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	<title>Rubriken Archive - sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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	<title>Rubriken Archive - sportärztezeitung</title>
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	<item>
		<title>Gezieltes Trainkmanagement</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/22704/hydratation-50/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Uwe Schröder&nbsp;,&nbsp;Verena Hesse]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jul 2026 08:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Im höheren Lebensalter ist körperliche Aktivität ein zentraler Baustein für Prävention und Lebensqualität. Dies gilt für gesundheitsorientiert aktive Best Ager ebenso wie für leistungsorientierte Masters. Die aktuellen WHO-Leitlinien betonen hier [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Im höheren Lebensalter ist körperliche Aktivität ein zentraler Baustein für Prävention und Lebensqualität. Dies gilt für gesundheitsorientiert aktive Best Ager ebenso wie für leistungsorientierte Masters. Die aktuellen WHO-Leitlinien betonen hier muskelkräftigende und<br />
funktionell ausgerichtete Aktivitäten [18].<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Da mit zunehmendem Alter der Erhalt von Skelettmuskelmasse, neuromuskulärer Funktion und Knochenintegrität an Bedeutung gewinnt und sich zugleich die Wasser- und Thermoregulation verändern, ist ein angepasstes Trinkmana­gement von besonderer Relevanz [14 – 16, 18].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Veränderte Hydratation im höheren Lebensalter</b></h2>
<p>Im Alter nehmen sowohl das Gesamtkörperwasser als auch der tägliche Wasserumsatz ab. Letzterer liegt im letzten Lebensdrittel im Mittel um rund 700 ml pro Tag niedriger als mit 30 Jahren.<br />
Zugleich können das Durstempfinden, die renale Konzentrationsfähigkeit sowie die Wahrnehmung von Veränderungen der Osmolalität und des Blutvolumens nachlassen [7, 8, 13]. Neuere Studien legen zudem nahe, dass eine chronisch niedrige Basiswasseraufnahme mit einer erhöhten Stressreaktivität und ungünstigeren Belastungs- und Regenerationsreaktionen assoziiert sein kann. Für Masters erscheint es deshalb sinnvoll, im Trinkmanagement zwischen der täglichen Basiszufuhr und dem belastungsbezogenen Trinken zu unterscheiden und beide Größen tagesaktuell zu berücksichtigen.</p>
<p>Daher ist die im Kontext der Sporternährung allgemein anerkannte Empfehlung des Trinkens nach Durst nicht pauschal auf aktive Best Ager übertragbar. In einer Studie mit männlichen Padelspielern über 65 Jahren erschienen viele Teilnehmer bereits suboptimal hydriert zum Training. Ihre durchschnittliche Trinkmenge während einer 90-minü­tigen Einheit lag mit rund 600 ml pro Stunde zwar im Bereich gängiger Empfehlungen, dennoch deuteten Urinparameter nach der Belastung auf eine ­Dehydratation hin [8]. Deshalb zielen zeitgemäße Hydratationsstrategien auf einen euhydrierten Belastungsbeginn ab und begrenzen Körpermassenver­luste während der Aktivität auf 2 %. Aber auch eine Gewichtszunahme während des Sports ist zu vermeiden, da sie als klinisch relevantes Warnsignal einer potenziellen belastungsassoziierten Verdünnungshyponatriämie zu werten ist [1, 2, 6, 11, 12]. Besonders ältere, oft langsamere Sporttreibende können vulnerabler sein, weil sie mehr Gelegenheit zum Trinken haben. Für aktive Best Ager folgt daraus, dass rund um den Sport nicht möglichst viel, sondern nur so viel wie erforderlich getrunken werden sollte.</p>
<h2><b>Mineralstoffprofil beachten</b></h2>
<p>Wenn der Energiebedarf mit zunehmendem Lebensalter sinkt und die Bedeutung muskel- und knochenbezogener Mikronährstoffe steigt, gewinnt die Relation von Nährstoffdichte zu Energiedichte an Gewicht. Ein calcium-, mag­nesium- und hydrogencarbonatreiches Mineralwasser ist deshalb besonders interessant, weil es Rehydratation, Kalorienfreiheit und Mineralstoffzufuhr verbindet. Für Magnesium zeigen systematische Reviews konsistente positive Assoziationen mit Muskelmasse und -kraft sowie einer geringeren Prävalenz sarkopenierelevanter Veränderungen [14, 16, 17]. Zudem konnte eine zusätzliche Magnesiumaufnahme in einer randomisierten Intervention die körperliche Leistungsfähigkeit älterer Menschen verbessern [17]. Da Magnesium an zahlreichen ATP-abhängigen Prozessen beteiligt ist und für Muskelkontraktion und -relaxation sowie den muskulären Energiestoffwechsel eine zentrale Rolle spielt, ist es im höheren Lebensalter als funktionell bedeutsamer Muskelmineralstoff einzuordnen [14, 16, 17]. Auch Calcium ist für die neuromuskuläre Signalübertragung und den Knochenmetabolismus von zentraler Bedeutung, sodass eine bedarfsgerechte Calciumversorgung wesentlich für eine knochengesundheitsorientierte Ernährungsstrategie ist [1, 10, 15]. Für Best Ager mit sinkendem Energiebedarf, geringer Milchproduktezufuhr oder dem Wunsch nach einer kalorienfreien Getränkewahl kann ein calciumreiches Mineralwasser daher einen relevanten Beitrag leisten. Rund um körperliche Aktivität eingesetzt, unterstützt ein calcium- und magnesiumreiches Mineralwasser den Ausgleich von Wasserverlusten und zugleich die Zufuhr dieser für die neuromuskulären und knochenmetabolischen Prozesse bedeutsamen Mineralstoffe [1, 10, 15].</p>
<p>Ein Alleinstellungsmerkmal einiger ­Mineralwässer ist darüber hinaus ihr hoher Hydrogencarbonatgehalt. Interventionsstudien zeigen, dass hydrogencarbonatreiches Mineralwasser den Urin-pH-Wert erhöhen, die Netto-Säure­ausscheidung senken und die systemische Pufferung beeinflussen kann. Zudem werden geringere Calciumverluste im Urin und niedrigere Marker der Knochenresorption diskutiert. Für aktive Best Ager ist dies bedeutsam, weil westliche Ernährungsweisen häufig mit einer positiven Säurelast einhergehen. In einer Studie an 120 perimenopausalen Frauen konnten bei sechsmonatiger Aufnahme von zwei Litern eines bicarbonat- und calciumhaltigen Mineralwassers Marker des Calciumstoffwechsels günstig beeinflusst und die Knochenintegrität unterstützt werden. Vereinzelt wurden auch Vorteile bei der Laktat-Clearance während hochintensiver Leistungsformen beschrieben [3, 4, 9, 10].</p>
<h2><b>Trinkpraxis für aktive Best Ager und Masters<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Aktive Best Ager sollten Belastungen möglichst euhydriert beginnen und sich dabei nicht allein auf den präexercise-Durst verlassen. In den letzten zwei bis vier Stunden vor der Aktivität sind insgesamt etwa 350 bis 500 ml Getränk ein praxisnaher Orientierungswert. Für Aktivitäten von mehr als 60 Minuten erscheinen etwa 400 bis 800 ml pro Stunde als sinnvoller Bereich. Nach dem Sport ist das entstandene Defizit in den folgenden Stunden gezielt mit ca. 130 % der individuellen Schweißverluste sukzessive auszugleichen. In Alltag, Training und Regeneration stellt ein calcium-, magnesium- und hydrogencarbonatreiches Mineralwasser wie z. B. Rosbacher Mineralwasser für aktive Best Ager und Master-Athleten eine gut vermittelbare Standardoption dar, da es Hydratation, Kalorienfreiheit und einen positiven Deckungsbeitrag zur Mineralstoffversorgung verbindet [1, 10 – 12].</p>
<h2><b>Fazit: gezieltes Trinken unterstützt nachhaltig</b></h2>
<p>Für aktive Best Ager und Master-Athleten zählt beim Trinken nicht das Mehr, sondern das Passende. Ein mineralstoffreiches Mineralwasser ist dabei ein alltagstauglicher, energiefreier und ernährungsphysiologisch sinnvoller Baustein, um gesundheits- wie leistungsorientierte körperliche Aktivität in der zweiten Lebenshälfte effektiv zu unterstützen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol>
<li>Armstrong, L. (2021). Rehydration during Endurance Exercise: Challenges, Research, Options, Methods. <em>Nutrients</em>, 13. <a href="https://doi.org/10.3390/nu13030887">https://doi.org/10.3390/nu13030887</a></li>
<li>Armstrong, L., Stearns, R., Huggins, R., Sekiguchi, Y., Mershon, A., &amp; Casa, D. (2025). Reference Values for Hydration Biomarkers: Optimizing Athletic Performance and Recovery. <em>Open Access Journal of Sports Medicine</em>, 16, 31 &#8211; 50. <a href="https://doi.org/10.2147/oajsm.s508656">https://doi.org/10.2147/oajsm.s508656</a></li>
<li>Chiron, F., Erblang, M., Gulören, B., Bredariol, F., Hamri, I., Léger, D., Hanon, C., Tiollier, E., &amp; Thomas, C. (2024). Exploring the Influence of Acid-Base Status on Athletic Performance during Simulated Three-Day 400 m Race. <em>Nutrients</em>, 16. <a href="https://doi.org/10.3390/nu16131987">https://doi.org/10.3390/nu16131987</a></li>
<li>Chiron, F., Thomas, C., Bardin, J., Mullie, F., Bennett, S., Chéradame, J., Caliz, L., Hanon, C., &amp; Tiollier, E. (2024). Influence of Ingestion of Bicarbonate-Rich Water Combined with an Alkalizing or Acidizing Diet on Acid-Base Balance and Anaerobic Performance. <em>Journal of Human Kinetics</em>, 93, 105 &#8211; 117. <a href="https://doi.org/10.5114/jhk/182986">https://doi.org/10.5114/jhk/182986</a></li>
<li>Deshayes, T., Mornas, A., Sardar, S., &amp; Gagnon, D. (2025). Effect of Age on Fluid Replacement during Heat Exposure – The Human Heat Stress Project. <em>Physiology</em>. <a href="https://doi.org/10.1152/physiol.2025.40.s1.0164">https://doi.org/10.1152/physiol.2025.40.s1.0164</a></li>
<li>Kenefick, R. (2018). Drinking Strategies: Planned Drinking Versus Drinking to Thirst. <em>Sports Medicine (Auckland, N.z.)</em>, 48, 31 &#8211; 37. <a href="https://doi.org/10.1007/s40279-017-0844-6">https://doi.org/10.1007/s40279-017-0844-6</a></li>
<li>Li, S., Xiao, X., &amp; Zhang, X. (2023). Hydration Status in Older Adults: Current Knowledge and Future Challenges. <em>Nutrients</em>, 15. <a href="https://doi.org/10.3390/nu15112609">https://doi.org/10.3390/nu15112609</a></li>
<li>Lopes, A., Campos, M., Rosado, F., Rama, L., Ribeiro, A., Martinho, D., Teixeira, A., &amp; Massart, A. (2024). Analysis of Hydration Habits Before and During a Specific Training Session in Male Padel Athletes Aged over 65: Physiological and Psychological Implications. <em>Nutrients</em>, 16. <a href="https://doi.org/10.3390/nu16203513">https://doi.org/10.3390/nu16203513</a></li>
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<li>Marino, C., Pagano, I., Castaldo, G., Grimaldi, M., D’Elia, M., Santoro, A., Conte, A., Molettieri, P., Parisella, C., Buonocore, M., D’Ursi, A., &amp; Rastrelli, L. (2023). Supplementing Low-Sodium Bicarbonate–Calcic (Lete)® Water: Effects in Women on Bone and Systemic Metabolism. <em>Metabolites</em>, 13. <a href="https://doi.org/10.3390/metabo13111109">https://doi.org/10.3390/metabo13111109</a></li>
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<li>Souza, A., Vasconcelos, A., Dias, D., Komoni, G., &amp; Name, J. (2023). The Integral Role of Magnesium in Muscle Integrity and Aging: A Comprehensive Review. <em>Nutrients</em>, 15. <a href="https://doi.org/10.3390/nu15245127">https://doi.org/10.3390/nu15245127</a></li>
<li>Strasser, B., Pesta, D., Rittweger, J., Burtscher, J., &amp; Burtscher, M. (2021). Nutrition for Older Athletes: Focus on Sex-Differences. <em>Nutrients</em>, 13. <a href="https://doi.org/10.3390/nu13051409">https://doi.org/10.3390/nu13051409</a></li>
<li>Van Dronkelaar, C., Fultinga, M., Hummel, M., Kruizenga, H., Weijs, P., &amp; Tieland, M. (2023). Minerals and Sarcopenia in Older Adults: An Updated Systematic Review.. <em>Journal of the American Medical Directors Association</em>.<a href="https://doi.org/10.1016/j.jamda.2023.05.017">https://doi.org/10.1016/j.jamda.2023.05.017</a></li>
<li>Van Dronkelaar, C., Van Velzen, A., Abdelrazek, M., Van Der Steen, A., Weijs, P., &amp; Tieland, M. (2017). Minerals and Sarcopenia; The Role of Calcium, Iron, Magnesium, Phosphorus, Potassium, Selenium, Sodium, and Zinc on Muscle Mass, Muscle Strength, and Physical Performance in Older Adults: A Systematic Review.. <em>Journal of the American Medical Directors Association</em>, 19 1, 6-11.e3. <a href="https://doi.org/10.1016/j.jamda.2017.05.026">https://doi.org/10.1016/j.jamda.2017.05.026</a></li>
<li>World Health Organization. (2020). WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour. World Health Organization. https://apps.who.int/iris/handle/10665/336656</li>
<li>Yates, B., Yates, B., Ellis, L., Butts, C., McDermott, B., Williamson, K., &amp; Armstrong, L. (2017). Factors Associated with Pre-Event Hydration Status and Drinking Behavior of Middle-Aged Cyclists. <em>The Journal of Nutrition, Health &amp; Aging</em>, 22, 335 &#8211; 340. <a href="https://doi.org/10.1007/s12603-017-0927-y">https://doi.org/10.1007/s12603-017-0927-y</a></li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schambeinentzündung</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22690/schambeinentzuendung-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Michael Rettler]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jul 2026 08:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Schambeinentzündung, medizinisch Osteitis pubis, bezeichnet eine nicht-infektiöse Entzündungsreaktion im Bereich der Schambeinfuge (Symphysis pubica), dem Gelenk, das die beiden Schambeinknochen im vorderen Becken verbindet. Sie tritt besonders bei Sportlern [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Eine Schambeinentzündung, medizinisch Osteitis pubis, bezeichnet eine nicht-infektiöse Entzündungsreaktion im Bereich der Schambeinfuge (Symphysis pubica), dem Gelenk, das die beiden Schambeinknochen im vorderen Becken verbindet. Sie tritt besonders bei Sportlern und Menschen mit hoher Belastung des Beckens auf und gehört zu den Überlastungs-<br />
syndromen des Beckens. In der medizinischen Fachliteratur wird von einer Inzidenz von bis zu 20 % insbesondere bei Fußballern ausgegangen [6].</b></p>
<h2><b>Anatomischer Hintergrund – wo ist das Problem?</b></h2>
<p>Die Schambeinfuge ist ein faserknorpeliges Gelenk, das die beiden Schambeinanteile des Beckens verbindet. Es ist von starken Bändern stabilisiert und dient als Ansatzpunkt für wichtige Muskelgruppen:</p>
<ul>
<li>Hüftadduktoren (M. adductor longus, brevis et magnus, M. gracilis)</li>
<li>Bauchmuskeln (M. rectus abdominis) [1]</li>
</ul>
<p>Warum ist das wichtig? Bei Belastung (Laufen, Sprinten, Kicken) wirken enorme Scher- und Zugkräfte über diese Strukturen. Bei wiederholter Überbeanspruchung können Mikroverletzungen und entzündliche Veränderungen entstehen [1].</p>
