PD Dr. med. Anna J. Schreiner , Richard Evans, Prof. Dr. med. Götz Welsch Injuries are a structural risk in professional soccer—with direct implications for athletic success and significant economic implications. [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>PD Dr. med. Anna J. Schreiner , Richard Evans, Prof. Dr. med. Götz Welsch</p>
<p><strong>Injuries are a structural risk in professional soccer—with direct implications for athletic success and significant economic implications. Recent analyses from Europe’s top leagues show that several thousand injuries occur per season, resulting in lost wages in the hundreds of millions (Howden Men’s European Football Injury Index 2023 / 24).</strong></p>
<p>Against this backdrop, the importance of efficient rehabilitation strategies is growing. In addition to established methods, attention is increasingly turning to the question of how additional therapeutic components can be meaningfully integrated into existing approaches to further support the healing process and optimize return-to-play times. The study “Magnetic Resonance Therapy as Part of a Combination Therapy in Professional Soccer—One-Year Results, a Case Series,” published last year in the German Journal of Sports Medicine, examines the role of therapeutic magnetic resonance imaging (NMRT or tNMR, also known as KSRT or MBST®) as a complementary component within a multimodal treatment approach in professional soccer. The study was based on a case series from HSV, then a German second-division club (head team physician Prof. G. Welsch), over a period of one year. A total of 13 players with various chronic and acute musculoskeletal injuries, primarily in the lower extremities, were treated with magnetic resonance therapy in addition to their existing standard rehabilitation regimen. The underlying treatment concept was deliberately broad in scope and combined various established measures, including physical therapy interventions, sport-specific rehabilitation training, physical therapies, and complementary nutrition- and recovery-oriented strategies. MBST® was integrated as a new and additional component. This non-invasive method uses magnetic resonance therapy to stimulate cellular metabolic processes in various tissues and support regenerative processes (see also previous articles 2025/2026 in the *sportärztezeitung*).</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-22647" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-1019x1024.jpg" alt="" width="755" height="759" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-1019x1024.jpg 1019w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-150x151.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-768x772.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-70x70.jpg 70w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-450x452.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-1200x1206.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-120x120.jpg 120w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /></p>
<p>During the observation period, all participating players were successfully reintegrated into training and competition. The therapy was well integrated into the daily rehabilitation routine and was well accepted by both the players and the support team. No side effects were observed. Furthermore, no re-injuries occurred within the documented period, indicating stable healing processes. The general clinical outcomes, as well as the players’ subjective assessments, were consistently positive. When interpreting the results, it becomes clear that magnetic resonance therapy should be considered particularly within the context of complex, multimodal treatment approaches. Naturally, based on the available data, it is not possible to clearly isolate its effect. At the same time, the results show that the method can be easily integrated into existing structures and makes a supportive contribution to recovery. The cases demonstrate that, particularly in cases of chronic or treatment-resistant conditions—such as those involving tendons or bone metabolism—there may be potential added benefit, and certain gaps in treatment can be addressed with this physical therapy. However, due to the exploratory design and the limited number of cases, these are primarily practical observations. The analysis thus provides an initial structured insight into the application under real-world conditions in professional sports. It is precisely this practical relevance, however, that represents significant added value, as it addresses the feasibility and integration into the performance-oriented daily routine.</p>
<p>In Germany, MBST® is firmly established in therapeutic use as an official partner not only with HSV but also with Holstein Kiel and the Braunschweig Basketball Löwen (team orthopedic physician Dr. N. Fiedler). In the United Kingdom, registry data collection has been underway since last season at the soccer clubs Charlton Athletic and Wrexham AFC, as well as at the rugby club Bath. Data is thus being collected there in a real-world setting. According to Rory Murray (Head of Medical Services, Bath Rugby), the preferred applications of magnetic resonance therapy—which allows players to return to play more quickly—include the treatment of bone fractures, with particularly positive results observed in rib fractures involving cartilage, as well as tendon pathologies. At Charlton Athletic FC (Adam Coe, Head of Medical), over 40 cases of combination therapy with MRI therapy are now being monitored, demonstrating a time advantage in the form of a faster return to play for muscle injuries, tendon and ligament injuries, as well as bone pathologies (data not yet published).</p>
<h2><b>Conclusion</b></h2>
<p>The results of the previously published case series show that magnetic resonance therapy is being used in a practical and meaningful way as a complementary component of combination therapy in professional soccer and offers further potential. Particularly noteworthy are its good practicality, absence of side effects, high acceptance, and the observed stable and, in some cases, faster return-to-play trajectories (in the current analysis of UK registry data). Future analyses—particularly those based on larger registry data sets and spanning multiple clubs—will be crucial for more precisely assessing the significance of this method and defining expanded areas of application—e.g., in the realm of more targeted general recovery as well as prevention. Nuclear magnetic resonance therapy can therefore be regarded as a promising, useful, and relevant component of modern, integrative therapeutic strategies.</p>
<p>This article is based on the detailed original article: <a href="https://www.germanjournalsportsmedicine.com/archive/archive-2025/issue-7/nuclear-magnetic-resonance-therapy-as-part-of-combination-therapy-in-professional-football-1-year-results-a-case-series/">“Nuclear Magnetic Resonance Therapy as Part of Combination Therapy in Professional Soccer—One-Year Results, a Case Series”</a> (Schreiner AJ, Mulholland K, Evans R, Welsch G. Nuclear magnetic resonance therapy as part of combination therapy in professional soccer—1-year results, a case series. Dtsch Z Sportmed. 2025; 76: 233–238. doi:10.5960/dzsm.2025.647; https://www.germanjournalsportsmedicine.com/archive/archive-2025/issue-7/nuclear-magnetic-resonance-therapy-as-part-of-combination-therapy-in-professional-football-1-year-results-a-case-series/).</p>
<p>Courtesy of the German Journal of Sports Medicine.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Extreme Sarkopenie</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22687/extreme-sarkopenie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jörg Pfeffer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 08:00:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<category><![CDATA[INSUMED]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22687</guid>

					<description><![CDATA[Anamnese: Ein 83-jähriger Patient mit PEG-Versorgung (Perkutane Endoskopische Gastrostomie) nach 7-monatiger Krankenhausbehandlung wurde bei Problemen mit der Sondennahrung und erkennbarem, deutlichem Untergewicht vorgestellt. Der Patient erlitt im Mai 2024 auf [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Anamnese: Ein 83-jähriger Patient mit PEG-Versorgung (Perkutane Endoskopische Gastrostomie) nach 7-monatiger Krankenhausbehandlung wurde bei Problemen mit der Sondennahrung und erkennbarem, deutlichem Untergewicht vorgestellt. Der Patient erlitt<br />
