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	<title>Rubriken Archive - sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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	<title>Rubriken Archive - sportärztezeitung</title>
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	<item>
		<title>Proteine und Ballaststoffe</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/22829/proteine-und-ballaststoffe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Klaus Pöttgen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Sep 2026 08:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei hoher Proteinzufuhr müssen lösliche Ballaststoffe ergänzt werden, weil sie proteolytische Gärung reduzieren, die Produktion kurzkettiger Fettsäuren (SCFAs) erhöhen, die Darmbarriere schützen und epigenetisch entzündungshemmende Programme aktivieren. Unlösliche Ballaststoffe leisten [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Bei hoher Proteinzufuhr müssen lösliche Ballaststoffe ergänzt werden, weil sie proteolytische Gärung reduzieren, die Produktion kurzkettiger Fettsäuren (SCFAs) erhöhen, die Darmbarriere schützen und epigenetisch entzündungshemmende Programme aktivieren. Unlösliche Ballaststoffe leisten das nicht. Bis zu 35 % des Proteins können unverdaut in den Dickdarm gelangen [1].</b></p>
<p>Dort wird es von Bakterien proteolytisch fermentiert und erzeugt Ammoniak, p‑Kresol, Indol, Schwefelverbindungen und entzündungsfördernde Metabolite, welche die Darmbarriere belasten, systemische Entzündung erhöhen und die Regeneration beeinträchtigen. Lösliche Ballaststoffe reduzieren proteolytische Gärung, indem sie die Darmflora weg von Proteinabbau hin zu saccharolytischer Fermentation lenken. Dadurch entstehen weniger toxische Protein­metabolite, Blähungen, Krämpfe, gastrointestinaler (GI)‑Stress und Endotoxintranslokation [2]. Sie erhöhen die Viskosität im Dünndarm, sorgen für eine langsamere Magenentleerung und gleichmäßigere die Aminosäurefreisetzung (stabilisieren Aminosäurekurve) [3]. Unlösliche Ballaststoffe (z. B. Weizenkleie, Cellulose) können das nicht leisten. Sie werden nicht fermentiert (keine SCFAs) und erhöhen nur das Stuhlvolumen. Sie beschleunigen die Transitzeit, reduzieren nicht proteolytische Gärung und haben keine epigenetischen Effekte [3, 4]. Lösliche Ballaststoffe (z. B. Inulin, PHGG, Akazienfaser, Nutriose®) werden im Kolon von Darmbakterien fermentiert und dabei zu kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs) vor allem Acetat, Propionat und Butyrat umgewandelt. Diese Metabolite sind nicht nur Energiequelle für Kolonozyten, sondern wirken als epigenetische Mediatoren, die direkt in die Genregulation des Wirts eingreifen. Für Sportler und Personen mit hoher Proteinzufuhr ist das relevant, weil SCFAs proteolytische, potenziell toxische Metabolite (Ammoniak, pKresol, Indol) ausbalancieren, die Darmbarriere stabilisieren, Entzündungsprozesse modulieren und über epigenetische Mechanismen Immun- und Stoffwechselprogramme beeinflussen [5].</p>
<h2><strong>Epigenetische Mechanismen von SCFAs-HDAC-Hemmung und Chromatinöffnung</strong></h2>
<p>Butyrat und teilweise Propionat wirken als Histon-Deacetylase-Inhibitoren (HDAC-Inhibitoren). Durch die Hemmung von HDACs bleiben Histone stärker acetyliert, das Chromatin wird „offener“ und bestimmte Gene werden leichter transkribiert. Aktuelle Arbeiten zeigen, dass SCFAs spezifische Histon-Acylierungen (z. B. H3K18pr, H3K18bu, H4K12pr, H4K12bu) erzeugen, diese Modifikationen mit offenen Chromatinregionen und erhöhter Genexpression korrelieren, insbesondere Gene für Wachstum, Differenzierung und Ionentransport modulieren. Damit sind SCFAs direkte epigenetische Schalter, die metabolische Signale (Ballaststoffzufuhr, Mikrobiomaktivität) in Genregulation übersetzen.</p>
<h2><b>Epigenetische Steuerung der Immunantwort</b></h2>
<p>Neuere Studien zeigen, dass SCFAs die Antikörperantwort und B-Zell-Funktion über epigenetische Mechanismen modulieren. In B-Zellen verändern SCFAs Histonmodifikationen und beeinflussen so die Expression von Genen, die für Antikörperproduktion und Differenzierung relevant sind [6]. Parallel dazu wurde gezeigt, dass Butyrat die epitheliale T-Zell-Kommunikation im Darm epigenetisch „lizensiert“ und so eine intestinale Immuntoleranz fördert: SCFAs verändern Chromatinstrukturen in Epithelzellen und Immunzellen und stabilisieren tolerogene Programme [7].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><strong>Darmbarriere</strong></h2>
<p>Butyrat erhöht die Expression von Tight-Junction-Proteinen und Schleimschicht-Komponenten (z. B. MUC2) über epigenetische Modulation von Promotorregionen und Histonmarkierungen. Das führt zu verbesserter Barrierefunktion, reduzierter Translokation von Endotoxinen und geringerer systemischer Entzündung.</p>
<h2><b>Gehirn und Neuroepigenetik</b></h2>
<p>SCFAs wirken nicht nur lokal im Darm, sondern beeinflussen über die Darm–Hirn-Achse auch neuronale Systeme. Eine aktuelle Übersicht beschreibt SCFAs als epigenetische Mediatoren, die Histonmodifikationen in neuronalen und glialen Zellen verändern, neuroinflammatorische Prozesse modulieren und potenziell bei neurodegenerativen Erkrankungen eine Rolle spielen. Damit wird klar Ballaststoffzufuhr und SCFA-­Produktion sind nicht nur „Darmthemen“, sondern systemische, inklusive neuroepigenetische Konsequenzen haben [8].</p>
<h2><b>Vier lösliche Ballaststoffe als Hebel für SCFA-Epigenetik</b></h2>
<p>Lösliche Ballaststoffe unterscheiden sich in Fermentierbarkeit, Verträglichkeit und SCFA-Profil:</p>
<ul>
<li>PHGG (Partially Hydrolyzed Guar Gum): sehr gut verträglich, niedrige Viskosität, stabile Butyratproduktion – ideal für tägliche Proteinshakes.</li>
<li>Akazienfaser: moderate Fermentierbarkeit, hohe Verträglichkeit, Förderung von Bifidobakterien.</li>
<li>Inulin: stark fermentierbar, hohe SCFA-Produktion (v. a. Butyrat, Propionat), aber häufiger Gasbildung.</li>
<li>Nutriose® (Resistant Dextrin): extrem gut löslich, sehr gut verträglich, stabile Butyrat- und Propionatproduktion, blutzuckerstabilisierend und ideal für Sporternährung.</li>
</ul>
<p>Durch gezielte Auswahl und Kombination dieser Fasern lässt sich die SCFA-Produktion und damit die epigenetische Landschaft im Darm und darüber hinaus modulieren. Die bekannten und häufig genutzten Flohsamenschalen (Psyllium) haben übrigens eine Mischform ~ 70 % löslicher und ~ 30 % unlöslicher Ballaststoffe.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-22893" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326-1024x328.jpg" alt="" width="755" height="242" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326-1024x328.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326-300x96.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326-768x246.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326-150x48.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326-450x144.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326-1200x384.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Poettgen_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /></p>
<h2><b>Relevanz für Sportphysiologie und hohe Proteinzufuhr</b></h2>
<p>Bei hoher Proteinzufuhr (z. B. 1,4 – 2,0 g/kg/Tag, in Diätphasen bis &gt; 2,3 g/kg/Tag) entsteht ein Spannungsfeld zwischen gewünschter Muskelproteinsynthese und potenziell ungünstiger proteolytischer Fermentation im Kolon. Lösliche Ballaststoffe und SCFA-Produktion bieten hier einen physiologischen Ausgleich durch weniger toxische Proteinmetabolite, stabilere Darmbarriere, geringere systemische Entzündung, epigenetische Förderung tolerogener und regenerativer Programme. Für Athleten ist damit nicht nur die Menge an Protein, sondern die Qualität der begleitenden Ballaststoffzufuhr entscheidend.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<ul>
<li>SCFAs sind zentrale epigenetische Mediatoren, die:</li>
<li>Histonmodifikationen (Acetylierung, Propionylierung, Butyrylierung) steuern,</li>
<li>Chromatinzugänglichkeit und Genexpression verändern,</li>
<li>Immunantwort, Darmbarriere und sogar neuronale Prozesse modulieren.</li>
</ul>
<p>Lösliche Ballaststoffe – insbesondere PHGG, Akazienfaser, Inulin und Nutriose® – sind der steuerbare Eingang in dieses System. Über sie lässt sich die SCFA-Produktion und damit die epigenetische Regulation gezielt beeinflussen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol>
<li>Evenepoel et al., 1998</li>
<li>Macfarlane &amp; Macfarlane, <em>Journal of Applied Microbiology</em>. J AOAC Int . 2012 Jan-Feb;95(1):50-60. doi: 10.5740/jaoacint.sge_macfarlane. Bacteria, colonic fermentation, and gastrointestinal health.</li>
<li>Slavin, <em>Nutrition Research Reviews</em> 2013 – Nutrients. 2013 Apr 22;5(4):1417-35. doi: 10.3390/nu5041417. Fiber and prebiotics: mechanisms and health benefits</li>
<li>Stephen &amp; Cummings, <em>Gut</em> 1980 – J Med Microbiol.1980 Feb;13(1):45-56.doi: 10.1099/00222615-13-1-45. The microbial contribution to human faecal mass</li>
<li><a href="https://www.nature.com/articles/s42255-024-01191-9.pdf">https://www.nature.com/articles/s42255-024-01191-9.pdf</a> 2024</li>
<li><a href="https://www.nature.com/articles/s41467-019-13603-6">https://www.nature.com/articles/s41467-019-13603-6</a> 2020</li>
<li><a href="https://www.nature.com/articles/s41467-026-75600-w">https://www.nature.com/articles/s41467-026-75600-w</a> 2026</li>
<li><a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666517426000295">https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666517426000295</a> 2026</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>STOP-X 2.0</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22832/stop-x-2-0/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. rer. medic. Arthur Praetorius&nbsp;,&nbsp;Dr. Christian Raeder]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 08:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[(Im Namen des Komitees Prävention, Rehabilitation und konservative Therapie &#38; des Komitees Ligamentverletzungen der Deutschen Kniegesellschaft (DKG)) Schwere Kniegelenkverletzungen, allen voran die Ruptur des vorderen Kreuzbands (VKB), gehören zu den [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>(Im Namen des Komitees Prävention, Rehabilitation und konservative Therapie &amp; des Komitees Ligamentverletzungen der Deutschen Kniegesellschaft (DKG))</b></p>
<p><b>Schwere Kniegelenkverletzungen, allen voran die Ruptur des vorderen Kreuzbands (VKB), gehören zu den folgenreichsten Verletzungen im Sport; ihre Inzidenz steigt vor allem bei jugendlichen und weiblichen Aktiven [1]. Multimodale neuromuskuläre Präventionsprogramme senken das Risiko substanziell, Metaanalysen beziffern die Reduktion auf rund 22 –</b><b> </b><b>90 %, stark abhängig von Adhärenz, Studienqualität und Population.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Vor diesem Hintergrund hat die DKG ihr Programm STOP-X überarbeitet. Der Beitrag ordnet die Evidenzlage ein, skizziert Entwicklung und Evaluation von STOP-X [2] und stellt die neue Trainingsstruktur entlang der vier Kernelemente Mobilität, Gelenkkontrolle, Kraft und Elastizität dar [3].</p>
<h2><b>Verletzungsinzidenz  und Wirksamkeit von Präventionsprogrammen</b></h2>
<h3><strong>Epidemiologie und Trend</strong></h3>
<p>Das Kniegelenk ist besonders anfällig für Verletzungen bei unkontrollierten Rotations- und Abbremsbewegungen; das vordere Kreuzband ist dabei die am häufigsten betroffene Gelenkstruktur [2]. Das absolute Rupturrisiko liegt bei etwa 1:3.500 pro Jahr, nach bereits versorgter Verletzung ist es deutlich erhöht (Prävalenz kontralateraler Rupturen 7 – 24 %) [2]. Rund 75 % der Rupturen entstehen ohne gegnerischen Kontakt beim Landen, Abstoppen oder bei Richtungswechseln, wenn sich das Bein in funktioneller X-Bein-Stellung befindet [2, 3]; Sportlerinnen sind im Ballsport 2,4- bis 9,5-mal häufiger betroffen [2]. Die Datenlage der vergangenen Jahre deutet auf eine steigende Zahl von VKB-Rekonstruktionen hin, wobei der Anstieg bei Kindern und Jugendlichen deutlicher ausfällt als bei Erwachsenen, begünstigt durch früh einsetzende, spezialisierte Wettkampfteilnahme sowie durch verbesserte Diagnostik [1]. Für die Prävention ist besonders relevant, dass der überwiegend nicht-kontaktbedingte, biomechanisch modifizierbare Verletzungsmechanismus einen plausiblen Ansatzpunkt für gezieltes Training bietet [3].</p>
<h3><strong>Wirksamkeit multimodaler Präventionsprogramme</strong></h3>
<p>Die Wirksamkeit neuromuskulärer Präventionsprogramme ist durch eine konsistente und wachsende Evidenzbasis gut belegt. Aktuelle systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen (Tab. 1) zeigen übereinstimmend eine relevante Reduktion von Knie- und VKB-Verletzungen. Eine Übersichtsarbeit von Meta-Analysen zu jugendlichen Athletinnen fand über elf Primärstudien eine Reduktion nicht-kontaktbedingter VKB-Verletzungen um 64 % (IRR 0,36) und empfiehlt multimodale Programme mit mindestens drei Übungskomponenten ab der Vorbereitungsphase [4]. Im weiblichen Mannschaftssport sinken Knieverletzungen um 22 %, VKB-Verletzungen um 50 %, wobei eine Adhärenz ≥ 75 % als wichtigster Wirkfaktor gilt [5, 6]. Zur Dosis-Wirkungs-Beziehung liefern zwei Metaanalysen aus 2025 konkrete Anhaltspunkte: Der größte Nutzen zeigte sich für Programme mit etwa 20–30 Minuten pro Einheit, 1–2 Einheiten pro Woche und einer Interventionsdauer von mindestens sechs Monaten [7] bzw., bei kürzeren Einheiten, mit einer Programmdauer von über 26 Wochen [8]. Für das FIFA-11+-Programm wurde im Fußball eine Reduktion unspezifischer Knieverletzungen um rund 47 % gezeigt [9]. Als wesentlich werden mehrere Umsetzungsprinzipien formuliert: In-Season-Training ist der Prävention während der reinen Vorbereitungsphase überlegen, Kraft- und Gleichgewichtsübungen waren in nahezu allen wirksamen Programmen enthalten, und die Effektstärke steigt mit der Adhärenz [4, 5, 7-9].</p>
<figure id="attachment_22918" aria-describedby="caption-attachment-22918" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-22918" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius_saez0326-1024x832.jpg" alt="" width="755" height="613" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius_saez0326-1024x832.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius_saez0326-300x244.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius_saez0326-768x624.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius_saez0326-150x122.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius_saez0326-450x366.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius_saez0326.jpg 1164w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22918" class="wp-caption-text">Tab. 1 Ausgewählte Metaanalysen und Schlüsselstudien zur neuromuskulären Prävention. NMT = neuromuskuläres Training; IRR / RR = Inzidenzraten-/Risikoverhältnis; OR = Odds Ratio; NNT = Number Needed to Treat.</figcaption></figure>
<h2></h2>
<h3><strong>Schlüsselstudien: Effektstärken der Primärevidenz</strong></h3>
