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	<title>Therapie Archive - sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
	<lastBuildDate>Thu, 17 Sep 2026 07:38:59 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
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	<title>Therapie Archive - sportärztezeitung</title>
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	<item>
		<title>100 HYROX Pro in 100 Tagen</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22882/100-hyrox-pro-in-100-tagen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[PD Dr. med. Christophe Lambert,&nbsp;Dr. med. Maxime Lambert&nbsp;,&nbsp;Dr. Giordano Scinicarelli]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2026 08:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Für den Weltrekordversuch von Simon Gronau wurde eigens eine Halle im Kölner Umland angemietet, in welcher unter standardisierten Bedingungen ein HYROX-Pro-Parcours aufgebaut und über 100 Tage täglich durchgeführt wurde. Neben [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Für den Weltrekordversuch von Simon Gronau wurde eigens eine Halle im Kölner Umland angemietet, in welcher unter standardisierten Bedingungen ein HYROX-Pro-Parcours aufgebaut und über 100 Tage täglich durchgeführt wurde. Neben dem Athleten war ein großes interdisziplinäres Team aus Trainern, Physiotherapie, Sportmedizin, Orthopädietechnik und weiteren Betreuern eingebunden. Ziel war es, außergewöhnliche sportliche Leistungen unter maximaler medizinischer Sicherheit zu ermöglichen.</b></p>
<h2><b>HYROX Pro – Belastungsprofil</b></h2>
<p>Ein HYROX Pro der Männer besteht aus acht 1-km-Laufabschnitten, zwischen denen eine von acht funktionellen Übungen durchgeführt wird:</p>
<ul>
<li>SkiErg – 1.000 m</li>
<li>Sled Push – 202 kg (inkl. Schlitten)</li>
<li>Sled Pull – 152 kg (inkl. Schlitten)</li>
<li>Burpee Broad Jumps</li>
<li>Row – 1.000 m</li>
<li>Farmers Carry – 2 × 32 kg</li>
<li>Sandbag Lunges – 30 kg</li>
<li>100 Wall Balls – 9 kg</li>
</ul>
<p>Bereits ein einzelner HYROX-Pro-Wettkampf stellt selbst für sehr gut trainierte Athleten eine außergewöhnliche körperliche Belastung dar. Simon ist als langjähriger Triathlet und Teilnehmer der letztjährigen HYROX-WM ein erfahrener und leistungsstarker Sportler, aber das Projekt mit 100 Wettkämpfen an 100 aufeinanderfolgenden Tagen überschreitet die bisher bekannten Belastungsumfänge deutlich.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fallbeschreibung</b></h2>
<p>Nach 38 absolvierten Wettkampftagen traten belastungsabhängige Schmerzen im Bereich des rechten Mittelfußes auf. Die MRT-Diagnostik ergab ein ausgeprägtes Knochenmarködem mit fissuraler Fraktur des zweiten Mittelfuß­knochens (MFK II). In der Kontroll­untersuchung nach zwei Wochen zeigte sich eine Befundverschlechterung, woraufhin der Athlet auf Veranlassung seiner Physiotherapeutin in unserer sportorthopädischen Sprechstunde vorgestellt wurde. Die erneute Beurteilung der MRT-Aufnahmen bestätigte die Diagnose. Obwohl die klinischen Beschwerden vergleichsweise gering ausgeprägt waren, wurde bei der weiteren Entscheidungsfindung die erfahrungsgemäß hohe Schmerztoleranz von Spitzensportlern berücksichtigt.</p>
<h2><b>Entscheidungsfindung</b></h2>
<p>Bereits im ersten Gespräch bestand zwischen dem Athleten und dem gesamten Betreuungsteam Einigkeit darüber, dass seine Gesundheit jederzeit Vorrang vor dem Weltrekordversuch haben würde. Eine Fortsetzung des Projekts kam daher ausschließlich bei stabiler klinischer und radiologischer Befundlage sowie unter engmaschigen MRT-Verlaufskontrollen infrage. Jede klinische oder bildmorphologische Verschlechterung hätte zum sofortigen Abbruch des Weltrekordversuchs geführt.</p>
<h2><b>Therapeutisches Konzept und Ernährung &amp; Regeneration</b></h2>
<p>Nach gemeinsamer interdisziplinärer Entscheidungsfindung wurde ein ganzheitliches Therapieschema mit engmaschigen Kontrollen etabliert.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der Athlet stellte sich zweimal pro ­Woche in unserer Praxis vor. Jede Behandlung umfasste eine fokussierte Stoßwellentherapie (DolorClast® Focused Shock Waves, EMS), eine extrakorporale ­Mag­neto­transduktions-Therapie (MAGNETOLITH® Ultra, Storz Medical) sowie eine Hochleistungslasertherapie (Power­Twin 21 XP5, MKW-Lasersystems).<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ziel war die Unterstützung der biolo­gischen Knochenheilung im Rahmen eines multimodalen Gesamtkonzeptes [1 – 3]. Parallel absolvierte der Athlet mehrmals wöchentlich physiotherapeutische Behandlungen mit Schwerpunkt auf Muskelentspannung, Gelenkmo­bilisation, neuromuskulärer Kontrolle und Stabilisierung. Ergänzend erfolgte eine biomechanische Laufanalyse einschließlich Fußabdruckmessung. Die Analyse zeigte, dass sich durch kleine Veränderungen des Laufstils die Hauptbelastung des Mittelfußes reduzieren ließ. Gemeinsam mit Simons Ausrüster Puma und der Orthopädie-Schuhtechnik Hartmann wurde deshalb ein individuell modifizierter Wettkampfschuh entwickelt. Dafür wurde eine angepasste Carbonplatte in die Sohle integriert. Dadurch konnte bei der Abrollbewegung die Belastung auf den Mittelfuß deutlich reduziert werden. Zusätzlich optimierte der Athlet seine Ernährung mit erhöhter Kalorienzufuhr, Vitamin-D-Substitution, calciumreicher Ernährung und Omega-3-Fettsäuren. Die Schlafdauer wurde auf mindestens neun Stunden pro Nacht erhöht. Zur Regenerationsförderung nutzte er täglich eine Kältekammer.</p>
<figure id="attachment_22889" aria-describedby="caption-attachment-22889" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-22889" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-1024x515.jpg" alt="" width="755" height="380" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-1024x515.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-300x151.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-768x386.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-150x75.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-450x226.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326-1200x603.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert1_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22889" class="wp-caption-text">Unterschiede in der Standphase beim Laufen – ohne und mit Lauf-Korrektur. Links: Single-Leg Support: R &lt; L (Diff. 15 %) Rechts: Single-Leg Support: R = L (Diff. 3.6 %)</figcaption></figure>
<figure id="attachment_22887" aria-describedby="caption-attachment-22887" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-22887" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-1024x539.jpg" alt="" width="755" height="397" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-1024x539.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-300x158.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-768x404.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-150x79.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-450x237.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326-1200x632.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert3_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22887" class="wp-caption-text">Speziell angepasster Schuh mit integrierter Carbonplatte in der Sohle</figcaption></figure>
<h2><b>Verlaufskontrollen</b></h2>
<p>Zwischen den behandelnden Ärzten, der Physiotherapie, dem Trainerteam und dem Athleten fand ein enger, kontinuierlicher Austausch statt. Im Abstand von zwei Wochen erfolgten MRT-Kontrollen. Bei jeder Verschlechterung des Beschwerdebildes wäre die Bildgebung vorgezogen worden. Eine Verschlechterung des Befundes hätte zum Abbruch des Weltrekordversuchs geführt.</p>
<h2><b>MRT-Verlauf und klinische Kontrolle</b></h2>
<p>Die initiale MRT-Untersuchung zeigte ein ausgeprägtes Knochenmarködem mit einer Fissur des zweiten Mittelfußknochens. Bei der ersten MRT-Verlaufskontrolle nach zwei Wochen war der Befund unverändert. Vier Wochen nach Therapiebeginn zeigte sich eine deutliche Rückbildung des Ödems; die Fissur war nur noch diskret nachweisbar. In den letzten beiden Wochen des Weltrekordversuchs war Simon auch unter Belastung schmerzfrei. Fünf Tage nach Abschluss des Versuchs zeigte sich nur noch eine minimale ödematöse Reaktion des Knochens und der Athlet war weiterhin vollständig beschwerdefrei.</p>
<figure id="attachment_22890" aria-describedby="caption-attachment-22890" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-22890" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-1024x512.jpg" alt="" width="755" height="378" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-1024x512.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-300x150.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-768x384.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-150x75.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-450x225.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326-1200x600.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert2_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22890" class="wp-caption-text">MRT-Verlauf der Stressfraktur des zweiten Mittelfußknochens: Erstdiagnose, Verlauf nach vier Wochen und nach Abschluss des Weltrekordversuchs</figcaption></figure>
<h2><b>Diskussion &amp; Fazit</b></h2>
<p>Dieser Fall verdeutlicht die Bedeutung einer individuell abgestimmten sportmedizinischen Betreuung im Hochleistungssport. Entscheidend war nicht eine einzelne therapeutische Maßnahme, sondern das interdisziplinäre Zusammenspiel von klinischer Untersuchung, wiederholter MRT-Diagnostik, physikalischen und physiotherapeutischen Maßnahmen, biomechanischer Analyse, angepasster Schuhversorgung, Ernährung und Regeneration. Der geschilderte Verlauf ist ausdrücklich nicht als allgemeine Therapieempfehlung zu verstehen, sondern dokumentiert die Betreuung eines außergewöhnlichen Einzelfalls unter engmaschiger interdisziplinärer Kontrolle. Außergewöhnliche Leistungen erfordern außergewöhn­liche Medizin – aber niemals auf Kosten der Gesundheit. Die Gesundheit des Athleten hatte während des gesamten Projektes Vorrang.</p>
<figure id="attachment_22888" aria-describedby="caption-attachment-22888" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22888" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-755x1024.jpg" alt="" width="755" height="1024" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-755x1024.jpg 755w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-221x300.jpg 221w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-768x1042.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-1132x1536.jpg 1132w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-150x204.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-450x611.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326-1200x1628.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Lambert4_saez0326.jpg 1415w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22888" class="wp-caption-text">Erfolgreicher Abschluss des Weltrekordversuchs mit Weltrekord­urkunde</figcaption></figure>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Knobloch K. Knochenstimulation 4.0 – Kombination aus EMTT und ESWT bei Humeruspseudarthrose: Ein Fallbericht [Bone stimulation 4.0-Combination of EMTT and ESWT in humeral nonunion: A case report]. Unfallchirurg. 2022 Apr;125(4):323-326. German. doi: 10.1007/s00113-021-01025-3. Epub 2021 Jun 16. PMID: 34136941; PMCID: PMC8940790.</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Berni M, Brancato AM, Torriani C, Bina V, Annunziata S, Cornella E, Trucchi M, Jannelli E, Mosconi M, Gastaldi G, Caliogna L, Grassi FA, Pasta G. The Role of Low-Level Laser Therapy in Bone Healing: Systematic Review. Int J Mol Sci. 2023 Apr 12;24(8):7094. doi: 10.3390/ijms24087094. PMID: 37108257; PMCID: PMC10139216.</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Kertzman P, Császár NBM, Furia JP, Schmitz C. Radial extracorporeal shock wave therapy is efficient and safe in the treatment of fracture nonunions of superficial bones: a retrospective case series. J Orthop Surg Res. 2017 Nov 6;12(1):164. doi: 10.1186/s13018-017-0667-z. PMID: 29110711; PMCID: PMC5674749.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Prähabilitation gezielt einsetzen</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/23023/praehabilitation-gezielt-einsetzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sportärztezeitung]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Sep 2026 14:30:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[90 Sek]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
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					<description><![CDATA[Prähabilitation: Patienten gezielt auf die Operation vorbereiten Eine Operation stellt für den Körper und die Psyche eine erhebliche Belastung dar. Dies gilt insbesondere für komplexe viszeralchirurgische Eingriffe, bei denen das [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3>Prähabilitation: Patienten gezielt auf die Operation vorbereiten</h3>
<p>Eine Operation stellt für den Körper und die Psyche eine erhebliche Belastung dar. Dies gilt insbesondere für komplexe viszeralchirurgische Eingriffe, bei denen das Risiko für postoperative Komplikationen erhöht ist. Genau hier setzt die Prähabilitation an: Bereits vor dem Eingriff sollen die körperlichen und metabolischen Ressourcen der Patienten gezielt verbessert werden.</p>
<p>Im Mittelpunkt stehen dabei individuell abgestimmte Maßnahmen wie körperliches Training, eine Optimierung der Ernährung sowie die Behandlung von Anämie und anderen beeinflussbaren Risikofaktoren. Ziel ist es, die funktionelle Ausgangssituation zu verbessern und damit die postoperative Erholung zu unterstützen.</p>
<p>Randomisierte Studien und Metaanalysen zeigen, dass intensivierte Prähabilitationsprogramme insbesondere die postoperative Morbidität und die Dauer des Krankenhausaufenthalts reduzieren können. Der Nutzen ist jedoch nicht für alle Patienten gleich. Während körperlich fitte Patienten offenbar weniger stark profitieren, zeigen insbesondere Menschen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit, Mangelernährung oder Anämie relevante Verbesserungen.</p>