im Mai 2024 auf einem Kreuzfahrtschiff eine schwere Urosepsis und wurde daraufhin in Italien von Bord in ein Krankenhaus gebracht.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Da sich der Gesundheitszustand rapide verschlechterte, wurde er in ein künstliches Koma gelegt. Für den luftgebundenen Rücktransport nach Deutschland und der bestehenden Ateminsuffizienz wurde der Patient tracheostomiert und beatmet rückverlegt. Nach Entwöhnung von der Beatmung bestand bei ihm eine deutliche Schluckstörung, sodass man sich in der Klinik für die Anlage einer PEG-Sonde entschied. Nach mehreren Komplikationen während des mehrmonatigen stationären Aufenthalts wurde der Patient im Dezember 2024 schließlich untergewichtig, sarkopenisch, mit massiven Spastiken in den Armen und Beinen, inliegendem Tracheostoma und weiterhin bestehender Schluckstörung übergangsweise in eine stationäre Pflege­einrichtung verbracht. Dort entwickelte er unter hochkalorischer Fresubingabe massive Diarrhoen, die zu einem weiteren Gewichtsverlust führten.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der Patient wurde mir durch die Angehörigen im Januar 2025 zur Ernährungstherapie vorgestellt. Er war zwischenzeitlich mobilisiert und konnte stundenweise im Rollstuhl sitzen. Die häusliche Versorgung erfolgte durch einen 24-Stunden Intensivpflegedienst. Logopädie, Ergo- sowie Physiotherapie erfolgten mehrmals wöchentlich. Eine genaue Gewichtsangabe konnte nicht eruiert werden, da der Patient zuletzt in Italien gewogen wurde. Da keine objektiven Daten zu Gewicht, Muskelmasse und dem Flüssigkeitshaushalt vorlagen, wurde eine Diagnostik auf Sarkopenie durchgeführt. Die Auswertung des SARC-F-Fragebogens ergab einen Wert von 6 Punkten und somit ein positives Screening auf Sarkopenie. Eine Muskelkraftmessung konnte aufgrund der Spastiken in den Händen nicht durchgeführt werden. Bei positivem Befund mittels SARC-F-Fragebogens wird die Durchführung einer <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/4842/bioelektrische-impedanzanalyse/">Bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA)</a> als weitere Diagnostik zur Bestätigung der Sarkopenie [1] sowie von den ESPEN Guidelines als Diagnostik und Monitoring bei Mangelernährung und bei Patienten mit Ernährung über PEG-Sonden [2, 3] klar empfohlen. Hierbei lässt sich die Körperzusammensetzung bestimmen, insbesondere die Muskelmasse und das Körperwasser bzw. dessen (intra- und extrazelluläre) Verteilung.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die durchgeführte BIA wurde im Liegen durchgeführt, die Gewichtsmessung erfolgte mit einer Sitzwaage. Das Gewicht lag bei 48,9 kg bei einer Körpergröße von 163 cm, der BMI somit bei 18,3 kg/m². Die errechnete Skelettmuskelmasse lag gesamt bei 8,9 kg, was lediglich 18 % des Körpergewichts ausmachte. Eine Sarkopenie war somit bestätigt. Die tägliche Flüssigkeitszufuhr lag bei 3,5 l – womöglich durch eine übermäßige Flüssigkeitsgabe durch den Pflegedienst und dem nicht berücksichtigten Wasseranteil bei der zugeführten Sondennahrung – bei einer bestehenden Niereninsuffizienz Grad 2 – 3 und einem in der BIA-Messung sichtbar deutlich erhöhten Anteil an extrazellulärem Wasser.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Therapie</b></h2>
<p>Als Ergebnis der Messung wurden folgende Maßnahmen (targeted nutrition &amp; Physiotherapie) in Absprache mit dem Patienten und seinen Angehörigen ergriffen:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Aufgrund der massiven Diarrhoen erfolgte zunächst die Umstellung von Fresubin auf eine normalkalorische Sondenkost (Fa. Hipp) sowie eine Reduktion der Flüssigkeitszufuhr auf ca. 2,5 l pro Tag unter Berücksichtigung des Wasseranteils in der Sondenkost. Da sich die Diarrhoen unter dieser Kost zurückbildeten, stellten wir den Patienten bei sehr guter Verträglichkeit langsam auf hochkalorische Sondenkost derselben Firma um. Parallel wurde dem Patienten ein Eiweißpräparat (INSUMED Bestform) über die PEG verabreicht. Anfangs 20 g pro Tag in aufgeteilten Einzelgaben zur Sondenkost, mit Steigerung bei guter bis sehr guter Verträglichkeit auf 40 g pro Tag. Die zusätzliche Proteingabe war aufgrund der Schwere der Erkrankung, des Untergewichts und der bestehenden Sarkopenie zusätzlich angezeigt, da in solchen Fällen der Gesamtbedarf an Protein von bis zu 2,0 g /kg Körpergewicht / Tag empfohlen wird [4]. Bei diesem Patienten wären das knapp 100 g proTag allein für das bestehende Gewicht. Da jedoch eine Gewichts- bzw. Muskelzunahme angestrebt werden musste, wurde dementsprechend mit einem Zielgewicht deutlich über dem derzeitigen Körpergewicht von 48,9 kg gerechnet, jedoch mit o. g. Steigerung der Zugabe. Das zusätzliche Protein wurde außerdem zur Unterstützung der begonnenen Physiotherapie benötigt. Allerdings musste bei bestehender Niereninsuffizienz eine engmaschige Laborkontrolle durchgeführt werden, obwohl eine Proteingabe bei dieser Erkrankung nicht grundsätzlich ausgeschlossen ist [5]. Einer größeren Bedeutung sollte hierbei einerseits der Aminosäure L-Leucin beikommen, die besonders wichtig für die Aktivierung von mTOR und somit für die Proteinsynthese ist [6, 7]. Andererseits der Aminosäure L-Glutamin, welche eine wesentliche Energiequelle für Immun- und Darmzellen und insofern mitentscheidend für das Immunsystem und die Darmfunktion ist [8, 9]. Da die Muskulatur als großes Stoffwechselorgan gilt [10] und wesentlichen Einfluss auf das Immunsystem hat [11], sie bei diesem Patienten jedoch massiv reduziert war und er außerdem zuvor an einer Verdauungsstörung litt, nehmen die beiden genannten Aminosäuren eine zentrale Funktion ein. Letztlich sind alle anderen Aminosäuren nicht weniger bedeutsam für den Körper, weshalb für eine optimale Muskelversorgung idealerweise auf ein umfangreiches und ausgewogenes Aminosäureprofil geachtet werden sollte, was bestenfalls laborchemisch zuvor überprüft wird.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Nach sechs Wochen wurde zur Kon­trolle erneut eine BIA-Messung durchgeführt. Hierbei zeigten sich bereits verbesserte Werte. Der Patient hatte ca. 4 kg Gewicht zugenommen, davon 1,1 kg Muskelmasse und der Gesamtkörperwasseranteil hatte sich reduziert. Der Physiotherapeut konnte bei der wöchentlichen Therapie subjektiv einen Kraftzuwachs sowie eine verbesserte Funktionalität der Muskulatur feststellen. Die Sarkopenie wurde langsam rückläufig. Die Physiotherapie bestand anfänglich aus regelmäßigem Durchbewegen und Detonisieren der Muskulatur, um die Kontrakturen zu verbessern und neuen Kontrakturen vorzubeugen. Zusätzlich wurden Bewegungserfahrungen aus der Vergangenheit des Patienten vor der Erkrankung erarbeitet und mit explosiven Bewegungserfahrungen gepaart und angeleitet. Jede Bewegung wurde schneller ausgeführt. Ziel war es, den Rhythmus einer Beugung in den Armen und Beinen zu verdoppeln. Bei den Armen, die stark kontrahiert waren und denen die Bewe­gungen schwerfielen, wurden 12 Wiederholungen als Ziel durchgeführt. Sobald die Bewegungen kräftiger und die Gelenke beweglicher wurden, galt es, 50 – 100 Wiederholungen zu bewältigen. Nach sechs Monaten hatte der Patient dieses Ziel erreicht. Zusätzlich wurden Propriozeptionstraining und exzentrische Belastungen durchgeführt, die ebenfalls zu einer Verbesserung der Kraft und Beweglichkeit des Patienten führten. <span class="Apple-converted-space">   </span></p>
<h2><b>Ergebnis</b></h2>
<p>Die Eiweißgabe über die PEG erfolgte über 12 Monate ohne jegliche Komplikationen und wurde vom Patienten sehr gut toleriert. Die hoch- und normalkalorische Kostform konnte nach 10 Monaten abgesetzt werden, da der Patient wieder in der Lage war, selbständig Nahrung und Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Nach weiteren 5 Monaten zusätzlicher Eiweißgabe und dreimaliger Physiotherapie pro Woche hat er eine Gewichtszunahme von ca. 14 kg erreicht. Der BMI liegt bei 23,2 kg/m². Die errechnete Muskelmasse konnte im selben Beobachtungs- und Messzeitraum um ca. 4 kg gesteigert werden. Vor allem die Spastiken in den Händen und Beinen haben sich deutlich gebessert. Unter regelmäßigen Laborkontrollen – insb. der Nieren- und Eiweißwerte – zeigen sich bis heute keine Auffälligkeiten, der Sarkopenie und dem Untergewicht konnte somit erfolgreich entgegengetreten werden. Festzuhalten bleibt, dass die zusätzliche Eiweißgabe über eine PEG in dem vorliegenden Fall gut funktionierte, keinerlei Komplikationen darstellte und in Kombination mit hochkalorischer/normalkalorischer Kost zu einer deutlichen Besserung des Untergewichts und der Sarkopenie geführt hat. Die dreimal wöchentlich durch­geführte Physiotherapie trug maßgeblich zum Muskelaufbau und dem Abbau der Spastiken bei. Die Eiweißgabe wird aktuell mit 20 g pro Tag als Erhaltungsdosis fortgeführt, um die Muskelmasse unterstützend weiter aufzubauen bzw. zu erhalten. Eine BIA wird alle vier ­Wochen in Kombination mit Laborkontrollen insb. der Nierenwerte, des Serum­albumins und des Transthyretins durchgeführt. Alle acht Wochen werden die oben beschriebenen Aminosäuren laborchemisch kontrolliert. Auch hier zeigten sich deutliche Verbesserungen nach Gabe der Protein-Nahrungsergänzung. Nach also nunmehr 17 Monaten intensiver Therapie und Eiweißgabe hat der Patient ungefähr sein Gewicht von ca. 63 kg von vor der Erkrankung wieder erreicht.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Auch schwerkranke, bettlägerige, sarkopenische und mit einer PEG-Sonde versorgte Patienten profitieren von einer zusätzlichen Eiweißgabe in Kombination mit einer intensiven Physiotherapie. Die Versorgung mit zusätzlichem, hochwertigem Eiweiß über eine PEG-Sonde stellt grundsätzlich kein Ausschlusskriterium dar, sofern der Patient engmaschig kontrolliert wird. <span class="Apple-converted-space">     </span></p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Schaupp, A., et al. Diagnostisches und therapeutisches Vorgehen bei Sarkopenie. <em>Z Gerontol Geriat</em><em>.</em> 54, 717–724 (2021).</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Cederholm T., et al. GLIM criteria for the diagnosis of malnutritione A consensus report from the global clinical nutrition community. <em>Clinical Nutrition</em> (2018).</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Bischoff, S.C., et al. ESPEN practical guideline: Home enteral nutrition. <em>Clinical Nutrition</em> (2022).</p>
<p>[4] Bauer, J., et al. Evidence-Based Recommendations for Optimal Dietary Protein Intake in Older People: A Position Paper From the PROT-AGE Study Group. <em>Journal of the American Medical Directors Association</em>(2013).</p>
<p>[5] Carballo-Casla, A., et al. Protein Intake and Mortality in Older Adults With Chronic Kidney Disease. <em>JAMA Network Open. </em>7;(8):e2426577 (2024).</p>
<p>[6] Layne, N. &amp; Donald, L. Leucine Regulates Translation Initiation of Protein Synthesis in Skeletal Muscle after Exercise. <em>The Journal of Nutrition. </em>136(2), 533-537 (2006).</p>
<p>[7] Bauer, M., et al. Effects of a vitamin D and leucine-enriched whey protein nutritional supplement on measures of sarcopenia in older adults, the PROVIDE study: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. <em>Journal of the American Medical Directors Associatio. </em>16(9), 740-7 (2015).</p>
<p>[8] Li, P., et al. Amino acids and immune function. <em>British Journal of Nutrition. </em>98(2), 237-252 (2007).</p>
