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	<title>03/19 Archive - sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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		<title>Expertenmeeting Arthrose­management</title>
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		<dc:creator><![CDATA[sportärztezeitung&nbsp;,&nbsp;Dr. med. Cornelius Müller-Rensmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Jan 2022 14:15:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/19]]></category>
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					<description><![CDATA[Veranstaltet von thesportgroup GmbH / sportärztezeitung in Kooperation mit Lonza, fanden sich am 29. Juni 2019 14 renommierte und persönlich eingeladene Sportärzte und Ernährungswissenschaftler in der Sportklinik Bad Nauheim (Deutsches Institut [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Veranstaltet von thesportgroup GmbH / sportärztezeitung in Kooperation mit Lonza, </b><b>fanden sich am 29. Juni 2019 14 renommier</b><b>te und persönlich eingeladene Sportärzte und </b><b>Ernährungswissenschaftler in der Sportkli</b><b>nik </b><b>Bad Nauheim (Deutsches Institut für </b><b>Sporternährung e.V.) zu einem Expertenmeeting der besonderen Art ein. Ziel der Veranstaltung war es, nach der Einführung und Durchführung des tages der sporternährung im Februar, die Thematik Sporternährung weiter zu ordnen, strukturieren und rubrizieren. So wurde auf dem Mallorca-Seminar im Juni beschlossen, das Thema Arthrosetherapie zu integrieren, was nun in einem Expertenmeeting rund um das Thema Arthrose- und Entzündungsmanagement umgesetzt wurde.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<figure id="attachment_10526" aria-describedby="caption-attachment-10526" style="width: 2000px" class="wp-caption aligncenter"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-10526" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/01/Gruppenbild_Lonza19.jpg" alt="" width="2000" height="764" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/01/Gruppenbild_Lonza19.jpg 1920w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/01/Gruppenbild_Lonza19-300x115.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/01/Gruppenbild_Lonza19-1024x391.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/01/Gruppenbild_Lonza19-768x293.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/01/Gruppenbild_Lonza19-1536x587.jpg 1536w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/01/Gruppenbild_Lonza19-150x57.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/01/Gruppenbild_Lonza19-450x172.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/01/Gruppenbild_Lonza19-1200x458.jpg 1200w" sizes="(max-width: 2000px) 100vw, 2000px" /><figcaption id="caption-attachment-10526" class="wp-caption-text">Links nach rechts, oben: PD Dr. Matthias Brem, PD Dr. Felix Post, Dr. Cornelius Müller-Rensmann, Dominik Mattern, Robert Erbeldinger,Dr. Patrick Behr, Dr. Henning Ott, Dr. Dirk Danneberg, Dr. Ralf Schauer, Stephane Vouche, Prof. Dr. Peter-Wolfgang Billigmann, unten: Dr. Klaus Pöttgen, Dr. Thomas Ambacher,<br />Dr. Nico Becker, Dr. Paul Klein, weitere: Dipl. oec. Günter Wagner, Dr. Christoph Merkelbach</figcaption></figure>
<p>Arthrose ist die häufigste aller Gelenkerkrankungen. Darauf weist auch die aktuelle S2k-Leitlinie Gonarthrose 2018 hin. Neben Aspekten zur medikamentösen, konservativen und operativen Therapie findet sich in der Leitlinie allmählich der Bereich Ernährung in Form von Gewichtsmanagement. Gewichtsreduktion wird als eine der wichtigsten präventiven Maßnahmen des Patienten empfohlen (100 % Konsens), jedoch sucht man vergeblich nach Informationen, wie solch ein Gewichts- &amp; Ernährungsmanagement (Entzündungsmanagement) auszusehen hat.<span class="Apple-converted-space"> </span> Robert Erbeldinger, Herausgeber der sportärztezeitung, eröffnete das Treffen mit einer Präsentation zum tag der (sport)ernährung, der bereits auf dem Mallorca-Seminar im Juni und in der Opel Arena in Mainz im Februar ins Leben gerufen wurde und künftig regelmäßig stattfinden wird (Infos folgen). International hat der Bereich der Sporternährung auch auf wissenschaftlicher Ebene schon eine Aufwertung erhalten, was Publikationen, wie das IOC Consenus Statement: dietary supplements and the high-performance athlete (British Journal of Sports Medicine 2018) und das International Association of Athletics Federations Consensus Statement 2019: Nutrition for Athletics (International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism 2019) zeigen. Mit dieser Fortbildungsreihe, deren Start auf das von Robert Erbeldinger entwickelte Konzept <b>eat for regeneration</b> zurückgeht und mit dem tag der sporternährung nun auch eine inhaltlich fundierte Erweiterung erhält, soll auch hierzulande Ordnung und Klarheit sowie eine sportmedizinisch wissenschaftliche Abgrenzung zu aktuellen Trends und dem Fitnessmarkt geschaffen werden. Klar rubriziert und integriert werden folgende Themenfelder bearbeitet: (Sport)Ernährung /Arthrose- und Entzündungsmanagement / Gewichts- und Ernährungsmanagement /­ (Sport)Kardiologie &amp; InnereMedizin /Ernährungspsychologie / ­Monitoring / Doping / Rechtliches &amp; Antikorruption. Dipl. oec. Günter Wagner (Deutsches Institut für Sporternährung e.V.) ergänzte mit seinem Vortrag, dass die Wertigkeit einer gesunden Ernährungsweise bei Medizinern zwar gemeinhin bekannt ist, der Hinweis an Patienten alleine jedoch nicht ausreicht. Es muss eine hinreichende Aufklärung für einen langfristigen Therapieerfolg stattfinden. Die Implementierung einer ernährungsbasierten Therapie und der Prozess bis zum Verständnis des Patienten oder Sportlers benötigen Zeit. Gewohnheiten müssen abgelegt und neue angeeignet werden. Die Orthopädie sei hierfür ein gutes Beispiel. Ein Fachbereich, in dem der Zeitfaktor den Arzt vor Probleme stellt, die Sensibilisierung für eine gesunde Ernährung und damit einer nachhaltigen und effektiven Therapie jedoch fehlt. Dr. med. Dirk Danneberg (Privatpraxis für Orthopädie und Sportmedizin in Darmstadt), der bereits seit vielen Jahren die Themen Ernährung und Monitoring als diagnostische Unterstützung und Verlaufsdokumentation im Rahmen der Arthrosetherapie in seiner Praxis aufgreift, erläuterte den Status Quo des Arthrosemanagements. Er erklärt seinen Patienten, 5 kg abzunehmen ist, wie einen 20 kg Rucksack abzulegen. Ein Gleichnis, das seine Patienten sensibilisiert und das Verständnis für eine gesunde Gewichtsreduktion anregt. Die Aufklärung findet in Kombination mit einer Bioimpendanzanalyse statt. Für die Behandlung empfiehlt er unter anderem die Mahlzeitenersatztherapie als Option zur diätischen Unterstützung. Darüber hinaus berichtete er über Prozesse im Gelenk, die dem sogenannten entzündlichen Fett geschuldet sind und die Arthrose verstärken, über die Verwendung von entlastenden Orthesen, um die Last auf das Gelenk zu stabilisieren und gleichmäßig zu verteilen und über den Einsatz von Hyaluronsäure (z.B. Singleshot vs. Multishot) sowie die Kombination aus PRP und HS als so genannte Hybridtherapie.<span class="Apple-converted-space"> </span> Ungeplant entwickelte sich daraufhin zum Thema Hyaluronsäure eine lebhafte und rege Diskussion zwischen den Beteiligten, die uns zeigte, wie Up-to-Date gerade auch dieses Thema ist. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen an dieser Stelle einen praxisnahen Übersichtsartikel unseres wiss. Beirates und Teilnehmer des Expertenmeetings, Dr. med. Cornelius Müller-Rensmann zeigen, der in seinem ersten Teil eine Übersicht über Hyaluronsäure gibt. &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>
<h1>Hyaluronsäure … Ein alter Hut?</h1>
<p><b>Dr. med. Cornelius Müller-Rensmann, Orthopädische Praxis Münster</b> In der Praxis des sportmedizinisch tätigen Arztes sind Patienten mit Knorpelschäden verschiedener Art alltäglich. Bereits 1760 hat der schottische Anatom William Hunter festgestellt: „Der hyaline Knorpel heilt nicht “. Diese Erkenntnis gilt bis heute und prägt den therapeutischen Alltag aller Orthopäden und Sportmediziner und jener vieler Patienten. Oft sind Sportler aufgrund von hoher multidirektionalen Gelenksbelastungen oder repetitiver Traumen frühzeitig unter eine Arthrose wichtiger tragender Gelenke leidend. Da bislang eine den Knorpel heilende Substanz fehlt, hat die schon seit vielen Jahrzehnten angewendete Hyaluronsäure immer noch einen hohen Stellenwert bei der Behandlung von Knorpelläsionen. So wurde die Hyaluronsäure Therapie ungeplant auch Thema bei dem Expertentreffen zum Thema Arthrose- und Entzündungsmanagement in Bad Nauheim (siehe oben). Interessant und Anlass für diesen kleinen Exkurs über Hyaluronsäure war eine doch heterogene Anwendungsmodalität. Ist  der Singleshot besser als die mehrfache Gabe? Kombiniert man die Hyaluronsäure mit einem Lokalanästhetikum oder Corticoid? Fragen, die unter erfahrenen Anwendern durchaus rege diskutiert wurden.</p>
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<h2><b>Expertenmeeting Arthrose­management<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
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<p>Die Hyaluronsäure ist ein Polysaccharid und natürlicher Bestandteil des Bindegewebes. Eine besondere Charaktereigenschaft ist die Fähigkeit, große Mengen an Wasser zu binden. In Gelenken ist sie ein Hauptbestandteil der Synovialflüssigkeit und wirkt als Schmiermittel im Besonderen dadurch, dass sie ihre Viskosität an mechanisch einwirkende Kräfte anpassen kann. Sie haftet im Rahmen einer chemischen Wechselwirkung am Knorpel des Gelenkes und wird nicht, wie oft angenommen, unter der Belastung aus dem Gelenkspalt herausgepresst. Zudem spielt sie auch bei regenerativen Prozessen insofern eine Rolle, dass sie Zwischenzellenräume erweitert und damit die Migration von Zellen verbessert. Dies ist z.B. postoperativ bei der Mikrofrakturierung als chemische Eigenschaft gut nutzbar.</p>
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<figcaption>Schmerzreduktion nach 3 Monaten für folgende Therapien</figcaption>
</figure>
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<h2><strong>Hyaluronsäure? – Ist eigentlich egal welche, kommt alles aus einem Pott!</strong></h2>
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<p>Die oft vertretene Meinung unter Ärzten, dass die Hyaluronsäure von unterschiedlichen Anbietern eigentlich sämtlich bei einem Produzenten hergestellt wird  („aus einem Pott kommt“) ist nicht richtig. Weltweit gibt es ca. 10 Produzenten, die den Rohrstoff herstellen. Hier gibt es durchaus qualitative Unterschiede, besonders in der Stabilität des Produktes. Das bedeutet, dass nach einer längeren Zeit der Lagerung einige Hyaluronsäurepräparate an Viskosität verlieren. Man nimmt an, dass dieses Phänomen mit einer kaum messbaren Verunreinigung des Rohstoffes zu tun hat. Der einzelne Arzt kann diesen Vorgang schwerlich überprüfen. Es gilt der Rat, die Hyaluronsäurepräparate nicht lange zu lagern und wenn möglich Produkte zu wählen, deren Rohstoffproduzent nicht aus dem asiatischen Raum kommt, da diese Produkte wohl am instabilsten sind.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

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<h2><strong>Wirkt die Hyaluronsäure überhaupt?  </strong></h2>
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<p>Die intraartikulär oder auch peritendinös verabreichte Hyaluronsäure ist wirksam. Sowohl bei der Indikation Arthrose (z. B. Miltner et al.2012, Petrella et al 2006) als auch der Meniskopathie (z.B. Dernek et al 2017) und nicht zuletzt bei Tendinopathien (N.Lynen 2012 40 mg Hyaluronsäure und 10 mg Mannitol ((Ostenil tendon)), Gorelick et al. 2015) ist die Wirksamkeit belegt. Unterschiede gibt es im Besonderen in der Dauer der Wirksamkeit. Es konnte statistisch nachgewiesen werden, dass Hyaluronsäureinjektionen den Zeitpunkt einer erforderlichen endoprothetischen Versorgung am Knie signifikant hinauszögern können (Altmann et al. 2015). Der Nachweis der Wirksamkeit hatte folgerichtig die Aufnahme der intraartikulären Hyaluronsäure-Therapie in die AWMF Leitlinie Gonarthrose zur Folge.</p>
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<figcaption>Behandlungsalgorithmus angelehnt an die AWMF Leitlinien Gonarthrose 2018</figcaption>
</figure>
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<h2><strong>Welche Hyaluronsäure sollte man nutzen?</strong></h2>
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<!-- wp:paragraph -->
<p>Hier scheiden sich die Geister. Oben erwähnte qualitative Unterschiede sind für den Behandler schwierig zu überprüfen. Ob eine lineare Hyaluronsäure oder eine quervernetzte Hyaluronsäure, eine Hyaluronsäure mit hohem oder niedrigem Molekulargewicht angewendet werden sollte, ist ebenfalls schwer zu entscheiden. Es gibt diesbezüglich Studien, die oft aber von den Herstellern initiiert und finanziell unterstützt werden. Es ist schwierig, evidente Aussagen zu bekommen. Eine Studie am Rattenmodell konnte zeigen, dass eine lineare Hyaluronsäure mit mittlerem Molekulargewicht die Elastizität des Knorpels am stärksten erhöhen konnte (Gaumet, Badout, Ammann Genf 2018). In der gleichen Studie konnte eine quervernetzte Hyaluronsäure mit hohem Molekulargewicht aber auch relativ gute Elastizitätswerte erreichen. Ein wichtiges abzuwägendes Argument ist die Häufigkeit der Injektion. Bei Einzelgaben ist natürlich das Risiko der Infektion durch die Injektion reduziert gegenüber einer 3–5-maligen Gabe. In einer Studie von Bannuru et al aus dem Jahre 2015 konnte kein signifikanter Unterschied in der Wirksamkeit und in der Wirksamkeitsdauer zwischen der 5-maligen Gabe einer Hyaluronsäure oder der einmaligen Gabe zweier Produkte des gleichen Herstellers gefunden werden. Die Wirkdauer beider Produkte lag bei ca. 6 Monaten. Dies entspricht auch den gängigen praktischen Erfahrungen von Anwendern.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<h2><strong>Sollte man die Hyaluronsäure mit anderen Substanzen kombinieren?</strong></h2>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Auch dieses Thema wurde im Rahmen des Expertenmeetings in Bad Nauheim sehr kontrovers diskutiert. Einige Anwender nutzen Lokalanästhetika oder / und Corticoide in Kombination mit der Gabe von Hyaluronsäurepräparaten. Einige Studien (Bulstra et al 1994, Gulihar A. et al 2013, FarkasB. et al 2010) konnten zeigen, dass sowohl Lokalanästhetika, z. B. Lidocain, als auch Cortikoide, z.B. Betamethason, zum Absterben von Knorpelzellen führen. Unter Berücksichtigung der Studienlage ist sehr selektiv mit Lokalanästhetika umzugehen. Natürlich ist auch die Anwendung von Corticoiden intraartikulär aufgrund des Risikoprofils gut zu überdenken. Sie eignet sich sicher nicht zur routinemäßigen Gabe in Kombination mit Hyaluronsäure. Allerdings besteht Übereinkunft, dass ein entzündetes Knie mit einer Synovialitis und Ergussbildung nicht mit Hyaluronsäure behandelt werden sollte. Einmalige Gaben von Corticoiden sind dann sinnvoll. Für dieses Vorgehen findet sich ein hoher Konsens unter Punkt 4.1.2 in den AWMF Leitlinien zur Gonarthrose. Gleichzeitig findet auch Erwähnung, dass Corticoide in höherer Dosierung den Knorpelzellstoffwechsel hemmen können und somit dem Knorpelschaden (Hirsch at al. 2013).</p>
<!-- /wp:paragraph -->

