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	<title>Prof. Dr. med. Egbert J. Seidel, Autor bei sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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	<item>
		<title>Motor Function Neuroscience Education</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/17285/motor-function-neuroscience-education/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Egbert J. Seidel&#160;,&#160;Prof. Dr. med. habil. Lothar Beyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Sep 2024 09:05:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/24]]></category>
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					<description><![CDATA[Ausgehend von der zunehmend anerkannten Feststellung, dass Störungen von Haltung und Bewegung die Ursachen von Beschwerden, Verletzungen und Schmerzen sind, unter denen Millionen von Menschen in allen Lebensbereichen leiden und [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Ausgehend von der zunehmend anerkannten Feststellung, dass Störungen von Haltung und Bewegung die Ursachen von Beschwerden, Verletzungen und Schmerzen sind, unter denen Millionen von Menschen in allen Lebensbereichen leiden und ihre Teilnahme an den Aktivitäten des Lebens und im Beruf einschränken, haben sich Wissenschaftler und praktisch tätige Ärzte in den letzten Jahren dieser Problematik gewidmet und Erkenntnisse und Erfahrungen zusammengetragen und unter dem Begriff „Funktionsmedizin“ in einem Buch zusammengefasst [1].<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Funktionsmedizin orientiert sich am Kontinuum von Gesundheit (Funktion) über verschiedene Stufen von Beschwerden und Einschränkungen (Funktionsstörungen) bis hin zu Krankheitsbildern (Funktionskrankheiten), wie sie auch in der internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der WHO definiert werden. Die praktische Zielstellung und der gesundheitspolitische Nutzen einer Funktionsmedizin liegt in der Erhaltung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit unter Berücksichtigung unterschiedlicher Alters- und Leistungsstufen. Die Analyse und systemische Betrachtung der einzelnen Organfunktionen zur Energiegewinnung und des Informationsaustausches bei der Absicherung der vielfältigen Bewegungsanforderungen schafft eine Grundlage für die Prävention der genannten Problemkreise, wobei im Freizeitbereich die Prophylaxe von Verletzungen durchaus einen zentralen Platz einnimmt [2].</p>
<p>Wir sind der Auffassung, dass auf der Basis eines betont funktionellen Herangehens <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<ul>
<li>Präventionsmaßnahmen gezielter entwickelt werden und frühzeitiger eingesetzt werden können,</li>
<li>zielführendere und standardisiert messbare Parameter zur Diagnose der Funktionsstörungen bereitgestellt werden und,</li>
<li>um eine hohe Güte der diagnostisch-therapeutischen Leistungen der Therapeuten und detaillierter Kenntnisse bei den Sporttreibenden und ihren Betreuern zu erreichen, ist eine wissenschaftliche Aufklärung und Schulung von Therapeuten und Sporttreibenden im Sinne einer „Motor Function Neuroscience Education“ zu entwickeln.</li>
</ul>
<p>Die folgenden von einer Arbeitsgruppe Funktionsmedizin aufgestellten Thesen bilden für die<span class="Apple-converted-space">  </span>Formulierung der einzelnen Ziele und detaillierten Aufgaben die Richtschnur [3]:</p>
<h2><b>Mechanismen von Funktionsstörungen<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h2>
<ol>
<li>Das Bewegungssystem als funktionelles System dient primär der Befriedigung körperlicher und sozialer Bedürf­nisse des Menschen, z. B. Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung, Arbeit, Kommunikation (hedonisches System).</li>
<li>Die Interaktion mit anderen Funktionssystemen der Energiebereitstellung (Verdauungssystem, Herz-Kreislaufsystem) und des Hormon- und Immunsystems ist die Grundvoraussetzung für eine gute Funktion des Bewegungssystems.</li>
<li>Das Zentralnervensystem (ZNS) ist die übergeordnete Regulationsinstanz und selbst hierarchisch aufgebaut.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Funktionsstörungen sind als Abweichung des physiologischen Soll- vom Ist-Zustand (messbare Größen) oder als verstellter Sollwert definiert.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Die muskuläre und arthromuskuläre Balance als Grundlage für den alltäglichen Gebrauch und damit Umsetzung der Teil-Funktionen im Zusammenwirken unterliegt einem multi-<br />
faktoriellen Bedingungsgefüge und Kontextfaktoren.</li>
