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	<title>Prof. Dr. med. Philipp Schütz, Autor bei sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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		<title>Gezielte Trinknahrung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. med. Philipp Schütz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 13:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[02/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei älteren, hospitalisierten Patienten entscheidet die Ernährung oft mit darüber, ob sie Komplikationen entwickeln, erneut hospitalisiert werden – oder sich erholen und wieder nach Hause können. Eine neue CochraneMetaanalyse basierend [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Bei älteren, hospitalisierten Patienten entscheidet die Ernährung oft mit darüber, ob sie Komplikationen entwickeln, erneut hospitalisiert werden – oder sich erholen und wieder nach Hause können. Eine neue CochraneMetaanalyse basierend auf individuellen Patientendaten liefert hierzu ein sehr differenziertes, patientenrelevantes Bild [1].</b></p>
<h2><b>Warum dieses Thema klinisch relevant ist</b></h2>
<p>Zwischen einem Drittel und zwei Dritteln der hospitalisierten älteren Menschen sind mangelernährt oder weisen ein hohes Risiko dafür auf. Mangel­ernährung ist klar mit Komplikationen, längerer Hospitalisationsdauer, funktionellem Abbau und erhöhter Morta­lität verbunden [2]. Gleichzeitig ist diese Patientengruppe extrem heterogen und vulnerabel – standardisierte „Mehr ­essen“-Ratschläge greifen hier zu kurz. Verschiedene Studien, wie die EFFORT Studie aus der Schweiz, hatten bereits gezeigt, dass standardisierte Ernährungsstrategien die Mortalität verbessern können [3]. Es gibt aber auch widersprüchliche Evidenz zum Nutzen von verschiedenen Arten von Ernährungssupport bei älteren Patienten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage: Welche orale Ernährungsstrategie bringt im Stationsalltag tatsächlich einen klinisch messbaren Vorteil – und für wen?</p>
<h2><b>Studiendesign: Netzwerk-Metaanalyse mit individuellen Patientendaten</b></h2>
<p>Die Autorengruppe nutzte einen methodisch anspruchsvollen Ansatz: eine Netzwerk-Metaanalyse auf Basis individueller Patientendaten aus randomisierten kontrollierten Studien.</p>
<ul>
<li>Eingeschlossen wurden 21 Studien mit insgesamt über 3.000 älteren hospitalisierten Patienten,<br />
im Mittel 75 – 85 Jahre alt.</li>
<li>Alle hatten ein Risiko für oder eine gesicherte Mangelernährung und waren wegen akuter Erkrankungen stationär aufgenommen.</li>
<li>Definiert wurden kritische Endpunkte wie Mortalität, schwere unerwünschte Ereignisse und funktionelle Fähigkeiten sowie wichtige Endpunkte wie Lebensqualität, Aufenthaltsdauer, Gewicht und fettfreie Masse.</li>
<li>Primärer Zeitpunkt der Auswertung war die Entlassung aus dem Spital bzw. 30 Tage nach Randomisierung.</li>
</ul>
<p>Die Netzwerkstruktur erlaubt, verschiedene Ernährungsstrategien sowohl untereinander als auch gegenüber Standardversorgung zu vergleichen, selbst wenn einzelne Studien nie direkt zwei aktive Strategien gegeneinander getestet haben.</p>
<p>Folgende Typen oraler Interventionen wurden analysiert:</p>
<ul>
<li>zusätzliche Proteingaben</li>
<li>zusätzliche Energie-Supplements</li>
<li>klassische orale Trinknahrung (ONS)</li>
<li>individualisierte „feeding support“-Ansätze (z. B. Hilfe beim Essen, Anpassung der Konsistenz,<br />
Essumgebung)</li>
<li>umfassende individualisierte Ernährungstherapie (strukturierte Ernährungsanamnese,<span class="Apple-converted-space"> </span>Bedarfs­berechnung, Anpassung der Speisen, ONS nach Bedarf, begleitende Beratung)</li>
</ul>
<p>In der Mehrzahl der Studien wurden diese Strategien mit der üblichen Versorgung verglichen, teilweise mit Placebo.</p>
<h2><b>Zentrale Ergebnisse: Trinknahrung mit klinisch relevantem Signal</b></h2>
<p><b>Mortalität und schwere Komplikationen</b></p>
<p>Für die Gabe oraler Trinknahrung (ONS) ergab sich ein klinisch relevantes Signal:</p>
<ul>
<li>ONS können die Sterblichkeit im Vergleich zur Standardversorgung senken, mit einer relevanten absoluten Risikoreduktion.</li>
<li>ONS können zudem schwere unerwünschte Ereignisse wie Infektionen und andere<br />
Komplikationen reduzieren.</li>
</ul>
