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	<title>Martin Walz, Autor bei sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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	<item>
		<title>Mentale Gesundheit  im Sport</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Christophe Lambert,&#160;Lisa-Marie Schütz&#160;,&#160;Martin Walz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Sep 2022 08:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[03/22]]></category>
		<category><![CDATA[sportlerzeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Umgang mit der mentalen Gesundheit von Athleten im Leistungs- und Spitzensport ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Dennoch steht die interdisziplinäre Arbeit und [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Der Umgang mit der mentalen Gesundheit von Athleten im Leistungs- und Spitzensport ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Dennoch steht die interdisziplinäre Arbeit und Forschung in der Sportpsychologie/-psychiatrie/-medizin erst am Anfang. Selbst unter Ärzten und Trainern herrschen immer noch veraltete und teilweise falsche Arbeitsannhamen vor.</b></p>
<p>Vergleicht man die Suchergebnisse in der Pubmed Datenbank (in englischer Sprache) mit der Suchkombination “Sport und Wunden / Verletzungen“ mit dem Suchraster „Sport und mentale-/psychische Störungen“, so wird man bei Veröffentlichungen einen sehr starken intersubjektiven Unterschied in der Anzahl der Publikationen feststellen. Der mentalen Gesundheit von Athleten wird international und auch in Deutschland immer noch zu wenig Raum in der Sportmedizin eingeräumt und die Betreuung und das Coaching von Athleten erfolgt nur sehr selten aus einem Bio-Psycho-Sozialen Ansatz heraus. Leistungssport fängt dort an, wo Gesundheitssport aufhört. Athleten im Nachwuchs- und Spitzenbereich nehmen intensive Risiken, körperliche wie psychische Belastungen und Stressoren in Kauf, um ihre Ziele und Träume auf der Weltbühne des Sports zu erreichen. Zudem identifizieren sich viele Sportler einzig und alleine über den Sport und haben sich so ihre Identität als Athleten aufgebaut. Ihr Wesen und der Prozess der Menschwerdung und Persönlichkeitsentwicklung werden somit oft auf dem Fundament der Athleten-Identität getragen. Diese hohe Bedeutsamkeit des Sports birgt gewisse Stressoren, ­gerade wenn es um langwierige Verletzungen, intensive Misserfolgsphasen oder gar das Karriereende geht, da somit die gesamte Identität sowie die eigene Persönlichkeit in Frage gestellt wird.</p>
<h2><b>Untersuchungsergebnisse</b></h2>
<p>Die IOC Kommission für mentale und physische Gesundheit identifizierte in ihrer Metanalyse 640 unterschiedliche Stressoren in einer professionellen Leistungssportkarriere, welche das Risiko für den Erhalt der geistigen- und physischen Gesundheit von Athleten gefährden können [1]. Diese medizinische und wissenschaftliche Kommission des IOC besteht aus Ärzten, Psychiatern, Therapeuten, Sportwissenschaftlern und Psychologen, welche zu den erfahrensten Experten im internationalen Spitzensport zählen. Diese Kommission hat die mentale und physische Gesundheit von Athleten als wichtigstes Gut hervorgehoben. Die physische Gesundheit ist nicht von der psychischen Gesundheit zu trennen. Dies geht mittlerweile auch aus dem Konsens-Statement des Olympischen Komitees (IOC) hervor. Hintergrund ist, dass psychische Symptome und Störungen das Risiko körperlicher Verletzungen erhöhen sowie deren anschließende Genesung verzögern können [2].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Anhand bisheriger Untersuchungen über das Auftreten psychischer Erkrankungen bei Leistungssportlern ging man davon aus, dass sich die Wahrscheinlichkeit des Auftretens in dieser Gruppe nur geringfügig von der der Normalbevölkerung unterscheidet. Laut dieser Studien entwickelten 13 – 20 % der Leistungssportler im Laufe ihres Lebens eine Depression. Verglichen mit der Normalbevölkerung mit einer Lebenszeitprävalenz von 12 – 20 % konnten die Autoren keinen wesentlichen Unterschied zwischen beiden Gruppen feststellen [3]. Neuere Erkenntnisse lieferten jedoch Gouttebarge et al. in ihrer Meta-Analyse, in der sie die Prävalenz psychische Auffälligkeiten und Störungen bei aktiven Sportlern untersuchten. Die Autoren konnten zeigen, dass bei 19 % der aktiven Athleten Alkoholmissbrauch vorlag und bis zu 34 % von einer Angststörung und Depression betroffen waren. Bei ehemaligen Athleten liegt die Prävalenz für Distress bei 16 % und für Angststörung und Depression bei bis zu 26 % [1]. Es hat sich zudem gezeigt, dass Essstörungen in bestimmten Sportarten häufiger auftreten als in der Normalbevölkerung (Lebenszeitprävalenz Leistungssportler 25 % vs. Normalbevölkerung 1 – 5 %). Besonders in ästhetischen Sportarten, wie der Rhythmischen Sportgymnastik, Tanzen oder Gerätturnen sowie in Ausdauersportarten, Sportarten mit Gewichtsklassen und Antigravitationssportarten (Skispringen) treten Essstörungen vermehrt auf [4]. Während man bisher davon ausging, dass die Prävalenz psychischer Auffälligkeiten und Störungen bei Spitzensportlern ähnlich hoch ist wie in der Normalbevölkerung, widerlegen die oben ge­nannten Ergebnisse diese Annahme.