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	<title>Rubriken Archive - sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
	<lastBuildDate>Fri, 12 Jun 2026 10:21:07 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Rubriken Archive - sportärztezeitung</title>
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	<item>
		<title>Show Wrestling</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Kenny Ludäscher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 08:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
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					<description><![CDATA[In den letzten Jahrzehnten hat sich professionelles Show Wrestling zu einer weltweit verbreiteten Form der sportlichen Unterhaltung entwickelt, mit einer großen Fangemeinde, international bekannten Athleten sowie regelmäßig stattfindenden Großveranstaltungen und [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>In den letzten Jahrzehnten hat sich professionelles Show Wrestling zu einer weltweit verbreiteten Form der sportlichen Unterhaltung entwickelt, mit einer großen Fangemeinde, international bekannten Athleten sowie regelmäßig stattfindenden Großveranstaltungen </b><b>und wöchentlichen Fernsehsendungen. Große Promotions</b><b> tragen wesentlich zur globalen Popularität dieses Sports bei und erreichen ein Millionenpublikum in zahlreichen Ländern.</b></p>
<p>Trotz seiner stark inszenierten und dramaturgischen Elemente stellt professionelles Wrestling eine körperlich äußerst anspruchsvolle Disziplin dar, die ein intensives Training, eine hohe athletische Leistungsfähigkeit sowie ein beträchtliches Maß an körperlicher Belastbarkeit erfordert. Es ist durch eine Vielzahl komplexer Bewegungsmuster gekennzeichnet, ­darunter Würfe, Hebeltechniken, Sprungbewegungen sowie wiederholte Sturz- und Aufprallbewegungen auf der Ringmatte. Darüber hinaus beinhaltet der Sport eine Kombination aus Kraft, Koordination, Gleichgewicht, Schnelligkeit und Körperkontrolle, die mit verschiedenen Kampfsportarten und akrobatischen Disziplinen vergleichbar ist [1 – 3]. Anders als bei vielen traditionellen Sportarten besteht das Ziel jedoch nicht ausschließlich im sportlichen Wettbewerb, sondern auch in der Darstellung eines choreografierten Kampfes vor Publikum. Dennoch müssen die Athleten zahlreiche technisch anspruchsvolle und teilweise riskante Manöver ausführen, die mit erheblichen biomechanischen Belastungen verbunden sind.</p>
<p>Ein besonderes Merkmal des professionellen Wrestlings ist, dass viele Bewegungen zwar geplant sind, ihre biomechanische Belastung jedoch real bleibt. Würfe wie Suplex-Varianten, Powerbomb-Techniken oder DDT-Manöver können erhebliche Kräfte auf Wirbelsäule, Schultern und Extremitäten erzeugen. Während eines Matches treten zudem häufig wiederholte Aufprallbewegungen auf, die zu kumulativen Belastungen des Bewegungsapparates führen können [4, 5]. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Beschaffenheit des Rings. Obwohl der Wrestlingring äußerlich weich erscheint, besteht seine Konstruktion in der Regel aus einer stabilen Holzbasis mit einer relativ dünnen Polsterschicht und einer gespannten Ringplane. Diese Struktur reduziert zwar einen Teil der Aufprallenergie, führt jedoch weiterhin zu erheblichen Stoß­belastungen auf den Bewegungsapparat der Athleten. Wiederholte Stürze auf diese Oberfläche können daher zu akuten Verletzungen sowie langfristigen degenerativen Veränderungen führen [3, 6]. Epidemiologische Studien aus Amateur- und College-Wrestling zeigen, dass die Verletzungsinzidenz in dieser Sportart relativ hoch ist und zwischen 5,7 und 9,6 Verletzungen pro 1.000 Athleten liegt [1, 4]. Obwohl spezifische wissenschaftliche Daten zum professionellen Show Wrestling begrenzt sind, lassen sich viele Verletzungsmuster aufgrund der vergleichbaren biomechanischen Anforderungen auf diese Disziplin übertragen.</p>
<h2><b>Biomechanische Besonderheiten</b></h2>
<p>Aus biomechanischer Sicht stellt professionelles Wrestling eine einzigartige Kombination aus Kampfsport, Kraftsport und akrobatischen Bewegungen dar. Viele der im Ring ausgeführten Techniken beruhen auf komplexen kinetischen Ketten, bei denen mehrere Muskelgruppen und Gelenke gleichzeitig aktiviert werden. Ein Beispiel hierfür sind Wurfbewegungen wie Suplex-Techniken. Bei diesen Manövern erfolgt die Kraftübertragung zunächst über eine explosive Streckung der unteren Extremitäten, insbesondere der Knie- und Hüftgelenke. Die erzeugten Kräfte werden anschließend über den Rumpf auf die oberen Extremitäten übertragen, um den Gegner anzuheben und zu kontrollieren. Während der anschließenden Landung wirken erhebliche Kompressions- und Rotationskräfte auf die Wirbelsäule beider Athleten [2, 7]. Darüber hinaus sind sogenannte „High-Flying Moves“, also Sprungmanöver von den Ringseilen oder erhöhten Plattformen, biomechanisch besonders anspruchsvoll. Diese Bewegungen beinhalten häufig Rotationen des Körpers in der Luft sowie Landungen aus erhöhter Position. Die dabei entstehenden vertikalen Beschleunigungskräfte werden über Füße, Knie und Hüfte auf den gesamten Bewegungsapparat übertragen [7, 8]. Ein weiterer bedeutender biomechanischer Faktor ist die wiederholte Belastung des Kopf- und Nackenbereichs. Selbst kontrollierte Aufprallbewegungen können zu abrupten Be-<br />
schleunigungs- und Rotationskräften des Kopfes führen. Diese Kräfte gelten als besonders relevant, da sie mit dem Risiko von Gehirnerschütterungen und anderen traumatischen Hirnverletzungen verbunden sein können [8 – 10].</p>
<h2><b>Verletzungsmuster</b></h2>
<p>Die Kombination aus wiederholten Aufprallbewegungen, intensiven körperlichen Kontakten und komplexen Bewegungsabläufen führt zu einem charakteristischen Verletzungsprofil. Studien aus dem Amateur- und College-Wrestling zeigen, dass Verletzungen sowohl durch akute Traumata als auch durch chronische Überlastung entstehen können [1, 4]. Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass zu den am häufigsten betroffenen Körperregionen Knie, Schulter sowie Kopf und Gesicht gehören [1, 5]. Verstauchungen, Muskelverletzungen und Bandverletzungen zählen zu den häufigsten Diagnosen. Auch Frakturen sowie Gelenkluxationen treten in dieser Sportart regelmäßig auf [4, 5]. Verletzungen der oberen Extremitäten treten ebenfalls häufig auf. Dazu gehören Schulterluxationen, Verletzungen der Rotatorenmanschette sowie Bandverletzungen des Ellenbogens. Diese entstehen häufig durch Hebeltechniken, Würfe oder Sturzbewegungen, bei denen der Arm als Stütze verwendet wird [2, 6].</p>
<p>Auch die unteren Extremitäten sind regelmäßig betroffen. Typische Verletzungen umfassen Bandverletzungen des Kniegelenks, Meniskusschäden sowie Sprunggelenksdistorsionen. Diese treten häufig bei Landungen nach Sprungbewegungen oder bei abrupten Richtungswechseln während eines Matches auf [4, 7]. Darüber hinaus haben neurologische Verletzungen in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit erhalten. Mehrere Studien zeigen, dass Wrestling zu den Sportarten mit einem erhöhten Risiko für Gehirnerschütterungen gehört, insbesondere bei jungen Athleten [8, 9]. Wiederholte Kopfstöße oder Beschleunigungen des Kopfes können zu akuten neurologischen Symptomen führen und langfristig mit neurodegenerativen Veränderungen in Ver­bindung gebracht werden [10, 11]. Neben akuten Verletzungen spielen auch chronische Überlastungsschäden eine wichtige Rolle. Wiederholte Aufprallbewegungen sowie die hohe Trainings- und Wettkampfbelastung können langfristig zu degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule, der Schultergelenke oder der Kniegelenke führen [6, 12].</p>
<h2><b>Langzeitfolgen</b></h2>
<p>In den letzten Jahren haben mögliche Langzeitfolgen wiederholter Kopftraumata im professionellen Wrestling zunehmende wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten. Besonders im Fokus steht dabei die chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE), eine neuro­degenerative Erkrankung, die mit wiederholten traumatischen Hirnverletzungen in Verbindung gebracht wird [10 – 13]. Neuropathologische Untersuchungen konnten CTE bereits bei Athleten verschiedener Kontaktsportarten nachweisen. In einer der ersten Fallstudien wurde diese Erkrankung auch bei einem professionellen Wrestler beschrieben [11]. Typische klinische Symptome umfassen Gedächtnisstörungen, kognitive Beeinträchtigungen, Depressionen sowie Verhaltensveränderungen. Neben neurologischen Erkrankungen werden auch degenerative Veränderungen der Wirbelsäule häufig bei ehemaligen Wrestlern beschrieben. Wiederholte axiale Belastungen, Stürze und Rotationsbewegungen können langfristig zu Bandscheibendegenerationen, chronischen Rückenschmerzen und zervikalen Wirbelsäulenproblemen führen [6, 12]. Darüber hinaus zeigen einige Studien, dass professionelle Wrestler im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Risiko für frühzeitige Mortalität sowie für kardiovaskuläre Erkrankungen aufweisen [14]. Diese Beobachtungen werden mit der hohen körperlichen Belastung, chronischen Verletzungen sowie teilweise auch mit Lebensstilfaktoren in Verbindung gebracht.</p>
<h2><b>Prävention<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Angesichts der hohen körperlichen Belastungen im professionellen Wrestling sind präventive Maßnahmen von großer Bedeutung. Ein zentraler Ansatz besteht in der Verbesserung der technischen Ausbildung der Athleten. Insbesondere das korrekte Erlernen von Falltechniken („Bumps“) kann dazu beitragen, Aufprallkräfte besser zu verteilen und das Risiko schwerer Verletzungen zu reduzieren [3]. Darüber hinaus spielt ein gezieltes Kraft- und Stabilitätstraining eine wichtige Rolle. Insbesondere die Stärkung der Nacken- und Rumpfmuskulatur kann dazu beitragen, die Belastung auf Kopf und Wirbelsäule zu reduzieren und potenziell das Risiko von Kopfverletzungen zu verringern [8, 10]. Ein weiterer wichtiger präventiver Faktor ist das medizinische Monitoring. Moderne medizinische Protokolle zur Diagnose und Behandlung von Gehirnerschütterungen werden zunehmend auch im professionellen Wrestling eingesetzt. Dazu gehören standardisierte neurologische Untersuchungen sowie klare Return-to-Play-Richtlinien nach Kopfverletzungen [9]. Schließlich können auch organisatorische Maßnahmen zur Prävention beitragen. Dazu zählen ausreichende Regenerationszeiten zwischen Matches, eine Begrenzung besonders riskanter Manöver sowie eine kontinuierliche medizinische Betreuung der Athleten.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Professionelles Show Wrestling stellt trotz seines inszenierten Charakters eine Sportart mit erheblichen biomechanischen Belastungen dar. Wiederholte Sturzbewegungen, komplexe Wurftechniken und intensive körperliche Kontakte führen zu einem charakteristischen Verletzungsprofil, das insbesondere Knie-, Schulter- und Kopfverletzungen umfasst. Darüber hinaus können wiederholte Kopftraumata langfristige neurologische Folgen wie chronisch-traumatische Enzephalopathie begünstigen. Ein besseres Verständnis der biomechanischen Belastungen sowie ge­zielte Präventionsstrategien, einschließlich technischer Ausbildung, Krafttraining und medizinischer Überwachung, sind daher entscheidend, um das Verletzungsrisiko zu reduzieren und die langfristige Gesundheit der Athleten zu schützen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol style="font-weight: 400;">
<li>Dick R., Agel J., Marshall S. (2007). NCAA Injury Surveillance System: Wrestling injuries. <em>Journal of Athletic Training.</em></li>
<li>Knowles S. et al. (2006). Risk of injury in collegiate wrestling. <em>American Journal of Sports Medicine.</em></li>
<li>Hootman J., Dick R., Agel J. (2007). Epidemiology of collegiate injuries for 15 sports. <em>Journal of Athletic Training.</em></li>
<li>Yard E., Collins C. (2008). Injuries in high school wrestling. <em>American Journal of Sports Medicine.</em></li>
