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	<title>Christoph Mühlberger, Autor bei sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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		<title>Core Stability und lumbaler M. multifidus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christoph Mühlberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Mar 2026 09:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[01/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Im modernen Leistungssporttraining werden schon länger spezielle Maßnahmen für eine stabile Körpermitte umgesetzt, die insbesondere unter dem Begriff Core Stability (CS) einen breiten Bekanntheitsgrad erlangt haben. Eine gut trainierte Körpermitte [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="font-weight: 400;"><strong>Im modernen Leistungssporttraining werden schon länger spezielle Maßnahmen für eine stabile Körpermitte umgesetzt, die insbesondere unter dem Begriff C<em>ore Stability (CS)</em> einen breiten Bekanntheitsgrad erlangt haben. Eine gut trainierte Körpermitte ist von eminenter Bedeutung für Leistungsfähigkeit und Verletzungsprophylaxe. [1] Weiter ist die CS entscheidend für die Maximierung der Krafterzeugung und Minimierung der Gelenkbelastung in den Sportarten, [2] weil sie in nahezu allen Aktivitäten der Extremitäten involviert ist. [3] Bezüglich einer Definition des <em>Core</em> und seiner beteiligten Strukturen besteht wie auch für die CS kein einheitlicher Konsens. Weitläufig handelt es sich um einen Raum zwischen Becken und unterer Thoraxapertur, der im Wesentlichen die Lendenwirbelsäule (LWS) umgibt. So könnte man exemplarisch den inneren Zylinder (lokales System) von Richardson et al. [4] heranziehen, der  aus M. transversus abdominis (TA), lumbalem M. multifidus (MF), Beckenboden und Diaphragma besteht. Faries &amp; Greenwood [5] sprechen von insgesamt 29 Muskelpaaren, welche auf die Stabilisierung des Lenden-Becken-Hüft-Komplexes einwirken.</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Die Stabilität der LWS benötigt passive und aktive Steifigkeit. [6] Da sich eine gesunde ligamentäre LWS bereits bei 88 Newton axial einwirkender Last verbiegt, [7] weist sie keine besonders große passive Stabilität auf und bedarf der muskulären Stabilisation. Panjabi [8] beschreibt für die Stabilisation der Wirbelsäule ein passives und aktives Subsystem sowie ein neuronales Kontrollsystem, die funktionell voneinander abhängig sind. Das aktive Subsystem besteht aus einer Vielzahl von Muskeln mit Einfluss auf die Stabilisation. Diese können wiederum verschiedenen Muskelsystemen zugeordnet werden. So differenziert Bergmark [9] zwischen einem globalen und lokalen Muskelsystem; Comerford &amp; Mottram [10] in lokale Stabilisatoren, globale Stabilisatoren und globale Mobilisatoren. Im Modell von Richardson et al. [4] verspannen die oberflächlichen Muskeln die LWS zwischen Becken und Thorax global, während die tiefen Muskeln die einzelnen Bewegungssegmente lokal stabilisieren. Anhand der Differenzierung nach Norris [11] sind die Stabilisatoren tief liegend, mit Slow-Twitch-Fasern ausdaueraktiv und bei Aktivitäten von 30 &#8211; 40 % MVC (maximum voluntary contraction) rekrutiert, während die Mobilisatoren oberflächlich liegend, mit Fast-Twitch-Fasern kraftaktiv und bei Aktivitäten von 40 % MVC rekrutiert sind.</p>
<p style="font-weight: 400;">Für die Absicherung der Körpermitte im Rahmen sportlicher Bewegungen bedarf es eines harmonischen Zusammenspiels verschiedener Muskeln. Der MF als der bedeutendste Muskel für lumbale segmentale Stabilität [12] spielt sicherlich oft eine zentrale Rolle in diesem Orchester, ist er als Teil des medialen Traktes der autochtonen Rückenmuskeln [13] <em>„…der größte und am medialsten gelegene Muskel der lumbalen Rückenmuskulatur“</em>. [14] Er weist die größte physiologische Querschnittsfläche aller Lendenmuskeln auf, [15] wobei diese von L2 bis S1 zunimmt, während der M. iIiocostalis (IC) und M. longissimus (LG) nach kaudal hin abnehmen. [4] Der MF wird in mehrere Schichten sowie sechs kurze und lange Faszikel differenziert und ist mono- und multisegmental angelegt. [12, 14] Er wird weiter in einen tiefen und oberflächlichen MF untergliedert, [16, 17] was im Zusammenhang mit einer differenzierten Funktion von Bedeutung ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Nach Wilke et al. [18] ist der MF für mehr als zwei Drittel der Zunahme an Steifigkeit im Segment L4/L5 verantwortlich, welche wiederum zur Erhöhung der Wirbelsäulenstabilität beiträgt. [4] Differenziert man die Faszikel, so liegen die tiefen Fasern gut positioniert um mit kleinem Drehmoment intervertebrale Scher- und Kompressionskräfte zu kontrollieren, [17] haben eine minimale Bewegungsfunktion und üben als lokale Stabilisatoren segmentale Kontrolle aus. [19] Die oberflächlichen Fasern hingegen setzen deren Stabilisationsfunktion mehr dahingehend um, dass sie die Lordose kontrollieren [19] und können aufgrund ihrer günstigen Hebelarme ausreichend Extensionsdrehmoment erzeugen. [17] Nach MacDonald et al. [16] unterstützt die Evidenz, dass der tiefe MF die LWS stabilisiert, während der oberflächliche MF und M. erector spinae (ES) diese strecken und rotieren.</p>