<li>Einzelne Funktionen sind miteinander verbunden. Sie ergänzen, kompensieren und beeinflussen sich gegenseitig in einem funktionellen System, welches selbstorganisierend ökonomisierend ist.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Wenn eine partielle Funktion im Zusammenwirken mit den anderen Funktionen bei der gemeinsamen Absicherung einer Leistung instabil wird, benötigen die anderen Funktionen eine funktionelle Reagibilität, um zu kompensieren / anpassen zu können. Ist dies nicht mehr möglich, wird es zu einer Ursache für die Wahrnehmung von Schmerz.</li>
<li>Bewegungsmangel führt durch fehlende Reize zu einer Verminderung der Reagibilität als Maladaptation. Daraus entwickeln sich eine Reihe von Folgeprozessen, die u. a. mit den nun nicht mehr vom Muskel bei Aktivität freigesetzten Botenstoffen – Myokine zusammenhängen (IL-6, u. a.)</li>
<li>Ursachen von Funktionsstörungen jeweils unter Beachtung von Alter, Geschlecht und individueller Konstitution (z. B. Spezialisierung) sind: Bewegungsmangel, Fehl- und Überlastungen, Ermüdung (zentral und / oder peripher), Widerspruch zwischen Belastung und Belastbarkeit, ungenügende konditionelle und koordinative Fähigkeiten</li>
<li>Die Überforderung der Kompen­sationsfähigkeit führt zur symptomatischen Funktionsstörung. Einzelne Funktionsstörungen können plötzlich entstehen, wenn Beanspruchungsschwellen überschritten werden – Kipppunkte, Reversibilität ist möglich.</li>
<li>Funktionsstörungen bilden sich als pathogenetische Muster mit funktionellen Abweichungen und subjektiven Wahrnehmungen ab; sie führen zu weiterer vermehrter Belastung / Fehlbelastung von Strukturen / Geweben und formieren die Zustände, welche mit erhöhter Verletzungshäufigkeit einhergehen.</li>
</ol>
<p>Für die geforderte Motor Function Neuroscience Education liegt eine hohe Evidenz der erklärenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zum funktionellen System der menschlichen Bewegungskontrolle sowie der klinischen Erkenntnisse aus Rehabilitation, Manueller Medizin und Sportmedizin vor [1, 3].</p>
<h2><b>Sportmedizinische Praxis</b></h2>
<p>Ein besonders herausragendes Beispiel für die Bewegungskontrolle ist der M. popliteus im Bereich des Kniegelenks.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Er hat für die Sensoren des Kniegelenkes die wichtige Funktion für die Kapselspannung, die Translokationsbewegung und damit für die Sicherung der Gelenkfunktion, vor allem bei exzen­trischen Belastungsformen. Damit erfüllt er eine Verletzungspräventionsfunktion, obwohl er hinsichtlich der Extension und Flexion keine wesentlichen Kraftvektoren entfaltet [4 – 6]. Obwohl M. popliteus in der Beugerloge des Unterschenkels liegt (Abb. 1) , entfaltet er nur eine geringe Beugewirkung ab einer Beugung des Kniegelenkes über 90°. Dabei zieht er schützend das Hinterhorn des lateralen Meniskus nach posterior und caudal. Seine wichtigste Funktion ist jedoch die Innenrotation der Tibia mit Aufhebung der Schlussrotation des Kniegelenkes [6]. Mit diesen Funktionen der Kapselstraffung, der Gelenkkörperzentrierung und der Aufhebung der Schlussrotation hat er wesentliche verletzungspräventive Eigenschaften.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<figure id="attachment_17286" aria-describedby="caption-attachment-17286" style="width: 1600px" class="wp-caption aligncenter"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-17286" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel1_saez0324.jpg" alt="" width="1600" height="2320" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel1_saez0324.jpg 1324w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel1_saez0324-207x300.jpg 207w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel1_saez0324-706x1024.jpg 706w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel1_saez0324-768x1114.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel1_saez0324-1059x1536.jpg 1059w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel1_saez0324-1412x2048.jpg 1412w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel1_saez0324-150x218.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel1_saez0324-450x653.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel1_saez0324-1200x1740.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1600px) 100vw, 1600px" /><figcaption id="caption-attachment-17286" class="wp-caption-text">Abb. 1 Zeichnung Petra Günther ©2024</figcaption></figure>