<li>Stanbouly D. et al. (2020). Epidemiology of wrestling injuries in the United States. <em>Orthopaedic Journal of Sports Medicine.</em></li>
<li>Piussi R. et al. (2024). Experiences of professional wrestlers after ACL injury. <em>BMJ Open Sport &amp; Exercise Medicine.</em></li>
<li>Hecimovich M., King D., Garrett T. (2016). Head impact analysis in wrestling. <em>International Journal of Wrestling Science.</em></li>
<li>Pfister T. et al. (2016). Incidence of concussion in youth sports. <em>Archives of Clinical Neuropsychology.</em></li>
<li>Kerr Z. et al. (2015). Epidemiology of concussion in collegiate sports. <em>American Journal of Sports Medicine.</em></li>
<li>McKee A. et al. (2013). The spectrum of disease in chronic traumatic encephalopathy. <em>Brain.</em></li>
<li>Omalu B. et al. (2010). Chronic traumatic encephalopathy in a professional wrestler. <em>Journal of Forensic Nursing.</em></li>
<li>Bailes J., Petraglia A. (2013). Chronic traumatic encephalopathy in contact sports. <em>Neurosurgery.</em></li>
<li>Mez J. et al. (2017). Clinicopathological evaluation of chronic traumatic encephalopathy. <em>JAMA.</em></li>
<li>Lehman E. et al. (2013). Mortality of professional wrestlers. <em>American Journal of Sports Medicine.</em></li>
</ol>
<p>&nbsp;</p>
<p><span class="fontstyle0"><strong>FILMTIPPS DER REDAKTION</strong></span></p>
<p><span class="fontstyle0"><br />
</span><span class="fontstyle2"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Wrestler_%E2%80%93_Ruhm,_Liebe,_Schmerz">THE WRESTLER (USA 2008) </a><br />
In The Wrestler von Darren Aronofsky spielt Mickey Rourke einen gescheiterten Wrestler, der lernen muss, außerhalb des Rings zu funktionieren.</span></p>
<p><span class="fontstyle2"><br />
</span><span class="fontstyle2"><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Fighting_with_My_Family">FIGHTING WITH MY FAMILY (GB 2019)</a></span></p>
<p><span class="fontstyle2">Fighting with My Family ist eine Tragikomödie von Stephen Merchant über die wahre Geschichte einer Wrestling-Familie, deren Kinder die Chance erhalten, groß in der WWE rauszukommen.<br />
</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Stretching trifft Faszienforschung</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22597/stretching-trifft-faszienforschung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. Robert Schleip&nbsp;,&nbsp;Franziska Wittleder]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2026 10:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Faszien waren lange das „Aschenputtel“ der muskuloskelettalen Medizin – strukturell präsent, funktionell unterschätzt. Spätestens seit der intensiveren Forschung der letzten 15 Jahre rücken sie jedoch zunehmend ins Rampenlicht. Bildgebende Studien [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Faszien waren lange das „Aschenputtel“ der muskuloskelettalen Medizin – strukturell präsent, funktionell unterschätzt. Spätestens seit der intensiveren Forschung der letzten 15 Jahre rücken sie jedoch zunehmend ins Rampenlicht. Bildgebende Studien zeigen, dass bei uskelverletzungen myofasziale und myotendinöse Läsionen deutlich häufiger auftreten als isolierte Muskelschäden – 32,1 % myofaszial, 68,4 % myotendinös, nur 12,7 % isoliert muskulär [1].</b></p>
<p>Die klinische Konsequenz ist klar: Wer Prävention, Rehabilitation und Return-to-Play-Strategien optimieren möchte, muss das myofasziale Kontinuum systematisch mitdenken.</p>
<h2><b>Der Körper als Zugspannungsnetzwerk</b></h2>
<p>Stellt man sich den Bewegungsapparat als reines Hebelsystem vor, greift man zu kurz. Bis zu 30 – 40 % der Muskelkraft werden nicht longitudinal über die Sehne übertragen, sondern lateral über myofasziale Verbindungen [2]. Spannungsveränderungen in der Plantarfaszie sind per Ultraschall bis in proximale dorsale Strukturen nachweisbar [3] – das Gewebe kommuniziert über weite Strecken. Eine Verletzung ist damit selten ein lokales Ereignis, sondern verändert die Zugspannung entlang ganzer Ketten. Wie relevant das im klinischen Alltag ist, zeigt ein Blick auf chronischen Rückenschmerz: Betroffene weisen per Ultraschall eine messbar reduzierte Scherbeweglichkeit der thorakolum­balen Faszie auf [4, 5]. Intrafasziale Hyaluronsäure-Injektionen zur Wiederherstellung dieser Gleitfähigkeit führten bei 70 % der Behandelten zu klinisch relevanten Verbesserungen, mit einer mittleren Schmerzreduktion von 37 % [6]. Fasziale Steifigkeit ist also kein Randphänomen – sie ist pathophysiologisch relevant und therapeutisch adressierbar.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Praktisch lässt sich das gut bei Achillessehnenbeschwerden beobachten. Diese äußern sich häufig nicht nur in lokalen, sondern auch proximalen Defiziten, etwa in Hip-Extension-Kraft und Bewegungs- / Belastungsmustern entlang der unteren Extremität. Entsprechend empfehlen aktuelle Rehabilitationskonzepte, neben der lokalen Sehnenbelastung auch die gesamte myofasziale Zugspannungskette (oberflächliche Dorsallinie) zu berücksichtigen [7]. Der Körper reagiert als Einheit und eine wirksame Therapie muss das berücksichtigen.</p>
<h2><b>Aktuelle Forschung zum Dehnen</b></h2>
<p>Statisches Dehnen hat eine turbulente Karriere hinter sich. Jahrzehntelang Pflicht, dann plötzlich Risikofaktor. Der aktuelle Stand ist klarer, als die Debatte vermuten lässt. Statisches Dehnen unter 60 Sekunden pro Muskelgruppe hat keine negativen Effekte auf Kraft und Leistung und ist dazu geeignet im vollständigen Aufwärmprogramm sogar die Verletzungsrate zu reduzieren [8]. Wer allerdings Haltungsverbesserungen erwartet, wird enttäuscht: Eine Metaanalyse über 23 Studien und 969 Teilnehmende fand keine signifikanten Haltungseffekte durch Dehnen. Hierzu ist Muskekräftigungstraining offenbar besser geeignet [9]. Überraschend robust sind hingegen die Befunde zur Gefäßgesundheit: Regelmäßiges Dehnen senkt den Blutdruck. Eine Auswertung von 69 Studien mit überwiegend über 40-Jährigen zeigt, dass regelmäßiges Dehnen über mindestens vier Wochen die arterielle Steifigkeit signifikant senkt, die endotheliale Funktion verbessert und den diastolischen Blutdruck reduziert [10]. Als Mechanismen werden erhöhte NO-Produktion in Endothelzellen und reduzierte sympathische Aktivierung diskutiert. Stretching ist damit nicht nur Gelenkpflege – es ist kardiovaskuläre Prävention.</p>
<p>Und dann noch das: prolongiertes Dehnen löst Hypertrophie und Kraftzuwachs aus. Nach sechs Wochen täglicher einstündiger Dehnung der plantaren Flexoren stieg der Muskelquerschnitt des Gastrocnemius um 15,2 %, der Bewegungsumfang um bis zu 27,3 %, mit Kraftzuwächsen und kontralateralem Krafttransfer auf das unbehandelte Bein [11]. Eine Vergleichsstudie zwischen statischem Dehnen der Wade und alternativ einer exzentrischen Kräftigungsbelastung derselben Struktur ordnet das ein: Während die ROM-Zuwächse bei beiden Modalitäten vergleichbar waren, bewirkte nur die muskuläre Kräftigungsübung – und nicht die passive Dehnung – eine Reduktion der passiven Steifigkeit [12].</p>
<h2><b>Klinische Empfehlungen: Ziel bestimmt Protokoll</b></h2>
<p>Das Problem in der Praxis ist nicht fehlendes Wissen. Es ist fehlende Präzision. Dehnen wird verschrieben wie Paracetamol – irgendwie, irgendwann, irgendwie lange. Das reicht nicht. Ein internationales Delphi-Konsensuspanel hat konkrete Dosierungen erarbeitet [13]: Kurzfristige Beweglichkeit? Zwei Sätze à 5 bis 30 Sekunden. Dauerhafte Beweglichkeitsgewinne? Täglich zwei bis drei Sätze à 30 bis 120 Sekunden, statisch oder PNF. Passive Steifigkeit senken? Hochintensives statisches Dehnen, mindestens zehn Minuten, fünfmal pro Woche, mindestens drei Wochen. Kardiovaskuläre Effekte? Mindestens sieben Minuten täglich über vier Wochen. Kraftaufbau durch Dehnen? Mehr als 15 Minuten, fünfmal wöchentlich, mindestens sechs Wochen. Dosis ist Diagnose. Und je nach Rehabilitationsphase sollte die Dehnungsintensität nicht konstant gehalten werden: Hohe zyklische Dehnreize von 10 % Strain beschleunigen früh die Kollagenausrichtung. Moderatere 5 % Strain liefern langfristig mehr Kollagengehalt und höhere Gewebesteifigkeit [14]. In anderen Worten: Früh höher belasten – später anpassen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wer mit älteren Erwachsenen arbeitet, sollte zudem wissen: Bei ihnen limitiert zunehmend die Steifigkeit epineuraler Faszienhüllen – insbesondere des N. ischiadicus – die Beweglichkeit am oberen Sprunggelenk; im Gegensatz zu jüngeren Erwachsenen, bei denen eher benachbarte myofasziale Gewebe eine Rolle spielen [15]. Mehrgelenkige Dehnformen, die muskuläre und neurale Strukturen simultan adressieren, sind hier klar die bevorzugte Methode. Die optimale Dauer von Dehnreizen hängt offenbar auch von der Gewebearchitektur ab. Weniger steifes Narbengewebe kann bei kurzzeitigen Dehnungen durch das umgebende Gewebe mechanisch abgeschirmt werden (stress shielding) und bleibt funktionell unterfordert [16]. Längere Belastungen – etwa isometrische Kontraktionen von ~30 s – ermöglichen hingegen durch viskoelastische Anpassungen eine gleichmäßigere Spannungsverteilung und damit eine bessere Einbindung des Narbengewebes.</p>
<h2><b>Vibrationsstimulation als Adjunct</b></h2>
<p>Einsatz von Vibration zur Steigerung der Wirksamkeit von Dehnungen – das klingt nach Wellness, ist aber zunehmend evidenzbasiert. Eine systematische Übersichtsarbeit mit über 1.900 Beobachtungen zeigt, dass sich die beweglichkeitsfördernde Wirkung von Dehnungen durch die gleichzeitige Anwendung mechanischer Vibration sowohl kurzfristig als auch langfristig verstärken lässt (Abb.). Auch für die Reduktion lokaler Versteifungen zeigte sich ein ähnlicher Effekt – allerdings nur im kurzfristigen, akuten Anwendungsvergleich und ohne Hinweise auf eine nachhaltige Wirkung [17].</p>
<h2><b>Was Dehnen noch kann – und was wir gerade erst entdecken</b></h2>
<p>Was wäre, wenn Dehnen eines Tages nicht nur Gelenke schützt, sondern ­Tumorwachstum hemmt? Tierexperimentelle Daten zeigen genau das: Regelmäßiges Dehnen reduzierte im Mausmodell das Tumorwachstum um 30 – 50 %, veränderte die Kollagenorgani­sation an der Tumorgrenzfläche und hemmte die Zellmigration in vitro [18]. Die klinische Übertragbarkeit ist offen – aber das Grundprinzip dahinter ist es nicht: Bindegewebe ist kein passives Substrat, sondern ein aktiver Regulator zellulärer Prozesse. Mechanische Reize sind sein primärer Stimulus – und wir fangen gerade erst an zu verstehen, wie weit diese Wirkung reicht.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Das Bild, das die Forschung heute zeichnet, ist eindeutig: Krafttraining, Dehnen und neuromuskuläre Stimu­lation konkurrieren nicht. Sie ergänzen sich. Unterschiedliche Gewebeschichten, unterschiedliche Adaptationsziele, unterschiedliche Zeitfenster. Wer alle drei präzise nach Ziel, Dosis und Phase steuert, hat das stärkste Werkzeug der Prähabilitation in der Hand.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong> </strong>[1] Wilke et al., 2019: <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31903399/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31903399/</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Huijing 2009: DOI: 10.1016/j.jbiomech.2008.09.027</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Wilke et al., 2020: doi: 10.3389/fphys.2020.00180</p>
<p style="font-weight: 400;">[4] Langevin et al., 2011: DOI: 10.1186/1471-2474-12-203</p>
<p style="font-weight: 400;">[5] Brandl et al. 2014: <a href="https://www.nature.com/articles/s41598-024-70982-7">https://www.nature.com/articles/s41598-024-70982-7</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[6] Contipro 2024: <a href="https://www.contipro.com/images/SSCP_Fascigel_HA.pdf">https://www.contipro.com/images/SSCP_Fascigel_HA.pdf</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[7] Ferreira et al., 2025: <a href="https://opus.lib.uts.edu.au/handle/10453/189695">https://opus.lib.uts.edu.au/handle/10453/189695</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[8] Chaabene et al., 2019: DOI: 10.3389/fphys.2019.01468</p>
