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	<title>03/25 Archive - sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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	<title>03/25 Archive - sportärztezeitung</title>
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	<item>
		<title>Moderne Kniechirurgie bei Kreuzbandruptur</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/20293/moderne-kniechirurgie-bei-kreuzbandruptur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Thomas Frölich&nbsp;,&nbsp;Dr. med. Andree Ellermann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Oct 2025 07:19:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/25]]></category>
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					<description><![CDATA[In der heutigen Sportmedizin ist die Kreuzbandruptur nicht nur ein chirurgisches, sondern ein ganzheitliches Thema. Der Operateur bleibt ein maßgeblicher Erfolgsfaktor – insbesondere in Bezug auf Technik, Timing und individualisierte [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>In der heutigen Sportmedizin ist die Kreuzbandruptur nicht nur ein chirurgisches, sondern ein ganzheitliches Thema. Der Operateur bleibt ein maßgeblicher Erfolgsfaktor – insbesondere in Bezug auf Technik, Timing und individualisierte Zugangswege. Dennoch liegt die entscheidende Stellschraube zunehmend in der Indikationsstellung und der frühzeitigen differenzierten Diagnostik.</b></p>
<p>Nicht nur eine kernspintomografische Untersuchung entscheidet über das weitere Procedere, sondern vor allem auch die Anamnese und der klinische Befund sowie der Patient in seinem beruflichen und sozialen Umfeld. Auch eine sonografische Untersuchung in Bewegung und unter Belastung kann sehr hilfreich sein, auch wenn dies am Knie nicht standardmäßig gemacht wird. Die Operation ist kein Selbstzweck, sondern Teil eines integrierten Prozesses zwischen präoperativer Evaluation, OP-Technik, funktioneller Nachbehandlung und interdisziplinärer Rückkehrstrategie.</p>
<p>Gerade im Profifußball – etwa in der Bundesliga – entstehen besondere ­Herausforderungen. Therapieentscheidungen stehen häufig unter hohem zeitlichen, wirtschaftlichen und öffentlichen Erwartungsdruck. Dieser Kontext darf jedoch nicht dazu führen, dass vorschnell operiert wird oder konservative Optionen unzureichend geprüft werden. Eine saubere medizinische Begründung und eine fundierte funktionelle Diagnostik sind auch hier unverzichtbar. Gleichzeitig muss deutlich werden: Wer sich gegen eine Operation entscheidet, braucht eine klare konservative Strategie. Es reicht nicht zu sagen „wir machen das erst einmal ohne OP“. Vielmehr muss definiert werden, was konkret therapeutisch geschieht, wer den Prozess steuert und welche Ziele verfolgt werden. Gerade außerhalb des Spitzensports, in der breiten Versorgungsrealität, stellt sich zusätzlich die Frage: Kann der Patient diesen Weg gehen? Will er ihn gehen? Und ist die erforderliche interdisziplinäre Betreuung in der Fläche verfügbar?</p>
<p>Die moderne Versorgung bei Kreuzbandverletzungen erfordert daher:</p>
<ul>
<li>eine präzise Indikationsstellung, die nicht automatisch zur Operation führt</li>
<li>ein spezialisiertes operatives Setting, das individuelle anatomische und sportliche Anforderungen berücksichtigt</li>
<li>eine strukturierte Rehabilitationsplanung, die bereits vor dem Eingriff beginnt (Prähabilitation)</li>
<li>eine Return-to-Sport-Diagnostik, die funktionell und nicht ausschließlich zeitgesteuert erfolgt</li>
<li>ein interdisziplinäres Betreuungsteam, das Athlet und Mensch gleichermaßen im Blick hat</li>
</ul>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Zukunftsweisende Versorgung am Knie bedeutet daher nicht nur die Frage, wer operiert – sondern wann, warum und mit welchem Ziel. In der Bundesliga ebenso wie in der Regelversorgung entscheidet die Qualität des Gesamtkonzepts. Übrigens: Diese Prinzipien gelten nicht nur bei Kreuzbandverletzungen, sondern zunehmend auch bei degenerativen Kniegelenkerkrankungen. Die neue S3-Leitlinie Gonarthrose betont nicht nur moderne operative Verfahren, sondern auch die gestufte konservative Therapie und die aktive Mitwirkung des Patienten im Entscheidungs- und Behandlungsprozess. Die Eigenverantwortung wird ausdrücklich als Teil einer gemeinsamen Entscheidungsfindung<span class="Apple-converted-space">  </span>(shared decision making). In Bezug auf Meniskusverletzungen sei auf den Artikel von Prof. Dr. Wolf Petersen „Meniskusverletzung – Handlungsalgorithmus. <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/17168/meniskusverletzung-handlungsalgorithmus/" target="_blank" rel="noopener">Neue Aspekte zur Therapie der nicht traumatischen medialen Meniskusläsion“, erschienen in der sportärztezeitung 03 / 24 verwiesen.</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Natürliches Testosteron durch Krafttraining</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/20550/natuerliches-testosteron-durch-krafttraining/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. univ. Magdalena Riederer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Oct 2025 09:00:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/25]]></category>
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					<description><![CDATA[Krafttraining gilt als eine der effektivsten Methoden, um den körpereigenen Testosteronspiegel auf natürliche Weise zu beeinflussen. Gerade im klinischen Kontext – etwa bei Männern mit grenzwertigen Hormonwerten oder altersbedingtem Abfall [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Krafttraining gilt als eine der effektivsten Methoden, um den körpereigenen Testosteronspiegel auf natürliche Weise zu beeinflussen. Gerade im klinischen Kontext – etwa bei Männern mit grenzwertigen Hormonwerten oder altersbedingtem Abfall des Androgenspiegels – wird dieser Ansatz zunehmend diskutiert. Doch während die positiven Effekte gut dokumentiert sind, verdienen auch die weniger bekannten potenziellen Schattenseiten von Testosteron eine adäquate Einordnung.</b></p>
<h2><b>Mechanismus hinter der Testosteronsteigerung</b></h2>
<p>Krafttraining löst eine akute hormonelle Antwort aus, die den Testosteronspiegel vorübergehend anhebt. Der Schlüssel dafür liegt in der Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse: Durch den mechanischen Stress wird die Sekretion von dem Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) aus dem Hypothalamus stimuliert. Das führt zu einer kaskadenartigen Reaktion, bei der luteinisierendes Hormon (LH) aus der Hypophyse freigesetzt wird. LH regt wiederum bei Männern die Leydig-Zellen in den Hoden zur Testosteronproduktion an [1]. Dass intensive Belastungen solche kurzfristigen Erhöhungen des freien und Gesamt-Testosterons mit sich bringen, ist schon länger gut belegt [2]. Ob Krafttraining allerdings auch zu einer anhaltenden Erhöhung des basalen Testosteronspiegels führt, ist differenziert zu betrachten. Gerade hier gibt es oft ein Missverständnis in der öffentlichen Wahrnehmung, das sich nicht zuletzt darin begründet, dass man in der Vergangenheit den dauerhaften Muskelaufbau einem höheren Basalspiegel zugerechnet hatte. Neuere Arbeiten relativierten diesen Effekt jedoch. Beispielsweise zeigten lebenslang aktive ältere Männer keine höheren basalen Testosteronspiegel auf als ihre inaktiven Altersgenossen [3].</p>
<p>Somit ist davon auszugehen, dass vor allem akute Belastungsreize eine Rolle spielen, während langfristige basale Anpassungen des Testosteronhaushalts deutlich begrenzter ausfallen und eher im Sinne einer Optimierung und Stabilisierung innerhalb des physiologischen Normalbereichs beitragen, anstatt diesen dauerhaft stark zu erhöhen [4, 5]. Bei Frauen stellt sich die Testosteronantwort auf Krafttraining deutlich anders dar als bei Männern. Das beginnt schon damit, dass Frauen keine auf die Testosteronproduktion spezialisierten Zellen wie die Leydig-Zellen in den Hoden besitzen. Diese Aufgabe der Produktion von Testosteron und dessen Vorstufen übernehmen im weiblichen Körper primär die Ovarien und die Nebennierenrinden sowie im Rahmen einer Umwandlung auch das periphere Gewebe [1]. Die Gesamtsynthese fällt dabei jedoch wesentlich geringer aus. Zudem wird ein Großteil des produzierten Testosterons rasch direkt in Östrogene aromatisiert. Dadurch sind akute Anstiege des Testosteronspiegels nach Belastung bei Frauen oft weniger ausgeprägt oder sogar kaum messbar. Darüber hinaus variiert die hormonelle Reaktivität je nach Zyklusphase, was die Interpretation von Studienergebnissen weiter erschwert [5].</p>
<h2><b>Gesundheitliche Vorteile von Testosteron</b></h2>
<p>Testosteron ist gut für die Muskeln. Doch die anabole Wirkung von Testosteron auf die Muskulatur beruht auf einem Zusammenspiel, das weit über die reinen Hormonkonzentrationen im Blut hinausgeht. Während nämlich mechanische Spannung und metabolischer Stress die primären Auslöser der Muskelhypertrophie sind, spielt Testosteron eine entscheidende permissive Rolle über eine lokale zelluläre Reaktion [6]. Testosteron bindet an Androgenrezeptoren in den Muskelzellen und fördert so anabole Signalwege wie mTOR. Gleichzeitig führt intensives Krafttraining in der beanspruchten Muskulatur zu einer Hochregulierung der Dichte und Sensitivität der Androgenrezeptoren. Dadurch wird die Muskelzelle empfänglicher für das zirkulierende Testosteron. Dieser Effekt scheint für die langfristige Hypertrophie relevanter zu sein als die trainingsinduzierten Schwankungen des Hormonspiegels und würde erklären, warum auch bei einem stabilen basalen Testosteronspiegel signifikantes Muskelwachstum stattfindet [5, 6]. Doch Testosteron ist nicht nur gut für die Muskeln, sondern es beeinflusst – natürlich neben der Sexualfunktion – auch den Stoffwechsel, die Knochen, das Gehirn und die Psyche. So hat Testosteron im Bereich des Stoffwechsels und der kardiovaskulären Gesundheit eine zentrale Bedeutung, indem es die Erythropoese fördert und eine Schlüsselrolle in der Regulation des Glukose- und Lipidstoffwechsels spielt. Dementsprechend ist ein niedriger Testosteronspiegel als Risikofaktor für die Entwicklung einer Insulinresistenz, eines Metabolischen Syndroms und von Diabetes mellitus Typ 2 anzusehen [7, 8]. Auf die Knochengesundheit wirkt Testosteron gleich von zwei Seiten positiv. Einerseits stimuliert es direkt die Proliferation und Differenzierung von knochenbildenden Zellen. Andererseits schützt Testosteron den Knochen auch indirekt, indem es in Östrogen umgewandelt wird, das wiederum die knochenabbauenden Zellen hemmt [9]. Und nicht zuletzt verdienen die neuroprotektiven und neurotrophen Eigenschaften von Testosteron ebenfalls Beachtung. Auch wenn noch nicht abschließend erforscht, so deuten Studien darauf hin, dass Testosteron bei neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit, Parkinson und Multipler Sklerose eine schützende Rolle spielen könnte [10]. Ein Testosteronmangel könnte demnach mit kognitiven Beeinträchtigungen verbunden sein [11]. Eng damit verknüpft ist auch die Wirkung von Testosteron auf die Psyche, wobei von Zusammenhängen mit depressiven Symptomen und Angstzuständen ausgegangen wird [12].</p>
<h2><b>Kehrseite der Medaille</b></h2>
