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	<title>01/24 Archive - sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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	<item>
		<title>Ernährungszahnmedizin &#038; Prophylaxe</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/17225/ernaehrungszahnmedizin-prophylaxe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. dent. Matthias Roßberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Jul 2024 11:08:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[01/24]]></category>
		<category><![CDATA[Video-Education]]></category>
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					<description><![CDATA[Prophylaxe in der Sportzahnmedizin erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der über die Mundhöhle hinausgeht. Denn warum sind Munderkrankungen, trotz intensiver Zahnpflege, weiterhin mit die häufigsten Erkrankungen, während unsere Urvorfahren ohne aktive [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Prophylaxe in der Sportzahnmedizin erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der über die Mundhöhle hinausgeht. Denn warum sind Munderkrankungen, trotz intensiver Zahnpflege, weiterhin mit die häufigsten Erkrankungen, während unsere Urvorfahren ohne aktive Zahnpflege lebten? Diese Frage bildet den Ausgangspunkt, um das Ausreichen und die Effektivität traditioneller Methoden wie Zähneputzen zu hinterfragen und die Ursprünge von Mund- und Allgemeinerkrankungen zu erforschen.</b></p>
<p>Der Fokus liegt hier auf den Ursachen und den kaskadenartigen gesundheitlichen Folgen moderner, nicht artgerechter Ernährungs- und Lebensgewohnheiten. Es wird deutlich, dass Ernährung nicht nur maßgeblich für viele Krankheiten ist, sondern auch die langanhaltende Lebensqualität und Performance beeinflusst. Denn fast alle Menschen leiden unter Gingivitis (Zahnfleischentzündung), viele unter Karies und über die Hälfte unter Parodontitis (Zahnbetterkrankung).</p>
<p>Der Vortrag hebt die große Bedeutung dieser Mundkrankheiten im Kontext der Allgemeinmedizin, insbesondere für Leistungssportler, hervor. Gingivitis beeinflusst die Gefäßelastizität, erhöht das Risiko von Arteriosklerose und steigert Entzündungswerte. Parodontitis trägt zur Entstehung von Herz- und Kreislauferkrankungen bei, was für Leistungssportler ein erhebliches Risiko darstellt. Diese Entzündungen beeinflussen zudem Muskulatur, Gelenke und neuronale Leistungsfähigkeit im Sport. Die gezeigte generelle starke Verbreitung dieser Prozesse im Spitzensport resultiert aus fehlenden Prophylaxe-Konzepten und Screenings, weshalb das Befundschema der Deutschen Gesellschaft für Sport-Zahnmedizin vorgestellt wird.</p>
<p>Die Bedeutung der Prophylaxe erstreckt sich dementsprechend weit über die Mundhöhle hinaus und muss aus interdisziplinärer Sicht betrachtet werden. Während bereits in den Vorträgen von Dr. Kurt Mosetter („Ernährungsmana­gement in der modernen Sportmedizin“ und „Zucker – der heimliche Killer“) umfassend auf die Rolle einer „artgerechten Ernährung“ eingegangen wurde, liegt der Fokus dieses Vortrags auf den entscheidenden Einflüssen und Effekten, die sich für Spitzensportler durch ihre Nahrungsaufnahme ergeben.</p>
<p>https://www.youtube.com/watch?v=q-Qis1HUijEBesondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Thema der optimalen Verdauung und Verstoffwechslung, die in der Mundhöhle beginnt und signifikante Auswirkungen auf die sportliche Leistungs­fähigkeit und Gesundheit hat. In diesem Zusammenhang wird weiterführend auf den Vortrag von Dr. Henning Sartor mit dem Titel „Ernährung, Darm-Mikro­biom und sportliche Leistungsfähigkeit“ verwiesen, der umfassend über die allgemeinmedizinischen Konsequenzen und ihrer Prophylaxe informiert.</p>
<p>Die Analyse der Zusammensetzung und Funktion des Speichels, die oft unterschätzte Rolle des Kauens mit induzierter Thermogenese, die gesundheitlichen Effekte des intermittierenden Fastens und die Bedeutung des parodontalen Mikrobioms werden eingehend behandelt. Ein vertieftes Verständnis dieser Mechanismen ermöglicht die Optimierung der Ernährungsgewohnheiten von Spitzensportlern, um ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit entscheidend zu beeinflussen.</p>
<p>Als Prophylaxe ergänzende Maßnahmen und zur Performance-Steigerung wird abschließend auf die hochpotente, antioxidative und stark entzündungshemmende Wirkung einiger Phytopharmaka eingegangen, insbesondere Resveratrol und Curcuminoide. Diese wirken nachweisbar vielfältig und stark entzündungshemmend in der Mundhöhle. Für eine umfassendere Wirk­betrachtung der Curcuminoide wird auf den Vortrag von Prof. Dr. Mehdi Shakibaei verwiesen.</p>
<p><iframe title="Prophylaxe &amp; Therapie der modernen Sportzahnmedizin I Ernährungsweise &amp; Bedeutung von Phytopharmaka" width="755" height="425" src="https://www.youtube.com/embed/q-Qis1HUijE?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Osteochondrale Läsionen am Knie</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/15788/osteochondrale-laesionen-am-knie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Univ.-Prof. Dr. med. Thomas Tischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 Mar 2024 09:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[01/24]]></category>
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					<description><![CDATA[Zur Therapie von Knorpelschäden stehen verschiedene Therapieverfahren zur Verfügung, wobei die Mikrofrakturierung als eines der am häufigsten angewandten Verfahren vor allem bei größeren Defekten Limitierungen aufweist, zu intraläsionalen Osteophytenbildungen führen [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Zur Therapie von Knorpelschäden stehen verschiedene Therapieverfahren zur Verfügung, wobei die Mikrofrakturierung als eines der am häufigsten angewandten Verfahren vor allem bei größeren Defekten Limitierungen aufweist, zu intraläsionalen Osteophytenbildungen führen kann und eine im Vergleich zur Knorpelzelltransplantation geringere Regeneratqualität aufweist.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Zur Verbesserung der Mikrofrakturierung kann diese mit synthetischen Matrizes kombiniert werden, zusätzlich mit Zellen angereichert werden oder durch Applikation von Wachstumsfaktoren (z. B. PRP) die Heilung optimiert werden. Osteochondrale Defekte am Knie sind deutlich seltener und schwieriger zu therapieren als reine chondrale Defekte. Prinzipiell ist dabei der subchondrale Knochen mit Knochenersatzmaterial, idealerweise durch autologe Spongiosa (z. B. aus dem Beckenkamm), wieder herzustellen. Anschließend erfolgt die Therapie der Knorpelschicht, wobei hier für Defekte deutlich über 1 cm<sup>2 </sup>hauptsächlich die Knorpelzelltransplantation oder die -matrixassoziierte Knochenmarkstimulation angewendet werden können [1]. Letztere hat den Vorteil, dass das Verfahren einzeitig durchgeführt werden kann und eine arthroskopisch gestützte Durchführung möglich ist. Dadurch wird die Morbi­dität einer Arthrotomie vermieden. Die Membran erhöht dabei die Qualität des Regeneratgewebes im Vergleich zur alleinigen Knochenmarkstimulation [2, 3]. Die Applikation von Knochenmarkaspirat verbessert dabei das Ergebnis [2], allerdings sind dabei die regulatorischen Vorgaben in Deutschland zu beachten. Der folgende Fall beschreibt dabei die Therapie eines mittelgroßen osteochondralen Defektes mittels minimal invasiver Spongiosaplastik und Knochenmarkaspirat, Knochenmarkstimulation und Anwendung einer Hyaluronsäuremembran.</p>
<h2><b>Fallbericht</b></h2>
<p>29 Jahre alter, sportlich aktiver männlicher Patient stellte sich bei uns mit anterioren Knieschmerzen, rezidivierenden Blockierungen und Krepitationen vor. Nativ radiologisch zeigte sich bereits der Verdacht auf einen osteochondralen Defekt in der Trochlea, der im MRT bestätigt wurde und eine Größe von 2 x 1,5 cm aufwies (Abb. 1a). Der knöcherne Defekt betrug dabei im Zentrum der Läsion ca. 2 – 3 mm. Klinisch und radiologisch gerade Beinachse, bandstabil. Daraufhin wurde die Indikation zur operativen Therapie gestellt.</p>
<h2><b>OP Technik</b></h2>
<p>Zunächst erfolgt eine diagnostische Arthroskopie mit Entfernung der freien Gelenkkörper (Abb. 1b). Bei der Defektpräparation ist das Entfernen aller instabilen Knorpelanteile und das Herstellen stabiler Knorpelränder wichtig. Dabei sollten möglichst scharfe Instrumente wie z. B. Küretten oder scharfe Löffel verwendet werden oder speziell für die Knorpelpräparation entwickelte Instrumente (z. B. Chondrectom™). Der so entstandene gut definierte Defekt wird dann mit einer Markierungssonde vermessen. Anschließend erfolgt die Knochenmarkstimulation mit Eröffnung des subchondralen Knochens. Neuere Studien haben gezeigt, dass tiefere Perforationen mit insgesamt kleineren Durchmessern (z. B. NanoFX®) eine bessere Regeneratqualität des Knorpelgewebes aufweisen als die häufig verwendete Perforation mittels Mikrofrakturierungsahle [4]. Bei größeren osteochondralen Defekten mit sklerotischem Knochen erfolgt die Perforation mit etwas größeren K-Drähten (1,6 bis 1,8 mm), um sicher die Sklerose aufzubrechen und die knöcherne Regeneration zu fördern (bei intaktem subchondralem Knochen kleinere Perfora­tionen!) (Abb. 1c). Die gesamte Gelenkflüssigkeit wird entfernt (Abb. 1d). Anschließend wird die auf Hyaluronsäure basierende Matrix (Hyalofast®) auf die entsprechende Größe zugeschnitten (Abb. 1e) und die Matrix durch eine zuvor platzierte Kanüle eingeführt und mit der Sonde in den Defekt modelliert (Abb. 1f). Kleinere knöcherne Defekte bis 2(–3) mm Tiefe können dabei ohne separate Spongiosaanlagerung therapiert werden. Die minimalinvasive Gewinnung von Spongiosa und Knochenmarkaspirat erfolgt über eine kleine Stichinzision ca. 2 cm posterior der Spina iliaca anterior mittels spezieller Trokare (MarrowCelution™) (Abb. 2a – c). Hiermit lässt sich für kleinere osteochondrale Defekte genügend Spongiosa gewinnen, die dann in den Defekt eingebracht wird und mit Stößeln verdichtet wird. Zusätzlich kann das entnommene Knochenmarkaspirat appliziert werden.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<figure id="attachment_15790" aria-describedby="caption-attachment-15790" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-15790" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Tischer1_saez0124.jpg" alt="" width="1200" height="701" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Tischer1_saez0124.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Tischer1_saez0124-300x175.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Tischer1_saez0124-1024x598.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Tischer1_saez0124-768x449.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Tischer1_saez0124-150x88.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Tischer1_saez0124-450x263.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-15790" class="wp-caption-text">Abb. 1</figcaption></figure>
<p>Wenn der Defekt gut verschlossen ist, ist kein weiteres Fixierungsmaterial erforderlich. Andernfalls kann die Matrix zusätzlich mit Fibrin-Kleber fixiert werden. Vor dem Verschluss sollte das Gelenk bewegt werden, um eine sichere Fixierung der Matrix zu gewährleisten. Die Zugangsmorbidität ist dabei minimal (Abb. 2d). Zur Nachbehandlung empfehlen wir eine mindestens 24 – 48 h Streckstellung und dann weiter nach Standardschema für Knorpeltherapie mit 10 kg Tippbelastung für 6 Wochen sowie intensiver CPM Anwendung.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<figure id="attachment_15789" aria-describedby="caption-attachment-15789" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="size-full wp-image-15789" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Tischer2_saez0124.jpg" alt="" width="1200" height="705" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Tischer2_saez0124.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Tischer2_saez0124-300x176.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Tischer2_saez0124-1024x602.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Tischer2_saez0124-768x451.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Tischer2_saez0124-150x88.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Tischer2_saez0124-450x264.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-15789" class="wp-caption-text">Abb. 2</figcaption></figure>
<h2><b>Ergebnis</b></h2>
<p>Im hier vorliegenden Fall war nach drei Monaten eine schmerzfreie Alltagsbelastung gegeben, größere sportliche Tätigkeit wurden nach neun Monaten wieder erlaubt. Bisher ist der Patient schmerzfrei und aktiv geblieben. Insgesamt gibt es zunehmend Studien, die den Vorteil der matrixunterstützten Knochenmarkstimulation gegenüber der alleinigen Knochenmarkstimulation darstellen [2, 3].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Diskussion</b></h2>