<h2><b>Ursachen &amp; Risikofaktoren</b></h2>
<p>Eine Schambeinentzündung entsteht meist durch wiederholte Überlastung (Microtrauma) und ungleiche Kräfte im Beckenbereich. Häufige Auslöser sind:</p>
<ul>
<li>Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, z. B. Fußball, Hockey, Sprinten – durch starke Adduktor- und Hüftbelastung [1]. Vermutung: Im Vergleich zu Naturrasen bietet Kunstrasen oft eine höhere Traktion (besserer Halt). Abrupte Richtungswechsel, Antritte und Stopps bei hoher Traktion erzeugen starke Zugkräfte der Adduktoren und Bauchmuskeln am Schambein.</li>
<li>Überbeanspruchung durch Training und Wettkampf – besonders ohne ausreichende Regeneration [3]</li>
<li>Muskelungleichgewichte bzw. schlechte Rumpfstabilität – Bauch-, Hüft- oder Beckenmuskulatur nicht ausreichend trainiert [3]</li>
<li>Andere Ursachen (seltener): Schwangerschaft, Geburt oder Becken-Operationen [4]</li>
</ul>
<h2><b>Typische Symptome</b></h2>
<p>Eine Schambeinentzündung zeichnet sich meist durch einen schleichenden Leistenschmerz aus, der durch Belastung verstärkt wird.<span class="Apple-converted-space">  </span>Typische Beschwerden sind Schmerzen im zentralen Beckenbereich, direkt über dem Schambein oder in der Leiste. Diese treten häufig bei Bewegungen wie Gehen, Sprinten, Treppensteigen oder bei Übungen wie Sit-ups auf. Auch Druck auf die Symphyse oder eine Anspannung der Adduktoren kann Schmerzen auslösen. Oft strahlen die Schmerzen in den Oberschenkel oder die Hüfte aus. In manchen Fällen kommt es zusätzlich zu Ruheschmerzen mit dumpfen, unspezifischen Bauchschmerzen.</p>
<p>Wichtig: Symptome können variieren und beginnen häufig schleichend und zwischen dem radiologischen Befund einer Schambeinentzündung, der häufig mittels einer MRT-Untersuchung gestellt wird und dem klinischen Befund einer Schambeinentzündung muss unterschieden werden. Oftmals wird die Schambeinentzündung erst relevant, wenn die am Schambein ansetzende Muskulatur mit betroffen ist.</p>
<h2><b>Diagnose</b></h2>
<p>Die Diagnose basiert auf der Anamnese und einer klinischen Untersuchung sowie ergänzender Bildgebung. Dabei werden zunächst die Schmerzlokali­sationen erfasst und durch verschiedene Bewegungs- und Funktionstests, wie beispielsweise den Einbein-Stand-Test oder die Untersuchung der Hüftgelenke, weiter differenziert und klinisch eingeordnet. Zur weiteren Abklärung kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz: Ein Röntgenbild kann knöcherne Veränderungen wie das „primary“ oder „secondary cleft sign“ zeigen, während ein MRT besonders sensibel entzündliche Veränderungen oder Knochenmarködeme (Abb. 2) sichtbar macht. Zusätzlich kann eine Sonographie eingesetzt werden, um Entzündungen, Flüssigkeitsansammlungen oder Gewebeveränderungen darzustellen und andere Ursachen wie Leistenhernien oder eine weiche Leiste auszuschließen. Daher ist genaue orthopädische Abklärung wichtig, da Leistenschmerzen viele Ursachen haben können [7]. Bei einem Drittel der Patienten besteht gleichzeitig eine Hüftproblematik (FAI).<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<figure id="attachment_22693" aria-describedby="caption-attachment-22693" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-22693" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226-1024x768.jpg" alt="" width="755" height="566" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226-1024x768.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226-300x225.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226-768x576.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226-150x113.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226-450x338.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226-1200x900.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettle_Abb2_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22693" class="wp-caption-text">Abb. 2 Osteitis pubis bds. mit Beteiligung der Adduktoren links &gt; rechts</figcaption></figure>
<h2><b>Therapieübersicht</b></h2>
<p>Das oberste Ziel der Behandlung ist die Schmerzreduktion, die Entzündung zu lindern und eine funktionelle Stabilität wiederherzustellen.</p>
<p><b>Stufe 1 </b>Konservative Therapie</p>
<ul>
<li>Ruhe &amp; Belastungsreduktion – Vermeiden von schmerzauslösenden Aktivitäten</li>
<li>Physiotherapie – zentrale Maßnahme zur Stärkung der CORE-Muskulatur nach funktioneller Analyse (am besten mittels EMG).<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Medikamente – Vitamin D; entzündungshemmende Schmerzmittel am Anfang für einen kurzen Zeitraum (z. B. NSARs) kombiniert mit Naturheilkunde und / oder Homöopathie (Bromelain; Traumeel; Cherry Plus, Arnica D6, MSM)</li>
<li>Neuroreflektorische hyperbare CO2-Cryotherapie</li>
<li>Fokussierte Stoßwellentherapie (ESWT)</li>
<li>Magnetfeldtherapie (Fokussierte Hochenergie-Induktionstherapie mit Dual Field Applikator)</li>
<li>Injektionen mit PRP plus Traumeel direkt ans / ins Os pubis oder im Bereich des Ansatzes des M. gracilis bei secondary cleft sign (Abb.1)</li>
</ul>
<p><b>Stufe 2 </b>Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) mit ca. 20 – 40 Sitzungen bei gescheiterter konservativer Therapie Stufe 1</p>
<p><b>Stufe 3 </b>Operative Therapie – nur selten notwendig, z. B. bei strukturellen Instabilitäten oder begleitenden Leistenproblemen oder Versagen der konservativen Therapie nach einem längeren Zeitraum bei einem primär / secondary cleft sign</p>
<h2><b>Übungsbeispiele – Rehabilitation &amp; Prävention</b></h2>
<p>Diese Übungen dienen zur Förderung von Rumpfstabilität, Hüftkontrolle und Muskelbalance. Sie sollten schmerzfrei und unter Anleitung einer Physiotherapeut: in durchgeführt werden.</p>
<p><b>Core-Stabilität</b></p>
<ul>
<li>Plank (Unterarmstütz) – 3 x 20 – 30 Sek. halten [14]</li>
<li>Seitstütz (Side Plank) – 2 – 3 x 20 Sek. / Seite [14]</li>
</ul>
<p><b>Hüft- und Beckenmobilität:</b></p>
<ul>
<li>Brücke (Bridge) – 3 x 12 Wiederholungen [11]</li>
<li>Dead Bug – 2 – 3 Sätze x 10 Wiederholungen [11]</li>
</ul>
<p><b>Dehnungen</b></p>
<ul>
<li>Adduktoren-Stretch – 2 x 30 Sek. halten [5]<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Hüftbeuger-Stretch – 2 x 30 Sek./Seite [5]</li>
<li>Copenhagen Übungen für die Adduktoren (Abb. 3)</li>
</ul>
<figure id="attachment_22692" aria-describedby="caption-attachment-22692" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-22692" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226-1024x768.jpg" alt="" width="755" height="566" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226-1024x768.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226-300x225.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226-768x576.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226-150x113.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226-450x338.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226-1200x900.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Rettler_Abb3_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22692" class="wp-caption-text">Abb. 3 Copenhagen-Adduktoren-Übung</figcaption></figure>
<h2><b>Prävention – wie kann man vorbeugen?</b></h2>
<p>Zur Verletzungsprävention im Training ist eine schrittweise Steigerung von Intensität und Umfang notwendig, um Anpassungsprozesse des Körpers zu fördern [4]. Ebenso wichtig sind ausreichende Regenerationsphasen zwischen intensiven Einheiten, um Überlastungen zu vermeiden [4]. Ergänzend tragen gezieltes Kraft- und Stabilisationstraining der Rumpf-, Hüft- und Oberschenkelmuskulatur sowie ein struk­turiertes Aufwärmen mit anschließenden Dehnübungen – insbesondere für Adduktoren, Hüftbeuger und Rumpf – wesentlich zur Reduktion des Verletzungsrisikos bei, z. B. für den Fußball FIFA 11+ Programm [5].</p>
<h2><b>Prognose</b></h2>
<p>Bei frühzeitiger Diagnose und adäquater konservativer Therapie ist die Prognose in der Regel sehr gut. Viele Betroffene sind nach mehreren Wochen bis Monate wieder beschwerdefrei, insbesondere in Kombination mit konsequenter physiotherapeutischer Arbeit [4].</p>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li style="font-weight: 400;">emedicine.medscape.com</li>
<li style="font-weight: 400;">ultrasoun-guided-injections.co.uk</li>
<li style="font-weight: 400;">wikism.org</li>
<li style="font-weight: 400;">my.clevelandclinic.org</li>
<li style="font-weight: 400;">liebscher-bracht.com</li>
<li style="font-weight: 400;">schambeinentzuendung.de</li>
<li style="font-weight: 400;">webmd.com</li>
<li style="font-weight: 400;">pubmed.ncbi.nlm.nih.gov</li>
<li style="font-weight: 400;">airedalemsk.co.uk</li>
<li style="font-weight: 400;">netdoktor.at</li>
<li style="font-weight: 400;">de.wikipedia.org</li>
<li style="font-weight: 400;">schambeinentzuendung.com</li>
<li style="font-weight: 400;">www.dfb.de</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Magnetic Resonance Therapy in Professional Sports</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22749/magnetic-resonance-therapy-in-professional-sports/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[PD Dr. med. Anna Schreiner&nbsp;,&nbsp;Prof. Dr. med. Götz Welsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 09:33:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22749</guid>

					<description><![CDATA[PD Dr. med. Anna J. Schreiner , Richard Evans, Prof. Dr. med. Götz Welsch Injuries are a structural risk in professional soccer—with direct implications for athletic success and significant economic implications. [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>PD Dr. med. Anna J. Schreiner , Richard Evans, Prof. Dr. med. Götz Welsch</p>
<p><strong>Injuries are a structural risk in professional soccer—with direct implications for athletic success and significant economic implications. Recent analyses from Europe’s top leagues show that several thousand injuries occur per season, resulting in lost wages in the hundreds of millions (Howden Men’s European Football Injury Index 2023 / 24).</strong></p>
<p>Against this backdrop, the importance of efficient rehabilitation strategies is growing. In addition to established methods, attention is increasingly turning to the question of how additional therapeutic components can be meaningfully integrated into existing approaches to further support the healing process and optimize return-to-play times. The study “Magnetic Resonance Therapy as Part of a Combination Therapy in Professional Soccer—One-Year Results, a Case Series,” published last year in the German Journal of Sports Medicine, examines the role of therapeutic magnetic resonance imaging (NMRT or tNMR, also known as KSRT or MBST®) as a complementary component within a multimodal treatment approach in professional soccer. The study was based on a case series from HSV, then a German second-division club (head team physician Prof. G. Welsch), over a period of one year. A total of 13 players with various chronic and acute musculoskeletal injuries, primarily in the lower extremities, were treated with magnetic resonance therapy in addition to their existing standard rehabilitation regimen. The underlying treatment concept was deliberately broad in scope and combined various established measures, including physical therapy interventions, sport-specific rehabilitation training, physical therapies, and complementary nutrition- and recovery-oriented strategies. MBST® was integrated as a new and additional component. This non-invasive method uses magnetic resonance therapy to stimulate cellular metabolic processes in various tissues and support regenerative processes (see also previous articles 2025/2026 in the *sportärztezeitung*).</p>
<p><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-22647" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-1019x1024.jpg" alt="" width="755" height="759" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-1019x1024.jpg 1019w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-150x151.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-768x772.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-70x70.jpg 70w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-450x452.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-1200x1206.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226-120x120.jpg 120w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Schreiner_Graphic_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /></p>
<p>During the observation period, all participating players were successfully reintegrated into training and competition. The therapy was well integrated into the daily rehabilitation routine and was well accepted by both the players and the support team. No side effects were observed. Furthermore, no re-injuries occurred within the documented period, indicating stable healing processes. The general clinical outcomes, as well as the players’ subjective assessments, were consistently positive. When interpreting the results, it becomes clear that magnetic resonance therapy should be considered particularly within the context of complex, multimodal treatment approaches. Naturally, based on the available data, it is not possible to clearly isolate its effect. At the same time, the results show that the method can be easily integrated into existing structures and makes a supportive contribution to recovery. The cases demonstrate that, particularly in cases of chronic or treatment-resistant conditions—such as those involving tendons or bone metabolism—there may be potential added benefit, and certain gaps in treatment can be addressed with this physical therapy. However, due to the exploratory design and the limited number of cases, these are primarily practical observations. The analysis thus provides an initial structured insight into the application under real-world conditions in professional sports. It is precisely this practical relevance, however, that represents significant added value, as it addresses the feasibility and integration into the performance-oriented daily routine.</p>