<p>Kommt es zu Verletzungen des Kreuzbandes (LCA-Ruptur), finden wir im MRT oft auch Läsionen des M. popliteus, welche jedoch häufig weder bei der Bildauswertung noch beim klinischen Befund Beachtung findet (Abb. 2 a – c). Dabei spielt er in der Rehabilitation dieser Verletzung eine entscheidende Rolle, um Re-Rupturen zu vermeiden. Nur durch eine Kokontraktion des M. popliteus kann somit die optimale Gelenkpartnerstellung justiert werden und dies bei jeder Gelenkstellung und jeder Belastung. Seine Kokontraktion ist nur aktiv untersuchbar, alle passiven Untersuchungen der Gelenke geben nur Auskunft zu Bändern, Kapseln, Menisci, einschließlich der Faszien [4].</p>
<figure id="attachment_17288" aria-describedby="caption-attachment-17288" style="width: 697px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="size-full wp-image-17288" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel2_saez0324-scaled.jpg" alt="" width="697" height="2560" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel2_saez0324-scaled.jpg 523w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel2_saez0324-82x300.jpg 82w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel2_saez0324-279x1024.jpg 279w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel2_saez0324-768x2822.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel2_saez0324-418x1536.jpg 418w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel2_saez0324-150x551.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel2_saez0324-450x1653.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/Seidel2_saez0324-1200x4409.jpg 1200w" sizes="(max-width: 697px) 100vw, 697px" /><figcaption id="caption-attachment-17288" class="wp-caption-text">Abb. 2 a-c MRT-Kniegelenk: Verletzung des M.popliteus nach Trauma mit Kreuzbandruptur.<br />© Mit freundlicher Genehmigung von C. Dannenberg &amp; E. Seidel/ 2017</figcaption></figure>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<ol>
<li>Beyer L, Liefring V., Niemier K. und Seidel E. (2023) Funktionsmedizin – Funktion, Störung, Krankheit. Kiener Verlag</li>
<li>Beyer L et al. (2015) Präventive manualmedizinische Untersuchung bei Läufern. Manuelle Medizin 2015 DOI 10.1007/s00337-015-1236-3</li>
<li>Beyer L. Niemier K. (2018) Funktionsstörungen am Bewegungssystem. Manuelle Medizin 2018 · 56:293–299; <a href="https://doi.org/10.1007/s00337-018-0437-y">https://doi.org/10.1007/s00337-018-0437-y</a></li>
<li>Seidel E. J. (2023) Ko-Kontraktionen &#8211; Unverstandene Muskelinteraktionen in Praxis und Sport Sportärztezeitung 4/2023; S. 60 – 63 ISSN 2365-875467</li>
<li>Tittel, K.; u. M. Seidel, E.J. (2016)Beschreibende und Funktionelle Anatomie<br />
Auflage, Kiener-Verlag, 2016; 528 Seiten; ISBN 978-3-943324-72-3</li>
<li>Tittel K. (2015) Muscle Slings in Sport &#8211; Analysing Movements in Various Disciplines Kiener Verlag München, 1st edition 2015, ISBN 978-3-943324-41</li>
</ol>
<hr />
<p><b></b><img decoding="async" class=" wp-image-17287 alignleft" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/SeidelBuch_saez0324.jpg" alt="" width="272" height="313" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/SeidelBuch_saez0324.jpg 1600w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/SeidelBuch_saez0324-260x300.jpg 260w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/SeidelBuch_saez0324-889x1024.jpg 889w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/SeidelBuch_saez0324-768x885.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/SeidelBuch_saez0324-1333x1536.jpg 1333w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/SeidelBuch_saez0324-150x173.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/SeidelBuch_saez0324-450x519.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/09/SeidelBuch_saez0324-1200x1383.jpg 1200w" sizes="(max-width: 272px) 100vw, 272px" /></p>
<p><a href="https://t1p.de/faxvx" target="_blank" rel="noopener"><b>Funktion – Störung –Krankheit<br />
Funktionsmedizin<span class="Apple-converted-space">  </span>des Bewegungssystems</b></a></p>
<p><b>» Lothar Beyer, Volker Liefring,<span class="Apple-converted-space">  </span>Kay Niemier, Egbert Seidel / ISBN: 9783948442248</b></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ko-Kontraktionen</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/14855/ko-kontraktionen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Egbert J. Seidel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Nov 2023 09:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[04/23]]></category>