<p>Da der Nutzen von Testosteron in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus rückte, sieht man sich mittlerweile auch öfters mit der Frage konfrontiert, ob endogen produziertes Testosteron auch negative Seiten mit sich bringt. Denn auch natürliche hormonelle Anpassungen sind nicht automatisch frei von Risiken. Dass Hormone und damit auch Testosteron mit dem Hautbild eng verknüpft sind, ist weithin bekannt. So kann Testosteron über eine Steigerung der Aktivität der Talgdrüsen zu fettiger Haut und einer Verschlimmerung von Akne führen [13]. Ebenso ist Testosteron mitverantwortlich für das Wachstum der Prostata. Eine Prostatahyperplasie ist allerdings stark multifaktoriell bedingt, wobei das Alter eine der bedeutendsten Rollen spielt. Eine Relevanz im Kraftsport ist hier nur im Rahmen von exogener Testosteronzufuhr gegeben. Ähnlich verhält es sich mit einer möglichen Brustdrüsenvergrößerung (Gynäkomastie), die auf der enzymatischen Umwandlung von Testosteron in Östrogen basiert. Dieser Aspekt wird vor allem bei einem hohen Körperfettanteil relevant, da das Fettgewebe die spezifische Enzymaktivität erhöht. Allerdings gilt auch hier, dass in der Regel ein hoher natürlicher Testosteronspiegel allein nicht der Auslöser ist [14]. Doch folgende zwei potenzielle Schattenseiten haben sich zunehmend einen Platz in der Forschung – und in Gesprächen – gesichert: erblich bedingter Haarausfall und immunologische Veränderungen durch Testosteron.</p>
<h2><b>Auswirkungen von Testoster</b><b>on auf das Haarwachstum</b></h2>
<p>Die Sorge um Haarausfall beschäftigt immer mehr Männer – auch im Krafttraining. Und tatsächlich ist diese Angst nicht völlig unbegründet, auch wenn sie oft missverstanden wird. Das Problem liegt hier nicht direkt beim Testosteron selbst, sondern primär bei seinem Metaboliten Dihydrotestosteron (DHT). Testosteron wird in der Haut durch das Enzym 5-Alpha-Reduktase zu DHT umgewandelt. Bei genetisch prädisponierten Personen führt DHT durch Bindung an die Androgenrezeptoren der Haarfollikel zu deren Miniaturisierung. Das Ergebnis dieser Interaktion ist der weit verbreitete erblich bedingte Haarausfall, auch bekannt als androgenetische Alopezie [15]. Das etablierte Prinzip, dass eine erhöhte Substratverfügbarkeit die Produktbildung selbst bei konstanter Enzymaktivität beeinflusst, gilt auch in diesem Fall: So wurde beispielsweise bei Sprintern nachgewiesen, dass ein kurzfristiger, trainingsinduzierter Anstieg des Testosteronspiegels mit dem des DHT-Spiegels korreliert [16]. Es kann also davon ausgegangen werden, dass auch Krafttraining die absolute Menge des gebildeten DHT erhöht. Das heißt jedoch nicht automatisch, dass Kraftsport zu Haarausfall führt. Lediglich bei genetischer Prädisposition, die mit einer besonderen Sensibilität der Haarfollikel gegenüber DHT einhergeht, besteht durch einen erhöhten Testosteronspiegel ein Risiko für einen stärker und/oder schneller stattfindenden androgenetischen Haarausfall. Daher kann bei Männern mit familiärer Belastung eine dermatologische Abklärung sinnvoll sein, um dem Haarverlust frühzeitig vorbeugend begegnen zu können. Präventiv könnten hierfür 5-Alpha-Reduktase-Inhibitoren wie <a href="https://healthheld.de/haarausfall/haarausfall-behandlung/finasterid">Finasterid</a> in Erwägung gezogen werden. Allerdings ist es auch bei Vorliegen einer solchen genetischen Überempfindlichkeit der Haarfollikel wichtig, den Einfluss durch Kraftsport ins rechte Licht zu rücken. Bislang gibt es keine eindeutigen Studien [17], die einen Zusammenhang von Kraftsport mit erblich bedingtem Haarausfall belegen. Erste Indikationen lassen darauf schließen, dass der Einfluss gering ausgeprägt ist und wohl eher eine zeitliche Korrelation vorliegt: Viele Männer beginnen in ihren 20ern mit Kraftsport – und das ist auch der Zeitpunkt, ab wann sich oftmals eine androgenetische Alopezie bemerkbar macht.</p>
<h2><b>Auswirkungen von Testosteron</b><b> </b><b>auf das Immunsystem</b></h2>
<p>Noch vielschichtiger gestaltet sich der Einfluss auf das Immunsystem. In erster Linie wirkt Testosteron immunsuppressiv und entzündungshemmend, was dazu führen kann, dass das Immunsystem weniger aggressiv oder schnell auf bestimmte Pathogene reagiert. Auf der anderen Seite erhöht eine stärkere Immunreaktivität – wie sie vermehrt bei Frauen beobachtet wird [18] – das Risiko für Autoimmunerkrankungen. Da Testosteron tendenziell die Immunantwort dämpft, bietet es einen gewissen Schutz vor diesen Überreaktionen des Immunsystems [19, 20]. Insgesamt moduliert Testosteron die Immunantwort so, dass Entzündungen und Autoimmunerkrankungen also seltener auftreten, während die Abwehr gegen Tumore und Infektionen eingeschränkt sein kann. Doch was bedeutet das nun für einen vorübergehenden natürlichen Testosteronanstieg durch Krafttraining? Während intensives Krafttraining zu kurzfristigen Testosteronanstiegen führt, sind diese an sich nicht die primäre Ursache einer klinisch relevanten Immunsuppression, für die es supraphysiologisch hohe Testosteronspiegel bräuchte. Eine erhöhte Infektanfälligkeit im Zusammenhang mit Krafttraining ist stattdessen vor allem auf Übertraining zurückzuführen, denn in diesem Zustand ist der Körper einem chronisch erhöhten Stress ausgesetzt, der zu einem Anstieg von Cortisol führt [21]. Cortisol ist ein potentes Immunsuppressivum und der Haupttreiber für das Phänomen des „Open Window“ nach extremen Belastungen, bei dem die Abwehrkräfte vorübergehend geschwächt sind [22]. In diesem komplexen Zusammenspiel kann Testosteron zwar eine modulierende Rolle spielen, indem es die Immunantwort dämpft, aber es ist selten der primäre oder gar alleinige Auslöser einer langfristigen Immunschwächung. Ganz im Gegenteil, ein gut strukturiertes Krafttraining im Einklang mit ausreichender Erholung und Ernährung unterstützt ein robustes Immunsystem, sodass regelmäßig Trainierende oft weniger anfällig für Infekte sind und sich schneller von Erkrankungen erholen [23].</p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Literatur</b><strong><br />
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Basketball-Sportmedizin</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/20397/basketball/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Christoph Lukas]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2025 08:00:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/25]]></category>
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					<description><![CDATA[Basketball wurde 1891 von Dr. James Naismith erfunden. Ziel war es, eine verletzungsarme Hallensportart zu schaffen, die spannend genug war, um die Studenten zu begeistern. Den Präventionsgedanken setzte er um, [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Basketball wurde 1891 von Dr. James Naismith erfunden. Ziel war es, eine verletzungsarme Hallensportart zu schaffen, die spannend genug war, um die Studenten zu begeistern. Den Präventionsgedanken setzte er um, indem er das Ziel horizontal gestaltete, um Wucht aus den Würfen zu nehmen. Das Laufen mit dem Ball wurde verboten, um Rudelbildungen zu vermeiden. Körperkontakt wurde fast vollständig ausgeschlossen.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Im Verlauf wurden die Regeln immer wieder adaptiert, z. B. wurde das Dribbeln zum Bewegen des Balles erlaubt. 1979 wurde der Dreipunktwurf in der NBA, 1984 im Weltbasketball eingeführt, um das Spiel zu entzerren und vom Korb zu entfernen.<span class="Apple-converted-space">  </span>Heute ist Basketball eine der weltweit populärsten Sportarten, die von ca. 450 Millionen Menschen gespielt wird.</p>
<h2><b>Merkmale</b></h2>
<p>Typisch ist der stetige, schnelle Wechsel zwischen Angriff und Verteidigung und Beschleunigen /Abbremsen. Pro Spiel werden 4,5 bis 7,5 km zurückgelegt, wovon 24 % gegangen, 65 % gelaufen und 14 % gesprintet werden (meist nur über eine kurze Distanz von 4 bis 9 Metern).  Kurze hochintensive Belastungen werden von Erholungsphasen unterbrochen. Das durchschnittliche Arbeitsintervall beträgt ca. 12 bis 20 Sekunden, vor entscheidenden Aktionen (Wurf, Rebound) erfolgt meist eine intensive Aktion (Antritt, Richtungswechsel, Sprung). Pro Spiel kommt es zu 750 – 2.750 verschiedenen Bewegungen, ca. 40 – 60 Sprüngen, &gt;200 Überkopfbewegungen, 32 Dribblings, 120 Ballannahmen, 80 Pässen und 15 Würfen. Ca. 620 Meter werden in tiefer Verteidigungshaltung zurückgelegt. Im Rahmen der NBA Combine Tests, bei denen die potenziellen Draft-Kandidaten vermessen und getestet werden, zeigte sich über die Zeitspanne 2000 bis 2015, dass der durchschnittliche Aufbauspieler inzwischen ca. 1,85 m und der durchschnittliche Center ca. 2,09 m groß ist. Durch europäische Einsätze und Länderspiele kommen auch europäische Basketballspieler inzwischen auf teilweise &gt; 80 Spiele pro Saison.</p>
<figure id="attachment_20402" aria-describedby="caption-attachment-20402" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-20402" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Lukas_saez0325-1024x691.jpg" alt="" width="755" height="509" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Lukas_saez0325-1024x691.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Lukas_saez0325-300x202.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Lukas_saez0325-768x518.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Lukas_saez0325-150x101.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Lukas_saez0325-450x303.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Lukas_saez0325-1200x809.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Lukas_saez0325.jpg 1204w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-20402" class="wp-caption-text">DIe orthopädischen und internistischen Eingangsuntersuchungen helfen, Problemfelder rechtzeitig zu erkennen, um präventiv gegensteuern zu können.</figcaption></figure>
<h2><b>Verletzungen</b></h2>
<p>Im Vergleich zu den anderen großen Ballsportarten verletzen sich die Spieler laut VBG-Sportreport mit 1,47 Verletzungen pro Spieler und Saison etwas seltener, was sich sicherlich durch den Ursprungsgedanken des körperlosen Spiels, auch wenn dies heute bei weitem nicht mehr der Fall ist, erklären lässt. Die mit Abstand häufigste Verletzung ist die Außenbandverletzung am oberen Sprunggelenk, der klassische Verletzungsmechanismus hierfür ist die Landung auf einem gegnerischen Fuß unter dem Korb. Dies führt dazu, dass in der NBA Tape oder Orthese von den Versicherungen vorgeschrieben werden. Im Bundesliga Basketball wird dies ebenfalls regelmäßig von den Vereinen eingefordert, und auch von den Spielern gewünscht. Die höchsten Verletzungskosten und die längsten Ausfallzeiten hingegen entstehen durch Knie­verletzungen. Auch bei den Überlastungsbeschwerden liegt das Knie deutlich vorn, „schuld“ daran ist vor allem das Patellaspitzen-Syndrom, das im Basketball fast schon endemisch auftritt. Gold-Standard in der Therapie ist das exzentrische Training, idealerweise begleitet von physiotherapeutischen Maßnahmen, aber auch Stoßwelle oder PRP-Infiltrationen.</p>
<h2><b>Prävention</b></h2>
<p>Im Bereich der Prävention sollte man vier große Themen berücksichtigen:</p>
<p>1. Neuromuskuläres Training: Hier sollte vor allem auf die Rumpfstabilität sowie aktive Knie- und Sprunggelenksstabilisierung geachtet werden, um das Verletzungsrisiko zu reduzieren. Programme wie z. B. das FIFA 11 + Programm, konnten ihre Wirkung neben dem Fußball auch im Basketball nachweisen.</p>
<p>2. Belastungssteuerung: Bei den inzwischen maximal gefüllten Spiel­plänen muss genügend Raum für adäquate Regeneration geschaffen werden.</p>
<p>3. Hilfsmittel: neben Tape-Verbänden oder Orthesen für die Sprunggelenke, ist z. B. auch ein Zahnschutz zu erwähnen.</p>
<p>4. Medizinische Eingangsuntersuchungen: Diese sind auch in der Breite sinnvoll und zu fordern. Neben der orthopädischen und internistischen Untersuchung sollte immer auch eine Funktionstestung enthalten sein. Für die Prävention ist es unerlässlich, die gefundenen Mängel gezielt, mit individuellen Trainingsprogrammen, anzugehen.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Trotz der überschaubaren Verletzungsrisiken bleibt Basketball eine attraktive, faszinierende Sportart, die, nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Erfolge der deutschen Nationalteams, auch hierzulande zunehmend mehr Anhänger findet.</p>
