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	<title>Prof. Dr.-Ing.habil. Matthias Scherge, Autor bei sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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		<title>Die Herzratenvariabilität im Skeletonsport</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr.-Ing.habil. Matthias Scherge,&#160;Dr. Stefan Hey&#160;,&#160;Niklas Gutberlet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 10:43:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Herzratenvariabilität (HRV) stellt ein etabliertes Verfahren zur Beurteilung der autonomen Regulation und des Stresszustands im Leistungssport dar. Ziel der vorliegenden Studie war es, die physiologische Beanspruchung eines Skeletonathleten unter [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div>
<p><strong>Die Herzratenvariabilität (HRV) stellt ein etabliertes Verfahren zur Beurteilung der autonomen Regulation und des Stresszustands im Leistungssport dar. Ziel der vorliegenden Studie war es, die physiologische Beanspruchung eines Skeletonathleten unter realen Trainingsbedingungen anhand mehrtägiger HRV-Messungen zu analysieren und bahnspezifische Unterschiede zu untersuchen. Hierzu wurde ein männlicher Topathlet (28 Jahre, 1,80 m, 84 kg) mithilfe eines tragbaren EKG-Sensors kontinuierlich über mehrere Tage hinweg auf zwei international etablierten Bobbahnen (Winterberg und St. Moritz) untersucht.</strong></p>
<p>Die physiologische Belastung im Leistungssport ist ein zentraler Indikator für sportliche Leistungsfähigkeit, Trainingssteuerung und Regenerationsprozesse [1-7]. Im Skeleton-Schlittensport, einer Disziplin mit extrem kurzen, hochintensiven Belastungsphasen und großen psychophysiologischen Anforderungen, stellt die objektive Charakterisierung von Stressreaktionen eine besondere Herausforderung dar. Vor diesem Hintergrund wurden in der vorliegenden Studie ein mobiles,forschungsgeeignetes Sensorsystem eingesetzt, um mehrtägige Messungen an einem männlichen Topathleten durchzuführen. Konkret kam ein medizinisch präziser, tragbarer EKG- und Aktivitätssensor zum Einsatz, der kontinuierlich Herzaktivität und körperliche Bewegung erfasst und damit eine detaillierte Analyse der Herzfrequenzvariabilität und weiterer Stressparameter ermöglicht (movisens GmbH). Die mehrtägigen Messungen erlaubten es, deutliche Unterschiede im EKG-Signal vor, während und nach einzelnen Läufen zu identifizieren und diese systematisch in Beziehung zu Wettkampfsituationen und Erholungsphasenzu setzen. Weiterhin zeigten sich klare Unterschiede, die auf den Schwierigkeitsgrad der Bahn zurückzuführen waren. Auf dieser Grundlage wurde der Stresszustand des Athleten im Kontext der Wettkampfgestaltung bewertet und Aussagen über Belastungs- und Erholungsprozesse getroffen, die über konventionelle punktuelle Messungen hinausgehen.</p>
<h2>Medizinische Grundlagen</h2>
<p>Die Herzratenvariabilität (HRV) umfasst verschiedene Parameter, die unterschiedliche Aspekte der autonomen Regulation desHerz-Kreislauf-Systems widerspiegeln und somit Rückschlüsse auf den Stress-und Erholungszustand eines Athleten erlauben. Die Herzfrequenz (HR) beschreibt die Anzahl der Herzschläge pro Minute und stellt einen grundlegenden Indikator für die aktuellekardiovaskuläre Belastung dar.</p>
