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	<title>Dr. med. Christophe Lambert, Autor bei sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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	<title>Dr. med. Christophe Lambert, Autor bei sportärztezeitung</title>
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	<item>
		<title>Olympisches Surfen 2024</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/17916/olympisches-surfen-2024/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Christophe Lambert&#160;,&#160;Dr. med. Rike Lambert]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Dec 2024 09:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[04/24]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Deutschen Surf Nationalmannschaft ist das Unglaubliche gelungen. Mit Camilla Kemp und Tim Elter qualifizierten sich bei den World Surfing Games in Puerto Rico gleich zwei Surfer für die Olympischen [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Der Deutschen Surf Nationalmannschaft ist das Unglaubliche gelungen. Mit Camilla Kemp und Tim Elter qualifizierten sich bei den World Surfing Games in Puerto Rico gleich zwei Surfer für die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Als Austragungsort für die Wettkämpfe wurde Teahupoo an der Südküste Tahitis ausgewählt.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Vor einer spektakulären Kulisse ist hier eine der schnellsten und gefährlichsten Wellen der Welt zu finden. An manchen Stellen sind über dem scharfkantigen Riff nur etwa 50 cm Wasser, was bei einem Sturz und einer Wellengröße von bis zu sechs Metern mit erheblichen Verletzungen einhergehen kann. Die Monate nach der erfolgreichen Qualifikation unserer Sportler widmeten wir deshalb einem einzigen Ziel: die optimale Vorbereitung auf diese einzigartige Welle.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h2><b>Vorbereitung &amp; Betreuung</b></h2>
<p>Die Qualifikation für die Olympischen Spiele beginnt zwei Jahre vor den Olympischen Spiele selbst und es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich zu qualifizieren. Für beide Geschlechter stehen jeweils 24 Startplätze zur Verfügung. Unser Kernteam für diesen Olympiazyklus bestand aus acht bis zehn Surfern, zwei Bundestrainern, einer Sportdirektorin, einer Physiotherapeutin und einem Arzt (Abb. 1). Im Vergleich zu anderen Sportarten handelt es sich hierbei also um ein sehr kleines Team, was jedoch auch darin begründet ist, dass Surfen erst zum zweiten Mal als Sportart Teil des olympischen Programms ist. Nachdem bei den ISA World Surfing Games 2023 und der Europameisterschaften 2023 leider keine Platzierung erreicht werden konnte, waren unsere Sportler Anfang diesen Jahres umso motivierter, ihre beste Leistung zu zeigen, um sich den Traum der Olym­pischen Spiele doch noch zu erfüllen, wie es ihrem Teamkamerad Leon Glatzer im Jahr 2021 gelungen war.</p>
<p>Um die Fähigkeiten für radikale Manöver zu verbessern, wurde extra ein Trainingslager in einem speziellen Wave-Pool in Texas sowie eine mehrwöchige Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in El Salvador vor Ort organisiert. Es zeigte sich jedoch auch, dass die zunehmende Belastung im Training und Wettkampf nicht spurlos an den Surfern vorbei ging. Von den acht Top-Athleten erlitten während der Qualifikationsperiode sechs Athleten Verletzungen. Da die Sportler der Surf-Nationalmannschaft fast ausschließlich im Ausland leben, haben wir als medizinisches Team beschlossen, dass jede Verletzung, die länger als drei Wochen Trainingsausfall zur Folge hat, in Deutschland behandelt werden muss. Hier konnten wir in den letzten Jahren über die Olympiastützpunkte einen optimalen Zugang zu bildgebender und klinischer Diagnostik sowie zur ärztlichen und physiotherapeutischen Behandlung etablieren. 50 % der Athleten litten zur gleichen Zeit unter mehreren Verletzungen. Mit etwa 70 % war der Rücken die am häufigsten von Verletzungen betroffene Körperregionen. Die medizinische Betreuung der deutschen Surfnationalmannschaft ist in den letzten Jahren deutlich professioneller und strukturierter geworden. Dennoch entwickeln wir immer wieder neue Betreuungskonzepte, um die Versorgung für unsere Athleten zu verbessern. Auch als Reaktion auf das erhöhte Verletzungsaufkommen, haben wir durch die Mitarbeit einer Athletiktrainerin das Kraft- und Ausdauertraining unserer Athleten außerhalb des Wassers deutlich gesteigert. Zusätzlich konnten wir durch die Einstellung von Marie Theres Ott als Osteopathin und Physiotherapeutin im Bereich der Prävention von Verletzungen eine deutlich verbesserte Betreuung unserer Athleten während der oft mehrtägigen Wettkämpfe und Trainingslager gewährleisten.</p>
<p>Die Vorbereitung unserer beiden Olympiastarter Tim Elter und Camilla Kemp (Abb. 2) auf die Bedingungen in Tahiti unterschied sich grundlegend von allen bisherigen Wettkampfvorbereitungen. Beide Athleten waren bis zu diesem Zeitpunkt die Welle in Teahupoo noch nie in ihrem Leben gesurft. Zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele bot die ISA (Internationale Surf Association) zwei Trainingslager für sämtliche Olympiateilnehmer an. Hier wurden insbesondere auch Sicherheitsaspekte und örtliche Besonderheiten dieser Welle mit den Sportlern und ihren Teams besprochen. Leider konnte ich persönlich nicht in Tahiti vor Ort sein, da ich zeitgleich vom DOSB (deutscher olympischen Sportbund) mit der Aufgabe betraut wurde, die medizinische Ver­ant­wortung für Kampfsportarten in Paris zu übernehmen. Zudem gelang es dem deutschen Surfverband nicht, für unsere Physiotherapeutin eine Akkreditierung für die olympischen Wettkampfstätte zu erhalten. Durch die intensive Arbeit mit unserem sport­psycho­logischen Team um Bundestrainer Martin Walz und Teampsychologin Dr. Brit Wilsdorf erhielten unsere beiden Athleten letztlich dennoch den größtmöglichen Support. Dennoch war es uns bei diesen Olympischen Spielen leider nicht vergönnt, uns auf die Medaillenränge zu surfen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<figure id="attachment_17918" aria-describedby="caption-attachment-17918" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-17918" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/11/Lambert2_saez0424-990x1024.jpg" alt="" width="755" height="781" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/11/Lambert2_saez0424-990x1024.jpg 990w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/11/Lambert2_saez0424-290x300.jpg 290w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/11/Lambert2_saez0424-768x794.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/11/Lambert2_saez0424-1485x1536.jpg 1485w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/11/Lambert2_saez0424-150x155.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/11/Lambert2_saez0424-450x465.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/11/Lambert2_saez0424-1200x1241.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2024/11/Lambert2_saez0424.jpg 1600w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-17918" class="wp-caption-text">Abb. 2 Unsere beiden Olympiastarter Tim Elter und Camilla Kemp</figcaption></figure>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Nichtsdestotrotz kann man das Fazit ziehen, dass die Erfahrungen, welche das gesamte Surfteam Deutschland auf dem Weg zu und bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris (bzw. Tahiti) machen durfte, uns allen gezeigt hat, dass es auch als deutscher Surfer oder als deutsche Surferin möglich ist, in der Weltspitze mitzumischen. Dies hat uns alle stärker für die kommenden Aufgaben gemacht hat. Wer weiß, vielleicht richten wir in ein paar Jahren die Olympischen Spiele in Deutschland aus und feiern den Olympiasieg auf der ersten künstlichen Welle Deutschlands in München.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mentale Gesundheit  im Sport</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/psychologie/12282/mentale-gesundheit-im-sport/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Christophe Lambert,&#160;Lisa-Marie Schütz&#160;,&#160;Martin Walz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Sep 2022 08:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[03/22]]></category>
		<category><![CDATA[sportlerzeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Umgang mit der mentalen Gesundheit von Athleten im Leistungs- und Spitzensport ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Dennoch steht die interdisziplinäre Arbeit und [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Der Umgang mit der mentalen Gesundheit von Athleten im Leistungs- und Spitzensport ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Dennoch steht die interdisziplinäre Arbeit und Forschung in der Sportpsychologie/-psychiatrie/-medizin erst am Anfang. Selbst unter Ärzten und Trainern herrschen immer noch veraltete und teilweise falsche Arbeitsannhamen vor.</b></p>
<p>Vergleicht man die Suchergebnisse in der Pubmed Datenbank (in englischer Sprache) mit der Suchkombination “Sport und Wunden / Verletzungen“ mit dem Suchraster „Sport und mentale-/psychische Störungen“, so wird man bei Veröffentlichungen einen sehr starken intersubjektiven Unterschied in der Anzahl der Publikationen feststellen. Der mentalen Gesundheit von Athleten wird international und auch in Deutschland immer noch zu wenig Raum in der Sportmedizin eingeräumt und die Betreuung und das Coaching von Athleten erfolgt nur sehr selten aus einem Bio-Psycho-Sozialen Ansatz heraus. Leistungssport fängt dort an, wo Gesundheitssport aufhört. Athleten im Nachwuchs- und Spitzenbereich nehmen intensive Risiken, körperliche wie psychische Belastungen und Stressoren in Kauf, um ihre Ziele und Träume auf der Weltbühne des Sports zu erreichen. Zudem identifizieren sich viele Sportler einzig und alleine über den Sport und haben sich so ihre Identität als Athleten aufgebaut. Ihr Wesen und der Prozess der Menschwerdung und Persönlichkeitsentwicklung werden somit oft auf dem Fundament der Athleten-Identität getragen. Diese hohe Bedeutsamkeit des Sports birgt gewisse Stressoren, ­gerade wenn es um langwierige Verletzungen, intensive Misserfolgsphasen oder gar das Karriereende geht, da somit die gesamte Identität sowie die eigene Persönlichkeit in Frage gestellt wird.</p>
<h2><b>Untersuchungsergebnisse</b></h2>