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					<description><![CDATA[In der sportmedizinischen Betreuung arbeiten mehrere Professionen (Ärzte, Therapeuten, Sportwissenschaftler, Psychologen, Pädagogen) eng zusammen. Dabei sind diese auf eine einheitliche wissenschaftliche Sprache in der Kommunikation angewiesen. Nicht selten wird aneinander [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>In der sportmedizinischen Betreuung arbeiten mehrere Professionen (Ärzte, Therapeuten, Sportwissenschaftler, Psychologen, Pädagogen) eng zusammen. Dabei sind diese auf eine einheitliche wissenschaftliche Sprache in der Kommunikation angewiesen. Nicht selten wird aneinander vorbeigeredet oder unwissenschaftliche Bezeichnungen sind der fehlenden diagnostischen und therapeutischen Kompetenz geschuldet.</b></p>
<p>Begriffe wie Erdung, Energiefluss, Schlacken, Irisdiagnostik oder unwissenschaftliche Therapieformen (Reiki, Blaulichttherapie, statische Magnetfeldtherapie mittels Armreifen und Bändern) gefährden diese Kommunikation und helfen den betreuten Sportlern nicht. Das Grundlagenwissen zu den wissenschaftlichen Teilgebieten der Sport-(physio)therapie, Manuellen Medizin, Funktionsmedizin [6, 41, 46, 63, 64, 67] muss dafür von allen anwendungsbereit vorgehalten werden. Das Betreuungsteam muss sich bei der Kommunikation auf einen einheitlichen wissenschaft­lichen Sprachgebrauch einigen, nur dann gelingt eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Die Erkrankungen und Verletzungen von Sportlern erfordern immer einen multimodalen, interdisziplinären Therapieansatz eines multiprofessionellen Teams [63, 64]. Zu diesem sollte immer neben einem Facharzt/Arzt mit der Zusatzbezeichnung Sportmedizin ein Sportwissenschaftler und ein Thera­peutenteam gehören. Die Basis für den gemeinsamen Sprachgebrauch sind die wissenschaftlichen Definitionen der Konsensuskonferenz für die Physikalische und Rehabilitative Medizin der D-A-CH-Gesellschaften [64]. Weiterhin werden im Folgenden auch die wissenschaftlichen Definitionen und Begriffe aus den Standardwerken der Sportmedizin im Bereich der Leistungsphysiologie und Funktionsmedizin aufgegriffen [6, 64, 67]. Begriffe wie Balance-­Dys­balance, Funktion-Dysfunktion, Stereotyp-­Stereotypstörung, Ko-Kontraktionen (KK) und Synkinesen müssen in Normwert-Modelle eingeordnet werden und immer sportartspezifisch im Sinne einer Spezialnorm bewertet werden (Abb. 1).</p>
<figure id="attachment_15022" aria-describedby="caption-attachment-15022" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15022" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel1_saez0423.png" alt="" width="1200" height="554" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel1_saez0423.png 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel1_saez0423-300x139.png 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel1_saez0423-1024x473.png 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel1_saez0423-768x355.png 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel1_saez0423-150x69.png 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel1_saez0423-450x208.png 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-15022" class="wp-caption-text">Abb. 1 Normbezüge verschiedener Anwender <br />[63, 64 (mit frdl. Genehmigung Kiener-Verlag 2023) © thesportgroup GmbH]</figcaption></figure>
<h2><b>Dysbalance</b></h2>
<p>Viel komplizierter wird es bei der Beurteilung von primären und sekundären Funktionsstörungen bei Sportlern. Dabei rufen Adaptationen oder Maladaptationen Veränderungen einzelner Elemente / Komponenten der Funktion hervor (z. B. Kokontraktorenanteil, konditionelle Fähigkeiten) und werden oft als Dysbalancen beschrieben. Der Begriff Dysbalancen darf dabei noch keine Bewertung darstellen. Dysbalancen sind aber häufig ein wichtiger Kontextfaktor für die Entwicklung von Funktionsstörungen. Der weit verbreitete Begriff der „Dysbalance“ ist unter den einzelnen Professionen (Ärzte / Therapeuten) völlig unterschiedlich besetzt. Dysbalancen dürfen auf keinen Fall mit Funktionsstörungen gleichgesetzt werden. Im Gegenteil, Dysbalancen sichern die physiologische Funktion unter veränderten Kontextfaktoren / Umweltbedingungen weiterhin ab.</p>
<h2><b>Definition Balance</b></h2>
<p>Balance kennzeichnet einen Zustand eines Systems, in dem die systemimmanenten Faktoren (konditionellen Fähigkeiten) des Systems seine physiologische Funktion ermöglichen, es ist in Balance [63]. Balance ist die Grundlage einer physiologischen Funktion – über alle Organsysteme hinweg. Hier sind<br />