<p><i>Der Artikel ist eine vom Autor für die sportärztezeitung erstellte kompakte Zusammenfassung des Beitrags „<a href="https://gots.org/fit-am-korb-belastungen-der-athleten-und-praevention-im-basketball/">Fit am Korb: Belastungen der Athleten und ­Prävention im Basketball</a>“ von Dr. med. Christoph Lukas, online erschienen im Newsletter der GOTS.</i></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Fast track und Prähabilitation</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/20586/fast-track-und-praehabilitation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Joachim Grifka]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Oct 2025 08:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/25]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=20586</guid>

					<description><![CDATA[Deutschland darf bei fast track für Hüft- und Knieendoprothetik nicht Entwicklungsland bleiben. Das Konzept der speziellen Vorgehensweise, einschließlich Prähabilitation, ist gut umzusetzen. Wissenschaftliche Studien belegen die signifikant besseren Ergebnisse hinsichtlich [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Deutschland darf bei fast track für Hüft- und Knieendoprothetik nicht Entwicklungsland bleiben. Das Konzept der speziellen Vorgehensweise, einschließlich Prähabilitation, ist gut umzusetzen. Wissenschaftliche Studien belegen die signifikant besseren Ergebnisse hinsichtlich Mobilisierung, Schmerzreduktion und Lebensqualität beim fast track-Verfahren. Für ältere Patienten ist dieses Vorgehen zusätzlich wertvoll, weil Delir-Gefahr und allgemeine Komplikationen reduziert werden.</b></p>
<p>Status quo: In Deutschland werden im Jahr je ca. 200.000 Knie- und Hüftendo­prothesen implantiert. Der operative Standard sind immer noch herkömmliche Zugänge mit großen Inzisionen. Beim Hüftgelenk mit Bauer-Zugang oder hinterem Zugang, also durch die Muskulatur, was Blutungen induziert, Schmerzen verursacht und eine längere Rehabilitationsphase mit Heilung der Muskulatur, unter Umständen mit Vernarbung und Funktionsverlust und insgesamt verzögerter Mobilisation, bedeutet. Dies beeinträchtigt auch die Rekonvaleszenz. Postoperativ werden für Knie- und Hüftendoprothetik Drainagen verwendet, die ein oder gar zwei Tage bleiben.<span class="Apple-converted-space">  </span>Standard der Anästhesie ist eine Allgemeinnarkose. Wenn eine Regionalanästhesie verwendet wird, so werden beide Beine ausgeschaltet und es dauert oft den ganzen Tag, bis die Wirkung der Spinalen abgeklungen ist und der Patient das erste Mal postoperativ aufstehen kann. Daher sind auch Urinkatheter üblich. Zusätzlich bekommt der Patient eine immobilisierende Analgesie, z. B. mit PCA-Pumpe. Der Patient ist also an das Bett gefesselt und wird pflegerisch versorgt, bis zur Bettpfanne, anstatt selbst zur Toilette zu gehen. Diese Einschränkung ist auch eine persön­liche Unannehmlichkeit. In unseren Nachbarländern ist fast track schon so weit, dass Hüft- und Knieendoprothesen ambulant implantiert werden, während bei uns Patienten so operativ und perio­perativ behandelt werden, dass sie zunächst invalidisiert sind.</p>
<figure id="attachment_20593" aria-describedby="caption-attachment-20593" style="width: 802px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-20593" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka3_saez0325.jpg" alt="" width="802" height="798" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka3_saez0325.jpg 802w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka3_saez0325-300x300.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka3_saez0325-150x149.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka3_saez0325-768x764.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka3_saez0325-70x70.jpg 70w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka3_saez0325-450x448.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka3_saez0325-120x120.jpg 120w" sizes="(max-width: 802px) 100vw, 802px" /><figcaption id="caption-attachment-20593" class="wp-caption-text">Live-OP einer ambulanten Hüft-TEP bei einer 71jährigen Patientin</p>
<p></figcaption></figure>
<h2><b>Paradigmenwechsel für Narkose und OP-Vorgehen</b></h2>
<p>Die Systematik für fast track bzw. enhanced recovery hat Henrik Kehlet (1997) systematisch aufbereitet. Andere chirur­gische Fachgebiete sind Orthopädie und Unfallchirurgie zeitlich und methodisch weit voraus. Dort hat sich eine gezielte Vorbereitung auf die Operation wegen der besseren Ergebnisse und schnellen Wiedereingliederung mittlerweile als Routine etabliert. Eine Grundvoraussetzung für eine schnelle Rehabilitation ist auch ein schonendes operatives Vorgehen mit möglichst atraumatischem Zugang. Für das Hüftgelenk hat sich der Zugang mit Schonung der kleinen Glutäen durch die angrenzende Muskellücke bewährt, was auch Blutungen vermindert und vor allem die Muskelfunktion für die Bewegung des Gelenkes und die Stabilität des Beckens bewahrt. Analog muss bei einer Knieendoprothetik der Eingriff gezielter minimiert werden und weite Ablösungen im Muskel-, Faszien- und Sehnenbereich vermieden werden.</p>
<p>Die Umstellung ist Teamsache! Auf Seiten der Anästhesie muss ein Umdenken stattfinden. Das zertifizierte „pain free hospital“ mit tiefer Narkose und Schmerzkathetern immobilisiert den Patienten und stellt noch dazu ein zusätzliches Risiko dar. Bei älteren Patienten ist es nicht nur die Problematik der Immo­bilisation und die persönliche Beeinträchtigung mit den Unannehmlichkeiten der eingeschränkten körperlichen Hygiene, sondern auch ein Delir-Risiko mit mentaler Beeinträchtigung.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Bei Allgemeinanästhesie kann auch noch die Problematik von Kreislaufproblemen mit Übelkeit und Erbrechen dazukommen. Eine weitere große Beeinträchtigung ist die BtM-Gabe. Auch wer sonst gesund ist und jung ist, kann nach zwei oder drei Tagen mit Bettruhe und BtM nicht fit aufstehen und sicher gehen. Man braucht also ein Setting, ohne Schmerzkatheter, Perfusor und Schmerzvisiten mit BtM-Routineapplikation. Stattdessen muss die Anästhesie auf eine Hemispinale nur für das zu operierende Bein mit Prilocain als kurzwirkendem Analgetikum umgestellt werden – keine Katheter, auch kein Urinkatheter – nur leichte Sedierung, sodass der Patient während der OP schläft, z. B. Propofol. Zum Standard gehören auch Dexa und PONV-Prophylaxe.</p>
<p>Der Operateur braucht für das schonende Vorgehen Routine, damit keine Kompromisse beim Sitz des Implantates gemacht werden. Für die Knieendoprothetik ist ein sehr vorteilhaftes Implantat zur Rekonstruktion der individuellen Verhältnisse vor der Zulassung, bei der Hüftendoprothetik fehlt es an einem für den minimal-invasiven Zugang kurzen, aber sicher sitzenden, initial belastungs- und rotationssicheren Schaft, der eine unmittelbar postoperative Vollbelastung erlaubt. Hier müssen noch relativ lange Schäfte verwendet werden, damit frühpostoperativ die volle Belastungbarkeit axial und bei Rotation gegeben ist.</p>
<p>Im OP-Situs wird eine Lokalanästhesie angewendet &#8211; was beim Zahnarzt wirkt, wirkt auch intraoperativ. Subcutan vor Incision, in der Tiefe des Situs, beim Knie ganz besonders femoral dorsal, wo gegen eine Beugekontraktur die Kapsel und die Sehnenansätze umfangreich gelöst werden müssen und nach Fascienschluss in die Gelenkhöhle mit Ropi­vacain, in der Tiefe mit Adrenalinzusatz. Zudem Tranexamsäure, 1 g i. v. zum Schnitt, 3 g topisch intraoperativ und nach Fascienschluss intraartikulär. Ein Cell-saver wird nicht benötigt, ebenso Verzicht auf Drainagen.</p>
<figure id="attachment_20589" aria-describedby="caption-attachment-20589" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-20589" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka1_saez0325-1024x495.jpg" alt="" width="755" height="365" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka1_saez0325-1024x495.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka1_saez0325-300x145.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka1_saez0325-768x371.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka1_saez0325-150x73.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka1_saez0325-450x218.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka1_saez0325.jpg 1185w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-20589" class="wp-caption-text">a Übliche Narbe nach herkömmlicher Hüftprothesenoperation, hier bei einem US-amerikanischen Patienten, oft weit mehr als 10 cm Länge. b Micro-Hip-Zugang, i. d. R. 7  cm langer Schnitt und schonende Präparation in der Tiefe</figcaption></figure>
<h2><b>Prähabilitation</b></h2>
<p>Heute ist es noch eine absolute Ausnahme, dass vor Knie- und Hüftendoprothese ein gezieltes präoperatives Training zu Verhaltensmaßnahmen und speziellen Übungen durchgeführt wird. In der Regel findet keine gezielte physiotherapeutische und ergotherapeutische Vorbereitung auf die Phase nach der OP statt. Auf jede Urlaubsreise bereiten wir uns besser vor als auf eine Operation mit einem Knie- oder Hüftimplantat. Nach der OP kommt dann eine Überflutung mit Vorsichtsmaßnahmen, richtigem Verhalten oder auch dem Umgang mit Gehstützen. Treppen stellen plötzlich ein großes Hindernis dar, man weiß nicht, mit welchem Bein man nach der OP aufstehen soll, wie man das Bein lagern soll und wie Hilfsmittel eingesetzt werden. Das alles wird in der Prähabilitation vor der OP vermittelt und trainiert. Dazu habe ich mit den Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Sportwissenschaftlern ein Programm mit klaren Aufgabenstellungen, Zielen und Behandlungsstunden entwickelt. Die Hilfsmittel, z. B. Greifzange, Toilettensitzerhöhung und die Verhaltensmaßnahmen werden so trainiert, dass der Patient das sicher beherrscht. Patient und Behandler unterschreiben die erreichten Ziele. Dann gibt es nochmal einen Check einige Zeit vor der OP, ob der Patient die Vorgaben verstanden hat und die Vorsichtsmaßnahmen und Verhaltensweisen auch umsetzen kann. Die Pflichtübungen der Checkliste beginnen mit einfachen Übungen zur Dehnung und Kräftigung im schmerzfreien Bewegungsraum, Hinweisen für den Alltag nach der Operation, das Durchspielen der häuslichen Maßnahmen für die Vorbereitung auf die Operation, Kreislaufübungen für das Aufstehen direkt nach der Operation und schließlich werden Koordinationsübungen für sichere Bewegungsabläufe trainiert.</p>
<h2><b>Frühpostoperative Rehabilitation</b></h2>
<p>Bei diesem Procedere steht der Patient 2 – 3 Stunden nach der OP auf und geht mit Gehstützen, um sich noch abzustützen. Achtung: Nicht zu tief einstellen und den Storchengang beherzigen, damit der Patient aus dem präoperativ einge­schliffenen Gehmuster herauskommt. Es ist ein großes Erlebnis für den Patienten, dass er gleich nach der OP gehen kann, voll auftreten darf und realisiert, dass er sofort schmerzfrei – oder zumindest deutlich schmerzreduziert – gehen kann. Mit diesem Vorgehen habe ich als erster in Deutschland gemeinsam mit meinem Team ein systematisches fast track Regime erstellt, das auch die ambulante Knie- und Hüftprothesenoperation ermöglicht. Mit der ambulanten Implantation künstlicher Gelenke habe ich 2019 begonnen. Wegen der allgemeinen Skepsis habe ich auch bei einer älteren Patientin die Hüftprothesenoperation als Live-OP demons­triert. Diese schonende, genau ausgefeilte OP-Technik und das Gesamt­konzept ermöglichen die ambulante Prothesenimplantation ohne zusätzliche Risiken- im Gegenteil: die Risiken herkömmlicher Anästhesie, OP-Technik und perioperativer Vorgehensweise werden vermieden. Natürlich muss man Knie- und Hüftprothesen nicht bei allen Patienten ambulant operieren – unser Vergütungssystem steht dem auch entgegen. Von dieser Technik profitieren alle Patienten, auch wenn sie für einige Tage stationär zur Behandlung bleiben.</p>
<h2><b>Ergebnisse</b></h2>
