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	<title>PD Dr. med. Stavros Oikonomidis, Autor bei sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
	<lastBuildDate>Thu, 17 Sep 2026 12:58:21 +0000</lastBuildDate>
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	<title>PD Dr. med. Stavros Oikonomidis, Autor bei sportärztezeitung</title>
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	<item>
		<title>Idiopathische Skoliose</title>
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		<dc:creator><![CDATA[PD Dr. med. Stavros Oikonomidis]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2026 08:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Die idiopathische Skoliose ist eine komplexe, dreidimensionale Deformität der Wirbelsäule und des Rumpfes, die typischerweise bei ansonsten gesunden Kindern und Jugendlichen auftritt. Da die Erkrankung vor allem in den Phasen [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die idiopathische Skoliose ist eine komplexe, dreidimensionale Deformität der Wirbelsäule und des Rumpfes, die typischerweise bei ansonsten gesunden Kindern und Jugendlichen auftritt. Da die Erkrankung vor allem in den Phasen starken Körperwachstums voranschreitet, spricht man häufig von der adoleszenten idiopathischen Skoliose. Die Ätiologie der Skoliose gilt als multifaktoriell, wobei genetische, biomechanische und umweltbedingte Faktoren eine Rolle spielen [1].</b></p>
<p>Das primäre Ziel konservativer Behandlungen ist es, eine Progredienz der Krümmung zu verhindern und somit invasive Maßnahmen wie Operationen oder rigide Korsettbehandlungen abzuwenden. In der Praxis werden hierfür häufig therapeutische Übungen eingesetzt, die in zwei Hauptkategorien fallen: Physiotherapeutische skoliose-spezifische Übungen (PSSÜ), die auf aktiver Selbstkorrektur und Stabilisierung beruhen, und allgemeine therapeutische Übungen (ATÜ) ohne spezifische Selbstkorrekturkomponente. Dieser Artikel beleuchtet die Evidenz für den Einsatz von allgemeiner sportlicher Aktivität in der Prävention, Begleitung und konservativen Therapie der idiopathischen Skoliose, grenzt diese von spezifischen physiotherapeutischen Übungen ab und gibt einen Ausblick auf die Behandlungsmethoden.</p>
<h2><b>Genereller Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Skoliose</b></h2>
<p>Ein aktueller systematischer Review von Qi et al. untersuchte die Korrelation zwischen körperlicher Aktivität und der adoleszenten idiopathischen Skoliose. In diese systematischen Übersichtsarbeit wurden acht Studien eingeschlossen. Sechs Studien berichteten über eine Assoziation zwischen der idiopathischen Skoliose und dem Level an körperlicher Aktivität. Hier wurden durch sechs Studien Hinweise präsentiert, dass minimale körperliche Aktivität ein Risikofaktor für die Entstehung und Entwicklung einer idiopathischen Skoliose sind [1]. Fehlende oder minimale körperliche Aktivität wird in der wissenschaftlichen Literatur als möglicher ursächlicher Faktor für das Auftreten der idiopathischen Skoliose angesehen. Eine britische Studie ergab sogar, dass eine reduzierte körperliche Funktion und Aktivität in der frühen Lebensphase (erste Lebensjahre / Laufbeginn bis zum 10. Lebensjahr) einen Risikofaktor für das spätere Auftreten einer Skoliose darstellt [2]. Schlussfolgernd kann man zusammenfassen, dass es eine Assoziation von körperlicher Aktivität und der adoleszenten idiopathischen Skoliose gibt. Aus diesem Grund sollte die körperliche Aktivität – auch im frühen Alter – gefördert werden, da sie eine wichtige Rolle bei der Prävention spielt.</p>