<p>In Germany, MBST® is firmly established in therapeutic use as an official partner not only with HSV but also with Holstein Kiel and the Braunschweig Basketball Löwen (team orthopedic physician Dr. N. Fiedler). In the United Kingdom, registry data collection has been underway since last season at the soccer clubs Charlton Athletic and Wrexham AFC, as well as at the rugby club Bath. Data is thus being collected there in a real-world setting. According to Rory Murray (Head of Medical Services, Bath Rugby), the preferred applications of magnetic resonance therapy—which allows players to return to play more quickly—include the treatment of bone fractures, with particularly positive results observed in rib fractures involving cartilage, as well as tendon pathologies. At Charlton Athletic FC (Adam Coe, Head of Medical), over 40 cases of combination therapy with MRI therapy are now being monitored, demonstrating a time advantage in the form of a faster return to play for muscle injuries, tendon and ligament injuries, as well as bone pathologies (data not yet published).</p>
<h2><b>Conclusion</b></h2>
<p>The results of the previously published case series show that magnetic resonance therapy is being used in a practical and meaningful way as a complementary component of combination therapy in professional soccer and offers further potential. Particularly noteworthy are its good practicality, absence of side effects, high acceptance, and the observed stable and, in some cases, faster return-to-play trajectories (in the current analysis of UK registry data). Future analyses—particularly those based on larger registry data sets and spanning multiple clubs—will be crucial for more precisely assessing the significance of this method and defining expanded areas of application—e.g., in the realm of more targeted general recovery as well as prevention. Nuclear magnetic resonance therapy can therefore be regarded as a promising, useful, and relevant component of modern, integrative therapeutic strategies.</p>
<p>This article is based on the detailed original article: <a href="https://www.germanjournalsportsmedicine.com/archive/archive-2025/issue-7/nuclear-magnetic-resonance-therapy-as-part-of-combination-therapy-in-professional-football-1-year-results-a-case-series/">“Nuclear Magnetic Resonance Therapy as Part of Combination Therapy in Professional Soccer—One-Year Results, a Case Series”</a> (Schreiner AJ, Mulholland K, Evans R, Welsch G. Nuclear magnetic resonance therapy as part of combination therapy in professional soccer—1-year results, a case series. Dtsch Z Sportmed. 2025; 76: 233–238. doi:10.5960/dzsm.2025.647; https://www.germanjournalsportsmedicine.com/archive/archive-2025/issue-7/nuclear-magnetic-resonance-therapy-as-part-of-combination-therapy-in-professional-football-1-year-results-a-case-series/).</p>
<p>Courtesy of the German Journal of Sports Medicine.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Extreme Sarkopenie</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22687/extreme-sarkopenie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jörg Pfeffer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 08:00:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<category><![CDATA[INSUMED]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22687</guid>

					<description><![CDATA[Anamnese: Ein 83-jähriger Patient mit PEG-Versorgung (Perkutane Endoskopische Gastrostomie) nach 7-monatiger Krankenhausbehandlung wurde bei Problemen mit der Sondennahrung und erkennbarem, deutlichem Untergewicht vorgestellt. Der Patient erlitt im Mai 2024 auf [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Anamnese: Ein 83-jähriger Patient mit PEG-Versorgung (Perkutane Endoskopische Gastrostomie) nach 7-monatiger Krankenhausbehandlung wurde bei Problemen mit der Sondennahrung und erkennbarem, deutlichem Untergewicht vorgestellt. Der Patient erlitt<br />
im Mai 2024 auf einem Kreuzfahrtschiff eine schwere Urosepsis und wurde daraufhin in Italien von Bord in ein Krankenhaus gebracht.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Da sich der Gesundheitszustand rapide verschlechterte, wurde er in ein künstliches Koma gelegt. Für den luftgebundenen Rücktransport nach Deutschland und der bestehenden Ateminsuffizienz wurde der Patient tracheostomiert und beatmet rückverlegt. Nach Entwöhnung von der Beatmung bestand bei ihm eine deutliche Schluckstörung, sodass man sich in der Klinik für die Anlage einer PEG-Sonde entschied. Nach mehreren Komplikationen während des mehrmonatigen stationären Aufenthalts wurde der Patient im Dezember 2024 schließlich untergewichtig, sarkopenisch, mit massiven Spastiken in den Armen und Beinen, inliegendem Tracheostoma und weiterhin bestehender Schluckstörung übergangsweise in eine stationäre Pflege­einrichtung verbracht. Dort entwickelte er unter hochkalorischer Fresubingabe massive Diarrhoen, die zu einem weiteren Gewichtsverlust führten.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der Patient wurde mir durch die Angehörigen im Januar 2025 zur Ernährungstherapie vorgestellt. Er war zwischenzeitlich mobilisiert und konnte stundenweise im Rollstuhl sitzen. Die häusliche Versorgung erfolgte durch einen 24-Stunden Intensivpflegedienst. Logopädie, Ergo- sowie Physiotherapie erfolgten mehrmals wöchentlich. Eine genaue Gewichtsangabe konnte nicht eruiert werden, da der Patient zuletzt in Italien gewogen wurde. Da keine objektiven Daten zu Gewicht, Muskelmasse und dem Flüssigkeitshaushalt vorlagen, wurde eine Diagnostik auf Sarkopenie durchgeführt. Die Auswertung des SARC-F-Fragebogens ergab einen Wert von 6 Punkten und somit ein positives Screening auf Sarkopenie. Eine Muskelkraftmessung konnte aufgrund der Spastiken in den Händen nicht durchgeführt werden. Bei positivem Befund mittels SARC-F-Fragebogens wird die Durchführung einer <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/4842/bioelektrische-impedanzanalyse/">Bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA)</a> als weitere Diagnostik zur Bestätigung der Sarkopenie [1] sowie von den ESPEN Guidelines als Diagnostik und Monitoring bei Mangelernährung und bei Patienten mit Ernährung über PEG-Sonden [2, 3] klar empfohlen. Hierbei lässt sich die Körperzusammensetzung bestimmen, insbesondere die Muskelmasse und das Körperwasser bzw. dessen (intra- und extrazelluläre) Verteilung.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die durchgeführte BIA wurde im Liegen durchgeführt, die Gewichtsmessung erfolgte mit einer Sitzwaage. Das Gewicht lag bei 48,9 kg bei einer Körpergröße von 163 cm, der BMI somit bei 18,3 kg/m². Die errechnete Skelettmuskelmasse lag gesamt bei 8,9 kg, was lediglich 18 % des Körpergewichts ausmachte. Eine Sarkopenie war somit bestätigt. Die tägliche Flüssigkeitszufuhr lag bei 3,5 l – womöglich durch eine übermäßige Flüssigkeitsgabe durch den Pflegedienst und dem nicht berücksichtigten Wasseranteil bei der zugeführten Sondennahrung – bei einer bestehenden Niereninsuffizienz Grad 2 – 3 und einem in der BIA-Messung sichtbar deutlich erhöhten Anteil an extrazellulärem Wasser.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Therapie</b></h2>
<p>Als Ergebnis der Messung wurden folgende Maßnahmen (targeted nutrition &amp; Physiotherapie) in Absprache mit dem Patienten und seinen Angehörigen ergriffen:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Aufgrund der massiven Diarrhoen erfolgte zunächst die Umstellung von Fresubin auf eine normalkalorische Sondenkost (Fa. Hipp) sowie eine Reduktion der Flüssigkeitszufuhr auf ca. 2,5 l pro Tag unter Berücksichtigung des Wasseranteils in der Sondenkost. Da sich die Diarrhoen unter dieser Kost zurückbildeten, stellten wir den Patienten bei sehr guter Verträglichkeit langsam auf hochkalorische Sondenkost derselben Firma um. Parallel wurde dem Patienten ein Eiweißpräparat (INSUMED Bestform) über die PEG verabreicht. Anfangs 20 g pro Tag in aufgeteilten Einzelgaben zur Sondenkost, mit Steigerung bei guter bis sehr guter Verträglichkeit auf 40 g pro Tag. Die zusätzliche Proteingabe war aufgrund der Schwere der Erkrankung, des Untergewichts und der bestehenden Sarkopenie zusätzlich angezeigt, da in solchen Fällen der Gesamtbedarf an Protein von bis zu 2,0 g /kg Körpergewicht / Tag empfohlen wird [4]. Bei diesem Patienten wären das knapp 100 g proTag allein für das bestehende Gewicht. Da jedoch eine Gewichts- bzw. Muskelzunahme angestrebt werden musste, wurde dementsprechend mit einem Zielgewicht deutlich über dem derzeitigen Körpergewicht von 48,9 kg gerechnet, jedoch mit o. g. Steigerung der Zugabe. Das zusätzliche Protein wurde außerdem zur Unterstützung der begonnenen Physiotherapie benötigt. Allerdings musste bei bestehender Niereninsuffizienz eine engmaschige Laborkontrolle durchgeführt werden, obwohl eine Proteingabe bei dieser Erkrankung nicht grundsätzlich ausgeschlossen ist [5]. Einer größeren Bedeutung sollte hierbei einerseits der Aminosäure L-Leucin beikommen, die besonders wichtig für die Aktivierung von mTOR und somit für die Proteinsynthese ist [6, 7]. Andererseits der Aminosäure L-Glutamin, welche eine wesentliche Energiequelle für Immun- und Darmzellen und insofern mitentscheidend für das Immunsystem und die Darmfunktion ist [8, 9]. Da die Muskulatur als großes Stoffwechselorgan gilt [10] und wesentlichen Einfluss auf das Immunsystem hat [11], sie bei diesem Patienten jedoch massiv reduziert war und er außerdem zuvor an einer Verdauungsstörung litt, nehmen die beiden genannten Aminosäuren eine zentrale Funktion ein. Letztlich sind alle anderen Aminosäuren nicht weniger bedeutsam für den Körper, weshalb für eine optimale Muskelversorgung idealerweise auf ein umfangreiches und ausgewogenes Aminosäureprofil geachtet werden sollte, was bestenfalls laborchemisch zuvor überprüft wird.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Nach sechs Wochen wurde zur Kon­trolle erneut eine BIA-Messung durchgeführt. Hierbei zeigten sich bereits verbesserte Werte. Der Patient hatte ca. 4 kg Gewicht zugenommen, davon 1,1 kg Muskelmasse und der Gesamtkörperwasseranteil hatte sich reduziert. Der Physiotherapeut konnte bei der wöchentlichen Therapie subjektiv einen Kraftzuwachs sowie eine verbesserte Funktionalität der Muskulatur feststellen. Die Sarkopenie wurde langsam rückläufig. Die Physiotherapie bestand anfänglich aus regelmäßigem Durchbewegen und Detonisieren der Muskulatur, um die Kontrakturen zu verbessern und neuen Kontrakturen vorzubeugen. Zusätzlich wurden Bewegungserfahrungen aus der Vergangenheit des Patienten vor der Erkrankung erarbeitet und mit explosiven Bewegungserfahrungen gepaart und angeleitet. Jede Bewegung wurde schneller ausgeführt. Ziel war es, den Rhythmus einer Beugung in den Armen und Beinen zu verdoppeln. Bei den Armen, die stark kontrahiert waren und denen die Bewe­gungen schwerfielen, wurden 12 Wiederholungen als Ziel durchgeführt. Sobald die Bewegungen kräftiger und die Gelenke beweglicher wurden, galt es, 50 – 100 Wiederholungen zu bewältigen. Nach sechs Monaten hatte der Patient dieses Ziel erreicht. Zusätzlich wurden Propriozeptionstraining und exzentrische Belastungen durchgeführt, die ebenfalls zu einer Verbesserung der Kraft und Beweglichkeit des Patienten führten. <span class="Apple-converted-space">   </span></p>
<h2><b>Ergebnis</b></h2>
<p>Die Eiweißgabe über die PEG erfolgte über 12 Monate ohne jegliche Komplikationen und wurde vom Patienten sehr gut toleriert. Die hoch- und normalkalorische Kostform konnte nach 10 Monaten abgesetzt werden, da der Patient wieder in der Lage war, selbständig Nahrung und Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Nach weiteren 5 Monaten zusätzlicher Eiweißgabe und dreimaliger Physiotherapie pro Woche hat er eine Gewichtszunahme von ca. 14 kg erreicht. Der BMI liegt bei 23,2 kg/m². Die errechnete Muskelmasse konnte im selben Beobachtungs- und Messzeitraum um ca. 4 kg gesteigert werden. Vor allem die Spastiken in den Händen und Beinen haben sich deutlich gebessert. Unter regelmäßigen Laborkontrollen – insb. der Nieren- und Eiweißwerte – zeigen sich bis heute keine Auffälligkeiten, der Sarkopenie und dem Untergewicht konnte somit erfolgreich entgegengetreten werden. Festzuhalten bleibt, dass die zusätzliche Eiweißgabe über eine PEG in dem vorliegenden Fall gut funktionierte, keinerlei Komplikationen darstellte und in Kombination mit hochkalorischer/normalkalorischer Kost zu einer deutlichen Besserung des Untergewichts und der Sarkopenie geführt hat. Die dreimal wöchentlich durch­geführte Physiotherapie trug maßgeblich zum Muskelaufbau und dem Abbau der Spastiken bei. Die Eiweißgabe wird aktuell mit 20 g pro Tag als Erhaltungsdosis fortgeführt, um die Muskelmasse unterstützend weiter aufzubauen bzw. zu erhalten. Eine BIA wird alle vier ­Wochen in Kombination mit Laborkontrollen insb. der Nierenwerte, des Serum­albumins und des Transthyretins durchgeführt. Alle acht Wochen werden die oben beschriebenen Aminosäuren laborchemisch kontrolliert. Auch hier zeigten sich deutliche Verbesserungen nach Gabe der Protein-Nahrungsergänzung. Nach also nunmehr 17 Monaten intensiver Therapie und Eiweißgabe hat der Patient ungefähr sein Gewicht von ca. 63 kg von vor der Erkrankung wieder erreicht.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Auch schwerkranke, bettlägerige, sarkopenische und mit einer PEG-Sonde versorgte Patienten profitieren von einer zusätzlichen Eiweißgabe in Kombination mit einer intensiven Physiotherapie. Die Versorgung mit zusätzlichem, hochwertigem Eiweiß über eine PEG-Sonde stellt grundsätzlich kein Ausschlusskriterium dar, sofern der Patient engmaschig kontrolliert wird. <span class="Apple-converted-space">     </span></p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Schaupp, A., et al. Diagnostisches und therapeutisches Vorgehen bei Sarkopenie. <em>Z Gerontol Geriat</em><em>.</em> 54, 717–724 (2021).</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Cederholm T., et al. GLIM criteria for the diagnosis of malnutritione A consensus report from the global clinical nutrition community. <em>Clinical Nutrition</em> (2018).</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Bischoff, S.C., et al. ESPEN practical guideline: Home enteral nutrition. <em>Clinical Nutrition</em> (2022).</p>
<p>[4] Bauer, J., et al. Evidence-Based Recommendations for Optimal Dietary Protein Intake in Older People: A Position Paper From the PROT-AGE Study Group. <em>Journal of the American Medical Directors Association</em>(2013).</p>
<p>[5] Carballo-Casla, A., et al. Protein Intake and Mortality in Older Adults With Chronic Kidney Disease. <em>JAMA Network Open. </em>7;(8):e2426577 (2024).</p>