z. B. die Qualität der Sensomotorik, der Statik inkl. der Haltefunktionen, aber auch der Perfusionsdruck als hämo­dynamische Kenngrößen zu erwähnen. Weitere Beispiele mit wissenschaftlichen Grundlagen in den Lehrbüchern „Beschreibende und funktionelle Anatomie“ [67] und „Funktionsmedizin“ [6].</p>
<h2><b>Definition und Kontextfaktoren der Muskulären Balance </b></h2>
<p>Muskuläre Balance besteht, wenn die muskulären konditionellen Fähigkeiten (früher der Agonisten / Antagonisten) der Synergisten und Kokontraktoren sowie der muskulären Funktionsketten im Rahmen existierender Kontextfaktoren der Bewegung und Haltung deren physiologischen Gebrauch ermöglichen [63]. Zu den Kontextfaktoren der muskulären Balance gehören [46, 63, 64]:</p>
<ul>
<li>Individualität der Morphologie (z. B. Hypo- oder Hypermobilität; Bindegewebsaufbau)</li>
<li>Asymmetrie</li>
<li>Geschlecht</li>
<li>Alter</li>
<li>Psychotonus</li>
<li>persönliche und soziale KF</li>
<li>Wichtige Parameter, welche eine Balance des muskuloskelettalen Systems kennzeichnen, sind [63,64]:</li>
<li>Stereotypien</li>
<li>Synkinesen</li>
<li>Ko-Kontraktionen (KK)</li>
<li>Muskelfunktionsketten (Bewegungsstabilisation,Muskelschlingen)</li>
<li>Kineme, als angeborene Bewegungsmuster (Streck- und Beugekineme)</li>
</ul>
<p>An dieser Stelle muss aus Kapazitätsgründen auf die weiterführende Literatur verwiesen werden [6]. Es wird im Folgenden nur die Frage beurteilt, wie gehen wir in der Sportmedizin mit KK um, welche sportartspezifische Rolle spielen diese in der Bewertung hinsichtlich Diagnostik und Therapie.</p>
<h2><b>Ko-Kontraktionen </b></h2>
<p>Sie sichern die Durchführung einer Funktion so ab, dass die Gelenkpartner sowohl hinsichtlich ihrer biomechanischen Zuordnung als auch hinsichtlich der Stabilisierung durch Kapsel, Bänder und Faszien die optimale Ausführung der Funktion ohne Gewebeschädigung ermöglichen [6, 46]. Die frühere Bezeichnung einzelner Muskeln mit Agonist und Antagonist machen diesen Sachverhalt nicht deutlich, da es sich immer um ein Zusammenspiel der muskulären Funktionsmuster und nicht um gegensätzliches Agieren handelt. Kokontraktoren (KKen) sind Synergisten.</p>
<h2><b>Praxis</b></h2>
<p>So spielt der M. popliteus im Bereich des Kniegelenks eine sehr wichtige Rolle für die Kapselspannung, die Translokationsbewegung und damit für die Sicherung der Gelenkfunktion, vor allem bei exzentrischen Belastungsformen. Damit erfüllt er eine Verletzungspräventionsfunktion, obwohl er hinsichtlich der Extension und Flexion keine Kraftvektoren entfaltet. Kommt es zu Verletzungen des Kreuzbandes (LCA-Ruptur), finden wir im MRT oft auch Läsionen des M. popliteus, welche jedoch häufig weder bei der Bildauswertung noch beim klinischen Befund Beachtung finden. Dabei spielt er in der Rehabi­li­tation dieser Verletzung eine entscheidende Rolle, um Re-Rupturen zu vermeiden. Nur durch KKen kann die optimale Gelenkpartnerstellung justiert werden und dies bei jeder Gelenkstellung und jeder Belastung. Diese ist nur aktiv untersuchbar, alle passiven Untersuchungen der Gelenke geben nur Auskunft zu Bändern, Kapseln, Menisci einschließlich Faszien.</p>
<p>Merke: Am Kniegelenk ist es entscheidend, ob der Winkel unter 60° Flexion ist (Gehen), über 60 – 90 ° (Radfahren, Treppensteigen) oder über 90° (Tiefkniebeuge) ist. Die Aktivität der KKen verändern sich auch, wenn man ohne oder mit Gewicht geht, Treppe steigt, oder seine „optimale“ Gehgeschwindigkeit verändert – das Drehmoment im betrachteten Gelenk  ist für die KK von entscheidender Bedeutung ist (siehe auch multi-joint-training) [6, 63]. Ist die optimale Gehgeschwindigkeit zwischen 4,9 und 5,1 km/h und man geht langsamer, nehmen die KK zu. Beim schnelleren Gehen nehmen sie ab. Dies bedeutet, dass das „Lockerlassen“ eine maximale Geschwindigkeit ermöglicht, was „normale“ KK verhindern würden. Bei Sprintern und Weitspringern hat Tittel 2014 [74] dies eindrucksvoll beschrieben. In der internationalen Literatur herrscht Uneinigkeit und je nach Normwertmodell oft gegensätzliche Positionierungen zur Bewertung von KK. Im vorliegenden Schrifttum gibt es eine sehr uneinheitliche Beurteilung des Begriffes „KK“ [1 – 5, 7 – 17, 18 – 24, 25 – 36, 37, 40, 55, 56, 66 – 69].</p>