<p>Die vorgestellte minimal invasive Entnahme von Beckenkammspongiosa sowie Beckenkammpunktat in Kom­bination mit einer arthroskopischen ma­trix­unterstützten Knochenmarkstimulation ist eine technisch einfache und kostengünstige Möglichkeit der Behandlung von osteochondralen Defekten mit nur minimaler Zugangsmorbidität und sollte daher bei der Behandlung betroffener Patienten in Betracht gezogen werden. Sie kann bei einer Vielzahl von Gelenken eingesetzt werden. Eine zusätzliche Kombination mit mesenchymalen Stammzellen aus dem Knochenmark könnte vielversprechend sein, unterliegt aber länderspezifischen Zulassungs­fragen. Die regulatorischen Vorgaben in Deutschland sehen vor, dass Knochenmarkaspirat bei knöchernen Defekten zur Regeneration des Knochens (homologous use) problemlos eingesetzt werden kann und bei rein chondralen Defekten (non homologous use) eine Genehmigung eingeholt werden muss. Mittlerweile liegen auch Langzeitergebnisse einer Fallstudie mit bis zu zehn Jahren Follow-Up vor, die zeigen, dass die Kombination aus Hyaluronsäurematrix und Knochenmarkaspirat langfristig gute Ergebnisse liefert [3].</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol>
<li>Empfehlungen der AG Klinische Geweberegeneration zur Behandlung von Knorpelschäden am Kniegelenk. Niemeyer P, Albrecht D, Aurich M, Becher C, Behrens P, Bichmann P, Bode G, Brucker P, Erggelet C, Ezechieli M, Faber S, Fickert S, Fritz J, Hoburg A, Kreuz P, Lützner J, Madry H, Marlovits S, Mehl J, Müller PE, Nehrer S, Niethammer T, Pietschmann M, Plaass C, Rössler P, Rhunau K, Schewe B, Spahn G, Steinwachs M, Tischer T, Volz M, Walther M, Zinser W, Zellner J, Angele P. Z Orthop Unfall. 2023 Feb;161(1):57-64. doi: 10.1055/a-1663-6807.</li>
<li>Long-term Clinical Outcomes of One-Stage Cartilage Repair in the Knee With Hyaluronic Acid-Based Scaffold Embedded With Mesenchymal Stem Cells Sourced From Bone Marrow Aspirate Concentrate. Gobbi A, Whyte GP. Am J Sports Med. 2019 Jun;47(7):1621-1628. doi: 10.1177/0363546519845362.</li>
<li>Matrix-induced chondrogenesis is a valid and safe cartilage repair option for small- to medium-sized cartilage defects of the knee: a systematic review. Karpinski K, Häner M, Bierke S, Petersen W. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2021 Dec;29(12):4213-4222. doi: 10.1007/s00167-021-06513-y.</li>
<li>Depth of subchondral Perforation Influences the Outcome of Bone Marrow Stimulation Cartilage Repair. Chen H, Hoemann CD, Sun J, Chevrier A, McKee MD, Shive MS, Hurtig M, MD Buschmann. J Orthop Res. 2011 Aug;29(8):1178-84. doi: 10.1002/jor.21386.</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Studie: Oral Enzyme Combination</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/15783/studie-oral-enzyme-combination/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Stiller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Mar 2024 09:00:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[01/24]]></category>
		<category><![CDATA[Wobenzym]]></category>
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					<description><![CDATA[Oral Enzyme Combination as Part of Successful Conservative Therapy Approaches in General Practice: A Case Series Stiller P, Integrative and Complementary Therapies, Vol. 29/5, 2023. https://www.liebertpub.com/doi/10.1089/ict.2023.29096.pst Eine individualisierte, konservative Kombinationstherapie kann bei [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Oral Enzyme Combination<span class="Apple-converted-space"> </span>as Part of Successful Conservative Therapy<span class="Apple-converted-space"> </span>Approaches in General Practice: A Case Series</h2>
<p>Stiller P, Integrative and Complementary Therapies, Vol. 29/5, 2023.<br />
https://www.liebertpub.com/doi/10.1089/ict.2023.29096.pst</p>
<p><b>Eine individualisierte, konservative Kombinationstherapie kann bei chronisch-entzündlichen und degenerativen Prozessen trotz eigentlicher OP-Indikation Erfolg versprechen – eine Fallberichtserie.</b></p>
<h2><b>Hintergrund</b></h2>
<p>Orthopädische Eingriffe bergen das ­Risiko von Komplikationen und ziehen eine oft schmerzhafte und intensive Erholungsphase nach sich. Konservative Behandlungen, die eine Operation vermeiden oder zumindest aufschieben können, sollten daher bevorzugt werden.</p>
<h2><b>Zielsetzung</b></h2>
<p>Vier Patienten mit unterschiedlichen Beschwerden bekamen eine individuell angepasste konservative Kombinationstherapie aus z. B. <a href="https://sportaerztezeitung.com/applications/electro-medical-systems-gmbh/">extrakorporaler Stoßwellentherapie</a>, Kernspinresonanz-Therapie, <a href="https://sportaerztezeitung.com/applications/electro-medical-systems-gmbh/">Laser</a>&#8211; und <a href="https://sportaerztezeitung.com/applications/elmako-gmbh-co-kg/">Cryotherapie</a>, Hya­luronsäure-Injektionen, einer optimalen Versorgung mit wichtigen Nährstoffen wie Vitaminen, Mineralien und Omega-3 Fettsäuren sowie eine spezifische orale Enzymkombination mit Bromelain, Trypsin und Rutosid. Es sollte dadurch ein operativer Eingriff umgangen und eine konservative Heilung induziert werden.</p>
<h2><b>Art des Artikels</b></h2>
<p>Fallberichtserie – vier Fälle mit Erkrankungen des Bewegungsapparats aus der klinischen Praxis</p>
<h2><b>Erkrankungen / Verletzungen</b></h2>
<p>Vier Patienten mit unterschiedlichen Beschwerden des Bewegungsapparates wurden mit typischen Indikationen für einen chirurgischen Eingriff in der Praxis vorgestellt. Ein ehemaliger Fußballspieler präsentierte sich nach Bänderrissen und Operationen am Knie mit massiven Schmerzen und Instabilität bei schwerer Gonarthrose. Ein weiterer Amateursportler litt an einer adhäsiven Kapsulitis mit stark limitierenden Schulterschmerzen und ein jüngerer aktiver Fußballspieler an einem akuten und kompletten Riss des Ligamentum talofibulare anterius. Zuletzt wurde eine junge Frau wegen einer persistierenden Pseudarthrose des Schlüsselbeins lange nach einer komplizierten Trümmerfraktur vorgestellt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Therapie</b></h2>
<p>Alle Patienten erhielten eine maßgeschneiderte konservative Kombinationstherapie und eine optimierte Supplementierung von Nährstoffen, Anthocyanen und / oder anderen Biostoffen. Um die Genesung bei diesen entzündlichen Prozessen weiter zu unterstützen, wurde allen Patienten die Einnahme einer oralen Enzymkombination aus Bromelain, Trypsin und dem Flavonoid Rutosid verschrieben.</p>
<h2><b>Ergebnisse</b></h2>
<p>Die hier vorgestellten Verletzungen des Bewegungsapparats haben alle einen hohen Einfluss auf die Lebensqualität und in einigen Fällen auch auf die Arbeitsfähigkeit. Bei allen Fällen wurde ohne operativen Eingriff eine deutliche Schmerzlinderung, ein Rückgang der Entzündung, rasche Rückkehr an den Arbeitsplatz und Wiederaufnahme der körperlichen Aktivität alleine durch diesen kombinierten, individualisierten, konservativen Ansatz erzielt und Regeneration angestoßen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Schlussfolgerung</b></h2>
<p>Die Ergebnisse dieser Fallberichtserie machen Hoffnung, dass individualisierte, moderne, kombinierte regenerative Therapien in Zukunft durch Anstoßen antientzündlicher und regenerativer Prozesse noch viele Operationen vermeiden können.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sensomotorisches Training</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/15739/sensomotorisches-training/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Goebel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Mar 2024 09:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[01/24]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=15739</guid>

					<description><![CDATA[Sensomotorik setzt sich zusammen aus den Begriffen „Sensorik“ und „Motorik“. Die Sensorik beschreibt die Aufnahme von Informationen und Weiterleitung, so genannte Afferenzen. Diese Afferenzen bestehen neben visuellen, auditiven und vestibulären [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Sensomotorik setzt sich zusammen aus den Begriffen „Sensorik“ und „Motorik“. Die Sensorik beschreibt die Aufnahme von Informationen und Weiterleitung, so genannte Afferenzen. Diese Afferenzen bestehen neben visuellen, auditiven und vestibulären Anteilen aus dem somatosensorischen System. Wichtige Propriozeptoren des sensomotorischen Systems sind Rezeptoren aus den Kopfgelenken / HWS und dem Fußbereich.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Hier wären z. B. zu nennen: Golgi Sehnen Organe, Ruffini und Pacini Körperchen, Meissner Tastzellen sowie Merkel-­Zellen. Die Motorik hingegen besteht aus dem Ansteuern und der folgenden Anspannung / Entspannung von Musku­latur über efferente Nervenbahnen (Abb. 1). Nach Laube et al. (2009) ist das sensomotorische System ein komplexes, kreisförmiges System, in dem jede Ausführung oder Steuerung einer Bewegung zugleich der Ursprung einer neuen Bewegung ist. Hierbei wird ständig Feedback zur ausgeführten Bewegung ans neuronale Netzwerk gesendet. Unter normalen Bedingungen schätzt das zentrale Nervensystem die sensomotorischen Informationen höher ein als die visuellen oder vestibulären. Sowohl Faserdurchmesser als auch die Leitungsgeschwindigkeit nehmen mit zunehmendem Alter und Nichtbeanspruchung ab und erschweren somit die Wahrnehmung der Umwelt, welches die Wichtigkeit des Trainings dieses Systems hervorhebt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<figure id="attachment_15748" aria-describedby="caption-attachment-15748" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="size-full wp-image-15748" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel1_saez0124.jpg" alt="" width="1200" height="1165" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel1_saez0124.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel1_saez0124-300x291.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel1_saez0124-1024x994.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel1_saez0124-768x746.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel1_saez0124-150x146.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel1_saez0124-450x437.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-15748" class="wp-caption-text">Abb. 1 Laube, W.: Sensomotorisches System (Quelle: Thieme Verlag) Anatomische Strukturen des sensomotorischen Systems und ihre Verknüpfungen. Die Sensoren (Auge, Innenohr, HWS, Propriozeptoren, Haut, Muskeln, Mechanorezeptoren), die aufsteigenden Leitungsbahnen, neuronale Verschaltung und absteigende, afferente Bahnsysteme zu den Effektoren, muskuläre Strukturen.</figcaption></figure>
<h2><b>Posturale Kontrolle und posturale Orientierung</b></h2>
<p>Bezeichnet die Fähigkeit, das Gleichgewicht unter Einfluss der Schwerkraft zu halten, indem der Körperschwerpunkt über der Unterstützungsfläche gehalten wird oder wieder über diese gebracht wird. Bei jeder Bewegung, ob statisch oder dynamisch sollte der Mensch in der Lage sein, mit Hilfe der posturalen Kontrolle, seine Körper­­­po­sition gegen die Schwerkraft zu kon­trollieren. Hierfür sind im Stand vor allem die Kniegelenks-, Hüftgelenks- und Rumpfextensoren entscheidend. Von großer Bedeutung für die posturale Orientierung sind Mechanorezeptoren der Fußsohle (Abb. 2). Hier ist nach den Fingerspitzen die höchste Dichte an Rezeptoren der Oberflächensensibilität anzutreffen. Aus diesem Grund stimulieren wir in unserer Praxis häufig die Fußsohle zusätzlich neben sportlichem Training mit sensomotorisch aktivierenden Einlagen. Ein sensomotorisches Training ist ein koordinatives Training zur Verbesserung von Bewegungs­abläufen. Koordination wird also die Fähigkeit bezeichnet, vorhersehbare und unvorhersehbare Situationen motorisch sicher und ökonomisch zu beherrschen. Sie ist die Basis aller Leistungen des sensomotorischen Systems. Zuletzt spielt die sogenannte „Kognition“ noch eine Rolle im Verständnis von komplexen Bewegungsabläufen. Hierzu zählen Aufmerksamkeit, Motivation, Emotion, Planung und Strategie. Beispiele wären „Dual Task“ Aufgaben oder typisch neuroathletische Trainingsformen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<figure id="attachment_15747" aria-describedby="caption-attachment-15747" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15747" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel2_saez0124.jpg" alt="" width="1200" height="783" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel2_saez0124.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel2_saez0124-300x196.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel2_saez0124-1024x668.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel2_saez0124-768x501.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel2_saez0124-150x98.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel2_saez0124-450x294.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-15747" class="wp-caption-text">Abb. 2 Propriozeptoren und Mechanorezeptoren (Quelle: Gesellschaft für Haltungs- und Bewegungsforschung GHBF)</figcaption></figure>