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12289" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322.jpg" alt="" width="1200" height="1184" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322-300x296.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322-1024x1010.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322-768x758.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322-70x70.jpg 70w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322-150x148.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322-450x444.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></p>
<h2><b>Pandemiebedingte Umstände</b></h2>
<p>Die COVID-19 Pandemie hat viele Menschen stark beansprucht und zog auch im Sport erhebliche Einschränkungen, sowohl im Breiten- wie im Leistungssport, nach sich. Während der Phasen des Lockdowns war die gewohnte sportliche Betätigung nicht möglich. Die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio 2020 war eine noch nie dagewesene Maßnahme. Besonders für Leistungssportler, die ihre gesamte Anstrengung, Trainingsplanung, sogar ihre gesamte Karriere auf die Teilnahme der Olympischen Spiele ausrichten, war dies eine sehr schwere Nachricht. Die Lebensziele der Athleten wurden durch die unsichere Zukunft und die Verschiebung der Olympischen Spiele in Frage gestellt. Diese nie dagewesene Stresssituation stellte viele Athleten vor große Herausforderungen. Die 2022 erschienene Studie „Depressive symptoms among Olympic athletes during the Covid-19 pandemic” der Autoren befasst sich mit der Frage, wie schon qualifizierte oder sich noch in der Qualifikation für die Olympischen Spiele von Tokio 2020 befindende Athleten mental mit der Verschiebung der Olympischen Spiele umgegangen sind [5].</p>
<p>Die Studie konnte zeigen, dass die meisten Athleten es für die richtige Entscheidung hielten, dass die Olympischen Spiele verschoben wurden. Es konnte gezeigt werden, dass diese Athleten trotzdem mentale Schwierigkeiten aufgrund der Verschiebung und den daraus resultierenden Konsequenzen hatten. Infolge der Verschiebung der Olympischen Spiele, der Aussetzung des Trainings und der Wettkämpfe berichteten viele Athleten in dieser Studie über eine geringere Motivation. Das für die Autoren überraschendste Ergebnis der Studie war jedoch, dass obwohl viele Athleten Schwierigkeiten im Umgang mit dieser Situation angaben, nur 18 % professionelle Unterstützung zur Bewältigung der Situation erhielten. Es bleibt offen, ob die Athleten keine Hilfe in Anspruch nehmen wollten oder ihnen keine Hilfe in Form von beispielsweise sportpsychologischer Betreuung zu Verfügung gestellt wurde. Leider sind psychische Erkrankungen im Leistungssport nach wie vor ein Tabuthema. In der Vergangenheit wurden Sportler, die mit ihrer emotionalen und mentalen Situation an die Öffentlichkeit gegangen sind, als schwach und für den Leistungssport ungeeignet dargestellt. Diese falsche Sichtweise führt dazu, dass viele Sportler lieber schweigen und versuchen, alleine mit ihren „mentalen Problemen“ klarzukommen.</p>
<h2><b>Positives Beispiel: Anna-Maria Wagner</b></h2>
<p>Eine Athletin, die dieses Schweigen gebrochen und offen über ihre psychischen Probleme gesprochen hat, ist die amtierende Judo-Weltmeisterin, Weltranglistenerste und zweimalige Olympia-Bronzemedaillengewinnerin von Tokio 2021 <a href="https://www.instagram.com/anna_ma_wagner/?hl=de">Anna-Maria Wagner</a>. Mehrfach hat sie in den sozialen Medien offen und ehrlich über ihren emotionalen Zustand gesprochen. In diesem Interview gibt sie uns einen Einblick in diese schwierigen Momente in ihrem Leben und wie sie es geschafft hat, sich dort herauszukämpfen.</p>
<h3>Hallo Anna, Du hast in den letzten zwei Jahren so viele Erfolge gefeiert, dass wir nur die größten aufzählen können (Weltmeisterin 2021, 2 olympische Medaillen in Tokio 2021, 3 Grand-Slam Siege am Stück). Aber dennoch hast Du auch schwere Phasen erlebt. Eine schwere Zeit war sicherlich die Verschiebung der Olympischen Spiele 2020. Du hattest Dich kurz davor gegen Deine Konkurrenten (Luise Malzahn) durchgesetzt und wurdest offiziell nominiert. Wie bist Du mit dieser Situation umgegangen?</h3>