<p>In Vergleichsstudien wurden große Patientenkollektive mit konventioneller Behandlung und unserem speziellen fast track-Konzept verglichen. Eine retro­spektive matched pair Analyse mit 320 Patienten zeigt im Womac Score bei Kontrolle über 12 Monate ein stat. sign. besseres Ergebnis für die fast track-Gruppe (Leiss et al., 2021). Götz et al. (2022) stellten bei 102 Patienten mit fast track HüftTEP frühpostoperativ als auch nach vier Wochen eine stat. hoch signifikante Reduktion der Schmerzmedikation und eine Funktionsverbesserung fest. Im Rahmen einer prospektiv randomisierten Studie fanden Reinhard et al. (2023) für die fast track Gruppe mit isokinetischen Biodex-Messungen und Erhebungen zur Lebensqualität fünf Tage und vier Wochen postoperativ signifikant bessere Ergebnisse für die fast track-Gruppe. Diese signifikante Überlegenheit der fast track-Gruppe bestätigte sich auch noch drei Monate und ein Jahr postoperativ (Reinhard et al., 2023). Schließlich haben wir die fast Track-Technik auch bei einer GBA-geförderten Studie geriatrischer Patienten mit Knie- und Hüftprothesenimplantation in einer prospektiv randomisierten Studie geprüft und fanden mit dem geriatrischen Konzept bei diesen Patienten eine stat. hoch signifikante Besserung der Mobilität und eine signi­fikante Risi­ko­reduktion von Minor-Komplikationen sowie eine deutliche Tendenz der Risikoreduktion für Major-Komplikationen (Meyer et al., 2024).</p>
<figure id="attachment_20594" aria-describedby="caption-attachment-20594" style="width: 814px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-20594 size-full" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka2_saez0325.tif" alt="" width="814" height="802" /><figcaption id="caption-attachment-20594" class="wp-caption-text">Erste ambulante Prothesen­implantationen für Hüft-TEP</figcaption></figure>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Es ist dringend notwendig, das fast track-Konzept für Knie- und Hüftendoprothesen deutschlandweit umzusetzen. Die Einbeziehung und besondere Betreuung geriatrischer Patienten sind ebenso dringend notwendig.</p>
<figure id="attachment_20592" aria-describedby="caption-attachment-20592" style="width: 818px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-20592" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka4_saez0325.jpg" alt="" width="818" height="794" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka4_saez0325.jpg 818w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka4_saez0325-300x291.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka4_saez0325-768x745.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka4_saez0325-150x146.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Grifka4_saez0325-450x437.jpg 450w" sizes="(max-width: 818px) 100vw, 818px" /><figcaption id="caption-attachment-20592" class="wp-caption-text">Ablauf erste ambulante Knieendoprothese</p>
<p></figcaption></figure>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol>
<li style="font-weight: 400;">Khelet, H.: Multimodal approach to controlpostoperative pathopkysiology and rehabilitation. Br J Anaesth 1997, 78: 606-617</li>
<li style="font-weight: 400;">Leiss, F. et al.:Excellent functional outcome and quality of Life after primary cementless total hip arthroplasty (THA) using an enhanced recovery setup. J. Clin. Med. 2021, 10: 621-632</li>
<li style="font-weight: 400;">Götz, J.S. et al.: Implementing fast track in total hip arthroplasty: rapid mobilization with low need for pain medication and low pain values. Z Rheumatol. 2022, 81:253-262</li>
<li style="font-weight: 400;">Reinhard, J et al.: Comparison of postoperative isokinetic quadriceps and gluteal muscular strengh after primary THA: is there an early benefit through enhanced recovery programs? J Experimental Orthopaedics, 2023, 10: 118-133</li>
<li style="font-weight: 400;">Reinhard, J. et al.: Favourable mid-term isokinetic strengh after bprimary THA combined with a modified einhanced recovery after surgery concept (ERAS) n a single blinded randomized controlled trial. Arch. Orthp Trauma Surg 2024, 144: 3323-3336</li>
<li style="font-weight: 400;">Meyer, M. et al.: SOG – Spezielle Orthopädische Geriatrie. Erste Zwischenergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie zur integrierten orthogeriatrischen Versorgung in der elektiven Hüft- und Kniegelenkendoporthetik. Orthopäde 2024, 53: 127-135</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Plötzlicher Herztod</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/20580/ploetzlicher-herztod-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Susanne Berrisch-Rahmel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Oct 2025 08:00:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/25]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=20580</guid>

					<description><![CDATA[Wir lesen und hören es immer wieder. Bei großen Wettkämpfen mit vielen Teilnehmern und Teilnehmerinnen kommt es zu medizinischen Notfällen, bis hin zum plötzlichen Herztod (SCD), sei es beim Triathlon, [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Wir lesen und hören es immer wieder. Bei großen Wettkämpfen mit vielen Teilnehmern und Teilnehmerinnen kommt es zu medizinischen Notfällen, bis hin zum plötzlichen Herztod (SCD), sei es beim Triathlon, Marathon oder Radrennen.</b></p>
<hr />
<p><b>Definition</b> Plötzlicher Herztod beim Sport = SPORTS-RELATED SUDDEN CARDIAC DEATH (SrSCD oder SCD) Der SCD ist sportassoziiert, wenn er in direktem Zusammenhang mit einer sportlichen Tätigkeit steht, d. h. wenn er während oder bis max. 1 Stunde nach sportlicher Aktivität auftritt und nicht auf andere Ursachen zurückzuführen ist.</p>
<hr />
<p>Interessant ist, dass dieses fatale Ereignis deutlich häufiger Männer als Frauen betrifft. Alle Daten, die man dazu findet, zeigen einen ganz klaren Unterschied: Männer erleiden sehr viel häufiger einen plötzlichen Herztod während des Sportes als Frauen. Das ist unabhängig davon, ob es sich um Athletinnen oder Freizeitsportlerinnen handelt, auch unabhängig vom Alter und von der Sportart. Je nach Studie kommt 1 Herztodereignis bei einer Frau auf bis zu 14 Ereignisse bei Männern [1 – 3].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Ursachen</b></h2>
<p>Sind es nur die schützenden Hormone oder gibt es auch ein männliches Verhalten, das zu mehr Todesfällen führen kann? Die Ursachen für den geschlechterspezifischen Unterschied beruhen auf verschiedenen biologischen Faktoren und genetischen Polymorphismen, die noch nicht alle bekannt sind. Bei männlichen Masterathleten ist die Prävalenz von Vorhofflimmern, Koronarsklerose oder Myokardfibrose deutlich höher als bei Frauen. Eine mögliche Erklärung ist auch, dass Männer höhere Spitzenblutdrücke während eines intensiven Trainings aufweisen. Sind Männer ehrgeiziger und unvernünftiger oder kennen ihre Grenzen nicht? Nach den Daten von Deepthi Rajan [2] greifen Männer eher zu Medikamenten wie Analgetika oder nutzen leistungssteigernde Substanzen. Sie neigen häufiger zur Selbstüberschätzung und sind stärker wettbewerbsorientiert, was nicht selten zu Überanstrengung führt. Soziokulturelle Faktoren spielen eine Rolle, so z. B. Neigung zur „overexertion tendency“.Warnzeichen wie Brustschmerzen, Dyspnoe oder Infekte werden nicht ernst genommen oder komplett ignoriert. Immerhin ließen sich bei 50 % der Betroffenen rückblickend solche Symptome ermitteln. Auch bei vermeintlich gesunden Menschen kann ein gesundheitliches Risiko durch extreme Umgebungsbedingungen wie Kälte und Hitze verstärkt werden. Wichtig ist es über diese Risiken zu informieren und sich ab einem Alter von 35 Jahren regelmäßig auch kardiologisch checken zu lassen, beispielweise bei einer Sportvorsorgeuntersuchung.</p>
<h2><b>Besonderheit Frau</b></h2>
<p>Gehen Frauen das Training schonender an oder liegt es nur am Schutz der Hormone wie Östrogen, zumindest bis zu Menopause? In den vorliegenden Studiendaten wird deutlich, dass Frauen aufgrund ihrer geschlechtsspezifischen biologischen, hormonellen und physiologischen Merkmale besondere Risikofaktoren aufweisen. Bei Frauen ist nicht selten, auch mit genetischer Abklärung, keine Ursache des SCDs zu eruieren [4]. Bei Sportlern unter 35 Jahren überwiegen im deutschen Register strukturelle Herzerkrankungen, Koronaranomalien und Myokarditiden. Frauen zeigen andere Krankheitsbilder, mehr Kana­lopathien und andere Rhythmuserkrankungen. Diese primär elektrischen Erkrankungen- „EKG-Erkrankungen“ – wie LongQT-Syndrom (LQTS), Brugada-Syndrom, oder die katecholaminerge polymorphe VT (CPVT) und andere angeborenen Arrhythmien manifestieren sich oftmals erst bei höherer körperlicher Belastung oder intensiven Training, was die Diagnose in der Regel verzögert [5].<span class="Apple-converted-space">  </span>Zusätzliche QT-Zeit-Verlängerung, sei es medikamentenassoziiert (Psychopharmaka) oder durch Elektrolytverschiebungen, sollen vermieden werden. Um die Bedeutung kardialer Kanalopathien noch besser bestimmen zu können, sind in Zukunft Studien mit molekularen Autopsien nach SrSCD-Fällen bei Frauen erforderlich. Obacht geben sollte man auf einen Mitralklappenprolaps (MKP oder MVP) mit assoziierten Herzrhytmusstörungen. Besonders häufig sind jüngere Frauen von einem so genannten malignen Mitralklappenprolaps-Syndrom betroffen. Bei der arrhyth­mogenen Form des MKP wird eine familiäre Häufung bei genetischer Prädisposition vermutet.</p>
<p>Diese Beschwerden können Vorboten sein:</p>
<ul>
<li>Palpitationen</li>
<li>Synkopen/ Präsynkopen</li>
<li>polymorphe ventrikuläre Extrasystolen unter Belastung</li>
<li>ventrikuläre Tachycardien</li>
</ul>
<p>Die Standartdiagnostik, die oft nur ein Ruhe- EKG enthält, muss bei Auffälligkeiten oder Beschwerden unbedingt erweitert werden um ein Belastungs-EKG und eine zweidimensionale Echokardiographie. Ergänzend kann gelegentlich ein Kardio-MRT notwendig werden, um eine Myokardfibrose auszuschließen. Diese Fibrose, und eine gleichzeitige Inflammation, gilt beim MKP-Syndrom typischerweise als Risikofaktor für maligne Herzrhythmusstörungen [6]. Treten Beschwerden – egal welcher Art- beim Training oder Wettkampf auf, bitte auf den Körper hören und besser eine Pause einlegen und checken.</p>
<p>Gerade bei Risikopersonen (Sportler mit Vorerkrankungen, ältere Sportler und Sportlerinnen sowie Personen die lange keine Sport gemacht haben) sind Sportvorsorgeuntersuchungen mit entsprechenden Trainingsempfehlungen sinnvoll. Zum Risikoassesment bei Wett­kämpfen gehört auch ein guter Notfallplan.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<ul>
<li>Angesichts der geschlechterspezifischen Unterschiede ist es sinnvoll, die Sportvorsorgeuntersuchgen gezielt zu differenzieren.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Männer und Frauen sollten nicht nur nach belastungsabhängigen Symptomen, sondern besonders auch nach einer positiven Familienanamnese befragt werden.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Frauenspezifische kardiovaskuläre Risikofaktoren können mittels eines standardisierten Fragebogens eruiert werden, der u. a.: polyzys­tischem Ovarialsyndrom (PCOS), Schwangerschaftshypertonie, Schwangerschaftsdiabetes und Präeklampsie, vorzeitiger Menopause (vor 45. Lebensjahr) und Schwankungen des Rhythmus des Menstruationszyklus abfragt.</li>
</ul>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li style="font-weight: 400;">Marijon E, Bougouin W, Celermajer DS, Périer MC, Dumas F, Benameur N, Karam N, Lamhaut L, Tafflet M, Mustafic H, de Deus NM, Le Heuzey JY, Desnos M, Avillach P, Spaulding C, Cariou A, Prugger C, Empana JP, Jouven X. Characteristics and outcomes of sudden cardiac arrest during sports in women. Circ Arrhythm Electrophysiol. 2013 Dec;6(6):1185-91. doi:10.1161/CIRCEP.113.000651. Epub 2013 Nov 4. PMID: 24190898.</li>
<li style="font-weight: 400;">Deepthi Rajan, Rodrigue Garcia, Jesper Svane, Jacob Tfelt-Hansen, Risk of sports-related sudden cardiac death in women, <i>European </i><em><i>Heart Journal</i></em>, Volume 43, Issue 12, 21 March 2022, Pages 1198–1206, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehab833</li>
<li style="font-weight: 400;">Castelletti S, Gati S. The Female Athlete&#8217;s Heart: Overview and Management of Cardiovascular Diseases. Eur Cardiol. 2021 Dec 2;16:e47. doi: 10.15420/ecr.2021.29. PMID: 34950243; PMCID:<br />