<h2>Trainingstechnische Ansätze</h2>
<p style="font-weight: 400;">Trainingstechnisch lassen sich für die CS drei Ansätze beschreiben: spezielle Aktivierungstechniken, isometrische (Auto)stabilisationsübungen und dynamisches Krafttraining. Mit den speziellen Aktivierungstechniken wird primär versucht, lokale Muskeln wie TA, Beckenboden und tiefen MF (segmental) zu aktivieren. Sie finden sich bspw. bei Richardson et al. [4] Diese Techniken stehen oftmals im Zusammenhang mit Rückenschmerzen und werden von Therapeuten mittels spezieller Anweisungen angeleitet sowie palpatorisch, ultraschallassistiv oder mit Biofeedbacksystemen (z. B. <em>Stabilizer</em>®) überprüft und bewertet. Der Ansatz diverser (Auto)Stabilisationsübungen wird in einer isometrischen Arbeitsweise umgesetzt. Im Rahmen einer Autostabilisation <em>„…sichern die Stabilisatoren die Körperhaltung und Gelenkstabilität durch proaktive und reaktive Regelung von kaum sichtbaren motorischen Aktivitäten, wobei die Arbeitsweise isometrisch oder geringer dynamischer Natur ist.“</em> [20] Gemeinsamkeit mit dem ersten Ansatz ist die Einhaltung der neutralen Lendenlordose sowie Beckenstellung. Im Gegensatz zum ersten Ansatz, welcher eine relativ isolierte Muskelaktivierung lokaler Muskeln verfolgt, werden hier zusätzlich auch globale Muskeln aktiviert. Dritter und letzter Ansatz aktiviert die Muskulatur im Rahmen einer dynamischen Stabilisation. Hierbei werden Rücken- und Bauchmuskeln möglichst isoliert dynamisch auxoton kontrahiert. Neben klassischen Kräftigungsübungen mit Eigenkörpergewicht, Kleingeräten und Kabelzügen gibt es spezielle Kräftigungsmaschinen &#8211; oftmals in sogenannten Rückenstraßen organisiert &#8211; in denen eine Person mehr oder weniger umfangreich fixiert wird.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die nachfolgend dargestellte Untersuchung geht der Frage nach, wie die autochthone Rückenmuskulatur (primär der MF) im Rahmen von klassischen Autostabilisationsübungen aktiviert wird.</p>
<h2 style="font-weight: 400;"><strong>Methoden</strong></h2>
<p style="font-weight: 400;">An der Querschnittsuntersuchung nahmen 13 Sportstudenten (5 Frauen + 8 Männer) ohne aktuelle Rückenbeschwerden teil (Alter: R = 27 – 21 J. (6J.), x̄ = 23,85 ± 1,75; Gewicht: R = 77 &#8211; 42,4 kg (34,6kg), x̄ = 66,89 ± 10,11; Größe: R = 184 – 167 cm (17cm), x̄ =174,15 ± 6,23). Die Ableitung des MF (sowie des LG und IC) wurde mittels Oberflächenelektromyographie (OEMG) durchgeführt. Die Vorbereitung und Elektrodenapplikation (Ambu Blue Sensor) erfolgte nach dem gängigen Prozedere. Aufgrund der anatomischen Topographie der autochthonen Rückenmuskulatur wurde für den MF auf Segmenthöhe L4/L5 und L5/S1 ein geeignetes Fenster bestimmt. Die Referenzelektrode wurde auf der Christa iliaca angebracht. Die genaue Lokalisation der Elektroden (vgl. Abb. 1) fand in Orientierung an SENIAM21 [21] statt. Diese Methode ähnelt jener von De Foa et al., [22] an der sich auch diverse andere Untersuchungen orientieren. Dabei wurde die paraspinale Muskulatur anhand <em>anatomischer Landmarks</em> lokalisiert. Die Abstände zu den Elektrodenpaaren des LG und IC wurden ausreichend groß gehalten, um einen <em>Crosstalk</em> zu unterdrücken. Um die einzelnen Übungen untereinander vergleichen zu können wurde ein Maximalkrafttest (MVC) in Form einer isometrischen Extension durchgeführt (vgl. Abb. 2). Für die korrekte Ausführung der Autostabilisationsübungen wurden die Probanden im Vorfeld theoretisch und praktisch eingewiesen und bekamen u. a. folgende Anweisungen: <em>„Einstellung und Einhaltung der physiologischen Lendenlordose; Versuch, im unteren Rücken keine Bewegung zuzulassen; </em>[23]<em> Einhaltung der Beckenachse; Wahrnehmung auf den MF im Bereich L5 legen; gleichmäßige Atmung.“</em> Die Übungen wurden in randomisierter Reihenfolge durchgeführt; die Pausenlänge betrug zwei Minuten. Die mittels der Oberflächenelektroden erfassten Signale wurden einem integrierten Vorverstärker <em>(Ressel)</em>zugeführt und dann mit einem 16-Kanal Endverstärker (Ressel) verarbeitet. Mittels einer A/D-Wandlerkarte<em> (Datalog)</em>wurden die Signale in den PC eingelesen und anschließend mittels Software <em>(IMAGO)</em> bearbeitet und ausgewertet. Die Autostabilisationsübungen können in die Gruppen Bauchlage (BL), Vierfüßlerstand (VFS) und Kleingeräte eingeteilt werden. Der Belastungsreiz zur lumbalen Autostabilisation findet über die Extremitäten (mit und ohne Kleingerät) statt. Die Übung <em>Theraband® Wechselbewegungen, Langhantelpendeln </em>und<em> Aerobar® rechts</em> + <em>links </em>betonen die rotatorische Stabilisation. Diese wird auch bei den anderen Übungen durch das Aufrechterhalten der neutralen Beckenachse in unterschiedlichem Ausmaß berücksichtigt.</p>
<figure id="attachment_21771" aria-describedby="caption-attachment-21771" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-21771" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger2_saez0126-1024x622.jpg" alt="" width="755" height="459" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger2_saez0126-1024x622.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger2_saez0126-300x182.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger2_saez0126-768x466.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger2_saez0126-150x91.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger2_saez0126-450x273.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger2_saez0126-1200x729.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger2_saez0126.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-21771" class="wp-caption-text">Abb. 1 Elektrodenplatzierung (PS=processus spinosus)<br />Abb. 2 Maximalkrafttest David 110®</figcaption></figure>
