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	<title>Markus Bauer, Autor bei sportärztezeitung</title>
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	<description>Sportmedizin für Ärzte, Therapeuten &#38; Trainer</description>
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	<title>Markus Bauer, Autor bei sportärztezeitung</title>
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	<item>
		<title>Multimodale Regenerationsmaßnahmen</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/psychologie/5570/multimodale-regenerationsmassnahmen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Feb 2021 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[02/19]]></category>
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					<description><![CDATA[„Jede Fachperson, die Menschen berät, therapiert oder erforscht, ohne den Körper mit einzubeziehen, sollte eine Erklärung für dieses Manko abgeben müssen“ (Gerald Hüther). Im Januar 2014 stürzte die Skispringerin Svenja [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Jede Fachperson, die Menschen berät, therapiert oder erforscht, ohne den Körper mit einzubeziehen, sollte eine Erklärung für dieses Manko abgeben müssen“ (Gerald Hüther). Im Januar 2014 stürzte die Skispringerin Svenja Würth schwer. Sie erlitt dabei eine instabile Trümmerfraktur des HWK6, die osteosynthetisch versorgt wurde. Eine Querschnittslähmung konnte damit verhindert werden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Reha-Maßnahmen nahm sie den Sport wieder auf und konnte trotz intensiven und harten physischen Training ihr volles Leistungspotenzial nicht wieder entfalten. Im Frühjahr 2016 stellte sie sich in meiner Praxis vor. Im Anamnesegespräch schilderte sie ihre Schwierigkeiten wie folgt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nach dem schweren Sturz 2014 konnte ich durch hartes Training zwar physisch bald wieder an meine Bestleistungen anknüpfen, doch auf der Schanze war ich immer mit angezogener Handbremse unterwegs. Ich habe mir eine Sprungtechnik angewöhnt, mit der ich zwar gut und sicher die Schanzen hinunterkam, aber ich habe es nicht mehr geschafft, in den Grenzbereich zu kommen, in dem sich die Weltspitze befand. Es fühlte sich einfach alles gehemmt und extrem schwer an.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Thematik „Sturz“ imponierten körperlich die hochgezogenen Schultern, die verstärkte Flexion des Kopfes, eine verstärkte Anspannung der Muskulatur, insbesondere der Halsmuskulatur, eine forcierte Atmung und eine Reduktion der Mimik. Ein erhöhter innerer Stress mit Angst und innerer Starre wurde beschrieben. </p>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Polyvagaltheorie</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mir ist der Schreck in die Glieder gefahren“, „mir sitzt die Angst im Nacken“, „mir schnürt es die Kehle zu“, dies sind alltagssprachliche Redewendungen, die die bidirektionale Kommunikation zwischen Körper und Psyche beschreiben. Versucht man diese körperlichen Veränderungen als Reaktion auf Stress intellektuell zu unterbinden, ist man oft relativ erfolglos. Grund dafür ist, dass diese Stressreaktionen von einem Nervensystem ausgelöst werden, das relativ autonom arbeitet. „Jede“ dysfunktionale Veränderung (Soll-Ist-Differenz), sei es physisch als auch psychisch führt zu einer Aktivierung des autonomen Nervensystems, die einhergeht mit vielfältigen nervalen, hormonellen, immunologischen Prozessen, um eine Homöostase wieder herzustellen. Das autonome Nervensystem wird anatomisch und physiologisch gegliedert in Sympathikus und Parasympathikus, deren Aktivität und Interaktionen über ein reliables und valides Messverfahren, die Herzfrequenzvaribilitätsmessung (HRV) ermittelt werden kann [1,2]. Die „Polyvagal-Theorie“ von Stephen Porges 1994 beschreibt eine Erweiterung des klassischen sympathovagalen Balance Systems [3]. Es stellt die neurobiologische Verbindung zwischen Körper und Gehirn dar und bietet ein integratives hierarchisches Erklärungsmodell für eine Fülle von Phänomenen im Bereich der Regulation von Affekten und psycho-physiologischen /physiologisch-­psychischen Reaktionen [4,5,6].