PMC8674625.</li>
<li style="font-weight: 400;">Weizman O, Empana JP, Blom M, Tan HL, Jonsson M, Narayanan K, Ringh M, Marijon E, Jouven X; ESCAPE-NET Investigators. Incidence of Cardiac Arrest During Sports Among Women in the European<br />
Union. J Am Coll Cardiol. 2023 Mar 21;81(11):1021-1031. doi:10.1016/j.jacc.2023.01.015. PMID: 36922087.</li>
<li style="font-weight: 400;">Tardo DT, Papadakis M. Are the Cardiovascular Benefits and Potential Risks of Physical Activity and Exercise Dependent on Race, Ethnicity, or Sex? Can J Cardiol. 2025 Mar;41(3):456-469. doi: 10.1016/j.cjca.2024.11.013. Epub 2024 Nov 14. PMID: 39547410.</li>
<li style="font-weight: 400;">Muthukumar L et al. Association Between Malignant Mitral Valve Prolapse and Sudden Cardiac Death A Review. JAMA Cardiol. 2020; doi:10.1001/jamacardio.2020.1412</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Funktionelle EMG und Stoßwellentherapie</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/20574/funktionelle-emg-und-stosswellentherapie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Savvas Ioannidis]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Oct 2025 08:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/25]]></category>
		<category><![CDATA[EMS]]></category>
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					<description><![CDATA[Chronische Knieschmerzen – und keine strukturelle Ursache in Sicht? Was in der manual- und sporttherapeutischen Praxis häufig vorkommt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen oft als funktionelles Problem. Gerade bei ambitionierten [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Chronische Knieschmerzen – und keine strukturelle Ursache in Sicht? Was in der manual- und sporttherapeutischen Praxis häufig vorkommt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen oft als funktionelles Problem. Gerade bei ambitionierten und hochaktiven Patienten stoßen klassische Diagnoseverfahren an ihre Grenzen. In solchen Fällen braucht es präzise Methoden, die tiefer blicken – wie die Elektromyographie (EMG).</b></p>
<p>Im hier vorgestellten Fallbericht wurde bei einem sportlich aktiven Patienten mit langjährigem, unklarem Kniebeschwerdebild die Kombination aus EMG-Diag­nostik (myoact) und radialer Stoßwellentherapie (<a href="https://sportaerztezeitung.com/applications/electro-medical-systems-gmbh/">EMS DolorClast®</a>) eingesetzt – mit bemerkenswertem Erfolg. Bereits nach der ersten Behandlung zeigte sich eine massive Schmerzreduktion. Der Wiederbefund nach sechs Wochen dokumentierte nicht nur eine stabile klinische Besserung, sondern auch eine messbare Normalisierung der muskulären Aktivität. Ein Paradebeispiel dafür, wie funktionelle Diagnostik und gezielte Therapie zusammenwirken und Schmerz­freiheit ermöglichen.</p>
<h2><b>Patient und Ausgangslage</b></h2>
<p>Ein 40-jähriger, sportlich sehr aktiver Mann mit einem körperlich fordernden Beruf, stellte sich mit seit drei Jahren bestehenden Schmerzen im linken Knie vor. Die Schmerzen traten medial unterhalb der Patella auf und wurden als stechend bis ziehend mit 6 – 7 / 10 auf der visuellen Analogskala (VAS) beschrieben. Der Schmerz ließ sich durch Treppensteigen klar provozieren, während beim Joggen keine Schmerzen während der Belastung auftraten – allerdings postaktiv. Bergauf-Radfahren im Wiegetritt war ebenfalls schmerzhaft, während bei schwer belasteten Kniebeugen keine Beschwerden bestanden.</p>
<h2><b>Klinische und funktionelle Diagnostik</b></h2>
<p>Die manualtherapeutische Untersuchung zeigte keine strukturellen Auffälligkeiten oder Seitendifferenzen. Die funktionelle EMG-Messung (Mapping März 2025) zeigte hingegen deutliche Dysbalancen in der Aktivierung des vastus lateralis (VL) und vastus medialis (VM) des linken Beins. So zeigten sich bei der Kniestreckung im Sitzen z. B. 421 µV (VL) versus 266  µV(VM) – eine Balance von lediglich 63 %. Noch ausgeprägter waren die Unterschiede bei der Kniestreckung in Rückenlage (57 % Balance). Auch bei funktionellen Bewegungen wie der Kniebeuge (77 %) und dem einbeinigen Squat (99 % – jedoch bei sehr hoher VL-Aktivität) war ein klares laterales Überwiegen zu erkennen. Die Ruheaktivität war ebenfalls leicht asymmetrisch erhöht (11 µV vs. 4 µV).</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-20577" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/ioannidis_Saez0325-1024x491.jpg" alt="" width="755" height="362" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/ioannidis_Saez0325-1024x491.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/ioannidis_Saez0325-300x144.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/ioannidis_Saez0325-768x368.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/ioannidis_Saez0325-150x72.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/ioannidis_Saez0325-450x216.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/ioannidis_Saez0325-1200x575.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/ioannidis_Saez0325.jpg 1486w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /></p>
<h2><b>Therapie</b></h2>
<p>Basierend auf der funktionellen Diagnostik erfolgte eine fokussierte Intervention mittels radialer Stoßwellentherapie (RSWT). Behandelt wurde der mediale Patellabereich in zwei Serien à 4.000 Impulse bei 25 Hz. Die Intensität wurde schmerzadaptiert in Rücksprache mit dem Patienten gewählt. Bereits nach der ersten Sitzung trat eine subjektive Beschwerdebesserung von über 90 % ein. Weitere Maßnahmen erfolgten zunächst nicht, um den Effekt der RSWT isoliert beurteilen zu können.</p>
<h2><b>Verlaufskontrolle – Wiederbefund nach sechs Wochen</b></h2>
<p>Der erneute EMG-Befund (Mapping Juni 2025) dokumentierte eine deutliche Verbesserung der neuromuskulären Balance. Die Gesamtbalance stieg von teils kritischen Werten (57 – 77 %) auf 83 % (Gesamt-Balance-Score). Die Ruheposition war normoton (VL: 4 µV; VM: 3 µV) – ein ausgeglichenes Bild (Tab,).</p>
<figure id="attachment_20575" aria-describedby="caption-attachment-20575" style="width: 577px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-20575" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/ioannidisTab_Saez0325.png" alt="" width="577" height="272" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/ioannidisTab_Saez0325.png 577w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/ioannidisTab_Saez0325-300x141.png 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/ioannidisTab_Saez0325-150x71.png 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/ioannidisTab_Saez0325-450x212.png 450w" sizes="(max-width: 577px) 100vw, 577px" /><figcaption id="caption-attachment-20575" class="wp-caption-text"><strong>Tab:</strong> Die zentralen Verbesserungen im Einzelvergleich<br />* Sowohl beim Erst-Mapping als auch beim Wiederbefund wurde die Einbein-Kniebeuge als Pistolsquat durchgeführt. Bei diesem hochfunktionellen Test bewegt sich der Athlet vollständig in die Einbein-Kniebeuge, was eine starke mediale Quadrizeps-Aktivierung erfordert. Normalerweise ist bei Sportlern hier eine höhere Aktivierung des vastus medialis gegenüber dem vastus lateralis zu erwarten. Die verminderte Balance von 99 % auf 74 % reflektiert daher v. a. die Abnahme der lateralen Dominanz und die gesteigerte mediale Aktivierung (803 µV) im Wiederbefund und ist im Sinne der muskulären Balance und Patellaführung funktionell positiv zu bewerten.</figcaption></figure>
<p>Auch die maximale willkürliche Aktivierung (MVA) stieg deutlich an – von 385 µV auf 568 µV (VL) sowie von 195 µV auf 478 µV (VM). Dies deutet auf eine insgesamt verbesserte neuromuskuläre Ansteuerung hin, ohne einseitige Dominanz.</p>
<h2><b>Diskussion</b></h2>
<p>Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass durch gezielte Stimulation mittels radialer Stoßwelle eine nachhaltige Verbesserung der Muskelansteuerung erreicht werden kann. Die Elektromyographie erwies sich dabei nicht nur als diagnostisches Mittel, sondern auch als qualitatives Monitoring-Instrument, um Therapieerfolge objektiv zu dokumentieren. Der initiale laterale Überhang wurde durch die RSWT reduziert und die Aktivität des vastus medialis gesteigert – ein für die Patellaführung und Schmerzreduktion relevanter Effekt. Insbesondere bei aktiven Patienten ohne strukturelle Pathologie kann eine funktionelle Ursache durch kompensatorische muskuläre Muster vorliegen. Diese lassen sich weder durch bildgebende Verfahren noch durch klinische Tests zuverlässig identifizieren. Hier bietet die EMG-Diag­nostik ein evidenzbasiertes Werkzeug, um Defizite sichtbar zu machen und therapeutisch gezielt anzugehen.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Die Kombination aus EMG und RSWT stellt eine effektive Herangehensweise zur Behandlung funktioneller muskuloskelettaler Beschwerden dar. In diesem Fall konnte eine nachhaltige Normalisierung der Muskelbalance und eine deutliche Schmerzfreiheit erzielt werden. Die objektive Darstellung des Therapieerfolgs durch EMG-Mapping unterstreicht die klinische Relevanz dieser Methodenkombination im sportmedizinischen Setting. Dank der präzisen funktionellen Diagnostik und Verlaufskontrolle kann der Patient in seine sportlichen Aktivitäten zurückgeführt werden – basierend auf messbaren, stabilen Parametern. Eine weiterführende Betreuung im Rahmen eines gezielten EMG-Biofeedback-Trainings wäre darüberhinaus eine vielversprechende Option, um die neuromuskuläre Kontrolle langfristig zu stabilisieren und Rückfällen präventiv zu begegnen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Funktionelle Einheit von Reiter und Pferd</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/20566/funktionelle-einheit-von-reiter-und-pferd/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lisa Kullmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Sep 2025 08:00:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/25]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=20566</guid>

					<description><![CDATA[In der osteopathischen Arbeit mit Reiter und Pferd begegnet uns immer wieder dieselbe zentrale Erkenntnis: Zwei Individuen mit jeweils hochkomplexen Bewegungsapparaten bilden beim Reiten eine funktionelle Einheit. Diese Verbindung ist [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>In der osteopathischen Arbeit mit Reiter und Pferd begegnet uns immer wieder dieselbe zentrale Erkenntnis: Zwei Individuen mit jeweils hochkomplexen Bewegungsapparaten bilden beim Reiten eine funktionelle Einheit. Diese Verbindung ist nicht nur physisch, sondern auch neuro-muskulär und energetisch tief miteinander verwoben.</b></p>
<p>Dabei stellt sich eine entscheidende Frage: Wie beeinflusst der Mensch mit seinem Körper den des Pferdes und umgekehrt? Vor allem im Bereich des Beckens, jener Schlüsselregion für Aufrichtung, Tragkraft und Balance, entscheidet sich, ob aus Reiter und Pferd ein harmonisches Team wird<span class="Apple-converted-space">  </span>oder ob Dysbalancen und Überlastungen den gemeinsamen Weg erschweren. Gerade in Zeiten, in denen das moderne Sportpferd athletischer, aber auch empfindlicher geworden ist, wird ein differenzierter osteopathischer Blick auf diese Verbindung immer relevanter. Denn was in der Bewegung geschieht, geschieht zwischen den beiden Körpern – im Dialog, nicht im Monolog.</p>
<h2><b>Biomechanische Achse: Reiterbecken – Sattel – Pferdebecken</b></h2>