<p style="font-weight: 400;"><em>Missing data:</em> Die Übungen <em>Aerobar® hoch </em>+ <em>runter, BL Hackbewegungen, BL Schnelle Beinbewegungen, VFS Hüftextension </em>und<em> Langhantelpendeln</em> beinhalten aufgrund eines Datenverlustes nur die Werte von zwölf anstatt von dreizehn Probanden.</p>
<h2 style="font-weight: 400;"><strong>Ergebnisse</strong></h2>
<p style="font-weight: 400;">Die Messergebnisse für alle autochthonen Rückenmuskeln finden sich in Abb. 3 und Tab.1. Dabei beziehen sich die Angaben auf % MVC. Eine Trennung nach Geschlecht wird an dieser Stelle nicht berücksichtigt. Die höchsten <em>Aktivierungen</em> für den MF traten erwartungsgemäß bei den Übungen in Bauchlage auf, angeführt von den <em>Hackbewegungen</em>; die niedrigste bei den <em>schnellen Wechselbewegungen mit dem Theraband</em>®. Die Ergebnisse wurden in einem anderen Kontext und Umfang auf dem zwölften Jahreskongress des European College of Sport Science in Jyväskylä vorgestellt. [30]</p>
<figure id="attachment_21774" aria-describedby="caption-attachment-21774" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-21774" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger1_saez0126-926x1024.jpg" alt="" width="755" height="835" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger1_saez0126-926x1024.jpg 926w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger1_saez0126-271x300.jpg 271w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger1_saez0126-768x849.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger1_saez0126-1390x1536.jpg 1390w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger1_saez0126-150x166.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger1_saez0126-450x497.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger1_saez0126-1200x1326.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/Muehlberger1_saez0126.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-21774" class="wp-caption-text">Abb. Autostabilisationsübungen und Aktivierung MEAN ± STD % von MVC (Durchschnitt beider Seiten)</figcaption></figure>
<figure id="attachment_21773" aria-describedby="caption-attachment-21773" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-21773" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/MuehlbergerTab_saez0126-1024x424.jpg" alt="" width="755" height="313" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/MuehlbergerTab_saez0126-1024x424.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/MuehlbergerTab_saez0126-300x124.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/MuehlbergerTab_saez0126-768x318.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/MuehlbergerTab_saez0126-150x62.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/MuehlbergerTab_saez0126-450x186.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/MuehlbergerTab_saez0126-1200x497.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/03/MuehlbergerTab_saez0126.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-21773" class="wp-caption-text">Tab. Autostabilisationsübungen und Aktivierung MEAN ± STD % von MVC (Seitenvergleich: LI: links; RE: rechts)</figcaption></figure>
<h2>Diskussion</h2>
<p style="font-weight: 400;">Basis für die von Millivolt in % MVC umgerechneten Intensitätswerte stellt der Maximalkrafttest (MVC) dar. In der Literatur finden sich dazu unterschiedliche Ansätze. Arokoski et al. [25] z. B. führen eine isometrische Extension im Stand durch und orientieren sich hierbei an Rantanen et al. [26] Bei Kelly et al. [27] wird eine Hyperextension in Bauchlage mit Zusatzgewicht durchgeführt. Der in dieser Untersuchung durchgeführte MVC fand in Form einer isometrischen Extension im Sitz am Krafttrainingsgerät DAVID 110® statt. Hierbei werden die Knie- und Hüftgelenksextensoren stärker aktiviert. Diese lassen sich durch bestimmte Winkelgrade hemmen. [28] Diese Winkel wurden aufgrund der Aufrechterhaltung der neutralen Lendenlordose (NLL) jedoch nicht erreicht, weswegen von einer bestimmten Aktivierung ausgegangen werden muss. Ein direkter Vergleich einzelner Übungen mit anderen Untersuchungen anhand der Orientierung am MVC kann aus diesem Grund nicht oder nur mit Vorsicht erfolgen. Optional könnten die Ergebnisse in Millivolt herangezogen werden.</p>