<p>Vermehrte KK werden häufig beim Erlernen von motorischen Bewegungen, bei Ermüdung und bei pathologischen Prozessen oberhalb der spinal-zentralen Funktionsebene beobachte. Somit ist eine globale Bewertung von positiv bis negativ nur unter Beachtung der Gesamtsituation möglich. Generell sind KK Aktivitäten von Muskeln oder Muskelgruppen, welche für die primäre Bewegungsausführung (eingelenkig, mehrgelenkig) nicht zwingend hinsichtlich des Kraftvektors notwendig sind. Sie sichern jedoch die Bewegung bzw. Funktion ab (Gelenkstabilisierung, Gleichgewicht) oder unterstützen bereits ermüdende Muskeln (sog. Hilfemuskeln). Während Beveridge et al. 2022 für Musizierende einen abnehmenden KK-Anteil bei Schlagwerkern als positiv und damit erhöhte KK instrumentalspezifisch als negativ einschätzen, kommen andere Autoren zur gegenteiligen Bewertung [10, 13, 14 – 17]. So werden auch die Meinungen vertreten, dass eine zu hohe Festigkeit im Gelenk durch verstärkte KK die gewünschte Bewegung beeinträchtigt [4, 5, 10, 14 – 17]. Jabusch [in 2] versteigert sich sogar zu der Aussage, dass bei Musikern KK vermieden werden sollten, was neurophysiologisch unmöglich ist. Insbesondere bei Instrumentalisten, Musikern, aber auch Sportlern gibt es regelhaft statische (vermehrte KK) und dynamische (verminderte KK) Bewegungsanteile. Bei dynamischen Bewegungsanteilen ist die Bewegungsgeschwindigkeit für die Aktivität der KKen von entscheidender Bedeutung (niedrig unter 100 °sec; hoch über 180 °sec).</p>
<p>Bei Radsportlern (Abb. 2) konnte sehr gut der Kokontraktorenanteil bei einer dynamischen hohen Bewegungsgeschwindigkeit untersucht werden. Ohne diese KK würde es zu einem vorzeitigen Verschleiß vor allem der Mensicii infolge fehlender Zentrierung der Gelenkpartner kommen. In den 4 Trittphasen ist der %-Aktivitäts-Anteil der KK variabel, aber immer erforderlich und nachweisbar [67]. So fanden Rau et al. 2016 [62] bei einer kompletten Pedalumdrehung beim Radfahren (Klick­pedal) eine Grundaktivität des M. gluteus maximus. Dieser sichert mit einer zeitweisen Mitaktivierung des M. gluteus medianus eine Stabilisierung des Hüftgelenkes. Ähnliches fanden sie auch am Kniegelenk. Der M. gastrocnemius lateralis zeigt Aktivitäten bis weit in den aufwärtsstrebenden Abschnitt, obwohl der Muskel hier keine kraftausübende Funktion mehr hatte. Diese Funktion ist nach Dorel et al. 2008 [21] und Hug et al. 2009 [38] als Gelenkstabilisierung zu werten. Van Ingen Schenau et al. 1995 [68] untersuchte dazu einen Zusammenhang des Koaktivierens zweier antagonistischer Muskelgruppen – M. vastus medialis und M. vastus lateralis sowie M. biceps femoris und M. semitendinosus mit der Erkenntnis, dass diese eigentlich „unökonomischen“ Muskelaktivitäten durchaus gerechtfertigt sind, weil sie eine kontrollierte Bewegung von verschiedenen gleichzeitig agierenden Kraftvektoren ermöglichen [68, 40].</p>
<figure id="attachment_15020" aria-describedby="caption-attachment-15020" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15020" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel2_saez0423.png" alt="" width="1200" height="1218" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel2_saez0423.png 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel2_saez0423-296x300.png 296w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel2_saez0423-1009x1024.png 1009w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel2_saez0423-768x780.png 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel2_saez0423-70x70.png 70w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel2_saez0423-150x152.png 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel2_saez0423-450x457.png 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-15020" class="wp-caption-text">Abb. 2 Radfahrer<br />(mit frdl.Genehmigung Siemens Healthcare GmbH)</figcaption></figure>
<h2><b>Beispiele</b></h2>
<h3><b>Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL)</b></h3>
<p>Bei einer Bewegung des Armes in die Streckung bei gleichzeitiger Abduktion des Armes werden nicht nur „Agonisten“ und „Antagonisten“ tätig, sondern es sorgen Muskeln wie die Mm. teres minor und major sowie der M. pectoralis für die richtige Zentrierung des Oberarmkopfes in der Gelenkpfanne. Diese KK sichern somit die korrekte, physiologische Bewegung ab. Ohne KK würde ein vorzeitiger Verschleiß bei dieser Bewegung im Gelenk auftreten. Das Auftreten von pathologischen KK kann die richtige Bewegungsausführung verhindern oder beeinträchtigen (erhöhter Psychotonus oder pathologische zen­trale Innervationsmuster).</p>
<h3><b>Fußball</b></h3>
<p>Beim Fußballspieler wird am Standbein beim Torschuss die ischiocrurale Muskulatur zur Stabilisierung des Kniegelenkes eingesetzt, d. h. es erfolgt eine Ko-Kontraktion der Synergisten „Anta­gonisten“ im Sinne einer Synergie mit der Streckschlinge. Der M. popliteus strafft dabei die hintere Gelenkkapsel zum Schutz des Kniegelenkes ebenfalls im Sinne einer Ko-Kontraktion (Abb. 3).</p>