<p>Natürlich war es erstmal nicht so eine schöne Information, dass die Spiele verschoben werden, aber eigentlich war ich froh, dass sie nur verschoben wurden und nicht ganz abgesagt wurden. Diese Angst war ja immer da. Ich habe ab diesem Zeitpunkt versucht, mich nur auf das Training zu konzentrieren und auch die ganzen Berichte aus den Medien zu meiden. Durch die Verschiebung musste ich mich ja erneut gegen meine Konkurrenten beweisen, also nochmal die Qualifikation bestätigen. Das hat mich mental sehr viel Kraft gekostet. Rückblickend kann ich gar nicht so genau sagen, wie ich das alles gestemmt habe, mich hat einfach der Traum der Olympischen Spiele immer wieder motiviert.</p>
<h3>Hast Du in dieser Zeit Unterstützung bekommen? Wenn ja, wie sah diese aus?</h3>
<p>Ich war in dieser Zeit in sehr engem Ausstauch (also das, was die Corona-Restriktionen erlaubt haben) mit unserem Sportpsychologen Moritz Anderten. Wir haben weiterhin die mentale Vorbereitung für die Spiele gemacht, unabhängig von der Situation mit Corona. Wir haben viele Gespräche geführt und immer versucht, für mich eine individuelle Lösung zu finden. Auch für die Wettkämpfe, in denen es um die erneute Qualifikation ging, haben wir eine besondere Herangehensweise gewählt. Ich habe die entscheidende WM wie ein normales Turnier und überhaupt nicht als ein großes und entscheidendes Ereignis angegangen. Das war für mich das Beste und genauso haben wir es bei den Olympischen Spielen gemacht. Die Weltmeisterschaft war ja ein guter Test.</p>
<h3>Ist die Mentale Betreuung von Athleten Deiner Meinung im Leistungssport weit verbreitet?</h3>
<p>Ich würde schon sagen, dass es im Leistungssport, vor allem im oberen Bereich, verbreitet ist. Aber danach bröckelt es auch schon. Ich glaube, dass es in den unteren Leistungsklassen und im Nachwuchs diese Unterstützung kaum gibt. Da besteht auf jeden Fall Nachholbedarf. Man darf das aber den Sportlern nicht aufs Auge drücken. Ich habe mich dafür auch selbst entschieden, wenn man das selber nicht möchte, bringt es wahrscheinlich auch nichts. Vielleicht wäre es gut, wenn man den Sportlern mehr zeigen würde, dass es diese Möglichkeit gibt und dass es im Leistungssport ganz normal ist und helfen kann, seine Leistung und sein Wohlbefinden zu verbessern.</p>
<h3>Du hast auch nach Deinem Erfolg bei den Olympischen Spielen öffentlich von mentalen Problemen berichtet. Kannst Du diese Situation näher beschreiben?</h3>
<p>Nach den Olympischen Spielen war natürlich erstmal alles schön und gut. Aber ich bin nach einigen Wochen in ein richtiges Loch gefallen, weil dieses große Ziel auf einmal weg war. Rückblickend musste ich mich einfach neu sortieren. Ich habe ein neues Ziel gebraucht. Ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt noch Judo machen will. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt auf gut deutsch gesagt „die Schnauze voll“ von Judo. Die Jahre davor waren eine Zeit mit sehr viel Stress und Druck und das Ziel der Olympischen Spiele hat mich immer vorangetrieben. Das war jetzt erstmal einfach nicht mehr da. Ich habe alle anderen Dinge und Emotionen weggeschoben und als ich das Ziel dann erreicht hatte, sind diese hochgekommen. Es hat dann damit angefangen, dass ich mich gar nicht bewegen und gar kein Sport machen wollte. Es gab zwar immer wieder coole Veranstaltungen nach den Spielen, aber sobald die vorbei waren bin ich wieder in ein Loch gefallen. Ich habe mich total motiva­tionslos gefühlt und wäre am liebsten den ganzen Tag zu Hause geblieben. Dann habe ich mich auch noch mit Corona infiziert und musste für 14 Tage alleine in Quarantäne. Das hat mir komplett den Boden unter den Boden Füßen weggezogen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h3>Wie hast Du es geschafft, Dich aus dieser Phase rauszukämpfen und dann direkt bei Deinem Comeback den Grand Slam zu gewinnen?</h3>
<p>In dieser Zeit hat es mir sehr geholfen, über meine Situation zu schreiben und öffentlich über meine Situation zu reden. Ich habe, als ich aus der Quarantäne rauskam, wieder versucht, meinen Alltag als Profisportler anzugehen. Am Anfang hatte ich am Judo oder auch dem anderen Training noch gar keinen Spaß, aber nach einiger Zeit habe ich gemerkt, dass mir diese Routine sehr gut getan hat. Zwischendurch hatte ich auch wieder schlechte Wochen, in denen ich aber immer wieder die Unterstützung von Moritz (Sportpsychologe) und meinem engen Freundeskreis bekommen habe. Langsam wurden aus schlechten Wochen nur einzelne negative Tage und auch der Spaß am Training kam zurück. Für das Wettkampf-Comeback habe ich mir einen Zettel mit dem Datum des Wettkampfes in die Wohnung gehängt und mir immer wieder gesagt, dass ich jeden Tag alles geben werde, um dort Gold zu holen. „Egal was davor ist. Es kommt nur auf den Wettkampftag an. Wenn ich am 03.04. aufstehe, bin ich zu 100 % da“. Obwohl ich körperlich noch nicht bei 100 % war, hat mich dieser Satz durch den ganzen Wettkampf gebracht. Körperlich musste ich über meine Grenzen gehen, aber mein Kopf war immer bei der Sache und ich bin cool geblieben.</p>