<p style="font-weight: 400;">In Bezug auf die Vorgabe zur Übungsdurchführung in einer NLL gilt es zu beachten, dass diese in Abhängigkeit der individuellen Anthropometrie nicht immer genau bestimmbar ist. Dies ist insbesondere dahingehend von Bedeutung, dass es im Rahmen der Messung zur Beeinflussung der Ergebnisse kommen kann. Sha et al. [29] z. B. fanden (bei Patienten mit chronischem Low Back Pain) für die Übungen <em>VFS-Hüftextension</em> und <em>VFS-Diagonale</em> höhere Aktivitäten des MF in verstärkter Lordose als in NLL.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der MF ist Gegenstand diverser Arbeiten, in denen der Muskel mittels OEMG untersucht wurde. Ausgehend von einer Faserdifferenzierung stellt sich die Frage, inwieweit man mittels OEMG auf die Aktivierung der tiefen Faszikel schließen kann. Arokoski et al. [25] untersuchten den MF auf Ebene L2 und L5 im Rahmen diverser Stabilisationsübungen mittels Oberflächen- und Nadelelektroden, orientiert an <em>anatomischen Landmarks</em> hinsichtlich Position, Tiefe und Einstichwinkel, jedoch nicht ultraschallassistiv. Dabei kam es zu hohen Korrelationskoeffizienten zwischen den einzelnen Methoden, was eine mögliche Interpretation der Aktivität tiefer Fasern zulässt. Stokes et al. [30] hingegen behaupten, dass eine höhere Sensibilität der Oberflächenelektroden des MF gegenüber des LG besteht, als zu den Nadelelektroden im tiefen MF. Eine genaue Ableitung des MF sei nur mit intramuskulärer Elektromyographie (IEMG) möglich. [30] Auch Hofste et al. [31] beschreiben, dass OEMG-Signale bei gleichzeitiger Aktivierung nicht genau die IEMG-Signale des lumbalen MF (L5 + S1) und des ES (L1) repräsentieren. Kelly et al. [27] weisen darauf hin, dass oberflächliche und tiefe Fasern des MF unterschiedliche Rekrutierungsmuster aufweisen können, die im Rahmen der OEMG nicht erkennbar sind. Weiter besteht die Möglichkeit eines <em>Crosstalks</em>, was zu deutlichen Problemen im Rahmen der Interpretation der Messergebnisse führen kann. [27] Demgegenüber steht die Aussage von Vink et al., [32] dass EMG-Signale von Elektroden mit einem Abstand von &gt; 3 cm als ausreichend spezifisch betrachtet werden können.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Übungen und deren Aktivierung stellen sicherlich kein Novum dar. So untersuchten Arokoski et al. [33] ein beidseitiges Beinheben in Bauchlage, was deutliche Parallelen zur Übung BL Schnelle Beine aufweist. Sie untersuchten ebenfalls ein Beinheben in der Bauchlage, allerdings mit 90° flektierten Kniegelenken; weiter Wechselbewegungen mit dem Theraband® allerdings mit größerer Bewegungsamplitude sowie die Diagonale im VFS. [25] Letztere findet sich auch als <em>Multifidusübung</em>, wie sie nach Gasibat &amp; Simbak [12] in unterschiedlichen Veröffentlichungen behandelt wurde. Darüber hinaus ist sie auch Untersuchungsgegenstand bei Kim et al. [34], Kelly et al. [27] sowie Teil der <em>Big 3</em> bei McGill. [1]</p>
<p style="font-weight: 400;">Eine zentrale Frage ist sicherlich, inwieweit die untersuchten Übungen im Kontext der drei Trainingsansätze zu bewerten und für den Leistungssport geeignet sind. Bedeutende Punkte sind hierbei Sportartspezifik, Muskeldifferenzierung, Faserspektrum sowie Muskelaktionsweise. Für Willardson [35] ist die Rumpfstabilität ein dynamisches Konzept, welches sich ständig situativ verändert. McGill et al. [36] beschreiben einen sich aufgabenspezifisch ständig ändernden Beitrag einzelner Muskeln. Diese Erkenntnisse legen nahe, dass zur Verbesserung der Rumpfstabilität Übungen durchgeführt werden müssen, die die Bewegungsmuster einer bestimmten Sportart simulieren. [35] So bedarf es für die Stabilität der Integration verschiedener Muskeln, [37] bzw. der einheitlichen Aktivierung, [38] wobei der individuelle Beitrag vom Belastungsmuster bzw. der jeweiligen Aufgabe abhängig ist. [3] Somit sollte die Rumpfmuskulatur als funktionelle Einheit mit aufgabenspezifisch unterschiedlichen Aktivierungsniveaus betrachtet [35] und auch trainiert werden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Kritisch zu bewerten ist auch die Muskeldifferenzierung in lokal und global. So sehen Cholewicki &amp; Van Vliet [39] eine solche Untergliederung als nicht korrekt. Lederman [40] betrachtet die Klassifikation der Muskelsysteme als rein anatomisch und ohne funktionelle Bedeutung. Er beschreibt sie gar als <em>„reduktionistische Fantasie“</em>, die nur dazu diene, das Thema CS zu fördern. Willardson [35] unterstellt diversen Praktikern den Irrglauben, dass die kleineren lokalen Muskeln primär für die Stabilität des Rumpfes zuständig sind, während die größeren globalen Muskeln primär Kraft generieren. Zu diesen lokalen Muskeln gehören auch der TA und die tiefen Faszikel des MF, welche vor Extremitätenbewegungen aktiviert werden um die Körpermitte muskulär zu stabilisieren. [41, 42] Nach La Scala Teixeira et al. [43] ist es eine Aufgabe des Core-Trainings, solche Voraktivierungsmuster der lokalen Muskeln zu optimieren. An dieser Stelle soll das sogenannte <em>abdominal hollowing </em>[44] erwähnt werden, welches versucht, den TA isoliert (bzw. kokontraktiv mit dem tiefen MF unklarer Evidenz) zu aktivieren. [6, 16] In der Vergangenheit hat sich das „<em>Baucheinziehen</em>“ sowie die Bedeutung des TA durchaus zu einer Art Trend entwickelt. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen. So rät McGill [1] von einem <em>abdominal hollowing </em>zur Aktivierung des TA ab, da es nicht auf die wichtigsten Stabilisatoren des Rumpfes abzielt und diese aufgabenspezifisch sind. Das isolierte Potenzial des TA zur Verbesserung der Stabilität scheint weiter sehr begrenzt zu sein, führt ein <em>abdominal bracing </em>(Koaktivierung aller Bauchmuskeln) zu mehr Stabilität als ein <em>abdominal hollowing </em>[45]. Nach Luomajoki [46] gibt es keine klare Evidenz für ein spezifisches Stabilisationstraining via <em>abdominal hollowing.