<p>Eine etwa vierwöchige präoperative Intervention scheint dabei auch bei onkologischen Patienten möglich zu sein, ohne das Behandlungsergebnis hinsichtlich der Tumorerkrankung negativ zu beeinflussen. Gleichzeitig ist die Evidenz aufgrund unterschiedlicher Patientengruppen, Interventionen, Endpunkte und Compliance nur von moderater Qualität.</p>
<p>In Deutschland steht einer breiteren Umsetzung zudem eine Reihe struktureller Hürden entgegen. Fehlende Vergütungsmodelle, begrenzte personelle und infrastrukturelle Ressourcen sowie mangelnde Anreize erschweren bislang die flächendeckende Integration der Prähabilitation in die Versorgung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Originalartikel: <a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s00761-025-01892-0">Halawa, M., El-Ahmar, M., Martignoni, M. <i>et al.</i> Gezielter Einsatz von Prähabilitation : Zielgruppe und Zeitpunkt. <i>Onkologie</i> <b>32</b>, 242–249 (2026). https://doi.org/10.1007/s00761-025-01892-0</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Veröffentlicht am 16.09.2026</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Neue Generation biologischer Therapien</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/23014/neue-generation-biologischer-therapien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[News]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Sep 2026 09:10:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=23014</guid>

					<description><![CDATA[Das volle regenerative Potenzial statt nur einzelner Zellbestandteile  Statt nur einzelne Zellgruppen zu konzentrieren (wie bei PRP- oder Stammzellverfahren) aktiviert und nutzt Orthogen® ONE alle Zellgruppen des Immunsystems. Die Aktivierung [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 class="spk__title"><span class="spk__ti-a">Das volle regenerative Potenzial statt nur einzelner Zellbestandteile </span></h3>
<p>Statt nur einzelne Zellgruppen zu konzentrieren (wie bei PRP- oder Stammzellverfahren) aktiviert und nutzt Orthogen<sup>®</sup> ONE alle Zellgruppen des Immunsystems. Die Aktivierung und Freisetzung von Mediatoren findet zudem kontrolliert im Orthogen<sup>®</sup> Device statt, in einer validierten Mikroumgebung – und nicht erst im geschädigten Gelenk oder verletztem Gewebe, wo die Freisetzung nicht steuerbar ist. Orthogen<sup>®</sup> ONE ist somit eine zellfreie, hochkonzentrierte Sekretom-Therapie mit einem Multi-Target-Ansatz, bei der direkt die Mediatoren injiziert werden können.</p>
<p>Weitere Informationen dazu finden Sie auf der neuen Website: <a href="https://orthogen-one.com/">https://orthogen-one.com/</a></p>
<p>Dort finden Sie auch einen Bereich, in dem Sie ein <a href="https://orthogen-one.com/beratung">kollegiales Arzt-zu-Arzt Gespräch</a> buchen können: Passenden Termin auswählen &#8211; unverbindlicher, 15-minütiger kollegialer Austausch &#8211; Zugang zur Lernplattform mit Videos zum Therapiekonzept, der Biologie, der Integration in die Praxis und Wirtschaftlichkeit. Jederzeit und überall abrufbar &#8211; bei Wunsch, Online bestellen &amp; durchstarten &#8211; nach der Online-Schulung und Zertifizierung Ihrer Praxis wird die Lieferung unverzüglich versandt.</p>
<p><a href="https://orthogen-one.com">www.orthogen-one.com</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lumbaler Bandscheibenvorfall L3/4 rechts</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22861/lumbaler-bandscheibenvorfall-l3-4-rechts/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[PD Dr. med. Stefan Mattyasovszky]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Sep 2026 08:00:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22861</guid>

					<description><![CDATA[Bandscheibenvorfälle der oberen Lendenwirbelsäule machen etwa 5 – 10 % aller lumbalen Diskushernien aus. Extraforaminale beziehungsweise weit lateral gelegene Vorfälle auf Höhe L3/4 sind noch seltener und unterscheiden sich klinisch sowie operativ von [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Bandscheibenvorfälle der oberen Lendenwirbelsäule machen etwa 5 – 10 % aller lumbalen Diskushernien aus. Extraforaminale beziehungsweise weit lateral gelegene Vorfälle auf Höhe L3/4 sind noch seltener und unterscheiden sich klinisch sowie operativ von den deutlich häufigeren medianen oder mediolateralen Hernien [1 –</b><b> </b><b>3].</b></p>
<p>In den vergangenen Jahren hat sich die vollendoskopische Bandscheibenchirurgie zunehmend etabliert. Studien berichten über eine mit mikrochirurgischen Verfahren vergleichbare klinische Wirksamkeit bei geringerem zugangsbedingtem Weichteiltrauma [4 – 13]. Dennoch liegen nur wenige Berichte über protrahierte postoperative neuropathische Verläufe trotz technisch erfolgreicher Dekompression vor. Der vorliegende Fallbericht dokumentiert detailliert den klinischen sowie neurophysiologischen prä- und postopera­tiven Verlauf einer rechtsseitigen L3-Radikulopathie bei lateralem Bandscheibenvorfall L3 / 4.</p>
<figure id="attachment_22871" aria-describedby="caption-attachment-22871" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22871" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky1_saez0326-1024x535.jpg" alt="" width="755" height="394" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky1_saez0326-1024x535.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky1_saez0326-300x157.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky1_saez0326-768x401.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky1_saez0326-150x78.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky1_saez0326-450x235.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky1_saez0326-1200x626.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky1_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22871" class="wp-caption-text">Im MRT zeigte sich ein extra­foraminaler Bandscheibenvorfall L3 /4 rechts mit nach kranial sequestriertem Fragment und Kompression der austretenden L3-Nervenwurzel</figcaption></figure>
<h2><b>Patient und Methoden</b></h2>
<p>Ein 47-jähriger Patient berichtete über einen plötzlich einschießenden, messerstichartigen Schmerz tief lumbal rechts. Dieser trat beim ruckartigen Anheben seines hinter ihm sitzenden, dreijährigen Sohnes auf, während der Patient als angeschnallter Fahrer in einem stehenden Pkw saß. In den darauffolgenden Wochen persistierten die tief lumbalen rechtsseitigen Schmerzen und strahlten zunehmend in den ventralen rechten Oberschenkel aus. Etwa drei Wochen nach dem akuten Ereignis entwickelten sich zusätzlich:</p>
<ul>
<li>subjektive Schwäche der Hüftbeugung rechts</li>
<li>Quadrizepsparese rechts</li>
<li>Hypästhesie des ventralen Oberschenkels rechts</li>
<li>funktionelle Unsicherheit beim Treppenabstieg</li>
<li>episodisches Wegsacken des rechten Beines</li>
</ul>
<figure id="attachment_22870" aria-describedby="caption-attachment-22870" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22870" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky2_saez0326-771x1024.jpg" alt="" width="755" height="1003" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky2_saez0326-771x1024.jpg 771w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky2_saez0326-226x300.jpg 226w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky2_saez0326-768x1020.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky2_saez0326-1157x1536.jpg 1157w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky2_saez0326-150x199.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky2_saez0326-450x598.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky2_saez0326-1200x1593.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky2_saez0326.jpg 1446w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22870" class="wp-caption-text">Die Infrarotthermografie zeigte eine Hypothermie des ventralen rechten Oberschenkels.</figcaption></figure>
<h2><b>Klinische und bildgebende Diagnostik</b></h2>
<p>Folgende Untersuchungen wurden durchgeführt:</p>
<ul>
<li>klinisch-neurologische einschließlich neurophysiologischer Untersuchung</li>
<li>Röntgen der LWS in zwei Ebenen</li>
<li>Röntgenaufnahme des Beckens a.-p.</li>
<li>MRT der LWS</li>
<li>invasive Elektromyografie des M. quadriceps femoris</li>
<li>Oberflächen-EMG mit Muskel­mapping des M. quadriceps femoris</li>
<li>Infrarotthermografie</li>
</ul>
<p>Die neurologische Untersuchung ergab:</p>
<ul>
<li>Hüftbeugerparese rechts, Kraftgrad 4/5 nach Janda</li>
<li>Quadrizepsparese rechts, Kraftgrad 4/5 nach Janda</li>
<li>beginnende Atrophie des M. Quadrizeps femoris</li>
<li>Unsicherheit bei der einbeinigen Kniebeuge rechts</li>
</ul>
<h2><b>Neurophysiologische Untersuchung</b></h2>
<p>Im EMG zeigten sich:</p>
<ul>
<li>akute Denervierungszeichen im M. vastus medialis rechts mit Fibrillationspotenzialen und positiven scharfen Wellen</li>
<li>keine akuten Denervierungszeichen im M. vastus lateralis rechts</li>
<li>keine Regenerationspotenziale, entsprechend dem frühen Untersuchungszeitpunkt</li>
</ul>
<p>Die Befunde wurden als elektrophysiologisches Korrelat einer frischen L3-­Radikulopathie gewertet [14, 15].</p>
<h2><b>Therapie und Ergebnisse</b></h2>
<p>Initial erfolgte eine konservative Behandlung mit folgender oraler Medikation:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<ul>
<li>Etoricoxib 1-mal täglich zur Nacht</li>
<li>Metamizol, 20 Tropfen, 1–1–1</li>
<li>Pregabalin 75 mg, 1–0–2</li>
<li>Vitamin B1 und B6, 1-mal täglich</li>
<li>Vitamin B12 und Folsäure, 1-mal täglich</li>
<li>Omega-3-Fettsäuren 1.500 mg, 1-mal täglich</li>
<li>Vitamin D3 und K2 (800 I.E. und 20 µg), montags bis freitags jeweils 5 Tropfen täglich</li>
<li>Curcumin-Loges® plus Boswellia p.o., 1–0–0</li>
<li>Insumed-Bestform und Trinkmahlzeit (Protein plus löslicher Ballaststoff Nutriose)</li>
<li><a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/13780/phytoshake-phytogene-ernaehrung/">Insumed-Phytoshake</a> (Curcumin, Bromelain, Boswelia)</li>
<li>Creatine / creapure<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
</ul>
<p>Ergänzende Maßnahmen:</p>
<ul>
<li>Physiotherapie mit funktionellen Übungen</li>
<li>Neuraltherapie</li>
<li>Röntgengestützte therapeutische periradikuläre Therapie (PRT) der rechten L3-Nervenwurzel</li>
</ul>
<p>Trotz dieser Maßnahmen kam es bei anhaltenden rechtsseitigen lumbalen Rücken-, Oberschenkel- und Psoasschmerzen zu einer klinischen Verschlechterung mit zunehmender Schwäche des rechten M. quadriceps femoris. Aufgrund folgender Befunde wurde die Operationsindikation gestellt:</p>
<ul>
<li>persistierende Schmerzen</li>
<li>elektrophysiologisch gesicherte Denervierung des M. vastus medialis rechts</li>
<li>beginnende Atrophie des M. quadriceps femoris rechts</li>
<li>progredientes motorisches Defizit mit Nachgeben des Beines bei Kraftgrad 4/5 nach Janda</li>
</ul>
<p>Es wurde die Indikation zur operativen Dekompression und Entfernung des Bandscheibenvorfalls L3/4 rechts gestellt [16]. Aufgrund der extraforaminalen Lage fiel die Entscheidung für ein vollendoskopisches Vorgehen.</p>
<h3><b>Operative Therapie</b></h3>
<p>Am 16.06.2026 erfolgte die vollendoskopische Entfernung des lateral und teilweise intraforaminal gelegenen, nach kranial sequestrierten Bandscheibenvorfalls mit Mobilisation der L3-Nervenwurzel.</p>
<p>Unmittelbar postoperativ zeigten sich:</p>
<ul>
<li>Quadrizepsparese rechts, Kraftgrad 3/5 nach Janda</li>
<li>Psoasparese rechts, Kraftgrad 3/5 nach Janda</li>
<li>Hypästhesie vom Knie bis zum medialen Unterschenkel einschließlich des Innenknöchels (L4-Dermatom)</li>
<li>Ausfall des Patellarsehnenreflexes rechts</li>
</ul>
<p>Im weiteren Verlauf bildete sich die Hy­pästhesie innerhalb von zwei Wochen teilweise zurück. Gleichzeitig traten eine schmerzhafte Allodynie, Hyperalgesie und Dysästhesie an der rechten Schienbeinkante sowie neuropathische Belastungsschmerzen auf.</p>
<h3><b>Postoperative Therapie</b></h3>
<ul>
<li>EMG-kontrollierte Physiotherapie</li>
<li>Osteopathie</li>
<li>Krankengymnastik und manuelle Therapie</li>
<li>Neuroathletische Therapie</li>
<li>EMS-Training</li>
</ul>
<h3><b>Gerätegestützte Therapiemaßnahmen</b></h3>
<p><a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/18958/kernspinresonanz-therapie-2/">MBST®-Kernspinresonanztherapie</a> (Molecular Biophysical Stimulation Therapy)</p>
<p>Durchgeführt wurden:</p>
<ul>
<li>18 Sitzungen MBST®-Neuroprogramm</li>
<li>9 Sitzungen MBST®-Bandscheibenprogramm</li>
<li>Die Behandlung wurde als additive Maßnahme im Rahmen der neurologischen Rehabilitation durchgeführt [17 – 21]</li>
<li>EMS-Training(Elektromuskelstimulation)</li>
<li>TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation)</li>
<li>extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) am rechten Oberschenkel und rechten Schienbein</li>
</ul>
<h3><b>Perioperative Ernährung</b></h3>
<p>Begleitend wurde eine entzündungsbewusste, proteinreiche Ernährung umgesetzt. Das Ernährungskonzept orientierte sich an der Online-Fortbildung der sportärztezeitung „Entzündungshemmende Ernährung und Proteine in Orthopädie und Leistungssport“ von Dr. Klaus Pöttgen [<a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/9815/entzuendungshemmende_ernaehrung_und_proteine/">22</a>] sowie zusätzlich in Bezug auf perioperative Substitution an den Artikeln von Prof. Dr. Mehdi Shakibaei [<a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/12118/phytopharmaka-und-extrakorporale-stosswellen-bei-tendinopathien/">23</a>] sowie Dr. Petra Büchin [<a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/17903/bandscheibenvorfaelle/">24</a>, <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/21910/oxidativer-stress-und-bandscheibendegeneration/">25</a>]. Die nachfolgend genannten Bestandteile dokumentieren das im individuellen Behandlungsverlauf verwendete Ernährungskonzept; daraus wird keine eigenständige therapeutische Wirksamkeit abgeleitet.</p>
<p>Verwendete Komponenten:</p>
<ul>
<li>Omega-3-Fettsäuren aus Fisch- oder Algenöl</li>
<li>pflanzliche Lebensmittel und Extrakte, darunter Beeren, Kurkumin und Weihrauch (Boswellia) sowie Substitutionen (siehe oben)</li>
<li>Rote Bete und Sauerkirschen<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Vitamin D3 / K2 (Tropfen) und Mineralstoffe im Rahmen einer bedarfsgerechten Versorgung</li>
</ul>
<p>Reduzierte Komponenten:</p>
<ul>
