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	<title>Annegret Oster, Autor bei sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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		<title>EMDR-Therapie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Annegret Oster]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 08:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist ein evidenzbasiertes psychotherapeutisches Verfahren, das seit den 1990er Jahren etabliert in der Traumatherapie eingesetzt wird. Besonders gut belegt ist seine Wirksamkeit bei der [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist ein evidenzbasiertes psychotherapeutisches Verfahren, das seit den 1990er Jahren etabliert in der Traumatherapie eingesetzt wird. Besonders gut belegt ist seine Wirksamkeit bei der Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und wird u. a. von der WHO als psychologische Intervention empfohlen.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Darüber hinaus zeigen neuere Studien und Metaanalysen, dass EMDR auch depressive Symptome wirksam reduzieren kann und zunehmend als ergänzende Behandlung bei Depressionen untersucht wird. Erste Studien und klinische Erfahrungen weisen zudem darauf hin, dass EMDR auch bei chronischen Schmerzsyndromen und psychosomatischen Beschwerden hilfreich sein kann. In der sportmedizinischen, orthopädischen und chirurgischen Praxis finden sich immer wieder Patienten, bei denen Schmerzen und Bewegungsangst trotz stabiler anatomischer Befunde fortbestehen. Belastende körperliche Ereignisse wie Verletzungen oder operative Eingriffe werden unter normalen Umständen neuronal verarbeitet und integriert. Wird dieser Prozess jedoch durch hohe emotionale Belastung oder Kontrollverlust gestört, können Erinnerungen in Verbindung mit intensiven Körperempfindungen und Angstreaktionen unzureichend verarbeitet bleiben. Diese gespeicherten Muster können sich als Angst- und Schmerzgedächtnis verselbstständigen und den Rehabilita­tionsprozess erheblich beeinträchtigen. EMDR setzt gezielt an dieser Schnittstelle zwischen emotionaler Erinnerung, Körperempfinden und gegenwärtigem Erleben an.</p>
<h2><b>Fallbeispiel</b></h2>
<p>Die 21jährige Studentin Katharina K. wurde von ihrem Physiotherapeuten in meine Praxis überwiesen. Anlass war eine ausgeprägte angstassoziierte Schmerz- und Vermeidungsproblematik im Bereich der Knie, die eine weitere physiotherapeutische Behandlung nahezu unmöglich machte. Anamnestisch berichtete die Patientin über zwei sehr schmerzhafte, spontane Patellaluxationen ohne äußeres Trauma, die mehrere Jahre zurücklagen. In der Folge wurde eine operative Stabilisierung (Kapselraffung) durchgeführt, einige Zeit später eine MPFL-Plastik an beiden Knien, da die Patientin große Angst vor einer erneuten Luxation hatte. Der postoperative Verlauf war komplikationslos; die Kniegelenke waren strukturell stabil. Nach einer längeren Phase vollständiger Beschwerdefreiheit entwickelte sich einige Jahre danach schleichend eine stark zunehmende Angst vor einer erneuten Luxation. Trotz des Wissens um die stabile anatomische Situation kam es zu permanenter gedanklicher Fixierung auf die Knie, zu Bewegungsvermeidung und zur Aufgabe sportlicher Aktivitäten. Laut der Patientin wurde die Angst im Sommer 2025 so schlimm, dass sie sich nur noch sehr vorsichtig, unnatürlich und verkrampft bewegte. Beim Gehen hatte sie vor allem Angst, wenn sie das Bein abwinkelte, deshalb ging sie oft mit gestrecktem rechten Bein. Die Angst wurde immer seltener durch einen neuen Tag resettet, sie war immer häufiger Teil ihrer Gedanken. Die Patientin hatte Herzrasen und ein Ziehen in der Brust. Auch soziale Kontakte konnten sie nicht mehr ablenken. Hypnosebehandlungen zeigten keinen Effekt. Auch krankengymnastische Maßnahmen scheiterten zuletzt an der ausgeprägten Berührungs- und Bewegungsangst.</p>
<p>Im Herbst 2025 stellte sie sich in meiner Praxis vor. Die von mir durchgeführte EMDR-Behandlung kann hier nur verkürzt dargestellt werden. EMDR ist ein klar strukturiertes, mehrphasiges Verfahren, das eine sorgfältige Anamnese, Stabilisierung, Ressourcenarbeit und eine kontinuierliche Prozessüberprüfung erfordert. Alle notwendigen Behandlungsschritte wurden durchgeführt. Aufgrund der großen Entfernung zwischen dem Wohnort der Patientin und meiner Praxis fand die Behandlung nur in einer einmaligen, etwa dreistündigen Sitzung statt; üblicherweise sind mehrere Sitzungen erforderlich. Nach vorbereitender Ressourcenarbeit wurde das subjektiv belastendste Bild aus der Zeit der Luxationen identifiziert und mit der damals vorherrschenden negativen Kognition „Ich schaffe das nicht“ verknüpft. Als positive Zielkognition wurde „Ich schaffe das“ etabliert. Anschließend erfolgte die eigentliche Trauma- bzw. Belastungsverarbeitung mittels bilateraler Stimulation. Dabei folgte die Patientin mit den Augen meinen horizontalen Handbewegungen („Winken“), während sie gleichzeitig das belastende Bild, die zugehörigen Gefühle und Körperempfindungen im Blick behielt. Nach jeder Sequenz wurde sie gebeten, wahrzunehmen, was sich spontan zeigte. Wie für EMDR typisch, veränderten sich die inneren Bilder dabei schrittweise: Erinnerungen, Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen kamen und gingen, einzelne Szenen wurden weniger bedrohlich und neue Assoziationen traten in den Vordergrund. Im Verlauf berichtete die Patientin über eine deutliche Reduktion der inneren Anspannung sowie eine zunehmende Distanz zur ursprünglichen Erinnerung. Die bilaterale Stimulation wurde beendet, nachdem sie die innere Wahrnehmung äußerte: „Es gibt keinen Grund, Angst zu haben. Und ich glaube diesem Gedanken.“</p>