<p>Der Parameter SDNN (Standard Deviation of NN intervals) erfasst die Gesamtvariabilität der Herzschlagabstände und beschreibt die Anpassungsfähigkeit des Herzens an physische und psychische Belastungen. Er wird verwendet, um die allgemeine Regulationsfähigkeit des Organismus zu beurteilen. Der Wert hängt von der Messdauer ab und wird vor allem für Lanzeitmessungen eingesetzt. Der RMSSD (Root Mean Square of Successive Differences) spiegelt kurzfristige Schwankungen der Herzfrequenz wider und ist ein spezifischer Marker für die parasympathische (vagale) Aktivität. Er wird insbesondere zur Einschätzung der Regenerationsfähigkeit und Erholung herangezogen. Der pNN50-Wert gibt den prozentualen Anteil aufeinanderfolgender Herzschläge an, die sich um mehr als 50 ms unterscheiden. Auch dieser Parameter ist ein Indikator für dieparasympathische Aktivität und wird genutzt, um vagale Einflüsse auf die Herzfrequenz zu quantifizieren.</p>
<p>Im Frequenzbereich beschreibt die LF-Komponente (Low Frequency) sowohl sympathische als auch parasympathische Einflüsse, wird jedoch häufig im Kontext der sympathischen Modulation interpretiert. Die HF-Komponente (High Frequency) hingegen gilt als Marker der parasympathischen Aktivität und steht in engem Zusammenhang mit der Atmung (respiratorische Sinusarrhythmie). Das Verhältnis von LF zu HF (LF/HF-Ratio) wird verwendet, um die Balance zwischen sympathischem und parasympathischem Nervensystem abzuschätzen. Eine erhöhte Ratio deutet auf eine Dominanz des Sympathikus hin und wird häufig als Zeichen für Stress interpretiert.Der Baevskii Stressindex (SI) ist ein integrativer Parameter, der auf der Verteilung der RR-Intervalle basiert und die Aktivität des sympathischen Nervensystems widerspiegelt. Er wird eingesetzt, umden Grad der Stressbelastung bzw. der vegetativen Anspannung quantitativ zu erfassen.</p>
<h2>Design der Studie</h2>
<p style="font-weight: 400;">Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung wurde ein männlicher Skeletonathlet der obersten Leistungsklasse analysiert. DerAthlet war zum Zeitpunkt der Messungen 28 Jahre alt, 1,80 m groß und wog 84,0 kg, was einem Body-Mass-Index (BMI) von 25,9 kg/m² entspricht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Datenerhebung erfolgte unter realen Trainingsbedingungen auf zwei international etablierten Bobbahnen, in Winterberg sowie in St. Moritz. Ziel war es, den Stresszustand und die autonome Regulation unter unterschiedlichen äußeren und streckenspezifischen Bedingungen vergleichend zu erfassen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Messung in Winterberg begann am 13.01.2026 um 22:41 Uhr und erstreckte sich über einen Zeitraum von insgesamt 2Tagen, 15 Stunden und 57 Minuten. Die zweite Messung wurde in St. Moritz durchgeführt und startete am 19.01.2026 um 22:42Uhr bei einer Gesamtdauer von 2 Tagen, 2 Stunden und 46 Minuten. Wettertechnisch unterschieden sich die absolvierten Läufe.Während in Winterberg eine Lufttemperatur von plus 4°C herrschte, waren es in St. Moritz minus 9°C.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die beiden Bobbahnen unterscheiden sich deutlich in ihren technischen Charakteristika, was sich unmittelbar auf die physiologische Beanspruchung und damit auch auf die Herzratenvariabilität (HRV) eines Skeletonathleten auswirken sollte. Die Bahn in Winterberg ist eine moderne Kunsteisbahn mit einer Länge von 1.330 m, 15 Kurven und einem Gefälle von 9,8%. Sie zeichnet sich durch eine relativ „rhythmische“ Streckenführung aus, bei der sich technisch anspruchsvolle Passagen mit besserkontrollierbaren Abschnitten abwechseln. Demgegenüber steht die Natureisbahn in St. Moritz mit einer Länge von 1.722 und 19 Kurven, 8% Gefälle, jedoch einer deutlich größeren Laufzeit und teilweise komplexeren Kurvenkombinationen. Obwohl das durchschnittliche Gefälle vergleichbar ist, führt die größere Streckenlänge zu einer verlängerten Expositionszeit gegenüber hohen Geschwindigkeiten und Fliehkräften. Zudem ist die Bahn aufgrund ihrer Natureisbeschaffenheit weniger