<li>Fleisch- und Wurstwaren mit hohem Arachidonsäuregehalt</li>
<li>Industriezucker und Weißmehlprodukte</li>
<li>Omega-6-reiche Öle bei ungünstigem Verhältnis zur Omega-3-Zufuhr</li>
</ul>
<h2><b>Ergebnisse<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Das EMG-Oberflächenmuskelmapping diente postoperativ zum Monitoring der Aktivierung des Quadrizeps rechts gegenüber links, insbesondere bei beidbeinigen Kniebeugen und einbeiniger Kniebeuge sowie zum Biofeedback-Training (siehe Abb.).</p>
<figure id="attachment_22869" aria-describedby="caption-attachment-22869" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22869" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky3_saez0326-1024x692.jpg" alt="" width="755" height="510" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky3_saez0326-1024x692.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky3_saez0326-300x203.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky3_saez0326-768x519.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky3_saez0326-150x101.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky3_saez0326-450x304.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky3_saez0326-1200x810.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky3_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22869" class="wp-caption-text">© Autor mit KI erstellt</figcaption></figure>
<figure id="attachment_22868" aria-describedby="caption-attachment-22868" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22868" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky4_saez0326-1024x683.jpg" alt="" width="755" height="504" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky4_saez0326-1024x683.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky4_saez0326-300x200.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky4_saez0326-768x513.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky4_saez0326-150x100.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky4_saez0326-450x300.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky4_saez0326-1200x801.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Mattyasovszky4_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22868" class="wp-caption-text">© Autor mit KI erstellt</figcaption></figure>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol>
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<li style="font-weight: 400;"><a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/12118/phytopharmaka-und-extrakorporale-stosswellen-bei-tendinopathien/">https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/12118/phytopharmaka-und-extrakorporale-stosswellen-bei-tendinopathien/</a></li>
<li style="font-weight: 400;"><a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/17903/bandscheibenvorfaelle/">https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/17903/bandscheibenvorfaelle/</a></li>
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</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schulter­en­doprothetik</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22834/schulterendoprothetik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mohammad Ali Alshrouf&nbsp;,&nbsp;Dr. med. Markus Leyh]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 08:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22834</guid>

					<description><![CDATA[Die Schulterendoprothetik bei aktiven Patienten sollte nicht schematisch, sondern nach Diagnose, Integrität der Rotatorenmanschette (RM), Glenoidmorphologie, Knochenqualität beziehungsweise knöcherner Defektsituation, Patientenerwartungen sowie beruflichen und sportlichen Belastungsanforderungen geplant werden. Auch die [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Schulterendoprothetik bei aktiven Patienten sollte nicht schematisch, sondern nach Diagnose, Integrität der Rotatorenmanschette (RM), Glenoidmorphologie, Knochenqualität beziehungsweise knöcherner Defektsituation, Patientenerwartungen sowie beruflichen und sportlichen Belastungsanforderungen geplant werden. Auch die Wahrscheinlichkeit einer späteren Revision und weitere patientenspezifische Faktoren sollten berücksichtigt werden [1,2]. Ziel ist nicht allein die Schmerzlinderung, sondern eine dauerhaft belastbare Funktion, eine realistische Anpassung der Aktivität und eine Implantatstrategie, die auch im Revisionsfall zuverlässig bleibt.</strong></p>
<h2><b>Arten der Schulterendoprothetik</b></h2>
<p>Zu den wichtigsten Formen der Schulterendoprothetik gehören die anatomische Schultertotalendoprothese („anatomic total shoulder arthroplasty“, aTSA), die inverse Schultertotalendoprothese („reverse shoulder arthroplasty“, RSA) sowie die Hemiendoprothese bzw. der humerale Oberflächenersatz. Die Wahl des Verfahrens richtet sich unter anderem nach dem Zustand des Glenoidknorpels, der Integrität der Rotatorenmanschette, der Knochenqualität, der Glenoiddeformität, dem erwarteten Aktivitätsniveau und der langfristigen Revisionsplanung [3,4]. Gerade bei jungen oder aktiven Patienten sollte die Implantatwahl nicht nur auf die kurzfristige Schmerzreduktion abzielen, sondern auch Haltbarkeit, Fixation und spätere Revisionsmöglichkeiten berücksichtigen.</p>
<p>Sowohl bei der aTSA als auch bei der RSA stehen unterschiedliche humeralseitige Implantatdesigns zur Verfügung, von klassischen Schaftprothesen über knochensparende Kurzschaftsysteme bis hin zu schaftfreien Implantaten. Die Auswahl richtet sich nach Implantatsystem, Anatomie und Knochenqualität. Schaftprothesen bleiben zuverlässig, wenn eine metaphysäre Verankerung nicht ausreichend möglich ist, die Knochenqualität vermindert ist, die Anatomie deutlich verändert ist oder eine sichere Fixation erforderlich erscheint. Schaftfreie Implantate erhalten proximalen humeralen Knochen und vermeiden die Implantation eines Humerusschaftes, setzen jedoch eine ausreichende metaphysäre Knochenqualität voraus. Registerdaten aus Australien und Dänemark zeigten vergleichbar niedrige Revisionsraten zwischen schaftverankerten und schaftfreien anatomischen Schulterendoprothesen, nachdem metallgestützte Glenoidkomponenten ausgeschlossen wurden [5].</p>
<p>Hemiendoprothese und humeraler Oberflächenersatz behandeln ausschließlich die humerale Gelenkseite, während das native Glenoid belassen wird. Bei der Hemiendoprothese wird der Humeruskopf ersetzt. Beim humeralen Oberflächenersatz wird die Gelenkfläche des Humeruskopfes überkront, wodurch mehr proximaler Humerusknochen erhalten bleibt. Bei streng selektionierten jungen, hochbelasteten Patienten, etwa Kraftsportlern oder Gewichthebern, kann dieses glenoidsparende Konzept weiterhin relevant sein, weil keine glenoidale Polyethylenkomponente implantiert wird. Gerade das Glenoid bleibt bei aktiven Patienten häufig der limitierende Faktor, da eine geringe Knochenreserve, Knochenverlust, Glenoiddeformität, Polyethylenabrieb und Lockerung die Standzeit beeinflussen können. Pyrocarbon-Köpfe werden als knochensparende Hemi-Option diskutiert. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zeigte funktionelle Verbesserungen und niedrige Reoperationsraten im frühen bis mittelfristigen Verlauf, während eine aktuelle klinische Serie bei jungen, aktiven Patienten niedrige Revisionsraten bei einem Follow-up von 2 bis 10 Jahren berichtete. Entscheidend bleiben jedoch eine anatomisch korrekte humerale Rekonstruktion, die Vermeidung von Overstuffing und eine realistische Aufklärung, da Pyrocarbon eine Glenoiderosion nicht sicher verhindert [6,7].</p>
<p>Glenoidseitig gelten zementierte All-Polyethylen-Komponenten bei der aTSA weiterhin als Referenzstandard, da hierfür die ausgereifteste Evidenz vorliegt. Zementfreie, metallgestützte und hybride Glenoidkomponenten können theoretische Vorteile bieten, sollten jedoch selektiv eingesetzt werden, da die Ergebnisse stark von Implantatdesign, Fixationsprinzip und Knochenqualität abhängen. Systematische Übersichtsarbeiten, Vergleichsstudien und Registerdaten zeigen, dass das Glenoiddesign das Revisionsrisiko wesentlich beeinflussen kann [8-11]. Im Dänischen Schulterarthroplastikregister war die Verwendung metallgestützter Glenoidkomponenten bei schaftfreier TSA mit einem erhöhten Revisionsrisiko assoziiert [9]. Bei posteriorem Knochenverlust und Walch-B2/B3-Glenoiden können Version, Inklination und Subluxation je nach Ausmaß durch exzentrisches Reaming, augmentierte Komponenten, knöcherne Rekonstruktion oder eine RSA adressiert werden. Mittelfristige Daten nach aTSA mit High-Side-Reaming zeigen, dass eine gute Positionierung der Glenoidkomponente und die Kontrolle der posterioren Subluxation wichtiger sein können als die alleinige Korrektur der Retroversion [12]. Für posterior augmentierte Glenoide werden gute klinische Ergebnisse sowie eine Korrektur der Retroversion berichtet, gleichzeitig zeigen sich jedoch relevante radiologische Lockerungszeichen im 5-Jahres-Verlauf [13]. Trabecular Titanium Hybridglenoide zeigen vielversprechende mittelfristige klinische Daten [14], während Vitamin-E-angereichertes hochvernetztes Polyethylen bislang vor allem biomechanisch günstigere Abriebeigenschaften zeigt [15]. Beide Ansätze benötigen weiterhin eine langfristige klinische Nachbeobachtung.</p>
<p>Konvertierbare und modulare Prothesensysteme sind insbesondere bei aktiven Patienten relevant, da eine fehlgeschlagene aTSA oder Hemiendoprothese später eine Konversion zur RSA erforderlich machen kann. Diese Systeme können es ermöglichen, den Humerusschaft bei der Wechseloperation zu belassen, wodurch die operative Komplexität reduziert und Knochen erhalten werden kann. Moderne Modularität betrifft zunehmend auch die Glenoidseite: einzelne hybride Systeme mit zentralem Trabecular-Titanium-Peg wurden so entwickelt, dass bei einer Konversion zur RSA der zentrale Peg als Basis erhalten bleiben kann [14]. Ein Schafterhalt oder Erhalt des Glenoids ist jedoch nicht immer möglich, da Weichteilspannung, Komponentenposition, Fixation, Infektion oder Knochenverlust weiterhin einen vollständigen Komponentenwechsel erforderlich machen können [14,16].</p>

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<h2><b>Anatomische oder inverse Prothese?</b></h2>
<p>Bei primärer glenohumeraler Arthrose (Omarthrose) und funktionsfähiger Rotatorenmanschette bleibt die anatomische Schulterendoprothese die funktionsgerechteste Rekonstruktion. Sie stellt die native Kugel-Pfannen-Beziehung wieder her und erhält die Rotationsbeweglichkeit im Allgemeinen besser als die RSA [1,2,17]. Für aktive Patienten, deren Sport oder Beruf von Außenrotation, Innenrotation und Rotatorenmanschettenfunktion abhängt, bleibt dieser Rotationsvorteil klinisch relevant.</p>
<p>Die RSA ist das bevorzugte Verfahren, wenn die Rotatorenmanschette irreparabel geschädigt ist, eine Instabilität oder ein ausgeprägter Glenoidknochenverlust eine anatomische Rekonstruktion gefährden oder das Risiko einer sekundären Rotatorenmanschettenruptur klinisch nicht akzeptabel ist [18-20]. Auch bei Omarthrose mit intakter Rotatorenmanschette hat sich die Indikation zur RSA erweitert, insbesondere bei älteren Patienten mit ausgeprägter Glenoiddeformität, posteriorer Subluxation, relevanter Steifigkeit oder grenzwertiger Sehnenqualität [1,2].</p>
<p>Aktuelle vergleichende Daten unterstützen dieses stärker individualisierte Vorgehen. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 zur glenohumeralen Arthrose mit intakter Rotatorenmanschette zeigte nach RSA niedrigere Komplikations- und Reoperationsraten als nach aTSA im kurz- bis mittelfristigen Verlauf. Gleichzeitig erreichte die aTSA eine um etwa 9° größere postoperative Außenrotation und überschritt damit die akzeptierte minimal klinisch relevante Differenz von 3° [2]. Eine multizentrische Studie, die die besten frühen klinischen Ergebnisse nach aTSA und RSA verglich, fand ebenfalls exzellente mittelfristige Ergebnisse beider Verfahren, jedoch eine größere postoperative Außenrotation nach aTSA [17]. Eine große populationsbasierte Kohortenstudie zeigte, dass die RSA bei Patienten ab 60 Jahren mit Arthrose und intakter Rotatorenmanschette eine akzeptable Alternative zur aTSA darstellt, ohne klinisch relevanten Unterschied hinsichtlich langfristiger Revision, schwerer unerwünschter Ereignisse, Reoperationen, verlängerter Krankenhausverweildauer, Veränderung des Oxford Shoulder Score oder modellierter lebenslanger Gesundheitskosten [1].</p>
<p>Eine frühere erfolgreiche Rekonstruktion der Rotatorenmanschette stellt keine grundsätzliche Kontraindikation für eine aTSA dar. Dennoch sollte sie bei der Indikationsstellung und Aufklärung berücksichtigt werden, da eine sekundäre Rotatorenmanschetteninsuffizienz nach anatomischer Schulterendoprothetik ein relevantes Langzeitrisiko bleiben kann [21,22]. Eine begleitende RM-Rekonstruktion im Rahmen einer aTSA kann bei ausgewählten Patienten mit kleinen oder mittelgroßen rekonstruierbaren Rupturen und erhaltener Sehnenqualität erwogen werden. Eine schlechte Sehnenqualität, fettige Degeneration, ein Humeruskopfhochstand oder eine verminderte akromiohumerale Distanz sollten hingegen eher für eine RSA sprechen [21,22].</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>Besondere Aspekte: Der aktive Patient</h2>
<p>Aktive Patienten legen häufig großen Wert auf Schmerzlinderung, Schulterfunktion, Kraft, Trainingstoleranz und die Rückkehr zu körperlicher Aktivität. Diese Erwartungen müssen gegen Standzeit der Implantate, Glenoidfixation, Belastbarkeit der Rotatorenmanschette und die Komplexität einer möglichen Revision abgewogen werden [3,23]. Entscheidend ist daher nicht nur, ob der Patient eine Endoprothese erhalten sollte, sondern welche Rekonstruktion das verlässlichste Verhältnis zwischen Funktion und Haltbarkeit bietet.</p>
<p>Bei Arthrose mit intakter Rotatorenmanschette bleibt die aTSA für aktive Patienten die bevorzugte Option, da sie die native Anatomie rekonstruiert und im Allgemeinen eine bessere Rotationsfunktion erhält [2,17]. Bei fraglicher Rotatorenmanschettenqualität, ausgeprägter Glenoiddeformität, relevanter Steifigkeit, posteriorer Instabilität oder erhöhtem Risiko einer späteren Rotatorenmanschettenläsion kann die RSA trotz weniger physiologischer Biomechanik die verlässlichere schmerzlindernde Rekonstruktion darstellen [1,2].</p>