<p>[6] Layne, N. &amp; Donald, L. Leucine Regulates Translation Initiation of Protein Synthesis in Skeletal Muscle after Exercise. <em>The Journal of Nutrition. </em>136(2), 533-537 (2006).</p>
<p>[7] Bauer, M., et al. Effects of a vitamin D and leucine-enriched whey protein nutritional supplement on measures of sarcopenia in older adults, the PROVIDE study: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. <em>Journal of the American Medical Directors Associatio. </em>16(9), 740-7 (2015).</p>
<p>[8] Li, P., et al. Amino acids and immune function. <em>British Journal of Nutrition. </em>98(2), 237-252 (2007).</p>
<p>[9] RadhaKrishna, R. &amp; Samak, G. Role of Glutamine in Protection of Intestinal Epithelial Tight Junctions. <em>Journal of Epithelial Biology &amp; Pharmacology.</em> 5, 47-54 (2011).</p>
<p style="font-weight: 400;">[10] Severinsen, M.C.K. &amp; Pedersen, B.K. Muscle–Organ Crosstalk: The Emerging Roles of Myokines. <em>Endocrine Reviews.</em> 42(1), 97-99 (2021).</p>
<p>[11] Severinsen, M.C.K. &amp; Pedersen, B.K. Muscle-Organ Crosstalk: Focus on Immunometabolism. <em>Frontiers in Physiology. Striated Muscle Physiology. </em>11-20 (2020).</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hochtontherapie</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22659/hochtontherapie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Univ.-Prof. Dr. phil. habil. Kuno Hottenrott,&nbsp;Christoph Werner&nbsp;,&nbsp;Prof. Dr. Dr. med. Hans-Herbert Vater]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 08:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22659</guid>

					<description><![CDATA[Ein ausgewogenes Verhältnis von Belastung und Erholung ist entscheidend für Leistungssteigerungen im Sport. Eine effiziente Regeneration ermöglicht kontinuierlichen Fortschritt und beugt anhaltender Müdigkeit, Leistungsabfall sowie erhöhter Infektanfälligkeit vor. Eine gezielte [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Ein ausgewogenes Verhältnis von Belastung und Erholung </b><b>ist entscheidend für Leistungssteigerungen im Sport. Eine effiziente Regeneration ermöglicht kontinuierlichen Fortschritt und beugt anhaltender Müdigkeit, Leistungsabfall sowie erhöhter Infektanfälligkeit vor. Eine gezielte Optimierung der Regeneration kann die Erholungsprozesse beschleunigen, wodurch eine höhere Trainingsfrequenz und ein gesteigerter Gesamt­trainingsreiz realisierbar werden, was langfristig die Leistungsentwicklung verbessert.</b></p>
<p>Die Hochtontherapie ist eine spezielle Form der Elektrotherapie, bei der die Amplitude (Stromintensität) und die Frequenz (zwischen 4.096 und 32.768 Hertz) gleichzeitig moduliert werden. Je höher die Frequenz, desto mehr Energie kann entsprechend der individuellen Schwellenkurve der Stromempfindung des Patienten eingeschleust werden. Sie ist seit Jahren im klinischen Kontext etabliert und zeigt nachweislich positive Effekte, insbesondere bei degenerativen Erkrankungen wie Polyneuropathien [6, 7]. Weitere Wirksamkeitsnachweise liegen u. a. für das Tarsaltunnelsyndrom [2], zirkulatorische Enzephalopathien [8] sowie posttraumatische Belastungsstörungen und traumatische Hirnverletzungen vor [1]. Im sportwissenschaftlichen Kontext deuten erste Studien darauf hin, dass eine mehrwöchige Anwendung der Hochtontherapie nach intensiven Kraftbelastungen zu signifikanten Verbesserungen der Maximalkraft und Kraftausdauer führt [4, 5]. Ob sich diese Effekte auch auf die Ausdauerleistungsfähigkeit übertragen lassen, ist Gegenstand der vorliegenden Untersuchung.</p>
<h2><b>Studiendesign und Probandenkollektiv</b></h2>
<p>Es wurde ein randomisiertes Prä-Post-Design mit intraindividuellem Vergleich (Within-Subject-Design; Armseite: therapiert vs. nicht therapiert) durchgeführt. An der achtwöchigen Interventionsstudie nahmen drei Frauen (Alter: 30,7 ± 16,0 Jahre; BMI: 22,4 ± 0,8 kg / m²) und sieben Männer (Alter: 31,3 ± 8,2 Jahre; BMI: 22,0 ± 2,8 kg/m²) der deutschen Rollstuhlrugby-Nationalmannschaft teil. Die Ausdauerleistungsfähigkeit wurde unilateral auf einem Handkurbelergometer mittels eines standardisierten Stufentests ermittelt (Startleistung: 10 W; Steigerung um 10 W alle 2 Minuten bis zur Ausbelastung). Vor und nach jeder Belastungsstufe wurden die Laktat- und Glukosekonzentration aus kapillarem Ohrblut mittels ampero­metrischer Analyse sowie der Blutdruck bestimmt; die Herzfrequenz wurde kontinuierlich mittels Brustgurt und EKG aufgezeichnet (Abb. 1). Die Reihenfolge der Testung von rechtem und linkem Arm wurde randomisiert, sodass jeweils fünf Probanden zunächst mit dem rechten beziehungsweise linken Arm getestet wurden. Zwischen den beiden Prätestungen wurde eine einstündige passive Pause eingehalten. Nach acht Wochen wurden die Untersuchungen unter identischen Bedingungen wiederholt; die Testungen erfolgten zur gleichen Tageszeit und in der gleichen Reihenfolge wie im Prätest.</p>
<figure id="attachment_22667" aria-describedby="caption-attachment-22667" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22667" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-1024x803.jpg" alt="" width="755" height="592" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-1024x803.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-300x235.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-768x602.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-150x118.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-450x353.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226-1200x941.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb1_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22667" class="wp-caption-text">Abb. 1 Unilateraler Armkurbeltest bei einem Probanden</figcaption></figure>
<h2><b>Intervention</b></h2>
<p>Die Hochtonbehandlung erfolgte mit dem HiToP® 1touch Therapiegerät unter Verwendung von Frequenzen im Bereich von 4.096 bis 32.768 Hz und wurde über das Programm SimulFAMi gesteuert. Unmittelbar nach dem Prätest wurden die Teilnehmenden durch geschultes Fachpersonal in die Durchführung der Behandlung sowie in das Anlegen der Kontaktpads mittels elastischer Bandagen eingewiesen (Abb. 2). Die zu behandelnde obere Extremität wurde randomisiert zugewiesen, wobei jeweils fünf Probanden den rechten und fünf den linken Arm behandelten. Die Anwendung erfolgte eigenständig und sollte möglichst täglich für 60 Minuten durchgeführt werden. Jedem Probanden wurde für die gesamte Dauer des Interventionszeitraums ein Therapiegerät zur Verfügung gestellt. Die einzelnen Therapiezeiten wurden im Gerät gespeichert.</p>
<figure id="attachment_22666" aria-describedby="caption-attachment-22666" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22666" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-1024x687.jpg" alt="" width="755" height="507" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-1024x687.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-300x201.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-768x516.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-150x101.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-450x302.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226-1200x806.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb2_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22666" class="wp-caption-text">Abb. 2 Hochtontherapiegerät (HiToP) und Fixation des unteren Kontaktpads mittels elastischer Bandage am Unterarm. Das zweite Kontaktpad wurde am Oberarm / Schultergürtel befestigt.</figcaption></figure>
<h2><b>Datenauswertung und statistische Analyse</b></h2>
<p>Die statistische Auswertung erfolgte mit IBM SPSS Statistics (Version 24). Als primärer Endpunkt wurden die maximal erreichten Wattminuten definiert. Herzfrequenz-, Laktat-, Glukose- und Blutdruckwerte wurden als sekundäre Endpunkte analysiert. Zur Überprüfung von Veränderungen wurde eine zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung (2 × 2) durchgeführt, mit den beiden Within-Subject-Faktoren Zeit (Prä vs. Post) und Armseite (therapiert vs. nicht therapiert). Die Normalverteilung der Differenzwerte wurde mittels Shapiro-Wilk-Test überprüft. Aufgrund von jeweils zwei Ausprägungen pro Faktor war die Voraussetzung der Sphärizität erfüllt. Bei signifikanten Interaktionseffekten wurden Post-hoc-Analysen mittels gepaarter t-Tests durchgeführt. Ergänzend wurde zur Robustheitsprüfung ein Wilcoxon-Vorzeichen-Rangtest für die Prä-Post-Vergleiche innerhalb der Armseiten herangezogen. Das Signifikanzniveau wurde auf p &lt; 0,05 festgelegt. Effektstärken wurden als partielles Eta-Quadrat (η²<sub>p</sub>) für die Varianzanalyse sowie als Cohen’s d für abhängige Stichproben für paarweise Vergleiche berechnet.</p>
<h2><b>Ergebnisse</b></h2>
<p>Ein Teilnehmer musste aufgrund einer Verletzung die Intervention abbrechen; zudem konnte eine Spielerin im Posttest nur submaximal belastet werden. Damit wurden acht Personen, sechs Spieler und zwei Spielerinnen, für die Auswertung erfasst. Die Auswertung der im Programm SimulFAMi gespeicherten Nutzungsdaten ergab eine mittlere tägliche unilaterale Anwendungszeit von 36,5 ± 16,3 Minuten. Die im Stufentest erreichte Arbeit in Wattminuten nahm nach der trainingsbegleitenden Hochtontherapie auf der therapierten Armseite im Mittel um 77,2 W·min und auf der nicht therapierten Armseite um 21,1 W·min zu (siehe Abb. 3).</p>
<figure id="attachment_22665" aria-describedby="caption-attachment-22665" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22665" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-1024x604.jpg" alt="" width="755" height="445" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-1024x604.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-300x177.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-768x453.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-150x89.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-450x266.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226-1200x708.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Abb3_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22665" class="wp-caption-text">Abb. 3 Erreichte mittlere Wattminuten beim Handkurbel­ergometertest vom Interventionsarm und Kontrollarm (N = 8)</figcaption></figure>
<p>Varianzanalyse und Effektstärkenberechnung ergaben eine signifikante Interaktion zwischen Zeit und Armseite F(1,7) = 7,78, p = 0,014, η²<sub>p</sub> = 0,36. Dies weist darauf hin, dass sich die Veränderung über die Zeit zwischen Interventions- und Kontrollarmseite bei einem großen Interaktionseffekt signifikant unterscheidet. Post-hoc-Analysen ergaben, dass die Leistungssteigerung auf der therapierten Armseite signifikant war (p = 0,01, 95 %-Konfidenzintervall 22,4 bis 131,8 W·min). Auch unter nichtparametrischen Annahmen ist das Ergebnis signifikant (Wilcoxon-Vorzeichen-Rangtest: p = 0,008). Im Kontrollarm gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Prä- und Postmessung (p = 0,25). Für Herzfrequenz-, Laktat-, Glukose- und Blutdruckwerte zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen dem therapierten und dem nicht therapierten Arm.</p>
<figure id="attachment_22664" aria-describedby="caption-attachment-22664" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22664" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-1024x913.jpg" alt="" width="755" height="673" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-1024x913.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-300x268.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-768x685.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-150x134.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-450x401.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226-1200x1070.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hottenrott_Tab_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22664" class="wp-caption-text">Im Stufentest erreichte Wattminuten im Prä-Post-Vergleich von der Interventionsarmseite und Kontrollarmseite</figcaption></figure>
<h2><b>Diskussion</b></h2>
<p>Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass eine trainingsbegleitende Anwendung der Hochtontherapie zu einer signifikant größeren Verbesserung der Ausdauerleistungs-fähigkeit auf der therapierten im Vergleich zur nicht therapierten Armseite führte. Der beobachtete Interaktionseffekt war groß (η²<sub>p </sub>= 0,36), was auf eine substanzielle praktische Relevanz hinweist. Dies spricht für die Unterstützung regenerativer Prozesse durch die Hochtontherapie mit schnellerer Adaptation. Dies kann u. a. auf eine verbesserte Mikrozirkulation, eine beschleunigte metabolische Clearance oder neuromuskuläre Effekte zurückzuführen sein, wie sie auch aus Studien im Kraftbereich beschrieben werden. Im Gegensatz zur Leistungssteigerung zeigten sich keine signifikanten Veränderungen in den physiologischen Parametern Herzfrequenz, Laktat, Glukose oder Blutdruck. Dies deutet darauf hin, dass die beobachteten Leistungssteigerungen nicht primär durch Veränderungen kardiovaskulärer oder metabolischer Adaptationen erklärbar sind, sondern möglicherweise auf periphere oder neuromuskuläre Anpassungen zurückzuführen sind. Die Ergebnisse stehen im Einklang mit Untersuchungen im Krafttraining [3 – 5], erweitern diese jedoch erstmals auf den Bereich der Ausdauerleistungsfähigkeit.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Zusammenfassend deutet die vorliegende Studie darauf hin, dass die trainingsbegleitende Anwendung der Hochtontherapie die Ausdauerleistungs­fähig-<br />
keit signifikant verbessern kann. Der große Interaktionseffekt spricht für eine relevante unterstützende Wirkung auf trainingsinduzierte Anpassungsprozesse. Weitere Studien mit größeren Stichproben sind erforderlich, um die Wirksamkeit und die zugrunde liegenden Mechanismen für die Leistungseffekte weiter zu klären.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol>
<li>Babov, K. D., Zabolotna, I. B., Plakida, A., Volyanska, V. S., Babova, I. K., Gushcha, S., &amp; Kolker, I. A. (2022). The effectiveness of high-tone therapy in the complex rehabilitation of servicemen with post-traumatic stress disorder complicated by traumatic brain injury. Neurological Sciences, 44(3), 1039–1048.</li>
<li>Dawah RM, Seddik F, &amp; Grase MO. The effect of high tone external muscle stimulation on polyneuropathy: a systematic review and meta-analysis. Health, Sport, Rehabilitation. 2023;10(2).</li>