<p>Die aggregierten Effekte der Metaanalysen speisen sich aus einer Reihe zentraler Studien, die überwiegend im Handball und Frauenfußball durchgeführt wurden, also in genau jenem Kontext, für den STOP-X primär konzipiert ist. Die Cluster-randomisierte Studie von Olsen et al. an jugendlichen Handballteams zeigte eine Reduktion von Knie- und Sprunggelenkverletzungen um 50 % und von Kniebandrupturen um rund 80 % (RR 0,53; 95 %-KI 0,35–0,81), entsprechend einem Rückgang von 0,9 auf 0,5 Verletzungen pro 1.000 Spielstunden [10]. Für das VKB im Speziellen belegte die große Cluster-RCT von Waldén et al. bei adoleszenten Fußballerinnen eine Reduktion der VKB-Verletzungsrate um 64 % (Rate Ratio 0,36; 95 %-KI 0,15–0,85; p = 0,02); bei adhärenten Spielerinnen stieg die Reduktion auf 83 %, die Number Needed to Treat betrug 14 [11]. Die größten Effekte berichtete die community-basierte Interventionsstudie von Kiani et al. an jungen Fußballerinnen mit −77 % für Knieverletzungen insgesamt und −90 % für nicht-kontaktbedingte Knieverletzungen [12]. Ergänzend fand die Metaanalyse von Naderi et al. im Handball eine signifikante Risikoreduktion für Knieverletzungen (OR 0,53; p = 0,002) und VKB-Rupturen (OR 0,66; p = 0,03) [13]. Das Übersichtsarbeit von Meta-Analysen von Brunner et al. bestätigt die Wirksamkeit von „Multikomponenten-Programmen“ über mehrere Mannschaftssportarten hinweg [14] (Tab. 2).</p>
<table width="600">
<thead>
<tr>
<td width="137"><strong>Studie (Jahr)</strong></td>
<td width="170"><strong>Sportart / Design</strong></td>
<td width="293"><strong>Effekt (Risikoreduktion; Kennzahlen)</strong></td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td width="137"><strong>Olsen et al. 2005 </strong><strong>[10]</strong></td>
<td width="170">Handball; Cluster-RCT (n = 1.837)</td>
<td width="293">−50 % Knie/Sprunggelenk, −80 % Bandrupturen; RR 0,53 (0,35–0,81); 0,9 → 0,5/1.000 h</td>
</tr>
<tr>
<td width="137"><strong>Kiani et al. 2010 </strong><strong>[12]</strong></td>
<td width="170">Fußball, weibl.; Interventionsstudie (n = 1.506)</td>
<td width="293">−77 % Knie gesamt, −90 % nicht-kontakt; Rate Ratio 0,23 (0,04–0,83); 0,20 → 0,04/1.000 h</td>
</tr>
<tr>
<td width="137"><strong>Waldén et al. 2012 </strong><strong>[11]</strong></td>
<td width="170">Fußball, weibl.; Cluster-RCT (n = 4.564)</td>
<td width="293">−64 % VKB (RR 0,36; 0,15–0,85; p = 0,02); −83 % bei Adhärenz; NNT = 14</td>
</tr>
<tr>
<td width="137"><strong>Petersen et al. 2005 </strong><strong>[15]</strong></td>
<td width="170">Handball, weibl.; prosp. kontrolliert (n = 276)</td>
<td width="293">1 vs. 5 VKB-Rupturen; OR 0,17 (0,02–1,5)</td>
</tr>
<tr>
<td width="137"><strong>Naderi et al. 2023 </strong><strong>[13]</strong></td>
<td width="170">Handball; Metaanalyse</td>
<td width="293">Knie OR 0,53 (0,35–0,78; p = 0,002); VKB OR 0,67 (p = 0,03); Sprunggelenk OR 0,57</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><em>Tab. 2: Studien zur Wirksamkeit von Aufwärm-/Präventionsprogrammen im Ballsport. Das am detailliertesten beschriebene Programm (Knäkontroll, Waldén et al.) umfasst sechs Übungen mit je vier Progressionsstufen und ist ein konzeptioneller Verwandter von STOP-X. </em><em>RR = relatives Risiko/Rate Ratio; OR = Odds Ratio; NNT = Number Needed to Treat.</em></p>
<h2></h2>
<h2><b>Wirkmechanismus und Grenzen der Evidenz</b></h2>
<p>Als zentraler modifizierbarer Risikofaktor gilt der dynamische Valgus mit hohem Knieabduktionsmoment, prospektiv als Prädiktor des VKB-Verletzungsrisikos bei Athletinnen bestätigt [3]. Präventionsprogramme wirken plausibel über eine Verbesserung von Landemechanik, Rumpf- und Kniekontrolle; augmentiertes (verbales oder videobasiertes) Feedback verstärkt diese Effekte indem es beispielsweise eine „steife Landestrategie“ abmildert und eine Erhöhung des Knieflexionswinkels fördert [16, 17].</p>
<p>Die Spannbreite der berichteten Effekte (50–90 %) ist jedoch erheblich und sollte nicht unkritisch als einheitlicher Nutzen gelesen werden. Ein wesentlicher Teil der Heterogenität erklärt sich aus Studienqualität und -design: Die methodisch stringenteren Cluster-RCTs mit verblindeter Endpunkterhebung und MRT-Diagnostik ergaben mit 50–64 % konservativere Schätzungen, während die methodisch schwächere community-basierte Studie die höchsten Effekten (77–90 %) dokumentiert [10-12]. Auch hohe Ausfallraten, etwa 21 % Loss to Follow-up bei Waldén et al. mit ungleicher Verteilung zwischen den Gruppen und die nicht signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen aufgrund der geringen Anzahl dokumentierter Verletzungen, mahnen zur Vorsicht, werden aber durch Intention-to-treat-Analysen teilweise aufgefangen [11].</p>
<p>Hinzu kommen inhaltliche Grenzen, die für die Programmgestaltung unmittelbar relevant sind. Erstens sind nicht alle Bewegungsmuster gleich gut modifizierbar: Lande- und Stop-Jump-Mechanik verbessern sich zuverlässig, während hochdynamische Seitwärts-Cutting-Manöver trainingsresistenter sind und vermutlich sportartnahe, längere Interventionen erfordern [9]. Zweitens ist der Nutzen für nicht-kontaktbedingte Verletzungen (bis −90 %) größer als für alle Knieverletzungen (−77 %), was die biomechanische Wirkrichtung dieser Programme unterstreicht. Drittens stammt die Evidenz überwiegend von weiblichen Adoleszenten (12–19 Jahre) im Vereinssport; für männliche Athleten, Kinder und für den Wintersport fehlen belastbare Daten weitgehend. Diese Lücken definieren zugleich die Zielrichtung und die noch offenen Forschungsfragen moderner Programme wie STOP-X.</p>
<h2><b>Entwicklung und wissenschaftliche Evaluation von STOP-X</b></h2>
<h3><strong>Ursprung und Konzept</strong></h3>
<p>STOP-X wurde von den Komitees Prävention, Rehabilitation und konservative Therapie &amp; Ligamentverletzungen der Deutschen Kniegesellschaft (DKG) von Ärztinnen und Ärzten, Physiotherapeutinnen und Sportwissenschaftlern entwickelt. Der Programmname verweist auf das Kernkonzept: Da die funktionelle X-Bein-Stellung (dynamischer Valgus) als wichtigster modifizierbarer Risikofaktor gilt, zielt das Training darauf ab, diese Fehlstellung zu vermeiden [2, 3]. Bausteine des ursprünglichen Konzepts sind die Aufklärung über Verletzungsmechanismen, Sprung-, Balance-, Kraft- sowie Lauf- und Beweglichkeitsübungen, ergänzt durch ein einfaches Screening: Mit einem Drop-Jump-Sprungtest und einbeinigen Kniebeugen lassen sich Risikoathleten und -athletinnen mit medialem Kollaps identifizieren, um gezielt an einer Bewegungsmodifikation zu arbeiten [2]. Bereits frühe deutsche Erfahrungen im Frauen-Handball deuteten auf einen präventiven Nutzen hin [15].</p>
<h3><strong>Sekundärprävention nach VKB-Rekonstruktion – die PReP-Studie</strong></h3>
<p>Der wissenschaftliche Kern der jüngeren STOP-X-Evaluation ist die multizentrische PReP-Studie. Das 2019 publizierte Studienprotokoll beschreibt ein prospektives, randomisiert-kontrolliertes Design zur Untersuchung eines heimbasierten, motorkontroll-orientierten STOP-X-Trainings in der Sekundärprävention nach VKB-Rekonstruktion [18]. Primärer Zielparameter ist der normalisierte Kniegelenkabstand bei der Landung im Drop-Jump-Screening-Test; Hintergrund ist das nach Rekonstruktion um ein Vielfaches erhöhte Risiko einer erneuten Ruptur (ipsi- oder kontralateral) [18].</p>
<p>Die 2024 publizierten Ergebnisse umfassen 112 ausgewertete Personen (STOP-X: 57; Regelversorgung: 55), die im Mittel rund acht Monate nach der Operation nach Abschluss der formalen Rehabilitation einer fünfmonatigen Intervention bzw. der üblichen Versorgung zugeteilt wurden [19]. Im primären Zielparameter (Kniegelenkabstand bei der Landung) zeigte sich kein Gruppenunterschied. In mehreren sekundären, patientenrelevanten Endpunkten war die STOP-X-Gruppe jedoch überlegen: geringere selbstberichtete Knieprobleme im Sport (Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score, (KOOS -Sport)) und weniger Schmerzen (KOOS-Schmerz), höhere psychologische Rückkehrbereitschaft (ACL-RSI), verbesserte Alltagsfunktion (KOOS-ADL) sowie ein besserer Limb-Symmetry-Index im Front-Hop nach 3–4 Monaten. Am Interventionsende waren 79 % der STOP-X- gegenüber 70 % der Kontrollgruppe zum Sport zurückgekehrt [19]. Die Autoren werten STOP-X als der Regelversorgung leicht überlegen; der Nutzen sei moderat, könne die Anwendung nach abgeschlossener formaler Reha aber rechtfertigen [19]. Die fehlende Wirkung auf den biomechanischen Primärendpunkt bei gleichzeitigem Vorteil in funktionellen und psychologischen Größen ist ein wichtiger und ehrlich zu benennender Befund.</p>
<h3><strong>Primärprävention: kontrollierte Studien zum dynamischen Valgus</strong></h3>
<p>Ergänzend liegen kontrollierte Studien zur primärpräventiven Anwendung bei Athletinnen und Athleten vor. In einer randomisierten kontrollierten Studie an 30 Basketballspielerinnen (∅ 15,5 Jahre) mit dynamischem Valgus reduzierte ein achtwöchiges STOP-X-Programm (3×/Woche, 25–40 min) den Knievalguswinkel signifikant und verbesserte die statische wie dynamische Gleichgewichtsfähigkeit gegenüber einem konventionellen Aufwärmprogramm [20]. Eine Folgearbeit derselben Gruppe zeigte für ein achtwöchiges STOP-X-Warm-up verbesserte Lande- und Sprungmuster sowie eine bessere lumbopelvine Funktion [21]. In einer weiteren randomisierten Studie an Futsalspielern mit dynamischem Valgus verringerten sowohl STOP-X als auch ein „Knee-Control“-Protokoll den dynamischen Valgus im Seitwärts-Cutting deutlich (p = 0,001) und veränderten die Bodenreaktionskräfte günstig [22].</p>
<p>Zusammengefasst berichtet die Deutsche Kniegesellschaft für die Primärprävention mit STOP-X eine Reduktion des dynamischen X-Beins um 33–53 % sowie eine Verbesserung von Gleichgewicht und Rumpfkontrolle um 20–60 % [2, 19-22]. Einschränkend ist festzuhalten, dass diese Studien überwiegend kleine Stichproben in heterogenen Populationen betrachten und biomechanische Surrogatparameter anstatt robuster Daten zu Reduktion von Verletzungsraten berichten. Die Evidenz spricht damit konsistent für eine günstige Beeinflussung etablierter Risikofaktoren, während der direkte Nachweis einer Verletzungsreduktion durch STOP-X selbst noch aussteht und Gegenstand laufender Forschung ist.</p>
<h2><b>Die neue Struktur von STOP-X: vier Kernelemente</b></h2>
<p>Der Relaunch strukturiert das Präventionstraining entlang von vier gezielt kombinierten Kernelementen. Die Trainingspläne verbinden diese Elemente in abwechslungsreichen Einheiten und stehen als Individualroutinen für zu Hause sowie als Warm-up-Routinen zur unmittelbaren Wettkampfvorbereitung bereit [2]. Im Folgenden werden die vier Domänen jeweils mit Trainingsziel, zugehöriger Evidenz und einer beispielhaften Trainingseinheit dargestellt (Abb. a–d (e)). Eine Übersicht bietet Tab. 3.</p>
<h3><b>Mobilität – Gelenke &amp; Gewebe vorbereiten</b></h3>
<p>Ziel: Verbesserung und Erhalt der Beweglichkeit in Sprung-, Knie- und Hüftgelenk als Grundlage guter Bewegungsqualität [2]. Evidenz: Eine eingeschränkte Sprunggelenks-Dorsalextension gilt als distaler Beitrag zum dynamischen Valgus. Eine systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass reduzierte Dorsalextension mit ungünstiger Landemechanik (geringere Knieflexion, vermehrte mediale Knieverlagerung) assoziiert ist [23]. Ausreichende Beweglichkeit im Sprung-, aber auch im proximalen Partner, dem Hüftgelenk, ist damit eine notwendige Voraussetzung, um Landekräfte über Sprunggelenk, Knie und Hüfte adäquat zu verteilen.</p>
<p>Beispielhafte Trainingseinheit <b>a</b> Hip-Mobility, <b>b</b> Ankle-Mobility, <b>c</b> Psoas-Mobility, <b>d</b> Dynamic Hip-Mobility</p>
<figure id="attachment_22911" aria-describedby="caption-attachment-22911" style="width: 864px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-22911" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius1_saez0326.jpg" alt="" width="864" height="684" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius1_saez0326.jpg 864w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius1_saez0326-300x238.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius1_saez0326-768x608.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius1_saez0326-150x119.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius1_saez0326-450x356.jpg 450w" sizes="(max-width: 864px) 100vw, 864px" /><figcaption id="caption-attachment-22911" class="wp-caption-text">Beispielhafte Trainingseinheit – Mobilität</figcaption></figure>
<p><b>Gelenkkontrolle – Präzise &amp; koordiniert bewegen</b></p>
<p>Ziel: Kontrollierte Bewegungen, damit Knie, Hüfte und Rumpf optimal zusammenarbeiten, auch unter Tempo [2]. Evidenz: Dies adressiert den am besten belegten Risikofaktor. Ein hohes Knieabduktionsmoment bzw. dynamischer Valgus ist mit erhöhtem VKB-Verletzungsrisiko assoziiert [3]. Neuromuskuläres Kontrolltraining mit Technik-Feedback verbessert nachweislich verletzungsrelevante Parameter: In einer Interventionsstudie an jugendlichen Handballerinnen sanken die Knieabduktionsmomente bei Landung und Cutting [17]. Im Vereinssetting können Feedbackstrategien helfen den Effekt des neuromuskulären Trainings zu erhöhen [10]. Gelenkkontrolle ist damit ein wesentlicher Teil von STOP-X.</p>
<p>Beispielhafte Trainingseinheit <b>a</b> Balance-Throw, <b>b</b> Kick &amp; Reach, <b>c</b> Balance-Squat, <b>d</b> Balance-Jump</p>
<figure id="attachment_22912" aria-describedby="caption-attachment-22912" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22912" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius2_saez0326-1024x397.jpg" alt="" width="755" height="293" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius2_saez0326-1024x397.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius2_saez0326-300x116.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius2_saez0326-768x298.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius2_saez0326-150x58.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius2_saez0326-450x175.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius2_saez0326.jpg 1072w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22912" class="wp-caption-text">Beispielhafte Trainingseinheit – Gelenkkontrolle</figcaption></figure>
<p><b>Kraft – Stabil von der Basis bis zum Knie</b></p>
<p>Ziel: Gezielte Kräftigung der Muskulatur rund um das Knie sowie des gesamten Körpers, um das Kniegelenk zu entlasten [2]. Evidenz: Kraftübungen zählen zu den in nahezu allen wirksamen Programmen enthaltenen Komponenten [4, 5]. Hüftabduktoren und -außenrotatoren erzeugen ein varisierendes Moment, das dem dynamischen Valgus entgegenwirkt; die Assoziation zwischen isolierter Hüftkraft und Valgus ist in der Literatur allerdings uneinheitlich [24, 25]. Dies unterstreicht, dass Kraft nicht isoliert, sondern in Kombination mit Kontrolle und exzentrischer, funktionell-aufgabenspezifischer Belastung trainiert werden sollte, ein Prinzip, das STOP-X mit der Verzahnung der Kernelemente umsetzt.</p>
<p>Beispielhafte Trainingseinheit <b>a</b> Pallof-Press, <b>b</b> Bulgarian-Squat, <b>c</b> Hamstring-Isometric, <b>d</b> Hip-Thrusts, <b>e</b> Squats</p>