<p style="font-weight: 400;">[9] Warneke et al., Sports Med Open 2024</p>
<p style="font-weight: 400;">[10] Kato et al., Int J Environ Res Public Health 2020</p>
<p style="font-weight: 400;">[11] Warneke et al., 2023: DOI: 10.1007/s40279-023-01898-x</p>
<p style="font-weight: 400;">[12] Murakami et al., 2025:  doi: 10.3389/fphys.2025.1555253</p>
<p style="font-weight: 400;">[13] Warneke et al., 2025: <a href="https://doi.org/10.1016/j.jshs.2025.101067">https://doi.org/10.1016/j.jshs.2025.101067</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[14] Troop &amp; Puezer 2024: DOI: <a href="https://doi.org/10.1016/j.actbio.2024.07.025"><u>10.1016/j.actbio.2024.07.025</u></a></p>
<p style="font-weight: 400;">[15] Hirata at al., 2020: doi: 10.1249/MSS.0000000000002360</p>
<p style="font-weight: 400;">[16] Baar et al. 2017: <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28332110/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28332110/</a></p>
<p style="font-weight: 400;">[17] Jochum et al., 2025: doi: 10.1249/MSS.0000000000002360</p>
<p style="font-weight: 400;">[18] Berrueta et al., 2026; https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41680753/</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>Studientipp:</h2>
<h3 class="heading-title"><strong>Injecting hyaluronan in the thoracolumbar fascia: A model study</strong></h3>
<p>Hyaluronsäure (HA) wurde kürzlich als Schlüsselkomponente bei der Verdickung der thorakolumbalen Faszie (TLF) identifiziert, was zu unspezifischen Schmerzen im unteren Rückenbereich (LBP) beitragen kann, die derzeit mit manueller Therapie und der systemischen oder lokalen Verabreichung von entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden. Ziel dieser Studie war es, ein neuartiges Tiermodell zu etablieren, das sich für die Untersuchung ultraschallgeführter intrafaszialer Injektionen mit HA mit niedrigem und hohem Molekulargewicht (Mw) eignet.</p>
<p><em>Nešporová K, Matonohová J, Husby J, Toropitsyn E, Stupecká LD, Husby A, Suchánková Kleplová T, Streďanská A, Šimek M, Nečas D, Vrbka M, Schleip R, Velebný V. Injecting hyaluronan in the thoracolumbar fascia: A model study. Int J Biol Macromol. 2023 Dec 31;253(Pt 3):126879. doi: 10.1016/j.ijbiomac.2023.126879. Epub 2023 Sep 12. PMID: 37709215.</em></p>
<p>Lesen Sie <a href="https://sportaerztezeitung.com/sports-research/injektion-von-hyaluronsaeure-in-die-thorakolumbale-faszie-2/">HIER</a> mehr dazu.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Behandlung von Kniearthrose</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22562/behandlung-von-kniearthrose/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. Ali Mobasheri&nbsp;,&nbsp;Prof. Dr. Jean-Yves Reginster]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 13:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22562</guid>

					<description><![CDATA[In einer Welt, in der Sport, körperliche Aktivität und Bewegung Patienten mit Kniearthrose (OA) zunehmend „verschrieben“ werden, lautet die Botschaft einfach: Bleiben Sie in Bewegung, ohne auf eine langfristige medikamentöse [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>In einer Welt, in der Sport, körperliche Aktivität und Bewegung Patienten mit Kniearthrose (OA) zunehmend „verschrieben“ werden, lautet die Botschaft einfach: Bleiben Sie in Bewegung, ohne auf eine langfristige medikamentöse Behandlung angewiesen zu sein. Ein aktuelles Konsenspapier der European Society for Clinical and Economic Aspects of Osteoporosis, Osteoarthritis and Musculoskeletal Diseases (ESCEO) schlägt jedoch vor, dass intraartikuläre Injektionen eine gut belegte klinische Option für die OA-Behandlung darstellen.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Intraartikuläre Hyaluronsäure (IAHA) bietet eine gezielte, wissenschaftlich fundierte Intervention, die im Einklang mit einem patientenzentrierten, multimodalen Ansatz zur Gelenkgesundheit steht. Während sie im Allgemeinen ein starkes Sicherheitsprofil aufweisen, entwickeln sich moderne IAHA-Formulierungen weiter und umfassen mittlerweile Hybride und Kombinationen mit Wirkstoffen wie Mannitol oder Polynukleotiden, um die Wirksamkeit zu steigern. Letztendlich räumt dieser Ansatz den Präferenzen der Patienten für minimalinvasive, nicht-steroidale Behandlungen Vorrang ein, die die Rückkehr zu einem aktiven Lebensstil unterstützen.</p>
<h2><b>Orthobiologische Relevanz: Wiederherstellung des entzündlichen Gelenkmilieus</b></h2>
<p>Hyaluronsäure (HA) ist ein natürlich vorkommendes lineares Polysaccharid, das in gesunder Gelenkflüssigkeit zu finden ist. In osteoarthritischen Gelenken, wie sie häufig bei älteren Menschen, ehemaligen Sportlern und Personen mit Gelenkverletzungen auftreten, sinkt die HA-Konzentration. IAHA zielt darauf ab, diesen Verlust auszugleichen und so die natürliche Schmierung und Stoßdämpfung des Gelenks zu unterstützen. Es gibt starke Belege aus klinischen Studien, Metaanalysen und Übersichtsarbeiten, die den Einsatz von IAHA zur Behandlung von Kniearthrose stützen. Wie bei allen arthritischen und rheumatischen Erkrankungen ist jedoch der Zeitpunkt entscheidend. IAHA ist am wirksamsten bei der chronischen Behandlung und sollte nicht während akuter, aktiver Entzündungsschübe angewendet werden.</p>
<h2><b>Wirkungen, die über die Schmierung hinausgehen: innovative neue Formulierungen</b></h2>
<p>Moderne IAHA-Behandlungen entwickeln sich weiter, um den spezifischen Anforderungen eines aktiven Lebensstils gerecht zu werden, indem HA mit zusätzlichen Inhaltsstoffen kombiniert wird. Kombinationen mit Mannitol oder Sorbitol können die Stabilität der HA-Formulierung verbessern. Formulierungen, die Chondroitinsulfat, Tranexam­säure und Polynukleotide enthalten, zeigen großes Potenzial für eine Wirksamkeit, die über die Basiseffekte von allein wirkendem HA hinausgeht. Aber sind diese Formulierungen sicher? Die Mehrheit der veröffentlichten Evidenz bestätigt, dass IAHA ein äußerst vorteilhaftes Sicherheitsprofil aufweist, was es zu einer zuverlässigen Option für diejenigen macht, die die systemischen Nebenwirkungen von Schmerzmitteln und wiederholten Kortikosteroid-Injektionen vermeiden möchten.</p>
<h2><b>Den Bedürfnissen der Patienten</b><b> und den Anforderungen der Sportler gerecht werden</b></h2>
<p>Wir müssen uns immer darauf konzentrieren, die Erwartungen der Patienten zu erfüllen. Sportler und Fitnessbegeisterte suchen oft nach „medikamentenfreien“ oder minimalinvasiven Lösungen, die es ihnen ermöglichen, ihre Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. IAHA entspricht dieser patientenzentrierten Präferenz perfekt, indem es eine nicht-steroidale Alternative bietet, die den potenziellen langfristigen Gewebeschaden überwindet, der manchmal mit wiederholter Kortikosteroid-Anwendung verbunden ist. Die Linderung der Symptome bei geringerem Risiko im Vergleich zu chirurgischen Eingriffen ist ein weiterer entscheidender Vorteil. Darüber hinaus wirkt IAHA am besten, wenn es in eine umfassendere Strategie integriert wird, die Bewegung, eine verbesserte Mikrozirkulation und die Muskelfunktion einbezieht.</p>
<h2><b>IAHA als multimodale Lösung</b></h2>
<p>Für den Sportmediziner ist IAHA ein wertvolles Instrument im Werkzeugkasten. Es schließt die Lücke zwischen grundlegender Selbstversorgung, Heilung und invasiver Chirurgie und ermöglicht es den Patienten, aktiv an ihrer eigenen Genesung mitzuwirken. Indem wir den Präferenzen der Patienten für risikoarme, hochwirksame Behandlungsoptionen Vorrang einräumen, können wir muskuloskelettale Schmerzen besser behandeln und eine nachhaltige, langfristige Gelenkgesundheit fördern. Bei der Behandlung von Kniearthrose bei älteren Menschen oder Sportlern müssen wir stets den Wunsch des Patienten nach einer nicht-chirurgischen Behandlung sowie das Potenzial hybrider IAHA-Formulierungen berücksichtigen, um die Rückkehr zu hochleistungsfähigen Aktivitäten zu unterstützen.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<ul>
<li>Hyaluronsäure ist ein natürlich vorkommender Bestandteil der Gelenkflüssigkeit, und es gibt aussagekräftige Studien, die ihre Verwendung bei der Behandlung von Osteoarthritis (außerhalb des Kontexts von Krankheitsschüben) stützen.</li>
<li>Die Mehrheit der Literatur belegt ein äußerst vorteilhaftes Sicherheitsprofil für Hyaluronsäure hinsichtlich des Nebenwirkungsprofils.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Intraartikuläre Hyaluronsäure (IAHA) kann in Kombination mit anderen Wirkstoffen injiziert werden, darunter Mannitol, Sorbitol, Chondroitinsulfat, Tranexamsäure, Polynukleotide und hybride IAHA-Formulierungen, die eine potenzielle Wirksamkeit aufweisen, die über die ihrer einzelnen Bestandteile hinausgeht.</li>
</ul>
<p><em>Reference</em></p>
<p><em>Fuggle N, Rannou F, Maheu E, Migliore A, Al-Daghri N, Alokail M, Ammann P, Berenbaum F, Botto-van Bemden A, Brandi ML, Burlet N, Chapurlat R, Cooper C, Dennison E, Harvey NC, Im GI, Kurth A, Matijevic R, Messina D, Faure JM, Radermecker RP, Schmidmaier R, Silverman S, Wegrzyn J, Zakraoui L, Rizzoli R, Reginster JY, Bruyère O, Mobasheri A. Expert consensus on hyaluronic acid injections for knee osteoar­thritis: a patient-centered approach. Aging Clin Exp Res. 2026 Apr 1;38(1):110. doi: 10.1007/s40520-026-03366-8.</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Akute Nierenschädigung</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22551/akute-nierenschaedigung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Ulrich Kau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 06:23:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22551</guid>

					<description><![CDATA[Exercise – included renal failure – „Durch Sport ausgelöste akute Nierenschädigung“ AIKN-Stadium 3. Serumkreatin bei Aufnahme 7,87 mg/dl, bei Entlassung 4,65 mg/dl Diese Diagnose im Arztbrief eines Ruderers nach einem 2.000 m Ruderergometer [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Exercise – included renal failure – „Durch Sport ausgelöste akute Nierenschädigung“ AIKN-Stadium 3. Serumkreatin bei Aufnahme 7,87 mg/dl, bei Entlassung 4,65 mg/dl</b></p>
<p>Diese Diagnose im Arztbrief eines Ruderers nach einem 2.000 m Ruderergometer Test im Januar 2020 zeigt, dass im Spitzensport immer wieder lebensbedrohliche Erkrankungen auftreten, die zwar selten sind, aber zu bleibenden Schäden führen können.</p>
<p>In der Literatur wird die Crush Niere als Teil des Crush Syndroms oder Rhab­domyolyse – Nierenschaden beschrieben. Dies tritt einerseits durch Quetschungen bei Unfällen auf oder wenn giftige Muskelabbauprodukte (Myoglobin, Kalium, Säuren) in den Blutkreislauf freigegeben werden und die Nieren Tubuli schädigen oder blockieren, was zum Nierenversagen führen kann. Im Spitzensport wird die Schädigung der Nieren durch Überlastung beim Wettkampf mit extrem hohen Laktatwerten und auch durch Dehydratationszustände erklärt. Die Ruderer des Deutschen Ruderverbandes (m und w) sind im Jahresverlauf sowohl zu der Selektion – jährlich im Frühjahr – sowie beim Zielwettkampf den härtesten Belastungen ausgesetzt. Beim individuellen 2.000 m Ruderergometer Test zur Selektion kommt es zu Überlastungen, Erschöpfungszuständen und maximalen Laktatwerten.</p>
<h2><b>Beispiele aus der Praxis</b></h2>