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<figcaption>Zelltoxische Wirkung einer Corticoid / LA Kombination</figcaption>
</figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<h2><strong>Bleibt die Hyaluronsäure der Goldstandard?</strong></h2>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Intraartikulär anzuwendende Hyaluronsäure-­Präparate gibt es schon viele Jahre. Sie sind nach wie vor besonders unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Studienlage eine der wichtigsten Optionen in der symptomatischen Therapie der Arthrose. Natürlich ist nicht bei jedem Patienten eine durchschlagende Wirkung zu erreichen. Und nicht jeder Patient hat auch eine dauerhafte Wirkung. Aber im praktischen Alltag muss man einem Patienten mit einer noch nicht operationswürdigen Arthrose eine sinnvolle Option für die Besserung seiner Beschwerden anbieten können. Auch dem Berufssportler mit einer Meniskopathie kann so geholfen werden, bis nach Ablauf der Saison die arthroskopische Meniskussanierung durchgeführt werden kann. Die Kombination der Hyaluronsäure mit dem thrombozytenreichen Plasma erfreut sich aufgrund unterschiedlicher Wirkansätze zunehmender Beliebtheit. Hier fehlen noch valide Studien. Perspektivisch interessant, so die Essenz des Expertenmeetings für Arthrose und Entzündungsmanagement in Bad Nauheim, kann eine Kombination aus intraartikulär verabreichter Hyaluronsäure mit der oral einzunehmenden Substanz UC-II® werden. Also eine Kombination aus verbesserter Knorpelernährung und einem immunulogischen Ansatz.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<h2><strong>Zwischenfazit</strong></h2>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Eine wichtige Säule der medikamentösen Arthrosetherapie war und  ist immer noch die intraartikuläre Gabe von Hyaluronsäure. Unsere persönliche Erfahrung aus den letzten 20 Jahren spricht etwas mehr für die drei -fünfmalige Gabe in einwöchigem Rhythmus. Der Eindruck einer etwas höheren Nachhaltigkeit der Wirkung in Relation zu der Einfachgabe spricht für die Mehrfachgabe. Dennoch ist bei älteren oder immunsuppressiven Patienten die Einmalgabe mit strenger Indikationsstellung  die bessere Alternative. Bedingt durch die Vielfältigkeit der einzelnen Hyaluronsäure-Präparate hinsichtlich Molekulargewicht und Vernetzung ist die Vergleichbarkeit schwierig. Die Datenlage ist z.T. unbefriedigend. Bei der Auswahl seines Produktes ist der Anwender auf Vertrauen zu den Herstellerfirmen angewiesen. Ein seriöser Hersteller wird immer transparent über den Produktions- und Abfüllungsort Auskunft geben.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<h2><strong>Was ist UC-II</strong>®<strong>? </strong></h2>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Abkürzung UC-II® steht für undenaturiertes Typ II Kollagen. Dieses Kollagen wurde von einem Chemiker aus Brustbeinen von Hühnern gewonnen. Der besondere Trick liegt darin, dass das Kollagen nicht über Erhitzung oder Hydrolyse gewonnen wird und somit denaturiert ist und damit seine Wirksamkeit verliert. Inzwischen wird diese Substanz in einer Schweizer Firma (Produktion in USA) über ein spezielles, patentiertes Verfahren gewonnen und in unterschiedlichen, oral einzunehmenden Darreichungsformen vermarktet. Interessant ist der Wirkmechanismus. Geht es doch nicht darum, dass eine Substanz, die Bausubstanz des Knorpels ist, oral zugeführt in den Gelenken in hoher Konzentration vorhanden sein soll. Die Wirkung soll durch orale Toleranzbildung aufgrund einer Wechselwirkung von UC-II® und den Immunzellen der Peyerschen Plaques im Dünndarm entstehen. Die im Rahmen dieser Aktivierung gebildeten Regulator T-Zellen können am Gelenk antiinflammatorische Zytokine produzieren. Diese können wiederum symptommodulierend und reparativ am Gelenk wirken. Einige Studien (Lugo, Saiyed, Lane, Nutrition journal ((2016)), Bagi, Berryman, Lane Osteoarthritis and Cartilage ((2017)) unterstreichen am Rattenmodell und mit Placebo kontrollierten Studien* diese propagierte Wirkung. Ähnlich wie die Hyaluronsäure, die schon frühzeitig in der Tiermedizin, z.B. im Reitsport Anwendung fand, ist auch UC-II® schon heute in der tiermedizinischen Praxis angekommen. Ein neuer Ansatz, der unterstützen kann, unseren oft schon in frühen Lebensjahren unter arthrotischen Veränderungen ihrer Gelenke leidenden Sportlern zu helfen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Auch wenn die relativ neue Substanz UC-II® noch nicht über eine sehr umfangreiche Datenlage verfügt, sind die Studien vielversprechend und der Ansatz, dass wir die weitere Entwicklung beobachten und begleiten werden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p><em>* eine placebokontrollierten, randomisierte, doppelblind Humanstudie aus 2016 hat belegt, dass UC-II® undenaturiertes Typ-II Kollagen das Wohlbefinden, die Beweglichkeit und die Flexibilität der Gelenke von Personen mit OA verbessern kann. Dies war statistisch gesehen weitaus effektiver als eine Kombination von 1.5gr Glucosamin und 1.2gr Chondroitin, gemäss WOMAC Index (Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index).</em></p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sportzahnmedizin</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/4648/sportzahnmedizin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. dent. Holger Claas,&nbsp;Dr. med. dent. Arthur Buscot&nbsp;,&nbsp;Dr. med. dent. Frank Saathoff]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Jan 2021 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/19]]></category>
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					<description><![CDATA[Erkrankungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich sind im Hochleistungssport weit verbreitet [1]. Auch ist die systemische Wirkung der ZMK-Erkrankungen hinlänglich bewiesen. Wir wissen aus eigenen Unter­suchungen, dass die Mehrheit der [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erkrankungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich sind im Hochleistungssport weit verbreitet [1]. Auch ist die systemische Wirkung der ZMK-Erkrankungen hinlänglich bewiesen. Wir wissen aus eigenen Unter­suchungen, dass die Mehrheit der Athleten (&gt; 80 %) an chronischen Infektionen im Bereich des Zahnfleisches (Gingivitis /Parodontitis) leidet. Das größte Problem dabei ist, dass diese Erkrankungsform sehr lange unentdeckt bleibt, da sie anfänglich keine Schmerzen verursacht. Der Athlet nimmt zwar die schlechtere Performance wahr (weniger Kraft, geringere Schnelligkeit, schlechtere Regeneration), ahnt aber nichts von den Ursachen.&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Artikel gibt einen Überblick über die vielfältigen Bereiche der Sportzahnmedizin. In späteren Ausgaben werden die Themenbereiche detailliert dargestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Behandlungsmethoden</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1. Screening</strong> Voraussetzung einer sportzahnärztlichen Betreuung ist die qualifizierte Befundung. Bewährt hat sich das international anerkannte Befundungskonzept der DGzPRsport. Das zweiphasige Screeningverfahren analysiert sicher den Gesundheitszustand des Athleten. Die Besonderheit ist, dass die Erstuntersuchung direkt in der Sportstätte stattfindet und der Zeitbedarf pro Athlet nur 3– 4 Minuten beträgt. Im Bedarfsfall wird diese durch eine weitergehende Befundung in der Praxis ergänzt. Schon im ersten Screening werden nötige Präventionsmaßnahmen didaktisch implementiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb1_saez0319-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-4654" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb1_saez0319-1024x768.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb1_saez0319-300x225.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb1_saez0319-768x576.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb1_saez0319-150x113.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb1_saez0319-450x338.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb1_saez0319-696x522.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb1_saez0319-1068x801.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb1_saez0319-560x420.jpg 560w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb1_saez0319-80x60.jpg 80w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb1_saez0319-265x198.jpg 265w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb1_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Sportzahnärztin beim Screening. Schon während des Screenings wird ein didaktischer Pfad in die Prävention errichtet.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2. Erkrankungen und Therapie / Prävention</strong><br><strong>a.) Allgemeine Infektionen</strong> Im Sport ist der Epstein-Barr-Virus gefürchtet, da er die Infektiöse Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber) auslöst und zu langen Ausfallzeiten führen kann. Häufig sind ebenfalls der Humane Herpes Virus (HHV) und der Herpes-­simplex-Virus zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>b.) Karies</strong> Den Großteil der bakteriellen Infektionen stellen Karies und Gingivitis da. Kommt es über den physiologischen Biofilm hinaus zur dauerhaften bakteriellen Invasion an Zahnhartgeweben, entsteht Karies. Dringt die Karies tief in den Zahn ein, kommt es zur irreversiblen Entzündung des Zahnnervs (Pulpitis). Bleibt diese unbehandelt, ist die Infektion des Kieferknochens (apicale Ostitis) häufig. Das Röntgenbild gibt hier deutliche Hinweise. Eine systemische Wirkung ist wahrscheinlich!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>c.) Gingivitis und Parodontitis</strong> Im Bereich des Zahnfleisches gilt der Zahnzwischenraum als wichtigste Prädilektionsstelle. Die bakterielle Infektion verursacht klassische Entzündungszeichen (Blutung, Schwellung, Rötung). Meist verläuft die Infektion chronisch, subakut und wird deshalb unterschätzt. Die Spätform der Gingivitis ist die Parodontitis. Sie ist gekennzeichnet durch den Verlust des Zahnhalteapparates und des Kieferknochens. Es wird zwischen chronischer (häufig, langsam verlaufend) und aggressiver Parodontitis (rapider Verlauf) unterschieden. Die Prävalenz therapiebedürftiger chronisch entzündlicher Zahnfleischerkrankungen liegt im Erwachsenenalter bei 87,6 % (CPI1-4) [2]. Obwohl eine Korrelation zwischen der bakteriellen Infektion und der Verletzungshäufigkeit im Sport besteht, bleibt sie oft unbeachtet. Entscheidend ist allerdings, dass bereits im Vorschulalter mit einer Prävalenz beider Erkrankungen von 60 –70 % zu rechnen ist. Ihre systemische Wirkung kann u.a. zu arteriosklerotischen Gefäßveränderungen im Erwachsenalter führen [3].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Therapie &amp; Prävention Karies / Gingivitis /Parodontitis</strong> Die Parodontitis muss als fortgeschrittene Infektion systematisch, oft invasiv behandelt werden. Eine regelmäßige Nachsorge (Sekundärprävention) ist genauso wichtig, wie eine optimierte, konsequente Mundhygiene (Primärprävention) an bekannten Prädilektionsstellen. Ziel der Prävention muss immer die nachhaltige Entzündungsfreiheit sein. Hierzu wird der Sportler in effektiver Mundhygiene instruiert und trainiert. Am wirkungsvollsten geschieht dies mit individuell angepassten Zahnzwischenraumbürstchen unter Anleitung. Der Sportler lernt so seine Entzündungssituation selbst einzuschätzen und mehr Verantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen. Eine professionelle Zahnreinigung ohne Umstellung der häuslichen Mundhygiene ist daher ausschließlich symptomorientiert und auf Dauer völlig wirkungslos, da sie die bakterielle Infektion nur für wenige Tage beseitigt (vgl. Löe et al.) [4].</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="769" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb2_saez0319-1024x769.jpg" alt="" class="wp-image-4652" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb2_saez0319-1024x769.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb2_saez0319-300x225.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb2_saez0319-768x577.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb2_saez0319-150x113.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb2_saez0319-450x338.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb2_saez0319-696x523.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb2_saez0319-1068x802.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb2_saez0319-559x420.jpg 559w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb2_saez0319-80x60.jpg 80w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb2_saez0319-265x198.jpg 265w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb2_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Zusammenhang Mundhygiene / Gingivitis</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>d.) Entzündungsmodifizierende Ernährung</strong> Ernährung wirkt sowohl lokal als auch systemisch auf orale Entzündungen. Lokale Effekte sind vor allem auf die Plaquebildungsrate (z. B. durch Zucker) und den lokalen Biofilm (z. B. Hemmung durch Polyphenole aus farbigem Obst und Gemüse) zurückzuführen. Systemischen Effekte beruhen auf Blutzucker- / Insulinschwankungen (besonders hervorgerufen durch prozessierte Kohlenhydrate wie Zucker, Weißmehl, Säfte), Fettsäurestoffwechsel (proentzündliche Omega-6 vs. entzündungshemmende Omega-3 Fettsäuren) und anti-entzündliche Effekte durch Mikronährstoffe [5].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>e.) Erosionen und funktionsbedingte Schäden von Zahnhartsubstanz</strong> Speisen mit niedrigen pH-Werten, vor allem isotonische Getränke und gesunde vitaminreiche Ernährung sind erosiv relevant [6]. Zusätzlich können saure Medikamente und die im Sport weit verbreiteten Asthmasprays ausgeprägte Erosionen zur Folge haben [6, 7]. Diese Schäden werden durch den häufig reduzierte Speichelfluss von Sportlern, etwaige Hungerkuren oder Essstörungen verstärkt [8]. Folgen erosiver Schäden können Entzündungsherde (apikale Ostitiden) sowie funktionelle Störungen durch Verlust von Funktionsflächen an den Zähnen und der Bisshöhe sein. Hohe Prävalenzen von Zahnerosionen sind besonders bei Schwimmern (chloriertes Wasser) und Ausdauersportlern zu finden. Erosionen sind gegen Abrasionen, die durch Knirschen mit den Zähnen entstehen, abzugrenzen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="678" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb3_saez0319-1024x678.jpg" alt="" class="wp-image-4651" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb3_saez0319-1024x678.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb3_saez0319-300x199.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb3_saez0319-768x509.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb3_saez0319-150x99.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb3_saez0319-450x298.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb3_saez0319-696x461.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb3_saez0319-1068x708.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb3_saez0319-634x420.jpg 634w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_Abb3_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Säurebedingte Zahnerosionen in einer Sportlerin. Foto © Prof. Th. Attin, Uni Zürich, Beirat DGzPRsport</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Therapie &amp; Erosionsprävention</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Therapie fortgeschrittener Erosionen besteht in der Rekonstruktion verlorengegangener Hartsubstanz durch plastische Materialien (Füllungen) oder laborgefertigten Restaurationen. In vielen Fällen wird versucht, die Säurelöslichkeit der Hartsubstanzen durch spezielle Fluoridierungskonzepte herabzusetzen. Präventionsmaßnahmen sind aber nur dann effektiv, wenn sie auf die jeweilige Erosionsursache individuell abgestimmt sind und durch den qualifizierten Sportzahnmediziner koordiniert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>f.) Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)</strong> Die Prävalenz von funktionellen Störungen des craniomandibulären Systems ist hoch. In Abhängigkeit von Methodik und untersuchter Kohorte werden Werte von bis zu 90 % beschrieben [10]. Treten Schmerzen (Myalgie und / oder Arthralgie) auf, wird die Funktionsstörung als Cranio-Mandibuläre-Dysfunktion (CMD) bezeichnet. Frauen sind signifikant öfter betroffen. Die Altersverteilung der Erkrankung hat ihr Maximum mit dem 34. Lebensjahr und fällt dann deutlich ab [11]. Für die Athleten bedeutet dies: Störungen der Bisslage und der Muskelaktivität folgen Funktions- und Leistungsstörungen. Das Verletzungsrisiko steigt an. Als Comorbiditäten treten oft Schmerzen im Nacken-, Schulter-, Rückenbereich auf. Dies gilt auch umgekehrt [12].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Therapie &amp; Prävention</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch Okklusionsschienen oder Aufbissbehelfe wird versucht, die Muskulatur zu detonisieren oder / und den Unterkiefer zu positionieren. Aufgrund des komplexen und oft überlagerten Beschwerdebildes sollten interdisziplinäre Lösungsstrategien in Zusammenarbeit mit dem Sportarzt und Physiotherapeuten angestrebt werden. Eine Okklusionsschiene kann auch präventiv wirken, indem sie dem Voranschreiten von Funktionsstörungen und weiteren Strukturschäden durch die CMD entgegenwirken kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Performancesplints</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Performancesplints sind Aufbissbehelfe, die die Leistung des Sportlers direkt steigern sollen. In einer Studie (Doppelblindstudie) wurde die Wirkung von konventionell hergestellten Okklusionsschienen und sogenannten Performancesplints vergleichend untersucht. Beide hatten allerdings keinen Einfluss auf die Peak-Leistung (PP), Zeit bis zum Erreichen der PP ((TtPP), Durchschnittsleistung (AP), Minimumleistung (MP) und Leistungsabfall (PD) [13]. Entlarvend ist hier das vielfach&nbsp; zugrundeliegende Prinzip des „One-Fits-All“. Soll die Funktion des Kiefers und damit der Muskulatur verbessert werden, kann dies nur nach einer individuellen fachzahnärztlichen Funktions- und Strukturanalyse erfolgen. Pauschalisierende Leistungsversprechen sind in diesem Zusammenhang haltlos und als unseriös zu bewerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Splints zur Atmungsoptimierung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studienlage ist indifferent. In klinischer Erprobung ist die ANS-Schiene n. Engelke &amp; Claas. Sie soll die Ventilfunktion des M. orbiculris oris während des Ausdauertraining unterstützen (Biofunktionelles Modell n. Engelke). Die verbesserte Atmungskoordination sorgt für eine Optimierung der Nasenatmung und der Zwerchfellaktivität. Hier müssen die Ergebnisse der klinischen Erprobung abgewartet werden. Regenerationsfördernd können Schnarcherschienen wirken, die das Schnarchen / Apnoe verringern. Meist wird der Unterkiefer mit diesen Schienen ventralisiert, was über die Plica pterygopalatina zu einer Straffung des Gaumensegels führt. So kann der Luftstrom ungestört das Gaumensegel passieren. Die Wirkungsweise ist gut untersucht, die Therapie ist bei korrekter Indikationsstellung wirksam.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>g.) Traumatologie&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Abhängig von der Sportart liegt die Häufigkeit für Zahntraumata bei bis zu 59 % [9]. Vollkontaktsportarten weisen die höchste Prävalenz auf. Entscheidend für die Prognose des Heilungsverlaufes ist ein stringent definiertes Befundungsprotokoll, das definierte Sofortmaßnahmen auslöst. Zu den Therapiestandards gehören die semipermanente Schienung von Zähnen, Wurzelkanalbehandlungen oder&nbsp; Zahnentfernungen mit  / ohne Osteotomie. Nach der erfolgten Primärversorgung sind regelmäßige Nachkontrollen dringend angezeigt. Erfolgt keine konsequente Nachsorge, bleiben die Folgeschäden, wie z.B. apikale Ostitiden und deren systematische Wirkungen oftmals unbemerkt. Ein erfolgtes Zahntrauma darf daher niemals unterschätzt werden. Die DGzPRsport empfiehlt dem Sportler im Traumafall immer einen Sportzahnarzt aufzusuchen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Prävention</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Prävention wird ein individueller Mundschutz angefertigt. Er kann die Traumawahrscheinlichkeit um den Faktor 50 reduzieren. Konfektionierte „boil-and-bite“-Produkte sollten wegen ihrer eingeschränkten Wirkung gemieden werden. Die App AcciDent (Prof. A. Filippi, Universität Basel) gibt wertvolle klinische Hilfestellung bei Zahntraumen aller Art.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="276" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_45_saez0319-1024x276.jpg" alt="" class="wp-image-4650" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_45_saez0319-1024x276.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_45_saez0319-300x81.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_45_saez0319-768x207.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_45_saez0319-150x40.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_45_saez0319-450x121.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_45_saez0319-696x187.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_45_saez0319-1068x287.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Claas_45_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Trauma Zahn 21 (Extrusion) und individueller Sportmundschutz,  Wird ein Zahntrauma übersehen, resultieren häufig posttraumatische Komplikationen. Foto 4 © Prof. A. Filippi, Uni Bern, Beirat DGzPRsport, Foto 5 © Dr. H. Claas</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Erkrankungen des ZMK-Bereiches wirken systemisch. Sie induzieren, triggern und interagieren mit verschiedensten Erkrankungen. Die Rekonvaleszenz des Sportlers ist verzögert. Die Leistungsfähigkeit von Athleten wird negativ beeinflusst und die Verletzungshäufigkeit steigt. Wichtigste Aufgabe der Sportzahnmedizin ist es, leistungsmindernde Faktoren zu eliminieren und leistungsfördernde Faktoren zu optimieren. Das Ziel einer Gesundheitsstabilisierung und der damit verbundenen Leistungssteigerung kann nur durch professionelle Präventions- und Therapiekonzepte sichergestellt werden. Die Koordination dieser notwendigen Maßnahmen muss durch einen spezialisierten Sportzahnmediziner innerhalb eines interdisziplinären Ärzteteams erfolgen. Die Sportzahnmedizin vervollständigt mit ihrer Expertise die Sportmedizin als Querschnittsfach der Medizin. Der praktische Mehrwert für den Sportler wird durch wissenschaftliche Standards und&nbsp; zertifizierte Experten professionalisiert. Insofern braucht der Sport nicht viel Zahnmedizin, sondern koordinierende Spezialisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Literatur</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">1 Ashley P., Di Loire A., et al., Br J Sports Med, 2015 Jan, 49 (1): 14-9</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;2 Brauckhoff et. al.: Mundgesundheitsberichterstattung, Robert Koch-Institut (Hrsg) aus: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Berlin 2009</p>



<p class="wp-block-paragraph">3 Pirkko J. Pussinen, PhD; Susanna Paju, DDS, PhD et al.: Association of Childhood Oral Infections With Cardiovascular Risk Factors and Subclinical Atherosclerosis in Adulthood, JAMA Network Open<em>. </em>2019;2(4):e192523. doi:10.1001/jamanetworkopen.2019.2523</p>



<p class="wp-block-paragraph">4 Löe H, Theilade E, Jensen SB: Experimental gingivitis in man. J Periodontol 1965; 36:177-187</p>



<p class="wp-block-paragraph">5 Wölbet, J., Tennert, Chr.: Parodontitis und Ernährung Zahnärztliche Mitteilungen 107, Nr.23-24, &nbsp;&nbsp;&nbsp; 1.1..2017 (2731)</p>



<p class="wp-block-paragraph">6 Nowak D, Jasionowski A. Analysis of Consumption of Energy Drinks by a Group of Adolescent Athletes. <em>Int J Environ Res Public Health</em>. 2016;13(8). doi:10.3390/ijerph13080768</p>



<p class="wp-block-paragraph">7 Scatena C, de Mesquita-Guimarães KSF, Galafassi D, Palma-Dibb RG, Borsatto MC, Serra MC. Effects of a potentially erosive antiasthmatic medicine on the enamel and dentin of primary teeth: An in situ study. <em>Microsc Res Tech</em>. 2018;81(9):1077-1083. doi:10.1002/jemt.23074</p>



<p class="wp-block-paragraph">8 Barley OR, Chapman DW, Abbiss CR. Weight Loss Strategies in Combat Sports and Concerning Habits in Mixed Martial Arts. <em>Int J Sports Physiol Perform</em>. 2018;13(7):933-939. doi:10.1123/ijspp.2017-0715</p>