<p>Das Becken ist das Zentrum der Bewegung, beim Menschen wie beim Pferd. Im Reitsport jedoch trifft dieses Zentrum doppelt aufeinander: Das Becken des Reiters kommuniziert direkt mit dem des Pferdes, vermittelt durch den Sattel als funktionelles Bindeglied. Hier entsteht die biomechanische Achse, die über Gleichgewicht, Bewegungsfluss und Kraftübertragung entscheidet. Ein symmetrisch bewegtes Reiterbecken überträgt harmonische Impulse auf das Pferd, es folgt weich in der Bewegung, lässt den Rücken los, aktiviert die Hinterhand. Ist das Becken jedoch blockiert, kippt einseitig ab oder verliert die Anbindung an die tiefe Rumpfmuskulatur, wirkt diese Dysfunktion unmittelbar auf die Bewegungsqualität des Pferdes. Umgekehrt kann auch eine Einschränkung im Pferdebecken, etwa durch fasziale Spannungen, muskuläre Ungleichgewichte oder Beckenschiefstände, die Bewegung des Reiters stören, ihm die Anbindung „entziehen“ und zu Kompensationen führen. Der Sattel ist dabei weit mehr als ein Reitzubehör, er ist Schnittstelle, Verstärker und manchmal auch Störfaktor. Nur wenn er korrekt angepasst ist und sowohl Reiter- als auch Pferdeanatomie berücksichtigt, kann die feine Bewegungskommunikation zwischen beiden Körpern erhalten bleiben. Im osteopathischen Kontext betrachten wir diese Achse immer als dynamisches System: Ein fein austariertes Zusammenspiel von Stabilität und Mobilität, Zentrierung und Losgelassenheit. Denn nur in dieser Balance kann echte Bewegungsintelligenz entstehen – bei Reiter und Pferd.</p>
<h2><b>Beckenbewegung im Dialog – Synchronisation oder Störung</b></h2>
<p>Reiten ist ein Dialog in Bewegung. Im Idealfall entsteht dabei ein synchroner Rhythmus zwischen Reiter und Pferd. Ein fein abgestimmter Bewegungsfluss, getragen von wechselseitiger Wahrnehmung. Im Zentrum dieses Dialogs: das Becken. Das Pferdebecken bewegt sich im Schritt in einer dreidimensionalen Schwingung, ähnlich einer Welle, die durch die Wirbelsäule fließt. Diese Bewegung überträgt sich über den Rücken auf den Sattel und damit direkt auf das Becken des Reiters. Ein aufmerksamer, losgelassener Reiter kann diese Schwingung nicht nur aufnehmen, sondern aktiv begleiten – mit feiner Beckenbewegung, die dem Pferd erlaubt, weiter durchzuschwingen und sich unter den Schwerpunkt zu setzen. Störungen in diesem Dialog entstehen oft schleichend: Eine Beckentorsion beim Reiter, eine alte Verletzung beim Pferd, ein nicht mehr ganz passender Sattel. Kleine Abweichungen führen zu feinen, aber nachhaltigen Kompensationsmustern. Das Pferd reagiert mit Muskelspannung, blockierter Rückentätigkeit oder Taktunreinheiten. Der Reiter spürt ein „nicht rundes“ Gefühl, verliert das Gleichgewicht oder beginnt, unbewusst gegenzuarbeiten. Die Osteopathie bietet hier nicht nur Diagnosehilfe, sondern auch konkrete Korrekturmöglichkeiten: durch Mobilisation, Faszienarbeit, viszerale Techniken oder gezielte Trainingsimpulse. Ziel ist es, den Bewegungsdialog wiederherzustellen – denn nur ein freies, schwingendes Becken auf beiden Seiten ermöglicht gesunde, tragfähige Bewegung.</p>
<h2><b>Praxisbeispiel</b></h2>
<p>Eine junge Dressurreiterin suchte Unterstützung, weil ihr Pferd im Linksgalopp regelmäßig „blockierte“. Die osteopathische Untersuchung zeigte: Das Pferd hatte eine Beckentorsion nach rechts und die Reiterin eine alte ISG-Blockade auf der rechten Seite, die zu einer dauerhaften asymmetrischen Sitzbelastung führte. Beide Körper hatten sich über die Zeit aufeinander eingestellt, jedoch auf Grundlage eines kompensierten Musters. Nach der osteopathischen Behandlung der Reiterin, inklusive Mobilisation und gezielter Bewegungsaufträge, war ihr Becken wieder frei beweglich. Doch zurück im Sattel griff zunächst erneut das alte Muster: Die Muskulatur, Faszien und neuronale Steuerung beider Partner „erwarteten“ noch die gewohnte Dysbalance. Also begannen wir eine gezielte Bewegungsschulung im Sattel mit Übungen für neue Aufrichtung, bewusste Bewegungsführung und gemeinsames Spüren. Reiterin und Pferd lernten, sich in ihren neu gewonnenen Bewegungsfreiheiten neu aufeinander einzustimmen. Erst dadurch wurde aus der osteopathischen Behandlung eine nachhaltige Veränderung. Das Ergebnis: nicht nur ein taktreiner Linksgalopp, sondern ein ganz neues Körpergefühl – bei Mensch und Pferd.</p>
<h2><b>Das moderne Sportpferd – Veränderungen in Typus &amp; Anforderung</b></h2>
<p>Das Pferd, wie wir es heute im Sport erleben, hat sich deutlich von seinen ursprünglichen Aufgaben entfernt. War es früher Lastenträger im Militär, im Gelände oder auf langen Märschen, mit einem Schwerpunkt auf Robustheit und Ausdauer, steht heute Agilität, Versammlungsfähigkeit und Ausdruck im Vordergrund.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Zucht hat dementsprechend immer feinere, elastischere Typen hervorgebracht: athletisch, reaktionsschnell, hochsensibel, aber auch instabiler in der Körperstruktur. Gerade das Becken des modernen Pferdes ist dabei ein kritischer Punkt. Während die Pferde früherer Generationen eine natürliche Stabilität und Tragkraft aus einer tief angesetzten, breiten Beckenkonstruktion mitbrachten, zeigt sich heute oft ein schmaleres, beweglicheres Becken,<span class="Apple-converted-space">  </span>was Vorteile in der Versammlung bringen kann, aber zugleich höhere Anforderungen an die Stützmuskulatur und das koordinative Zusammenspiel stellt. Diese Veränderung spüren wir in der osteopathischen Praxis unmittelbar: häufiger auftretende Blockaden im Bereich Brust- und Lendenwirbelsäule, fasziale Überlastung, Kompensationen über die Vorhand, mangelnde Rückentätigkeit. Es wird immer wichtiger, das Pferd aktiv auf das Reiten vorzubereiten – mit gezieltem Muskelaufbau, bewusster Bewegungsführung und einem klaren Fokus auf Beckenstabilität. Denn mit dem ersten Reitergewicht auf dem Rücken wird das Pferd, ganz gleich ob Jungpferd oder erfahrener Vierbeiner, zum Profisportler. Und dieser braucht, wie jeder Mensch im Hochleistungssport, ein gut trainiertes Zentrum, um langfristig gesund zu bleiben. Bildhafter Vergleich: Ein modernes Sportpferd ohne stabiles Becken ist wie ein Sprinter mit instabiler Rumpfmuskulatur, schnell, aber verletzungsanfällig. Oder wie ein Tänzer, der versucht, Pirouetten zu drehen, ohne Körperspannung in der Mitte. Die Kraft ist da, aber ohne Zentrum verpufft sie oder bringt den Körper aus der Balance.</p>
<h2><b>Die Hinterhand als Kraftzentrum – der Aufbau beginnt hinten</b></h2>
<p>In der natürlichen Statik des Pferdes liegt der Schwerpunkt weit vorn. Etwa 60 – 65 % seines Körpergewichts ruhen auf der Vorhand, das ist für das freilebende Tier kein Problem. Doch sobald ein Reiter aufsteigt, verschiebt sich dieses Gleichgewicht weiter nach vorne. Damit beginnt ein neues biomechanisches Kapitel: Das Pferd wird zum Träger für eine Belastung, für die es ursprünglich nicht gemacht ist. Um diese neue Aufgabe gesund zu erfüllen, braucht es eine gezielte Vorbereitung: Tragkraft aus der Hinterhand, eine aktiv arbeitende Lenden-Becken-Region und eine durchlässige Rückentätigkeit. Der Aufbau dieser Muskulatur ist nicht optional, er ist Voraussetzung für alles, was im Sport gefordert wird: Versammlung, Schwung, Balance, Dynamik. Ein Pferd, das auf der Vorhand „läuft“, kompensiert häufig mit Spannung im Rücken, im Genick oder in der Schulter. Die Bewegungen werden hart, unelastisch, mit jedem Schritt steigt die Gefahr von Verschleiß. Die Lösung liegt im Zentrum des Pferdes: im Becken, in der Verbindung zur Hinterhand und in der Fähigkeit, Last aufzunehmen. In der osteopathischen Praxis sehen wir oft Pferde mit eindrucksvoller Muskulatur, aber sie ist „falsch“ verteilt: kraftvoll vorn, schwach hinten. Ziel muss es sein, den Muskelaufbau von hinten nach vorne zu denken. Nur so kann der Rücken frei schwingen, die Vorderhand entlastet und das Pferd wirklich unter den Schwerpunkt treten. Wahrnehmungsschulung statt nur Muskeltraining: Dabei geht es nicht nur um physisches Training, sondern um die Wiederherstellung eines ganzheitlichen Körperbewusstseins. Das Pferd muss lernen, die Hinterhand aktiv zu benutzen, das Becken zu kippen, den Rücken aufzuwölben – Bewegungen, die oft erst nach osteopathischer Entlastung überhaupt wieder möglich werden. Erst dann können Training und Gymnastizierung überhaupt „greifen“.</p>
<figure id="attachment_20568" aria-describedby="caption-attachment-20568" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-20568" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Kullmann_saez0325-1024x1013.jpg" alt="" width="755" height="747" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Kullmann_saez0325-1024x1013.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Kullmann_saez0325-300x297.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Kullmann_saez0325-768x760.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Kullmann_saez0325-70x70.jpg 70w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Kullmann_saez0325-150x148.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Kullmann_saez0325-450x445.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Kullmann_saez0325-120x120.jpg 120w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/09/Kullmann_saez0325.jpg 1179w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-20568" class="wp-caption-text">Ansteuerungsübung für eine ausbalancierte Körpermitte</figcaption></figure>
<h2><b>Fazit – Die Pflicht zur Vorbereitung: Profisportler Mensch &amp; Pferd</b></h2>
<p>Ein Pferd, das geritten wird, ist nicht mehr nur Pferd, es ist Leistungsträger, Bewegungsbegleiter, im besten Fall ein athletischer Partner auf Augenhöhe. Doch diese Partnerschaft beginnt nicht im Turnier oder auf dem Trainingsplatz, sie beginnt im Körper. Und sie verlangt Vorbereitung. Für beide. Die osteopathische Perspektive zeigt deutlich: Reiter und Pferd bilden eine biomechanische Einheit, in der jede Kompensation auf beiden Seiten Wirkung zeigt. Der Schlüssel liegt dabei im Becken, jenem Zentrum von Balance, Tragkraft und Bewegungsintelligenz. Nur wenn hier Freiheit und Stabilität zugleich herrschen, entsteht der Raum für gesunde, tragfähige Bewegung. Das bedeutet Verantwortung. Für Trainer, Therapeuten, Reiter – für alle, die mit Pferden arbeiten. Denn wir gestalten nicht nur Trainingseinheiten, sondern Bewegungsbiografien.</p>
<h2><b>Ausblick</b></h2>
<p>Aus dieser Erkenntnis heraus entsteht aktuell ein Workshop-Format, das genau diesen Bewegungsdialog zwischen Reiter und Pferd in den Mittelpunkt stellt – mit osteopathischem Wissen, praktischen Übungen und ganzheitlicher Körperarbeit. Denn Wissen bewegt – wenn es im Körper ankommt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Typ-2 Diabetes mellitus</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/20561/typ-2-diabetes-mellitus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. (FH) PD Dr. Christian Brinkmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 08:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/25]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=20561</guid>

					<description><![CDATA[Diabetes mellitus (DM) verursacht ein alarmierendes globales Gesundheitsproblem [1]. Die Krankheit ist häufig mit verschiedenen Begleiterkrankungen und sekundären Komplikationen verbunden, was neben dem Leid der Patienten auch zu einer erheblichen [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Diabetes mellitus (DM) verursacht ein alarmierendes globales Gesundheitsproblem [1]. Die Krankheit ist häufig mit verschiedenen Begleiterkrankungen und sekundären Komplikationen verbunden, was neben dem Leid der Patienten auch zu einer erheblichen wirtschaftlichen Belastung führt [2]. Schätzungen zufolge waren im Jahr 2024 weltweit etwa 589 Millionen Menschen betroffen und diese Zahl wird in den kommenden Jahren dramatisch weiter ansteigen [3].<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Allein in Deutschland leben aktuell mindestens 9 Millionen Menschen mit DM [4]. Mehr als 90 % der Patienten sind Menschen mit Typ-2 DM. Durch Lebensstilveränderungen können bei ihnen zahlreiche positive Effekte erzielt werden, u. a. eine verbesserte glykämische Kontrolle [5]. In einigen Fällen, vor allem, wenn die Erkrankung noch nicht weit fortgeschritten ist, können diese sogar zu einer Remission der Krankheit führen [6]. Daher sind eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung als wirksame Behandlungsmethoden unbedingt zu empfehlen [7].</p>
<h2><b>Ernährungsweisen und Trainings­programme</b></h2>