<figure id="attachment_22913" aria-describedby="caption-attachment-22913" style="width: 860px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-22913" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius3_saez0326.jpg" alt="" width="860" height="684" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius3_saez0326.jpg 860w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius3_saez0326-300x239.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius3_saez0326-768x611.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius3_saez0326-150x119.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius3_saez0326-450x358.jpg 450w" sizes="(max-width: 860px) 100vw, 860px" /><figcaption id="caption-attachment-22913" class="wp-caption-text">Beispielhafte Trainingseinheit – Kraft</figcaption></figure>
<p><b>Elastizität – Entwicklung sportlicher Dynamik</b></p>
<p>Ziel: Sichere Sprünge, Landungen und schnelle Richtungswechsel, damit der Körper auch in unerwarteten Situationen sicher landet und dreht [2]. Evidenz: Plyometrisches Lande- und Sprungtraining verbessert die Landebiomechanik, eine Metaanalyse belegt günstige Effekte von Präventionsprogrammen auf Landeaufgaben [26]. Steife Landungen mit geringer Knieflexion und hoher vertikaler Bodenreaktionskraft sind mit erhöhtem VKB-Risiko assoziiert und lassen sich durch Technik- und Elastizitätstraining günstig beeinflussen [27]. Für STOP-X spezifisch zeigte die Futsal-Studie, dass sich Kinetik und dynamischer Valgus im Seitwärts-Cutting verbessern lassen [22]. Da hochdynamische Cutting-Manöver zu den trainingsresistenteren Zielgrößen gehören [16], ist die progressive, sportartnahe Gestaltung dieses Elements besonders wichtig. Weil sich Nicht-Kontakt-Verletzungen typischerweise in unvorhersehbaren Spielsituationen unter hoher neurokognitiver Beanspruchung ereignen [28], werden Landungen und Richtungswechsel bewusst mit kognitiver Zusatzaufgabe (cognitive load) ausgeführt. Diese Trainingsdomäne ist damit das konzeptionelle Herzstück des STOP-X-Programmes, die insbesondere in der Late-Stage-Rehabilitation nach VKB-Rekonstruktion konsequent adressiert werden sollte [29].</p>
<p>Beispielhafte Trainingseinheit <b>a</b> Landing (+ cognitive load), <b>b</b> Lateral-Plyometrics, <b>c</b> Loaded-Cuts (+ cognitive load), <b>d</b> Pendulum-Cuts (with ball)</p>
<figure id="attachment_22914" aria-describedby="caption-attachment-22914" style="width: 650px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-22914" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius4_saez0326.jpg" alt="" width="650" height="774" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius4_saez0326.jpg 650w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius4_saez0326-252x300.jpg 252w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius4_saez0326-150x179.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Praetorius4_saez0326-450x536.jpg 450w" sizes="(max-width: 650px) 100vw, 650px" /><figcaption id="caption-attachment-22914" class="wp-caption-text">Beispielhafte Trainingseinheit – Elastizität</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
<table width="600">
<thead>
<tr>
<td width="113"><strong>Kernelement</strong></td>
<td width="220"><strong>Trainingsziel (STOP-X)</strong></td>
<td width="267"><strong>Evidenz / Referenz</strong></td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td width="113"><strong>Mobilität</strong></td>
<td width="220">Beweglichkeit in Sprung-, Knie- und Hüftgelenk vorbereiten und erhalten</td>
<td width="267">Reduzierte Sprunggelenks-Dorsalextension → ungünstige Landemechanik [23]</td>
</tr>
<tr>
<td width="113"><strong>Gelenkkontrolle</strong></td>
<td width="220">Koordinierte Zusammenarbeit von Knie, Hüfte und Rumpf</td>
<td width="267">Valgus/KAM mit VKB-Risiko assoziiert [3]; NMT + Feedback senkt KAM, erhöht Knieflexion [16, 17]</td>
</tr>
<tr>
<td width="113"><strong>Kraft</strong></td>
<td width="220">Kniennahe und ganzkörperliche Kräftigung zur Entlastung des Knies</td>
<td width="267">Kraft in fast allen wirksamen Programmen [4, 5]; Hüftkraft–Valgus-Bezug uneinheitlich [24, 25]</td>
</tr>
<tr>
<td width="113"><strong>Elastizität</strong></td>
<td width="220">Sichere Sprünge, Landungen und schnelle Richtungswechsel</td>
<td width="267">Plyometrie verbessert Landebiomechanik [26, 27]; günstige Cutting-Kinematik/-Kinetik [22]</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><em>Tab. 3: Die vier Kernelemente von STOP-X mit Trainingsziel und zugehöriger Evidenz. KAM = Knieabduktionsmoment; NMT = neuromuskuläres Training.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<h2><b>Einordnung und Ausblick</b></h2>
<p>Der Relaunch von STOP-X überführt eine breite, konsistente Evidenz zur neuromuskulären Prävention in ein klar strukturiertes, frei verfügbares Programm. Die vier Kernelemente decken die etablierten modifizierbaren Zielgrößen ab und sind so kombiniert, dass sie sich in Aufwärmroutinen verschiedener Sportarten und in das Heimtraining integrieren lassen, die entscheidenden Voraussetzungen für Adhärenz und damit Wirksamkeit [5]. Über die reine Primärprävention hinaus adressiert das Programm mit abgestuften Testmanualen (Gold-, Silber-, Bronzestandard) die Einschätzung des Re-Ruptur-Risikos in Klinik, Praxis und Rehazentrum und ordnet sich in ein Kontinuum aus Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention ein [2].</p>
<p>Die Stärke des Programms liegt in der konsistenten günstigen Beeinflussung etablierter Risikofaktoren sowie in patientenrelevanten funktionellen und psychologischen Vorteilen nach VKB-Rekonstruktion. Ein direkter Nachweis einer Verletzungsreduktion durch STOP-X steht aus, daher sollten künftige, ausreichend gepowerte Studien, auch außerhalb des Ballsports und bei männlichen Athleten, die nächste Evidenzstufe liefern.</p>
<p><b>Training starten<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Alle Trainingspläne, Warm-up-Routinen und Testmanuals:<a href="https://stop-x.de" target="_blank" rel="noopener"> stop-x.de, zum kostenlosen Präventions­programm der Deutschen Kniegesellschaft.</a></p>
<p>Literatur</p>
<ol>
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<li style="font-weight: 400;">Niederer, D., et al., <em>Effectiveness of a home-based re-injury prevention program on motor control, return to sport and recurrence rates after anterior cruciate ligament reconstruction: study protocol for a multicenter, single-blind, randomized controlled trial (PReP).</em> Trials, 2019. <strong>20</strong>(1): p. 495.</li>
<li style="font-weight: 400;">Niederer, D., et al., <em>Late-stage rehabilitation after anterior cruciate ligament reconstruction: A multicentre randomised controlled trial (PReP).</em> Ann Phys Rehabil Med, 2024. <strong>67</strong>(4): p. 101827.</li>
<li style="font-weight: 400;">Rostami, M., P. Sedaghati, and H. Daneshmandi, <em>The effectiveness of the STOP-X training program on the knee valgus angle and balance in female basketball players with dynamic knee valgus: a randomized controlled trial.</em>BMC Sports Sci Med Rehabil, 2024. <strong>16</strong>(1): p. 52.</li>
<li style="font-weight: 400;">Rostami, M., P. Sedaghati, and H. Daneshmandi, <em>Effects of a warm-up program on jump-landing pattern and lumbopelvic function in female basketball players with dynamic knee valgus.</em> Sci Rep, 2025. <strong>15</strong>(1): p. 27918.</li>
<li style="font-weight: 400;">Rouhi, F., A.S. Majelan, and A. Jafarnezhadgero, <em>Comparison of stop-X and knee control training on side cut kinetics in futsal players with dynamic knee valgus: a randomized controlled trial.</em> Sci Rep, 2025. <strong>15</strong>(1): p. 40314.</li>
<li style="font-weight: 400;">Mason-Mackay, A.R., C. Whatman, and D. Reid, <em>The effect of reduced ankle dorsiflexion on lower extremity mechanics during landing: A systematic review.</em> J Sci Med Sport, 2017. <strong>20</strong>(5): p. 451–458.</li>
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</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sauerstoff zwischen Substrat, Reiz und Therapie &#8211; IHHE, HBOT und Sportmedizin</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22959/sauerstoff-zwischen-substrat-reiz-und-therapie-ihhe-hbot-und-sportmedizin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Robert Percy Marshall]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 06:05:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[90 Sek]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22959</guid>

					<description><![CDATA[Sauerstoff ist für die aerobe Energiegewinnung in den Mitochondrien unverzichtbar. Seine medizinische Wirkung folgt jedoch nicht dem einfachen Prinzip „mehr ist besser“. Abhängig von Dosis, Dauer und Applikationsform kann sowohl [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="isselectedend"><span style="color: black;">Sauerstoff ist für die aerobe Energiegewinnung in den Mitochondrien unverzichtbar. Seine medizinische Wirkung folgt jedoch nicht dem einfachen Prinzip „mehr ist besser“. Abhängig von Dosis, Dauer und Applikationsform kann sowohl ein kontrollierter Sauerstoffmangel als auch ein zeitlich begrenztes Überangebot adaptive Prozesse auslösen.</span></p>
<p class="isselectedend" style="caret-color: #000000; font-variant-caps: normal; orphans: 2; text-align: start; widows: 2; -webkit-text-stroke-width: 0px; text-decoration-line: none; text-decoration-thickness: auto; text-decoration-style: solid; word-spacing: 0px;"><span style="color: black;">Bei der intermittierenden Hypoxie-Hyperoxie-Exposition (IHHE) wechseln sich hypoxische und hyperoxische Atemphasen ab. Die vorübergehende Absenkung der Sauerstoffsättigung wirkt dabei als dosierter biologischer Stressreiz. Erste Studien weisen auf mögliche Verbesserungen der Belastungstoleranz, der maximalen Sauerstoffaufnahme sowie einzelner kardiometabolischer und kognitiver Parameter hin. Diskutiert werden Anpassungen der mitochondrialen Funktion, der Gefäßregulation und des autonomen Nervensystems. Die bisherige Evidenz ist jedoch noch begrenzt; optimale Dosierungen und eine Überlegenheit gegenüber der Hypoxie-Normoxie-Exposition sind nicht abschließend geklärt.</span></p>
<p class="isselectedend" style="caret-color: #000000; font-variant-caps: normal; orphans: 2; text-align: start; widows: 2; -webkit-text-stroke-width: 0px; text-decoration-line: none; text-decoration-thickness: auto; text-decoration-style: solid; word-spacing: 0px;"><span style="color: black;">Davon klar abzugrenzen ist die hyperbare Sauerstofftherapie (HBOT). Sie führt unter erhöhtem Umgebungsdruck zu einer ausgeprägten Steigerung des Sauerstoffangebots in Blut und Gewebe. Für definierte Indikationen wie Dekompressionskrankheit, Kohlenmonoxidvergiftung, ausgewählte Wundheilungsstörungen oder Strahlenschäden ist sie medizinisch etabliert. Anwendungen bei Long COVID, neurodegenerativen Erkrankungen oder zur allgemeinen Leistungssteigerung sind dagegen als Off-Label beziehungsweise experimentell einzuordnen.</span></p>
<p style="caret-color: #000000; font-variant-caps: normal; orphans: 2; text-align: start; widows: 2; -webkit-text-stroke-width: 0px; text-decoration-line: none; text-decoration-thickness: auto; text-decoration-style: solid; word-spacing: 0px;"><span style="color: black;">Für die Sportmedizin eröffnet die gezielte Modulation des Sauerstoffangebots ein interessantes Feld zwischen metabolischer Konditionierung, Prähabilitation und Regeneration. Entscheidend bleiben eine ärztliche Indikationsstellung, individuell angepasste Protokolle, medizinische Überwachung und messbare Behandlungsziele. Sauerstoff ist damit weder Lifestyle-Versprechen noch universelle Therapie – sondern ein potenter, präzise zu dosierender biologischer Reiz.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mehr Infos zu der Thematik finden Sie in dem ausführlichen Artikel von Dr. med. Robert Percy Marshall <a href="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/ARTIKEL_IHHT_HBOT.pdf">ARTIKEL_IHHT_HBOT</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Veröffentlicht: 11.09.2026</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Darmgesundheit, Ballaststoffe, SCFAs und Sport</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/22895/darmgesundheit-scfas-und-sport/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Kerstin Herzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Sep 2026 08:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Intensive Trainingsphasen bei gut trainierten Athleten fördern eine erhöhte Produktion kurzkettiger Fettsäuren (SCFAs – Propionat, Butyrat) durch das Darmmikrobiom und gehen mit beschleunigtem Darmtransit und charakteristischen mikrobiellen Verschiebungen einher. Diese [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Intensive Trainingsphasen bei gut trainierten Athleten fördern eine erhöhte Produktion kurzkettiger Fettsäuren (SCFAs – Propionat, Butyrat) durch das Darmmikrobiom und gehen mit beschleunigtem Darmtransit und charakteristischen mikrobiellen Verschiebungen einher. Diese Effekte sind nicht allein durch Ernährung erklärbar und zeigen, dass die Trainingsbelastung selbst ein signifikanter Modulator von SCFA-Profilen und Darmfunktion ist.</b></p>
<p>Eine gezielte Zufuhr löslicher Ballaststoffe wirkt dabei synergistisch, insbesondere β-Glucane aus Hafer sowie Flohsamenschalen, die überwiegend hochvisköse, fermentierbare Polysaccharide enthalten und primär über Arabinoxylane wirken. Dabei besteht eine bidirektionale Beziehung zwischen Darmgesundheit und Leistung, moderiert über die Ernährung und Zufuhr von löslichen Ballaststoffen. Der menschliche Darm beherbergt Billionen von Mikroorganismen – Bakterien, Viren und Pilze –, die gemeinsam als Mikrobiom bezeichnet werden. Dieses Ökosystem spielt eine zentrale Rolle bei der Verdauung, dem Immunsystem und sogar der psychischen Gesundheit. Eine vielfältige und stabile Darmflora gilt als Indikator für gute Darmgesundheit.</p>
<h2><b>Was sind kurzkettige Fettsäuren (SCFAs)?</b></h2>
<p>Bei der Fermentation von Ballaststoffen durch Darmbakterien entstehen kurzkettige Fettsäuren, hauptsächlich</p>
<ul>
<li>Butyrat: Hauptenergiewirt für Darmzellen, stärkt die Schleimhautbarriere</li>
<li>Propionat: Beeinflusst den Glukosestoffwechsel in der Leber</li>
<li>Acetat: Gelangt ins Blut und kann Fettstoffwechsel sowie Appetitregulation beeinflussen.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
</ul>
<p>Diese Verbindungen reduzieren Entzündungen, stärken die Darmwand und können metabolische Prozesse im gesamten Körper positiv modulieren.</p>
<h2><b>Wie beeinflusst Sport das Darmmikrobiom?</b></h2>
<p>Körperliche Aktivität wirkt sich nachweislich auf die Zusammensetzung und Funktion der Darmbakterien aus. Positive Effekte sind:</p>
<ul>
<li>Erhöhte Diversität der Mikrobenarten</li>
<li>Förderung bakterieller Stämme, die SCFAs produzieren</li>
<li>Verbesserte Darmbarrierefunktion („Leaky Gut“-Prävention)</li>
<li>Geringere systemische Entzündungswerte</li>
</ul>