<p>[9] RadhaKrishna, R. &amp; Samak, G. Role of Glutamine in Protection of Intestinal Epithelial Tight Junctions. <em>Journal of Epithelial Biology &amp; Pharmacology.</em> 5, 47-54 (2011).</p>
<p style="font-weight: 400;">[10] Severinsen, M.C.K. &amp; Pedersen, B.K. Muscle–Organ Crosstalk: The Emerging Roles of Myokines. <em>Endocrine Reviews.</em> 42(1), 97-99 (2021).</p>
<p>[11] Severinsen, M.C.K. &amp; Pedersen, B.K. Muscle-Organ Crosstalk: Focus on Immunometabolism. <em>Frontiers in Physiology. Striated Muscle Physiology. </em>11-20 (2020).</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hochtontherapie</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22659/hochtontherapie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Univ.-Prof. Dr. phil. habil. Kuno Hottenrott,&nbsp;Christoph Werner&nbsp;,&nbsp;Prof. Dr. Dr. med. Hans-Herbert Vater]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 08:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22659</guid>

					<description><![CDATA[Ein ausgewogenes Verhältnis von Belastung und Erholung ist entscheidend für Leistungssteigerungen im Sport. Eine effiziente Regeneration ermöglicht kontinuierlichen Fortschritt und beugt anhaltender Müdigkeit, Leistungsabfall sowie erhöhter Infektanfälligkeit vor. Eine gezielte [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Ein ausgewogenes Verhältnis von Belastung und Erholung </b><b>ist entscheidend für Leistungssteigerungen im Sport. Eine effiziente Regeneration ermöglicht kontinuierlichen Fortschritt und beugt anhaltender Müdigkeit, Leistungsabfall sowie erhöhter Infektanfälligkeit vor. Eine gezielte Optimierung der Regeneration kann die Erholungsprozesse beschleunigen, wodurch eine höhere Trainingsfrequenz und ein gesteigerter Gesamt­trainingsreiz realisierbar werden, was langfristig die Leistungsentwicklung verbessert.</b></p>
<p>Die Hochtontherapie ist eine spezielle Form der Elektrotherapie, bei der die Amplitude (Stromintensität) und die Frequenz (zwischen 4.096 und 32.768 Hertz) gleichzeitig moduliert werden. Je höher die Frequenz, desto mehr Energie kann entsprechend der individuellen Schwellenkurve der Stromempfindung des Patienten eingeschleust werden. Sie ist seit Jahren im klinischen Kontext etabliert und zeigt nachweislich positive Effekte, insbesondere bei degenerativen Erkrankungen wie Polyneuropathien [6, 7]. Weitere Wirksamkeitsnachweise liegen u. a. für das Tarsaltunnelsyndrom [2], zirkulatorische Enzephalopathien [8] sowie posttraumatische Belastungsstörungen und traumatische Hirnverletzungen vor [1]. Im sportwissenschaftlichen Kontext deuten erste Studien darauf hin, dass eine mehrwöchige Anwendung der Hochtontherapie nach intensiven Kraftbelastungen zu signifikanten Verbesserungen der Maximalkraft und Kraftausdauer führt [4, 5]. Ob sich diese Effekte auch auf die Ausdauerleistungsfähigkeit übertragen lassen, ist Gegenstand der vorliegenden Untersuchung.</p>
<h2><b>Studiendesign und Probandenkollektiv</b></h2>
<p>Es wurde ein randomisiertes Prä-Post-Design mit intraindividuellem Vergleich (Within-Subject-Design; Armseite: therapiert vs. nicht therapiert) durchgeführt. An der achtwöchigen Interventionsstudie nahmen drei Frauen (Alter: 30,7 ± 16,0 Jahre; BMI: 22,4 ± 0,8 kg / m²) und sieben Männer (Alter: 31,3 ± 8,2 Jahre; BMI: 22,0 ± 2,8 kg/m²) der deutschen Rollstuhlrugby-Nationalmannschaft teil. Die Ausdauerleistungsfähigkeit wurde unilateral auf einem Handkurbelergometer mittels eines standardisierten Stufentests ermittelt (Startleistung: 10 W; Steigerung um 10 W alle 2 Minuten bis zur Ausbelastung). Vor und nach jeder Belastungsstufe wurden die Laktat- und Glukosekonzentration aus kapillarem Ohrblut mittels ampero­metrischer Analyse sowie der Blutdruck bestimmt; die Herzfrequenz wurde kontinuierlich mittels Brustgurt und EKG aufgezeichnet (Abb. 1). Die Reihenfolge der Testung von rechtem und linkem Arm wurde randomisiert, sodass jeweils fünf Probanden zunächst mit dem rechten beziehungsweise linken Arm getestet wurden. Zwischen den beiden Prätestungen wurde eine einstündige passive Pause eingehalten. Nach acht Wochen wurden die Untersuchungen unter identischen Bedingungen wiederholt; die Testungen erfolgten zur gleichen Tageszeit und in der gleichen Reihenfolge wie im Prätest.</p>
<figure id="attachment_22667" aria-describedby="caption-attachment-22667" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22667" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-1024x803.jpg" alt="" width="755" height="592" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-1024x803.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-300x235.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-768x602.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-150x118.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-450x353.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-1200x941.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22667" class="wp-caption-text">Abb. 1 Unilateraler Armkurbeltest bei einem Probanden</figcaption></figure>
<h2><b>Intervention</b></h2>
<p>Die Hochtonbehandlung erfolgte mit dem HiToP® 1touch Therapiegerät unter Verwendung von Frequenzen im Bereich von 4.096 bis 32.768 Hz und wurde über das Programm SimulFAMi gesteuert. Unmittelbar nach dem Prätest wurden die Teilnehmenden durch geschultes Fachpersonal in die Durchführung der Behandlung sowie in das Anlegen der Kontaktpads mittels elastischer Bandagen eingewiesen (Abb. 2). Die zu behandelnde obere Extremität wurde randomisiert zugewiesen, wobei jeweils fünf Probanden den rechten und fünf den linken Arm behandelten. Die Anwendung erfolgte eigenständig und sollte möglichst täglich für 60 Minuten durchgeführt werden. Jedem Probanden wurde für die gesamte Dauer des Interventionszeitraums ein Therapiegerät zur Verfügung gestellt. Die einzelnen Therapiezeiten wurden im Gerät gespeichert.</p>
<figure id="attachment_22666" aria-describedby="caption-attachment-22666" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22666" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-1024x687.jpg" alt="" width="755" height="507" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-1024x687.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-300x201.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-768x516.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-150x101.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-450x302.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-1200x806.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22666" class="wp-caption-text">Abb. 2 Hochtontherapiegerät (HiToP) und Fixation des unteren Kontaktpads mittels elastischer Bandage am Unterarm. Das zweite Kontaktpad wurde am Oberarm / Schultergürtel befestigt.</figcaption></figure>
<h2><b>Datenauswertung und statistische Analyse</b></h2>
<p>Die statistische Auswertung erfolgte mit IBM SPSS Statistics (Version 24). Als primärer Endpunkt wurden die maximal erreichten Wattminuten definiert. Herzfrequenz-, Laktat-, Glukose- und Blutdruckwerte wurden als sekundäre Endpunkte analysiert. Zur Überprüfung von Veränderungen wurde eine zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung (2 × 2) durchgeführt, mit den beiden Within-Subject-Faktoren Zeit (Prä vs. Post) und Armseite (therapiert vs. nicht therapiert). Die Normalverteilung der Differenzwerte wurde mittels Shapiro-Wilk-Test überprüft. Aufgrund von jeweils zwei Ausprägungen pro Faktor war die Voraussetzung der Sphärizität erfüllt. Bei signifikanten Interaktionseffekten wurden Post-hoc-Analysen mittels gepaarter t-Tests durchgeführt. Ergänzend wurde zur Robustheitsprüfung ein Wilcoxon-Vorzeichen-Rangtest für die Prä-Post-Vergleiche innerhalb der Armseiten herangezogen. Das Signifikanzniveau wurde auf p &lt; 0,05 festgelegt. Effektstärken wurden als partielles Eta-Quadrat (η²<sub>p</sub>) für die Varianzanalyse sowie als Cohen’s d für abhängige Stichproben für paarweise Vergleiche berechnet.</p>
<h2><b>Ergebnisse</b></h2>
<p>Ein Teilnehmer musste aufgrund einer Verletzung die Intervention abbrechen; zudem konnte eine Spielerin im Posttest nur submaximal belastet werden. Damit wurden acht Personen, sechs Spieler und zwei Spielerinnen, für die Auswertung erfasst. Die Auswertung der im Programm SimulFAMi gespeicherten Nutzungsdaten ergab eine mittlere tägliche unilaterale Anwendungszeit von 36,5 ± 16,3 Minuten. Die im Stufentest erreichte Arbeit in Wattminuten nahm nach der trainingsbegleitenden Hochtontherapie auf der therapierten Armseite im Mittel um 77,2 W·min und auf der nicht therapierten Armseite um 21,1 W·min zu (siehe Abb. 3).</p>
<figure id="attachment_22665" aria-describedby="caption-attachment-22665" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22665" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-1024x604.jpg" alt="" width="755" height="445" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-1024x604.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-300x177.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-768x453.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-150x89.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-450x266.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-1200x708.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22665" class="wp-caption-text">Abb. 3 Erreichte mittlere Wattminuten beim Handkurbel­ergometertest vom Interventionsarm und Kontrollarm (N = 8)</figcaption></figure>
<p>Varianzanalyse und Effektstärkenberechnung ergaben eine signifikante Interaktion zwischen Zeit und Armseite F(1,7) = 7,78, p = 0,014, η²<sub>p</sub> = 0,36. Dies weist darauf hin, dass sich die Veränderung über die Zeit zwischen Interventions- und Kontrollarmseite bei einem großen Interaktionseffekt signifikant unterscheidet. Post-hoc-Analysen ergaben, dass die Leistungssteigerung auf der therapierten Armseite signifikant war (p = 0,01, 95 %-Konfidenzintervall 22,4 bis 131,8 W·min). Auch unter nichtparametrischen Annahmen ist das Ergebnis signifikant (Wilcoxon-Vorzeichen-Rangtest: p = 0,008). Im Kontrollarm gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Prä- und Postmessung (p = 0,25). Für Herzfrequenz-, Laktat-, Glukose- und Blutdruckwerte zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen dem therapierten und dem nicht therapierten Arm.</p>