<p>Der anschließende Bodycheck zeigte keine belastenden Restempfindungen.<span class="Apple-converted-space">  </span>Nachdem die Erinnerung ihren belastenden Charakter weitgehend verloren hatte, wurde die positive Kognition „Ich schaffe das“ mithilfe weiterer bilateraler Stimulation installiert und gestärkt. Im anschließenden Body-Check überprüfte die Patientin ihren Körper auf verbliebene Spannungen oder belastende Empfindungen. Da keine relevanten Restbelastungen mehr wahrnehmbar waren, wurde die Sitzung mit einer Ressourcensicherung abgeschlossen. Hierzu führte die Patientin langsame bilaterale Klopfbewegungen (Tapping) an den Schultern aus, während sie das Gefühl von Sicherheit, Stabilität und Selbstvertrauen bewusst wahrnahm und verankerte.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Laut Patientin fühlte sich das EMDR selbst im Moment nicht spektakulär oder wie eine Wunderheilung an. Das Gedankenkarussell und das Herzrasen sowie Ziehen in der Brust seien danach nicht direkt weg gewesen, es entstand im Nachhinein jedoch ein Gefühl, als ob ein Schalter im Kopf umgelegt wor­den war. Das Erste, was ihr auffiel, war, wie verkrampft sie in den letzten Wo­chen gegangen war und dass sie jetzt wieder „locker laufen“ konnte. Sie sah dies nicht mehr als Gefahr an. Nach eigener Auskunft ist die Patientin bis heute angstfrei. Sie richtet ihre Aufmerksamkeit nicht mehr ständig auf die Knie und nimmt wieder ohne Angst an körperlicher Bewegung teil.</p>
<h2><b>Diskussion und Take-Home-Message</b></h2>
<p>Der Fall verdeutlicht, dass persistierende Schmerzen und Bewegungsangst nicht zwingend Ausdruck struktureller Defizite sein müssen. Nach abgeschlossener medizinischer Abklärung kann EMDR als komplementärer Ansatz helfen, blockierende Angst- und Stressmuster zu lösen. In Kombination mit Physiotherapie kann so die aktive Mitarbeit der Patienten verbessert und die Rückkehr zu Bewegung und Lebensqualität unterstützt werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Literatur</p>
<p>Posttraumatische Belastungsstörung</p>
<p style="font-weight: 400;">Rasines-Laudes, P., &amp; Serrano-Pintado, I. (2023). <em>Efficacy of EMDR in Post-Traumatic Stress Disorder: A Systematic Review and Meta-analysis of Randomized Clinical Trials</em>. Psicothema, 35(4), 385–396. <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37882423/">[pubmed.ncb&#8230;lm.nih.gov]</a></p>
<p style="font-weight: 400;">Wright, S. L., Karyotaki, E., Cuijpers, P. et al. (2024). <em>EMDR v. other psychological therapies for PTSD: a systematic review and individual participant data meta-analysis</em>. Psychological Medicine, 54(8), 1580–1588 <a href="https://www.cambridge.org/core/journals/psychological-medicine/article/abs/emdr-v-other-psychological-therapies-for-ptsd-a-systematic-review-and-individual-participant-data-metaanalysis/903183C014DD518979569C26525588E1">[cambridge.org]</a></p>
<p style="font-weight: 400;">Depression</p>
<p style="font-weight: 400;">Seok, J.-W., &amp; Kim, J. I. (2024). <em>The Efficacy of Eye Movement Desensitization and Reprocessing Treatment for Depression: A Meta-Analysis and Meta-Regression of Randomized Controlled Trials</em>. Journal of Clinical Medicine, 13(18), 5633. <a href="https://www.mdpi.com/2077-0383/13/18/5633">[mdpi.com]</a></p>
<p style="font-weight: 400;">Hase, M., Plagge, J., Hase, A. et al. (2018). <em>Eye Movement Desensitization and Reprocessing Versus Treatment as Usual in the Treatment of Depression: A Randomized-Controlled Trial</em>. Frontiers in Psychology, 9, 1384. <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6113947/">[pmc.ncbi.nlm.nih.gov]</a></p>
<p style="font-weight: 400;">Chronische Schmerzstörungen:</p>
<p style="font-weight: 400;">Singla A et al. (2025). <em>Eye Movement Desensitization and Reprocessing for Chronic Pain: A Systematic Review.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Zat Çiftçi Z et al. (2024). <em>A Randomized Controlled Trial of EMDR Therapy in the Treatment of Fibromyalgia.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Driessen HPA et al. (2024). <em>EMDR Treatment in the Medical Setting: A Systematic Review.</em></p>
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