<p>Wichtig ist dabei jedoch Konsistenz. Extreme Belastungen ohne ausreichende Regeneration können kurzfristig negative Effekte haben. Interessant ist die wechselseitige Beziehung zwischen Darm und Leistung.</p>
<p>Sport → Darm: Mehr mikrobielle Vielfalt, höhere SCFA-Produktion</p>
<p>Darm → Sport: Verbesserte Energiebereitstellung, bessere Regeneration, stabileres Immunsystem</p>
<p>Die gesteigerte Produktion von SCFAs wie Propionat und Butyrat liefert den Kolonozyten essenzielle Energie und moduliert das Immunsystem. Zudem wirken diese Metabolite stark entzündungshemmend und unterstützen die Integrität der Darmschleimhaut. Ein gesunder Darm mit hoher Butyrat-Konzentration kann die oxidative Stressreaktion während intensiver Trainingseinheiten abpuffern und somit die Anpassung an Trainingsreize fördern. Dieser Effekt wird unterstützt durch eine Ernährung mit ausreichenden Anteilen an löslichen Ballaststoffen.</p>
<h2><b>Lösliche Ballaststoffe und Darmgesundheit</b></h2>
<p>Lösliche Ballaststoffe sind ein zentraler Baustein für eine gesunde Verdauung und weit mehr als nur „Füllstoffe“. Sie lösen sich in Wasser, bilden visköse Gele und werden im Dickdarm von Mikroorganismen fermentiert. Die dabei entstehenden SCFAs (kurzkettige Fettsäuren Acetat, Propionat und insbesondere Butyrat) dienen als Energieträger für die Darmepithelzellen, stärken die Schleimhautbarriere und modulieren lokale Entzündungsprozesse. Dieser vielschichtige Wirkmechanismus erklärt, warum lösliche Ballaststoffe positive Effekte auf Stuhlregularität, Reizdarmsymptome, entzündliche Darmerkrankungen, Blutfette, Blutzuckerregulation und sogar auf das Immunsystem haben können.</p>
<h2><b>Was lösliche Ballaststoffe auszeichnet und deren wichtige Vertreter</b></h2>
<p>In Kontakt mit Flüssigkeit quellen lösliche Ballaststoffe auf und bilden Gele. Diese verlangsamen die Magenentleerung und den Transit im Dünndarm, was ein gleichmäßigeres Freisetzen von Nährstoffen ermöglicht. Im Dickdarm werden die löslichen Ballaststoffe dann von Darmbakterien abgebaut. Das fördert das Wachstum nützlicher Keime (z. B. Bifidobakterien) und erhöht die Produktion kurzkettiger Fettsäuren.<span class="Apple-converted-space">  </span>Dazu kommen positive Effekte auf den Stoffwechsel: Durch die Gelbildung binden lösliche Fasern Gallensäuren und können so LDL-Cholesterin senken. Außerdem glätten sie Blutzuckerspitzen nach Mahlzeiten, weil die Kohlenhy­drataufnahme langsamer erfolgt. Wichtige Vertreter und deren Besonderheiten sind:</p>
<ul>
<li>Inulin und Fructo-Oligosaccharide (FOS): Präbiotische Fasern aus Chicorée, Topinambur, Zwiebeln, Knoblauch. Sie fördern vor allem Bifidobakterien. Bei empfindlichen Personen können sie in höheren Mengen Blähungen auslösen (FODMAPs).</li>
<li>Galacto-Oligosaccharide (GOS): Präbiotisch wirksam, natürlicherweise in Hülsenfrüchten; häufig in funktionellen Lebensmitteln zugesetzt. Günstig für die Barrierefunktion und das Immunsystem.</li>
<li>Psyllium (Flohsamenschalen): Reich an visköser, teilweise fermentierbarer Faser. Gut belegt bei Reizdarmsyndrom (IBS) zur Verbesserung von Stuhlform und -frequenz; wirkt sowohl bei Verstopfung als auch bei Durchfall regulierend.</li>
<li>Beta-Glucane: Aus Hafer und Gerste. Ausgeprägt cholesterin­senkend, günstig für die Blut­zuckersteuerung und mikrobiell fermentierbar.</li>
<li>Pektin: In Äpfeln, Zitrusfrüchten, Beeren. Wirkt gelbildend und unterstützt die Stuhlregularität.</li>
<li>Resistente Dextrine / partiell hydrolysierte Guarbohne (PHGG): Gut verträglich, milde Präbiotika; oft in Studien bei IBS und funk­tionellen Darmbeschwerden mit positiver Symptomverbesserung getestet.</li>
</ul>
<h2><b>Einflu</b><b>ß</b><b> auf Darmbarriere, Stuhlregulation, Entzündung und Metabolismus</b></h2>
<p>Die Darmschleimhaut bildet mit Tight Junctions eine selektive Barriere. Butyrat, als Endprodukt der Fermentation löslicher Ballaststoffe, ist die bevorzugte Energiequelle für Kolonozyten. Es fördert die Schleimproduktion, stärkt Tight Junctions, senkt den pH-Wert im Darmlumen (hemmend für potenziell pathogene Keime) und wirkt entzündungsmodulierend, etwa über die Beeinflussung von Histon-Deacetylasen und G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. So kann eine ballaststoffreiche Kost die Barrierefunktion verbessern und das Risiko für entzündliche Zustände im Darm reduzieren. Parallel tragen präbiotische Effekte zu einer vielfältigeren und stabileren Mikrobiota bei, die wiederum resiliente Verdauungs- und Immunfunktionen unterstützt. Lösliche, visköse Fasern erhöhen die Wasserbindung im Stuhl und normalisieren damit die Konsistenz. Bei Verstopfung wird der Stuhl weicher und voluminöser, bei Durchfall verlängert die Gelmatrix die Transitzeit und bindet überschüssige Flüssigkeit. Besonders Flohsamenschalen hat in randomisierten Studien gezeigt, dass es die Stuhlform nach der Bristol-Skala Richtung Normbereich verschiebt und Bauchschmerzen, Blähungen sowie das Gesamtbefinden bei Reizdarm verbessern kann. Im Vergleich zu unlöslichen Ballaststoffen (z. B. Weizenkleie) ist die Verträglichkeit bei sensiblen Personen häufig besser, da harte, mechanische Reize geringer sind. Ebenso besteht ein Einfluss auf Blutzucker und Cholesterin: Durch die Viskosität der löslichen Fasern wird die Resorption von Kohlenhydraten verlangsamt, was postprandiale Blutzuckerspitzen dämpft und die Insulindynamik entlastet. Bei regelmäßigem Verzehr kann dies die glykämische Kontrolle unterstützen. Zudem binden visköse Fasern wie Beta-Glucane und Flohsamenschalen Gallensäuren, die dann vermehrt ausgeschieden werden. Der Körper verwendet Cholesterin zur Neubildung von Gallensäuren, was zu niedrigeren LDL-Spiegeln beitragen kann. Diese Effekte sind besonders relevant bei metabolischem Syndrom und kardiovaskulären Risikofaktoren.</p>
<h2><b>Epigenetische Regulation</b></h2>
<p>SCFAs können die Genaktivität verändern, indem sie Histone modifizieren und die DNA-Methylierung regulieren. Darüber wird Entzündungsaktivität gehemmt und der Stoffwechsel reguliert, sogar das Darmkrebsrisiko wird reduziert. Die wichtigsten epigenetischen Mechanismen der SCFAs sind:</p>
<ul>
<li>Hemmung der Histon-Deacetylasen (HDAC-Inhibitoren): Besonders Butyrat (Buttersäure) ist ein starker Inhibitor von HDAC-Enzymen. Werden HDACs blockiert, bleiben die Histone (Verpackungsproteine der DNA) acetyliert. Im Ergebnis lockert sich die DNA-Struktur. Gene werden besser zugänglich und können abgelesen werden. Dies hemmt unter anderem Entzündung und fördert die Darmgesundheit.</li>
<li>Einfluss auf die DNA-Methylierung: SCFAs beeinflussen das Gleich­gewicht von Enzymen, die Methylgruppen an die DNA anheften (DNMTs) oder entfernen (TET-Enzyme). Durch die Modu­lation dieser Enzyme können SCFAs bestimmte Gene „stilllegen“ oder aktivieren. Dies hilft, epigenetische Fehlsteuerungen zu korrigieren, die durch unausgewogene Ernährung oder chronische Entzündungen entstehen können</li>
</ul>
<h2><b>Quellen für lösliche Ballaststoffe im Alltag</b></h2>
<ul>
<li>Haferflocken, Haferkleie und Gerste (Beta-Glucane).</li>
<li>Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen, Bohnen (GOS, Pektinanteile).</li>
<li>Obst: Äpfel, Zitrusfrüchte, Beeren (Pektin).</li>
<li>Gemüse: Karotten, Schwarzwurzeln, Artischocken, Lauchgemüse (Pektin, Inulin / FOS).</li>
<li>Nüsse und Samen: Flohsamen­schalen, Chiasamen, Leinsamen (Flohsamen besonders viskos; Chia / Lein enthalten auch Schleimstoffe).</li>
<li>Funktionelle Zutaten: Inulin / FOS aus Chicorée, PHGG, resistente Dextrine; oft in Joghurt, Riegeln oder als Pulver erhältlich.</li>
</ul>
<h2><b>Alltagstaugliche Tipps für den Einstieg</b></h2>
<p><strong>Langsam steigern:</strong> Beginnen Sie mit kleinen Mengen (z. B. 1 TL Flohsamenschalen oder ½ Tasse Hülsenfrüchte pro Tag) und erhöhen Sie wöchentlich. Eine abrupte Erhöhung kann Blähungen und Druckgefühl begünstigen.</p>
<p><strong>Ausreichend trinken:</strong> Visköse Fasern brauchen Flüssigkeit. Ziel sind etwa 1,5 – 2 Liter Wasser täglich, angepasst an Körpergröße, Aktivität und Klima.</p>
<p><strong>Clever kombinieren:</strong> Eine Mahlzeit aus Haferflocken, Apfelstücken und Naturjoghurt liefert Beta-Glucane, Pektin und fermentierte Milchprodukte in einer verträglichen Matrix.</p>
<p><strong>Timing beachten:</strong> Flohsamenschalen 30 Minuten vor einer Mahlzeit mit ausreichend Wasser eingenommen kann die Sättigung erhöhen und glykämische Spitzen glätten.</p>
<p><strong>Kochen optimieren:</strong> Einweichen, Keimen und sorgfältiges Garen von Hülsenfrüchten verbessert die Verträglichkeit, reduziert FODMAPs und Antinährstoffe.</p>
<p><strong>Vielfalt zählt:</strong> Unterschiedliche Fasertypen nähren verschiedene Bakteriengruppen. Rotieren Sie Quellen über die Woche hinweg.</p>
<h2><b>Besondere Situationen und Verträglichkeit</b></h2>
<p><strong>FODMAP-Sensitivität / IBS:</strong> Inulin und FOS können Symptome triggern. Besser verträglich sind oft Flohsamenschalen, PHGG und Hafer-Beta-Glucane. Ein temporäres Low-FODMAP-Vorgehen mit schrittweiser Wiedereinführung kann sinnvoll sein.</p>
<p><strong>Medikamente:</strong> Zwischen Flohsamenschalen und oralen Medikamenten 1 – 2 Stunden Abstand halten, um die Absorption nicht zu beeinträchtigen. Bei Antikoagulanzien oder Schilddrüsenhormonen Rücksprache mit Arzt halten.</p>
<p><strong>Stoffwechselerkrankungen:</strong> Bei Diabetes können lösliche Fasern helfen, die glykämische Kontrolle zu verbessern; Dosisanpassungen von Medikamenten sollten medizinisch begleitet werden.</p>
<p><strong>Entzündliche Darmerkrankungen:</strong> In stabilen Phasen profitieren viele von löslichen Fasern; bei akuten Schüben ist Verträglichkeit individuell zu prüfen.</p>
<h2><b>Konkrete Anwendungsvorschläge</b></h2>
<p><strong>Frühstück:</strong> 50 – 80 g Haferflocken mit 1 EL Flohsamenschalen, Beeren und einem geriebenen Apfel. Optional 1 TL Flohsamenschalen in Joghurt einrühren und direkt trinken.</p>
<p><strong>Mittag:</strong> Linsensalat mit Karotten, Lauchzwiebeln, Zitronensaft und Olivenöl; dazu Orangenfilets für Pektin und Vita­min C.</p>
<p><strong>Snack:</strong> Naturjoghurt mit einer kleinen Portion Inulinpulver (2 – 3 g) zum Testen der Verträglichkeit; bei Beschwerden Menge reduzieren oder auf PHGG umsteigen.</p>
<p><strong>Abend:</strong> Gerstensuppe mit Wurzelgemüse; Vollkornbrot mit Hummus als präbiotische Ergänzung.</p>
<h2><b>Empfohlene Mengen und Zielwerte<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Die meisten Ernährungsgesellschaften empfehlen für Erwachsene insgesamt etwa 25 – 35 g Ballaststoffe pro Tag. Ein sinnvoller Fokus liegt darauf, einen substanziellen Anteil aus löslichen, viskösen Fasern zu decken, etwa 5 – 10 g täglich aus Quellen wie Hafer, Gerste, Flohsamenschalen, Pektin-reichem Obst und geeigneten Präbiotika. Praktisch erreichbar ist das über:</p>
<ul>
<li>1 Portion Hafer(Beta-Glucane: ca. 2 – 3 g),</li>
<li>1 – 2 Portionen Obst / Gemüsemit hohem Pektinanteil,</li>
<li>1 Portion Hülsenfrüchte,</li>
<li>1 – 2 TL Flohsamenschalen (lösliche Faser: ca. 3 – 6 g, je nach Produkt).</li>
</ul>
<h2><b>Langfristige Effekte über den Darm hinaus<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Ein gesunder, ballaststoffversorgter Darm kommuniziert über die Darm-Hirn-Achse, das Immunsystem und hormonähnliche Signale (Incretine, PYY, GLP-1) mit dem gesamten Organismus. Mehr lösliche Ballaststoffe gehen häufig mit besserer Sättigungsregulation, stabileren Energieniveaus und günstigen Blutwerten einher. Die erhöhte Produktion kurzkettiger Fettsäuren ist zudem mit reduzierten systemischen Entzündungsmarkern assoziiert, was langfristig Herz-Kreislauf- und Stoffwechselgesundheit unterstützen kann.</p>
<h2><b>Schnelle Fehlerkorrekturen aus der Praxis</b></h2>
<ul>
<li>Zu viel, zu schnell: Blähungen oder Krämpfe? Dosis reduzieren, auf mehrere kleine Portionen verteilen, gut kauen und Flüssigkeitszufuhr erhöhen.</li>
<li>Falscher Fasertyp: Beschwerden nach Inulin/FOS? Auf Psyllium, PHGG oder Hafer umsteigen und Hülsenfrüchte sorgsam zubereiten.</li>
<li>Zu wenig Flüssigkeit: Zäher Stuhl trotz mehr Faser? Trinkmenge überprüfen und viskose Fasern nicht „trocken“ einnehmen.</li>
</ul>
<h2><b>Praktische Empfehlungen für sportlich Aktive, die ihre Darmgesundheit fördern möchten</b></h2>
<ul>
<li>Ballaststoffreiche Ernährung: Verschiedene Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte liefern Substrate für SCFA-produzierende Bakterien</li>
<li>Probiotika &amp; fermentierte Lebensmittel: Joghurt, Kefir, Sauerkraut ergänzen das eigene Mikrobiom</li>
<li>Training variieren: Mäßiges Ausdauertraining fördert das Mikrobiom stärker als extrem intensive Einheiten</li>
<li>Erholung beachten: Chronisch hohes Trainingsvolumen ohne Pause kann die Darmintegrität beeinträchtigen</li>
<li>Hydration: Ausreichend Flüssigkeit unterstützt Schleimhautfunktionen</li>
</ul>
<h2><b>Fazit<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Lösliche Ballaststoffe sind ein vielseitiges Werkzeug zur Förderung der Darm­gesundheit. Ihre Gelbildung, Fermentierbarkeit und präbiotische Wirkung verbessern Barrierefunktion, Mikro­-biota-­Zusammensetzung, Stuhlregularität sowie metabolische Parameter wie Blutzucker und LDL-Cholesterin. Wer die Zufuhr langsam steigert, ausreichend trinkt und verträgliche Quellen wählt, legt eine stabile Grundlage für einen widerstandsfähigen Darm und eine ganzheitliche Gesundheit. Die Wechselbeziehung zwischen Darmgesundheit, kurzkettigen Fettsäuren und körper­licher Aktivität zeigt: Sporttreiben geht über Muskeln und Herz-Kreislauf hinaus. Wer sein Training langfristig optimieren möchte, sollte auch seine Darmgesundheit als integralen Bestandteil betrachten. Eine ballaststoffreiche Ernährung kombiniert mit moderater Bewegung scheint hier den vielversprechendsten Ansatz zu bieten. Für Menschen mit spezifischen Beschwerden oder Vorerkrankungen lohnt sich eine individuelle Abstimmung mit medizinischen Fachpersonen, um Art und Menge der löslichen Fasern optimal anzupassen.</p>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li>Sun Jo Kim, Cheol Woon Jung, Nguyen Hoang Anh et al. Effects of Oats (Avena sativa L.) on Inflammation: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials Front Nutr. 2021 Aug 27;8:722866</li>
<li>Nshanian, M., Gruber, J.J., Geller, B.S. et al. Short-chain fatty acid metabolites propionate and butyrate are unique epigenetic regulatory elements linking diet, metabolism and gene expression. Nat Metab 7, 196–211 (2025).</li>
<li>Medoro A, Castagnetti A, Intrieri M, et al Diet, mycobiome and virome: from mucosal immunity to gut-brain axis regulation. Front Nutr. 2026 Jun 29;13:1873950</li>
<li>Charlesson B, Jones J, Abbiss C, et al. Training load influences gut microbiome of highly trained rowing athletes. J Int Soc Sports Nutr. 2025; 22: 2507952.</li>
<li>Lynn A. Cialdella-Kam, Michael S Stone, Trisha M Sterringer et al. Improved dietary intake and readiness among United States Navy Future Sailors following mobile health application use. Front Digit Health 2026 Jun 23:8:1794165</li>
<li>Julian Häger, Holger Bang, Melanie Hagen et al. The Role of Dietary Fiber in Rheumatoid Arthritis Patients: A Feasibility Study Nutrients 2019, 11(10), 2392</li>