<p class="wp-block-paragraph">9 Ifkovits T., et al.: Prevention of dental accidents in Swiss boxing clubs. Swiss Dental Journal SSO, Vol 125, 12 2015</p>



<p class="wp-block-paragraph">10 Nilner, M.: Epidemiologic studies in TMD. In: McNeill, C. (Hrsg.) Current controversies in Temporomandibular Disorders. Quintessence, Chicago 1192, S 21- 26.</p>



<p class="wp-block-paragraph">11 Howard, J.A.: Temporomandibular joint disorders, facial pain, and dental problems in performing&nbsp; artists. In: Sataloff, R.T., Brandfonbrener, A.G., Ledermann, R.J. (Hrsg.) Textbook of performing Arts Medicine, RTaven Press, New York 1991 S. 111-169</p>



<p class="wp-block-paragraph">12 Wiesinger, B.,&nbsp; Makler, H., Englund, E., Wänman, A.: Does a dose-response relation exist between spinal pain and temporomandinular disorders? BMC Musculoskelet Disord 10, 28 (2009)</p>



<p class="wp-block-paragraph">13 Fischer, H., Weber, D., Beneke, R.: No improfment in Sprint Performance With a Neuromuscular Fitted Dental Splint, International Journal of Sports Physiology and Performance, 2017, 12, 414 &#8211; 417</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Psychosoziale Herausforderungen</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/psychologie/4726/psychosoziale-herausforderungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. Ansgar Thiel&nbsp;,&nbsp;Hannes Gropper]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Jan 2021 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[03/19]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Forderung nach einer individualisierten Gestaltung von körperlichem Training betrifft zunehmend auch den Bereich der bewegungsbezogenen Prävention und Rehabilitation von chronisch-degenerativen Erkrankungen. Die Herausforderungen einer umfassenden Trainingsberatung und -betreuung liegen [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Forderung nach einer individualisierten Gestaltung von körperlichem Training betrifft zunehmend auch den Bereich der bewegungsbezogenen Prävention und Rehabilitation von chronisch-degenerativen Erkrankungen. Die Herausforderungen einer umfassenden Trainingsberatung und -betreuung liegen dabei nicht nur alleine darin begründet, individuelle Programme in Orientierung an physiologischen Parametern zu designen. Vielmehr muss eine individualisierte Trainingsgestaltung darüber hinaus psychosoziale Faktoren berücksichtigen, um den biopsychosozialen, d.h. den ganzheitlichen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten Rechnung zu tragen.&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bedeutung psychosozialer Faktoren für den Erfolg gesundheitsfördernder Maßnahmen wird seit längerem intensiv diskutiert (vgl. [1]). Eher selten wird dieser Aspekt dagegen in Zusammenhang mit der Individualisierung der Trainingssteuerung im Gesundheitssport und der Sporttherapie gebracht. Im vorliegenden Artikel wird auf diesen Zusammenhang genauer eingegangen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Individualität des Gesundheitserlebens</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Toni Faltermaier und Irene Kühnlein herausgefunden haben, verstehen nicht alle Menschen das Gleiche unter Gesundheit.So verbinden manche Menschen mit Gesundheit auf der Befindensebene Harmonie und Wohlbefinden, andere Stärke und Kraft, für manche Menschen bedeutet Gesundheit wiederum, im Alltag handlungs- bzw. leistungsfähig zu sein, andere schließlich erachten sich selbst dann als gesund, wenn sie arbeitsfähig sind [2]. Auch hinsichtlich der Dynamik von Gesundheit haben nicht alle Menschen die gleichen Vorstellungen [2]: Während es für die Einen nur Krankheit und Gesundheit gibt, sich die beiden Zustände also zueinander verhalten wie ein „On / Off-­Schalter“ [2], ist für die Nächsten Gesundheit wie eine Batterie, die irgendwann zur Neige geht. Andere empfinden Gesundheit im Sinne eines Akkus als einen wieder „aufladbaren“ Zustand, während wieder Andere spüren, dass Gesundheit durch geeignete Maßnahmen sogar über den ursprünglichen Zustand hinaus verbessert werden kann [2]. Dass bei diesen unterschiedlichen Gruppen nicht alle sporttherapeutischen Zugänge gleichermaßen auf Zuspruch stoßen, liegt auf der Hand. Diejenigen, für die Gesundheit nur dann zum Thema wird, wenn sie wirklich krank sind und deutliche Beschwerden haben, haben in der Regel kein Bewusstsein dafür, dass auch in beschwerdefreien Phasen präventiv etwas zur Vorbeugung von chronisch-degenerativen Erkrankungen getan werden muss. Beispielsweise ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diejenigen der Herzinfarkt-­Patienten, die direkt nach der Entlassung wieder zu rauchen beginnen, Personen mit einem „On / Off-Schalter-Konzept“ sind: Die Krankheit ist nur solange relevant, wie die gewohnten Verdrängungsstrategien nicht greifen – wie z. B. bei einem akuten, lebensbedrohlichen Ereignis. Ist die Bedrohung nicht mehr so unmittelbar, dann scheint alles wieder vergessen zu sein [3]. Gefühlsmäßig ist im Moment ja alles gut. Diejenigen, welche ihre Gesundheit wie eine nicht aufladbare Batterie empfinden, werden auf Stress eher mit Inaktivität reagieren und intuitiv zunächst einmal wenig Vertrauen haben, dass anstrengende Maßnahmen, wie beispielsweise ein präventives High-­Intensity-Intervall-Training, gesundheitsförderlich sein könnten. Dagegen wird man diejenigen, die Gesundheit durch einen aktiven Lebensstil sogar als steigerbar und als zentrale Quelle des Wohlbefindens erleben, in Phasen akuter Krankheit möglicherweise eher zurückhalten müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Individualität als gesellschaftliche Normalität</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Individualisierung der Trainingssteuerung ist heute vor allem auch deshalb notwendig, weil Menschen in der modernen Gesellschaft grundsätzlich zunehmend individualistischer werden. Individualität ist ein grundlegendes Merkmal der Moderne. Bildungs- und Ausbildungssysteme sind auf individuelle Förderung von Begabung ausgerichtet, Lebenswelten sind verinselt und funktionalisiert (vgl. [4, 5]). Die Wahrscheinlichkeit, dass unterschiedliche Menschen in ihrem gesamten Alltag ein vergleichbares Leben führen, ist gering. Dass Menschen im gleichen Betrieb arbeiten und den gleichen Beruf ausüben, bedeutet noch lange nicht, dass sie außerhalb die gleichen Freizeitinteressen haben. Nicht einmal in Partnerschaften kann vorausgesetzt werden, dass die Partner auch alle Lebensbereiche gemeinsam gestalten wollen und bei allen Bedürfnissen übereinstimmen. In der modernen Gesellschaft hat das Erkennen und Ausleben von Ich-Bedürfnissen eine große Relevanz für individuelle Sinnerfüllung. Dies liegt nicht zuletzt an den Erziehungsstilen von heute, die primär auf persönliches Glück sowie individuelles Fortkommen ausgerichtet sind (vgl. [6]). Die Bedeutung, die der Selbstverwirklichung heute zugemessen wird, betrifft in vielerlei Hinsicht auch den Bereich körperlicher und sportlicher Aktivität und Fitness. So wird z. B. der Körper zur gestaltbaren Selbst-Projektion, zum Symbol für die Beherrschung natürlicher Vorgänge [7]. Körperliches Training erlaubt zumindest zu einem gewissen Maße, den Körper nach eigenem Gusto zu formen und optisch temporär dem Alterungsprozess zu entfliehen. Der Trend zur Selbstoptimierung hat bereits längst die Präventionsbewegung erfasst und wird zunehmend zur Leitorientierung im Umgang mit Krankheit und Altern. Schon heute hat ein großer Teil der über 60-Jährigen individualistische Vorstellungen von der Gestaltung des Alters und ist nicht mehr bereit, das eigene Altern „wehrlos“ zu akzeptieren [8]. Dieser Trend lässt für die Zukunft eine gesteigerte Nachfrage nach individualisierten Aktivitäts- und Trainingsprogrammen zur Vorbeugung, aber auch zur Behandlung chronisch-degenerativer Erkrankungen erwarten, zumal bis zum Jahr 2030 mehr als ein Drittel der Bevölkerung 60 Jahre alt oder älter sein wird [9].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Individuum als Experte für sich selbst</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere gesundheitsrelevante Folge von Individualisierung ist der Verlust von Autoritätsgläubigkeit. In einer Gesellschaft der „Ich-Linge“ [6] ist nicht nur die Bereitschaft, sich den Bedürfnissen anderer anzupassen, keine Selbstverständlichkeit mehr. Menschen sind auch nicht mehr uneingeschränkt dazu bereit, sich der Autorität von Experten zu beugen. Dieser Verlust der Vormachtstellung von Experten hat teilweise damit zu tun, dass sich die moderne Wissenschaft zunehmend schwerer damit tut, den Nutzen wissenschaftlichen Fortschritts einer „laisierten“ Bevölkerung zu vermitteln (vgl. [10]). Dazu kommt, dass „der/die Patient/in 2.0“ als „Prosumer“ bei Diagnose und Therapie mitreden möchte. Möglich wird dies nicht zuletzt dadurch, dass Komplementärmedizin, Selbsthilfegruppen und Patientenforen den Patienten heute eine fast unendliche Menge an frei über das Internet zugänglichen Deutungsangeboten für Krankheitsursachen und -behandlungen bieten. Mit Blick auf die Entstehung von Selbsthilfe-Foren ist dies nicht nur negativ, da die Patienten durch den Austausch mit anderen Betroffenen mündiger werden können. Allerdings ist die Bereitstellung von angeblich funktionierenden, alltagspraktischen medizinischen Ratschlägen in Internetforen und sozialen Netzwerken, die das Individuum als Quasi-Experten ermächtigen, sein Problem selbst zu lösen, durchaus auch riskant. So wird das Individuum mit Wissen überflutet, dessen wissenschaftliche Qualität oft nicht gesichert ist, was zu fehlerhaften Selbstdiagnosen und -behandlungen führen kann.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mediatisierte Individualisierung und ihre Folgen für den Umgang mit Gesundheit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Individualisierung der Gesellschaft wird durch Digitalisierung und Mediatisierung radikalisiert. Mobile Medien sind heute integraler Bestandteil der individuellen Lebenswelt. Sie verändern die sozialräumlichen Bedingungen des Lebens, nicht nur aber vor allem, weil das Internet es ermöglicht, „reale“ Räume jederzeit kommunikativ zu überwinden [11]. Vor allem bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, aber auch zunehmend im fortgeschrittenen Alter, läuft Kommunikation mittlerweile zu einem beträchtlichen Teil digital ab. Individuen kommunizieren heute nicht weniger als früher, aber sie kommunizieren anders, häufig ohne direkten Face-to-Face-Kontakt. Vor allem ermöglicht der digitale Austausch, den Kommunikationsprozess auf der zeitlichen Ebene nach individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten zu strukturieren. So läuft z. B. eine Audiokommunikation mittels WhatsApp in der Regel nicht als zeitlich direkt aufeinanderfolgende Ketten von Kommunikationsangeboten ab, wie es im Gespräch unter Anwesenden der Fall ist. Sprachnachrichten werden vielmehr dann an andere gesendet, wenn es individuell gerade passt, und sie werden dann angehört bzw. beantwortet, wenn man Lust oder Zeit dazu hat. Für die digitale Kommunikation sind zeitliche Unterbrechungen oder ein Verlassen der Kommunikationssituation also durchaus üblich, was im unmittelbaren zwischenmenschlichen Miteinander kaum akzeptiert würde. Es ist zu erwarten, dass diese individualisierte Sozialität [12], d. h. die Gestaltung von sozialer Interaktion nach individuellem Bedürfnis, auch Konsequenzen für die Prävention und Rehabilitation hat, sowohl im Hinblick auf die Notwendigkeit, Angebotszeiten zu flexibilisieren als auch in Bezug auf die Ansprache der Patienten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Konsequenzen für die Gestaltung von bewegungsbezogenen Präventions- und Rehabilitationsangeboten hat auch die technologische Entwicklung im Bereich des Gesundheitsmonitorings, welches es Einzelpersonen ermöglicht, gesundheits- und krankheitsrelevante Daten, wie z. B. Blutdruck, Blutzucker, Herzfrequenz und zukünftig möglicherweise auch Fettstoffwechsel, Mineralhaushalt etc. selbständig zu überwachen. Es ist nicht auszuschließen, dass klassische, hierarchische Arzt-Patient-­Beziehungen in Zukunft an Bedeutung verlieren und interaktiven Behandlungsmodellen, wie z. B. der Tele-Medizin, Platz machen müssen. In einer individualisierten und mediatisierten Unterhaltungs- und Konsumgesellschaft, in welcher der Selbstverwirklichung und der individuellen und sofortigen Bedürfnisbefriedigung eine so wichtige Rolle zukommt, ist darüber hinaus zu erwarten, dass der Erfolg therapeutischer Bewegungsförderung und ihrer Angebote nicht zuletzt vom Spaßempfinden (Enjoyment) an der Aktivität und damit verbunden auch vom jeweiligen Unterhaltungswert abhängt [13]. Dabei gilt: was für eine Person lohnend sein mag, kann für eine andere Person aversiv sein [14].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gesundheitssport steht heute vor der Herausforderung, Trainings- und Therapieangebote auf die individuellen Bedürfnisse einer alternden und zugleich vielfältig aktiven und heterogen interessierten Zielgruppe zuzuschneiden. Bewegungsprogramme sollen Spaß machen und in einen hochgradig individualisierten, verinselten und komplex strukturierten Alltag integrierbar sein. Digitalisierte Kommunikationsformen werden dabei eine wichtige Rolle spielen, nicht nur zur Trainingsanleitung, sondern auch als Medium des kommunikativen Austauschs und der gegenseitigen Motivierung. Smartphones, inklusive der zugehörigen Fitness-­Apps, sind bei der Konzipierung von Aktivitäts- und Therapieprogrammen ebenso mitzudenken wie Wearables (GPS-Uhren, Pulsmesser, etc.), da sie die Individualisierung des Trainings erheblich vereinfachen. Schließlich ist beim Wording der Programme darauf zu achten, nicht defizitäre Bezeichnungen zu wählen, sondern neben funktionalen Aspekten auch dem Erlebnischarakter der Maßnahme Bedeutung zuzumessen. Und auch wenn sich manche Professionelle nicht darüber freuen werden: Nicht zuletzt ist bei der Gestaltung individualisierter Trainingsangebote auch im Bereich der Therapie und Rehabilitation darauf zu achten, den Patienten das Gefühl zu geben, ihre individuellen Bedürfnisse würden gehört und sie hätten ein Mitspracherecht bei der zeitlichen und sachlichen Gestaltung der Maßnahme.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Literatur</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[1] Dahlgren, G. &amp; Whitehead, M. (1991). Policies and strategies to promote social equity in health: Background document to WHO – Strategy paper for Europe. Stockholm: Institute for Future Studies.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[2] Faltermaier, T. &amp; Kühnlein, I. (2000). Subjektive Gesundheitskonzepte im Kontext: Dynamische Konstruktionen von Gesundheit in einer qualitativen Untersuchung von Berufstätigen Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, 8, 137–154.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[3] Thiel, A. &amp; Zipfel, S. (2007). Gesundheitskonzepte und der Umgang mit Krankheit und Beschwerden. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, 57(5), 193–194.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[4] Zeiher, H. (1990). Organisation des Lebensraums bei Großstadtkindern: Einheitlichkeit oder Verinselung? In L. Bertels &amp; U. Herlyn (Hrsg.), Lebenslauf und Raumerfahrung (S. 35–57). Opladen: Leske &amp; Budrich.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[5] Zeiher, H. (1994). Kindheitsträume: Zwischen Eigenständigkeit und Abhängigkeit. In U. Beck &amp; E. Beck-Gernsheim (Hrsg.), Riskante Freiheiten: Individualisierung in modernen Gesellschaften (S. 353–375). Frankfurt a.M.: Suhrkamp.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[6] Valentin, S. (2012). Ichlinge: Warum unsere Kinder keine Teamplayer sind. München: Goldmann.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[7] Thiel, A., Seiberth, K. &amp; Mayer, J. (2018a). Sportsoziologie: Ein Lehrbuch in 13 Lektionen. (2. Aufl.). Aachen: Meyer &amp; Meyer Verlag.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[8] Thiel, A., Huy, C. &amp; Gomolinsky, U. (2008). Alterssport in Baden-Württemberg: Präferenzen, Motive und Settings für die Sportaktivität in der Generation 50+. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 59(7–8), 163–167.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[9] Robert Koch Institut. (2015). Gesundheit in Deutschland: Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin: RKI.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[10] Vossenkuhl, W. (2005). Philosophie für die Westentasche. München: Piper.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[11] &nbsp;Tillmann, A. &amp; Hugger, K.-U. (2014). Mediatisierte Kindheit: Aufwachsen in mediatisierten Lebenswelten. In A. Tillmann, S. Fleischer &amp; K.-U. Hugger (Hrsg.), Handbuch Kinder und Medien (S. 31–46). Wiesbaden: Springer.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[12] Thiel, A., Gropper, H. &amp; Mayer, J. (2018b). Individualisierung und Nachwuchsleistungssport – Die Lebenswelt Heranwachsender als Herausforderung. Leistungssport, 48(2), 10–15.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[13] Dacey, M., Baltzell, A. &amp; Zaichowsky, L. (2008). Older adults&#8216; intrinsic and extrinsic motivation toward physical activity. American Journal of Health Behavior, 32(6), 570-582.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[14] Van den Berg, I., Franken, I.H.A. &amp; Muris, P. (2010). A new scale for measuring reward responsiveness. Frontiers in Psychology, 1.</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Myokine</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/kardiologie/4721/myokine/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Beate Zunner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Jan 2021 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kardiologie]]></category>
		<category><![CDATA[03/19]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://sportaerztezeitung.com/?p=4721</guid>