standardisiert, was höhereAnforderungen an die permanente sensorische und motorische Anpassung stellt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der eingesetzte EKG- und Aktivitätssensor (EcgMove 4, movisens GmbH) ist ein tragbarer Sensor zur mobilen Erfassung von Herzaktivität und körperlicher Bewegung im Alltag. Er wurde speziell für wissenschaftliche Anwendungen im Bereich der ambulanten Diagnostik und des Belastungsmonitorings entwickelt. Das Gerät misst ein einkanaliges Elektrokardiogramm (EKG) mit hoher zeitlicher Auflösung (Samplingrate 1.024 Hz) und ermöglicht dadurch eine präzise Bestimmung von Herzfrequenz und Herzratenvariabilität. Ergänzend erfasst der Sensor über integrierte Beschleunigungs-, Gyroskop-, Druck- und Temperatursensoren verschiedene Aktivitäts- und Umgebungsparameter. Ein zentraler Vorteil des EcgMove 4 ist die Möglichkeit des Langzeitmonitorings unter Alltagsbedingungen. Mit einer Batterielaufzeit von mehreren Tagen und interner Datenspeicherung können kontinuierliche Messungen von bis zu zwei Wochen durchgeführt werden, was insbesondere für die Analyse von Stress- und Belastungszuständen relevant ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Darüber hinaus erlaubt der Sensor sowohl eine Offline-Auswertung der Rohdaten als auch eine Echtzeitanalyse, bei der Parameterwie Herzfrequenz und HRV (z. B. RMSSD) direkt via Bluetooth übertragen werden können. Dadurch können die Sensoren sowohl im praxisnahen Monitoring von Athleten als auch in Studien eingesetzt werden, bei denen die physiologischen Parameter als Trigger zur Erfassung subjektiver Daten mittels Smartphone verwendet werden.</p>
</div>
<div>
<h2>Ergebnisse und Interpretationen</h2>
<p style="font-weight: 400;">Die Analyse der Herzratenvariabilität des Skeletonathleten zeigte deutliche Unterschiede zwischen den Läufen in Winterberg und St. Moritz. Die mittlere Herzfrequenz liegt in St. Moritz mit 79,14 bpm höher als in Winterberg (75,67 bpm), was bereits auf einegesteigerte kardiovaskuläre Beanspruchung während des Laufs hindeutet. Gleichzeitig sind alle zentralen Zeitbereichsparameterder HRV (SDNN, RMSSD und pNN50) in St. Moritz reduziert. Dies spricht für eine insgesamt geringere Variabilität der Herzfrequenz und insbesondere für eine verminderte parasympathische Aktivität, die typischerweise mit Erholung undRegeneration assoziiert ist.</p>
<figure id="attachment_22716" aria-describedby="caption-attachment-22716" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-22716" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1-1024x577.png" alt="" width="755" height="425" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1-1024x577.png 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1-300x169.png 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1-768x433.png 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1-150x85.png 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1-450x254.png 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1-1200x677.png 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey1.png 1440w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22716" class="wp-caption-text">ABB. 1 Vergleich der Ergebnisse der HRV Analysen</figcaption></figure>
<p style="font-weight: 400;">Auch die Frequenzbereichsanalyse bestätigt dieses Bild: Sowohl die LF- als auch die HF-Komponenten sind in St. Moritz niedriger als in Winterberg, was auf eine insgesamt reduzierte autonome Modulationsfähigkeit hinweist. Die LF/HF-Ratio ist in beiden Fällenerhöht und zeigt eine deutliche sympathische Dominanz an, fällt jedoch in St. Moritz etwas geringer aus. Trotz dieser leichten Verschiebung bleibt das autonome Nervensystem klar in einem aktivierten, leistungsorientierten Zustand.</p>