<p>Die IOC Kommission für mentale und physische Gesundheit identifizierte in ihrer Metanalyse 640 unterschiedliche Stressoren in einer professionellen Leistungssportkarriere, welche das Risiko für den Erhalt der geistigen- und physischen Gesundheit von Athleten gefährden können [1]. Diese medizinische und wissenschaftliche Kommission des IOC besteht aus Ärzten, Psychiatern, Therapeuten, Sportwissenschaftlern und Psychologen, welche zu den erfahrensten Experten im internationalen Spitzensport zählen. Diese Kommission hat die mentale und physische Gesundheit von Athleten als wichtigstes Gut hervorgehoben. Die physische Gesundheit ist nicht von der psychischen Gesundheit zu trennen. Dies geht mittlerweile auch aus dem Konsens-Statement des Olympischen Komitees (IOC) hervor. Hintergrund ist, dass psychische Symptome und Störungen das Risiko körperlicher Verletzungen erhöhen sowie deren anschließende Genesung verzögern können [2].<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Anhand bisheriger Untersuchungen über das Auftreten psychischer Erkrankungen bei Leistungssportlern ging man davon aus, dass sich die Wahrscheinlichkeit des Auftretens in dieser Gruppe nur geringfügig von der der Normalbevölkerung unterscheidet. Laut dieser Studien entwickelten 13 – 20 % der Leistungssportler im Laufe ihres Lebens eine Depression. Verglichen mit der Normalbevölkerung mit einer Lebenszeitprävalenz von 12 – 20 % konnten die Autoren keinen wesentlichen Unterschied zwischen beiden Gruppen feststellen [3]. Neuere Erkenntnisse lieferten jedoch Gouttebarge et al. in ihrer Meta-Analyse, in der sie die Prävalenz psychische Auffälligkeiten und Störungen bei aktiven Sportlern untersuchten. Die Autoren konnten zeigen, dass bei 19 % der aktiven Athleten Alkoholmissbrauch vorlag und bis zu 34 % von einer Angststörung und Depression betroffen waren. Bei ehemaligen Athleten liegt die Prävalenz für Distress bei 16 % und für Angststörung und Depression bei bis zu 26 % [1]. Es hat sich zudem gezeigt, dass Essstörungen in bestimmten Sportarten häufiger auftreten als in der Normalbevölkerung (Lebenszeitprävalenz Leistungssportler 25 % vs. Normalbevölkerung 1 – 5 %). Besonders in ästhetischen Sportarten, wie der Rhythmischen Sportgymnastik, Tanzen oder Gerätturnen sowie in Ausdauersportarten, Sportarten mit Gewichtsklassen und Antigravitationssportarten (Skispringen) treten Essstörungen vermehrt auf [4]. Während man bisher davon ausging, dass die Prävalenz psychischer Auffälligkeiten und Störungen bei Spitzensportlern ähnlich hoch ist wie in der Normalbevölkerung, widerlegen die oben ge­nannten Ergebnisse diese Annahme.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-12289" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322.jpg" alt="" width="1200" height="1184" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322-300x296.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322-1024x1010.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322-768x758.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322-70x70.jpg 70w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322-150x148.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/09/LambertAbb_saez0322-450x444.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></p>
<h2><b>Pandemiebedingte Umstände</b></h2>
<p>Die COVID-19 Pandemie hat viele Menschen stark beansprucht und zog auch im Sport erhebliche Einschränkungen, sowohl im Breiten- wie im Leistungssport, nach sich. Während der Phasen des Lockdowns war die gewohnte sportliche Betätigung nicht möglich. Die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio 2020 war eine noch nie dagewesene Maßnahme. Besonders für Leistungssportler, die ihre gesamte Anstrengung, Trainingsplanung, sogar ihre gesamte Karriere auf die Teilnahme der Olympischen Spiele ausrichten, war dies eine sehr schwere Nachricht. Die Lebensziele der Athleten wurden durch die unsichere Zukunft und die Verschiebung der Olympischen Spiele in Frage gestellt. Diese nie dagewesene Stresssituation stellte viele Athleten vor große Herausforderungen. Die 2022 erschienene Studie „Depressive symptoms among Olympic athletes during the Covid-19 pandemic” der Autoren befasst sich mit der Frage, wie schon qualifizierte oder sich noch in der Qualifikation für die Olympischen Spiele von Tokio 2020 befindende Athleten mental mit der Verschiebung der Olympischen Spiele umgegangen sind [5].</p>
<p>Die Studie konnte zeigen, dass die meisten Athleten es für die richtige Entscheidung hielten, dass die Olympischen Spiele verschoben wurden. Es konnte gezeigt werden, dass diese Athleten trotzdem mentale Schwierigkeiten aufgrund der Verschiebung und den daraus resultierenden Konsequenzen hatten. Infolge der Verschiebung der Olympischen Spiele, der Aussetzung des Trainings und der Wettkämpfe berichteten viele Athleten in dieser Studie über eine geringere Motivation. Das für die Autoren überraschendste Ergebnis der Studie war jedoch, dass obwohl viele Athleten Schwierigkeiten im Umgang mit dieser Situation angaben, nur 18 % professionelle Unterstützung zur Bewältigung der Situation erhielten. Es bleibt offen, ob die Athleten keine Hilfe in Anspruch nehmen wollten oder ihnen keine Hilfe in Form von beispielsweise sportpsychologischer Betreuung zu Verfügung gestellt wurde. Leider sind psychische Erkrankungen im Leistungssport nach wie vor ein Tabuthema. In der Vergangenheit wurden Sportler, die mit ihrer emotionalen und mentalen Situation an die Öffentlichkeit gegangen sind, als schwach und für den Leistungssport ungeeignet dargestellt. Diese falsche Sichtweise führt dazu, dass viele Sportler lieber schweigen und versuchen, alleine mit ihren „mentalen Problemen“ klarzukommen.</p>
<h2><b>Positives Beispiel: Anna-Maria Wagner</b></h2>
<p>Eine Athletin, die dieses Schweigen gebrochen und offen über ihre psychischen Probleme gesprochen hat, ist die amtierende Judo-Weltmeisterin, Weltranglistenerste und zweimalige Olympia-Bronzemedaillengewinnerin von Tokio 2021 <a href="https://www.instagram.com/anna_ma_wagner/?hl=de">Anna-Maria Wagner</a>. Mehrfach hat sie in den sozialen Medien offen und ehrlich über ihren emotionalen Zustand gesprochen. In diesem Interview gibt sie uns einen Einblick in diese schwierigen Momente in ihrem Leben und wie sie es geschafft hat, sich dort herauszukämpfen.</p>
<h3>Hallo Anna, Du hast in den letzten zwei Jahren so viele Erfolge gefeiert, dass wir nur die größten aufzählen können (Weltmeisterin 2021, 2 olympische Medaillen in Tokio 2021, 3 Grand-Slam Siege am Stück). Aber dennoch hast Du auch schwere Phasen erlebt. Eine schwere Zeit war sicherlich die Verschiebung der Olympischen Spiele 2020. Du hattest Dich kurz davor gegen Deine Konkurrenten (Luise Malzahn) durchgesetzt und wurdest offiziell nominiert. Wie bist Du mit dieser Situation umgegangen?</h3>
<p>Natürlich war es erstmal nicht so eine schöne Information, dass die Spiele verschoben werden, aber eigentlich war ich froh, dass sie nur verschoben wurden und nicht ganz abgesagt wurden. Diese Angst war ja immer da. Ich habe ab diesem Zeitpunkt versucht, mich nur auf das Training zu konzentrieren und auch die ganzen Berichte aus den Medien zu meiden. Durch die Verschiebung musste ich mich ja erneut gegen meine Konkurrenten beweisen, also nochmal die Qualifikation bestätigen. Das hat mich mental sehr viel Kraft gekostet. Rückblickend kann ich gar nicht so genau sagen, wie ich das alles gestemmt habe, mich hat einfach der Traum der Olympischen Spiele immer wieder motiviert.</p>
<h3>Hast Du in dieser Zeit Unterstützung bekommen? Wenn ja, wie sah diese aus?</h3>
<p>Ich war in dieser Zeit in sehr engem Ausstauch (also das, was die Corona-Restriktionen erlaubt haben) mit unserem Sportpsychologen Moritz Anderten. Wir haben weiterhin die mentale Vorbereitung für die Spiele gemacht, unabhängig von der Situation mit Corona. Wir haben viele Gespräche geführt und immer versucht, für mich eine individuelle Lösung zu finden. Auch für die Wettkämpfe, in denen es um die erneute Qualifikation ging, haben wir eine besondere Herangehensweise gewählt. Ich habe die entscheidende WM wie ein normales Turnier und überhaupt nicht als ein großes und entscheidendes Ereignis angegangen. Das war für mich das Beste und genauso haben wir es bei den Olympischen Spielen gemacht. Die Weltmeisterschaft war ja ein guter Test.</p>
<h3>Ist die Mentale Betreuung von Athleten Deiner Meinung im Leistungssport weit verbreitet?</h3>
<p>Ich würde schon sagen, dass es im Leistungssport, vor allem im oberen Bereich, verbreitet ist. Aber danach bröckelt es auch schon. Ich glaube, dass es in den unteren Leistungsklassen und im Nachwuchs diese Unterstützung kaum gibt. Da besteht auf jeden Fall Nachholbedarf. Man darf das aber den Sportlern nicht aufs Auge drücken. Ich habe mich dafür auch selbst entschieden, wenn man das selber nicht möchte, bringt es wahrscheinlich auch nichts. Vielleicht wäre es gut, wenn man den Sportlern mehr zeigen würde, dass es diese Möglichkeit gibt und dass es im Leistungssport ganz normal ist und helfen kann, seine Leistung und sein Wohlbefinden zu verbessern.</p>
<h3>Du hast auch nach Deinem Erfolg bei den Olympischen Spielen öffentlich von mentalen Problemen berichtet. Kannst Du diese Situation näher beschreiben?</h3>
<p>Nach den Olympischen Spielen war natürlich erstmal alles schön und gut. Aber ich bin nach einigen Wochen in ein richtiges Loch gefallen, weil dieses große Ziel auf einmal weg war. Rückblickend musste ich mich einfach neu sortieren. Ich habe ein neues Ziel gebraucht. Ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt noch Judo machen will. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt auf gut deutsch gesagt „die Schnauze voll“ von Judo. Die Jahre davor waren eine Zeit mit sehr viel Stress und Druck und das Ziel der Olympischen Spiele hat mich immer vorangetrieben. Das war jetzt erstmal einfach nicht mehr da. Ich habe alle anderen Dinge und Emotionen weggeschoben und als ich das Ziel dann erreicht hatte, sind diese hochgekommen. Es hat dann damit angefangen, dass ich mich gar nicht bewegen und gar kein Sport machen wollte. Es gab zwar immer wieder coole Veranstaltungen nach den Spielen, aber sobald die vorbei waren bin ich wieder in ein Loch gefallen. Ich habe mich total motiva­tionslos gefühlt und wäre am liebsten den ganzen Tag zu Hause geblieben. Dann habe ich mich auch noch mit Corona infiziert und musste für 14 Tage alleine in Quarantäne. Das hat mir komplett den Boden unter den Boden Füßen weggezogen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h3>Wie hast Du es geschafft, Dich aus dieser Phase rauszukämpfen und dann direkt bei Deinem Comeback den Grand Slam zu gewinnen?</h3>
<p>In dieser Zeit hat es mir sehr geholfen, über meine Situation zu schreiben und öffentlich über meine Situation zu reden. Ich habe, als ich aus der Quarantäne rauskam, wieder versucht, meinen Alltag als Profisportler anzugehen. Am Anfang hatte ich am Judo oder auch dem anderen Training noch gar keinen Spaß, aber nach einiger Zeit habe ich gemerkt, dass mir diese Routine sehr gut getan hat. Zwischendurch hatte ich auch wieder schlechte Wochen, in denen ich aber immer wieder die Unterstützung von Moritz (Sportpsychologe) und meinem engen Freundeskreis bekommen habe. Langsam wurden aus schlechten Wochen nur einzelne negative Tage und auch der Spaß am Training kam zurück. Für das Wettkampf-Comeback habe ich mir einen Zettel mit dem Datum des Wettkampfes in die Wohnung gehängt und mir immer wieder gesagt, dass ich jeden Tag alles geben werde, um dort Gold zu holen. „Egal was davor ist. Es kommt nur auf den Wettkampftag an. Wenn ich am 03.04. aufstehe, bin ich zu 100 % da“. Obwohl ich körperlich noch nicht bei 100 % war, hat mich dieser Satz durch den ganzen Wettkampf gebracht. Körperlich musste ich über meine Grenzen gehen, aber mein Kopf war immer bei der Sache und ich bin cool geblieben.</p>
<h3>Hast Du Tipps für betreuende Ärzte und Sportler, um solche Situation zu verarbeiten oder um solche Situationen zu vermeiden?</h3>
<p>Ich glaube, so Situationen zu vermeiden ist schwierig, weil man die Emotionen nicht verhindern kann, wenn diese hochkommen. Vielleicht sollte man den Sportlern bewusstmachen, dass es zu solchen Situationen kommen kann, dass es ok ist, so etwa zu erleben und dass man das nicht alleine durchstehen muss. Auch den Trainern sollten wir bewusst machen, dass dieser psychologische Aspekt des Leistungssports normal ist und dass durch eine optimale Betreuung und einem offenen Umgang mit mentalen Problemen sich die Leistung und die mentale Gesundheit des Sportlers verbessern kann. Diese Phasen gehören meiner Meinung nach zu der Entwicklung eines Sportlers oder wahrscheinlich auch bei anderen Menschen zum Leben dazu. Wichtig ist, dass man in dieser Zeit nicht alleine gelassen wird.</p>