<figure id="attachment_15021" aria-describedby="caption-attachment-15021" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15021" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel3_saez0423.png" alt="" width="1200" height="1379" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel3_saez0423.png 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel3_saez0423-261x300.png 261w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel3_saez0423-891x1024.png 891w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel3_saez0423-768x883.png 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel3_saez0423-150x172.png 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel3_saez0423-450x517.png 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-15021" class="wp-caption-text">Abb. 3 Fußballspieler<br />(mit frdl.Genehmigung Siemens Healthcare GmbH)</figcaption></figure>
<h3><b>Klinik</b></h3>
<p>Die Halsmuskulatur, welche an den Rippen bzw. der oberen Thoraxapertur ansetzt (z. B. Mm. sternocleidomast. und Mm. scaleni ant. – post.), kann beim Asthmatiker oder bei COPD als Atemhilfsmuskulatur eingesetzt werden. Es kommt zu deren Ko-Kontraktion während der Einatmung.</p>
<h2 style="font-weight: 400;"><strong>Muskelfunktionsketten</strong></h2>
<p style="font-weight: 400;">Muskelschlingen nach Tittel 2016  [67] im Sinne von KK sichern nun im Gegensatz zu den oben genannten einsegmentalen Funktionen, multisegmentale Funktionsketten ab.</p>
<p style="font-weight: 400;">Dabei gibt es immer Muskeln, welche mehr als ein Bewegungssegment überbrücken und für diese mehrgelenkigen Funktionen von großer Bedeutung sind, zumal sich durch verändernde Bewegungswinkel immer neue Zuordnungen ergeben.</p>
<p style="font-weight: 400;">Beispiele: M. gastrocnemius, M. bizeps humeri,</p>
<p style="font-weight: 400;">Wir sprechen dann von einsegmentalen oder multisegmentalen KK.</p>
<p style="font-weight: 400;">Eine Balance im biophysikalischen Sinne gibt es beim Menschen im Bereich des muskuloskeletalen Systems so gut wie nicht. Dies hängt im Wesentlichen mit den Auswirkungen der Schwerkraft zusammen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Eine Balance zwischen KKen (oder früher Agonist/Antagonist) finden wir bei isokinetischen Untersuchungen nur bei Funktionen, welche sich als Rotationsbewegungen um die senkrechte Körperachse definieren: Beispiele hierfür sind im Stand: Rumpfrotation und die Innen- und Außenrotation im Kniegelenk. Hier wirken fast immer alle beteiligten Systeme mit ihren konditionellen Eigenschaften im Verhältnis 1:1 zusammen, weil die Schwerkraft nicht die bestimmende Rolle für eine seitengleiche Bewegung darstellt.[63,67]</p>
<p style="font-weight: 400;">Aber schon bei der Knieflexion und Knieextension ist dies komplett anders. Durch die Schwerkraft haben wir eine unterschiedliche Ausprägung der beteiligten Strukturen mit ihren konditionellen Eigenschaften. Im biophysikalischem Sinne bestehen Dysbalancen, welche jedoch im Sinne der physiologischen Funktionsausführung unter Schwerkraftbedingungen eine Balance sichern. Dieser Unterschied zwischen einer biophysikalischen Balance und einer physiologisch erforderlichen Balance ist bei Betrachtung der Fußheber-/Fußsenkerfunktion teilweise erheblich. (SG Plantar/Dorsal)</p>
<figure id="attachment_15019" aria-describedby="caption-attachment-15019" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15019" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel4_saez0423.png" alt="" width="1200" height="677" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel4_saez0423.png 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel4_saez0423-300x169.png 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel4_saez0423-1024x578.png 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel4_saez0423-768x433.png 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel4_saez0423-150x85.png 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2023/11/Seidel4_saez0423-450x254.png 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-15019" class="wp-caption-text">Abb. 4  Verhältnis der isokinetischen Kraftfähigkeiten der Kokontraktoren [67] (mit frdl. Genehmigung Kiener-Verlag 2023)</figcaption></figure>
<p style="font-weight: 400;">Bei Beachtung der genannten Grundprinzipien wird deutlich, dass die Beurteilung von Funktionen nicht auf die Prüfung einzelner Systeme bezogen werden darf. Der Kraftgrad einzelner Muskeln (z.B. JANDA Test [41]), sagt noch nichts über Balance, Dysbalance oder Funktion und Funktionsstörung aus. Solche Tests überprüfen nur einzelne Teilaspekte einer Funktion, in diesem Falle nur der Kraft aus dem Bereich der konditionellen Fähigkeiten. D.h. heißt, wenn der Kraftgrad noch im Idealnormbereich ist, können seine Konditionellen Fähigkeiten (dynamische Kraftausdauer, Koordinative Fähigkeiten) schon in einem Bereich liegen, welcher Funktionsstörungen zur Folge hat.</p>