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Der Körper ist die Bühne der Gefühle“ (Damasio 1994)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade die Trauma-Stressforschung interessiert sich für die Polyvagaltheorie, da dies ein Erklärungsmodell liefert für viele physischen /psychischen Reaktionen und klinischen Symptomatiken. Porges unterscheidet zwei getrennte vagale Regulationssysteme, die klar unterscheidbaren anatomischen Strukturen zugeordnet werden können [4,5,6]. Der N.vagus ist der X. Hirnnerv mit somatosensiblen, sensorischen, viszerosensiblen und viszeromotorischen Fasern von denen 80 % afferent und 20 % efferent sind. Der dorsale Vagus entstammt dem dorsalen Motornucleus und ist in Sicherheit mit der Regulation des intestinalen Tonus und der Verdauungsfunktion assoziiert [7]. Der subdiaphragmal dorsale Vagus stellt dabei das evolutionsmäßig älteste System dar und besteht aus unmyelinisierten Nervenfasern. Im Rahmen der Stressregulation vermittelt es die Dissoziations-Immobilisations-Reaktion(Freeze-Shutdown-Reaktionen) physisch und psychisch. Der ventrale Vagus, dessen Kerne sich im Nucleus ambiguus des Hirnstammes befinden sind mit der Regulation der Herzaktivität und der Bronchien verknüpft [7]. Porges nennt den myelinisierten, supradiaphragmalen ventralen Vagus aufgrund seiner Verbindung mit den Hirnnerven V, VII, IX, X und XI das „Social Engagement System (SES)“ [8].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Funktionen dieser Hirnnerven haben eine wichtige Bedeutung im sozialen Verhalten, in der Kommunikation, Regulation von Aufmerksamkeit, Emotionen, Regeneration, Gelassenheit und Adaptation:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>N. accessorius (XI): Kopf nicken, Kopf wenden </li>
<li>N. vagus (X): Feinregulation des Herzens und der Bronchien, Kontrolle der inneren Erregung</li>
<li>N. glossopharyngeus (IX): schlucken, saugen, Stimmmodulation</li>
<li>N. facialis (VII): Mimik, Gehör</li>
<li>N. trigeminus (V): Sensibilität Gesicht, Berührung, Gehör</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><br />Der Sympathikus vermittelt die Mobilisation, Energiebereitstellung, Leistungssteigerung, also die Orientierungs-Alarm- und die Kampf-Flucht-­Reaktion mit all ihren Erscheinungsformen. Über ein System neuronaler Schaltkreise erfolgt eine unbewusste Wahrnehmung, die die „Gefahrenlage“ abschätzt und daraufhin eine sympathische / vagale Reaktion erfolgt. Dies wird nach Porges 2010 „Neurozeption“ genannt [19]. Mit dem Modell des „dreieinigen Gehirns“ von MacLean kann vereinfacht und anschaulich die hierarchische Organisation der Polyvagaltheorie beschrieben werden (Abb. 1) [9]. </p>



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<figcaption>Abb. 1</figcaption>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Unter „Stress“, sei es physisch als auch psychisch, ist unser Arousal erhöht und führt zu körperlichen als auch zu emotionalen und kognitiven Veränderungen. Je nach individuellem „Arousallevel“ werden die evolutionären hierarchischen Systeme aktiviert um mit der Bedrohung / Herausforderung umzugehen. Die sensomotorischen Informationen (visuell, kinästhetisch, auditiv) werden im Thalamus auf zwei Wegen weitergeleitet. Einerseits zur Amygdala (Wachsoldat), welche sehr schnell über den Hirnstamm und den Hypothalamus die Stresshormonproduktion und das autonome Nervensystem aktiviert, als auch langsamer zum medialen Präfrontralcortex (Supervisor) [10]. Joseph LeDoux nennt den Pfad zur Amygdala den „low road, quick and dirty“. Der Weg zum medialen Präfrontralcortex über den Hippocampus (biographische Erfahrungen) bis zum anterioren Gyrus cinguli wird von ihm als den „high road, slow but accurate“ beschrieben [11].