<li>Jieping Wang, Fuyi Ma, Pei-Fang Wang et al. Effects of Probiotic and Dietary Fiber Supplementation on Metabolic Syndrome-Related Features, Mood, and Sleep in Adults with Obesity. Nutrients 2026 Jun 9;18(12):1851.</li>
<li>Bountziouka V, Nelson CP, Codd V, Samani NJ. Higher dietary n – 3 PUFA and fiber intake are associated with longer leukocyte telomere length: Evidence from a substitution model analysis in the UK Biobank. Nutr Res. 2025 Oct;142:63-75.</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Von der Muskelverletzung zur Prähabilitation</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22850/von-der-muskelverletzung-zur-praehabilitation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt,&nbsp;Niklas Haberstroh,&nbsp;Dr. med. Andreas Schubert,&nbsp;Dr. med. Alexander-Stephan Henze,&nbsp;Robert Erbeldinger&nbsp;,&nbsp;Masiar Sabok Sir]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Sep 2026 09:25:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22850</guid>

					<description><![CDATA[Muskelverletzungen gehören seit Jahrzehnten zu den prägenden Themen der Sportmedizin. Die Münchner Konsensus-Klassifikation auf Basis von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrts Pionierarbeit markierte dabei einen entscheidenden Schritt: Sie entstand aus klinischer Erfahrung [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Muskelverletzungen gehören seit Jahrzehnten zu den prägenden Themen der Sportmedizin. </b><b>Die Münchner Konsensus-Klassifikation </b><b>auf Basis von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrts Pionierarbeit markierte dabei einen entscheidenden Schritt: Sie entstand aus klinischer Erfahrung für die klinische Praxis und bildet bis heute eine wichtige Grundlage für Diagnostik, konservative Therapie und wissenschaftliche Weiterentwicklung.</b></p>
<figure id="attachment_22851" aria-describedby="caption-attachment-22851" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22851" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-1024x512.jpg" alt="" width="755" height="378" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-1024x512.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-300x150.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-768x384.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-1536x768.jpg 1536w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-150x75.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-450x225.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt-1200x600.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/MuskelverletzungPraehabilitationMuellerWohlfahrt.jpg 1556w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22851" class="wp-caption-text">© sportärztezeitung</figcaption></figure>
<p>Seit vielen Jahren arbeitet die sportärzte­zeitung gemeinsam mit Spezialisten und Anwendern aus dem universitären und klinischen Bereich, erfahrenen Mannschaftsärzten sowie weiteren Partnern an der Entwicklung der konservativen Sportmedizin. Beispiele hierfür sind die seit 2014 etablierte CME-zertifizierte Ausbildung in der Stoßwellentherapie sowie Kongresse und Symposien, die sich zuletzt neben Verfahren zur physikalischen Therapie und Trainingstherapie auch zunehmend mit der Rolle der Ernährung in Therapie, Prähabilitation und Rehabilitation im Sinne einer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=hIV7lWwIoWw&amp;t=2581s">Targeted Nutrition</a> sowie den weiteren Bausteinen (z. B. Mind-Body-Medizin) dieser interdisziplinären Bereiche befassten. Eine fundierte Fortbildung soll dabei die Grundlage für eine moderne und zukunftsorientierte Patientenversorgung liefern. Pionierarbeiten – u. a. aus dem Umfeld des 1. FSV Mainz 05 – sowie zahlreiche wissenschaftliche Beiträge und klinische Erfahrungen aus Universitäten, Praxen und dem Spitzensport haben diesen Weg entscheidend mitgestaltet. Der in diesem Jahr in der <a href="https://www.fr.de/sport/fussball/stosswellentherapie-macht-mainz-05-zum-pionier-bei-muskelverletzungen-93986365.html">Frankfurter Rundschau veröffentlichte Artikel</a> über die Arbeit der sportärztezeitung griff diesen Zusammenhang bereits auf: Anhand der wissenschaftlichen Arbeiten zur <a href="https://academic.oup.com/bmb/article/155/1/ldaf009/8245774?login=false">Stoßwellentherapie bei Muskelverletzungen</a> – unter Bezug auf die Münchner Klassifikation – wurde die Entwicklung der konservativen Sportmedizin eingeordnet. Vor diesem Hintergrund erhielt der Dialog mit Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und seinem Team, <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/9702/update-muskelverletzungen/">fünf Jahre, nachdem wir das erste Mal mit ihm gesprochen hatten</a>, eine besondere Bedeutung. Die Quintessenz dieser von Respekt und Tatendrang geprägten Diskussion war eindeutig: Entscheidend sind nicht allein neue Verfahren, sondern ihre wissenschaftliche Einordnung, die strukturierte Ausbildung und vor allem die klinische Erfahrung in der täglichen Versorgung.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<hr />
<p>Es gibt Momente in einem Gespräch, in denen deutlich wird, dass es eigentlich um mehr geht als um das ursprüngliche Thema. So ist es auch an diesem Tag in München. Ausgangspunkt ist die Frage zu Muskelverletzungen – doch schon nach wenigen Minuten entwickelt sich eine viel grundlegendere Diskussion: über die Zukunft der Sportmedizin, über verlorengegangenes Wissen, über die Bedeutung der klinischen Untersuchung und über die Frage, wie Ärzte künftig ausgebildet werden müssen. Nach fünf Jahren diskutierten Robert Erbeldinger, Dr. Alexander-Stephan Henze und Masiar Sabok Sir wieder mit Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und seinem Ärzteteam, Niklas Haberstroh und Dr. Andreas Schubert in seiner Münchner Praxis. Dabei wird schnell klar: Es geht nicht um einen Gegensatz zwischen moderner Technik und klinischer Erfahrung. Es geht um die richtige Reihenfolge. Und um die Frage, ob der Mensch wieder vor dem Bild stehen muss. „Ich glaube dem, was ich fühle“, sagt Müller-Wohlfahrt irgendwann im Verlauf des Gesprächs. Ein Satz, der zunächst einfach klingt, aber den Kern der gesamten Diskussion trifft.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Die verlorene Sprache der Hände</b></h2>
<p>Wenn er über seine medizinische Entwicklung spricht, kommt er schnell auf eine prägende Begegnung zurück. In den 1970er-Jahren lernte er den Physiotherapeuten Hans Montag kennen – zunächst als Kontrahenten, später als Freund und wichtigen Lehrer. Diese Erfahrung wurde zur Grundlage eines Denkens, das die Münchner Praxis bis heute prägt: Der Körper muss verstanden werden, bevor man ihn behandelt. Hierbei sehen alle im Raum eine große Lücke in der medizinischen Ausbildung. „Die funktionelle Orthopädie wird in der Schulmedizin nicht wirklich gelehrt“, sagt Haberstroh. „Die Zusammenhänge zwischen Wirbelsäule, Gelenkfunktion und muskulärer Steuerung spielen in der klassischen Facharztausbildung kaum eine Rolle.“ Dabei seien gerade diese Zusammenhänge entscheidend. Ein Sportler verletze sich nicht, weil ein Muskel „zu schwach“ sei. Häufig sei das Gegenteil der Fall: Ein Muskel stehe bereits vor der Belastung unter zu hoher Spannung, weil die Steuerung im System nicht funktioniere. Blockierungen im Sprunggelenk, Funktionsstörungen der Wirbelsäule oder Einschränkungen der Beweglichkeit führen dazu, dass bestimmte Muskelgruppen permanent kompensieren müssten. „Diese funktionellen Zusammenhänge werden in der Ausbildung zu wenig vermittelt“, ergänzt Schubert. „Und was nicht gelehrt wird, wird später häufig auch nicht erkannt.“</p>
<h2><b>Ein Mensch ist nicht bloß ein Bild</b></h2>
<p>Viele Ärzte haben umfangreiche Erfahrung in operativen Verfahren, verfügen aber nur über begrenzte Möglichkeiten, komplexe funktionelle Zusammenhänge zu beurteilen. Gerade das Erkennen von Fehlfunktionen erfordert jedoch Erfahrung. Palpation, das gezielte Ertasten von Strukturen und Spannungsverhältnissen, lässt sich nicht ausschließlich theoretisch erlernen. „Palpation kann man nicht erklären, man muss sie zeigen“, sagt Müller-Wohlfahrt. „Man muss dem jungen Arzt zeigen, was man fühlt und warum man es fühlt.“ Hierbei wird auch auf ein fehlendes Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten junger Kollegen hingewiesen. Die Folge sei eine zunehmende Abhängigkeit von apparativer Diagnostik. „Wenn man sich nur auf Bilder verlässt, ist man bei Muskelverletzungen verloren“, sagt ­Haberstroh. Und genau hierbei sehen die Gesprächspartner einen großen Handlungsbedarf. Die konservative Sportmedizin müsse stärker an Universitäten, in Fortbildungen und auf Kongressen verankert werden. Dabei geht es nicht darum, ältere Methoden zu bewahren. Es geht darum, eine medizinische Kompetenz zu erhalten und weiterzuentwickeln, die durch moderne Diagnostik nicht ersetzt werden kann. Die Bildgebung kann krankhafte Strukturveränderungen zeigen, jedoch nicht die Funktionsstörung, die dazu geführt hat. Auch wenn betont wird, dass Magnetresonanztomografie (MRT) und andere bildgebende Verfahren wichtige Werkzeuge sind, so wird darauf hingewiesen, dass es problematisch wird, wenn aus einem Bild automatisch eine Diagnose und daraus wiederum eine Therapieentscheidung abgeleitet wird. Nicht jede Beschwerdesymptomatik entsteht durch einen sichtbaren strukturellen Schaden. Funktionsstörungen der Wirbelsäule, Bewegungseinschrän­kungen von Gelenken oder fehlerhafte muskuläre Steuerungen können erhebliche Pro­bleme verursachen, ohne dass die Bildgebung eine eindeutige Ursache liefert. Eine gestörte Beweglichkeit oder eine Reizung neuraler Strukturen kann dazu führen, dass Muskeln dauerhaft unter erhöhter Spannung stehen. Der Muskel wird anfälliger, die Belastbarkeit sinkt und Verletzungen entstehen. Diese Prozesse lassen sich häufig nicht in der Bildgebung erkennen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„Die MRT-Diagnose wird häufig so überbewertet, dass dem Spieler / Sportler eine Verletzung diagnostiziert wird, die dazu führt, dass er eine lange Ausfallzeit hat und dass er vielleicht sogar unnötig operiert wird“, so Haberstroh. Schubert nennt in diesem Zusammenhang ein einfaches Beispiel: „Man muss unterscheiden zwischen Schmerzen im Knie und Schmerzen am Knie. Im Knie kann beispielsweise ein Meniskusproblem verantwortlich sein. Am Knie kann aber auch ein Muskel oder eine funktionelle Störung die Ursache sein.“ Wenn ausschließlich das Bild behandelt werde, bestehe die Gefahr, dass operiert wird, während die eigentliche Beschwerdeursache bestehen bleibt. Es sollten die Ursachen, statt die Symptome behandelt werden. „Wir behandeln nicht nur einen Muskel. Wir behandeln einen Menschen, der diesen Muskel mitbringt“, beschreibt Haberstroh. Auch psychologische Aspekte dürfen nicht außer Acht gelassen werden: „Viele Patienten glauben mittlerweile, dass es besser wäre, vor dem ersten Arztbesuch schon MRT-Aufnahmen in der Tasche zu ­haben und mittels KI vorab Infos zur Diagnose-Stellung und potenziellen Therapie zu erhalten. Meiner Ansicht nach fatal, niemand weiß, was sowas mit einem macht. Der Patient weiß doch gar nicht, wie er reagieren soll, wenn er solche Infos und „Befunde“ ungefiltert erhält“, betont Erbeldinger.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ein zentrales Beispiel für den Unterschied zwischen rein struktureller Betrachtung und funktionellem Verständnis ist die Münchner Konsensus-Klassifikation der Muskelverletzungen. Entstanden aus jahrzehntelanger praktischer Erfahrung, verfolgt sie einen Ansatz, der die klinische Untersuchung und die tatsächliche Funktion des Muskels in den Mittelpunkt stellt. „Diese Klassifikation ist praxisnah“, sagt Müller-Wohlfahrt. „Das andere ist oft reine Theorie.“ Besonders deutlich wird die Bedeutung der muskuloskelettalen Funktionsdiag­nostik beim Thema Rücken. Bei Rückenschmerzen stößt eine rein strukturelle Betrachtung häufig an ihre Grenzen. „Die Wirbelsäule ist die Schaltzentrale“, erklärt Müller-Wohlfahrt. Eine funktionelle Störung der Wirbelsäule führt dazu, dass Nerven gereizt werden und einzelne Muskeln in eine dauerhafte Überakti­vität geraten. Dadurch können Schmerzen entstehen und Bewegungsmuster verändern sich. Gerade im Sport ist dieser Zusammenhang entscheidend. Ein Athlet kann an einer scheinbaren Muskelverletzung leiden, obwohl die Ursache in einer funktionellen Störung der Wirbelsäule, des Beckens oder eines Gelenks liegt. Hier zeigt sich die Stärke einer auf die gesamte Person ausgerichteten Therapie: Sie behandelt nicht nur den Ort des Schmerzes, sondern sucht nach dem Auslöser.</p>
<h2><b>Konservative Therapie – First line treatment statt bloßer Alternative</b></h2>
<p>Wenn über Aus- und Fortbildung gesprochen wird, muss differenziert werden. Während die operative Ausbildung in Deutschland international einen hervorragenden Ruf genießt und ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz vermittelt, zeigt sich im Bereich der konser­vativen Sportmedizin, dass Nachholbedarf vorhanden ist und es Mut braucht, neue Wege zu gehen. Für Henze ist der Begriff „konservativ“ nicht unproblematisch und kann häufig missverstanden werden: „Es klingt verstaubt, weniger innovativ und eher wie eine Alternative. Es ist aber keine Alternative, sondern first line treatment.“ Eine zeitgemäße konservative Therapie verbindet klinische Erfahrung mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und moderner Technologie. Sie nutzt funktionelle Diagnostik, apparative Unterstützung, Trainingstherapie, Physiotherapie, Osteopathie und gezielte regenerative Verfahren. Entscheidend ist dabei immer der Blick auf den gesamten Menschen – ganz im Sinne des Whole-Person-Health-Ansatzes. Nicht der einzelne Befund steht im Mittelpunkt, sondern die Frage: ­Warum hat dieser Mensch diese Beschwerden entwickelt? Genau darin liegt eine der größten Stärken der konservativen Medizin – und gleichzeitig eine ihrer größten Herausforderungen. Denn diese Form der Medizin benötigt Zeit. Zeit für die Anamnese, Zeit für die Untersuchung, Zeit für Erklärung und Kommunikation. Elemente, die in einem zunehmend standardisierten Gesundheitssystem schwer abzubilden sind. „Die Anfangsuntersuchung ist unsere größte Stärke, bei der wir viel Zeit investieren. Konzentration und Ruhe, da wird richtig geschaut – diagnostiziert“, beschreibt Müller-Wohlfahrt die Bedeutung. Gerade diese intensive Auseinandersetzung mit dem Patienten werde jedoch nicht ausreichend berücksichtigt und gewürdigt, dabei sei das doch die Basis der Medizin. Immer wieder kommt der Dialog auf den Patienten zu sprechen. Man merkt, dass alle Beteiligten die Bedeutung des Patienten für den gesamten Therapieerfolg als sehr groß bemessen. Eine nicht oft anzutreffende Patientenzentrierung, die konkrete, individuelle Interaktion, Empathie und Kommunikation zwischen Behandler und Patient betont. „Das ist ein grundsätzliches Problem der Orthopädie geworden. Ich weiß nicht, wie es in anderen Fachbereichen ist, aber dass dem Patienten nicht mehr zugehört wird, sondern er sofort zur apparativen Diagnostik geschickt wird, ist für mich unverständlich“, so Haberstroh.</p>