<figure id="attachment_22991" aria-describedby="caption-attachment-22991" style="width: 567px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-22991" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-567x1024.jpg" alt="" width="567" height="1024" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-567x1024.jpg 567w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-166x300.jpg 166w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-768x1387.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-850x1536.jpg 850w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-150x271.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326-450x813.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Oikonomidis_saez0326.jpg 1063w" sizes="(max-width: 567px) 100vw, 567px" /><figcaption id="caption-attachment-22991" class="wp-caption-text">Röntgenaufnahme einer 13- jährigen Patientin mit einer idiopathischen links­konvexen thorakolumbalen Skoliose (links). Deutliche Korrektur der thorakolumbalen Krümmung mit einer Korsettversorgung. Die zusätzliche Behandlung mit Skoliose-­spezifischen physiotherapeutischen Übungen und die allgemeine körperliche Aktivität sind essenziell für die Ergebnisse der Therapie.</figcaption></figure>
<h2><b>Direkte Effekte von Sport und PSSÜ auf die Progression der Skoliose</b></h2>
<p>Der wohl wichtigste Aspekt für Patienten und behandelnde Ärzte ist die Frage, ob Sport die Progression der Wirbelsäulenverkrümmung aufhalten kann. Ein systematisches Cochrane-Review von Romano et al. (2024) evaluierte die Wirksamkeit von PSSÜ und ATÜ im Vergleich zu Nichtbehandlung, anderen nicht-operativen Therapien (z. B. Korsett) oder zwischen den Übungsarten selbst [4]. In der Literaturrecherche wurden 13 randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt 583 Probanden in die Analyse eingeschlossen. Das Durchschnittsalter der vorwiegend weiblichen Teilnehmer lag zwischen 12 und 15 Jahren. Die Behandlungsdauer in den Studien variierte zwischen 12 und 42 Monaten [3]. Die Datenlage bezüglich der Reduktion des Cobb-Winkels durch ATÜ im Vergleich zu keiner Behandlung ist sehr unsicher. PSSÜ scheinen den Rumpfrotationswinkel kaum zu beeinflussen und erzielen lediglich geringfügige Verbesserungen bei der objektiven Taillenasymmetrie und der allgemeinen Lebensqualität. Im Bereich des subjektiven Selbstbildes konnten keine nennenswerten Unterschiede festgestellt werden. Klinisch bedeutsame Effekte zeigten sich hingegen bei der Reduktion von Rückenschmerzen durch ATÜ. Wird eine Korsettbehandlung durch PSSÜ ergänzt, zeigt Evidenz von niedriger Qualität eine marginale Reduktion des Cobb-Winkels (MD – 2,2°), die jedoch nicht als klinisch bedeutsam eingestuft wird. Subjektive und kosmetische Ergebnisse sowie die Lebensqualität wurden durch die Kombination nicht messbar verbessert. Die Ergänzung von Interventionen wie Elektrostimulation und Traktion durch ATÜ führte hingegen zu einer klinisch bedeutsamen Reduktion des Cobb-Winkels (MD – 8,0°). Ebenso konnte eine klinisch relevante Schmerzreduktion nachgewiesen werden, wenn PSSÜ mit unterstützender manueller Therapie kombiniert wurde.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ein direkter Vergleich beider Übungsformen liefert bezüglich der Reduktion des Cobb-Winkels eine sehr unsichere Evidenz. Moderat gesicherte Evidenz zeigt jedoch, dass PSSÜ den Rumpfrotationswinkel effektiver und klinisch bedeutsamer reduzieren als ATÜ. Zudem weist Evidenz von niedriger Qualität darauf hin, dass PSSÜ einer starken Progredienz der Skoliotischen Deformität vorbeugen: In einer Studie verschlechterte sich der Zustand bei 38 % der ATÜ-Patienten um mehr als 5° Cobb, während dies in der PSSÜ-Gruppe nur bei 7 % der Fall war [3]. Eine groß angelegte Beobachtungsstudie von Negrini et al. liefert hierzu relevante klinische Daten [5]. Die Studie untersuchte eine Population von 511 Patienten mit einer juvenilen oder adoleszenten