<p>Im März 2007 hatte ein Ruderer, der in der Vorwettkampfwoche durch Prüfungsstress – mit mangelnder Flüssigkeitszufuhr und eingeschränkter Ernährung – gehandicapt war, nach dem Erreichen einer neuen Bestzeit einen Laktatwert von 29,5 mmol/l. Nach Stabilisierung des Kreislaufs wurde mit Hydratation und leichter Bewegung versucht, ihn zu rekompensieren. Dies war jedoch nicht ausreichend. Nachdem der Ruderer Schmerzen im Bereich der Nieren verspürte – Diff. LWS Syndrom – wurde er mit einem Krea­tininwert von 3,5 mg/dl in die Uniklinik Leipzig aufgenommen. Unser oben genannte Fall vom Januar 2020 gestaltete sich ähnlich. Hier ging es bei dem 2.000 m Ruderergometer Test um die Selektion für Olympia in Tokio. Der Ruderer erreichte keinen individuellen Bestwert, jedoch einen Laktatwert von 26,7 mmol/l. Im weiteren Verlauf wurde auch hier mit Hydration und extensiver Radeinheit eine Rekompensation versucht. Ein Tag später wurde der Ruderer in eine Klinik in Dortmund mit oben genannter Diagnose aufgenommen. Beide Ruderer wurden nach zwei bis fünf Tagen wieder entlassen. Unter bilanzierter Flüssigkeitszufuhr und Kontrolle der Nierenretentionsparameter erfolgte langsam die Wiedereingliederung in den Trainingsprozess. Intensive Belastungen waren nach sechs Wochen wieder möglich. Beide überstanden die Erkrankungen ohne Folgeschäden. Der Ruderer aus dem Jahre 2007 wurde 2012 Olympiasieger im Achter. Der Ruderer von 2020 beendete nach verpasster Olympiaqualifikation 2021 seine Karriere.</p>
<h2><b>Anmerkung zu Natriumbicarbonat</b></h2>
<p>Seit einigen Jahren wird Natriumbicarbonat im Wettkampf substituiert, um eine Laktatpufferung zu initiieren. Dies bewirkt nach dem Wettkampf jedoch eine höhere Laktatkonzentration. Aus unseren Erfahrungen zeigt sich eine Erhöhung um 1 – 3 mmol / l Laktat. Eine neue Erkenntnis und Herausforderung, die Niere mehr zu beachten.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Teamarzt bei den Olympischen Spielen 26</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22540/teamarzt-bei-den-olympischen-spielen-26/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Henning Ott]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jun 2026 09:59:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22540</guid>

					<description><![CDATA[Als einer der Teamärzte der deutschen Bob- und Skeleton-Nationalmannschaft durfte ich zur Wettkampfwoche Bob mit zu den Olympischen Spielen nach Mailand /  Cortina d’Ampezzo 2026 reisen. Sicherlich das Highlight meiner mittlerweile [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Als einer der Teamärzte der deutschen Bob- und Skeleton-Nationalmannschaft durfte ich zur Wettkampfwoche Bob mit zu den Olympischen Spielen nach Mailand /  Cortina d’Ampezzo 2026 reisen. Sicherlich das Highlight meiner mittlerweile fast 20 Jahre in der Sportbetreuung. Vorausgegangen war – wie so üblich bei Olympischen Spielen – ein langes Akkreditierungsverfahren über die sog. long-list und short-list des IOC und DOSB, bis dann wenige Wochen vor Beginn die finale Akkreditierung erfolgte.</b></p>
<p>Das Abenteuer Olympia begann für die Athleten und uns als Medical Team so richtig am 12.01.2026. Da fand die offizielle Team D-Einkleidung in München statt. Mit großen Einkaufswägen und einer Checkliste ging es dann von Stand zu Stand, an dem wir von der Locke bis zur Socke mit dem entsprechenden Outfit ausgestattet wurden. Aufgrund der Wechselakkreditierungen begann meine Reise daher erst am 16.02.2026. Da hatten die Rodler und Skeletonies bereits für reichlich Medaillen im Eiskanal in Cortina gesorgt. Mit dem Flieger ging es nach Venedig und von dort aus mit einem perfekt organisierten Transfer nach Registrierung mit dem Kleinbus weiter in das 2 ½ Stunden entfernte Cortina d’Ampezzo. Die Anreise mit dem eigenen Auto war hier nicht so einfach möglich, da aufgrund der topographischen Lage nur wenige registrierte Fahrzeuge in den Ort dürften, um ein allzu großes Verkehrschaos zu verhindern.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Es folgte der Einzug im Olympischen Dorf, welches vor den Toren von Cortina auf einem Flugplatz aus Wohncontainern errichtet wurde. Auch dies stand im Zeichen der Nachhaltigkeit, da diese Container nach den Paralympics dann auf verschiedenen Campingplätzen in Italien aufgestellt und weiter­benutzt werden. Das olympische Dorf ist wie immer nicht von Luxus geprägt, Funktionalität und Logistik bestimmen den Aufbau. Die Zimmer sind klein und einfach. Ich hatte das Glück, ein Einzelzimmer beziehen zu dürfen. Zentrale Anlaufstellen im Dorf sind die große Mensa, die nahezu 24 h geöffnet hat, der Athletikbereich und die Büros des DOSB. Der Behandlungsraum war funktionell, aber weit entfernt von Wohlfühlambiente. Ausgestattet waren wir neben den üblichen Medikamenten und Verbandsmaterialien, mit einem Handheld-Sonogerät und der radialen Stoßwelle, die uns die Firma EMS freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Raus zum Eiskanal ging es immer mit dem Shuttlebus, was gut organisiert war. Pro Disziplin wurden 4 Läufe an 2 Renntagen absolviert. Im Bob wird bei den Frauen im Mono- und 2er Bob, bei den Männern im 2er und 4er Bob gestartet. Im ersten Weltcup der Saison hatten die insgesamt 6 deutschen Teams bereits gezeigt, dass ihnen die Bahn liegt. Wie bei den meisten Bahnen des Weltcups gibt es auch in Cortina eine Schlüsselstelle: die viel erwähnte Kurve 4. Die galt es perfekt zu treffen. Die Erwartungshaltung sowohl bei den Athleten, beim Verband und bei den Zuschauern war aufgrund der Favoritenrolle der deutschen Teams hoch.</p>
<h2><b>Was sind die Aufgaben als Teamarzt beim Bob?</b></h2>
<p>Natürlich geht es allen voran, wie soll es auch anders sein, um die Behandlung von Verletzungen. Neben muskulären Problemen stehen Beschwerden im Bereich des Rückens und der Sehnen im Vordergrund. Gefürchtet sind aber vor allem Stürze, die zu schweren Verletzungen (Frakturen, Commotio, Verbrennungen durch das Rutschen auf dem Eis etc.) führen können. Aber bei den Olympischen Spielen geht es um mehr. Wichtig ist, zusammen mit dem Trainerstab und den Athleten, die in diesem Sport extrem eigenverantwortlich denken und handeln, bei Beschwerden, die eine Verletzungsgefahr in sich bergen, die Belastung zu steuern und einzuschätzen, was geht und was nicht. Kommt es zu einer relevanten Verletzung muss entschieden werden, ob das Rennen, auf das sich die Athleten vier Jahre vorbereitet und um einen Startplatz gekämpft haben, möglich ist, zu fahren. Der Druck ist ein anderer als bei einem Ligaspiel in der Bundesliga. An diesem einen Rennen bzw. den 4 Läufen hängen Karrieren, Sponsorengelder und Träume.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Der finale Renntag (3. und 4. Lauf)</b></h2>
<p>Der Moment, auf den alle hinfiebern. Die Athleten sind kaum ansprechbar, weil sie im absoluten Tunnel sind. Zeit für uns als Medical Team, nur noch im Bedarfsfall in Erscheinung zu treten. Die Piloten fahren ein ums andere Mal die Strecke im Kopf durch. Die Augen dabei auf, sie schauen durch alles hindurch, was sich vor ihnen befindet. Mentales Training pur. Die Anschieber lassen ihre PS-starken Antritte im sog. Laufschlauch, der sich unter der Bahn im Startbereich befindet, aufheulen. Voller Fokus, aber eine Spur gelassener als ihre Piloten. Abgesehen von der Entscheidung im 4er Bob, die am letzten Tag der Spiele den Abschluss im Eiskanal bildete, fanden die Entscheidungsläufe immer abends statt. Start war ca. 19 Uhr, so dass das Rennen gegen 22 Uhr fertig war. Primetime im Fernsehen, aber lange Tage und Abende für die Athleten. Nach Ende des Rennens hatten sie einige wenige Minuten Zeit zum Jubeln mit Freunden, Familie und dem Staff. Danach ging es eskortiert und mit Nachdruck direkt zur Siegerehrung. Auch dann wenig Zeit zum Durchschnaufen, denn es folgte ein langer ein- bis zweistündiger Medienmarathon mit Interviews, Pressekon­ferenz und Fotos, um dann endlich in die Dopingkontrolle zu kommen. Getestet wurden immer Athleten der Gold- und Silberteams + ggf. weitere. Je nach Dauer der Kontrolle ging es entweder weiter zum Medal Walk ins Deutsche Haus, welches glücklicherweise in Cortina stand, oder gelegentlich auch gegen 1:30 Uhr direkt zurück ins olympische Dorf, weil am nächsten Vormittag wieder Bobfahren auf dem Programm stand. Das sind dann auch für das Medical Team lange Tage.</p>
<p>Und wir waren jedes Mal in der Dopingkontrolle! Der Grund war ein erfreulicher: Auch der Bob lieferte in Cortina ab:</p>
<ul>
<li><b>Monobob</b> für Laura Nolte (2 x Silber). Was sich zunächst wie eine verlorene Goldmedaille anfühlte, war nachher die erste deutsche olympische Medaille in dieser Disziplin überhaupt.</li>
<li><b>2er Bob Frauen</b>: L. Nolte &amp; D. Levi (1 x Gold); für L. Buckwitz &amp; N. Schuten (2 x  Silber)</li>
<li><b>2er Bob Männer</b> J. Lochner &amp; G. Fleischhauer (1 x Gold); F. Friedrich &amp; A. Schüller (2 x Silber);<span class="Apple-converted-space">  </span>A. Ammour &amp; A. Schaller (3 x Gold)</li>
<li><b>4er Bob Männer</b> Team J. Lochner/ G. Fleischhauer / T. Margis / J. Wenzel (1 x Gold);<span class="Apple-converted-space">  </span>Team Friedrich / A. Schüller / M. Sommer / F. Straub (2 x Silber)</li>
</ul>
<p><b>Am Ende gab es </b>3 x Gold, 4 x Silber und 1 x Bronze. Der Rest ist Geschichte. Und nach dem letzten Rennen fiel all die Anspannung ab. Die einen feierten im Deutschen Haus, die anderen im sog. Außenquartier, in dem während der Spiele 2 Bobteams und Teile des Staffs untergebracht waren.</p>
<h2><b>Fazit &amp; Danksagung</b></h2>
<p>Es war ein tolles und unvergessliches Erlebnis. Ich wünsche jedem, der mit Herzblut in der Sportbetreuung ist, das erleben zu dürfen. Dabei sind die Winterspiele sicher von einem ganz anderen Flair begleitet als die Spiele im Sommer. Die Dezentralisierung der Spiele unter dem Gedanken der Nachhaltigkeit und auch den verschiedenen Anforderungen der Sportarten (Alpin, Loipe, Eiskanal, Eisstadien etc.) stellen große Herausforderungen an die Logistik, Zuschauer müssen sich mitunter für einen Austragungsort entscheiden und auch wir als Staff bekommen nur einen Ausschnitt des ganzen Großen mit. Die Eröffnung in Mailand, die Schlussfeier in Verona, bis zu 400 km zwischen den Sportstätten. Aber in einer Zeit von Klimawandel, Nachhaltigkeitsgedanken und zunehmenden Kosten, die solche Veranstaltungen kosten, ist das etwas, an das wir uns gewöhnen müssen. Und das ist auch in Ordnung so.</p>
<p>Bleibt danke zu sagen: Dr. Christian Schneider als Head of Medical des IBSF und BSD, der es mir letztendlich ermöglicht hat, dabei zu sein. Rene Spieß (Bundestrainer) und Trainerteam für das Vertrauen und die tolle Zusammenarbeit. Michael Schwab als Teammanager und das ganze Team vom BSD und DOSB. Und natürlich als Medical Team, mit dem ich vor Ort sein durfte: Dr. Florian Dreyer, Dr. Uwe Heuer, Ingo Freitag, Axel Kautz, Rene Ackermann, Timo Schall (auch wenn wir uns gerade verpasst haben, weil er etwas früher als geplant erstmals Papa geworden ist) und Brigitte Schmailzl.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Guided medical education</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22490/guided-medical-education-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Ablaß]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 15:08:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22490</guid>

					<description><![CDATA[Am 25. März 2026 reiste ich nach Miami, Florida, um an einer Fachfortbildung teilzunehmen, deren Schwerpunkt auf fortgeschrittenen Anwendungen der Stoßwellentherapie (ESWT), insbesondere im Leistungs- und Profisport, lag. Ziel der [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Am 25. März 2026 reiste ich nach Miami, Florida, um an einer Fachfortbildung teilzunehmen, deren Schwerpunkt auf fortgeschrittenen Anwendungen der Stoßwellentherapie (ESWT), insbesondere im Leistungs- und Profisport, lag. Ziel der Reise war es, aufbauend auf die guided medical education (gme) der thesportgroup academy, die praktischen und theoretischen Kenntnisse sowohl der radialen als auch der fokussierten Stoßwellentherapie zu vertiefen sowie Fachwissen mit internationalen Experten auszutauschen.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Einen Tag später reiste ich von Miami nach Delray Beach, um Dr. Erich Menge zu besuchen. Der Tag war einer intensiven praktischen Schulung gewidmet, die sowohl die radiale als auch die fokussierte Stoßwellentherapie umfasste. Der Kontakt zu Dr. Erich Menge wurde bereits 2022 im Rahmen eines persönlichen Besuchs durch Robert Erbeldinger, Verleger der sportärztezeitung, hergestellt und vermittelt. Dies erfolgte im Kontext der Entwicklung einer globalen Education sowie einer gezielten Spezialisierung auf den US-Markt zur Unterstützung der dortigen Medical Education im Bereich non-surgical sports medicine approaches for athletes.</p>