<h2><b>Prähabilitation: Der nächste Schritt einer modernen Medizin</b></h2>
<p>Genau hier schließt sich das nächste Thema des Dialogs an – die <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22442/praehabilitation-3/">Prähabi­litation</a>. Während Rehabilitation nach einer Verletzung oder Operation längst etabliert ist, setzt die Prähabilitation früher an: vor dem Eingriff. Die Idee dahinter ist einfach: Je besser ein Patient körperlich, mental und auch emotional vorbereitet ist, desto größer sind die Chancen auf ein gutes Behandlungsergebnis – egal ob es sich bei der maßgeblichen Therapie um eine OP oder eine andere beanspruchende therapeutische Intervention handelt. Es entsteht zwischen Diagnosestellung und der geplanten therapeutischen Intervention ein Open Window, ein wichtiges Zeitfenster, in dem die aus der Prävention, konservativen Therapie und Rehabilitation bekannten Behandlungsverfahren kompakt und zielgerichtet eingesetzt werden können. Diese Zeit kann zugleich als ein Window of Opportunity in der Arzt-Patienten-Beziehung angesehen werden, in dem die Edukation auf offene Ohren stößt und konkret umgesetzt wird, am und mit dem Patienten. Bewegung, Training, Ernährung, Stressmanagement und funktionelle Therapie können genutzt werden, um die Ausgangssituation zu verbessern. In diesem Zusammenhang betont Erbeldinger die größere Rolle der Sportmedizin: „Sie ist nicht nur dafür da, Sportverletzungen zu behandeln, sie hat einen gesamtgesellschaftlichen Auftrag – Gesundheit zu fördern und zu erhalten! Die Prähabilitation ist eine historische Chance, dies umzusetzen. Wenn man dieses Zeitfenster nutzt, kann man den Raum gemeinsam mit dem Patienten ausfüllen.“ Diese Perspektive verändert auch die Rolle des Patienten – körperlich, mental und funktionell. Konservative Medizin funktioniert nicht ausschließlich durch eine einzelne Maßnahme. Sie lebt von aktiver Mitarbeit. Übungen, Training und Veränderungen im Alltag gehören zum Behandlungskonzept. Der Patient wird vom passiven Empfänger einer Therapie zum aktiven Partner und maßgeblichen Teil seines eigenen Behandlungsteams. Am Uniklinikum Ulm, wo Alexander-Stephan Henze als Oberarzt tätig ist, blickt man auf positive Erfahrungen aus der Onkologie, wo präoperative Assessments, Bewegungsinterventionen und Trainingsprogramme, Ernährung (Targeted Nutrition) und Inhalte der Mind-Body-­Medizin bereits stärker integriert werden und positives Feedback erzeugen. „Warum sollte dieses Prinzip nicht auch im muskuloskelettalen Bereich funktionieren?“ fragt sich Henze. Die Idee dahinter, welche die Prävention und Prähabilitation verbindet: Nicht erst behandeln, wenn ein Problem maximal ausgeprägt ist, sondern möglichst frühzeitig Ressourcen schaffen.</p>
<h2><b>Die strukturellen Probleme: Anerkennung, Finanzierung und Zugang</b></h2>
<p>Trotz dieses Potenzials steht die konservative Medizin vor erheblichen Herausforderungen. Eine davon ist die fehlende Gleichstellung mit operativen Verfahren. Operationen sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil medizinischer Strukturen. Sie verfügen über etablierte Ausbildungswege, klare Qualitätsstandards und entsprechende Vergütungsmodelle. Die konservative Medizin hat diese Strukturen vielerorts noch nicht in gleicher Weise entwickelt. Das zeigt sich auch bei der Kostenübernahme. Viele konservative Verfahren, die im klinischen Alltag erfolgreich eingesetzt werden, sind nicht oder nur eingeschränkt Bestandteil der Regelversorgung. Gleichzeitig werden operative Maßnahmen häufig selbstverständlich finanziert. Dabei könnte eine hochwertige konservative Versorgung nicht nur medizinisch sinnvoll sein, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bieten. Wenn Beschwerden früh erkannt und behandelt werden, lassen sich möglicherweise invasive Eingriffe vermeiden oder hinauszögern. „Ich habe schon das Gefühl, dass all die konservativen Maßnahmen, sei es apparativer Natur, sei es Anfassen u. w. auch von den Patienten eingefordert werden, denn sie wollen sich nicht unbedingt operieren lassen und suchen nach Alternativen zur OP“, so Henze. Dafür braucht es jedoch einen Perspektivwechsel im Gesundheitssystem. Konservative Therapie darf nicht als Zusatzleistung verstanden werden, sondern als wesentlicher Bestandteil moderner Medizin – egal ob es sich dabei um Verfahren der manuellen Medizin / Therapie und Osteopathie, physikalischen Therapieverfahren (z. B. hochenerge­tische Stoßwellentherapie, gepulste LASER-Therapie, magnetfeldbasierte Verfahren), Injektionen (mit z. B. Actovegin, Eigenblutderivaten wie PRP und ACS, Stammzellentherapie wie SVF, Hyaluronsäure…), Targeted Nutrition oder die so elementare Trainingstherapie handelt. Einiges davon wird auch in der Münchner Praxis erfolgreich angewendet: „Du musst nicht Wunder bewirken, aber du musst Engagement zeigen“, bringt es Müller-Wohlfahrt auf den Punkt. Und konservative Medizin braucht Sichtbarkeit: „Wir müssen ausbilden, fortbilden und Wissen weitergeben. Daran führt kein Weg vorbei“, so Erbeldinger. Darin sind sich alle an diesem Tag einig.</p>
<h2><b>Die Zukunft: Verbindung statt Gegensatz</b></h2>
<p>Die Zukunft der konservativen Sportmedizin liegt nicht in der Rückkehr zu früheren Zeiten. Sie liegt in der Verbindung von Erfahrung und Innovation. Palpation und moderne Bildgebung schließen sich nicht aus. Anamnese und künstliche Intelligenz schließen sich nicht aus. Klinische Erfahrung und wissenschaftliche Evaluation schließen sich nicht aus. Entscheidend ist, wie diese Möglichkeiten eingesetzt werden. Die Sportmedizin kann hier eine Vorreiterrolle einnehmen. Denn gerade der Sport zeigt täglich, wie wichtig funktionelle Zusammenhänge sind. Belastung, Regeneration, Prävention und Leistungsfähigkeit lassen sich nicht auf einzelne Strukturen reduzieren. Die Herausforderung der kommenden Jahre wird deshalb sein, die konservative Medizin stärker in Ausbildung, Forschung und Versorgung zu integrieren. Dazu braucht es mehr Fortbildungen, mehr praktische Ausbildung, mehr Austausch zwischen erfahrenen Ärzten, Therapeuten und Nachwuchsmedizinern. Und es braucht ein neues Verständnis davon, was moderne Medizin leisten kann. Denn gute Medizin beginnt nicht mit einem Gerät und endet nicht mit einem Eingriff. Sie beginnt mit dem Menschen. Mit Zuhören, Verstehen und Untersuchen. Und mit der Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen. Genau darin liegt die große Chance der konservativen Sportmedizin: Nicht nur Verletzungen zu behandeln, sondern Gesundheit zu fördern und zu erhalten. Die zentrale Botschaft aller Gesprächspartner lautet: Die Medizin muss den Menschen wieder im Ganzen betrachten. Vielleicht ist deshalb der Satz von Müller-Wohlfahrt mehr als nur eine persönliche Haltung: „Ich glaube dem, was ich fühle.“</p>
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<p>Ergänzung <a href="https://sportaerztezeitung.com/author/froelich-thomas/">Dr. med. Thomas Frölich</a>:</p>
<p><b>Hands On </b>Unser Kollege H.-W.-Müller -Wohlfahrt hat bereits vor Jahrzehnten zusammen mit Hansi Montag, der uns leider viel zu früh verlassen hat, die Diagnostik und Therapie von Muskelverletzungen revolutioniert. Die Basis ist bei der Diagnostik wie bei der Therapie manuelles Ertasten und Erfühlen des Befundes. Auch aktuelle wiss. Arbeiten unterstreichen die Bedeutung manueller Verfahren in der Rehabilitation von Muskelverletzungen. Eine 2026 publizierte <a href="https://journal.igiinsight.com/index.php/IgiActivein/article/view/108">systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse</a> von 47 Studien mit insgesamt 3.284 Athleten zeigte signifikante Effekte der Massagetherapie auf Schmerz, Beweglichkeit und muskuläre Erholungsparameter; insbesondere tiefengewebige Techniken zeigten deutliche Effekte auf die Schmerz­reduktion.</p>
<p>Unsere eigenen jahrzehntelangen Erfahrungen mit Hochleistungssportlern kommen zu demselben Ergebnis. Tiefe Querfriktionen bei Muskelverletzungen in Kombination mit sportartspezifischen, dem Behandlungsverlauf angepassten Belastungen stellen die Basistherapie dar und sind der Schlüssel zu schnellem und vor allem nachhaltigen Erfolg. Eine eingehende Anamneseerhebung und manuelle Untersuchung sind ebenfalls die Basis bei der Diagnosefindung und können bei Bedarf durch Sono und MRT ergänzt werden. Die Therapie sollte zeitnah nach der Ersten Hilfe und Diagnosestellung beginnen. Auch eine operative Indikation sollte bei ausgedehnten Verletzungen mit Sehnenbeteiligung von einem erfahrenen Team überprüft werden. Die überwiegende Mehrzahl auch der myotendinösen Verletzungen kann konservativ behandelt werden. Spätestens jetzt beginnt die anstrengende Arbeit für die Therapeuten, da manuelle Querfriktionen kräftezehrend sind, auch wenn sie ergänzend mit Handballen, Unterarm oder Ellenbogen ausgeführt werden können. Wir bevorzugen mehrere kürzere Therapiesitzungen am Tag, immer ergänzt durch befundgerechte, sportartpezifische leichte Belastungseinheiten. Generelle Regel: je schwerer die Verletzung, je langsamer tasten wir uns physio- und trainingstherapeutisch an die Verletzung heran.</p>
<p><b><a href="https://sportaerztezeitung.com/author/froelich-thomas/">Dr. med. Thomas Frölich</a>, Sporttraumatologie Südwest (Böblingen), langjähriger Teamarzt des VfB Stuttgart und der TSG 1899 Hoffenheim</b></p>
<hr />
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			</item>
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		<title>Orthopädische Behandlung mit Hyaluronsäure</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22898/orthopaedische-behandlung-mit-hyaluronsaeure/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Milana Sönnichsen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2026 15:10:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Sozialgericht München hat den Medizinischen Dienst (MD) Bund per einstweiliger Anordnung verpflichtet, Aussagen des IGeL-Monitors gegen intraartikuläre Hyaluronsäure-Injektionen bei Knie- und Hüftgelenksarthrose zu unterlassen und von der Website zu [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Sozialgericht München hat den Medizinischen Dienst (MD) Bund per einstweiliger Anordnung verpflichtet, Aussagen des IGeL-Monitors gegen intraartikuläre Hyaluronsäure-Injektionen bei Knie- und Hüftgelenksarthrose zu unterlassen und von der Website zu löschen. <strong>Unzulässig</strong> ist die Kernbotschaft <strong>„nützen nichts, können aber schaden&#8220;</strong> und die schlechteste Bewertungsstufe <strong>„negativ&#8220;.</strong> Geklagt hatte ein Hersteller entsprechender Präparate.</p>
<p>Rechtlich wertet das Gericht die Negativ-Empfehlung als faktischen Grundrechtseingriff (funktionales Äquivalent) in die Berufsfreiheit der Hersteller (Art. 12 Abs. 1 S. 2 GG). Dafür fehle dem MD Bund die gesetzliche Grundlage.</p>
<p>Auch inhaltlich sah das Gericht erhebliche Mängel der Bewertung. Der MD Bund habe die bloße „Nichterweislichkeit der Wirksamkeit&#8220; unzulässig mit einem „Beweis der Nichtwirksamkeit&#8220; gleichgesetzt — ein statistischer Fehlschluss. Die Schadensbehauptungen (schwere unerwünschte Ereignisse, „Herzbeschwerden&#8220;) stützten sich nahezu allein auf Pereira 2022, widersprächen der größeren Metaanalyse Miller 2021 und blendeten das eigentlich gravierende Risiko der septischen Arthritis sowie die Risiken der Behandlungsalternativen (NSAR, Opioide, Endoprothetik) aus.</p>
<p>Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine vorläufige Entscheidung im Eilverfahren, nicht um ein rechtskräftiges Hauptsacheurteil.</p>
<p><strong>Empfehlung für die Praxis:</strong> Klären Sie Ihre Patienten weiterhin ergebnisoffen auf, dass die Evidenz für einen Nutzen nicht schulmedizinisch erwiesen ist — aber die Behandlung ist damit nicht „widerlegt&#8220; und die Erfahrungswerte aus der Praxis durchwegs positiv sind. Als individuelle Option bleibt Hyaloronsäure- Injektion insbesondere bei Patienten vertretbar, die NSAR/Opioide meiden müssen oder eine Endoprothese hinauszögern möchten. Dokumentieren Sie die Aufklärung (Selbstzahlerleistung, begrenzte Evidenz) sorgfältig.</p>
<p>Die Betreuung des Patienten durch die ärztliche Aufklärung der realen Möglichkeiten der modernen Medizin ist bei heutigen Kürzungen des Sozialversicherungssystem notwendiger denn je. Wir empfehlen, KI bei der Dokumentation der Aufklärung zu nutzen, die &#8211; mit Einverständnis des Patienten – während der Aufklärung diese aufzeichnet und dem Arzt mehr Zeit für die Versorgung lässt.</p>
<p>Quelle: SG München, Beschluss v. 14.08.2026, Az. S 59 KR 167/26 ER</p>
<p>Kontakt für Medizinrecht-Fragen: <a href="https://messner-rechtsanwaelte.de/">https://messner-rechtsanwaelte.de/</a></p>
<p><em>Veröffentlicht 03.09.2026</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Future Lab &#8211; Messen. Dokumentieren. Entscheiden.</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22902/future-lab-messen-dokumentieren-entscheiden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 09:21:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22902</guid>

					<description><![CDATA[Die moderne Therapie entwickelt sich weiter. Behandlungserfolge sollen heute nicht nur spürbar, sondern auch messbar, nachvollziehbar und dokumentierbar sein. Genau hier setzt das K-Active® Future Lab an. Erleben Sie moderne [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong> <span class="fontstyle0">Die </span><span class="fontstyle2">moderne Therapie </span><span class="fontstyle0">entwickelt sich weiter. Behandlungserfolge sollen heute nicht nur spürbar, sondern auch </span><span class="fontstyle2">messbar, nachvollziehbar und dokumentierbar </span><span class="fontstyle0">sein.</span> <span class="fontstyle0">Genau hier setzt das </span><span class="fontstyle2">K-Active</span><span class="fontstyle3">® </span><span class="fontstyle2">Future Lab </span></strong><span class="fontstyle0"><strong>an.</strong><br />
</span></p>
<p><span class="fontstyle0">Erleben Sie moderne Mess- und Analysesysteme nicht nur in der Theorie, sondern </span><span class="fontstyle2">testen Sie die Systeme selbst am eigenen Körper</span><span class="fontstyle0">. Entdecken Sie, wie objektive Daten Ihre Entscheidungen in Diagnostik, Therapie, Rehabilitation, Prävention, Training und Longevity unterstützen können.</span></p>
<p><span class="fontstyle0">FÜR WEN IST DAS FUTURE LAB GEDACHT?<br />
</span><span class="fontstyle2">Für </span><span class="fontstyle0">Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler, Heilpraktiker, Trainer und medizinische Fachkräfte</span><span class="fontstyle2">, die moderne Diagnostik kennenlernen und objektive Messdaten sinnvoll in ihren Berufsalltag integrieren möchten.</span></p>