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Starke emotionale Zustände wie Wut, Angst, Schmerz u. w. hemmen die regulierende Aktivität des orbitofrontalen Kortex auf das limbische System (Amygdala), was zu einer Dysregulation des autonomen Nervensystems führt [12,20]. Ziel einer Behandlung ist es, den Wachsoldat (Amygdala) zu beruhigen, um den Supervisor (Präfrontalcortex) zu aktivieren. Eine optimale Balance zwischen dem mediale Präfrontalcortex (hoher Parasympathikustonus) und der Amygdala (niedriger Sympathikotonus) stellen eine effektive Stressverarbeitung dar [10]. Die Stressreaktionen sind evolutionär und ein hochkomplexes ausgereiftes System, welches grundlegend auf „Überleben“ angelegt ist. Während einer Stressreaktion kommt es zu einem verstärkten Arousal mit einer Aktivierung des Sympathikus und einer gleichzeitigen Downregulation des Parasympathikus. Unter maximaler Stressbelastung wird sowohl der Sympathikus als auch der Parasympathikus aktiviert, aber mit teilweiser parasympathischer Dominanz (bei Lebensbedrohung) mit all den somatischen und psychischen Folgen. Ein verstärktes Arousal im Gehirn lässt Veränderungen, sei es emotional und kognitiv kaum zu, so dass sprachbasierte Therapien nur mäßig hilfreich sind. Primäres Ziel eines multimodalen, bifokalen Interventionskonzeptes ist einerseits eine Downregulation insbesondere des Sympathikotonus /dorsaler Vagus und andererseits eine Erhöhung bzw. Normalisierung des Parasympathikustonus. Dadurch wird das SES aktiviert mit all seinen positiven Ressourcen (Salutogenese). Eine gezielte manuelle /osteopathische Behandlung des SES-Systems erfolgt dann im Verlauf der Strukturen und Funktionen der Hirnnerven V,VII,IX,X,XI., um eine weitere Stabilisierung zu erzielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ansprechbarkeit auf therapeutische Top-Down Interventionen ist nach Regulation des autonomen Nervensystems spürbar erhöht. Gerade im Sportbereich (Hochleistungssport) hat der Klient / Patient oft einen sehr guten Zugang zu seinem Körpersystem. Diese sehr große Ressource kann man über die Bottom-Up-Techniken utilisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasuistik bei der Skispringerin, sechs Behandlungen bis Weltcupstart:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Herstellung einer guten therapeutischen Beziehung, Stabilisierung</li>
<li>Psychoedukation</li>
<li>Ohrakupunktur nach dem NADA-Protokoll</li>
<li>Herzfrequenzvaribilitätsmessung (HRV) vor und nach Behandlung </li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Manuelle / Osteopathische Techniken zur Reduktion somatischer Dysbalancen / Dysfunktionen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>M.iliopsoas, M.masseter, M.trapezius, M.sternocleidomastoideus, Mimische Muskulatur</li>
<li>1 Rippe bds., Diaphragmen, CV-4 Technik, Atlanto-Okzipitalgelenk, Rib-Raising thorakal in Kombination mit geführter Atmung</li>
<li>Hypnotherapeutisch Installation eines inneren sichern Ortes </li>
<li>EMDR-Behandlung unter „suboccipital Release“-Technik</li>
<li>Hypnotherapeutische Ressourcenaktivierung und Visualisierung (Sprung) mit Verankerung </li>
<li>In vivo Exposition: Trainingssprünge am Unfallort</li>
<li>Einstieg in die Weltcupsaison</li>
</ul>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erfolg</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Weltmeisterschaft in Lahti gewann Svenja Würth mit Ihren Teamkollegen die Goldmedaille im Mixed-Team-Springen und im Einzelspringen wurde Sie sechste. In der Weltcup-Saison 2016 /17 war Sie permanent in den Top-Ten, erste Podestplatzierung am 12.02.17 in Ljubno.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Traumatherapie wird die Polyvagaltheorie immer mehr mit großem Erfolg integriert und es entwickeln sich daraus adäquate bidirektionale Therapieformen. Je nach Arousal des Klienten / Patienten kann der Therapeut aus seinem Portfolio die Interventions-Regenerationsmaßnahme anwenden, um dem jeweiligen Modus sowohl auf der somatischen und psychischen Ebene, also der Salutogenese gerecht zu werden. Die prozessorientierte und teils synchrone multimodale Anwendung von Bottom-Up und Top-Down Techniken je nach „Arousallevel“ stellten in dem Fall einen effizienten Weg dar und trugen zu einer Verbesserung der Gesamtsymptomatik und des Regenerationszustandes (Überprüfbarkeit über HRV-Messung) bei. Eine gezielte individuelle Integration somatischer und psychischer Behandlungselemente in das Gesamtkonzept der Therapie stellt die Behandlung der Körper-Geist Einheit dar. Die empirische Überprüfung der Polyvagaltheorie ist bisher nur ansatzweise erfolgt und es wird noch studien- und forschungsrelevant sein, um vielfältige Therapiekonzepte für unterschiedliche Fragestellungen zu entwickeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Literatur</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[1] Sammito S1,2, Thielmann B1, Seibt R3, Klussmann A4, Weippert M5, Böckelmann I1 ;002/042–S2k Leitlinie: Nutzung der Herzschlagfrequenz und der Herzfrequenzvariabilität in der Arbeitsmedizin und Arbeitswissenschaft aktuellerStand:06/2014</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[2] Porges SW. Vagal tone: a physiologic marker of stress vulnerability. Pediatrics. 