<p>Im Mittelpunkt der Schulung standen klinische Protokolle, der Umgang mit den Geräten, die Parametereinstellung sowie Behandlungsstrategien, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Anwendung bei Hochleistungs- und Profisportlern lag. Hierbei konnte ich einen Transfer von den Vorlagen und Erfahrungen der seit 2014 stattfindenden und CME-zertifizierten deutschen Workshopkursen „Stoßwellentherapie &amp; alternierende Verfahren“, veranstaltet von thesportgroup academy unter wiss. Leitung von Univ.-Prof. Dr. Christoph Schmitz (LMU München), bilden, zu deren Anwenderboard (Scientific Medical Education Board) ich bis heute angehöre. Im Rahmen des deutschen Kurses hat eine kontinuierliche Weiterentwicklung stattgefunden. Aus Off-Label ist Evidenz erwachsen. Aufbauend auf der radialen Stoßwellentherapie wurde das Programm stetig ausgebaut, um das gesamte Potenzial einer Superior Combination Therapy aufzuzeigen.</p>
<p>Während der praktischen Einheit in Delray Beach wurden Behandlungen an Profisportlern durchgeführt, was die Anwendung in der Praxis sowie die Erör­terung individueller Therapieansätze ermöglichte. Zu den behandelten Sportlern gehörten die UFC-Kämpfer Kamaru Usman (Abb. 1 + 2), der bereits seit über 10 Jahren von Dr. Menge behandelt wird und Michael Johnson sowie der ehemalige Profi-Footballspieler Anquan Boldin. Diese Fälle lieferten wertvolle Einblicke in die Behandlung von chronischen Überlastungssyndromen, Weichteilverletzungen und leistungsbezogenen Erkrankungen des Bewegungsapparats bei Spitzensportlern. Themen, die natürlich auch nach den aktiven Karrieren in Form anhaltender Probleme, bedingt durch hohe Belastungen aus dem Hochleistungssport, von Bedeutung sind. Im Anschluss an die praktischen Behandlungen fand eine ausführliche Schulung statt, in der die zugrunde liegende Technologie sowohl von radialen als auch von fokussierten Stoßwellensystemen behandelt wurde. Dabei wurden, ganz im Sinne der guided medical education (gme), physikalische Grundlagen, die Behandlungstiefe, Energieeinstellungen, Indikationen, Kontraindikationen, der klinische Arbeitsablauf und die Einbindung in umfassende Therapiekonzepte erörtert. Die Teilnehmer zeigten großes Interesse und Engagement und das Feedback fiel durchweg sehr positiv aus. Besondere Begeisterung riefen die vielfältigen Möglichkeiten, die sich aus der Kombination der radialen und fokussierten Stoßwellentherapie mit anderen regenerativen und rehabilitativen Ansätzen ergeben, hervor.</p>
<figure id="attachment_22492" aria-describedby="caption-attachment-22492" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-22492" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass2_saez0226-1024x911.jpg" alt="" width="755" height="672" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass2_saez0226-1024x911.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass2_saez0226-300x267.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass2_saez0226-768x683.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass2_saez0226-150x133.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass2_saez0226-450x400.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass2_saez0226-1200x1067.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass2_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22492" class="wp-caption-text">Abb. 2 Behandlung mit der fokussierten Stoßwelle</figcaption></figure>
<p>Am 27. und 28. März 2026 wurde die Fortbildung in Sunrise, Florida, im Rahmen der von Anatome Lab organisierten und von Jeff Rubinoff und Joel Suraci geleiteten Veranstaltung „Stoßwellentherapie und ergänzende Verfahren“ fortgesetzt. Rund 50 Teilnehmer aus allen Teilen der Vereinigten Staaten nahmen an dem zweitägigen Fortbildungsprogramm teil. Im Mittelpunkt standen umfassende Fortbildungen zu den Themen radiale und fokussierte Stoßwellentherapie, diagnostischer und therapeutischer Ultraschall sowie Orthobiologika. Im Mittelpunkt des Programms stand die synergetische Nutzung dieser Methoden und ihre kombinierte Anwendung in der Muskel-Skelett-­Medizin und im Leistungssport.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Teilnehmer erhielten sowohl theoretischen Unterricht als auch praktische Vorführungen, einschließlich Protokollen zur Behandlung des gesamten Bewegungsapparates (Muskelverletzungen, Frakturen, Weichteilproblematiken, Muskelketten und vieles mehr), Geräteauswahl und Integration in die klinische Praxis.</p>
<p>Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Kombinationstherapien (Superior Combination Therapy), wobei aufgezeigt wurde, wie die Stoßwellenbehandlung effektiv mit ultraschallgeführten Eingriffen und orthobiologischen Verfahren kombiniert werden kann, um die Behandlungsergebnisse für die Patienten zu optimieren. Anhand von klinischen Fallbeispielen und Behandlungsalgorithmen wurden die Entschei­dungsprozesse und die individuelle Behandlungsplanung ausführlich erörtert, sodass die Teilnehmer ein besseres Verständnis dafür erlangten. Diese Thematik werden wir im Rahmen der deutschen CME-Kurse mit der sportärztezeitung in Zukunft weiter ausbauen. Vor allem die Potenziale der Superior Combination Therapy, hier auch mit HGC (cryolight), NMRT (MBST), Laser (EMS), Tiefenwärme u. w. sollten dabei in den Vordergrund gestellt werden.</p>
<p>Die Teilnehmer zeigten während der gesamten Veranstaltung großes Interesse und waren hochmotiviert, ihr Wissen über die radiale und fokussierte Stoßwellentherapie zu erweitern. Die interaktiven Diskussionen und praktischen Übungen trugen zu einer dynamischen Lernatmosphäre bei. Viele Teilnehmer zeigten sich begeistert davon, die vorgestellten Techniken in ihrer eigenen Praxis anzuwenden. Diese präzise Ausbildung (hands-on) in kleinen edukativen Gruppen, die einer Art Prehospitation entsprechen, wurde sehr gut angenommen. Digital erweitert wird dieses Konzept ebenfalls durch Angebote der thesportgroup academy (Eduaction-Plattform www.thesportgroup­academy.com).</p>
<figure id="attachment_22493" aria-describedby="caption-attachment-22493" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-22493" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass3_saez0226-1024x371.jpg" alt="" width="755" height="274" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass3_saez0226-1024x371.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass3_saez0226-300x109.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass3_saez0226-768x278.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass3_saez0226-150x54.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass3_saez0226-450x163.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass3_saez0226-1200x434.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Ablass3_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22493" class="wp-caption-text">Teilnehmer der Fortbildung in Sunrise, Florida</figcaption></figure>
<p>Insgesamt bot die Fortbildungsreise wertvolle klinische Einblicke in fortgeschrittene Anwendungen der Stoßwellentherapie im Spitzensport, stärkte den fachlichen Austausch mit internationalen Experten und vermittelte umfassende Kenntnisse über kombinierte Therapieansätze. Die Kombination aus praktischer Athletenbehandlung, Techniktraining und strukturierten Fortbildungssitzungen führte zu einer äußerst produktiven und erfolgreichen Fortbildungserfahrung. Ich freue mich schon auf meine bevorstehenden Reisen in die Vereinigten Staaten im <b>Juli (23.7 Treffen mit Dr. Menge in Delray Beach zur Behandlung weiterer Sportler, sowie Besuch der Universität, 24.7 +</b><b>     </b><b>25.7. Anatome Lab, Stoßwellentherapie &amp; </b><b>ergänzende Verfahren, Sunrise Florida),</b><b> September (23.9. – 26.9. HHPF Con</b><b>ference Core of regenerative medicine,</b><b> Stoßwellentherapie, Prolotherapy &amp; musculoskeletal pain therapy, Pyle Center, University of Wisconsin, Ma</b><b>dison) und November (5.11. Dr. Menge</b><b> in Delray Beach, 6.11. + 7.11. Anatome </b><b>Lab, Stoßwellentherapie &amp; ergänzende</b><b> Verfahren Sunrise Florida)</b>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Prähabilitation &#038; Sportmedizin</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22442/praehabilitation-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Erbeldinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 May 2026 10:28:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Prähabilitation entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Thema &#8211; nicht nur in der Sportmedizin, sondern insbesondere in der Orthopädie, der Unfallchirurgie und der Allgemeinchirurgie. Siehe hierzu auch den Artikel [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/20728/praehabilitation-praehab/">Prähabilitation</a> entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Thema &#8211; nicht nur in der <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/21453/heilung-einleiten-durch-sportmedizin-konservative-therapie-praehabilitation/">Sportmedizin</a>, sondern insbesondere in der Orthopädie, der Unfallchirurgie und der Allgemeinchirurgie. Siehe hierzu auch den Artikel <a href="https://www.aerzteblatt.de/news/prahabilitation-vor-operationen-kann-komplikationen-und-verweildauer-reduzieren-f171eecd-791a-44dc-840d-f5bd98be3479?utm_medium=email&amp;utm_source=CR&amp;utm_campaign=NL-DAE_Tagesaktuelle-Nachrichten&amp;utm_content=Mailing_20260507">Prähabilitation vor Operationen kann Komplikationen und Verweildauer reduzieren</a> (Deutsches Ärzteblatt, 07.05.2026).</strong></p>
<p>Der Patient wird nicht erst nach dem Eingriff / Intervention rehabilitiert, sondern bereits vor der Operation oder anderer medizinischer Interventionen in einen therapeutischen Prozess integriert. Dies beschreibt <a href="https://sportaerztezeitung.com/author/marshall-robert-percy/">Dr. Percy Marshall</a> sehr treffend in seinem aktuellen Education-Video vom 19.05.2026 zu <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Qk-O7WjptU4&amp;t=545s">PREHAB &#8211; die Zeit zwischen Verletzung &amp; Intervention</a></p>
<h3>Open Window und Window of Opportunity</h3>
<p>Es entsteht ein <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/21307/praehabilitation-als-open-window-der-rehabilitation/">Open Window</a> zwischen Prävention und Rehabilitation, zugleich ein Window of Opportunity in der Arzt-Patienten-Beziehung. Das Ziel besteht darin, bereits vor einer Operation bzw. konservativen Intervention im Rahmen motivierender Gespräche präzise Interventionen und Maßnahmen als kleinsten Teil einer „Education“ einzuleiten. Diese sollen nicht primär als Beratung oder Belehrung, sondern als gemeinsamer therapeutischer Einstieg verstanden werden, beispielsweise während der Wartezeit vor einer Operation (konservative Interventionsphase) oder beim Warten auf einen MRT-Termin bzw. einen Befund.</p>
<h3>Kliniken unter massivem Druck</h3>