<p style="font-weight: 400;"><span style="font-weight: 400;">Der deutlich erhöhte Baevskii-Stressindex in St. Moritz (213,81 zu 181,4 in Winterberg) unterstreicht zusätzlich die stärkere vegetative Belastung und weist auf eine höhere Stressbeanspruchung des Organismus hin. Insgesamt ergibt sich somit das Bild, dass der Lauf in St. Moritz mit einer höheren physiologischen</span> <span style="font-weight: 400;">Beanspruchung,</span> <span style="font-weight: 400;">einer</span> <span style="font-weight: 400;">reduzierten</span> <span style="font-weight: 400;">HRV</span> <span style="font-weight: 400;">und</span><span style="font-weight: 400;">einer</span> <span style="font-weight: 400;">verstärkten</span> <span style="font-weight: 400;">sympathischen</span> <span style="font-weight: 400;">Aktivierung </span><span style="font-weight: 400;">einhergeht.</span></p>
<figure id="attachment_22717" aria-describedby="caption-attachment-22717" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-22717" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2-1024x641.jpg" alt="" width="755" height="473" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2-1024x641.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2-300x188.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2-768x481.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2-150x94.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2-450x282.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2-1200x751.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/06/Hey2.jpg 1496w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-22717" class="wp-caption-text">ABB. 2 Vergleich der Messungen in Winterberg und St. Moritz</figcaption></figure>
<p>Aus sportwissenschaftlicher Perspektive deutet dieses Muster auf eine höhere Gesamtbelastung in St. Moritz hin, die sowohl durch externe Faktoren wie die größere Höhenlage (ca. 1.800 m mit reduzierter Sauerstoffverfügbarkeit), als auch durch streckenspezifische Anforderungen oder erhöhte psychische Beanspruchung erklärt werden kann. Höchstwahrscheinlich spielt auch die Differenz von ca. 13 K in der Lufttemperatur eine Rolle.</p>
<p>Die reduzierte parasympathische Aktivität und die geringere HRV sprechen dafür, dass die Regulationsfähigkeit des autonomen Nervensystems eingeschränkt ist, was kurzfristig leistungsfördernd sein kann (im Sinne einer Aktivierung), langfristig jedoch einerhöhtes Risiko für unzureichende Regeneration oder Überlastung signalisiert. Für die Trainingssteuerung bedeutet dies, dass nach Belastungen in St. Moritz gezielt regenerative Maßnahmen eingeplant werden sollten, um eine vollständige Wiederherstellung der autonomen Balance zu gewährleisten.</p>
<p>Aus sensortechnischer Sicht weisen die Befunde auf eine deutlich erhöhte Stressreaktion des kardiovaskulären Systems in St.Moritz hin. Die Kombination aus erhöhter Herzfrequenz, reduzierter HRV und erhöhtem Stressindex kann als Zeichen einer akuten sympathikotonen Dominanz interpretiert werden.</p>
<p>Insbesondere unter Höhenbedingungen ist dies als physiologische Anpassungsreaktion zu werten, kann jedoch beiunzureichender Anpassung oder wiederholter Belastung ohne ausreichende Regeneration zu einer chronischen vegetativen Dysbalance führen. Dies könnte sich in erhöhter Ermüdung, reduzierter Leistungsfähigkeit oder einem erhöhten Risiko für funktionelle Überlastungssyndrome äußern. Daher ist eine kontinuierliche Überwachung der HRV sowie eine individualisierte Belastungssteuerung sinnvoll, um frühzeitig Anzeichen von Überbeanspruchung zu erkennen und präventiv gegenzusteuern.</p>