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Von Bedeutung ist auch das Faserspektrum des MF. Im Vergleich des lumbalen MF mit dem ES (LG + IC) wurde bei beiden eine überwiegende Anzahl an Typ-I Fasern festgestellt, jedoch kein Unterschied. [47, 16] Auffällig waren jedoch signifikant größere Typ-I Fasern beim MF. [47] Nach MacDonald et al. [16] wird zwar vermutet, dass der tiefe MF mehr Typ-I-Fasern aufweist als der oberflächliche MF und ES, gibt es hierfür jedoch nur wenig Evidenz. Sirca &amp; Kostevc [48] beispielsweise fanden im tiefen MF mehr Typ-I-Fasern. MacDonald et al. [16] berichten zudem von einem allgemeinen klinischen Glauben, dass der tiefe MF tonische Aktivität aufweist, während der oberflächliche MF sowie ES phasisch arbeiten. So sehen Richardson et al. [4] die tieferen Fasern mehr in einer tonischen Stabilisationsrolle. MacDonald et al. [49] fanden heraus, dass die kurzen Fasern bei Armbewegungen vor den langen Fasern aktiviert wurden; Moseley et al., [42] dass die tiefen Fasern (im Gegensatz zu den oberflächlichen Fasern + ES) in einem nicht richtungsspezifischen <em>„Feedforward</em> <em>&#8211; Verhalten“</em> im Zusammenhang mit schnellen Armbewegungen aktiv sind. Unterschiedliche Aktivität des oberflächlichen und tiefen MF konnten Moseley et al. [50] auch bei erwarteten, nicht aber bei unerwarteten Rumpfbelastungen beobachten. Dies deutet darauf hin, dass tiefe und oberflächliche Faszikel des MF bei Belastung unterschiedlich aktiv sind und diese Aktivität abhängig vom <em>„Input höherer Zentren“</em> ist. [16] Zusammenfassend zeigen die von MacDonald et al. (2006) [16] untersuchten Arbeiten, dass das Nervensystem nicht einfach eine tonische Aktivität des MF aufrechtzuerhalten scheint, sondern die Aktivität an die unterschiedlichen Anforderungen anpasst. [16] Die Annahme der tonisch und phasisch differenzierten Aktivierung der unterschiedlichen Muskelfaszikel wird zwar nicht bestätigt, doch aber die aufgabendifferenzierte Aktivität. [16]</p>
<p style="font-weight: 400;">Betrachtet man die Autostabilisationsübungen und deren isometrische Arbeitsweise, scheinen sie vorteilhaft, da die Körpermitte nach McGill [1] Bewegungen oftmals eher verhindern muss, als sie auszuführen. So ist es u.a. für viele sportliche Aufgaben erforderlich, dass die Kraft in der Hüfte erzeugt und durch einen versteiften Kern übertragen wird. [51 in 1] Nach La Scala Teixeira et al. [43] ist ein Ziel des Core Trainings, die Fähigkeit der Muskulatur dahingehend zu verbessern, die Wirbelsäule auch beim Auftreten externer Kräfte innerhalb der <em>Neutralen Zone (NZ)</em> zu stabilisieren.Hierbei handelt es sich um <em>„…that part of the range of physiological intervertebral motion, measured from the neutral position, within which the spinal motion is produced with a minimal internal resistance.“ </em>[52] Hier ist das isometrische Training ideal geeignet. La Scala Teixeira et al. [43] sehen den Beitrag dynamischer Übungsformen zur Verbesserung der Rumpfstabilität im Sport eher gering. Vor dem Hintergrund, dass die Wirbelsäule bei vielen sportlichen Bewegungen aufgerichtet bleibt, verweisen Sie auf Lee &amp; McGill, [53] deren Ergebnisse darauf hindeuten, dass isometrisches Rumpftraining dem dynamischen Training überlegen ist, um die Rumpfsteifigkeit zu verbessern. Der Trainingsansatz nach La Scala Teixeira et al. [43] stellt den isometrische Übungen in der NZ dynamische Übungen voran um letztere zu verbessern. Eine weitere Kritik am dynamischen Ansatz besteht in einem <em>Übertraining</em> der globalen Muskulatur vor einem ausreichenden Training der lokalen Muskulatur dahingehend, dass die von den globalen Muskeln produzierten Kräfte möglicherweise von den lokalen Muskeln nicht kontrolliert werden können. [5]</p>
<p style="font-weight: 400;">In Bezug auf die Aktivierungsintensitäten muss vorab die Basis geklärt werden. Auf die Durchführung unterschiedlicher Maximalkrafttests (MVC) wurde bereits hingewiesen. Die angegebenen Werte müssen immer auf diese Tests bezogen werden. Kelly et al. [27] berichten von Werten zwischen 23 und 46 % MVC für den MF bei der Übung VFD und sehen diese als geeignet, den MF als Haltungsmuskel (mit entsprechendem Anteil an Typ I Fasern und Deklaration als segmentalen Stabilisator) unter dem Ausdaueraspekt zu trainieren. Sie orientieren sie sich hierbei an Richardson et al. [4] mit 30-40 % MVC. Unter dem Aspekt der Kräftigung hingegen sehen sie die Übung als nicht geeignet, da die Intensitäten die empfohlenen 60-70 % ORM (für Anfänger) von Garber et al. [54] unterschreiten. Zu überprüfen wäre an dieser Stelle (und generell) der Einsatz von Zusatzgewichten um die Aktivität des MF zu erhöhen. Die Werte in dieser Untersuchung (mit anderem MVC) liegen mit 51,45-62,61 % MVC deutlich höher. Die in der Literatur zu findenden niedrigen Intensitäten, wie z.B. bei Richardson et al. [4] mit 30-40% MVC stehen vor dem Hintergrund dauerhaft tonischer Muskelaktivität und ST-Faseranteil. Nach McGill [55] steigt die Gelenksteifigkeit schnell und nichtlinear mit zunehmender Muskelaktivität an, weswegen bereits sehr geringe Aktivitäten ausreichen. Wirth et al. [56] weisen jedoch auf die Differenzierung zwischen Therapieübungen und höheren Anforderungen in Alltag und Leistungssport hin und beschreiben die therapeutischen Leitlinien für Profisportler als ungeeignet. Sie betonen weiter <em>„…that force production is the basic requirement for stabilization of the spinal column.“ </em></p>