<h3>Hast Du Tipps für betreuende Ärzte und Sportler, um solche Situation zu verarbeiten oder um solche Situationen zu vermeiden?</h3>
<p>Ich glaube, so Situationen zu vermeiden ist schwierig, weil man die Emotionen nicht verhindern kann, wenn diese hochkommen. Vielleicht sollte man den Sportlern bewusstmachen, dass es zu solchen Situationen kommen kann, dass es ok ist, so etwa zu erleben und dass man das nicht alleine durchstehen muss. Auch den Trainern sollten wir bewusst machen, dass dieser psychologische Aspekt des Leistungssports normal ist und dass durch eine optimale Betreuung und einem offenen Umgang mit mentalen Problemen sich die Leistung und die mentale Gesundheit des Sportlers verbessern kann. Diese Phasen gehören meiner Meinung nach zu der Entwicklung eines Sportlers oder wahrscheinlich auch bei anderen Menschen zum Leben dazu. Wichtig ist, dass man in dieser Zeit nicht alleine gelassen wird.</p>
<p>Oft werden die Aufgaben der Sportpsychologie fehlinterpretiert. In den meisten Fällen geht es nicht darum, einen Sportler zu behandeln, der krank oder schwach ist. Vielmehr geht es in der Sportpsychologie darum, neben den leistungssteigernden Bereichen im Spitzensport, die Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Zudem geht es um die Etablierung von Trainingsumgebungen im Bio-Psycho-Sozialen Kontext, bei dem die mentale Gesundheit und Selbstwirksamkeit der Athleten gestärkt und gefördert wird. Im Falle des Verdachtes einer psychischen Erkrankung stellt die Sportpsychologie den Kontakt zu Ärzten und Psychotherapeuten her, sodass den Athleten schnelle und wirksame Hilfe nach der Krisenintervention gegeben werden kann. Zudem konnte anhand mehrerer Studien gezeigt werden, dass regelmäßige Screenings und die Durchführung von Diagnostik, wie der SMHAT-1, bei der psychologischen Betreuung im Sport von großer Bedeutung sind, um Athleten vor psychischen Erkrankungen zu schützen oder sie frühzeitig zu erkennen [6].</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Das größte Problem bei psychischen Erkrankungen im Profisport stellt nach wie vor die Stigmatisierung durch Gesellschaft und Medien dar. Außerdem mangelt es immer noch an einer intensiven Aufklärung und Sensibilisierung der Medien, Sponsoren und vor allem der Funktionäre. Im Leistungssport ist Wertschätzung oft an Erfolg geknüpft. Die Aufgabe der Sportpsychologie/-psychiatrie/-medizin ist es, die Sportler in ihrer Gesamtheit zu sehen und würdigen. Dabei sollte die körperliche und seelische Gesundheit Vorrang vor sportlicher Leistung und Vermarktung haben. Nur körperlich und seelisch gesunde Athleten können das Maximum ihrer individuellen Leistungsfähigkeit erreichen und so am Ende um Medaillen und Titel kämpfen.</p>
<p><i>Literatur</i></p>
<p><i>[1] Gouttebarge, V., et al., Occurrence of mental health symptoms and disorders in current and former elite athletes: a systematic review and meta-analysis. Br J Sports Med, 2019. 53(11): p. 700 – 706.</i></p>
<p><i>[2] Reardon, C.L., et al., Mental health in elite athletes: International Olympic Committee consensus statement (2019). Br J Sports Med, 2019. 53(11): p. 667 – 699.</i></p>
<p><i>[3] Belz, J., et al., Stress and risk for depression in competitive athletes suffering from back pain &#8211; Do age and gender matter? Eur J Sport Sci, 2018. 18(7): p. 1029 – 1037.</i></p>
<p><i>[4] Rice, S.M., et al., The Mental Health of Elite Athletes: A Narrative Systematic Review. Sports Med, 2016. 46(9): p. 1333 – 53.</i></p>
<p><i>[5] Lambert, C., et al., Depressive symptoms among Olympic athletes during the Covid-19 pandemic. BMC Sports Sci Med Rehabil, 2022. 14(1): p. 36.</i></p>
<p><i>[6] Gouttebarge, V., et al., International Olympic Committee (IOC) Sport Mental Health Assessment Tool 1 (SMHAT-1) and Sport Mental Health Recognition Tool 1 (SMHRT-1): towards better support of athletes’ mental health. Br J Sports Med, 2021. 55(1): p. 30 – 37.</i></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Trendsport Surfen</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/11006/trendsport-surfen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Christophe Lambert,&#160;Martin Walz&#160;,&#160;Prof. Dr. med. Maurice Balke]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Mar 2022 07:53:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[01/22]]></category>