<h2>Fazit (Traininggswissenschaftliche Perspektive)</h2>
<p>Die vorliegenden Ergebnisse verdeutlichen, dass die Herzratenvariabilität ein sensibles und praxisrelevantes Instrument zurBewertung der trainingsbedingten Beanspruchung im Skeletonsport darstellt. Insbesondere die Kombination aus erhöhter Herzfrequenz, reduzierten HRV-Parametern und erhöhtem Stressindex in St. Moritz weist auf eine deutlich gesteigerte Gesamtbelastung hin, die über die reine Laufleistung hinausgeht und sowohl externe (Höhe, Temperatur, Bahncharakteristik) als auch interne Belastungsfaktoren widerspiegelt.</p>
<p>Aus trainingswissenschaftlicher Sicht ergibt sich daraus die Notwendigkeit einer differenzierten Belastungssteuerung in Abhängigkeit vom Wettkampfort. Während Belastungen wie in Winterberg offenbar besser toleriert werden und eine schnellere Wiederherstellung der autonomen Balance ermöglichen, erfordern die Bedingungen in St. Moritz gezielt eingeplante Regenerationsmaßnahmen. Dazu zählen insbesondere eine Anpassung der Trainingsumfänge, aktive Erholungsstrategien sowie gegebenenfalls eine Akklimatisationsphase zur Höhenanpassung.</p>
<p>Die reduzierte parasympathische Aktivität nach den Läufen in St. Moritz deutet zudem darauf hin, dass die Fähigkeit zur kurzfristigen Regeneration eingeschränkt ist. Dies kann bei unzureichender Steuerung zu kumulativer Ermüdung und Leistungseinbußen führen. Daher sollte die HRV im Trainingsprozess kontinuierlich überwacht werden, um individuelle Belastungsreaktionen frühzeitig zu erkennen und Trainingsinhalte dynamisch anzupassen.</p>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li>Plews DJ, Laursen PB, Stanley J, Kilding AE, Buchheit Training adaptation and heart rate variability in elite endurance athletes: Opening the door to effective monitoring. Sports Med 2013; 43: 773–781. Doi 10.1007/s40279-013-0071-8.</li>
<li>Kiviniemi AM, Hautala AJ, Kinnunen H, Tulppo Endurance training guided individually by daily heart rate variability measurements. Eur J Appl Physiol 2007; 101: 743–751. Doi 10.1007/s00421-007-0552-2.</li>
<li>Stanley J, Peake JM, Buchheit Cardiac parasympathetic reactivation following exercise: Implications for training prescription. Sports Med 2013; 43: 1259–1277. Doi 10.1007/s40279-013-0083-4.</li>
<li>Bellenger CR, Fuller JT, Thomson RL, Davison K, Robertson EY, Buckley JD. Monitoring athletic training status throughautonomic heart rate regulation: A systematic review and meta-analysis. Sports Med 2016; 46: 1461–1486. Doi 10.1007/s40279-016-0484-2.</li>
<li>Dong The role of heart rate variability in sports physiology. Exp Ther Med 2016; 11: 1531–1536. Doi 10.3892/etm.2016.3104.</li>
<li>Gronwald T, Schaffarczyk M, Reinsberger C, Hoos O. Heart Rate Variability – Methods and Analysis in Sports Medicine andExercise Dtsch Z Sportmed 2024; 75(3): 113–118. Doi 10.5960/dzsm.2024.595.</li>
<li>Task Force of the European Society of Cardiology and the North American Society of Pacing and Electrophysiology. Heartrate variability: Standards of measurement, physiological interpretation, and clinical use. Circulation 1996; 93(5): 1043–1065. Doi 10.1161/01.CIR.93.5.1043.</li>
</ol>
</div>
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			</item>
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		<title>Leistungssteigerung durch Ganganalyse</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/20843/leistungssteigerung-durch-ganganalyse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr.-Ing.habil. Matthias Scherge&#160;,&#160;Dr.-Ing. Jens Hollenbacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Nov 2025 13:28:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