<p style="font-weight: 400;">Ebenfalls wichtig für die Frage nach der geeigneten Intensität für das Training der Kernmuskulatur ist die Differenzierung von CS, Core Strength und Core Endurance. Dies ist jedoch aufgrund der teils unterschiedlichen Definitionen als auch Verwendung der Termini schwierig. Saeterbakken et al. [57] z. B. arbeiten in ihrer Untersuchung mit den Definitionen von Panjabi [52], Faries &amp; Greenwood [5] sowie McGill et al. [58] und stellten keinerlei systematische Korrelation zwischen den einzelnen Trainingsansätzen fest, was auf eine Unabhängigkeit hindeutet. Faries &amp; Greenwood [5] weisen darauf hin, dass Core-Übungen nicht zum Ziel haben, die Stabilität der Muskeln selbst zu erhöhen, sondern die Fähigkeit jener die (L)WS zu stabilisieren. CS-Übungen scheinen i.d.R. an keine muskuläre Ausbelastung heranzugehen, von isometrischer Natur und dominant kraftausdauerorientiert zu sein. Dynamische Übungen wie sie an klassischen Maschinen über möglichst die komplette Bewegungsamplitude (ROM) ausgeführt werden, scheinen die Muskulatur mit Zielsetzung Ausdauer, Stoffwechsel und ggf. Hypertrophie zu trainieren. So arbeiten bspw. Alfen &amp; Spang [59] mit einer Belastungszeit von ca. 2 Minuten und progressiver muskulärer Ausbelastung im therapeutischen Kontext. Nach Butowick et al., [60] ist die optimale CS von Kraft und Ausdauer sowie der neuromuskulären Kontrolle abhängig. Leetun et al. [61] sehen die CS als das auf den lumbopelvinen Hüftkomplex bezogene Produkt von motorischer Kontrolle und muskulärer Kapazität und McNeill [62] als Teilmenge der motorischen Kontrolle. Vor dem Hintergrund der erwähnten aufgabenspezifischen Aktivität mehrerer Rumpfmuskeln weisen Borghuis et al. [3] darauf hin, dass die sensomotorische Kontrolle für die Balance zwischen Stabilität und Mobilität viel wichtiger ist als Kraft oder Ausdauer. So scheint es beim Training der CS mehr um die Ansteuerung und (lumbopelvine) Kontrolle zu gehen, wohingegen die Core Strength die dynamische (Kraft)Komponente wieder spiegelt, auch wenn dies nicht eindeutig ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Tatsache, dass die Ergebnisse für den MF auf der linken Seite häufiger höher ausfallen als auf der rechten Seite (betrifft auch LG + IC) konnte bisher leider nicht eindeutig geklärt werden.</p>
<h2 style="font-weight: 400;"><strong>Fazit</strong></h2>
<p style="font-weight: 400;">Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die einzelnen Ansichten zum Thema CS teils sehr unterschiedlich oder gar konträr sind. Aufgrund der Komplexität des MF lässt die Untersuchung nur einen geringen Erkenntnisgewinn zu. Die dargestellten Autostabilisationsübungen können als Basisübungen der CS mit Fokus dorsale Kette verstanden werden. Mit ihnen lassen sich Kinästhesie und Ansteuerung für die lumbopelvine Kontrolle schulen als auch die isometrische Muskelausdauer trainieren. Für ein athletisches Trainingsprogramm muss individuell entschieden werden, wann welche Übungsansätze verfolgt werden. So können Übungen der klassischen Autostabilisation als auch sportartspezifische Übungen aus dem Bereich Core Strength Teil eines Trainings sein. Athlet und Sportart sollten vorab analysiert werden, um zu wissen was für die gewünschte Entwicklung wichtig ist. Bei allem Fokus auf den Kern oder auch spezielle Muskeln, darf nie das Prinzip der Ganzheitlichkeit vergessen werden, welches den gesamten Körper berücksichtigt. Die vorgestellten Übungen können gezielt eingesetzt werden, stellen jedoch nur ein Teil des Ganzen dar.</p>
<p>Literatur</p>
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</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Belastbarkeitssicherung im Nachwuchsleistungssport</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/4695/belastbarkeitssicherung-im-nachwuchsleistungssport/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christoph Mühlberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jan 2021 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/19]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://sportaerztezeitung.com/?p=4695</guid>

					<description><![CDATA[Die Belastbarkeit stellt die wichtigste Größe im Leistungssport dar. Sie ist entscheidend für eine erfolgreiche und langfristige Leistungssportkarriere, in welcher die Gesundheit stets im Blickfeld steht. Die Belastbarkeitssicherung ist wichtige [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Belastbarkeit stellt die wichtigste Größe im Leistungssport dar. Sie ist entscheidend für eine erfolgreiche und langfristige Leistungssportkarriere, in welcher die Gesundheit stets im Blickfeld steht. Die Belastbarkeitssicherung ist wichtige Aufgabe und Herausforderung zugleich. Dies gilt insbesondere für den Nachwuchsleistungssport. Aktive Maßnahmen für den Bewegungsapparat sollten von Beginn an in das Training integriert werden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Leistungssport sind hohe und umfangreiche Belastungen