idiopathischen Skoliose und einem Cobb Winkel von 11° bis 25°. Ein entscheidendes Merkmal dieser Population war, dass sich alle Teilnehmer im Reifegrad „Risser 0 – 2“ befanden. Das Risser-Zeichen ist ein radiologischer Parameter für die Skelettreife; die Stufen 0 bis 2 markieren die Phase des stärksten Wachstums, in der das Risiko für eine rapide Verschlechterung der Skoliose am höchsten ist. Die Patienten wurden nach 1. Jahr klinisch und radiologisch nachuntersucht. Die Ergebnisse der Studie belegen, dass regelmäßige sportliche Aktivität (1- bis 4-mal pro Woche) das Risiko für die Progression der idiopathischen Skoliose um ca. 46 % reduzieren kann [1].<span class="Apple-converted-space">  </span>Darüber hinaus zeigte die Studie einen weiteren Vorteil: Durch die Ausübung von Sport konnte die Notwendigkeit einer Korsettbehandlung deutlich verringert werden. Da das Tragen eines orthopädischen Korsetts für Jugendliche oft mit starken psychischen und physischen Belastungen (wie Einschränkungen im Alltag und Problemen mit dem Körperbild) verbunden ist, stellt die Reduktion der Korsett-Indikation durch Sport einen Vorteil für die Lebensqualität der betroffenen Patienten dar.</p>
<p>Zusammenfassend liefert die Literaturrecherche Hinweise, dass allgemeiner Sport (wie Fußball, Schwimmen oder Leichtathletik) die allgemeine Rumpfstabilität, das kardiovaskuläre System und das psychische Wohlbefinden fördert. Allgemeine therapeutische Übungen zielen jedoch nicht spezifisch auf die asymmetrische, dreidimensionale Deformität der Wirbelsäule ab. Aus diesem Grund sollten sogenannte physiotherapeutische Skoliose-spezifische Übungen als fundamentale Säule der konserva­tiven Therapie eingesetzt werden [2].</p>
<h2><b>PSSÜ am Beispiel der Schroth-Methode</b></h2>
<p>Um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, sollte der allgemeine Sport durch PSSÜ ergänzt werden. Eine der weltweit bekanntesten und am besten evaluierten PSSÜ-Methoden ist die Schroth-Therapie. Ein systematischer Review mit Meta-Analyse von Dimitrijevic et al. (2022) untersuchte die Effektivität dieser speziellen Methode [8]. Im Gegensatz zum allgemeinen Sport nutzen die Skoliose-spezifischen Übungen nach Schroth asymmetrische Haltungsschulung, spezielle Atemtechniken und muskuläre Aktivierung, um der individuellen Krümmung der Wirbelsäule gezielt dreidimensional entgegenzuwirken. Die Analyse bestätigte, dass die Schroth-Methode gute Resultate bei der Reduzierung der Progression der idiopathischen Skoliose erzielt. Eine weitere Metaanalyse aus dem Jahr 2023 liefert wissenschaftliche Hinweise, dass durch PSSÜ eine bessere Korrektur des Cobb Winkels im Vergleich zur ATÜ erzielt werden konnte [6]. Die Kom­bination aus beiden Ansätzen – der allgemeinen körperlichen Aktivität zur Förderung der Gesundheit, Ausdauer und Prävention von Begleiterkrankungen und der spezifischen Therapie wie der Schroth-Methode, die zur gezielten Korrektur und muskulären Stabilisierung der Deformität dient – stellt somit den Goldstandard in der modernen konservativen Skoliosebehandlung dar [3].</p>
<h2><b>Zusammenfassung und klinische Implikationen</b></h2>
<p>Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sportliche Aktivität ein unverzichtbarer Baustein im Leben von Patienten mit idiopathischer Skoliose ist.</p>
<ul>
<li>Prävention und Risikominderung: Eine hohe körperliche Aktivität scheint mit einer geringeren Inzidenz bzw. einem milderen Verlauf der Skoliose assoziiert zu sein.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Klinischer Nutzen: Regelmäßige Sportteilnahme bei Jugendlichen<br />
im Wachstum kann die Progression der Krümmung senken und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Korsett getragen werden muss, verringern.</li>