1992;90:498–504.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[3] Pagani M1, Mazzuero G, Ferrari A, Liberati D, Cerutti S, Vaitl D, Tavazzi L, Malliani A., Sympathovagal interaction during mental stress. A study using spectral analysis of heart rate variability in healthy control subjects and patients with a prior myocardial infarction. 1991 Apr;83(4 Suppl):II43–51.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[4] Porges SW. The polyvagal perspective. Biological Psychology 2007; 74 ; 116–143</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[5] Porges SW. The polyvagal theory: New insights into adaptive reactions of the autonomic nervous system; Cleve Clin J Med. 2009 Apr; 76(Suppl 2): S86–S90</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>[6] Stephen W.Porges , Die Polyvagaltheroie und die Suche nach Sicherheit </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em> <span class="fontstyle0">[7] Martin Sack , Der Einfluss akuter dissoziativer Symptome auf die autonomvegetative Regulation 2005<br />[8] Porges SW1, Doussard-Roosevelt JA, Maiti AK., Vagal tone and the physiological<br />regulation of emotion. Monogr Soc Res Child Dev. 1994;59(2-3):167-86.<br />[9]Paul D. MacLean </span><span class="fontstyle2">The Triune Brain in Evolution: Role in Paleocerebral Functions</span><span class="fontstyle0">,<br />Springer Science &amp; Business Media 1990, 672 S<br />[10] Bessel van der Kolk “The Body keeps the score”. Brain,Mind and the body in<br />Healing Trauma<br />[11] Joseph LeDoux ; Das Netz der Gefühle, Wie Emotionen entstehen dtv<br />[12] Thayer JF1, Lane RD, A model of neurovisceral integration in emotion regulation<br />and dysregulation. J Affect Disord. 2000 Dec;61(3):201-16.<br />[13] Francine Shapiro, EMDR- Grundlagen und Praxis, Jungferman (1999, Neue<br />deutsche Auflage 2012)</span><br /><span class="fontstyle0">[14] Hans P.Ogal, Bernard C. Koster, Ohrakupunktur für Praktiker Grundlagen-PraxisIndikationen, Hippokrates Verlag 2003<br />[15] R.Raben, Phasen der Stressbewältigung Traumaverarbeitung und Akupunktur,<br />Dt. Ztschr. f. Akupunktur 54, 4/2011<br />[16] Jean-Pierre Barral, Alain Croibier, Manipulation kranialer Nerven<br />Urban &amp; Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 01.01.2008, Gebundene Ausgabe<br />[17] Liem Torsten, Dobler TobiasKk, Checkliste Kraniosakrale Osteopathie, HaugVerlag, 3.Auflage<br />[18] Liem Torsten, Kraniosakrale Osteopathie, Ein praktisches Lehrbuch, Thieme<br />Verlag, 2.Auflage<br />[19] Porges SW. Neuroception: a subconscious system for detecting threat and safety.<br />Zero to Three: Bulletin of the National Center for Clinical Infant Programs.<br />2004;24(5):19–24.<br />[20] Loewy, A D and Spyer, K M (1990). </span><span class="fontstyle2">Central Regulation of Autonomic Function.<br /></span><span class="fontstyle0">New York: Oxford University Press.<br />[21] Porges, SW, Torsten Liem, Die Polyvagaltheorie in der Osteopathie</span> <br /></em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Verhaltensänderungen</title>
		<link>https://sportaerztezeitung.com/rubriken/psychologie/2216/etablieren-von-verhaltensaenderungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Nov 2020 13:33:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[02/20]]></category>