<p>Auch die typischen Langzeitprobleme unterscheiden sich zwischen den Verfahren. Nach aTSA stehen vor allem glenoidale Lockerung, Polyethylenabrieb, posteriore Instabilität bei ausgeprägter Glenoiddeformität sowie eine sekundäre Insuffizienz der Rotatorenmanschette im Vordergrund [8,9]. Nach RSA sind hingegen Instabilität, Scapular Notching, Stressfrakturen des Akromions oder der Spina scapulae, Einschränkungen der Rotation sowie technisch anspruchsvolle Revisionen relevante Aspekte [18,19]. Das klassische Grammont-Konzept gilt als biomechanische Grundlage der inversen Schulterendoprothetik und zielt darauf ab, die Deltoidfunktion bei insuffizienter Rotatorenmanschette nutzbar zu machen. Moderne Implantate variieren dieses Konzept, um Stabilität, Weichteilspannung, Beweglichkeit und glenoidale Belastbarkeit zu optimieren. Eine retrospektive Vergleichsstudie fand vergleichbare kurzfristige Ergebnisse für den biologischen und den metallischen Glenoidaufbau in der inversen Schulterprothetik (BIO-RSA/MIO-RSA). Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit beschreibt mögliche Vorteile der MIO-RSA, lässt aufgrund heterogener Studien jedoch nur vorsichtige Schlussfolgerungen zu [18,24,25].</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>Besondere Aspekte: Der Sportler</h2>
<p>Sportler sollten anhand des Belastungsprofils der Schulter und der funktionellen Anforderungen ihrer Sportart beurteilt werden. Überkopfbewegungen, axiale Belastungen, Sturzrisiko, kontaktbedingte Belastung und repetitive Kraftbelastungen erzeugen unterschiedliche Beanspruchungen des Implantats. Nicht-Überkopf- und Sportarten mit geringer Belastung wie Radfahren, Wandern, Laufen, Golf, Training auf dem Crosstrainer und kontrolliertes Fitnesstraining erlauben daher in der Regel eine besser vorhersehbare Rückkehr zum Sport als Kollisionssportarten, Wurfsportarten, Klettern, schweres Krafttraining und Überkopfsportarten [23,26].</p>
<p>Sportler mit Überkopfbelastung sollten gezielt aufgeklärt werden, dass weniger Schmerzen nach einer Schulterendoprothese nicht automatisch bedeuten, dass sie wieder die gleiche Geschwindigkeit, Kraft, Koordination oder das frühere Wettkampfniveau erreichen. Racketsportarten, Schwimmen, Volleyball, Wurfsportarten und Überkopfübungen im Krafttraining hängen in hohem Maße von Schulterrotation, Subskapularisfunktion, Funktion der hinteren Rotatorenmanschette und Skapulakontrolle ab [26,27]. Krafttraining sollte gesondert besprochen werden, da schweres Drücken, Maximalkraftversuche, repetitive axiale Kompression und belastete Endpositionen die mechanische Beanspruchung des Implantats erhöhen können – insbesondere glenoidseitig [27,28]. Bei hochbelastenden Gewichthebern, die nach aTSA weiter trainierten, betrug die postoperative Leistung im Bankdrücken im Mittel 46,8 % des präsymptomatischen Maximums [28]. Bei sehr jungen Kraftsportlern mit erhaltener Rotatorenmanschette, dominierend humeraler Pathologie und problematischer Glenoidbelastung sollte deshalb eine glenoidsparende Hemi-Strategie zumindest als selektive Option diskutiert werden, ohne eine Rückkehr zu Maximalkraftbelastungen zu versprechen [6,7].</p>
<p>Bei Sportlern mit Arthrose bei intakter Rotatorenmanschette, hohem Rotationsbedarf und rekonstruierbarer Glenoidanatomie wird die aTSA in der Regel bevorzugt, wenn die sportartspezifische Leistungsfähigkeit von Rotation und Rotatorenmanschettenfunktion abhängt [2,17]. Bei irreparabler Rotatorenmanschetteninsuffizienz, Defektarthropathie, Pseudoparese, fehlgeschlagener RM-Rekonstruktion oder fehlgeschlagener Vorprothese kann die RSA dagegen die verlässlichere Option zur Schmerzlinderung und Wiederherstellung der Elevation sein. Die Erwartungen an eine Überkopffunktion nach RSA sollten jedoch zurückhaltend gestellt werden [18,29,30].</p>
<h2><b>Return to Sport</b></h2>
<p>Die Rückkehr zum Sport (Return to Sport) nach Schulterendoprothetik ist häufig, die berichteten Raten variieren jedoch je nach Implantattyp, Sportart, Nachbeobachtungsdauer, präoperativem Aktivitätsniveau und Definition der Rückkehr [23,26]. Low-Impact-Sportarten können erwogen werden, sobald Schmerzen kontrolliert sind, die Weichteile verheilt sind, eine funktionelle aktive Beweglichkeit besteht und die Kraft ausreichend aufgebaut wurde. Überkopf- und Kraftsportarten erfordern in der Regel eine langsamere und stärker individualisierte Belastungssteigerung [23,26].</p>
<p>Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse aus dem Jahr 2025 berichtete mittlere Return to Sport Raten von 91% nach aTSA und 80% nach RSA bei einem Mindest-Follow-up von 2 Jahren [23]. Frühere systematische Übersichtsarbeiten zeigten ebenfalls höhere Rückkehrraten nach aTSA als nach RSA oder Hemiendoprothese, wenngleich auch viele RSA-Patienten wieder Freizeitsport ausüben konnten [26]. Bei Patienten im Alter von 55 Jahren oder jünger nach aTSA zeigt eine Studie eine hohe Zufriedenheit und eine Rückkehr von 96,4% zu mindestens einer zuvor ausgeübten Sportart nach im Mittel 6,7 Monaten [31].</p>
<p>Die Rückkehr zum Sport nach RSA ist möglich, aber variabler und stark von der Sportart abhängig. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 fand Return-to-Sport-Raten nach primärer RSA zwischen 48% und 100%, mit sportartspezifischen Rückkehrraten von 50% bis 100% für Golf und 64% bis 67% für Schwimmen [29]. Primäre RSA-Kohorten zeigen niedrigere Rückkehrraten für hochbelastende Sportarten als für niedrig- und mittelbelastende Sportarten. Häufige Barrieren sind eingeschränkte Beweglichkeit, Angst vor einer Verletzung, Muskelschwäche, mangelndes Vertrauen und Schwierigkeiten bei Überkopfaktivitäten [27,29,30].</p>
<p>Return-to-Sport-Raten sollten nicht als direkter Maßstab für Implantaterfolg oder -versagen interpretiert werden. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 zeigte, dass viele Gründe für die ausbleibende Rückkehr zu Sport oder Arbeit nicht schulterbezogen waren. Patientenspezifische Faktoren, Komorbiditäten, veränderte Lebensumstände und Motivation können die Rückkehr somit unabhängig vom operativen Ergebnis beeinflussen [23]. Die postoperative Beurteilung sollte daher Schmerzlinderung, Funktion, Aktivitätsniveau und den Grund für eine ausbleibende Rückkehr berücksichtigen, anstatt allein die Return-to-Sport-Rate heranzuziehen.</p>
<p>Der stufenweise Belastungsaufbau nach aTSA oder RSA verläuft in der Regel von geschützter passiver Mobilisation über aktive Bewegung zu Skapulakontrolle und Kräftigung der Rotatorenmanschette bzw. des Deltamuskels und schließlich zu sportartspezifischer Belastung. Nach aTSA sollten Entscheidungen zur Rückkehr zum Sport die Rotatorenmanschettenintegrität, die Subskapularissehnenheilung, die Glenoidfixation und den unklaren langfristigen Einfluss repetitiver schwerer oder endgradiger Belastung auf die Standzeit der Glenoidkomponente berücksichtigen [8,28]. Nach RSA sollten Deltamuskelfunktion, Stabilität, Sturzrisiko, plötzliche Zugbelastungen und persistierende Rotationslimitationen berücksichtigt werden [27,29,30].</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2><b>Präoperative Aufklärung und gemeinsame Entscheidungsfindung</b></h2>
<p>In der präoperativen Aufklärung sollten Schmerzlinderung, Alltagsfunktion, Return to Sport, Rückkehr zum gleichen Leistungsniveau, Rückkehr zur Arbeit, Implantatstandzeit und Revisionsrisiko getrennt besprochen werden, da sich diese Endpunkte nicht immer parallel entwickeln [3,23]. Patienten sollten verstehen, dass Schulterendoprothetik in erster Linie ein schmerzlinderndes Verfahren ist, das eine Rückkehr zum Sport ermöglichen kann, jedoch keine normale Schulter vollständig wiederherstellt. Das Endergebnis hängt weiterhin von Sehnen- und Knochenqualität, Implantatfixation und Weichteilbalance ab [2,4].</p>
<p>Der Operateur sollte Beruf, Erwartungen, Hauptsportart, Leistungsniveau, Trainingsfrequenz, Überkopfbelastung, Gewichtsbelastung, Unfallrisiko und die Bereitschaft zur Anpassung von Technik oder Intensität dokumentieren [23,26]. Die Aufklärung sollte zudem Nutzen und Risiken der jeweiligen Implantatoptionen erklären. Diese Beratung sollte individuell erfolgen und nicht auf einer pauschalen Liste erlaubter oder verbotener Sportarten beruhen. Für viele aktive Patienten ist das realistischste Ziel eine modifizierte, freizeitsportliche Aktivität unter Vermeidung von Maximalkraftbelastungen, Kollisionssituationen, repetitiver schmerzhafter Überkopfbelastung und Aktivitäten mit hohem Sturzrisiko.</p>
<p>Bei der aTSA sollten Patienten die Vorteile der anatomischen Gelenkmechanik und des besseren Rotationspotenzials kennen, aber auch die Risiken eines glenoidbezogenen und rotatorenmanschettenbezogenen Versagens. Bei der RSA sollten die Vorteile der rotatorenmanschettenunabhängigen Elevation und der zuverlässigen Schmerzlinderung bei Schultern mit Rotatorenmanschettendefekt erläutert werden, ebenso die Risiken von Rotationslimitation, Instabilität, Stressfrakturen des Akromions oder der Spina scapulae und komplexer Revision [18,19]. Bei schaftfreien Implantaten, Oberflächenersatz, zementfreien, hybriden oder konvertierbaren Systemen sollte zwischen theoretischen Vorteilen und langfristig belegter Evidenz unterschieden werden. Dies gilt besonders für neue Werkstoffe und Oberflächen wie Pyrocarbon, Trabecular Titanium und Vitamin-E-angereichertes Polyethylen, die vielversprechend sind, aber nicht automatisch eine höhere Belastbarkeit für jede Sportart bedeuten [6,7,14,15].</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Die Schulterendoprothetik bei aktiven Patienten und Sportlern sollte anhand der Integrität der Rotatorenmanschette, der Glenoidmorphologie, der Knochenqualität, der sportartspezifischen Belastung, der Patientenerwartungen und der langfristigen Revisionsstrategie individualisiert werden [1,3]. Bei glenohumeraler Arthrose mit intakter Rotatorenmanschette bleibt die aTSA die anatomiegerechteste Option und bietet in der Regel Vorteile hinsichtlich der Rotation. Die RSA wird zugleich zunehmend bei älteren Patienten oder bei Schultern, bei denen Rotatorenmanschettenqualität, Glenoiddeformität, Steifigkeit, Instabilität oder das Risiko einer späteren Rotatorenmanschettenläsion vorliegen, eingesetzt [1,2,17].</p>
<p>Die Implantatwahl sollte individualisiert erfolgen und nicht auf einem einzigen bevorzugten Design beruhen. Schaftprothesen, schaftfreie Systeme, Oberflächenersatz, zementierte, zementfreie, hybride und konvertierbare Implantate haben jeweils spezifische Vorteile und Limitationen [5,10]. Bei jungen hochbelastenden Patienten kann eine glenoidsparende Hemi-Strategie eine selektive Option bleiben [6,7]. Bei komplexer Glenoidmorphologie gewinnen präoperative 3D-Planung, sorgfältige Korrektur von Version und Klination, augmentierte Komponenten, Modularität sowie BIO- und MIO-RSA Konzepte an Bedeutung [12-14,24,25]. Neue Materialien wie Pyrocarbon, Trabecular Titanium und Vitamin-E-angereichertes Polyethylen erweitern die technischen Möglichkeiten, sollten aber weiterhin kritisch und indikationsbezogen bewertet werden [6,7,14,15]. Die Rückkehr zum Sport ist nach aTSA häufig und nach RSA möglich, jedoch am ehesten für freizeitsportliche und niedriger belastende Aktivitäten, eher als Elite-Überkopfsport, Kollisionssport oder schweres Krafttraining [23,26,29]. Die aktuelle Datenlage unterstützt eine sorgfältige Indikationsstellung, eine Implantatwahl nach dem dominierenden Versagensrisiko, eine realistische präoperative Aufklärung, eine strukturierte Rehabilitation und eine individuelle Entscheidung zum Return to Sport [1,23].</p>
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</ol>
<p>31. Garcia GH, Liu JN, Sinatro A, Wu HH, Dines JS, Warren RF, Craig EV, Gulotta LV. High satisfaction and return to sports after total shoulder arthroplasty in patients aged 55 years and</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Proteine und Ballaststoffe</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/22829/proteine-und-ballaststoffe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Klaus Pöttgen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Sep 2026 08:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei hoher Proteinzufuhr müssen lösliche Ballaststoffe ergänzt werden, weil sie proteolytische Gärung reduzieren, die Produktion kurzkettiger Fettsäuren (SCFAs) erhöhen, die Darmbarriere schützen und epigenetisch entzündungshemmende Programme aktivieren. Unlösliche Ballaststoffe leisten [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Bei hoher Proteinzufuhr müssen lösliche Ballaststoffe ergänzt werden, weil sie proteolytische Gärung reduzieren, die Produktion kurzkettiger Fettsäuren (SCFAs) erhöhen, die Darmbarriere schützen und epigenetisch entzündungshemmende Programme aktivieren. Unlösliche Ballaststoffe leisten das nicht. Bis zu 35 % des Proteins können unverdaut in den Dickdarm gelangen [1].</b></p>
<p>Dort wird es von Bakterien proteolytisch fermentiert und erzeugt Ammoniak, p‑Kresol, Indol, Schwefelverbindungen und entzündungsfördernde Metabolite, welche die Darmbarriere belasten, systemische Entzündung erhöhen und die Regeneration beeinträchtigen. Lösliche Ballaststoffe reduzieren proteolytische Gärung, indem sie die Darmflora weg von Proteinabbau hin zu saccharolytischer Fermentation lenken. Dadurch entstehen weniger toxische Protein­metabolite, Blähungen, Krämpfe, gastrointestinaler (GI)‑Stress und Endotoxintranslokation [2]. Sie erhöhen die Viskosität im Dünndarm, sorgen für eine langsamere Magenentleerung und gleichmäßigere die Aminosäurefreisetzung (stabilisieren Aminosäurekurve) [3]. Unlösliche Ballaststoffe (z. B. Weizenkleie, Cellulose) können das nicht leisten. Sie werden nicht fermentiert (keine SCFAs) und erhöhen nur das Stuhlvolumen. Sie beschleunigen die Transitzeit, reduzieren nicht proteolytische Gärung und haben keine epigenetischen Effekte [3, 4]. Lösliche Ballaststoffe (z. B. Inulin, PHGG, Akazienfaser, Nutriose®) werden im Kolon von Darmbakterien fermentiert und dabei zu kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs) vor allem Acetat, Propionat und Butyrat umgewandelt. Diese Metabolite sind nicht nur Energiequelle für Kolonozyten, sondern wirken als epigenetische Mediatoren, die direkt in die Genregulation des Wirts eingreifen. Für Sportler und Personen mit hoher Proteinzufuhr ist das relevant, weil SCFAs proteolytische, potenziell toxische Metabolite (Ammoniak, pKresol, Indol) ausbalancieren, die Darmbarriere stabilisieren, Entzündungsprozesse modulieren und über epigenetische Mechanismen Immun- und Stoffwechselprogramme beeinflussen [5].</p>