<li>Hauger A, Reiman M, Bjordal J, Sheets C, Ledbetter L, &amp; Goode A. (2018. Neuromuscular electrical stimulation is effective in strengthening the quadriceps muscle after anterior cruciate ligament surgery. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 26, 399–410.</li>
<li>Engelmann, M. (2025). Einfluss der Hochtontherapie auf die Muskelkraft und Kraftausdauer im Rahmen eines Trizeps-Trainingsprogramms. Unveröffentlichte Masterarbeit. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.</li>
<li>Hottenrott, K. Schmetzer, F., &amp; Möhle, M. (2024). Validierung der Hochtontherapie zur Steigerung von Maximalkraft und Kraftausdauer. Leistungssport 54 (2), 28-32.</li>
<li>Humpert, P. M., Rudofsky, G., Morcos, M., Bierhaus, A., &amp; Nawroth, P. P. (2006). Hochfrequente Muskelstimulation zur Behandlung schmerzhafter Neuropathie bei Typ 2 Diabetikern verbessert die mikrovaskuläre Endothelzellfunktion. Diabetologie und Stoffwechsel, 1(S 1), A128.</li>
<li>Reichstein, L. (2005). Effektive Behandlung der symptomatischen diabetischen Polyneuropathie durch hochfrequente externe Muskelstimulation.</li>
<li>Shmakova IP &amp; Afanasyeva Ya S (2004) Application of high-tone therapy in rehabilitation of patients with dyscirculatory encephalopathies of the I – II stage. Int J Immunorehabil 6(1):178–179</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Parkinson</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22651/parkinson/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Univ.-Prof. Dr. med. Brit Mollenhauer&nbsp;,&nbsp;Christoph Klein]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Jun 2026 08:00:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22651</guid>

					<description><![CDATA[Die Parkinsonkrankheit ist eine progrediente neurodegenerative Erkrankung, deren klinisches Bild durch motorische Symptome wie Bradykinese, Rigor, Tremor, Gangstörungen und posturale Instabilität sowie durch nicht-motorische Symptome wie Schlafstörungen und kognitive Einschränkungen [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die Parkinsonkrankheit ist eine progrediente neurodegenerative Erkrankung, deren klinisches Bild durch motorische Symptome wie Bradykinese, Rigor, Tremor, Gangstörungen und posturale Instabilität sowie durch nicht-motorische Symptome wie Schlafstörungen und kognitive Einschränkungen geprägt ist. Neben der medikamentösen Therapie hat sich in den vergangenen Jahren die Bewegungstherapie als zentrale Säule eines multimodalen Behandlungskonzepts etabliert.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Studien zeigen, dass Sport, ergänzt durch eine gesunde Ernährung und gutes Schlafmanagement, die motorischen Symptome, die funktionelle Mobilität und somit die Lebensqualität der Betroffenen verbessern kann. Bewegung fördert die dopaminerge Transmission und verbessert die zerebrale Durchblutung. Diese Effekte sind aus sportmedizinischer Sicht vergleichbar mit Trainingseffekten bei Gesunden, haben jedoch bei Parkinson eine besondere therapeutische Relevanz. Studien weisen darauf hin, dass regelmäßige körper­liche Aktivität möglicherweise das Fortschreiten der Erkrankung sogar verlangsamen kann. Denn es ist bekannt, dass Sport Entzündungsfaktoren im Körper herunter reguliert durch die Ausschüttung von Myokinen. Da Entzündungsreaktionen die Parkinsonkrankheit voran­schreiten lassen, hat der Sport bei Parkinson einen wichtigen protektiven Effekt. Die Sporttherapie bei Parkinson verfolgt daher mehrere zentrale Ziele: Den Erhalt der funktionellen Selbstständigkeit, die Verbesserung von Gang- und Gleichgewichtsfähigkeit, Reduktion von Sturzrisiken sowie den Aufbau konditioneller Ressourcen und sollte als langfristige Therapie verstanden werden und möglichst frühzeitig beginnen.</p>
<h2><b>Trainingskomponenten</b></h2>
<p>Kraft – Schwerpunkt Aufrichtung und Beinkraft <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Krafttraining ist für Parkinson-Patienten essenziell, da Muskelschwäche, ­reduzierte Schnellkraft und Haltungskollaps häufig zur Einschränkung von Alltagsfunktionen beitragen. Besonders relevant ist die gezielte Kräftigung folgender Muskelgruppen:</p>
<p>Aufrichtende Rumpfmuskulatur: Eine Parkinson-typische Flexionshaltung verschlechtert Gangökonomie, Balance und Atmung. Das Training der Rückenstrecker und der rumpfstabilisierenden Muskulatur verbessert die posturale Kontrolle und unterstützt eine funktionelle Aufrichtung.</p>
<p>Hüftstrecker und Beinkraft:<span class="Apple-converted-space">  </span>Die Hüftstrecker sowie Quadrizeps- und Wadenmuskulatur sind entscheidend für Schrittlänge, Aufstehen, Treppensteigen und reaktive Gleichgewichtskorrekturen. Progressives Krafttraining verbessert nachweislich funktionelle Mobilität und steigert die Muskelkraft. Systematische Reviews zeigen signifikante Verbesserungen in Ganggeschwindigkeit und Leistungsfähigkeit durch Widerstandstraining [1].</p>
<p>Empfohlen werden zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche mit progressiver Belastungssteigerung, bevorzugt in funktionellen Bewegungsmustern (z. B. Kniebeugevarianten, Ausfallschritte, Hüftstreckübungen, Rumpfextension).</p>
<h2><b>Ausdauer – Training für Belastbarkeit und Symptomkontrolle <span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Aerobes Training verbessert kardiovaskuläre Leistungsfähigkeit, reduziert Fati­gue und wirkt sich positiv auf motorische Symptome aus. Besonders Trainingsformen wie Radfahren, Laufbandtraining oder Nordic Walking gelten als geeignet. Studien weisen darauf hin, dass regelmäßiges Ausdauertraining zu Verbesserungen der motorischen Funktion und der Gehfähigkeit führen kann [2]. Empfohlen werden zwei bis vier Einheiten pro Woche im moderaten Intensitätsbereich, angepasst an indi­viduelle Belastbarkeit und Medikamentenwirksamkeit.</p>
<h2><b>Beweglichkeit – großamplitudige Bewegung gegen Hypokinese <span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Ein wesentliches Problem bei Parkinson ist die Hypokinese mit kleinräumigen Bewegungen, reduzierter Rumpfrotation und eingeschränkter Schulter- und Hüftbeweglichkeit. Beweglichkeitstraining sollte daher über klassisches Dehnen hinausgehen und dynamische, großräumige Mobilitätsübungen integrieren. Großamplitudige Übungen (z. B. BIG-orientierte Bewegungen) verbessern Schrittlänge, Armmitbewegung und Rotationsfähigkeit und wirken dem Bewegungsverlust im Alltag entgegen.</p>
<h2><b>Koordination, Gleichgewicht und Sturzprophylaxe <span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Posturale Instabilität zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für Stürze. Koordinations- und Gleichgewichtstraining sollte deshalb fester Bestandteil jeder Trainingsplanung sein. Inhalte sind Stand- und Gangvariationen, Richtungswechsel, Gewichtsverlagerungen, Reaktions- und Perturbationsübungen sowie dualtask Training. Evidenz zeigt, dass gezielte Gleichgewichtsprogramme die Sturzrate senken und die Mobilität verbessern können [3]. Entscheidend ist eine Kombination aus Kraft, Gleich­gewicht und funktionellen Transferübungen, da Sturzprophylaxe stark von Bein- und Rumpfkraft abhängig ist.</p>
<h2><b>Effektive Sportarten bei der Parkinsonkrankheit</b></h2>
<p>Boxen: Parkinson-spezifisches Boxtraining kombiniert Ausdauer, Kraft, Koordination und schnelle Reaktionsanforderungen. Untersuchungen zeigen Verbesserungen in Mobilität, Balance und subjektiver Selbstwirksamkeit [4]. Zusätzlich wirkt das Training motivierend und alltagsnah.</p>
<p>Tanzen: Tanzen verbindet Rhythmus, Beweglichkeit, Gleichgewicht und kognitive Planung. Besonders Tango wurde wissenschaftlich untersucht und zeigte signifikante Verbesserungen von Gang und Balance [5]. Rhythmische Impulse können zudem Freezing-Symptome positiv beeinflussen.</p>
<p>Tischtennis: Tischtennis fordert Augen-Hand-Koordination, schnelle Gewichtsverlagerung und Reaktionsfähigkeit. Erste Studien deuten auf günstige Effekte auf Motorik und kognitive Flexibilität hin, auch wenn die Datenlage insgesamt noch begrenzt ist.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Aufgrund des spielerischen Charakters ist Tischtennis eine sinnvolle Ergänzung. Die internationale Entwicklung der Ping-Pong-Parkinson Vereine zeigt hier einen deutlichen Trend auf.</p>
<p>Tai Chi und Qigong: Bewegung und Entspannung – Tai Chi und Qigong kombinieren fließende Bewegungen mit Atmung und Körperwahrnehmung. ­Tai Chi zeigte in einer randomisierten Studie signifikante Verbesserungen von Balance und Sturzrate bei Parkinson-Patienten [6]. Beide Verfahren eignen sich als niedrigschwellige Ergänzung, fördern Beweglichkeit, Gleichgewicht und Stressregulation.</p>
<figure id="attachment_22653" aria-describedby="caption-attachment-22653" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22653" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226-1024x868.jpg" alt="" width="755" height="640" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226-1024x868.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226-300x254.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226-768x651.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226-150x127.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226-450x381.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226-1200x1017.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb1_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22653" class="wp-caption-text">Boxtraining © Paracelsus Elena Klinik, Kassel</figcaption></figure>
<h2><b>Ernährung und Schlaf als ergänzende Therapiebausteine<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Ein weiterer zentraler Faktor für die Verbesserung der Symptome bei Parkinson ist ein gesundes Schlafmanagement. Schlafstörungen betreffen einen Großteil der Parkinson-Patienten. Ein stabiler und erholsamer Schlaf unterstützt regenerative Prozesse im zentralen Nervensystem und verbessert die Tagesfunktion. Aktuelle klinische Empfehlungen betrachten daher Bewegung und Schlaf als Bestandteile eines ganzheitlichen Therapiekonzepts. Auch die Ernährung gewinnt zunehmend an Bedeutung im Therapiekonzept von Parkinsonpatienten. Eine mediterrane, fleischarme Ernährung, kann positive Effekte auf neurodegenerative Prozesse haben. Sie ist reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Olivenöl und Fisch, liefert zahlreiche Antioxidantien und entzündungshemmende Nährstoffe, die neurodegenerative Prozesse positiv beeinflussen können. Insgesamt trägt die mediterrane Ernährung damit zu einem besseren Stoffwechsel bei. Eine ausgewogene Nährstoffversorgung unterstützt die Muskelkraft, Energieverfügbarkeit und Regeneration.</p>
<figure id="attachment_22652" aria-describedby="caption-attachment-22652" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22652" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-849x1024.jpg" alt="" width="755" height="911" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-849x1024.jpg 849w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-249x300.jpg 249w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-768x927.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-1273x1536.jpg 1273w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-150x181.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-450x543.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226-1200x1448.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Mollenhauer_Abb3_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22652" class="wp-caption-text">Sensomotorik © Paracelsus Elena Klinik, Kassel</figcaption></figure>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Bewegungstherapie nicht als ergänzende Maßnahme, sondern als fester Bestandteil der Parkinson-Behandlung zu verstehen ist. Seit einigen Jahren wird daher in spezialisierten Parkinson-Fachkliniken, wie der Paracelsus Elena Klinik in Kassel, die multimodale Komplextherapie angeboten. Dabei erhalten die Patienten während eines etwa dreiwöchigen Aufenthaltes im Rahmen eines inter­disziplinären Ansatzes intensiv abgestimmte und hochfrequente Therapieeinheiten. In Kombination mit einer angepassten Ernährung und einer Verbesserung der Schlafqualität entsteht ein ganzheitlicher, sportmedizinisch fundierter Therapieansatz. Dieser kann sowohl motorische als auch nicht-motorische Beschwerden verbessern und möglicherweise auch den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Für die Zukunft bleibt die Herausforderung, diese Erkenntnisse weiter zu präzisieren und in individualisierte, alltagsnahe Therapieprogramme zu überführen, die sich auch gut in den Alltag der Betroffenen integrieren lassen.</p>
<p>Univ.-Prof. Dr. med. Brit Mollenhauer / Christoph Klein / Sandra Attendorn</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Goodwin VA, et al. The effectiveness of exercise interventions for people with Parkinson’s disease. Cochrane Database Syst Rev. 2019</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Fisher BE, Wu AD, Salem GJ, et al. The effect of exercise training in Parkinson disease. Neurorehabil Neural Repair. 2013</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Allen NE, Sherrington C, Paul SS, Canning CG. Risk factors for falls in Parkinson’s disease: a systematic review and meta-analysis. Mov Disord. 2011.</p>
<p style="font-weight: 400;">[4] Combs SA, Diehl MD, Staples WH, et al. Boxing training for patients with Parkinson disease: a case series. J Neurol Phys Ther. 2011.</p>
<p style="font-weight: 400;">[5] Hackney ME, Earhart GM. Effects of dance on movement control in Parkinson disease. Mov Disord. 2009.</p>
<p style="font-weight: 400;">[6] Li F, et al. Tai Chi and postural stability in patients with Parkinson’s disease. N Engl J Med. 2012.</p>
<p style="font-weight: 400;">Nature, Long-term effects of exercise and physical therapy in people with Parkinson disease &#8211; Nature Reviews Neurology. 13. Oktober 2017</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Immunmodulatorische und regenerative Therapieverfahren</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22630/immunmodulatorische-und-regenerative-therapieverfahren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Alexander-Stephan Henze,&nbsp;Dr. med. Glyn Hamed&nbsp;,&nbsp;Dr. med. Jana Wehling]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2026 08:00:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Muskuloskelettale Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Schmerzen, Funktionsverlust und Einschränkungen der körperlichen Aktivität. Die auf Regeneration abzielende konservative Therapie basiert dabei in der Regel auf einem multimodalen Konzept [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Muskuloskelettale Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Schmerzen, Funktionsverlust und Einschränkungen der körperlichen Aktivität. Die auf Regeneration abzielende konservative Therapie basiert dabei in der Regel auf einem multimodalen Konzept aus Edukation und Belastungssteuerung, Bewegungstherapie, manuellen Behandlungsmethoden, physikalischer Therapie sowie nutrazeutischer und medikamentöser Verfahren.</b></p>