<p>Oft werden die Aufgaben der Sportpsychologie fehlinterpretiert. In den meisten Fällen geht es nicht darum, einen Sportler zu behandeln, der krank oder schwach ist. Vielmehr geht es in der Sportpsychologie darum, neben den leistungssteigernden Bereichen im Spitzensport, die Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Zudem geht es um die Etablierung von Trainingsumgebungen im Bio-Psycho-Sozialen Kontext, bei dem die mentale Gesundheit und Selbstwirksamkeit der Athleten gestärkt und gefördert wird. Im Falle des Verdachtes einer psychischen Erkrankung stellt die Sportpsychologie den Kontakt zu Ärzten und Psychotherapeuten her, sodass den Athleten schnelle und wirksame Hilfe nach der Krisenintervention gegeben werden kann. Zudem konnte anhand mehrerer Studien gezeigt werden, dass regelmäßige Screenings und die Durchführung von Diagnostik, wie der SMHAT-1, bei der psychologischen Betreuung im Sport von großer Bedeutung sind, um Athleten vor psychischen Erkrankungen zu schützen oder sie frühzeitig zu erkennen [6].</p>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Das größte Problem bei psychischen Erkrankungen im Profisport stellt nach wie vor die Stigmatisierung durch Gesellschaft und Medien dar. Außerdem mangelt es immer noch an einer intensiven Aufklärung und Sensibilisierung der Medien, Sponsoren und vor allem der Funktionäre. Im Leistungssport ist Wertschätzung oft an Erfolg geknüpft. Die Aufgabe der Sportpsychologie/-psychiatrie/-medizin ist es, die Sportler in ihrer Gesamtheit zu sehen und würdigen. Dabei sollte die körperliche und seelische Gesundheit Vorrang vor sportlicher Leistung und Vermarktung haben. Nur körperlich und seelisch gesunde Athleten können das Maximum ihrer individuellen Leistungsfähigkeit erreichen und so am Ende um Medaillen und Titel kämpfen.</p>
<p><i>Literatur</i></p>
<p><i>[1] Gouttebarge, V., et al., Occurrence of mental health symptoms and disorders in current and former elite athletes: a systematic review and meta-analysis. Br J Sports Med, 2019. 53(11): p. 700 – 706.</i></p>
<p><i>[2] Reardon, C.L., et al., Mental health in elite athletes: International Olympic Committee consensus statement (2019). Br J Sports Med, 2019. 53(11): p. 667 – 699.</i></p>
<p><i>[3] Belz, J., et al., Stress and risk for depression in competitive athletes suffering from back pain &#8211; Do age and gender matter? Eur J Sport Sci, 2018. 18(7): p. 1029 – 1037.</i></p>
<p><i>[4] Rice, S.M., et al., The Mental Health of Elite Athletes: A Narrative Systematic Review. Sports Med, 2016. 46(9): p. 1333 – 53.</i></p>
<p><i>[5] Lambert, C., et al., Depressive symptoms among Olympic athletes during the Covid-19 pandemic. BMC Sports Sci Med Rehabil, 2022. 14(1): p. 36.</i></p>
<p><i>[6] Gouttebarge, V., et al., International Olympic Committee (IOC) Sport Mental Health Assessment Tool 1 (SMHAT-1) and Sport Mental Health Recognition Tool 1 (SMHRT-1): towards better support of athletes’ mental health. Br J Sports Med, 2021. 55(1): p. 30 – 37.</i></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Trendsport Surfen</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/11006/trendsport-surfen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Christophe Lambert,&#160;Martin Walz&#160;,&#160;Prof. Dr. med. Maurice Balke]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Mar 2022 07:53:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[01/22]]></category>
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					<description><![CDATA[Das ursprüngliche Surfen (Wellenreiten) ist eine jahrtausendalte Bewegungsform, dessen Ursprung im polynesischen Kulturraum zu finden ist. Aus sporthistorischer Sichtweise kann man den Beginn des modernen Surfens auf den Anfang des [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Das ursprüngliche Surfen (Wellenreiten) ist eine jahrtausendalte Bewegungsform, dessen Ursprung im polynesischen Kulturraum zu finden ist. Aus sporthistorischer Sichtweise kann man den Beginn des modernen Surfens auf den Anfang des 20. Jahrhunderts datieren.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duke_Kahanamoku">Duke Kahanamoku</a> aus Hawaii gewann 1912 die olympische Goldmedaille über 100m Freistil in Weltrekordzeit. Der damals 21-Jährige war zusätzlich ein sehr guter Surfer und wurde nach seinem Sieg weltweit zu Schwimm- und Surfvorführungen eingeladen. Seit diesem Zeitpunkt verbreitete sich der Surfsport außerhalb des polynesischen Kulturraumes und wurde bereits in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in Ländern wie Australien und den USA ein zunehmender Bestandteil einer damals noch neuen Bewegungs- und Freizeitkultur. Die Filmindustrie in Hollywood portraitierte Anfang dieses Jahrzehnts den Lifestyle der Wellenreiter und brachte diesen massentauglich in die Kinos. Die Beach Boys verbreiteten zeitglich die Surfmusik und prägten dadurch die damalige Musikkultur über die Subkulturen des Trends hinaus. Mit den Gründungen der ersten Verbände in derselben Epoche wurden auch die Grundlagen für Regelwerke und Lehre im Surfsport entworfen.</p>
<h2><b>Typische Verletzungen – Akute Verletzungen</b></h2>
<p>Studien konnten zeigen, dass in den meisten Fällen eine akute Verletzung durch einen Zusammenprall des Surfers mit einem Surfbrett verursacht wird &#8211; entweder durch das eines anderen Surfers oder durch das Eigene (insgesamt 45 %). Ein Sturz vom Surfbrett macht 36 % der Verletzungen aus, ein Aufprall auf den Meeresboden 18 %. Am häufigsten sind ­dabei Verletzungen im Bereich des Gesichts, der Schultern, der Kniegelenke und der Sprunggelenke zu verzeichnen [1]. An den Füßen treten sehr häufig Schnittverletzungen durch Zusammenstöße mit „scharfen“ Riffen oder einem Surfboard auf. Hierbei ist bei der Wundversorgung eine sorgfältige ­Reinigung ggf. ein Wunddebridement durchzuführen, da Fremdmaterial aus dem Riff oder Kunststoffe wie „Glasfasern“ oder „Polyurethane“ aus dem Surfboard zu einer Wund­infektion führen können. Manche Autoren empfehlen nach Wundnaht die Gabe einer prophylaktischen Antibiose [2]. Bis zur Entfernung der Fäden sollte nicht gesurft und die Wunde vor Salzwasser geschützt werden. Eine Surfpause von 7 – 10 Tagen erscheint hierbei empfehlenswert. Tritt solch eine Verletzungen während eines mehrtägigen Wettkampfes auf, sollte nach der Wundversorgung die Wunde vor jedem erneutem Surfen gut vor Wasser geschützt werden. Hierfür empfiehlt es sich, die Wunde mit „Steri-Strip-Wundverschlussstreifen“ zu bekleben. Zusätzlich können spezielle „VAC-Folien“ oder „Duschpflaster“ helfen, die Wunde für den Wettkampf zu verschließen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Verletzungen der Knie- und Sprunggelenke sind beim Surfen nach jetzigem Kenntnisstand auf zwei Hauptursachen ­zurückzuführen. 1. Sturz beim Surfen einer Welle mit ggf. Aufprall auf dem Riff (Abb. 1) und 2.Unkontrollierte Rotationsbewegungen im Knie- oder Sprunggelenk bei Durchführungen eines Trick-Maneuver. Eine Studie konnte zeigen, dass Knieverletzungen häufiger bei Wettkampfsurfern als bei Freizeitsurfern auftraten [1]. Ein Grund dafür könnte sein, dass durch die radikaleren Trick-Maneuver, wie „Airs“ und „Turns“, welche im Wettkampfsurfen notwendig sind, um Wertungspunkte zu sammeln, das Kniegelenk einer deutlich höheren biomechanischen Belastung ausgesetzt ist. Das berühmteste Beispiel für eine Knieverletzung im professionellen Surfen ist wahrscheinlich John John Florence. Der zweifache Weltmeister hatte sich Mitte 2019 eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes zugezogen und schon vier Monate nach Operation beim Pipe Master (dem wichtigsten Turnier der Welt) mit anliegender Knie-Orthese die Qualifikation für die Olympischen Spiele geschafft. Es sollte erwähnt werden, dass Florence sich Anfang 2021 auf dem kontralateralen Knie zusätzlich eine vordere Kreuzbandruptur zuzog. Bei akuten Verletzungen im Wettkampf, bei denen der Surfer weiter am Wettkampf teilnehmen muss, bietet das Tapen, wie es in anderen Sportarten sehr beliebt ist, durch den andauernden Kontakt mit Wasser, keine zuverlässige Option zur Stabilisierung der Extremitäten. Hier sollten eher feste Orthesen für die kurzfristige, externe Stabilisierung zum Einsatz kommen.</p>
<figure id="attachment_11016" aria-describedby="caption-attachment-11016" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="size-full wp-image-11016" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert1_saez0122.jpg" alt="" width="1200" height="801" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert1_saez0122.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert1_saez0122-300x200.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert1_saez0122-1024x684.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert1_saez0122-768x513.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert1_saez0122-150x100.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert1_saez0122-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-11016" class="wp-caption-text">Abb. 1 Sturz im Hobbysurfen mit erhöhtem Verletzungsrisiko Foto: C. Lambert</figcaption></figure>
<figure id="attachment_11015" aria-describedby="caption-attachment-11015" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-11015" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert2_saez0122.jpg" alt="" width="1200" height="800" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert2_saez0122.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert2_saez0122-300x200.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert2_saez0122-1024x683.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert2_saez0122-768x512.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert2_saez0122-150x100.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert2_saez0122-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-11015" class="wp-caption-text">Abb. 2 Profisurfer mit radikalem „Top Turn“ mit starker<br />Rotationsbelastungen der unteren Extremitäten<br />Foto: G. Steinert</figcaption></figure>
<h2><b>Typische Verletzungen – Chronische Verletzungen</b></h2>
<p>Im Wettkampfsurfen sind die chronische Verletzungen am häufigsten im unteren Rücken (23,3 %), Schulter-Gelenke (22,4 %) und Knie (12,1 %) lokalisiert [3]. Die Pathogenese von chronischen Verletzungen im Wettkampfsurfen hat meist die Ursache in zu hoher, wiederholter Belastungsdosierung über die Saison hinweg. Dies hat zur Folge, dass sich die Gewebestrukturen nicht anpassen können und verkürzen. Meist ist der Knochen-Muskel-Bandapparat von solchen Überdosierungen betroffen [3]. Die Ursachen liegen am häufigsten in der Wechselwirkung von minderwertig trainierten Muskelbereichen, falscher Belastungsdosierung und den hohen Kräften und explosiven Richtungsänderungen, welche bei den Turns auf den Körper wirken. In den letzten Jahren sind durch eine zunehmende Professionalisierung im Wettkampfsurfen die Trainingsumfänge und die Anzahl an Wettkämpfen deutlich gestiegen. Diese neue Belastung ist für viele Athleten noch schwer einschätzbar, umso wichtiger erscheint eine professionelle Trainingssteuerung und medizinische Betreuung. Hier erscheint es sinnvoll, dass sowohl Profi- als auch Freizeitsurfer in der Surffreien-Zeit ein Kräftigungsprogramm der unteren Extremitäten durchführen, um sich besser vor den Belastungen und Risiken des Surfens zu schützen. Das Präventionstraining, um Verletzungen der unteren Extremität reduzieren zu können, bekommt im Surfsport eine immer zentralere Rolle.</p>
<figure id="attachment_11014" aria-describedby="caption-attachment-11014" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-11014" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert3_saez0122.jpg" alt="" width="1200" height="830" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert3_saez0122.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert3_saez0122-300x208.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert3_saez0122-1024x708.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert3_saez0122-768x531.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert3_saez0122-150x104.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert3_saez0122-450x311.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-11014" class="wp-caption-text">Abb. 3 Hobbysportler mit deutlich weniger radikalerem „Top-Turn“ und weniger Rotationsbelastungen der<br />unteren Extremitäten. Foto: C. Lambert</figcaption></figure>