<h2><strong>Epigenetische Mechanismen von SCFAs-HDAC-Hemmung und Chromatinöffnung</strong></h2>
<p>Butyrat und teilweise Propionat wirken als Histon-Deacetylase-Inhibitoren (HDAC-Inhibitoren). Durch die Hemmung von HDACs bleiben Histone stärker acetyliert, das Chromatin wird „offener“ und bestimmte Gene werden leichter transkribiert. Aktuelle Arbeiten zeigen, dass SCFAs spezifische Histon-Acylierungen (z. B. H3K18pr, H3K18bu, H4K12pr, H4K12bu) erzeugen, diese Modifikationen mit offenen Chromatinregionen und erhöhter Genexpression korrelieren, insbesondere Gene für Wachstum, Differenzierung und Ionentransport modulieren. Damit sind SCFAs direkte epigenetische Schalter, die metabolische Signale (Ballaststoffzufuhr, Mikrobiomaktivität) in Genregulation übersetzen.</p>
<h2><b>Epigenetische Steuerung der Immunantwort</b></h2>
<p>Neuere Studien zeigen, dass SCFAs die Antikörperantwort und B-Zell-Funktion über epigenetische Mechanismen modulieren. In B-Zellen verändern SCFAs Histonmodifikationen und beeinflussen so die Expression von Genen, die für Antikörperproduktion und Differenzierung relevant sind [6]. Parallel dazu wurde gezeigt, dass Butyrat die epitheliale T-Zell-Kommunikation im Darm epigenetisch „lizensiert“ und so eine intestinale Immuntoleranz fördert: SCFAs verändern Chromatinstrukturen in Epithelzellen und Immunzellen und stabilisieren tolerogene Programme [7].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><strong>Darmbarriere</strong></h2>
<p>Butyrat erhöht die Expression von Tight-Junction-Proteinen und Schleimschicht-Komponenten (z. B. MUC2) über epigenetische Modulation von Promotorregionen und Histonmarkierungen. Das führt zu verbesserter Barrierefunktion, reduzierter Translokation von Endotoxinen und geringerer systemischer Entzündung.</p>
<h2><b>Gehirn und Neuroepigenetik</b></h2>
<p>SCFAs wirken nicht nur lokal im Darm, sondern beeinflussen über die Darm–Hirn-Achse auch neuronale Systeme. Eine aktuelle Übersicht beschreibt SCFAs als epigenetische Mediatoren, die Histonmodifikationen in neuronalen und glialen Zellen verändern, neuroinflammatorische Prozesse modulieren und potenziell bei neurodegenerativen Erkrankungen eine Rolle spielen. Damit wird klar Ballaststoffzufuhr und SCFA-­Produktion sind nicht nur „Darmthemen“, sondern systemische, inklusive neuroepigenetische Konsequenzen haben [8].</p>
<h2><b>Vier lösliche Ballaststoffe als Hebel für SCFA-Epigenetik</b></h2>
<p>Lösliche Ballaststoffe unterscheiden sich in Fermentierbarkeit, Verträglichkeit und SCFA-Profil:</p>
<ul>
<li>PHGG (Partially Hydrolyzed Guar Gum): sehr gut verträglich, niedrige Viskosität, stabile Butyratproduktion – ideal für tägliche Proteinshakes.</li>
<li>Akazienfaser: moderate Fermentierbarkeit, hohe Verträglichkeit, Förderung von Bifidobakterien.</li>
<li>Inulin: stark fermentierbar, hohe SCFA-Produktion (v. a. Butyrat, Propionat), aber häufiger Gasbildung.</li>
<li>Nutriose® (Resistant Dextrin): extrem gut löslich, sehr gut verträglich, stabile Butyrat- und Propionatproduktion, blutzuckerstabilisierend und ideal für Sporternährung.</li>
</ul>
<p>Durch gezielte Auswahl und Kombination dieser Fasern lässt sich die SCFA-Produktion und damit die epigenetische Landschaft im Darm und darüber hinaus modulieren. Die bekannten und häufig genutzten Flohsamenschalen (Psyllium) haben übrigens eine Mischform ~ 70 % löslicher und ~ 30 % unlöslicher Ballaststoffe.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-22893" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326-1024x328.jpg" alt="" width="755" height="242" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326-1024x328.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326-300x96.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326-768x246.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326-150x48.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326-450x144.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326-1200x384.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /></p>
<h2><b>Relevanz für Sportphysiologie und hohe Proteinzufuhr</b></h2>
<p>Bei hoher Proteinzufuhr (z. B. 1,4 – 2,0 g/kg/Tag, in Diätphasen bis &gt; 2,3 g/kg/Tag) entsteht ein Spannungsfeld zwischen gewünschter Muskelproteinsynthese und potenziell ungünstiger proteolytischer Fermentation im Kolon. Lösliche Ballaststoffe und SCFA-Produktion bieten hier einen physiologischen Ausgleich durch weniger toxische Proteinmetabolite, stabilere Darmbarriere, geringere systemische Entzündung, epigenetische Förderung tolerogener und regenerativer Programme. Für Athleten ist damit nicht nur die Menge an Protein, sondern die Qualität der begleitenden Ballaststoffzufuhr entscheidend.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<ul>
<li>SCFAs sind zentrale epigenetische Mediatoren, die:</li>
<li>Histonmodifikationen (Acetylierung, Propionylierung, Butyrylierung) steuern,</li>
<li>Chromatinzugänglichkeit und Genexpression verändern,</li>
<li>Immunantwort, Darmbarriere und sogar neuronale Prozesse modulieren.</li>
</ul>
<p>Lösliche Ballaststoffe – insbesondere PHGG, Akazienfaser, Inulin und Nutriose® – sind der steuerbare Eingang in dieses System. Über sie lässt sich die SCFA-Produktion und damit die epigenetische Regulation gezielt beeinflussen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol>
<li>Evenepoel et al., 1998</li>
<li>Macfarlane &amp; Macfarlane, <em>Journal of Applied Microbiology</em>. J AOAC Int . 2012 Jan-Feb;95(1):50-60. doi: 10.5740/jaoacint.sge_macfarlane. Bacteria, colonic fermentation, and gastrointestinal health.</li>
<li>Slavin, <em>Nutrition Research Reviews</em> 2013 – Nutrients. 2013 Apr 22;5(4):1417-35. doi: 10.3390/nu5041417. Fiber and prebiotics: mechanisms and health benefits</li>
<li>Stephen &amp; Cummings, <em>Gut</em> 1980 – J Med Microbiol.1980 Feb;13(1):45-56.doi: 10.1099/00222615-13-1-45. The microbial contribution to human faecal mass</li>
<li><a href="https://www.nature.com/articles/s42255-024-01191-9.pdf">https://www.nature.com/articles/s42255-024-01191-9.pdf</a> 2024</li>
<li><a href="https://www.nature.com/articles/s41467-019-13603-6">https://www.nature.com/articles/s41467-019-13603-6</a> 2020</li>
<li><a href="https://www.nature.com/articles/s41467-026-75600-w">https://www.nature.com/articles/s41467-026-75600-w</a> 2026</li>
<li><a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666517426000295">https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666517426000295</a> 2026</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sauerstoff zwischen Substrat, Reiz und Therapie &#8211; IHHE, HBOT und Sportmedizin</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22959/sauerstoff-zwischen-substrat-reiz-und-therapie-ihhe-hbot-und-sportmedizin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Robert Percy Marshall]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 06:05:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[90 Sek]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
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					<description><![CDATA[Sauerstoff ist für die aerobe Energiegewinnung in den Mitochondrien unverzichtbar. Seine medizinische Wirkung folgt jedoch nicht dem einfachen Prinzip „mehr ist besser“. Abhängig von Dosis, Dauer und Applikationsform kann sowohl [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="isselectedend"><span style="color: black;">Sauerstoff ist für die aerobe Energiegewinnung in den Mitochondrien unverzichtbar. Seine medizinische Wirkung folgt jedoch nicht dem einfachen Prinzip „mehr ist besser“. Abhängig von Dosis, Dauer und Applikationsform kann sowohl ein kontrollierter Sauerstoffmangel als auch ein zeitlich begrenztes Überangebot adaptive Prozesse auslösen.</span></p>
<p class="isselectedend" style="caret-color: #000000; font-variant-caps: normal; orphans: 2; text-align: start; widows: 2; -webkit-text-stroke-width: 0px; text-decoration-line: none; text-decoration-thickness: auto; text-decoration-style: solid; word-spacing: 0px;"><span style="color: black;">Bei der intermittierenden Hypoxie-Hyperoxie-Exposition (IHHE) wechseln sich hypoxische und hyperoxische Atemphasen ab. Die vorübergehende Absenkung der Sauerstoffsättigung wirkt dabei als dosierter biologischer Stressreiz. Erste Studien weisen auf mögliche Verbesserungen der Belastungstoleranz, der maximalen Sauerstoffaufnahme sowie einzelner kardiometabolischer und kognitiver Parameter hin. Diskutiert werden Anpassungen der mitochondrialen Funktion, der Gefäßregulation und des autonomen Nervensystems. Die bisherige Evidenz ist jedoch noch begrenzt; optimale Dosierungen und eine Überlegenheit gegenüber der Hypoxie-Normoxie-Exposition sind nicht abschließend geklärt.</span></p>
<p class="isselectedend" style="caret-color: #000000; font-variant-caps: normal; orphans: 2; text-align: start; widows: 2; -webkit-text-stroke-width: 0px; text-decoration-line: none; text-decoration-thickness: auto; text-decoration-style: solid; word-spacing: 0px;"><span style="color: black;">Davon klar abzugrenzen ist die hyperbare Sauerstofftherapie (HBOT). Sie führt unter erhöhtem Umgebungsdruck zu einer ausgeprägten Steigerung des Sauerstoffangebots in Blut und Gewebe. Für definierte Indikationen wie Dekompressionskrankheit, Kohlenmonoxidvergiftung, ausgewählte Wundheilungsstörungen oder Strahlenschäden ist sie medizinisch etabliert. Anwendungen bei Long COVID, neurodegenerativen Erkrankungen oder zur allgemeinen Leistungssteigerung sind dagegen als Off-Label beziehungsweise experimentell einzuordnen.</span></p>
<p style="caret-color: #000000; font-variant-caps: normal; orphans: 2; text-align: start; widows: 2; -webkit-text-stroke-width: 0px; text-decoration-line: none; text-decoration-thickness: auto; text-decoration-style: solid; word-spacing: 0px;"><span style="color: black;">Für die Sportmedizin eröffnet die gezielte Modulation des Sauerstoffangebots ein interessantes Feld zwischen metabolischer Konditionierung, Prähabilitation und Regeneration. Entscheidend bleiben eine ärztliche Indikationsstellung, individuell angepasste Protokolle, medizinische Überwachung und messbare Behandlungsziele. Sauerstoff ist damit weder Lifestyle-Versprechen noch universelle Therapie – sondern ein potenter, präzise zu dosierender biologischer Reiz.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mehr Infos zu der Thematik finden Sie in dem ausführlichen Artikel von Dr. med. Robert Percy Marshall <a href="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/ARTIKEL_IHHT_HBOT.pdf">ARTIKEL_IHHT_HBOT</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Veröffentlicht: 11.09.2026</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Darmgesundheit, Ballaststoffe, SCFAs und Sport</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/22895/darmgesundheit-scfas-und-sport/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Kerstin Herzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Sep 2026 08:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22895</guid>

					<description><![CDATA[Intensive Trainingsphasen bei gut trainierten Athleten fördern eine erhöhte Produktion kurzkettiger Fettsäuren (SCFAs – Propionat, Butyrat) durch das Darmmikrobiom und gehen mit beschleunigtem Darmtransit und charakteristischen mikrobiellen Verschiebungen einher. Diese [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Intensive Trainingsphasen bei gut trainierten Athleten fördern eine erhöhte Produktion kurzkettiger Fettsäuren (SCFAs – Propionat, Butyrat) durch das Darmmikrobiom und gehen mit beschleunigtem Darmtransit und charakteristischen mikrobiellen Verschiebungen einher. Diese Effekte sind nicht allein durch Ernährung erklärbar und zeigen, dass die Trainingsbelastung selbst ein signifikanter Modulator von SCFA-Profilen und Darmfunktion ist.</b></p>
<p>Eine gezielte Zufuhr löslicher Ballaststoffe wirkt dabei synergistisch, insbesondere β-Glucane aus Hafer sowie Flohsamenschalen, die überwiegend hochvisköse, fermentierbare Polysaccharide enthalten und primär über Arabinoxylane wirken. Dabei besteht eine bidirektionale Beziehung zwischen Darmgesundheit und Leistung, moderiert über die Ernährung und Zufuhr von löslichen Ballaststoffen. Der menschliche Darm beherbergt Billionen von Mikroorganismen – Bakterien, Viren und Pilze –, die gemeinsam als Mikrobiom bezeichnet werden. Dieses Ökosystem spielt eine zentrale Rolle bei der Verdauung, dem Immunsystem und sogar der psychischen Gesundheit. Eine vielfältige und stabile Darmflora gilt als Indikator für gute Darmgesundheit.</p>
<h2><b>Was sind kurzkettige Fettsäuren (SCFAs)?</b></h2>
<p>Bei der Fermentation von Ballaststoffen durch Darmbakterien entstehen kurzkettige Fettsäuren, hauptsächlich</p>
<ul>
<li>Butyrat: Hauptenergiewirt für Darmzellen, stärkt die Schleimhautbarriere</li>
<li>Propionat: Beeinflusst den Glukosestoffwechsel in der Leber</li>
<li>Acetat: Gelangt ins Blut und kann Fettstoffwechsel sowie Appetitregulation beeinflussen.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
</ul>
<p>Diese Verbindungen reduzieren Entzündungen, stärken die Darmwand und können metabolische Prozesse im gesamten Körper positiv modulieren.</p>
<h2><b>Wie beeinflusst Sport das Darmmikrobiom?</b></h2>
<p>Körperliche Aktivität wirkt sich nachweislich auf die Zusammensetzung und Funktion der Darmbakterien aus. Positive Effekte sind:</p>
<ul>
<li>Erhöhte Diversität der Mikrobenarten</li>
<li>Förderung bakterieller Stämme, die SCFAs produzieren</li>
<li>Verbesserte Darmbarrierefunktion („Leaky Gut“-Prävention)</li>
<li>Geringere systemische Entzündungswerte</li>
</ul>
<p>Wichtig ist dabei jedoch Konsistenz. Extreme Belastungen ohne ausreichende Regeneration können kurzfristig negative Effekte haben. Interessant ist die wechselseitige Beziehung zwischen Darm und Leistung.</p>
<p>Sport → Darm: Mehr mikrobielle Vielfalt, höhere SCFA-Produktion</p>