<p>Betrachtet man dies alles im Rahmen unseres Gesundheitssystems, muss man zunächst erkennen, dass der Druck auf Klinken enorm hoch ist. Ein besserer und schnellerer Outcome, mehr Sicherheit und Effizienz sowie wirtschaftlicher Druck erfordern geradezu eine prähabilitative Vorbereitung der Patienten auf einen Eingriff.  Konzepte wie ERAS (Enhanced Recovery After Surgery) oder Fast-Track-Operationen verdeutlichen diese Entwicklung. Siehe hierzu auch den Artikel <a href="https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/schneller-fit-nach-der-op-was-eras-programme-bringen-200822487.html">Warum Patienten vor der Operation Sport treiben sollen</a> (FAZ, 16.05.2026). Dennoch bleibt die Implementierung der Prähabilitation nach wie vor anspruchsvoll und mühsam. Es geht dabei um weit mehr als die Optimierung der Patienten &#8211; Stichwort Reduktion von Komplikationen sowie Senkung von Mortalitätsraten. Siehe hierzu auch das <a href="https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s00104-026-02470-9.pdf">Positionspapier zur Prähabilitation in Deutschland</a> (Die Chirurgie 6/2026).</p>
<h3>Stärke der Sportmedizin &amp; konservative Kompetenz</h3>
<p>Genau hier liegt seit Jahrzehnten die besondere Stärke der Sportmedizin. Sie verfügt über die Erfahrung aus dem Leistungssport, besitzt eine fundamentale konservative Kompetenz sowie Erfahrung in der Prävention und Rehabilitation. Die konservative Therapie und ihre seit Jahren geforderte Aufwertung (siehe dazu <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/20387/weissbuch-konservative-orthopaedie-und-unfallchirurgie/">Weissbuch Konservative Orthopädie und Unfallchirurgie</a>) in der Patientenversorgung bilden das Fundament und werden im Rahmen der Prähabilitation konsequent weiterentwickelt. Voraussetzung dafür ist, dass die konservative Therapie mit derselben Präzision, Struktur und Ausbildung entwickelt und umgesetzt wird, wie wir es aus der Chirurgie kennen.</p>
<p>Konservativ bedeutet in diesem Kontext alles, was nicht chirurgisch ist: gezieltes, spezifisches Exercice, gezielte Ernährung (<a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S088354032600313X">Targeted Nutrition</a> im Kontext Prähabilitation gezielt und indikationsspezifisch integrieren), psychosoziale Unterstützung ( Mind-Body-Medizin &#8211; MBM / Psychoneuroimmunologie -PNI). Maßnahmen der Psychoneuroimmunologie einschließlich ihrer Anwendungen innerhalb der Mind-Body-Medizin, wie z.B die <a href="https://sportaerztezeitung.com/sports-research/therapeutischer-einsatz-der-relaxation-response-bei-stressbedingten-erkrankungen/">Relaxation Response (RR)</a> oder <a href="https://www.pcori.org/sites/default/files/Hoge476-Final-Research-Report.pdf">Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR)</a> werden neben den physikalischen, regenerativen und manuellen Therapien integriert. All das findet sich in der Prähabilitation und wird darin integriert.</p>
<h3>Von der Co-Therapie zu First Line Treatment</h3>
<p>Die konkreten Maßnahmen in der Prähabilitation zeigen, dass sie mehr als reine Co-Therapien sind und zunehmend zur „First Line Treatment“ gehören. Sie sind ein wichtiger Bestandteil und Kernpfeiler moderner konservativer Therapien vor und nach Operationen / Interventionen. Darüber hinaus können sie edukativ dazu beitragen, eine Art „seamless continuity“ (Jon Kabat-Zinn: &#8222;There will be an emphasis on the cultivation of mindfulness in all daily activities to foster a seamless continuity of life and practice.&#8220;) im Home-Care-Bereich zu realisieren. Dabei geht es nicht nur um Therapie, sondern auch um die reproduzierbare Integration in den Alltag der Patienten durch Education (Guided Patient Education &#8211; GPE). Compliance und Adherence sind sowohl beim Athleten als auch beim Patienten zentrale Herausforderungen in der Rehabilitation und Prähabilitation.</p>
<h3>Ordnung aus Komplexität</h3>
<p>Bei der Prähabilitation wirken unterschiedliche Disziplinen mit unterschiedlichen Effekten synergistisch zusammen, wodurch emergente Effekte entstehen. Das Zusammenspiel einfacher Einzelteile eines Systems lässt völlig neue Strukturen entwickeln. Es entsteht Ordnung aus Komplexität. Die Folge sind neue Anforderungen an die Spezialisierung und Expertise aller beteiligten Leistungserbringer und Fachdisziplinen. Ärzte, Physiotherapeuten, Psychologen, Sportwissenschaftler und Trainer etc. arbeiten und wirken zusammen. Gerade wegen dieser Komplexität ist die Evidenz weiterhin heterogen. Das liegt nicht daran, dass das Konzept der Prähabilitation schwach ist, sondern daran, dass es komplex, multimodal, kontextabhängig und patientenindividuell ist. Gleichzeitig erscheint dieser Weg zunehmend alternativlos.</p>
<h3>Patient als Teil des Systems</h3>
<p>Wenn Prähabilitation präzise, reproduzierbar und indikationsbezogen umgesetzt wird, profitieren sowohl der Patient von einer schnelleren und besseren Genesung als auch das System, das sicherer und wirtschaftlicher wird. Diesen Weg begleitet die sportärztezeitung seit Jahren mit Artikeln in <a href="https://www.the-mind.org/the-mind/issue-7/opinion/"><em>THE MIND</em></a>, den Kongressen und dem Konzept der GME (Guided Medical Education). Wir unterstützen wissenschaftliche Organisationen, Kongresse und Vortragsblöcke im Bereich der Psychoneuroimmunologie und Mind-Body-Medizin, unter anderem im Rahmen des <a href="https://www.psychoneuroimmunologie-kongress.at/">PNI-Kongresses 2026 </a>in Innsbruck, der von <a href="https://sportaerztezeitung.com/author/schubert-christian/">Prof. Dr. Christian Schubert</a> organisiert und veransatltet wird. Unser Ziel bleibt eine ganzheitlich integrierte und zugleich medizinisch präzise Umsetzung der Prähabilitation. Die sportärztezeitung wird diesen Weg weiter begleiten und bestätigen. Verbindung ist hier das emergente Element der Sportmedizin nach Jahren der teilweise wissenschaftlichen Isolation einzelner Fachbereiche!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Veröffentlicht 27.05.2026</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Bandscheibenvorfall</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22438/bandscheibenvorfall/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Jan Holger Holtschmitt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 18:57:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Bandscheibenvorfälle sind das klassische Krankheitsbild im mittleren Lebensalter und gehen oft mit erheblichen Schmerzen, neurologischen Ausfällen und deutlichen Limitationen im Alltag einher. Nicht selten steht für Patienten sowie für uns [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Bandscheibenvorfälle sind das klassische Krankheitsbild im mittleren Lebensalter und gehen oft mit erheblichen Schmerzen, neurologischen Ausfällen und deutlichen Limitationen im Alltag einher. Nicht selten steht für Patienten sowie für uns Behandelnde dabei früh die Frage im Raum, ob eine operative Therapie wirklich erforderlich ist – oder ob eine konsequent durchgeführte konservative Behandlung die bessere Option im Sinne der Patienten darstellt. </b></p>
<p>Gleichzeitig wissen wir, dass 80 – 90 % aller Bandscheibenvorfälle nicht operiert werden müssen, wenn ein strukturiertes, leitliniengerechtes konservatives Vorgehen umgesetzt wird. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie eine moderne, multimodale Komplexbehandlung – wie sie das Konzept der ANOA (Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer manualmedizinischer Akutkliniken) bietet – im klinischen Alltag so früh gedacht und eingesetzt werden kann, dass Patienten langfristig profitieren und unnötige Operationen vermieden werden.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-22488" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmit1_saez0226-1024x568.jpg" alt="" width="755" height="419" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmit1_saez0226-1024x568.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmit1_saez0226-300x166.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmit1_saez0226-768x426.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmit1_saez0226-150x83.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmit1_saez0226-450x250.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmit1_saez0226-1200x666.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmit1_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /></p>
<h2><b>Wann wir wirklich operieren müssen – und wann nicht</b></h2>
<p>Ob wir bei einem Bandscheibenvorfall operieren, hängt in vielen Fällen weniger vom MRT-Bild ab als von der konkreten klinischen Situation der Patienten. Dafür ist wichtig zu wissen: Eine notfallmäßige OP-Indikation ist selten und besteht vor allem beim Conus-Cauda-Syndrom mit Inkontinenz, Reithosenanästhesie und ausgeprägten Lähmungen. Ebenso muss bei relevanten Lähmungserscheinungen ab Kraftgrad 3 und schlechter zügig gehandelt werden: Hier ist zwar zunächst eine intensive konservative Therapie mit invasiver Schmerztherapie vertretbar, jedoch darf bei fehlender rascher Besserung die operative Option nicht zu spät diskutiert werden. Abseits solcher Notfallsituationen gilt jedoch, dass „nicht gleich operieren“, sondern zunächst ein konsequentes konservatives Vorgehen im Sinne der Bandscheibenvorfall- Patienten ist. In der täglichen Praxis erleben wir häufig, dass die Entscheidung für oder gegen eine Operation stark von der subjektiven Belastung, den Erwartungen und den bisherigen Therapieerfahrungen der Patienten geprägt ist. Gleichzeitig stoßen in der Praxis ambulante konservative Angebote bei hoher Krankheitsintensität, langer Beschwerdedauer und komplexen psychosozialen Konstellationen rasch an ihre Grenzen. Spätestens an diesem Punkt stellt sich daher nicht die Frage „OP ja oder nein?“, sondern vielmehr: „Ist die bisherige konservative Therapie überhaupt ausreichend multimodal, intensiv und interdisziplinär gewesen – oder braucht der Patient jetzt zunächst eine strukturierte multimodale Komplexbehandlung?“<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><strong>Multimodale Komplexbehandlung frühzeitig andenken</strong></h2>
<p>Wenn trotz einer intensiven konservativen Therapie mit einem multimodalen Programm keine ausreichende Besserung erzielt wird, ist die Bandscheiben-OP eine Option, die mit dem Patienten offen zu diskutieren ist. Entscheidend ist jedoch, dass diese Operation nicht „anstatt“, sondern „nach“ einer ernstzunehmenden konservativen Therapie diskutiert wird. In den meisten Fällen führt eine Operation zwar kurzfristig zu einer schnelleren Schmerzlinderung, zeigt mittel- und langfristig aber keine Überlegenheit gegenüber einem konsequenten konservativen Vorgehen. Gerade deshalb empfiehlt es sich, frühzeitig an eine multimodale Komplexbehandlung nach dem ANOA-Konzept zu denken – insbesondere bei hoher Krankheitsintensität, deutlicher Funktionseinschränkung und drohender Chronifizierung.</p>
<p>Die ANOA ist seit 2002 als medizinisch-wissenschaftliche Vereinigung tätig und bündelt aktuell 38 Mitgliedskliniken in ganz Deutschland. In diesen Kliniken werden Patientinnen und Patienten mit komplexen Schmerz- und Funktionsstörungen des Bewegungssystems, darunter viele Bandscheibenvorfall-Patienten, in einem akut-stationären Setting sowie in einigen der Kliniken auch in einem teilstationären Setting multimodal und interdisziplinär behandelt. Das Konzept wurde über mehr als zwei Jahrzehnte kontinuierlich weiterentwickelt und zuletzt 2020 grundlegend überarbeitet, um es an die aktuelle wissenschaftliche Evidenz anzupassen. Mittlerweile wurden seit 2003 mehr als 375.000 Patientinnen und Patienten multimodal nach ANOA behandelt – ein eindrucksvoller Beleg für die Versorgungsrelevanz dieser Struktur.</p>
<h2><b>Strukturierte Pfade für komplexe Fälle</b></h2>