<h2><b>Besonderheit der professionellen Betreuung im Surfen</b></h2>
<p>Die neue olympische Sportart Surfen (Wellenreiten) hat im Vergleich mit klassischen olympischen Sportarten spezielle Wettkampfstrukturen und Trainingsanforderungen. Die Dezentralität der Trainingsstätten (kein Nationalmannschaftsathlet lebt in Deutschland) sowie die ständig wechselnden Wettkampfbedingungen (Klima, Wassertemperatur, Wellenarten, Wetter, Dünung, etc…) bzw. die weltweit wechselnden Wettkampforte sind im professionellen Surfsport für Team und Athleten sehr fordernd. Die Notwendigkeit von flexibler und über Landesgrenzen hinaus verfügbarer Beratung, Coaching und Hilfestellung für Athleten und Trainer ist von hoher Bedeutung. Die zeitliche Trainings- und Wettkampf­saisonroutine der Kaderathleten besteht zu ca. 30 % des Jahres aus Training am Lebensmittelpunkt und zu 70 % aus Wettkampf- und Trainingsreisen, zusammen mit Teamkameraden und Trainern. Leistungsdiagnostik, Trainingssteuerung, Verlaufsanalysen, sportme­dizinische Screenings und das Coaching sind im Surf Team Germany speziell auf den Surfsport ausgerichtet. Eine Ergänzung um portable Geräte, wie z. B. Ultraschall und Stoßwellentherapie, kann einen weitere Mehrwert bieten. Ebenso eine telemedizinische Betreuung. Die Trainingskonzeption beinhaltet aktuelle wissenschaftliche und praktische Erkenntnisse aus Leistungsphysiologie, Biomechanik und Bewegungswissenschaften, Sportpsychologie, Trainingswissenschaft und Sportmedizin/-psychiatrie, um einer zeitgerechten Ath­letenbetreuung im Bundeskader gerecht zu werden. Gerade in einer Sportart, die zum heutigen Zeitpunkt oft als „Spaßsport“ abgetan wird, ist die Implementierung solcher Strukturen notwendig, um im internationalen Vergleich erfolgreich zu sein.</p>
<h2><b>Exkurs: Andere im DWV vertretene Sportarten</b></h2>
<h3><b>Stand Up Paddling (SUP)</b></h3>
<p>SUP ist ein Ableger des Surfens. Im Gegensatz zum herkömmlichen Surfen, bei dem der Fahrer sitzt, bis eine Welle kommt und sich auf dem Bauch liegend mit den Armen in die Welle paddelt, stehen Stand Up Paddel Boarder auf ihren Brettern und treiben sich mit einem Stechpaddel durch das Wasser an. SUP ist einer der am schnellsten wachsenden Wassersportarten – eine Kombination aus Kajak und Surfen. Die entsprechenden Bretter sind länger, breiter und haben mehr Auftrieb (Volumen) als herkömmliche Surfbretter. Insbesondere nach Einführung der aufblasbaren Boards (inflatable SUP – iSUP) war die Transport- und Lagerfähigkeit der Bretter deutlich erleichtert, was zur starken Verbreitung der Sportart beigetragen hat. SUP wird sowohl als reine Freizeitaktivität also auch als Wettkampfsport mit verschiedenen Disziplinen wie Sprint- oder Distanz-Rennen ausgeführt. Verschiedene Gewässer mit verschiedenen Einsatzarten des SUP, wie z.B. Paddeln auf ruhigen Seen, Touren auf Flüssen, Surfen in der Welle oder Einsatz im Wildwasser führen zu unterschiedlichen Beanspruchungen mit entsprechendem Verletzungsrisiko. Trotz der inzwischen großen Verbreitung des Sports sind Daten zum Verletzungsrisiko kaum verfügbar. Hierzu wurden kürzlich die Ergebnisse einer online Umfrage mit insgesamt 438 Teilnehmern (48 % Frauen, 52 % Männer) veröffentlicht [4]. Das mittlere Alter betrug 45 (8 – 82) Jahre. 19,6 % nahmen an Wettkämpfen teil, 17 % (72) gaben an, in den letzten 12 Monaten eine Verletzung beim SUP gehabt zu haben. Die häufigsten Verletzungs­mechanismen waren „Überlastung“ (29), „Kontakt mit dem Brett“ (18) und „Kontakt mit dem Untergrund“ (12). Am häufigsten waren Muskeln/Sehnen und Gelenke betroffen, insbesondere an Oberarm/Schulter (20), Handgelenk/Hand (18), Knie (16), Ellenbogen/­Unterarm (12) und Fuß (11). Das Verletzungsrisiko war am höchsten im Wildwasser (33,3 %), gefolgt vom SUP-Surfen in der Welle (30,0 %) und am niedrigsten beim Paddeln auf einem See (16,1 %). Beim SUP im Wildwasser und beim SUP Surfen in der Welle ist die Verletzungsrate relativ hoch, beim Paddeln auf einem See oder ruhigen Fluss niedrig. Die meisten Verletzungen entstehen durch Überlastung oder Kontakt mit dem Brett oder Untergrund. Besonders häufig sind die obere Extremität, Knie und Fuß betroffen. Insgesamt handelt es sich beim SUP jedoch um einen sehr sicheren Sport, der von nahezu allen Altersklassen sowohl als Wettkampfsport, jedoch auch als reine Freizeit­aktivität ausgeführt werden kann.</p>
<figure id="attachment_11013" aria-describedby="caption-attachment-11013" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-11013" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert4_saez0122.jpg" alt="" width="1200" height="800" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert4_saez0122.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert4_saez0122-300x200.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert4_saez0122-1024x683.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert4_saez0122-768x512.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert4_saez0122-150x100.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert4_saez0122-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-11013" class="wp-caption-text">Abb. 4 SUP-Tour mit der 3-fachen Weltmeisterin Sonni Höhnscheid. Foto: Andy Klotz Fotografie</figcaption></figure>
<h3><b>Rapid Surfen</b></h3>
<p>Rapid Surfen, das Surfen auf stehenden, z. T. künstlich erschaffenen Wellen (Flußwellen wie am Eisbach München oder Wellenanlagen wie z. B. in Langenfeld (Abb. 5) ist ein Wassersport, der bei „landlocked“ Surfern immer beliebter wird. Auch Sportler ohne Vorerfahrung im Surfen im Meer erfreuen sich dieser neuen Sportart zunehmend. Rapid Surfen wird als reine Freizeitaktivität wie auch als Wettkampfsport betrieben. Gerade in Ländern wie Deutschland ohne eigene „echte“ Surfspots ermöglichen stehende Wellen den Einstieg in den Surfsport und eine Trainingsmöglichkeit. Obwohl der Sport immer weiter wächst, sind noch keine Daten zum Verletzungsrisiko verfügbar. Hierzu wird aktuell durch Mitglieder des <a href="https://wellenreitverband.de/">DWV</a> und <a href="https://surfmedizin.org/">Surfmedizin e.V.</a>  ebenfalls eine Umfrage zur Erhebung der Verletzungen durch­geführt. Auch wenn diese noch nicht abgeschlossen ist, so zeigt sich in den Zwischenergebnissen, dass die häufigsten Verletzungsmechanismen „Kontakt mit dem Untergrund“, „Kontakt mit dem Brett“ und „Kontakt mit den Finnen“ sind. Die häufigsten Verletzungen sind Prellungen/Quetschungen, Schürfwunden, Schnittverletzungen und Platz-/Risswunden. Besonders häufig sind die unteren Extremitäten, Kopf/Gesicht und der untere Rücken betroffen. Zur genaueren Einschätzung typischer Verletzungen und ggf. Empfehlung von Sicherheitsausrüstung, bleibt die Endauswertung der Studie abzuwarten.</p>
<figure id="attachment_11012" aria-describedby="caption-attachment-11012" style="width: 1200px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-11012" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert5_saez0122.jpg" alt="" width="1200" height="801" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert5_saez0122.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert5_saez0122-300x200.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert5_saez0122-1024x684.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert5_saez0122-768x513.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert5_saez0122-150x100.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2022/04/Lambert5_saez0122-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-11012" class="wp-caption-text">Abb. 5 Rapid-Surfer Louis Thiele in spezieller Wellenanlage auf einer stehenden Welle. Foto: M. Balke</figcaption></figure>
<h2><b>Fazit</b></h2>
<p>Insbesondere durch die Aufnahme des Surfens als Olympische Sportart und die Entwicklung „neuer“ assoziierter Disziplinen entwickelt sich die Sportart auch in Ländern wie Deutschland rasant weiter. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, typische Verletzungen und Risiken zu kennen, um entsprechende Behandlungen, insbesondere jedoch auch Prävention betreiben zu können.</p>
<p><i>Literatur</i></p>
<p><i>[1] Furness J, Hing W, Walsh J, Abbott A, Sheppard JM, Climstein M. Acute injuries in recreational and competitive surfers: incidence, severity, location, type, and mechanism. The American journal of sports medicine. May 2015;43(5):1246 – 54.doi:10.1177/0363546514567062</i></p>
<p><i>[2] Rudolph R. Management of Surfing Injuries: A Plastic Surgeon’s Viewpoint. Phys Sportsmed. </i><i>Mar 1989;17(3):110-6. doi:10.1080/00913847.</i><i>1989.11709734</i></p>
<p><i>[3] Furness J, Hing, W., Abbott et al. Retrospective analysis of chronic injuries in recreational and competitive surfers: Injury location, type, and mechanism. International Journal of Aquatic Research and Education. 2014;8(3)doi:https://doi.org/10.1123/ijare.2013-0032</i></p>
<p><i>[4] Balke M, Fischer M, Kegler T, Hoher J, Balke M. Injuries and Use of Safety Equipment in </i><i>Stand-up Paddle Boarding. Orthopaedic journal of sports medicine. Aug 2021;9(8):2325967121<br />
1022681. doi:10.1177/23259671211022681</i></p>
<aside class="alignright"><b>Der Deutsche Wellenreitverband (DWV e.V.)<br />
</b>Der <a href="https://wellenreitverband.de/">DWV e.V.</a> ist seit 1991 der nationale Dachverband der deutschen Surfer, der den Leistungssportbereich, Breitensport und „Adaptive“ (Menschen mit Behinderung) Surfsport repräsentiert. Als 2016 bekannt wurde, Wellenreiten in das Programm der Olympischen Spiele 2020 aufzunehmen, begann ein rapider Wandlungsprozess im Deutschen Wellenreitverband. Seit 2017 ist der DWV als Spitzensportverband Mitglied im DOSB. Neben dem durch Bundesmittel geförderten olympischen Bereich „Shortboarden“ entwickeln sich auch andere Wellenreitsportarten im DWV weiter. Vor allem der Bereich Rapid Surfing – also das Surfen auf einer stehenden Wellen wie am Münchner Eisbach, ermöglicht mehr und mehr Menschen in Deutschland einen ersten Kontakt zum Wellenreiten und bringt diese vermehrt in Surfvereinen zusammen. Zudem werden derzeit mehrere Projekte zum Bau von Wellen-Pools in Deutschland geplant und bereits umgesetzt. Diese Anlagen, bei dem ozeanähnliche Wellen durch einen See rollen, könnten in Zukunft nicht nur als Trainingsstätte von Surf Team Germany dienen, sondern den Wellenreitsport in Deutschland als Breiten- und Freizeitsport noch weiter etablieren. Auch durch die zunehmende Beliebtheit des Stand Up Paddling, wobei sich die Sportler mit einem Stechpaddel auf einem Brett stehend antreiben, wird das Interesse am Surfsport auch in einem eher „wellenlosen“ Land wie Deutschland zunehmend geweckt. Zusätzlich konnte das Surfen durch die erstmalige Teilnahme an den Olympischen Spielen 2021 in Tokio eine breite Masse an Publikum ansprechen. Surfen war einer der Gewinner der neu eingeführten Sportarten in Tokio.</aside>
<aside></aside>
<aside></aside>
<aside></aside>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Portabler Ultraschall</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/8439/portabler-ultraschall-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Christophe Lambert]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Oct 2021 08:50:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[03/21]]></category>