<p>Die Evidenzbasis wird von den Autoren allerdings als noch begrenzt eingestuft, sodass von einer Wahrscheinlichkeitsaussage („kann“ / „wahrscheinlich“) und nicht von einem gesicherten Effekt gesprochen wird. Im Gegensatz dazu zeigte eine umfassende individualisierte Ernährungstherapie in dieser Analyse keinen klaren Vorteil bezüglich Mortalität im Vergleich zur üblichen Versorgung. Für die meisten direkten Vergleiche zwischen den unterschiedlichen Interventionstypen bleibt die Evidenz unsicher.</p>
<h2><b>Funktion, Lebensqualität und Körperzusammensetzung</b></h2>
<ul>
<li>Für Alltagsfunktionen (Aktivitäten des täglichen Lebens) zeigte die umfassende individua­lisierte Ernährungstherapie im Vergleich zur Standardversorgung keinen oder nur einen minimalen Effekt.</li>
<li>Auch im direkten Vergleich ONS versus reine Energiesupplements ergab sich kein eindeutiger Vorteil hinsichtlich funktioneller Endpunkte.</li>
<li>Bei Lebensqualität, Aufenthaltsdauer, Gewicht und fettfreier Masse waren die Resultate heterogen; klare Rangfolgen zwischen den Strategien lassen sich derzeit nicht ableiten.</li>
</ul>
<p>Insgesamt ist die Evidenzqualität für viele dieser Endpunkte eher als niedrig einzustufen, u. a. wegen kleiner Studien, methodischer Limitationen und Hetero­genität.</p>
<h2><b>Klinische Implikationen für den Stationsalltag</b></h2>
<p>Trotz dieser Einschränkungen setzt die Arbeit wichtige Akzente für die Praxis:</p>
<ul>
<li>Trinknahrung als Baustein der Therapie: Die Daten stützen den gezielten Einsatz von ONS bei älteren, hospitalisierten Patienten mit Risiko für oder bestehender Mangelernährung, insbesondere wenn eine ausreichende Energie und Proteinaufnahme über das normale Essen allein nicht zu erwarten ist.</li>
<li>Individualisierte Ernährung bleibt wichtig – aber schwer messbar: Dass die umfassende individualisierte Ernährungstherapie keinen klaren Mortalitätsvorteil zeigt, bedeutet nicht, dass sie klinisch verzichtbar wäre. Vielmehr zeigt sich, wie schwierig funktionelle und qualitative Vorteile in heterogenen Kollektiven in Studien abzubilden sind und wie stark die Effekte von der Qualität der Implementierung abhängen.</li>
<li>„Targeted Nutrition“ in der Geriatrie: Analog zum Konzept der <a href="https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/20110/targeted-nutrition/">„Targeted Nutrition“ in der Sportmedizin</a> – bei dem spezifische Nährstoffe präzise auf definierte Ziele ausgerichtet werden  – unterstreicht diese Analyse die Bedeutung einer zielgerichteten oralen Ernährungstherapie im Akutspital: ONS und andere Interventionen sollten indikationsgerecht, zeitlich begrenzt und eingebettet in ein strukturiertes geriatrischinternistisches Behandlungskonzept eingesetzt werden.</li>
<li>Forschungslücken: Deutlich wird der Bedarf an großen, methodisch robusten Studien – wie die EFFORT Studie [3] – mit klar definierten Interventionen, standardisierten patientenrelevanten Endpunkten und längeren Beobachtungszeiträumen, um insbesondere funktionelle Verläufe und Rehospitalisationen besser beurteilen zu können.</li>
</ul>
<h2><b>Fazit für Praxis und Wissenschaft</b></h2>
<p>Die Netzwerk-Metaanalyse mit individuellen Patientendaten zeigt, dass orale Trinknahrung bei älteren, hospitalisierten Patienten mit Risiko für oder bestehender Mangelernährung wahrscheinlich Mortalität und schwere Komplikationen innerhalb von 30 Tagen reduzieren kann. Andere orale Strategien, einschließlich umfassender individualisierter Ernährungstherapie, zeigen bislang keinen klaren Vorteil in Bezug auf harte Endpunkte, bleiben aber für eine ganzheitliche, patientenzentrierte Behandlung unverzichtbar. Damit liefert die Arbeit einen wichtigen Baustein für die Weiterentwicklung eines geriatrischen „Targeted Nutrition“-Konzeptes im Akutspital – mit Trinknahrung als möglicherweise wirksamem Kernmodul innerhalb eines multidisziplinären Behandlungsteams.</p>
<p style="font-weight: 400;">Literatur</p>
<p style="font-weight: 400;">[1] Kiesswetter E, Schwarzer G, Stadelmaier J, Lohner S, Grummich K, Dagnelie PC, et al. Oral nutritional interventions in hospitalised older people at nutritional risk: a network meta-analysis of individual participant data. Cochrane Database Syst Rev. 2026;3:CD015468.</p>
<p style="font-weight: 400;">[2] Schuetz P, Seres D, Lobo DN, Gomes F, Kaegi-Braun N, Stanga Z. Management of disease-related malnutrition for patients being treated in hospital. Lancet. 2021;398:1927-38.</p>
<p style="font-weight: 400;">[3] Schuetz P, Fehr R, Baechli V, Geiser M, Deiss M, Gomes F, et al. Individualised nutritional support in medical inpatients at nutritional risk: a randomised clinical trial. Lancet. 2019;393:2312-21.</p>
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