<p>Alle Infos zum Ablauf, Themen und Anmeldung finden Sie <a href="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/20260830_Einladung_K-Active-Future-lab.pdf" target="_blank" rel="noopener">HIER</a></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Von der Idee zur Umsetzung</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22839/von-der-idee-zur-umsetzung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Erbeldinger&nbsp;,&nbsp;Masiar Sabok Sir]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 08:31:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22839</guid>

					<description><![CDATA[Vor exakt 20 Jahren haben wir unsere erste sportmedizinische Publikation veröffentlicht und uns auf einen Pfad begeben, dessen Bedeutung und Zielsetzung wir nie aus den Augen verloren haben. Vor der [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor exakt 20 Jahren haben wir unsere erste sportmedizinische Publikation veröffentlicht und uns auf einen Pfad begeben, dessen Bedeutung und Zielsetzung wir nie aus den Augen verloren haben. Vor der Umsetzung standen monatelange Vorbereitungen, viele Gespräche und eine Menge Ideen im Raum. Dabei spielte München von Anfang an eine Rolle. Dort besuchten wir 2006 mit der ISPO eine Messe, die gerade begonnen hatte, Health &amp; Fitness miteinander zu verbinden und sportmedizinische Themen zu forcieren. Auch wenn an der Umsetzung nicht alles ideal war, haben wir erkannt, dass sich die Sportmedizin für die gesamte Gesellschaft öffnen muss, um neue Zugänge zu schaffen und ihr Potenzial für eine moderne, ganzheitliche Versorgung zu entfalten. 20 Jahre später durften wir einen interessanten Medizin-Dialog in der Praxis von Dr. Müller-Wohlfahrt in München führen – das Ergebnis lesen Sie <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22850/von-der-muskelverletzung-zur-praehabilitation/">HIER</a></p>
<p>Von Anfang an wollten wir etwas entwickeln, das die Versorgung verbessert und einen konkreten Nutzen für Ärzte, Therapeuten und Patienten schafft. Rückblickend sind wir dankbar für diesen Weg – für die vielen Begegnungen, Diskussionen, Ideen und vor allem für die Menschen, die ihn mit uns gegangen sind. Heute hat sich die Versorgungsrealität weiter verändert – und viele der bestehenden Probleme haben sich sogar verschärft. Strukturen sind komplexer geworden, Anforderungen gestiegen und Ressourcen begrenzt. Gleichzeitig wissen wir: Alles hängt miteinander zusammen. Prävention / Prophylaxe, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation, Prähabilitation, Ernährung – Targeted Nutrition, Training und die Aus- und Fortbildung derjenigen, die diese Bereiche gestalten, dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Genau hier setzen wir an: Angebote und Lösungen aufzeigen, weiterentwickeln und in die Versorgung integrieren.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Unser Ziel ist eine auf den Menschen zentrierte und effiziente Sportmedizin – mit einem gesamtgesellschaftlichen Benefit. Wir wollen neue Versorgungsräume schaffen – in den Köpfen, aber ebenso in der konkreten Umsetzung. Denn Veränderung beginnt mit der Möglichkeit, Dinge anders zu denken, und wird erst dann wirksam, wenn daraus konkrete Strukturen und Angebote entstehen. Jeder Einzelne trägt dazu bei. Hindernisse werden dabei immer auftreten. Entscheidend ist jedoch die Entschlossenheit, sie zu überwinden. Hannibal soll vor der Überquerung der Alpen gesagt haben: „Aut viam inveniam aut faciam“ – Entweder wir finden einen Weg, oder wir machen einen! Darin steckt eine Haltung, die auch für die Sportmedizin heute wichtiger denn je ist: Nicht aufgeben, wenn ein Plan sich nicht direkt umsetzen lässt oder auf Gegenwind stößt, sondern selbst und gemeinsam aktiv eine Lösung erschaffen.</p>
<p>In diesem Zusammenhang entwickeln wir auch unser Fortbildungsangebot im kommenden Jahr konsequent weiter. Neben Symposium, Kongressen und Workshops werden wir insbesondere im Bereich Targeted Nutrition und Prähabilitation neue Formate präsentieren – live vor Ort und ebenso digital. Von der Idee zur Umsetzung bedeutet für uns: Räume für Veränderungen schaffen. Für eine Sportmedizin, die Versorgung nicht nur begleitet, sondern aktiv gestaltet.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sport mit Hüft- oder Knieprothese</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22697/sport-mit-hueft-oder-knieprothese/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Stefan Schmidl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Aug 2026 12:10:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22697</guid>

					<description><![CDATA[Die Endoprothetik hat sich in den letzten Jahrzehnten sowohl in technischer als auch in materialwissenschaftlicher Hinsicht weiterentwickelt. Der Motor hierfür sind die gestiegenen Anforderungen und Erwartungen von Prothesenträgern an das [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die Endoprothetik hat sich in den letzten Jahrzehnten sowohl in technischer als auch in materialwissenschaftlicher Hinsicht weiterentwickelt. Der Motor hierfür sind die gestiegenen Anforderungen und Erwartungen von Prothesenträgern an das Mobilitätsniveau sowie die demografische Entwicklung. Dies hat auch dazu geführt, dass bei passender Indikation, mehr Patienten im mittleren Lebensalter endoprothetisch versorgt werden [1, 2].</b></p>
<p>Damit einhergehend sind auch Beanspruchungen der Prothesen entsprechend der sportlichen Aktivität dieser Zielgruppe. Dies reicht von normalen Ausdauersportarten bis hin zu Ballsportarten mit entsprechenden Belastungen. Sowohl in der Klinik als auch im ambulanten Bereich tauchen daher zunehmend gezielte Fragestellungen nach passender sportlicher Betätigung nach endoprothetischer Versorgung auf [3 – 5].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Biomechanik, Materialien und Belastung</b></h2>
<p>Moderne Prothesen verwenden verbesserte Gleitpaarungen wie hochvernetztes Polyethylen und bevorzugen, bei entsprechender Knochenqualität, zementfreie Verankerungen. Daraus resultieren geringere Abrieb- und Verschleißerscheinungen und somit geringere Revisionsraten [6, 7]. Minimalinvasive und muskelschonende Zugänge erlauben eine zeitnahe Belastung und eine gesteigerte Mobilität, auch in der unmittelbaren postoperativen Phase, was mit einer frühen Wiederaufnahme der sportlichen Belastbarkeit einhergeht.</p>
<h2><b>Low-Impact vs. High-Impact-Sportarten</b></h2>
<p>Im Alltag unterscheidet man sportliche Aktivitäten nach ihrer Belastungsintensität, Dauer und mechanischen Spitzenkräften auf das Kunstgelenk. Generell gelten folgende Aktivitäten als empfehlenswert bzw. weitgehend sicher nach Hüft- und Knieendoprothesen:</p>
<ul>
<li>Low-Impact-Sportarten: Schwimmen, Radfahren, Wandern, Nordic Walking und Golf zeichnen sich durch geringe Stoß- und Scherkräfte sowie gleichmäßige Bewegungsabläufe aus und werden von den meisten Fachgesellschaften als risikoarm eingestuft.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Moderate Sportarten: Tanzen, Pilates oder moderate Gymnastik können je nach Patientenvoraus­setzungen und ärztlicher Einschätzung sinnvoll sein.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>High-Impact-Sportarten: Laufen, Fußball, Basketball, Handball oder intensiver Skisport gelten traditionell als weniger empfehlenswert wegen der hohen Stoßbelastungen und potenziell gesteigerter Abrieb- bzw. Lockerungsrisiken sowie der erhöhten Gefahr von periprothetischen Frakturen.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
</ul>
<p>In zahlreichen chirurgischen Umfragen und Reviews wurden Sportarten wie Wandern, Radfahren, Schwimmen oder Golf als die am häufigsten akzeptierten Aktivitäten nach Hüft- und Knieendoprothese genannt, während Kontaktsportarten und hochdynamische Dis­ziplinen überwiegend nicht empfohlen wurden [8 – 11].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Timing und postoperative Phase</b></h2>
<p>Ein frühzeitiger Wiedereinstieg der sportlichen Aktivität sollte erst nach abgeschlossener primärer Heilung und Reha-Phase erfolgen – in der Regel etwa 3 – 6 Monate postoperativ für Low-Impact-Sportarten. Für komplexere oder sportlich anspruchsvollere Aktivitäten wird häufig ein längeres Intervall empfohlen, um die muskuläre Stabilität, Koordination und das propriozeptive Niveau zu sichern.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Einfluss auf Prothesenstandzeit und Risiken</b></h2>
<p>Die Datenlage zu langfristigen Auswirkungen sportlicher Aktivität auf die Standzeit von Hüft- und Knieprothesen ist derzeit noch limitiert und heterogen. Einige Studien deuten an, dass hohe Spitzenbelastungen und repetitive Stoßkräfte mit einem erhöhten Abrieb und damit potenziell früheren Prothesenwechsel assoziiert sein könnten. Die meisten Studien haben ein follow-up von 10 – 15 Jahren. In der Hüftendoprothetik zeigt die Verwendung hochvernetztes Polyethylene im Vergleich zu normalen Kunststoffen deutlich weniger Abrieb und damit abriebinduzierte ­Lockerung sowie Revisionsraten [12, 13]. Etwas heterogener zeigt sich das Bild in der Kniegelenksendoprothetik. Hier scheint sich der Vorteil erst nach einem längeren Zeitintervall von 20 Jahren follow-up abzuzeichnen [14]. Somit ist eine individuelle Empfehlung für Patienten mit Knie- oder Hüftprothesen bezüglich der verschiedenen Sportarten sinnvoll.</p>
<p>Potenzielle Risiken umfassen:</p>
<ul>
<li>Periprothetische Frakturen nach traumatischen Ereignissen, insbesondere bei sportlicher Kollision oder bei Stürzen.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Luxationen (v. a. bei Hüften­do­prothesen) durch extreme Bewegungsamplituden oder instabile mechanische Situationen.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Abrieb und aseptische Lockerung durch repetitive Hochbelastungen, was langfristig zu einer Revision führen kann.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
</ul>
<h2><b>Präoperative Aktivität und Rückkehr zum Sport</b></h2>
<p>Patienten, die vor der Operation aktiv waren, kehren mit höherer Wahrscheinlichkeit nach der OP zu sportlichen Aktivitäten zurück. Bei zuvor inaktiven Patienten ist die Wahrscheinlichkeit geringer. Gleichzeitig zeigt sich ein Trend zu einer Verlagerung zugunsten von weniger belastenden Sportarten nach operativer Versorgung (Tabelle).</p>
<figure id="attachment_22700" aria-describedby="caption-attachment-22700" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22700" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-1024x571.jpg" alt="" width="755" height="421" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-1024x571.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-300x167.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-768x429.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-150x84.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-450x251.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226-1200x670.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/SChmidlTab_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22700" class="wp-caption-text">Tab. Sportarten nach Hüft- und Knieendoprothetik – Empfehlung und Bewertung</figcaption></figure>
<h2><b>Klinische Empfehlungen und individuelle Faktoren</b></h2>
<p>Aktuelle Fachgesellschaften wie die American Association of Hip and Knee Surgeons (AAHKS) oder nationale sportmedizinische Verbände empfehlen ärztlich individualisierte Entscheidungen, die Alter, BMI, Knochenqualität, Prothesentyp, präoperative Aktivität und chirurgische Technik berücksichtigen. Generell gilt: die Rückkehr zu sport­licher Aktivität sollte schrittweise, gut begleitet und patientenspezifisch dosiert erfolgen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Sportliche Aktivität nach Hüft- und Knieendoprothese ist nicht nur möglich, sondern – sofern medizinisch sinnvoll dosiert – auch gesundheitsfördernd. Low-Impact-Sportarten sind breit akzeptiert und meist ohne signifikante Risiken für die Implantatstandzeit durchführbar. High-Impact-Sportarten sollten kritisch geprüft und meist reduziert oder modifiziert werden. Die derzeitige Literatur zeigt, dass sportliche Aktivität die Funktion, Muskelkraft und Lebensqualität deutlich verbessert, während der direkte Einfluss auf die Langzeit-Prothesenstandzeit sich durch die Verwendung neuer Kunststoffe verbessert. Dadurch bleiben individualisierte und interdisziplinäre Empfehlungen zwischen Operateur, Sportmediziner und Physiotherapeut essenziell. Auch werden künftige Studien zeigen, ob unterschiedliche Empfehlungen für Sportarten und Belastungen für Patienten mit einer Hüft- oder Knieprothesen gelten werden. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fun Fact</b></h2>
<p>Ich habe diesen Winterurlaub einen sportlichen Snowboarder im mittleren Rentenalter mit zwei künstlichen Kniegelenken kennenlernen dürfen, der aktiv fährt und damit besser zurechtkommt als mit Ski, da beide Beine fest auf dem Brett arretiert sind. Mit diesem Bild im Hinterkopf sollte gelten: individuelle Beratung, die zur jeweiligen Lebenssituation und Anspruch des Prothesenträgers passt.</p>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li>Finkenstädt V, Niehaus F. Die Aussagekraft von Länder Renk links im Gesundheitsbereich -Eine Analyse des Einflusses der Altersstruktur auf die OECD Daten. 2015</li>
<li>Wengler A, Nimptsch U, Mansky T. Hip and knee replacement in Germany and the USA: analysis of individual inpatient data from German and US hospitals for the years 2005 to 2011. Dtsch Arztebl Int. 2014; 111:407-416. doi:10.3238/arzebl.2014.0407</li>
<li>Healy WL et al. Athletic activity after total joint arthroplasty. J Bone Joint Surg Am. 2008;90(10):2245–2252.</li>
<li>Wylde V et al. Return to sport after joint replacement.Sports Med. 2015;45:269–292.</li>
<li>Kuster MS. Exercise recommendations after total joint replacement. Sports Med. 2002;32:433–445.</li>
<li>Kurtz SM, Gawel HA, Patel JD. History and systematic review of wear and osteolysis outcomes for highly crosslinked polyethylene. Clin Orthop Relat Res. 2011;469(8):2262–2278. doi:10.1007/s11999-011-1872-4</li>
<li>Hanna SA, Somerville L, McCalden RW, Naudie DD, MacDonald SJ. Highly cross-linked polyethylene decreases the risk of revision in total hip arthroplasty at 15 years. <em>J Arthroplasty.</em> 2016;31(8):1736–1741. doi:10.1016/j.arth.2016.02.041</li>
<li>AAHKS Guidelines Committee.<em> Recommendations for return to sports after hip and knee arthroplasty.</em> J Arthroplasty. 2021;36:234–240.</li>
<li>Deutscher Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). <em>Sport nach Endoprothetik – Positionspapier.</em></li>
<li>Hoorntje A et al. <em>High activity levels after total hip arthroplasty: increased wear?</em><br />
Clin Orthop Relat Res. 2018;476:122–130.</li>
<li>Wylde V et al. <em>Return to sport after joint replacement. </em>Sports Med. 2015;45:269–292.</li>
<li>Parilla FW, et al. Excellent long-term outcomes of highly cross-linked polyethylene in total hip arthroplasty at 20 years. J Arthroplasty. 2024;39(1):45–52. doi:10.1016/j.arth.2023.08.012</li>
<li>Migliorini F, et al. Highly cross-linked polyethylene shows lower wear and revision rates in total hip arthroplasty: a network meta-analysis. Sci Rep. 2024;14:71326. doi:10.1038/s41598-024-71326-1</li>