					<description><![CDATA[Seit der Entdeckung der Myokine durch BK Pederson 2007 in Kopenhagen [1] wurden mehrere Hundert dieser Substanzen identifiziert, die der Muskel bei entsprechender Tätigkeit in den Kreislauf abgibt. Eine mindestens [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit der Entdeckung der Myokine durch BK Pederson 2007 in Kopenhagen [1] wurden mehrere Hundert dieser Substanzen identifiziert, die der Muskel bei entsprechender Tätigkeit in den Kreislauf abgibt. Eine mindestens genauso große Anzahl wartet vermutlich noch auf ihre Entdeckung. Die Myokine sind für die allseits bekannten positiven Effekte der sportlichen Betätigung verantwortlich. Mit dieser Erkenntnis sind wir in der Lage, die Zusammenhänge von Sport und Gesundheit besser zu verstehen und können so Sport gezielt als wichtigen Therapiebaustein einsetzen. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Definition</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Myokine werden Zytokine und andere Peptide bezeichnet, die von der Muskulatur produziert und sezerniert werden, sowie entweder parakrine oder endokrine Effekte besitzen [1]. Mittlerweile wurde den Moykinen auch ein autokriner Effekt nachgewiesen. Stellvertretend für die große Anzahl an Myokinen werden im Folgenden drei der bekanntesten Vertreter dieser Art vorgestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>IL-6</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines der besterforschten Myokine ist das IL-6. Diesem Peptid werden gegenteilige Wirkungen nachgesagt. Eigentlich handelt es sich bei IL-6 um ein proinflammatorisches Zytokin. Es kann unter anderem die Blut-Hirnschranke passieren und die Prostaglandin E2 Synthese stimulieren. So entsteht beispielsweise Fieber. Gleichzeitig sagt man dem Zytokin IL-6 eine beträchtliche Wirkung bei Kachexie und Muskelatrophie im Rahmen chronischer Erkrankungen nach. Die Konzentration des IL-6 ist im Blut bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und auch bei kardiovaskulären Erkrankungen erhöht, sozusagen bei Patienten mit einer „silent inflammation“. Auch beim Metabolischen Symptomkomplex ist der IL-6 Level erhöht. Umso erstaunlicher ist der Effekt des aktivitätsinduzierten Myokins IL-6. Unter Ausdauertraining kann der Spiegel an IL-6 um das 100fache ansteigen und das in kürzester Zeit.&nbsp; Hierunter kommt es nachweislich zur Aktivierung antiinflammatorischer Prozesse (z.B. Expression von IL-1ra und IL10, sowie Supression von TNF Alpha) [2]. Die Expression des Myokins IL-6 ist nicht nur aktivitätsabhängig, sondern die Höhe des Plasmaspiegels hängt auch von der Menge des Glykogens im Muskel ab: je niedriger dieser wird, umso mehr IL-6 wird produziert und ausgeschüttet [3]. Es wirkt sozusagen als „Energie-Sensor“. Um dem Muskel genug Energie bereit zu stellen, wird in Folge der Sekretion die Fettsäureoxidation angekurbelt und die Glukoneogenese in der Leber vorangetrieben. Die Insulinsensitivität wird verbessert, damit der arbeitende Muskel genug Substrat erhält. Zusätzlich hat Myokin IL-6 Einfluss auf die Insulinproduktion der Beta- Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Auch die Wirkung des exercise-induced-glucagon-like-peptide-1, welches die Insulinsekretion stimuliert, ist von der Anwesenheit des muskelproduzierten IL-6 abhängig. Nun mag die konträre Wirkung seltsam erscheinen. Die Forscher erklären sich diesen Umstand unter anderem mit der Verweildauer des IL-6 im Blut. Die positiven Effekte leben durch die kurzzeitige Ausschüttung durch den bewegten Muskel. Bei chronischen Erkrankungen (Inflammation) liegt ein langanhaltender systemisch erhöhter IL-6 Level vor, der schließlich zur Atrophie von Muskelgewebe und zu generalisierten Entzündungsprozessen führt. Das muskelinduzierte IL-6 hingegen steigt kurzfristig bei Belastung sehr stark im Kreislauf an und fällt auch entsprechend schnell ab.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als beste Trainingsform hat sich in den Studien das Ausdauertraining herausgestellt, so mussten die Probanden in einigen Studien zwei bis drei Stunden auf dem Laufband schwitzen [4]. Jedoch scheinen sich auch kürzere, dafür intensivere Einheiten zu lohnen, um einen antiinflammatorischen Effekt zu erzielen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>IL-15</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch IL-15 ist ein Myokin der ersten Stunde, jedoch war es deutlich schwerer einzusortieren als IL-6. Als Zytokin sezerniert, besitzt auch IL-15 proinflammatorische&nbsp; Effekte, wie etwa die Aktivierung von T- und natürlichen Killerzellen [5]. Auch gibt es bei IL-15 verschiedene Isomere [6]. Durch Ausdauertraining konnte kein Anstieg verzeichnet werden, weder der mRNA in der Muskelzelle, noch des Plasmaspiegels. Jedoch wurde IL-15 durch Krafttraining stimuliert und führte zu einer Zunahme der Muskelmasse [7]. Dem Myokin IL-15 wurde daher eine anabolische Wirkung zugesprochen [8]. Mittlerweile wurden neue Studien veröffentlicht, die einen IL-15 Anstieg im Muskel selbst nachweisen konnten, und zwar bei Ausdauertraining (jedoch kein Anstieg im Serum) [9]. Es führt zu einer verstärkten Glukoseaufnahme und Fettsäureoxidation. IL-15 führt in Folge dessen zu einer Reduktion des Körperfettanteils und in besonderem Maße zu einer Reduktion des viszeralen Fettes [10]. Es konnte auch ein positiver Effekt auf den Leberstoffwechsel nachgewiesen werden, so dass die Fetteinlagerung dort reduziert wurde [11]. Es bleibt abzuwarten, wie in zukünftigen Studien das Myokin IL-15 weiter charakterisiert werden wird. Zusammenfassend gilt IL-15 derzeit als Waffe gegen Tumorkachexie und andere Kachexien (z.B. bei COPD). Durch seinen positiven Effekt auf Zucker- und Fettstoffwechsel profitieren auch Patienten mit Diabetes mellitus und kardiovaskulären Erkrankungen. Für all diese Patienten ist eine Kombination aus Ausdauer &#8211; und Krafttraining empfehlenswert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Irisin</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Myokin Irisin in ein vieltalentiertes Peptid, das in der Lage ist, beim erwachsenen Menschen weißes Fettgewebe über einen speziellen Signalweg in braunes Fettgewebe zu verwandeln. Diese Erkenntnis wurde 2012 in der Nature veröffentlich und ist seitdem Gegenstand intensivster Forschung [12]. Es wird aktuell als ein potenzieller Lösungsansatz für den metabolischen Syndrom-­Komplex angesehen. Auch hier postulierte man Ausdauertraining als Schlüssel zur Produktion. Diese erfolgte PGC-1alpha abhängig (ein transkriptionaler Cofaktor, der im bewegten Muskel eine Schlüsselrolle spielt). Irisin wird anschließend von einem durch PGC-1alpha induzierten membranständigen Protein (FNDC5) abgeschnitten und ins Blut abgegeben [13]. Es kann jedoch auch durch Kälte induziert werden, durch Muskelzittern [14]. In den letzten Jahren wurde der Hype um Irisin etwas gedämpft. Neue Studien widersprechen sich teilweise, was die Aktivierung des Irisin betrifft. So ist immer noch nicht abschließend geklärt, welche Cofaktoren, wie etwa Kälte, Alter, Fitnesszustand etc., Einfluss auf die Irisinproduktion nehmen. Auch wurden in den Studien unterschiedliche Nachweismethoden und unterschiedliche Arten der Probengewinnung durchgeführt [15]. Man kann daher zum jetzigen Zeitpunkt noch keine generalisierte Trainings­­empfehlung geben. Zumindest scheinen sich die positiven Auswirkungen auch in den jüngsten Studien zu bestätigen und ständig kommen neue Einflussbereiche des Irisins hinzu:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irisin verhindert beispielsweise auch den Knochenabbau [16]. Es verbessert die Fettsäureoxidation und den Zuckerstoffwechsel bei Diabetes Typ II Patienten über den AMPK Signalweg. 2018 wurden erste Studien bekannt, in denen Irisin das Zellwachstum von Pankreastumorzellen inhibiert, über den AMPK-mTOR Signalweg [17]. Anfang 2019 wurde schließlich in Nature Medicine eine Studie veröffentlicht, in der dem Myokin eine Erhaltung der synaptischen Plastizität in alzheimergeschädigten Nervenzellen zugesprochen wird [18]. Mit Sicherheit werden im Laufe der nächsten Jahre noch mehr positive Effekte von Irisin publik werden. Jetzt muss nur noch geklärt werden, mit welchem Training man die Produktion dieses Multitalents am besten forcieren kann.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="911" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Zunner_Abb_saez0319-1024x911.jpg" alt="" class="wp-image-4723" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Zunner_Abb_saez0319-1024x911.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Zunner_Abb_saez0319-300x267.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Zunner_Abb_saez0319-768x683.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Zunner_Abb_saez0319-150x133.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Zunner_Abb_saez0319-450x400.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Zunner_Abb_saez0319-696x619.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Zunner_Abb_saez0319-1068x950.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Zunner_Abb_saez0319-472x420.jpg 472w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Zunner_Abb_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>PGC-1alpha induzierte Freisetzung des Irisins und Wirkung auf das Fettgewebe. (WAT: White adipose tissue; BAT: Brown adxipose tissue) (veröffentlicht in: Castillo-Quan JI, From white to Brown fat through the PGC-1alpha-dependent myokine irisin: implications for diabetes and obesity; Disease Models &amp; Mechanismus 5; 293–295 (2012)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man sich diese Mechanismen vor Augen führt, wird klar, wie essenziell Bewegung für den Menschen ist. Wir tragen sozusagen eine „körpereigene Apotheke“ jederzeit griffbereit mit uns herum, jedoch müssen Patienten dazu motiviert werden. Um sie zu animieren, sich zu bewegen wurde beispielsweise die Rheumotion-­Initiative ins Leben gerufen, die speziell Rheumapatienten von den positiven antiinflammatorischen Effekten der körperlichen Bewegung überzeugen möchte [19, 20]. Es gibt bereits Trainingspläne, um den antiinflammatorischen Effekt bei Rheumapatienten bestmöglich auszunutzen: hier werden mehrmals pro Woche Einheiten mit mittlerer (3 x wöchentlich) und hoher (2 x wöchentlich) Intensität, sowie 2 x pro Woche Krafttraining empfohlen [21]. In Studien wurde zudem gezeigt, dass Rheumatiker ein 10-wöchiges hochintensives Intervalltraining gut vertragen haben und signifikant positive Effekte, unter anderem auf die Krankheits- und Entzündungsaktivität, nachgewiesen werden konnten [22]. Die Pharmaindustrie sieht sich zudem in der Pflicht, möglichst bald eine „exercise-like-drug“ auf den Markt zu bringen, basierend auf den Erkenntnissen der Myokinforschung. Irisin hat hierbei momentan gute Chancen, eine „exercise-like-drug“ zu werden. Wie lange die Entwicklung jedoch noch dauern wird ist unbekannt. Bis dahin bleibt der Sport das Monopol der Myokinproduktion. Bewegung liegt uns schließlich im Blut – im wahrsten Sinne des Wortes. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="998" height="1024" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/ZunnerTab_saez0319-998x1024.jpg" alt="" class="wp-image-4722" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/ZunnerTab_saez0319-998x1024.jpg 998w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/ZunnerTab_saez0319-292x300.jpg 292w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/ZunnerTab_saez0319-768x788.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/ZunnerTab_saez0319-150x154.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/ZunnerTab_saez0319-450x462.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/ZunnerTab_saez0319-300x308.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/ZunnerTab_saez0319-696x714.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/ZunnerTab_saez0319-1068x1096.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/ZunnerTab_saez0319-409x420.jpg 409w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/ZunnerTab_saez0319-356x364.jpg 356w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/ZunnerTab_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 998px) 100vw, 998px" /><figcaption>Tabelle: Übersicht über ausgewählte Myokine und ihre Eﬀekte am jeweiligen Wirkungsort. Abkürzungen: BAIBA: Beta-Aminoisobutyric acid; Metrnl: Meteoren-Like; GLP1: Glukagon-like peptide-1; SPARC: Secreted protein acidic rich in cysteine; OSM: Oncostatin-M; CNTF: Ciliary neurotrophic factor; VEGF: Vascular endothelial growth factor; MSTN: Myostatin; BDNF: Brain-derived neurotrophic factor (nach Schnyder and Handschin; Skeletal Muscle as an endokrine Organ: PGC-1alpha, myokines and exercise, Bone 80; 115–125; 2015)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Literatur</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[1] Pedersen BK et al.  Role of myokines in exercise and metabolism; J Appl Physiol 103; 1093–1098 (2007)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[2] Ostrowski K et al. Physical activity and plasma IL-6 in humans – effect of intensity of exercise; J Appl Physiol 83;512–515 (2000)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[3] Keller C et al. Transcriptional activation of the IL-6 gene in human contracting skeletal muscle: influence of the muscle glycogen content FASEB J 15; 2748–2750 (2001)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[4] Ostrowksi K et al. Evidence that IL-6 is produced in skeletal muscle during prolonged running. J Physiol 508; 949–953, 1998</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[5] Giri JG et al. IL-15, a novel T cell growth factor that shares activities and receptor components with IL-2; J Leuko Biol 57 (5); 763–766 (1995)</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Arthrose in der Schulter</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/operation/4706/arthrose-in-der-schulter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Sven Lichtenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Jan 2021 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Operation]]></category>
		<category><![CDATA[03/19]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://sportaerztezeitung.com/?p=4706</guid>

					<description><![CDATA[Das große Gelenk der oberen Extremität ist das Schultergelenk. Es ist mit dem großen Gelenk der unteren Extremität, dem Hüftgelenk, stellenweise vergleichbar und verbindet den Arm mit dem Rumpf, das [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das große Gelenk der oberen Extremität ist das Schultergelenk. Es ist mit dem großen Gelenk der unteren Extremität, dem Hüftgelenk, stellenweise vergleichbar und verbindet den Arm mit dem Rumpf, das Hüftgelenk das Bein. Das Größenverhältnis von Gelenkkopf und -pfanne ist dabei jeweils genau umgekehrt: Hat das Hüftgelenk eine sehr große Gelenkpfanne und einen kleinen Gelenkkopf, ist die Gelenkpfanne der Schulter wiederum im Verhältnis zur Größe des Oberarmkopfes sehr klein. Dies bringt eine höhere Arthrose-Neigung des Schultergelenks mit sich – und beim Gelenkersatz eine höhere Komplexität. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das besondere Größenverhältnis ermöglicht zum einen den ausgesprochen großen Bewegungsradius im Schultergelenk, prädestiniert jedoch auch zur Instabilität und vielen weiteren Erkrankungen. Die Arthrose des Schultergelenks ist somit nicht nur eine altersbedingte, genetisch angelegte Veränderung, sondern kann auch durch folgende Vorerkrankungen ausgelöst werden, die bei der Schulter relativ häufig sind:</p>