<figure id="attachment_22664" aria-describedby="caption-attachment-22664" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22664" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-1024x913.jpg" alt="" width="755" height="673" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-1024x913.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-300x268.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-768x685.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-150x134.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-450x401.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-1200x1070.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22664" class="wp-caption-text">Im Stufentest erreichte Wattminuten im Prä-Post-Vergleich von der Interventionsarmseite und Kontrollarmseite</figcaption></figure>
<h2><b>Diskussion</b></h2>
<p>Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass eine trainingsbegleitende Anwendung der Hochtontherapie zu einer signifikant größeren Verbesserung der Ausdauerleistungs-fähigkeit auf der therapierten im Vergleich zur nicht therapierten Armseite führte. Der beobachtete Interaktionseffekt war groß (η²<sub>p </sub>= 0,36), was auf eine substanzielle praktische Relevanz hinweist. Dies spricht für die Unterstützung regenerativer Prozesse durch die Hochtontherapie mit schnellerer Adaptation. Dies kann u. a. auf eine verbesserte Mikrozirkulation, eine beschleunigte metabolische Clearance oder neuromuskuläre Effekte zurückzuführen sein, wie sie auch aus Studien im Kraftbereich beschrieben werden. Im Gegensatz zur Leistungssteigerung zeigten sich keine signifikanten Veränderungen in den physiologischen Parametern Herzfrequenz, Laktat, Glukose oder Blutdruck. Dies deutet darauf hin, dass die beobachteten Leistungssteigerungen nicht primär durch Veränderungen kardiovaskulärer oder metabolischer Adaptationen erklärbar sind, sondern möglicherweise auf periphere oder neuromuskuläre Anpassungen zurückzuführen sind. Die Ergebnisse stehen im Einklang mit Untersuchungen im Krafttraining [3 – 5], erweitern diese jedoch erstmals auf den Bereich der Ausdauerleistungsfähigkeit.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Zusammenfassend deutet die vorliegende Studie darauf hin, dass die trainingsbegleitende Anwendung der Hochtontherapie die Ausdauerleistungs­fähig-<br />
keit signifikant verbessern kann. Der große Interaktionseffekt spricht für eine relevante unterstützende Wirkung auf trainingsinduzierte Anpassungsprozesse. Weitere Studien mit größeren Stichproben sind erforderlich, um die Wirksamkeit und die zugrunde liegenden Mechanismen für die Leistungseffekte weiter zu klären.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol>
<li>Babov, K. D., Zabolotna, I. B., Plakida, A., Volyanska, V. S., Babova, I. K., Gushcha, S., &amp; Kolker, I. A. (2022). The effectiveness of high-tone therapy in the complex rehabilitation of servicemen with post-traumatic stress disorder complicated by traumatic brain injury. Neurological Sciences, 44(3), 1039–1048.</li>
<li>Dawah RM, Seddik F, &amp; Grase MO. The effect of high tone external muscle stimulation on polyneuropathy: a systematic review and meta-analysis. Health, Sport, Rehabilitation. 2023;10(2).</li>
<li>Hauger A, Reiman M, Bjordal J, Sheets C, Ledbetter L, &amp; Goode A. (2018. Neuromuscular electrical stimulation is effective in strengthening the quadriceps muscle after anterior cruciate ligament surgery. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 26, 399–410.</li>
<li>Engelmann, M. (2025). Einfluss der Hochtontherapie auf die Muskelkraft und Kraftausdauer im Rahmen eines Trizeps-Trainingsprogramms. Unveröffentlichte Masterarbeit. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.</li>
<li>Hottenrott, K. Schmetzer, F., &amp; Möhle, M. (2024). Validierung der Hochtontherapie zur Steigerung von Maximalkraft und Kraftausdauer. Leistungssport 54 (2), 28-32.</li>
<li>Humpert, P. M., Rudofsky, G., Morcos, M., Bierhaus, A., &amp; Nawroth, P. P. (2006). Hochfrequente Muskelstimulation zur Behandlung schmerzhafter Neuropathie bei Typ 2 Diabetikern verbessert die mikrovaskuläre Endothelzellfunktion. Diabetologie und Stoffwechsel, 1(S 1), A128.</li>
<li>Reichstein, L. (2005). Effektive Behandlung der symptomatischen diabetischen Polyneuropathie durch hochfrequente externe Muskelstimulation.</li>
<li>Shmakova IP &amp; Afanasyeva Ya S (2004) Application of high-tone therapy in rehabilitation of patients with dyscirculatory encephalopathies of the I – II stage. Int J Immunorehabil 6(1):178–179</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Immunmodulatorische und regenerative Therapieverfahren</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22630/immunmodulatorische-und-regenerative-therapieverfahren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Alexander-Stephan Henze,&nbsp;Dr. med. Glyn Hamed&nbsp;,&nbsp;Dr. med. Jana Wehling]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2026 08:00:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22630</guid>

					<description><![CDATA[Muskuloskelettale Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Schmerzen, Funktionsverlust und Einschränkungen der körperlichen Aktivität. Die auf Regeneration abzielende konservative Therapie basiert dabei in der Regel auf einem multimodalen Konzept [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Muskuloskelettale Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Schmerzen, Funktionsverlust und Einschränkungen der körperlichen Aktivität. Die auf Regeneration abzielende konservative Therapie basiert dabei in der Regel auf einem multimodalen Konzept aus Edukation und Belastungssteuerung, Bewegungstherapie, manuellen Behandlungsmethoden, physikalischer Therapie sowie nutrazeutischer und medikamentöser Verfahren.</b></p>
<p>Vor diesem Hintergrund haben biologisch und regenerativ orientierte Therapieverfahren in der Orthopädie und Sportmedizin in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Ziel dieser Verfahren ist die Modulation körpereigener Reparatur- und Adaptationsprozesse, insbesondere bei überlastungsbedingten, degenerativen oder chronisch-entzündlichen muskuloskelettalen Erkrankungen [1 – 6]. Zu den klinisch eingesetzten orthobiologischen Verfahren zählen unter anderem zellbasierte Therapieverfahren (z. B. Stammzellen), verschiedene Formen des plättchenreichen Plasmas (PRP) sowie autolog konditioniertes Serum (ACS) [7]. Trotz wachsender klinischer Anwendung bleibt die Evidenzlage vieler orthobiologischer Therapien heterogen. Unterschiede in Herstellungsprotokollen, Zusammensetzung der Präparate sowie Indikationsstellungen erschweren die Vergleichbarkeit zwischen Studien und Verfahren [1, 6]. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die biologischen Grundlagen von ACS, diskutiert mögliche Wirkmechanismen und ordnet das Verfahren im Kontext aktueller orthobiologischer Therapiekonzepte ein.</p>
<h2><b>Biologische Grundlagen regenerativer Therapieverfahren</b></h2>
<p>Gewebeheilung stellt einen komplex regulierten biologischen Prozess dar, der durch ein zeitlich abgestimmtes Zusammenspiel proinflammatorischer und antiinflammatorischer Mechanismen charakterisiert ist [8 – 10]. Neben ortsständigen Gewebezellen spielen Immunzellen – darunter neutrophile Granulozyten, Monozyten und Makrophagen – eine zentrale Rolle bei der Regulation von Entzündung, Reparatur und Remodelling [8, 10, 11]. Aktuelle immunologische Konzepte beschreiben Entzündungsauflösung nicht als passives Ab­klingen, sondern als aktiv gesteuerten biologischen Prozess [11, 12]. Dabei scheinen unterschiedliche Mediatoren, Zytokine, Lipidmediatoren sowie extrazelluläre Vesikel am Übergang von proinflammatorischen zu regenerativen Gewebezuständen beteiligt zu sein [8, 9, 12]. Vor diesem Hintergrund basiert die rationale Anwendung orthobiologischer Verfahren auf der Annahme, dass die gezielte Bereitstellung biologisch aktiver Mediatoren regenerative Prozesse modulieren kann.</p>
<h2><b>Autolog Konditioniertes Serum (ACS)</b></h2>
<p>PRP und ACS basieren beide auf autologen Blutprodukten, unterscheiden sich jedoch grundlegend hinsichtlich Herstellung, Zusammensetzung und biologischem Konzept. PRP enthält je nach Verfahren erhöhte Konzentrationen an Thrombozyten und – abhängig vom Präparat – unterschiedlich hohe Leukozytenanteile. Die postulierten Effekte werden überwiegend mit der Freisetzung thrombozytärer Wachstumsfaktoren in Verbindung gebracht [13]. ACS wird ebenso aus autologem, venösen Vollblut gewonnen. Abhängig vom verwendeten System kommt es zu unterschiedlicher Prozessierung [14 – 16]. Das resultierende Präparat enthält je nach System ein zellarmes bis weitgehend zellfreies Sekretom mit unterschiedlichen Zytokinen, Wachstumsfaktoren und weiteren bioaktiven Molekülen [7, 14 – 16].</p>
<p>Die genaue Zusammensetzung von ACS wird maßgeblich beeinflusst durch<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<ul>
<li>die eingesetzten Geräte</li>
<li>die Inkubation, die Inkubationsdauer und -bedingungen</li>
<li>Zentrifugations- &amp; Herstellungsprotokolle</li>
</ul>