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					<description><![CDATA[In der täglichen Arbeit mit Leistungsträgern aus Sport und Berufsalltag (auch Ärztenund Therapeuten) fällt auf, dass permanente Ressourcenausbeutung über kurz oderlang zu einem Zusammenbruch der physischen und mentalen Leistungsfähigkeit führt. [...]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In der täglichen Arbeit mit Leistungsträgern aus Sport und Berufsalltag (auch Ärzten<br>und Therapeuten) fällt auf, dass permanente Ressourcenausbeutung über kurz oder<br>lang zu einem Zusammenbruch der physischen und mentalen Leistungsfähigkeit führt. Erfahrungen aus der psychosomatischen Praxis zeigen, dass insbesondere diejenigen, die zu Hochleistungen fähig sind, häufig maximalen Leistungsdruck in alle Lebensbereiche hineintragen.&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich klagen sie über vielfältige körperliche und psychische Beschwerden, die Anlass zur Besorgnis geben. Sie erkennen dabei häufig nicht, dass es ihre eigene innere Haltung und die daraus resultierenden Verhaltensweisen sind, die es nahezu unmöglich machen, langfristig Leistungen auf anspruchsvollem Niveau zu erbringen bzw. die bereits erreichten Leistungen oder Erfolge noch zu steigern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Selbstüberforderung &amp; psychische Regeneration</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Übermaß an selbsterzeugten Druck auf allen Ebenen führt zu einer permanenten gesundheitsbeeinträchtigenden Selbstüberforderung bei Patienten mit einem starken Leistungswillen. Darauf angesprochen reagieren viele Patienten sehr ähnlich. Alle stimmen zu, dass Hochleistung ohne sinnvolle, geplante und auf die spezifische Situation abgestimmte Regeneration über einen längeren Zeitraum unmöglich ist. Auf einer oberen Verstandesebene zeigen sie also Einsicht und Verständnis. Aber die Situation ist paradox. Hochleister aus dem Management orientieren sich am Leistungssport, wo effiziente Regeneration fester Bestandteil des Trainingsplans ist und dennoch haben Beobachtungen ergeben, dass sie Regeneration nicht wirklich oder nur teilweise in ihr Handeln integrieren (können). Die Notwendigkeit zu einer körperlichen Regeneration wird vielleicht noch akzeptiert und auch eingeplant und umgesetzt. Die Einsicht aber, dass es ebenso einer regelmäßigen psychischen Regeneration bedarf, erfolgt nicht oder wird verdrängt. Wenn die Topperformer aus dem Management als Patienten in der Praxis vorstellig werden, haben sie oft über Jahre Leistungen erbracht, ohne auf ihre Regeneration zu achten. Über diesen langen Zeitraum geraten sie – zunächst unmerklich – in eine chronische Stresssituation. Dann aber führen Störungen der Homöostase zu einer Dysregulation vieler physischer Prozesse. Die Folge sind erhöhte Infekt- bzw. Verletzungsanfälligkeit, schlechte Heilungstendenzen bei Verletzungen, Schlaf-Erholungsdefizite, Ausfall von repara­tiven Phasen oder Prozessen etc. und über die Jahre dann spürbare gesundheitliche Symptome. Es kommt zu physischen und mentalen Überlastungssituationen, die häufig mit Medikamenten oder mit Alkohol und zunehmendem Leistungsverlust einhergehen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage lautet, wieso verhält sich der Patient trotz richtiger Einsichten so kontraproduktiv und schädigt sich? Es sind&nbsp;spezifische innere Haltungen, die tiefer verankert sind als jede Einsicht. Eine frühe Selbstprogrammierung, die Schonung, Pausen und Selbstwahrnehmung als „nice to have“ abtut, aber auf einer tieferen mentalen Ebene nicht wirklich akzeptiert wird. Hochleistungsorientierte Menschen haben sich im Laufe ihres Lebens innere Haltungen und Einstellungen angeeignet, die sie kurzfristig sehr erfolgreich machen, aber mittel- bis langfristig die eigenen Ressourcen aufzehren. Permanente Leistung auf hohem Niveau dient häufig als eine mentale Existenzberechtigung im Sinne eines: “Nur wenn ich etwas leiste, lebe ich”. Umgekehrt spüren sich diese Leistungsträger häufig nicht, wenn sie sich am Limit ihrer Leistungsfähigkeit verausgaben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Therapie</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur ein ganzheitlicher Ansatz kann die innere Haltung der Betroffenen verändern. In einem ersten Schritt geht es darum, im psychotherapeutischen Gespräch den Stress aus weit zurückliegenden Erlebnissen (Life-Events) oder Überzeugungen und Programmierungen so zu reduzieren, dass bei den Patienten eine tiefgreifende Reflexion einsetzen kann und sie die Freiheit zum Handeln zurückgewinnen. Es geht um eine Benennung und Modifikation der eigenen inneren Grundhaltungen mit gegebenenfalls dem Identifizieren von Schlüsselmomenten bzw. emotionalen Ereignissen, die assoziiert sind mit den Themen Leistung/Regeneration. Ziel ist es, eine innere Erlaubnis- und Erlebniskultur zu etablieren, die wohltuende Pausen, körperliche und mentale Regenerationsmaßnahmen und Schlaf als wichtige Grundvoraussetzung für das Erbringen von Leistung wirklich akzeptiert und begrüßt. Ergänzt und begleitet wird diese psychotherapeutische Intervention durch eine manuelle/osteopathische Therapie zur Unterstützung der Stressdezimierung, zur Downregulation und zur verbesserten Kommunikation der Körper-Geist Einheit.