<p>Darm → Sport: Verbesserte Energiebereitstellung, bessere Regeneration, stabileres Immunsystem</p>
<p>Die gesteigerte Produktion von SCFAs wie Propionat und Butyrat liefert den Kolonozyten essenzielle Energie und moduliert das Immunsystem. Zudem wirken diese Metabolite stark entzündungshemmend und unterstützen die Integrität der Darmschleimhaut. Ein gesunder Darm mit hoher Butyrat-Konzentration kann die oxidative Stressreaktion während intensiver Trainingseinheiten abpuffern und somit die Anpassung an Trainingsreize fördern. Dieser Effekt wird unterstützt durch eine Ernährung mit ausreichenden Anteilen an löslichen Ballaststoffen.</p>
<h2><b>Lösliche Ballaststoffe und Darmgesundheit</b></h2>
<p>Lösliche Ballaststoffe sind ein zentraler Baustein für eine gesunde Verdauung und weit mehr als nur „Füllstoffe“. Sie lösen sich in Wasser, bilden visköse Gele und werden im Dickdarm von Mikroorganismen fermentiert. Die dabei entstehenden SCFAs (kurzkettige Fettsäuren Acetat, Propionat und insbesondere Butyrat) dienen als Energieträger für die Darmepithelzellen, stärken die Schleimhautbarriere und modulieren lokale Entzündungsprozesse. Dieser vielschichtige Wirkmechanismus erklärt, warum lösliche Ballaststoffe positive Effekte auf Stuhlregularität, Reizdarmsymptome, entzündliche Darmerkrankungen, Blutfette, Blutzuckerregulation und sogar auf das Immunsystem haben können.</p>
<h2><b>Was lösliche Ballaststoffe auszeichnet und deren wichtige Vertreter</b></h2>
<p>In Kontakt mit Flüssigkeit quellen lösliche Ballaststoffe auf und bilden Gele. Diese verlangsamen die Magenentleerung und den Transit im Dünndarm, was ein gleichmäßigeres Freisetzen von Nährstoffen ermöglicht. Im Dickdarm werden die löslichen Ballaststoffe dann von Darmbakterien abgebaut. Das fördert das Wachstum nützlicher Keime (z. B. Bifidobakterien) und erhöht die Produktion kurzkettiger Fettsäuren.<span class="Apple-converted-space">  </span>Dazu kommen positive Effekte auf den Stoffwechsel: Durch die Gelbildung binden lösliche Fasern Gallensäuren und können so LDL-Cholesterin senken. Außerdem glätten sie Blutzuckerspitzen nach Mahlzeiten, weil die Kohlenhy­drataufnahme langsamer erfolgt. Wichtige Vertreter und deren Besonderheiten sind:</p>
<ul>
<li>Inulin und Fructo-Oligosaccharide (FOS): Präbiotische Fasern aus Chicorée, Topinambur, Zwiebeln, Knoblauch. Sie fördern vor allem Bifidobakterien. Bei empfindlichen Personen können sie in höheren Mengen Blähungen auslösen (FODMAPs).</li>
<li>Galacto-Oligosaccharide (GOS): Präbiotisch wirksam, natürlicherweise in Hülsenfrüchten; häufig in funktionellen Lebensmitteln zugesetzt. Günstig für die Barrierefunktion und das Immunsystem.</li>
<li>Psyllium (Flohsamenschalen): Reich an visköser, teilweise fermentierbarer Faser. Gut belegt bei Reizdarmsyndrom (IBS) zur Verbesserung von Stuhlform und -frequenz; wirkt sowohl bei Verstopfung als auch bei Durchfall regulierend.</li>
<li>Beta-Glucane: Aus Hafer und Gerste. Ausgeprägt cholesterin­senkend, günstig für die Blut­zuckersteuerung und mikrobiell fermentierbar.</li>
<li>Pektin: In Äpfeln, Zitrusfrüchten, Beeren. Wirkt gelbildend und unterstützt die Stuhlregularität.</li>
<li>Resistente Dextrine / partiell hydrolysierte Guarbohne (PHGG): Gut verträglich, milde Präbiotika; oft in Studien bei IBS und funk­tionellen Darmbeschwerden mit positiver Symptomverbesserung getestet.</li>
</ul>
<h2><b>Einflu</b><b>ß</b><b> auf Darmbarriere, Stuhlregulation, Entzündung und Metabolismus</b></h2>
<p>Die Darmschleimhaut bildet mit Tight Junctions eine selektive Barriere. Butyrat, als Endprodukt der Fermentation löslicher Ballaststoffe, ist die bevorzugte Energiequelle für Kolonozyten. Es fördert die Schleimproduktion, stärkt Tight Junctions, senkt den pH-Wert im Darmlumen (hemmend für potenziell pathogene Keime) und wirkt entzündungsmodulierend, etwa über die Beeinflussung von Histon-Deacetylasen und G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. So kann eine ballaststoffreiche Kost die Barrierefunktion verbessern und das Risiko für entzündliche Zustände im Darm reduzieren. Parallel tragen präbiotische Effekte zu einer vielfältigeren und stabileren Mikrobiota bei, die wiederum resiliente Verdauungs- und Immunfunktionen unterstützt. Lösliche, visköse Fasern erhöhen die Wasserbindung im Stuhl und normalisieren damit die Konsistenz. Bei Verstopfung wird der Stuhl weicher und voluminöser, bei Durchfall verlängert die Gelmatrix die Transitzeit und bindet überschüssige Flüssigkeit. Besonders Flohsamenschalen hat in randomisierten Studien gezeigt, dass es die Stuhlform nach der Bristol-Skala Richtung Normbereich verschiebt und Bauchschmerzen, Blähungen sowie das Gesamtbefinden bei Reizdarm verbessern kann. Im Vergleich zu unlöslichen Ballaststoffen (z. B. Weizenkleie) ist die Verträglichkeit bei sensiblen Personen häufig besser, da harte, mechanische Reize geringer sind. Ebenso besteht ein Einfluss auf Blutzucker und Cholesterin: Durch die Viskosität der löslichen Fasern wird die Resorption von Kohlenhydraten verlangsamt, was postprandiale Blutzuckerspitzen dämpft und die Insulindynamik entlastet. Bei regelmäßigem Verzehr kann dies die glykämische Kontrolle unterstützen. Zudem binden visköse Fasern wie Beta-Glucane und Flohsamenschalen Gallensäuren, die dann vermehrt ausgeschieden werden. Der Körper verwendet Cholesterin zur Neubildung von Gallensäuren, was zu niedrigeren LDL-Spiegeln beitragen kann. Diese Effekte sind besonders relevant bei metabolischem Syndrom und kardiovaskulären Risikofaktoren.</p>
<h2><b>Epigenetische Regulation</b></h2>
<p>SCFAs können die Genaktivität verändern, indem sie Histone modifizieren und die DNA-Methylierung regulieren. Darüber wird Entzündungsaktivität gehemmt und der Stoffwechsel reguliert, sogar das Darmkrebsrisiko wird reduziert. Die wichtigsten epigenetischen Mechanismen der SCFAs sind:</p>
<ul>
<li>Hemmung der Histon-Deacetylasen (HDAC-Inhibitoren): Besonders Butyrat (Buttersäure) ist ein starker Inhibitor von HDAC-Enzymen. Werden HDACs blockiert, bleiben die Histone (Verpackungsproteine der DNA) acetyliert. Im Ergebnis lockert sich die DNA-Struktur. Gene werden besser zugänglich und können abgelesen werden. Dies hemmt unter anderem Entzündung und fördert die Darmgesundheit.</li>
<li>Einfluss auf die DNA-Methylierung: SCFAs beeinflussen das Gleich­gewicht von Enzymen, die Methylgruppen an die DNA anheften (DNMTs) oder entfernen (TET-Enzyme). Durch die Modu­lation dieser Enzyme können SCFAs bestimmte Gene „stilllegen“ oder aktivieren. Dies hilft, epigenetische Fehlsteuerungen zu korrigieren, die durch unausgewogene Ernährung oder chronische Entzündungen entstehen können</li>
</ul>
<h2><b>Quellen für lösliche Ballaststoffe im Alltag</b></h2>
<ul>
<li>Haferflocken, Haferkleie und Gerste (Beta-Glucane).</li>
<li>Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen, Bohnen (GOS, Pektinanteile).</li>
<li>Obst: Äpfel, Zitrusfrüchte, Beeren (Pektin).</li>
<li>Gemüse: Karotten, Schwarzwurzeln, Artischocken, Lauchgemüse (Pektin, Inulin / FOS).</li>
<li>Nüsse und Samen: Flohsamen­schalen, Chiasamen, Leinsamen (Flohsamen besonders viskos; Chia / Lein enthalten auch Schleimstoffe).</li>
<li>Funktionelle Zutaten: Inulin / FOS aus Chicorée, PHGG, resistente Dextrine; oft in Joghurt, Riegeln oder als Pulver erhältlich.</li>
</ul>
<h2><b>Alltagstaugliche Tipps für den Einstieg</b></h2>
<p><strong>Langsam steigern:</strong> Beginnen Sie mit kleinen Mengen (z. B. 1 TL Flohsamenschalen oder ½ Tasse Hülsenfrüchte pro Tag) und erhöhen Sie wöchentlich. Eine abrupte Erhöhung kann Blähungen und Druckgefühl begünstigen.</p>
<p><strong>Ausreichend trinken:</strong> Visköse Fasern brauchen Flüssigkeit. Ziel sind etwa 1,5 – 2 Liter Wasser täglich, angepasst an Körpergröße, Aktivität und Klima.</p>
<p><strong>Clever kombinieren:</strong> Eine Mahlzeit aus Haferflocken, Apfelstücken und Naturjoghurt liefert Beta-Glucane, Pektin und fermentierte Milchprodukte in einer verträglichen Matrix.</p>
<p><strong>Timing beachten:</strong> Flohsamenschalen 30 Minuten vor einer Mahlzeit mit ausreichend Wasser eingenommen kann die Sättigung erhöhen und glykämische Spitzen glätten.</p>
<p><strong>Kochen optimieren:</strong> Einweichen, Keimen und sorgfältiges Garen von Hülsenfrüchten verbessert die Verträglichkeit, reduziert FODMAPs und Antinährstoffe.</p>
<p><strong>Vielfalt zählt:</strong> Unterschiedliche Fasertypen nähren verschiedene Bakteriengruppen. Rotieren Sie Quellen über die Woche hinweg.</p>
<h2><b>Besondere Situationen und Verträglichkeit</b></h2>
<p><strong>FODMAP-Sensitivität / IBS:</strong> Inulin und FOS können Symptome triggern. Besser verträglich sind oft Flohsamenschalen, PHGG und Hafer-Beta-Glucane. Ein temporäres Low-FODMAP-Vorgehen mit schrittweiser Wiedereinführung kann sinnvoll sein.</p>
<p><strong>Medikamente:</strong> Zwischen Flohsamenschalen und oralen Medikamenten 1 – 2 Stunden Abstand halten, um die Absorption nicht zu beeinträchtigen. Bei Antikoagulanzien oder Schilddrüsenhormonen Rücksprache mit Arzt halten.</p>
<p><strong>Stoffwechselerkrankungen:</strong> Bei Diabetes können lösliche Fasern helfen, die glykämische Kontrolle zu verbessern; Dosisanpassungen von Medikamenten sollten medizinisch begleitet werden.</p>
<p><strong>Entzündliche Darmerkrankungen:</strong> In stabilen Phasen profitieren viele von löslichen Fasern; bei akuten Schüben ist Verträglichkeit individuell zu prüfen.</p>
<h2><b>Konkrete Anwendungsvorschläge</b></h2>
<p><strong>Frühstück:</strong> 50 – 80 g Haferflocken mit 1 EL Flohsamenschalen, Beeren und einem geriebenen Apfel. Optional 1 TL Flohsamenschalen in Joghurt einrühren und direkt trinken.</p>
<p><strong>Mittag:</strong> Linsensalat mit Karotten, Lauchzwiebeln, Zitronensaft und Olivenöl; dazu Orangenfilets für Pektin und Vita­min C.</p>
<p><strong>Snack:</strong> Naturjoghurt mit einer kleinen Portion Inulinpulver (2 – 3 g) zum Testen der Verträglichkeit; bei Beschwerden Menge reduzieren oder auf PHGG umsteigen.</p>
<p><strong>Abend:</strong> Gerstensuppe mit Wurzelgemüse; Vollkornbrot mit Hummus als präbiotische Ergänzung.</p>
<h2><b>Empfohlene Mengen und Zielwerte<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Die meisten Ernährungsgesellschaften empfehlen für Erwachsene insgesamt etwa 25 – 35 g Ballaststoffe pro Tag. Ein sinnvoller Fokus liegt darauf, einen substanziellen Anteil aus löslichen, viskösen Fasern zu decken, etwa 5 – 10 g täglich aus Quellen wie Hafer, Gerste, Flohsamenschalen, Pektin-reichem Obst und geeigneten Präbiotika. Praktisch erreichbar ist das über:</p>
<ul>
<li>1 Portion Hafer(Beta-Glucane: ca. 2 – 3 g),</li>
<li>1 – 2 Portionen Obst / Gemüsemit hohem Pektinanteil,</li>
<li>1 Portion Hülsenfrüchte,</li>
<li>1 – 2 TL Flohsamenschalen (lösliche Faser: ca. 3 – 6 g, je nach Produkt).</li>
</ul>
<h2><b>Langfristige Effekte über den Darm hinaus<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Ein gesunder, ballaststoffversorgter Darm kommuniziert über die Darm-Hirn-Achse, das Immunsystem und hormonähnliche Signale (Incretine, PYY, GLP-1) mit dem gesamten Organismus. Mehr lösliche Ballaststoffe gehen häufig mit besserer Sättigungsregulation, stabileren Energieniveaus und günstigen Blutwerten einher. Die erhöhte Produktion kurzkettiger Fettsäuren ist zudem mit reduzierten systemischen Entzündungsmarkern assoziiert, was langfristig Herz-Kreislauf- und Stoffwechselgesundheit unterstützen kann.</p>
<h2><b>Schnelle Fehlerkorrekturen aus der Praxis</b></h2>
<ul>
<li>Zu viel, zu schnell: Blähungen oder Krämpfe? Dosis reduzieren, auf mehrere kleine Portionen verteilen, gut kauen und Flüssigkeitszufuhr erhöhen.</li>
<li>Falscher Fasertyp: Beschwerden nach Inulin/FOS? Auf Psyllium, PHGG oder Hafer umsteigen und Hülsenfrüchte sorgsam zubereiten.</li>
<li>Zu wenig Flüssigkeit: Zäher Stuhl trotz mehr Faser? Trinkmenge überprüfen und viskose Fasern nicht „trocken“ einnehmen.</li>
</ul>
<h2><b>Praktische Empfehlungen für sportlich Aktive, die ihre Darmgesundheit fördern möchten</b></h2>
<ul>
<li>Ballaststoffreiche Ernährung: Verschiedene Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte liefern Substrate für SCFA-produzierende Bakterien</li>
<li>Probiotika &amp; fermentierte Lebensmittel: Joghurt, Kefir, Sauerkraut ergänzen das eigene Mikrobiom</li>
<li>Training variieren: Mäßiges Ausdauertraining fördert das Mikrobiom stärker als extrem intensive Einheiten</li>
<li>Erholung beachten: Chronisch hohes Trainingsvolumen ohne Pause kann die Darmintegrität beeinträchtigen</li>
<li>Hydration: Ausreichend Flüssigkeit unterstützt Schleimhautfunktionen</li>
</ul>
<h2><b>Fazit<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Lösliche Ballaststoffe sind ein vielseitiges Werkzeug zur Förderung der Darm­gesundheit. Ihre Gelbildung, Fermentierbarkeit und präbiotische Wirkung verbessern Barrierefunktion, Mikro­-biota-­Zusammensetzung, Stuhlregularität sowie metabolische Parameter wie Blutzucker und LDL-Cholesterin. Wer die Zufuhr langsam steigert, ausreichend trinkt und verträgliche Quellen wählt, legt eine stabile Grundlage für einen widerstandsfähigen Darm und eine ganzheitliche Gesundheit. Die Wechselbeziehung zwischen Darmgesundheit, kurzkettigen Fettsäuren und körper­licher Aktivität zeigt: Sporttreiben geht über Muskeln und Herz-Kreislauf hinaus. Wer sein Training langfristig optimieren möchte, sollte auch seine Darmgesundheit als integralen Bestandteil betrachten. Eine ballaststoffreiche Ernährung kombiniert mit moderater Bewegung scheint hier den vielversprechendsten Ansatz zu bieten. Für Menschen mit spezifischen Beschwerden oder Vorerkrankungen lohnt sich eine individuelle Abstimmung mit medizinischen Fachpersonen, um Art und Menge der löslichen Fasern optimal anzupassen.</p>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li>Sun Jo Kim, Cheol Woon Jung, Nguyen Hoang Anh et al. Effects of Oats (Avena sativa L.) on Inflammation: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials Front Nutr. 2021 Aug 27;8:722866</li>
<li>Nshanian, M., Gruber, J.J., Geller, B.S. et al. Short-chain fatty acid metabolites propionate and butyrate are unique epigenetic regulatory elements linking diet, metabolism and gene expression. Nat Metab 7, 196–211 (2025).</li>