<p>Aufgrund der Heterogenität der eingesetzten ACS-Verfahren und Herstellungsprotokolle sind die resultierenden Produkte nicht als äquivalent anzusehen [6]. Experimentelle Untersuchungen weisen darauf hin, dass ACS nach ausreichender Inkubation des Vollblutes neben klassischen Wachstumsfaktoren auch immunmodulatorische Media­toren und möglicherweise exosomale Bestandteile enthalten [7, 14, 16, 18], welche maßgeblich an der Gewebe­regeneration beteiligt sind. Die funktionelle Bedeutung einzelner Komponenten für klinische Effekte ist derzeit jedoch noch nicht vollständig geklärt. Einzelne Studien berichten über positive Effekte orthobiologischer Verfahren auf Schmerz und Funktion und weisen teils auf eine mögliche Überlegenheit gegenüber etablierten Standardtherapien wie intraartikulären Kortikosteroid- oder Hyaluronsäure-Injektionen hin. Die Aussagekraft dieser Ergebnisse ist jedoch durch die ausgeprägte Heterogenität der verfügbaren Daten limitiert: Unterschiedliche Präparate, variable Herstellungs- und Aufbereitungsprotokolle sowie heterogene Studienpopulationen erschweren eine direkte Vergleichbarkeit der Ergebnisse [7, 14, 16]. Eine generelle oder verfahrensübergreifende Überlegenheit einzelner orthobiologischer Therapien gegenüber anderen biologischen Therapieansätzen oder etablierten Standardtherapien lässt sich daraus derzeit nicht abschließend ableiten. Für die klinische Bewertung ist daher eine differenzierte Betrachtung der jeweiligen Therapieklasse einschließlich Präparatcharakteristika, Herstellungsprotokoll, Applikationsschema und konkreter Indikationsstellung wesentlich.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Orthobiologische Verfahren stellen einen zunehmend eingesetzten Baustein innerhalb multimodaler konservativer oder auch perioperativer Therapiekonzepte muskuloskelettaler Erkrankungen dar. ACS gehört hierbei zu den Verfahren, die auf einer biologischen Modulation inflammatorischer und regenerativer Prozesse basieren. Die bisherige Evidenz deutet auf klinische Effekte bei ausgewählten Indikationen hin. Die Bewertung von Orthobiologika wird durch ihre teils ausgeprägte Heterogenität erschwert. Herstellungsprotokolle, Aufbereitungssysteme und Präparatzusammensetzungen unterscheiden sich zum Teil erheblich, sodass Studienergebnisse und Verfahren nur eingeschränkt vergleichbar sind. Je nach Produktgruppe ist dieses Problem unterschiedlich stark ausgeprägt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Weitere stand­ardisierte klinische Untersuchungen werden erforderlich sein, um Indikationen, optimale Anwendungsprotokolle und den Stellenwert von ACS innerhalb konservativer Therapiestrategien besser definieren zu können.</p>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li style="font-weight: 400;">Knapik DM, Evuarherhe A Jr, Frank RM, Steinwachs M, Rodeo S, Mumme M, Cole BJ. Nonoperative and Operative Soft-Tissue and Cartilage Regeneration and Orthopaedic Biologics of the Knee: An Orthoregeneration Network (ON) Foundation Review. Arthroscopy. 2021 Aug;37(8):2704-2721. doi: 10.1016/j.arthro.2021.04.002. Epub 2021 Jun 24. PMID: 34353568.</li>
<li style="font-weight: 400;">Condron NB, Kester BS, Tokish JM, Zumstein MA, Gobezie R, Scheibel M, Cole BJ. Nonoperative and Operative Soft-Tissue, Cartilage, and Bony Regeneration and Orthopaedic Biologics of the Shoulder: An Orthoregeneration Network (ON) Foundation Review. Arthroscopy. 2021 Oct;37(10):3200-3218. doi: 10.1016/j.arthro.2021.06.033. Epub 2021 Jul 20. PMID: 34293441.</li>
<li style="font-weight: 400;">Danilkowicz R, Murawski C, Pellegrini M, Walther M, Valderrabano V, Angthong C, Adams S. Nonoperative and Operative Soft-Tissue and Cartilage Regeneration and Orthopaedic Biologics of the Foot and Ankle: An Orthoregeneration Network Foundation Review. Arthroscopy. 2022 Jul;38(7):2350-2358. doi: 10.1016/j.arthro.2022.04.018. Epub 2022 May 21. PMID: 35605840.</li>
<li style="font-weight: 400;">Su CA, Jildeh TR, Vopat ML, Waltz RA, Millett PJ, Provencher MT, Philippon MJ, Huard J. Current State of Platelet-Rich Plasma and Cell-Based Therapies for the Treatment of Osteoarthritis and Tendon and Ligament Injuries. J Bone Joint Surg Am. 2022 Aug 3;104(15):1406-1414. doi: 10.2106/JBJS.21.01112. Epub 2022 Mar 24. PMID: 35867717.</li>
<li style="font-weight: 400;">Lazzaretti Fernandes T, Taraballi F, Shao Z, Roessler PP, Cardona-Ramírez S. Nonoperative and Operative Soft-Tissue, Cartilage, and Bony Regeneration and Orthopaedic Biologics of the Elbow and Upper Extremity: An Orthoregeneration Network Foundation Review. Arthroscopy. 2024 Dec;40(12):2897-2909. doi: 10.1016/j.arthro.2024.04.022. Epub 2024 May 7. PMID: 38723874.</li>
<li style="font-weight: 400;">Mavrogenis AF, Karampikas V, Zikopoulos A, Sioutis S, Mastrokalos D, Koulalis D, Scarlat MM, Hernigou P. Orthobiologics: a review. Int Orthop. 2023 Jul;47(7):1645-1662. doi: 10.1007/s00264-023-05803-z. Epub 2023 Apr 18. PMID: 37071148.</li>
<li style="font-weight: 400;">Shirokova L, Noskov S, Gorokhova V, Reinecke J, Shirokova K. Intra-Articular Injections of a Whole Blood Clot Secretome, Autologous Conditioned Serum, Have Superior Clinical and Biochemical Efficacy Over Platelet-Rich Plasma and Induce Rejuvenation-Associated Changes of Joint Metabolism: A Prospective, Controlled Open-Label Clinical Study in Chronic Knee Osteoarthritis. Rejuvenation Res. 2020 Oct;23(5):401-410. doi: 10.1089/rej.2019.2263. Epub 2020 Feb 10. PMID: 31847701.</li>
<li style="font-weight: 400;">Choi B, Lee C, Yu JW. Distinctive role of inflammation in tissue repair and regeneration. Arch Pharm Res. 2023 Feb;46(2):78-89. doi: 10.1007/s12272-023-01428-3. Epub 2023 Jan 31. PMID: 36719600.</li>
<li style="font-weight: 400;">Cooke JP, Lai L. Transflammation in tissue regeneration and response to injury: How cell-autonomous inflammatory signaling mediates cell plasticity. Adv Drug Deliv Rev. 2023 Dec;203:115118. doi: 10.1016/j.addr.2023.115118. Epub 2023 Oct 25. PMID: 37884127; PMCID: PMC10842620.</li>
<li style="font-weight: 400;">Caballero-Sánchez N, Alonso-Alonso S, Nagy L. Regenerative inflammation: When immune cells help to re-build tissues. FEBS J. 2024 Apr;291(8):1597-1614. doi: 10.1111/febs.16693. Epub 2022 Dec 15. PMID: 36440547; PMCID: PMC10225019.</li>
<li style="font-weight: 400;">Chazaud B. Inflammation and Skeletal Muscle Regeneration: Leave It to the Macrophages! Trends Immunol. 2020 Jun;41(6):481-492. doi: 10.1016/j.it.2020.04.006. Epub 2020 Apr 30. PMID: 32362490.</li>
<li style="font-weight: 400;">Blaudez F, Ivanovski S, Fournier B, Vaquette C. The utilisation of resolvins in medicine and tissue engineering. Acta Biomater. 2022 Mar 1;140:116-135. doi: 10.1016/j.actbio.2021.11.047. Epub 2021 Dec 5. PMID: 34875358.</li>
<li style="font-weight: 400;">Sheean AJ, Anz AW, Bradley JP. Platelet-Rich Plasma: Fundamentals and Clinical Applications. Arthroscopy. 2021 Sep;37(9):2732-2734. doi: 10.1016/j.arthro.2021.07.003. PMID: 34481615.</li>
<li style="font-weight: 400;">Frizziero A, Giannotti E, Oliva F, Masiero S, Maffulli N. Autologous conditioned serum for the treatment of osteoarthritis and other possible applications in musculoskeletal disorders. Br Med Bull. 2013;105:169-84. doi: 10.1093/bmb/lds016. Epub 2012 Jul 4. PMID: 22763153.</li>
<li style="font-weight: 400;">Evans CH, Chevalier X, Wehling P. Autologous Conditioned Serum. Phys Med Rehabil Clin N Am. 2016 Nov;27(4):893-908. doi: 10.1016/j.pmr.2016.06.003. PMID: 27788906.</li>
<li style="font-weight: 400;">Shakouri SK, Dolati S, Santhakumar J, Thakor AS, Yarani R. Autologous conditioned serum for degenerative diseases and prospects. Growth Factors. 2021 Feb-Jul;39(1-6):59-70. doi: 10.1080/08977194.2021.2012467. Epub 2021 Dec 9. PMID: 34886733.</li>
<li style="font-weight: 400;">Baselga García-Escudero J, Miguel Hernández Trillos P. Treatment of Osteoarthritis of the Knee with a Combination of Autologous Conditioned Serum and Physiotherapy: A Two-Year Observational Study. PLoS One. 2015 Dec 28;10(12):e0145551. doi: 10.1371/journal.pone.0145551. PMID: 26709697; PMCID: PMC4692499.</li>
<li style="font-weight: 400;">Buchheit T, Huh Y, Breglio A, Bang S, Xu J, Matsuoka Y, Guo R, Bortsov A, Reinecke J, Wehling P, Jun Huang T, Ji RR. Intrathecal administration of conditioned serum from different species resolves Chemotherapy-Induced neuropathic pain in mice via secretory exosomes. Brain Behav Immun. 2023 Jul;111:298-311. doi: 10.1016/j.bbi.2023.04.013. Epub 2023 May 5. PMID: 37150265; PMCID: PMC10363329.</li>
</ol>
<p>&nbsp;</p>
<p>Siehe hierzu auch &#8222;Industry Perspective &#8211; Biologische Performance und Integration in die Praxis&#8220;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Orthogen®-ACS: Biologische Performance und Integration in die Praxis</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22636/orthogen-acs-biologische-performance-und-integration-in-die-praxis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Glyn Hamed&nbsp;,&nbsp;Dr. med. Jana Wehling]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2026 07:59:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22636</guid>

					<description><![CDATA[Orthobiologische Verfahren unterscheiden sich erheblich in Herstellung, biologischer Zusammensetzung und Evidenzlage. Eine differenzierte klinische, biologische und evidenzbasierte Bewertung ist daher essenziell. Dieser Beitrag stellt mit dem Orthogen® Device ein kommerziell [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Orthobiologische Verfahren unterscheiden sich erheblich in Herstellung, biologischer Zusammensetzung und Evidenzlage. Eine differenzierte klinische, biologische und evidenzbasierte Bewertung ist daher essenziell. Dieser Beitrag stellt mit dem Orthogen<sup>®</sup> Device ein kommerziell verfügbares System zur Aufarbeitung von Orthogen<sup>®</sup>-ACS vor und beleuchtet das Sekretomprofil sowie technische, produktspezifische Aspekte. Die methodische Heterogenität der PRP-Literatur ist nicht ohne Weiteres auf ACS übertragbar, da die klinische Evidenz zu ACS überwiegend mit definierten Orthogen-Protokollen und Devices generiert wurde. Die Einordnung solltedeshalb produkt-, protokoll- und evidenzspezifisch erfolgen.</b></p>