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					<description><![CDATA[Der biomechanische Zusammenhang zwischen Gangbild und Sprintleistung wurde bei einem Skeletonathleten der Eliteklasse untersucht. Der Athlet, bei dem Defizite in der Anschubleistung beim Sprintstart festgestellt wurden, zeigte bei Zeitlupenaufnahmen des [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der biomechanische Zusammenhang zwischen Gangbild und Sprintleistung wurde bei einem Skeletonathleten der Eliteklasse untersucht. Der Athlet, bei dem Defizite in der Anschubleistung beim Sprintstart festgestellt wurden, zeigte bei Zeitlupenaufnahmen des Startvorgangs ein Ausrotieren der rechten Ferse. Als experimentelle Plattform zur weiteren Analyse diente eine hochauflösende Druckmessplatte. </strong></p>
<p>Mit zusätzlichen Videoanalysen konnte ein ganzheitliches Bild der biomechanischen Vorgänge erhalten werden. Die Ganganalysen förderten signifikante Unterschiede in der Druckverteilung zwischen linkem und rechtem Fuß zu Tage. Zudem wurde deutlich, dass als Folge des Ausrotierens der große Zeh nahezu keinen Kontakt mit dem Untergrund eingeht, was zu fehlender Kraftentwicklung führt. Als Reaktion auf Video- und Druckmessplattenuntersuchungen wurde eine Anpassung des Schuhs vorgenommen und das Trainingsprogramm daraufhin abgestimmt. Die Zunahme der Startgeschwindigkeit war danach sehr beeindruckend.</p>
<p>Der Start im Skeletonsport ist nicht nur ein Auftakt, sondern eine messbare Determinante der Gesamtzeit: Ein Zehntel Vorsprung oder Rückstand verdreifacht sich im Ziel. Startet man beispielsweise auf der Bobbahn Winterberg in 4,99 s statt 5,00 s, reduziert sich die Laufzeit im Ziel um drei Hundertstel, was bei der sehr starken internationalen Konkurrenz siegentscheidend ist. Anders als in der Leichtathletik [1-5] gibt es im Kufensport (Bob und Skeleton) kaum wissenschaftliche Analysen zum Sprint und zu Asymmetrien beim Sprint.</p>
<p>Während der Saisonvorbereitung fiel dem Trainer auf, dass sein Athlet beim Sprint über die Fußaußenseite abrollt. Eine solche Fehlstellung beeinträchtigt die Kraftübertragung deutlich. Statt die Antriebskraft über den großen Zeh in den Untergrund zu leiten, „versickert&#8220; ein Teil der Energie lateral. Im Training äußerte sich dies in einem subjektiven Verlust an Beschleunigungsintensität und in objektiven Zeitverlusten im Bereich von mehreren Hundertstelsekunden.</p>
<h3>Test Setup</h3>
<p>Zur Stand- und Ganganalyse kam eine 2 m lange und 60 cm breite Druckmessplatte (molibso dyneos 2) zum Einsatz, in deren Oberfläche 15.360 kapazitive Kraftsensoren integriert sind. Die Kräfte werden in Echtzeit ausgelesen und dem Bediener auf dem Bildschirm als präzise Druckinformationen präsentiert. Nach nur 10 Sekunden ist die Messung abgeschlossen, und ein umfassendes Bild mit bis zu 64 Einzelparametern der biomechanischen Abläufe während des Gehens liegt vor.</p>
<p>Ein besonderer Einzelparameter, der Verlauf des Center of Pressure (CoP), wird als Abrolllinie dargestellt, wobei der ideale Verlauf von der Mitte der Ferse über die Mitte des Vorfußes bis hin zum Abdruck durch die Großzehe reicht, siehe Abbildung. Diese Abrolllinie ist von zentraler Bedeutung, um die Gangbewegung präzise zu verstehen. Anhand der Belastungslinie können Unsicherheiten während der Standphase sowie Unregelmäßigkeiten im rechts-links-Vergleich aufgedeckt werden.</p>
<p>Die Ganganalyse ermöglicht die Bewertung entscheidender Indikatoren für das Gehen und Laufen, darunter die Neigung zum Vorfuß-, Mittelfuß oder Fersenlaufen. Zudem werden die Fortbewegungsmuster als Neutralfußläufer, Supinierer oder Überpronierer kategorisiert. Diese präzisen Messungen wurden auch durchgeführt, um das Abrollverhalten und die Gangstabilität des Athleten zu untersuchen.</p>