<p>Kern des ANOA-Konzeptes ist die akutmedizinische, interdisziplinäre Komplexbehandlung multifaktorieller Erkrankungen des Bewegungssystems mit hoher Krankheitsintensität. Hierzu wurden klar definierte klinische Pfade entwickelt, die sich an den spezifischen Grunderkrankungsformen orientieren: die multimodal-nichtoperative Komplexbehandlung des Bewegungssystems (OPS 8‑977), die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie (OPS 8‑918), die multimodale rheumatologische Komplexbehandlung (OPS 8‑983) sowie die teilstationäre interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie (OPS 8 – 91c). Bei Bandscheibenvorfall-Patienten mit hoher Krankheitsintensität und komplexer Symptomatik spielt insbesondere der Pfad 1 (OPS 8‑977) eine zentrale Rolle, während chronifizierte Schmerzverläufe im Pfad 2 (OPS 8‑918) abgebildet werden.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-22507" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmitt2_saez0226-1024x823.jpg" alt="" width="755" height="607" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmitt2_saez0226-1024x823.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmitt2_saez0226-300x241.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmitt2_saez0226-768x617.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmitt2_saez0226-150x121.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmitt2_saez0226-450x362.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmitt2_saez0226-1200x965.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/05/Holtschmitt2_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /></p>
<p>In allen Behandlungspfaden ist eine interdisziplinäre Diagnostik zur Indikationsstellung für die stationäre Komplexbehandlung obligatorisch; dabei werden behandlungsrelevante Diagnosen insbesondere unter funktionellen Gesichtspunkten erarbeitet, die Behandlungsschwerpunkte interdisziplinär bestimmt und der passende klinische Pfad festgelegt. Im weiteren Verlauf der Komplexbehandlung wird die akutmedizinische Behandlungsnotwendigkeit kontinuierlich überprüft und der indi­­vi­duelle Behandlungsverlauf in regelmäßigen interdisziplinären Teambesprechungen evaluiert. Gerade für Bandscheiben-vorfall-­Patienten mit drohender Chronifizierung ermöglicht diese strukturierte Vorgehensweise, somatische, funktionelle und psychosoziale Faktoren in ein konsistentes Therapiekonzept zu integrieren, anstatt sie isoliert zu behandeln.</p>
<h2><strong>Was das ANOA-Konzept auszeichnet: Mehr Zeit, mehr Team, mehr Wirkung </strong></h2>
<p>Dieses Konzept geht weit über die reine Schmerzreduktion hinaus. Ziel ist eine wirksame und nachhaltige Verbesserung der Funktionsfähigkeit und damit der Lebensqualität – kurz: die Patienten sollen ihre Schmerzen am Bewegungssystem kurz- und langfristig besser bewältigen können. Besonders hervorzuheben ist der ganzheitliche Behandlungsansatz. In den ANOA-Kliniken werden nicht nur die körperlichen Ursachen der Schmerzerkrankung am Bewegungssystem betrachtet, sondern auch die multifaktoriellen Aspekte, die dazu geführt haben, dass ein zunächst „banales Rückenproblem“ sich zu einem komplexen Beschwerdebild mit hoher Krankheitsintensität entwickelt hat. Hierzu gehören soziale, berufliche und emotionale Einflüsse ebenso wie ungünstige Bewältigungsstrategien oder auch Angst-Vermeidungs-Muster. Erst auf dieser Grundlage kann eine individuelle, langfristig wirksame Behandlungsstrategie entwickelt werden, die über das reine „Symptombekämpfen“ hinausgeht. Ein zweites zentrales Merkmal ist das interdisziplinäre Team – enge Zusammenarbeit zwischen spezialisierten Fachärzten, Physiotherapeuten, klinischen Psychologen, Masseuren, Sozialarbeitern und speziell geschultem Pflegepersonal. Diese Form der Zusammenarbeit ist im Bereich der stationären Behandlung von Rückenbeschwerden in Deutschland nach wie vor nicht selbstverständlich. Für Bandscheibenvorfall-Patienten bedeutet dies, dass somatische, psychologische und soziale Aspekte der Erkrankung aufeinander abgestimmt behandelt werden.</p>
<p>Hinzu kommen eine hohe Therapiedichte und mehr Zeit für die Behandlung. Während in „normalen“ Kliniken für die stationäre Behandlung von Rückenschmerzen häufig nur wenige Tage vorgesehen sind, stehen Patientinnen und Patienten in ANOA-Kliniken durchschnittlich etwa zwei Wochen als Therapiemöglichkeit zur Verfügung. Diese verlängerte Behandlungsdauer kann über die OPS-Strukturen (8‑977, 8‑918, 8‑983) regulär mit den Krankenkassen abgerechnet werden und schafft den nötigen Rahmen, um komplexe Verläufe tatsächlich multimodal zu behandeln, statt sie nur anzuschneiden. Das ANOA-Cert-Qualitätssiegel stellt darüber hinaus sicher, dass das Konzept im klinischen Alltag der zertifizierten Klinik qualitativ hochwertig und einheitlich umgesetzt wird – ein wichtiger Kompass für Patienten und zuweisende Ärztinnen und Ärzte.</p>
<h2><b>Praktische Konsequenzen für Behandelnde<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Für Fachärzte in der sportmedizinischen, orthopädischen und unfallchirurgischen Versorgung ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Bandscheibenvorfälle sollten nicht vorschnell operiert, sondern frühzeitig im Kontext einer strukturierten, multimodalen Komplexbehandlung gedacht werden. Typische Kandidaten für eine Zuweisung in eine ANOA-Klinik sind Patienten mit hoher Schmerzintensität, deutlicher funktioneller Einschränkung, langer Beschwerdedauer, immer wiederkehrenden Beschwerden oder ausgeprägten psycho-<br />
sozialen Belastungsfaktoren. Ebenso sollten Patienten, bei denen trotz ambulanter, vermeintlich konservativer Therapie eine OP diskutiert wird, kritisch daraufhin geprüft werden, ob sie bislang tatsächlich eine multimodale, interdisziplinäre Behandlung erhalten haben – oder ob dies der nächste sinnvolle Schritt vor der Operation sein kann. In der Praxis kann dies bedeuten, frühzeitig mit den regionalen ANOA-Kliniken in Kontakt zu treten, Zuweisungswege zu klären und Patienten aktiv über diese Behandlungsoption zu informieren. Gerade im sportmedizinischen Setting, in dem der Druck zur raschen Wiederherstellung der Belastbarkeit oftmals sehr hoch ist, lohnt es sich, mit den Betroffenen offen über die mittel- und langfristigen Ergebnisse konservativer, multimodaler Konzepte zu sprechen.<span class="Apple-converted-space"> Die Erfahrung aus mehr als zwei Jahrzehnten ANOA zeigt, dass eine gut strukturierte, multimodale Komplexbehandlung nicht nur Operationen vermeiden kann, sondern sehr häufig auch zu einer nachhaltigen Schmerzreduktion, einer deutlich verbesserten körperlichen Leistungsfähigkeit und somit zu einer hohen Patientenzufriedenheit führt. </span></p>
<h2><b>Fallbeispiel Multimodale Konservative Orthopädie</b></h2>
<p>Patient, 43 Jahre alt, Angestellter mit überwiegend sitzender Tätigkeit. In seiner Freizeit spielt er Fußball und klagt seit über einem halben Jahr über lumbalischialgieforme Beschwerden im linken Bein, ausgehend von der LWS über das Gesäß entlang des Oberschenkels bis in den großen Zeh ziehend. Die Beschwerden treten insbesondere bei längerem Stehen und nach dem Fußballtraining auf. Wenn die Beschwerden besonders stark sind, treten auch Hypästhesien entsprechend dem Dermatom L5 im linken Bein auf. Zudem kommt es in diesen Phasen zu passageren Schwächen der Fuß- und Großzehenhebung (Kraftgrad 4 / 5).</p>
<p>Zunächst wurde eine Therapie mit Ibuprofen 600 mg dreimal täglich unter Protonenpumpenhemmerschutz begonnen. Dies führte zwar zu einer kurzfristigen Schmerzlinderung, jedoch nicht zu einer nachhaltigen Beschwerdeverbesserung. Das anschließend durchgeführte MRT zeigte einen Bandscheibenvorfall L4 / L5 links lateral. Darüber hinaus leidet der Patient unter einem oral eingestellten Diabetes mellitus sowie einem ebenfalls medikamentös behandelten milden Hypertonus. Beim niedergelassenen Orthopäden erhielt er eine Verordnung für Physiotherapie (zwei 6er-Rezepte, insgesamt 12 Anwendungen). Darüber hinaus wurden keine weiteren Therapien durchgeführt. Bei persistierenden Schmerzen und einer Arbeitsunfähigkeit über 8 Wochen erfolgte schließlich die stationäre Aufnahme zur multimodalen Komplextherapie am Bewegungssystem (OPS 8 – 977). Im Rahmen des stationären Aufnahmeprozederes wurden sowohl neuroorthopädische, manualmedizinische als auch schmerzmedizinische Diagnostiken durchgeführt. Bei bereits vorliegendem aktuellem MRT der LWS wurde zusätzlich zum Ausschluss einer Wirbelsäulenfehlstellung eine 4D-Optrimetrie durchgeführt. Im Rahmen der psychotherapeutischen Diagnostik wurde u. a. der Stresslevel erhoben, der aufgrund beruflicher Belastung deutlich erhöht war. Es wurde dann in der Klinik zeitnah ein multimodales Therapieprogramm eingeleitet, das Physiotherapie, medizinische Trainingstherapie, verschiedene Verfahren der physikalischen Therapie sowie psychotherapeutische Entspannungsverfahren umfasste. Im Rahmen der interventionellen Schmerztherapie, die sich bei einer solchen Schmerz- und Befundkonstellation als sehr hilfreich erwiesen hat, wurde sowohl eine segmentale Infiltration auf Höhe des betroffenen Bandscheibenfaches nervenwurzelnah durchgeführt als auch eine Facettengelenkinjektion im betroffenen Segment vorgenommen. Hierbei hat sich die Kombination aus Lokalanästhetikum und Cordicoid als wirksam erwiesen. Alternativ wären hier auch Injektionen mit autologem konditioniertem Plasma in Betracht gekommen. Im Rahmen der Ernährungsberatung wurden dem Patienten Hinweise für eine antientzündliche Ernährungsweise an die Hand gegeben. Gerade bei derart hartnäckigen schmerztherapeutischen Verläufen erweist sich die multimodale Herangehensweise in intensivierter Form als besonders effektiv.</p>
<p>Der Patient konnte nach 12 Tagen aus dem stationären Setting in eine weiterführende ambulante Therapie entlassen werden. Im Verlauf des stationären Aufenthaltes ließ sich eine Beschwerdelinderung von Schmerzgrad VAS 8 auf VAS 3 erreichen, sodass von einem erfolgreichen Therapieergebnis gesprochen werden kann.<span class="Apple-converted-space">  </span>Für das weitere Outcome wird es wichtig sein, dass der Patient kontinuierlich an einem wirbelsäulenstabilisierenden ambulanten Trainingsprogramm teilnimmt.</p>
<h2><strong>Fazit</strong></h2>
<p>Die meisten Bandscheibenvorfälle müssen nicht operiert werden. Entscheidend ist, dass wir bei hoher Krankheitsintensität und drohender Chronifizierung frühzeitig an eine multimodale Komplexbehandlung denken und Patientinnen und Patienten strukturiert in entsprechende Angebote einbinden. Das ANOA-Konzept hat sich in den vergangenen 24 Jahren als Goldstandard der nichtoperativen orthopädischen und schmerzmedizinischen Versorgung des Bewegungssystems etabliert und bietet mit seinen klar definierten Pfaden, interdisziplinären Teams, hoher Therapiedichte und mehr Zeit für die Behandlung einen Rahmen, der im Sinne der Betroffenen wirkt. Im Alltag heißt das: nicht gleich operieren – sondern frühzeitig multimodal und ganzheitlich denken.</p>
<p>Weiterführende Informationen finden interessierte Kolleginnen und Kollegen auf der ANOA-Homepage im Bereich für Ärzte unter <a href="http://www.anoa-kliniken.de/aerzte.html">www.anoa-kliniken.de/aerzte.html</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Innovation, Prävention und Athletenmanagement</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22434/innovation-praevention-und-athletenmanagement/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Florian Pfab]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 18:57:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Das von der Firma Arthrex veranstaltete. Symposium Professional Sports Treatment unter der organisatorischen Leitung von Max Rauffer und meiner wissenschaftlichen Leitung fand erstmalig mit einer Beteiligung von Sportmedizinern aus über [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="font-weight: 400;"><strong>Das von der Firma Arthrex veranstaltete. Symposium Professional Sports Treatment unter der organisatorischen Leitung von Max Rauffer und meiner wissenschaftlichen Leitung fand erstmalig mit einer Beteiligung von Sportmedizinern aus über 25 Nationen im SAP Sports Garden in München, statt.</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Es zeigte eindrucksvoll, wie stark sich die moderne Sportmedizin im Hochleistungsbereich weiterentwickelt: weg von isolierten Therapieentscheidungen, hin zu integrierten Versorgungskonzepten, datenbasiertem Monitoring und individualisierten Strategien für Training, Rehabilitation, Prävention, Therapie und Return to Play. Die Referenten beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven – von medizinischer Governance im Profifußball über neuromodulative Verfahren bis hin zu Präzisions-Ernährung und operativen Innovationen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Den Auftakt bildete <strong>Daniel Schmieding</strong> mit dem Vortrag <strong>„Arthrex Vision and Innovation / Future of Sports Medicine“</strong>. Er stellte die Entwicklung von Arthrex als Innovations- und Ausbildungsplattform der orthopädischen Sportmedizin dar. Im Mittelpunkt standen nicht nur technische Produktentwicklungen, sondern vor allem der Anspruch, chirurgische Präzision, Medical Education und digitale Zukunftsformate enger miteinander zu verbinden. Mit Blick auf den geplanten Campus Munich 2028 wurde deutlich, dass moderne Sportmedizin zunehmend als Netzwerk aus Forschung, Weiterbildung, klinischer Anwendung und digitaler Unterstützung verstanden wird.</p>