<p>Generell werden Zusammensetzung und biologisches Wirkprofil orthobiologischer Therapien maßgeblich durch Herstellungsprotokolle, sowie den verwendeten Devices determiniert. ACS wurde von der Firma Orthogen entwickelt, erforscht und fortlaufend optimiert. Es ist zu beachten, dass die im Folgenden dargestellten Aussagen ausschließlich auf das Orthogen®-ACS zutreffen, welches unter Verwendung des Orthogen® Device und dem entsprechenden Herstellungsprotokoll gewonnen wird. ACS ist ein aus Vollblut gewonnenes Sekretom mit hochaktiviertem biologischem Profil und einem breiten, differenzierten Mediatorspektrum, das sich gegenüber anderen biologischen Therapieverfahren durch seine Vielfalt und spezifische Konzentration charakterisieren lässt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Molekulare Biologie<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Für die Bewertung von Orthobiologika sind sowohl das Verständnis der Heilung als auch die biologischen Eigenschaften der Therapien von zentraler Bedeutung [1]. Heilung ist ein aktiv regulierter Prozess, unabhängig vom Gewebe. Im Zentrum steht eine kontrollierte Entzündungsreaktion (subklinisch), gesteuert durch das Zusammenspiel von einer Vielfalt an Immunzellen – unter anderem neutrophilen Granulozyten und Makrophagen – und deren Mediatoren. Ein kontrolliertes Gleichgewicht zwischen proinflammatorischen und pro-resolvierenden Signalen ermöglichen die Rückkehr in einen funktionellen, anti-inflammatorischen Zustand. Der Erfolg regenerativer Therapien hängt davon ab, diese Prozesse gezielt in Richtung Resolution und Gewebeausheilung zu steuern [2, 3].</p>
<p><i>Die biologische Wirkung von Orthogen®-ACS beruht nicht auf isolierten Faktoren, sondern auf dem koordinierten Zusammenspiel multipler bioaktiver Mediatoren entlang der Heilungskaskade.</i></p>
<p>Im Gegensatz zu Ansätzen, die primär einzelne Zelltypen oder Faktoren (z. B. Wachstumsfaktoren) fördern wollen, basiert die Behandlung mit ACS auf der Idee, das gesamte biologische Spektrum zu nutzen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Therapieerfolg steigt, wenn nicht einzelne Faktoren isoliert betrachtet werden, sondern die gesamte Heilungskaskade therapeutisch adressiert wird und dadurch ein Multi-target Ansatz verfolgt wird [4, 5] (Abb. 1).</p>
<p><figure id="attachment_22639" aria-describedby="caption-attachment-22639" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22639" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226-1024x562.jpg" alt="" width="755" height="414" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226-1024x562.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226-300x165.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226-768x421.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226-150x82.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226-450x247.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226-1200x658.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22639" class="wp-caption-text"><strong>Abb. 1 Mediatorengruppen in Orthogen®-ACS</strong> ACS ist gekennzeichnet durch ein vielfältiges Mediatorenprofil, das aus der Aktivierung von Vollblut – und damit aller Immunzellen – resultiert. Dieser Ansatz adressiert die Heilungskaskade systemisch und ermöglicht eine Multi-Target-Modulation zentraler Signalwege. Aktuelle wissenschaftliche Publikationen weisen darauf hin, dass insbesondere neutrophil-assoziierte Proteine sowie Exosomen eine wesentliche Rolle bei der Entzünduangsauflösung und Schmerzmodulation spielen [8, 9].</figcaption></figure>Zur Einordnung und Vergleich: PRP (Plättchenreiches Plasma) ist ein aus Vollblut gewonnenes Plasma-Konzentrat, das nach Zentrifugation einen konzentrierten Anteil an Thrombozyten enthält. Der Wirkmechanismus von PRP wird primär durch die Freisetzung throm­bozytärer Wachstumsfaktoren erklärt. Der Leukozytenanteil kann je nach Herstellungsverfahren deutlich variieren. Entsprechend entscheidet man zwischen leukozytenarmen (LP-PRP) und leukozytenreichem PRP (LR-PRP (7). Die therapeutischen Strategien von Orthobiologika basieren auf ähnlichen biologischen Prinzipien, unterscheiden sich jedoch neben dem Spektrum auch in der Bereitstellung der Mediatoren. Bei PRP werden Thrombozyten injiziert, die ihr Kargo an Wachstumsfaktoren erst im Zielgewebe freisetzen sollen (in vivo) – unter heterogenen, nicht kontrollierbaren Bedingungen. Bei ACS erfolgt die Freisetzung der Mediatoren bereits ex vivo im Spritzensystem unter standardisierten, kontrollierbaren Bedingungen. Es entsteht ein zellfreies Sekretom mit definiert freigesetzten Mediatoren, welches anschließend injiziert wird.</p>
<p><i>Die Wirksamkeit regenerativer Therapien wird zunehmend den Signalstoffen und einem vielfältigen Mediatorenspektrum zugeschrieben, weniger den Zellen selbst [6].</i></p>
<h2><b>Technische Anwendung und Handhabung<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Das Orthogen® Device ermöglicht die Durchführung von Blutentnahme, Aufbereitung und Zentrifugation in einem geschlossenen, vollautomatisierten System. Diese Eigenschaften gewährleisten einen reproduzierbaren, standardisierten Output und stellen damit einen entscheidenden Vorteil im Kontext der bereits bestehenden Patienten-asso­ziierten Variablen dar. Im Device ist ein Filter integriert, der zur Serum Separation dient und ferner potenzielle Verunreinigungen und Zellschrott eliminiert. Der Wegfall manueller, zeit­-<br />
intensiver Aufbereitung erleichtert die Integration in die Praxis (Abb. 2).</p>
<figure id="attachment_22643" aria-describedby="caption-attachment-22643" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22643" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling2_saez0226-1024x215.jpg" alt="" width="755" height="159" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling2_saez0226-1024x215.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling2_saez0226-300x63.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling2_saez0226-768x161.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling2_saez0226-150x32.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling2_saez0226-450x95.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling2_saez0226.jpg 1142w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22643" class="wp-caption-text"><strong>Abb. 2 Ablauf der Behandlung</strong><br />1. Blutabnahme mit dem Orthogen® Device 2. Konditionierung und  Inkubationsphase in validierter Umgebung: Freisetzung der Schlüsselmediatoren aus den Zellen 3. Automatisierte Aufarbeitung: in der Zentrifuge – ein integrierter Filter im Device ermöglicht die Serum Separation und dient gleichzeitig zur Eliminierung potenzieller Verunreinigungen oder Zellschrott 4. Entnahme der eingebauten Glas-Ampulle –<br />mit ACS gefüllt 5. Re-Injektion intra-artikulär, peri-tendinös, intra-muskulär, epidural möglich</figcaption></figure>
<p><i>Die biologische Aktivierung beruht auf einer kontrollierten, verlängerten Koagulationsphase, die durch die validierte Interaktion von Device, Prozessprotokoll und definierten Inkubationsbedingungen ermöglicht wird.</i></p>
<h2><b>Zusammenfassung</b></h2>
<p>Orthogen®-ACS stellt ein hochaktiviertes Sekretom mit ganzheitlichem Mediatorenspektrum dar und kann als Weiterentwicklung bestehender regenerativer Therapieansätze verstanden werden. Entscheidend ist das koordinierte Zusammenspiel zahlreicher bioaktiver Signalstoffe, die als funktionelles Netzwerk regenerative Prozesse steuern – vergleichbar mit einer eingespielten Fußballmannschaft. Im Sinne eines ganzheitlichen Therapiekonzepts lässt sich dieser Ansatz zudem sinnvoll mit physikalischen Maßnahmen (z. B. Stoßwellentherapie) kombinieren, um die Regeneration zusätzlich zu unterstützen. Neben den biologischen Eigenschaften sind Handhabung und Reproduzierbarkeit zentrale Erfolgsfaktoren orthobiologischer Behandlungen, wobei standardisierte, systemgestützte Verfahren hier besondere Vorteile bieten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol>
<li>Thornton, W., &amp; Glyn-Jones, S. (2024). The use of biologic treatments for osteoarthritis: A review. <em>Open Journal of Regenerative Medicine, 13</em>, 21–40. <a href="https://doi.org/10.4236/ojrm.2024.132002">https://doi.org/10.4236/ojrm.2024.132002</a>)</li>
<li>Basil, M., Levy, B. Specialized pro-resolving mediators: endogenous regulators of infection and inflammation. <em>Nat Rev Immunol</em><strong>16</strong>, 51–67 (2016). <a href="https://doi.org/10.1038/nri.2015.4">https://doi.org/10.1038/nri.2015.4</a>)</li>
<li>Ortega‐Gómez, A., Perretti, M. &amp; Soehnlein, O. Resolution of inflammation: an integrated view. <em>EMBO Mol Med</em><strong>5</strong>, 661–674 (2013). https://doi.org/10.1002/emmm.201202382)</li>
<li>Lumelsky, N. (2018). Autotherapies: Enhancing endogenous healing and regeneration.<br />
<em>Trends in Molecular Medicine, 24</em>(8), 709–711. https://doi.org/10.1016/j.molmed.2018.06.001</li>
<li>Mormone, E., D’Esposito, V., De Luca, P., Ferrara, F. E. O., Bellotti, F. P., Formisano, P., &amp; Caradonna, E. (2026). Platelet-rich plasma from the research to the clinical arena: A journey toward precision regenerative medicine. <em>International Journal of Molecular Sciences, 27</em>, 1058.<a href="https://doi.org/10.3390/ijms27021058">https://doi.org/10.3390/ijms27021058</a></li>
<li>Han, Y., Yang, J., Fang, J. et al. The secretion profile of mesenchymal stem cells and potential applications in treating human diseases. Sig Transduct Target Ther 7, 92 (2022). <a href="https://doi.org/10.1038/s41392-022-00932-0%E2%80%9D">https://doi.org/10.1038/s41392-022-00932-0</a></li>
<li>Rath M, Spinnen J, Kuhrt LD, Priglinger E, Seika P, Runge D, et al. Platelet-rich plasma – a comprehensive review of isolation, activation, and application. Acta Biomater. 2025 Sep 15;204:52–75. doi:10.1016/j.actbio.2025.07.050. PMID: 40712724</li>
<li>Buchheit T, Huh Y, Breglio A, Bang S, Xu J, Matsuoka Y, Guo R, Bortsov A, Reinecke J, Wehling P, Jun Huang T, Ji RR. Intrathecal administration of conditioned serum from different species resolves Chemotherapy-Induced neuropathic pain in mice via secretory exosomes. Brain Behav Immun. 2023 Jul;111:298-311. doi: 10.1016/j.bbi.2023.04.013. Epub 2023 May 5. PMID: 37150265; PMCID: PMC10363329.</li>
<li>Parisien M, Lima LV, Dagostino C, El-Hachem N, Drury GL, Grant AV, Huising J, Verma V, Meloto CB, Silva JR, Dutra GGS, Markova T, Dang H, Tessier PA, Slade GD, Nackley AG, Ghasemlou N, Mogil JS, Allegri M, Diatchenko L. Acute inflammatory response via neutrophil activation protects against the development of chronic pain. Sci Transl Med. 2022 May 11;14(644):eabj9954. doi: 10.1126/scitranslmed.abj9954. Epub 2022 May 11. PMID: 35544595; PMCID: PMC10317000.</li>