<p>Koordination beeinflusst alle anderen motorischen Fähigkeiten positiv. Sie ist eine der entscheidenden Säulen neben Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Mobilität. Dadurch kann die Leistungs­fähigkeit eines jeden Menschen verbessert werden. Dies bedeutet für jeden einzelnen eine erhöhte Reaktionsfähigkeit und Prävention von Verletzungen oder Stürzen im Alltag.</p>
<h2><b>Arbeiten mit einem<span class="Apple-converted-space">  </span>Trainingsgerät</b></h2>
<p>Schon lange sind koordinative Trainingsformen mit Hilfsmitteln bekannt. Ein neuartiges Trainingsgerät erweitert die Produktpalette. Als Schwerpunktpraxis für Sensomotorik und neuromuskuläre Therapie setzen wir den Sensopro bereits seit zwei Jahren ein. Das Training erfreut sich großer Beliebtheit bei Sportlern und Patienten. Besonders hervorzuheben ist die Effizienz des innovativen Trainings. Das Trainingsgerät besteht aus einem rechteckigen Gestell und beinhaltet eine fixierbare Wippe (Swingboard) mit freischwingenden Standflächen (sogenannten Tapes). 8 x 3 Gummizüge in unterschiedlichen Stärken, 2 Handläufen, ein Sicherungssystem mit Rumpfgurt. Dimensionen: L x B x H 2,50 m x 1,40 m  x 2,35 m, Gewicht 280 kg. Die Übungen werden durch eine professionelle Trainingsanleitung per Videosystem (Monitor, Computer, Eingabeeinheit) demonstriert. Unterschiedliche Schwierig­keits­grade von Health, Reha, Früh- und Spätrehabilitation bis hin zu „Professional – Performance Übungen“ sind frei wählbar. Dabei sind die Übungen sportartspezifisch gegliedert. Die Trainierenden führen die Übungen stehend auf den Tapes durch, dabei trainiert der Sportler vollständig autonom. Für den Trainer dient das Video – Kit als Ideensammlung und Trainingsunterstützung. Eine Trainingseinheit dauert zwischen 10 und 30 Minuten. Ein großer Vorteil: das Training auf den Tapes reduziert das Körpergewicht um ca. 40 %.</p>
<figure id="attachment_15749" aria-describedby="caption-attachment-15749" style="width: 1629px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15749 size-full" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel_Abb3_saez0124.jpg" alt="" width="1629" height="854" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel_Abb3_saez0124.jpg 1629w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel_Abb3_saez0124-300x157.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel_Abb3_saez0124-1024x537.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel_Abb3_saez0124-768x403.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel_Abb3_saez0124-1536x805.jpg 1536w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel_Abb3_saez0124-150x79.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel_Abb3_saez0124-450x236.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel_Abb3_saez0124-1200x629.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1629px) 100vw, 1629px" /><figcaption id="caption-attachment-15749" class="wp-caption-text">Sensomotorik und Koordination Grafik: © Andreas Goebel</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_15746" aria-describedby="caption-attachment-15746" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15746" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel4_saez0124.jpg" alt="" width="1200" height="840" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel4_saez0124.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel4_saez0124-300x210.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel4_saez0124-1024x717.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel4_saez0124-768x538.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel4_saez0124-150x105.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel4_saez0124-450x315.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-15746" class="wp-caption-text">Säulenmodell eines ganzheitlichen Trainings Grafik: © Andreas Goebel</figcaption></figure>
<h2><b>Anwendungsgebiete und Indikationen</b></h2>
<p>Dieses Training kann bei orthopädischen Erkrankungen aller Art eingesetzt werden und ist hervorragend geeignet für die Therapie von Schmerzsyndromen und Verletzungen der Wirbelsäule oder der Extremitäten. Nichtoperativ und operativ versorgte Patienten profitieren gleichermaßen vom gelenkschonenden Training. Bei verletzungsbedingten Sport- und Trainingspausen reduziert sich die Koordinationsfähigkeit des Sportlers rasch. Um im Laufe der Rehabilitation schnell wieder auf das alte Leistungsniveau zu gelangen, ist das effektive Koordinationstraining im Sinne des RTS – Konzepts (return to sports) ein wichtiger Baustein. Sensoprotraining wird deshalb weltweit schon von vielen Spitzensportlern genutzt, da das Training funktionell, mit Progression und auch unter Belastung durchgeführt werden kann. Als Teil des Neuroathletiktrainings verbessert es im präventiven Bereich die Ansteuerungsfähigkeit der Muskulatur sowie die Reaktionsfähigkeit, was zum schnelleren Erreichen sportlicher Ziele führt und nachweislich vor Verletzungen schützt. In unserer Praxis profitieren insbesondere neurologische Patienten von diesem Training. Krankheitsbilder wie Multiple Sklerose, Parkinson und Z. n. Apoplex erzielen sehr gute Therapi­erfolge. Außerdem setzen wir das Training häufig zum Sturzprophylaxetraining des älter werdenden Menschen ein, um eine verbesserte Kompensa­tionsfähigkeit von degenerativen Prozessen zu erreichen.</p>
<figure id="attachment_15742" aria-describedby="caption-attachment-15742" style="width: 1259px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15742 size-full" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel8_saez0124.jpg" alt="" width="1259" height="1221" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel8_saez0124.jpg 1259w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel8_saez0124-300x291.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel8_saez0124-1024x993.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel8_saez0124-768x745.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel8_saez0124-150x145.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel8_saez0124-450x436.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel8_saez0124-1200x1164.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1259px) 100vw, 1259px" /><figcaption id="caption-attachment-15742" class="wp-caption-text">RTS Foto: © Andreas Goebel</figcaption></figure>
<h2><b>Fallbeispiel postoperative Rehabilitation/ Sportler</b></h2>
<p>26-jähriger Leichtathlet; Disziplinen 100, 200, 400 m (100 m: 10,49 Sekunden)</p>
<p><strong>Diagnose</strong> isolierter Knorpelschaden mediale Femurkondyle (10 mm), Innen­meniskushorizontalruptur mit Gang­lion, Operative Versorgung mittels Arthroskopie, Debridement und Nano-<br />
fraktur, Meniskusteilresektion und Ganglionextirpation mit Nahtverschluss</p>
<p><strong>Therapie bisher<br />
</strong>Woche 1 – 3: postoperative Schmerz- und Entzündungstherapie, Teilbelastung 10 % Körpergewicht, Extension/ Flexion 0-0-90°</p>
<p>Woche 4 – 6: ACP (autolog konditioniertes Plasma) / Hyaluronsäuretherapie, Belastungssteigerung</p>
<p>Woche 5 – 12: sensomotorisches Koor­di­nationstraining auf dem Sensopro,<br />
2 x wöchentlich ergänzend zur physiotherapeutischen Behandlung</p>

<a href='https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/15739/sensomotorisches-training/attachment/goebel5_saez0124/'><img loading="lazy" decoding="async" width="150" height="150" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel5_saez0124-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail size-thumbnail" alt="" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel5_saez0124-150x150.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel5_saez0124-70x70.jpg 70w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></a>
<a href='https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/15739/sensomotorisches-training/attachment/goebel6_saez0124/'><img loading="lazy" decoding="async" width="150" height="150" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel6_saez0124-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail size-thumbnail" alt="" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel6_saez0124-150x150.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel6_saez0124-70x70.jpg 70w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></a>
<a href='https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/15739/sensomotorisches-training/attachment/goebel7_saez0124-2/'><img loading="lazy" decoding="async" width="150" height="150" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel7_saez0124-1-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail size-thumbnail" alt="" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel7_saez0124-1-150x150.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Goebel7_saez0124-1-70x70.jpg 70w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></a>

<h2><b>Zusammenfassung und Fazit</b></h2>
<p>Koordinationstraining ist in der Therapie, Rehabilitation und Prävention sowie in der Leistungsverbesserung von Sportlern und Spitzensportlern nicht mehr wegzudenken. Mit dem Sensoprotraining kann der verletzte Sportler schneller sein altes Leistungsniveau erreichen. Ähnlich der Benutzung von Antischwerkraft-Laufbändern oder Training im Wasser lässt sich auf dem Trainingsgerät bereits unter Teilbelastung einer betroffenen Extremität das progressive Training ausführen. Aber auch weniger ambitionierte Patienten profitieren von diesem effektiven sensomotorischen Training, um kompensations- und alltagsfähig zu bleiben, Schmerzen zu reduzieren und Leistungen zu verbessern. Besonders hervorzuheben ist der Spaßfaktor bei der Durchführung des Trainings, welcher sich äußerst positiv neben der Effizienz auf die Motivation auswirkt. Abzuwarten bleiben weitere Entwicklungen, wie z. B. die Kombination mit VR (virtual reality) Brillen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Longevity &#038; Orthopädie</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/15729/longevity-orthopaedie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Philip Schoettle&nbsp;,&nbsp;Philip Traut]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Mar 2024 09:00:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[01/24]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=15729</guid>

					<description><![CDATA[Die Orthopädie und Longevity Medizin verbinden viele Gemeinsamkeiten. Im Vordergrund beider Fachbereiche steht die ganzheitliche Patientenversorgung mit Berücksichtigung allgemeiner, aber auch spezifischer Gesundheitsaspekte, mit dem Ziel einer gesteigerten Lebensqualität im [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die Orthopädie und Longevity Medizin verbinden viele Gemeinsamkeiten. Im Vordergrund beider Fachbereiche steht die ganzheitliche Patientenversorgung mit Berücksichtigung allgemeiner, aber auch spezifischer Gesundheitsaspekte, mit dem Ziel einer gesteigerten Lebensqualität im Alter, dem Erhalt der muskuloskelet­talen Gesundheit und dem Schutz vor degenerativ-entzündlichen Erkrankungen.</b></p>
<p>Eine integrierte Herangehensweise, bei der orthopädische Interventionen mit präventiven und therapeutischen Maßnahmen der Longevity Medizin kombiniert werden, soll dazu beitragen, die Bedürfnisse älterer Patienten effektiv zu adressieren. Hier ist vor allem an die Prävention von Erkrankungen, wie der durch gestörten Knochenstoffwechsel bedingten Osteoporose oder auch an chronisch-entzündliche degenerative Erkrankungen, wie der Arthritis zu denken, bei denen sich orthopädische Interventionen und Maßnahmen der Longevity Medizin zum Erhalt der Agilität und Funktionalität bedeutsam ergänzen können. In der Gelenkersatzchirurgie – eine Domäne der Orthopädie – greift die Longevity Medizin bereits prä- aber auch postoperativ, nicht nur um Heilung zu fördern, sondern auch zu beschleunigen. Um den ganzheit­lichen Aspekt beider Fachbereiche zu komplettieren, inte­grieren sowohl die Orthopädie als auch die Longevity Medizin den Patienten in die therapeutischen Maßnahmen mit ein und fördern individuell gesunde Lebensgewohnheiten.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Was aber ist Altern und was ist Longevity Medizin?</b></h2>