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem zweiten Schritt geht es um die Integration der modifizierten inneren Haltung in den Alltag. Hier setzt das neue integrative Konzept auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit einem Coach. Nach der medizinisch-psychologischen Behandlung erhalten die Patienten einen individuell abgestimmten 6-Wochen Plan, der eine genaue Anleitung für Ernährung, Bewegung, Schlaf, unterstützt durch das Therapiemittel frequenzmodulierte Musik (hier Schallpause), Verhalten und integrierte Regeneration sowie moderate submaximale sportliche Betätigung bestehend aus den Modulen Kraft, Stabilität, Ausdauer und Faszientraining (Massage, Selbstmassage mit Schaumrolle bzw. Blackroll) und Anleitungen zur Achtsamkeit und Selbstfürsorge enthält. Der Coach steht im engen Kontakt mit dem Coachee und koordiniert die verschiedenen Therapiemaßnahmen. Er steht dem Betroffenen zur Reflektion gemachter Erfahrungen zur Seite und trainiert mit ihm gewissermaßen die Umsetzung der neu gewonnenen inneren Haltungen. Neue Verhaltensmuster zu etablieren ist ein herausfordernder Prozess, der Bewusstsein, Aufmerksamkeit und Geduld fordert. Rückschläge sind nicht selten. Hier ist der Coach der Begleiter des Coachees auf dem Weg zurück in einen gesunden und erfolgreichen Alltag. Im Verlauf eines 6-wöchigen Aufbauprogramms zur Wiedererlangung der Motivation und Leistungskraft treten Coach und Patient ein- bis dreimal wöchentlich in Kontakt, um die Umsetzung des Therapieplans zu besprechen, eventuelle Rückschläge zu meistern und den Plan entsprechend der einsetzenden Erfolge anzupassen. Nach einer Zwischenuntersuchung folgt eine Integrations- und Leistungsphase zur weiteren Stabilisierung. Jetzt werden die erlernten Veränderungen zur Normalität. Auch hier steht der Coach den Patienten zur Seite, um mögliche Rückfälle in frühere Verhaltensmuster sofort zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Am Ende dieser Phase bestätigt eine Abschlussuntersuchung die gesundheitliche Wirksamkeit der Integration von Regeneration in das Alltagsleben.&nbsp;Wichtig ist, dass alle diese Phase in vivo erfolgen, also im normalen, aber modifizierten (Trainings-) Alltag.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein integrativer und interdisziplinärer Ansatz therapiert Highperformer, die aufgrund von Selbstüberforderung kurz vor dem Burnout stehen in zwei Schritten. In einer ersten Phase werden körperliche und seelische Blockaden identifiziert und aufgelöst und in einer zweiten Phase werden neue Verhaltensmuster begleitet durch einen Coach gelernt, geübt und schließlich implementiert. Dieser Ansatz trägt der Tatsache Rechnung, dass sich neues Verhalten am besten im dialogischen Prozess mit begleitender Bewusstmachung etablieren lässt. So werden innere Hemmnisse abgebaut, Frustrationen und Rückschläge abgefedert und so lässt sich effektive Regeneration in den Alltag integrieren. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Mediziner und Coach sichert dem Patienten einen begleiteten und reflektierten und deswegen nachhaltigen Gesundungsprozess.&nbsp;Da Regeneration im Sport verinnerlicht sein sollte, dies aber teilweise&nbsp;nur halbherzig oder fehlerhaft befolgt wird, kann es sehr sinnvoll sein, das Tandem aus Mediziner und Coach auch im Hochleistungssport einzusetzen. Denn hier geht es darum, zunächst tief verankerte Blockaden aufzuspüren und aufzulösen und dann eine anhaltende Verhaltensänderung mit Hilfe eines begleitenden Coaches zu trainieren und zu implementieren.&nbsp;</p>
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