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					<description><![CDATA[Das ursprüngliche Surfen (Wellenreiten) ist eine jahrtausendalte Bewegungsform, dessen Ursprung im polynesischen Kulturraum zu finden ist. Aus sporthistorischer Sichtweise kann man den Beginn des modernen Surfens auf den Anfang des [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Das ursprüngliche Surfen (Wellenreiten) ist eine jahrtausendalte Bewegungsform, dessen Ursprung im polynesischen Kulturraum zu finden ist. Aus sporthistorischer Sichtweise kann man den Beginn des modernen Surfens auf den Anfang des 20. Jahrhunderts datieren.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duke_Kahanamoku">Duke Kahanamoku</a> aus Hawaii gewann 1912 die olympische Goldmedaille über 100m Freistil in Weltrekordzeit. Der damals 21-Jährige war zusätzlich ein sehr guter Surfer und wurde nach seinem Sieg weltweit zu Schwimm- und Surfvorführungen eingeladen. Seit diesem Zeitpunkt verbreitete sich der Surfsport außerhalb des polynesischen Kulturraumes und wurde bereits in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in Ländern wie Australien und den USA ein zunehmender Bestandteil einer damals noch neuen Bewegungs- und Freizeitkultur. Die Filmindustrie in Hollywood portraitierte Anfang dieses Jahrzehnts den Lifestyle der Wellenreiter und brachte diesen massentauglich in die Kinos. Die Beach Boys verbreiteten zeitglich die Surfmusik und prägten dadurch die damalige Musikkultur über die Subkulturen des Trends hinaus. Mit den Gründungen der ersten Verbände in derselben Epoche wurden auch die Grundlagen für Regelwerke und Lehre im Surfsport entworfen.</p>
<h2><b>Typische Verletzungen – Akute Verletzungen</b></h2>
<p>Studien konnten zeigen, dass in den meisten Fällen eine akute Verletzung durch einen Zusammenprall des Surfers mit einem Surfbrett verursacht wird &#8211; entweder durch das eines anderen Surfers oder durch das Eigene (insgesamt 45 %). Ein Sturz vom Surfbrett macht 36 % der Verletzungen aus, ein Aufprall auf den Meeresboden 18 %. Am häufigsten sind ­dabei Verletzungen im Bereich des Gesichts, der Schultern, der Kniegelenke und der Sprunggelenke zu verzeichnen [1]. An den Füßen treten sehr häufig Schnittverletzungen durch Zusammenstöße mit „scharfen“ Riffen oder einem Surfboard auf. Hierbei ist bei der Wundversorgung eine sorgfältige ­Reinigung ggf. ein Wunddebridement durchzuführen, da Fremdmaterial aus dem Riff oder Kunststoffe wie „Glasfasern“ oder „Polyurethane“ aus dem Surfboard zu einer Wund­infektion führen können. Manche Autoren empfehlen nach Wundnaht die Gabe einer prophylaktischen Antibiose [2]. Bis zur Entfernung der Fäden sollte nicht gesurft und die Wunde vor Salzwasser geschützt werden. Eine Surfpause von 7 – 10 Tagen erscheint hierbei empfehlenswert. Tritt solch eine Verletzungen während eines mehrtägigen Wettkampfes auf, sollte nach der Wundversorgung die Wunde vor jedem erneutem Surfen gut vor Wasser geschützt werden. Hierfür empfiehlt es sich, die Wunde mit „Steri-Strip-Wundverschlussstreifen“ zu bekleben. Zusätzlich können spezielle „VAC-Folien“ oder „Duschpflaster“ helfen, die Wunde für den Wettkampf zu verschließen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Verletzungen der Knie- und Sprunggelenke sind beim Surfen nach jetzigem Kenntnisstand auf zwei Hauptursachen ­zurückzuführen. 1. Sturz beim Surfen einer Welle mit ggf. Aufprall auf dem Riff (Abb. 1) und 2.Unkontrollierte Rotationsbewegungen im Knie- oder Sprunggelenk bei Durchführungen eines Trick-Maneuver. Eine Studie konnte zeigen, dass Knieverletzungen häufiger bei Wettkampfsurfern als bei Freizeitsurfern auftraten [1]. Ein Grund dafür könnte sein, dass durch die radikaleren Trick-Maneuver, wie „Airs“ und „Turns“, welche im Wettkampfsurfen notwendig sind, um Wertungspunkte zu sammeln, das Kniegelenk einer deutlich höheren biomechanischen Belastung ausgesetzt ist. Das berühmteste Beispiel für eine Knieverletzung im professionellen Surfen ist wahrscheinlich John John Florence. Der zweifache Weltmeister hatte sich Mitte 2019 eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes zugezogen und schon vier Monate nach Operation beim Pipe Master (dem wichtigsten Turnier der Welt) mit anliegender Knie-Orthese die Qualifikation für die Olympischen Spiele geschafft. Es sollte erwähnt werden, dass Florence sich Anfang 2021 auf dem kontralateralen Knie zusätzlich eine vordere Kreuzbandruptur zuzog. Bei akuten Verletzungen im Wettkampf, bei denen der Surfer weiter am Wettkampf teilnehmen muss, bietet das Tapen, wie es in anderen Sportarten sehr beliebt ist, durch den andauernden Kontakt mit Wasser, keine zuverlässige Option zur Stabilisierung der Extremitäten. Hier sollten eher feste Orthesen für die kurzfristige, externe Stabilisierung zum Einsatz kommen.</p>
<figure id="attachment_11016" aria-describedby="caption-attachment-11016" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="size-full wp-image-11016" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert1_saez0122.jpg" alt="" width="1200" height="801" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert1_saez0122.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert1_saez0122-300x200.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert1_saez0122-1024x684.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert1_saez0122-768x513.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert1_saez0122-150x100.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert1_saez0122-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-11016" class="wp-caption-text">Abb. 1 Sturz im Hobbysurfen mit erhöhtem Verletzungsrisiko Foto: C. Lambert</figcaption></figure>