<p>Das Altern wird von Wissenschaftlern durch die „Hallmarks of Aging“ beschrieben, einem Konzept, das die grundlegenden biologischen Prozesse der Alterung von Zellen und Organismen erklärt. Auf genetischer Ebene stehen vor allem genomische Instabi­lität und<span class="Apple-converted-space">  </span>Telomere – schützende „Kappen“ an Chromosomen, die sich mit jeder Zellteilung verkürzen – im Vorder­grund. Genetische, wie auch epigenetische Veränderungen können zu Störungen in der Regulation der Gen­aktivität und damit der Zellfunktion führen. In der Folge kommt es zu zellulären Störungen, wie z. B. dem Verlust der Proteo­stase mit Ansammlung fehlgefalteter Proteine, welche zentrale Stoffwechselprozesse hemmen und mitochondriale Dysfunktionen begünstigen. Im Mittelpunkt steht dabei die Störung der zellulären Energiegewinnung mit direktem Einfluss auf die Zellhomöostase. Zellu­lärer, vor allem oxidativer Stress begünstigen chronische subklinische Entzündungen, die im Verlauf zur Seneszenz führen können. Seneszenz wird oft als eine Art zellulärer Stillstand oder „Alterung“ verstanden, welcher durch einen Verlust zur Zellteilung gekennzeichnet ist. Final führen dies dann zur Stammzellerschöpfung und Inflammaging. Stammzellen haben die einzigartige Fähigkeit, sich nach Teilung in verschiedene Zelltypen zu differenzieren, was eine entscheidende Rolle bei der Reparatur, Aufrechterhaltung und Regeneration von Geweben spielt. Im Laufe der Zeit oder unter bestimmten Bedingungen kann jedoch der Bestand funktionsfähiger Stammzellen abnehmen. Inflammaging setzt sich aus den Wörtern Inflammation und Aging zusammen und beschreibt das Phänomen, dass chronische, niedriggradige Entzündungen im Körper mit dem Alter zunehmen. Inflammaging reflektiert eine Verbindung zwischen dem Alterungsprozess und einer erhöhten Entzündungsaktivität mit Ressourcenverlust im Organismus.</p>
<p>Longevity [7] bezieht sich auf die allgemeine Lebensdauer und das Streben nach Erhalt und Verlängerung eines gesunden, aktiven Lebens. Es umfasst Ansätze aus Medizin, Wissenschaft und Lebensstil, die darauf abzielen, Altern zu verstehen und positive Einflüsse auf die Lebensspanne und -qualität zu nehmen. Die Rolle der Genetik und Epigenetik in der Longevity ist komplex und wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Durch die gemeinsame Verflechtung beider und Umwelteinflüsse, ist eine prozentuale Unterteilung schwierig. Hierunter verstehen wir die genetische Veranlagung mit Detektion bestimmter Gene, die mit Langlebigkeit in Verbindung gebracht werden. Beispielsweise weisen Menschen mit Verwandten in hohem Alter gehäuft Prädispositionen für ein längeres Leben auf. Allgemeine Erkenntnisse zeigen jedoch, dass die Genetik in der Longevity nur ca. 20 % ausmacht. Die anderen 80 % verteilen sich auf die Epigenetik, Umweltfaktoren und Lebensstil und die Interaktion dieser miteinander. Die Epigenetik bezieht sich auf Veränderungen in der Genaktivität, die nicht auf Veränderungen der DNA-Sequenz selbst zurückzuführen sind. Diese können direkt durch Umweltfaktoren wie Toxine beeinflusst werden. Ernährung, Lebensstil und Stress im Alltag haben ebenfalls modifizierende Einflüsse, was unterstreicht, dass die Integration des Patienten in die Behandlung unerlässlich ist und ein gesunder Lebensstil und positive Umweltfaktoren, unabhängig von genetischer Veranlagung, maßgeblich für eine gute Longevity sind und einen erheblichen Beitrag<span class="Apple-converted-space">  </span>in der Longevity leisten. Daher spielt der Erhalt und die Förderung unserer Langlebigkeitsgene eine nicht zu vernachlässigende Rolle in der Longevity Medizin, auch oder gerade wenn sie durch die nicht genetischen Einflüsse besonders „gefordert“ sind.</p>
<p>Wir wollen hier im Besonderen auf die folgenden vier wichtigsten so genannten „Longevity Gene“ eingehen: mTOR, AMPK, Sirtuine und NAD+ (kein Longe­vity Gen, aber als Co-Enzym 1 entscheidend in der Longevity). Diese Moleküle und Mechanismen sind Teil eines komplexen Netzwerkes, welches das Gleichgewicht zwischen Wachstum und Erneuerung einerseits und Reparatur und Schutz vor Zellschäden andererseits beeinflusst.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>mTOR (mechanistic Target of Rapamycin)<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Ein Protein mit Schlüsselrolle in der Regulation von Zellwachstum, Stoffwechsel und Lebensdauer. Es ist Teil von zwei Protein-Komplexen: mTOR-Komplex 1 (mTORC1) und mTOR-Komplex 2 (mTORC2). mTOR spielt eine komplexe Rolle in der Longevity und Orthopädie. Es beeinflusst den Stoffwechsel von Chondrozyten und des Gelenk­gewebes. Eine übermäßige Aktivierung wird mit beschleunigter Alterung und altersbedingten degenerativen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Die Hemmung von mTOR wurde dagegen in verschiedenen Studien mit einer Verlängerung der Lebensdauer und reduzierter Apoptose assoziiert und könnte bei gezielter Modulation in Zukunft maßgeblichen Einfluss auf degenerative Gelenkerkrankungen wie der Osteoarthritis in der Orthopädie haben.</p>
<h2><b>AMPK [1]</b></h2>
<p>Die AMP-aktivierte Proteinkinase ist ein Enzym, das auf ATP-Mangel in der Zelle reagiert. Sie wird bei niedrigen intrazellulären ATP-Spiegeln, aber auch unter Hypoxie aktiviert und nimmt Einfluss auf Gewebe und den Energiestoffwechsel. Dabei hemmt sie Schlüsselenzyme der Cholesterin- und Fettsäurebiosynthese, die Glykogensynthese und fördert die Glykolyse. Durch den Einbau von GluT4-Transportern in die Zellmembran, gewährleistet sie außerdem eine insulinunabhängige Energieversorgung des Muskels. Der Einfluss auf den Zucker- und Fettstoffwechsel hat positive Folgen auf entzündliche Prozesse und das Gewichtsmanagement. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass AMPK eine Rolle in der Knochen­homöostase spielt und therapeutischen Einfluss auf Erkrankungen wie Osteoporose nehmen könnte.</p>
<h2><b>Sirtuine [2]<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Diese sind als eigene Enzymgruppe NAD+ abhängige Deacetylasen, deren Aktivität direkt von der Verfügbarkeit des Coenzyms NAD+ abhängt. Sie nehmen sowohl auf genetischer als auch zellulärer Ebene vielfältigen Einfluss auf den Stoffwechsel. Zu ihren Aufgaben zählt u. a. Hemmung von Entzündung und der Schutz der Telomere, aber auch der Zellen vor oxidativem Stress. Oxidativer Stress fördert chronische Entzündungsaktivität und führt zu altersbedingten Veränderungen im Gelenk- und Knochengewebe. Der bereits bekannte Einfluss auf Alterungsprozesse im Organismus ist dagegen Bestandteil aktueller Forschung.</p>
<h2><b>NAD+<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid ist der zentrale Spieler bei allen essenziellen Zell-Prozessen wie der Energie­gewinnung. Es handelt sich um ein ­Coenzym (Conenzym 1), das durch Reduktion bzw. Oxidation in der Lage ist, Wasserstoffionen aufzunehmen bzw. abzugeben. Von Bedeutung ist diese Fähigkeit in Teilschritten der Glykolyse, dem mitochondrialen Citratzyklus und der Atmungskette, an deren Ende der Gewinn von ATP als universeller Energieeinheit auch für den muskuloskelettalen Bewegungsapparat steht. Wie bereits erwähnt dient NAD+ als Substrat für Sirtuine und ist damit indirekt an deren Funktion beteiligt. Durch die Akti­vierung von Enzymen, wie der PARP (Poly-­ADP-Ribose-Polymerase), trägt NAD+ zudem zur DNA-Reparatur bei [3]. Die Wirkung von NAD+ (Nicotinamidadenindinukleotid) in der Orthopädie wird derzeit intensiv untersucht [4].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>NAD+ spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel der Zellen und hat Auswirkungen auf verschiedene Aspekte der Gesundheit und des Alterns.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Hier sind einige potenzielle Auswirkungen von NAD+ in der Orthopädie aufgelistet:</p>
<ul>
<li>Entzündungshemmende Wirkung: NAD+ kann dazu beitragen, Entzündungen zu reduzieren, die bei vielen orthopädischen Erkrankungen wie Arthritis und Gelenkschmerzen eine Rolle spielen. Es könnte als entzündungshemmendes Molekül dienen und so Symptome lindern.</li>
<li>Stärkung von Knorpel und Knochen: Einige Studien deuten darauf hin, dass NAD+ die Produktion von Kollagen und Proteoglykanen fördern könnte, die für die Gesundheit von Knorpel und Knochen wichtig sind. Dies könnte dazu beitragen, den Verschleiß von Gelenken zu verlangsamen.</li>
<li>Energieversorgung für Zellen: NAD+ ist entscheidend für den Energiestoffwechsel der Zellen. Eine ausreichende Versorgung mit NAD+ könnte dazu beitragen, die Energieproduktion in Zellen aufrechtzuerhalten, was für die Reparatur von Gewebeschäden und die allgemeine Gesundheit der Muskulatur und des Skelettsystems von Bedeutung ist.</li>
<li>Schutz vor oxidativem Stress: NAD+ kann dazu beitragen, Zellen vor oxidativem Stress zu schützen, der bei degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparats eine Rolle spielen kann.</li>
</ul>
<p>Es gibt zwar vielversprechende Hinweise aus tierexperimentellen und zellulären Studien, die die Wirksamkeit von NAD+ in der Orthopädie darstellen – humane Studien hingegen fehlen aktuell noch. Menschen, vor allem Patienten mit chronisch-entzündlichen und degenerativen Erkrankungen des Band- und Halteapparates, sollten mit qualifizierten Orthopäden und Medizinern zusammenarbeiten, um individuell geeignete Behandlungspläne zu entwickeln. Praxen mit Fokus auf diese erweiterten Spektren sind zudem angehalten, durch regelmäßige Fortbildungen in der Longevity und NAD+-Behandlung auf dem neuesten Stand der Forschung und medizinischen Praxis zu bleiben.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Es ist wichtig zu betonen, dass NAD+ nicht als Wundermittel betrachtet werden sollte, sondern als innovativer Ansatz der weiterer intensiver Forschung bedarf.</p>
<h2><b>Ablauf, Compliance und Integration</b></h2>
<p>Analog zur Orthopädie beginnt die medizinische Betreuung der Longevity in einem ausführlichen Anamnesegespräch, gefolgt von einer Diagnostik die derjenigen der Sportmedizin in vielen Aspekten sehr ähnlich ist. Wir untersuchen den Hormonstatus, die Mineralstoffe, den Stoffwechsel, das muskuloskelettale System und das „mojo“, also Stress, Agilität und kognitive Fähigkeiten. Was können unsere Patienten nun aber selbst zum Erhalt bestmöglicher Therapie­ergebnisse beitragen?</p>
<p>Enzymspiegel, wie der des NAD+, nehmen im Alter ab, was zu einem zunehmenden Funktionsverlust unserer Zellen mit Entwicklung degenerativer Erkrankungen und inflammatorischer Prozesse führen kann. Allgemein anerkannte Verhaltensweisen, wie gesunde Ernährung gepaart mit Fastenperioden, regelmäßige Bewegung und die Vermeidung von Stress, insbesondere Distress, sind als zentrale Eckpunkte zu benennen<span class="Apple-converted-space">  </span>und unseren Patienten<span class="Apple-converted-space">  </span>an die Hand zu geben. In der Longevity integrieren wir diese und weitere Verhaltensmuster in die großen Themenkonzepte der Autophagie, der Hormesis und der Adversity. Die Autophagie [6] ist ein zellulärer Prozess, der für die Aufrechterhaltung der Zellgesundheit und den Abbau von beschädigten oder nicht mehr benötigten Zellbestandteilen entscheidend ist. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Selbstverschlingen“. Autophagie ermöglicht es Zellen, ihre eigenen Bestandteile zu recyceln oder eliminieren. Ihr Ablauf gliedert sich in aufeinander folgende Prozesse. Zunächst bildet das so genannte Autophagosom, ein Doppelmembran-Vesikel, welches abzubauende Zellbestandteile umhüllt. In einem nächsten Schritt verschmilzt das Autophagosom mit lysosomalen Vesikeln, die spezielle spaltende Enzyme enthalten. Am Ende steht die Zerlegung die von Proteinen, Organellen und anderen Zellstrukturen in ihre Bausteine, wie Amino­säuren und Fettsäuren. Der Prozess der Autphagie ist besonders wichtig zur Aufrechterhaltung der Zellgesundheit, der effizienten Energienutzung und der zellulären Anpassung an Belastungen und Stressreaktionen, was v. a. für die Gesundheit von Muskeln, Knochen und anderen Geweben von Bedeutung ist. Mit zunehmendem Alter nimmt die Effizienz der Autophagie ab. Dies könnte zur Akkumulation beschädigter Zellbestandteile und damit zu erhöhtem Risiko orthopädischer Erkrankungen führen.</p>
<p>Stress, Traumata, sozioökonomische Ungleichheiten, ungünstige Umweltbedingungen und andere Formen von Belastungen können als „adversity“ betrachtet werden. Adversity kann verschiedene Ausprägungen annehmen, darunter physische, emotionale, finanzielle oder soziale Herausforderungen. Die Art und Weise, wie wir mit solchen widrigen Bedingungen umgehen, hat Auswirkungen auf unsere Gesundheit und kann potenziell unsere Lebens­erwartung beeinflussen. Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass die Fähigkeit zur Resilienz, also der Fertigkeit, mit einschneidenden Erlebnissen umzugehen und sich anzupassen, einen positiven Einfluss auf die Langlebigkeit haben kann. Menschen, die resilienter, sprich widerstandsfähiger gegenüber widrigen Bedingungen sind, könnten entsprechend eher in der Lage sein, die negativen Auswirkungen von Stress und Belastungen auf ihre Gesundheit zu minimieren. In Bezug auf die Longevity untersucht die Forschung, wie der Umgang mit und die Bewältigung von widri­gen Bedingungen das Altern und die Lebensdauer beeinflussen können.</p>