<li>Abgrenzung: Sport ist essenziell, darf aber medizinisch nicht mit einer spezifischen Therapie verwechselt werden.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Spezifische Ergänzung: Die optimale konservative Versorgung beinhaltet neben dem allgemeinen Sport, Skoliose-spezifische Übungen (wie die Schroth-Methode), die nachweislich das Voranschreiten der Krümmung aufhalten können.</li>
</ul>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Patienten, Eltern und Ärzte sollten daher ein klares Ziel verfolgen: Jugendliche mit idiopathischer Skoliose sollten keinesfalls geschont oder von sportlichen Aktivitäten ausgeschlossen werden. Im Gegenteil: Ein aktiver Lebensstil ist eine effektive Maßnahme, um die Integrität der Wirbelsäule zu unterstützen, die Notwendigkeit invasiverer Maßnahmen zu minimieren und die allgemeine Lebensqualität nachhaltig zu steigern.</p>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li>Smit TH. On growth and scoliosis. Eur Spine J. 2024, Bde. Jun;33(6):2439-2450. doi: 10.1007/s00586-024-08276-9. Epub 2024 May 5. PMID: 38705903.</li>
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<li>Negrini A, Donzelli S, Vanossi M, Poggio M, Cordani C, Zaina F, Negrini S. Sports participation reduces the progression of idiopathic scoliosis and the need for bracing. An observational study of 511 adolescents with Risser 0-2 maturation stage. Eur J Phys Rehabil Med. 2023, Bde. Apr;59(2):222-227. doi: 10.23736/S1973-9087.23.07489-0. Epub 2023 Mar 9. PMID: 36892518; PMCID: PMC10167700.</li>
<li>Negrini S, Donzelli S, Aulisa AG, Czaprowski D, Schreiber S, de Mauroy JC, Diers H, Grivas TB, Knott P, Kotwicki T, Lebel A, Marti C, Maruyama T, O&#8217;Brien J, Price N, Parent E, Rigo M, Romano M, Stikeleather L, Wynne J, Zaina F. 2016 SOSORT guidelines: orthopaedic and rehabilitation treatment of idiopathic scoliosis during growth. Scoliosis Spinal Disord. 2018, Bde. Jan 10;13:3. doi: 10.1186/s13013-017-0145-8. PMID: 29435499; PMCID: PMC5795289.</li>
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<li>Dimitrijević V, Šćepanović T, Jevtić N, Rašković B, Milankov V, Milosević Z, Ninković SS, Chockalingam N, Obradović B, Drid P. Application of the Schroth Method in the Treatment of Idiopathic Scoliosis: A Systematic Review and Meta-Analysis. . nt J Environ Res Public Health. 2022, Bd. Dec 13;19(24):16730. doi: 10.3390/ijerph192416730. PMID: 36554613; PMCID: PMC9779560.</li>
<li>Khaleeq T, Jaly I, Lea M, Tokala DP, Davidson N, Trivedi J, Munigangaiah S. Return to sports activities following posterior scoliosis correction and instrumented fusion for adolescent idiopathic scoliosis and its correlation to Lenke classification. J Craniovertebr Junction Spine. 2024, Bde. Oct-Dec;15(4):419-426. doi: 10.4103/jcvjs.jcvjs_123_24. Epub 2025 Jan 15. PMID: 40061196; PMCID: PMC11888032.</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Rückenschmerz und Psyche</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/19068/rueckenschmerz-und-psyche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[PD Dr. med. Stavros Oikonomidis&#160;,&#160;Prof. Dr. med. Peer Eysel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Mar 2025 09:00:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[01/25]]></category>
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					<description><![CDATA[Kreuzschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitseinschränkungen weltweit und sind mit relevanten gesundheitsökonomischen Aspekten verbunden [1]. Epidemiologische Studien belegen, dass chronische Kreuzschmerzen einen negativen Einfluss auf die körperliche und psychische Gesundheit [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Kreuzschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitseinschränkungen weltweit und sind mit relevanten gesundheitsökonomischen Aspekten verbunden [1]. Epidemiologische Studien belegen, dass chronische Kreuzschmerzen einen negativen Einfluss auf die körperliche<br />