<figure id="attachment_11015" aria-describedby="caption-attachment-11015" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="size-full wp-image-11015" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert2_saez0122.jpg" alt="" width="1200" height="800" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert2_saez0122.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert2_saez0122-300x200.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert2_saez0122-1024x683.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert2_saez0122-768x512.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert2_saez0122-150x100.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert2_saez0122-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-11015" class="wp-caption-text">Abb. 2 Profisurfer mit radikalem „Top Turn“ mit starker<br />Rotationsbelastungen der unteren Extremitäten<br />Foto: G. Steinert</figcaption></figure>
<h2><b>Typische Verletzungen – Chronische Verletzungen</b></h2>
<p>Im Wettkampfsurfen sind die chronische Verletzungen am häufigsten im unteren Rücken (23,3 %), Schulter-Gelenke (22,4 %) und Knie (12,1 %) lokalisiert [3]. Die Pathogenese von chronischen Verletzungen im Wettkampfsurfen hat meist die Ursache in zu hoher, wiederholter Belastungsdosierung über die Saison hinweg. Dies hat zur Folge, dass sich die Gewebestrukturen nicht anpassen können und verkürzen. Meist ist der Knochen-Muskel-Bandapparat von solchen Überdosierungen betroffen [3]. Die Ursachen liegen am häufigsten in der Wechselwirkung von minderwertig trainierten Muskelbereichen, falscher Belastungsdosierung und den hohen Kräften und explosiven Richtungsänderungen, welche bei den Turns auf den Körper wirken. In den letzten Jahren sind durch eine zunehmende Professionalisierung im Wettkampfsurfen die Trainingsumfänge und die Anzahl an Wettkämpfen deutlich gestiegen. Diese neue Belastung ist für viele Athleten noch schwer einschätzbar, umso wichtiger erscheint eine professionelle Trainingssteuerung und medizinische Betreuung. Hier erscheint es sinnvoll, dass sowohl Profi- als auch Freizeitsurfer in der Surffreien-Zeit ein Kräftigungsprogramm der unteren Extremitäten durchführen, um sich besser vor den Belastungen und Risiken des Surfens zu schützen. Das Präventionstraining, um Verletzungen der unteren Extremität reduzieren zu können, bekommt im Surfsport eine immer zentralere Rolle.</p>
<figure id="attachment_11014" aria-describedby="caption-attachment-11014" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-11014" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert3_saez0122.jpg" alt="" width="1200" height="830" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert3_saez0122.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert3_saez0122-300x208.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert3_saez0122-1024x708.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert3_saez0122-768x531.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert3_saez0122-150x104.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert3_saez0122-450x311.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-11014" class="wp-caption-text">Abb. 3 Hobbysportler mit deutlich weniger radikalerem „Top-Turn“ und weniger Rotationsbelastungen der<br />unteren Extremitäten. Foto: C. Lambert</figcaption></figure>
<h2><b>Besonderheit der professionellen Betreuung im Surfen</b></h2>
<p>Die neue olympische Sportart Surfen (Wellenreiten) hat im Vergleich mit klassischen olympischen Sportarten spezielle Wettkampfstrukturen und Trainingsanforderungen. Die Dezentralität der Trainingsstätten (kein Nationalmannschaftsathlet lebt in Deutschland) sowie die ständig wechselnden Wettkampfbedingungen (Klima, Wassertemperatur, Wellenarten, Wetter, Dünung, etc…) bzw. die weltweit wechselnden Wettkampforte sind im professionellen Surfsport für Team und Athleten sehr fordernd. Die Notwendigkeit von flexibler und über Landesgrenzen hinaus verfügbarer Beratung, Coaching und Hilfestellung für Athleten und Trainer ist von hoher Bedeutung. Die zeitliche Trainings- und Wettkampf­saisonroutine der Kaderathleten besteht zu ca. 30 % des Jahres aus Training am Lebensmittelpunkt und zu 70 % aus Wettkampf- und Trainingsreisen, zusammen mit Teamkameraden und Trainern. Leistungsdiagnostik, Trainingssteuerung, Verlaufsanalysen, sportme­dizinische Screenings und das Coaching sind im Surf Team Germany speziell auf den Surfsport ausgerichtet. Eine Ergänzung um portable Geräte, wie z. B. Ultraschall und Stoßwellentherapie, kann einen weitere Mehrwert bieten. Ebenso eine telemedizinische Betreuung. Die Trainingskonzeption beinhaltet aktuelle wissenschaftliche und praktische Erkenntnisse aus Leistungsphysiologie, Biomechanik und Bewegungswissenschaften, Sportpsychologie, Trainingswissenschaft und Sportmedizin/-psychiatrie, um einer zeitgerechten Ath­letenbetreuung im Bundeskader gerecht zu werden. Gerade in einer Sportart, die zum heutigen Zeitpunkt oft als „Spaßsport“ abgetan wird, ist die Implementierung solcher Strukturen notwendig, um im internationalen Vergleich erfolgreich zu sein.</p>