		<category><![CDATA[FUJIFILM]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=8439</guid>

					<description><![CDATA[Durch die Nutzung von portablen Ultraschallgeräten im Wettkampf oder Trainingslager erhöht sich die Möglichkeit, akute Sportverletzungen schneller und zuverlässiger zu untersuchen und somit eine genauere On-Field-Erstdiagnose zu erstellen. Es geht [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Durch die Nutzung von portablen Ultraschallgeräten im Wettkampf oder Trainingslager erhöht sich die Möglichkeit, akute Sportverletzungen schneller und zuverlässiger zu untersuchen und somit eine genauere On-Field-Erstdiagnose zu erstellen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es geht in diesem Artikel nicht darum, die Ultraschalldiagnostik als alleiniges diagnostisches Verfahren bei verschiedenen Sportverletzungen vorzustellen. Vielmehr geht es darum Möglichkeiten aufzuzeigen, wie das mobile Ultraschallgerät eine Unterstützung in der Diagnostik von akuten Sportverletzungen sein kann. Seit über 20 Jahren werden portable Ultraschallgeräte in der Notfallmedizin zur Diagnostik von z. B. intraabdominalen Verletzungen, Pneumothorax, Frakturen, kardiale Patho­logien oder akuten Gefäßpathologien verwendet [5]. Betz et al. stellen die Mus­kelsonographie in ihrer Studie zum Vergleich zwischen MRT und Sonographie der Skelettmuskulatur als geeignete diagnostische Alternative dar [3]. Im Jahr 2014 veröffentlichte die <a href="https://www.amssm.org/?__cf_chl_jschl_tk__=pmd_z_4_JELr8aQP.vszdEKC68WFteOKK78kymkGTspq..k-1635168686-0-gqNtZGzNAlCjcnBszQi9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Amerikanische Medizinische Gesellschaft für Sportmedizin (AMSSM)</a> ein Curriculum für „sports-ultrasound“, in dem die Anwendung der Ultraschall-Diagnostik neben muskuloskelettalen Pathologien noch weitere Sportverletzung umfasste. Anhand von einem Wettkampfbeispiel soll die Anwendungsmöglichkeit und Vorteile eines portablen Ultraschall­geräts beschrieben werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/10/Lambert2_saez0321-1024x546.jpg" alt="" class="wp-image-8441"/><figcaption><strong>Rechtes Sprunggelenk mit intakt  erscheinender vorderer Syndesmose </strong> Mit freundlicher Unterstützung von Dr. med. Alexander Hundeshagen</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/10/Lambert1_saez0321-1024x473.jpg" alt="" class="wp-image-8440"/><figcaption><strong>Rechtes Sprunggelenk mit Verdacht der Konturunterbrechung im Verlauf des LFTA </strong>Mit freundlicher Unterstützung von Dr. med. Alexander Hundeshagen</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>FALL: 20-jähriger Judoka mit OSG Distorsion bei den Junioren Weltmeisterschaften auf den Bahamas.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anamnese: </strong>Zwei Tage vor Wettkampfbeginn erleidet der Athlet beim Sparring-Training vor Ort durch einen Angriff mit einer Fußtechnik seines Trainingspartners eine Distorsion des rechten oberen Sprungelenks. Direkt nach der Aktion zeigen sich Schwellung und Schmerzen an der Außenseite des Knöchels. Das Auftreten ist nur unter starken Schmerzen möglich. Der Athlet möchte dennoch am Wettkampf teilnehmen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>INFO: Hintergrund OSG-Verletzungen im Sport</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einer Inzidenz von 5,3 – 7 / 1000 Personen-Jahre in Europa und einem Anteil von 14 % aller Notfallbehandlungen bei Sportlern sind Verletzungen des oberen Sprunggelenks (OSG) eine der häufigsten Sportverletzungen überhaupt [6]. Laut Angaben des VGB-Reports von 2020 ist die Verletzung des oberen Sprunggelenks im Handball (14,7 %) und im Basketball (16,9 %) die häufigste aller dokumentierten Verletzungen. Im Fußball belegt sie Rang drei mit 13,9 % aller Verletzungen [10]. In einer Studie von Akoto et al. rangierte die Verletzung des OSG in der Top 5 der häufigsten Verletzung im Judo [1]. Im Judo spielen Angriffe gegen die untere Extremität, um den Gegner aus dem Gleichgewicht und damit zu Fall zu bringen, eine zentrale Rolle. Diese Angriffe erhöhen das Risiko für Traumata des oberen Sprunggelenks.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Klinische Befunde: </strong>Vollbelastung unter Schonhinken möglich. Starke Weichteilschwellung im Bereich des rechten lateralen Malleolus und anterioren OSG. Druckdolenz über der vorderen Syndesmose, über dem LFTA und LFC. Squeeze-Test positiv. Frick-Test positiv. Fibula-Translationstest fraglich negativ. Keine knöchernde Irregularität zu tasten. Keine Druckdolenz über dem posterio­ren und medialen Bandapparat. Keine Druckdolenz über dem Fibulakopf. Keine Druckdolenz über dem Vorfuß/Fußwurzelknochen. Talusvorschub und laterale/mediale Aufklappbarkeit auf Grund der Schmerzen nicht ausreichend eruierbar. Beweglichkeit mit Plantarflexion/Dorsalextension 20/0/15 endgradig schmerzhaft. In-/Eversion auf Grund der Schmerzen nicht durchführbar. Periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität für die rechte untere Extremität intakt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Röntgen OSG rechts:</strong> keine Anzeichen für eine Fraktur regelrechte Gelenkstellung. Fragliche Erweiterung des Tibiofibularen overlaps.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Durchführung eines MRTs erscheint indiziert, ist jedoch auf Grund der Begebenheiten am Wettkampfort in dem limitierten Zeittraum vor dem Wettkampf nicht möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sonographie OSG rechts:</strong> fragliche Teilruptur LFTA, keine Kontinuitätsunterbrechung oder vermehrte Flüssigkeitsansammlung im Bereich der vorderen Syndesmose. Im Vergleich zur Gegenseite keine erhöhte tibiofibulare Translation bei dynamischer Untersuchung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>INFO: Hintergrund Ultraschall­diagnostik bei OSG-Verletzungen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Feststellung einer Verletzung der ligamentären Strukturen im oberen Sprunggelenk, insbesondere der Syndemsose, hat sich das MRT als Goldstandard etabliert [4, 7]. Neuste Studien zeigen, dass die Ultraschalldiagnostik bei o.g. Verletzungen eine verlässliche Alternative bzw. Ergänzung darstellt. Baltes et al. konnten ihn ihrer Studie exzellente Ergebnisse der Ultraschalldiagnostik bei Feststellung von kompletten Rupturen der vorderen Syndesmose und des LFTA darlegen [2]. Auch andere Studien zeigten, dass die Ultraschalluntersuchung von ligamentären Sprunggelenkverletzungen zuverlässige Ergebnisse liefert [8, 9]. Es sollte angemerkt werden, dass in allen Studien keine Differenzierung zwischen Vollrupturen und Teilrupturen gemacht werden konnte, und dass die Ergebnisse sehr abhängig von der Erfahrung des jeweiligen Untersuchers sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vorgehen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Athleten, Trainer und Medizinteam werden die o.g. Befunde besprochen. Bei Verdacht einer LFTA-Teilruptur und sonographischen Ausschluss einer vorderen Syndesmose-Verletzung und radiologisch knöchernen Verletzung, wird beschlossen, dass der Athlet nach Schmerzbefinden und mit stabilisiertem (z. B. durch Tapen) OSG an dem Wettkampf teilnehmen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Rückkehr nach Deutschland bestätigt das durchgeführte MRT die Ruptur des LFTAs und die Intaktheit der vorderen Syndesmose. Der oben genannte Fall zeigt die Möglichkeit der Anwendung eines portablen Ultraschallgerätes bei Verletzung im Wettkampf. Das MRT gilt bis zum heutigen Tage als Goldstandard bei der Diagnostik von ligamentären, cartilären und muskulären Verletzungen. Sollte jedoch durch äußere Gründe wie Zeitdruck oder örtliche Begebenheiten die Durchführung eines MRT nicht möglich sein, bietet die Nutzung eines portablen Ultraschallgerätes eine zuverlässige Alternative für viele klinische Situationen und Indikationen, einschließlich der Vor-Ort-Bewertung und des Managements von Traumata und anderen akuten Zuständen. Es ist sicher, genau, kosteneffektiv, schnell, gut verträglich und kann die Diagnose und das Management von Verletzungen bei Sportlern verbessern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Literatur</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[1] Akoto R, Lambert C, Balke M, Bouillon B, Frosch KH, Hoher J. Epidemiology of injuries in judo: a cross-sectional survey of severe injuries based on time loss and reduction in sporting level. British journal of sports medicine. 2017.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[2] Baltes TPA, Arnaiz J, Geertsema L, et al.&nbsp;</em><em>Diagnostic value of ultrasonography in acute lateral and syndesmotic ligamentous ankle injuries.&nbsp;</em><em>European radiology. 2021;31(4):2610-2620.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[3] Betz. T WM, Preisner. F et al. Evaluation der quantitativen Muskelsonographie mit Muskel-MRT.&nbsp;</em><em>DGSP. 2021.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[4] Clanton TO, Ho CP, Williams BT, et al. Magnetic resonance imaging characterization of individual ankle syndesmosis structures in asymptomatic and surgically treated cohorts. Knee surgery, sports traumatology, arthroscopy : official journal of the ESSKA. 2016;24(7):2089-2102.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[5] Hahn M, Ray J, Hall MM, Coe I, Situ-LaCasse E, Waterbrook AL. Ultrasound in Trauma and Other Acute Conditions in Sports, Part I. Current sports medicine reports.&nbsp;</em><em>2020;19(11):486-494.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[6] Holmer P, Sondergaard L, Konradsen L, Nielsen PT, Jorgensen LN.&nbsp;</em><em>Epidemiology of sprains in the lateral ankle and foot. Foot &amp; ankle international. 1994;15(2):72-74.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[7] Kellett JJ, Lovell GA, Eriksen DA, Sampson MJ.&nbsp;</em><em>Diagnostic imaging of ankle syndesmosis injuries: A general review. Journal of medical imaging and radiation oncology. 2018;62(2):159-168.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[8] Lee SH, Yun SJ. Ankle ultrasound for detecting anterior talofibular ligament tear using operative finding as reference standard: a systematic review and meta-analysis. European journal of trauma and emergency surgery : official publication of the European Trauma Society. 2020;46(1):73-81.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[9] Sconfienza LM, Albano D, Allen G, et al. Clinical indications for musculoskeletal ultrasound updated in 2017 by European Society of Musculoskeletal Radiology (ESSR) consensus.&nbsp;</em><em>European radiology. 2018;28(12):5338-5351.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[10] VBG. VBG-Sportreport 2020 &#8211; Analyse des Unfallgeschehens</em> <em>in den zwei höchsten Ligen der Männer: Basketball, Eishockey, Fußball, Handball.&nbsp;VBG &#8211; Report. 2020.</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Target Training &#8211; Biofeedback / EMG</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/9568/target-training-biofeedback-emg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Christophe Lambert]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Sep 2021 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/21]]></category>
		<category><![CDATA[Velamed]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportaerztezeitung.com/?p=9568</guid>