oftmals bereits in jungen Jahren an der Tagesordnung, ist die langfristige Zielsetzung schließlich das Erreichen von Höchst- und Spitzenleistungen. Die Belastbarkeit ist hierbei die zentrale Größe und bedeutet „…dass physische und psychische Belastungen, die der Organismus aktiv ermöglicht und durch diverse Beanspruchungen passiv erträgt, verarbeitet werden können, ohne dass Störungen der Gesundheit oder Trainierbarkeit eintreten“ [1]. Die Belastbarkeit unterliegt verschiedenen Einflussfaktoren und wird in vier Kategorien differenziert [1] [2] in [1]. Dieser Beitrag fokussiert primär die mechanische Belastbarkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sicherung und Weiterentwicklung der Belastbarkeit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die im Leistungssport auftretenden Belastungen kann es zu einer Gefährdung der Belastbarkeit kommen. Überlastungserscheinungen und Verletzungen können auftreten, Trainingspausen und Unterbrechungen der geplanten Leistungsentwicklung sind die Folge. Im schlimmsten Fall findet die Leistungssportkarriere frühzeitig ihr Ende. Grund genug, sich mit der Sicherung und Weiterentwicklung der Belastbarkeit im Kindesalter zu beschäftigen. Auf den ersten Blick besteht die Gefahr der Überbeanspruchung beispielsweise durch zu hohe und umfangreiche Belastungen, zu geringe Pausen, vernachlässigte Regenerationsmaßnahmen und mangelnde Technik. Auf den zweiten Blick lassen sich jedoch noch weitere Gegebenheiten erkennen, welche zu einer Gefährdung der Belastbarkeit führen können. Es handelt sich um individuelle Ausprägungen und Zustände des Bewegungsapparates. Hierzu zählen z. B. Normabweichungen der Gelenke, wie etwa eine Knick-Senk-Fuß-Problematik oder X-Beine, wobei hierbei immer anatomische und funktionelle Aspekte beachtet werden müssen. Weiter eine mangelnd ausgeprägte Stabilisationsmuskulatur respektive Ansteuerungsfähigkeit, welche von Bedeutung ist, um den passiven Bewegungsapparat gegenüber den einwirkenden Kräften zu schützen. Nicht zu vergessen arthro-myofasziale Dysbalancen, welche nicht selten durch die Charakteristik der jeweiligen Sportart im Sinne eines einseitigen muskulären Aktivierungsprofils im Segment Leistungs- und Spitzensport entstehen können. Um diesen Risiken entgegenzutreten, die Belastbarkeit zu sichern und damit die Grundlage für eine kontinuierliche Leistungsentwicklung in Training und Wettkampf zu schaffen, sollten entsprechende Maßnahmen in den Trainingsalltag integriert und regelmäßig umgesetzt werden. Dabei ist es wichtig, dies bereits in frühen Jahren zu realisieren. So wird im Zusammenhang mit überdurchschnittlicher Belastung auf präventive Maßnahmen im Kindes- und Jugendalter für die Gesunderhaltung im langfristigen Leistungsaufbau explizit hingewiesen [1]. Ein Grund ist hierbei, dass die Anfälligkeiten für viele chronische Überlastungsschäden im späteren Jugend- und Erwachsenenalter bereits im Kinder- und Jugendtraining gelegt werden [3]. In welchem Alter begonnen wird, muss sicher individuell und in Abhängigkeit der gewählten Maßnahme entschieden werden. Trotz eines hohen Wahrnehmungsanteils einzelner Ansätze, scheint bereits das frühe Schulkindalter gute Bedingungen zu bieten. So ist die Entwicklung der Muskulatur als Sinnesorgan mit 7–8 Jahren nahezu abgeschlossen [4] und die Kinder verfügen über eine verfeinerte motorische Differenzierungsfähigkeit und präzisierte Informationsaufnahme- und Verarbeitungsfähigkeit [5] in [6]. Das Erlernen von Bewegungsfertigkeiten fällt ihnen leicht [6], allerdings müssen diese zur Festigung oft wiederholt werden [7] in [6].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Vorfeld entsprechender Trainingsmaßnahmen sollte im Idealfall immer die Analyse stehen, welche in regelmäßigen Abständen wiederholt wird. Im Bereich der Kaderstrukturen werden regelmäßige sportmedizinische Untersuchungen durchgeführt. Hier sollte die Kommunikation zwischen Ärzten und Trainern fokussiert werden, um die Ergebnisse adäquat für die anschließenden Maßnahmen nutzen zu können. Aber auch jenseits des Kaderwesens sollten sowohl regelmäßige Untersuchungen wahrgenommen als auch Beobachtungen an den Athleten vorgenommen werden. Ebenfalls sollte das Hintergrundwissen über die Auswirkungen der präferierten leistungsorientiert trainierten Sportart auf den Bewegungsapparat bekannt sein, um entsprechende präventive Gegenmaßnahmen einzuleiten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die nachfolgend aufgeführten Ansätze zählen zu den aktiven Maßnahmen und stellen nur einen Baustein innerhalb der Belastbarkeits­sicherung dar. Sie beziehen sich auf die drei oben genannten Gegebenheiten und verstehen sich sowohl präventiv als auch leistungsfördernd. Es handelt sich hierbei um Muskuläre Stabilisation, Sensomotorik, Self Myofascial Release sowie klassisches Kraft- und Beweglichkeitstraining. Sie sollten auf die entsprechende Sportart und individuelle Situation angepasst und regelmäßig angewendet werden. Sportartspezifische Beispiele im Nachwuchsleistungssport wurden autorenseitig bereits dargestellt [8 –13].