<li>Prentice HA, et al. Highly crosslinked polyethylene is associated with a lower revision risk in total knee arthroplasty at 20-year follow-up. J Bone Joint Surg Am. 2026;108(2):123–131. doi:10.2106/JBJS.25.00456</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Indikationsspezifische Multispezies-Probiotika</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/22817/indikationsspezifische-multispezies-probiotika/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Hans-Georg Predel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Aug 2026 12:07:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22817</guid>

					<description><![CDATA[Hintergrund und Fragestellung: Aktuelle wissenschaftliche Befunde deuten auf eine potentiell positive Rolle eines intakten intestinalen Mikrobioms auf das allgemeine körperliche und mentale Wohlbefinden hin, wobei insbesondere die Verringerung gastrointestinaler Beschwerden, [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hintergrund und Fragestellung: </strong><strong>Aktuelle wissenschaftliche Befunde deuten auf eine potentiell positive Rolle eines intakten intestinalen Mikrobioms auf das allgemeine körperliche und mentale Wohlbefinden hin, wobei insbesondere die Verringerung gastrointestinaler Beschwerden, eine gesteigerte Immunkompetenz sowie positive metabolische Effekte u.a. den Energiestoffwechsel betreffend als auch eine gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit hervorzuheben sind (Markus et al. 2025; Beltragi et al 2025).</strong></p>
<p>Während unter körperlichen bzw. sportlichen Aktivitäten in geringer bis moderater Intensität generell positive Effekte hinsichtlich der o.g. Aspekte beobachtet werden, beeinflussen hochintensive Belastungen, wie sie regelmäßig bei Leistungssportlern vorkommen, sowohl das gastrointestinale System als auch die Immunkompetenz in potentiell ungünstiger Weise. Insbesondere nach einzelnen, starken Ausdauerbelastungen tritt häufig der sogenannte Open-Window-Effekt auf, in dem die Immunabwehr für mehrere Stunden bis Tage nach der Belastung eingeschränkt ist. So treten signifikant häufiger Infekte insbesondere der oberen Atemwege auf.</p>
<p>Während moderates Training mit einer erhöhten Diversität und einem gesundheitsförderlichen mikrobiellen Profil einhergeht, können sehr hohe Trainingsintensitäten das mikrobielle Gleichgewicht stören und eine Dysbiose begünstigen.  Sowohl die Hypoperfusion des Darms als auch die mikrobiellen Veränderungen stehen in engem Zusammenhang mit einer gesteigerten entzündlichen Aktivität sowie einer erhöhten Permeabilität der intestinalen Barriere (Leaky Gut). In der Folge können vermehrt bakterielle Bestandteile und Toxine aus dem Darm in den Blutkreislauf gelangen und Entzündungsreaktionen auslösen. Dieser Zustand, auch als Endotoxämie bezeichnet, wird bei Leistungs- und Ausdauersportlern häufig beobachtet. Klinisch manifestieren sich diese Prozesse häufig durch gastrointestinale Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Übelkeit (Al Beltagi et al. 2025).</p>
<p>Zudem kann die Integrität der Darmbarriere im Sinne eines „leaky-gut“ reduziert und lokale Entzündungsreaktionen stimuliert werden. Eine Reihe gastrointestinaler Beschwerden, wie Verdauungsstörungen, Diarrhö und abdominale Schmerzen können die Folge sein (Al Beltagi et al. 2025). Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass dem intestinalen Mikrobiom in der Pathogenese dieser gastrointestinalen Symptomatik eine Schlüsselrolle zukommt. Besonders unter hochintensiven Belastungen kann es zu einer Reduktion der mikrobiellen Diversität kommen. Studien zeigen, dass die Einnahme spezifischer Probiotika und die damit verbundene gezielte positive Modifikation des intestinalen Mikrobioms die Integrität der Darmbarriere wiederherstellen und in der Folge zu einer deutlichen Verbesserung der gastrointestinalen Symptomatik führen kann (Lamprecht <em>et al. </em>2012). Zudem wurden positive immunmodulatorische Effekte beobachtet, in deren Folge die Häufigkeit von Infekten der oberen Atemwege signifikant reduziert war (Strasser <em>et al</em>., Nutrients; 2016).</p>
<p>Insgesamt lässt sich feststellen, dass verschiedene Parameter, die die sportliche Leistungsfähigkeit von Athleten begünstigen, von einem intakten intestinalen Mikrobiom potentiell profitieren.</p>
<p>Ziel dieser Pilotstudie war es daher, den Einfluss der Gabe zweier indikationsspezifisch formulierter Multispezies-Probiotika morgens bzw. abends über einen Zeitraum von 12 Wochen intensiven bzw. hochintensiven Trainings – u.a. während eines Trainingslagers sowie eine Wettkampfvorbereitungsperiode bei einer Kohorte von Hochleistungssportler:innen auf die Zusammensetzung und Diversität des intestinalen Mikrobioms sowie das subjektive Gesundheits-und Fitnessempfinden zu untersuchen.</p>
<h2><strong>Probanden und Methodik</strong></h2>
<p>In dieser Pilotstudie nahmen 10 Leistungssportler (55,55% weiblich zu 44,44% männlich) zwischen 19 und 29 Jahren aus verschiedenen Laufdisziplinen täglich morgens das Multispezies-Probiotikums OMNi-BiOTiC® POWER (<u>1 Sachet mit total 6&#215;10⁹ KBE) </u>bzw. abends OMNi-BiOTiC® SR 9 (1 Sachet mit total 7,5<u>x10⁹ KBE)</u> über einen Zeitraum von 12 Wochen während einer intensiven bzw. hochintensiven Trainingsperiode zu sich. Täglich wurden hochintensive sportliche Belastungen über mehrere Stunden durchgeführt. Vor und nach der 12-wöchigen Trainingsphase wurden Stuhlproben zur Analyse des intestinalen Mikrobioms gesammelt sowie App-basierte Fragebögen zu subjektivem Befinden der Athleten durchgeführt. Die Analyse der Stuhlproben (OMNi-BiOTiC Scan®) beinhaltete die Artenvielfalt im Darmmikrobiom (Shannon Index), die Gesamtkeimzahl die Abundanz von Butyrat-bildenden Bakterien, von pathogenen und potentiell pathogenen Bakterien sowie von immunmodulierenden Bakterien. Der Fragebogen umfasste folgende Parameter: subjektive sportliche Leistungsfähigkeit, gastrointestinale Beschwerden, Infektanfälligkeit, Schlafqualität, Motivationslevel sowie mentale Fitness.</p>
<h2><strong>Ergebnisse </strong></h2>
<p>Durch die 12-wöchige Intervention mit den beiden medizinisch relevanten Multispezies-Probiotika konnte bei 80% der Athleten die Vielfalt der Darm-Mikrobiota signifikant gesteigert werden. In der Kontrollgruppe hingegen, sank die Diversität der gastrointestinalen-Mikrobiota bei sämtlichen Teilnehmern (Abbildung 1a). Qualitativ ergaben sich die folgenden Befunde: Bei 80% der Teilnehmer in der Probiotika-Gruppe konnte die <em>Clostridioides</em> <em>difficile</em> Anzahl verringert werden, während in der Kontrollgruppe bei 33% eine Zunahme festgestellt wurde (Abbildung 1b). Bei 40% der Teilnehmer in der Probiotika-Gruppe konnte die Gesamtkeimzahl der pathogenen oder potentiell pathogenen Keime reduziert werden, während sich in der Kontrollgruppe die Anzahl der pathogenen Keime bei 2 von 3 Teilnehmern erhöhte. Weiters konnten durch den Einsatz der Multispezies-Probiotika bei 80% der Teilnehmer in der Probiotika-Gruppe sowohl die anti-entzündlich wirkenden Butyrat-bildenden Bakterien (Abbildung 2a) als auch Bifidobakterien und Laktobazillen in ihrer Abundanz erhöht werden, wohingegen in der Kontrollgruppe 100% der Teilnehmer eine Verschlechterung hinsichtlich der Butyrat-bildenden Bakterien sowie 67% hinsichtlich der Bifidobakterien und Laktobazillen (Abbildung 2b) erfuhren. Die Auswertung der Fragebögen dokumentierte in der Probiotika-Gruppe im Gegensatz zu der Kontrollgruppe eine signifikant verbesserte subjektive Einschätzung hinsichtlich gastrointestinaler Beschwerden, Infektanfälligkeit, Schlafqualität, Motivationslevel, mentale Fitness sowie subjektive sportliche Leistungsfähigkeit.</p>
<figure id="attachment_22822" aria-describedby="caption-attachment-22822" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22822" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel1_saez0326-1024x545.jpg" alt="" width="755" height="402" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel1_saez0326-1024x545.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel1_saez0326-300x160.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel1_saez0326-768x409.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel1_saez0326-150x80.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel1_saez0326-450x239.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel1_saez0326-1200x638.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel1_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22822" class="wp-caption-text">Abb. 1: a) Durch die 12-wöchige tägliche Multispezies-Probiotika-Intervention konnte die bakterielle Diversität bei 80% der Athlet:innen gesteigert werden, wohingegen sie bei 100% der Sportler:innen in der Kontrollgruppe reduziert wurde. b) Die Abundanz des Keimes Clostridioides difficile konnte durch die Einnahme der medizinisch relevanten Multispezies-Probiotika in nur 12 Wochen bei 80% der Sportler:innen reduziert werden, wobei selbige in der Kontrollgruppe bei 33% der Teilnehmer:innen anstieg.</figcaption></figure>
<figure id="attachment_22823" aria-describedby="caption-attachment-22823" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22823" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel2_saez0326-1024x569.jpg" alt="" width="755" height="420" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel2_saez0326-1024x569.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel2_saez0326-300x167.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel2_saez0326-768x427.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel2_saez0326-150x83.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel2_saez0326-450x250.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel2_saez0326-1200x667.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/08/Predel2_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22823" class="wp-caption-text">Abb. 2: a) Die 12-wöchige Intervention mit zwei spezifisch ausgewählten Multispezies-Probiotika konnte die Abundanz von Butyrat-bildenden Bakterien bei 80% der Athlet:innen erhöhen, wohingegen sie bei 100% der Sportler:innen in der Kontrollgruppe sank. b) Die Abundanz von Laktobazillen wurde durch die Einnahme der medizinisch relevanten Multispezies-Probiotika in nur 12 Wochen bei 100% der Sportler:innen gesteigert, wobei es in der Kontrollgruppe zu einer Reduktion der Laktobazillen bei 67 % der Sportler kam.</figcaption></figure>
<h2><strong>Diskussion und Fazit</strong></h2>
<p>Die Ergebnisse dieser Pilotstudie legen nahe, dass eine 2x tägliche Gabe von speziell formulierten, indikationsspezifischen Multispezies-Probiotika mit positiven Effekten auf das intestinale Mikrobiom bei Leistungssportler:innen assoziiert war. Die standardisierten mikrobiellen Untersuchungen der Stuhlproben durch ein unabhängiges Labor belegte eine deutliche Verbesserung der physiologischen Diversität des Darm-Mikrobioms unter der Probiotika-Einnahme im Gegensatz zu der Kontrollgruppe ohne Probiotika-Einnahme. Gleichzeitig fanden sich potentiell positive qualitative Veränderungen des intestinalen Mikrobioms, wie z.B. ein erhöhter Anteil an Butyrat-bildenden Darmbakterien, Laktobazillen sowie Bifidobakterien, welche beim Menschen mit reduzierten Inflammationswerten und verbesserter Stoffwechselregulation korrelieren und damit einen positiven Beitrag zur körperlichen Leistungsfähigkeit, der Immunkompetenz sowie dem allgemeinen subjektiven Wohlbefinden leisten können (Singh et al. 2023, Xiao M. <em>et al</em>. 2024, Heczko P. B. <em>et al</em>. 2024). In diesem Sinne zeigt die Auswertung der App-basierten Fragebögen eine signifikant verbesserte subjektive Einschätzung hinsichtlich des subjektiv empfundenen Gesundheitsstatus sowie der sportlichen und mentalen Leistungsfähigkeit. Einschränkend muss allerdings auf die geringe Stichprobengröße hingewiesen werden, weshalb die erhobenen Befunde lediglich einen Hypothesen-generierenden Charakter haben können.</p>
<p><strong>Zusammenfassend</strong> lässt sich feststellen, dass die 12-wöchige Gabe von spezifisch ausgewählten Multispezies-Probiotika bei Athlet:innen während intensiver bzw. hochintensiver Belastungsphasen mit quantitativ und qualitativ positiven Effekten auf das intestinale Mikrobiom sowie den subjektiven Gesundheits- und Fitnessstatus assoziiert war. Weiterführende systematische Untersuchungen zu den potentiell positiven Effekten von wissenschaftlich geprüften Multispezies-Probiotika im Hochleistungssport sind dringend erforderlich.</p>
<p><em>Co-Autoren: </em><em>Riemer L¹, Klemm S², Stiegelbauer V², Bartschat F³ , Vassiliadis A⁴<br />
</em><em>¹Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin, Abt. I, Deutsche Sporthochschule Köln<br />
</em><em>²Institut Allergosan, Graz, Österreich<br />
</em><em>³Universität Münster, Institut für Sportwissenschaften<br />
</em><em>⁴ Olympiastützpunkt NRW/Rheinland</em></p>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li>Markus MRP, Weiss FU, Hertel J, Weiss S, Rühlemann M, Bang C, Franke A, Völker U, Homuth G, Kocher T, Völzke H, Lerch MM, Ittermann T, Felix SB, Ewert R, Bahls M, Dörr M, Frost F. Lower cardiorespiratory fitness is associated with an altered gut microbiome. The Study of Health in Pomerania (SHIP). Sci Rep. 2025 Feb 12;15(1):5171. doi: 10.1038/s41598-025-88415-4. PMID: 39939328; PMCID: PMC11822121.</li>
<li>Al-Beltagi M, Saeed NK, Bediwy AS, El-Sawaf Y, Elbatarny A, Elbeltagi R. Exploring the gut-exercise link: A systematic review of gastrointestinal disorders in physical activity. World J Gastroenterol. 2025 Jun 14;31(22):106835. doi: 10.3748/wjg.v31.i22.106835. PMID: 40539198; PMCID: PMC12175863.</li>
<li>Lamprecht M, Bogner S, Schippinger G, Steinbauer K, Fankhauser F, Hallstroem S, Schuetz B, Greilberger JF. Probiotic supplementation affects markers of intestinal barrier, oxidation, and inflammation in trained men; a randomized, double-blinded, placebo-controlled trial. J Int Soc Sports Nutr. 2012 Sep 20;9(1):45. doi: 10.1186/1550-2783-9-45. PMID: 22992437; PMCID: PMC3465223.</li>
<li>Strasser B, Geiger D, Schauer M, Gostner JM, Gatterer H, Burtscher M, Fuchs D. Probiotic Supplements Beneficially Affect Tryptophan-Kynurenine Metabolism and Reduce the Incidence of Upper Respiratory Tract Infections in Trained Athletes: A Randomized, Double-Blinded, Placebo-Controlled Trial. 2016 Nov 23;8(11):752. doi: 10.3390/nu8110752. PMID: 27886064; PMCID: PMC5133134.).</li>
<li>Singh V. <em>et al</em>. Butyrate producers, „The Sentinel of Gut“: their intestinal significance with and beyond butyrate, and prospective use as microbial therapeutics. <em>Frontiers in Microbiology</em>.13. 2023. doi: 10.3389/fmicb.2022.1103836</li>
<li>Xiao M. <em>et al</em>. Cross-feeding of bifidobacteria promotes intestinal homeostasis: a lifelong perspective on the host health. <em>Nature Biofilms and Microbes</em>. 10(47). 2024. doi: 10.1038/s41522-024-00524-6</li>
<li>Heczko P. B. <em>et al</em>. Importance of Lactobacilli for Human Health. <em>Microorganisms</em>.12(12). 2024. doi: 10.3390/micoorganisms12122382</li>
</ol>
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