<p>In diesem Kontext noch zu erwähnen ist das Konzept der Hormesis [5]. Die Hormesis beschreibt die adaptive Antwort eines Organismus auf schädliche oder stressauslösende Substanzen oder Reize, mit dem Ziel der Stärkung der Widerstandsfähigkeit und Gesundheit. Das Konzept basiert auf der Idee, dass moderate Exposition gegenüber Stressoren positive adaptive Reaktionen hervorrufen kann, während eine übermäßige Exposition schädliche Auswir­kun­­gen hat. Die Orthopädie macht sich dieses Konzept mit dem Ansatz zunutze, dass regelmäßige moderate körperliche Belastung die Stabilität unserer Gelenke und die Widerstandsfähigkeit des muskuloskelettalen Systems erhöht. Höhere Widerstandsfähigkeit des Bewegungsapparates, gepaart mit verbesserter Propriozeption, senken das Risiko für Verletzungen im Sport und schädliche Einflüsse mechanischer Belastungen auf den Knochen- und Bandapparat. Als Teilform der Hormesis kann das Kalt-Warm-Training betrachtet werden. Ziel dessen ist die Förderung der Regeneration, der allgemeinen Gesundheit von Muskeln und Gelenken und möglicherweise der Reduktion von Entzündungsvorgängen. Es ist wichtig anzumerken, dass hormetische Effekte stark von der Dosis und Art des Stressors abhängen. Eine angemessene Dosierung von Stress, sei es durch Bewegung, thermische Exposition oder andere Reize, kann adaptive Reaktionen fördern und die Gesundheit unterstützen. Hingegen ist übermäßige Belastung kontraproduktiv und kann sogar schädliche Auswirkungen auf den Bewegungsapparat haben. Eine Anpassung der Belastung an individuelle Gegebenheiten und Bedürfnisse ist daher entscheidend für einen positiven Effekt.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Die Longevity Medizin und die Orthopädie gehen in vielen Punkten Hand in Hand, zeigen gemeinsame Maßnahmen und Ziele in der Behandlungssteuerung und ergänzen sich auf ebenso vielen Ebenen. Es ist wichtig zu betonen, dass die Forschung in diesem Bereich weiterhin aktiv ist und während es vielversprechende Hinweise insbesondere auf die Rolle von NAD+ in der Orthopädie gibt, sind weitere Studien erforderlich, um die genauen Mechanismen und therapeutischen Anwendungen besser zu verstehen.</p>
<p>Literatur</p>
<p>[1] AMPK and the biochemistry of exercise: Implications for human health and disease Erik A Richter &amp; Neil B Ruderman https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2779044/</p>
<p>[2] Sirtuins, a promising target in slowing down the ageing process Wioleta Grabowska, Ewa Sikora &amp; Anna Bielak-Zmijewska https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5514220/<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>[3] Coordination of DNA repair by NEIL1 and PARP-1: a possible link to aging Nicole Noren Hooten,Megan Fitzpatrick,Kari Kompaniez, Kimberly D. Jacob, Brittany R. Moore, Julia Nagle, Janice Barnes, Althaf Lohani, Michele K. Evans https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3517938/</p>
<p>[4] NAD+metabolism and its roles in cellular processes during ageing Anthony J. Covarrubias, Rosalba Perrone, Alessia Grozio, Eric Verdin https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7963035/</p>
<p>[5] Hormesis defined Mark P. Mattson https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2248601/</p>
<p>[6] Autophagie: „Selbstverstümmelung“ als Überlebensstrategie Dtsch Arztebl 2016; 113(40): A-1740 / B-1469 / C-1461 Lenzen-Schulte, Martina; Zylka-Menhorn, Vera https://www.aerzteblatt.de/archiv/182779/Autophagie-Selbstverstuemmelung-als-Ueberlebensstrategie</p>
<p>[7] Key Signaling Pathways in Aging and Potential Interventions for Healthy Aging Mengdi Yu, Hongxia Zhang, Brian Wang, Yinuo Zhang, Xiaoying Zheng, Bei Shao, Qichuan Zhuge, Kunlin Jin https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8002281/<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Prophylaxe &#038; Therapie der modernen Sportzahnmedizin</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/15725/prophylaxe-therapie-der-modernen-sportzahnmedizin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. dent. Matthias Roßberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Mar 2024 09:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[01/24]]></category>
		<category><![CDATA[Video-Education]]></category>
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					<description><![CDATA[Prophylaxe in der Sportzahnmedizin erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der über die Mundhöhle hinausgeht. Denn warum sind Munderkrankungen, trotz intensiver Zahnpflege, weiterhin mit die häufigsten Erkrankungen, während unsere Urvorfahren ohne aktive [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Prophylaxe in der Sportzahnmedizin erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der über die Mundhöhle hinausgeht. Denn warum sind Munderkrankungen, trotz intensiver Zahnpflege, weiterhin mit die häufigsten Erkrankungen, während unsere Urvorfahren ohne aktive Zahnpflege lebten? Diese Frage bildet den Ausgangspunkt, um das Ausreichen und die Effektivität traditioneller Methoden wie Zähneputzen zu hinterfragen und die Ursprünge von Mund- und Allgemeinerkrankungen zu erforschen.</b></p>
<p>Der Fokus liegt hier auf den Ursachen und den kaskadenartigen gesundheitlichen Folgen moderner, nicht artgerechter Ernährungs- und Lebensgewohnheiten. Es wird deutlich, dass Ernährung nicht nur maßgeblich für viele Krankheiten ist, sondern auch die langanhaltende Lebensqualität und Performance beeinflusst. Denn fast alle Menschen leiden unter Gingivitis (Zahnfleischentzündung), viele unter Karies und über die Hälfte unter Parodontitis (Zahnbetterkrankung).</p>
<p>Der Vortrag hebt die große Bedeutung dieser Mundkrankheiten im Kontext der Allgemeinmedizin, insbesondere für Leistungssportler, hervor. Gingivitis beeinflusst die Gefäßelastizität, erhöht das Risiko von Arteriosklerose und steigert Entzündungswerte. Parodontitis trägt zur Entstehung von Herz- und Kreislauferkrankungen bei, was für Leistungssportler ein erhebliches Risiko darstellt. Diese Entzündungen beeinflussen zudem Muskulatur, Gelenke und neuronale Leistungsfähigkeit im Sport. Die gezeigte generelle starke Verbreitung dieser Prozesse im Spitzensport resultiert aus fehlenden Prophylaxe-Konzepten und Screenings, weshalb das Befundschema der Deutschen Gesellschaft für Sport-Zahnmedizin vorgestellt wird.</p>
<p>Die Bedeutung der Prophylaxe erstreckt sich dementsprechend weit über die Mundhöhle hinaus und muss aus interdisziplinärer Sicht betrachtet werden. Während bereits in den Vorträgen von Dr. Kurt Mosetter („Ernährungsmana­gement in der modernen Sportmedizin“ und „Zucker – der heimliche Killer“) umfassend auf die Rolle einer „artgerechten Ernährung“ eingegangen wurde, liegt der Fokus dieses Vortrags auf den entscheidenden Einflüssen und Effekten, die sich für Spitzensportler durch ihre Nahrungsaufnahme ergeben.</p>
<p>https://www.youtube.com/watch?v=q-Qis1HUijEBesondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Thema der optimalen Verdauung und Verstoffwechslung, die in der Mundhöhle beginnt und signifikante Auswirkungen auf die sportliche Leistungs­fähigkeit und Gesundheit hat. In diesem Zusammenhang wird weiterführend auf den Vortrag von Dr. Henning Sartor mit dem Titel „Ernährung, Darm-Mikro­biom und sportliche Leistungsfähigkeit“ verwiesen, der umfassend über die allgemeinmedizinischen Konsequenzen und ihrer Prophylaxe informiert.</p>
<p>Die Analyse der Zusammensetzung und Funktion des Speichels, die oft unterschätzte Rolle des Kauens mit induzierter Thermogenese, die gesundheitlichen Effekte des intermittierenden Fastens und die Bedeutung des parodontalen Mikrobioms werden eingehend behandelt. Ein vertieftes Verständnis dieser Mechanismen ermöglicht die Optimierung der Ernährungsgewohnheiten von Spitzensportlern, um ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit entscheidend zu beeinflussen.</p>
<p>Als Prophylaxe ergänzende Maßnahmen und zur Performance-Steigerung wird abschließend auf die hochpotente, antioxidative und stark entzündungshemmende Wirkung einiger Phytopharmaka eingegangen, insbesondere Resveratrol und Curcuminoide. Diese wirken nachweisbar vielfältig und stark entzündungshemmend in der Mundhöhle. Für eine umfassendere Wirk­betrachtung der Curcuminoide wird auf den Vortrag von Prof. Dr. Mehdi Shakibaei verwiesen.</p>
<p><iframe title="Prophylaxe &amp; Therapie der modernen Sportzahnmedizin I Ernährungsweise &amp; Bedeutung von Phytopharmaka" width="755" height="425" src="https://www.youtube.com/embed/q-Qis1HUijE?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Schlaf</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/15716/schlaf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Ingo Fietze]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Mar 2024 09:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[01/24]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir schlafen, weil wir ein Gehirn haben und dieses braucht den Schlaf zwingend. Es reinigt sich nachts, von Stoffwechselprodukten, dem Alzheimer-Eiweiß und vielen anderen Schadstoffen und es wird Platz gemacht [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Wir schlafen, weil wir ein Gehirn haben und dieses braucht den Schlaf zwingend. Es reinigt sich nachts, von Stoffwechselprodukten, dem Alzheimer-Eiweiß und vielen anderen Schadstoffen und es wird Platz gemacht für neue Gedächtnisinhalte. Vom Schlaf profitieren aber auch das Immunsystem, das Knochen- und Muskelsystem, der Kreislauf und die Haut. Wir schlafen, um gesund zu bleiben und am folgenden Tag mental und körperlich fit zu sein.</b></p>
<p>Das Zentrum des Schlafes liegt tief im Gehirn mit der Schaltzentrale im Hypothalamus. Es gibt ein Schlafsystem und ein Wachsystem, jeweils bestehend aus unterschiedlichen neuronalen Strukturen und unterschiedlichen Botenstoffen/Hormonen. Das Schlafzentrum liegt im Wesentlichen im Vorderhirn, das Wachzentrum im Thalamus und im verlängerten Rückenmark. Die wichtigsten Schlafhormone sind Melatonin, GABA, Adenosin und MCH (Melanin-konzentrierendes Hormon), Wachhormone sind Orexin, Adrenalin, Noradrenalin, Serotonin, Dopamin, Acetylcholin und Histamin. Letztere halten uns tagsüber wach und die erstgenannten Schlafhormone überwachen den nächt­lichen Schlaf. Die Natur hat es so eingerichtet, dass die Schlafhormone den Schlafdruck bestimmen und das zirkadiane System, der sogenannte 24-Stunden-Rhythmus, bestimmt den Zeitpunkt, wann wir am besten Schlafen. Der ca. 24 Stunden-Rhythmus ist genetisch festgelegt und seinem Verlauf folgen die meisten Körperfunktionen. Messbar ist der Rhythmus anhand von Körpertemperatur, Melatonin oder Cortisol.</p>
<h2><b>Wie sieht der Schlaf nachts aus?<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Er ist bestimmt von einem Wechsel zwischen Nichttraum- und Traumschlaf. Ein Schlafzyklus aller Schlafstadien (NREM-Schlaf) – Stadium 1 (oberflächlicher Schlaf), – Stadium 2 (mitteltiefer Schlaf), – Stadium 3 (Tiefschlaf) und dem REM (Traumschlaf) dauert ca. 90 – 100 Minuten. In ein 7-Stunden Schlaf-Fenster passen ca. vier solcher Zyklen. Zum gesunden Schlaf gehört eine Einschlafzeit von nicht mehr als 30 Minuten, eine Wachzeit im Bett von nicht mehr als 45 Minuten, ca. 15 % Tief- und 20 – 25 % Traumschlaf. Das ideale Schlaffenster ist das zwischen 22 – 23 Uhr und 6 Uhr. In dieser Zeit hat man die beste Schlafqualität. Die Schlaflänge für einen gesunden Schlaf beträgt bis zum 20./21. Lebensjahr ca. 9, danach 8,5 Stunden und ab dem 30. Lebensjahr 7,5 bis 8 Stunden. Das ist optimal. Kurzschläfer (kleiner/gleich 6 Stunden) oder Langschläfer (9 – 10 Stunden) sind eher selten. Die Mindestschlaflänge, um am nächsten Tag seine Leistung abrufen zu können, beträgt 6 Stunden. Am Wochenende kann man Schlaf nachholen, nicht aber nach mehreren Monaten. Vorschlafen kann man nur für eine Nacht bzw. für 24 Stunden, z. B. mit einer „Siesta“ von 1,5 Stunden oder einem Schläfchen von 3,5 bis 4 Stunden. Mit 7,5 bis 8 Stunden Schlaf ist man tagsüber nicht müde und fit. Mit einem Schlafdefizit macht sich Müdigkeit bemerkbar.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Wachzonen und Schlafstörungen</b></h2>
