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	<title>Carsten Hinz, Autor bei sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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		<title>Struktur oder Funktion?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carsten Hinz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Oct 2026 08:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Training]]></category>
		<category><![CDATA[03/26]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Belastungssteuerung nach Muskel- und Sehnenverletzungen orientiert sich häufig an morphologischen MRT-Befunden. Im sportmedizinischen Alltag zeigen sich jedoch immer wieder Unterschiede zwischen struktureller Läsion und funktioneller Leistungsfähigkeit. Der vorliegende Fallbericht [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die Belastungssteuerung nach Muskel- und Sehnenverletzungen orientiert sich häufig an morphologischen MRT-Befunden. Im sportmedizinischen Alltag zeigen sich jedoch immer wieder Unterschiede zwischen struktureller Läsion und funktioneller Leistungsfähigkeit. Der vorliegende Fallbericht beschreibt die Diagnostik einer ambitionierten Handballspielerin und HYROX-Athletin mit partieller Quadrizepssehnenruptur.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Durch die Kombination aus funktioneller Bewegungsanalyse, elektromyographischer Muskelfunktionsdiagnostik (EMG) und instrumentierter Laufanalyse nach der Run4You®-Methode konnte die Ursache der Überlastung identifiziert und eine funktionell gesteuerte Rehabilitation entwickelt werden.</p>
<h2><b>Wenn Bildgebung und Funktion nicht übereinstimmen</b></h2>
<p>Die Magnetresonanztomographie gilt als Referenzmethode zur Beurteilung struktureller Muskel- und Sehnenverletzungen. Aussagen über die tatsächliche Belastbarkeit eines Athleten lassen sich daraus jedoch nicht immer zuverlässig ableiten. In der Praxis zeigen sich häufig Diskrepanzen zwischen morphologischen Veränderungen und funktioneller Leistungsfähigkeit. Die zentrale sportmedizinische Fragestellung lautet daher: Soll die Belastungssteuerung primär der Bildgebung folgen oder der tatsächlichen Funktion? Der folgende Fall verdeutlicht den Stellenwert einer integrativen funktionellen Diagnostik.</p>
<h2><b>Fallbericht</b></h2>
<p>Eine ambitionierte Handballspielerin und HYROX-Athletin stellte sich aufgrund persistierender Beschwerden der rechten Quadrizepssehne vor. Vier Monate zuvor hatte sie eine komplexe Bandverletzung des linken oberen Sprunggelenks mit Bone Bruise der Meta­tarsotarsalgelenke erlitten. Die konservative Behandlung verlief komplika­tionslos, sodass nach zehn Wochen das Lauftraining wieder aufgenommen werden konnte – jedoch ohne funktionelle Diagnostik. Vier Monate später entwickelte sich ohne Trauma eine zunehmende Schmerzsymptomatik an der rechten Quadrizepssehne. Während der Belastung bestanden keine Beschwerden; erst Stunden nach dem Training verstärkten sich die Schmerzen in Ruhe. Die MRT-Diagnostik zeigte einen Längsriss der Quadrizepssehne mit zusätzlicher partieller Querruptur von etwa 10 % des Sehnenquerschnitts. Die konservative Behandlung umfasste Physiotherapie, fokussierte Stoßwellentherapie, PRP-Infiltration und Belastungsreduktion. Ein Kontroll-MRT nach sieben Wochen zeigte keine wesentliche strukturelle Veränderung. Damit bestand eine deutliche Diskrepanz zwischen morphologischem Befund und klinischer Belastbarkeit.</p>
<figure id="attachment_23058" aria-describedby="caption-attachment-23058" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-23058" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326-1024x569.jpg" alt="" width="755" height="420" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326-1024x569.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326-300x167.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326-768x426.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326-150x83.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326-450x250.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326-1200x666.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz3_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-23058" class="wp-caption-text">Darstellung und Auswertung aller wichtigen laufspezifischen Parameter</figcaption></figure>
<h2><b>Funktionelle Diagnostik</b></h2>
<p>Zur differenzierten Beurteilung erfolgte eine Untersuchung nach der Run4You®-Methode. Die funktionelle Bewegungsanalyse zeigte beidseits eine verminderte Beinachsenstabilität mit vermehrter Hüftadduktion, dynamischem Genu valgum sowie einer eingeschränkten Dorsalextension des linken oberen Sprunggelenks mit kompensatorischer Pronation. Hier stellte sich die Frage, ob Auffälligkeiten der zuvor verletzten linken Extremität zugeordnet werden konnten. Die elektromyographische Muskelfunktionsdiagnostik ergab eine physiologische neuromuskuläre Aktivierung des M. vastus medialis, M. vastus lateralis und M. rectus femoris ohne Hinweise auf eine funktionelle Hemmung. Ergänzend erfolgte eine instrumentierte Laufanalyse mittels Noraxon-Technologie, 2D-Markerless Tracking. Bei 9 km/h zeigte sich während der Standphase rechts eine Kniebeugung bis 61° mit deutlich erhöhter stoßdämpfender Funktion. Gleichzeitig dokumentierte die dynamische EMG-Messung des M. rectus femoris eine unauffällige neuromuskuläre Koordination mit geringfügig höherer Aktivität als links. Im Gesamtkontext wurde deutlich, dass die eingeschränkte Dorsalextension des linken oberen Sprunggelenks zu einer asymmetrischen Belastungsverteilung führte. Die rechte Extremität kompensierte dies durch eine verstärkte Kniebeugung und erhöhte exzentrische Beanspruchung der Quadrizepssehne. Die Ursache der Sehnenverletzung lag somit nicht in einer neuro­muskulären Insuffizienz, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer veränderten Bewegungsstrategie innerhalb der gesamten kinetischen Kette.</p>