<p>Vor diesem Hintergrund haben biologisch und regenerativ orientierte Therapieverfahren in der Orthopädie und Sportmedizin in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Ziel dieser Verfahren ist die Modulation körpereigener Reparatur- und Adaptationsprozesse, insbesondere bei überlastungsbedingten, degenerativen oder chronisch-entzündlichen muskuloskelettalen Erkrankungen [1 – 6]. Zu den klinisch eingesetzten orthobiologischen Verfahren zählen unter anderem zellbasierte Therapieverfahren (z. B. Stammzellen), verschiedene Formen des plättchenreichen Plasmas (PRP) sowie autolog konditioniertes Serum (ACS) [7]. Trotz wachsender klinischer Anwendung bleibt die Evidenzlage vieler orthobiologischer Therapien heterogen. Unterschiede in Herstellungsprotokollen, Zusammensetzung der Präparate sowie Indikationsstellungen erschweren die Vergleichbarkeit zwischen Studien und Verfahren [1, 6]. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die biologischen Grundlagen von ACS, diskutiert mögliche Wirkmechanismen und ordnet das Verfahren im Kontext aktueller orthobiologischer Therapiekonzepte ein.</p>
<h2><b>Biologische Grundlagen regenerativer Therapieverfahren</b></h2>
<p>Gewebeheilung stellt einen komplex regulierten biologischen Prozess dar, der durch ein zeitlich abgestimmtes Zusammenspiel proinflammatorischer und antiinflammatorischer Mechanismen charakterisiert ist [8 – 10]. Neben ortsständigen Gewebezellen spielen Immunzellen – darunter neutrophile Granulozyten, Monozyten und Makrophagen – eine zentrale Rolle bei der Regulation von Entzündung, Reparatur und Remodelling [8, 10, 11]. Aktuelle immunologische Konzepte beschreiben Entzündungsauflösung nicht als passives Ab­klingen, sondern als aktiv gesteuerten biologischen Prozess [11, 12]. Dabei scheinen unterschiedliche Mediatoren, Zytokine, Lipidmediatoren sowie extrazelluläre Vesikel am Übergang von proinflammatorischen zu regenerativen Gewebezuständen beteiligt zu sein [8, 9, 12]. Vor diesem Hintergrund basiert die rationale Anwendung orthobiologischer Verfahren auf der Annahme, dass die gezielte Bereitstellung biologisch aktiver Mediatoren regenerative Prozesse modulieren kann.</p>
<h2><b>Autolog Konditioniertes Serum (ACS)</b></h2>
<p>PRP und ACS basieren beide auf autologen Blutprodukten, unterscheiden sich jedoch grundlegend hinsichtlich Herstellung, Zusammensetzung und biologischem Konzept. PRP enthält je nach Verfahren erhöhte Konzentrationen an Thrombozyten und – abhängig vom Präparat – unterschiedlich hohe Leukozytenanteile. Die postulierten Effekte werden überwiegend mit der Freisetzung thrombozytärer Wachstumsfaktoren in Verbindung gebracht [13]. ACS wird ebenso aus autologem, venösen Vollblut gewonnen. Abhängig vom verwendeten System kommt es zu unterschiedlicher Prozessierung [14 – 16]. Das resultierende Präparat enthält je nach System ein zellarmes bis weitgehend zellfreies Sekretom mit unterschiedlichen Zytokinen, Wachstumsfaktoren und weiteren bioaktiven Molekülen [7, 14 – 16].</p>
<p>Die genaue Zusammensetzung von ACS wird maßgeblich beeinflusst durch<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<ul>
<li>die eingesetzten Geräte</li>
<li>die Inkubation, die Inkubationsdauer und -bedingungen</li>
<li>Zentrifugations- &amp; Herstellungsprotokolle</li>
</ul>
<p>Aufgrund der Heterogenität der eingesetzten ACS-Verfahren und Herstellungsprotokolle sind die resultierenden Produkte nicht als äquivalent anzusehen [6]. Experimentelle Untersuchungen weisen darauf hin, dass ACS nach ausreichender Inkubation des Vollblutes neben klassischen Wachstumsfaktoren auch immunmodulatorische Media­toren und möglicherweise exosomale Bestandteile enthalten [7, 14, 16, 18], welche maßgeblich an der Gewebe­regeneration beteiligt sind. Die funktionelle Bedeutung einzelner Komponenten für klinische Effekte ist derzeit jedoch noch nicht vollständig geklärt. Einzelne Studien berichten über positive Effekte orthobiologischer Verfahren auf Schmerz und Funktion und weisen teils auf eine mögliche Überlegenheit gegenüber etablierten Standardtherapien wie intraartikulären Kortikosteroid- oder Hyaluronsäure-Injektionen hin. Die Aussagekraft dieser Ergebnisse ist jedoch durch die ausgeprägte Heterogenität der verfügbaren Daten limitiert: Unterschiedliche Präparate, variable Herstellungs- und Aufbereitungsprotokolle sowie heterogene Studienpopulationen erschweren eine direkte Vergleichbarkeit der Ergebnisse [7, 14, 16]. Eine generelle oder verfahrensübergreifende Überlegenheit einzelner orthobiologischer Therapien gegenüber anderen biologischen Therapieansätzen oder etablierten Standardtherapien lässt sich daraus derzeit nicht abschließend ableiten. Für die klinische Bewertung ist daher eine differenzierte Betrachtung der jeweiligen Therapieklasse einschließlich Präparatcharakteristika, Herstellungsprotokoll, Applikationsschema und konkreter Indikationsstellung wesentlich.</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Orthobiologische Verfahren stellen einen zunehmend eingesetzten Baustein innerhalb multimodaler konservativer oder auch perioperativer Therapiekonzepte muskuloskelettaler Erkrankungen dar. ACS gehört hierbei zu den Verfahren, die auf einer biologischen Modulation inflammatorischer und regenerativer Prozesse basieren. Die bisherige Evidenz deutet auf klinische Effekte bei ausgewählten Indikationen hin. Die Bewertung von Orthobiologika wird durch ihre teils ausgeprägte Heterogenität erschwert. Herstellungsprotokolle, Aufbereitungssysteme und Präparatzusammensetzungen unterscheiden sich zum Teil erheblich, sodass Studienergebnisse und Verfahren nur eingeschränkt vergleichbar sind. Je nach Produktgruppe ist dieses Problem unterschiedlich stark ausgeprägt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Weitere stand­ardisierte klinische Untersuchungen werden erforderlich sein, um Indikationen, optimale Anwendungsprotokolle und den Stellenwert von ACS innerhalb konservativer Therapiestrategien besser definieren zu können.</p>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li style="font-weight: 400;">Knapik DM, Evuarherhe A Jr, Frank RM, Steinwachs M, Rodeo S, Mumme M, Cole BJ. Nonoperative and Operative Soft-Tissue and Cartilage Regeneration and Orthopaedic Biologics of the Knee: An Orthoregeneration Network (ON) Foundation Review. Arthroscopy. 2021 Aug;37(8):2704-2721. doi: 10.1016/j.arthro.2021.04.002. Epub 2021 Jun 24. PMID: 34353568.</li>
<li style="font-weight: 400;">Condron NB, Kester BS, Tokish JM, Zumstein MA, Gobezie R, Scheibel M, Cole BJ. Nonoperative and Operative Soft-Tissue, Cartilage, and Bony Regeneration and Orthopaedic Biologics of the Shoulder: An Orthoregeneration Network (ON) Foundation Review. Arthroscopy. 2021 Oct;37(10):3200-3218. doi: 10.1016/j.arthro.2021.06.033. Epub 2021 Jul 20. PMID: 34293441.</li>
<li style="font-weight: 400;">Danilkowicz R, Murawski C, Pellegrini M, Walther M, Valderrabano V, Angthong C, Adams S. Nonoperative and Operative Soft-Tissue and Cartilage Regeneration and Orthopaedic Biologics of the Foot and Ankle: An Orthoregeneration Network Foundation Review. Arthroscopy. 2022 Jul;38(7):2350-2358. doi: 10.1016/j.arthro.2022.04.018. Epub 2022 May 21. PMID: 35605840.</li>
<li style="font-weight: 400;">Su CA, Jildeh TR, Vopat ML, Waltz RA, Millett PJ, Provencher MT, Philippon MJ, Huard J. Current State of Platelet-Rich Plasma and Cell-Based Therapies for the Treatment of Osteoarthritis and Tendon and Ligament Injuries. J Bone Joint Surg Am. 2022 Aug 3;104(15):1406-1414. doi: 10.2106/JBJS.21.01112. Epub 2022 Mar 24. PMID: 35867717.</li>
<li style="font-weight: 400;">Lazzaretti Fernandes T, Taraballi F, Shao Z, Roessler PP, Cardona-Ramírez S. Nonoperative and Operative Soft-Tissue, Cartilage, and Bony Regeneration and Orthopaedic Biologics of the Elbow and Upper Extremity: An Orthoregeneration Network Foundation Review. Arthroscopy. 2024 Dec;40(12):2897-2909. doi: 10.1016/j.arthro.2024.04.022. Epub 2024 May 7. PMID: 38723874.</li>
<li style="font-weight: 400;">Mavrogenis AF, Karampikas V, Zikopoulos A, Sioutis S, Mastrokalos D, Koulalis D, Scarlat MM, Hernigou P. Orthobiologics: a review. Int Orthop. 2023 Jul;47(7):1645-1662. doi: 10.1007/s00264-023-05803-z. Epub 2023 Apr 18. PMID: 37071148.</li>
<li style="font-weight: 400;">Shirokova L, Noskov S, Gorokhova V, Reinecke J, Shirokova K. Intra-Articular Injections of a Whole Blood Clot Secretome, Autologous Conditioned Serum, Have Superior Clinical and Biochemical Efficacy Over Platelet-Rich Plasma and Induce Rejuvenation-Associated Changes of Joint Metabolism: A Prospective, Controlled Open-Label Clinical Study in Chronic Knee Osteoarthritis. Rejuvenation Res. 2020 Oct;23(5):401-410. doi: 10.1089/rej.2019.2263. Epub 2020 Feb 10. PMID: 31847701.</li>
<li style="font-weight: 400;">Choi B, Lee C, Yu JW. Distinctive role of inflammation in tissue repair and regeneration. Arch Pharm Res. 2023 Feb;46(2):78-89. doi: 10.1007/s12272-023-01428-3. Epub 2023 Jan 31. PMID: 36719600.</li>
<li style="font-weight: 400;">Cooke JP, Lai L. Transflammation in tissue regeneration and response to injury: How cell-autonomous inflammatory signaling mediates cell plasticity. Adv Drug Deliv Rev. 2023 Dec;203:115118. doi: 10.1016/j.addr.2023.115118. Epub 2023 Oct 25. PMID: 37884127; PMCID: PMC10842620.</li>
<li style="font-weight: 400;">Caballero-Sánchez N, Alonso-Alonso S, Nagy L. Regenerative inflammation: When immune cells help to re-build tissues. FEBS J. 2024 Apr;291(8):1597-1614. doi: 10.1111/febs.16693. Epub 2022 Dec 15. PMID: 36440547; PMCID: PMC10225019.</li>
<li style="font-weight: 400;">Chazaud B. Inflammation and Skeletal Muscle Regeneration: Leave It to the Macrophages! Trends Immunol. 2020 Jun;41(6):481-492. doi: 10.1016/j.it.2020.04.006. Epub 2020 Apr 30. PMID: 32362490.</li>
<li style="font-weight: 400;">Blaudez F, Ivanovski S, Fournier B, Vaquette C. The utilisation of resolvins in medicine and tissue engineering. Acta Biomater. 2022 Mar 1;140:116-135. doi: 10.1016/j.actbio.2021.11.047. Epub 2021 Dec 5. PMID: 34875358.</li>
<li style="font-weight: 400;">Sheean AJ, Anz AW, Bradley JP. Platelet-Rich Plasma: Fundamentals and Clinical Applications. Arthroscopy. 2021 Sep;37(9):2732-2734. doi: 10.1016/j.arthro.2021.07.003. PMID: 34481615.</li>
<li style="font-weight: 400;">Frizziero A, Giannotti E, Oliva F, Masiero S, Maffulli N. Autologous conditioned serum for the treatment of osteoarthritis and other possible applications in musculoskeletal disorders. Br Med Bull. 2013;105:169-84. doi: 10.1093/bmb/lds016. Epub 2012 Jul 4. PMID: 22763153.</li>
<li style="font-weight: 400;">Evans CH, Chevalier X, Wehling P. Autologous Conditioned Serum. Phys Med Rehabil Clin N Am. 2016 Nov;27(4):893-908. doi: 10.1016/j.pmr.2016.06.003. PMID: 27788906.</li>
<li style="font-weight: 400;">Shakouri SK, Dolati S, Santhakumar J, Thakor AS, Yarani R. Autologous conditioned serum for degenerative diseases and prospects. Growth Factors. 2021 Feb-Jul;39(1-6):59-70. doi: 10.1080/08977194.2021.2012467. Epub 2021 Dec 9. PMID: 34886733.</li>
<li style="font-weight: 400;">Baselga García-Escudero J, Miguel Hernández Trillos P. Treatment of Osteoarthritis of the Knee with a Combination of Autologous Conditioned Serum and Physiotherapy: A Two-Year Observational Study. PLoS One. 2015 Dec 28;10(12):e0145551. doi: 10.1371/journal.pone.0145551. PMID: 26709697; PMCID: PMC4692499.</li>
<li style="font-weight: 400;">Buchheit T, Huh Y, Breglio A, Bang S, Xu J, Matsuoka Y, Guo R, Bortsov A, Reinecke J, Wehling P, Jun Huang T, Ji RR. Intrathecal administration of conditioned serum from different species resolves Chemotherapy-Induced neuropathic pain in mice via secretory exosomes. Brain Behav Immun. 2023 Jul;111:298-311. doi: 10.1016/j.bbi.2023.04.013. Epub 2023 May 5. PMID: 37150265; PMCID: PMC10363329.</li>
</ol>
<p>&nbsp;</p>
<p>Siehe hierzu auch &#8222;Industry Perspective &#8211; Biologische Performance und Integration in die Praxis&#8220;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Orthogen®-ACS: Biologische Performance und Integration in die Praxis</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22636/orthogen-acs-biologische-performance-und-integration-in-die-praxis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Glyn Hamed&nbsp;,&nbsp;Dr. med. Jana Wehling]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2026 07:59:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Orthobiologische Verfahren unterscheiden sich erheblich in Herstellung, biologischer Zusammensetzung und Evidenzlage. Eine differenzierte klinische, biologische und evidenzbasierte Bewertung ist daher essenziell. Dieser Beitrag stellt mit dem Orthogen® Device ein kommerziell [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Orthobiologische Verfahren unterscheiden sich erheblich in Herstellung, biologischer Zusammensetzung und Evidenzlage. Eine differenzierte klinische, biologische und evidenzbasierte Bewertung ist daher essenziell. Dieser Beitrag stellt mit dem Orthogen<sup>®</sup> Device ein kommerziell verfügbares System zur Aufarbeitung von Orthogen<sup>®</sup>-ACS vor und beleuchtet das Sekretomprofil sowie technische, produktspezifische Aspekte. Die methodische Heterogenität der PRP-Literatur ist nicht ohne Weiteres auf ACS übertragbar, da die klinische Evidenz zu ACS überwiegend mit definierten Orthogen-Protokollen und Devices generiert wurde. Die Einordnung solltedeshalb produkt-, protokoll- und evidenzspezifisch erfolgen.</b></p>