<p>Wenn man um 6 Uhr aufsteht, kommt sie dann das erste Mal zwischen 9 und 10 Uhr, dann zwischen 12 und 14 Uhr und danach noch einmal zwischen 16 und 18 Uhr. Das sind daher die idealen Zeitfenster für ein Powernap (kürzer als 30 Minuten). Die Wachzone der höchsten Leistungsfähigkeit ist zwischen 18 und 21 Uhr. Viele Weltrekorde im Sport sind in dieser Zeit, wo sich Körper und Geist am besten koordinieren lassen, aufgestellt. Generell nimmt die körperliche Fitness nachmittags zu und die geistige Fitness ab. Ein akutes Schlafdefizit (weniger als 6 Stunden) beeinflusst in erster Linie die kognitive Leistungsfähigkeit (Gedächtnis, Geschicklichkeit, Genauigkeit, Konzentration, Reaktionszeit). Ein chronischer Schlafmangel (länger als 3 Jahre) ist ungesund und erhöht das Risiko für Alzheimer/Demenz, Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Infektionen, Krebs u.v.a.m. Um Schlafstörungen wie Schlafapnoe, Insomnie, Parasomnien, Hypersomnien, zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen und Bewegungsstörungen im Schlaf (RLS) vorzubeugen bzw. zu erkennen, ist Aufklärung der Bevölkerung und der Ärzteschaft wichtig.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Alle Schlaferkrankungen sind gut erkennbar, meist chronisch aber gut behandelbar. Zur Diagnostik gehören das häusliche Schlafapnoe-Monitoring und die Aktigraphie sowie für viele Betroffene noch das Schlaflabor. Wearables und Apps und Co. lassen ein Vorscreening zu, sind jedoch nicht für eine verlässliche Diagnostik geeignet. Für telemedizinische Diagnostik- und Therapieverlaufs-Methoden fehlt es noch an der Vergütung. Die mehr als 250 Schlaflabore in Deutschland (<a href="https://www.dgsm.de/">www.dgsm.de</a>) decken den Bedarf gut ab, für die ambulante Versorgung der Betroffenen fehlen jedoch flächendeckend schlafmedizinische Spezialpraxen. Daher sollten sich auch Sportarztpraxen dieses Themas annehmen. Eine schlafmedizinische Versorgung beginnt mit Prävention / Prophylaxe. Daher einige Grundregeln für einen gesunden Schlaf:</p>
<h2><b>Regelmäßige Bettzeit</b></h2>
<ul>
<li>Schlafzeit von mindestens 6 Stunden</li>
<li>Ins Bett gehen, wenn man müde ist</li>
<li>Bei Bedarf ein Einschlafritual aneignen: Entspannung, medial offline-gehen, optimalen Schlafkomfort schaffen</li>
<li>Auf Ernährung am Abend achten</li>
<li>Bewegung am Tag</li>
<li>Alkohol und Drogen meiden</li>
</ul>
<hr />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15718 alignleft" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/FietzeBuch_saez0124.jpg" alt="" width="155" height="211" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/FietzeBuch_saez0124.jpg 1181w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/FietzeBuch_saez0124-220x300.jpg 220w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/FietzeBuch_saez0124-751x1024.jpg 751w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/FietzeBuch_saez0124-768x1048.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/FietzeBuch_saez0124-1126x1536.jpg 1126w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/FietzeBuch_saez0124-150x205.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/FietzeBuch_saez0124-450x614.jpg 450w" sizes="(max-width: 155px) 100vw, 155px" /></p>
<p><b>Die übermüdete Gesellschaft: Wie Schlafmangel uns alle krank macht<br />
</b>Rund 80 % aller deutschen Arbeitnehmer leiden an Schlafstörungen – die meisten schaffen sich ihr Leid selber: zu spätes Zubettgehen, zu frühes Aufstehen, zu viel Arbeits-Mails-Checken nach Feierabend. Welche Folgen wird es für unsere ganze Gesellschaft haben, wenn nicht bald ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass die Schlafstörung eine der großen bedrohlichen Volkskrankheiten unserer Zeit ist?</p>
<p><b>Rowohlt Buchverlag / Auflage: 1. (24. April 2018) </b><b>/ ISBN: 978-3498021399</b></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Return to Sport nach Endoprothetik</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/15758/return-to-sport-nach-endoprothetik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tanja Eßer,&nbsp;Franziska Kalde&nbsp;,&nbsp;Dr. med. Thomas Stock]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Mar 2024 13:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[01/24]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Anwendung totalendoprothetischer Versorgungen (TEP) hat in den letzten Jahrzehnten signifikant zugenommen. Nicht nur die Fortschritte der chirurgischen Techniken wie roboterassistierte Eingriffe, auch die Gestaltung neuer und an die individuelle [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die Anwendung totalendoprothetischer Versorgungen (TEP) hat in den letzten Jahrzehnten signifikant zugenommen. Nicht nur die Fortschritte der chirurgischen Techniken wie roboterassistierte Eingriffe, auch die Gestaltung neuer und an die individuelle Anatomie angepasster Implantate, wie auch das zunehmend jünger werdende Patientenklientel fördert steigende Erwartungen an die Belastbarkeit und Lebensdauer der TEPs.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p><b>Der wachsende Anspruch der Patienten, bis ins hohe Alter mobil und sportlich zu bleiben, verdeutlicht die Notwendigkeit evidenzbasierter Empfehlungen zu Return To Sport (RTS) Entscheidungen.</b></p>
<h2><b>RTS als Kontinuum im Rehabilitationsprozess</b></h2>
<p>In den letzten Jahren wurde die Rückkehr zum Sport zu vordefinierten Zeitpunkten besprochen und angestrebt. Neuerdings wurde diese Vorstellung durch die Idee ersetzt, dass RTS kein zeitbasierter, sondern kriterienbasierter und schrittweiser Prozess im Genesungsverlauf ist, dessen Grundlage eine sichere und konsequente Rehabilitation bildet. So werden zu erreichende Faktoren mehr in den Fokus der rehabi­litativen Ziele gesetzt. Hierbei ist die Phase der postoperativen Frührehabilitation entscheidend für den Erfolg der langfristigen Genesung. Primäre Therapiemaßnahmen zielen darauf ab, Schmerzen und Gelenkergüsse zu minimieren, die Wundheilung zu fördern, die Gelenkbeweglichkeit wiederherzustellen und die umgebende Muskulatur zu aktivieren. Physiotherapie und angeleitetes Training gelten als integraler Bestandteil dieses Prozesses. In den späteren Phasen der Rehabili­tation folgen Funktionsziele, wie die Wiederherstellung der Muskelkraft, Ausdauer und Bewegungskoordination. Im zunehmenden Maße sollten moderne Methoden zur quantitativen Prüfung dieser Funktionsziele genutzt werden (Abb. 1a + 1b). Maßgeblich sind hier die Oberflächen-Elektromyografie zur Untersuchung der Muskelfunktion, die 3D Funktions-/Ganganalyse zur Überprüfung motorischer Abläufe rund um die TEP und die Kraftdiagnostik zu nennen. Sind Alltagsfunktionen gut möglich, sollten vorbereitende sportartspezifische Belastungen unter trainingstherapeutischer Anleitung erfolgen, um die Belastungstoleranz zu steigern und das Bewegungsvertrauen zu schaffen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<figure id="attachment_15764" aria-describedby="caption-attachment-15764" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15764" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1a_saez0124.jpg" alt="" width="1200" height="800" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1a_saez0124.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1a_saez0124-300x200.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1a_saez0124-1024x683.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1a_saez0124-768x512.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1a_saez0124-150x100.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1a_saez0124-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-15764" class="wp-caption-text">Abb. 1A Muskelfunktionsdiagnostik &#8211; Isokinetische Kraftdiagnostik der Kniestrecker und Kniebeuger kombiniert mit elektromyografischer Analyse des M. quadrizeps femoris zur spezifischen Muskelfunktionsdiagnostik.</figcaption></figure>
<figure id="attachment_15760" aria-describedby="caption-attachment-15760" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15760" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1_saez0124.jpg" alt="" width="1200" height="1697" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1_saez0124.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1_saez0124-212x300.jpg 212w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1_saez0124-724x1024.jpg 724w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1_saez0124-768x1086.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1_saez0124-1086x1536.jpg 1086w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1_saez0124-150x212.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser1_saez0124-450x636.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-15760" class="wp-caption-text">Abb. 1B Komplexe Ganganalyse nach Knie-TEP-Markerbasierte 3D-Ganganalyse mittels Motion Capture System und Kraftmessplatten zur Erfassung kinematischer und kinetischer Parameter in Alltagsfunktionen sechs Monate nach Knie-TEP.</figcaption></figure>
<h2><b>Allgemeine Empfehlungen zu RTS nach Endoprothetik und prognostische Faktoren</b></h2>
<p>Im Allgemeinen wird Patienten mit TEP die Teilnahme an körperlichen und sportlichen Aktivitäten empfohlen, um die knöcherne Integration der Prothese zu fördern [1]. Zudem verringert sportliche Aktivität das Risiko von Lockerungen, steigert die muskuläre Leistungsfähigkeit und mindert das kardiovaskuläre Risiko [2]. Sportarten werden je nach Intensität, Dauer und Häufigkeit mechanischer Belastungen in low-impact, moderate-impact und high-impact Sportarten eingeteilt [3]. Grundsätzlich wird die Wiederaufnahme von low-impact und moderate-impact Sportarten von Experten und Chirurgen befürwortet. Bei moderate-impact Sportarten wird die Vorerfahrung der Patienten mit der Technik der betreffenden Sportart als entscheidend betrachtet, um eine sichere Ausübung zu gewährleisten. Empfehlungen für Knieendoprothesen sind im Allgemeinen restriktiver als für Hüftendoprothesen. Bisher wurde von körperlich anspruchsvollen und hochintensiven Belastungen abgeraten, um das Risiko von Implantatverschleiß zu minimieren. Allerdings gibt es bisher keine Langzeitstudien, die eindeutig den Zusammenhang zwischen hochintensiven sportlichen Belastungen und vermehrter Abnutzung nachweisen [4, 5]. Daher gibt es derzeit keine einheitliche Empfehlung für die Wiederaufnahme von high-impact Sportarten für Patienten mit Endoprothesen. Allgemeine positiv-prognostische Faktoren für Patienten sind ein jüngeres Alter, ein niedriger BMI und das Fehlen weiterer Gelenkbeschwerden. Die individuelle Sporttechnik ist ebenfalls entscheidend für die Prothesenbelastung. Hier können ebenfalls biomechanische Analysen genutzt werden, um eine quantitative und sportartspezifische Erfassung von Bewegung und Belastung zu gewährleisten und unter Berücksichtigung individueller Faktoren wie Technik und Intensität im RTS Prozess zu prüfen.</p>
<h2><b>Grundlagen der Belastungen und Belastbarkeit von Endoprothesen</b></h2>
<p>Die Belastung und Belastbarkeit von Endoprothesen wird maßgeblich von vier verschiedenen Faktoren beeinflusst: dem Implantat-Design, der Operationstechnik, verschiedenen patientenbezogenen Faktoren wie auch der sportlichen Aktivität [6]. Es ist essenziell zu verstehen, dass die interne Mechanik einer TEP sowohl die Zielbewegung des Gelenks (Kinematik) als auch die von extern wirkenden Kräfte (Kinetik) innerhalb dieser Bewegungen verarbeiten muss. Bei Knieendoprothesen wurde beobachtet, dass veränderte antero-posteriore Translationen und Rotationsbewegungen im Tibiofemoralgelenk den Verschleiß des Implantats erhöhen und somit die Lebensdauer der Prothese verkürzen können [7]. Die Mechanik der Prothese variiert je nach Material und Design, abhängig der Gelenk­kongruenz, erhaltener Strukturen<span class="Apple-converted-space">  </span>(am Kniegelenk u. a. hinteres Kreuzband, Kniescheibe), der Kopplung der Prothesenelemente und des Inlays (mobile vs. fixed-bearing). Alternative Gleitpaarungen können die Lebensdauer und Funktion von Hüftgelenkprothesen bei jüngeren und aktiveren Menschen verbessern. Hier muss zwischen Oberflächen mit erhöhten Abriebraten, die zu aseptischen Lockerungen führen können, und Oberflächen mit einem höheren Frakturrisiko bei Stoßbelastungen in high-impact Sportarten abgewogen werden [8, 9]. Ein weiterer Einflussfaktor ist die Art der Fixierung der Prothese (u. a. zementiert oder zementfrei). Die Prothesenmechanik beeinflusst auch das Bewegungsausmaß des Gelenks, welches für geplante sportliche Belastungen relevant ist. Bei Knieendoprothesen kann die Flexionsfähigkeit ein begrenzender Faktor für bestimmte sportliche Belastungen, wie den Fersensitz im Yoga, sein. Auch die Ausrichtung des Kniegelenks in der Frontalebene ist für die Belastung und Widerstandsfähigkeit der Prothese von Bedeutung. Obwohl kein Unterschied zwischen mechanischer und kinematischer Gelenkausrichtung im Hinblick auf den Implantatverschleiß festgestellt wurde, deutet eine Abweichung von nur 3° in Varus- oder Valgusstellung auf eine veränderte Druckverteilung im medialen und lateralen Kompartiment hin [10]. Der chirurgische Zugang zum Gelenk kann zu vorübergehender oder langfristiger postoperativer Muskelschwäche führen, wie z. B. bei einem direkten lateralen Zugang über die Abduktoren zum Hüftgelenk [6]. Bei RTS-Entscheidungen sollten zusätzlich patientenspezifische Belastungsfaktoren wie Körpergewicht, Bandfunktion, Muskelstatus, individuelle Bewegungstechniken und Begleiterkrankungen berücksichtigt werden [11].</p>