					<description><![CDATA[Die Elektromyografie (EMG), vor allen Dingen das Biofeedbacktraining, nimmt einen immergrößeren Stellenwert in der Betreuung von Sportlern ein. Mein Kollege für Biofeedbacktherapie Simon Roth beschreibt in seinem Artikel in der [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Elektromyografie (EMG), vor allen Dingen das Biofeedbacktraining, nimmt einen immer<br>größeren Stellenwert in der Betreuung von Sportlern ein. Mein Kollege für Biofeedbacktherapie <a href="https://host-sport-original:8890/author/roth-simon/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Simon Roth</a> beschreibt in seinem <a href="https://host-sport-original:8890/rubriken/training/2976/elektromyografie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Artikel in der sportärztezeitung</a> hervorragend den Nutzen elektromyo­grafischer Daten und die daraus resultierende interdisziplinäre Zusammenarbeit im Leistungssport [1].</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im folgenden Artikel wird das Biofeedbacktraining eines professionellen Judokas nach SLAP Läsion und die daraus resultierenden Trainingsinhalte dargestellt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diagnose</strong> Schulter links: SLAP-Läsion Typ III nach Synder mit begleitender fokaler 3 – 4°Chondromalazie am kranialen Glenoid, Bursitis subacromiales und ACG-Arthrose</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Therapie </strong>Arthroskopie Schulter links: LBS-Tenotomie und subpectorale Tenodese, Knorpelglättung, subacromiale Bursektomie und laterale Clavicularesektion</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der betroffene Athlet hatte schon seit mehreren Monaten immer wieder über Probleme im Bereich der linken Schulter geklagt. Aufgrund der laufenden, 2-jährigen Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 und der noch tolerierbaren subjektiven und objektiven Schmerzsymptomatik, wurde in der Vergangenheit auf eine operative Versorgung verzichtet. Mit Verlegung der Olympischen Spielen und Pausieren der „Judo World Tour“, ergab sich die Option zu einer opera­tiven Versorgung. Im Judo spielen Verletzung der oberen Extremität, insbesondere Verletzungen des Schultergürtels, eine große Rolle. Eine Studie von Akoto et al. zeigte, dass drei Verletzungen im Top Ten Ranking der Verletzungen auf Schulterverletzungen zurückzuführen sind [2]. Dabei kann zwischen zwei typischen Verletzungsmechanismen unterschieden werden. AC-Gelenksverletzungen entstehen am häufigsten durch ein direktes Trauma beim Fallen durch einen Wurf auf die Schulter [3]. Schulterluxationen oder Verletzungen der Gelenklippe entstehen meistens durch „Abstütz-Reaktionen“, um einem Wurfversuch des Gegners auszuweichen. Zusätzlich scheinen Techniken mit großem Rotationsanspruch an die Schulter mit einem Risiko für chronische Verletzungen der Gelenklippe verbunden zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Postoperative Behandlung</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li>6 Wochen keine Gewichtsbelastung für Schulter, Ellenbogen und Bizeps. Mobilisation und Abschwellung führend</li><li>ab der 9. Woche Gewichtsbelastung mit bis zu 5 kg erlaubt</li><li>ab der 12. Woche Krafttraining und Techniktraining ohne Gegnerwiderstand</li><li>ab der 16. Woche Durchführung „Return to Randori“ Testung, dann Start mit leichtem Sparring</li><li>ab der 20. Woche Durchführung „Return to Competition“ Testung, dann Start mit erstem Wettkampf<br></li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">(Operative Versorgung 6.5.2020 / Biofeedback Analyse am 2.7.2021)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Biofeedbackanalyse und Auswahl der Muskeln</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Zeitpunkt der Biofeedbackanalyse war nach der OP ca. ein Jahr vergangen. Der Judoka absolvierte in dieser Zeit ein umfassendes Rehabilitationsprogramm von Physiotherapie, Athletiktraining und Wettkämpfen. Zum Zeitpunkt der Analyse klagt er über eine starke Bewegungseinschränkung der betroffenen Schulter <a href="https://host-sport-original:8890/rubriken/therapie/4554/betreuung-von-ueberkopfsportlern/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">(GIRD)</a> sowie Schmerzen nach intensiven Wettkampfvorbereitungen. Da starke, wiederkehrende Zugbewegungen einen wesentlichen Faktor im Training, aber auch für den Wettkampferfolg im Judo darstellen, lag das Hauptaugenmerk in der Analyse der Trapezmuskulatur und möglicher Kompensationsmuster.&nbsp;Zudem wird die Bedeutung der Bicepssehne für die Stabilität des Schultergürtels derzeit noch kontrovers diskutiert und soll nicht Thema dieses Artikels sein [4].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ablauf einer Biofeedback-Analyse</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen wesentlichen Faktor für ein effektives Biofeedbacktraining im Spitzensport stellt die Kommunikation zu den Sportlern und den Athletiktrainern dar. In Rücksprache mit den Trainern können mittels elektromyografischer Analysen bereits beschriebene Defizite visualisiert, dokumentiert und ziel­genau therapiert werden. Somit bietet uns das Biofeedbacktraining eine quantitative Möglichkeit der Trainingssteuerung. Übergeordnetes Ziel der Analyse ist es, Aktivtäten der zentralen Stabilisatoren wieder ins Gleichgewicht zu bringen und Potenziale in inaktiven Muskeln zu wecken. Der Ablauf einer Biofeedback-Sitzung orientiert sich ­dabei immer am gegenwärtigen Leistungsvermögen des Sportlers und baut sich auf von einfachen Ansteuern der Muskeln über komplexe Bewegungen, bis hin zu sportspezifischen Trainingsinterventionen. Hervorragend zusammengetragen hat Cools den Rehabilitationsalgorithmus in seiner Studie aus dem Jahr 2013 [5]. Er beschreibt, neben der Muskelkraft, die Bedeutung der Muskelkontrolle, u.a. die der Co-Kontraktion und zeichnet einen ähnlichen Aufbau in seinen Therapiealgorithmus. Wichtigstes Kriterium zu Beginn eines Biofeedbacktrainings ist die Möglichkeit, Muskeln gezielt anzusteuern. Willkürliche und bewusste Aktivierungen einzelner Muskeln liefern uns dabei bereits einen detaillierten Einblick in das neuromuskuläre Zusammenspiel von Muskelgruppen. So können bereits einfache Bewegungen Spitzensportler in der neuromuskulären Koordination vor erhebliche Schwierigkeiten stellen. In diesem Praxisbeispiel zeigt der Judoka eine Kokontraktion im rechten M.trapezius ascendens bei posteriorer Depression der linken Scapula (Abb. 1). Dieses, möglicherweise als Defizit in der neuromuskulären Bahnung zu erklärendes Problem, wurde mittels einfachen Ansteuerungsmustern und der „Propriozeptiven Neuromuskulären Fazilitation“, einer Technik aus der Physiotherapie, behandelt. Diese Techniken dienen der Bahnung, umgangssprachlich mit den Sportlern/Patienten als „Rohr freipusten“ bezeichnet und tragen wesentlich dazu bei, den „richtigen Muskel zur richtigen Zeit“ zu finden.&nbsp; Im weiteren Schritt wurden komplexe Zugbewegungen unter Gewichtsbelastung getestet.&nbsp;Hierbei zeigten sich bei trainingsrelevanten Klimmzügen deutlich geringere Aktivitäten im stabilisierenden M. Trapezius ascendens links sowie eine möglicherweise kompensierende Aktivität durch den M. Pectoralis major auf der betroffenen linken Seite. Die gesteigerte Aktivität im M. Pectoralis major ließ sich auch in anderen Tests (Bankdrücken 1) nachweisen (Abb. 2). Die Dysbalance der ventralen und dorsalen Schultermuskeln kann sich nachteilig auf die Behandlung des GIRD in der linken Schulter auswirken.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="513" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb1_saez0321-1024x513-1.jpeg" alt="" class="wp-image-9569" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb1_saez0321-1024x513-1.jpeg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb1_saez0321-1024x513-1-300x150.jpeg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb1_saez0321-1024x513-1-768x385.jpeg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb1_saez0321-1024x513-1-150x75.jpeg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb1_saez0321-1024x513-1-450x225.jpeg 450w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Abb. 1 Kokontraktion </figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="532" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb2_saez0321-1024x532-1.jpeg" alt="" class="wp-image-9570" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb2_saez0321-1024x532-1.jpeg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb2_saez0321-1024x532-1-300x156.jpeg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb2_saez0321-1024x532-1-768x399.jpeg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb2_saez0321-1024x532-1-150x78.jpeg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb2_saez0321-1024x532-1-450x234.jpeg 450w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Abb. 2 mögliche Kompensation </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ziel des Biofeedbacktrainings</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ziel des Biofeedbacktrainings war es somit, den M. Trapezius ascendens auf der linken Seite in das Training wieder gezielt zu integrieren. Dafür erfolgte zunächst ein Training zur bewussten, selektiven Ansteuerung mittels einfacher Bewegungen (posteriore Depression der Scapula in unterschiedlichen Flexions- und Abduktionspositionen der Arme). Die dort gesammelte Bewegungserfahrung wurde dann vom Judoka in bereits bestehende Übungen integriert. Zum Teil wurden Übungen so Individualisiert, dass eine höhere Aktivität der Zielmuskulatur erreicht werden konnte. So war es möglich, durch eine kurze Klimmzugvariante die Aktivität des M. Pectoralis Major deutlich zu reduzieren und die der linken unteren Trapezmuskulatur um ein vielfaches zu erhöhen (Abb. 3).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="561" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb3_saez0321-1024x561-1.jpeg" alt="" class="wp-image-9571" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb3_saez0321-1024x561-1.jpeg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb3_saez0321-1024x561-1-300x164.jpeg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb3_saez0321-1024x561-1-768x421.jpeg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb3_saez0321-1024x561-1-150x82.jpeg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2021/11/Piroth_Abb3_saez0321-1024x561-1-450x247.jpeg 450w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Abb. 3 Klimmzug Vergleich POI</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zielgerichtete Training gewinnt in der Betreuung von Leistungssportlern und Nicht-Leistungssportlern immer mehr an Bedeutung. Ist die betroffene muskuläre Struktur zu aktiv oder zu wenig aktiv? Kann der Betroffene die entscheidende Muskulatur auch richtig nutzen? Dieser Frage gehen immer mehr in Biofeedback spezialisierte Ärzte und Therapeuten nach. Das Fallbeispiel macht deutlich, wie wichtig eine vorgeschaltete Biofeedbackanalyse in der Trainingsplanung ist. Wir müssen in der Vor-, und Nachsorge überdenken, ob wir Leistungssportler oder Post-Operative Patienten ohne zumindest einmalige Biofeedbackanalyse in ein Aufbautraining überführen können. Meine langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Biofeedbackanalysen zeigt mir, dass ohne vorgeschaltete Analysen, „falsche“ Bewegungsmuster eingeübt werden können. Ein in regelmäßigen Abständen genutztes Biofeedbacktraining kann der Manifestation dieser Muster entgegenwirken, Trainingsinhalte ökonomisieren und das neuromuskuläre Zusammenspiel verbessern. Im Leistungssport Bereich lassen sich bereits erfolgreich erprobt Biofeedbackkontrollen in einem Pre-, Mid-, Post-Season Screening oder als Eingangsmessung vor dem Start einer Reha implementieren. Neben der, auch für den Sportler wichtigen Aspekt der Kommunikation, kann die Visualisierung Sportlern helfen, ihr volles muskuläres Potenzial zu entfalten. Christiano Ronaldo sprach einmal in einem seiner Interviews über das Geheimnis seines Trainingserfolges. Nur wer sich in Balance befindet, seinen Körper zu 100 % kennt und den Fokus auf Qualität, nicht auf Quantität des Trainings legt, erzielt die bestmöglichen Erfolge. Genau dies kann eine Biofeedbackanalyse herausfinden. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Literatur</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><a href="https://host-sport-original:8890/rubriken/training/2976/elektromyografie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">[1] Roth S. EMG &#8211; Anwendung und Nutzen funktioneller EMG-Analysen bei Muskelverletzungen. sportärztezeitung 01.18&nbsp;</a></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[2] Akoto R, Lambert C, Balke M, Bouillon B, Frosch KH, Hoher J. Epidemiology of injuries in judo: a cross-sectional survey of severe injuries based on time loss and reduction in sporting level. British journal of sports medicine. 2017</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[3] Frey A, Lambert C, Vesselle B, et al. Epidemiology of Judo-Related Injuries in 21 Seasons of Competitions in France: A Prospective Study of Relevant Traumatic Injuries. Orthop J Sports Med. 2019;7(5):2325967119847470.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[4] Am J Sports Med 2012 Jan;40(1):202-12.&nbsp;doi: 10.1177/0363546511423629. Epub 2011 Sep 30.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[5] Cools AMJ, et al. Br J Sports Med 2014;48:692–697. doi:10.1136/bjsports-2013-092148</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Verletzungsrisiken senken</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/training/1075/verletzungsrisiken-senken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. med. Christophe Lambert&#160;,&#160;Maxime Lambert]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Aug 2020 12:22:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/20]]></category>
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					<description><![CDATA[Verletzungen spielen im Sport- und vor allem im Leistungssport eine große Rolle. Sie können für Athleten zu Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit führen und im schlimmsten Fall das Ende der sportlichen [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verletzungen spielen im Sport- und vor allem im Leistungssport eine große Rolle. Sie können für Athleten zu Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit führen und im schlimmsten Fall das Ende der sportlichen Karriere bedeuten. Um solche Verletzungen vermeiden zu können, die Sportler richtig behandeln zu können und ihnen den Wiedereinstieg in den Sport und bestenfalls Wettkampf zu ermöglichen, ist die genaue Kenntnis der bestimmten Verletzung notwendig.&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Fußball gilt die vordere Kreuzbandruptur (VKB-Ruptur) als eine der schwerwiegendsten Verletzungen bezogen auf die Ausfallzeit und die Möglichkeit des Wiedererlangens der vorherigen Leistungsfähigkeit [2, 15]. Durch die gute Forschungslage im Fußball konnte das Verständnis für die Ruptur des vorderen Kreuzbandes durch Analysen des Verletzungsmechanismus deutlich verbessert werden. Daraufhin konnten Präventionsprogramme entwickelt werden, welche bei korrekter Anwendung die Rate von VKB-Rupturen laut Studien um 40 – 60 % senken können [3]. Um die Compliance zu erhöhen, sollten die Programme in das tägliche Aufwärmtraining eingefügt werden und nicht länger als 10 – 15 Minuten dauern. Aber ist es auch möglich, für kleinere, weniger finanziell geförderte olympische Sportarten spezifisch Präventions- und Return-to-Competition-Programme zu entwickeln? Dieser Artikel versucht anhand der olympischen Sportart Judo, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie kostengünstige Programme zur Reduzierung von Verletzungen und zum Schutz vor Wiederverletzungen entwickelt werden können.&nbsp;</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Prävalenz von Verletzungen im Judo</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Um Athleten in einer bestimmten Sportart adä­quat betreuen zu können, ist es von großer Wichtigkeit, die Häufigkeit von spezifischen Verletzungen und deren Auswirkung auf die Sportfähigkeit des betroffenen Athleten herauszufinden. Akoto et al. zeigte in seiner Studie, dass die Ruptur des vorderen Kreuzbandes im Judo die Verletzungen mit den längsten Ausfallzeiten und den schlechtesten Return-to-Competition Ergebnissen war [1]. Im Fußball beträgt die durchschnittliche Ausfallzeit 6,6 Monate [15]. In einer bei Profifußballern durchgeführten Umfrage konnten nur 55 % der Spieler, die eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes erlitten hatten, zum Leistungssport zurückkehren [2].</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Analyse des Verletzungsmechanismus</strong></h5>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/08/Lambert1_saez0320-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-897" width="376" height="272"/><figcaption>Abb. 1 Typischer 
Verletzungsmechanismus des VKBs beim Fußball.
Foto: © Benedikt Brozat</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Hinsichtlich der zugrundeliegenden Mechanismen der VKB Ruptur im Judo scheint es deutliche Unterschiede im Vergleich zu Mannschaftssportarten, wie beispielsweise Fußball zu geben. Die am häufigsten beschriebenen Verletzungssituationen im Fußball sind ein schnelles Cutting-Manöver mit Rotation des Rumpfes und dabei feststehendem Bein oder die „ungünstige Landung“ nach einem Sprung [6]. Daraufhin kann es zu einem starken Valguskollaps des Kniegelenks kommen, welcher eine Ruptur des vorderen Kreuzbands bedingen kann (Abb.1). In der einzigen uns bekannten Studie über den Verletzungsmechanismus von VKB-Rupturen im Judo konnten Koshida et al. zeigen, dass ein direkter Kontaktmechanismus mit dem Gegner, in der Verteidigung auf einen Angriff, für Verletzungen des VKB im Judo verantwortlich ist (Abb.2). Insbesondere wurde ein Angriff mit der Technik Osoto-Gari (große Außen­sichel) mit einer Rate von rund 20 % als Hauptursache für derartige Verletzungen bei Judoka identifiziert [9].&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="794" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/08/Lambert2_saez0320-1024x794.jpg" alt="" class="wp-image-898" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/08/Lambert2_saez0320-1024x794.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/08/Lambert2_saez0320-300x233.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/08/Lambert2_saez0320-768x595.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/08/Lambert2_saez0320-150x116.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/08/Lambert2_saez0320-450x349.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/08/Lambert2_saez0320.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Abb. 2 Osoto-gari-Technik: Tori (in weiß) greift mit seinem rechten Bein direkt Ukes (in blau) linkes Bein an. Dabei entsteht ein medialer Valguskollaps im Knie OSG. Zusätzlich kommt es zu einer Hyperextension im Bereich der LWS und der Hüfte. </figcaption></figure>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Pre-Season-Screening</strong></h5>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/08/Lambert_IB1_saez0320-345x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1079" width="201" height="581"/></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Artikel beziehen sich die Autoren ausschließlich auf ein orthopädisch-funktionelles Screening von Risikofaktoren für Verletzungen des Bewegungsapparats in der Sportart Judo. Natürlich sollten, wenn es finanziell und organisatorisch möglich ist, Labor-, Kardio­pulmonale-, Zahn-, Ernährungs- und sportpsyschologische Untersuchungen in das Pre-Season-Screening mit einfließen. In den letzten Jahren hat das Functional-Movement-Screening (FMS) gezeigt, dass es möglich ist, durch bestimme Übungen das Risiko für Verletzungen eines Athleten darzustellen [4]. Zu beachten ist jedoch, dass der FMS-Test keine sportartspezifischen Aspekte berücksichtigt. Dennoch ist der FMS Test ein gutes Screening Tool, um Defizite im Bereich der Beweglichkeit, Stabilität und Kraft von Sportlern darzustellen. Auf Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen, wurde das Pre-Season-Screening für Judo zusammengestellt (Infobox 1). Dieses Screening ist keineswegs ein starres oder streng festgelegtes Konstrukt. Ziel ist es, dass sich das Programm durch Erfahrung des medizinischen Teams, wissenschaftlichen Studien und Feedback der Athleten weiterentwickelt. Startpunkt des Screenings ist eine ausführliche orthopä­dische Untersuchung der Athleten mit Dokumentation der Vorverletzungen, Kampfauslage und Spezial-Judo-Techniken. Zusätzlich werden verschiedene funktionelle Untersuchungen durchgeführt, um die Stabilität der unteren Extremität (OSG, Knie, Hüfte und Rumpf) zu testen. Hierbei werden beispielswiese Sprungtests absolviert, um die Stabilität ohne Gegnerkontakt zu beurteilen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einer noch nicht veröffentlichen Studie wurde die für das VKB risikoreiche Judobewegungen (Osoto-Gari-Technik) mittels dynamischer 3D-Analyse und Elektromyographie untersucht. Hierbei soll dargestellt werden, inwieweit es bei dieser Technik zu einem für das VKB gefährlichen Valguskollaps kommt und welche Muskeln im Bereich der unteren Extremität und dem Rumpf aktiviert werden. Auf der Basis dessen soll eine adäquate Ausweichbewegung entwickelt werden, die neuromuskulär und biomechanisch die Verletzungswahrscheinlichkeit durch die spezifische Aktivierung kniestabilisierender Muskelgruppen reduzieren kann. Weiterhin werden spezifische Judotechniken durchgeführt, um die Stabilität mit Gegnerkontakt und bei Belastung zu beurteilen. Alle funktionellen Tests werden in Zeitlupe gefilmt, um den Athleten eine Visualisierung der Bewegungsabläufe zu ermöglichen. Studien konnten belegen, dass anhand visueller Betrachtung, Fehler bei erneuter Durchführung besser korrigiert werden konnten, als bei alleiniger verbaler Korrektur [10, 12] (Anmerkung der Redaktion: Zur Bedeutung von Visuellem Feedback z. B. auch bei chronischen Rückenschmerzen, siehe Artikel „Sehen &amp; Fühlen“ von Annette Löffler und Prof. Dr. Martin Diers in der sportärztezeitung 02/20, S. 106 – 109). Zudem wird im Rahmen der Leistungsdiagnostik ein sportartspezifischer (ohne Gegnerkontakt) maximaler Ausdauer-Belastungstest durchgeführt, welcher die Anforderung eines Wettkampfes simulieren soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vorteil eines Pre-Season-Screenings liegt zum einen darin, ein individuelles Risikoprofil für den einzelnen Sportler zu erstellen und zum anderen, Messwerte des Sportlers im gesunden Zustand in Bezug auf Kraft, Stabilität und Ausdauer zu dokumentieren. Eine Studie über Hop-Tests an Athleten der Deutschen Judo- und Taekwondo Nationalmannschaft zeigte, dass über 90 % der Athleten keine symmetrischen Sprungweiten beim Vergleich beider Extremitäten erreichten. Die Unkenntnis von bereits vor Verletzung bestehenden Seitenunterschieden bei Sprungtests kann im schlimmsten Fall zu einer verfrühten Rückkehr in den Wettkampf führen und so das Risiko einer Wiederverletzung erhöhen [5]. Es scheint daher ratsam, die Ergebnisse des Pre-Season-Screenings bei möglichen Verletzungen im Verlauf des Return-to-competition Prozesses zu berücksichtigen. Falls bei Athleten im Pre-Season-Screening Defizite auftreten, sollten diese durch eine „sportlerspezifische Prävention“ korrigiert werden. Die Fortschritte sollten vierteljährlich überprüft und die Prävention gegebenenfalls angepasst werden.