<h2><b>Exkurs: Andere im DWV vertretene Sportarten</b></h2>
<h3><b>Stand Up Paddling (SUP)</b></h3>
<p>SUP ist ein Ableger des Surfens. Im Gegensatz zum herkömmlichen Surfen, bei dem der Fahrer sitzt, bis eine Welle kommt und sich auf dem Bauch liegend mit den Armen in die Welle paddelt, stehen Stand Up Paddel Boarder auf ihren Brettern und treiben sich mit einem Stechpaddel durch das Wasser an. SUP ist einer der am schnellsten wachsenden Wassersportarten – eine Kombination aus Kajak und Surfen. Die entsprechenden Bretter sind länger, breiter und haben mehr Auftrieb (Volumen) als herkömmliche Surfbretter. Insbesondere nach Einführung der aufblasbaren Boards (inflatable SUP – iSUP) war die Transport- und Lagerfähigkeit der Bretter deutlich erleichtert, was zur starken Verbreitung der Sportart beigetragen hat. SUP wird sowohl als reine Freizeitaktivität also auch als Wettkampfsport mit verschiedenen Disziplinen wie Sprint- oder Distanz-Rennen ausgeführt. Verschiedene Gewässer mit verschiedenen Einsatzarten des SUP, wie z.B. Paddeln auf ruhigen Seen, Touren auf Flüssen, Surfen in der Welle oder Einsatz im Wildwasser führen zu unterschiedlichen Beanspruchungen mit entsprechendem Verletzungsrisiko. Trotz der inzwischen großen Verbreitung des Sports sind Daten zum Verletzungsrisiko kaum verfügbar. Hierzu wurden kürzlich die Ergebnisse einer online Umfrage mit insgesamt 438 Teilnehmern (48 % Frauen, 52 % Männer) veröffentlicht [4]. Das mittlere Alter betrug 45 (8 – 82) Jahre. 19,6 % nahmen an Wettkämpfen teil, 17 % (72) gaben an, in den letzten 12 Monaten eine Verletzung beim SUP gehabt zu haben. Die häufigsten Verletzungs­mechanismen waren „Überlastung“ (29), „Kontakt mit dem Brett“ (18) und „Kontakt mit dem Untergrund“ (12). Am häufigsten waren Muskeln/Sehnen und Gelenke betroffen, insbesondere an Oberarm/Schulter (20), Handgelenk/Hand (18), Knie (16), Ellenbogen/­Unterarm (12) und Fuß (11). Das Verletzungsrisiko war am höchsten im Wildwasser (33,3 %), gefolgt vom SUP-Surfen in der Welle (30,0 %) und am niedrigsten beim Paddeln auf einem See (16,1 %). Beim SUP im Wildwasser und beim SUP Surfen in der Welle ist die Verletzungsrate relativ hoch, beim Paddeln auf einem See oder ruhigen Fluss niedrig. Die meisten Verletzungen entstehen durch Überlastung oder Kontakt mit dem Brett oder Untergrund. Besonders häufig sind die obere Extremität, Knie und Fuß betroffen. Insgesamt handelt es sich beim SUP jedoch um einen sehr sicheren Sport, der von nahezu allen Altersklassen sowohl als Wettkampfsport, jedoch auch als reine Freizeit­aktivität ausgeführt werden kann.</p>
<figure id="attachment_11013" aria-describedby="caption-attachment-11013" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-11013" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert4_saez0122.jpg" alt="" width="1200" height="800" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert4_saez0122.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert4_saez0122-300x200.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert4_saez0122-1024x683.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert4_saez0122-768x512.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert4_saez0122-150x100.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert4_saez0122-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-11013" class="wp-caption-text">Abb. 4 SUP-Tour mit der 3-fachen Weltmeisterin Sonni Höhnscheid. Foto: Andy Klotz Fotografie</figcaption></figure>
<h3><b>Rapid Surfen</b></h3>
<p>Rapid Surfen, das Surfen auf stehenden, z. T. künstlich erschaffenen Wellen (Flußwellen wie am Eisbach München oder Wellenanlagen wie z. B. in Langenfeld (Abb. 5) ist ein Wassersport, der bei „landlocked“ Surfern immer beliebter wird. Auch Sportler ohne Vorerfahrung im Surfen im Meer erfreuen sich dieser neuen Sportart zunehmend. Rapid Surfen wird als reine Freizeitaktivität wie auch als Wettkampfsport betrieben. Gerade in Ländern wie Deutschland ohne eigene „echte“ Surfspots ermöglichen stehende Wellen den Einstieg in den Surfsport und eine Trainingsmöglichkeit. Obwohl der Sport immer weiter wächst, sind noch keine Daten zum Verletzungsrisiko verfügbar. Hierzu wird aktuell durch Mitglieder des <a href="https://wellenreitverband.de/">DWV</a> und <a href="https://surfmedizin.org/">Surfmedizin e.V.</a>  ebenfalls eine Umfrage zur Erhebung der Verletzungen durch­geführt. Auch wenn diese noch nicht abgeschlossen ist, so zeigt sich in den Zwischenergebnissen, dass die häufigsten Verletzungsmechanismen „Kontakt mit dem Untergrund“, „Kontakt mit dem Brett“ und „Kontakt mit den Finnen“ sind. Die häufigsten Verletzungen sind Prellungen/Quetschungen, Schürfwunden, Schnittverletzungen und Platz-/Risswunden. Besonders häufig sind die unteren Extremitäten, Kopf/Gesicht und der untere Rücken betroffen. Zur genaueren Einschätzung typischer Verletzungen und ggf. Empfehlung von Sicherheitsausrüstung, bleibt die Endauswertung der Studie abzuwarten.</p>