<li>Medoro A, Castagnetti A, Intrieri M, et al Diet, mycobiome and virome: from mucosal immunity to gut-brain axis regulation. Front Nutr. 2026 Jun 29;13:1873950</li>
<li>Charlesson B, Jones J, Abbiss C, et al. Training load influences gut microbiome of highly trained rowing athletes. J Int Soc Sports Nutr. 2025; 22: 2507952.</li>
<li>Lynn A. Cialdella-Kam, Michael S Stone, Trisha M Sterringer et al. Improved dietary intake and readiness among United States Navy Future Sailors following mobile health application use. Front Digit Health 2026 Jun 23:8:1794165</li>
<li>Julian Häger, Holger Bang, Melanie Hagen et al. The Role of Dietary Fiber in Rheumatoid Arthritis Patients: A Feasibility Study Nutrients 2019, 11(10), 2392</li>
<li>Jieping Wang, Fuyi Ma, Pei-Fang Wang et al. Effects of Probiotic and Dietary Fiber Supplementation on Metabolic Syndrome-Related Features, Mood, and Sleep in Adults with Obesity. Nutrients 2026 Jun 9;18(12):1851.</li>
<li>Bountziouka V, Nelson CP, Codd V, Samani NJ. Higher dietary n – 3 PUFA and fiber intake are associated with longer leukocyte telomere length: Evidence from a substitution model analysis in the UK Biobank. Nutr Res. 2025 Oct;142:63-75.</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Von der Muskelverletzung zur Prähabilitation</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22850/von-der-muskelverletzung-zur-praehabilitation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt,&nbsp;Niklas Haberstroh,&nbsp;Dr. med. Andreas Schubert,&nbsp;Dr. med. Alexander-Stephan Henze,&nbsp;Robert Erbeldinger&nbsp;,&nbsp;Masiar Sabok Sir]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Sep 2026 09:25:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22850</guid>

					<description><![CDATA[Muskelverletzungen gehören seit Jahrzehnten zu den prägenden Themen der Sportmedizin. Die Münchner Konsensus-Klassifikation auf Basis von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrts Pionierarbeit markierte dabei einen entscheidenden Schritt: Sie entstand aus klinischer Erfahrung [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Muskelverletzungen gehören seit Jahrzehnten zu den prägenden Themen der Sportmedizin. </b><b>Die Münchner Konsensus-Klassifikation </b><b>auf Basis von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrts Pionierarbeit markierte dabei einen entscheidenden Schritt: Sie entstand aus klinischer Erfahrung für die klinische Praxis und bildet bis heute eine wichtige Grundlage für Diagnostik, konservative Therapie und wissenschaftliche Weiterentwicklung.</b></p>
<figure id="attachment_22851" aria-describedby="caption-attachment-22851" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22851" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-1024x512.jpg" alt="" width="755" height="378" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-1024x512.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-300x150.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-768x384.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-1536x768.jpg 1536w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-150x75.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-450x225.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-1200x600.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt.jpg 1556w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22851" class="wp-caption-text">© sportärztezeitung</figcaption></figure>
<p>Seit vielen Jahren arbeitet die sportärzte­zeitung gemeinsam mit Spezialisten und Anwendern aus dem universitären und klinischen Bereich, erfahrenen Mannschaftsärzten sowie weiteren Partnern an der Entwicklung der konservativen Sportmedizin. Beispiele hierfür sind die seit 2014 etablierte CME-zertifizierte Ausbildung in der Stoßwellentherapie sowie Kongresse und Symposien, die sich zuletzt neben Verfahren zur physikalischen Therapie und Trainingstherapie auch zunehmend mit der Rolle der Ernährung in Therapie, Prähabilitation und Rehabilitation im Sinne einer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=hIV7lWwIoWw&amp;t=2581s">Targeted Nutrition</a> sowie den weiteren Bausteinen (z. B. Mind-Body-Medizin) dieser interdisziplinären Bereiche befassten. Eine fundierte Fortbildung soll dabei die Grundlage für eine moderne und zukunftsorientierte Patientenversorgung liefern. Pionierarbeiten – u. a. aus dem Umfeld des 1. FSV Mainz 05 – sowie zahlreiche wissenschaftliche Beiträge und klinische Erfahrungen aus Universitäten, Praxen und dem Spitzensport haben diesen Weg entscheidend mitgestaltet. Der in diesem Jahr in der <a href="https://www.fr.de/sport/fussball/stosswellentherapie-macht-mainz-05-zum-pionier-bei-muskelverletzungen-93986365.html">Frankfurter Rundschau veröffentlichte Artikel</a> über die Arbeit der sportärztezeitung griff diesen Zusammenhang bereits auf: Anhand der wissenschaftlichen Arbeiten zur <a href="https://academic.oup.com/bmb/article/155/1/ldaf009/8245774?login=false">Stoßwellentherapie bei Muskelverletzungen</a> – unter Bezug auf die Münchner Klassifikation – wurde die Entwicklung der konservativen Sportmedizin eingeordnet. Vor diesem Hintergrund erhielt der Dialog mit Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und seinem Team, <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/9702/update-muskelverletzungen/">fünf Jahre, nachdem wir das erste Mal mit ihm gesprochen hatten</a>, eine besondere Bedeutung. Die Quintessenz dieser von Respekt und Tatendrang geprägten Diskussion war eindeutig: Entscheidend sind nicht allein neue Verfahren, sondern ihre wissenschaftliche Einordnung, die strukturierte Ausbildung und vor allem die klinische Erfahrung in der täglichen Versorgung.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<hr />
<p>Es gibt Momente in einem Gespräch, in denen deutlich wird, dass es eigentlich um mehr geht als um das ursprüngliche Thema. So ist es auch an diesem Tag in München. Ausgangspunkt ist die Frage zu Muskelverletzungen – doch schon nach wenigen Minuten entwickelt sich eine viel grundlegendere Diskussion: über die Zukunft der Sportmedizin, über verlorengegangenes Wissen, über die Bedeutung der klinischen Untersuchung und über die Frage, wie Ärzte künftig ausgebildet werden müssen. Nach fünf Jahren diskutierten Robert Erbeldinger, Dr. Alexander-Stephan Henze und Masiar Sabok Sir wieder mit Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und seinem Ärzteteam, Niklas Haberstroh und Dr. Andreas Schubert in seiner Münchner Praxis. Dabei wird schnell klar: Es geht nicht um einen Gegensatz zwischen moderner Technik und klinischer Erfahrung. Es geht um die richtige Reihenfolge. Und um die Frage, ob der Mensch wieder vor dem Bild stehen muss. „Ich glaube dem, was ich fühle“, sagt Müller-Wohlfahrt irgendwann im Verlauf des Gesprächs. Ein Satz, der zunächst einfach klingt, aber den Kern der gesamten Diskussion trifft.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Die verlorene Sprache der Hände</b></h2>
<p>Wenn er über seine medizinische Entwicklung spricht, kommt er schnell auf eine prägende Begegnung zurück. In den 1970er-Jahren lernte er den Physiotherapeuten Hans Montag kennen – zunächst als Kontrahenten, später als Freund und wichtigen Lehrer. Diese Erfahrung wurde zur Grundlage eines Denkens, das die Münchner Praxis bis heute prägt: Der Körper muss verstanden werden, bevor man ihn behandelt. Hierbei sehen alle im Raum eine große Lücke in der medizinischen Ausbildung. „Die funktionelle Orthopädie wird in der Schulmedizin nicht wirklich gelehrt“, sagt Haberstroh. „Die Zusammenhänge zwischen Wirbelsäule, Gelenkfunktion und muskulärer Steuerung spielen in der klassischen Facharztausbildung kaum eine Rolle.“ Dabei seien gerade diese Zusammenhänge entscheidend. Ein Sportler verletze sich nicht, weil ein Muskel „zu schwach“ sei. Häufig sei das Gegenteil der Fall: Ein Muskel stehe bereits vor der Belastung unter zu hoher Spannung, weil die Steuerung im System nicht funktioniere. Blockierungen im Sprunggelenk, Funktionsstörungen der Wirbelsäule oder Einschränkungen der Beweglichkeit führen dazu, dass bestimmte Muskelgruppen permanent kompensieren müssten. „Diese funktionellen Zusammenhänge werden in der Ausbildung zu wenig vermittelt“, ergänzt Schubert. „Und was nicht gelehrt wird, wird später häufig auch nicht erkannt.“</p>
<h2><b>Ein Mensch ist nicht bloß ein Bild</b></h2>
<p>Viele Ärzte haben umfangreiche Erfahrung in operativen Verfahren, verfügen aber nur über begrenzte Möglichkeiten, komplexe funktionelle Zusammenhänge zu beurteilen. Gerade das Erkennen von Fehlfunktionen erfordert jedoch Erfahrung. Palpation, das gezielte Ertasten von Strukturen und Spannungsverhältnissen, lässt sich nicht ausschließlich theoretisch erlernen. „Palpation kann man nicht erklären, man muss sie zeigen“, sagt Müller-Wohlfahrt. „Man muss dem jungen Arzt zeigen, was man fühlt und warum man es fühlt.“ Hierbei wird auch auf ein fehlendes Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten junger Kollegen hingewiesen. Die Folge sei eine zunehmende Abhängigkeit von apparativer Diagnostik. „Wenn man sich nur auf Bilder verlässt, ist man bei Muskelverletzungen verloren“, sagt ­Haberstroh. Und genau hierbei sehen die Gesprächspartner einen großen Handlungsbedarf. Die konservative Sportmedizin müsse stärker an Universitäten, in Fortbildungen und auf Kongressen verankert werden. Dabei geht es nicht darum, ältere Methoden zu bewahren. Es geht darum, eine medizinische Kompetenz zu erhalten und weiterzuentwickeln, die durch moderne Diagnostik nicht ersetzt werden kann. Die Bildgebung kann krankhafte Strukturveränderungen zeigen, jedoch nicht die Funktionsstörung, die dazu geführt hat. Auch wenn betont wird, dass Magnetresonanztomografie (MRT) und andere bildgebende Verfahren wichtige Werkzeuge sind, so wird darauf hingewiesen, dass es problematisch wird, wenn aus einem Bild automatisch eine Diagnose und daraus wiederum eine Therapieentscheidung abgeleitet wird. Nicht jede Beschwerdesymptomatik entsteht durch einen sichtbaren strukturellen Schaden. Funktionsstörungen der Wirbelsäule, Bewegungseinschrän­kungen von Gelenken oder fehlerhafte muskuläre Steuerungen können erhebliche Pro­bleme verursachen, ohne dass die Bildgebung eine eindeutige Ursache liefert. Eine gestörte Beweglichkeit oder eine Reizung neuraler Strukturen kann dazu führen, dass Muskeln dauerhaft unter erhöhter Spannung stehen. Der Muskel wird anfälliger, die Belastbarkeit sinkt und Verletzungen entstehen. Diese Prozesse lassen sich häufig nicht in der Bildgebung erkennen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„Die MRT-Diagnose wird häufig so überbewertet, dass dem Spieler / Sportler eine Verletzung diagnostiziert wird, die dazu führt, dass er eine lange Ausfallzeit hat und dass er vielleicht sogar unnötig operiert wird“, so Haberstroh. Schubert nennt in diesem Zusammenhang ein einfaches Beispiel: „Man muss unterscheiden zwischen Schmerzen im Knie und Schmerzen am Knie. Im Knie kann beispielsweise ein Meniskusproblem verantwortlich sein. Am Knie kann aber auch ein Muskel oder eine funktionelle Störung die Ursache sein.“ Wenn ausschließlich das Bild behandelt werde, bestehe die Gefahr, dass operiert wird, während die eigentliche Beschwerdeursache bestehen bleibt. Es sollten die Ursachen, statt die Symptome behandelt werden. „Wir behandeln nicht nur einen Muskel. Wir behandeln einen Menschen, der diesen Muskel mitbringt“, beschreibt Haberstroh. Auch psychologische Aspekte dürfen nicht außer Acht gelassen werden: „Viele Patienten glauben mittlerweile, dass es besser wäre, vor dem ersten Arztbesuch schon MRT-Aufnahmen in der Tasche zu ­haben und mittels KI vorab Infos zur Diagnose-Stellung und potenziellen Therapie zu erhalten. Meiner Ansicht nach fatal, niemand weiß, was sowas mit einem macht. Der Patient weiß doch gar nicht, wie er reagieren soll, wenn er solche Infos und „Befunde“ ungefiltert erhält“, betont Erbeldinger.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ein zentrales Beispiel für den Unterschied zwischen rein struktureller Betrachtung und funktionellem Verständnis ist die Münchner Konsensus-Klassifikation der Muskelverletzungen. Entstanden aus jahrzehntelanger praktischer Erfahrung, verfolgt sie einen Ansatz, der die klinische Untersuchung und die tatsächliche Funktion des Muskels in den Mittelpunkt stellt. „Diese Klassifikation ist praxisnah“, sagt Müller-Wohlfahrt. „Das andere ist oft reine Theorie.“ Besonders deutlich wird die Bedeutung der muskuloskelettalen Funktionsdiag­nostik beim Thema Rücken. Bei Rückenschmerzen stößt eine rein strukturelle Betrachtung häufig an ihre Grenzen. „Die Wirbelsäule ist die Schaltzentrale“, erklärt Müller-Wohlfahrt. Eine funktionelle Störung der Wirbelsäule führt dazu, dass Nerven gereizt werden und einzelne Muskeln in eine dauerhafte Überakti­vität geraten. Dadurch können Schmerzen entstehen und Bewegungsmuster verändern sich. Gerade im Sport ist dieser Zusammenhang entscheidend. Ein Athlet kann an einer scheinbaren Muskelverletzung leiden, obwohl die Ursache in einer funktionellen Störung der Wirbelsäule, des Beckens oder eines Gelenks liegt. Hier zeigt sich die Stärke einer auf die gesamte Person ausgerichteten Therapie: Sie behandelt nicht nur den Ort des Schmerzes, sondern sucht nach dem Auslöser.</p>
<h2><b>Konservative Therapie – First line treatment statt bloßer Alternative</b></h2>