<p class="wp-block-paragraph">(1)Oberarmkopf- und /oder Gelenkpfannenbrüche, (2) Chronische Instabilität mit immer wieder auftretenden Luxationen (Verrenkungen), (3) Lange bestehende Rotatorenmanschettenschäden (Rotatoren-Defekt-Arthropathie), (4) Humeruskopfnekrosen (Absterben des Oberarmkopfes), (5)Entzündliche Erkrankungen (z. B. Rheumatoide Arthritis). Allen Arthroseformen ist ein zunehmender Verlust des Gelenkknorpels gemein, was zu einer Abnahme des Gelenkspalts führt, die im Röntgenbild deutlich zu sehen ist. Typische weitere und gut sichtbare Veränderungen sind die knöchernen Anbauten, die sog. Osteophyten (Abb.1).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="929" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb1_saez0319-1-1024x929.jpg" alt="" class="wp-image-4712" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb1_saez0319-1-1024x929.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb1_saez0319-1-300x272.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb1_saez0319-1-768x697.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb1_saez0319-1-150x136.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb1_saez0319-1-450x408.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb1_saez0319-1-696x632.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb1_saez0319-1-1068x969.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb1_saez0319-1-463x420.jpg 463w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb1_saez0319-1.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Abb. 1 Typische weitere und gut sichtbare Veränderungen: Knöcherne Anbauten, die sog. Osteophyten</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Symptome einer Arthrose, die den Betroffenen zur Vorstellung beim Orthopäden führen:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Schmerzen, zunächst unter Belastung, dann später auch in Ruhe und nachts</li><li>Zunehmende Bewegungseinschränkungen</li><li>Verminderte Belastbarkeit im Beruf und in der Freizeit</li><li>Minderung der Lebensqualität</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Früharthrose, CAM-Prozedur &amp; Konservative Therapie</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Frühe Formen der Arthrose am Schultergelenk werden häufig zufällig bei einer Arthroskopie entdeckt, die wegen anhaltender Schmerzen bei Verdacht auf ein Engpass-Syndrom (Impingement) durchgeführt wird. Im Röntgenbild sind zu diesem Zeitpunkt keine Veränderungen erkennbar; erst intra-operativ sieht man Knorpelschäden. Im Rahmen der Gelenkspiegelung wird dann die CAM-Prozedur durchgeführt. Das Comprehensive Arthroscopic Management (CAM) [6] beinhaltet ein Glätten der Knorpelschäden und eine sogenannte Mikrofrakturierung des unter dem Knorpel liegenden Knochens: Mit kleinen scharfen Ahlen oder einem Bohrer wird dabei der Knochen bearbeitet. Man schafft eine Eröffnung des Knochenmarkraumes, aus dem dann Stammzellen austreten können, die eine Ersatzknorpel-Bildung initiieren. Durch dieses Verfahren – verbunden mit weiteren Verfahren, wie Entfernung der entzündeten Gelenkschleimhaut, Durchtrennen der stark verkürzten Gelenkkapsel, Entfernung möglicher freier Gelenkkörper, Versetzen der chronisch gereizten Bizepssehne und ggf. Erweiterung des Schulterdachraumes mit Schleimbeutelentfernung – können in den frühen Stadien der Arthrose eine gute Schmerzreduktion, Verbesserung der Beweglichkeit und laut einer eigenen Untersuchung ein Aufschieben der Prothesenimplantation um bis zu zehn Jahre erreicht werden. Dies gilt jedoch nur für die frühen Stadien der Arthrose Stadium I und bedingt für Stadium II. Neben der Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten, die eine Schmerzlinderung bewirken sollen, kann eine Physiotherapie helfen, die Beweglichkeit so lange wie möglich zu erhalten. Injektionen mit Hyaluron ins Gelenk können ebenfalls eine Beschwerdelinderung herbeiführen, ebenso die regelmäßige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, die Glucosamine und Chondroitin enthalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Künstliche Schultergelenke: Endoprothetik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sind die Möglichkeiten einer konservativen Therapie ausgeschöpft, sollte der Einsatz eines künstlichen Schultergelenks (Endoprothetik) erwogen werden. Aufgrund der beschriebenen schwierigen Anatomie – sehr großer Humeruskopf (das Ende des Oberarmknochens), sehr kleine Gelenkpfanne – ist das Schultergelenk ein muskelgeführtes Gelenk, bei dem also die Muskeln dem Gelenk Halt geben und nicht ein formschlüssiges Gelenk, wie z. B. das Hüftgelenk, bei dem die Gelenkpfanne den Gelenkkopf umschließt und damit auch stützt. Dies stellt den Operateur für die Implantation eines künstlichen Schultergelenks vor eine große Herausforderung hinsichtlich der Prothesenwahl und der Implantationstechnik. Neer gilt als der Vater der modernen Schulterendoprothetik [7]. So sind bei der Implantatwahl stets die individuellen zugrundeliegenden anatomischen Besonderheiten zu beachten, was schwierig ist und viel Erfahrung erfordert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anatomische Prothese und inverse Prothese</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Prinzipiell gibt es zwei voneinander zu unterscheidende Prothesenarten (Abb. 2):</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Anatomische Endoprothese: Hierbei wird der Oberarmkopf durch eine halbkugelartige Oberarmkopfprothese ersetzt und die Gelenkpfanne durch ein pfannenartiges Implantat.</li><li>Inverse Endoprothese: Bei diesem Typ wird der Oberarmkopf durch ein pfannenartiges Implantat und die Pfanne durch ein halb­kugelartiges Implantat ersetzt, also die Gelenkpaarung umgedreht [1].</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den anatomischen Prothesen unterscheidet man dann weiter auf der humeralen, also der Oberarmseite, zwischen Prothesen mit Schaft (Langschaft- und Kurzschaftprothesen) und der schaftfreien Prothese (Abb. 3) sowie dem Oberflächenersatz. Da die anatomischen Prothesen den Regelfall der Schulter-Endoprothetik darstellen, seien sie hier im Detail beschrieben.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1005" height="1024" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb2_saez0319-1005x1024.jpg" alt="" class="wp-image-4710" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb2_saez0319-1005x1024.jpg 1005w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb2_saez0319-294x300.jpg 294w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb2_saez0319-768x783.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb2_saez0319-70x70.jpg 70w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb2_saez0319-150x153.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb2_saez0319-450x459.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb2_saez0319-300x306.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb2_saez0319-696x709.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb2_saez0319-1068x1088.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb2_saez0319-412x420.jpg 412w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb2_saez0319-356x364.jpg 356w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb2_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1005px) 100vw, 1005px" /><figcaption>Abb. 2 Anatomische Prothese und inverse Prothese</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="859" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb3_saez0319-1024x859.jpg" alt="" class="wp-image-4709" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb3_saez0319-1024x859.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb3_saez0319-300x252.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb3_saez0319-768x644.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb3_saez0319-150x126.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb3_saez0319-450x378.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb3_saez0319-696x584.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb3_saez0319-1068x896.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb3_saez0319-500x420.jpg 500w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb3_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Abb. 3 Prothese mit Schaft und schaftfreie Prothese</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Oberflächenersatz</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Je nach Indikation kann man statt einer kompletten Prothese auch mit einem Oberflächenersatz arbeiten. Hierbei wird der Humeruskopf nicht komplett reseziert, sondern nur so abgefräst, dass die Kappenprothese einer Zahnkrone gleich auf den Oberarmkopf gesetzt werden kann. Vorteil ist der geringe Knochenverlust bei der Implantation, Nachteile sind der durch den vorhandenen Oberarmkopf schwierige Zugang zur Gelenkpfanne und die Tendenz, das Implantat zu groß zu wählen, was eine Gefährdung der Rotatorenmanschette (RM) darstellt [5].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schaftprothese &amp; Schaftfreie Prothese</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Schaftprothese wird zuerst der Oberarmkopf mit der Gelenkkugel vollständig reseziert. Die Befestigung der Gelenkprothesen-Kugel erfolgt dann über einen im Oberarmschaft zementierten oder zementfrei eingebrachten Prothesenschaft, der lang oder neuerdings auch kurz ist. Auch bei der schaftfreien Prothese wird der Oberarmkopf entfernt, der Kopfersatz aber ohne Schaft auf der Schnittfläche (Resektionsfläche) befestigt. Vorteil bei den schaftfreien und Kurzschaftprothesen ist, dass sie leichter zu wechseln sind als eine Langschaftprothese, sollte dies nach einigen Jahren notwendig werden (s. u.)[2]. Auch die Schultergelenkpfanne kann durch eine Prothese ersetzt werden und auch auf der Pfannenseite unterscheidet man zementfreie und zementierte Implantate (Abb. 4).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="590" height="1024" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb4_saez0319-590x1024.jpg" alt="" class="wp-image-4708" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb4_saez0319-590x1024.jpg 590w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb4_saez0319-173x300.jpg 173w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb4_saez0319-768x1333.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb4_saez0319-885x1536.jpg 885w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb4_saez0319-1180x2048.jpg 1180w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb4_saez0319-150x260.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb4_saez0319-450x781.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb4_saez0319-300x521.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb4_saez0319-696x1208.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb4_saez0319-1068x1854.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb4_saez0319-242x420.jpg 242w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Lichtenberg_Abb4_saez0319.jpg 1106w" sizes="(max-width: 590px) 100vw, 590px" /><figcaption>Abb. 4 Zementfreie und zementierte Implantate</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anatomische Prothese vs. inverse Prothese</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für alle Formen der Arthrose des Schultergelenks mit intakter Rotatorenmanschette ist in der Regel die anatomische Prothese indiziert (Omarthrose (Gelenkverschleiß im Schultergelenk), Arthrose nach Knochenbrüchen (posttraumatisch), Absterben des Oberarmkopfes (Humeruskopfnekrose), Rheumatoide Arthritis). Durch diese werden die erkrankten Gelenkflächen ersetzt, was zur Schmerzfreiheit führt. Bei allen Formen der Schulterarthrose mit defekter Rotatorenmanschette oder drohendem Defekt der Rotatorenmanschette ist die inverse Prothese indiziert (Arthrose bei Rotatorenmanschetten-Defekt (Defektarthopathie), Omarthrose mit erheblicher Pfannenveränderung, alle Zustände mit Defekt der Rotatorenmanschette). Durch das Umkehren der Gelenkpaarung kann biomechanisch ein Fehlen der Rotatorenmanschette kompensiert werden. Die Entwicklung dieser inversen Prothese ist sicherlich der größte Quantensprung der letzten Jahrzehnte in der Schulterendoprothetik.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zeitpunkt der Operation, Haltbarkeit und Aussicht</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Prinzipiell gilt bei der Prothesenimplantation, möglichst lange zu warten, da die Überlebenszeit einer Prothese beschränkt ist. Bei der Schulterendoprothetik ist dies jedoch nicht sinnvoll, da dadurch immer stärkere Kontrakturen der Weichteile entstehen und die Ergebnisse hinsichtlich der zu gewinnenden Bewegungsumfänge schlechter werden. Ferner kommt es bei lange bestehender Arthrose zu einem vermehrten Verbrauch der hinteren Pfanne und zu einer Verschiebung des Oberarmkopfes nach hinten. Es hat sich gezeigt, dass, je mehr die Pfanne verbraucht und der Oberarmkopf nach hinten verschoben ist, die Implantation einer anatomischen Prothese zu einer frühen Lockerung des Implantates führt. Deshalb wird inzwischen empfohlen, in diesen Fällen direkt auf ein inverses Implantat zu setzen. Eine anatomische Schulterprothese hat eine zu erwartende Haltbarkeit von 15 Jahren. Gründe für eine frühzeitige Lockerung oder ein frühes Versagen der Rotatorenmanschette können sein [3]: Chirurgisch: Missachtung der anatomischen Verhältnisse (Größe des Oberarmkopfes, Neigungswinkel des Oberarmhalses, etc.), keine Korrektur der zuvor veränderten Anatomie (vermehrte Rückwärtsneigung der Pfanne, Fehlstellung nach Brüchen, etc.). Patient: Fehlbelastung mit hohen Gewichten, Stürze. Intrinsisch: Altersbedingte Degeneration der Rotatorenmanschette mit Sehnenrissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Prothesenwechsel &amp; Individuelle Beratung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kommt es zu einer Lockerung der anatomischen oder inversen Prothese oder zu einer Insuffizienz der Rotatorenmanschette, so ist ein Prothesenwechsel indiziert. Auch hier ist zunächst zu prüfen, inwieweit die Rotatorenmanschette unversehrt ist. Bei intakter Rotatorenmanschette kann ein Wechsel auf eine erneute anatomische Prothese erfolgen. Bei defekter Rotatorenmanschette muss der Wechsel auf eine inverse Prothese vorgenommen werden. Die Wechseloperation ist bei einer anatomischen Prothese mit langem Schaft, der in den Oberarmknochen eingebracht wurde, aufwendig, da meist ein kompletter Schaftwechsel durchgeführt werden muss. Deshalb werden moderne Schaftprothesen heute als modulare, konvertierbare Prothesen entwickelt und verwendet. Bei diesen Prothesen verbleibt der einmal eingebrachte Schaft im Oberarmknochen, und nur der künstliche Gelenkkopf wird bei der Wechseloperation erneuert. Hierdurch kann der schwierige Schaftwechsel vermieden werden. Die inverse Prothese hat ebenfalls eine Haltbarkeit von gut 15 Jahren. Probleme der inversen Prothese bestehen in einem „Notching“ genannten Kontakt des im Oberarm befestigten Prothesenanteils gegen das Schulterblatt, was zu einer Lockerung der künstlichen Gelenk-Halbkugel führt [4]. Somit ist es ratsam, sich eingehend beraten zu lassen und die Operation von erfahrenen Schulterchirurgen durchführen zu lassen. Sie haben Erfahrungen mit den verschiedenen Prothesentypen und können stets auf die aktuellen Implantate zurückgreifen. So ist zu erwarten, dass die Schulter wieder schmerzfrei benutzt werden kann und sogar sportliche Aktivitäten wieder möglich werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusammenfassend kann man feststellen, dass bei Arthrose des Schultergelenks die Endoprothese, das künstliche Schultergelenk, eine gute Therapie darstellt. Die Indikationsstellung, Implantatwahl und die Operation sind deutlich schwieriger als beim Hüftgelenk, nichtsdestotrotz kann bei richtiger Operation ein sehr gutes Ergebnis mit Beschwerdefreiheit und langanhaltender Funktionsverbesserung erreicht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Literatur</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[1] Grammont Pm BE (1993) Delta shoulder prosthesis for rotator cuff rupture. Orthopedics. Orthopedics 16:65–68</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[2] Habermeyer P, Lichtenberg S, Tauber M et al. (2015) Midterm results of stemless shoulder arthroplasty: a prospective study. J Shoulder Elbow Surg 24:1463–1472</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[3] Hawi N, Magosch P, Tauber M et al. (2017) Nine-year outcome after anatomic stemless shoulder prosthesis: clinical and radiologic results. J Shoulder Elbow Surg 26:1609–1615</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Belastbarkeitssicherung im Nachwuchsleistungssport</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/4695/belastbarkeitssicherung-im-nachwuchsleistungssport/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christoph Mühlberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jan 2021 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/19]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Belastbarkeit stellt die wichtigste Größe im Leistungssport dar. Sie ist entscheidend für eine erfolgreiche und langfristige Leistungssportkarriere, in welcher die Gesundheit stets im Blickfeld steht. Die Belastbarkeitssicherung ist wichtige [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Belastbarkeit stellt die wichtigste Größe im Leistungssport dar. Sie ist entscheidend für eine erfolgreiche und langfristige Leistungssportkarriere, in welcher die Gesundheit stets im Blickfeld steht. Die Belastbarkeitssicherung ist wichtige Aufgabe und Herausforderung zugleich. Dies gilt insbesondere für den Nachwuchsleistungssport. Aktive Maßnahmen für den Bewegungsapparat sollten von Beginn an in das Training integriert werden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Leistungssport sind hohe und umfangreiche Belastungen oftmals bereits in jungen Jahren an der Tagesordnung, ist die langfristige Zielsetzung schließlich das Erreichen von Höchst- und Spitzenleistungen. Die Belastbarkeit ist hierbei die zentrale Größe und bedeutet „…dass physische und psychische Belastungen, die der Organismus aktiv ermöglicht und durch diverse Beanspruchungen passiv erträgt, verarbeitet werden können, ohne dass Störungen der Gesundheit oder Trainierbarkeit eintreten“ [1]. Die Belastbarkeit unterliegt verschiedenen Einflussfaktoren und wird in vier Kategorien differenziert [1] [2] in [1]. Dieser Beitrag fokussiert primär die mechanische Belastbarkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sicherung und Weiterentwicklung der Belastbarkeit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die im Leistungssport auftretenden Belastungen kann es zu einer Gefährdung der Belastbarkeit kommen. Überlastungserscheinungen und Verletzungen können auftreten, Trainingspausen und Unterbrechungen der geplanten Leistungsentwicklung sind die Folge. Im schlimmsten Fall findet die Leistungssportkarriere frühzeitig ihr Ende. Grund genug, sich mit der Sicherung und Weiterentwicklung der Belastbarkeit im Kindesalter zu beschäftigen. Auf den ersten Blick besteht die Gefahr der Überbeanspruchung beispielsweise durch zu hohe und umfangreiche Belastungen, zu geringe Pausen, vernachlässigte Regenerationsmaßnahmen und mangelnde Technik. Auf den zweiten Blick lassen sich jedoch noch weitere Gegebenheiten erkennen, welche zu einer Gefährdung der Belastbarkeit führen können. Es handelt sich um individuelle Ausprägungen und Zustände des Bewegungsapparates. Hierzu zählen z. B. Normabweichungen der Gelenke, wie etwa eine Knick-Senk-Fuß-Problematik oder X-Beine, wobei hierbei immer anatomische und funktionelle Aspekte beachtet werden müssen. Weiter eine mangelnd ausgeprägte Stabilisationsmuskulatur respektive Ansteuerungsfähigkeit, welche von Bedeutung ist, um den passiven Bewegungsapparat gegenüber den einwirkenden Kräften zu schützen. Nicht zu vergessen arthro-myofasziale Dysbalancen, welche nicht selten durch die Charakteristik der jeweiligen Sportart im Sinne eines einseitigen muskulären Aktivierungsprofils im Segment Leistungs- und Spitzensport entstehen können. Um diesen Risiken entgegenzutreten, die Belastbarkeit zu sichern und damit die Grundlage für eine kontinuierliche Leistungsentwicklung in Training und Wettkampf zu schaffen, sollten entsprechende Maßnahmen in den Trainingsalltag integriert und regelmäßig umgesetzt werden. Dabei ist es wichtig, dies bereits in frühen Jahren zu realisieren. So wird im Zusammenhang mit überdurchschnittlicher Belastung auf präventive Maßnahmen im Kindes- und Jugendalter für die Gesunderhaltung im langfristigen Leistungsaufbau explizit hingewiesen [1]. Ein Grund ist hierbei, dass die Anfälligkeiten für viele chronische Überlastungsschäden im späteren Jugend- und Erwachsenenalter bereits im Kinder- und Jugendtraining gelegt werden [3]. In welchem Alter begonnen wird, muss sicher individuell und in Abhängigkeit der gewählten Maßnahme entschieden werden. Trotz eines hohen Wahrnehmungsanteils einzelner Ansätze, scheint bereits das frühe Schulkindalter gute Bedingungen zu bieten. So ist die Entwicklung der Muskulatur als Sinnesorgan mit 7–8 Jahren nahezu abgeschlossen [4] und die Kinder verfügen über eine verfeinerte motorische Differenzierungsfähigkeit und präzisierte Informationsaufnahme- und Verarbeitungsfähigkeit [5] in [6]. Das Erlernen von Bewegungsfertigkeiten fällt ihnen leicht [6], allerdings müssen diese zur Festigung oft wiederholt werden [7] in [6].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Vorfeld entsprechender Trainingsmaßnahmen sollte im Idealfall immer die Analyse stehen, welche in regelmäßigen Abständen wiederholt wird. Im Bereich der Kaderstrukturen werden regelmäßige sportmedizinische Untersuchungen durchgeführt. Hier sollte die Kommunikation zwischen Ärzten und Trainern fokussiert werden, um die Ergebnisse adäquat für die anschließenden Maßnahmen nutzen zu können. Aber auch jenseits des Kaderwesens sollten sowohl regelmäßige Untersuchungen wahrgenommen als auch Beobachtungen an den Athleten vorgenommen werden. Ebenfalls sollte das Hintergrundwissen über die Auswirkungen der präferierten leistungsorientiert trainierten Sportart auf den Bewegungsapparat bekannt sein, um entsprechende präventive Gegenmaßnahmen einzuleiten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die nachfolgend aufgeführten Ansätze zählen zu den aktiven Maßnahmen und stellen nur einen Baustein innerhalb der Belastbarkeits­sicherung dar. Sie beziehen sich auf die drei oben genannten Gegebenheiten und verstehen sich sowohl präventiv als auch leistungsfördernd. Es handelt sich hierbei um Muskuläre Stabilisation, Sensomotorik, Self Myofascial Release sowie klassisches Kraft- und Beweglichkeitstraining. Sie sollten auf die entsprechende Sportart und individuelle Situation angepasst und regelmäßig angewendet werden. Sportartspezifische Beispiele im Nachwuchsleistungssport wurden autorenseitig bereits dargestellt [8 –13].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Muskuläre Stabilisation</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Den ersten Ansatz stellt die Muskuläre Stabilisation dar und zielt auf die neuromuskuläre Kontrolle des jeweiligen Gelenks ab. Auch wenn oftmals eine Vielzahl an Muskeln Einfluss auf ein Gelenk nehmen, sind es doch ganz bestimmte Muskeln, welche aufgrund ihrer Lage, Größe und Eigenschaften besser in der Lage sind, ein Gelenk muskulär abzusichern. Diese Muskeln gilt es für die jeweilige Körperregion zu lokalisieren und adäquat zu trainieren. Exemplarisch für die Lendenwirbelsäule sind dies primär M. Transversus abdominis, Mm. Multifidii (tiefe Anteile), Beckenboden und Zwerchfell, welche eine Art Stabilisationszylinder bilden [14]. Die Aktivierung der einzelnen Muskeln, welche in Summe als sogenannte Grundspannung agieren, wird zunächst mittels einfacher Übungsformen im Rahmen der neutralen Lendenlordose durchgeführt. Hierfür sind viel Konzentration und Wahrnehmung nötig, weswegen eine separate Einheit sinnvoll ist. Im Anschluss sollte die Grundspannung in allgemeine und sportartspezifische Stabilisationsübungen sowie die eigentliche Bewegung der jeweiligen Sportart integriert werden. Auch in den klassischen Übungen eines – die sensiblen Phasen des Wachstums im Kindes- und Jugendalter berücksichtigenden – Krafttrainings sollte die Grundspannung nicht fehlen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sensomotorik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sensomotorik als zweiter Ansatz weist deutliche Parallelen zur Muskulären Stabilisation auf, geht es hierbei neben der sensorischen Wahrnehmung auch um die korrekte Ansteuerung der Stabilisationsmuskulatur. Eine hohe Übungsgenauigkeit ist auch hier von besonderer Bedeutung, mögen die Übungen auf den ersten Blick auch einfach wirken. Exemplarisch steht der Einbeinstand als Klassiker für die unteren Extremitäten, welcher sich durch das Ausschalten des Visuellen Systems noch stärker auf die Propriozeption fokussieren lässt. Sportartspezifische Bewegungsmuster und instabile Unterlagen runden das Ganze ab. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Myofasziales System &amp; Kraft- und Beweglichkeitstraining</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der dritte Ansatz widmet sich dem Zustand des myofaszialen Systems. Im Sinne einer aktiven Regenerationsmaßnahme zur Rehydration sowie Erhalt und Förderung der Faszienflexibilität gilt es, insbesondere im Zusammenhang mit möglichen arthro-myofaszialen Dysbalancen, geeignete Übungen anzuwenden. Anhand des mittlerweile weit verbreiteten Self-Myofascial-Release, einem Ansatz des Faszientrainings, wird mit speziellen Rollen und Kugeln gearbeitet. Neben einem allgemeinen Ganzkörpertraining sollten insbesondere sportartspezifisch bedingte Problemregionen bearbeitet werden. Es gilt die korrekte Technik bezüglich Geschwindigkeit etc. zu beachten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abschließend bildet das klassische Kraft- und Beweglichkeitstraining den vierten Ansatz. Verschiedene Methoden verfolgen hier das Ziel, möglichen arthro-myofaszialen Dysbalancen entgegenzuwirken. So gilt es beispielsweise einen in bestimmten Sportarten gehäuft auftretenden protrahierten Schultergürtel mittels geeigneter Übungen adäquat zu dehnen und zu kräftigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vorgestellten Maßnahmen sollten von Anfang an in das Nachwuchstraining integriert werden. Dabei hält sich der Zusatzaufwand bei den allseits bekannten Zeitproblemen im Rahmen. Zwar muss für die eine oder andere Einheit zu Beginn etwas Zeit und Mühe investiert werden, allerdings können viele Übungen in das bestehende Training integriert bzw. bestehende Übungen angepasst werden. Der Verantwortung für den Nachwuchs bewusst und große Ziele im Visier, sollte die Belastbarkeitssicherung in all ihren Facetten berücksichtigt werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Literatur</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[1] Fröhner, G. (2007): Sportmedizinische Ratschläge für die Belastbarkeitssicherung im Nachwuchsleistungssport &#8211; Teil 1: Einführung. In: Leistungssport, 37 (6), 31–33.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[2] Martin, D.; Nicolaus, J. (1998): Leistungsvoraussetzungen und sportliche Leistungsfähigkeit von Kindern. Kinder und Jugendliche im Leistungssport. In: Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 95, 347–363. Schorndorf: Hofmann-Verlag.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[3] Schmitt, H. (Hrsg.) (2014): Sportorthopädie und -traumatologie im Kindes- und Jugendalter. Köln: Deutscher Ärzteverlag.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[4] Fröhner, G.; Tronick, W. (2007): Prophylaxe von Verletzungen und Fehlbelastungsfolgen durch Belastbarkeitssicherung im Nachwuchsleistungssport. In: Leistungssport, 37 (1), 11–17.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[5] Winter, R. (1981): Grundlegende Orientierungen zur entwicklungsgemäßen Vervollkommnung der Bewegungskoordination im Kindes- und Jugendalter. In: Medizin und Sport, 21, 255. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[6] Weineck, J. (2000): Optimales Training. Leistungsphysiologische Trainingslehre unter besonderer Berücksichtigung des Kinder- und Jugendtrainings. Balingen: Spitta-Verlag.</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Blickpunkt Wasserball</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/4677/blickpunkt-wasserball/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Ralf Schauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Jan 2021 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/19]]></category>
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					<description><![CDATA[In den 1980igern erschien im Playboy Magazin ein Artikel über Wasserball mit dem Titel, „Wenn Dir oben einer ins Gesicht lächelt und Dir unten in die Hoden tritt, das ist [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In den 1980igern erschien im Playboy Magazin ein Artikel über Wasserball mit dem Titel, „Wenn Dir oben einer ins Gesicht lächelt und Dir unten in die Hoden tritt, das ist Wasserball“. Dieses Bild herrscht heutzutage noch immer vor und regt die Phantasien der Gesprächspartner an. Wasserball -ach so mit einem Niveaball-, das ist eine Sportart? Was ist denn nun eigentlich Wasserball?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wasserball wurde um 1870 in England erfunden, um Schwimmveranstaltungen attraktiver zu gestalten. 1885 erfolgte die Anerkennung als eigenständige Sportart durch den englischen Schwimmverband. In Deutschland wurde Wasserball erstmals 1894 in Berlin gespielt und 1912 die erste Deutsche Meisterschaft ausgetragen. Wasserball ist die älteste olympische Mannschaftssportart und kam erstmals 1904 in St. Louis USA ins olympische Programm.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Definition &amp; Regeln</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wasserball ist ein Ballspiel im Wasser, bei dem die Spieler zweier Mannschaften versuchen, durch geschicktes Abspielen und Freischwimmen, den Ball ins gegnerische Tor zu Treffen.</p>