und psychische Gesundheit sowie auf die Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität der betroffenen Individuen haben [2].<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Hoy et al. haben eine weltweit durchschnittliche Prävalenz für chronische Kreuzschmerzen von 31 % nachgewiesen. Dabei wird die höchste Prävalenz bei Frauen und Personen im Alter von 40 bis 80 Jahren beobachtet [1]. Rückenschmerzen können genetische und erworbene Ursachen haben. Weiterhin können Rückenschmerzen durch eine Interaktion des Individuums mit der Umwelt entstehen [3]. Es gibt hinreichende wissenschaftliche Hinweise, dass psychologische Faktoren, wie z. B. Stress, Angst, Stimmung, Emotionen und kognitive Funktionen relevant für das Auftreten von Rückenschmerzen und deren Chronifizierung sind [4]. Psychische Zustände wie Angst, depressive Verstimmung und Stress können Rückenschmerzen begünstigen und triggern. Zusätzlich verleiten Rückenschmerzen ängstliche Patienten häufig dazu, schmerzhafte Bewegungen oder Aktivitäten zu vermeiden, wodurch sie in einen Teufelskreis von Angst, Vermeidung, Behinderung und Verschlechterung der Schmerzen geraten [5]. Eine große aktuelle Meta-Analyse von 15.623 Patienten mit chronischen Schmerzen des Bewegungsapparats, darunter 6.312 mit chronischen Kreuzschmerzen, ergab, dass ein höheres Maß an Angst vor Schmerzen, Stress und Angstvermeidungsverhalten statistisch signifikant mit Schmerzen und Behinderung assoziiert waren [6].</p>
<p>Diese Thesen werden von aktueller Gehirnforschung unterstützt. Es gibt Hinweise, dass die Chronifizierung von Rückenschmerzen nicht einfach das Vorhandensein anhaltende Schmerzsymptome impliziert, sondern einen komplexen Prozess, der mit Veränderungen der Struktur und Funktion im kortikolimbischen System des Gehirns verbunden ist. Vachon-Presseau et al. betonten im Jahr 2016 die Bedeutung des emotionalen Gehirns (d. h. des kortikolimbischen Systems) bei der Modulation akuter Schmerzen und bei der Vorhersage und Verstärkung von chronischen Schmerzen [5]. Emotionale Faktoren scheinen bei der neuronalen Schmerzverarbeitung von akuten bis chronischen Schmerzen eine große Rolle zu spielen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Biopsychosozialer Ansatz &amp; interdisziplinäre Zusammenarbeit</b></h2>
<p>Aktuelle Behandlungs-Strategien von chronischen Rückenschmerzen konzentrieren sich nicht primär auf die Besei­tigung einer zugrundeliegenden organischen Krankheit, sondern vielmehr, im Rahmen eines biopsychosozialen Ansatzes die zugrundeliegenden Mechanismen zu identifizieren. Diese Behandlungskonzepte werden auch als Multimodale Behandlungsprogramme bezeichnet. Multimodale Programme umfassen intensive edukative, somatische, psychotherapeutische, soziale und berufsbezogene Therapieanteile. Aktuelle Studien liefern Hinweise, dass intensive, multidisziplinäre und biopsychosoziale Behandlungen Schmerzen lindern und die Funktionsfähigkeit von Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen verbessern können [8 – 9]. Außerdem kann die Wiederaufnahme der Arbeit sowie die Arbeitsbereitschaft positiv beeinflusst werden [9]. Wichtig für die richtige Selektion der Patienten für solche Therapiekonzepte ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Allgemeinmedizinern, Orthopäden, Schmerztherapeuten und Psychologen. Eine somatische Ursache der Schmerzsymptomatik sollte durch einen Wirbelsäulenspezialisten untersucht und geprüft werden. Hier ist es wichtig, traumatische, infektiöse, entzündliche, maligne und