<p style="font-weight: 400;">Einen praxisnahen Einblick in die medizinischen Strukturen des englischen Spitzenfußballs gab <strong>Prof. Dr. Mark Gillett</strong> in seinem Vortrag <strong>„Current Medical Standards &amp; Strengths in the Premier League“</strong>. Er zeigte, wie hoch die Anforderungen an medizinische Teams in der Premier League sind – insbesondere im Spannungsfeld zwischen Wettbewerbsdruck, Spielerwohl und medizinischer Unabhängigkeit. Themen wie Matchday-Standards, das Management von Kopfverletzungen, akute Notfallversorgung und Governance-Strukturen verdeutlichten, dass professionelle Sportmedizin heute weit über Diagnostik und Therapie hinausgeht. Entscheidend ist ein klar geregeltes System, das schnelle Entscheidungen ermöglicht und gleichzeitig die Gesundheit des Athleten konsequent priorisiert.</p>
<p style="font-weight: 400;">Mit <strong>Dr. Daniel Broman</strong> rückte anschließend die medizinische Versorgung innerhalb einer Multi-Club-Organisation in den Fokus. Sein Vortrag <strong>„Medical Services at a Multi-Club Organisation – City Football Group“</strong> zeigte, wie komplex medizinisches Arbeiten wird, wenn mehrere Vereine, Länder, Spielphilosophien und Belastungsprofile in einer gemeinsamen Struktur zusammengeführt werden. Broman erläuterte die Bedeutung von Surveillance, Significant Event Analysis und standardisierten Reha-Prozessen. Besonders praxisrelevant war der Ansatz einer zentral gesteuerten, Kriterien-basierten Rehabilitation, bei der objektive Return-to-Play-Kriterien ebenso berücksichtigt werden wie psychologische Readiness und die langfristige Belastbarkeit des Spielers.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Performance-Aspekt wurde durch <strong>Dan Lorang</strong> mit dem Vortrag <strong>„How to Reach Maximum Athlete’s Performance“</strong> vertieft. Lorang machte deutlich, dass maximale Leistungsfähigkeit nicht aus einem einzelnen Faktor entsteht, sondern aus dem Zusammenspiel von Trainingssteuerung, Monitoring, Regeneration, Ernährung, Hitzetraining und mentaler Stabilität. Moderne Technologien wie Artificial Intelligence oder Digital-Twin-Modelle können Prozesse unterstützen, ersetzen aber nicht das Fundament erfolgreicher Athletenbetreuung: Vertrauen, Kommunikation, Eigenverantwortung und ein tiefes Verständnis für den individuellen Sportler. Gerade dieser Transfer zwischen Datenanalyse und menschlicher Führung prägt die aktuelle Entwicklung im Hochleistungssport.</p>
<p style="font-weight: 400;">Einen neurofunktionellen Blick auf Verletzungsentstehung und Leistungsoptimierung präsentierte <strong>Dr. Alejandro Elorriaga Claraco</strong> in <strong>„Neuromodulation Techniques for Optimization of Sports Performance and Injury Care“</strong>. Sein Ansatz stellte nicht allein die strukturelle Läsion in den Vordergrund, sondern die funktionelle Steuerung von Bewegung, Schmerz und Gewebespannung. Konzepte wie Force-Management-Systeme, neuromotorische Hemmungen, Neurofunctional Electroacupuncture und Soft Tissue Microconditioning wurden als mögliche Bausteine vorgestellt, um Bewegungsqualität, Schmerzkontrolle und Belastbarkeit zu verbessern. Der Vortrag unterstrich, dass nicht-traumatische Beschwerden im Sport häufig multifaktoriell entstehen und entsprechend differenziert adressiert werden müssen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Mit <strong>Prof. Dr. Johannes Scherr</strong> kam ein weiterer zentraler Baustein moderner Athletenbetreuung zur Sprache: die Ernährung. In <strong>„Precision Nutrition for High Performance“</strong> stellte er die Grenzen klassischer One-size-fits-all-Empfehlungen heraus und zeigte, warum Ernährungsstrategien im Spitzensport zunehmend individualisiert werden müssen. Dabei ging es nicht um pauschale Supplementierung, sondern um datenbasierte Entscheidungen unter Berücksichtigung von Belastung, Stoffwechsel, Biomarkern und sportartspezifischen Anforderungen. Beispiele wie Vitamin D, Koffein und PRP verdeutlichten, dass personalisierte Ansätze vielversprechend sind, im Leistungssport aber weiterhin kritisch validiert und gezielt eingesetzt werden müssen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Den operativ-konservativen Anschluss bildete <strong>Prof. Dr. Stefan Hinterwimmer</strong> mit <strong>„Innovative Strategies in Conservative and Operative Athlete’s Management“</strong>. Er stellte heraus, dass Athletenmanagement nicht nach starren Algorithmen funktionieren kann. Am Beispiel von Kreuzbandverletzungen und begleitenden Pathologien wurden konservative Therapieoptionen wie PRP oder Stammzelltherapien, operative Strategien, Fixationsinnovationen, LET-/ALL-Konzepte sowie knöcherne Korrekturen wie die Slope-Correction diskutiert. Entscheidend sei die individuelle Analyse von Verletzungsmuster, Sportart, Risikoprofil und Zielsetzung des Athleten.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Regenerative und orthobiologische Themen</strong> &#8211; PRP, Stammzellen, Nanoscope-Anwendungen und personalisierte Injektionsstrategien &#8211; werden über <strong>Dr. Vladimir Machacek</strong> adressiert. Er stellte u.a. heraus wie orthobiologische Verfahren wie ACP sinnvoll auch im operativen Setup eingesetzt und dadurch Ergebnisse verbessert werden können.</p>
<p style="font-weight: 400;">Zwei weitere große Highlights waren zum Einen ein <strong>Live Interview von den Olympischen Winterspielen</strong>Milano/Bormio mit <strong>Dr. Andrea Panzeri</strong>, der u.a. über die komplexe medizinische  Infrastruktur und hochmoderne Standards bei den Spielen berichtete.</p>
<p style="font-weight: 400;">Zum Anderen gab <strong>Harry Kane</strong> in einem erfrischend ehrlichen und sympathischen <strong>Interview Einblicke in die Denkweisen eines hochprofessionellen Athleten</strong>, bevor er am selben Abend maßgeblich zum Sieg des FC Bayern München im DFB Pokal gegen RB Leipzig beitrug.</p>
<p style="font-weight: 400;">Insgesamt machte das Symposium deutlich: Die Zukunft der Sportmedizin liegt in der präzisen Verzahnung von Innovation, klinischer Erfahrung und interdisziplinärer Zusammenarbeit. Erfolgreiches Athletenmanagement bedeutet heute, medizinische Exzellenz, Performance-Denken und langfristige Gesundheitsstrategien konsequent zusammenzuführen.</p>
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		<title>Cryotherapy</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22385/cryotherapy-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Tobias Würfel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 12:31:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[ELMAKO]]></category>
		<category><![CDATA[INT26]]></category>
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					<description><![CDATA[Miranda JP, et al. Effectiveness of cryotherapy on pain intensity, range of motion, swelling and function in the postoperative care of musculoskeletal disorders: a systematic review and meta-analysis of randomised [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Miranda JP, et al. Effectiveness of cryotherapy on pain intensity, range of motion, swelling and function in the postoperative care of musculoskeletal disorders: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. Br J Sports Med. 2025 Oct 5:bjsports-2024 109497. doi: 10.1136/bjsports-2024-109497. Epub ahead of print. PMID: 41047148.</em></p>
<p><b>The use of cold therapy has been an established measure in the postoperative treatment of musculoskeletal injuries and operations for many years. The aim is to relieve pain, reduce swelling, and improve range of motion at an early stage. A recent systematic review and meta-analysis has now summarized and critically evaluated the existing evidence on this topic.</b></p>
<p>The analysis included 28 randomized controlled trials comparing various forms of cryotherapy with no cold application. Pain intensity, range of motion (ROM), swelling, and functional recovery were evaluated. Overall, cryotherapy showed significant advantages in terms of pain reduction and mobility in the immediate, short-term, and medium-<br />
term postoperative phases. However, some of the effect sizes found were below the clinically relevant threshold (MCID), indicating rather moderate absolute improvements.</p>
<p>Small to moderate positive effects were observed in terms of range of motion, while only limited differences were observed for swelling and function. Nevertheless, the overall picture suggests that cold applications can make a supportive contribution to multimodal rehabilitation concepts – especially in the early stages of healing, when pain and tissue reaction limit the range of motion. A subgroup analysis showed that controlled cryo-compression systems tend to achieve more favorable effects than conventional applications with ice or gel packs. These devices were found to significantly reduce pain intensity (mean difference −1.03 points) and improve range of motion (mean +11.5°). These advantages are probably due to the combination of cooling and simultaneous compression, which affects both local blood flow and tissue pressure. However, it should be noted that the research situation is heterogeneous overall and the quality of the evidence was only low to moderate. In addition, almost all of the included studies refer to direct cooling methods– i.e., applications in which the cold is transferred directly to the skin via ice, gel packs, or cooling compression devices.</p>
<p>Other methods have hardly been investigated in the literature to date. Hyperbaric CO₂ cold therapy, in which compressed, expanding carbon dioxide is applied to the skin, is only found in individual case reports or small pilot studies. Cold air methods, in which convective heat removal is achieved by means of a fan, have also been researched only marginally to date. For both methods, there are currently no reliable randomized studies on postoperative application. Accordingly, it is not currently possible to make any well-founded statements about their effectiveness or their significance in comparison to established direct cooling methods.</p>
<p>Conclusion: Cryotherapy remains a useful measure in the postoperative management of musculoskeletal surgery, especially for short-term pain and swelling reduction. Although the observed effects are often below the clini­cally relevant threshold, they indicate a supportive effect within a comprehensive rehabilitation concept. Combinations of cold and compression appear to be somewhat more effective than simple ice applications. At the same time, the analysis reveals significant gaps in research: Indirect methods such as hyperbaric CO₂ cold therapy or cold air coo­ling have not yet been sufficiently investigated and should be given greater consideration in future studies in order to evaluate the entire spectrum of cryotherapy on a scientific basis.</p>
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