<ul class="wp-block-list"><li>eine Mannschaft besteht aus 13 Spielern, von denen 7 Spieler (1 Torhüter, 6 Feldspieler) im Wasser sind</li><li>die Spielzeit beträgt 4 x 8 Minuten (reine Spielzeit)</li><li>zwischen ersten und zweiten Viertel sowie zwischen dritten und vierten Viertel sind 2 Minuten Pause, zwischen zweiten und dritten Viertel 5 Minuten Pause. In dieser Pause erfolgt der Seitenwechsel.</li><li>der Gastgeber spielt in weißen Kappen, der Gast in blauen Kappen</li><li>das Spielfeld ist 30 x 20m groß, bei Frauen, Jugendlichen und Senioren 25 x 20m, die Tore sind 3 m breit und 90cm hoch</li><li>die Wassertiefe sollte durchgehend 2 m betragen</li><li>Strafwurf wird von der 5 m Linie ausgeführt</li><li>geleitet wird das Spiel von 2 Schiedsrichtern</li><li>der Ball ist 450 g schwer und hat die Größe eines Fußballs, bei Frauen und bis D-Jugend etwas kleiner. Er ist aus Kunststoff, früher aus Leder</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Wasserball kann von der E-Jugend U11 und jünger bis ins hohe Alter gespielt werden, Voraussetzung ist Gesundheit und körperliche Fitness. Masters AK beginnen bei 30 und enden bei 70 Jahren.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="236" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_saez0319-6-1024x236.jpg" alt="" class="wp-image-4680" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_saez0319-6-1024x236.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_saez0319-6-300x69.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_saez0319-6-768x177.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_saez0319-6-150x35.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_saez0319-6-450x104.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_saez0319-6-696x160.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_saez0319-6-1068x246.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_saez0319-6.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Fotos: © Ralf Schauer</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verletzungen im Wasserball</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wasserball ist eine sehr trainingsintensive Sportart und schon in der Jugend ist ein dreimaliges Training pro Woche Normalität. Dies erweitert sich auf 5 – 8mal im Bundesligabereich und bis zu zehnmal pro Woche im internationalen Vergleich. Führende Nationen sind Serbien, Kroatien, Ungarn, Italien bei den Männern und USA, Niederlande, Russland, Italien, Spanien bei den Frauen. Der Deutsche Wasserball ist international etwas ins Hintertreffen geraten, wobei er in früheren Zeiten international sehr erfolgreich war. Im Laufe der Zeit wurden die Regeln immer wieder geändert, wodurch sich Wasserball von einem Schwimm-Spiel zu einem Schwimm- und Körperbetonten-Spiel entwickelt hat. Die Athletik hat im Laufe der Jahre zugenommen. Dies hatte zur Folge, dass sich die Verletzungsmuster von Platzwunden durch Ellbogenchecks und Faustschlägen, hin zu Überlastungsschäden mit Sehnen- und Gelenkverletzungen verschoben haben. Legendär war das Spiel bei Olympia 1958 Ungarn gegen Russland, bei dem politische Interessen im Wasser ausgefochten wurden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Welche Körperteile bzw. Gelenke stehen im Vordergrund der Verletzungsmuster? Wasserball zählt zu den Überkopfsportarten, womit man die Schulter an erster Stelle nennen muss. Sie ist Dreh- und Angelpunkt sowohl beim Schwimmen als auch beim Werfen. Vergleicht man Wasserball mit anderen Überkopfsportarten wie Handball, Volleyball, Baseball und Schwimmen zeigt sich ein gleiches Verletzungs- und Überlastungsmuster (siehe dazu auch Artikel von Dr. Kass (S.20) in dieser Ausgabe).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schulterverrenkung oder Schulterluxation </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie entsteht beim Wasserball, wenn in 90° Abduktion und Außenrotation, bei der Beschleunigungsphase des Wurfes in den Arm gegriffen wird bzw. der Wurfarm von vorne direkt geblockt wird. Beim Hineingreifen in den Arm kommt es zu einer vorderen Luxation, beim Blocken zu einer hinteren Luxation. Hierbei kann es zusätzlich zu einer Verletzung der Rotatorenmanschette kommen und zu einer Bankartläsion (einem knöchernen Ausriss des Labrums).</p>