stoffwechselbedingte Ursachen für die Beschwerden auszuschließen. Degenerative Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule können Ursachen für Rückenschmerzen sein. Hier sollte eine Fehlinterpretation von „normalen“ und bei fast jedem erwachsenen Menschen nachweisbaren degenerativen Veränderungen vermieden werden. Eine sichere Kausalität zwischen den degenerativen Veränderungen und den Beschwerden nachzuweisen, ist oft schwierig und sollte nur von erfahrenen Wirbelsäulenspezialisten erfolgen. Zusätzlich sollte eine Anamnese hinsichtlich einer psychischen Belastung (Arbeitsplatz oder Privat) erfolgen. Bei psychischen Auffälligkeiten (Stress, Depression, Angstzustände) sollte eine psychotherapeutische oder psychologische Vorstellung erfolgen. Diese kann auch im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie durchgeführt werden. Konkret können bei Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen und psychischer Belastung Entspannungsverfahren, wie zum Beispiel Progressive Muskelrelaxation oder Autogenes Training angeboten werden. Diese Verfahren sollten auch von den Patienten selbstständig durchgeführt und erlernt werden, sodass diese in stressigen Alltagssituationen angewendet werden können. Entspannungsverfahren können auch mit regelmäßiger Bewegung kombiniert werden. Als Beispiel können regelmäßige Spaziergänge im Park oder im Wald für psychische für Entspannung und Stressabbau, sowie für gesunde körperliche Aktivität sorgen. Diese Empfehlungen sollten im Rahmen der Verhaltenstherapie mit dem Patienten unbedingt besprochen werden. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Zusammenfassend gibt es zahlreiche wissenschaftliche Belege, dass Rückenschmerzen und Psyche einen engen Zusammenhang haben. Es ist mittlerweile weitgehend akzeptiert, dass Stress, depressive Verstimmung und Angst Rückenschmerzen begünstigen können und die Prognose der Beschwerden verschlechtern. Zusätzlich können Schmerzen bei depressiven oder ängstlichen Patienten zu einer Bewegungsarmut und Rückzug aus dem sozialen Leben führen. Aus diesen Gründen ist eine frühzeitige Berücksichtigung und Behandlung die psychosozialen Aspekte bei Patienten mit Rückenschmerzen essenziell.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h3>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-</h3>
<h3><b>Handlungsempfehlungen<span class="Apple-converted-space"> </span></b></h3>
<ul>
<li>Bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen (länger bestehend als sechs Wochen) sollte eine somatische Ursache der Beschwerden untersucht werden. Mittel der Wahl ist eine Kernspintomographie der Wirbelsäule.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Bei radiologischen Auffälligkeiten in der Kernspintomographie sollte eine orthopädische / Wirbelsäulenchirurgische Konsultation zur Prüfung der Kausalität erfolgen.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Bei psychischen Symptomen, wie z. B. Angst, Depression oder Stress, sollte eine psychotherapeutische oder psychologische Vorstellung erfolgen.<span class="Apple-converted-space"> </span></li>
<li>Multimodale Therapiekonzepte können bei selektierten Patienten mit chronischen Rückenschmerzen zu einer Verbesserung der Beschwerden und Funktionsfähigkeit führen.</li>
</ul>
<h3>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-</h3>
<p>Literatur</p>
<ol>
<li>Hoy D, Bain C, Williams G, March L, Brooks P, Blyth F, Woolf A, Vos T, Buchbinder R. . A systematic review of the global prevalence of low back pain. Arthritis Rheum. . Jun;64(6) 2012 , S. 2028-37. doi: 10.1002/art.34347. Epub 2012 Jan 9. PMID: 22231424.</li>
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</ol>
<p>&nbsp;</p>
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