<p style="font-weight: 400;">Muskuläre Dysbalancen wird als Begriff im Alltag sehr oft und immer im Sinne einer Pathologie verwendet. Es wird nicht darüber nachgedacht, dass Abweichungen im Sinne adaptiver Vorgänge auch enorme positive Aspekte haben.</p>
<p style="font-weight: 400;">Eine Untersuchung zum Begriff Muskuläre Dysbalance mit 280 Datenbanktreffern hat folgende Definition von Freiwald und Engelhardt 1996 [25] ergeben:</p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Die neuromuskuläre Balance ist durch die anforderungsgerechte Homöostase aller an dem arthronalen System beteiligten nervösen und humoralen Funktionen und Strukturen mit physiologischer Potenz gekennzeichnet.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Neumann (1997/2004) definiert Dysbalance ehr als Pathologie [7]: <em>Abweichung vom Normalen (Individuellen) motorischen Stereotyp (Bewegungsprogramm), die durch zeitlich veränderte und instabile, gezielt nervale Aktivierung einzelner Muskelgruppen zu Bewegungseinschränkungen, Leistungsabnahme und / oder arthromuskulären Beschwerden führt.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Beide Diskutanten zeigen das Dilemma auf. Freiwald mit seiner Definition, welche auch die positiven Aspekte einer Adaptation beinhaltet und Neumann mit seiner Definition im Sinne einer Pathologie.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Universität des Saarlandes definiert muskuläre Dysbalancen nur noch als Pathologie: <em>Wenn sich die Muskeln, die an einem Gelenk angreifen, nicht mehr in ihrem physiologischen Gleichgewicht befinden, spricht man von einer muskulären Dysbalance. Muskuläre Dysbalancen entstehen häufig zwischen zur Verkürzung und zur Abschwächung neigenden Muskeln. [73]</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Insgesamt kann Freiwald [<em>25</em>] zugestimmt werden, wenn er sagt: Die Definitionen muskulärer Dysbalancen sind nicht präzise, die Aussagen sind fast ausschließlich auf Beweglichkeits- und Kraftkomponenten sowie auf intra- und interindividuelle Normwerte bezogen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Aktuelle Definitionen sind so weit gefasst, dass sie beispielsweise sämtliche Veränderungen der Homöostase aller an den arthronalen Systemen beteiligten nervösen und humoralen Funktion umfassen. In letzter Zeit wurden auch noch die funktionalen Aspekte der Faszien hinzugenommen. Durch diese starke Ausweitung verliert der Begriff seine Aussagefähigkeit. [<em>25</em>]</p>
<p style="font-weight: 400;">Dysbalancen sind somit primär Anpassungen an von außen oder innen wirkende Kontextfaktoren, diese können als Deadaptation, Maladaptation oder positiv als Adaptation erfolgen und stellen den Versuch dar, die Funktion unter den gegebenen Bedingungen aufrecht zu erhalten.[63]</p>
<h2 style="font-weight: 400;"><strong>Zusammenfassung und Fazit für die Sportpraxis</strong></h2>
<p style="font-weight: 400;">KK sind angeborene Bewegungsmusterinhalte, sie sind somit nicht erlernbar, aber anpassbar an veränderte biomechanische und funktionelle Belastungen/Drehmomente.</p>
<p style="font-weight: 400;">Aus unserer Sicht sind diese nur indirekt trainierbar: über den Ansatz biomechanischer Belastungen/Drehmomente &#8211; als sich selbst optimierendes System (Zeit, %, Drehmoment, Bewegungswinkel-Geschwindigkeit). Niedersprungtraining wäre als Beispiel zu nennen, um Kokontraktoren an ein Anforderungsprofil anzupassen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Bei Kraftsportarten ist ein hoher KK-Anteil verletzungsminimierend, bei Schnellkraftsporten ist die Reduktion von KK leitungsverbessern (Sprint, Tischtennis). Dies gilt auch für alle Aktivitäten des täglichen Lebens und verschiedene Berufe (Musiker, Bauarbeiter).</p>
<p style="font-weight: 400;">Dabei ist immer die Kenntnis notwendiger KK für den Sportmediziner bedeutungsvoll, weil nur so Abweichungen des %-Aktivierungszustandes der KKen diagnostiziert werden können.</p>
<p style="font-weight: 400;">KK sind ein enorm wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste muskuläre Anteil zur Verletzungsprävention!</p>
<p><i>Literatur beim Verfasser.</i></p>
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