<p>Es gibt verschiedene Ernährungsweisen, die zur Verbesserung der Blutzucker­kon­trolle (HbA1c), der Insu­lin­sensitivität oder der Beta-­Zell-Funktion diskutiert werden, darunter u. a koh­lenhydratarme Ernährungsweisen, fettreduzierte Ernäh­rungsweisen, eine mediterrane Ernährung sowie verschiedene energierestriktive Diäten. Es besteht weiterhin Uneinigkeit darüber, welche Ernährungsweise am effektivsten für das Management von Typ-2 DM ist [8]. Neben Änderungen im Ernährungs­verhalten ist regelmäßige körperliche Bewegung ein etablierter Ansatz zur Verbesserung der Gesundheit von Menschen mit Typ-2 DM [9]. Es stellt sich die Frage, wie Ernährungsweisen und Trainingsprogramme am besten kombiniert werden können, um positive Gesundheitseffekte in diesem Patientenkollektiv zu maximieren.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>In einer kürzlich veröffentlichten systematischen Arbeit haben wir Studien eingeschlossen, die unterschiedliche Ernährungsweisen mit dem gleichen Sportprogramm bei Menschen mit Typ-2 DM kombiniert haben [10]. Energierestriktive low-carb Ernährungsweisen mit entweder high-fat oder high-protein Anteilen zeigten überlegende Effekte bzgl. einiger Outcomes (Medikamentendosis, Lipidprofil, Wohlbefinden) gegenüber Ernährungsweisen mit höherem Kohlenhydratanteil (bei reinen Ausdauer- oder Kraft- und Ausdauertrainings mit moderaten Intensitäten). Weitere Ernährungsweisen im direkten Vergleich und in Kombination mit Sport müssen noch erforscht werden.<span class="Apple-converted-space">  </span>Bei kalorienrestriktiven Diäten, wie ebenso bei der Behandlung mit Inkretin-­Mimetika zur Gewichtsreduktion, können gezielte Sportinterventionen (insbesondere Krafttrainingsprogramme) den Verlust von Muskelmasse (der bei Gewichtsabnahmen durch Kalorienrestriktion üblicherweise mit einhergeht) deutlich reduzieren oder sogar verhindern [11]. Gerade für Menschen mit Typ-2 DM ist das ein wichtiger Punkt, denn in den Muskel wird ein Großteil der resorbierten Glukose aufgenommen. Mehr Muskelmasse bedeutet hier also eine gesteigerte Möglichkeit für eine schnelle und effektivere Glukoselöschung. Eine ausreichende Proteinzufuhr ist mitentscheidend, um die Effekte von Krafttraining zu optimieren [12].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ein anderer vielversprechender Ansatz ist es, den Konsum von Superfoods und Sport gezielt zu kombinieren. So kann z. B. die Aufnahme von bestimmten Lebensmitteln, z. B. mit hohem (Poly-)Phenolgehalt und entsprechend starker antioxidativer Wirkung (wie z. B. bei Aroniabeeren), positive Effekte auf die chronische Inflammation und Glukosehomöostase bei Menschen mit Typ-2 DM haben [13]. Beim Sport ist vor allem das Timing entscheidend. Sport-induzierte transiente Anstiege im oxidativen Stress sind wichtig, um Trainingsanpassungen auszulösen. Der Konsum stark antioxidativer Lebensmittel könnte sich bei zu enger zeitlicher Nähe zur Trainingsbelastung daher auch negativ auf Langzeitanpassungen auswirken [14]. Mit Sport können sich auch regenerationsfördernde und anabole Wirkungen einiger Superfoods verstärkt zeigen. Wir haben in einer Pilotstudie kürzlich die Effekte des täglichen Trinkens eines Rote-Beeren-Saftes mit hohem Aronia­anteil während einer Kraft- / Ausdauertrainingsintervention bei Personen mit Prä-Diabetes untersucht. Bereits nach zwei Wochen zeigten sich hier Vorteile für die Muskelmasse im Vergleich zum Placebo-Getränk [15].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fazit und Ausblick</b></h2>
<p>Bei Lebensstilinterventionen für Menschen mit Typ-2 DM hat gerade die Kombination aus Ernährung und Sport großes Potenzial. Low-carb Ernährungsweisen gemeinsam mit Sport versprechen derzeit in direktem Vergleich mit klassischer Makronährstoffverteilung die meisten positiven Effekte. Man muss jedoch bedenken, dass es zu den Kombieffekten von vielen anderen Ernährungsweisen und Sport in diesem Kollektiv derzeit kaum verfügbare Studien (mit Direktvergleich von verschiedenen Ernährungsweisen bei gleicher Sportintervention) gibt. Bei angestrebten Gewichtsreduktionen sollte zu diätischen oder pharmakologischen Maßnahmen Krafttraining erfolgen, um den Verlust von Muskelmasse zu reduzieren oder sogar zu verhindern. Eine ausreichende Zufuhr an Proteinen ist in diesem Kontext wichtig. Bestimmte Superfoods zuzuführen und Sport zu treiben kann ebenfalls für einige Outcomes besonders effektiv sein. Weitere Studien sind nötig, kombinatorische Effekte von Ernährung und Sport bei Menschen mit Typ-2 DM zu erforschen.<span class="Apple-converted-space">   </span></p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">1 International Diabetes Federation. IDF Diabetes Atlas 11th Edition; International Diabetes Federation: Brussels, Belgium, 2025.</p>
<p style="font-weight: 400;">2 Tomic D, Shaw JE, Magliano DJ. The burden and risks of emerging complications of diabetes mellitus. Nat Rev Endocrinol 2022; 18: 525–539.</p>
<p style="font-weight: 400;">3 Kiran, SR, Sureka, RK. Prevalence of diabetes mellitus and its associated comorbidities: A population based study. Int J Community Med Public Health 2024; 11: 2085–2090.</p>
<p style="font-weight: 400;">4 Deutsche Diabetes Gesellschaft. Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2024—Die Bestandsaufnahme; Deutsche Diabetes Gesellschaft: Berlin, Germany, 2023.</p>
<p style="font-weight: 400;">5 Magkos F, Hjorth MF, Astrup A. Diet and exercise in the prevention and treatment of type 2 diabetes mellitus. Nat Rev Endocrinol 2020; 16: 545–55.</p>
<p style="font-weight: 400;">6 Lean ME, Leslie WS, Barnes AC, Brosnahan N, Thom G, McCombie L, Peters C, Zhyzhneuskaya S, Al-Mrabeh A, Hollingsworth KG, Rodrigues AM, Rehackova L, Adamson AJ, Sniehotta FF, Mathers JC, Ross HM, McIlvenna Y, Stefanetti R, Trenell M, Welsh P, Kean S, Ford I, McConnachie A, Sattar N, Taylor R. Primary care-led weight management for remission of type 2 diabetes (DiRECT): an open-label, cluster-randomised trial. Lancet 2018;10: 541-551.</p>
<p style="font-weight: 400;">7 Esefeld K, Kress S, Behrens M, Zimmer P, Stumvoll M, Thurm U, Gehr B, Halle M, Brinkmann C. Diabetes, Sports and Exercise. Exp Clin Endocrinol Diabetes 2025; 133: 343-353.</p>
<p style="font-weight: 400;">8 Papamichou D, Panagiotakos DB, Itsiopoulos C. Dietary patterns and management of type 2 diabetes: A systematic review of randomised clinical trials. Nutr Metab Cardiovasc Dis 2019; 29: 531–543.</p>
<p style="font-weight: 400;">9 Garcia SP, Cureau FV, Iorra FQ, Bottino LG, R C Monteiro LE, Leivas G, Umpierre D, Schaan BD. Effects of exercise training and physical activity advice on HbA1c in people with type 2 diabetes: A network meta-analysis of randomized controlled trials. Diabetes Res Clin Pract 2025; 221: 112027.</p>
<p style="font-weight: 400;">10 Amerkamp J, Benli S, Isenmann E, Brinkmann C. Optimizing the lifestyle of patients with type 2 diabetes mellitus &#8211; Systematic review on the effects of combined diet-and-exercise interventions. Nutr Metab Cardiovasc Dis 2025; 35: 103746.</p>
<p style="font-weight: 400;">11 Gross K, Brinkmann C. Why you should not skip tailored exercise interventions when using incretin mimetics for weight loss. Front Endocrinol (Lausanne) 2024; 15: 1449653.</p>
<p style="font-weight: 400;">12 Morton RW, Murphy KT, McKellar SR, Schoenfeld BJ, Henselmans M, Helms E, Aragon AA, Devries MC, Banfield L, Krieger JW, Phillips SM. A systematic review, meta-analysis and meta-regression of the effect of protein supplementation on resistance training-induced gains in muscle mass and strength in healthy adults. Br J Sports Med 2018; 52: 376–384.</p>
<p style="font-weight: 400;">13 Simeonov SB, Botushanov NP, Karahanian EB, Pavlova MB, Husianitis HK, Troev DM. Effects of Aronia melanocarpa juice as part of the dietary regimen in patients with diabetes mellitus. Folia Med 2002; 44: 20–23.</p>
<p style="font-weight: 400;">14 Margaritelis NV, Theodorou AA, Paschalis V, Veskoukis AS, Dipla K, Zafeiridis A, Panayiotou G, Vrabas IS, Kyparos A, Nikolaidis MG. Adaptations to endurance training depend on exercise-induced oxidative stress: exploiting redox interindividual variability. Acta Physiol (Oxf) 2018; 222</p>
<p style="font-weight: 400;">15 Valder S, Schick F, Pietsch N, Wagner T, Urban H, Lindemann P, Riemer L, Quenzer S, Herdegen V, Diel P, Isenmann E, Brinkmann C. Effects of two weeks of daily consumption of (poly)phenol-rich red berry fruit juice, with and without high-intensity physical training, on health outcomes in individuals with pre-diabetes mellitus. Nutr Metab Cardiovasc Dis 2025: 104121.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Adipositas und Krebs</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/20556/adipositas-und-krebs/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Dr. Michael Leitzmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2025 08:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[03/25]]></category>
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					<description><![CDATA[Die vorliegende Studie mit dem Titel „Excess adiposity and cancer: evaluating a preclinical-clinical obesity framework for risk stratification“, veröffentlicht im Fachjournal eClinicalMedicine (2025), untersucht den Zusammenhang zwischen übermäßiger Körperfettmasse und [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die vorliegende Studie mit dem Titel „Excess adiposity and cancer: evaluating a preclinical-clinical obesity framework for risk stratification“, veröffentlicht im Fachjournal eClinicalMedicine (2025), untersucht den Zusammenhang zwischen übermäßiger Körperfettmasse und Krebsrisiko anhand eines neuartigen Klassifikationssystems für Adipositas.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass Adipositas als bedeutsamer Risikofaktor für verschiedene Krebserkrankungen identifiziert wurde. Die überwiegende Mehrheit dieser Studien beruht jedoch auf dem Body-Mass-Index (BMI) als Maß der Körperzusammensetzung. Der BMI ist zwar einfach zu erheben und im bevölkerungsweiten Gesundheitsmonitoring etabliert, liefert jedoch keinerlei Information über etwaige Organfunktionsstörungen.</p>
<p>Um dieser Limitation besser Rechnung zu tragen, hat die Lancet Diabetes and Endocrinology Commission ein erweitertes Konzept zur Charakterisierung von Adipositas vorgeschlagen, das zwischen einer präklinischen und einer klinischen Form unterscheidet. Präklinische Adipositas liegt demnach vor, wenn eine Person übermäßig viel Körperfett aufweist – gemessen über BMI und Taillenumfang –, jedoch noch keine klinisch manifeste Organfunktionsstörung vorliegt. Von klinischer Adipositas wird gesprochen, wenn zusätzlich Störungen in physiologischen Systemen oder funktionelle Einschränkungen im Alltag dokumentiert sind. Diese Einteilung orientiert sich stärker an pathophysiologischen Mechanismen und könnte ein differenzierteres Bild des tatsächlichen Gesundheitsrisikos durch Adipositas ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf Krebs.</p>
<p>Im Rahmen der vorliegenden prospektiven Kohortenstudie wurde dieses neue Klassifikationssystem erstmals in Bezug auf das Krebsrisiko umfassend evaluiert. Grundlage der Analysen war die UK Biobank, eine groß angelegte Kohorte mit über 500.000 Teilnehmenden aus Großbritannien im Alter von 40 bis 69 Jahren, von denen 459.342 Personen nach Anwendung von Ausschlusskriterien in die finale Analyse einbezogen wurden. Die Studienteilnehmenden wurden über einen Zeitraum von median 11,6 Jahren nachverfolgt. Als primärer Endpunkt wurden insgesamt 28 spezifische Krebserkrankungen erfasst. Zur Erfassung der präklinischen bzw. klinischen Adipositas wurden neben BMI und Taillenumfang auch medizinische Diagnosedaten, Selbstangaben zur körperlichen Einschränkung und ICD-10-Codes herangezogen. Die Kategorisierung der Teilnehmenden erfolgte in drei Gruppen: keine Adipositas, präklinische Adipositas und klinische Adipositas. Die Auswertung erfolgte mittels multivariater Cox-Regressionsmodelle, angepasst für eine Vielzahl potenzieller Störfaktoren, darunter Alter, Geschlecht, Bildung, sozioökonomischer Status, Rauchverhalten, Alkoholkonsum, Ernährung, körperliche Aktivität und Krebsscreenings.</p>