<figure class="wp-block-gallery columns-3 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex"><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="608" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_Schulter1_saez0319-1024x608.jpg" alt="" data-id="4683" data-full-url="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_Schulter1_saez0319.jpg" data-link="https://sportaerztezeitung.com/?attachment_id=4683" class="wp-image-4683" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_Schulter1_saez0319-1024x608.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_Schulter1_saez0319-300x178.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_Schulter1_saez0319-768x456.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_Schulter1_saez0319-150x89.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_Schulter1_saez0319-450x267.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_Schulter1_saez0319-696x413.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_Schulter1_saez0319-1068x634.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_Schulter1_saez0319-708x420.jpg 708w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_Schulter1_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP2_saez0319-1024x683.jpg" alt="" data-id="4682" data-full-url="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP2_saez0319.jpg" data-link="https://sportaerztezeitung.com/?attachment_id=4682" class="wp-image-4682" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP2_saez0319-1024x683.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP2_saez0319-300x200.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP2_saez0319-768x512.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP2_saez0319-150x100.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP2_saez0319-450x300.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP2_saez0319-696x464.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP2_saez0319-1068x712.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP2_saez0319-630x420.jpg 630w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP2_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP1_saez0319-1024x683.jpg" alt="" data-id="4681" data-full-url="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP1_saez0319.jpg" data-link="https://sportaerztezeitung.com/?attachment_id=4681" class="wp-image-4681" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP1_saez0319-1024x683.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP1_saez0319-300x200.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP1_saez0319-768x512.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP1_saez0319-150x100.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP1_saez0319-450x300.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP1_saez0319-696x464.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP1_saez0319-1068x712.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP1_saez0319-630x420.jpg 630w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/SLAP1_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure></li></ul></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>SLAP-Läsion und Rotatorenmanschettenverletzung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier kommt es zu einem vorderen, hinteren oder einem korbhenkelartigen Ausriss des Labrum supraglenoidale. Die Verletzung kommt beim Griff in den Wurfarm akut traumatisch zustande. Die häufigere Version sind kontinuierliche Mikroverletzungen bei andauernder Überbelastung der Schulter durch Wurfbelastungen. Die Rotatorenmanschettenverletzung hat das gleiche Verletzungsmuster wie oben bereits beschrieben. Sie kann auch eine Begleitverletzung im Rahmen einer Schulterluxation sein und bei starken Krafteinwirkungen auf die Schulter isoliert traumatisch auftreten. Die häufigste Ursache sind jedoch degenerative Veränderungen im Rahmen von Mikroverletzungen bei Überlastungsschäden der Schulter durch jahrelanges Training oder falsche Wurftechnik und muskuläre Dysbalancen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bizepssehnenläsion</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bizepssehne ist durch ihre anatomische Situation eine sehr gefährdete Struktur bei Überkopfsportarten. Die lange Bizepssehne verläuft durch das Gelenk und dient als Depressor für den Oberarmkopf. Beim Werfen, speziell in der Endphase, kommt es zu einem Anschlagen der Bizepssehne am Acromion und damit zu einer chronischen Reizung. Der sogenannte Pulley (eine sehnige Führungssscheide) für die Sehne wird zunehmend geschädigt und reißt im Laufe der Zeit. Es herrscht nun eine instabile Situation der Sehne mit Luxationen aus dem Sulcus, welche zu chronischen Reizungen und mechanischen Entzündungen der Sehne mit begleitender Entzündung des subacromialen Schleimbeutels führen. Damit wird der Raum unter dem Schulterdach eng und es kommt zu einer Einklemmung, dem sogenannten Impingement. Dieses führt zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung der Schulter und kann bei wiederkehrenden Entzündungen schlimmstenfalls zu einem Riss der Sehne führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Weitere Verletzungen&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Verletzungen, die jedoch nicht so häufig auftreten sind Hüftbeschwerden, bedingt durch angeborene Fehlstellungen und technisch inkorrektes Wassertreten. Dies kann letztendlich eine frühzeitige Arthrose des Hüftgelenkes bedingen. Beim Spiel selbst treten Fingerverletzungen mit Sehnen- und Bandrupturen oder Fingerknochenbrüche durch Halten an den Händen auf. Platzwunden, Nasenbeinbrüche und Jochbeinbrüche sowie Verletzungen des knöchernen Augapfels (Orbitaboden) treten meist durch Faust und Ellbogenchecks auf. Ebenso Netz- und Hornhautverletzungen des Auges.Trommelfellverletzungen sind durch Einführung der Ohrenschützer deutlich rückläufig, treten aber immer noch bei Schlägen und Tritten auf das Ohr auf, wenn diese unter Wasser ausgeführt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Prävention</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schulter ist beim Wasserball das am häufigsten in Mitleidenschaft gezogene Gelenk. Das liegt daran, dass Wasserball eine sehr körperbetonte Sportart ist, somit findet der größte Teil der Wurfbewegung unter der Störung eines Gegners statt. Damit ist eine technisch korrekte Wurfausführung meistens nicht möglich. Findet die Störung in der Beschleunigungsphase statt, potenzieren sich die Kräfte auf die Muskeln und das Sehnengewebe. Hierbei entstehen die meisten Läsionen der Schulter. Bettin konnte schon 1993 in einer Studie zeigen, dass der Bewegungsschmerz in der Schulter hauptsächlich bei hoher Außenrotation am Ende der Ausholphase und in Beugung und Innenrotation am Ende des Wurfes auftritt. Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, benötigt der Spieler eine gute Schulterbeweglichkeit und eine gute Muskelkraft und Balance, um den Oberarmkopf während der Wurfbewegung zentriert zu halten. Des Weiteren ist eine gute Rumpf und Beinkraft nötig, um den Körper im Wasser zu stabilisieren und Kraft hinter den Ball zu bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Medium Wasser bedingt eine gute Rumpfstabiltät und Rumpfkraft, damit sich der Spieler, sowohl bei der Durchführung von Wurfbewegungen, als auch Angriffs- und Verteidigungsspiel möglichst stabil im Wasser fortbewegen kann. Hier sollte bei der Basisausbildung der jungen Spieler sehr viel Wert auf Koordinations- und Beweglichkeitsübungen gelegt werden. Die Kraft beim Werfen sollte aus den Beinen, der Hüft- und Körperrotation mit der nötigen Kraft erfolgen und nicht ausschließlich aus der Schulter. In eigenen Untersuchungen konnten wir zeigen, dass Spieler mit einer guten Körperrotation und Stabilität weniger Schulterprobleme aufweisen, als Spieler, die hier deutliche Defizite haben. Centerspieler sind besonders anfällig, da sie meist nicht in der Lage sind, aufgrund der Gegnereinwirkung den Wurf aus dem gesamten Körper zu gestalten, sondern hauptsächlich aus der Schulter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Exkurs Concussion</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Thematik wird in der letzten Zeit auch im Wasserballsport diskutiert. Dies dient der Sensibilisierung der Spieler für dieses Syndrom. Die Torhüter müssen dahingehend geschult werden, dem Gegenspieler die Stirn zu bieten und eine Grundspannung bei der Ballabwehr inne zu haben. Gehirnerschütterungen dürfen nicht unterschätzt werden, auch ohne Bewusstseinsverlust. Trainern und Betreuern obliegt eine Sorgfaltspflicht. Ein Spieler sollte bei Symptomen, zum eigenen Schutz, aus dem Spiel genommen werden. Posttraumatisch empfohlen werden in diesem Fall Ruhe, Schonung, keine Nutzung multimedialer Geräte, kein Lesen, keine geistige und körperliche Überanstrengung, Analgesie. Langsames Heranführen bzw. Belastungsaufbau in Schule und Training. Trainingsfreigabe sollte durch den Teamarzt erfolgen. Prävention: Tragen einer Schutzkappe unter der Torhüterkappe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wasserball ist ein sehr körperbetonter und anstrengender Sport, der hohe Anforderungen an Kraft, Beweglichkeit und Koordination des Spielers stellt. Der Spieler ist durch das Schwimmen und das Werfen selbst, doppelt in der Schulter belastet, sowie durch die Einwirkung des Gegenspielers. Beim Schwimmen hat der Spieler eine andere Wasserlage als der Wettkampfschwimmer. Durch die hohe Oberkörperlage ist eine Rotation im BWS-Bereich nicht gut durchführbar und erfordert hier eine höhere Schulterbeweglichkeit, welche wiederum zu Mikrotraumata durch Überlastung führen kann. Das Werfen selbst und hier mit Gegner stellt nochmals erhöhte Anforderungen an Koordination und Beweglichkeit, um den Wurf technisch korrekt und kraftvoll auszuführen. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="577" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_weitereBilder3_saez0319-1024x577.jpg" alt="" class="wp-image-4679" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_weitereBilder3_saez0319-1024x577.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_weitereBilder3_saez0319-300x169.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_weitereBilder3_saez0319-768x433.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_weitereBilder3_saez0319-150x85.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_weitereBilder3_saez0319-450x254.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_weitereBilder3_saez0319-696x392.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_weitereBilder3_saez0319-1068x602.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_weitereBilder3_saez0319-746x420.jpg 746w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Schauer_weitereBilder3_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: © RS Sportphoto</figcaption></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>Sportaugenmedizin</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/4666/sportaugenmedizin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fabian Mönnink]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Jan 2021 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/19]]></category>
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					<description><![CDATA[Aufgrund stetig neuer Erkenntnisse befindet sich der Spitzensport in fortlaufender Entwicklung und verändert sich mit verschiedenen Trends und Neuerungen aus den Bereichen der digitalen Leistungsdiagnostik, Ernährung&#160; oder auch sportpsychologischen Aspekten. [...]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aufgrund stetig neuer Erkenntnisse befindet sich der Spitzensport in fortlaufender Entwicklung und verändert sich mit verschiedenen Trends und Neuerungen aus den Bereichen der digitalen Leistungsdiagnostik, Ernährung&nbsp; oder auch sportpsychologischen Aspekten. Parallel sind auch im Freizeitsport Gadgets wie Fitnesstracker mit Datenanalysefunk­tionen und moderne Trainingsmethoden Alltag geworden.&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Interesse von Sportlern, sich möglichst umfassend und vielseitig mit ihrer eigenen Leistungsfähigkeit zu beschäftigen und dabei ständig zu optimieren, hat durch moderne Technik ein neues Level erreicht. Auch die Medizin kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Jedoch zeigen aktuelle Zahlen, dass gerade im Bereich Auge noch viel Potenzial ungenutzt bleibt. So hat eine aktuelle Studie 147 Profi-Fußballspieler zwei Jahre lang begleitet, um Daten über ihre Sehschärfe, ihren refraktiven Fehler und den Gebrauch von Sehhilfen zu erheben [1]. Das Ergebnis ist erschreckend. Nur jeder vierte Sportler, der eine korrekturbedürftige Fehlsichtigkeit hat, gleicht diese beim Sport aus. Auf alpinen Skipisten fährt nur knapp die Hälfte aller kurzsichtigen Sportler mit Korrektur, was nicht nur die sportliche Leistungsfähigkeit reduziert, sondern auch ein eklatantes Sicherheitsrisiko mit sich bringt [2]. Sehen erfordert die höchste Rechenleistung im Gehirn – dieser Vorgang ist vergleichbar mit der Nutzung eines Bildbearbeitungsprogramms, das am Computer ebenfalls die größte Auslastung verursacht. Ein Bild mit vielen Fehlern zu verarbeiten, fordert dabei vermehrt Ressourcen. Mentale Energie geht verloren, die der Sportler ansonsten zur mentalen Vorbereitung auf den Wettkampf oder während des Wettkampfes nutzen könnte. Um eine Vorstellung über die Wichtigkeit des Sehens im Sport zu bekommen, sollte man sich zunächst die Frage stellen, was es für Sehqualitäten und Funktionen gibt und welche für den jeweiligen Sport von Bedeutung sind.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sehschärfe</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Auflösungsvermögen von 1,0, auch gerne 100 % genannt, ist als die Fähigkeit definiert, aus fünf Meter Entfernung zwei nebeneinander liegende Punkte im Abstand von 1,5mm wahrnehmen zu können. Viele Menschen profitieren von weitaus höheren Auflösungsvermögen und somit auch einem Informationsvorsprung. Im Falle einer besseren Sehfähigkeit mit einem Visus von 1,33 entspricht dies der Fähigkeit auf fünf Meter Abstand zwei Punkte unterscheiden zu können, für die sich ein 1,0 sichtiger Mensch auf 3,75 m nähern müsste. Diese Unterschiede können im Sport einen gewaltigen Unterschied machen, wie z. B. Tischtennisspieler Timo Boll in einem Interview mit dem Spiegel preisgibt. Er berichtet, dass ihm seine Sehschärfe von 280 % ermögliche, schon früh die Rotation des Balles anhand des aufgedruckten Stempels und damit den Spin zu erkennen. Diese Information ist essentiell, um einen passenden Bewegungsablauf für den Rückschlag zu starten. Ein Visus von 2,8 entspricht bei 5 m Entfernung einer Auflösung, die ein Normalsichtiger mit 1,0 erst bei 1,78 m im Stande ist zu sehen. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hintergrund Vom Spielgegenstand, Hindernis oder Gegner ausgehend trifft das Licht am Auge auf die Hornhaut, welche das erste refraktiv wirksame Medium ist. Sie ist mit ca. 43 Dioptrien Brechkraft für 2 / 3 der Gesamtbrechkraft des Auges zuständig und bündelt die Lichtstrahlen. Auf dem Weg durch die vordere Augenkammer zur Pupille werden die Lichtstrahlen zunächst wieder umgerechnet mit ungefähr -3dpt Brechkraft zerstreut. Hinter der Pupille kommt es zur zweiten großen Lichtbrechung durch die Linse mit ca. 19 Dioptrien. Somit ergibt sich eine Brechkraft von ca. 59 dpt. Rund 24 mm nach Eintritt des Lichtstrahls durch die Hornhaut kommt das Licht an der Netzhaut an. Das perfekte scharfe Bild wird somit maßgeblich von Qualität, Klarheit und Stärke der brechenden Medien Hornhaut und Linse sowie der individuellen Augenlänge beeinflusst. Interessanter Fakt: Es besteht eine Korrelation zwischen zunehmender Augenlänge und verlängerter visueller Reaktionszeit. In einer geschlechts- und altersgepaarten Studie zeigt ein eher lang gebautes Auge eines kurzsichtigen Menschen (Myopie) signifikant eine höhere Reaktionszeit als das eines Normalsichtigen (Emmetropie) mit einer kürzeren Distanz zwischen Hornhaut und Retina [4].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auflösung / Kontrastsehschärfe&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kontrastsehschärfe spielt im Sport gerade bei der Erkennung von kleinen Gegenständen wie Squashbällen, Pucks oder Ähnlichem eine wichtige Rolle. Die Auflösungsfähigkeit und Kontrastsehschärfe der Netzhaut wird durch das Zusammenspiel von ~ 6 Millionen&nbsp; Zapfen und ~ 120 Millionen Stäbchen generiert. Hier wird durch komplexe Verschaltung bereits in der Netzhaut der Grundstein für das wichtige Kontrastsehen im Sport gelegt. Es kommt zu einer Quervernetzung von verschiedenen Zelltypen, welche sogenannte rezeptive Felder zur Informationsbündelung bilden. Hier findet durch zwei Untereinheiten eine Signalverstärkung statt. Die eine reagiert auf helle Lichtreize im Zentrum des Feldes, die andere auf die Abnahme von ebendieser Leuchtdichte im Zentrum. Diese Unterscheidung ermöglicht die Wahrnehmung von Kontrasten. Gerade bei kontrastarmer Umgebung, wie beispielsweise auf der Skipiste, sind hier feine Kontrastunterschiede durch Erhebungen oder Eisplatten wichtig für den Sportler. Abhängig ist das Kontrastsehen von weiteren Faktoren wie Veränderungen der Linsen, des Sehnervens, Alter, aber auch der bereits genannten Sehschärfe. Spezielle Polfilterbrillen sollen dem Sportler hier eine Verbesserung der Kontraste bringen, was aber mangels gleichmäßiger Polarisation von Schneekristallen nicht unumstritten ist. Es kann hier sogar zu einem Informationsverlust kommen [2].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Räumliches Sehen (Stereosehen)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn für Sportschützen ein starkes Auge zufriedenstellend sein kann, so sind die meisten Sportarten auf die Funktion zwei guter Augen für ein gutes räumliches Sehen angewiesen. Räumliches Sehen beschreibt die Fähigkeit Distanzen, die Beziehung zwischen Objekten sowie deren Bewegung im Raum richtig zu deuten. Durch den gleichzeitigen Seheindruck von beiden Augen kommt es durch die Fusion dieser Lichtreize zu einem stimmigen Gesamtbild. Wichtig ist hier die motorische Steuerung der Augenmuskeln, um eine Übereinkunft der beiden Bilder im Punkt des schärfsten Sehens, der Fovea, zu ermöglichen. Eine Schielstellung lässt in der Regel ebenfalls kein gutes räumliches Sehen zu und sollte daher schon früh in der Kindheit intensiv behandelt werden. Es kann sonst ebenfalls zu Doppelbildern, einer Konfusion unterschiedlicher Dinge, die an selber Stelle wahrgenommen werden oder sogar zur Unterdrückung des schwächeren Auges, Amblyopie genannt, führen. Eine sportlich erfolgreiche Laufbahn wäre somit schon früh erschwert. Mit dem Seheindruck von nur einem Auge sind lediglich einfache Größenvergleiche oder Beziehungen von Objekten durch Überschneidung von Bildinhalten oder Licht bzw. Schattenunterschiede möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gesichtsfeld / Peripheres Sehen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mensch ist in der Lage, etwas mehr als 180° wahrzunehmen. Bereits durch einfache Blickwendung ohne den Kopf zu drehen, kommen nochmals 90° Sichtfeld hinzu. Dreht man den Kopf zusätzlich, kann der Mensch sein Umfeld in alle Richtungen überblicken. Gerade bei Sportarten, die Taktik, Abstimmung aber auch Übersicht über das Spielgeschehen erfordern, ist ein uneingeschränktes Gesichtsfeld von Bedeutung. Einschränkungen können bei Erkrankungen, wie dem Glaukom oder auch Durchblutungsstörungen, auftreten, allerdings auch ganz einfach durch das Tragen einer Brille. Auch die periphere Sehleistung der Netzhaut ist entscheidend, um zusammen mit Geräuschen der Umgebung früh eine Veränderung des Umfeldes zu registrieren und den Kopf zum Geschehen auszurichten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Moderne Technik: Brille, Kontaktlinse, Laser</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Weiterentwicklung durch moderne Technik ist nicht nur im Sport, sondern auch im Bereich Auge und Sehleistung zu beobachten. Anteilig sind jedoch noch immer die historisch älteren refraktiven Hilfsmittel in der Gesellschaft viel vertreten. Bereits im 13. Jahrhundert wurde die Brille zunächst als reine Lesehilfe erfunden. Trotz der deutlichen Weiterentwicklung der damaligen Brille mit aktuell viel leichteren Kunststoffgläsern, ist diese für viele Sportler nicht die optimale Lösung. Bei Outdoor-Sportarten und sonnigem Wetter können Sportbrillen mit UV-Schutz und passender Tönung für die Lichtbedingungen eine gute Option sein. Eine Brille schränkt jedoch das Gesichtsfeld ein, sie kann verrutschen, beschlagen, verschmutzen oder verkratzen. Die Brille sollte perfekt sitzen, damit ein störendes Verschieben auf der Nase und Repositionierung während der Aktivität und damit verbundene Schwankungen der Sehleistung möglichst selten auftreten.Trotz der Schutzfunktion vor Insekten oder Staubpartikeln kann es gerade bei Kontaktsportarten bei einem Zusammenstoß oder Aufprall eines Spielgerätes zu einem erhöhten Risiko für Verletzungen des Auges und der Aufliegefläche im Bereich der Nase und Ohren kommen. Dies sind nur einige Gründe, warum wenige Sportler Interesse daran haben, mit ihrer Brille Sport zu treiben. Anfang des 20. Jahrhunderts führte die Entwicklung spezieller Kunststoffe zur ersten Zulassung einer Kontaktlinse durch die amerikanische FDA im Jahr 1977. Heute gelten Kontaktlinsen als gängige Alternative zur Sportbrille. Sie ermöglichen durch ihre rahmenlose Auflage auf dem Auge ein weitaus weniger eingeschränktes Gesichtsfeld. Auf eine Tönung und ein UV-Schutz wie bei einer Sportbrille muss jedoch verzichtet werden. Die Sauerstoffversorgung der Hornhaut erfolgt hauptsächlich über die Augenoberfläche aus der Umgebungsluft. Diese wird durch das Tragen von wenig sauerstoffdurchlässigen Kontaktlinsen vermindert. Problematisch wird dies, da die Hornhaut eigentlich schon bei moderatem Sport deutlich mehr Sauerstoff benötigt [5](wie eine Studie aus dem Jahre 2008 ergeben hat). Es kann bei regelmäßigem Tragen von Kontaktlinsen zu chronischen Beschwerden und zur Schädigung der Augenoberfläche kommen. Ein Verrutschen der Kontaktlinse während des Sports führt für Athleten zwangsweise dazu, die Aktivität zu unterbrechen, bis eine Repositionierung erfolgt ist oder bei Verlust gar eine neue passende Kontaktlinse besorgt und ersetzt ist. Gerade bei Sportarten wie Beachvolleyball kann Sand zwischen Kontaktlinse und Auge gelangen und eine akute Reizung mit massivem Tränenfluss verursachen. Die Sehfähigkeit wird dadurch stark eingeschränkt. Resümierend ist auch Sport mit Kontaktlinsen nicht sorgenfrei möglich und mit einem größeren Aufwand, was die Bereitstellung bzw. Reinigung im Falle von Monats / Jahreslinsen betrifft, verbunden, als bei der zuvor beschriebenen Sportbrille.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Beginn der 1990er Jahre hat sich die Korrektur durch Laserinterventionen etabliert und wird heute mit der FEMTO-LASIK als das am besten untersuchteste und sicherste Verfahren in der Medizin angesehen. Die Korrektur der Fehlsichtigkeit mittels LASIK nimmt dem Sportler die beschriebenen Probleme durch Tragekomfort und Handling. Der Athlet kann sich komplett auf den Sport konzentrieren und hat stabile, perfekt auskorrigierte Sichtverhältnisse in jeder Bewegung. Das Gesichtsfeld ist uneingeschränkt. Nach dem Eingriff werden für einen Zeitraum von 2– 6 Monaten übergangsweise befeuchtende Augentropfen empfohlen. Danach ist keine besondere Pflege notwendig und der Fokus kann uneingeschränkt auf dem Sport liegen. Bei einer sehr hohen Fehlsichtigkeit von über -12dpt Kurzsichtigkeit bzw. +6dpt Weitsichtigkeit besteht darüber hinaus die Möglichkeit einer Versorgung durch die minimalinvasive Implantation einer flexiblen Linse (ICL) zwischen Iris und körpereigener Linse. Hierbei bleibt ebenfalls die Akkommodationsfähigkeit (Naheinstellungsfähigkeit) der körpereigenen Linse erhalten. Damit besteht altersentsprechend weiterhin die Fähigkeit, die Umwelt schnell wechselnd vergrößert (Makropsie) oder verkleinert (Mikropsie) wahrzunehmen, um in Fern und Nahbereich präzise agieren zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einer aktuell noch hohen Rate an refraktiver Unterversorgung, sollten augenärztliche Screenings und regelmäßige Kontrollen eine größere Rolle spielen. Es gibt großes Potenzial an Optimierung, die letztendlich nicht nur für die sportliche Leistungsfähigkeit, sondern auch für den täglichen Lebensalltag eine Erleichterung mit sich bringen kann.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Literatur</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[1] Clin Exp Optom. 2019 Jan;102(1):51–56. doi: 10.1111/cxo.12812. Epub 2018 Jul 28</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[2] Aktuelle Kontaktologie Aktkontaktol April/Mai 2012 · 7. Jahrgang · 19. Heft Farbfilter und polarisierende Filter beim Schneesport</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[3] Spiegel, 28.September 2018</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[4] Saravanan M, Aravindan K. Comparison of visual reaction time in myopic subjects with emmetropic subjects. Natl J Physiol Pharm Pharmacol 2017;7(2):194–197</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[5] Cardall, Martin (2008). Contact lenses and sport. PHD thesis, Aston University &nbsp;</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Funktionelle Reagibilität</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/4638/funktionelle-reagibilitaet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. habil. Lothar Beyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jan 2021 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/19]]></category>
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					<description><![CDATA[Sportliche  Leistungen sind an das optimale Zusammenwirken aller Funktionsabläufe des Organismus gebunden. Eine große Rolle spielt dabei die schnelle Anpassung aller physiologischen Teilfunktionen nicht nur an geänderte äußere, sondern auch [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sportliche  Leistungen sind an das optimale Zusammenwirken aller Funktionsabläufe des Organismus gebunden. Eine große Rolle spielt dabei die schnelle Anpassung aller physiologischen Teilfunktionen nicht nur an geänderte äußere, sondern auch innere Bedingungen. Die Fähigkeit zur schnellen Anpassungsfähigkeit bezeichnen wir als „funktionelle Reagibilität“ [4]. Sie unterliegt verschiedenen, oft zyklisch ablaufenden Faktoren und sollte bei der Trainingssteuerung berücksichtigt werden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausgehend von dem in der Sportwissenschaft aufgestellten Schema der Grundfunktionen sportlicher Fähigkeiten [7] ist die Bedeutung der funktionellen Reagibilität (FR) auf das Verhältnis der einzelnen Grundfunktionen, zueinander und parallel verlaufender gleicher Funktionen, in den verschieden funktionellen Ebenen gerichtet. Vertikal aufeinander aufbauende Funktionsebenen sind von der Biochemie der Zelle über Zellverbände in Geweben, Organen bis hin zum Gesamtorganismus und der sozialen Gesellschaft. Horizontal parallel laufen gleiche Funktionen vielfach in Zellen, Geweben und Organen ab. Alle diese Funktionen sind Teilfunktionen zur Sicherung der sportlichen Bewegungsleistung und bestimmen und begrenzen sie. Die einzelnen physiologischen Funktionen laufen in Ruhe und in angepassten Trainingsrhythmen als gleichmäßiger Prozess ab, wir bezeichnen das als „staty state“, Gleichgewichtszustand. Kybernetisch betrachtet bedeutet dieses Gleichgewicht die Aufrechterhaltung einer Sollgröße in einem Regelkreis gegenüber einer oder mehrerer Störgrößen. Entscheidend für die Abrufung hoher sportlicher Leistungen ist neben der Sicherung eines „staty state“ die Reaktion und Anpassung einer, eigentlich vieler Funktionen gleichzeitig, nicht nur an Störgrößen von außen, wie sie durch die sportliche Belastung auftreten, sondern auch an körpereigene Situationen, wie sie durch den Biorhythmus, Motivation oder Ermüdung entstehen. Für hohe Leistungen wird nun entscheidend sein, wie schnell und wie genau die der Leistung zugrunde liegenden Prozesse sich an neue Bedingungen und Anforderungen anpassen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bewegungsresultat und Bewegungsplan</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bedeutung dieser schnellen Anpassung sei am Beispiel des Ruhemembranpotenziales (RMP) einer Nerven- oder Muskelzelle erläutert: Wie schnell ist das RMP nach Auslösung eines Aktionspotenziales wieder hergestellt? Dazu müssen Ionen aktiv durch die Zellmembran transportiert werden und Ionenkanäle geöffnet und geschlossen werden. Je schneller das RMP wieder seinen Sollwert erreicht, umso schneller kann erneut ein Aktionspotential ausgelöst werden. Dies ist für Beginn und Ablauf einer Muskelkontraktion von entscheidender Bedeutung, mit welcher Kraft und Schnelligkeit die Muskelkontraktion erfolgen kann. Der russische Physiologe N.E. Vvedenski [13] untersuchte Ende des 19. Jahrhunderts die Geschwindigkeit des Ablaufes elementarer Zyklen der Erregung von peripheren Nerven und des Muskels und prägte hierfür den Begriff der „funktionellen Labilität (funktionalnaja labilnost)“, die wir hier unter aktuellen Aspekten als „funktionelle Reagibilität“ (FR) bezeichnen. Funktionelle Reagibilität: die Geschwindigkeit des Ablaufes elementarer Zyklen der Erregung im Nerv und im Muskel, wobei der Begriff auf alle funktionellen Körperfunktionen übertragen werden kann. Daraus abgeleitet unsere Hypothese: das Bewegungssystem (BWS)&nbsp; und die darin ablaufenden Funktionen benötigen zur schnellen und adäquaten Antwort auf sich ändernde äußere und innere Bedingungen eine hohe funktionelle Reagibilität. [4]&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die FR eines jeden Teilsystems wird so zur Grundvoraussetzung der Absicherung der Leistung des Gesamtorganismus. Wenn wir nun nicht einzelne RMP sondern die Funktion eines ganzen Muskels betrachten, kann das bedeuten: Wird durch eine bestehende Abschwächung oder Ermüdung die Beteiligung eines Muskels im Ensemble der Agonisten an einer Bewegung eingeschränkt, so wird eine Willkürbewegung nicht wie geplant ausgeführt werden können, d. h. das Bewegungsresultat entspricht nicht dem Bewegungsplan. Die sportliche Leistung kann nicht mehr abgerufen werden, das Training wird ineffizient, der Wettkampferfolg bleibt aus. Sportärzte und Physiotherapeutin sprechen von muskulären Dysfunktionen, diese können Verletzungen begünstigen. Daher wird vorgeschlagen, den Begriff der FR auch für die Geschwindigkeit des Ablaufes kurzfristiger Anpassungs- und Umschaltprozesse der Kontrolle sportlicher Bewegungsleistungen zu verwenden, um bei eingehenderer Betrachtung und Analyse Ableitungen für eine effektive Trainingssteuerung einerseits als auch für die Beachtung insbesondere neurophysiologischer Parameter in der Trainingswissenschaft zu treffen. So kann man die Hypothese aufstellen:&nbsp; „Wenn eine „Teil“-funktion in der Leistung abnimmt, so müssen die anderen kooperierenden Funktionen die gemeinsame Leistung sichern, zu dieser Kompensation benötigen sie eine hohe FR, eine schnelle Anpassungsfähigkeit.“ [4] Sportler entwickeln in der Regel eine gute FR, andererseits können hohe Trainings- und Wettkampfbelastungen diese einschränken.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aktivierung und Leistung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der sportlichen Leistung spielt die zentralnervale Aktivierung eine Hauptrolle, wie dies im „Gesetz des umgekehrten „U“ formuliert wurde. Die beiden amerikanischen Psychologen Yerkes und Dodson [14] beschrieben einen gesetzmäßigen Zusammenhang zwischen der zentralnervalen Aktivierung und dem Verlauf der Effektivität des Verhaltens, der mit der Kurve eines umgekehrten „U“ dargestellt wird (Abb. 1). Der Gipfel der Kurve bedeutet, dass eine hohe Leistung nur bei einem erhöhten zentralnervalen Aktivierungsgrad abgerufen werden kann. Dieses optimale Niveau als Zustand der Zusammenarbeit verschiedener Systeme mit einer hohen FR bei Leistungsbeginn ist nicht sofort vorhanden. Der Sportler benötigt hierzu eine „Aufwärmung“. Im täglichen Leben soll oft ein koffeinhaltiges Getränk am Morgen den allgemeinen Aktivierungsgrad erhöhen. Die Abforderung von Belastungen, die über der, auch durch das allgemeine Aktivierungsniveau bestimmten, aktuellen Leistungsbereitschaft liegen, stellen eine zu hohe Beanspruchung für die belasteten Systeme dar. Hier liegen dann Ursachen für Fehl- und Überbelastungen, von denen allgemein angenommen wird, dass sie zu Dysfunktionen führen [5]. Das Gipfelniveau muss durch die Art der Trainingsgestaltung, möglichst über den gesamten Verlauf des Trainings, gehalten werden. Trainings- und Wettkampfbelastungen, welche die aktuellen koordinativen und konditionellen Fähigkeiten übersteigen, können entweder zu Ermüdung und Rückgang des Aktivierungsniveaus (linker Kurventeil) oder zu einer Übererregung (Stress, rechter Teil der Kurve) und in beiden Fällen zur Leistungsabnahme führen. Diese Dynamik gilt sowohl im kurzeitigen Rhythmus eines Tages als auch in längerfristigen Zyklen, insbesondere in der Wettkampfvorbereitung, wo zum Wettkampf das maximale Leistungsniveau vorhanden sein muss.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="481" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer1_saez0319-1024x481.jpg" alt="" class="wp-image-4641" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer1_saez0319-1024x481.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer1_saez0319-300x141.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer1_saez0319-768x361.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer1_saez0319-150x71.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer1_saez0319-450x212.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer1_saez0319-696x327.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer1_saez0319-1068x502.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer1_saez0319-894x420.jpg 894w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer1_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Abb. 1 Relation zwischen Erregungsniveau und Leistung (nach Yerkes und Dodson, 1908, [14]). A – Bereich geringer Aktivierung; durch gezielte Maßnahmen zur Erhöhung des Aktivierungsniveaus (z.B. Erwärmung) kann die Effektivität des Bewegungsresultates gesteigert werden; B – Bereich optimaler Effektivität der Ausführung von Bewegungsleistungen (Genauigkeit, Schnelligkeit, Kraft), dieser Zustand muss z.B. durch geeignete Belastungsgestaltung möglichst lange aufrecht erhalten werden; C – Überaktivierung z. B. durch Medikamente oder Stress, muss zu Bereich A zurückgeführt werden. Über- und Fehlbelastungen, die zu Dysfunktionen führen sind in den Bereichen A und C wahrscheinlicher als in B. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein funktionelles System als Modell</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aktivierung und Ermüdung sind nichts grundlegend Neues, aber dieses Geschehen wird bisher zu wenig für die einzelnen Funktionsabläufe analysiert und in der Trainingssteuerung eingesetzt. Wo sind die entscheidenden Schlüsselelemente, die es zu berücksichtigen gilt? Hierfür können wir ein „Funktionelles System“ als Modell benutzen, das alle wesentlichen Elemente der Absicherung einer sportlichen Leistung enthält. Ein funktionelles System ist ganzheitlich, es ist hedonistisch selbstorganisierend. Ein solches Modell wurde vom Neurophysiologen Anochin [1, 2] für das Verhalten entwickelt und beinhaltet die von den Rezeptoren kommende und zum Zentralnervensystem (ZNS) aufsteigende Information (Afferenz), auch diejenigen, die nicht direkt zur Großhirnrinde weitergeleitet werden, sondern als kollaterale Abzweigungen über die retikuläre Formation den allgemeinen Aktivitätszustand beeinflussen. Im ZNS spielen bei der Synthese aller afferenten Informationen die gespeicherte Erfahrung, mit der sie verglichen wird, sowie der momentane Motivationszustand eine Rolle. Das ZNS bildet dann eine der geforderten Bewegungsleistung entsprechende funktionelle Matrix, welche das Bewegungsprogramm (Efferenzsynthese) entwirft und in die entsprechende Nervenimpulse (Efferenz) zu den für die komplexe Bewegung erforderlichen Muskeln (Effektoren) umsetzt. Eine Kopie (Efferenzkopie) der aktuellen Bewegungsprogrammierung bleibt erhalten, als Referenz für die von der Bewegung ausgelöste Reafferenz. Beide werden miteinander verglichen (Aktionsakzeptor) und gegebenenfalls können Korrekturen eingeleitet werden.&nbsp; Unser Modell bildet einen zyklischen Regelkreis als funktionelles System ab (Abb. 2). Anhand unseres Modells können wir nach den entscheidenden Schlüsselfunktionen suchen, die es im Training&nbsp; zu kontrollieren gilt.&nbsp; Die afferente Information wird wesentlich vom Zustand der Rezeptoren beeinflusst, die z.T. eingebettet in Bindegewebe wiederum von dessen Zustand beeinflusst sind. Bei Dysfunktionen im Bewegungssystem und nicht das Bewegungssystem (BWS) Aktivierung sind nach den Untersuchungen von P. Hodges und Koll. [8,9,12] fast immer auch einzelne Sinnesleistungen betroffen. Dadurch kann z. B. das Geschwindigkeitssehen oder die differenzierende Wahrnehmung von Reizen (Reizschwelle erhöht) eingeschränkt sein. Visuelle Wahrnehmungen von Bewegungen des Gegners werden nicht mehr korrekt eingeschätzt [3,10].&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="796" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer2_saez0319-1024x796.jpg" alt="" class="wp-image-4640" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer2_saez0319-1024x796.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer2_saez0319-300x233.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer2_saez0319-768x597.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer2_saez0319-150x117.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer2_saez0319-450x350.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer2_saez0319-696x541.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer2_saez0319-1068x830.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer2_saez0319-540x420.jpg 540w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Beyer2_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Abb. 2 Das Funktionelle System des Verhaltens nach P.K. Anochin (1967 [1,2]) Zyklischer Regelkreis mit dem Bewegungsresultat als Zielgröße mit Afferenz und Reafferenz des erzielten Resultates zum ZNS; Strukturen des ZNS bilden die Bestandteile des funktionellen Systems: Entscheidungsfindung, Aufstellung des Bewegungsplanes mit Programmierung und Koordination der Bewegung (Efferenzsynthese) und Aktionsakzeptor zum Vergleich des erzielten Resultates mit dem Bewegungsprogramm.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt erste Ansätze, solche Testverfahren auch im Training einzusetzen, um diese Defizite frühzeitig aufzuzeigen. Veränderte Afferenzen können eine Ursache für Dysfunktionen in der Bewegungskontrolle sein. Der Willkürbewegung unterlegte Reflexe verändern sich und führen zu veränderter Muskelspannung. Damit entstehen veränderte Bedingungen in Effektoren, welche die Parameter von Kraft und Geschwindigkeit ungünstig beeinflussen. Der unbewusste Spannungszustand der Muskulatur kann von Physiotherapeuten durch eine manualmedizinische so genannte 10-Schritt-Diagnostik [6] leicht vor jedem Training kontrolliert werden. Messbar wäre eine Kontrolle der Schwelle der Muskelerregbarkeit [3] oder der Verlauf von stimulierten Einzelkontraktionen. Aus Beiträgen auch in dieser Zeitschrift ist ersichtlich, dass neurophysiologische Aspekte, leider oftmals nur dem Namen nach, in die&nbsp; Gestaltung von Trainingsmethoden Eingang gefunden haben. Auf dem internationalen Faszienkongress im vergangenen Jahr in Berlin wurde betont, dass zukünftig der Muskelphysiologie mindestens so viel Aufmerksamkeit wie in letzter Zeit den Faszien gewidmet werden sollte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die sportmedizinische Betreuung des Trainings und der Leistungsentwicklung benötigt einen ganzheitlichen Ansatz, der alle Teilfunktionen der sportlichen Leistung unter die Lupe nimmt. Dazu bietet sich das funktionelle System des Verhaltens als ein gutes Modell an, welches dann parallel auch in der Prävention von Sportverletzungen und in der Rehabilitation Anwendung finden kann.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Literatur</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[1] Anochin P.K. (1967) Das funktionelle System als Grundlage der physikalischen Architektur des Verhaltensaktes (Übersicht aus dem Russ.). Fischer, Jena </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[2] Anokhin P.K. (1964) Systemogenesis as a General Regulator of Brain Development. Progress in brain research 9:54-86; DOI: 10.1016/S0079-6123(08)63131–3</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[3] Beyer L (1974) Elektrophysiologische Untersuchungen am Nerv-Muskel-Apparat der Ratte und des Menschen. Promotion Universität Leipzig  </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[4] Beyer L., Niemier K. (2018) Funktionsstörungen am BWS – Beginn und Teil von “Funktionskrankheiten“ ? Teil 1  Die Funktionelle Reagibilität als Grundlage eines optimalen Bewegungsresultates- Manuelle Medizin 2018 H4</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[5] Engel K, Seidel W, Niemier K, Beyer L (2018) Myofasziale Dysfunktion in der S2k-Leitline Spezifischer Kreuzschmerz. Man Med 56:215.https://doi.org/10.1007/s00337-018-0412-7</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[6] Günther P. (2015) Detaillierte Darstellung der myofaszialen Spannungsprüfung. Manuelle Medizin_2015 · 53: 191. https://doi.org/10.1007/s00337-015-1254-1</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[7] Hirz P (1994) Motorische Handlungskompetenz als Funktion motorischer Fähigkeiten. In: Hirtz P, Kirchner G, Pöhlmann R (Hrsg) Sportmotorik Grundlagen, Anwendungen und Grenzgebiete. Universität Gesamhochschule, Kassel, S 127–147. ISBN978-3881227971</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[8] Hodges PW and  Smeets RJ (2015) Interaction Between Pain, Movement, and Physical Activity. Short-term Benefits, Long-term Consequences, and Targets for Treatment. The Clinical journal of pain. 2015, DOI: 10.1097/AJP.0000000000000098, PMID: 24709625</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[9] Hodges PW Changes in motor planning of feedforward postural responses of the trunk muscles in low back pain Exp Brain Res. 2001 Nov;141(2):261–6.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[10] Puta C  (2018) Chronic back pain  and sensory-motor control.  A conceptual ans computational framework for diagnostic and therapeutic approaches. Habilitationsschrift, Friedrich-Schiller-Universität, Jena</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[11] Smolenski, U, Buchmann J. und Beyer L. (2016)  Janda – Manuelle Muskelfunmktionsdiagnostik, Theorie und Praxis. 5. Komplett überarbeitete Auflage Elsevier München</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hierarchie der Regenerationsstrategien</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/4618/hierarchie-der-regenerationsstrategien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Ribbecke]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Jan 2021 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/19]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://sportaerztezeitung.com/?p=4618</guid>