<h2><b>Return To Sport am Beispiel Golf</b></h2>
<p>Nach einer Hüft- oder Knie-TEP ist die Rückkehr zum Golf als low-impact Sportart ein erreichbares Ziel. Postoperativ ist sogar mit einer Steigerung der Golfaktivität zu rechnen, verbunden mit einem leichten Anstieg des Handicaps [12]. Laut Literatur können 80 % aller Patienten wieder Golf spielen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Bei Hüftprothesen liegt die Erfolgsrate bei 90 %, im Durchschnitt 4,5 Monate nach der Operation. Bei Knieprothesen sind es 70 %, im Durchschnitt 3,8 Monate postoperativ. Laut Schätzungen spielen etwa 20 % aller Patienten mit Endoprothesen Golf [13]. Aufgrund der hohen Anzahl der Golfspielenden stellen biomechanische Kenntnisse über diese Sportart eine wichtige Säule innerhalb der RTS Entscheidungen nach TEP. Die physischen Anforderungen beim Golf betreffen die Bewegung auf dem Platz, insbesondere jedoch den Golfschwung. Während ersteres in der Regel gut funktioniert, kann der Golfschwung mit höheren Spitzenbelastungen verbunden sein und gilt daher weiterhin als herausfordernd. Ein voller Schwung mit hoher Geschwindigkeit sollte vorerst vermieden werden, um Torsionsbelastungen auf die Prothese zu minimieren [14]. Zu Beginn des Wiedereinstiegs stehen „Putten“ und leichtes „Chippen“ im Vordergrund, gefolgt von Eisenabschlägen vor Driverabschlägen. Die Dauer dieses Verzichts sollte individuell abgestimmt werden, unter Berücksichtigung der Prothesenverankerung, des Heilungsverlaufs und des Trainingszustands. Da ein voller Golfschwung für die meisten Patienten jedoch ein entscheidendes Kriterium für die Ausübung der Sportart ist, stellen die Auswahl geeigneter Golfschläger sowie die Anpassung der Schwungtechnik wichtige Schlüsselfaktoren dar, um langfristig geringe Belastungen auf die Prothese zu gewährleisten. Eine funktionelle Diagnostik mit Golfschwunganalyse gibt Aufschluss über die individuellen Fähigkeiten und die Schwung­­technik und unterstützt die Entscheidungsfindung zu einem langfristig gesunden RTS (Abb. 2).</p>
<figure id="attachment_15762" aria-describedby="caption-attachment-15762" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15762" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser2_saez0124.jpg" alt="" width="1200" height="923" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser2_saez0124.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser2_saez0124-300x231.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser2_saez0124-1024x788.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser2_saez0124-768x591.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser2_saez0124-150x115.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser2_saez0124-450x346.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-15762" class="wp-caption-text">Abb. 2 Golfschwung­analyse mit Motion Capture System – Die Auswirkung der individuellen Schwungtechnik auf die Belastung der Prothese kann anhand der komplexen Golfschwunganalyse untersucht und verdeutlicht werden. Gemeinsam mit den Patienten werden dann Anpas­sungen der Technik oder der Golfschläger besprochen.</figcaption></figure>
<h2><b>Fallbeispiel</b></h2>
<p>Eine 58-jährige Patientin, sechs Monate nach Knie-TEP links, erwünscht eine Funktionsanalyse mit Beurteilung ihrer Golfschwungtechnik. Das Ziel liegt auf einer schrittweisen Rückkehr zum intensiven Golfspiel mit Leistungssteigerung und der Überwindung noch funktioneller Einschränkungen. Die Golfsch­wung­analyse verdeutlicht eine erhöhte Rotationsbelastung am vorderen linken Kniegelenk zum Zeitpunkt des Balltreffpunktes, die es durch Änderung der Schwungtechnik zu korrigieren gilt. Zur Entlastung des linken Kniegelenks wurde ein vermehrter Einsatz des rechten Beins im Abschlag mit gesteigerter Gewichtsübernahme von rechts empfohlen. Auch die Kraftdiagnostik der Kniestreckmuskulatur zeigt noch auffällige Defizite im Vergleich zur gesunden Gegenseite. Zudem besteht beidseits ein Kraftdefizit zu sportspezifischen Referenzwerten (Abb. 3). Neben einer sukzessiven Steigerung der Abschlaggeschwindigkeit zur stufenweisen Belastungssteigerung und individuellen Technikanpassung wurde der Patientin ebenfalls ein begleitendes Krafttraining zum Ausgleich der Seitendifferenzen wie auch eine Steigerung der Kraft beidseits im Sinne der sportlichen Belastung empfohlen.</p>
<figure id="attachment_15765" aria-describedby="caption-attachment-15765" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15765" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser3_saez0124.jpg" alt="" width="1200" height="1431" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser3_saez0124.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser3_saez0124-252x300.jpg 252w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser3_saez0124-859x1024.jpg 859w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser3_saez0124-768x916.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser3_saez0124-150x179.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/03/Esser3_saez0124-450x537.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-15765" class="wp-caption-text">Abb. 3 Kraftanalyse der Kniestrecker – Ergebnis der isokinetischen Kraftdiagnostik der Kniestrecker sechs Monate nach Knie-TEP links mit unterschiedlichen Referenzwerten.<br />OP: Operiertes Bein, NOP: Nicht-operiertes Bein, TEP: geschlechts- und altersspe­zifischer Referenzwert des OP  Beins anderer Patienten sechs Monate nach Knie-TEP, GOLF: Alters- und sportspezifischer Referenzwert nicht operierter Golferinnen.</figcaption></figure>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li>Jones, DL (2011). A public health perspective on physical activity after total hip or knee arthroplasty for osteoarthritis. <em>The Physician and sportsmedicine</em>, <em>39</em>(4), 70-79.</li>
<li>Cassel M, Brecht P, Günther KP, &amp; Mayer F (2017). Endoprothesen und Sport. Dtsch Z Sportmed, 68, 38-42.</li>
<li>Vail TP, Mallon, W, Liebelt R (1996). Athletic Activities After Joint Arthroplasty. Sports Med Arthros Rev, 4(3), 298.</li>
<li>Lester D, Barber C, Sowers CB, Cyrus JW, Vap AR, Golladay GJ, &amp; Patel NK (2022). Return to sport post-knee arthroplasty. Bone Jt Open, 3(3), 245-251.</li>
<li>Sowers CB, Carrero AC, Cyrus, JW, Ross JA, Golladay GJ, &amp; Patel NK (2023). Return to sports after total hip arthroplasty: an umbrella review for consensus guidelines. <em>The American Journal of Sports Medicine</em>, <em>51</em>(1), 271-278.</li>
<li>Thorey, F (2016). Return to sports after total hip arthroplasty. OUP, 6, 348-352.</li>
<li>Johnson TS, Laurent MP, Yao JQ, &amp; Gilbertson LN (2001). The effect of displacement control input parameters on tibiofemoral prosthetic knee wear. Wear, 250(1-12), 222-226.</li>
<li>Jacobs CA, Christensen CP, Greenwald AS, McKellop H (2007). Clinical performance of highly cross-linked polyethylenes in total hip arthroplasty. J Bone Joint Surg Am, 89, 2779–2786.</li>
<li>Olyslaegers C, Defoort K, Simon JP, Vandenberghe L (2008). Wear in conventional and highly cross-linked polyethylene cups: a 5-year follow-up study. J Arthroplasty, 23, 489–494.</li>
<li>Werner FW, Ayers DC, Maletsky LP, &amp; Rullkoetter PJ (2005). The effect of valgus/varus malalignment on load distribution in total knee replacements. Journal of biomechanics, 38(2), 349-355.</li>
<li>Dagneaux L, Bourlez J, Degeorge B, &amp; Canovas F (2017). Return to sport after total or unicompartmental knee arthroplasty: an informative guide for residents to patients. EFORT Open Reviews, 2(12), 496-501.</li>
<li>Hoggett L, Frankland S, Ranson J, Nevill C, &amp; Hughes P (2022). How does hip and knee arthroplasty affect golfer performance and what should be expected regarding return to play?. Bone &amp; Joint Open, 3(6), 510-514.</li>
<li>Robinson PG, Williamson TR, Creighton AP, et al (2023). Rate and Timing of Return to Golf After Hip, Knee or Shoulder Arthroplasty: A systematic Review and Meta-analysis. Am J Sports Med, 51(6), 1644-1651.</li>
<li>Papaliodis DN, Photopoulos CD, Mehran N, Banffy MB, &amp; Tibone JE (2017). Return to Golfing Activity After Joint Arthroplasty. Am J SportsMed, 45(1), 243-249.</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Exercise training and resting blood pressure</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/15712/exercise-training-and-resting-blood-pressure/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Ablaß]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Mar 2024 09:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[01/24]]></category>
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					<description><![CDATA[Exercise training and resting blood pressure: a large-scale pairwise and network meta-analysis of randomised controlled trials Edwards JJ et al. Br J Sports Med. 2023 Oct; 57(20): 1317 – 1326. doi: 10.1136/bjsports-2022-106503 Die besten [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3>Exercise training and resting blood pressure:<span class="Apple-converted-space"> </span>a large-scale pairwise and network meta-analysis<span class="Apple-converted-space"> </span>of randomised controlled trials</h3>
<p>Edwards JJ et al. Br J Sports Med. 2023 Oct; 57(20): 1317 – 1326. doi: 10.1136/bjsports-2022-106503</p>
<p><b>Die besten Übungsarten, um den Blutdruck zu senken: Diese Meta­analyse ergab, dass alle Übungsarten zur Senkung sowohl des systolischen Blutdrucks (SBD), als auch des diastolischen Blutdrucks (DBD) effektiv sind. Isometrische Übungen schienen jedoch den anderen überlegen zu sein.</b></p>
<p>Nach unserem Education-Video über die Reparatur- und Regenerationsmechanismen von Sehnen und der Wichtigkeit von isometrischem Training auf dieselben (siehe Anmerkungen der Redaktion), bin ich auf diese äußerst interessante Metaanalyse gestoßen. Es werden 270 randomisiert kontrollierte Studien zum Thema Trainingsarten ausgewertet. Die Übungsprotokolle waren in folgende primäre Trainingsarten unterteilt: aerobes Training, dynamisches Widerstandstraining, die Kombination aus den beiden Erstgenannten, HIIT – Training und isometrisches Training. Außerdem wurden innerhalb jeder Primärgruppe Untergruppen definiert: Aerobes Training (Gehen, Laufen und Radfahren), HIIT (Sprintintervalltraining und aerobes Intervalltraining) und isometrisches Training (Handgreifübungen, Beinstrecker und Wandsitzen).</p>
<p>Es zeigten sich folgende Ergebnisse: Alle Übungen zur Senkung des SBD waren effektiv. Die Übungen zur Senkung des DBD waren bis auf das kombinierte Training ebenfalls effektiv. Ordnet man die Übungen für den SBD nach ihrer Effektivität, überwiegt das isometrische Training alle anderen (– 10 mmHG), gefolgt von kombiniertem Training, Widerstandstraining, aerobem Training und HIIT. In den Untergruppen führen Wandsitzen, Beinstrecker und Handgreifübungen, gefolgt von Radfahren, Laufen, kombiniertes Training, Sprintintervalltraining, Widerstandstraining, aerobes Intervalltraining und Laufen. Auch im Ranking für den DBD liegen die isometrischen Übungen (-6mmHG) an der Spitze vor Widerstandstraining, HIIT, kombiniertem Training und aerobem Training. Die Effektivitätsreihenfolge in den Subgruppen lautet Laufen, Wandsitzen, Handgreifübungen, Beinstrecker, Radfahren, Sprintintervalltraining, Widerstandstraining, aerobes Intervalltraining, kombiniertes Training und Gehen. Zusammenfassend ist zu sagen, dass isometrisches Training hervorragend geeignet ist, sowohl den SBD als auch den DBD zu senken. Bei Hypertonikern wird dieser sogar noch effektiver als bei Normotoni­kern gesenkt. Bei der Durchführung des isometrischen Trainings führt die verlängerte Muskelkontraktion zu einem vorübergehenden Abschnüren des Blutflusses. Nach dem Training kommt es durch die reaktive Hyperämie zu einer großen Freisetzung von NO (Stickstoffmonoxid) und einer damit verbundenen Entspannung der Blutgefäße (siehe dazu auch Anmerkung der Redaktion). Dieser Prozess verbessert deren Funktion und senkt dadurch den Blutdruck. Führt man diese Übungen mit größeren Muskeln durch, beispielsweise durch Wandsitzen oder Beinstrecker, führt das zu einem stärkeren Effekt. Deshalb ist es auch nicht überraschend, dass Wandsitzen die effektivste Übung war (SBD  – 10 mmHg, DBD  – 6 mmHg).</p>
<hr />