<p>Wenn über Aus- und Fortbildung gesprochen wird, muss differenziert werden. Während die operative Ausbildung in Deutschland international einen hervorragenden Ruf genießt und ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz vermittelt, zeigt sich im Bereich der konser­vativen Sportmedizin, dass Nachholbedarf vorhanden ist und es Mut braucht, neue Wege zu gehen. Für Henze ist der Begriff „konservativ“ nicht unproblematisch und kann häufig missverstanden werden: „Es klingt verstaubt, weniger innovativ und eher wie eine Alternative. Es ist aber keine Alternative, sondern first line treatment.“ Eine zeitgemäße konservative Therapie verbindet klinische Erfahrung mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und moderner Technologie. Sie nutzt funktionelle Diagnostik, apparative Unterstützung, Trainingstherapie, Physiotherapie, Osteopathie und gezielte regenerative Verfahren. Entscheidend ist dabei immer der Blick auf den gesamten Menschen – ganz im Sinne des Whole-Person-Health-Ansatzes. Nicht der einzelne Befund steht im Mittelpunkt, sondern die Frage: ­Warum hat dieser Mensch diese Beschwerden entwickelt? Genau darin liegt eine der größten Stärken der konservativen Medizin – und gleichzeitig eine ihrer größten Herausforderungen. Denn diese Form der Medizin benötigt Zeit. Zeit für die Anamnese, Zeit für die Untersuchung, Zeit für Erklärung und Kommunikation. Elemente, die in einem zunehmend standardisierten Gesundheitssystem schwer abzubilden sind. „Die Anfangsuntersuchung ist unsere größte Stärke, bei der wir viel Zeit investieren. Konzentration und Ruhe, da wird richtig geschaut – diagnostiziert“, beschreibt Müller-Wohlfahrt die Bedeutung. Gerade diese intensive Auseinandersetzung mit dem Patienten werde jedoch nicht ausreichend berücksichtigt und gewürdigt, dabei sei das doch die Basis der Medizin. Immer wieder kommt der Dialog auf den Patienten zu sprechen. Man merkt, dass alle Beteiligten die Bedeutung des Patienten für den gesamten Therapieerfolg als sehr groß bemessen. Eine nicht oft anzutreffende Patientenzentrierung, die konkrete, individuelle Interaktion, Empathie und Kommunikation zwischen Behandler und Patient betont. „Das ist ein grundsätzliches Problem der Orthopädie geworden. Ich weiß nicht, wie es in anderen Fachbereichen ist, aber dass dem Patienten nicht mehr zugehört wird, sondern er sofort zur apparativen Diagnostik geschickt wird, ist für mich unverständlich“, so Haberstroh.</p>
<h2><b>Prähabilitation: Der nächste Schritt einer modernen Medizin</b></h2>
<p>Genau hier schließt sich das nächste Thema des Dialogs an – die <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22442/praehabilitation-3/">Prähabi­litation</a>. Während Rehabilitation nach einer Verletzung oder Operation längst etabliert ist, setzt die Prähabilitation früher an: vor dem Eingriff. Die Idee dahinter ist einfach: Je besser ein Patient körperlich, mental und auch emotional vorbereitet ist, desto größer sind die Chancen auf ein gutes Behandlungsergebnis – egal ob es sich bei der maßgeblichen Therapie um eine OP oder eine andere beanspruchende therapeutische Intervention handelt. Es entsteht zwischen Diagnosestellung und der geplanten therapeutischen Intervention ein Open Window, ein wichtiges Zeitfenster, in dem die aus der Prävention, konservativen Therapie und Rehabilitation bekannten Behandlungsverfahren kompakt und zielgerichtet eingesetzt werden können. Diese Zeit kann zugleich als ein Window of Opportunity in der Arzt-Patienten-Beziehung angesehen werden, in dem die Edukation auf offene Ohren stößt und konkret umgesetzt wird, am und mit dem Patienten. Bewegung, Training, Ernährung, Stressmanagement und funktionelle Therapie können genutzt werden, um die Ausgangssituation zu verbessern. In diesem Zusammenhang betont Erbeldinger die größere Rolle der Sportmedizin: „Sie ist nicht nur dafür da, Sportverletzungen zu behandeln, sie hat einen gesamtgesellschaftlichen Auftrag – Gesundheit zu fördern und zu erhalten! Die Prähabilitation ist eine historische Chance, dies umzusetzen. Wenn man dieses Zeitfenster nutzt, kann man den Raum gemeinsam mit dem Patienten ausfüllen.“ Diese Perspektive verändert auch die Rolle des Patienten – körperlich, mental und funktionell. Konservative Medizin funktioniert nicht ausschließlich durch eine einzelne Maßnahme. Sie lebt von aktiver Mitarbeit. Übungen, Training und Veränderungen im Alltag gehören zum Behandlungskonzept. Der Patient wird vom passiven Empfänger einer Therapie zum aktiven Partner und maßgeblichen Teil seines eigenen Behandlungsteams. Am Uniklinikum Ulm, wo Alexander-Stephan Henze als Oberarzt tätig ist, blickt man auf positive Erfahrungen aus der Onkologie, wo präoperative Assessments, Bewegungsinterventionen und Trainingsprogramme, Ernährung (Targeted Nutrition) und Inhalte der Mind-Body-­Medizin bereits stärker integriert werden und positives Feedback erzeugen. „Warum sollte dieses Prinzip nicht auch im muskuloskelettalen Bereich funktionieren?“ fragt sich Henze. Die Idee dahinter, welche die Prävention und Prähabilitation verbindet: Nicht erst behandeln, wenn ein Problem maximal ausgeprägt ist, sondern möglichst frühzeitig Ressourcen schaffen.</p>
<h2><b>Die strukturellen Probleme: Anerkennung, Finanzierung und Zugang</b></h2>
<p>Trotz dieses Potenzials steht die konservative Medizin vor erheblichen Herausforderungen. Eine davon ist die fehlende Gleichstellung mit operativen Verfahren. Operationen sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil medizinischer Strukturen. Sie verfügen über etablierte Ausbildungswege, klare Qualitätsstandards und entsprechende Vergütungsmodelle. Die konservative Medizin hat diese Strukturen vielerorts noch nicht in gleicher Weise entwickelt. Das zeigt sich auch bei der Kostenübernahme. Viele konservative Verfahren, die im klinischen Alltag erfolgreich eingesetzt werden, sind nicht oder nur eingeschränkt Bestandteil der Regelversorgung. Gleichzeitig werden operative Maßnahmen häufig selbstverständlich finanziert. Dabei könnte eine hochwertige konservative Versorgung nicht nur medizinisch sinnvoll sein, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bieten. Wenn Beschwerden früh erkannt und behandelt werden, lassen sich möglicherweise invasive Eingriffe vermeiden oder hinauszögern. „Ich habe schon das Gefühl, dass all die konservativen Maßnahmen, sei es apparativer Natur, sei es Anfassen u. w. auch von den Patienten eingefordert werden, denn sie wollen sich nicht unbedingt operieren lassen und suchen nach Alternativen zur OP“, so Henze. Dafür braucht es jedoch einen Perspektivwechsel im Gesundheitssystem. Konservative Therapie darf nicht als Zusatzleistung verstanden werden, sondern als wesentlicher Bestandteil moderner Medizin – egal ob es sich dabei um Verfahren der manuellen Medizin / Therapie und Osteopathie, physikalischen Therapieverfahren (z. B. hochenerge­tische Stoßwellentherapie, gepulste LASER-Therapie, magnetfeldbasierte Verfahren), Injektionen (mit z. B. Actovegin, Eigenblutderivaten wie PRP und ACS, Stammzellentherapie wie SVF, Hyaluronsäure…), Targeted Nutrition oder die so elementare Trainingstherapie handelt. Einiges davon wird auch in der Münchner Praxis erfolgreich angewendet: „Du musst nicht Wunder bewirken, aber du musst Engagement zeigen“, bringt es Müller-Wohlfahrt auf den Punkt. Und konservative Medizin braucht Sichtbarkeit: „Wir müssen ausbilden, fortbilden und Wissen weitergeben. Daran führt kein Weg vorbei“, so Erbeldinger. Darin sind sich alle an diesem Tag einig.</p>
<h2><b>Die Zukunft: Verbindung statt Gegensatz</b></h2>
<p>Die Zukunft der konservativen Sportmedizin liegt nicht in der Rückkehr zu früheren Zeiten. Sie liegt in der Verbindung von Erfahrung und Innovation. Palpation und moderne Bildgebung schließen sich nicht aus. Anamnese und künstliche Intelligenz schließen sich nicht aus. Klinische Erfahrung und wissenschaftliche Evaluation schließen sich nicht aus. Entscheidend ist, wie diese Möglichkeiten eingesetzt werden. Die Sportmedizin kann hier eine Vorreiterrolle einnehmen. Denn gerade der Sport zeigt täglich, wie wichtig funktionelle Zusammenhänge sind. Belastung, Regeneration, Prävention und Leistungsfähigkeit lassen sich nicht auf einzelne Strukturen reduzieren. Die Herausforderung der kommenden Jahre wird deshalb sein, die konservative Medizin stärker in Ausbildung, Forschung und Versorgung zu integrieren. Dazu braucht es mehr Fortbildungen, mehr praktische Ausbildung, mehr Austausch zwischen erfahrenen Ärzten, Therapeuten und Nachwuchsmedizinern. Und es braucht ein neues Verständnis davon, was moderne Medizin leisten kann. Denn gute Medizin beginnt nicht mit einem Gerät und endet nicht mit einem Eingriff. Sie beginnt mit dem Menschen. Mit Zuhören, Verstehen und Untersuchen. Und mit der Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen. Genau darin liegt die große Chance der konservativen Sportmedizin: Nicht nur Verletzungen zu behandeln, sondern Gesundheit zu fördern und zu erhalten. Die zentrale Botschaft aller Gesprächspartner lautet: Die Medizin muss den Menschen wieder im Ganzen betrachten. Vielleicht ist deshalb der Satz von Müller-Wohlfahrt mehr als nur eine persönliche Haltung: „Ich glaube dem, was ich fühle.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<p>Ergänzung <a href="https://sportaerztezeitung.com/author/froelich-thomas/">Dr. med. Thomas Frölich</a>:</p>
<p><b>Hands On </b>Unser Kollege H.-W.-Müller -Wohlfahrt hat bereits vor Jahrzehnten zusammen mit Hansi Montag, der uns leider viel zu früh verlassen hat, die Diagnostik und Therapie von Muskelverletzungen revolutioniert. Die Basis ist bei der Diagnostik wie bei der Therapie manuelles Ertasten und Erfühlen des Befundes. Auch aktuelle wiss. Arbeiten unterstreichen die Bedeutung manueller Verfahren in der Rehabilitation von Muskelverletzungen. Eine 2026 publizierte <a href="https://journal.igiinsight.com/index.php/IgiActivein/article/view/108">systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse</a> von 47 Studien mit insgesamt 3.284 Athleten zeigte signifikante Effekte der Massagetherapie auf Schmerz, Beweglichkeit und muskuläre Erholungsparameter; insbesondere tiefengewebige Techniken zeigten deutliche Effekte auf die Schmerz­reduktion.</p>
<p>Unsere eigenen jahrzehntelangen Erfahrungen mit Hochleistungssportlern kommen zu demselben Ergebnis. Tiefe Querfriktionen bei Muskelverletzungen in Kombination mit sportartspezifischen, dem Behandlungsverlauf angepassten Belastungen stellen die Basistherapie dar und sind der Schlüssel zu schnellem und vor allem nachhaltigen Erfolg. Eine eingehende Anamneseerhebung und manuelle Untersuchung sind ebenfalls die Basis bei der Diagnosefindung und können bei Bedarf durch Sono und MRT ergänzt werden. Die Therapie sollte zeitnah nach der Ersten Hilfe und Diagnosestellung beginnen. Auch eine operative Indikation sollte bei ausgedehnten Verletzungen mit Sehnenbeteiligung von einem erfahrenen Team überprüft werden. Die überwiegende Mehrzahl auch der myotendinösen Verletzungen kann konservativ behandelt werden. Spätestens jetzt beginnt die anstrengende Arbeit für die Therapeuten, da manuelle Querfriktionen kräftezehrend sind, auch wenn sie ergänzend mit Handballen, Unterarm oder Ellenbogen ausgeführt werden können. Wir bevorzugen mehrere kürzere Therapiesitzungen am Tag, immer ergänzt durch befundgerechte, sportartpezifische leichte Belastungseinheiten. Generelle Regel: je schwerer die Verletzung, je langsamer tasten wir uns physio- und trainingstherapeutisch an die Verletzung heran.</p>
<p><b><a href="https://sportaerztezeitung.com/author/froelich-thomas/">Dr. med. Thomas Frölich</a>, Sporttraumatologie Südwest (Böblingen), langjähriger Teamarzt des VfB Stuttgart und der TSG 1899 Hoffenheim</b></p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Orthopädische Behandlung mit Hyaluronsäure</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22898/orthopaedische-behandlung-mit-hyaluronsaeure/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Milana Sönnichsen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2026 15:10:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22898</guid>

					<description><![CDATA[Das Sozialgericht München hat den Medizinischen Dienst (MD) Bund per einstweiliger Anordnung verpflichtet, Aussagen des IGeL-Monitors gegen intraartikuläre Hyaluronsäure-Injektionen bei Knie- und Hüftgelenksarthrose zu unterlassen und von der Website zu [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Sozialgericht München hat den Medizinischen Dienst (MD) Bund per einstweiliger Anordnung verpflichtet, Aussagen des IGeL-Monitors gegen intraartikuläre Hyaluronsäure-Injektionen bei Knie- und Hüftgelenksarthrose zu unterlassen und von der Website zu löschen. <strong>Unzulässig</strong> ist die Kernbotschaft <strong>„nützen nichts, können aber schaden&#8220;</strong> und die schlechteste Bewertungsstufe <strong>„negativ&#8220;.</strong> Geklagt hatte ein Hersteller entsprechender Präparate.</p>
<p>Rechtlich wertet das Gericht die Negativ-Empfehlung als faktischen Grundrechtseingriff (funktionales Äquivalent) in die Berufsfreiheit der Hersteller (Art. 12 Abs. 1 S. 2 GG). Dafür fehle dem MD Bund die gesetzliche Grundlage.</p>
<p>Auch inhaltlich sah das Gericht erhebliche Mängel der Bewertung. Der MD Bund habe die bloße „Nichterweislichkeit der Wirksamkeit&#8220; unzulässig mit einem „Beweis der Nichtwirksamkeit&#8220; gleichgesetzt — ein statistischer Fehlschluss. Die Schadensbehauptungen (schwere unerwünschte Ereignisse, „Herzbeschwerden&#8220;) stützten sich nahezu allein auf Pereira 2022, widersprächen der größeren Metaanalyse Miller 2021 und blendeten das eigentlich gravierende Risiko der septischen Arthritis sowie die Risiken der Behandlungsalternativen (NSAR, Opioide, Endoprothetik) aus.</p>
<p>Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine vorläufige Entscheidung im Eilverfahren, nicht um ein rechtskräftiges Hauptsacheurteil.</p>
<p><strong>Empfehlung für die Praxis:</strong> Klären Sie Ihre Patienten weiterhin ergebnisoffen auf, dass die Evidenz für einen Nutzen nicht schulmedizinisch erwiesen ist — aber die Behandlung ist damit nicht „widerlegt&#8220; und die Erfahrungswerte aus der Praxis durchwegs positiv sind. Als individuelle Option bleibt Hyaloronsäure- Injektion insbesondere bei Patienten vertretbar, die NSAR/Opioide meiden müssen oder eine Endoprothese hinauszögern möchten. Dokumentieren Sie die Aufklärung (Selbstzahlerleistung, begrenzte Evidenz) sorgfältig.</p>
<p>Die Betreuung des Patienten durch die ärztliche Aufklärung der realen Möglichkeiten der modernen Medizin ist bei heutigen Kürzungen des Sozialversicherungssystem notwendiger denn je. Wir empfehlen, KI bei der Dokumentation der Aufklärung zu nutzen, die &#8211; mit Einverständnis des Patienten – während der Aufklärung diese aufzeichnet und dem Arzt mehr Zeit für die Versorgung lässt.</p>
<p>Quelle: SG München, Beschluss v. 14.08.2026, Az. S 59 KR 167/26 ER</p>
<p>Kontakt für Medizinrecht-Fragen: <a href="https://messner-rechtsanwaelte.de/">https://messner-rechtsanwaelte.de/</a></p>
<p><em>Veröffentlicht 03.09.2026</em></p>
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