					<description><![CDATA[Das Potenzial der Regeneration im Sport ist in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus gerückt. Bei den meisten Sportlern reiht sich im Kalender Wettkampf an Wettkampf. 60 Spiele [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Potenzial der Regeneration im Sport ist in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus gerückt. Bei den meisten Sportlern reiht sich im Kalender Wettkampf an Wettkampf. 60 Spiele pro Saison oder 90 Wettkampftage im Jahr sind keine Seltenheit mehr. In vielen Sportarten findet fast jedes Jahr eine Welt- oder Europameisterschaft statt. Diesem Rahmenkalender kann der Sportler kaum aus dem Wege gehen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im Berufsleben ist Überbeanspruchung keine Seltenheit mehr. Der Anteil der Arbeitnehmer, der Probleme hat, Familie und Beruf in Einklang zu bringen, wird permanent größer. Athleten und Berufstätige klagen über zu hohe Belastungen. Verletzungen, Infekte bis hin zu ernsten Krankheiten können die Folge sein. Sprechen wir im Sport von Übertraining oder Erschöpfung, haben sich im Alltag mittlerweile Begriffe wie Burnout oder Störung der Work-Life-­Balance etabliert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ziele der Regeneration</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Praxis werden verschiedene Regenerationsstrategien herangezogen, um die trainingsfreie Zeit maximal für die Erholung zu nutzen. Vorrangig werden dazu drei Ziele verfolgt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">1. Optimierte Anpassung an einen Trainingsreiz, um den maximalen Benefit eines Trainings zu generieren. Dies hat den Vorteil, in jeder Trainingseinheit eine maximale Qualität abrufen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2. Erhöhung der Leistungsfähigkeit durch Konstanz und Wiederholbarkeit eines qualitativ hochwertigen Trainings.</p>



<p class="wp-block-paragraph">3. Vermeidung von Übertraining, Verletzungen oder Burnout-Problemen durch ungünstige Reize im Training.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Belastung und Erholung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht alle Regenerationsstrategien haben jedoch einen positiven Einfluss auf die Erholung. Wie mit allen Interventionen ist auch bei ihrem Einsatz auf die richtige Dosierung zur richtigen Zeit zu achten. Die Wechselwirkung zwischen Belastung und Erholung ist zu jedem Zeitpunkt eines Trainingsprozesses gegeben. Belastungen können jedoch sehr unterschiedlicher Natur sein und unterliegen vielfältigen Einflüssen. Neben der Art der Übung, Intensität, Umfang oder Geschwindigkeit, können auch klimatische oder soziale Parameter Auswirkungen haben. Die durch Belastung erzeugte Beanspruchung führt im Optimalfall zu einer Anpassung und danach zu einer Leistungssteigerung. Dieser beschriebene Prozess hat schließlich auch Folgen für die Regeneration (siehe Schaubild):</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="435" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb1_saez0319tif-1024x435.jpg" alt="" class="wp-image-4622" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb1_saez0319tif-1024x435.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb1_saez0319tif-300x128.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb1_saez0319tif-768x326.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb1_saez0319tif-150x64.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb1_saez0319tif-450x191.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb1_saez0319tif-696x296.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb1_saez0319tif-1068x454.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb1_saez0319tif-988x420.jpg 988w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb1_saez0319tif.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Monitoring</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer wieder werden die Vor- und Nachteile der einzelnen Strategien von Spitzentrainern diskutiert. Doch die beste Strategie nützt nichts, wenn man nicht weiß, wann und in welcher Form sie anzuwenden ist. An diesem Punkt setzt das Monitoring ein. Das Monitoring ist von entscheidender Bedeutung, wenn es um die individuelle Reaktion auf ein Training, das Erfassen der Ermüdung, die Ermittlung der besten Regeneration und die Vermeidung folgender möglicher negativer Folgen, wie Verletzungen oder Infekte, eines Trainings geht. Aus vier Gründe werden im Leistungssport Monitoring betrieben:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Verletzungsrisiko</li><li>Krankheitsrisiko</li><li>Trainingsbelastung</li><li>Regeneration</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Grundsätzlich ist Monitoring nichts anderes als eine mehr oder weniger simple, durchlaufende und im Idealfall in den Trainingsbetrieb integrierte Leistungsdiagnostik. So sind Ergebnisse schnell und einfach zu erzielen, ohne den Sportler unnötig zu belasten. Die Praxis zeigt, dass wissenschaftliche Ideale wie 22° C, Luftfeuchtigkeit 40 %, Meereshöhe, Ernährungsprotokoll, feste Uhrzeit oder Standardgerät während der Messung im Monitoring oft nicht einzuhalten sind. Trotzdem ist es möglich, aussagekräftige Daten zu erheben. Dazu genügen schon einfache Tests wie ein Toe Touch zur Kontrolle des neuromuskulären Systems oder die Abfrage der Schlafqualität, um das hormonelle System zu monitoren. Diese sollten jedoch kontinuierlich durchgeführt werden, um individuelle Mittelwerte zu erhalten. Erst nach 10 bis 15 Messungen ist das der Fall.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hierarchie der Regenerationsstrategien</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz des Monitorings gibt es jedoch eine klare Struktur und Rangfolge bei den Strategien zur Erholung:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ernährung, Schlaf &amp; Atmung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den Strategien wird die Ernährung (inkl. Trinken) als wichtigste Maßnahme angesehen. Mit einer gesunden Ernährung kann der Spieler direkt Einfluss auf Regeneration, Muskelaufbau oder seine körpereigene Abwehr (Immunsystem) nehmen. Wasser ist bau-, schutz- und funktionserhaltender Nahrungsstoff in einem. Es ist Hauptbestandteil des Körpers (ca. 66 %) und ist am Erhalt der Nieren- und Wärmeregulation, an den Herz-Kreislauf- sowie Stoffwechsel-Funktionen entscheidend beteiligt. Somit ist es leicht nachzuvollziehen, warum die Überwachung des Flüssigkeitshaushalts im Sport gesundheits- und leistungsrelevant ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen sehr entscheidenden Faktor stellt auch der Schlaf dar. Es gilt als gesichert, dass ein guter, sicherer und ausreichender Nachtschlaf für die Wiederherstellung der physischen, psychomotorischen und mentalen Leistungsfähigkeit eine besondere Bedeutung hat. Ein perfekter Tag für einen Sportler wird maßgeblich von den Faktoren Schlaf und Ernährung beeinflusst. Besondere Trainingsinhalte können im Optimalfall ebenfalls zu speziellen Zeiten berücksichtigt werden (siehe Schaubild):</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="625" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb2_saez0319-1024x625.jpg" alt="" class="wp-image-4623" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb2_saez0319-1024x625.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb2_saez0319-300x183.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb2_saez0319-768x468.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb2_saez0319-150x92.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb2_saez0319-450x275.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb2_saez0319-696x425.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb2_saez0319-1068x651.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb2_saez0319-689x420.jpg 689w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb2_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Atmung kann ebenfalls als grundsätzliche Möglichkeit einer guten Erholung angesehen werden. Sie ist ein fundamentaler Vorgang des Lebens, der sich ca. 16 Mal pro Minute und damit fast 24.000 Mal am Tag wiederholt. Sie versorgt uns mit Lebensenergie durch Sauerstoff. Atemtechniken liefern zudem die Grundlage für viele Regenerationsstrategien, wie Meditation, autogenes Training oder Yoga. Von einer richtigen Atemtechnik profitiert nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Leistungsfähigkeit, weil die Atmung eine Hauptrolle in der Rumpfstabilisation, bei funktionellen Bewegungsabläufen oder bei der Vermeidung von muskulären Dysbalancen spielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle nachfolgenden aktiven wie passiven Regenerationsstrategien folgen keiner Reihenfolgen (siehe Schaubild). In ihren Fällen orientiert sich ihr Einsatz an Trainingsphasen und damit –inhalten, einem guten Monitoring oder an individuellen Verträglichkeiten. Oft werden verschiedene Methoden auch kombiniert, um auf metabolischer, mechanischer oder mentaler Ebene die unterschiedlichsten Systeme beeinflussen zu können. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie entscheidend der richtige Einsatz von Regenerationsstrategien ist, zeigt der Einsatz von Kälteapplikationen. Der Einsatz der Kälteapplikation als eine thermoregulative Maßnahme kann zu verschiedenen Zeitpunkten sinnvoll sein. Sie wird vor (Precooling), während (Simultancooling), zwischen (Intercooling) und nach sportlichen Belastungen (Postcooling) eingesetzt. Durch die optimierten körperlichen Temperaturbedingungen vor und während sportlicher Aktivität wird die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit erhöht. So stellen Kälte­applikationen, wie Kaltwasser (Eistonne), Eishandtücher, Kältewesten-, -bandagen oder -kammern im modernen Leistungssport mittlerweile eine gängige Regenerationsstrategie dar. In intensiven Trainings- und Wettkampfphasen macht der Einsatz von Kälteapplikationen Sinn. Da Kälte die Entzündungswerte senkt, hat es jedoch negativen Einfluss auf die Anpassung. Für eine Adaption in einem Trainingsprozess sind Entzündungswerte wichtig, daher ist es zu empfehlen, z. B. Eis nur in intensiven Trainings- oder Spielphasen anzuwenden. Dieser situative Einsatz trifft auf viele Regenerationsstrategien zu. Neben der Trainings- oder Wettkampfphase spielt besonders die individuelle Verträglichkeit und Art der Kühlung eine große Rolle, da man nicht alle Kälteapplikationen in einen Topf werfen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Buch „Leistungspotential Monitoring und Regeneration“ wird aufgezeigt, wie die einzelnen Strategien anzuwenden sind und welche positiven Effekte sie erzeugen. Neben der aktuellen Studienlage flossen auch unzählige praktische Erfahrungen von Trainern in die Beurteilungen und Empfehlungen der Maßnahmen ein. Die praxisnahen Anwendungsvorschläge haben das Ziel, eine Orientierung für den Einstieg in eine Regenerationsmaßnahme zu geben. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="559" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb3_saez0319-1024x559.jpg" alt="" class="wp-image-4624" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb3_saez0319-1024x559.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb3_saez0319-300x164.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb3_saez0319-768x419.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb3_saez0319-150x82.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb3_saez0319-450x246.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb3_saez0319-696x380.jpg 696w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb3_saez0319-1068x583.jpg 1068w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb3_saez0319-769x420.jpg 769w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/12/Ribbecke_Abb3_saez0319.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
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