<li>Caplan AI. Mesenchymal Stem Cells: Time to Change the Name! Stem Cells Transl Med. 2017 Jun;6(6):1445–1451. doi: 10.1002/sctm.17-0051. Epub 2017 Apr 28. PMID: 28452204; PMCID: PMC5689741.</li>
</ol>
<p>&nbsp;</p>
<p>Siehe dazu auch &#8222;Immunmodulatorische und regenerative Therapieverfahren&#8220;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gezielte Trinknahrung</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22589/gezielte-trinknahrung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Philipp Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 13:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22589</guid>

					<description><![CDATA[Bei älteren, hospitalisierten Patienten entscheidet die Ernährung oft mit darüber, ob sie Komplikationen entwickeln, erneut hospitalisiert werden – oder sich erholen und wieder nach Hause können. Eine neue CochraneMetaanalyse basierend [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Bei älteren, hospitalisierten Patienten entscheidet die Ernährung oft mit darüber, ob sie Komplikationen entwickeln, erneut hospitalisiert werden – oder sich erholen und wieder nach Hause können. Eine neue CochraneMetaanalyse basierend auf individuellen Patientendaten liefert hierzu ein sehr differenziertes, patientenrelevantes Bild [1].</b></p>
<h2><b>Warum dieses Thema klinisch relevant ist</b></h2>
<p>Zwischen einem Drittel und zwei Dritteln der hospitalisierten älteren Menschen sind mangelernährt oder weisen ein hohes Risiko dafür auf. Mangel­ernährung ist klar mit Komplikationen, längerer Hospitalisationsdauer, funktionellem Abbau und erhöhter Morta­lität verbunden [2]. Gleichzeitig ist diese Patientengruppe extrem heterogen und vulnerabel – standardisierte „Mehr ­essen“-Ratschläge greifen hier zu kurz. Verschiedene Studien, wie die EFFORT Studie aus der Schweiz, hatten bereits gezeigt, dass standardisierte Ernährungsstrategien die Mortalität verbessern können [3]. Es gibt aber auch widersprüchliche Evidenz zum Nutzen von verschiedenen Arten von Ernährungssupport bei älteren Patienten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage: Welche orale Ernährungsstrategie bringt im Stationsalltag tatsächlich einen klinisch messbaren Vorteil – und für wen?</p>
<h2><b>Studiendesign: Netzwerk-Metaanalyse mit individuellen Patientendaten</b></h2>
<p>Die Autorengruppe nutzte einen methodisch anspruchsvollen Ansatz: eine Netzwerk-Metaanalyse auf Basis individueller Patientendaten aus randomisierten kontrollierten Studien.</p>
<ul>
<li>Eingeschlossen wurden 21 Studien mit insgesamt über 3.000 älteren hospitalisierten Patienten,<br />
im Mittel 75 – 85 Jahre alt.</li>
<li>Alle hatten ein Risiko für oder eine gesicherte Mangelernährung und waren wegen akuter Erkrankungen stationär aufgenommen.</li>
<li>Definiert wurden kritische Endpunkte wie Mortalität, schwere unerwünschte Ereignisse und funktionelle Fähigkeiten sowie wichtige Endpunkte wie Lebensqualität, Aufenthaltsdauer, Gewicht und fettfreie Masse.</li>
<li>Primärer Zeitpunkt der Auswertung war die Entlassung aus dem Spital bzw. 30 Tage nach Randomisierung.</li>
</ul>
<p>Die Netzwerkstruktur erlaubt, verschiedene Ernährungsstrategien sowohl untereinander als auch gegenüber Standardversorgung zu vergleichen, selbst wenn einzelne Studien nie direkt zwei aktive Strategien gegeneinander getestet haben.</p>
<p>Folgende Typen oraler Interventionen wurden analysiert:</p>
<ul>
<li>zusätzliche Proteingaben</li>
<li>zusätzliche Energie-Supplements</li>
<li>klassische orale Trinknahrung (ONS)</li>
<li>individualisierte „feeding support“-Ansätze (z. B. Hilfe beim Essen, Anpassung der Konsistenz,<br />
Essumgebung)</li>
<li>umfassende individualisierte Ernährungstherapie (strukturierte Ernährungsanamnese,<span class="Apple-converted-space"> </span>Bedarfs­berechnung, Anpassung der Speisen, ONS nach Bedarf, begleitende Beratung)</li>
</ul>
<p>In der Mehrzahl der Studien wurden diese Strategien mit der üblichen Versorgung verglichen, teilweise mit Placebo.</p>
<h2><b>Zentrale Ergebnisse: Trinknahrung mit klinisch relevantem Signal</b></h2>
<p><b>Mortalität und schwere Komplikationen</b></p>
<p>Für die Gabe oraler Trinknahrung (ONS) ergab sich ein klinisch relevantes Signal:</p>
<ul>
<li>ONS können die Sterblichkeit im Vergleich zur Standardversorgung senken, mit einer relevanten absoluten Risikoreduktion.</li>
<li>ONS können zudem schwere unerwünschte Ereignisse wie Infektionen und andere<br />
Komplikationen reduzieren.</li>
</ul>
<p>Die Evidenzbasis wird von den Autoren allerdings als noch begrenzt eingestuft, sodass von einer Wahrscheinlichkeitsaussage („kann“ / „wahrscheinlich“) und nicht von einem gesicherten Effekt gesprochen wird. Im Gegensatz dazu zeigte eine umfassende individualisierte Ernährungstherapie in dieser Analyse keinen klaren Vorteil bezüglich Mortalität im Vergleich zur üblichen Versorgung. Für die meisten direkten Vergleiche zwischen den unterschiedlichen Interventionstypen bleibt die Evidenz unsicher.</p>
<h2><b>Funktion, Lebensqualität und Körperzusammensetzung</b></h2>
<ul>
<li>Für Alltagsfunktionen (Aktivitäten des täglichen Lebens) zeigte die umfassende individua­lisierte Ernährungstherapie im Vergleich zur Standardversorgung keinen oder nur einen minimalen Effekt.</li>
<li>Auch im direkten Vergleich ONS versus reine Energiesupplements ergab sich kein eindeutiger Vorteil hinsichtlich funktioneller Endpunkte.</li>
<li>Bei Lebensqualität, Aufenthaltsdauer, Gewicht und fettfreier Masse waren die Resultate heterogen; klare Rangfolgen zwischen den Strategien lassen sich derzeit nicht ableiten.</li>
</ul>
<p>Insgesamt ist die Evidenzqualität für viele dieser Endpunkte eher als niedrig einzustufen, u. a. wegen kleiner Studien, methodischer Limitationen und Hetero­genität.</p>
<h2><b>Klinische Implikationen für den Stationsalltag</b></h2>
<p>Trotz dieser Einschränkungen setzt die Arbeit wichtige Akzente für die Praxis:</p>
<ul>
<li>Trinknahrung als Baustein der Therapie: Die Daten stützen den gezielten Einsatz von ONS bei älteren, hospitalisierten Patienten mit Risiko für oder bestehender Mangelernährung, insbesondere wenn eine ausreichende Energie und Proteinaufnahme über das normale Essen allein nicht zu erwarten ist.</li>
<li>Individualisierte Ernährung bleibt wichtig – aber schwer messbar: Dass die umfassende individualisierte Ernährungstherapie keinen klaren Mortalitätsvorteil zeigt, bedeutet nicht, dass sie klinisch verzichtbar wäre. Vielmehr zeigt sich, wie schwierig funktionelle und qualitative Vorteile in heterogenen Kollektiven in Studien abzubilden sind und wie stark die Effekte von der Qualität der Implementierung abhängen.</li>
<li>„Targeted Nutrition“ in der Geriatrie: Analog zum Konzept der <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/20110/targeted-nutrition/">„Targeted Nutrition“ in der Sportmedizin</a> – bei dem spezifische Nährstoffe präzise auf definierte Ziele ausgerichtet werden  – unterstreicht diese Analyse die Bedeutung einer zielgerichteten oralen Ernährungstherapie im Akutspital: ONS und andere Interventionen sollten indikationsgerecht, zeitlich begrenzt und eingebettet in ein strukturiertes geriatrischinternistisches Behandlungskonzept eingesetzt werden.</li>
<li>Forschungslücken: Deutlich wird der Bedarf an großen, methodisch robusten Studien – wie die EFFORT Studie [3] – mit klar definierten Interventionen, standardisierten patientenrelevanten Endpunkten und längeren Beobachtungszeiträumen, um insbesondere funktionelle Verläufe und Rehospitalisationen besser beurteilen zu können.</li>
</ul>
<h2><b>Fazit für Praxis und Wissenschaft</b></h2>
<p>Die Netzwerk-Metaanalyse mit individuellen Patientendaten zeigt, dass orale Trinknahrung bei älteren, hospitalisierten Patienten mit Risiko für oder bestehender Mangelernährung wahrscheinlich Mortalität und schwere Komplikationen innerhalb von 30 Tagen reduzieren kann. Andere orale Strategien, einschließlich umfassender individualisierter Ernährungstherapie, zeigen bislang keinen klaren Vorteil in Bezug auf harte Endpunkte, bleiben aber für eine ganzheitliche, patientenzentrierte Behandlung unverzichtbar. Damit liefert die Arbeit einen wichtigen Baustein für die Weiterentwicklung eines geriatrischen „Targeted Nutrition“-Konzeptes im Akutspital – mit Trinknahrung als möglicherweise wirksamem Kernmodul innerhalb eines multidisziplinären Behandlungsteams.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Kiesswetter E, Schwarzer G, Stadelmaier J, Lohner S, Grummich K, Dagnelie PC, et al. Oral nutritional interventions in hospitalised older people at nutritional risk: a network meta-analysis of individual participant data. Cochrane Database Syst Rev. 2026;3:CD015468.</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Schuetz P, Seres D, Lobo DN, Gomes F, Kaegi-Braun N, Stanga Z. Management of disease-related malnutrition for patients being treated in hospital. Lancet. 2021;398:1927-38.</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Schuetz P, Fehr R, Baechli V, Geiser M, Deiss M, Gomes F, et al. Individualised nutritional support in medical inpatients at nutritional risk: a randomised clinical trial. Lancet. 2019;393:2312-21.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Segmentale Instabilität im Sport</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22578/segmentale-instabilitaet-im-sport/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Kutzner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Jun 2026 08:00:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22578</guid>