<p><b>Anmerkungen der Redaktion</b></p>
<p>Zur Vertiefung eignet sich folgender Content, den Sie auf unserem sportmedizinischen Portal finden:</p>
<p><a href="https://youtu.be/-ldpIfJRGT4?si=70r8qcCNtbuDt7IY" target="_blank" rel="noopener">Education-Video: Sehne, Schmerz, Entzündung – Regenerative Therapien, Co-Therapie, Training und Ernährung/ Erbeldinger, Schmitz, Shakibaei, Mosetter, Ablaß</a></p>
<p><a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/kardiologie/15080/resveratrol/" target="_blank" rel="noopener">Fachartikel „Resveratrol“ von Prof. Dr. Mehdi Shakibaei und Aranka Brockmüller, in dem u.a. darauf hingewiesen wird, dass eine Resveratrol-Behandlung interessan­terweise zu einer Erhöhung des Enzyms Stickoxid-Synthase führt, welches für die Produktion des bekannten kardialen Vasodilatators Stickstoffmonoxid (NO) verantwortlich ist.</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Regeneration im Leistungssport</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/15707/regeneration-im-leistungssport/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Univ. Lekt. Dr. med. Gunther Leeb]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Mar 2024 09:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[01/24]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=15707</guid>

					<description><![CDATA[Leistungssport erfordert ein umfangreiches Training. Ein solches führt nur dann zum Erfolg, wenn es vom Athleten toleriert wird. Das gelingt durch langjährige systematische Steigerung der Belastbarkeit mittels Anwendung regelmäßiger Belastungsreize, [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Leistungssport erfordert ein umfangreiches Training. Ein solches führt nur dann zum Erfolg, wenn es vom Athleten toleriert wird. Das gelingt durch langjährige systematische Steigerung der Belastbarkeit mittels Anwendung regelmäßiger Belastungsreize, die in den dazwischen liegenden Erholungsphasen zu Wachstumsprozessen führen.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Ein Missverhältnis zwischen Belastung und Regeneration gefährdet den Trainingserfolg und potenziell auch die Gesundheit. Infektanfälligkeit, erhöhte Verletzungsgefahr, Schlafstörungen, Trainingsunlust und zahlreiche andere klinische Symptome können die Folge sein. Daher sollte im Rahmen der sportärztlichen Untersuchung bei auffälliger Trainingsanamnese besonderes Augenmerk auf das Verhältnis Belastung-Regeneration gelegt werden. Da der Ablauf der Erholung nach körperlichen Belastungen ein komplexer Vorgang ist, der auf verschiedensten Ebenen abläuft (u. a. metabolisch, kardiovaskulär, neuronal, psychogen), gibt es auch nicht einen exakten, validen Einzelparameter, um den aktuellen Regenerationsbedarf zu beschreiben. Vielmehr ist es dabei notwendig, verschiedene Parameter zu einem Gesamtbild zusammenzufassen, um daraus den Regenerationsbedarf des Athleten abzuleiten.</p>
<h2><b>Diagnostik von Regenerationsdefizit und Überlastung</b></h2>
<p><b>Klinische Indikatorsymptome und diagnostische Maßnahmen</b></p>
<ul>
<li>Abnahme der allgemeinen und sportartspezifische Leistungsfähigkeit trotz Training – (Spiro-)Ergometrie, Kraftleistungsdiagnostik, sportmotorische Testverfahren, Feldtests</li>
<li>Überlastung des muskuloskelettalen Systems mit erhöhter Verletzungsanfälligkeit – typischerweise rezid. Spunggelenks-Distorsionen, Muskelfaserrupturen</li>
<li>erhöhte Infektanfälligkeit</li>
<li>Trainingsunlust</li>
<li>leichte Ermüdbarkeit</li>
<li>gestörter Schlaf</li>
<li>depressive Verstimmung bis hin zu manifester Depression – Evaluierung mittels ausführlicher sportpsychologischer Tests (nach Kellmann et al.)</li>
<li>Essstörungen</li>
</ul>
<p><b>Labordiagnostik (nur bei gezielter Fragestellung und klinischer Indikation)</b></p>
<ul>
<li>Entzündungsparameter: CRP, BSR</li>
<li>Kreatinphosphokinase (CK): Parameter für die mechanisch-­muskuläre Beanspruchung</li>
<li>Harnstoff-Stickstoff (BUN): Parameter für die Beanspruchung des Proteinstoffwechsels</li>
<li>Hormonstatus: v. a. wichtig bei Menstruationsstörungen</li>
</ul>
<p><b>Herzfrequenzdiagnostik (wenn regelmäßig durchgeführt)</b></p>
<ul>
<li>Messung der Ruheherzfrequenz – dabei ist vor allem ein plötzlicher Anstieg um 10/min. ein wichtiger Indikator</li>
<li>Beurteilung der submaximalen Herzfrequenz bei gleicher Belastung</li>
<li>Beurteilung des Herzfrequenz­abfalls nach Maximalbelastung</li>
<li>Beurteilung der Herzfrequenzvariabilität (HRV) – weit verbreitet, ebenfalls kein valider Einzel­parameter</li>
</ul>
<h2><b>Sportmedizinische Empfehlungen bei Regenerationsdefizit</b></h2>
<p><b>Reduktion der Trainingsbelastungen</b></p>
<ul>
<li>Reduktion sowohl des Trainingsumfangs als auch der Trainings­intensität</li>
<li>Reduktion der Wettkampfbelastung</li>
<li>komplette Trainingspause, wenn indiziert</li>
</ul>
<p><b>Einleitung einer umfassenden leistungsdiagnostischen </b><b>Untersuchung, falls noch nicht erfolgt</b></p>
<ul>
<li>(Spiro-)Ergometrie, Kraftleistungsdiagnostik, Labordiagnostik</li>
<li>Weitere diagnostische Maßnahmen, falls medizinisch indiziert</li>
</ul>
<p><b>Einleitung unterstützender Maßnahmen</b></p>
<ul>
<li>physikalische Therapiemaßnahmen</li>
<li>Ernährungsmedizin</li>
<li>sportpsychologische Maßnahmen</li>
</ul>
<p><b>Besprechung der Befunde im Rahmen eines multidisziplinären Teams</b></p>
<ul>
<li>Einbindung von Trainer, Sportwissenschaftler, Physio­therapeut, Hausarzt/Kinderarzt</li>
<li>besonders wichtig bei jungen Sportlern: Einbindung der Eltern</li>
</ul>
<p><b>Langfristige Adaptation und zyklische Gestaltung des Trainingsplans</b></p>
<ul>
<li>Etablierung regelmäßiger und exakter Trainingsdokumentation</li>
<li>zyklische Gestaltung des Trainingsplans mit Einplanung regenerativer Maßnahmen</li>
</ul>
<p><b>Bei Indikation Überweisung an weitere Fachärzte oder auch an ein sportmedizinisches Zentrum</b></p>
<ul>
<li>relevante Fachgruppen je nach Symp­tomatik: Allgemeinmedizin, Pädia­trie, Innere Medizin, (Sport)kardiologie, Pulmologie, Ortho­pädie, Phy­si­kalische Medizin, Gynäkologie, Neurologie, Psychiatrie</li>
</ul>
<h2><b>Zusammenfassung</b></h2>
<p>Wie aus den oben erwähnten multiplen Symptomen und Parametern erkennbar, müssen neben der klinischen Untersuchung und Anamneseerhebung (inkl. ausführlicher Trainingsanamnese) unbedingt weitere diagnostische Schritte erfolgen, um Informationen über den Regenerationszustand bei leistungssportlich orientiertem Training zu bekommen. Durch die Zusammenfassung und Korrelation dieser Befunde v. a. mit den Trainingsumfängen kann dann ein Rückschluss auf den Regenerations­bedarf gezogen werden. Die rechtzeitige Diagnosestellung von erhöhtem Regenerationsbedarf und damit verbundene Anpassung des Trainings ist für die weitere Trainingsplanung, leistungssportliche Entwicklung und vor allem auch die Gesundheit des Athleten von eminenter Bedeutung. Um die Adaptierung des Trainings effizient umsetzen zu können, müssen alle am Trainingsprozess Beteiligten eingebunden werden. Je nach medizinischer Indikation, kann es auch notwendig sein, weitere Fachärzte hinzuzuziehen.</p>
<h2><b>Praxisbeispiel zu Regenerationsdefizit im Leistungssport</b></h2>
<p>Ein 21 Jahre alter Handballspieler wird vom Hausarzt zur sportmedizinischen Untersuchung zugewiesen, da der Spieler seit einem Jahr regelmäßig an respiratorischen Infekten erkrankt. Über den Hausarzt wurde bereits eine umfassende laborchemische Untersuchung und HNO-ärztliche Abklärung veranlaßt, was keine pathologischen Befunde ergab. Er spielt Handballball in der obersten Staatsliga.</p>
<p><strong>Persönliche Daten des Sportlers</strong><br />
21 Jahre alt, männlich, Größe: 200 cm, Gewicht: 107 kg, Beruf: Student der Sportwissenschaften</p>
<p><strong>Allgemeine Anamnese</strong><br />
St. p. Appendektomie, ansonsten unauffällig</p>
<p><strong>Trainingsanamnese</strong></p>
<ul>
<li>Sportspezifisches Training: Handball-­Leistungssport seit 10 Jahren, 4 x wöchentlich wird sportspezifisch Handball trainiert, jedes Wochenende Match</li>
<li>Krafttraining: gelegentlich, aber nicht regelmäßig</li>
<li>Ausdauertraining: wird überhaupt nicht durchgeführt</li>
<li>Der Patient erhält eine komplette sportmedizinische Untersuchung mit klinischer Untersuchung, Spirometrie und Ausbelastungs-­Ergometrie.</li>
</ul>
<p><strong>Klinische Untersuchung<br />
</strong>geringgradige Verkürzung der ischiocruralen Muskulatur beidseits, ansonsten ist die klinische Untersuchung komplett unauffällig</p>
<p><strong>Spirometrie</strong> unauffällig</p>
<p><strong>Ergometrie</strong></p>
<ul>
<li>Maximale Last in Watt: 338 Watt entsprechend 3,2 Watt/kg Körpergewicht</li>
<li>Maximale Last in % des Referenzwertes: 117 %. Blutdruckwerte und EKG-Befundung: alles im Norm­bereich</li>
<li>Somit ergibt die Ergometrie bei kardiologisch unauffälliger Befundung eine nur gering über dem Durchschnitt liegende Leistungsfähigkeit.</li>
</ul>
<p><strong>Beurteilung und weitere sportmedizinische Empfehlungen</strong></p>
<ul>
<li>Der wesentliche Befund der sportmedizinischen Untersuchung ist die nicht ausreichend entwickelte Ausdauerleistungsfähigkeit mit 117 %, womit die Regeneration des Sportlers bei diesen hohen Trainingsumfängen und körperlichen Belastungen nicht ausreichend ablaufen kann. Die rezidivierenden Infekte sind das klinische Korrelat zu diesem Regenera­tionsdefizit.</li>
<li>Das Grundlagentraining von Kraft und Ausdauer soll daher nun regelmäßig und ganzjährig durchgeführt werden und wurde folgendermaßen empfohlen: Krafttraining: 1 x wöchentlich, Ganzkörperkrafttraining: 8 Übungen, 2 Sätze pro Muskelgruppe</li>
<li>Ausdauertraining: 2 x wöchentlich Grundlagenausdauertraining mit Laufen, kontinuierliche Methode im –extensiv aeroben Ausdauerbereich, Trainingsherzfrequenz: 135 – 145/min., Trainingsdauer pro Laufeinheit je 45 Minuten</li>
<li>Bei zeitlicher Überlastung, die laut Patient durchaus im Rahmen intensiver Studiumphasen vorkommt, soll das sportspezifische Training zugunsten des Grund­lagentrainings reduziert werden</li>
</ul>
<hr />
<p><b>Co-Autoren des Praxisleitfadens</b><span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Dr. Jana Windhaber, Prim. Univ. Prof. DDr. Josef Niebauer, MBA, Univ. Prof. Dr. Peter Schober, Univ. Prof. Dr. Norbert Bachl, Dr. Erwin Kitzmüller, Univ. Doz. Dr. Günther Neumayr, Dr. Ulrike Preiml, Prim. Assoc. Prof. Dr. Andrea Podolsky, Univ. Prof. Dr. Stefan Nehrer, MSc</p>
<p>Der Autor und alle Co-Autoren sind Vorstandsmitglieder der Österreichischen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (ÖGSMP).</p>
<hr />
<p>Literatur</p>
<ul>
<li>M Kellmann, M Bertollo, L Bosquet, M Brink, A Coutts, R Duffield, D Erlacher, S Halson, A Hecksteden, J Heidari, K Kallus, R Meeusen, I Mujika, C Robazza, S Skorski, R Venter, J Beckmann: Recovery and Performance in Sport: Consensus Statement. Int J Sports Physiol Perform (2018): 13, 240-245.</li>
<li>C Grandou, L Wallace, F Impellizzeri, N Coutts: Overtraining in Resistance Exercise: An Exploratory Systematic Review and Methodological Appraisal of the Literature. Sports Med (2020): 50, 815–828.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>P Bourdon, M Cardinale, A Murray, P Gastin, M Kellmann, M Varley: Monitoring athlete training loads. Consensus statement. Int J Sports Physiol Perform (2017): 12, 2161–2170.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>L Bosquet, S Merkari, D Arvisais, A E Aubert: Is heart rate a convenient tool to monitor overreaching? A systematic review of the literature. Br J Sports Med (2008): 42: 709–714.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>J Weakley, S Halson, I Mujika: Overtraining Syndrome Symptoms and Diagnosis in Athletes: Where Is the Research? A Systematic Review. Int J Sports Physiol Perform (2022): 17, 675-681.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>T Meyer, M Kellmann, A Ferrauti, M Pfeiffer O Faude: Die Messung von Erholtheit und Regenerationsbedarf im Fußball. Dtsch Z Sportmed (2013), 64, 1, 28-33.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>T Stellingwerff, I Heikura, R Meeusen, S Bermon, S Seiler, M Mountjoy, L Burke: Overtraining Syndrome (OTS) and Relative Energy Deficiency in Sport (RED-S): Shared Pathways, Symptoms and Complexities. Sports Med (2021): 51, 2251–2280.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>J Niebauer: Sportkardiologie. Springer-Verlag (2. Auflage 2023).<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>N Bachl, H Löllgen, H Tschan, H Wackerhage, B Wessner: Molekulare Sport- und Leistungsphysiologie. Springer-Verlag (2018).<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>P Haber: Leitfaden zur medizinischen Trainingsberatung. Springer Verlag (4. Auflage, 2018).</li>
</ul>
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