<p>Generell werden Zusammensetzung und biologisches Wirkprofil orthobiologischer Therapien maßgeblich durch Herstellungsprotokolle, sowie den verwendeten Devices determiniert. ACS wurde von der Firma Orthogen entwickelt, erforscht und fortlaufend optimiert. Es ist zu beachten, dass die im Folgenden dargestellten Aussagen ausschließlich auf das Orthogen®-ACS zutreffen, welches unter Verwendung des Orthogen® Device und dem entsprechenden Herstellungsprotokoll gewonnen wird. ACS ist ein aus Vollblut gewonnenes Sekretom mit hochaktiviertem biologischem Profil und einem breiten, differenzierten Mediatorspektrum, das sich gegenüber anderen biologischen Therapieverfahren durch seine Vielfalt und spezifische Konzentration charakterisieren lässt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Molekulare Biologie<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Für die Bewertung von Orthobiologika sind sowohl das Verständnis der Heilung als auch die biologischen Eigenschaften der Therapien von zentraler Bedeutung [1]. Heilung ist ein aktiv regulierter Prozess, unabhängig vom Gewebe. Im Zentrum steht eine kontrollierte Entzündungsreaktion (subklinisch), gesteuert durch das Zusammenspiel von einer Vielfalt an Immunzellen – unter anderem neutrophilen Granulozyten und Makrophagen – und deren Mediatoren. Ein kontrolliertes Gleichgewicht zwischen proinflammatorischen und pro-resolvierenden Signalen ermöglichen die Rückkehr in einen funktionellen, anti-inflammatorischen Zustand. Der Erfolg regenerativer Therapien hängt davon ab, diese Prozesse gezielt in Richtung Resolution und Gewebeausheilung zu steuern [2, 3].</p>
<p><i>Die biologische Wirkung von Orthogen®-ACS beruht nicht auf isolierten Faktoren, sondern auf dem koordinierten Zusammenspiel multipler bioaktiver Mediatoren entlang der Heilungskaskade.</i></p>
<p>Im Gegensatz zu Ansätzen, die primär einzelne Zelltypen oder Faktoren (z. B. Wachstumsfaktoren) fördern wollen, basiert die Behandlung mit ACS auf der Idee, das gesamte biologische Spektrum zu nutzen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Therapieerfolg steigt, wenn nicht einzelne Faktoren isoliert betrachtet werden, sondern die gesamte Heilungskaskade therapeutisch adressiert wird und dadurch ein Multi-target Ansatz verfolgt wird [4, 5] (Abb. 1).</p>
<p><figure id="attachment_22639" aria-describedby="caption-attachment-22639" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22639" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226-1024x562.jpg" alt="" width="755" height="414" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226-1024x562.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226-300x165.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226-768x421.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226-150x82.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226-450x247.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226-1200x658.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling1_saez0226.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22639" class="wp-caption-text"><strong>Abb. 1 Mediatorengruppen in Orthogen®-ACS</strong> ACS ist gekennzeichnet durch ein vielfältiges Mediatorenprofil, das aus der Aktivierung von Vollblut – und damit aller Immunzellen – resultiert. Dieser Ansatz adressiert die Heilungskaskade systemisch und ermöglicht eine Multi-Target-Modulation zentraler Signalwege. Aktuelle wissenschaftliche Publikationen weisen darauf hin, dass insbesondere neutrophil-assoziierte Proteine sowie Exosomen eine wesentliche Rolle bei der Entzünduangsauflösung und Schmerzmodulation spielen [8, 9].</figcaption></figure>Zur Einordnung und Vergleich: PRP (Plättchenreiches Plasma) ist ein aus Vollblut gewonnenes Plasma-Konzentrat, das nach Zentrifugation einen konzentrierten Anteil an Thrombozyten enthält. Der Wirkmechanismus von PRP wird primär durch die Freisetzung throm­bozytärer Wachstumsfaktoren erklärt. Der Leukozytenanteil kann je nach Herstellungsverfahren deutlich variieren. Entsprechend entscheidet man zwischen leukozytenarmen (LP-PRP) und leukozytenreichem PRP (LR-PRP (7). Die therapeutischen Strategien von Orthobiologika basieren auf ähnlichen biologischen Prinzipien, unterscheiden sich jedoch neben dem Spektrum auch in der Bereitstellung der Mediatoren. Bei PRP werden Thrombozyten injiziert, die ihr Kargo an Wachstumsfaktoren erst im Zielgewebe freisetzen sollen (in vivo) – unter heterogenen, nicht kontrollierbaren Bedingungen. Bei ACS erfolgt die Freisetzung der Mediatoren bereits ex vivo im Spritzensystem unter standardisierten, kontrollierbaren Bedingungen. Es entsteht ein zellfreies Sekretom mit definiert freigesetzten Mediatoren, welches anschließend injiziert wird.</p>
<p><i>Die Wirksamkeit regenerativer Therapien wird zunehmend den Signalstoffen und einem vielfältigen Mediatorenspektrum zugeschrieben, weniger den Zellen selbst [6].</i></p>
<h2><b>Technische Anwendung und Handhabung<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<p>Das Orthogen® Device ermöglicht die Durchführung von Blutentnahme, Aufbereitung und Zentrifugation in einem geschlossenen, vollautomatisierten System. Diese Eigenschaften gewährleisten einen reproduzierbaren, standardisierten Output und stellen damit einen entscheidenden Vorteil im Kontext der bereits bestehenden Patienten-asso­ziierten Variablen dar. Im Device ist ein Filter integriert, der zur Serum Separation dient und ferner potenzielle Verunreinigungen und Zellschrott eliminiert. Der Wegfall manueller, zeit­-<br />
intensiver Aufbereitung erleichtert die Integration in die Praxis (Abb. 2).</p>
<figure id="attachment_22643" aria-describedby="caption-attachment-22643" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-22643" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling2_saez0226-1024x215.jpg" alt="" width="755" height="159" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling2_saez0226-1024x215.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling2_saez0226-300x63.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling2_saez0226-768x161.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling2_saez0226-150x32.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling2_saez0226-450x95.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Wehling2_saez0226.jpg 1142w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22643" class="wp-caption-text"><strong>Abb. 2 Ablauf der Behandlung</strong><br />1. Blutabnahme mit dem Orthogen® Device 2. Konditionierung und  Inkubationsphase in validierter Umgebung: Freisetzung der Schlüsselmediatoren aus den Zellen 3. Automatisierte Aufarbeitung: in der Zentrifuge – ein integrierter Filter im Device ermöglicht die Serum Separation und dient gleichzeitig zur Eliminierung potenzieller Verunreinigungen oder Zellschrott 4. Entnahme der eingebauten Glas-Ampulle –<br />mit ACS gefüllt 5. Re-Injektion intra-artikulär, peri-tendinös, intra-muskulär, epidural möglich</figcaption></figure>
<p><i>Die biologische Aktivierung beruht auf einer kontrollierten, verlängerten Koagulationsphase, die durch die validierte Interaktion von Device, Prozessprotokoll und definierten Inkubationsbedingungen ermöglicht wird.</i></p>
<h2><b>Zusammenfassung</b></h2>
<p>Orthogen®-ACS stellt ein hochaktiviertes Sekretom mit ganzheitlichem Mediatorenspektrum dar und kann als Weiterentwicklung bestehender regenerativer Therapieansätze verstanden werden. Entscheidend ist das koordinierte Zusammenspiel zahlreicher bioaktiver Signalstoffe, die als funktionelles Netzwerk regenerative Prozesse steuern – vergleichbar mit einer eingespielten Fußballmannschaft. Im Sinne eines ganzheitlichen Therapiekonzepts lässt sich dieser Ansatz zudem sinnvoll mit physikalischen Maßnahmen (z. B. Stoßwellentherapie) kombinieren, um die Regeneration zusätzlich zu unterstützen. Neben den biologischen Eigenschaften sind Handhabung und Reproduzierbarkeit zentrale Erfolgsfaktoren orthobiologischer Behandlungen, wobei standardisierte, systemgestützte Verfahren hier besondere Vorteile bieten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol>
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<em>Trends in Molecular Medicine, 24</em>(8), 709–711. https://doi.org/10.1016/j.molmed.2018.06.001</li>
<li>Mormone, E., D’Esposito, V., De Luca, P., Ferrara, F. E. O., Bellotti, F. P., Formisano, P., &amp; Caradonna, E. (2026). Platelet-rich plasma from the research to the clinical arena: A journey toward precision regenerative medicine. <em>International Journal of Molecular Sciences, 27</em>, 1058.<a href="https://doi.org/10.3390/ijms27021058">https://doi.org/10.3390/ijms27021058</a></li>
<li>Han, Y., Yang, J., Fang, J. et al. The secretion profile of mesenchymal stem cells and potential applications in treating human diseases. Sig Transduct Target Ther 7, 92 (2022). <a href="https://doi.org/10.1038/s41392-022-00932-0%E2%80%9D">https://doi.org/10.1038/s41392-022-00932-0</a></li>
<li>Rath M, Spinnen J, Kuhrt LD, Priglinger E, Seika P, Runge D, et al. Platelet-rich plasma – a comprehensive review of isolation, activation, and application. Acta Biomater. 2025 Sep 15;204:52–75. doi:10.1016/j.actbio.2025.07.050. PMID: 40712724</li>
<li>Buchheit T, Huh Y, Breglio A, Bang S, Xu J, Matsuoka Y, Guo R, Bortsov A, Reinecke J, Wehling P, Jun Huang T, Ji RR. Intrathecal administration of conditioned serum from different species resolves Chemotherapy-Induced neuropathic pain in mice via secretory exosomes. Brain Behav Immun. 2023 Jul;111:298-311. doi: 10.1016/j.bbi.2023.04.013. Epub 2023 May 5. PMID: 37150265; PMCID: PMC10363329.</li>
<li>Parisien M, Lima LV, Dagostino C, El-Hachem N, Drury GL, Grant AV, Huising J, Verma V, Meloto CB, Silva JR, Dutra GGS, Markova T, Dang H, Tessier PA, Slade GD, Nackley AG, Ghasemlou N, Mogil JS, Allegri M, Diatchenko L. Acute inflammatory response via neutrophil activation protects against the development of chronic pain. Sci Transl Med. 2022 May 11;14(644):eabj9954. doi: 10.1126/scitranslmed.abj9954. Epub 2022 May 11. PMID: 35544595; PMCID: PMC10317000.</li>
<li>Caplan AI. Mesenchymal Stem Cells: Time to Change the Name! Stem Cells Transl Med. 2017 Jun;6(6):1445–1451. doi: 10.1002/sctm.17-0051. Epub 2017 Apr 28. PMID: 28452204; PMCID: PMC5689741.</li>
</ol>
<p>&nbsp;</p>
<p>Siehe dazu auch &#8222;Immunmodulatorische und regenerative Therapieverfahren&#8220;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Gezielte Trinknahrung</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/22589/gezielte-trinknahrung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Philipp Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 13:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22589</guid>

					<description><![CDATA[Bei älteren, hospitalisierten Patienten entscheidet die Ernährung oft mit darüber, ob sie Komplikationen entwickeln, erneut hospitalisiert werden – oder sich erholen und wieder nach Hause können. Eine neue CochraneMetaanalyse basierend [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Bei älteren, hospitalisierten Patienten entscheidet die Ernährung oft mit darüber, ob sie Komplikationen entwickeln, erneut hospitalisiert werden – oder sich erholen und wieder nach Hause können. Eine neue CochraneMetaanalyse basierend auf individuellen Patientendaten liefert hierzu ein sehr differenziertes, patientenrelevantes Bild [1].</b></p>
<h2><b>Warum dieses Thema klinisch relevant ist</b></h2>
<p>Zwischen einem Drittel und zwei Dritteln der hospitalisierten älteren Menschen sind mangelernährt oder weisen ein hohes Risiko dafür auf. Mangel­ernährung ist klar mit Komplikationen, längerer Hospitalisationsdauer, funktionellem Abbau und erhöhter Morta­lität verbunden [2]. Gleichzeitig ist diese Patientengruppe extrem heterogen und vulnerabel – standardisierte „Mehr ­essen“-Ratschläge greifen hier zu kurz. Verschiedene Studien, wie die EFFORT Studie aus der Schweiz, hatten bereits gezeigt, dass standardisierte Ernährungsstrategien die Mortalität verbessern können [3]. Es gibt aber auch widersprüchliche Evidenz zum Nutzen von verschiedenen Arten von Ernährungssupport bei älteren Patienten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage: Welche orale Ernährungsstrategie bringt im Stationsalltag tatsächlich einen klinisch messbaren Vorteil – und für wen?</p>
<h2><b>Studiendesign: Netzwerk-Metaanalyse mit individuellen Patientendaten</b></h2>
<p>Die Autorengruppe nutzte einen methodisch anspruchsvollen Ansatz: eine Netzwerk-Metaanalyse auf Basis individueller Patientendaten aus randomisierten kontrollierten Studien.</p>
<ul>
<li>Eingeschlossen wurden 21 Studien mit insgesamt über 3.000 älteren hospitalisierten Patienten,<br />
im Mittel 75 – 85 Jahre alt.</li>
<li>Alle hatten ein Risiko für oder eine gesicherte Mangelernährung und waren wegen akuter Erkrankungen stationär aufgenommen.</li>
<li>Definiert wurden kritische Endpunkte wie Mortalität, schwere unerwünschte Ereignisse und funktionelle Fähigkeiten sowie wichtige Endpunkte wie Lebensqualität, Aufenthaltsdauer, Gewicht und fettfreie Masse.</li>
<li>Primärer Zeitpunkt der Auswertung war die Entlassung aus dem Spital bzw. 30 Tage nach Randomisierung.</li>
</ul>
<p>Die Netzwerkstruktur erlaubt, verschiedene Ernährungsstrategien sowohl untereinander als auch gegenüber Standardversorgung zu vergleichen, selbst wenn einzelne Studien nie direkt zwei aktive Strategien gegeneinander getestet haben.</p>
<p>Folgende Typen oraler Interventionen wurden analysiert:</p>
<ul>
<li>zusätzliche Proteingaben</li>
<li>zusätzliche Energie-Supplements</li>
<li>klassische orale Trinknahrung (ONS)</li>
<li>individualisierte „feeding support“-Ansätze (z. B. Hilfe beim Essen, Anpassung der Konsistenz,<br />
Essumgebung)</li>
<li>umfassende individualisierte Ernährungstherapie (strukturierte Ernährungsanamnese,<span class="Apple-converted-space"> </span>Bedarfs­berechnung, Anpassung der Speisen, ONS nach Bedarf, begleitende Beratung)</li>
</ul>
<p>In der Mehrzahl der Studien wurden diese Strategien mit der üblichen Versorgung verglichen, teilweise mit Placebo.</p>
<h2><b>Zentrale Ergebnisse: Trinknahrung mit klinisch relevantem Signal</b></h2>
<p><b>Mortalität und schwere Komplikationen</b></p>
<p>Für die Gabe oraler Trinknahrung (ONS) ergab sich ein klinisch relevantes Signal:</p>
<ul>
<li>ONS können die Sterblichkeit im Vergleich zur Standardversorgung senken, mit einer relevanten absoluten Risikoreduktion.</li>
<li>ONS können zudem schwere unerwünschte Ereignisse wie Infektionen und andere<br />
Komplikationen reduzieren.</li>
</ul>