					<description><![CDATA[Ein 26-jähriger Fußballspieler stellt sich mit seit Monaten bestehenden Rückenschmerzen vor. Die Beschwerden treten vor allem bei intensiven Belastungen und schnellen Richtungswechseln auf. Bildgebende Verfahren zeigen keine eindeutigen strukturellen Veränderungen, [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Ein 26-jähriger Fußballspieler stellt sich mit seit Monaten bestehenden Rückenschmerzen vor. Die Beschwerden treten vor allem bei intensiven Belastungen und schnellen Richtungswechseln auf. Bildgebende Verfahren zeigen keine eindeutigen strukturellen Veränderungen, neurologische Symptome fehlen. Solche Fälle sind in der sportphysiotherapeutischen Praxis häufig und diagnostisch wie therapeutisch anspruchsvoll.</b></p>
<p>Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten muskuloskelettalen Beschwerden im Leistungssport. Während Bandscheibenpathologien oder sakroiliakale Dysfunktionen häufig diskutiert werden, bleibt eine funktionelle Beteiligung der Facettengelenke im lumbosakralen Übergangssegment häufig unbeachtet. Das Segment L5 / S1 stellt die biomechanische Verbindung zwischen der beweglichen Lendenwirbelsäule und dem relativ starren Becken dar. Hier wirken erhebliche Kräfte aus Körpergewicht, Beschleunigungen und externen Belastungen sportlicher Bewegungen. Kommt es dabei zu einer unzureichenden neuromuskulären Kontrolle, kann eine funktionelle segmentale Instabilität entstehen, die zu einer Überlastung der Facettengelenke führt.</p>
<p>Ziel dieses Beitrags ist es, die biomechanischen und neurophysiologischen Mechanismen einer Facetten­gelenksreizung im Segment L5/S1 darzustellen und daraus praxisrelevante diagnostische sowie trainingsmedizinische Therapieansätze abzuleiten.</p>
<h2><b>Biomechanik des Segments L5/S1</b></h2>
<p>Das lumbosakrale Übergangssegment L5/S1 stellt eine biomechanisch besonders belastete Region der Wirbelsäule dar. Es verbindet die bewegliche Lendenwirbelsäule mit dem relativ rigiden Becken. Dadurch entstehen komplexe Belastungen aus Kompressions-, Scher- und Rotationskräften. Die Bandscheibe L5 / S1 trägt maßgeblich zur lumbalen Lordose bei, während die Facettengelenke aufgrund ihrer Orientierung vor allem ventrale Translation und Rotation begrenzen. Dieses Zusammenspiel entspricht dem Load-Sharing-Prinzip der Wirbelsäule, bei dem Bandscheibe, Facettengelenke, Bänder und Muskulatur gemeinsam zur Stabilität beitragen. Durch die ventrale Neigung der Sakralbasis entsteht zusätzlich eine lumbosakrale Scherkomponente, die auf den Wirbelkörper L5 wirkt. Diese Kräfte müssen ebenfalls durch die passiven Strukturen, sowie durch die segmentale Muskulatur kontrolliert werden.</p>
<p>Insbesondere der M. multifidus und der M. transversus abdominis stabilisieren das Segment durch Ko-Kontraktion und kontrollieren die sogenannte Neutral Zone des Bewegungssegments, also den Bereich um die Neutralstellung, in dem nur ein geringer passiver Widerstand durch Bandscheiben und Bandstrukturen besteht und die Stabilität maßgeblich von der muskulären Kontrolle abhängt. Bei dynamischen Sportbewegungen wie Sprint, Richtungswechsel oder Landung entstehen kurzfristig hohe Beschleunigungs-, Brems- und Scherkräfte, die über die untere Extremität auf das lumbosakrale Segment übertragen werden. Bei unzureichender neuromuskulärer Kontrolle steigt die Belastung der passiven Strukturen, sodass wiederholte mechanische Überlastungen zu einer Reizung der Facettengelenke führen können.</p>
<h2><b>Pathophysiologie</b></h2>
<p>Facettengelenksreizungen im Segment L5 / S1 entstehen bei Sportlern häufig nicht durch strukturelle Schäden, sondern durch funktionelle Störungen der segmentalen Stabilität. Aufbauend auf den zuvor beschriebenen biomechanischen Zusammenhängen, zeigt sich, dass insbesondere Veränderungen der neuromuskulären Kontrolle eine zentrale Rolle spielen. Studien belegen, dass bei Rückenschmerzpatienten die Aktivierung des M. transversus abdominis und des M. multifidus häufig verzögert oder reduziert erfolgt [1 – 3]. Dadurch geht die antizipatorische Stabilisierung der Wirbelsäule verloren. Die Neutral Zone des Segments vergrößert sich und es entstehen vermehrte Mikrobewegungen zwischen den Wirbelkörpern [4]. Die Gelenkkapsel der Facettengelenke enthält zahlreiche Mechanorezeptoren sowie freie, nozizeptive Nervenendigungen. Eine mechanische Reizung dieser Strukturen kann zu lokalen Schmerzen sowie zu Veränderungen der afferenten Rückmeldung führen [6]. Die daraus resultierende Störung der motorischen Kontrolle kann die segmentale Instabilität weiter verstärken und einen pathophysiologischen Kreislauf aus Schmerz, neuromuskulärer Dysfunktion und mechanischer Überlastung etablieren.</p>
<h2><b>Klinische Diagnostik</b></h2>
<p>Die Diagnostik basiert primär auf Anam­nese, klinischer Untersuchung und funktioneller Bewegungsanalyse. Bildgebende Verfahren zeigen bei funktionellen Instabilitäten häufig keine eindeutigen Veränderungen. Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen im Bereich des lumbosakralen Übergangs ohne radikuläre Symptome. Bei der Inspektion kann gelegentlich eine leichte Gewebsverquellung im Bereich L5 / S1 auffallen; palpatorisch zeigt sich in Bauchlage häufig eine reproduzierbare Druckdolenz über dem Facettengelenkbereich L5 / S1. Ergänzend sollten Bewegungsanalysen der Lendenwirbelsäule sowie funktionelle Stabilitätstests durchgeführt werden. Häufig zeigen sich dabei kompensatorische Bewegungsmuster oder eine eingeschränkte lumbopelvine Kontrolle. Zusätzlich können standardisierte Bewegungsscreenings, wie der Functional Movement Screen (FMS) eingesetzt werden, um globale Bewegungsdefizite, Asymmetrien sowie Einschränkungen der Rumpf- und Hüftfunktion zu erfassen. Diese liefern jedoch primär Hinweise auf übergeordnete Bewegungsmuster und sollten stets im Kontext der spezifischen, klinischen Untersuchung interpretiert werden.</p>
<p><b>Trainingsmedizinische Therapie</b></p>
<p>Die Therapie zielt primär auf die Wiederherstellung der segmentalen Stabilität und der neuromuskulären Kontrolle. Im Vordergrund stehen Übungen zur Aktivierung der tiefen Rumpfmuskulatur sowie zur Verbesserung der lumbopelvinen Bewegungskontrolle.</p>
<p>Zentrale Therapieziele sind:</p>
<ul>
<li>Verbesserung der segmentalen Stabilität</li>
<li>Optimierung der Lastverteilung zwischen passiven und aktiven Strukturen</li>
<li>Erhöhung der Belastungstoleranz bei sportartspezifischen Bewegungen</li>
</ul>
<p>Motor-Control-Training, verstanden als gezieltes Training zur Verbesserung der intersegmentalen Koordination und neuromuskulären Kontrolle der stabilisierenden Muskulatur, stellt einen wichtigen Bestandteil der Therapie dar.</p>
<p>Das Training erfolgt in mehreren Progressionsstufen:</p>
<ul>
<li>Phase 1: Aktivierung der tiefen Stabilisationsmuskulatur unter geringer Belastung.</li>
<li>Phase 2: Verbesserung der Muskelausdauer und Stabilität unter dynamischen Bewegungen.</li>
<li>Phase 3: Integration funktioneller Bewegungsmuster wie Kniebeugen oder Ausfallschritte.</li>
<li>Phase 4: Sportartspezifische Belastungsprogression mit Sprint-, Richtungswechsel- und Landungsbewegungen.</li>
</ul>
<h2><b>Fallbeispiel</b></h2>
<p>Ein 26-jähriger Fußballspieler stellte sich mit seit etwa einem Jahr bestehenden, lumbalen Beschwerden vor. Die Schmerzen traten vor allem während sportlicher Belastung auf. Zuvor hatte der Spieler wiederholt NSAR eingenommen, ohne nachhaltige Besserung. Die Untersuchung zeigte eine eingeschränkte Hüftbeweglichkeit sowie eine Druckdolenz im Bereich L5 / S1 mit leichter Gewebsverquellung in Bauchlage. Neurologische Auffälligkeiten bestanden nicht. Es wurde eine funktionelle, segmentale Instabilität mit Facettengelenksreizung diagnostiziert. Die Therapie bestand aus einem strukturierten Trainingsprogramm zur Verbesserung der segmentalen Stabilität und der Hüftmobilität und wurde in mehrere Progressionsstufen unterteilt.</p>
<ul>
<li>In Phase 1 lag der Fokus auf der gezielten Aktivierung der tiefen Rumpfmuskulatur sowie der Wiederherstellung der neuromuskulären Kontrolle unter geringer Belastung.</li>
<li>In Phase 2 wurden dynamische Stabilisationsübungen integriert, um die Muskelausdauer und<br />
die lumbopelvine Kontrolle unter funktionellen Bewegungs­bedingungen zu verbessern.</li>
<li>In Phase 3 erfolgte die Integration funktioneller Bewegungsmuster wie Kniebeugen und Ausfallschritte mit besonderem Augenmerk auf eine stabile Rumpfkontrolle und eine verbesserte Kraftübertragung zwischen unteren Extremitäten und Rumpf.</li>
<li>In Phase 4 wurde das Training schrittweise um sportartspezifische Belastungen erweitert, einschließlich Sprint-, Richtungswechsel- und Landungsbewegungen, um die Belastungstoleranz unter wettkampfnahen Bedingungen zu steigern.</li>
</ul>
<p>Bereits nach einigen Wochen zeigte sich eine deutliche Reduktion der belastungsabhängigen Beschwerden. Nach Abschluss der dreimonatigen Therapie konnte der Spieler wieder vollständig und beschwerdefrei in den Trainings- und Spielbetrieb zurückkehren.</p>
<h2><b>Fazit für die Praxis</b></h2>
<p>Belastungsabhängige lumbale Schmerzen bei Sportlern können Ausdruck einer funktionellen, segmentalen Instabilität im Bereich L5 / S1 sein. Eine gezielte klinische Untersuchung sowie ein strukturiertes, trainingsmedizinisches Konzept zur Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle stellen erfolgversprechende, zentrale Bausteine der Therapie dar.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Hodges PW, Richardson CA. Inefficient muscular stabilization of the lumbar spine associated with low back pain. Spine.</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Richardson C, Jull G. Muscle control–pain control. What exercises would you prescribe? Manual Therapy.</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Hides JA et al. Multifidus muscle recovery is not automatic after resolution of acute low back pain. Spine.</p>
<p style="font-weight: 400;">[4] Panjabi MM. The stabilizing system of the spine. Spine.</p>
<p style="font-weight: 400;">[5] Adams MA, Dolan P. Biomechanics of the lumbar spine. Journal of Biomechanics.</p>
<p style="font-weight: 400;">[6] Bogduk N. Clinical anatomy of the lumbar spine and sacrum.</p>
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