&nbsp;</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Prävention</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Das primäre Ziel des medizinischen Teams sollte es immer sein, eine Verletzung zu vermeiden als sie behandeln zu müssen. Athleten, die gesund sind und uneingeschränkt trainieren können, haben bei Wettkämpfen größere Chancen erfolgreich zu sein. Allgemein kann die Verletzungsprävention in zwei Hauptbestandteile unterteilt werden:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Sportartspezifische Prävention – angepasst an die Bedürfnisse der jeweiligen Sportart</li><li>Sportlerspezifische Prävention – angepasst an die Bedürfnisse des einzelnen Sportlers</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die sportartspezifische Prävention lässt sich aus den Studien zu Verletzungen, den Analysen des Verletzungsmechanismus und der Erfahrung des medizinischen Teams entwickeln. Die sportlerspezifische Prävention lässt sich aus den Ergebnissen des individuellen Pre-Season-Screenings entwickeln.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Return-to-Competition</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Artikel ist der Fokus vorrangig auf das Management des Return-to-Competition Prozesses nach einer VKB-Ruptur im Judo gelegt. Auf die Behandlung der Verletzung wird hierbei nicht spezifisch eingegangen werden. Vollständigkeitshalber wird ein Überblick über die Behandlung der VKB-Ruptur im Judo gegeben. Ohne die Stabilisierung des vorderen Kreuzbandes ist das Risiko von Meniskusverletzungen und früh einsetzender Kniegelenksarthrose erhöht [8]. Die derzeit gängigste Behandlungsmethode für eine VKB-Ruptur ist die chirurgische Rekonstruktion des VKB [14] (siehe dazu Überblick Dr. Andree Ellermann auf Seite 78 in dieser Ausgabe). Es ist jedoch unklar, ob die chirurgische Therapie in der Lage ist, die Stabilität des Gelenks wiederherzustellen [7]. Den Autoren sind mehrere Fälle bekannt, bei denen Judoka trotz konservativ behandelter VKB-Ruptur Medaillen bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 gewannen. Der große Unterschied in der Ausfallzeit zwischen konser­vativer und operativer Behandlungsmethode könnte ein wichtiger Faktor im Entscheidungsprozess der Behandlung sein. Eine vordere Kreuzbandrekonstruktion sechs Monate vor den Olympischen Spielen würde gleichzeitig die Nichtteilnahme an den Olympischen Spielen bedeuten. Weitere Studien sollen die Auswirkungen konservativer Behandlung von vorderen Kreuzbandrupturen im Judo untersuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Planung des Return-to-Competition Prozesses durch den betreuenden Arzt sollte nach Erlaubnis des Athleten immer das ganze Team (Arzt, Physiotherapeuten, Trainer und Management) informiert werden. Eine gute Kommunikation ist für den Verlauf der Rehabilitation von entscheidender Bedeutung. Zudem sollte mit einer Aussage über die Dauer des Rehabilitationszeitraums sehr zurückhaltend umgegangen werden. Die Aussage „schmerzadaptierte Belastung“ sollte bei einem verletzten Sportler zurückhaltend getätigt werden, um eine verfrühte Rückkehr und Folgeverletzungen zu vermeiden. In der Literatur verdeutlichen zahlreiche Studien die Reduzierung der Wiederverletzungsrate durch Anwenden von Return-to-Competition Programmen. Einen hilfreichen allgemeinen Leitfaden bietet das „Return-to-Competition-Manual“ der VGB. Bei der Testung sollten sportartspezifische Bewegungsaspekte miteinbezogen werden. Im Judo sollte darauf geachtet werden, dass die Durchführung von Techniken anfangs auf zwei Beinen und ohne Gegenwehr durchgeführt werden. Anschließend sollte eine Steigerung mit einbeinigen Techniken erfolgen. Bevor ein Athlet eine neue Stufe des Trainingsplans durchführen darf, müssen die hierfür geplanten Return-to-Competition Test bestanden werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Studien im Fußball zeigen, dass sich die meisten Verletzungen gegen Ende der zweiten Spielzeit ereignen [11]. Daher ist zu empfehlen, dass die Sportler, bevor sie in das Full-Contact-Wettkampftraining zurückkehren, die Return-to-Competition Testbatterie einmal in ausgeruhtem Zustand und einmal direkt nach der Durchführung eines judospezifischen (ohne Gegnerkontakt) maximalem Ausdauer-Belastungstest durchführen. Zum einen kann so untersucht werden, ob die sportartspezifische Ausdauer des Sportlers im Vergleich zu den Vorwerten ausreicht, um die Belastung des Full-Contact-Wettkampftrainings auszuhalten. Zum anderen kann kontrolliert werden, ob der Sportler bei Durchführung der RTC Testbatterie weiterhin die verschiedenen Tests besteht, um auch unter Ermüdung sein Kniegelenk zu stabilisieren.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2020/08/Lambert_IB2_saez0320-1024x1021.jpg" alt="" class="wp-image-1078" width="405" height="393"/></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderer wichtiger Aspekt, welcher berücksichtigt werden sollte, ist die psychologische Verfassung des Athleten. In den letzten Monaten der Rehabilitation kann durch den RSI-ACL Scale kontrolliert werden, inwieweit der Sportler mental bereit für eine Rückkehr in den Sport ist [13]. Aus eigenen Erfahrungen der Autoren scheint es ratsam zu sein, die Befragung des RSI-ACL Scale auch noch bis ein Jahr nach Rückkehr der Athleten in den Wettkampf durchzuführen, da hierbei die psychische und physische Belastung hoch sein kann und das Risiko für eine Wiederverletzung erhöht ist (siehe Infobox 2). Alle genannten Return-to-Competition-Tests haben eine Gemeinsamkeit. Sie können nur einen protektiven Effekt auf das Wiederverletzungsrisiko eines Athleten haben, wenn sie auch angewendet werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erfahrungen der letzten Jahre und vor allem die wissenschaftlichen Studien im Fußball ­haben gezeigt, dass sportartspezifische Pre-Season-Screenings mit darauffolgender sportlerspezifischer und sportartspezifischer Prävention das Risiko für Verletzungen senken kann. Unsere Meinung nach ist es auch möglich, in kleineren Sportarten mit einem geringen finanziellen Aufwand sportartspezifische Pre-Season- und Präventions-Programme zu entwickeln. Gemeinsam mit dem DOSB wurde eine Umfrage an über 10.000 Athleten durchgeführt, um für die einzelnen olympischen Sportarten Häufigkeiten, Ausfallzeiten und Return-to-Competition Fähigkeiten nach Verletzungen darzustellen. Auf Grundlage dieser Ergebnisse ist es das Ziel, in Zusammenarbeit mit den einzelnen Medizinteams der verschiedenen Sportarten Bewegungsmechanismen der schwerwiegendsten Verletzungen zu analysieren. Daraus sollen für die verschiedene Sportarten spezifische Pre-Season-Screenings und Präventions-Programme entwickelt werden. Bei der Durchführing dieser Programme ist es von großer Bedeutung die Trainer mit einzubeziehen. Sie haben einen engen Kontakt zu den Athleten und können das Training am besten planen und überprüfen ob die Programme durchgeführt werden. Wir haben Schulungen an der Kölner Trainerakademie für Judo-Trainern im Bereich der Prävention organisiert, sodass die Präventionsprogramme in das tägliche Training eingebaut werden. Das Ziel muss sein, dass ein Athlet seine Präventionsübungen genauso selbstverständlich findet wie das Schuhezubinden beim Fußball oder das Gürtelbinden beim Judo.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="margin-bottom:-1px"><em>Literatur</em></p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="margin-bottom:-1px"><em>[1] Akoto R, Lambert C, Balke M, Bouillon B, Frosch KH, Hoher J. Epidemiology of injuries in judo: a cross-sectional survey of severe injuries based on time loss and reduction in sporting level. British journal of sports medicine. 2017.</em></p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="margin-bottom:-1px"><em>[2] Ardern CL, Taylor NF, Feller JA, Webster KE. Fifty-five per cent return to competitive sport following anterior cruciate ligament reconstruction surgery: an updated systematic review and meta-analysis including aspects of physical functioning and contextual factors. British journal of sports medicine. 2014;48(21):1543 – 1552.</em></p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="margin-bottom:-1px"><em>[3] Bizzini M, Junge A, Dvorak J. Implementation of the FIFA 11+ football warm up program: how to approach and convince the Football associations to invest in prevention. British journal of sports medicine. 2013;47(12):803 – 806.</em></p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="margin-bottom:-1px"><em>[4] Chorba RS, Chorba DJ, Bouillon LE, Overmyer CA, Landis JA. Use of a functional movement screening tool to determine injury risk in female collegiate athletes. N Am J Sports Phys Ther. 2010;5(2):47 – 54.</em></p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="margin-bottom:-1px"><em>[5] Christophe Lambert TP, Maxime Lambert, Benedikt Brozat, Daniel Lachmann, Sven Shafizadeh, Ralph Akoto. Side Differences Regarding the Limb Symmetry Index in Healthy Professional Athletes International journal of sports medicine. 2020.</em></p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="margin-bottom:-1px"><em>[6] Fauno P, Wulff Jakobsen B. Mechanism of anterior cruciate ligament injuries in soccer. International journal of sports medicine. 2006;27(1):75 – 79.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[7] Fithian DC, Paxton EW, Stone ML, et al. Prospective trial of a treatment algorithm for the management of the anterior cruciate ligament-injured knee. The American journal of sports medicine. 2005;33(3):335-346.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[8] Griffin LY, Agel J, Albohm MJ, et al. Noncontact anterior cruciate ligament injuries: risk factors and prevention strategies. J Am Acad Orthop Surg. 2000;8(3):141-150.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[9] Koshida S, Deguchi T, Miyashita K, Iwai K, Urabe Y. The common mechanisms of anterior cruciate ligament injuries in judo: a retrospective analysis. British journal of sports medicine. 2010;44(12):856-861.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[10] Köthe T. Möglichkeiten zur Unterstützung des Lernfortschrittes durch Visualisierung biomechanischer Simulationsergebnisse im Wasserspringen. Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft. 2004;11 84-96.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[11] Moafi S. The Study of causes and mechanism of the ACL injuries in the iranian professesional soccer players. Electronic Physician. 2011;Vol 3, Iss 3, Pp 345-(Volume 345).</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[12] Nashner LM, and Daniel F. Goldstein. Apparatus and method for assessment and biofeedback training of body coordination skills critical and ball-strike power and accuracy during athletic activitites. US Patent No 5,697,791. 1997.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[13] Sadeqi M, Klouche S, Bohu Y, Herman S, Lefevre N, Gerometta A. Progression of the Psychological ACL-RSI Score and Return to Sport After Anterior Cruciate Ligament Reconstruction: A Prospective 2-Year Follow-up Study From the French Prospective Anterior Cruciate Ligament Reconstruction Cohort Study (FAST). Orthop J Sports Med. 2018;6(12):2325967118812819.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[14] Utturkar GM, Irribarra LA, Taylor KA, et al. The effects of a valgus collapse knee position on in vivo ACL elongation. Annals of biomedical engineering. 2013;41(1):123-130.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[15] Walden M, Hagglund M, Magnusson H, Ekstrand J. ACL injuries in men&#8217;s professional football: a 15-year prospective study on time trends and return-to-play rates reveals only 65% of players still play at the top level 3 years after ACL rupture. British journal of sports medicine. 2016.</em></p>
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