<p>Derartige Platten sind seit zehn Jahren im Einsatz. Mit mehr als 70 Systemen weltweit und jährlich mehr als 100.000 Analysen liegt ein so großer Datenvorrat vor, dass der Einsatz von Algorithmen der Künstlichen Intelligenz (KI) sinnvoll wird, um Muster oder Abweichungen im Gangbild zu erkennen. Durch KI entstehen Möglichkeiten, die weit über herkömmliche Analysen per Auge oder Expertenmeinung hinausgehen. Dadurch können individuelle Empfehlungen für die Optimierung des Gehens oder die Anpassung von orthopädischen Hilfsmitteln abgeleitet werden.</p>
<h3><strong>Stand- und Ganganalyse</strong></h3>
<p>Zu Beginn der Messung erfolgte eine Standanalyse. Durch die sehr hohe Auflösung der Druckmessplatte wurden im Trittbereich ca 1.200 Sensoren angesprochen. Somit konnten auch Details, wie z.B. das Druckbild einzelner Zehen, aufgelöst werden. Bei der folgenden Ganganalyse wurde der Proband mehrfach über die Platte geschickt. Alle hinterlassenen Druckbilder wurden gemittelt und sind in der Abbildung rechts dargestellt. Im Bild ist der Weg des Massenschwerpunkts des Probanden zu erkennen. Je breiter die einzelnen Ganglinien streuen, desto unruhiger ist der Lauf über die Platte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_20853" aria-describedby="caption-attachment-20853" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-20853" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/11/Ganganalyse1-1024x412.jpg" alt="" width="755" height="304" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/11/Ganganalyse1-1024x412.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/11/Ganganalyse1-300x121.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/11/Ganganalyse1-768x309.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/11/Ganganalyse1-150x60.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/11/Ganganalyse1-450x181.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/11/Ganganalyse1-1200x483.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2025/11/Ganganalyse1.jpg 1428w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-20853" class="wp-caption-text">ABB. 1 Stand- und Ganganalyse. Das Linke der beiden Bilder stellt die Druckverteilung im Stand und das Rechte die Bewegung dar. Die Linien rechts markieren die gemittelte Ganglinie, berechnet aus den Einzelkontakten der Bewegung.</figcaption></figure>
<p>Es zeigte sich, dass bereits die Standposition nach links auf die Ferse verlagert ist, was an der intensiveren Belastung der linken Ferse ablesbar ist. Hinzu kommt die moderate Tendenz zu einem hohen Fußgewölbe auf beiden Seiten und so gut wie kein Zehenkontakt. In der Dynamik verläuft die gemittelte Ganglinie bei beiden Füßen nicht bis zu den Zehenspitzen. Die Hauptlast wird vom Ballen getragen und eine intensive Abstoß- oder Abdruckbewegung über die Großzehen ist nicht erkennbar. Zudem wurde eine Neigung zum Spreizfuß beidseitig sichtbar, die wiederum eine Verlangsamung der Abrollbewegung hervorrufen kann. Die Unsicherheit beim Abrollen wurde besonders rechts beobachtet, so dass die Vortriebskraft zum Teil zur Seite abgelenkt wird. Deutlich wird dies durch das Auffächern der einzelnen Ganglinien im Ballenbereich. Für einen Athleten fällt die insgesamt geringe Kraftübertragung in den Untergrund auf.</p>
<h3>Anpassung der Laufschuhe</h3>