<p><img decoding="async" class="size-large wp-image-23059" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326-1024x879.jpg" alt="" width="755" height="648" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326-1024x879.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326-300x257.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326-768x659.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326-150x129.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326-450x386.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326-1200x1030.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz4_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /></p>
<p>EMG-Auswertung der Quadriceps-Aktivität im li-re-Vergleich</p>
<figure id="attachment_23060" aria-describedby="caption-attachment-23060" style="width: 755px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-23060" src="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326-1024x613.jpg" alt="" width="755" height="452" srcset="https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326-1024x613.jpg 1024w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326-300x180.jpg 300w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326-768x460.jpg 768w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326-150x90.jpg 150w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326-450x269.jpg 450w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326-1200x718.jpg 1200w, https://sportaerztezeitung.com/wp-content/uploads/2026/09/Hinz5_saez0326.jpg 1500w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><figcaption id="caption-attachment-23060" class="wp-caption-text">Biofeedbacktraining per Elektromyographie</figcaption></figure>
<h2><b>Therapie</b></h2>
<p>In Abstimmung mit den behandelnden Ärzten wurde die Belastungssteuerung nicht ausschließlich am MRT-Befund, sondern an der funktionellen Leistungsfähigkeit orientiert. Therapeutischer Schwerpunkt war die Wiederherstellung der Dorsalextension des linken oberen Sprunggelenks sowie die Optimierung der Kraftübertragung innerhalb der gesamten Beinachse. Parallel erfolgte ein funktionelles Lauftechniktraining mit dem Ziel, die Kniebeugung während der Standphase von 61° auf etwa 40° zu reduzieren und dadurch die exzentrische Belastung der Quadrizepssehne zu verringern.</p>
<p>Die Therapie umfasste:</p>
<ul>
<li>Manuelle Therapie des linken oberen Sprunggelenks (OSG), der Lendenwirbelsäule (LWS) und des Iliosakralgelenks (ISG)</li>
<li>Wiederherstellung der Dorsalextension des linken OSG</li>
<li>Aktivierung der posterioren Muskelkette</li>
<li>Laufspezifisches Training der gesamten Belastungskette</li>
<li>Lauftechniktraining auf dem Anti-Schwerkraft-Laufband mit schrittweiser Steigerung<br />
bis zur Vollbelastung</li>
<li>Funktionelle laufspezifische Übungen</li>
<li>EMG-gestützte Kontrolle der neuromuskulären Aktivierung (Biofeedback)</li>
<li>Schmerzadaptierte Belastungssteigerung</li>
<li>Return to Sport mit schrittweiser Rückkehr zum Lauftraining sowie zum Handball- und HYROX-Training ohne relevante Beschwerden</li>
</ul>
<h2><b>Diskussion &amp; Fazit</b></h2>
<p>Der Fall verdeutlicht, dass strukturelle MRT-Befunde allein keine ausreichende Grundlage für die Belastungssteuerung darstellen. Trotz unverändertem MRT zeigte die Athletin eine physiologische neuromuskuläre Aktivierung und eine hohe funktionelle Belastbarkeit. Erst die Kombination aus klinischer Untersuchung, funktioneller Bewegungsanalyse, EMG und instrumentierter Laufanalyse ermöglichte die Identifikation der eigentlichen Ursache der Überlastung. Entscheidend ist die integrative Bewertung klinischer, funktioneller und neuromuskulärer Parameter. Besonders bemerkenswert war der biomechanische Zusammenhang zwischen der vorausgegangenen Sprunggelenksverletzung links und der späteren Quadrizepssehnenverletzung rechts. Die eingeschränkte Dorsalextension führte zu einer kompensatorischen Veränderung der Laufmechanik mit verstärkter Kniebeugung und erhöhter exzentrischer Belastung der rechten Quadrizepssehne.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der Fall zeigt exemplarisch, dass strukturelle Heilung und funktionelle Belastbarkeit unterschiedliche Prozesse darstellen können. Return-to-Sport-Entschei­dungen sollten daher nicht ausschließlich anhand morphologischer MRT-Befunde getroffen werden, sondern stets unter Einbeziehung klinischer, funktioneller und neuromuskulärer Parameter. Die Run4You®-Methode verfolgt einen integrativen diagnostischen Ansatz. Ziel ist die strukturierte Zusammenführung aller erhobenen Befunde, um Ursachen von Überlastungen zu identifizieren sowie Belastbarkeit, Rehabilitation und Return to Sport individuell zu steuern. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten, Physiotherapeuten und Sportwissenschaftlern ist hierfür Voraussetzung.</p>
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