<h2><b>Ergebnisse</b></h2>
<p>Im Beobachtungszeitraum wurden insgesamt 47.060 neue Krebsfälle registriert. Die Analyse ergab, dass präklinische Adipositas mit einem signifikant erhöhten Risiko für 11 Krebsarten assoziiert war, darunter Endometriumkarzinom, Leberkrebs, Nierenkrebs, Kolorektalkrebs, Pankreaskarzinom und postmenopausales Mammakarzinom. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang für Endometriumkarzinom und hepatozelluläres Karzinom. Bemerkenswert ist, dass auch in der präklinischen Phase – also vor dem Auftreten klinischer Symptome oder Organschäden – bereits ein messbar erhöhtes Krebsrisiko bestand. Die klinische Adipositas zeigte ein noch breiteres und in vielen Fällen stärker ausgeprägtes Risikoprofil. Sie war mit 12 Krebserkrankungen positiv assoziiert, insbesondere mit metabolisch geprägten Krebsarten wie Endometrium-, Leber-, Kolorektal- und Pankreaskarzinomen. Auch Lungenkrebs war ausschließlich bei klinischer Adipositas mit einem erhöhten Risiko verbunden, nicht jedoch bei präklinischer Adipositas – ein Hinweis darauf, dass die Berücksichtigung funktioneller Einschränkungen zusätzliche krankheitsrelevante Informationen liefert. Die Berechnung des bevölkerungsbezogenen Anteils an Krebserkrankungen, der auf Adipositas zurückzuführen ist (Population Attributable Fraction, PAF), ergab, dass präklinische Adipositas 5,5 % und klinische Adipositas 4,3 % der adipositasbedingten Krebsfälle in dieser Kohorte ausmachten. Diese Zahlen unterstreichen die große Bedeutung früher Adipositasstadien für die Krebsentstehung auf Bevölkerungs-ebene.In der Gesamtschau zeigen die Ergebnisse, dass das Risiko für eine Vielzahl von Krebsarten bereits bei präklinischer Adipositas signifikant erhöht ist. Dies legt nahe, dass karzinogene Prozesse schon vor dem Auftreten klinisch messbarer Organveränderungen beginnen können. Die teils stärkeren Effekte bei klinischer Adipositas deuten darauf hin, dass zusätzliche metabolische oder inflammatorische Veränderungen – etwa durch Insulinresistenz, chronische Inflammation oder hormonelle Dysregulation – das Risiko weiter steigern können. Das neue Klassifikationssystem ermöglicht es somit, zwischen rein adipositasbedingtem Risiko und durch Zusatz- oder Folgeerkrankungen verstärktem Risiko zu unterscheiden.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die neue Einteilung in präklinische und klinische Adipositas wertvolle Ergänzungen zur bisherigen Risikobewertung darstellt. Während der BMI als pragmatisches Maß weiterhin im bevölkerungsbezogenen Gesundheitsmonitoring Anwendung finden sollte, liefert das differenzierte Modell tiefere Einblicke in die individuelle Risikokonstellation. Präklinische Adipositas stellt dabei ein wichtiges Zeitfenster für präventive Maßnahmen dar – noch vor dem Eintritt schwerwiegender organischer Folgeschäden. Für die klinische Praxis und Public-Health-Strategien eröffnet das Modell neue Möglichkeiten, Hochrisikogruppen frühzeitig zu identifizieren und gezielt anzusprechen.</p>
<p>Originalstudie: Leitzmann MF, Stein MJ, Baurecht H, Freisling H. Excess adiposity and cancer: evaluating a preclinical-­clinical obesity framework for risk stratification. EClinicalMedicine. 2025 May 12;83:103247. doi: 10.1016/j.eclinm.2025.103247. PMID: 40475001; PMCID: PMC12140032.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Training in der Physiotherapie</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/20597/training-in-der-physiotherapie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Clemens Simoneit&nbsp;,&nbsp;Stefan Österreicher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2025 08:00:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/25]]></category>
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					<description><![CDATA[Gerätegestütztes Training gehört längst nicht mehr nur ins Fitnessstudio. In der modernen Physiotherapie ist die Krankengymnastik am Gerät (KGG) ein klar definierter Bestandteil der Heilmittelversorgung – und das völlig zurecht. [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Gerätegestütztes Training gehört längst nicht mehr nur ins Fitnessstudio. In der modernen Physiotherapie ist die Krankengymnastik am Gerät (KGG) ein klar definierter Bestandteil der Heilmittelversorgung – und das völlig zurecht. Denn sie verbindet medizinische Wirksamkeit mit wirtschaftlicher Relevanz und therapeutischer Attraktivität.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Und das Beste: KGG kann regulär vom Arzt verordnet werden – und das bei gesetzlich versicherten Patienten sogar auch extrabudgetär. Aber was genau steckt hinter KGG? Für welche Patientengruppen ist es geeignet, wie läuft die Verordnung ab – und warum sollte keine Physiopraxis heute mehr darauf verzichten?</p>
<h2><b>Aktive Therapiemöglichkeit und wertvolle Ergänzung</b></h2>
<p>KGG ist eine aktive Therapiemöglichkeit mit medizinischen Trainingsgeräten und Zugapparaten. Im Fokus steht die gezielte Kräftigung der Muskulatur, das Ziel ist aber auch die Verbesserung von Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination, gerade für die Belastbarkeit im Alltag. Zudem profitiert das Bindegewebe, insbesondere das fasziale System, nachweislich vom Training – durch die Anregung von Zellneubildung und -strukturierung. Typische Indikationen sind u. a. Bandscheibenvorfälle, degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule, Rupturen der Rotatorenmanschette, Gelenkinstabilitäten, Impingement-Syndrome, Zustände nach Brüchen bzw. OPs oder Verletzungen von Sehnen und Bändern. Darüber hinaus kann KGG auch bei anderen Krankheitsbildern eine wertvolle Ergänzung sein – z. B. bei gut eingestelltem Bluthochdruck, während einer Chemotherapie (siehe hierzu auch Artikel „Onkologische Trainings- und Bewegungs­therapie, Wefelnberg et al., sportärztezeitung 02/25, QR-Code<sup>1</sup>), in der Therapie bei COPD oder zur Unterstützung bei Diabetes mellitus. Das Training erfolgt stets unter Anleitung speziell geschulter Physiotherapeuten, inkl. einer regelmäßigen Überprüfung und Anpassung des Therapieplans.</p>
<p>Die Voraussetzungen für die Durchführung in der Praxis sind klar: Für die Zulassung durch die Krankenkassen ist eine zusätzliche Trainingsfläche mit mindestens 30 m², eine im Bundesrahmenvertrag definierte Auswahl an ausreichend Kraft-, Ausdauer- bzw. Kombinationsgeräten sowie eine Zusatzqualifikation der Therapeuten unabdingbar. Wer diese Anforderungen erfüllt, kann neben privatversicherten Patienten auch gesetzlich Versicherte mit einem KGG-Rezept versorgen. Eine Behandlungseinheit dauert – anders als beispielsweise Termine für die Manuelle Therapie (MT) oder die Krankengymnastik (KG) – in der Regel 60 Minuten und kann auch als Gruppentherapie (siehe hierzu auch Artikel „Group Medical Visits“, Erbeldinger, sportärztezeitung online, QR-Code<sup>2</sup>) (bis zu drei Patienten pro Stunde) durchgeführt werden. Nach der Befunderhebung und der Festlegung eines gemeinsamen Therapieziels wird zu Beginn ein individueller Therapie- bzw. Trainingsplan und im Laufe der Behandlung ein Eigenübungsprogramm für zu Hause erstellt.</p>
<h2><b>Therapeutische Versorgung durch KGG: keine Option, sondern ein Muss!<br />
</b></h2>
<h3><b>Vorteile für alle Beteiligten:</b></h3>
<h4><b>Für Ärzte</b></h4>
<p>Wer nach einem Patientengespräch als Arzt KGG verordnet, weiß: Meine Patienten sind langfristig physiotherapeutisch betreut und werden nicht nach drei Einheiten wieder in der Praxis stehen. Stattdessen erfolgt die Versorgung evidenzbasiert und strukturiert – inklusive Heimübungen (dies fordert u. a. auch die aktuelle S3-Leitlinie Gonarthrose). Die ärztliche Verordnung sollte dabei so lange erfolgen, wie eine medizinische Notwendigkeit vorliegt. Ist diese nicht mehr gegeben, kann der Patient im Idealfall nahtlos in ein Selbstzahlerangebot der Physiopraxis übergehen. So bleibt die Trainingsbetreuung fachlich fundiert und der nachhaltige Therapieerfolg gesichert. Ausnahme: Die Verordnung der gesetzlich Versicherten kann in bestimmten Fällen sogar dauerhaft budgetfrei erfolgen – als besonderer Verordnungsbedarf, als langfristiger Heilmittelbedarf oder als Blankoverordnung für die Schulter. Für Versicherte mit solch einer Diagnose können notwendige Heilmittel direkt für eine Behandlungsdauer von bis zu 12 Wochen pro Verordnung (Blankoverordnung sogar 16 Wochen) verschrieben werden. Dabei bemisst sich die Anzahl der Behandlungseinheiten nach der wöchentlichen Therapiefrequenz. Zudem gilt die im Heilmittelkatalog festgelegte Höchstmenge pro Rezept bei all diesen Diagnosen nicht (somit sind z. B. auch mehr als 6 x / VO möglich).</p>
<h4><b>Für Praxisinhaber:</b></h4>
<p>KGG ist aus wirtschaftlicher Sicht hochattraktiv. Durch die Möglichkeit der Gruppentherapie entsteht ein effizienter Stundenumsatz, bei gleichzeitig hoher Behandlungsqualität. Ein weiterer Vorteil: Wenn die Praxis neben den ärztlich verordneten Leistungen wie KGG das Portfolio um präventive Leistungen wie z. B. zertifizierte Präventionskurse nach §20 SGB V und Selbstzahlerangebote erweitert, entsteht die Möglichkeit, Patienten im Anschluss an die KGG langfristig an die Praxis zu binden. So wird aus therapeutischer Betreuung ein nachhaltiges Trainingskonzept – medizinisch sinnvoll und betriebswirtschaftlich relevant. Des Weiteren positioniert sich die Praxis als moderner Arbeitgeber: Ein großzügiger Trainingsbereich mit aktiver Therapie spricht gezielt jüngere Fachkräfte an, die zunehmend Wert auf zeitgemäße Arbeitsbedingungen jenseits der eng getakteten 20-Minuten-Termine legen.</p>
<h4><b>Für Therapeuten:</b></h4>
<p>Viele Physiotherapeuten wünschen sich mehr Zeit mit den Patienten und mehr Fokus auf aktive Therapie. KGG liefert beides. Das betreute Training ermöglicht individuelle Betreuung über 60 Minuten, mit klaren Zielen, spürbarem Therapieerfolg und einen strukturierten Einstieg in ein eigenständiges, gesundheitsorientiertes Training. Für viele ist das eine willkommene Abwechslung zum klassischen Setting – verbunden mit höherer Jobzufriedenheit.</p>
<h4><b>Für Patienten:</b></h4>
<p>Evidenzbasiertes Training bringt echte Fortschritte – das ist längst wissenschaftlich belegt. Im Gegensatz zu manchen Fitnessstudios erhalten die Patienten hier ein gezieltes, begleitetes Pro­gramm, das auf medizinischen Grundlagen basiert. Eine falsche Übungsausführung inkl. Fehlbelastungen wird vermieden, der Trainingserfolg steigt. Die Gruppenatmosphäre (siehe hierzu Artikel „Mind-Body Medicine Completes Sports Medicine“, Erbeldinger 2025, The Mind QR-Code<sup>3</sup> sowie Artikel „Group Medical Visitis“, bei dem Sie weitere interessante Studien und Aufsätze zu der Thematik finden Qr-Code<sup>2</sup>) (max. drei Personen) kann den Spaßfaktor, Motivation und Compliance erhöhen – und die Motivation länger erhalten. Zusätzlich profitieren die Patienten von Übungen für zu Hause und dem fließenden Übergang in ein langfristiges Eigenprogramm (Stichwort: Präventionstraining).</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>KGG vereint medizinische Wirksamkeit mit wirtschaftlichem Potenzial – und ist damit genau das, was moderne Physiotherapie braucht. Für Praxen, die sich zukunftssicher aufstellen wollen. Für Therapeuten, die mit Evidenz und Zeit arbeiten möchten. Für Ärzte, die ihren Patienten eine langfristige Lösung bieten wollen – ohne direkt in Budgetprobleme zu geraten. Somit ist KGG kein „Nice-to-have“ – es eröffnet den Physiopraxen neue Möglichkeiten in der strategischen Praxisausrichtung und ist der nächste logische Schritt in der Weiterentwicklung unserer Gesundheitsversorgung.</p>
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