<p>Als erste Maßnahme erfolgte die Anpassung der Laufschuhe. Im Bob- und Skeletonsport sind die Laufschuhe (auch Spikes genannt) ein entscheidendes Ausrüstungsteil, das speziell für den Sprintstart entwickelt wurde. Ihr Aufbau unterscheidet sich deutlich von herkömmlichen Laufschuhen und ist optimal auf den kurzen, explosiven Antritt auf Eis abgestimmt. Das Obermaterial ist leicht und eng anliegend und häufig aus synthetischen Materialien oder Kunstleder gefertigt. Es bietet seitliche Unterstützung, um dem Fuß Halt zu geben. Die Sohle ist zur optimalen Kraftübertragung im Mittelfuß steif. Sie ist flach und dünn, um ein direktes Bodengefühl auf dem Eis zu gewährleisten und eine hochdynamische Laufbewegung zu ermöglichen. Zum Abdruck auf dem Eis sind in die Schuhe sehr feine Metallspitzen eingelassen, meistens 250 bis 300 pro Schuh.</p>
<p>Auf Grundlage der erhobenen Daten wurde eine passgenaue Einlage angefertigt, die speziell auf den Skeletonsprintspike abgestimmt ist. Sie besteht aus einem flexiblen, aber formstabilen Kern, um die medialen Fußpartien gezielt aufzurichten, und einer dynamisch geschnittenen Druckzone unter dem Großzehenballen. Durch die exakte Einbettung in die Innenform der Spike-Sohle entstand eine optimierte Kraftlinie von der Abstoßposition bis über die Zehen.</p>
<h3>Trainingsanpassung</h3>
<p>Gemeinsam mit dem Physiotherapeuten des Athleten wurde ein spezieller Trainingsplan bereits vor den biomechanischen Tests entwickelt und genutzt. Die sehr intuitiven Ergebnisse der Druckmessplattenuntersuchungen wirkten auf diese Intervention wie ein Katalysator. Durch biomechanisch korrekte Abrollbewegungen wurde ein deutlich ökonomischeres Sprintmuster erlangt, wodurch auch Verletzungsrisiken – insbesondere an Fuß- und Sprunggelenk – deutlich verringert werden konnten. Parallel zur Technikoptimierung konnte durch spezifische Drills die Ferseninitiierung langfristig zugunsten eines Großzehen-Abrollens verringert werden, sodass selbst ohne Einlage das gewünschte Abrollmuster stärker ausgeprägt war. Bereits beim ersten Training mit den angepassten Einlagen bemerkte der Trainer eine deutliche Steigerung der Beschleunigung. Messdaten untermauerten diesen Eindruck: Die 30 m-Sprintzeit verkürzte sich um 0,05  s –  0,10 s.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Mit optischen Mitteln nicht zu identifizierende Besonderheiten in der Sprintbewegung konnten durch hochauflösende und dynamische Druckmessplattentests aufgedeckt werden. Durch eine spezielle Schuh- und Trainingsanpassung konnten die vortriebskraftverringernden Einflüsse deutlich abgemildert werden. Die Nagelprobe findet statt, wenn der Athlet sich bei den nationalen Selektionsrennen beweisen muss</p>
<p>Literatur</p>
<p><em>[1] </em>George Vagenas, &amp; T. Blaine Hoshizaki (1986). Optimization of an Asymmetrical Motor Skill: Sprint Start<em>. International Journal of Sport Biomechanics, 2(1), 29 &#8211; 40.</em></p>
<p><em>[2] Eikenberry, A., McAuliffe, J., Welsh, T., Zerpa, C., McPherson, M., &amp; Newhouse, I. (2007). Starting with the &#8222;right&#8220; foot minimizes sprint start time.   Acta Psychol (Amst), 127(2), 495–500.</em></p>
<p>[3] T.A. Exell, M.J.R. Gittoes, G. Irwin, &amp; D.G. Kerwin (2012). Gait asymmetry:   Composite scores for mechanical analyses of sprint running<em>. Journal of Biomechanics, 45(6), 1108-1111.</em></p>
<p><em>[4] </em>Meyers, R., Oliver, J., Hughes, M., Lloyd, R., &amp; Cronin, J. (2016). Asymmetry During Maximal Sprint Performance in 11- to 16-Year-Old Boys<em>. Pediatr Exerc Sci, 29(1), 94–102.</em></p>
<p><em>[5] </em>Valamatos, M., Abrantes, J., Carnide, F., Valamatos, M.J., &amp; Monteiro, C. (2022). Biomechanical Performance Factors in the Track and Field Sprint Start: A Systematic Review<em>. Int J Environ Res Public Health, 19(7).</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Veröffentlicht 12.11.2025</em></p>
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