<p>Die Evidenzbasis wird von den Autoren allerdings als noch begrenzt eingestuft, sodass von einer Wahrscheinlichkeitsaussage („kann“ / „wahrscheinlich“) und nicht von einem gesicherten Effekt gesprochen wird. Im Gegensatz dazu zeigte eine umfassende individualisierte Ernährungstherapie in dieser Analyse keinen klaren Vorteil bezüglich Mortalität im Vergleich zur üblichen Versorgung. Für die meisten direkten Vergleiche zwischen den unterschiedlichen Interventionstypen bleibt die Evidenz unsicher.</p>
<h2><b>Funktion, Lebensqualität und Körperzusammensetzung</b></h2>
<ul>
<li>Für Alltagsfunktionen (Aktivitäten des täglichen Lebens) zeigte die umfassende individua­lisierte Ernährungstherapie im Vergleich zur Standardversorgung keinen oder nur einen minimalen Effekt.</li>
<li>Auch im direkten Vergleich ONS versus reine Energiesupplements ergab sich kein eindeutiger Vorteil hinsichtlich funktioneller Endpunkte.</li>
<li>Bei Lebensqualität, Aufenthaltsdauer, Gewicht und fettfreier Masse waren die Resultate heterogen; klare Rangfolgen zwischen den Strategien lassen sich derzeit nicht ableiten.</li>
</ul>
<p>Insgesamt ist die Evidenzqualität für viele dieser Endpunkte eher als niedrig einzustufen, u. a. wegen kleiner Studien, methodischer Limitationen und Hetero­genität.</p>
<h2><b>Klinische Implikationen für den Stationsalltag</b></h2>
<p>Trotz dieser Einschränkungen setzt die Arbeit wichtige Akzente für die Praxis:</p>
<ul>
<li>Trinknahrung als Baustein der Therapie: Die Daten stützen den gezielten Einsatz von ONS bei älteren, hospitalisierten Patienten mit Risiko für oder bestehender Mangelernährung, insbesondere wenn eine ausreichende Energie und Proteinaufnahme über das normale Essen allein nicht zu erwarten ist.</li>
<li>Individualisierte Ernährung bleibt wichtig – aber schwer messbar: Dass die umfassende individualisierte Ernährungstherapie keinen klaren Mortalitätsvorteil zeigt, bedeutet nicht, dass sie klinisch verzichtbar wäre. Vielmehr zeigt sich, wie schwierig funktionelle und qualitative Vorteile in heterogenen Kollektiven in Studien abzubilden sind und wie stark die Effekte von der Qualität der Implementierung abhängen.</li>
<li>„Targeted Nutrition“ in der Geriatrie: Analog zum Konzept der <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/20110/targeted-nutrition/">„Targeted Nutrition“ in der Sportmedizin</a> – bei dem spezifische Nährstoffe präzise auf definierte Ziele ausgerichtet werden  – unterstreicht diese Analyse die Bedeutung einer zielgerichteten oralen Ernährungstherapie im Akutspital: ONS und andere Interventionen sollten indikationsgerecht, zeitlich begrenzt und eingebettet in ein strukturiertes geriatrischinternistisches Behandlungskonzept eingesetzt werden.</li>
<li>Forschungslücken: Deutlich wird der Bedarf an großen, methodisch robusten Studien – wie die EFFORT Studie [3] – mit klar definierten Interventionen, standardisierten patientenrelevanten Endpunkten und längeren Beobachtungszeiträumen, um insbesondere funktionelle Verläufe und Rehospitalisationen besser beurteilen zu können.</li>
</ul>
<h2><b>Fazit für Praxis und Wissenschaft</b></h2>
<p>Die Netzwerk-Metaanalyse mit individuellen Patientendaten zeigt, dass orale Trinknahrung bei älteren, hospitalisierten Patienten mit Risiko für oder bestehender Mangelernährung wahrscheinlich Mortalität und schwere Komplikationen innerhalb von 30 Tagen reduzieren kann. Andere orale Strategien, einschließlich umfassender individualisierter Ernährungstherapie, zeigen bislang keinen klaren Vorteil in Bezug auf harte Endpunkte, bleiben aber für eine ganzheitliche, patientenzentrierte Behandlung unverzichtbar. Damit liefert die Arbeit einen wichtigen Baustein für die Weiterentwicklung eines geriatrischen „Targeted Nutrition“-Konzeptes im Akutspital – mit Trinknahrung als möglicherweise wirksamem Kernmodul innerhalb eines multidisziplinären Behandlungsteams.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Kiesswetter E, Schwarzer G, Stadelmaier J, Lohner S, Grummich K, Dagnelie PC, et al. Oral nutritional interventions in hospitalised older people at nutritional risk: a network meta-analysis of individual participant data. Cochrane Database Syst Rev. 2026;3:CD015468.</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Schuetz P, Seres D, Lobo DN, Gomes F, Kaegi-Braun N, Stanga Z. Management of disease-related malnutrition for patients being treated in hospital. Lancet. 2021;398:1927-38.</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Schuetz P, Fehr R, Baechli V, Geiser M, Deiss M, Gomes F, et al. Individualised nutritional support in medical inpatients at nutritional risk: a randomised clinical trial. Lancet. 2019;393:2312-21.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Medizinische Betreuung und Belastungssteuerung im Hochleistungsbasketball</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/22711/medizinische-betreuung-und-belastungssteuerung-im-hochleistungsbasketball/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Christoph Lukas]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 12:19:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=22711</guid>

					<description><![CDATA[Ende Februar fand das jährliche Treffen der deutschen Basketballärzte (www.basketdocs.de) in Bayreuth statt. Im Rahmen des wissenschaftlichen Symposiums hatten wir die Möglichkeit, ein Interview mit Chris Fleming (unter anderem Profispieler, [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Ende Februar fand das jährliche Treffen der deutschen Basketballärzte (</span></span><a href="http://www.basketdocs.de"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">www.basketdocs.de</span></a><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">) in Bayreuth statt. Im Rahmen des wissenschaftlichen Symposiums hatten wir die Möglichkeit, ein Interview mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chris_Fleming">Chris Fleming</a> (unter anderem Profispieler, Bundesligatrainer, Nationaltrainer Deutschland, Assistenztrainer NBA und aktuell Assistenztrainer University of Alabama) über die medizinische Betreuung im Leistungsbasketball aus seiner Sicht zu führen. </span></span><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Da unser Treffen an einem Spieltag stattfand, zeichneten wir vorab per Video auf, trotz Schneechaos in Alabama war er bereits um 6 Uhr morgens auf dem Trainingsgelände bereit, uns Rede und Antwort zu stehen. </span></span><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Hier folgt eine Zusammenfassung des Interviews, das komplette Video findet sich <a href="https://youtu.be/wirSlz0Z39A">HIER</a></span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><strong><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Vielen Dank, dass du dir so früh Zeit nimmst. Du hast eine beeindruckende Karriere als Spieler und Trainer in der Bundesliga, beim Nationalteam und in der NBA hinter dir und bist nun am College in Alabama tätig. Beginnen wir bei dir selbst: Welche Erfahrungen hast du als Spieler mit dem medizinischen System gemacht?</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></strong></p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><span class="normaltextrun"><b><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Fleming:</span></b></span><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> Gerne. Ich hatte in Deutschland einen Kreuzbandriss, das Band war damals nicht komplett durchgerissen. Die Ärzte haben die Verletzung erst während der Operation vollumfänglich erkannt und sich gegen einen Ersatz des Bandes entschieden. Ich habe danach noch zwei Jahre mit einer großen Schiene in der zweiten Liga gespielt. Das Vertrauensverhältnis zu den Ärzten war gut, auch wenn meine Karriere danach verletzungsbedingt nicht mehr ewig dauerte.</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><strong><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Du hast Einblicke in alle Ebenen. Wie unterscheidet sich der Aufbau des medizinischen Stabes zwischen der NBA, dem College und europäischen Ligen?</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></strong></p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">In der NBA ist der Stab gewaltig. Es gibt meist eine Person, oft kein Arzt, die die gesamte Abteilung koordiniert. Zum Team gehören vier bis fünf Physiotherapeuten, spezialisierte „Athletic Trainer“, Sportpsychologen und Ernährungsberater. Bei dichten Spielplänen werden zusätzlich Masseure engagiert. Während in Deutschland oft ein Arzt bei jedem Training am Spielfeldrand steht, ist das in der NBA nicht üblich, außer in besonderen Situationen. Die medizinische Versorgung ist jedoch extrem schnell: In Chicago war die Praxis des Cheforthopäden nur drei Minuten entfernt, und Kernspin-Untersuchungen (MRT) werden bei jedem Verdacht sofort durchgeführt, auch um die Spieler zu beruhigen. Am College ist der Stab etwas kleiner, aber die Qualität der Betreuung, oft durch Kooperationen mit großen orthopädischen Einrichtungen, ist ähnlich hoch.</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><strong><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Ein viel diskutiertes Thema in der NBA sind die „Minute Restrictions“ nach Verletzungen, dass also ein Spieler, der aus einer Verletzung zurückkommt, nur eine bestimmte Anzahl von Minuten auf dem Feld sein darf. Wer hat hier das Sagen, wie wird es gehandhabt, wenn das Spiel z. B. zum Ende noch extrem ausgeglichen ist?</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></strong></p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Die Entscheidung treffen der Mannschaftsarzt, der behandelnde Arzt und der Physiotherapeut gemeinsam. Es geht primär darum, die „Acute Load“ (akute Belastung) zu steuern und große Sprünge im Arbeitspensum zu vermeiden, um Folgeschäden zu verhindern. Es gibt dafür verschiedene Messgeräte im Trainingsalltag. Manchmal sind diese Beschränkungen auch strategisch: Man möchte einen Spieler vor einem Trade schützen oder zeigen, dass er fit ist, ohne ihn zu überlasten. NBA-Trainer halten sich im Allgemeinen sehr strikt an diese Vorgaben, da es eine Vereinsentscheidung ist. In Brooklyn gab es jedoch die Möglichkeit, in knappen Spielen die Mediziner zu fragen, ob ein Spieler für die letzten zwei Minuten noch einmal aufs Feld darf – das muss dann aber durch zusätzliche Erholung am nächsten Tag ausgeglichen werden.</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><strong><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Gibt es in der NBA eigentlich Vorschriften, dass Sprunggelenke als Verletzungsprophylaxe getaped sein müssen, etwa durch Versicherungen?</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></strong></p>
<p class="paragraph" style="margin: 0cm; vertical-align: baseline;"><span class="normaltextrun"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;">Davon ist mir nichts bekannt. Man kann Stars wie LeBron James nicht dazu zwingen; wenn er nicht getaped werden will, wird er nicht getaped. Die Spielergewerkschaft achtet sehr darauf, dass keine Ausrüstung vorgeschrieben wird. Die meisten Profis auf diesem Level haben jedoch feste Routinen und nutzen die medizinische Betreuung und Recovery-Maßnahmen täglich ganz von selbst.</span></span><span class="eop"><span style="font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Aktuell scheint die NBA von vielen Weichteilverletzungen geplagt zu sein, z. B. Achillessehnenrisse bei Tyreese Haliburton oder Jayson Tatum. Woran liegt das? </strong></p>
<p>Das Spiel ist jedes Jahr schneller geworden, was die körperliche Belastung massiv erhöht. Teams reagieren darauf, indem sie die Rotation vergrößern und mehr Spieler einsetzen. Dennoch spielen die Top-Stars gerade in den Playoffs oft über 40 Minuten bei extrem hoher Intensität alle zwei bis drei Tage. Das ist eine enorme Belastung für den Körper.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ein Blick auf den Nachwuchs: Wo siehst du Unterschiede in der athletischen Entwicklung zwischen Deutschland und den USA? </strong></p>
<p>Deutschland macht einen deutlich besseren Job darin, Kindern früh gute Gewohnheiten beizubringen, wie das richtige Aufwärmen oder die Korrektur von Bewegungsmustern. In den USA herrscht ein enormer Druck zur frühen Spezialisierung. Früher hat man über das Jahr hinweg drei Sportarten parallel betrieben, heute konzentrieren sich viele Kinder schon mit 10 oder 11 Jahren nur noch auf Basketball, haben eigene Shooting-Coaches und Krafttrainer. Das ist oft getrieben durch den Wettbewerb und die Erwartungen der Eltern, obwohl die Forschung eigentlich etwas Anderes rät.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Zum Abschluss ein brennendes Thema: NIL (Name, Image, Likeness), also der Möglichkeit für die Jungen Spieler, am College Geld zu verdienen, und der damit verbundene Abfluss von Talenten aus Europa an die US-Colleges. Wie stehst du dazu? </strong></p>
<p>Es ist momentan wie im „Wilden Westen“, es gibt kaum Regeln. Ich finde es gut, dass die jungen Spieler Geld verdienen können, aber es entzieht dem europäischen Basketball viel Talent. Ein großes Problem ist, dass es im US-System keine Ausbildungsentschädigungen für die europäischen Vereine gibt, die die Spieler jahrelang entwickelt haben. Es muss Wege geben, die Clubs zu entschädigen, oder es den Talenten schmackhafter zu machen, länger in Deutschland zu bleiben. Eine perfekte Lösung habe ich aktuell auch nicht, aber das System muss sich nach den ersten, zu erwartenden Gerichtsurteilen, erst noch neu ordnen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Vielen Dank für diese tiefen Einblicke in die Welt des Profisports! </strong></p>
<p>Sehr gerne. Wenn noch spezifische Fragen von Medizinern oder Trainern aufkommen, stehe ich gerne zur Verfügung</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wer noch nicht genug hat, was die medizinischen Aspekte des Basketballs angeht, dem sei noch die Veranstaltung: <a href="https://www.sportmed-lb.de/veranstaltung/herausforderungen-der-sportmedizin-2026-fokus-basketball-2/">Herausforderung der Sportmedizin 2026 – Fokus Basketball</a>, am Samstag, 26.9.2026 im Reha-Zentrum-Hess in Bietigheim ans Herz gelegt. Mit namhaften Experten soll hier noch einmal ein breites Spektrum an Aspekten, die den betreuenden Arzt herausfordern können, dargelegt werden. </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Veröffentlicht am 22.06.2026</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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