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Muskuläre Stabilisation</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Den ersten Ansatz stellt die Muskuläre Stabilisation dar und zielt auf die neuromuskuläre Kontrolle des jeweiligen Gelenks ab. Auch wenn oftmals eine Vielzahl an Muskeln Einfluss auf ein Gelenk nehmen, sind es doch ganz bestimmte Muskeln, welche aufgrund ihrer Lage, Größe und Eigenschaften besser in der Lage sind, ein Gelenk muskulär abzusichern. Diese Muskeln gilt es für die jeweilige Körperregion zu lokalisieren und adäquat zu trainieren. Exemplarisch für die Lendenwirbelsäule sind dies primär M. Transversus abdominis, Mm. Multifidii (tiefe Anteile), Beckenboden und Zwerchfell, welche eine Art Stabilisationszylinder bilden [14]. Die Aktivierung der einzelnen Muskeln, welche in Summe als sogenannte Grundspannung agieren, wird zunächst mittels einfacher Übungsformen im Rahmen der neutralen Lendenlordose durchgeführt. Hierfür sind viel Konzentration und Wahrnehmung nötig, weswegen eine separate Einheit sinnvoll ist. Im Anschluss sollte die Grundspannung in allgemeine und sportartspezifische Stabilisationsübungen sowie die eigentliche Bewegung der jeweiligen Sportart integriert werden. Auch in den klassischen Übungen eines – die sensiblen Phasen des Wachstums im Kindes- und Jugendalter berücksichtigenden – Krafttrainings sollte die Grundspannung nicht fehlen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sensomotorik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sensomotorik als zweiter Ansatz weist deutliche Parallelen zur Muskulären Stabilisation auf, geht es hierbei neben der sensorischen Wahrnehmung auch um die korrekte Ansteuerung der Stabilisationsmuskulatur. Eine hohe Übungsgenauigkeit ist auch hier von besonderer Bedeutung, mögen die Übungen auf den ersten Blick auch einfach wirken. Exemplarisch steht der Einbeinstand als Klassiker für die unteren Extremitäten, welcher sich durch das Ausschalten des Visuellen Systems noch stärker auf die Propriozeption fokussieren lässt. Sportartspezifische Bewegungsmuster und instabile Unterlagen runden das Ganze ab. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Myofasziales System &amp; Kraft- und Beweglichkeitstraining</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der dritte Ansatz widmet sich dem Zustand des myofaszialen Systems. Im Sinne einer aktiven Regenerationsmaßnahme zur Rehydration sowie Erhalt und Förderung der Faszienflexibilität gilt es, insbesondere im Zusammenhang mit möglichen arthro-myofaszialen Dysbalancen, geeignete Übungen anzuwenden. Anhand des mittlerweile weit verbreiteten Self-Myofascial-Release, einem Ansatz des Faszientrainings, wird mit speziellen Rollen und Kugeln gearbeitet. Neben einem allgemeinen Ganzkörpertraining sollten insbesondere sportartspezifisch bedingte Problemregionen bearbeitet werden. Es gilt die korrekte Technik bezüglich Geschwindigkeit etc. zu beachten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abschließend bildet das klassische Kraft- und Beweglichkeitstraining den vierten Ansatz. Verschiedene Methoden verfolgen hier das Ziel, möglichen arthro-myofaszialen Dysbalancen entgegenzuwirken. So gilt es beispielsweise einen in bestimmten Sportarten gehäuft auftretenden protrahierten Schultergürtel mittels geeigneter Übungen adäquat zu dehnen und zu kräftigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vorgestellten Maßnahmen sollten von Anfang an in das Nachwuchstraining integriert werden. Dabei hält sich der Zusatzaufwand bei den allseits bekannten Zeitproblemen im Rahmen. Zwar muss für die eine oder andere Einheit zu Beginn etwas Zeit und Mühe investiert werden, allerdings können viele Übungen in das bestehende Training integriert bzw. bestehende Übungen angepasst werden. Der Verantwortung für den Nachwuchs bewusst und große Ziele im Visier, sollte die Belastbarkeitssicherung in all ihren Facetten berücksichtigt werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Literatur</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[1] Fröhner, G. (2007): Sportmedizinische Ratschläge für die Belastbarkeitssicherung im Nachwuchsleistungssport &#8211; Teil 1: Einführung. In: Leistungssport, 37 (6), 31–33.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[2] Martin, D.; Nicolaus, J. (1998): Leistungsvoraussetzungen und sportliche Leistungsfähigkeit von Kindern. Kinder und Jugendliche im Leistungssport. In: Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 95, 347–363. Schorndorf: Hofmann-Verlag.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[3] Schmitt, H. (Hrsg.) (2014): Sportorthopädie und -traumatologie im Kindes- und Jugendalter. Köln: Deutscher Ärzteverlag.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[4] Fröhner, G.; Tronick, W. (2007): Prophylaxe von Verletzungen und Fehlbelastungsfolgen durch Belastbarkeitssicherung im Nachwuchsleistungssport. In: Leistungssport, 37 (1), 11–17.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[5] Winter, R. (1981): Grundlegende Orientierungen zur entwicklungsgemäßen Vervollkommnung der Bewegungskoordination im Kindes- und Jugendalter. In: Medizin und Sport, 21, 255. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[6] Weineck, J. (2000): Optimales Training. Leistungsphysiologische Trainingslehre unter besonderer Berücksichtigung des Kinder- und Jugendtrainings. Balingen: Spitta-Verlag.</em></p>
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