<figure id="attachment_11012" aria-describedby="caption-attachment-11012" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-11012" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert5_saez0122.jpg" alt="" width="1200" height="801" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert5_saez0122.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert5_saez0122-300x200.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert5_saez0122-1024x684.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert5_saez0122-768x513.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert5_saez0122-150x100.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert5_saez0122-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-11012" class="wp-caption-text">Abb. 5 Rapid-Surfer Louis Thiele in spezieller Wellenanlage auf einer stehenden Welle. Foto: M. Balke</figcaption></figure>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Insbesondere durch die Aufnahme des Surfens als Olympische Sportart und die Entwicklung „neuer“ assoziierter Disziplinen entwickelt sich die Sportart auch in Ländern wie Deutschland rasant weiter. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, typische Verletzungen und Risiken zu kennen, um entsprechende Behandlungen, insbesondere jedoch auch Prävention betreiben zu können.</p>
<p><i>Literatur</i></p>
<p><i>[1] Furness J, Hing W, Walsh J, Abbott A, Sheppard JM, Climstein M. Acute injuries in recreational and competitive surfers: incidence, severity, location, type, and mechanism. The American journal of sports medicine. May 2015;43(5):1246 – 54.doi:10.1177/0363546514567062</i></p>
<p><i>[2] Rudolph R. Management of Surfing Injuries: A Plastic Surgeon’s Viewpoint. Phys Sportsmed. </i><i>Mar 1989;17(3):110-6. doi:10.1080/00913847.</i><i>1989.11709734</i></p>
<p><i>[3] Furness J, Hing, W., Abbott et al. Retrospective analysis of chronic injuries in recreational and competitive surfers: Injury location, type, and mechanism. International Journal of Aquatic Research and Education. 2014;8(3)doi:https://doi.org/10.1123/ijare.2013-0032</i></p>
<p><i>[4] Balke M, Fischer M, Kegler T, Hoher J, Balke M. Injuries and Use of Safety Equipment in </i><i>Stand-up Paddle Boarding. Orthopaedic journal of sports medicine. Aug 2021;9(8):2325967121<br />
1022681. doi:10.1177/23259671211022681</i></p>
<aside class="alignright"><b>Der Deutsche Wellenreitverband (DWV e.V.)<br />
</b>Der <a href="https://wellenreitverband.de/">DWV e.V.</a> ist seit 1991 der nationale Dachverband der deutschen Surfer, der den Leistungssportbereich, Breitensport und „Adaptive“ (Menschen mit Behinderung) Surfsport repräsentiert. Als 2016 bekannt wurde, Wellenreiten in das Programm der Olympischen Spiele 2020 aufzunehmen, begann ein rapider Wandlungsprozess im Deutschen Wellenreitverband. Seit 2017 ist der DWV als Spitzensportverband Mitglied im DOSB. Neben dem durch Bundesmittel geförderten olympischen Bereich „Shortboarden“ entwickeln sich auch andere Wellenreitsportarten im DWV weiter. Vor allem der Bereich Rapid Surfing – also das Surfen auf einer stehenden Wellen wie am Münchner Eisbach, ermöglicht mehr und mehr Menschen in Deutschland einen ersten Kontakt zum Wellenreiten und bringt diese vermehrt in Surfvereinen zusammen. Zudem werden derzeit mehrere Projekte zum Bau von Wellen-Pools in Deutschland geplant und bereits umgesetzt. Diese Anlagen, bei dem ozeanähnliche Wellen durch einen See rollen, könnten in Zukunft nicht nur als Trainingsstätte von Surf Team Germany dienen, sondern den Wellenreitsport in Deutschland als Breiten- und Freizeitsport noch weiter etablieren. Auch durch die zunehmende Beliebtheit des Stand Up Paddling, wobei sich die Sportler mit einem Stechpaddel auf einem Brett stehend antreiben, wird das Interesse am Surfsport auch in einem eher „wellenlosen“ Land wie Deutschland zunehmend geweckt. Zusätzlich konnte das Surfen durch die erstmalige Teilnahme an den Olympischen Spielen 2021 in Tokio eine breite Masse an Publikum ansprechen. Surfen war einer der Gewinner der neu eingeführten Sportarten in Tokio.</aside>
<aside></aside>
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